Web 2.0: Warum virtuelle und reale Welt untrennbar miteinander verbunden sind
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Web 2.0: Warum virtuelle und reale Welt untrennbar miteinander verbunden sind

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Vortrag beim Akademieabend der Schülerakademie, Ludwig-Windthorst-Haus, Lingen, 21.10.2008

Vortrag beim Akademieabend der Schülerakademie, Ludwig-Windthorst-Haus, Lingen, 21.10.2008

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Web 2.0: Warum virtuelle und reale Welt untrennbar miteinander verbunden sind Presentation Transcript

  • 1. Web 2.0: Warum virtuelle und reale Welt untrennbar miteinander verbunden sind
      • Dr. Jan-Hinrik Schmidt
      • Lingen, 21.10.2008
  • 2. Was Sie heute erwartet
    • Schlagwort „Web 2.0“: Onlinegestütztes Identitäts-, Beziehungs- & Informationsmanagement
    • Die These vom „Cyberspace“: Löst sich das virtuelle vom realen Leben?
    • Nutzung von Netzwerkplattformen: Persönliche Öffentlichkeiten und Privatsphäre
  • 3. Was wäre, wenn es kein Internet gäbe?
    • [ Zitate aus Gruppendiskussionen mit Jugendlichen in Hamburg und im Emsland]
    • „ Ich glaube, man würde damit klar kommen. Aber wenn man wüsste, dass es das mal gab und dann abgeschafft wird, ich glaub, dann würde ich durchdrehen. [- Warum? -] Ich müsste dann auf Youtube-Videos und so verzichten, und die sind schon witzig. Oder Chat und so.“ [Mädchen, 14 Jahre]
    • „ Bei mir ist es, ich nutze halt das Internet einerseits sehr viel zur Kommunikation – Messenger läuft bei mir fast 24 Stunden am Tag, SchülerVZ ist natürlich auch hoch frequentiert. Aber zum Zweiten nutze ich das auch sehr viel, um mir halt Informationen zu beschaffen, die ich brauche.“ [Junge, 17 Jahre]
    • „ Es geht auch ohne Internet, man kann ja auch was machen, was man nicht im Internet macht. Man kann zum Beispiel Playstation spielen, oder Nintendo DS, es gibt alles mögliche. Man muss nicht immer in Internet rennen, sonst is man n Internet-Freak.“ (Mädchen, 13 Jahre)
  • 4. Universalmedium Internet
    • Internet erfüllt Unterhaltungs-, Informations- & Kommunikationsfunktionen – allerdings ist der jeweilige Stellenwert stark vom Alter abhängig
    Internetnutzung (allgemein bzw. mindestens wöchentlich; in %) Quelle: ARD/ZDF Onlinestudie 2008
  • 5. Ist das Web 2.0? http://en.wikipedia.org/wiki/Image:Web_2.0_Map.svg
  • 6. Wikipedia
  • 7. Youtube
  • 8. Weblogs
  • 9. Studi-/Schüler-/MeinVZ
  • 10. ELCommunity
  • 11. XING
  • 12. Web 2.0 als Praxis
    • Web 2.0 meint: Sinkende Hürden für aktives onlinegestütztes
    www.flickr.com/photos/44029537@N00/12760664/
      • Identitätsmanagement (Darstellung individueller Interessen, Erlebnisse, Meinungen, Kompetenzen, etc.)  z.B. Weblogs, YouTube
    http://flickr.com/photos/mylesdgrant/495698908/
      • Beziehungsmanagement (Pflege von bestehenden und Knüpfen von neuen Beziehungen)  z.B. MySpace, SchülerVZ
    http://www.flickr.com/photos/axels_bilder/1267008046/
      • Informationsmanagement (Finden und Weiterverbreiten von relevanten Daten, Informationen, Wissen- und Kulturgütern)  z.B. Wikipedia, Tagging
  • 13. Junge Nutzer
    • Anwendungen des Web 2.0 werden unterschiedlich stark genutzt – allerdings jeweils deutlich überproportional von jungen Personen, insbesondere von Teenagern
    Nutzung ausgewählter Web 2.0-Anwendungen nach Altersgruppen (zumindest selten; in %) Quelle: ARD/ZDF Onlinestudie 2008
  • 14. Internet – eine eigene Welt?
