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  • 1. Migration undIntegrationim BlickfeldPositionen, Denkanstöße, Lösungsansätze
  • 2. 2Inhaltliche Koordination Mag.a Lucia Bauer Mitarbeiterin im Büro des Vorsitzenden der GPA-djp; Politologin Dr. Martin Bolkovac Mitarbeiter in der GPA-djp Grundlagenabteilung; PolitologeImpressum:Herausgeber: Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier Alfred-Dallinger-Platz 1, 1034 WienRedaktion: Martina Tossenberger, GrundlagenabteilungLayout: Anita Schnedl, MarketingFotos: Nurith Wagner-Strauss, David Payr, Fotolia, iStockphoto, Martin Bolkovac, GPA-djp, WBV-GPADVR 0046655, ZVR 576439352Stand: September 2012
  • 3. 3 © Nurith Wagner-Strauss © David PayrVorwortDer Begriff Migration stammt vom lateinischenWort migra bzw. migrare ab und bedeutetwandern, bzw. übersiedeln. Aufgrund unterschiedlicher Migrationsformen und -ursachen (so kann der Grundfür Migration etwa ein kultureller, politischer, wirtschaftlicher, religiöser, ökologischer, ethnischer oder sozialersein) werden in der Literatur und in den Medien verschiedene Definitionen angewandt. Ihnen allen gemeinsamist aber die Erkenntnis, dass Migration ein auf Dauer angelegter Wechsel in eine andere Gesellschaft bzw. ineine andere Region darstellt.Im Rahmen des Bundesforums im Herbst 2012 startete die GPA-djp einen ausführlichen internen Diskussions-prozess zum Thema Migration und Integration, der im Juni 2012 in einem Grundsatzbeschluss des GPA-djp-Bundesvorstands mündete.Dieser Grundsatzbeschluss enthält eine Reihe wichtiger Themen, vom Spracherwerb über das Staats-bürgerschaftsrecht bis zu Anerkennung von im Ausland erworbenen Ausbildungen und der Frage nach derrechtlichen Vertretung von Menschen ohne Arbeitserlaubnis und schafft damit eine Basis für unser politischesHandeln. Ausgearbeitet wurden die konkreten Forderungen in mehreren Workshops mit externen und internenExpertInnen, den Mitgliedern der work@migration und interessierten BetriebsrätInnen.Dabei entstand schließlich auch die Idee einige lose Fäden noch einmal aufzugreifen und bei wichtigenPunkten stärker in die Tiefe zu gehen. Den Raum für diese Diskussionserweitungen bietet die vorliegendeBroschüre. Sie greift Themen wieder auf, die uns im Diskussionsprozess besonders wichtig erschienen, wieetwa die Anerkennung von im Ausland erworbenen Qualifikationen oder den Erwerb der deutschen Sprache.In der Broschüre enthalten sind zudem aktuelle Neuerungen der österreichischen Migrationspolitik, die Rot-Weiß-Rot-Karte und das Lohn- und Sozialdumpinggesetz sowie internationale Fallbeispiele und ein kurzerÜberblick zum Thema Rassismus im Betrieb.Wir sehen sowohl den Bundesvorstandsbeschluss als auch die Broschüre als wichtigen ersten Schritt einerwirklich seriösen Auseinandersetzung mit dem Themenfeld Migration und Integration, die damit sicher nichtabgeschlossen ist. Das liegt nicht nur im Interesse unserer vielen Mitglieder mit Migrationshintergrund sondernist auch Teil unseres gesellschaftspolitischen Auftrags als Gewerkschaft.Dr.in Dwora Stein Wolfgang KatzianBundesgeschäftsführerin Vorsitzender
  • 4. 4InhaltForderungen der GPA-djp zum Thema Migration und IntegrationZusammenfassung eines Antrages des GPA-djp Bundesvorstandes ........................................ Seite 5Man schießt die Leute in Out – Interview mit Christian-Paolo Müller geführt von Hannah Putz ..................................................................................................................... Seite 9Alltagsrassismus in Österreich Lucia Bauer ..................................................................................................................................... Seite 12Das Lohn- und Sozialdumping-Gesetz:Resümee ein Jahr nach dem Auslaufen der Übergangsfristen Walter Gagawczuk .......................................................................................................................... Seite 16Erste Erfahrungen mit dem Lohn- und Sozialdumping-Bekämpfungsgesetz Ingrid Reischl ................................................................................................................................... Seite 21Die Rot-Weiss-Rot-Karte: Das neue Modell der Arbeitskräftemigration nach Österreich Johannes Peyrl ................................................................................................................................. Seite 24Wohnen ist ein Grundrecht Andrea Holzmann ............................................................................................................................ Seite 29Kollektivvertragswirksame Anerkennungen Gerald Musger ................................................................................................................................ Seite 34Bildungshürde Migrationshintergrund Barbara Kasper ............................................................................................................................... Seite 39Sprache als Schlüssel zur Integration? Verena Plutzar ................................................................................................................................ Seite 44Man hört wenig von den Ursachen, sondern nur von den Symptomen!Interview mit Didem Strebinger geführt von Hannah Putz ................................................................................................................... Seite 49(Über-)leben und arbeiten ohne Papiere Andrea Schober ............................................................................................................................... Seite 52Stell dir vor, die willst Arbeit und man gibt dir nur schlechte! Clara Fritsch .................................................................................................................................... Seite 54Kanada – migrationspolitisches Vorzeigeland? Martin Bolkovac ............................................................................................................................... Seite 60Europäische Gewerkschaften und Migration Martin Bolkovac ............................................................................................................................... Seite 62
  • 5. 5Forderungen der GPA-djpzum Thema Migration und IntegrationZusammenfassung eines Antrags des GPA-djp-Bundesvorstandsbeschlossen am 1. Juni 2012RASCHERE UND LEICHTERE INTEGRATION IN DEN ARBEITSMARKTIn Österreich hatten 2010 18% der Bevölkerung Migrationshintergrund1, deren Arbeitsmarktchancenbleiben jedoch stark hinter der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund zurück. Sie sind häufiger unter ihremQualifikationsniveau beschäftigt und auch häufiger arbeitslos.Die GPA-djp tritt daher für das Prinzip „Arbeit vor Sprache“ ein, weil das eine schnellere Arbeits-marktintegration und damit eine finanzielle Selbstständigkeit von MigrantInnen ermöglicht. Das AMS hat beider Arbeitsmarktintegration eine zentrale Aufgabe zu erfüllen, der es bisher nicht ausreichend nachkommt.Zwar gibt es eine Reihe von Unterstützungen speziell für MigrantInnen, ein schlüssiges Gesamtkonzept istallerdings bisher nicht zu erkennen.Die GPA-djp fordert daher nicht nur die Gleichstellung für Drittstaatsangehörige (dazugehören auch Asylsuchende) mit EU-BürgerInnen beim Arbeitsmarktzugang, sondern richtet auch eine Reihevon Forderungen konkret an das AMS. Dazu gehört eine bessere Schulung von AMS-MitarbeiterInnen genau-so wie spezielle Mentoringprogramme und Ansprechpersonen für MigrantInnen bei den AMS-Außenstellen.ANERKENNUNG VON AUS DEM AUSLAND MITGEBRACHTEN QUALIFIKATIONENEin weiterer, ganz zentraler Punkt ist die Anerkennung von Qualifikation. Die Anerkennung und daraufaufbauend die richtige Einstufung ist im Interesse aller ArbeitnehmerInnen ein ganz zentrales Anliegen, und einwirksames Mittel gegen Lohndumping.Kurz zusammen gefasst, fordert die GPA-djp daher einen Abbau von finanziellen und büro-kratischen Hürden für den Prozess der Anerkennung. Auch hier soll wiederum dem AMS einewichtige Rolle zukommen. Eine zentrale Begutachtungsstelle, die idealer Weise beim AMS angesiedelt werdensoll, soll sicherstellen, dass Bewertungen von Ausbildungen vorgenommen werden, die dann die Basis für dierichtige Einstufung bilden.1 Laut Definition der Statistik Austria bedeutet das, dass beide Elternteile im Ausland geboren sind. Die Statistik Austria unterscheidet dann noch zwischenMigratInnen der 1. Generation, die selbst eingewandert sind und MigrantInnen der 2. Generation, die in Österreich geboren wurden.
  • 6. 6FÖRDERUNG DES SPRACHERWERBSEbenfalls unverzichtbar ist eine sinnvolle Förderung des Spracherwerbs. Die GPA-djp fordert eineindividuelle, kostenlose Sprachförderung statt Zwang – schon gar nicht VOR der Einreise nachÖsterreich. Denn Sprache ist ein Ergebnis eines Integrationsprozesses, nicht aber dessen Vorbedingung.EINRICHTUNG EINES MINISTERIUMS FÜR INTEGRATIONDie GPA-djp begrüßt die Einrichtung des Integrationsstaatssekretariats, denn damit wurde eine jahrelangewichtige Forderung der GPA-djp umgesetzt. Weniger erfreulich ist allerdings die Tatsache, dass die AgendenAsyl und Integration weiterhin dem Innenministerium zugeordnet sind und der Integrationsstaatssekretär diesemunterstellt ist. Die GPA-djp fordert daher die Einrichtung eines Ministeriums für Integration.VEREINFACHUNG BEI EINBÜRGERUNG UND STAATSBÜRGERSCHAFTFür Menschen die dauerhaft in einem Land leben ist schließlich auch zentral, dass sie die Staatsbürgerschaftohne unnötige Hürden erwerben können. Österreich hat im internationalen Vergleich eines der striktestenStaatsbürgerschaftsrechte und eine der niedrigsten Einbürgerungsraten. So sind etwa die Wartefristen auf eineEinbürgerung im europäischen Vergleich überproportional lang (10 Jahre). Dazu kommt, dass auch die Kostenfür eine Einbürgerung außergewöhnlich hoch sind, sie betragen zwischen EUR 2.000,-- und EUR 5.000,--. Dereuropäische Trend geht dagegen in Richtung kostenfreie Staatsbürgerschaft.Die GPA-djp fordert daher auch, dass Kinder, die in Österreich geboren werden und derenEltern sich schon seit mehreren Jahren legal hier aufhalten, automatisch die österreichische Staats-bürgerschaft erhalten. Zudem soll der Erwerb der österreichischen Staatsbürgerschaft wesentlichgünstiger werden. Die Wartefrist auf den Erwerb der österreichischen Staatsbürgerschaft soll wesentlichverkürzt werden.GESELLSCHAFTLICHE TEILHABE, KOMMUNALES WAHLRECHT, ZUGANG ZU SOZIAL-LEISTUNGENEssentielle Voraussetzung für Integration ist die gleichberechtigte Möglichkeit zur gesellschaftlichen undpolitischen Teilhabe für alle Menschen, die hier leben.Die GPA-djp fordert daher: Das aktive und passive Wahlrecht auf kommunaler Ebene füralle Menschen, die legal in Österreich leben.Das soziale Netz muss für alle Menschen, unabhängig von der Staatsbürgerschaft, gleichermaßen zugänglichsein. Das muss auch für die Sozialleistungen von Ländern und Gemeinden gelten.
  • 7. 7ERLEICHTERUNGEN BEIM FAMILIENNACHZUGFamilienzusammenführung ist ein Grundrecht. Die GPA-djp fordert daher, dass Menschen, derenFamilienangehörige hier leben, rasch und ohne bürokratische Hindernisse einwanderndürfen. Außerdem ein eigenständiges Aufenthaltsrecht und vollen Arbeitsmarktzugang für alle, die über eineFamilienzusammenführung nach Österreich gekommen sind.BESSERE AUSBILDUNG FÜR JUGENDLICHE MIT MIGRATIONSHINTERGRUNDEine ganz zentrale Rolle spielt auch der Bereich der Bildung. Nicht nur Kindern mit Migrationshintergrund,sondern auch anderen Kindern mit sozialen oder sonstigen Benachteiligungen würde es nützen, wenn unserBildungssystem durchlässiger gestaltet würde.Um die Selektion im österreichischen Bildungssystem anhand ethnischer Kriterienabzuschwächen, fordert die GPA-djp u.a.: eine Ausweitung des verpflichtenden Kindergartenjahres bei rechtzeitiger Feststellung des Förderbedarfs, mehr finanzielle Mittel für BegleitlehrerInnen, Hilfe bei Sprachschwierigkeiten anstatt Sonderschule, mehr Auswahl bei den Fremdsprachen als Pflicht- und Freigegenstände (zB Bosnisch, Kroatisch, Serbisch, Türkisch etc. als Maturafach), flächendeckende Einführung einer gemeinsamen schulischen Grundausbildung in den ersten neun Jahren für alle SchülerInnen mit individuellem Unterricht und Fördermaßnahmen, den Ausbau qualitativ hochwertiger Ganztagsschulen und eine stärkere Bedachtnahme auf soziale und interkulturelle Durchmischung in Schulen.WOHNEN IST EIN GRUNDRECHTMigrantInnen leben in schlechteren Wohnverhältnissen. Sie finden immer schwieriger leistbaren Wohnraumund müssen einen überdurchschnittlich hohen Anteil ihres Einkommens für Wohnen aufwenden.Um MigrantInnen den Zugang zu leistbaren Wohnraum zu erleichtern, fordert die GPA-djpeine Reihe von Punkten, die darauf abzielen, versteckte und offene Diskriminierungen bei der Wohnungs-suche abzubauen. Die Zugangsbestimmungen zu gefördertem Wohnraum sowie zu Beihilfen, wie Wohnbeihilfe oder Eigen- mittelersatzdarlehen, sind bundesweit zu vereinheitlichen. Zuwanderer sind über die Möglichkeiten und die finanziellen Voraussetzungen, geförderten Wohnraum zu erhalten, umfassend zu informieren. Beratende und vermittelnde Organisationen in Fragen des Zusammenlebens und bei Nachbarschafts- konflikten sind auszubauen.
  • 8. 8MEHR RECHTE FÜR ARBEITNEHMERINNEN OHNE LEGALEN AUFENTHALTSTITELUND/ODER ARBEITSPAPIEREMigrantInnen, denen auf Grund ihres Aufenthaltstatus der Zugang zum formellen Arbeitsmarkt verwehrt istund die deshalb im informellen Sektor tätig sind, bewegen sich in einer Grauzone der Rechtlosigkeit und derWillkür. Das betrifft auch Personen, die einen legalen Aufenthalt, aber keine Beschäftigungsbewilligunghaben. Diese Situation ist aber nicht nur für die einzelnen ArbeitnehmerInnen bedrohlich, sie führt auchzur Unterminierung von sozial- und kollektivvertragsrechtlichen Standards und stellt damit ein gesamtgesell-schaftliches Problem dar.Die GPA-djp fordert daher: Damit ArbeitnehmerInnen ohne legalen Aufenthaltstitel ihreAnsprüche auf Entgelt und Sozialversicherungsbeiträge geltend machen können, sollensie während eines diesbezüglichen laufenden Rechtsstreits nicht abgeschoben oder ausge-wiesen werden können.Um diesen Menschen auch Beratungen anbieten zu können, sollen mittelfristig GPA-djp MitarbeiterInnen fürErstberatungen qualifiziert werden.ASYL ALS MENSCHENRECHT ABSICHERNIm Bereich Asyl fordert die GPA-djp schließlich die Abschaffung der Schubhaft, vor allem in derjetzigen verschärften Form, die mit der Fremdrechtsnovelle vom 1.1.2010 in Kraft getreten ist, und fordert dasInnenministerium dazu auf, eine eingehende Analyse des Fremdenrechts unter Einbeziehung von ExpertInneneinzuleiten, als Ausgangsbasis für eine Diskussion des Reformbedarfs.
  • 9. 9„Man schießt die Leute ins Out.”Interview mit Christian-Paolo Müller (geführt von Hannah Putz) Du engagierst dich bei work@migration, könntest du kurz erklären um was es euch dabei geht? Welche Anliegen gibt es? Erstens ist es sehr wichtig, dass es diese Interessen- gemeinschaft gibt, denn es hat sich das Klima innerhalb der österreichischen Gesellschaft sehr verschlechtert. Es ist gesellschaftsfähig geworden, ausländerfeindlich zu sein. Österreich ist da bestimmt in keiner guten Position und aus diesem Grund gibt es work@migration. Leute mit Migrationshintergrund – das höre ich mittlerweile schon gar nicht mehr so gerne – sollen ein Sprachrohr für ihre Probleme finden, darin sehe ich die Aufgabe für work@migration. Aber auch die Vernetzung und natürlich die Unterstützung,besonders von der GPA-djp und dem ÖGB, für unsere Anträge, Anliegen und Vorstellungen sind von enormerBedeutung.Welche Funktionen nehmt ihr in der GPA-djp wahr?Wir sind ein Sprachrohr, wir zeigen Probleme auf, bieten Lösungen an und bringen diese auch vor. Darin seheich die wichtigste Aufgabe.Welche Probleme sind das im Allgemeinen?Probleme am Arbeitsplatz, am Arbeitsmarkt, in der Wahrnehmung der Gesellschaft. Bildung ist ein großesProblem, es gibt einen Missstand bei den Bildungseinrichtungen, sogar Wohnraumbeschaffung ist ein Problem.Es gibt kaum irgendwelche Felder des täglichen Lebens, mit denen wir uns nicht zu befassen haben. Das klingtzwar sehr düster, aber es ist leider so.Das heißt es geht auch stark um alltägliche Diskriminierung ...... ja, und das in allen Lebensbereichen. Ich habe das Glück, davon nicht so betroffen zu sein, aber denkenwir an die Staatsbürgerschaft. Es gibt in Österreich kein Recht der Geburt. Daraus ergibt sich folgendeProblematik, die ich in einem Beispiel aufzeigen will. Ich habe eine Freundin, die 30 Jahre in Österreich lebt,sie ist Tochter eines Afrikaners und einer Tschechin. Die Eltern haben sich nicht so sehr um die Staatsbürger-schaft bemüht und man wollte die Frau nach 30 Jahren ausweisen! Sie ist hier aufgewachsen, spricht Deutschund ist leider Ihrer „Muttersprache" nicht mächtig. Man muss die deutsche Sprache lernen, das ist richtig, dashat aber nichts mit der Wahrnehmung der Leute zu tun. Auch der Kontakt mit Behörden, neben Wohnungs-und Arbeitsbeschaffung sind ein Problem. Ich bin österreichischer Staatsbürger und auch ich bin in der Wahr-nehmung der Gesellschaft, obwohl ich hier meinen Lebensmittelpunkt habe, ob meines Aussehens keinrichtiger „g´standener“ Österreicher.
  • 10. 10Man versucht auch immer die Ausländer zu trennen: Fußballspieler, Diplomaten und Künstler sind natürlichdie „guten“ Ausländer. Die Deutschen sind überhaupt keine Ausländer. Die Personen, die ihre tägliche Arbeitan der Baustelle verrichten, im Krankenhaus – ohne Ausländer würde auch unser Gesundheitssystem nichtfunktionieren – in der Fabrik usw., das sind die „schlechten“ Ausländer. Bestimmt auch ein soziales Problem.Was ärgert dich diesbezüglich am meisten an den geführten Debatten in denösterreichischen Medien?Am meisten ärgert mich, dass sich die Medien Themen bedienen, die sehr negativ bewertet werden vonbestimmten Leuten und dazu genutzt werden, Stimmung zu machen. Das zeigt natürlich schon auch ein Bild derGesellschaft, denn populistisch kann ja nur das sein, was in der breiten Masse schon auch eine Zustimmungfindet. Es gibt relativ wenig Aufklärung, man hat sehr wenig darüber gesprochen. Denn wenn es irgendwo einkriminelles Problem gibt, ist es doch kein Integrationsproblem, und das wird leider ziemlich ausgeschlachtet.Wo siehst du Anknüpfungspunkte für Veränderungen diesbezüglich?Aufklärung wird wahrscheinlich das Um und Auf sein, ohne Aufklärung wird es nicht möglich sein, dieWahrnehmung der Leute zu verändern. Immer weiterarbeiten, Aktionstage organisieren, auf uns und auf dieProblematik der Nichtgleichbehandlung aufmerksam machen, wobei ich mir dessen bewusst bin, dasssich nicht 100% der Leute dafür interessieren. Aber es wird doch einige geben, die zumindest darübernachdenken.Welche Forderungen des Migrationsleitantrags der GPA-djp findest du dringend notwendig?Dringend notwendig ist es, dass man das Bildungsangebot verbessert. Das Erlernen der deutschen Spracheist aber nicht das einzige Manko, dass es im Bildungsangebot gibt. Bildung ist leider kein Garant für eineBeschäftigung! Da muss sich die Politik und die Gewerkschaft mehr ins Zeug legen, dass hier etwas passiert.Man muss auch innerhalb der Gewerkschaft manchmal ein bisschen mehr auf uns aufmerksam machen, weilauch da gibt es manchmal entbehrliche Zurufe.Liegt es deiner Meinung nach am fehlenden Interesse, wollen sich die Menschen damit nichtauseinandersetzen?Es ist schon zum Teil fehlendes Interesse, aber nicht nur, es gibt vor allem auch innerhalb der GewerkschaftAussagen, die nichts mit fehlendem Interesse zu tun haben.Das heißt, dass es innerhalb der Gewerkschaft Aufholbedarf gibt?Viel mehr Aufholbedarf, viel mehr Aufklärung! Auch innerhalb der Gewerkschaft sind nur wenige Funktionärein höheren Positionen, die einen Migrationshintergrund haben.Um Forderungen auch politisch umzusetzen, muss es innerhalb der Gewerkschaft mehrSensibilisierung geben ...... es soll vielleicht auch ein bisschen mehr Bedeutung bekommen. Also die Forderungen gibt es ja, es ist janicht so, dass man darüber nicht Bescheid weiß. Vielleicht muss man die mit ein bisschen mehr Nachdruckeinfordern, weil eine Lobby haben wir in den Gremien nicht.Darin besteht natürlich auch eine Aufgabe von work@migration, dass man sich vernetzt, dass man eine Lobbybildet.
  • 11. 11Nochmal zu den Forderungen im Migrationsleitantrag ...... neben den Forderungen zur Qualifikationsanerkennung, Doppelstaatsbürgerschaft und Familien-nachzug wird auch die Öffnung des Arbeitsmarktes sehr wichtig sein, weil man auch mit dem Verwehren vonBeschäftigung die Leute ins Out schießt. Es gibt eigentlich nichts, wo nicht Nachholbedarf besteht. Man wirdmit den Forderungen, die man anbringt, auch aussieben müssen, welche dann die wichtigsten sind. Aber inWirklichkeit gibt es kein Thema das uns nicht auch betrifft.Was würdest du jemanden entgegnen, der andere Menschen auf Grund von Herkunft,Sprache, Hautfarbe etc. diskriminiert? Wie würdest du reagieren, privat oder beruflich?Zu dieser Haltung würde mir nicht viel einfallen, da gibt es für mich einfach Null Toleranz. Aber da sind wirdann wieder bei dem Thema Aufklärungsarbeit.Tauschen wir doch Ausländerangst mit Aufklärung und Integrationsprobleme mit Chancengleichheit!Vielen Dank für das Gespräch!
