Wissensreifung - eine neue Perspektive auf den Umgang mit Wissen

2,123 views
2,048 views

Published on

Antrittsvorlesung am 5. Juni 2013 an der Hochschule Karlsruhe

In einer sich immer schneller verändernden Umgebung müssen
Unternehmen vorausschauend agieren, Innovationen in Produkte umsetzen
und ihre Prozesse verbessern und ihre Kompetenz weiterentwickeln. Hierzu
ist ein kontinuierlicher „Wissensfluss“ erforderlich, innerhalb dessen Ideen
weiterentwickelt werden. Das Modell der Wissensreifung beschreibt diesen
Wissensfluss und die damit verbundenen Informationsartefakte wie
Dokumente oder Modelle als kollektiven Lernprozess mit identifizierbaren
Phasen und charakteristischen motivationalen, sozialen oder
organisationalen Barrieren.
Dies eröffnet neue Perspektiven: wann kommt es auf Kreativität, wann auf
Offenheit und Dialog, wann auf Einigung an, wann lohnt sich Formalisierung
– und wann behindert sie nur? Dies betrifft die Ausgestaltung von Software-
Systemen, die Arbeitsorganisation, Führungsprinzipien, aber insbesondere
auch gängige Konzeptionen von Kompetenz-, Prozess- oder
Qualifikationsmanagement. Dies soll anhand typischer Probleme und neuen,
auf sozialen Medien basierenden Ansätzen aufgezeigt werden.

Published in: Education
0 Comments
0 Likes
Statistics
Notes
  • Be the first to comment

  • Be the first to like this

No Downloads
Views
Total views
2,123
On SlideShare
0
From Embeds
0
Number of Embeds
1,232
Actions
Shares
0
Downloads
0
Comments
0
Likes
0
Embeds 0
No embeds

