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Zeitzeugenbefragung im Geschichtsunterricht

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  • 1. Empirische Bildungsforschung u. Pädagogische Psychologie Foto: Marc GersinZeitzeugenbefragungen imGeschichtsunterrichtChristiane Bertram, Ulrich Trautwein,Wolfgang Wagner14.02.2013 – Tagung „Opfer, Täter, Jedermann? DDR-Zeitzeugen imSpannungsfeld von Aufarbeitung, Historisierung und Geschichtsvermittlung“
  • 2. Gliederung des Vortrags1. Zeitzeugenbefragung in der Schule2. Theoretisches Modell und Fragestellung der Studie3. Hypothesen4. Design der Studie5. Vorläufige Ergebnisse2 | Christiane Bertram, Tagung „Opfer, Täter, Jedermann?“, Potsdam 14.02.2013 © 2013 Universität Tübingen
  • 3. Gliederung des Vortrags1. Zeitzeugenbefragung in der Schule2. Theoretisches Modell und Fragestellung der Studie3. Hypothesen4. Design der Studie5. Vorläufige Ergebnisse3 | Christiane Bertram, Tagung „Opfer, Täter, Jedermann?“, Potsdam 14.02.2013 © 2013 Universität Tübingen
  • 4. Chancen und Risiken von Zeitzeugenbefragungen „Personen und „Zeitzeugen sind Ereignisse, Quellen störrisch und recht- und Zeitzeugen […] haberisch […]. Damit gewinnen [in der werden sie […] auch Klasse 9] eine beson- zu Feinden, nicht nur dere Bedeutung, weil der Historiker, son- so historische Wirk- dern auch gegenüber lichkeit konkret erfahr- konkurrierenden bar wird.“ Zeitzeugen“. (Bildungsplan (Dorothee Gymnasium, Baden- Wierling, 2004, S. Württemberg, 2004, 117) S. 219)4 | Christiane Bertram, Tagung „Opfer, Täter, Jedermann?“, Potsdam 14.02.2013 © 2013 Universität Tübingen
  • 5. Stolpersteine der Zeitzeugenbefragung Erinnerung und Sinnbildung: Verdrängen als Leistung des Gedächtnisses Authentizität: Schüler glauben Zeitzeugen mehr als Schulbuchdarstellungen oder Historikeraussagen Perspektivität des Zeitzeugen: unterschiedliche Erlebnisse derselben Ereignisse Erkenntnismöglichkeiten: kaum Auskunft über Hintergründe der „großen“ Politik Perspektivität des Interviewers: Fragen steuern das Gespräch: nicht alles kommt zur Sprache5 | Christiane Bertram, Tagung „Opfer, Täter, Jedermann?“, Potsdam 14.02.2013 © 2013 Universität Tübingen
  • 6. Potenziale der Zeitzeugenbefragung Erinnerung und Sinnbildung: „Geschichte“ entsteht in einem Re-Konstruktionsprozess Authentizität: „Geschichte“ wird fassbar in einer Person Perspektivität des Zeitzeugen: Multiperspektivität von Geschichte Erkenntnismöglichkeiten: Alltags- und Mentalitätsgeschichte der „kleinen Leute“ Perspektivität des Interviewers: Perspektive des Historikers in der fertigen „Geschichte“6 | Christiane Bertram, Tagung „Opfer, Täter, Jedermann?“, Potsdam 14.02.2013 © 2013 Universität Tübingen
  • 7. Chancen und Risiken des Themas und der Methode1) „Zeitzeuge als (natürlicher) Feind des Historikers.“2) „Die Geschichte qualmt noch.“ (Erich Loest 2009)3) „Der Historiker als Detektiv“ (Alexander von Plato 2003).7 | Christiane Bertram, Tagung „Opfer, Täter, Jedermann?“, Potsdam 14.02.2013 © 2013 Universität Tübingen
  • 8. Gliederung des Vortrags1. Zeitzeugenbefragung in der Schule2. Theoretisches Modell und Fragestellung der Studie3. Hypothesen4. Design der Studie5. Vorläufige Ergebnisse8 | Christiane Bertram, Tagung „Opfer, Täter, Jedermann?“, Potsdam 14.02.2013 © 2013 Universität Tübingen
  • 9. Zeitzeugen und historische Kompetenzen Erlebnisse des Zeitzeugen: Quelle für Vergangenes  Re-Konstruktion nötig Erzählung in der Gegenwart: Darstellung/Narration  De-Konstruktion nötigThese:Wegen der Ambiguität des Zeitzeugen als Quelle und Darstellung fördern Zeitzeugenbefragungen im besonderen Maße historische Kompetenzen wie auch die Grundprinzipien des historischen Denkens (z.B. Multi- Perspektivität, Selektivität, Partialität).9 | Christiane Bertram, Tagung „Opfer, Täter, Jedermann?“, Potsdam 14.02.2013 © 2013 Universität Tübingen