  • 12. 12Alltagsrassismus in ÖsterreichLucia Bauer, GPA-djp Büro des Vorsitzenden706 rassistische Vorfälle in ganz Österreich wurden 2011 von der Antirassismusorganisation ZARA2dokumentiert3 . Rassismus beeinträchtigt nahezu alle Lebensbereiche von Personen, die eine andere ethischeHerkunft, Hautfarbe oder Sprache haben als die Mehrheitsgesellschaft. Rassismus ist kein Kavaliersdelikt,sondern macht den Betroffenen, im wahrsten Sinne des Wortes, das Leben schwer, behindert bei Arbeitsplatz-und Wohnungssuche und manchmal sogar beim Einkaufen oder bei einem Lokalbesuch.Da es keine offizielle und umfassende Dokumentation und Erfassung rassistischer Zwischenfälle in Österreichgibt, kann man davon ausgehen, dass die von ZARA dokumentierten Fälle nur eine kleine Auswahlbilden. Trotzdem liefern sie ein gutes Bild darüber ab, was Menschen mit Migrationshintergrund in Österreichmanchmal zugemutet wird:Ein Mann aus Kamerun wird an einer Wiener Tankstelle von 2 Männern zusammengeschlagen und schwerverletzt. Die Kassierin weigert sich die Polizei zu rufen. Pöbeleien in der Straßenbahn, eine versuchte Brand-stiftung in einem türkisch-islamischen Gebetshaus in Kufstein. Ein rassistisch motivierter Mord an einem Rumänenin Traun und versuchter Mord an dessen Familie. Einem Mann gambischer Herkunft mit österreichischer Staats-bürgerschaft wird die Familienbeihilfe für seine Tochter nur befristet gewährt, weil laut Finanzamt der Verdachtmissbräuchlicher Verwendung bestehe. Frauen mit Kopftuch schlägt bei der Arbeitssuche offene Ablehnungentgegen, mit Kopftuch könne man nicht arbeiten. Menschen mit dunkler Hautfarbe werden in Restaurantsnicht bedient und in Lokale mit Türsteher erst gar nicht eingelassen. Einer Frau aus Chile wird die Eröffnungeines Kontos verweigert, weil man sie für eine Sexarbeiterin hält. Wohnungs- und Stellengesuche bestehenauf „Inländer“ und auch im Internet und auf Social Media Plattformen häufen sich laut ZARA die rassistischenVorfälle.Besonders hartnäckig sind Kettenmails, die oft jahrelang immer wieder weiter geschickt werden und so zurLegendenbildung rund um angebliche privilegierte MigrantInnen beitragen. Nicht tot zu bekommen istetwa ein seit 2009 kursierendes Kettenmail, in dem behauptet wird, es gäbe zahllose RumänInnen undBulgarInnen, die nicht in Österreich wohnen würden, aber hier Ausgleichszulage bezögen.Die Wahrheit ist, dass die österreichische Pensionsversicherung hier äußerst streng und genau vorgeht undAusgleichzulagenbezieher auch wiederholt kontrolliert. Zudem stehen etwas mehr als 800 EU-BürgerInnen,die hier leben und eine österreichische Ausgleichszulage beziehen alleine 1.300 ÖsterreicherInnen gegen-über die eine schweizerische Ausgleichzulage beziehen und ähnliches gilt auch für AuslandsösterreicherInnenin anderen europäischen Staaten. Offizielle Klarstellungen von Pensionsversicherung und Sozialministerium,die ebenfalls in Umlauf geschickt werden, können den rassistischen Mythos vom ausländischen Sozial-schmarotzer jedoch nicht durchbrechen.2 Zivilcourage- und Antirassismusarbeit3 Rassismus Report 2011. Einzelfallbericht über rassistische Übergriffe und Strukturen in Österreich
  • 13. 13WAS IST EIGENTLICH RASSISMUS?Rassismus ist eine Ideologie, die menschliche Eigenschaften auf die Zugehörigkeit zu einer biologistischbegründeten „Rasse“ zurückführt. Menschen mit rassistischen Vorurteilen diskriminieren andere aufgrunddieser Zuordnung. In seiner institutionalisierten Form bewirkt Rassismus, dass bestimmten Gruppen Vorteile undLeistungen verweigert werden, während andere Gruppen privilegiert werden. Mit rassistischen Theorien undArgumentationsmustern lassen sich Menschen für unterschiedliche politische Ziele mobilisieren.ALLTAGSRASSISMUSDie von ZARA dokumentierten Vorfälle aus dem Alltagsleben beruhen aber meistnicht auf einer ausgefeilten Ideologie, sondern sind Folge eines weit verbreitetenAlltagsrassismus, der alle Menschen, die sich in Hautfarbe, Sprache oderReligion von der Mehrheitsbevölkerung unterscheiden als „Ausländer“ wahr-nimmt und zwar unabhängig von ihrer Staatsbürgerschaft. Typisch für den, auchin einigen Medien verbreiteten, Alltagsrassismus in Österreich ist, dass den „Ausländern“ bestimmte stereotypeEigenschaften zugeschrieben werden: Sie werden als laut, unzivilisiert, faul oder kriminell bezeichnet. Auchdas klassische „Ausländerdeutsch reden“ ist die Folge eines solchen Stereotyps, das davon ausgeht, dassMigrantInnen grundsätzlich nicht deutsch verstehen.Besonders viele Stereotype werden MuslimInnen zugeordnet. Sie werden oft pauschal als Gefahr für die öster-reichische Gesellschaft betrachtet. Die Folgen dieser rassistischen Anfeindungen und Ausgrenzung sind für dieBetroffenen zum Teil gravierend. Sie führen dazu, dass viele MigrantInnen sich in ihre eigenen Communitieszurück ziehen. Sie bewirken konkrete Benachteiligungen am Wohnungsmarkt und im Bildungsbereich, wennKinder von MigrantInnen aufgrund mangelnder Deutschkenntnisse zu wenig gefördert werden und sichsoziale Unterschiede auch in die 2. und 3. Generation fortsetzen. Auch im Arbeitsleben bewirken nicht zuletztrassistische Vorurteile, das viele MigrantInnen – trotz guter Qualifikationen – in schlecht bezahlten und minder-qualifizierten Jobs arbeiten müssen.RASSISMUS AM ARBEITSPLATZRassisitisches Verhalten beginnt auch nicht erst dort, wo offen gepöbelt oder Gewalt ausgeübt wird.Rassistisches und fremdenfeindliches Verhalten ist Teil unseres Alltagslebens und begegnet uns in allen Lebens-bereichen, mit der Konsequenz, dass wir uns schließlich daran gewöhnt haben. Wir neigen dazu, rassistischeBemerkungen von KollegInnen nicht mehr bewusst wahrzunehmen. Rassistisches Verhalten am Arbeitsplatzund daraus resultierende Diskriminierungen werden daher auch nur selten bewusst angesprochen.MigrantInnen selbst erleben die mehr oder weniger unterschwelligen Anfeindungen dagegen oft bewusst,haben aber Hemmungen sie zur Sprache zu bringen. Viele fürchten sich vor möglichen Problemen oder habenresigniert, weil sie das Gefühl haben, dass Gegenwehr ohnehin nichts bringt. Ungleichbehandlung wird aufdiese Weise leicht zur Normalität sowohl für In- als auch für AusländerInnen.
  • 14. 14Neben den formalen Regeln, die das betriebliche Zusammensein regeln, hat jeder Betrieb auch eine Reiheinformeller Regeln. Diesem „heimlichen“ Gesetzbuch kommt oft eine sehr große Bedeutung zu. Es regeltPausenverhalten, Begrüßungen und innerbetrieblichen Aufstieg. „Normal“ ist in diesem Sinne, was im Betriebüblich ist und wer neu dazu kommt, muss die Regeln erlernen. Diskriminierendes Verhalten, das Bestandteildieses inoffiziellen Regelwerks ist, lässt sich daher besonders schwer bekämpfen.Eine Studie des Deutschen Gewerkschaftsbundes hat als weiteren Grund für betriebliche Benachteiligungenvon MigrantInnen festgestellt, dass diese oft durch das „Leistungsprinzip“ begründet und Ungerechtigkeiten soscheinbar objektiv begründbar werden: MigrantInnen verdienen weniger und machen weniger qualifizierteArbeit, weil sie weniger gut Deutsch können und weniger Qualifikationen haben und weniger leisten. Sowird Diskriminierung nicht nur schweigend akzeptiert sondern auch erfolgreich umgedeutet zu einem sachlichargumentierbaren Unterschied.STRUKTURELLER RASSISMUSRassismus besteht jedoch nicht nur aus einzelnen Vorfällen in Betrieb oder Alltagsleben, sondern tritt auch instruktureller Form auf. Als strukturellen Rassismus kann man Gesetze bezeichnen, die Menschen aufgrund ihrerHerkunft politische oder soziale Rechte verweigern. Dass die sogenannten Ausländergesetze in Österreich inden vergangenen Jahren immer wieder verschärft wurden, trägt ganz wesentlich dazu bei, dass der sozialeAufstieg von MigrantInnen oft schon im Keim erstickt wird.Auf Ebene der betrieblichen Mitbestimmung zeigt sich das Problem der strukturellen Benachteiligung nichtzuletzt beim passiven Wahlrecht zum Betriebsrat/zur Betriebsrätin. Zwar dürfen in Österreich seit 2006neben EU- und EWR-BürgerInnen auch Menschen aus Ländern, die mit der EU ein Assoziierungsabkommenabgeschlossen haben, wie etwa die Türkei, zum Betriebsrat kandidieren, alle anderen bleiben aber auchweiterhin von der Mitarbeit im Betriebsrat ausgeschlossen. Von der GPA-djp seit langem gefordert, ging dieserGesetzesänderung ein langer Kampf voraus. Letztlich war dieser wichtige Schritt für mehr Gleichberechtigungim Betrieb allerdings weniger der Einsicht der politischen EntscheidungsträgerInnen als mehr einem Urteil desEuropäischen Gerichtshofs aus dem Jahr 2004 zu verdanken.RASSISMUS IM BETRIEB BEKÄMPFENGegen rassistisches und diskriminierendes Verhalten im Betrieb gibt es zwar kein allgemein gültigesRezept, jedoch eine Reihe von einfachen Maßnahmen, die sich in der Praxis bewährt haben und daher zuNachahmung empfohlen werden können: Zentrale Voraussetzung für alle weiteren Maßnahmen ist, dass sich der Betriebsrat klar und öffentlich gegen Rassismus positioniert und die Beschäftigten bestärkt, Diskriminierungen nicht einfach hinzunehmen, sondern zu melden.
  • 15. Kolumnentitel 15 Als sinnvoll hat es sich auch erwiesen, die Personalpolitik des Betriebes (Einstellungen, Versetzungen, Beförderungen,…) gezielt auf strukturelle Benachteiligungen von MigrantInnen zu untersuchen. Auch wenn auf den ersten Blick alles korrekt aussieht, kann eine genaue Überprüfung noch Überraschungen bringen. Entscheidend für eine Antirassismuspolitik im Betrieb, kann es auch sein, alltägliche rassistische oder diskriminierende Bemerkungen zu dokumentieren. Dazu kann ein eigenes Beschwerdebuch angelegt werden, aber auch die Betriebsratszeitung bzw. der Betriebsratsblog genutzt werden und/oder regelmäßig ein Gleichstellungsbericht erstellt werden. So lässt sich verhindern, dass Alltagsrassismus im Betrieb als „normal“ angesehen wird. In großen Betrieben kann auch eine Betriebsvereinbarung über den Umgang mit Rassismus im Betrieb und/oder den Einsatz von KonfliktlotsInnen sinnvoll sein.DAS GLEICHBEHANDLUNGSGESETZNeben den Maßnahmen, die auf betrieblicher Ebene gesetzt werden können, bietet seit 2004 auch dasGleichstellungsgesetz Schutz vor Diskriminierung in der Arbeitswelt. Der im Gesetz festgeschriebene Schutzvor Diskriminierung in der Arbeitswelt gilt bei der Begründung eines Arbeitsverhältnisses, der Festsetzung desEntgeltes (Lohn/Gehalt, Zulagen, Zuschläge etc.), der Gewährung freiwilliger Sozialleistungen, bei Maß-nahmen der Aus- und Weiterbildung, bei Beförderungen und beruflichem Aufstieg, bei Benachteiligung beisonstigen Arbeitsbedingungen und bei der Beendigung eines Arbeitsverhältnisses. Darüber hinaus richtet sichdas Gleichbehandlungsgesetz auch gegen Diskriminierung in der sonstigen Arbeitswelt. Das betrifft unteranderem Angebote des Arbeitsmarktservice sowie privater Bildungseinrichtungen (zB BFI, WIFI).Menschen, die sich diskriminiert fühlen, haben verschiedene Möglichkeiten, sich dagegen zu wehren. Injedem Fall ist es wichtig festzuhalten, wer was wann gesagt oder getan hat. Vor allem dann, wenn es nötigist, vor Gericht zu gehen. Am besten ist es in diesem Fall, ein Tagebuch zu führen. Opfer von Diskriminierungkönnen sich entweder an das Gericht wenden und dort Schadenersatz fordern, mit ihrem Fall zur eigenseingerichteten Gleichbehandlungskommission gehen oder auch beide Wege gleichzeitig einschlagen. Da esfür Betroffene oft schwierig ist, Vorfälle zu beweisen, reicht es aus, dass sie das Vorliegen einer Belästigungund/oder Diskriminierung vor Gericht glaubhaft machen. Die beklagte Partei muss den Vorwurf derDiskriminierung widerlegen.Alle diese Möglichkeiten können dazu beitragen, gegen Rassismus und Diskriminierung im Betrieb vorzugehenund dadurch letztlich auch das Klima zwischen in- und ausländischen KollegInnen zu verbessern. Klar istaber auch: Bei der Bekämpfung von Rassismus und Diskriminierung am Arbeitsplatz sind alle gefragt, Arbeit-nehmerInnen, ArbeitgeberInnen und Gewerkschaften – sie sind gefordert, rassistische Vorfälle ernst zunehmen, anzusprechen und ihnen so den Nährboden zu entziehen. Wichtige Anregungen, wie Diskriminierung im Betrieb möglichst vermieden werden, und wie, wenn es doch dazu kommt, damit umgegangen werden kann, bietet auch eine Broschüre des ÖGB: „Leitfaden gegen Diskriminierung“ (zu finden unter: www.oegb.at/antidiskriminierung) siehe diesbzgl. auch das AK/VÖGB- Skriptum „PGA-9 Rassismus im Betrieb“ (zu finden unter www.voegb.at)
  • 16. 16 KolumnentitelDas Lohn- und Sozialdumping-BekämpfungsgesetzRESÜMEE EIN JAHR NACH DEM AUSLAUFEN DER ÜBERGANGSFRISTENWalter Gagawczuk, Arbeiterkammer WienDIE ARBEITSMARKTÖFFNUNG – EIN BLICK ZURÜCKIm Jahr 2004 sind 10 Staaten der Europäischen Union beigetreten. Für 8 dieser Staaten wurden in denBeitrittsverträgen Übergangsfristen am Arbeitsmarkt vereinbart. Dabei handelt es sich um die Länder Estland,Lettland, Litauen, Polen, Slowakei, Slowenien, Tschechien und Ungarn. Die Übergangsfristen bedeuteten, dassfür die Beschäftigung von Staatsbürgern und Staatsbürgerinnen aus diesen Staaten weiterhin Beschränkungenaufrechterhalten werden konnten. Österreich hat diese Möglichkeit auch bis Ende April 2011 in Anspruchgenommen. Danach musste unabhängig von der Situation am Arbeitsmarkt entsprechend den Beitrittsverträgenvolle Freizügigkeit am Arbeitsmarkt gewährt werden.In der Übergangszeit von sieben Jahren wurden insbesondere auf Drängen von Arbeiterkammer, ÖGB undGewerkschaften Maßnahmen getroffen, um den österreichischen Arbeitsmarkt auf die neue Situation vorzu-bereiten. Die Lohnunterschiede mit den neuen Mitgliedsländern waren bzw. sind nach wie vor sehr hoch unddie geografischen Entfernungen sind relativ gering. Es war daher davon auszugehen, dass im Falle einesstarken Zustroms von Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen nach Österreich die Konkurrenz auf dem Arbeits-markt steigen würde. Dies vor allem im Bereich der niedrigen Qualifikationsstufen. Dort ist naturgemäß auchdie Gefahr des Arbeitsplatzverlustes am höchsten und die Löhne und Gehälter am niedrigsten.In den Jahren vor 2011 konnte nun vor allem durch den Ausbau der aktiven Arbeitsmarktpolitik, alsoinsbesondere durch Schulungsmaßnahmen, die Unterstützungsmöglichkeiten für die Arbeitnehmer undArbeitnehmerinnen ausgebaut werden. Durch die Facharbeiterverordnung kam es zu einem dosierten, auf dieArbeitsmarktsituation abgestimmten Arbeitsmarktzugang von Arbeitskräften aus den neuen Mitgliedsländernund die Reduktion der Saisonnierkontingente hatte zumZiel in den Bereichen Gastgewerbe und LandwirtschaftVerdrängungseffekte und Lohnkonkurrenz zu vermeiden.Als wichtigstes Instrumentarium zur Vorbereitung auf dieArbeitsmarktöffnung wurde aber das Lohn- und Sozial-dumping-Bekämpfungsgesetz angesehen. Dieses soll vorallem in Hinblick auf das große Lohngefälle zu den neuenBeitrittsländern ein Unterbieten unter dem Kollektivvertragverhindern.
  • 17. Kolumnentitel 17DAS LOHN- UND SOZIALDUMPING-BEKÄMPFUNGSGESETZAuf Grund des großen Lohngefälles gibt es im Prinzip einen starken Anreiz für Unternehmen durch den Einsatzvon Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen aus den neuen Mitgliedsländern zu „günstigen“ Löhnen ihreLeistungen billiger anbieten zu können und sich dadurch einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen. DieEinhaltung inländischer kollektivvertraglicher Mindestlöhne ist zwar vorgesehen, aber vor in Kraft treten desLohn- und Sozialdumping-Bekämpfungsgesetzes war es grundsätzlich nur möglich eine allfällige Differenzzwischen tatsächlich erfolgter und kollektivvertraglich vorgeschriebener Entlohnung zivilrechtlich über Gerichteeinzuklagen. In der Praxis ist dies aber kaum je erfolgt.Meist bekommen die ArbeitnehmerInnen für die Auslandseinsätze mehr als in ihrem Herkunftsland und derAnreiz, die Differenz einzufordern ist kaum gegeben. Auch müssen ArbeitnehmerInnen damit rechnen, dasssie nach Einbringung der Klage nicht mehr weiter beschäftigt werden. Insbesondere bei kurzfristig entsandtenoder grenzüberschreitend überlassenen ArbeitnehmerInnen hat die Erfahrung gezeigt, dass die bloßeMöglichkeit, die Ansprüche selbst geltend zu machen, nicht zur Durchsetzung geeignet ist. Auch ist dasRisiko des/der Arbeitgeber(s)in sehr gering. Schlimmstenfalls muss er ja nur das zahlen, was er sowieso zahlenmüsste. Seit Jahren haben Gewerkschaften und Arbeiterkammern daher in Österreich eine behördliche Entgelt-kontrolle mit Sanktionen bei Nichteinhaltung der vorgeschriebenen Löhne und Gehälter gefordert.Das Lohn- und Sozialdumping-Bekämpfungsgesetz sieht derartiges nun seit Mai 2011 vor. Die Höhe derSanktionen orientiert sich dabei am Ausländerbeschäftigungsgesetz. Der Strafrahmen liegt zwischenEUR 1.000,-- und EUR 10.000,-- pro ArbeitnehmerIn. Bei Lohndumping in Bezug auf mehr als drei Arbeit-nehmerInnen erhöht sich der Strafrahmen pro ArbeitnehmerIn automatisch. Er liegt dann zwischenEUR 2.000,-- und EUR 20.000,-- pro ArbeitnehmerIn und im Wiederholungsfall zwischen EUR 4.000,-- undEUR 50.000,--. Würde etwa eine Baufirma damit spekulieren, sich durch unterkollektivvertragliche Löhne einenWettbewerbsvorteil gegenüber der Konkurrenz zu verschaffen und es wird auf der Baustelle Lohndumping inBezug auf 5 ArbeitnehmerInnen festgestellt, so wäre die Mindeststrafe EUR 10.000,-- (EUR 2.000,-- x 5) bzw.der Strafrahmen wäre EUR 10.000,-- bis EUR 100.000,--. Im Wiederholungsfall wäre die Mindeststrafe dannEUR 20.000,-- und der Strafrahmen EUR 20.000,-- bis EUR 250.000,--. Auch müsste der/die ArbeitgeberInmit dem Entzug der Gewerbeberechtigung oder – im Fall eines/r ausländischen Arbeitgeber(s)in – mit derUntersagung der Tätigkeit in Österreich für zumindest ein Jahr rechnen.Keine Sanktion erfolgt u.U., wenn eine geringe Unterschreitung des kollektivvertraglich vorgeschriebenenMindestlohnes bzw. ein geringes Verschulden des/der Arbeitgeber(s)in vorliegt. Die Umstände, die dafürhinzutreten müssen sind, dass es sich um das erste Mal handelt und der/die ArbeitgeberIn dem/der Arbeit-nehmerIn den gebührenden Lohn nachzahlt. Dahinter steht der Gedanke, dass in solchen Fällen der unter-kollektivvertraglichen Bezahlung nicht das Erzielen eines Wettbewerbsvorteils ausschlaggebend war. Aus-drücklich hervorgehoben hat der Gesetzgeber auch, dass eine Nachzahlung des gebührenden Entgelts anden/die ArbeitnehmerIn jedenfalls bei der Strafbemessung strafmildernd zu berücksichtigen ist. Damit wird einklarer Anreiz an den/die ArbeitgeberIn zur Nachzahlung gegeben.
  • 18. 18 KolumnentitelERSTE UMSETZUNGSSCHRITTEVerschiedene Umstände haben dazu geführt, dass für die Vollziehung des Lohn- und Sozialdumping-Bekämpfungsgesetzes verschiedene Behörden zuständig sind. Konkret sind dies die Finanzpolizei, das beider Wiener Gebietskrankenkasse eingerichtete Kompetenzzentrum, die Gebietskrankenkassen der jeweiligenBundesländer, die Bauarbeiter-, Urlaubs- und Abfertigungskasse und die Bezirksverwaltungsbehörden. DieVollziehung war daher in mehrfacher Hinsicht gefordert. Es ging nicht bloß um ein neues Gesetz, sonderndarüber hinaus war eine gute Koordination dieser Behörden notwendig. Auch handelt es sich oft um Verfahrenmit Auslandsbezug. Ein Umstand, der die Abläufe meist schwieriger und aufwändiger macht und sie mitzusätzlichem Risiko behaftet. Weiters ist für die Finanzpolizei und die Bezirksverwaltungsbehörden die Lohn-kontrolle und daher die damit im Zusammenhang stehende notwendige Kenntnis über das Kollektivvertrags-wesen ein Novum.Die Behörden hatten zudem wenig Zeit sich auf die neue Rechtslage einzustellen. Es war zwar seit längerembekannt, dass ein entsprechendes Gesetz verhandelt wird, die Veröffentlichung im Bundesgesetzblatt erfolgtejedoch erst am 28.4.2011 und selbst für Insider war der endgültige Inhalt des Lohn- und Sozialdumping-Bekämpfungsgesetzes erst kurze Zeit vorher bekannt. Es waren daher sehr kurzfristig Schulungen undKoordinationstreffen der involvierten Behörden auf verschiedenen Ebenen und in den Bundesländernerforderlich. Dies erfolgte auch. Ein – soweit überblickbar – auf Grund des großen zeitlichen Drucks wenigkoordiniertes, aber trotzdem konzertiertes Zusammenspiel von BMASK, Interessenvertretungen und sonstigenEinrichtungen ermöglichte es innerhalb weniger Wochen die involvierten Behörden und sonstigen Akteureüber die Inhalte des neuen Gesetzes zu informieren und zu schulen, sowie eine Struktur für die notwendigeKoordination und Kooperation aufzubauen.Dies war aber nur der erste Schritt. Koordination und Kooperation muss gelebt und gepflegt werden. Es warder AK und den Gewerkschaften daher ein besonderes Anliegen, dass hier nachhaltig eine Art Monitoringstattfindet. Zudem ist es notwendig allfällige Schwierigkeiten bei der Vollziehung rasch zu erkennen um daraufentsprechend reagieren zu können. Auch hier kann man vom gegenwärtigen Standpunkt aus zufrieden sein.Es erfolgen regelmäßige Treffen der Behörden zwecks Erfahrungsaustausch, Kooperation und Koordination.Zudem soll – so ausdrücklich die Erläuterungen zum Gesetz – zwei Jahre nach in Kraft treten des Lohn- undSozialdumping-Bekämpfungsgesetzes dessen Wirksamkeit überprüft werden.Sehr bald hat sich gezeigt, dass das neue Gesetz nicht nur bei den zuständigen Behörden auf großes Interessegestoßen ist, sondern insbesondere auch bei den unmittelbar und mittelbar Betroffenen. Im Bereich der AN undinsbesondere deren Vertreter und Vertreterinnen war diesbezüglich eine vom BMASK in Zusammenarbeit mitÖGB Verlag, Gewerkschaften und Arbeiterkammern organisierte Veranstaltungsreihe im Mai und Juni 2011sehr erfolgreich. In Linz, Graz, Salzburg und Wien wurden GewerkschaftsvertreterInnen und BetriebsrätInnenzu Fragen der Arbeitsmarktöffnung nicht bloß mittels Vorträgen etc. informiert, sondern es wurde auch dieMöglichkeit geboten, Fragen und konkrete Problemstelllungen einzubringen, die in Workshops bearbeitetwurden. An diesen Veranstaltungen haben insgesamt 945 Personen teilgenommen. Näheres dazu unterhttp://www.arbeitsmarktoeffnung.at
  • 19. Kolumnentitel 19Auch auf ArbeitgeberInnenseite erfolgten Veranstaltungen und schriftliche Informationen, sodass das Lohn- undSozialdumping-Bekämpfungsgesetz innerhalb kurzer Zeit einen hohen Bekanntheitsgrad hatte. Aber nicht nurinnerhalb Österreichs, auch in den Nachbarländern war schnell bekannt, dass Unternehmen bei Lohndumpingin Österreich empfindliche Strafen drohen können.Eine Art Höhepunkt in diesem Zusammenhang war ein Artikel in einer slowakischen Zeitung, in dem derslowakische Wirtschaftsminister scharfen Protest gegen die seiner Ansicht nach diskriminierenden neuenBestimmungen in Österreich übte, die im Widerspruch zu den Regeln der Union stehen. Der Umstand, dass dieEU-Entsenderichtlinie seit vielen Jahren das Prinzip „gleicher Lohn am gleichen Ort“ vorsieht und die Mitglied-staaten dazu verpflichtet wirksame Maßnahmen dazu zu treffen, wurde dabei vom slowakischen Wirtschafts-minister offenbar „übersehen“.VORLÄUFIGES RESÜMEEDer große Bekanntheitsgrad und die Aufregung, die das Lohn- und Sozialdumping-Bekämpfungsgesetz inden ersten Wochen verursachte, weisen auf eine große generalpräventive Wirkung hin. Diese wird auch vonvielen Insidern bestätigt. Der Anreiz für viele ausländische Unternehmen mit Billiglöhnen am österreichischenArbeitsmarkt gute Geschäfte zu machen, wurde wesentlich gebremst.Dennoch musste von den Kontrollbehörden in vielen Fällen Lohndumping festgestellt werden. Im ersten halbenJahr nach In Kraft treten des Gesetzes traten allein durch die die Bauarbeiter-, Urlaubs- und Abfertigungs-kasse bei der Überprüfung von 2.310 Baufirmen 181 Verdachtsfälle auf. Die Quote bei den ausländischenFirmen ist dabei wesentlich höher als bei den inländischen. In Salzburg etwa gab es bei der Überprüfung von309 inländischen Unternehmen 21 Verdachtsfälle, bei der Überprüfung von 68 ausländischen Betrieben in31 Fällen einen Verdacht auf Unterentlohnung.Lohn- und Sozialdumping kann also nicht völlig unterbunden werden. Dies war aber auch nicht zu erwarten.Um seriös beurteilen zu können, wie gut das neue Gesetz wirkt und welche Verbesserungen erforderlich sind,sind aber noch weitere Erfahrungswerte notwendig. Prinzipielle Schwachpunkte des Gesetzes waren aberbereits von Beginn an absehbar. Vor allem der Umstand, dass nur die Kontrolle des Grundlohns vorgesehenist, ist problematisch. Ob die nach dem einschlägigen Kollektivvertrag gebührenden Zulagen und Zuschlägegewährt werden, wird von den Kontrollbehörden nicht geprüft. Diese bilden aber oftmals gerade im Bau-bereich einen nicht unwesentlichen Teil des Lohns.Ein brisanter Diskussionspunkt war auch die Frage, wie viele Personen auf den österreichischen Arbeitsmarktnach Auslaufen der Übergangsfristen kommen werden. Das WIFO hat vor dem Mai 2011 eine Zahl von25.000 für das erste Jahr prognostiziert. Damit dürfte man nicht allzu weit von der Realität entfernt gewesensein. Das BMASK hat nämlich Anfang 2012 bekannt gegeben, dass auf Grund der Arbeitsmarktöffnungvom Mai bis November 2011 etwas über 22.000 zusätzliche unselbstständig Beschäftigte aus den neuenMitgliedsländern auf dem österreichischen Arbeitsmarkt zu verzeichnen sind.