No notes for slide

Wissensreifung - eine neue Perspektive auf den Umgang mit Wissen

  1. 1. Andreas P. SchmidtWissensreifung –eine neue Perspektiveauf den Umgang mit WissenKarlsruhe, 5. Juni 2013http://andreas.schmidt.name
  2. 2. 2Wissen als WettbewerbsvorteilInnovationsgeschwindigkeitKomplexitätWissensarbeiter
  3. 3. Wissen ist dabei vielfältig verstanden• Know what– Sachwissen, Konzeptwissen• Know how– Handlungswissen• Know who– Netzwerkwissen• Know why– „wissenschaftliches“ Wissen3
  4. 4. Probst-Modell (Bausteine des WM)4 4
  5. 5. Wissens-management …Wissens-datenbankenWissens-transferExperten-datenbanken
  6. 6. … ist totMan nennt es nur anders:Wissen entwickeln undWissen teilen sind immernoch hoch aktuellKollaborationEnterprise 2.0
  7. 7. Im Zeitalter vonEnterprise Social Media …… müssen wir unser Verständnis von Wissen -und wie man die Entwicklung von Wissenbeeinflussen kann – grundlegend überdenken
  8. 8. 8Wissens-reifung
  9. 9. Wissensmanagement im Zeitaltervon Enterprise Social Media• Beobachtungen– Wissensdatenbanken funktionieren nicht, aber Menschenteilen über Soziale Medien in unvorstellbarem Ausmaß– Wissen entwickelt sich entlang von Ketten individuellerLernprozesse– Wissen und Wissensentwicklung haben unterschiedlicheEigenschaften, je nach dem „Reifegrad“– Artefakte sind nicht einfach Wissen, sie repräsentieren nichteinfach Wissen, aber sie sind ein wichtiger Teil einerkomplexen Interaktion
  10. 10. Wissensreifung: Phasenmodell10Ent-deckenAn-eignenVerbreitungin Com-munitiesTransfor-mationAd-hocWeiter-bildungPilotie-rungFormelleWeiter-bildungInstitutio-nalisierungExterneStandardi-sierungIa Ib II III IV Va VbEntstehenvon IdeenEinführung
  11. 11. Wissensreifung: Phasenmodell11Ent-deckenAn-eignenVerbreitungin Com-munitiesTrans-formationAd-hocWeiter-bildungPilotie-rungFormelleWeiter-bildungInstitutio-nalisierungExterneStandardi-sierungKurseLernobjekteDokumenten-kollektionenneue IdeenGemeinsameBegrifflichkeitenCommunitiesBest Practices LehrbuchKollaborationKommunikationBerichteFallstudienLessons LearntInformelles Lernen Formelles LernenAnfängerExperten
  12. 12. 12
  13. 13. Und wozu ist dasnun gut?
  14. 14. Wissensreifung:Disziplinen & Systeme14Ent-deckenAn-eignenVerbreitungin Com-munitiesTransfor-mationAd-hocWeiter-bildungPilotie-rungFormelleWeiter-bildungInstitutio-nalisierungExterneStandardi-sierungFachabteilungenUnternehmens-leitungComputer SupportedCollaborative WorkWikiPersonal-entwicklungE-LearningDocument ManagementSystemsCompetence ManagementSystemsVerbändePolitikCreativity
  15. 15. Beispiel: Prozesswissen15NotizenOutlookPräskriptiveProzessmodellePersönlicheTasklistenDeskriptiveProzessmodelleGemeinsameVorgehensweisenKonventionenWikiGraphische ModelleBest PracticesAutomatisierteWorkflowsComplianceEnt-deckenAn-eignenVerbreitungin Com-munitiesTransfor-mationAd-hocWeiter-bildungPilotie-rungFormelleWeiter-bildungInstitutio-nalisierungExterneStandardi-sierung
  16. 16. Beispiel: KompetenzmanagementWissen über die Fähigkeiten anderer16NotizenTagsKompetenz-frameworksQualifikationenPersönlicheBeschreibungKompetenz-matrixGemeinsameBeschreibungenSocial NetworkgemeinsameBegriffeKompetenzkatalogeKompetenz-management-systemeVergleichbar-keitKernkompe-tenzenStrategischesKompetenz-managementSystematischePersonal-entwicklungEnt-deckenAn-eignenVerbreitungin Com-munitiesTransfor-mationAd-hocWeiter-bildungPilotie-rungFormelleWeiter-bildungInstitutio-nalisierungExterneStandardi-sierung
  17. 17. Charakteristische Barrieren• Ib) – II) Einbringen in die Community• II – III) Dokumentieren• III- IVa) Umsetzung• IVa – IVb) Vom Early Adopter zum Mainstream
  18. 18. Muster in Reifungsprozess