    • Was viele denken : Das Internet ist ein „Cyberspace“, in dem Menschen ihren Körper hinter sich lassen und neue Identitäten schaffen könnten
    http://themiddleeastinterest.files.wordpress.com/2007/12/matrix.jpg  Aber: Wie wird Identität im Internet tatsächlich abgebildet?
  • 15. Second Life: Völlige Freiheit?
    • „ Second Life“ dient aufgrund der dreidimensional-grafischen Darstellung und der hohen Gestaltungs-freiheit oft als Beleg für die „Entkopplungsthese“
    • Allerdings zeigen sich deutliche Tendenzen…
    • … zur Wahl menschlicher und eindeutig geschlechtlich identifzierbarer Stellvertreter
    • … zur Reproduktion kulturell geprägter Schönheitsideale und Idealtypen von Männlichkeit und Weiblichkeit (vgl. Misoch 2007)
    • Second Life erlaubt es zwar, seine Selbstrepräsentation unabhängig vom Aussehen des eigenen Körpers zu gestalten
    • „ realweltliche“ Schemata der Wahrnehmung und sozialen Kategorisierung erbringen jedoch auch in virtuellen Umgebungen wichtige Orientierungsleistungen
  • 16. Netzwerkplattformen: Reale Identität
  • 17. Mitgliedschaft in Online-Netzwerken Quelle: Social Network Barometer 2008; N=1.978
    • Etwa zwei Drittel der Befragten einer aktuellen Studie sind Mitglied in mindestens einer Online-Community
    • Von diesen Nutzern sind mehr als 70% nur in einer oder zwei Communities angemeldet
  • 18. Motive für Nutzung Ausgewählte Motive für Nutzung von Online-Community (in %; Mehrfachnenn. möglich) Quelle: Social Network Barometer 2008; N=1.068
    • Es dominieren die Motive, bereits existierende soziale Beziehungen zu pflegen bzw. wieder aufzufrischen
  • 19. Artikulation sozialer Beziehungen
    • Nutzer von Netzwerkplattformen artikulieren, pflegen und erweitern ihre sozialen Beziehungen aus dem „echten Leben“
    • Treten überwiegend mit ihrer „echten Identität“ auf, um auffind-bar zu sein und Selbstpräsenta-tion, ggfs. auch Reputation an eigene Person zu koppeln
    • Reale Identität und reales Beziehungsnetz wird im Virtuellen teils gespiegelt, teils um weitere Facetten ergänzt
    • Web 2.0 ermöglicht es dem Einzelnen, eigene „persönliche Öffentlichkeiten“ zu schaffen
  • 20. Beispiel Netzwerkplattform
  • 21. Persönliche Öffentlichkeiten in Facebook
  • 22. „ Reale Welt“: Kontextabhängige Selbstpräsentation http://www.colinupton.com/illus/images/cyberillo1.jpg
  • 23. „ Virtuelle Welt“: Kollabierende Kontexte
    • Spezifische Eigenschaften der Öffentlichkeiten im Social Web erschweren es, die Grenzen zwischen sozialen Rollen zu ziehen (vgl. Boyd 2007):
    • Persistenz
    • Durchsuchbarkeit
    • Replizierbarkeit
    • Unsichtbares Publikum
    • Identitäts- und Beziehungsmanagement umfasst auch Strategien, die Grenzen der eigenen Privatsphäre zu kontrollieren
  • 24. Differenziertes Identitäts- und Beziehungsmanagement (1)
  • 25. Differenziertes Identitäts- und Beziehungsmanagement (2)
  • 26.
    • Leiterwartung Authentizität (15-17jährige, formal niedrige Bildung, HH)
    • Int: Wie findet ihr das, wenn jemand so tut als wäre er jemand anderer?
    • M_1: Is Scheiße .
    • M_2: Is doch peinlich für ein selber.
    • M_1: Weil jeder soll doch so sein wie er selber is, man soll sich da nich so schüchtern so man ist so wie man is, kann man nicht ändern.
    • M_3: Man sollte sein Image einfach nicht verstellen, das is es.
    • Int: Meint ihr dass es andere Leute tun ihr Image verstellen?
    • M_2: Ja, die faken auch Bilder und so die machen von anderen Leuten
    • Int: Warum machen die das wohl?