  • 20. 20 KolumnentitelAuffällig war dabei der hohe Anteil an Personen, der sich in Österreich nicht niedergelassen hat, sondernregelmäßig über die Grenze pendelt. Nicht überraschend waren die hauptsächlich betroffenen Branchen,nämlich Bau und Tourismus und der Umstand, dass der Schwerpunkt der neu Beschäftigten im OstenÖsterreichs liegt.FAZIT: Die Inanspruchnahme der Übergangsfristen mit den neuen Mitgliedstaaten und die Nutzung dieserFristen zur Vorbereitung auf die Öffnung des Arbeitsmarktes sowie dessen schrittweise Öffnung waren überaussinnvoll.Das Lohn- und Sozialdumping-Bekämpfungsgesetz spielte bzw. spielt dabei eine wesentliche Rolle. Eskonnten bislang negative Entwicklungen am Arbeitsmarkt, wie insbesondere Verdrängungseffekte, unfaireWettbewerbsbedingungen und Lohndumping weitgehend hintangehalten werden. Es ist aber erforderlich dieweitere Entwicklung aktiv zu beobachten, um gegebenenfalls weitere Maßnahmen zu treffen.
  • 21. Kolumnentitel 21Erste Erfahrungen mit dem Lohn- undSozialdumping-BekämpfungsgesetzIngrid Reischl, Obfrau der Wiener GebietskrankenkasseAm 1. Mai 2012 feierte das Lohn- und Sozialdumping-Bekämpfungsgesetz (LSDB-G), das ein Jahr zuvor –nach Ablauf der Übergangsbestimmungen der Arbeitnehmerfreizügigkeit – erlassen wurde, sein einjährigesBestehen. Ziel der Strafbestimmungen des LSDB-G war von Beginn an die Sicherstellung des von Gesetz,Verordnung oder Kollektivvertrag aus zustehenden Mindestentgelts der in Österreich beschäftigten Arbeit-nehmerInnen.Damit hat Österreich konsequent einen Weg weiterbeschritten, der bereits 1996 durch die Entsende-Richtlinieder Europäischen Gemeinschaft eingeschlagen wurde. Aufgrund dieser Richtlinie, die in Österreich durch dasArbeitsvertragsrecht-Anpassungsgesetz (AVRAG) umgesetzt wurde, haben ausländische Unternehmen den inÖsterreich gewöhnlich beschäftigten bzw. den nach Österreich entsandten bzw. überlassenen ArbeitnehmerInnendas gesetzliche, durch Verordnung festgelegte bzw. kollektivvertragliche Entgelt zu zahlen.Während also das AVRAG die Verpflichtung den jeweiligen Kollektivvertragslohn zu zahlen regelt, verpflichtetdas LSDB-G die ausländischen Arbeitgeber zur Bereithaltung jener Unterlagen, die zur Überprüfung, ob dasbezahlte Entgelt den österreichischen Rechtsvorschriften entspricht, notwendig sind.Die Unterlagen sind prinzipiell am Arbeitsort und in deutscher Sprache für die gesamte Dauer derBeschäftigung bereit zu halten. Sollte das unzumutbar sein, müssen sie jedenfalls im Inland so bereitgehaltenwerden, dass sie auf Verlangen der Abgabebehörde (Finanzpolizei, Bauarbeiter-Urlaubs- bzw. Abfertigungs-kasse) innerhalb von 24 Stunden übermittelt werden können. Laut den Erläuterungen zum LSDB-G sind dieerforderlichen Lohnunterlagen, die bereitgehalten werden müssen der Arbeitsvertrag/Dienstzettel, Arbeitszeit-aufzeichnungen und Lohnaufzeichnungen oder Lohnzahlungsnachweise des Arbeitgebers.Darüber hinaus besteht die Verpflichtung des Arbeitgebers, allen überprüfenden Behörden die Betretung derBetriebsstätte und der Betriebsräume zu gewähren, Auskünfte zu erteilen sowie Einsicht in die erforderlichenUnterlagen zu gewähren.Inländische und ausländische Arbeitgeber machen sich nach dem LSDB-G strafbar, wenn sie nicht den nachGesetz, Verordnung oder Kollektivvertrag zustehenden Grundlohn zahlen. Für diesen Grundlohn sind auchdie jeweiligen Einstufungskriterien des Kollektivvertrags relevant. Die Erläuterungen des LSDB-G führen alsEinstufungskriterien zB die tatsächlich ausgeübte Tätigkeit sowie die Anrechnung von Vordienstzeiten, Schul-zeiten und sonstigen Ausbildungen an. Außerdem sieht das LSDB-G die Möglichkeit vor, die Kollektivvertrags-Partner, die den zur Anwendung kommenden Kollektivvertrag abgeschlossen haben, anzuhören.Für die Vor-Ort-Kontrolle ausländischer Arbeitgeber, also zB Baustellenkontrollen, sind die Finanzpolizei und dieBauarbeiter-Urlaubs- bzw. Abfertigungskasse zuständig. In weiterer Folge laufen sämtliche Kontrollunterlagender Finanzpolizei im Kompetenzzentrum der WGKK zusammen und werden zur Erstellung der Anzeigenaufbereitet, bzw. die Anzeigen eingebracht.
  • 22. 22 KolumnentitelFür die Kontrolle inländischer Arbeitgeber sind die Gebietskrankenkassen bzw. wiederum die Bauarbeiter-Urlaubs- bzw. Abfertigungskasse zuständig. In der Praxis beteiligen sich speziell bei Baustellenkontrollen zu-meist mehrere Behörden, um alle Bereiche abzudecken.Das Lohn- und Sozialdumping Bekämpfungsgesetz kann nach etwas mehr als einem Jahr als sehr erfolgreichbewertet werden. Trotzdem gibt es natürlich Verbesserungsbedarf:In der Praxis hat sich gezeigt, dass sehr viele ausländische Arbeitgeber die Lohnunterlagen entweder nichtoder unvollständig oder nicht in deutscher Sprache am Arbeitsort bereit halten. Das führt natürlich dazu, dassnicht kontrolliert werden kann, ob das zustehende Entgelt auch bezahlt wurde. Da die Strafen für Nichtbereit-haltung der Unterlagen wesentlich niedriger sind als jene für eine festgestellte Unterentlohnung, besteht dieGefahr, dass Arbeitgeber dazu verleitet werden, keine Lohnunterlagen zu führen oder diese jedenfalls nichtden Kontrollbehörden zu übermitteln. Deshalb sollten die Strafbestimmungen für die Nichtbereithaltung derLohnunterlagen möglichst rasch an die Strafbestimmungen der Unterentlohnung angeglichen werden.ZAHLEN UND DATENIm ersten Jahr des LSDB-G wurden von der Bauarbeiter-Urlaubs- bzw. Abfertigungskasse über 3.400 Baustellenmit 4.654 Firmen und über 17.600 ArbeitnehmerInnen kontrolliert. Die Finanzpolizei hat im selben Zeitraumüber 28.300 Kontrollen mit mehr als 54.000 ArbeitnehmerInnen durchgeführt.Verdachtsfälle auf Unterentlohnung ergaben sich bei 526 Unternehmen mit 2.302 ArbeitnehmerInnen. Davonwaren 378 ausländische Unternehmen und 148 inländische Unternehmen betroffen.Insgesamt gab es im ersten Jahr 160 Anzeigen wegen Unterentlohnung und 6 rechtskräftige Strafbescheide.Das Ausmaß der verhängten Geldstrafen war EUR 53.500,--.Darüber hinaus gab es 378 Anzeigen wegen nicht vorhandener Lohnunterlagen (bzw. Verweigerung derEinsicht). 29 Bescheide dazu waren per 1. Mai 2012 rechtskräftig und das Ausmaß der verhängtenGeldstrafen war EUR 23.650,--.
  • 23. Kolumnentitel 23Statistik – Verteilung der Anzeigen gem. Unterentlohnung (nach Bundesland) 40 36 35 30 25 23 22 20 20 17 17 15 14 11 10 5 0 STMK W B T K NÖ S OÖStatistik – Verteilung der Anzeigen gem. Unterentlohnung (nach Herkunftsland) 50 45 45 40 35 30 28 26 25 20 15 13 12 10 9 10 7 4 4 5 1 1 0 n n n ei l n h n n h nd ik a ie le lie ar ic ie ue ic ak ug pl la re re en Po än ng Ita ta pu ow rt ch ig er ow m Li Po U Re ts ön st Ru Sl eu Ö Sl K he D es sc gt hi ni ec ei ch er Ts V
  • 24. 24 KolumnentitelDie „Rot-Weiß-Rot – Karte“:Das neue Modell der Arbeitskräftemigration nach ÖsterreichJohannes Peyrl, Arbeiterkammer WienEINLEITUNGMit Juli 2011 wurde die Zuwanderung von (hoch-)qualifizierten Arbeitskräften nach Österreich völlig neugeordnet. Grundlage dieses neuen Modells ist die Einigung der Sozialpartner von Bad Ischl im Oktober 2010.Die Arbeitskräftemigration wird dadurch breiter aufgefächert, da es anstelle des früheren eher starren Systemsder Schlüsselkräfte nun drei Säulen des Zuzuges für qualifizierte Erwerbstätige nach Österreich gibt, hinzukommen auch Erleichterungen für StudienabsolventInnen.Eines ist aber wichtig zu wissen: Mit diesem Modell wird nur ein kleiner Teil der Zuwanderung nach Österreichgeregelt, den größten Anteil der Zuwanderung aus Drittstaaten (=Nicht-EWR-Staaten) macht Migration ausfamiliären Gründen aus. Die meisten NeuzuwanderInnen nach Österreich kommen zudem aus der EU, diesePersonen benötigen weder einen Aufenthaltstitel noch (sieht man von den Übergangsfristen für BulgarInnenund RumänInnen ab) eine Arbeitsberechtigung, um in Österreich unselbständig erwerbstätig sein zu dürfen.BESONDERS HOCHQUALIFIZIERTEMit dieser Säule wurde eine Möglichkeit im höchstqualifizierten Segment geschaffen, ohne konkretesArbeitsplatzangebot nach Österreich zuwandern zu können. Besonders Hochqualifizierte können daher zumZweck der Arbeitssuche für bis zu sechs Monate ein „Visum D“ erhalten. Dieses wird von der zuständigenösterreichischen Botschaft erteilt, wenn das Arbeitsmarktservice dieser mitteilt, dass die erforderliche Mindest-punkteanzahl erreicht ist. Punkte werden für „besondere Qualifikation und Fähigkeiten“ (insb. Abschluss einesmindestens vierjährigen Studiums, Habilitation, letztes Bruttogehalt), Berufserfahrung (ausbildungsadäquatoder in Führungspositionen), Deutsch- oder Englischkenntnisse sowie für Studium in Österreich erteilt. Voninsgesamt 100 möglichen Punkten müssen 70 erreicht werden.Die besonders Hochqualifizierten müssen beiBeantragung des Visums alle Dokumente bzw. Unter-lagen vorlegen, die belegen, dass eine ausreichendePunkteanzahl vorliegt. Stellt das AMS fest, dassgenügend Punkte vorliegen, teilt es dies der Botschaftmit und es wird bei Vorliegen aller sonstigen Voraus-setzungen ein Visum D erteilt. Wenn einmal bereits einsolches Visum D zur Arbeitssuche erteilt wurde, ist einneuerlicher Antrag erst nach einem Jahr ab Ausreisemöglich.
  • 25. Kolumnentitel 25In weiterer Folge kann im Inland eine „Rot-Weiß-Rot – Karte“ erteilt werden, wenn die allgemeinen Voraus-setzungen wie Versicherung, Unterkunft und Unterhalt erfüllt sind und der/die besonders Hochqualifizierteeinen Arbeitsplatz gefunden hat, der „seiner [ihrer] Qualifikation und den sonstigen für die Erteilung desAufenthaltsvisums maßgeblichen Kriterien“ entspricht. Dafür muss der Arbeitsvertrag vorgelegt werden. EineArbeitsmarktprüfung im Einzelfall findet nicht statt, es müssen auch nicht zwingend Deutschkenntnisse vor derErstantragstellung nachgewiesen werden.FACHKRÄFTEUm eine „Rot-Weiß-Rot – Karte“ als Fachkraft erhalten zu können, müssen mehrere Kriterien vorliegen: Diewichtigste Voraussetzung ist, dass der entsprechende Beruf in der „Fachkräfteverordnung“ als Mangelberufangeführt ist, weiters muss eine einschlägige Berufsausbildung vorliegen, das Entgelt muss mindestens betriebs-üblich sein und es muss eine bestimmte Punkteanzahl erreicht werden.Zunächst muss der Beruf in der Fachkräfteverordnung aufgezählt sein: In dieser werden (nur im Fall eineslängerfristigen Arbeitskräftebedarfs, der im Inland nicht abgedeckt werden kann, nicht also zB saisonaleSpitzen) Berufe festgelegt, in denen MigrantInnen als Fachkräfte zuwandern dürfen. Als Mangelberuf kanngrundsätzlich gelten, wenn pro gemeldeter offener Stelle nicht mehr als 1,5 Arbeitsuchende gemeldet sind(„Stellenandrangsziffer“). Das ist aber nur ein Indikator für das Vorliegen eines Mangels. Berufe mit einerStellenandrangsziffer bis 1,8 können berücksichtigt werden, wenn weitere Indikatoren wie insbesondereerhöhte Ausbildungsaktivität der Betriebe zu verzeichnen sind. Vice versa darf auch eine Stellenandrangszifferunter 1,5 nicht automatisch zu einer Nennung in der Fachkräfteverordnung führen.Weiters muss für die Erteilung einer „Rot-Weiß-Rot – Karte“ als Fachkraft eine einschlägige, abgeschlosseneBerufsausbildung vorliegen. Nicht notwendig ist eine bestimmte Form (zB Lehre), da Berufsausbildungen nichtin der ganzen Welt in derselben Form angeboten werden. Außerdem muss eine Entlohnung geboten werden,die nicht nur dem anwendbaren Kollektivvertrag entspricht, sondern auch betriebsübliche Überzahlungenberücksichtigt. Im Ermittlungsverfahren wird das AMS vermutlich BetriebsrätInnen nach der Betriebsüblichkeitbefragen. In Unternehmen ohne Betriebsrat kann es in Einzelfällen schwierig werden, die konkrete Über-zahlung für einen bestimmten Beruf zu ermitteln.Zuletzt muss eine Mindestpunkteanzahl (mindestens 50 Punkten von 75 möglichen Punkten) erreicht werden.Punkte werden für Qualifikation (von Berufsausbildung bis abgeschlossenes Studium), ausbildungsadäquateBerufserfahrung, Sprechkenntnisse (deutsch oder englisch) und Alter vergeben.Wenn sowohl diese Kriterien als auch die allgemeinen Erteilungsvoraussetzungen für Aufenthaltstitel erfülltsind, kann eine „Rot-Weiß-Rot – Karte“ erteilt werden. Es findet keine Arbeitsmarktprüfung im Einzelfallstatt. Den Antrag müssen die MigrantInnen selbst stellen. Dieser muss bereits eine schriftliche Erklärung derArbeitgeberin oder des Arbeitgebers bezüglich der oben angeführten Voraussetzungen des Arbeitsplatzesenthalten.
  • 26. 26 KolumnentitelGrundsätzlich muss der Antrag im Ausland gestellt werden, eine Inlandsantragstellung ist nur möglich, wenndies aus anderen Gründen (zB visumfreie Einreise) möglich ist. Es müssen keine Deutschkenntnisse vor derErstantragstellung nachgewiesen werden.SONSTIGE SCHLÜSSELKRÄFTESogenannte sonstige Schlüsselkräfte können eine „Rot-Weiß-Rot – Karte“ erhalten, wenn sie ein Bruttoentgeltvon 60% der Höchstbeitragsgrundlage erhalten (im Jahr 2012: EUR 2.538,--), für Personen unter 30 Jahrenist ein Bruttoentgelt von 50% der HBG ausreichend (2012: EUR 2.115,--). Dazu müssen sie die erforderlicheMindestpunkteanzahl erreichen (mindestens 50 von 75 möglichen Punkten), wobei Punkte für Qualifikation(von Berufsausbildung bis abgeschlossenes Studium), ausbildungsadäquate Berufserfahrung, Sprechkenntnisse(deutsch oder englisch) und Alter vergeben werden.In dieser Säule kommt es aber zu einer Arbeitsmarktprüfung: Eine „Rot-Weiß-Rot – Karte“ kann daher nurdann erteilt werden, wenn für die zu besetzende offene Stelle weder ÖsterreicherInnen noch am Arbeitsmarktverfügbare AusländerInnen zur Verfügung stehen, die bereits in den Arbeitsmarkt integriert und bereit und inder Lage sind, die beantragte Beschäftigung auszuüben.Interessant ist, dass ProfisportlerInnen sowie ProfisporttrainerInnen automatisch 20 Zusatzpunkte erhalten, eineDifferenzierung wie etwa beim Kriterium Ausbildung findet in diesen Fällen nicht statt (es macht daher keinenUnterschied, ob zB ein Profifußballspieler aus der englischen Premier League oder der dortigen 4. Liga nachÖsterreich wechselt). Hintergrund der Regelung ist, dass ansonsten SportlerInnen kaum die erforderlichenPunkte erreichen dürften. Man stelle sich den Aufschrei in weiten Teilen der österreichischen Bevölkerung vor,wenn einem Spitzenverein – egal ob in schwarz-weißen, grünen oder violetten Trikots – die Verpflichtungeines neuen brasilianischen Stürmers mit der Begründung verwehrt würde, es lägen zu wenig Punkte gemäßAuslBG vor.STUDIENABSOLVENTINNENFür StudienabsolventInnen, die entweder ihr Masterstudium zur Gänze oder ihr Diplomstudium zumindestab dem zweiten Studienabschnitt an einer österreichischen Universität, Fachhochschule oder akkreditiertenPrivatuniversität absolviert haben, wird der Verbleib in Österreich nach Studienende um vieles einfacher.Ebenso wurden die Beschäftigungsmöglichkeiten während des Studiums ausgeweitet (nach Abschluss desBachelorstudiums bzw. des ersten Studienabschnitts eines Diplomstudiums ist ohne Arbeitsmarktprüfung eineErwerbstätigkeit von bis zu 20 Wochenstunden möglich, davor 10 Stunden pro Woche; nötig ist aber eineBeschäftigungsbewilligung).
  • 27. Kolumnentitel 27Solche AbsolventInnen können eine „Rot-Weiß-Rot – Karte“ bekommen, wenn sie ein Entgelt erhalten, das fürinländische StudienabsolventInnen für eine vergleichbare Tätigkeit und mit vergleichbarer Berufserfahrungüblich ist. Das Mindestentgelt (ohne Sonderzahlungen) muss aber 45% der HBG (2012: EUR 1.903,50)betragen. Die Beschäftigung muss weiters dem Ausbildungsniveau der AbsolventInnen entsprechen: Esdarf sich daher nicht um eine unqualifizierte Tätigkeit handeln, sondern das Aufgabengebiet muss derakademischen Ausbildung entsprechen. Es findet keine Arbeitsmarktprüfung im Einzelfall statt und es ist keineMindestpunkteanzahl erforderlich.Nach Beendigung des Studiums können AbsolventInnen, wenn sie in Österreich bleiben und eine„Rot-Weiß-Rot – Karte“ anstreben, eine Bestätigung der Aufenthaltsbehörde erhalten, dass sie für sechs Monatezum Zweck der Arbeitssuche in Österreich bleiben dürfen. Diese Bestätigung ist nicht verlängerbar. Findensie innerhalb dieser sechs Monate eine adäquate Beschäftigung, können sie den Antrag auf Erteilung einer„Rot-Weiß-Rot – Karte“ im Inland stellen. In der Praxis werden aber drittstaatsangehörige Studien-absolventInnen eher weiter inskribieren und direkt von einer Aufenthaltsbewilligung – Studierende zu einer„Rot-Weiß-Rot – Karte“ wechseln.BLAUE KARTE EUNeben der „Rot-Weiß-Rot – Karte“ wird der fremdenrechtlichen Farbenlehre nun auch die Blaue Karte EUhinzugefügt. Diese wird aus europarechtlichen Notwendigkeiten eingeführt. Die Anforderungen (insbesonderedas erforderliche Mindestgehalt) sind sehr hoch, es sind kaum Fälle denkbar, in denen eine Blaue Karte EU,nicht aber eine „Rot-Weiß-Rot – Karte“ möglich ist. Zudem sind die Vorteile einer Blauen Karte EU gegen-über der „Rot-Weiß-Rot – Karte“ äußerst marginal, ein Ansturm auf die Blaue Karte EU ist daher nicht zuerwarten.Eine Blaue Karte EU kann im Wesentlichen erteilt werden, wenn die/der Fremde über einen Abschluss einesmindestens dreijährigen Studiums verfügt und für eine dieser Ausbildung entsprechende Tätigkeit ein Brutto-jahresgehalt bekommt, das mindestens dem Eineinhalbfachen des durchschnittlichen österreichischen Brutto-jahresgehalts von Vollzeitbeschäftigten entspricht (im Jahr 2012: EUR 3.745,-- pro Monat). Eine Blaue KarteEU kann nur nach erfolgter Arbeitsmarktprüfung erteilt werden.WEITERES AUFENTHALTSRECHT VON INHABERINNEN EINER „ROT-WEISS-ROT – KARTE“Die „Rot-Weiß-Rot – Karte“ nach den oben beschriebenen Voraussetzungen wird für die Dauer eines Jahreserteilt. Nach einem Jahr der Niederlassung mit „Rot-Weiß-Rot – Karte“ ist die Erteilung einer „Rot-Weiß-Rot– Karte plus“ möglich, mit der jede Erwerbstätigkeit ausgeübt werden kann. Voraussetzung ist aber, dass indiesem Jahr zumindest 10 Monate eine Erwerbstätigkeit „unter den für die Zulassung maßgeblichen Kriterien“ausgeübt wurde. Liegen weniger Zeiten dieser qualifizierten Erwerbstätigkeit vor, ist meist eine Nieder-lassungsbewilligung möglich, allerdings ist in diesem Fall für die Arbeitsaufnahme eine Bewilligung nach demAuslBG erforderlich. Dies wird in der Praxis wahrscheinlich selten vorkommen.
  • 28. 28 KolumnentitelDie „Rot-Weiß-Rot - Karte plus“ kann nach zwei Jahren Niederlassung für drei Jahre erteilt werden. Nach fünfJahren Niederlassung ist es möglich, den unbefristeten Titel „Daueraufenthalt – EG“ zu erhalten, allerdingsmuss hierfür Modul 2 der Integrationsvereinbarung erfüllt sein, es müssen also Deutschkenntnisse auf demNiveau „B1“ des sogenannten Europäischen Referenzrahmens für Sprachen vorliegen.Im Idealfall ergibt sich daher folgendes „1+1+3-Jahres-Schema“: Zunächst wird eine „Rot-Weiß-Rot – Karte“erteilt, mit der eine konkrete, qualifizierte Tätigkeit ausgeübt werden kann. Danach kann eine „Rot-Weiß-Rot – Karte plus“ für ebenfalls ein Jahr erteilt werden, wobei damit bereits jede Erwerbstätigkeit möglich ist.Nach Ablauf diesen Jahres kann die „Rot-Weiß-Rot – Karte plus“ für drei Jahre erteilt werden, danach ist einunbefristeter Titel „Daueraufenthalt – EG“ möglich.FAMILIENANGEHÖRIGE DER QUALIFIZIERTEN ARBEITNEHMERINNENEhegattInnen (eingetragene PartnerInnen) und minderjährige, ledige Kinder von „Rot-Weiß-Rot – Karte“-InhaberInnen können quotenfrei eine „Rot-Weiß-Rot – Karte plus“ erhalten, wenn sie die allgemeinen Voraus-setzungen erfüllen und haben daher sofort unbeschränkten Zugang zum Arbeitsmarkt. Allerdings müssen sie(meist) sowohl das Erfordernis der Deutschkenntnisse bereits bei Erstantragstellung erfüllen sowie die Erfüllungdes Moduls 1 der Integrationsvereinbarung binnen zwei Jahren nachweisen.FAZIT: Die Arbeitskräftemigration nach Österreich wurde durch dieses Modell in vielfacher Hinsicht breiteraufgefächert. Die wesentlichsten Neuerungen sind der Verzicht auf individuelle Arbeitsmarktprüfung ineinigen Bereichen und die Möglichkeit für besonders Hochqualifizierte, zur Arbeitsplatzsuche nach Österreicheinzureisen.Erste Erfahrungen zeigen, dass der Zweck, die Arbeitskräftemigration bedarfsgerechter zu gestalten, durchauserreicht werden könnte. Es darf aber nicht übersehen werden, dass nur wenige Prozent der Zuwanderungnach Österreich in dieses Schema fallen. Eine Rundumlösung für alle Herausforderungen der Migrationspolitikkann die „Rot-Weiß-Rot – Karte“ daher nicht sein.