  19. 19. Wissen undrepräsentierende Artefakte• Wissen und die jeweils repräsentierenden Artefaktesind zu unterscheiden.– Reifes Wissen kann ohne Artefakte auskommen– Unreifes Wissen kann stark formalisiert sein(„Überformalisierung“)• Aber üblicherweise verbindet man mit der Reife vonWissen eine Formalität der Artefakte• Problem:– Was ist wenn die Reife des Wissens und die Formalität derArtefakte auseinanderfallen?
  20. 20. Knowledge Maturing ModelLandscape• Phasenmodell– Wissensreifung beschreiben• Wissensreifungsaktivitäten– Zu Wissensreifung beitragen• Wissensreifungsindikatoren– Wissensreifung messen• Motivationale Aspekte– Barrieren überwindenfindkeep up-to-datefamilarisereorganisereflectcreatesharecommunicateassessrestrictem
  21. 21. Wissensreifungsaktivitäten Find relevant digitalresources Embed information atindividual or organisationallevel Keep up-to-date withorganisation relatedknowledge Familiarise oneself with newinformation Reorganise information atindividual or organisationallevel Reflect on and refine workpractices or processes Create and co-developdigital resources Share and release digitalresources Restrict access and protectdigital resources Find people with particularknowledge or expertise Communicate with people Assess, verify and rateinformationKaschig et al: Organisational Learning from the Perspective of Knowledge Maturing Activities,IEEE Transactions on Learning Technologies,no. 3, 2013
  22. 22. Wissensreifungsindikatoren• Zweck: Wissensreifung sichtbar machen• Ziel– Maßnahmen zur Beeinflussung von Wissensreifung bewerten(Scorecard)– Reife von Artefakten bewerten• Basis– Automatisiert berechnete Artefaktmetriken– Analyse von Benutzeraktivitäten in Log-Daten– Spezielle Evaluationsaktivitäten (Fragebogen, Interviews etc.)
  23. 23. Motivationale Aspekte24Kunzmann & Schmidt (2009)
  24. 24. MATURE - ContinuousSocial Learning inWas sollte sichverändern?
  25. 25. Probleme vonUnternehmenssoftware• Vorgegebene Strukturen/Modelle sind fest und nicht(einfach) änderbar– Metadatenstrukturen, Prozessunterstützung,Taxonomien/Ontologien, Kompetenzkataloge• Die Modelle sind nicht angemessen– Ihre Formalität entspricht nicht der Verständnistiefe derRealität– Sie orientieren sich nicht an dem (sich verändernden)Nutzungsverhalten
  26. 26. Modellierung als Lernprozess• Hierzu muss man allerdings die Modellierung alsLernprozess verstehen:– Von vagen Ideen zu allgemein akzeptierten,wohlverstandenen Konzepten– Von einfachen Aufgaben zu verbindlichen strukturiertenAbläufen• Und die Lernprozesse laufen nicht während derDesign-Phase, sondern zur Laufzeit abSocial MediaMashups
  27. 27. Graduelle Formalisierung(am Beispiel von Kompetenzkatalogen)Braun, Simone, Kunzmann, Christine, Schmidt, Andreas: Semantic People Tagging & Ontology Maturing:An Enterprise Social Media Approach to Competence ManagementInternational Journal on Knowledge and Learning (IJKL), vol. 8, no. 1/2, 2012, pp. 86-111
  28. 28. MATURE - ContinuousSocial Learning inForschungsansatz
  29. 29. MATURE• Entwickelt auf der Basis von Fallstudien vonUnternehmenssituationen– Ursprünglich Zusammenbringen von E-Learning undWissensmanagement• Projekt MATURE (2008-2012)– Empirische Studien (ethnographische Studien,Interviews mit 139 Unternehmen in Europa,Fallstudien)– Partizipative Prototypenentwicklung und derenEvaluation als Design-based research• Ganzheitliche Sicht:– Mensch, Organisation und Technikhttp://mature-ip.eu
  30. 30. Forschungsansatz:Design-Based & Empirical Research
  31. 31. Fazit
  32. 32. Wissensreifung• Wissensreifung ist eine neue Perspektive auf dieEntwicklung von Wissen– Kette von Lernprozessen über unterschiedliche Individuenund soziale Kontexte– Verläuft nicht kontinuierlich, sondern es existieren typischvorkommende Brüche– Wissen verändert seine Eigenschaften• Viele Anwendungsmöglichkeiten– Analyse von Barrieren und Ungleichgewichten– Werkzeugauswahl und –konfiguration– Design für graduelle Formalisierung:Aushandlung zur Laufzeit33