  • 10. Historisches Kompetenz-Strukturmodell (FUER)10 | Christiane Bertram, Tagung „Opfer, Täter, Jedermann?“, Potsdam 14.02.2013 © 2013 Universität Tübingen
  • 11. Historische Methodenkompetenzen1. Re-Konstruktionskompetenz: aus den Quellen (=Vergangenheitspartikel) wird unter Berücksichtigung der Quellenkritik und des Quellen- vergleichs eine historische Narration (=Darstellung) erstellt2. De-Konstruktionskompetenz: kritische Überprüfung fertiger Narrationen im Hinblick auf ihre Tiefenstruktur (Vergangenheitspartikel – Argumentationsstruktur – Botschaft)11 | Christiane Bertram, Tagung „Opfer, Täter, Jedermann?“, Potsdam 14.02.2013 © 2013 Universität Tübingen
  • 12. Theoretisches Modell und Forschungsfragen Zeitzeuge Erlebnisse als Quelle Erinnerungen als Darstellung Re-Konstruktionskompetenz De-Konstruktionskompetenz Forschungsfragen: Effekte der Zeitzeugen-Befragung im Hinblick auf:  Interesse (Geschichte, Thema, Geschichtsunterricht?  Fachwissen zum Thema?  Re-Konstruktionskompetenz?  De-Konstruktionskompetenz?12 | Christiane Bertram, Tagung „Opfer, Täter, Jedermann?“, Potsdam 14.02.2013 © 2013 Universität Tübingen
  • 13. Gliederung des Vortrags1. Zeitzeugenbefragung in der Schule2. Theoretisches Modell und Fragestellung der Studie3. Hypothesen4. Design der Studie5. Vorläufige Ergebnisse13 | Christiane Bertram, Tagung „Opfer, Täter, Jedermann?“, Potsdam 14.02.2013 © 2013 Universität Tübingen
  • 14. Zielsetzung der Interventionsstudie1. Wirksamkeit folgender Unterrichtsformen vergleichen a. lebendiger Zeitzeuge (10 neunte Gymnasialklassen) b. Videoclips von Zeitzeugeninterviews (10 Klassen) c. transkribierte Zeitzeugeninterviews (10 Klassen)2. Testinstrument zur Messung von Fachkenntnissen, geschichtlichem Interesse und historischen Methodenkompetenzen entwickeln14 | Christiane Bertram, Tagung „Opfer, Täter, Jedermann?“, Potsdam 14.02.2013 © 2013 Universität Tübingen
  • 15. Hypothesen zur Wirksamkeit1. Effekte auf De-Konstruktionskompetenz Aussagen von Zeitzeugen wird mehr geglaubt als Historikern und Schulbüchern (Angvik/von Borries, 1997).  De-Konstruktionskompetenz wird in der Live-Gruppe weniger gefördert2. Effekte auf Re-Konstruktionskompetenz Perspektivität und Selektivität werden in der Live-Gruppe erfahrbar, da der Zeitzeuge vermutlich nicht alle Fragen der Schüler beantworten kann.  Re-Konstruktionskompetenz wird in der Live-Gruppe mehr gefördert.3. Effekte auf Faktenwissen In der Live-Zeitzeugenbefragung fokussiert man auf bestimmte Facetten. Andererseits könnten die Schüler motivierter sein, das Thema zu erarbeiten.  Keine gerichtete Hypothese auf die Entwicklung des Faktenwissens.4. Effekt auf Interesse an Geschichte und am Thema Interaktivität der Live-Zeitzeugenbefragung motiviert die Schüler.  positiver Einfluss auf das Interesse in der Live-Gruppe;  in den anderen beiden Gruppen keine Effekte15 | Christiane Bertram, Tagung „Opfer, Täter, Jedermann?“, Potsdam 14.02.2013 © 2013 Universität Tübingen
  • 16. Gliederung des Vortrags1. Zeitzeugenbefragung in der Schule2. Theoretisches Modell und Fragestellung der Studie3. Hypothesen4. Design der Studie5. Vorläufige Ergebnisse16 | Christiane Bertram, Tagung „Opfer, Täter, Jedermann?“, Potsdam 14.02.2013 © 2013 Universität Tübingen
  • 17. Unterrichtsintervention – drei Bedingungen 1./2. Vortest + Einführung: „DDR ein Unrechtsstaat?“ und Sherlock Holmes Std. 3.Std. Chronologie der Friedlichen Revolution 4./5. GA (arbeitsteilig): Themenerarbeitung Std. 6./7. I: Zeitzeuge live II: ZZ-Interviews als III. ZZ-Interview- Std. (10 Kl.) Videoclips (10 Kl.) transkripte (10 Kl.) Fragen an den ZZ und Fragen an den ZZ und Fragen an den ZZ und Zeitzeugenbefragung Zeitzeugen-Videoclips ZZ-Transkriptionen 8.Std. Methodische Auswertung 9./10. Nachtest 8 Klassen als Kontrollgruppe (nur Testungen) / vier gleiche Zeitzeugen in den drei Treatmentgruppen / 2 Rater in jeder Stunde17 | Christiane Bertram, Tagung „Opfer, Täter, Jedermann?“, Potsdam 14.02.2013 © 2013 Universität Tübingen