  • 29. Kolumnentitel 29Wohnen ist ein GrundrechtAndrea Holzmann, Wohnbauvereinigung für PrivatangestellteLeistbarer Wohnraum wird zunehmend knapp. In größeren Städten mit wachsender Bevölkerungszahl,insbesondere in der Bundeshauptstadt, übersteigt die Nachfrage nach kostengünstigen Wohnungen längstdas vorhandene Angebot. Die Wartelisten bei gemeindeeigenen Wohnungsvergabestellen und bei gemein-nützigen Bauträgern werden immer länger. Billige Substandardwohnungen im privaten Sektor sind aufgrunderfolgreicher Sanierungsoffensiven in den vergangenen Jahrzehnten kaum noch vorhanden. Engpässe imöffentlichen Sektor mit negativen Auswirkungen auf die Wohnbauförderung dämmen zusätzlich die Neubau-tätigkeit ein.4 Die Auswirkungen spüren die ärmeren Bevölkerungsschichten, zu denen MigrantInnen über-proportional gehören, am meisten.ZUWANDERER LEBEN IN SCHLECHTEREN WOHNVERHÄLTNISSEN5Menschen mit Migrationshintergrund leben generell in schlechteren Wohnverhältnissen als eingesesseneÖsterreicherInnen. Dies zeigt sich zum Beispiel an der Größe des Wohnraums, den eine Person im Schnitt fürsich beanspruchen kann. Während die Wohnfläche pro Kopf in Österreich durchschnittlich 43m2 beträgt undEU-BürgerInnen im Schnitt 47m2 zur Verfügung haben, wohnen MigrantInnen aus Ex-Jugoslawien auf 26m2und Zuwanderer aus der Türkei auf 21m2 pro Person. Diese Situation bessert sich insbesondere wasZuwanderer aus der Türkei betrifft, auch in der zweiten Generation nur unwesentlich.Auch die Wohnkostenbelastung ist für Personen mit ausländischer Herkunft vergleichsweise höher als für die ein-gesessene Bevölkerung. Im Durchschnitt der vergangenen drei bis vier Jahre mussten 16% der ÖsterreicherInnen,jedoch 35% der AusländerInnen über ein Viertel ihres Haushaltseinkommens für Wohnen aufwenden.Zuwanderer verfügen in deutlich geringerem Ausmaß über Wohnungseigentum. Nur 26% der Haushaltemit Migrationshintergrund haben ein Eigenheim oder eine Eigentumswohnung, während dies auf 56% derösterreichischen Haushalte zutrifft. Die wenigen noch vorhandenen Substandardwohnungen der Kategorie D,in denen es kein WC und keine Möglichkeit zur Wasserentnahme in der Wohnung gibt, werden über-proportional häufig von Zuwanderern bewohnt.SOZIALE DURCHMISCHUNG UND ZUGANG ZU GEFÖRDERTEM WOHNRAUMIm Wohnbereich besteht eine latente Tendenz zur Segregation, weil Einwanderer sich nach ihrer Ankunft amehesten dort ansiedeln wo ihre Landsleute schon wohnen und vielleicht auch bereits ihre eigene Infrastruktur,etwa in Form von ethnischen Geschäften und Lokalen, aufgebaut haben. Neu zugewanderte Menschenverfügen gewöhnlich nur über geringe finanzielle Mittel und suchen billigsten Wohnraum.4 Vgl. Österreichischer Verband Gemeinnütziger Bauvereinigungen – Revisionsverband http://www.gbv.at/Page/View/42785 Vgl. Österreichischer Integrationsfonds: Wohnen. http://www.integrationsfonds.at/zahlen_und_fakten/statistisches_jahrbuch_2011/wohnen_und_raeumlicher_kontext/wohnen/
  • 30. 30 KolumnentitelDies könnte insbesondere in größeren Städten zur Bildung sozialer Ghettos führen, wie sie etwa dieberüchtigten ‚Banlieus’ in Paris darstellen. Um derartigen Entwicklungen entgegen zu wirken, setzt man inÖsterreich gezielte wohnpolitische Maßnahmen. Die Bundeshauptstadt Wien hat, trotz starker Zuwanderungin den vergangenen Jahrzehnten, keine sozialen Ghettos und auch keine Stadtteile, in denen ausschließlichMigrantInnen leben. Dies ist kein Zufall, sondern das Ergebnis Jahrzehnte langer sensibler Wohnpolitik aufunterschiedlichen Ebenen.In Wien, immer noch weltweite Hochburg des sozialen Wohnbaus, wird seit den Tagen des „Roten Wien“ inden 1920er Jahren das Prinzip der „Sozialen Durchmischung“ verfolgt. Damals wurden Gemeindebauten fürArbeiterfamilien mitten in sogenannte Nobelbezirke hinein gebaut um zu verhindern, dass niemand aufgrundseiner Wohnadresse einer bestimmten sozialen Schicht oder ethnischen Gruppe zugeordnet und womöglichdiskriminiert werden kann. Heute praktiziert Wien mit dem international viel beachteten Konzept der „SanftenStadterneuerung“6 eine kluge Sanierungspolitik, die ebenfalls der sozialen Durchmischung verpflichtet ist.Ganze Häuserblöcke des gründerzeitlichen Altbaubestands bzw. ganze Straßenzeilen werden unter Einbe-ziehung der Bevölkerung gefördert saniert. Die Förderung stellt sicher, dass die BewohnerInnen auch nachder Sockelsanierung in ihrem Viertel bleiben können und nicht im Rahmen einer „Gentrifizierung“ von einerzahlungskräftigeren Klientel verdrängt wird. Gleichzeitig werden – durch Ausbau von Dachgeschoßen zumBeispiel – neue BewohnerInnen angelockt, die das Viertel beleben und neu durchmischen.Die wichtigste politische Maßnahme zur sozialen und ethnischen Durchmischung und damit zur Integrationvon Zuwanderern ist jedoch die Sicherstellung des Zugangs zu gefördertem Wohnraum – zum einen durchÖffnung von gemeindeeigenen Wohnungen für Zuwanderer, und zum anderen durch Gewährung vonFörderungen, Beihilfen und Eigenmittelersatzdarlehen für das Anmieten geförderter, von gemeinnützigenBauträgern errichteten Wohnungen. Nach einer Zeit mit einer fragwürdigen öffentlichen Diskussion unterdem Schlagwort „Migranten im Gemeindebau“ haben mittlerweile alle Bundesländer unter bestimmtenBedingungen Zugang für Zuwanderer zu gefördertem Wohnraum geschaffen.Die Zugangsregeln sind nicht einheitlich. Laut einer 2011 für diesen Beitrag durchgeführten Erhebung derWiener Wohnbauforschung7 setzen alle Bundesländer die Erfüllung der sozialen Förderkriterien voraus,differieren jedoch was Staatsbürgerschaften bzw. den Aufenthaltsstatus betrifft. In den meisten Bundesländerngenügt für ein Ansuchen um Wohnbauförderung für Miete ein legaler Aufenthaltsstatus unter Erfüllung der EU-Aufenthalts- und Niederlassungsbedingungen, der bei ÖsterreicherInnen, EU-BürgerInnen, EWR-BürgerInnensowie ihnen Gleichgestellten wie zB anerkannten Flüchtlingen gegeben ist. In Vorarlberg ist ein unbefristeterlegaler Aufenthaltsstatus (der erst nach 10 Jahren erreichbar ist) erforderlich, sowie eine achtjährigeSteuerpflicht. Kärnten verlangt von Drittstaatenangehörigen einen mindestens fünfjährigen Aufenthalt und denNachweis von Deutschkenntnissen.In Wien werden EU-BürgerInnen und Gleichgestellten, anerkannte Flüchtlingen und Personen mitausländischer Staatsbürgerschaft, die mehr als fünf Jahre in Österreich leben, die gleichen Rechte einräumt wieösterreichischen StaatsbürgerInnen. Eine Vereinheitlichung der Richtlinien wäre wünschenswert und ist politischzu fordern.6 Die Sanfte Stadterneuerung ist seit 1996 ein UN-HABITAT Best Practice und hat 2010 den HABITAT Scroll of Honour erhalten.7 www.wohnbauforschung.at
  • 31. Kolumnentitel 31DER FORMALE ZUGANG REICHT NICHT AUSNicht nur der formale Zugang von Zuwanderern zu gefördertem Wohnraum ist sicherzustellen. Zuwanderersind über die Möglichkeiten und die finanziellen Voraussetzungen, geförderten Wohnraum zu erhalten, auchumfassend zu informieren – um dies wirkungsvoll zu bewerkstelligen, wohl auch in ihren Muttersprachen, auchwenn manche Behörden explizit und im Sinne einer positiven Kompetenzzuschreibung davon ausgehen, dassdie Zuwanderer die deutsche Sprache beherrschen. Das mehrsprachige Angebot in einschlägigen Beratungs-stellen wird jedenfalls trotzdem eifrig genutzt.Neben der Einhaltung objektiver Vergabekriterien ist auch durch Bewusstsein bildende Maßnahmen zu verhindern,dass es zu versteckter Diskriminierung aufgrund nationaler oder ethnischer Zugehörigkeit kommt. Immerwieder berichten Wohnungssuchende mit ausländisch klingenden Namen oder einem sprachlichen Akzent,dass Wohnungen, insbesondere im privatwirtschaftlichen Sektor, als „schon vergeben“ deklariert werden, diedann für den nächsten Anrufer, der sich als eingesessener Österreicher präsentiert, noch zu haben sind.Es steht außer Zweifel, dass Wohnen – neben Bildung und Arbeit – einer der wesentlichsten Aspekte derIntegration von Zuwanderern in ihrem neuen Heimatland ist. Eine gute Wohnadresse, ein ansprechendesWohnumfeld, eine gepflegte Wohnanlage und nicht zuletzt die angemessene Größe und gute Ausstattungder Wohnung, möglichst mit eigenem Balkon, können durchaus als Gradmesser des Eingebundenseins in dieAufnahmegesellschaft gesehen werden.INTERKULTURELLE HAUSVERWALTUNGAuch im Wohnumfeld haben es MigrantInnen nicht immer leicht. In der kürzlich durchgeführten europäischenWertestudie8 trat zutage, dass die ÖsterreicherInnen von allen EuropäerInnen am wenigsten geneigt sindEinwanderer als Nachbarn zu haben. Der negative politische Diskurs in Bezug auf die Migration, der seitden 1990er Jahren in Österreich – von bestimmten politischen Gruppierungen geschürt – leider breit geführtworden ist, hat auch in der wohlmeinenden Bevölkerung, auch wenn sie persönlich keine schlechten Erfahrungenmit MigrantInnen gemacht hat, ihre Spuren hinterlassen. Misstrauen ist gewachsen, Vorurteile habenzugenommen und erschweren insbesondere in sozial schwächeren Nachbarschaften – etwa in manchenWiener Gemeindebauten – das Zusammenleben. Zwar entpuppen sich Konflikte meist als solche, die inNachbarschaften immer schon üblich waren, doch werden sie jetzt vermehrt den kulturellen Eigenschaften derZuwanderer zugeschrieben. Wenn der Lärm der spielenden türkischen Kinder stört, vergisst man allzu leicht,dass man vor Jahrzehnten, als noch keine MigrantInnen da waren, als Kind selbst vom Hausmeister oder vonHausparteien vom Hof vertrieben worden ist, weil man zu laut war.Tatsache ist aber, dass wohl auch unterschiedliche Wohnkulturen bestehen, die ethnische Hintergründehaben. Großfamiliäre Strukturen südländischer MigrantInnen mit hoher gegenseitiger Besuchsfrequenz führenzu mehr Lärmentwicklung und manchmal zu der sprichwörtlichen „Schuheansammlung“ vor der Wohnungstüram Gang, die für eingesessene ÖsterreicherInnen irritierend ist.8 http://ktf.univie.ac.at/wertestudie
  • 32. 32 KolumnentitelSüdländerInnen empfinden laut spielende Kinder selten als Ärgernis. Nutzungskonzepte was die gemeinschaft-lichen Räume im Haus betrifft, sind manchmal durchaus kulturell geprägt und daher unterschiedlich. Es liegt aufder Hand, dass sich dadurch Konfliktpotenzial ergibt.In Deutschland sind SozialarbeiterInnen rund um größere Wohnanlagen durchaus keine Seltenheit mehr.In Wien kümmern sich Organisationen wie die „Wohnpartner“ (in den Gemeindebauten, siehehttp://www.wohnpartner-wien.at/) und die „Gebietsbetreuungen“ für die übrigen Wohnbereiche (siehehttp://www.gbstern.at/) um nachbarschaftliches Miteinander.Im Übrigen sind es wohl die gemeinnützigen Hausverwaltungen, die durch ihre Nähe zu dem sehrpersönlichen Lebensbereich Wohnen geradezu prädestiniert sind, bei der Integration eine Schlüsselstellungeinzunehmen, denn der interkulturelle Dialog in Wohnanlagen bedarf oft der Hilfestellung. Für einzelneMieterInnen ist es auch mit gutem Willen nicht immer einfach, den ersten Schritt auf die/den anderen zu zutun und das Gespräch mit dem fremden Nachbarn zu beginnen. Hier tut sich ein Handlungsfeld für Haus-verwaltungen auf, die auf unterschiedliche Weise vermitteln können.Hausverwaltungen können auf die kulturelle und sprachliche Vielfalt © WBV-GPAeingehen, zB durch das Verfassen und Vermitteln einer Hausordnung,die für alle verständlich ist. Dazu können Cartoons ebenso verwendetwerden wie Mehrsprachigkeit. Des Weiteren kann eine HausverwaltungAnlässe und Gelegenheiten schaffen, den interkulturellen Dialog in Gangzu setzen und zu fördern.So sind etwa Haus- und Hoffeste eine gute Gelegenheit, Anliegenvon MieterInnen aufzunehmen, Botschaften zu vermitteln und im Hausgemeinschaftsbildend zu wirken. Auch für künstlerische Interventionen,die die Bewohnerschaft einbeziehen oder für Kulturprojekte wie Chöreoder Tanzgruppen, sind Wohnanlagen ein idealer Ausgangspunkt undeine gute Gelegenheit, vor allem auch jugendliche BewohnerInnenjeglicher Herkunft, in gesellschaftliche Aktivitäten mit einzubeziehen.Solche Initiativen sind, da sie auf Potenzial statt auf Defizite abstellen, weit wirksamer als traditionelleSozialarbeit. Es gibt dazu bereits zahlreiche erfolgreiche Beispiele.9 Interessant sind auch internationaleModellprojekte wie zB die „Stadtteilmütter“ in Berlin-Neukölln (siehe http://www.stadtteilmuetter.de/), die,entsprechend adaptiert, auch in österreichischen Städten erfolgreich umgesetzt werden könnten.9 Die Wohnbauvereinigung für Privatangestellte hat im Kauerhof, einer von Menschen aus 18 verschiedenen Nationen bewohnten Anlage in Wien-Fünfhaus, eineKooperation mit dem Kulturverein Superar (http://superar.eu/). Dort wurden im Februar 2012 ein Kinder- und ein Jugendchor etabliert, die unter professionellerAnleitung täglich proben und demnächst ihre erste öffentliche Aufführung absolvieren werden.
  • 33. Kolumnentitel 33INTERKULTURELLE WOHNPROJEKTEDie Stadt Wien hat in den letzten Jahren mehrmals Wettbewerbe unter dem Motto „Interkulturelles Wohnen“ausgeschrieben.Die Beiträge wurden in partizipativer Auseinandersetzung durch Bauträger, ArchitektInnen,GrünraumgestalterInnen und IntegrationsexpertInnen entwickelt, um bauliche und soziale Lösungen zu finden,die den Bedürfnissen der unterschiedlichen Kulturen gleichermaßen Rechnung tragen.Interkulturelle Wohnprojekte sollten sowohl im Neubau als auch im Rahmen der Sanierung bzw. der Bezirks-betreuung gefördert werden, da sie das Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen zum Normalfall machen.POLITISCHE FORDERUNGENDie wichtigsten politischen Forderungen mit Implikationen auf die Einbindung von Zuwanderern sind vor allemdie folgenden:1.) Wohnbauförderung ausschließlich für Mietwohnungen. Im Hinblick auf knapper werdende öffentliche Mittel für Wohnbau sollten diese ausschließlich dem Mietsegment zugeführt werden.2.) Zweckbindung der Wohnbauförderungsmittel des Bundes, die an die Länder gehen, ausschließlich für den Wohnbau. Derzeit wird dies nur in Wien praktiziert.3.) Bundesweite Vereinheitlichung der Zugangsregeln für den geförderten Wohnbau4.) Ausbau und Förderung von Nachbarschaftsservices und Kulturinitiativen im Wohnumfeld.5.) Politische Öffentlichkeitsarbeit mit dem Ziel, breites Verständnis für die Unterschiedlichkeit von Kulturen und Lebensformen zu schaffen in der Gewissheit, dass kulturelle Vielfalt eine große Bereicherung für unsere Gesellschaft ist.
  • 34. 34 KolumnentitelKollektivvertragswirksame AnerkennungenGerald Musger, GPA-djp Interessengemeinschaften work@professional97% aller Arbeitsverträge haben als Basis einen Kollektivvertrag. Damit ist Österreich Weltmeister. Zusammenmit dem Recht des Betriebsrates, die richtige Einstufung im Kollektivvertrag zu überprüfen, gibt es alsorechtlich sehr gute Voraussetzungen, fehlerhafte Verträge und Diskriminierung durch zu geringe Entlohnung,zu verhindern.Dennoch ergeben sich viele Fragen der Anerkennung formaler Bildungsabschlüsse, vorgeschriebenerQualifikationsnachweise sowie informeller Kompetenzen und Berufserfahrungen. Kollektivverträge enthaltenzwar explizit oder implizit das Verbot jeglicher Diskriminierung, dennoch ergeben sich aus Branchen- undStaatenwechsel, eine Reihe systemischer Hürden, die erst einmal überwunden werden wollen.UNTERSCHIEDLICHE EINSTUFUNGSKRITERIEN IN DEN KOLLEKTIVVERTRÄGENKollektivverträge stufen die ArbeitnehmerInnen in der Regel in verschiedene (meist zwischen 5 und 11)Gruppen ein, die nach unterschiedlichen Kriterien gegliedert und mit entsprechenden Tabellen von Mindest-grundgehältern/Mindestlöhnen kombiniert sind.Je nach Tradition der Branche und der Berufe, stehen dabei entweder die zertifizierten Qualifikationen(Zeugnisse, Diplome)10 oder die theoretischen und praktischen Kompetenzen, unabhängig vom formalenAbschluss11, im Vordergrund. Zusätzlich zu den erwähnten Kollektivvertragsgruppen sehen die meistenKollektivverträge auch die Berücksichtigung beruflicher Erfahrung, in zwei- oder mehrjährigen Vorrückungs-stufen, vor.Die Frage der Anerkennung stellt sich daher als komplex und auf verschiedenen Stufen dar. Da betrieblicheoder branchenweite Kollektivverträge anderer Länder manchmal weder Qualifikations- oder Tätigkeits-beschreibungen kennen und auch berufliche Erfahrungen nicht immer berücksichtigen, sind BetriebsrätInnengut beraten, all diese Grundlagen einer korrekten kollektivvertraglichen Einstufung in Österreich, bei neuankommenden ArbeitsmigrantInnen, genau zu hinterfragen, damit keine Rechte verloren gehen.Dazu kommt noch, dass in manchen Ländern größere Gruppen qualifizierter ArbeitnehmerInnen von denKollektivverträgen ausgenommen sind, während sie in Österreich in ihren Genuss kommen.10 zB Kollektivvertrag für Gesundheits- und Sozialberufe (BAGS), Verwendungsgruppe 7:Diplom-SozialbetreuerInnen mit Altenarbeit (AA), Behindertenarbeit (BA), Behindertenbegleitung (BB) und Familienarbeit (FA), Dipl. Gesundheits- und Krankenpflege-personal (DGKP), DGKP mit Verwendung, zu deren Ausübung eine Sonderausbildung* notwendig ist, GroßküchenleiterInnen, HaustechnikerInnen, SachbearbeiterIn-nen, Sicherheitsfachkräfte, Kindergarten- und HortpädagogInnen*Sonderkindergarten- und -hortpädagogInnen, alleinverantwortliche Behindertenfachkräfte, Berufs- und SozialpädagogInnen (zB in dislozierten Wohngruppen undin der beruflichen Rehabilitation), FrühförderInnen, LehrlingsausbildnerInnen mit Spezialaufgaben (zB im Behindertenbereich), Musik- und SportförderInnen, Lern- undFreizeitbetreuerInnen, Fachkräfte in der Flüchtlingsbetreuung, alleinverantwortliche Fachkräfte für die Betreuung von TMA.11 zB Kollektivvertrag Metallindustrie, Beschäftigungsgruppe H:ArbeitnehmerInnen, die selbstständig schwierige und verantwortungsvolle Tätigkeiten mit beträchtlichem Entscheidungsspielraum verrichten, die besondere Fach-kenntnisse und praktische Erfahrung erfordern. Weiters ArbeitnehmerInnen, die in beträchtlichem Ausmaß mit der Leitung von Projekten betraut sind und dabei imSinne der Tätigkeitsmerkmale der Beschäftigungsgruppe tätig werden. Ferner ArbeitnehmerInnen, die regelmäßig und dauernd mit der selbstständigen Führung,Unterweisung und Beaufsichtigung von zumindest 4 ArbeitnehmerInnen, worunter sich mindestens 1 ArbeitnehmerIn der BschGr. G und 2 ArbeitnehmerInnen derBschGr. F befinden müssen, beauftragt sind.
  • 35. Kolumnentitel 35AUTOMATISCHE ANERKENNUNG DURCH DIE EU-RICHTLINIE 2005/36/ECAuf der Grundlage europaweit harmonisierter Ausbildungssysteme, werden die Abschlüsse derBerufe Arzt, Krankenschwester, Hebamme, Apotheker, Zahnarzt, Tierarzt, Chirurg und Architekt innerhalb derEuropäischen Union und des Europäischen Wirtschaftsraums automatisch anerkannt. Für einige andere Berufs-gruppen sind zurzeit Bemühungen im Gange, die Anerkennungen – mittels so genannter Professional Cards– zu erleichtern. Eine Übersicht zu den europäischen Anerkennungssystemen findet sich auf der Website derEuropäischen Kommission: http://ec.europa.eu/internal_market/qualificationsSTAATLICHE ANERKENNUNGSVERFAHREN FÜR AUSLÄNDISCHEBILDUNGSABSCHLÜSSEFür die Ausübung einiger Berufe in Österreich sind Berufsberechtigungen erforderlich (so genannte reglementierteBerufe). Diese finden dann auch in den entsprechenden Kollektivverträgen ihren Niederschlag, in Form vonEingruppierungskriterien für die Verwendungsgruppen. Man unterscheidet die so genannte Berufszulassung fürAbschlüsse aus der EU und dem EWR gemäß den europäischen Anerkennungsregeln zur Gleichwertigkeit vonder so genannten Nostrifizierung, der Gleichwertigkeitsanerkennung von Abschlüssen aus Drittstaaten.Als Anerkennungsbehörden kommen das Ministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend (Lehrabschluss,Ingenieurtitel), das Wissenschaftsministerium (Studienabschlüsse), aber auch die Länder (Gesundheitsberufe)in Frage; das Wirtschaftsministerium übernimmt die Rolle der Koordination und internationalen Kontaktstelle.In einigen Fällen wird dieses Anerkennungsverfahren einfach durch Vorlage beglaubigter Übersetzungen vonZeugnissen sowie Unterlagen zu den Curricula zu bewerkstelligen sein. Je unterschiedlicher die Ausbildungs-wege und Gestaltungen der Berufe im Quell- und Zielland sind, desto komplizierter und auch zeitaufwändigerwird sich die Anerkennung gestalten.In jedem Anerkennungsverfahren kann die zuständige Behörde die Absolvierung ergänzender Ausbildungs-module verlangen, bevor die Gleichhaltung und damit Anerkennung erteilt wird. Das kann dann in der Praxiszu einer oft jahrelang falschen Einstufung oder Nichtzulassung zum erlernten Beruf und somit zu einerfaktischen Diskriminierung führen.EINFACHER NACHWEIS AUSLÄNDISCHER BILDUNGSABSCHLÜSSEHandelt es sich hingegen um einen in Österreich nicht reglementiertenBeruf und sieht der Kollektivvertrag lediglich vor, dass zB einequalifizierte Tätigkeit vorliegt, die in der Regel einen (Fach-)Hoch-schulabschluss erfordert, dann genügt zum Nachweis und somitzur kollektivvertraglichen Anerkennung der Verwendungsgruppeeine beglaubigte Übersetzung des ausländischen Abschluss-diploms oder Abschlusszeugnisses.