  33. 33. Learning Layers17 Partner, Laufzeit 11/2012-10/201612,5 Mio € Projektbudgethttp://learning-layers.euWie findet Wissensreifungin großen Netzwerken statt?Wie lässt sie sich skalierbar unterstützen?
  34. 34. KontaktMehr Informationen:http://knowledge-maturing.comProf. Dr. Andreas P. SchmidtHochschule Karlsruhe Technik und WirtschaftFakultät für Informatik & Wirtschaftsinformatikandreas_peter.schmidt@hs-karlsruhe.dehttp://andreas.schmidt.name
  35. 35. APPENDIX
  36. 36. Knowledge Maturing Process Model (2)contentmaturingcontentmaturingontologymaturing(incl. competencies)ontologymaturing(incl. competencies)processmaturingprocessmaturing
  37. 37. Ia) Entdecken (exploration) Eigenschaften des Wissens– Emergent, schwer greif-,benenn- und abgrenzbar– Stark mit dem Individuumverknüpft, kaum ablösbar,flüchtig Aktivitäten undLernformen– Exploratives Suchen– Kreativitätstechniken Artefakte Unspezifisch Oft auch ohne Artefakte Unterstützung Begrenzt, ggf.• Freiräume schaffen• Inspirationsquellen
  38. 38. Ib) Aneignen (appropriation)• Eigenschaften des Wissens– Gegenüber Ia): persönlichesCommitment– IndividuelleHandlungswirksamkeit• Aktivitäten und Lernformen– Merken, Annotieren,Strukturieren– Einbetten in den eigenenKontext Artefakte Notizen i.w.S. Unterstützung Strukturierung
  39. 39. II) Verbreitung in Communities• Eigenschaften des Wissens– Vom einzelnen zur Gruppe– Gemeinsames Verständnisinnerhalb einer Gruppe• Aktivitäten & Lernformen– kooperatives Lernen &Arbeiten– Diskurse/Konversationen– Lernen in Netzwerken Artefakte Gemeinsame Dokumente:Wikis, Mindmaps,Aufgabenlisten… Gemeinsame Kollektionen Gemeinsame Taxonomien/Folksonomies Unterstützung Finden von „Experten“/Communities/Netzwerken Einfache Kollaboration Kollaborationsstrukturen und-kultur
  40. 40. Transformation• Eigenschaften des Wissens– Wissen wird dokumentierbarund kann einem größerenKontext weitergegeben werden• Lernformen– Gezielte Informationssuche,„Dokumente durcharbeiten“– Modellieren Artefakte vorgegebene Form bzw.Formalismus Dokumente, Prozessmodelle Metadaten Unterstützung Auffinden von Dokumenten Bewerten & Verbesserndurch Feedback Modellieren als aktivenLernprozess
  41. 41. IV1) Ad-Hoc WeiterbildungEigenschaft des Wissens– Effizient vermittelbar anFortgeschrittene imGroßthema durch gezielteSteuerungAktivitäten &Lernformen– Kurzschulungen– Tutorials Artefakte Aufbereitete Dokumente Lessons learnt Lernobjekte Unterstützung Bedarf erkennen,Empfehlungen generieren Schnelle Erstellung („rapidauthoring“) Gebrauchsdokumentedidaktisch strukturieren
  42. 42. V1a) Formelle Weiterbildung Eigenschaft des Wissens Effizienz in der Vermittlungeines größerenThemengebietes anAnfänger Wiederverwendbarkeit Aktivitäten & Lernformen (wiederholte) Seminare Vorlesungen Artefakte Zertifikate Kurse, Lehrbücher Unterstützung Lernkontrolle Adaptive Kursgestaltung
  43. 43. IV2) Pilotierung Eigenschaft des Wissens Umsetzungsbereit Noch nicht alleKontextfaktoren derRealität berücksichtigt Aktivitäten & Lernformen Pilotierung in einemrealistischen, aberbegrenzten Umfeld Prototypenbau Management-Commitment Artefakte Einführungs-/Umsetzungspläne Aufbereitete/detaillierteModelle Unterstützung GenerischeVorgehensmodelle Evaluationsmethodiken
  44. 44. V2a) Institutionalisierung Eigenschaft des Wissens Umsetzungserprobt Einbau vonErfahrungswissen überKontextfaktoren Aktivitäten & Lernformen Ausrollen über dasUnternehmen Effizienzgewinne durchStandardisierung innerhalbdes Unternehmens Artefakte QM-Handbücher,Checklisten, … Erfolgsindikatoren Unterstützung Monitoring Systematisches Feedback
  45. 45. Vb) Externe Standardisierung Eigenschaft des Wissens Stabilität („Sedimentierung“) Breite gesellschaftlicheAkzeptanz Aktivitäten & Lernformen Schaffung vonVergleichbarkeit,Benchmarking Automatisierung Artefakte Standards Curricula Qualifikationen Unterstützung SystematischesFeedback

×