  • 18. Erhebungen und Datensätze September 2010 bis August 2013 01/11 04/11 bis Schuljahr Schuljahr 07/11 2011/12 2012/13 Datener- hebung I: Datener- Datenerhebung Daten- Testvali- hebung II: III: auswertung dierung Trainings- Haupterhebung und (N=311 durchlauf (30 Klassen) Interpretation und (6 Klassen) N=354)18 | Christiane Bertram, Tagung „Opfer, Täter, Jedermann?“, Potsdam 14.02.2013 © 2013 Universität Tübingen
  • 19. Gliederung des Vortrags1. Zeitzeugenbefragung in der Schule2. Theoretisches Modell und Fragestellung der Studie3. Hypothesen4. Design der Studie5. Vorläufige Ergebnisse19 | Christiane Bertram, Tagung „Opfer, Täter, Jedermann?“, Potsdam 14.02.2013 © 2013 Universität Tübingen
  • 20. Fazit: Unterrichtserfahrungen Sherlock Holmes  Brainstorming + Chronologie  Gruppenarbeit (6 Themen)  Zeitzeugenbefragung:  Live   Video   Text  Auswertung -20 | Christiane Bertram, Tagung „Opfer, Täter, Jedermann?“, Potsdam 14.02.2013 © 2013 Universität Tübingen
  • 21. Zwischenfazit PilotierungsstudieStichprobe von 6 Klassen (pro Treatment 2): zu klein für die Berechnung differenzieller UnterschiedeErgebnisse über die drei Treatmentstufen hinweg: De-Konstruktionskompetenz: ½ Standardabweichung Zuwachs Re-Konstruktionskompetenz: ¼ Standardabweichung Zuwachs Faktenwissen: unterschiedliche Zuwächse Interesse: kaum Veränderung21 | Christiane Bertram, Tagung „Opfer, Täter, Jedermann?“, Potsdam 14.02.2013 © 2013 Universität Tübingen
  • 22. Zwischenfazit HaupterhebungDatenerhebung + Dateneingabe abgeschlossenAnalysen über gesamte Stichprobe sind in BearbeitungMasterarbeit zu Interaktionseffekten (Kerstin Landenberger)- Stichprobe: 7 Schulen (=21 Klassen)- Fragestellung: Voraussetzungen der Schüler/innen (emotional / sozial) und Wirkung der drei Unterrichtsformen (live / Video / Text)- Ergebnis: Live-Zeitzeuge fördert bei den emotional stabilen Schüler/innen signifikant Interesse + Anstrengungsbereitschaft.22 | Christiane Bertram, Tagung „Opfer, Täter, Jedermann?“, Potsdam 14.02.2013 © 2013 Universität Tübingen
  • 23. Rückblick auf zwei Live-KlassenBeispiel 1: Klasse von 20 Schülerinnen, Musikzug, wenig Interesse an Geschichte eine Schülerin Großnichte von Bärbel Bohley Nachfrage zum Lebenslauf: Gründung des Neuen Forums? Zeitzeuge wurde ausgequetscht methodische Auswertung: Klasse hochkonzentriert Anstieg in Re- und De-Konstruktionskompetenz über 3 MesszeitpunkteBeispiel 2: Klasse von 17 Schülern + 3 Schülerinnen, wenig Interesse an Geschichte Schuljahresende, undisziplinierte Klasse Zeitzeuge war erschöpft, schwül und stickig, anstrengende Stunde methodische Auswertung: Klasse unkonzentriert Abfall in der Re- und De-Konstruktionskompetenz zwischen VT und NT Anstieg wieder zum Follow-Up-Test (nach den Sommerferien)23 | Christiane Bertram, Tagung „Opfer, Täter, Jedermann?“, Potsdam 14.02.2013 © 2013 Universität Tübingen
  • 24. Vorläufiges Fazit (Vor-) Bedingungen in den Klassen wichtig Zusammenspiel von vielen Faktoren wichtig für den Verlauf des Gesprächs: inhaltliche Vorbereitung der Schüler (Fragen + Gespräch) wichtig für das methodische Lernen: Auswertung des Zeitzeugengesprächs eine Schulstunde: zu wenig Zeit Zeitzeugenbefragung als Ausgangspunkt für kompetenzorientierten Unterricht24 | Christiane Bertram, Tagung „Opfer, Täter, Jedermann?“, Potsdam 14.02.2013 © 2013 Universität Tübingen
  • 25. Danke. Kontakt: SR‘in Christiane Bertram Empirische Bildungsforschung und Pädagogische Psychologie Europastraße 6, 72072 Tübingen Telefon: +49 7071 29-76530 Telefax: +49 7071 29-5371 christiane.bertram@uni-tuebingen.de25 | Christiane Bertram, Tagung „Opfer, Täter, Jedermann?“, Potsdam 14.02.2013 © 2013 Universität Tübingen