  • 36. 36 KolumnentitelWenn der Kollektivvertrag in seinem Einstufungssystem ausschließlich auf der summarischen Tätigkeits-beschreibung beruht, dann ist eine Vorlage von Zeugnissen streng genommen nicht erforderlich. Allerdingswerden ArbeitnehmerInnen schon bei ihrer Bewerbung ihren Lebenslauf mit entsprechenden Zeugnissendokumentieren und dadurch ihre Kompetenz unterstreichen wollen. In diesen Fällen wird eine einfache Kopieder Diplome bzw. auch eine unbeglaubigte Übersetzung ausreichen.ANERKENNUNG UND ANRECHNUNG FACHEINSCHLÄGIGER VORDIENSTZEITENDie meisten österreichischen Kollektivverträge kennen eine Anrechnung der Berufserfahrung, wenn sie für dievorgesehene Tätigkeit in der neuen Arbeit relevant ist. Facheinschlägige Vordienstzeiten werden im definiertenAusmaß angerechnet und bewirken dann ein entsprechend höheres Gehalt in der jeweiligen kollektiv-vertraglichen Beschäftigungs-/Tätigkeitsgruppe. Sie können auch aus einer selbständigen beruflichen Tätigkeitresultieren. In jedem Fall müssen sie nachgewiesen werden. Dazu gibt es meist relativ kurze Fristen abBeginn des Beschäftigungsverhältnisses. Diese Fristen sind oft kaum zu halten, wenn man die nachweisendenDokumente nicht bereits rechtzeitig vorbereitet hat.Bei einem Berufswechsel im selben Land und in derselben Branche sind Vordienstzeiten durch das Dienstzeugnismeist leicht zu bewerkstelligen. Schwieriger wird es beim Branchen- und damit Kollektivvertragswechsel, denndie Strukturen und Beschreibungen der Kollektivverträge können sehr unterschiedlich sein; der Nachweis fach-einschlägiger Tätigkeit gelingt dann nur in einer detaillierten Einzelbestätigung, wie sie in Standarddienst-zeugnissen nicht immer gegeben ist.Wenn beim Arbeitswechsel von einem in ein anderes Land die Qualifizierungswege, die Kollektivverträge,die Strukturen und die Arbeitsverträge stark unterschiedlich sind, die eventuell vorhandene Dokumentation nurin einer Übersetzung vorliegt oder überhaupt nicht mehr aufzutreiben ist, weil die Arbeitgeberinstitution mitdem politischen Umbruch einfach untergegangen ist, dann kann der Nachweis der Vordienstzeiten ein sehrschwieriges Unterfangen werden.EUROPÄISCHE INSTRUMENTE, UM ANERKENNUNG PRAKTISCH ZU MEISTERNEine praktische Hilfe stellt dabei der so genannte Europäische Qualifikationsrahmen (EQR) dar, den man alsReferenzsystem beim Vergleichen unterschiedlicher Eingruppierungssysteme und beruflicher Beschreibungennutzen kann:12Der EQR als Referenzsystem eignet sich deshalb gut, weil er bereits auf einer langen europaweiten Debatte beruht und die Komplexität formaler Ausbildungen, erworbener Berufserfahrungen und allgemeiner sozialer Kompetenzen abbildet, den Vorzug eines durchgängigen Systems von den niedrigsten bis zu den höchsten Kompetenzen aufweist, und mit 8 Niveaus praktikabel genug ist, zumindest grob der Vielfalt der Beschreibungsanforderungen von Arbeitsverträgen zu genügen.12 Siehe http://ec.europa.eu/education/pub/pdf/general/eqf/leaflet_de.pdf
  • 37. Kolumnentitel 37In ihrer jüngsten Initiative zur Erleichterung beruflicher Anerkennungen in Europa hat die EuropäischeKommission einen höheren Verbindlichkeitsgrad des bisher nur Empfehlungscharakter habenden EuropäischenQualifikationsrahmens eingemahnt. Das trifft sich gut mit der Initiative einiger europäischer Gewerkschaften,die so genannte Transparenzrichtlinie 91/533EEC zu verbessern. Indem für jeden Arbeitsvertrag ein Verweis auf das jeweilige Niveau im Europäischen Qualifikations- rahmen (EQR) verlangt wird, und ein Recht auf ein normiertes Arbeitszeugnis verankert wird, das die Berufserfahrung auf dem jeweiligen Niveau des Qualifikationsrahmens dokumentiert.13Denn derzeit gibt es keinerlei europäische Standards, wonach ein Arbeitsvertrag auch auf das Qualifikations-,Tätigkeits- und Kompetenzprofil Bezug nehmen muss, noch gibt es Vorschriften oder Standards für Arbeits-zeugnisse, die aber für den Nachweis unerlässlich sind.DAS EUROCADRES MOBILITÄTSBERATUNGSNETZWERK INFORMIERT RECHTZEITIGExpertInnen des Netzwerks "Eurocadres Mobilnet" des Rates der europäischen Fach- und Führungskräfteinformieren rechtzeitig zum arbeitsrechtlichen und kollektivvertraglichen Hintergrund der Arbeitsverträgeim Zielland, so dass notwendige Dokumente für Anerkennungen rechtzeitig gesammelt bzw. auch übersetztwerden können, und überprüfen auch vorgelegte Vertragsentwürfe. Denn Verhandeln und Verbessern lohntimmer, spätere Reparaturen eines unfairen Vertrags lassen sich meist nur sehr schwer durchsetzen.14MITWIRKUNG DES BETRIEBSRATS BEI DER EINSTUFUNG IM KOLLEKTIVVERTRAGDie Bedeutung der richtigen Einstufung und damit der richtigen Bezahlung muss gerade im Zusammenhang mitgrenzüberschreitendem Arbeitsplatzwechsel besonders hervorgehoben werden. Eine Nichtanerkennung vonVordienstzeiten (durch Unkenntnis oder Mangel an Nachweis) ist kaum aufzuholen, eine Einstufung in einefalsche Gruppe kann Gehaltsdiskriminierung nach sich ziehen.Der Betriebsrat hat aus der Arbeitsverfassung ein Recht, bei der Einstellung neuer MitarbeiterInnen über dievorgesehene Tätigkeit und damit die entsprechende Einstufung im Kollektivvertrag informiert zu werden. Dasgibt ihm auch die Möglichkeit, die neuen MitarbeiterInnen über ihre Rechte aufzuklären, nach beruflichemErfahrungshintergrund, Arbeitszeugnissen und Vordienstzeiten zu fragen.Wenn bei der Einstellung Fehler im Arbeitsvertrag hinsichtlich der Einstufung passiert sind, so können undsollen sie in den darauf folgenden Wochen repariert und der Vertrag korrigiert werden. Auch dazu kann derBetriebsrat aktiv werden.Positiver Nebeneffekt: So kann der Betriebsrat das Vertrauen der neuen MitarbeiterInnen gewinnen und sieauch für eine Gewerkschaftsmitgliedschaft motivieren.13 Siehe Richtlinie 91/533/EWG des Rates vom 14. Oktober 1991 über die Pflicht des Arbeitgebers zur Unterrichtung des Arbeitnehmers über die für seinenArbeitsvertrag oder sein Arbeitsverhältnis geltenden Bedingungen: http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=CELEX:31991L0533:DE:HTML14 Siehe http://www.eurocadres.org/
  • 38. 38 KolumnentitelMITWIRKUNG DER KOLLEKTIVVERTRAGSPARTNER IN DER METALLINDUSTRIEHier sieht der Kollektivvertrag eine erweiterte Mitsprache vor: Bei Nichteinigung auf betrieblicher Ebene kannder Betriebsrat ein Vermittlungsverfahren der Kollektivvertragsparteien einleiten. In Betrieben ohne Betriebsratkann die Gewerkschaft vermittelnd eingreifen, wenn die falsche Einstufung einer oder mehrerer Gruppen vonAngestellten als falsch vorgenommen vermutet wird.WIE WIR IN ÖSTERREICH UNSERE KOLLEKTIVVERTRÄGE EUROPAFIT MACHEN KÖNNENArbeitsplatzwechsel quer durch Branchen, aber auch im offenen europäischen Arbeitsmarkt werden in Zukunftsicher weiter zunehmen. Damit ist eine erhöhte Herausforderung gegeben, was Anerkennungen von Berufs-erfahrungen aus unterschiedlichen Hintergründen anlangt. Das Stichwort heißt „stärkere Durchlässigkeit“ derSysteme. Hier gibt es Reformbedarf mit mehreren Ansatzmöglichkeiten: Zusammenfassung von Kollektivverträgen zu größeren Komplexen (auch branchenübergreifend, zum Beispiel bei Dienstreisebestimmungen) Harmonisierung der Tätigkeitsbeschreibungen für größere Gruppen, um die Vergleichbarkeit zu erhöhen Andocken an das Matrixsystem des Europäischen Qualifikationsrahmens mit seinen drei Säulen von „Kenntnissen“ (Qualifikation), „Fertigkeiten“ (Anwendung) und „Kompetenzen“ (persönliche, soziale, entwicklungsbezogene Nutzung) und seinen acht Niveaus, um unterschiedliche Beschreibungssysteme vergleichbarer zu machenWELCHE INITIATIVEN WIR IN ÖSTERREICH UND AUF EUROPÄISCHER EBENEERGREIFEN KÖNNENStaatliche Anerkennungsprozeduren sind mit viel Bürokratie verbunden und erfordern einen langenHürdenlauf. Auf diesem Gebiet können Betriebsrat und Gewerkschaft Hilfen bieten, sei es bei der Verfahrens-begleitung, sei es durch Angebote, teilweise sehr teure Übersetzungen zu unterstützen.Mittelfristig sind sicherlich gesetzliche Initiativen auf nationaler und vor allem auch auf europäischer Ebeneerforderlich, um die Arbeitsmobilität zu erleichtern.Auf europäischer Ebene kann die Transparenzrichtlinie 91/533EEC verbessert werden: Bei den Mindest-anforderungen an einen Arbeitsvertrag soll auch das Kompetenzniveau entsprechend dem EuropäischenQualifikationsrahmen als verbindlich verankert und mit dem Recht auf ein standardisiertes Arbeitszeugnis dieAnrechnung und Berücksichtigung von Berufserfahrung erleichtert werden.
  • 39. Kolumnentitel 39Bildungshürde MigrationshintergrundBarbara Kasper, GPA-djp Jugendsekretärin der BundesjugendabteilungDie eigene Herkunft wirkt sich erheblich auf die eigene Bildungslaufbahn aus – Migrationshintergrund undSprache spielen eine wesentliche Rolle. Da das österreichische Bildungssystem nicht gerade vor sozialerBildungsdurchlässigkeit strotzt, haben es MigrantInnen gleich einmal doppelt so schwer.KINDERGARTEN/KINDERGRIPPEBildung beginnt im Kleinkindalter, also im Kinder-garten oder in der Kindergrippe. Laut Statistik Austriabesuchen Kinder mit Migrationshintergrund seltenerKrippen und Kindergärten, als Kinder ohne. DerBesuch solcher Einrichtungen fördert die Sprachfähig-keiten der Kinder jedoch enorm und verringert späterauch den sprachlichen Förderbedarf. Die Sprache zuerlernen und zu beherrschen, ist der Grundstein für einegute (Aus-)Bildung, und die Betreuung in Kindergärtenverbessert eindeutig die Sprachfähigkeiten.„Unter jenen Kindern, die zum Zeitpunkt der Sprachstandserhebung15 noch keinen Kindergarten besuchten,sondern ausschließlich in der Familie oder bei Tagesmüttern betreut wurden, war der Anteil der Kinder mitsprachlichem Förderbedarf mit rund 50% generell höher, als bei in Kindergärten betreuten Kindern (23%).Deutschsprachige Kinder, welche keine Betreuungseinrichtung besuchten, benötigten zu etwa 16% zusätzlicheUnterstützung, während es unter den fremdsprachigen Kindern sogar 80% waren.“ (Statistik Austria 2010:S. 40).Ein weiterer Grund dafür, dass der Anteil an Kindern mit migrantischem Hintergrund in Kindergärten mit25% (2008) deutlich unter dem von österreichischen Kindern in Kinderbetreuungseinrichtung liegt, ist, dassausländische Mütter seltener berufstätig sind als österreichische.Um diesen Problemen entgegenzuwirken, braucht es mehr Kinderbetreuungsplätze und die Ausweitung desverpflichtenden Kindergartenjahres auf zwei Jahre, da ein einzelnes Jahr für gegensteuernde Maßnahmen zukurz ist. Nötig ist auch die Aufnahme von Kindern in Betreuungseinrichtungen während des gesamten Jahresund nicht bloß im September.15 Im Frühjahr 2008 wurde eine Sprachstandsbeobachtung bei 4½- bis 5½-jährigen Kindern durchgeführt.Quelle: Statistik Austria: migration & integration. zahlen.daten.indikatoren 2010: S. 40
  • 40. 40 KolumnentitelSCHULE/SCHULPFLICHTDas Bildungsniveau von Kindern und Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund unterscheidet sich inÖsterreich deutlich. Wesentlich ist dabei, dass Kinder mit Migrationshintergrund, nur auf Grund unzureichenderDeutschkenntnisse, ihre Ausbildung oft in der Sonderschule anstatt in der Volksschule beginnen. Der Anteilan Kindern und Jugendlichen, mit nicht-deutscher Umgangssprache, in Sonderschulen betrug im Schuljahr2008/09 rund 28%.„In Volks- und Hauptschulen war hingegen nur gut ein Fünftel der Schulkinder fremdsprachig. In weiterführendenSchulen verringert sich der Anteil nicht-deutsprachiger SchülerInnen abermals: So stammen in Allgemein-bildenden Höheren Schulen 13% und in Berufsbildenden Höheren Schulen nur 11% der Auszubildenden ausfremdsprachigen Familien.“ (Statistik Austria 2010: S. 42)„Jugendliche mit nicht-deutscher Umgangssprache wechseln häufiger in Polytechnische Schulen und BMS16(zusammen 54%) als in maturaführende Schulen. Hinzu kommt, dass überproportional viele SchülerInnenund Schüler mit nicht-deutscher Umgangssprache nach der Hauptschule, wenn die Schulpflicht bereits erfülltwurde, ihre schulische Ausbildung überhaupt beenden und gar nicht erst in eine Ausbildung der Sekundarstufe IIeintreten.“ (Statistik Austria 2009/10: S.28)Zumindest 15% der fremdsprachigen Hauptschulkinder verlassen das Schulsystem ohne Pflichtschul-abschluss. Jeder Jugendliche, der die Schule ohne Pflichtschulabschluss verlässt, ist einer zu viel. Es kann nur imgesellschaftlichen Interesse sein, Kinder und Jugendliche möglichst lange im Bildungssystem zu halten und füreine gute Ausbildung zu sorgen. Studien belegen: Je besser die (Aus-)Bildung, desto geringer das Risiko auflangjährige Arbeitslosigkeit. Eine Selektion im Bildungssystem aufgrund ethnischer Kriterien und Herkunft istnicht zu akzeptieren. Stattdessen sollte das Können einer Fremdsprache in Österreich endlich als Vorteil undQualifikation anerkannt werden, und nicht als Nachteil oder gar Hürde gesehen werden.Um allen dieselben Bildungschancen zu gewährleisten, wäre die Einführung einer flächendeckendengemeinsamen schulischen Grundausbildung in den ersten neun Jahren für alle SchülerInnen mit individuellemUnterricht und Fördermaßnahmen ein erster Schritt. Das heißt, keine Aufteilung in Gymnasien und NeueMittelschule, sondern eine gemeinsame Ganztagsschule für alle, wo Lernen, Freizeit und Üben in Form vonLernhilfen und Förderangeboten über den ganzen Tag verteilt stattfinden.Besondere Aufmerksamkeit muss der Situation von Kindern mit nicht-deutscher Muttersprache geschenktwerden. Obwohl die Schule integrationspolitische Ziele unterstützen sollte, wirkt sie hier nur mäßig. Esbedarf besonderer Anstrengung, da diese Bevölkerungsgruppe mehreren sozialen Risikofaktoren (sprachlicheund soziale Defizite, Diskriminierung etc.) ausgesetzt ist. Wesentliche Maßnahmen sind der Einsatz vonIntegrationslehrerInnen und gezielt von PädagogInnen mit Migrationshintergrund.16 Berufsbildende mittlere Schulen
  • 41. Kolumnentitel 41Weiters sollte Kindern mit Sprachschwierigkeiten besser Hilfe angeboten werden, anstatt sie in die Sonder-schule abzuschieben. Sinnvoll wäre, Kinder in Sonderschulen jedes Jahr zu „überprüfen“, ob eine Rückkehrins Regelschulwesen möglich ist, wenn nicht generell die Abschaffung der Sonderschulen zu fordern ist. Es istnämlich nicht einzusehen, dass die Sonderschule die Endstation sein muss und Kindern die Chance auf Bildunggenommen wird. Bildung ist einer der Wege für Integration. Auch die OECD sieht Bildung als „starken Hebel“für Integration.LEHRAUSBILDUNG/FACHKRÄFTEDie möglicherweise größte Herausforderung des österreichischen Berufsausbildungssystems, aber auch einbesonderes Potenzial an zusätzlichen Lehrlingen und Fachkräften, ist die Integration von Jugendlichen mitMigrationshintergrund in das Ausbildungs- und Beschäftigungssystem.Denn Jugendliche mit Migrationshintergrund scheiden wesentlich häufiger bereits nach Erfüllen der Schulpflichtaus dem Bildungssystem aus. In der 8. Schulstufe befinden sich zwar noch rund 11% Jugendliche mit nicht-österreichischer Staatsbürgerschaft und rund 19% Jugendliche mit nicht-deutscher Umgangssprache, ab der10. Schulstufe sinkt der Anteil jener Jugendlichen aber markant.In der 12. Schulstufe liegt der Anteil an Jugendlichen mit nicht-österreichischer Staatsbürgerschaft nur mehr beirund 6%, jener an Jugendlichen mit nicht-deutscher Umgangssprache bei rund 9% (ibw 2011: S. 33). Das istnur mehr rund die Hälfte, teilweise weniger, als in den unteren Schulstufen (da Berufsschulen mit inbegriffensind, ist auch die Lehrausbildung enthalten). Nennenswerte geschlechtsspezifische Unterschiede gibt es beimfrühzeitigen Ausscheiden aus dem Ausbildungssystem nicht.Erstaunlich ist dennoch, dass Jugendliche mit Migrationshintergrund innerhalb der Sekundarstufe II in derLehrlingsausbildung besonders stark unterrepräsentiert sind. So lag der Anteil der Jugendlichen mit nicht-deutscher Umgangssprache in der Berufsschule im Jahr 2009/10 lediglich bei 8,8%, wobei der Anteil in denPolytechnischen Schulen noch bei 23,2% lag.Der geringe Anteil jener Jugendlichen in der Lehrlingsausbildung ist nicht nur aus integrationspolitischerPerspektive höchst problematisch, sondern auch hinsichtlich des von der Wirtschaft viel beklagten Fachkräfte-mangels.Hier besteht sowohl ein verstärkter Integrationsbedarf in Ausbildung und Arbeitsmarkt als auch ein hohes (undungenutztes) Potential an qualifizierten und talentierten (oft auch mehrsprachigen) Fachkräften der Zukunft, dasgerade auch unter dem Aspekt der rückläufigen Zahl an 15-Jährigen […] und der erwartbaren Fachkräftelückeaufgrund einer hohen Zahl an bevorstehenden Pensionierungen […] besondere Bedeutung gewinnen könnte.(ibw 2011: S. 37)
  • 42. 42 KolumnentitelAuffällig ist außerdem, dass der Anteil an Lehrlingen (2010) mit nicht-österreichischer Staatsbürgerschaft17 inder integrativen Berufsausbildung mit 18,3%, in der Überbetrieblichen Lehrausbildung mit 13,6%, in jenerdes AMS mit 14,1%, und in Ausbildungseinrichtungen 13,1% überproportional hoch ist. In Sparten wie derIndustrie oder Nicht-Kammer18 sind sie lediglich mit 3,8% bzw. 3,7% vertreten (vgl. ibw 2011: S. 39 ff.).Die Ursache für die Unterrepräsentation jener Jugendlichen in der Lehrausbildung und die Überrepräsentationin Ausbildungseinrichtungen ist nicht eindeutig festzustellen, jedoch ist eine Reihe von Faktoren ausschlag-gebend. Einerseits spielen Deutschkenntnisse eine Rolle, wodurch sich Jugendliche verunsichern lassen undsich gegen einen weiteren Ausbildungsweg entscheiden – obwohl viele Jugendliche mit Migrationshinter-grund, besonders jene der sogenannten 2. Generation, über gute Deutschkenntnisse verfügen.Ein viel größeres Problem liegt im Informationsdefizit hinsichtlich dualer Ausbildung auf Seite der Jugendlichenselbst, deren Eltern und der Betriebe. Die Art der dualen Ausbildung, wie sie in Österreich praktiziert wird, gibtes sonst in keinem anderen (europäischen) Land (Deutschland und Schweiz ausgenommen). Das führt dazu,dass migrantischen Jugendlichen dieser Ausbildungsweg nicht (gut) bekannt ist und somit ein Informations-defizit besteht: Welche Lehrberufe gibt es? Wie finde ich eine Lehrstelle? Was sind die genauen Fristen?Die Eltern sind in vielen Fällen noch schlechter informiert und können die eigenen Kinder nicht optimalunterstützen. Informationsdefizite und unzureichende Berufsorientierung, welche gerade bei Jugendlichen mitMigrationshintergrund besonders häufig anzutreffen sind, werden noch dadurch verstärkt, dass Jugendlichemit Migrationshintergrund häufig aus einer besonders bildungsfernen Herkunftsfamilie stammen (vor allem jenemit türkischem oder serbischem Migrationshintergrund). Geringe Kenntnis des österreichischen Systems derLehrlingsausbildung und fehlende Unterstützung bzw. fehlendes Wissen der Eltern kann beispielsweise schlichtund einfach dazu führen, dass Bewerbungen zu spät versandt werden. (ibw 2011: S. 37)Hinzu kommen Informationsdefizite sowie Ängste/Schwierigkeiten der Lehrbetriebe, welche sie hinsichtlichkultureller Unterschiede oder auch in Bezug auf die bürokratischen Erfordernisse/Beschränkungen derBeschäftigung von Jugendlichen mit nicht-österreichischer Staatsbürgerschaft haben.Weiters gibt es Betriebe migrantischer EigentümerInnen, die keine Scheu vor kulturellen Unterschieden haben,dafür aber gar nicht wissen, dass bzw. wie sie Jugendliche im eigenen Betrieb ausbilden können.Ein letzter Punkt ist, dass viele Jugendliche mit Migrationshintergrund nicht die 9. Schulstufe erreichen (wegenKlassenwiederholung, späterer Einschulung, …). Nur rund die Hälfte der 14-Jährigen befindet sich in der9. Schulstufe (2009/10). Das heißt, es ist davon auszugehen, dass ein großer Teil von ihnen die (neunjährige)Schulpflicht bereits vor dem Erreichen der 9. Schulstufe erfüllt und in der Folge die für die Berufswahl und-vorbereitung so wichtige 9. Schulstufe (zB polytechnischer Lehrgang) gar nicht besucht. (ibw 2011: S. 37)17 Bosnien-Herzegowina. Deutschland, Kroatien, Serbien, Türkei18 etwa öffentliche Verwaltung, Apotheken, Rechtsanwaltskanzlei etc.
  • 43. Kolumnentitel 43Um frühzeitigem Schulabbruch, Informationsdefiziten und unzureichender Berufsorientierung entgegen-zuwirken, ist eine verpflichtende Berufs-, Bildungsweg- und Arbeitsweltorientierung ab der 6. Schulstufeunbedingt notwendig. Kinder, Jugendliche und deren Eltern müssen frühzeitig über die Möglichkeiten derverschiedenen Ausbildungswege in Österreich informiert werden, sowohl über weiterführende Schulenals auch über die duale Ausbildung. Je früher mit diesem Prozess begonnen wird, umso eher erweisensich die angestrebten Pläne als realistisch und umso geringer ist die Wahrscheinlichkeit, in die Gruppe der"Orientierungslosen" zu fallen. (ibe 2011: S.5)Außerdem muss Unterstützung und Förderung von Mädchen und Burschen gegeben sein, die sich für Berufs-zweige entscheiden, die nicht den typischen gesellschaftlichen Rollenbildern entsprechen. In einem weiterenSchritt müssen alle UnternehmerInnen, mit und ohne Migrationshintergrund, bezüglich dualer Ausbildunggeschult und informiert werden, um zu wissen wie und unter welchen Voraussetzungen Lehrlinge auf-genommen und ausgebildet werden können. Es muss vor allem im Interesse der Betriebe sein, mehr Lehrstellenanzubieten, um mehr Lehrlinge und somit Fachkräfte auszubilden, die wir in Österreich nötig haben. Es ist nichtzu akzeptieren, junge MigrantInnen großteils in überbetriebliche Ausbildungsmaßnahmen abzuschieben undsich gleichzeitig über zu wenig qualifizierte Fachkräfte zu beschweren.Genau so wenig ist es zu akzeptieren, junge Menschen wegen ihrer Herkunft oder ihres Migrationshinter-grundes zu benachteiligen, ihnen Qualifikationen oder Fähigkeiten abzuschreiben – ihnen schlicht geringereChancen im Bildungsweg zu ermöglichen, als jungen ÖsterreicherInnen.Wir sollten endlich kapieren, dass die Herkunft, ein „anderes“ Aussehen, eine andere Muttersprache keinGrund für Benachteiligung sind. Im Gegenteil, wir müssen erkennen, dass wir alle von verschiedenen Fähig-keiten und Potentialen profitieren, und daher jeder und jede in Österreich die gleichen Chancen auf Bildunghaben muss.
  • 44. 44 KolumnentitelSprache als „Schlüssel“ zur Integration?19Verena Plutzar, Universität WienSprache spielt eine Schlüsselrolle in den Integrationspolitiken Europas. Die Integrationsprogramme dereuropäischen Länder vermitteln mehrheitlich, dass nur eine gemeinsame Sprache, in Österreich die Staats-sprache Deutsch, den sozialen Zusammenhalt in einer durch Diversität gekennzeichneten Gesellschaft sichernkönne und dass Sprachtests und verpflichtende Kurse die Durchsetzung dieses Zieles garantieren würden.Die Forderung, dass MigrantInnen die Landessprache zu erlernen hätten, suggeriert „einfache“ Lösungen, wokomplexe Bedingungsgefüge wirken. Mit dem Ziel Chancengleichheit herzustellen, werden Ungleichheitengeschaffen.SPRACHLERNZWANGIn Österreich gibt es seit 2003 im Rahmen der sog. „Integrationsvereinbarung“ im Niederlassungs- undAufenthaltsgesetz (NAG §14-16) eine gesetzliche Deutschlernpflicht. Gegenwärtig muss für die Erlangungeines Aufenthaltstitels eine Deutschprüfung auf dem Niveau A2 des Europäischen Referenzrahmens fürSprachen (GERS) abgelegt werden, deren Nicht-Bestehen Sanktionen bis hin zur Ausweisung zur Folge habenkann. Die Kosten für den Kursbesuch (vorgesehen sind 300 Stunden) sind von den MigrantInnen selbst zutragen und werden bei Bestehen der Prüfung innerhalb von zwei Jahren zur Hälfte (bis max. EUR 750,--)zurückerstattet. Seit Juli 2011 muss für die Erlangung der Staatsbürgerschaft eine Deutschprüfung auf demNiveau B1 bestanden werden und vor Einreise ist für sog. „Drittstaatsangehörige“ der Nachweis einesDiploms auf A1 obligatorisch.Die gesetzliche Sprachlernpflicht wird von SprachwissenschafterInnen und Fachverbänden kritischeingeschätzt. In erster Linie wird der Zwangscharakter der Maßnahme als kontraproduktiv beurteilt. DasGesetz unterstellt in dieser Form, dass man MigrantInnen zum Erwerb des Deutschen zwingen müsse undreagiert dabei vordergründig auf die Beobachtung, dass viele ZuwanderInnen trotz jahrelangen Aufenthaltsin Österreich nur über geringe Deutschkenntnisse verfügen. Es wird dabei übersehen, dass es bisher kaumausreichende Deutschlernmöglichkeiten für MigrantInnen gab bzw. dass Anreize, Deutsch zu lernen, fehlten.Außerdem geht der Gesetzgeber fälschlicherweise davon aus, dass ein Kursbesuch dem Erlernen einerSprache gleichzusetzen ist, und nimmt nicht zur Kenntnis, dass die Aneignung der Zweitsprache im Kontextvon Migration in erster Linie außerhalb von Kursen durch Sprachkontakte stattfindet.Schließlich wird die Koppelung unverhältnismäßiger Sanktionen, wie der Entzug der Aufenthaltserlaubnis, andas Bestehen einer Prüfung aus sprachenrechtlicher und ethischer Perspektive als bedenklich eingeschätzt.19 Dieser Text basiert auf einer gekürzten und leicht bearbeiteten Version meines Textes: Sprache als „Schlüssel“ zur Integration? Eine kritische Annäherung andie österreichische Sprachenpolitik im Kontext von Migration, in: Herbert Langthaler (Hrsg.), Integration in Österreich. Sozialwissenschaftliche Befunde. Innsbruck,Wien und Bozen: Studien Verlag. 121 – 140. Dort sind auch sämtliche Quellen- und Literaturangaben zu finden, die in dieser Version aufgrund von Platzgründenweggelassen wurden.
  • 45. Kolumnentitel 45WAS DAHINTER STEHTKenntnisse der Landessprache als Voraussetzung von Integration?Die gesetzliche Verpflichtung von MigrantInnen, die Landessprache in Kursen zu erlernen, wie auch derEinsatz von verpflichtenden Sprachprüfungen, werden durch die Annahme legitimiert, dass dieser Sprach-erwerb den Zugang zum Bildungssystem und Arbeitsmarkt eröffnet. Solche Erklärungsmuster blenden dabeiandere Faktoren wie zB die soziale Herkunft, rechtliche Rahmenbedingungen, systemimmanente strukturelleDiskriminierung, den ungleichen gesellschaftlichen Wert von Sprachen oder die sprachenpolitischen Rahmen-bedingungen in den Herkunftsländern, aus.Die Überbetonung der Rolle der Landessprache lässt übersehen, dass Integration ein komplexer und vor allemauch gesellschaftlicher Prozess ist, in dem gesellschaftspolitische Fragen entscheidend sind. Mehrfach wurdebereits am Beispiel der Pariser banlieues darauf hingewiesen, dass in Ländern mit kolonialer Vergangenheitdie Beherrschung der Landessprache durch MigrantInnen die Integrationsprobleme bzw. soziale Spannungenauch nicht verhindern konnte.Sprachenlernen, und vor allem das Sprachenlernen in der Migration, ist keine abstrakte, in Kursen geübteTätigkeit, sondern stellt eine soziale Praxis dar in der sich die gesellschaftlichen Machtverhältnisse wider-spiegeln und Einfluss auf individuelle Spracherwerbsverläufe nehmen können. Negativ erlebte Fremd-zuschreibungen, mangelnde Möglichkeiten des Selbstausdrucks und die Erfahrung der sprachlichenUnzulänglichkeit können den Spracherwerb hemmen. MigrantInnen werden in der Regel nicht als Sprach-lernende akzeptiert, noch werden sie in ihrer mehrsprachigen Identität anerkannt.Ein weiterer Zusammenhang zwischen Spracherwerb und dem individuellen Integrationsprozess stellt sichüber den durch die Migration hervorgerufenen Kulturschock, der auch als „Migrationskrise“ bezeichnet wird,her. Seine Auswirkung auf den Spracherwerb ist zwar anerkannt, wird aber weder in der Forschung nochin der Umsetzung von Sprachprogrammen entsprechend berücksichtigt. Deutschkenntnisse von MigrantInnenkorrelieren weder mit der Aufenthaltsdauer noch mit dem Stundenausmaß des Unterrichts, sondern mit derQualität der Sprachkontakte.Sprachförderung durch Kurse?Die Annahme der zentralen Rolle von Kursen ist wohl vonKonzepten des Lernens einer Fremdsprache inspiriert.Der Erwerb der Zweitsprache steht jedoch in Struktur undVerlauf dem Erwerb der Erstsprache näher. Spracherwerbfindet demnach weniger in Kursen als im „wirklichen“Leben statt. Kurse können hier lediglich eine unterstützendeFunktion übernehmen, indem sie zu sprachlichenErkundungen anregen und alltägliche Sprachgebrauchs-erfahrungen produktiv verarbeiten. Schließlich wird übersehen, dass Sprachenlernen weit mehr Zeit brauchtals in den verpflichtenden Kursstunden möglich gemacht wird.
  • 46. 46 KolumnentitelDie Macht der TestsTests sind in unserer Gesellschaft Symbole der Leistung und des Erfolgs geworden. Prüfungen werden imAllgemeinen als wichtiges Unterrichtsinstrument betrachtet. Erst Prüfungen würden, so die weit verbreiteteMeinung, SchülerInnen zum Lernen motivieren. Dieser Konsens über die positive Wirkung von Prüfungenerklärt, warum sie im Kontext von Integrationspolitiken so einen zentralen Einsatz finden und sogar von jenenanerkannt werden, die sich ihnen unterziehen müssen. Über die Sprachkompetenzen der getesteten Personensagen Sprachprüfungen jedoch vergleichsweise wenig aus, da sie den ungleichmäßigen Sprachprofilen vonmehrsprachigen Menschen nicht gerecht werden. Sprachkompetenzen von MigrantInnen können aufgrundihrer komplexen Sprachbiografien und schwierigen Lebenssituationen je nach Kontext und Lebenssituationbeträchtlich variieren. Will man etwas über die Sprachkompetenzen von MigrantInnen erfahren, so ist derEinsatz von komplexen, mehrsprachigen Erhebungsverfahren unumgänglich.Tests und Prüfungen unterstützen die dominanten Sozial- und Bildungssysteme. Im Rahmen von Migrations-politiken entscheiden sie über Zugehörigkeit oder Zutritt zu einer Gesellschaft. Jene, die die überprüften Inhaltereproduzieren können, werden mit Aufnahme belohnt, wobei zu fragen bleibt, ob es sich dabei nicht nur umeine scheinbare Aufnahme handelt.EIN FALSCHES VERSPRECHENWelche Sprache?Obwohl von „Sprachförderung“ gesprochen wird, ist ausschließlich die Landessprache, das Deutsche, gemeint.MigrantInnen werden für „sprachlos“ erklärt. Integrationsprogramme, die den Erwerb der Staatssprache alsgeeignetes Mittel zur Gewährleistung des sozialen Zusammenhalts in den Mittelpunkt rücken, präsentieren sichin einem nationalstaatlichen Paradigma. In diesem Zusammenhang wird ein „Mehrsprachigkeitsparadox“ dereuropäischen Sprachenpolitiken konstatiert: Einerseits wird viel Geld investiert, um Sprachenkenntnisse vonMenschen in den EU-Sprachen zu erweitern, während der durch Migration entstehende sprachliche Reichtumignoriert wird.Missbrauch sprachenpolitischer InstrumenteZu dieser Ignoranz der Sprachen der MigrantInnen Europas gesellt sich die missbräuchliche Verwendungdes Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens für Sprachen im Rahmen der Integrationsprogramme.Als Instrument, das ursprünglich dazu dienen sollte, mehrsprachige Kompetenzprofile adäquat zu erfassen,indem er die Beschreibung ungleichmäßiger und veränderlicher Kompetenzen erlaubt, wird er in Bezug aufdie Messung integrationsrelevanter Sprachkenntnisse, auf genau das reduziert, wogegen er sich richtet: aufeinheitliche Niveaubeschreibungen, die für alle Fertigkeiten gelten und damit für mehrsprachige Menschenunpassend sind.
  • 47. Kolumnentitel 47Symbolische PolitikAn diesen Inkonsistenzen der europäischen Politiken wird u.a. sichtbar, dass es den Regierungen nicht umIntegration, als vielmehr um Assimilation geht. Die Antwort auf die Frage, warum europäische Länder inunliberaler und paternalistischer Form auf Integrationsprogramme setzen, die sie als Sprachprogrammeauslegen und die oft mit großem Aufwand und hohen Kosten verbunden sind, wird einerseits mit Hinweisauf den symbolischen Charakter von Integrationsprogrammen beantwortet. Andererseits können die politischgeschürten Erwartungen durch die Operationalisierbarkeit der Sprachtests erfüllt werden: Integration durchSprache scheint eine Antwort auf die Frage zu erlauben, wie sich Integration organisatorisch ausgestaltenlässt.Die Implementierung von Integrationsprogrammen funktioniert als Botschaft an die Mehrheitsgesellschaft, dassdie Regierungen sich des „Problems Integration“ bewusst und gleichzeitig dabei sind, es zu lösen.Die Erwartungen, die mit dieser symbolischen Politik aufgebaut wurden, können hier wie dort nicht eingelöstwerden. Ganz im Gegenteil, eine aktuelle europaweite Studie zeigt, dass die verpflichtenden Sprachprüfungenkeinen nennenswerten Effekt auf die Verbesserung der Sprachkenntnisse, noch auf strukturelle Integrationhabe, wohl aber auf die Qualität der Einwanderung – bessere Qualifizierung und weniger Frauen. Die Studiebestätigt, worauf kritische Testtheoretiker bereits seit Jahren hinweisen: Sprachtests bieten Regierenden eineinfaches Werkzeug um exkludierende Politik zu betreiben.Was es sein könnte – Hier bieten sich aus meiner Perspektive drei Denkrichtungen an: Die erste beschäftigt sich mit der Frage, wie unter den gegebenen Bedingungen die Politik „Integration durch Landesprache“ verbessert werden kann. Hier lassen sich eine Reihe von notwendigen Maßnahmen nennen: Das Angebot an Deutschkursen müsste auf Freiwilligkeit beruhen und deren Attraktivität aus ihrer Qualität erwachsen. Dazu gehört in allererster Linie ein differenziertes Angebot auch auf höheren Niveaus. Außerdem haben Lernangebote über reine Deutschkurse hinauszugehen und entweder mit anderen Bildungserfahrungen verbunden zu sein, am Arbeitsplatz stattzufinden oder an Orten der Freizeit. Sprachlernen muss als etwas Kreatives und Lustvolles erlebbar und mit dem Aufbau von Beziehungen sowohl zu Menschen wie auch zu Orten und der Sprache selbst verbunden sein. Die zweite Denkrichtung löst Sprache aus der Integrationsdebatte wieder heraus und schärft das Bewusstsein dafür, dass Sprache in der gegenwärtigen Politik der Schauplatz eines symbolischen Kampfes geworden ist, bei dem „wir“ gegen „die Anderen“ angetreten sind, um „uns“ zu schützen. Das bedeutet, dass immer, wenn argumentiert wird, Sprachprüfungen und Sprachverpflichtungen seien zum Wohle der MigrantInnen eingesetzt, auf die Instrumentalisierung von Sprachenlernen in diesem Zusammenhang hinzuweisen ist. Es muss dabei immer deutlich und bewusst gemacht werden, dass es in diesem Zusammenhang nicht um Sprache, sondern um Macht geht. Die dritte Möglichkeit ist, Überlegungen anzustellen, wie die Gesellschaft mit der real existierenden Vielfalt an Sprachen und der zunehmend sprachteilig werdenden Realität umgehen und dabei den wohlfahrts- staatlichen Anspruch der Herstellung von Chancengleichheit erfüllen kann. Hier geht es darum, die Normalität von Viel- und Mehrsprachigkeit zu begreifen und das einsprachige Selbstverständnis des Staates und seiner Institutionen, allen voran der Schule, aufzugeben.
  • 48. 48 KolumnentitelMigrantInnen wird in der gegenwärtigen Sprachen-, Bildungs- und Integrationspolitik „von oben herab“begegnet, sie werden für sprachlos und ungebildet erklärt, es wird mittels Programmen und Sanktionen übersie verfahren und bestimmt und sie werden mit Kriterien gemessen, denen sie nicht gerecht werden können.Nicht die Förderung von Deutschkenntnissen, sondern eine Haltung, die sich u.a. auch in der Ignoranz derMehrsprachigkeit zeigt, ist mit aller Deutlichkeit in Frage zu stellen. Wenn es darum gehen soll, dass wir inÖsterreich wie auch in ganz Europa friedlich miteinander leben wollen, so muss sich diese Haltung ändernund die Bereitschaft entwickelt werden, allen Menschen, die in diesem Land leben auf gleicher Augenhöhe zubegegnen. Gelingt dies nicht, erreichen alle noch so gut gemeinten Bemühungen letztendlich das Gegenteil:Sie grenzen aus, wo sie doch Zusammenhalt schaffen wollen.
  • 49. Kolumnentitel 49„Man hört wenig von den Ursachen,sondern nur von den Symptomen!“Interview mit Mag.a Didem Strebinger (geführt von Hannah Putz)Es gibt nun zum ersten Mal in der GPA-djp einen Migrationsleitantrag, wie hast du diesenProzess beobachtet und welche Forderungen findest du besonders relevant?Das, was ich sehr wichtig finde, ist die Vereinfachung bei Einbürgerung und Staatsbürgerschaft, wo es vor allemum die Doppelstaatsbürgerschaften geht. Es findet eine eindeutige Differenzierung zwischen EU-BürgerInnenund Nicht-EU-BürgerInnen statt. Warum werden Menschen, die nicht in der EU geboren wurden oder eineandere Staatsbürgerschaft haben – die jedoch in Österreich arbeiten – nicht die gleichen Rechte zugesprochenwie EU-BürgerInnen? Ich finde, dass hier eine Ungleichbehandlung stattfindet. Ein weiterer wichtiger Punkt istdie Erleichterung beim Familiennachzug, was vor allem auch Frauen betrifft. Sie kommen nach Österreichnach, und ihr Verbleib ist quasi von der Person abhängig, wegen der sie hier sind. Und im Fall einer Scheidungkann es dann dazu kommen, dass sie das Land verlassen müssen. Also ich denke, dass das Gesetz nichtso gemeint war, und das ist sicher etwas was man nachkorrigieren sollte. Was immens wichtig ist, ist dieIntegration in den Arbeitsmarkt. Also, dass man Qualifikationen richtig anrechnet. Denn wenn das nichtpassiert, und die Personen, die hier arbeiten, niedriger eingestuft werden, untergraben wir unsere eigenenBestimmungen und Kollektivverträge. Und das sollte nicht der Fall sein!Stichwort Arbeitsmarkt: Wie könnte man den Anstieg der illegalen Arbeit eindämmen?Was sollen die Menschen sonst tun, wenn sie nicht legal hier arbeiten dürfen, von etwas müssen sie ja leben!Ich bin der Meinung, dass es weniger Bedarf für Schwarzarbeit gibt, wenn man die Forderung, den Arbeits-marktzugang zu erleichtern und das Ganze qualifizierter anzugehen, umsetzen würde. Die Gefahr, die ichauch sehe, ist, dass die Leute, die hier bereits schon illegal arbeiten, dies nicht ändern werden können.Wann bist du nach Österreich gekommen? Warst du anfangs mit Schwierigkeiten konfrontiert?Ich bin in Istanbul geboren und 1989 nach Österreich gekommen. Ich bin Absolventin der ÖsterreichischenSchule in Istanbul und deswegen war ich im Studium den ÖsterreicherInnen gleichgestellt. Ich habe mich nachdem Studium selbst entschieden, hier zu bleiben, da ich schon einen Freundeskreis aufgebaut hatte und es mirhier sehr gut gefiel. Ich hatte natürlich den Vorteil, dass ich die Sprache konnte. Das heißt aber nicht, dass icham Anfang den Dialekt verstanden habe. Ein Kollege hat mich dann beruhigt und gesagt, als er als Steirernach Wien gekommen ist, hat ihn auch niemand verstanden.Ist dir persönlich auch ein diskriminierendes Erlebnis in Erinnerung geblieben?Das Problem bei solchen Sachen ist, dass man es als Betroffene oft erst sehr spät merkt, dass es sich um eineDiskriminierung gehandelt hat. Man denkt zunächst: „Das kann nicht sein bzw. das war bestimmt ein Miss-verständnis!“. Und erst viel später kommt man drauf: Aha! Das war doch diskriminierend. Ich persönlich hattegrundsätzlich keine Probleme, eher im Gegenteil, alle waren mir gegenüber immer sehr offen. Als ich aber inGraz zu studieren begonnen habe, hat man mich vorgewarnt, dass es jemanden in der Inskriptionsstelle gibt,der Ausländer nicht mag und die Dinge gerne verzögert. Das hat sich dann leider auch bestätigt. Aber wiegesagt: Ich hatte schon den Vorteil, dass ich mich auf Grund der Sprache auf jeden Fall besser integrierenkonnte. Für jemanden, der die Sprache nicht so beherrscht, ist es schwieriger.
  • 50. 50 KolumnentitelWie beurteilst du die Debatte in den Medien rundum Migration und Integration?Das ist ein sehr schwieriges Thema und auch schwer zulösen. Es wird immer so verstanden, dass es Unterschiedezwischen InländerInnen und AusländerInnen gibt, aber es gibtUnterschiede zwischen den Ausländern und da gibt es aucheinige Probleme. Bei der Wiener Gemeinderatswahl 2010war Migration ein großes Thema und in dieser Zeit habeich viele Artikel gelesen, vor allem, wie die ausländischenMedien die Wahlen sehen. Und das war sehr interessant,weil unterschiedliche Zeitungen geschrieben haben, dass sie die Wiener nicht verstehen können. Denn derAusländeranteil liegt bei bloß 16% und Großstädte wie Paris und London haben ganz andere Problememit Kriminalität und „Ghettos“. Und diese Angst vor Ausländern hier versteht eigentlich niemand. Man darfdie Probleme natürlich nicht unter den Tisch kehren. Aber man hört wenig von den Ursachen, sondern nurvon den Symptomen, sodass man sich unsicher fühlt. Es hat ja mit dem Beitritt zur EU begonnen, wo schonklar war, dass es zu einer „Vermischung“ und dadurch zu Differenzen kommen wird. Entweder möchte mankosmopolitisch werden oder nicht, denn wenn man den einen Weg geht, muss man auch wissen, wie man mitden Nachteilen zurechtkommt.Es ist doch irgendwie auch die Unzufriedenheit mit der eigenen Situation, die die Leute dazubringt, Angst vor AusländerInnen zu haben...Da gebe ich dir völlig recht, das ist eben schon auch die eigene Unzufriedenheit, die einige dann auf andereübertragen. Aber bestimmt auch die Angst vor potenziellen Problemen, die noch gar nicht da sind, abermöglicherweise irgendwann eintreten. Und deswegen fürchten wir uns vor dem, was noch kommen kann.Die Finanzkrise stellt wahrscheinlich ein größeres Problem dar als die Kriminalität, die durch Ausländerverursacht werden könnte. Übrigens: die größte Gruppe der Ausländer sind immer noch die Deutschen.Es gibt Fälle, wo Menschen auf Grund ihrer nicht perfekten deutschen Aussprache oderihres ausländischen Namens am Arbeitsmarkt diskriminiert, oder oft erst gar nichtangestellt werden. Sind dir solche Fälle selbst bekannt?Diese Frage ist schwierig zu beantworten, wenn du jetzt mit jemandem aus dem Personalbereich sprichst, wirder dir sagen: „Nein, so etwas machen wir nicht.“In der Zeit vor meiner Einbürgerung im Jahr 2000 haben mich auch einige Firmen abgelehnt, weil sie wussten,dass sie für mich keine Arbeitsbewilligung bekommen würden. Damals war es auch so, dass man gewussthat, Österreich wird der EU beitreten, und man hat daher verstärkt Menschen aus „Drittländern“ keine Arbeits-bewilligung mehr erteilt.Du engagierst dich nicht nur im GPA-djp Steuerbeirat, sondern besonders auch für dieAnliegen von Frauen. Welche Besserungen würdest du dir für Frauen mit Migrationshinter-grund wünschen?Die Forderung nach kostenlosen Deutschkursen für alle nicht-deutschsprachigen Menschen in Österreich halteich für wichtig, allerdings hätte ich gerne einen Zusatz, der möglicherweise etwas seltsam klingt: Für einigeFrauen bräuchte man Kurse in deren Muttersprache, denn manche können weder Lesen noch Schreiben.Und Menschen, die nicht in der eigenen Muttersprache schreiben können, werden auch keine Fremdsprache
  • 51. Kolumnentitel 51lernen können. Und das ist das Problem von Frauen, die eben mitkommen, aber immer von ihren Ehemännernabhängig sind und auch nicht arbeiten können ohne Sprachkenntnisse.Man kann das nicht in allen Sprachen anbieten, aber für die Länder, wo man weiß, dass am meisten BürgerInnenhier vertreten sind sehr wohl. Das betrifft zwar hauptsächlich Frauen, aber auch Männer.Welche Anliegen sollten deiner Meinung nach in der Gewerkschaft noch mehr Beachtungfinden?Das was mir noch aufgefallen ist: Es ist schwierig für jemanden, der aus einem anderen Wirtschaftssystemkommt, ein Wirtschaftssystem, das auf der Sozialpartnerschaft beruht, zu verstehen. Die Menschen sinddann immer überrascht, dass sie Sozialversicherungsbeiträge zahlen müssen. Arztbesuche und Krankenhaus-aufenthalte werden in manchen Ländern ganz selbstverständlich privat bezahlt. Es wäre gut, wenn es nicht nurDeutschkurse gibt und man die Geschichte lernt sondern auch das Sozialsystem erklärt.Und vielleicht wäre es sinnvoll, dass die GPA-djp oder überhaupt die Gewerkschaften sich auch stärker fürdie Verbesserung des Ausbildungs- und Bildungssystems für MigrantInnen einsetzen. Das, glaube ich, fehltkomplett. Denn wenn man das System nicht versteht, wie soll man es dann anwenden oder sich überhauptzurechtfinden? Je mehr wir den Menschen ein Systemverständnis beibringen können, umso mehr können wirauch die Errungenschaften schützen. Man kann Nichts schützen, was man nicht versteht.Das Problem ist, dass AusländerInnen immer in Zusammenhang gebracht werden mit Kriminalität. Weitersist mir aufgefallen, dass viele AusländerInnen Angst voreinander haben. Vor allem im Bereich der geringenQualifikation. Denn wenn jemand unter den schwierigsten Umständen es endlich geschafft hat, nach Jahreneine Arbeitsbewilligung zu bekommen oder eben zu arbeiten, fürchtet er sich natürlich vor dem Nächsten,denn er schützt auch seine Errungenschaften. Das ist auch der springende Punkt: denn wenn das System-verständnis da wäre sowie der Arbeitsmarktzugang besser organisiert und erleichtert würde, dann wäre dasauch kein Problem mehr. Es geht nicht nur darum, dass man die Toleranz der ÖsterreicherInnen gegen dieAusländerInnen erhöht, sondern auch die zwischen den AusländerInnen.Wenn man weiters auch noch einen Integrationsminister hätte, könnte man diese Themen zentral regeln, bessergestalten und auch umsetzen! Vielen Dank für das Gespräch !
  • 52. 52 Kolumnentitel(Über-)leben und arbeiten ohne PapiereAndrea Schober, GPA-djp InteressenvertretungMigration ist ein äußerst komplexer und zutiefst psychisch und emotional anspruchsvoller Prozess. Weder wirdder Schritt in die Migration leicht gegangen, noch ist die Ankunft in der fremden Gesellschaft der Abschlussdieses Prozesses. Im Gegenteil, damit finden eine Vielzahl an neuen Unlösbarkeiten erst ihren Ausgang.Aufenthaltsbewilligungen, Arbeitsbewilligungen, fester Wohnsitz, Nachweise über ein – nach österreichischerNorm – ausreichendes Einkommen und eine Flut an Dokumenten und Papieren gilt es einzubringen und zuerreichen.Sprachkenntnisse, Orientierung im neuen Land, mit all seinen anderen Regeln und Maßstäben, Aufbau vonneuen sozialen Kontakten und Netzwerken, Arbeitssuche, Einschulungen, all das und noch viel mehr gilt eszu leisten. Die psychischen und sozialen Belastungen für die/den Einzelne/n sind enorm, die Hilfestellungendazu sind teilweise vorhanden, erfordern aber auch viel an Eigeninitiative, um sie nutzen zu können. Das giltfür MigrantInnen mit Aufenthaltstitel und Arbeitsbewilligung – noch mal um ein Vielfaches verschärft jedochist die Situation für Menschen, die entweder nur über eines von beiden verfügen, oder sogar weder einenAufenthaltstitel noch eine Arbeitsbewilligung haben.MigrantInnen, denen aufgrund ihres Aufenthaltsstatus der Zugang zum formellen Arbeitsmarkt verwehrt ist,sind auf Grund dessen oft im informellen Sektor tätig. Das betrifft auch Personen, die einen legalen Aufenthaltin Österreich haben, wie etwa StudentInnen, oder AsylwerberInnen im laufenden Verfahren. Diese Situationder Betroffenen wird oft als undokumentiert Arbeiten bezeichnet. Da hier eben keine Beschäftigungs-bewilligung vorliegt, müssen diese KollegInnen oftmals einer illegalen Beschäftigung nachgehen, um überhauptleben zu können. Diese Art prekärer, weil rechtloser, Beschäftigung finden sich vor allem in den BereichenHausarbeit, Pflege, Kinderbetreuung, also bei den haushaltsnahen Dienstleistungen, aber auch in Gastronomieund Tourismus, Landwirtschaft oder etwa in der Bauindustrie.Wir sprechen hier von Arbeitsverhältnissen, die vollkommen im rechtlosen Raum stattfinden: Denn die Abhängig-keit vom Arbeitgeber ist für die betroffenen ArbeitnehmerInnen in diesem Bereich absolut. Sie sind ganz undgar der Willkür der Beschäftiger ausgeliefert, egal ob in Sachen Entlohnung, Arbeitszeit, oder Arbeitsort.Die Angst vor Lohnbetrug, Anzeige oder Abschiebung wiegt mehr als jede Benachteiligung und Ausbeutung,daher akzeptieren undokumentiert Arbeitende oftmals menschenunwürdige Arbeitszeiten und Arbeits-bedingungen ebenso wie einen Stundenlohn von EUR 3,--.Eine Einschätzung, welche Rechte sie hätten, welche Bestimmungen in Österreich bei Lohnbetrug etc. gelten,haben die KollegInnen meistens nicht. Nicht nur, weil es eine Vielzahl von Regelungen gibt, die auch für Mutter-sprachlerInnen ohne einschlägige Ausbildung schwer zu erfassen sind, sondern auch, weil viele dieser Arbeit-nehmerInnen den Weg zu Arbeiterkammern und Gewerkschaften scheuen. Grund dafür ist wahrscheinlich,dass Kammern und Gewerkschaften oftmals als offizielle Repräsentanten des Staates Österreich wahr-genommen werden, und undokumentiert Arbeitende häufig schlechte Erfahrungen mit dem staatlichenEinrichtungen in ihren Herkunftsländern gemacht haben. Das heißt, es fehlt ihnen oft das grundsätzlicheVertrauen in diese Institutionen.
  • 53. Kolumnentitel 53In den letzten Jahren wurden die Regelungen bezüglich Aufenthaltstitel und Arbeitserlaubnis in Österreichimmer wieder verschärft und verhärtet. Mit der Einführung der „Rot-Weiß-Rot-Karte" 2011 und denBestimmungen aus der sogenannten Integrationsvereinbarung wird es für ausländische ArbeitnehmerInnenimmer schwieriger überhaupt in Österreich arbeiten zu können. Eine Konsequenz daraus ist, dass illegaleBeschäftigung weiter angeheizt wird und die Situation für undokumentierte ArbeitnehmerInnen sich weiterprekarisiert. Andererseits wurde aber auch das Lohn- und Sozialdumping- Bekämpfungsgesetz verabschiedet,welches sowohl ArbeitnehmerInnen das ihnen zustehende Entgelt für die erbrachte Arbeitsleistung sichernsoll, und bei Unterentlohnung Strafen für die Unternehmen vorsieht. Welche Maßnahmen können wir aber alsGewerkschaft noch ergreifen um die Situation für undokumentierte KollegInnen zu verbessern?In Deutschland wurden in dieser Beziehung schon mehr Erfahrungen gemacht als bei uns. Hier lebenSchätzungen zufolge bis zu einer Million Menschen ohne regulären Aufenthaltsstatus. Vor allem die VereinigteDienstleitungsgewerkschaft ver.di hat hier wertvolle Aufbauarbeit geleistet. 2008 eröffnete ver.di die ersteBeratungsstelle für undokumentiert Arbeitende in Hamburg, mittlerweile gibt es ein bundesweites Netz anBeratungsstellen. Für die Betroffenen wird hierbei umfassende Unterstützung für alle Lebensbereicheangeboten, denn die Arbeitssituation ist meist nur ein Problem aus einem ganzen Bündel an Schwierigkeiten.Die ArbeitnehmerInnen finden also nicht nur Hilfe bezüglich Lohnbetrugs, sondern auch was medizinischeVersorgung, Wohnungssuche, Aufenthaltsbewilligung etc. betrifft. Ver.di agiert hier im Verbund mit anderenInstitutionen und ist nur für den arbeitsrechtlichen Aspekt zuständig, wobei diese Leistung auch ausschließlichMitgliedern angeboten wird. Denn ver.di versteht sich als Gewerkschaft, nicht als Hilfsorganisation. FürKollegInnen ohne Aufenthaltstitel, die immer von der Abschiebung bedroht sind, hat ver.di Modalitäten für dieMitgliedschaft gefunden, etwa die Möglichkeit eine Mitgliedschaft unter einem Synonym abzuschließen, oderüber Vertrauensleute. Dadurch konnten viele Ängste abgebaut werden und dem Weg zur gewerkschaftlichenBeratungsstelle waren einige Hürden genommen.Ver.di hat schon eine Vielzahl an Erfolgen zu verzeichnen. Denn oft kommt es gar nicht zu arbeitsrechtlichenVerfahren. Meistens genügt es, wenn Arbeitgeber wissen, dass undokumentierte ArbeitnehmerInnen von derGewerkschaft vertreten werden, damit sie zu einem Vergleich bzw. Nachzahlungen bereit sind. Aus diesenErfahrungen heraus wäre es auch für Österreich wünschenswert und zielführend, eine ähnliche Beratungsstelle,im Verbund mit Gewerkschaften, Arbeiterkammern und NGOs einzurichten.Integration findet bei Kindern über den Schulbesuch und bei Erwachsenen oft über die Erwerbsarbeit statt.Deshalb ist die Arbeitssituation von MigrantInnen auch immer ein Indikator dafür, ob Integration überhauptgelingen kann, ob es überhaupt Möglichkeiten gibt, sich im Zielland eine neue Existenz aufzubauen, oder obdie neue Umwelt nur als feindlich und ausgrenzend erlebt wird. Beim Thema undokumentierte Arbeitende gehtes nicht nur darum, dass die Situation für die einzelne Kollegin, den einzelnen Kollegen, oder nur für dieseGruppe von ArbeitnehmerInnen inakzeptabel und beklemmend ist und ein Gefühl der Machtlosigkeit auslöst.Letztlich geht es darum, dass wir als Gewerkschaften auch in diesem Bereich unsere ureigenste Aufgabeübernehmen müssen, nämlich dem unendlichen Drang nach Bereicherung der ArbeitgeberInnen auf Kostender ArbeitnehmerInnen entschlossen entgegenzutreten. Denn je mehr ArbeitnehmerInnen undokumentiertarbeiten, umso mehr werden die hart erkämpften sozial- und kollektivvertragsrechtlichen Standards in Österreichunterminiert. Dies ist ein gesamtgesellschaftliches Problem, das wir mit aller Kraft verhindern müssen.
  • 54. 54 Kolumnentitel„Stell dir vor, du willst Arbeit und man gibt dir nur schlechte“ZUR ARBEITSMARKTINTEGRATION VON MIGRANTiNNEN IN ÖSTERREICH UNDAUSGEWÄHLTEN EU-STAATENClara Fritsch, GPA-djp Abteilung Arbeit und TechnikDieser Artikel widmet sich zwei Fragestellungen: Einerseits wird ein Überblick darüber gegeben, welche gesetzlichen Grundlagen es in Österreich für die Integration am Arbeitsmarkt für MigrantInnen gibt. Dabei sollen auch die Auswirkungen der Gesetzgebung auf die Arbeitsrealität von MigrantInnen dargestellt werden. Andererseits möchte ich versuchen, diese gesetzlichen Vorgaben in einen gesamteuropäischen Zusammen- hang zu bringen und punktuell denen in anderen EU-Ländern gegenüberzustellen.WIE IST DIE ARBEITSMARKTINTEGRATION VON MIGRANTiNNEN GESETZLICHGEREGELT?Um zu einer Arbeitserlaubnis zu gelangen, müssen Dritt-Staaten-Angehörige mehrereGesetze berücksichtigen: Ausländerbeschäftigungsgesetz (AuslBG), Fremdenpolizeigesetz (FPG), Niederlassungs- und Aufenthaltsgesetz (NAG) und Asylgesetz (AsylG)sind die wichtigsten davon.Die Rechtsgrundlagen sind aufs komplexeste miteinander verwoben. Mitunter ist die Arbeitserlaubnis anden Aufenthaltsstatus gebunden. Für Personen mit bestimmten Aufenthaltstiteln gilt eine unbefristete Arbeits-erlaubnis (zB Asylberechtigte, Daueraufenthaltsberechtigte), andere Arbeitsberechtigungen wiederum sindbefristet (zB Arbeitserlaubnis, Befreiungsschein).Wenn eine Arbeitserlaubnis beantragt wird, tritt entweder das Arbeitsmarktservice (AMS) auf den Plan undprüft die Qualifikation der BewerberInnen und/oder einE einzelneR ArbeitgeberIn erklärt sich bereit, eine/nbestimmte/n MigrantIn anzustellen (dazu muss gewährleistet sein, dass es keine inländischen ArbeitnehmerInnengibt, die diese Arbeit ausüben könnten). Die Arbeitsbewilligung wird nur für die eine angegebene Qualifikationgeprüft, wodurch de facto nur ein eingeschränkter Bereich als passender Arbeitsplatz für die jeweilige Personbestimmt wird. Beschäftigte aus Drittstaaten sind daher in einem sehr engen Abhängigkeitsverhältnis zu ihrem/rArbeitgeberIn und können nur in einem engen Berufsfeld gemäß ihrer Qualifikation beschäftigt werden.
  • 55. Kolumnentitel 55Durch die enge Bindung von Aufenthalt an die Arbeitserlaubnis sind ArbeitnehmerInnen ohne EU-Staatsbürger-schaft davon bedroht, ihren rechtmäßigen Aufenthaltstitel zu verlieren, sollten sie ihre Arbeit verlieren. Umdiesem Damoklesschwert zu entgehen, werden Arbeitsverhältnisse eingegangen, die weder den eigentlichenQualifikationen, noch den Wünschen der ArbeitnehmerInnen entsprechen. Für diese Menschen kommtzusätzlich zur finanziellen Abhängigkeit auch noch eine Abhängigkeit bezüglich ihrer gesamten Lebens-situation – ihr Aufenthalt in Österreich ist bei längerer Arbeitslosigkeit bedroht.Für Hochqualifizierte, Fachkräfte in Mangelberufen, sonstige Schlüsselkräfte und StudienabsolventInnen hatdie „Rot-Weiß-Rot-Karte” seit Juli 2011 den Arbeitsmarktzugang etwas erleichtert. Die „Rot-Weiß-Rot-Karte“schafft etwas Transparenz, indem sie eindeutige Punktebewertungen vorgibt. Und wer genug Punkte erreicht,erhält Zugang zum österreichischen Arbeitsmarkt. Was dabei nicht eindeutig geklärt ist, ist das Prüfungs-verfahren des AMS, das entscheiden soll, ob die BewerberInnen „entsprechend ihrer Qualifikation“ beschäftigtwerden. Wer auf Basis der „Rot-Weiß-Rot-Karte” arbeiten und leben will, muss ein überdurchschnittlich hohesEinkommen nachweisen, hat mit zunehmendem Alter weniger Chancen, muss Sprachkenntnisse vorweisen undmuss einer „Integrationsvereinbarung“ zustimmen (Die einzige „Branche“, die dezidiert ein paar Vorschuss-lorbeeren erhält, also Punkte für die Erfüllung der Anspruchskriterien, ist der Profisport). Für die Anerkennung von ausländischen Qualifikationen spielen die Niederlande eine Vorbild-Rolle. Hier ist eine einzige Behörde dafür zuständig, sämtliche im Ausland erworbenen Bildungsabschlüsse zu klassifizieren. Es gibt ein klares Bewertungssystem. Allfällige Gebühren übernimmt die Behörde. Übersetzungen werden von Amts wegen bezahlt.Wer eine österreichische Staatsbürgerschaft anstrebt, womit auch der uneingeschränkte Zugang zumösterreichischen Arbeitsmarkt verbunden wäre, muss einen Sprach- und Integrationstest absolvieren. Nacheiner Wartefrist von 10 Jahren können MigrantInnen einen Antrag auf die österreichische Staatsbürgerschaftstellen. Mit diesen formalen Anforderungen an eine Einbürgerung schafft es Österreich im EU-Ranking nochknapp vor den baltischen Staaten auf Platz 28 von 31. Portugal bietet MigrantInnen im EU-Vergleich die günstigsten Bedingungen für eine Einbürgerung. Das Staatsangehörigkeitsgesetz von 2006 ermöglicht uneingeschränkt die Doppelstaatsbürgerschaft. Die Wartefristen für AnwärterInnen aus Ländern mit portugiesisch als Amtssprache ist von zehn auf sechs Jahre verkürzt, wodurch sich Portugal von anderen ehemalige Kolonialmächten positiv unterscheidet. Es müssen keine Tests absolviert werden.Im „Migration Policy Index“ (MIPEX) wird die Gesetzeslage aller europäischen Staaten plus Kanada undUSA in Bezug auf Integration evaluiert: Rechtliche Arbeitsmarktbeschränkungen, Aufenthaltsregelungen,Einbürgerungsmöglichkeiten, politische Partizipationsrechte, Rechte der Familienzusammenführung und desBildungszugangs werden miteinander verglichen und danach bewertet, in wie weit sie den „Tampere-Zielen“der EU entsprechen.
  • 56. 56 Kolumnentitel1999 verfasste der EU-Rat im finnischen Ort Tampere folgende Schlussfolgerungen bezüglich der gemeinsamenAsyl- und Migrationspolitik: „Die Rechtsstellung von Drittstaatsangehörigen sollte der Rechtsstellung der Staats-angehörigen der Mitgliedstaaten angenähert werden.Einer Person, die (…) einen langfristigen Aufenthaltstitel besitzt, sollte (…) eine Reihe einheitlicher Rechtegewährt werden, die sich so nahe wie möglich an diejenigen der EU-Bürger anlehnen; zB das Recht auf Wohn-sitznahme, das Recht auf Bildung und das Recht auf Ausübung einer nichtselbständigen oder selbständigenArbeit sowie der Grundsatz der Nichtdiskriminierung gegenüber den Bürgern des Wohnsitzstaates.“Ausgewählte Wertungen aus dem Migration-Policy-Index 2011insgesamt wurden 31 Länder einbezogen(darunter USA und Kanada als traditionelle Einwanderungsländer außerhalb der EU) Arbeitsmarkt- Gesamtwertung Einbürgerung Bildung mobilität Schweden 1 1 2 1 Portugal 2 2 1 4 Kanada 3 5 3 2 Niederlande 5 3 5 10 Belgien 6 17 4 3 USA 9 11 8 8 Deutschland 12 6 9 17 Österreich 24 14 28 15Quelle: Mipex Weltweit gesehen sind Schweden, Portugal und Kanada jene drei Industrieländer, welche die Tampere-Ziele am weitestgehendsten erfüllen, also eine integrationsfördernde Politik auf allen Ebenen betreiben. Auch bei den Einbürgerungsmöglichkeiten legen diese drei Staaten den MigrantInnen die wenigsten Hürden in den Weg. Auffällig dabei ist, dass es einen engen Zusammenhang zwischen der Integrationsförderung insgesamt und der integrationsfördernden Gesetzgebung am Arbeitsmarkt gibt. In allen drei Wertungen (Gesamt, Einbürgerung und Arbeitsmarkt) liegen Schweden und Portugal entweder auf Platz eins oder zwei; die Niederlande sind insgesamt auf Platz fünf, in der Mobilität des Arbeitsmarktes für MigrantInnen auf Platz drei. Die Schlussfolgerung, dass eine gute Gesetzgebung zur Arbeitsmarktintegration Hand in Hand geht mit einer guten gesetzlichen Grundlage zur allgemeinen Integration, ist zulässig (Eine weitere enge Verbindung ist gegeben zwischen den gesetzlichen Bedingungen für Familienzusammenführung und denen für dauer- haften Aufenthalt).
  • 57. Kolumnentitel 57In Österreich hat sich seit 2010 die rechtliche Arbeitsmarktsituation für Dritt-Staaten-Angehörige laut MIPEXein wenig verbessert. Grund dafür ist der Nationale Aktionsplan (NAP), der konkrete Vorgaben entwickelt,um die Arbeitsmarktintegration zu verbessern. So werden im NAP beispielsweise kombinierte Sprach- undBerufsausbildungen eingeführt, ein verbessertes Betreuungsangebot für Arbeitslose mit Migrationshinter-grund eingerichtet oder die Aufnahme von ArbeitnehmerInnen mit Migrationshintergrund in der öffentlichenVerwaltung angestrebt. Allerdings konstatiert der MIPEX: „Dieser politische Veränderungsprozess hat vielPapier und Diskussion produziert, bislang aber wenig konkrete Verbesserung gebracht“.WIE SIEHT DIE ARBEITSMARKTSITUATION IN DER PRAXIS AUS?Soweit Datenmaterial verfügbar ist, kann folgende Zusammenfassung abgegeben werden: Dritt-Staaten-angehörige, die in EU-Ländern beschäftigt sind, arbeiten häufiger in befristeten Verträgen, in Teilzeitarbeits-verhältnissen, mit flexibler Zeiteinteilung (was sich vorwiegend dadurch bemerkbar macht, dass sie häufigerAbends, in der Nacht oder am Wochenende arbeiten) und mit einer schlechteren Informationslage, wasGesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz betrifft (Dublin Foundation 2011). Kurzum, sie sind häufiger das,was man „prekär beschäftigt“ nennt.Der Migrationsforscher August Gächter legt dar, in welchen Bereichen des Arbeitsmarktes Menschen ausDrittstaaten überproportional häufig anzutreffen sind: höher Qualifizierte arbeiten in Hilfs- und Anlerntätig-keiten, höher Qualifizierte sind arbeitslos, Menschen mit geringer Bildung sind häufig beruflich inaktiv (alsoweder arbeitslos, noch arbeitend, noch in Ausbildung) und unter den beruflich Inaktiven finden sich auchüberproportional viele Drittstaatenangehörige mit höherer Bildung. Im Raum Wien üben 60% der Arbeit-nehmerInnen mit Migrationshintergrund Hilfsjobs oder angelernten Tätigkeiten aus (Riesenfelder et al. 2011).Während in Österreich 2009 die nationale Arbeitslosenquote bei 4,8% lag, lag sie für Drittstaaten-Angehörigebei 12,8% (Eurostat). Diese – aus unterschiedlichsten Quellen stammende – Datenlage zeigt deutlich, dasses für Menschen aus Drittstaaten erheblich schwieriger ist, Arbeit zu erhalten, als für ÖsterreicherInnen bzw.EU-BürgerInnen. MigrantInnen sind vor allem dann im Arbeitsmarkt „integriert“, wenn es um wenig vorteilhaftePositionen geht. Gächter schreibt: „Es gibt einen ausgeprägten Trend EinwanderInnen unabhängig von ihrerBildung entweder in gering qualifizierten Tätigkeiten oder gar nicht zu beschäftigen.“Dieser Trend setzt sich – schwächer aber doch – auch in der zweiten Generation fort. Jugendliche, die inÖsterreich geboren sind und die eine inländische Berufs- bzw. Schulausbildung absolviert haben, deren Elternaber zugewandert sind, haben schlechtere Aussichten auf dem Arbeitsmarkt und sind häufiger arbeitslos alsihre gleichaltrigen KollegInnen mit inländischen Eltern. Insbesondere bei gering Gebildeten ist der Unter-schied eklatant. Während 6% der gering gebildeten Jugendlichen mit Eltern aus Österreich arbeitslos sind,beträgt dieser Anteil bei den Jugendlichen mit Eltern aus anderen Herkunftsländern 17% (Gächter 2010). DasVersprechen „Integration durch Ausbildung“ wird eindeutig nicht gehalten. In einer für den Raum Wiendurchgeführten Studie konnte allerdings festgestellt werden, dass diejenigen, die eine Anstellung bekommen,häufiger in höher qualifizierten Positionen tätig sind als es ihre Eltern waren (Riesenfelder et al. 2011).
  • 58. 58 Kolumnentitel Portugal bietet im EU-Vergleich die besten Chancen auf eine Anerkennung der Qualifikation für Dritt- Staaten-Angehörige. In Portugal wurde eingesehen, dass mit der Berücksichtigung ausländischer Qualifikationen dem „Brain Waste“ (der Begriff bezeichnet die „Verschwendung von Bildung“) effektiv entgegengewirkt werden kann. Seit 2007 ist in Portugal die gleichberechtigte Anerkennung von ausländischen Qualifikationen per Erlass gegeben.Nicht nur in Bezug auf die Qualifizierung müssen MigrantInnen auf weniger begehrten Plätzen ihre Arbeitverrichten. Auch wenn man sich ansieht in welchen Branchen MigrantInnen überwiegend häufig beschäftigtsind, lässt sich eine gewisse Benachteiligung feststellen.Die Statistik Austria schreibt: „Unternehmensdienstleistungen, wie zum Beispiel Gebäudereinigung, Arbeits-kräfteüberlassung oder Kraftwagenvermietung, waren im Jahr 2010 wiederum die Branche mit dem höchstenAnteil an Beschäftigten mit Migrationshintergrund (38%), wobei der Anteil der Frauen (46%) deutlich höherwar als jener der Männer (28%).“Einige MigrantInnen weichen angesichts der Hindernisse auf die Selbständigkeit aus. Die Dienste von„Selbständigen“ in Anspruch zu nehmen, ist allseits beliebt. Unternehmen wie einzelne AuftraggeberInnengreifen auf diese SubunternehmerInnen gerne zurück, ersparen sie sich damit doch ihrerseits Behördengänge,Sozialversicherungsbeiträge, die Verantwortung für Sicherheitsbestimmungen und nicht zuletzt das Einhaltenvon kollektivvertraglichen Mindeststandards. „Besondere Verbreitung findet der Rückgriff auf (angemeldete)selbständige migrantische Arbeit in der Baubranche, in der industriellen Reinigung und in der Pflege (…)“,schreibt die Ökonomin und Migrationsforscherin Bettina Haidinger.Probleme werden den Arbeitsuchenden schon in der Bewerbungsphase bereitet – die ja einer Arbeitsmarkt-beteiligung notwendiger Weise vorangeht. Eine Studie der Universität Konstanz stellte 2010 fest, dassBewerberInnen mit eindeutig türkischem Namen 14% weniger Gelegenheit zu einem Vorstellungsgesprächbekamen.Ähnlich erging es der fiktiven Bewerberin „Leyla Aktürk“, die bei einer Studie im Auftrag des österreichischenWissenschaftsministeriums im August 2011 nur von 40% der Unternehmen überhaupt eine Antwort bekam –und selbst diese führten in den seltensten Fällen zu einem Termin für ein Vorstellungsgespräch (Bei der Studiewurden Blindbewerbungen an die 500 größten Unternehmen und Institutionen Österreichs geschickt und dieResonanz darauf gemessen).
  • 59. Kolumnentitel 59 Schweden erreicht im MIPEX die höchste Punktezahl bei der Arbeitsmarktintegration. Seit 2010 sieht das „Arbeitsmarktvorbereitungsgesetz“ vor, wie neu eingereiste MigrantInnen beim Finden eines Arbeitsplatzes unterstützt werden sollen. Gemeinsam mit den MigrantInnen werden „Einführungspläne“ erarbeitet. Diese gelten für den Zeitraum von zwei Jahren, in denen den Neuankömmlingen finanziell und personell Unterstützung gewährt wird. Es werden verschiedene Formen von Einstiegsjobs angeboten. MigrantInnen können in Arbeitsplätze „hineinschnuppern“. Wer möchte, kann einen 60-stündigen Staatsbürgerschaftskurs besuchen. Das Prinzip „Spracherwerb durch Arbeit“ zieht sich durch, was bedeutet, dass Kenntnisse der Landessprache über die Arbeitsmarktintegration erworben werden und nicht davor – wie es in Österreich versucht wird. Es werden berufsbegleitende Sprachkurse angeboten, deren Besuch die Arbeitszeit reduziert. Außerdem gibt es für alle, die das wollen, eine/n persönliche/n „ArbeitsmarktbetreuerIn“, der/die je nach Bedarf bei der Arbeitssuche unterstützt, bei Vorstellungsgesprächen begleitet oder auch bei Übersetzungen behilflich ist. Hier wird dem Umstand Rechnung getragen, dass die meisten Arbeitsstellen über persönliche Beziehungen gefunden werden. Bei erfolgreicher Vermittlung erhält diese/r BetreuerIn (Personen aus einer NGO, einem Privatunternehmen oder einer Organisation) eine finanzielle Anerkennung. Für die Durchführung dieses Gesetzes wurden den Gemeinden und Kommunen EUR 100 Millionen zur Verfügung gestellt.Beschäftigung sollte mit einem ausreichenden Einkommen und einer sozialen Absicherung verbunden sein.Für MigrantInnen gilt das immer weniger. Sie sind durch befristete Arbeitsverhältnisse, komplizierte rechtlicheHürden, ein erschwertes soziales Umfeld, weil Familiennachzug nur quotenabhängig erlaubt ist,benachteiligt.Möchte man stabile Arbeitsverhältnisse, braucht es dazu einen stabilen Rechtsrahmen. „Der migrationspolitischeTrend von Seiten der EU-Mitgliedsstaaten geht allerdings in die gegenteilige Richtung: Aufenthalts- undBeschäftigungsstatus für MigrantInnen werden für unterschiedliche Zwecke, Längen und Personen fragmentiert“,schreibt der australische Migrationsforscher Stephen Castles. Anstatt einheitliche und damit einfacher zudurchschauende Beschäftigungsverhältnisse zu ermöglichen, werden immer unterschiedlichere Zugänge bzw.Hindernisse zum Arbeitsmarkt geschaffen. Dieses Vorgehen fördert präkarisierte Arbeitsverhältnisse undsoziale Unsicherheit. Einige Länder in Europa haben sich bereits von dieser Politik verabschiedet und sichauf den Weg in Richtung mehr Arbeitsmarktintegration von MigrantInnen gemacht. Schön wäre es, wennÖsterreich ihnen folgen würde.
  • 60. 60 KolumnentitelKanada – migrationspolitisches Vorzeigeland?Martin Bolkovac, GPA-djp Grundlagenabteilung„Im Gegensatz zu Europa kann keine Anti-Migrations- oder rassistische Partei in Kanada damit rechnen, eineWahl zu gewinnen.“ (Haroon Siddiqui, kanadischer Journalist)Kanada ist das Land mit der höchsten Nettozuwanderungsrate der Welt. Jedes Jahr wandern ca. 250.000Menschen neu nach Kanada zu. Die AusländerInnenquote beträgt 20%. Interessant ist, dass die KanadierInnentrotzdem mehrheitlich Immigration positiv beurteilen. So antworteten bei einer Untersuchung der renommiertenkanadischen Meinungsforschungsagentur „Nanos“ 4 von 5 Befragten, dass Migration ein positiver Schlüssel-faktor für Kanada sei. Und immerhin zwei Drittel gaben an, dass die kanadische Regierung mehr Sprach- undArbeitsmarktunterstützungen für MigrantInnen zur Verfügung stellen soll als bisher, auch wenn das mit Mehr-kosten verbunden ist.Für europäische BeobachterInnen von besonderem Interesse war in diesem Zusammenhang auch die Fernseh-diskussion der Spitzenkandidaten vor den Wahlen zum kanadischen Parlament 2011. Alle vier Diskutantenversuchten ihre promigrantische Haltung herauszustreichen und überlegten sich, wie die Bedürfnisse derZuwandererInnen erfüllt werden könnten, anstatt sich – wie bei europäischen Diskussionen üblich – dabei zuübertrumpfen, wer die härteste Position zur Abwehr von Neuzuwanderung einnimmt. Auch wurde nicht mitrassistischen Verunglimpfungen versucht, politisches Kleingeld zu gewinnen oder WählerInnen gegeneinanderaufzuhetzen.WAS IST DAS GEHEIMNIS DER KANADISCHEN MIGRATIONSPOLITIK?Als im kanadischen Parlament 1971 das sogenannte Multikulturalismus-Gesetz beschlossen wurde, machtedies Kanada zum Vorreiter. Kein anderes Land der Welt hatte zuvor eine offizielle Multikulturalismus-Agendain Gesetzesform gegossen. Es war darüber hinaus eine scharfe Gegenposition zum US-amerikanischenmelting pot-Ansatz, bei dem Assimilation im Zentrum stand. Kanada plädierte dagegen für ein kulturellesMosaik, durch das alle Bevölkerungsgruppen ihre eigenen Werte und kulturellen Gepflogenheiten beibehaltenkonnten.Zwei wesentliche Faktoren begünstigen dieim internationalen Vergleich vorbildlicheIntegration von Neuzuwanderern im besonderenAusmaß. Zum einen das bereits 1967 eingeführteEinwanderungs-Punktesystem, zum anderen daskanadische Bildungssystem.
  • 61. Kolumnentitel 61Das Punktesystem führt dazu, dass ImmigrantInnen im Durchschnitt besser gebildet sind als Menschen, die inKanada geboren sind. Wer 67 Punkte erreicht, darf nach Kanada einreisen. Punkte werden aber nicht nur fürgute Sprachkenntnisse und das Ausbildungsniveau vergeben, sondern auch für Berufserfahrung. Bei letztererKategorie können sogar alleine bis zu maximal 21 Punkte erreicht werden, womit auch ältere ArbeitnehmerInnendurchaus Chancen haben, nach Kanada einwandern zu dürfen. Auch kommen nicht, wie man erwartenwürde, in erster Linie Einwanderer/Einwanderinnen aus englisch- oder französischsprachigen Ländern nachKanada. Ganz klar die Nase vorne haben vielmehr die AsiatInnen.Nach fünf Jahren Aufenthalt bekommt man in der Regel die kanadische Staatsbürgerschaft, allerdings mussauch in Kanada zuvor ein – stark kritisierter – Einbürgerungstest absolviert werden. Unsinnige Regelungen,wie die hierzulande bestehende Vorgabe, dass Familienangehörige vor dem Zuzug Deutsch lernen müssen,gibt es in Kanada aber nicht.Die Kinder der MigrantInnen sind im kanadischen Bildungssystem sehr gut aufgehoben. Die Gemeinsame Schuleder 6 bis 15-Jährigen ist als Ganztagesschule mit gemeinsamen Essen konzipiert. Nachdem es keine Haus-aufgaben gibt, werden Kinder von Eltern mit Migrationshintergrund (bzw. auch Kinder aus bildungsfernerenSchichten) nicht benachteiligt, weil ihre Eltern sie bei den Hausaufgaben weniger gut unterstützen könnenals etwa Eltern mit Universitätsabschluss. Dazu kommen spezielle Förderungen durch AssistenzlehrerInnen.Die Konsequenz ist, dass Kanada bei internationalen Bildungsvergleichen immer in den vorderen Rängenangesiedelt ist und kaum Unterschiede im Leistungsniveau von Kindern aus MigrantInnenfamilien und„Einheimischen“ feststellbar sind. Übrigens werden social skills wie Eigeninitiative oder Konflikt- und Problem-lösung eigens beurteilt und im Zeugnis auch ausgewiesen.Selbstverständlich gibt es auch in Kanada Probleme und Dinge, die weniger gut funktionieren. Doch hatman den Eindruck, dass beim Auftauchen solcher Probleme versucht wird, so rasch als möglich daraufzu reagieren. Das jüngste Beispiel ist die Einrichtung der ersten, öffentlich finanzierten, afrozentristischenSchule in Kanada. In der Provinz Ontario durchgeführte Leistungstests haben zuvor herausgefunden, dass diePerformance von schwarzen SchülerInnen ab der 10. Klasse rapide abnahm. Als Ursache wurde dieSozialisierung durch die LehrerInnen identifiziert. Die mehrheitlich weißen ErzieherInnen vermittelten Werte,mit denen sich schwarze SchülerInnen ab einem gewissen Alter nicht mehr identifizieren konnten, weil sie nichtden Realitäten in schwarzen Haushalten entsprachen. Die neue afrozentristische Schule in Toronto legt nun imLehrplan einen Schwerpunkt auf afrozentristische Perspektiven und Geschichte, um das Selbstbewusstsein derschwarzen SchülerInnen zu steigern. Die 2009 eröffnete Schule ist bereit so erfolgreich dabei, dass bereits dieEinrichtung einer zweiten Schule genehmigt wurde.
  • 62. 62 KolumnentitelEuropäische Gewerkschaften und Migration?Martin Bolkovac, GPA-djp GrundlagenabteilungLaut Eurostat beträgt die Migrationsrate in der EU 6,5%, davon stammt deutlich mehr als die Hälfte derEinwanderinnen/Einwanderer aus Nicht-Mitgliedsstaaten. Der Anteil der ausländischen Bevölkerung variiertzum Teil sehr stark zwischen den einzelnen Ländern. Die Schweiz hat etwa eine MigrantInnenrate von 22%,während in Polen mit einer Rate von 0,1% Immigration de facto nicht vorhanden ist.Zu beachten ist in diesem Zusammenhang auch, dass der relativ hohe Wert Österreichs (10,5%) auch aufdie im internationalen Vergleich sehr spät erfolgenden Einbürgerungen zurückzuführen ist. Eurostat zählt beiseinen Vergleichsstatistiken ja alle Menschen, die (noch) keine Staatsbürgerschaft besitzen.Lettland und Estland weisen beispielsweise eine sehr hohe Rate an Nicht-EU-AusländerInnen auf. Fast alleMigrantInnen, die ins Baltikum kommen, stammen von außerhalb der EU.Statistik – MigrantInnen-Quote aus EU-Ländern g 40 35 30 25 20 15 10 5 0 Zypern Polen Litauen Ungarn Finnland Niederlande Tschechien Malta EU Dänemark Großbritannien Italien Griechenland Irland Deutschland Belgien Spanien Österreich Estland Lettland Island Luxemburg Portugal Frankreich Slowenien Schweden Schweiz Norwegen SlowakeiQuelle: Eurostat 2012
  • 63. Kolumnentitel 63Statistik – MigrantInnen-Quote aus Nicht-EU-Ländern 18 16 14 12 10 8 6 4 2 0 Zypern Finnland Polen Ungarn Litauen Island Irland Niederlande Malta Tschechien Belgien Dänemark Großbritannien EU Italien Deutschland Luxemburg Griechenland Spanien Estland Lettland Portugal Frankreich Österreich Slowenien Schweden Schweiz Slowakei NorwegenQuelle: Eurostat 2012GEWERKSCHAFTLICHER AUSTAUSCHEnde Februar 2012 trafen sich GewerkschafterInnen aus einem Dutzend europäischer Länder importugiesischen Küstenort Sesimbra, um sich auf einer von der Europäischen Gewerkschaftsakademieorganisierten Veranstaltung über Migration und Integration in Europa auszutauschen.Bei allen Unterschieden, von der in den oberen Tabellen dargestellten unterschiedlichen Anzahl derBevölkerung mit Migrationshintergrund bis zu unterschiedlichsten rechtlichen Rahmenbedingungen, stehen dieeuropäischen GewerkschafterInnen doch vielfach vor den selben Problemstellungen: Wie kann der Zugang zu Arbeitsrecht (Stichwort Unterbezahlung) und Sozialleistungen für MigrantInnen sicher gestellt werden? Wie kann Rassismus in den jeweiligen Staaten entgegen getreten werden? Wie können MigrantInnen besser erreicht und gewerkschaftlich organisiert werden?Viele KollegInnen berichten von eingeschüchterten KollegInnen mit migrantischem Hintergrund, die denKontakt mit der Gewerkschaft scheuen, weil es in ihren Herkunftsländern zum Teil sehr gefährlich ist sich einerArbeitnehmerInnen-Interessenorganisation anzuschließen.
  • 64. 64 KolumnentitelDer Europäische Gewerkschaftsbund hat drei Grundprinzipien formuliert, für dieGewerkschaften in Europa stehen sollen: „Inclusive Citizenship“ steht für eine Politik, die darauf ausgerichtet ist, allen BürgerInnen das Gefühl zu geben, Teil der Gesamtgesellschaft zu sein. Dafür müssen Gesetze erlassen werden, die den gleichen Zugang zu allen arbeits- und sozialrechtlichen Angelegenheiten sicher stellen. Und das unabhängig von Hautfarbe, Geschlecht oder Religion der Betroffenen. Toleranz steht nicht für das einfache „Tolerieren“ von Menschen anderer Hautfarbe oder anderer Religion. Toleranz heißt, Differenzen zu akzeptieren und sie als Teil einer pluralistischen Gesellschaft anzuerkennen. Solidarität im Rahmen von Migration bedeutet, Zuwandererinnen/Zuwanderer, die in unseren Ländern leben und arbeiten, einen Teil des Kuchens abzugeben. Und mehr noch: Wenn sie dieses Kuchenstück nicht bekommen, müssen wir als GewerkschafterInnen mit demselben Einsatz dafür sorgen, dass MigrantInnen bekommen, was ihnen zusteht, wie wir es bei ÖsterreicherInnen tun.BEST-PRACTICE-BEISPIELE AUS FINNLAND, BELGIEN, GROSSBRITANNIENDie GewerkschafterInnen aus unterschiedlichen Ländern stellten in Sesimbra entsprechende Best-Practice-Beispiele aus ihren Ländern dar, um zu untermauern, wie diese drei Prinzipien in der Praxis gelebt werdenkönnen und sollen:FinnlandDie finnische Arbeitergewerkschaft SAK ist der größte der drei Gewerkschaftsdachverbände des nord-europäischen Landes. Während Finnland generell mit einer sehr hohen gewerkschaftlichen Organisationsratevon etwa 70% zur Spitze zählt, ist auch die Organisationsrate von MigrantInnen mit 30% im europäischenVergleich ein hoher Wert.Finnland entschied sich im Zuge der Osterweiterung, anders als Österreich, nur für recht kurze Übergangs-fristen. Die Regierung, Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften handelten ein Abkommen aus, um fürdie osteuropäischen MigrantInnen gerüstet zu sein. Zum einen gibt es strenge Registrierungsbestimmungenfür neue Arbeitskräfte, zum anderen werden „Überprüfungen“ forciert. „Überprüfung“ bedeutet in diesemZusammenhang, dass Unternehmer, die in Verdacht stehen, Illegale zu beschäftigten bzw. auszubeuten,stärker kontrolliert werden. Aber auch die Arbeitsbedingungen der legalen MigrantInnen werden regelmäßigüberprüft. Das finnische Arbeits- und Sozialrecht soll nicht unterminiert werden.Doch die FinnInnen wollen sich nicht auf ihren Lorbeeren ausruhen, und versuchen, besonders aktiv auf dieArbeiterInnen mit Migrationshintergrund zuzugehen. Das Motto ist, dass der schriftliche Kontakt nie ausreicht,und immer der persönliche Kontakt gesucht werden soll.
  • 65. Kolumnentitel 65Zuletzt wurde in diesem Zusammenhang etwa eine eigene russisch-sprachige Abteilung innerhalb derfinnischen Bauarbeitergewerkschaft eingerichtet, um russisch-sprechende Mitglieder nicht nur zu werben,sondern auch effektiv betreuen zu können.Ein großer Erfolg gelang den finnischen KollegInnen auch im Atomkraftwerk Olkiluoto. Polnische ArbeiterInnenbrachten ungerechte Arbeitsbedingungen mit der Unterstützung der Gewerkschaft erfolgreich vor Gerichtund erhöhten so das Ansehen der SAK und das Vertrauen innerhalb der polnischen Community zu denGewerkschafterInnen generell.Man muss fairer Weise anmerken, dass die finnischen KollegInnen für ihre Aktivitäten auch bessere Rahmen-bedingungen vorfinden als GewerkschafterInnen in anderen Ländern. So darf die Rolle des vorbildlichenfinnischen Schulsystems bei der Integrationspolitik nicht unterschätzt werden. MigrantInnen weisen kaum mehrDefizite auf als einheimische Kinder und werden gezielt und effektiv gefördert.BelgienEine OECD-Studie aus dem Jahr 2009 stellt große Übereinstimmungen zwischen Belgien und Österreich fest,wenn auch leider nicht im positiven Sinne.Belgien hat demnach teilweise ähnliche Probleme wie Österreich: Wie hierzulande ist die Arbeitslosenquotevon jungen Erwachsenen (20-29 Jahre) mit Migrationshintergrund mehr als doppelt so hoch wie die vonEinheimischen. Ein besonders großes Problem stellen in diesem Zusammenhang auch die selektiven Bildungs-systeme der beiden Länder dar, die Kinder von MigrantInnen nur unzureichend fördern. So wiesen jungeErwachsene der 2. Generation (= Menschen, die zwar eine migrantische Herkunft aufweisen, aber bereitsin Belgien bzw. Österreich geboren sind) im Durchschnitt ein weitaus schlechteres Bildungsniveau auf alsEinheimische.Die belgische Gewerkschaft versucht hier gegenzusteuern. Der christlich-soziale GewerkschaftsdachverbandACV-CSC ist mit 1,7 Millionen Mitgliedern der größte der drei belgischen Gewerkschaftsdachorganisationenund diesbezüglich der einflussreichste Player.Um möglichst alle MigrantInnengruppen zu erreichen legen die belgischen GewerkschafterInnen Arbeitsrechts-Broschüren in 30 verschiedenen Sprachen auf: von serbisch über arabisch bis zu deutsch. Die größten Erfolgekonnten auch in Belgien bei der polnischen Community erzielt werden. Die Gewerkschaft nutzte die engeorganisatorische Verflechtung der PolInnen untereinander aus, um sie zu organisieren. Schwieriger gestaltetsich dieses Unterfangen bei den – mehrheitlich eher schlecht ausgebildeten – NordafrikanerInnen.Um zu zeigen, dass die Themen Migration und Integration nicht immer nur todernst zu sein haben, engagiertendie belgischen GewerkschafterInnen bekannte Kabarettisten, die in Form von kleinen Videos auf ironische undhumoristische Weise auf der Website Integrationsprobleme präsentieren.
  • 66. 66 KolumnentitelGroßbritannienDer englische Gewerkschaftsdachverband TUC engagierte sich bereits in den 70er Jahren aktiv gegenRassismus. Ein bis heute gerne zitiertes Beispiel war etwa die Unterstützung von Musikveranstaltungen unterdem Banner „Rock against racism“. Die Anti-Rassismus-Kurse innerhalb der britischen Gewerkschaften sind bisheute verpflichtender und wichtiger Teil der Ausbildung von hauptamtlichen GewerkschafterInnen.Nach der EU-Osterweiterung und der sich daraus ergebenden stärkeren Zuwanderung – Großbritanniensprach sich gegen jegliche Übergangsfristen aus – aus Polen und Portugal, wurden enge Kooperationenmit den Gewerkschaften der beiden Länder gebildet. Die polnischen und portugiesischen Gewerkschaftenunterstützen den TUC vor Ort bei der Organisierung ihrer Landsleute, die in Großbritannien oft mit schlechtenLohn- und Arbeitsbedingungen konfrontiert sind, welche auch zu Sozialdumping geführt haben. Diewichtigsten Informationen werden von der britischen Gewerkschaft auch auf polnisch und portugiesisch zurVerfügung gestellt.Die englischen GewerkschafterInnen vertreten die Ansicht, dass die MigrantInnen insgesamt die WirtschaftGroßbritanniens gestärkt und zu Wirtschaftswachstum beigetragen haben. Die Rechte der MigrantInnenwerden aber immer noch oft missachtet, und auch gut ausgebildete OsteuropäerInnen üben unqualifizierteJobs aus, die von BritInnen als zu minder angesehen werden. Der Agrar- und Nahrungsmittelsektor könntenohne ZuwandererInnen etwa überhaupt nicht mehr existieren. Insgesamt gilt für alle europäische Gewerkschaften gleichermaßen, dass sie die Herausforderungen, die Migration mit sich bringt, annehmen und ihrer Verpflichtung nachkommen müssen, Neuankömmlinge aktiv zu unterstützen.
  • 67. Kolumnentitel 67Literaturverzeichnisad Artikel: Kollektivvertragswirksame Anerkennungen (Seite 31)– Erfahrungen länderübergreifender Mobilität im Projekt „Dobrodošli“: Mit Analysen zur Komplexität der Kollektivvertragslandschaft in Europa, Beispielen aus Polen, Ungarn, Tschechien und Österreich, Vorschlägen und Initiativen zur Überwindung von Mobilitätshindernissen auf europäischer und nationaler Ebe- ne. So kann Mobilität zur Chance werden! http://www.gpa-djp.at/dobrodosli– Europäische Exzellenz-Verträge in den Forschungssektoren: EUROCADRES-Projekt, das bis Ende 2012 Vorschläge für Best practice Arbeits- und Kollektivverträge im Bereich der Forschung erarbeitet, auf der Basis der Mitwirkung von Gewerkschaften und Betriebsräten aus 10 europäischen Ländern: http://www.eurocadres.org– Richtlinie 91/533/EWG des Rates vom 14. Oktober 1991 über die Pflicht des Arbeitgebers zur Unterrichtung des Arbeitnehmers über die für seinen Arbeitsvertrag oder sein Arbeitsverhältnis geltenden Bedingungen: http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=CELEX:31991L0533:DE:HTML– Europäischer Qualifikationsrahmen und Europäische Anerkennungssysteme http://ec.europa.eu/education/pub/pdf/general/eqf/leaflet_de.pdf http://ec.europa.eu/internal_market/qualificationsad Artikel: Bildungshürde Migrationshintergrund (Seite 36)– Statistik Austria (2009/10): Bildung in Zahlen– Statistik Austria (2010): migration & integration. zahlen.daten.indikatoren– Ibw/Institut der Bildungsforschung der Wirtschaft (2011): Lehrlingsausbildung im Überblick 2011. Strukturdaten, Trends und Perspektiven– Ibe/Institut für Berufs- und Erwachsenenbildungsforschung (2011): Berufsorientierung und Berufsberatung von Jugendlichen mit Migrationshintergrundad Artikel: Stell dir vor, du willst Arbeit und man gibt dir nur schlechte! (Seite 51)– “Dublin Foundation”, European Foundation for the Improvement of Living and Working Conditions (2011): Working Conditions of nationals with a foreign background. Dublin– Gächter, August (2010): Der Integrationserfolg des Arbeitsmarktes. In: Herbert Langthaler (Hrsg.) Integration in Österreich, Sozialwissenschaftliche Befunden. Wien– Haidinger, Bettina (2010): Verschlungene Wege durch Prekarität und Informalisierung: Arbeitsverhältnisse im Kontext von Migration. In: Herbert Langthaler (Hrsg.) Integration in Österreich, Sozialwissenschaftliche Befunden. Wien– Huddleston Thomas und Jan Niessen (2011): Index Integration und Migration III. Brüssel– Riesenfelder, Andreas, Susanne Schelepa und Petra Wetzel (2011): Beschäftigungssituation von Personen mit Migrations- hintergrund in Wien. Wien– Statistik Austria, Kommission für Migrations- und Integrationsforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (2011): Migration & Integration, Zahlen, Daten, Indikatoren. Wien
  • 68. 68 KolumnentitelKurzbiografien AutorInnenBAUER Lucia, Mag.a, seit 2007 Mitarbeiterin in der GPA-djp im Büro des Vorsitzenden. Politologin(Schwerpunkt arabischer Raum). Von 2000 bis 2007 pädagogische Mitarbeiterin beim VÖGB (VerbandÖsterreichischer Gewerkschaftlicher Bildung).BOLKOVAC Martin, Dr., seit 2007 Mitarbeiter in der GPA-djp Grundlagenabteilung; Politologe.Spezialisiert auf die Themenbereiche Vergleichende Sozialpolitik, Steuerpolitik und Pflege. Von 2006 bis2011 Lektor am Institut für Staatswissenschaft an der Universität Wien (Sozialpolitik, Politische SystemeKanadas, Australiens und der USA).FRITSCH Clara, Mag.a, seit 2007 Mitarbeiterin in der Abteilung Arbeit & Technik der GPA-djp, vorrangig zuden Themen Datenschutz, technische Systeme sowie social media.GAGAWCZUK Walter, Mag., Arbeits- und Sozialrechtsexperte der AK in der Abteilung Sozialpolitik.Schwerpunkte: Schulung und Beratung von ArbeitnehmervertreterInnen, Verfassen von rechtswissen-schaftlichen Publikationen und Positionspapieren zu sozialpolitischen Themen sowie Verhandlungen undStellungnahmen zu Gesetzesinitiativen.HOLZMANN Andrea, Mag.a, seit 2009 Geschäftsführerin der Wohnbauvereinigung für Privatangestellte;Volkswirtin. Von 1990 bis 2007 Forscherin bzw. leitende Forschungsmanagerin an der WU Wien, dem ThinkTank DEMOS London, der Sozialökonomischen Forschungsstelle und dem Wissenschaftszentrum Wien. Von2007-2009 Forschungsbeauftragte im Büro des Wiener Wohnbaustadtrats Dr. Michael Ludwig.KASPER Barbara, Bakk.Komm., Jugendsekretärin der GPA-djp Bundesjugendabteilung, zuständig fürSchülerInnen, Studierende und junge Frauen. Sie studiert Kommunikationswissenschaft/Publizistik an derUniversität Salzburg.MÜLLER Christian-Paolo ist seit 17 Jahren Sachbearbeiter in der Pensionsversicherungsanstalt und seitlängerem auch Vertrauensperson. Seine Mutter ist Brasilianerin, sein Vater Österreicher. Er engagiert sich inder GPA-djp bei den Interessengemeinschaften work@social und work@migration.MUSGER Gerald, Dr., Bundessekretär der Interessengemeinschaften work@professional (Fach- undFührungskräfte) und work@external (Außen- und Mobildienst) sowie Vice President des Rates der europäischenFach- und Führungskräfte EUROCADRES.PEYRL Johannes, Mag., ist in der AK Wien beschäftigt, seine Arbeitsschwerpunkte sind österreichisches undeuropäisches Migrationsrecht. Er ist Mitglied in diversen Gremien bzw. Ausschüssen zu migrationsrechtlichenThemen auf nationaler und EU-Ebene und leitet Seminare zu migrationsrechtlichen Fragestellungen. Er ist auchLehrbeauftragter der FH Vorarlberg.
  • 69. Kolumnentitel 69PLUTZAR Verena, Mag.a Dr. M.A., Studium der Germanistik, Kunstgeschichte und InterkulturelleKompetenzen. Leitet Deutschkursen für MigrantInnen und Flüchtlinge, 2007-2010 wiss. Assistentin am Institutfür Germanistik mit Schwerpunkt Sprache und Integration. Mitbegründerin des Netzwerks SprachenRechte.Lehr-, Vortrags- und Workshoptätigkeit in verschiedenen Kontexten.PUTZ Hannah, ist Studentin der Politologie sowie der Kultur- und Sozialanthropologie an der UniversitätWien; war Praktikantin in der GPA-djp GrundlagenabteilungREISCHL Ingrid, Mag.a, Obfrau der Wiener Gebietskrankenkasse, Vorsitzende der Trägerkonferenz desHauptverbandes der österreichischen Sozialversicherungsträger, Geschäftsbereichsleiterin Grundlagen derGPA-djpSCHOBER Andrea, Mag.a, studierte Geschichte, Germanistik und Deutsch als Fremdsprache/Zweitsprachean der UNI Wien, seit 2007 in der GPA-djp u.a. zuständig für die work@flex, die Interessengemeinschaft fürArbeitnehmerInnen in atypischen Beschäftigungsverhältnissen.STREBINGER Didem, Mag.a, ist in Istanbul geboren, dort absolvierte sie die Österreichische Schule,1989 kam sie nach Österreich um Betriebswirtschaftslehre zu studieren. Seit 1999 ist sie in der AUAbeschäftigt, wo sie stellvertretende Vorsitzende im Betriebsrat ist und die Stabstelle „Corporate CultureDevelopment“ für Gleichbehandlungsaufgaben leitet.
  • 70. 70 KolumnentitelNotizen........................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................
  • 71. Kolumnentitel 71GPA-djp – ganz in Ihrer NäheIhre AnsprechpartnerInnen in ganz ÖsterreichService-Hotline: 05 0301-301GPA-djp Service-Center1034 Wien, Alfred-Dallinger-Platz 1Fax: 05 0301-300, eMail: service@gpa-djp.atRegionalgeschäftsstelle Wien1034 Wien, Alfred-Dallinger-Platz 1Regionalgeschäftsstelle Niederösterreich3100 St. Pölten, Gewerkschaftsplatz 1Regionalgeschäftsstelle Burgenland7000 Eisenstadt, Wiener Straße 7Regionalgeschäftsstelle Steiermark8020 Graz, Karl-Morre-Straße 32Regionalgeschäftsstelle Kärnten9020 Klagenfurt, Bahnhofstraße 44/4Regionalgeschäftsstelle Oberösterreich4020 Linz, Volksgartenstraße 40Regionalgeschäftsstelle Salzburg5020 Salzburg, Markus-Sittikus-Straße 10Regionalgeschäftsstelle Tirol6020 Innsbruck, Südtiroler Platz 14-16Regionalgeschäftsstelle Vorarlberg6900 Bregenz, Reutegasse 11www.gpa-djp.at
  • 72. Für alle, die mehr wollen!www.gpa-djp.at 1034 Wien, Alfred-Dallinger-Platz 1 – Service-Hotline: 05 0301-301, service@gpa-djp.at – www.gpa-djp.at DVR 0046655, ZVR 576439352

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