    • M_2: Die haben kein Selbstwertgefühl
    • M_3: Um sich wohler zu fühlen, so das is ne Möglichkeit
    • M_2: Die wollen Leute verarschen.
    • Int: Hm. Die wollen anders scheinen als sie sind. Und hab ich richtig verstanden, dass ihr das nicht gut findet!
    • M_2: Gar nicht gut.
    Differenziertes Identitäts- & Beziehungsmanagement (3)
  • 27.
    • Umgang mit Privatsphäre anderer Personen (18-24jährige, formal niedrige Bildung, HH)
    • Int: Und kennst du jemanden, der auch schon ein bisschen Ärger mit peinlichen Fotos... oder gab's da mal Probleme?
    • F_1: Also bei uns ist das eigentlich so, bei meinen ganzen Bekannten, wir fragen vorher, ob wir das Foto reinstellen können , oder solche Sachen. Weil ich weiß nicht, nachher fotografieren die mich, wenn ich da halbwegs irgendwie besoffen (..) in den Hafen reinfall' oder so was. Das will ich ja auch nicht, dass das im Internet ist und daher wird eigentlich bei uns immer vorher gefragt.
    Differenziertes Identitäts- & Beziehungsmanagement (4)
  • 28.
    • Kontaktaufnahmen durch Fremde (15-17jährige, formal höhere Bildung, Emsland)
    • F_1: Ich war auch mal in anderen Gruppen, und dann quatscht irgend jemand einen anderen an, (…) sagt, dass du sympathisch aussiehst, oder ne sympathische Frisur hast, oder deine Beschreibung sympathisch findet, als Ausrede hat, so irgendwie anquatscht. (…).
    • Int: Was hast du mit dem gemacht?
    • F_1: Nichts. Also, ich hab ihm noch nicht mal geantwortet, weil ich weiß nicht...
    • M_1: Es ein bisschen arm ist . F_1: Ja, ich weiß nicht.
    • M_1: Dating bei SchülerVZ. (lacht)
    • F_1: Auch, ne ich find das einfach nicht so... M_1: Nicht so stilvoll .
    • F_1: Einfach angequatscht zu werden, ist nicht so... (…) Nicht persönlich irgendwie . Finde ich.
    • F_3: Es ist ja auch nicht da, um Freunde kennenzulernen .
    • F_1: Ne.
    Differenziertes Identitäts- & Beziehungsmanagement (5)
  • 29. Differenziertes Identitäts- & Beziehungsmanagement (6)
  • 30. Das Ende der Privatsphäre? http://www.colinupton.com/illus/images/cyberillo1.jpg http://www.flickr.com/photos/mrlerone/2360572263/
  • 31. Fazit
    • Was ich im Vortrag deutlich machen wollte:
    • Das Internet erfüllt ganz unterschiedliche Funktionen – Anwendungen des „Web 2.0“ erleichtern vor allem das Identitäts-, Beziehungs- und Informationsmanagement aktiver Nutzer
    • Anders als die These vom „Cyberspace“ nahelegt, sind diese Praktiken nicht losgelöst von der „realen Welt“, sondern darauf angelegt, reale Identitäten und Beziehungen zu repräsentieren, zu pflegen und zu erweitern
    • Das Internet ist also kein virtueller Raum, der losgelöst vom Realen existieren würde – dies zeigt sich nicht zuletzt in neu auftretenden Konflikten (z.B. um die Privatsphäre)
  • 32. Herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit!
    • Dr. Jan Schmidt
    • Hans-Bredow-Institut für Medienforschung
    • Senior Researcher für digitale interaktive Medien und politische Kommunikation
    • Warburgstr. 8-10, 20354 Hamburg
    • [email_address]
    • www.hans-bredow-institut.de/webzweinull
    • www.schmidtmitdete.de
  • 33. Eine Bitte
    • http://www.unipark.de/uc/schuelervz/
  • 34. Weiterführende Literatur
    • ARD-ZDF-Onlinestudie 2008:
      • Van Eimeren, Birgit / Frees, Beate (2008): Internetverbreitung: Größter Zuwachs bei Silver-Surfern. In: Media-Perspektiven, Nr. 7/2008, S. 330-344.
      • Fisch, Martin / Gscheidle, Christoph (2008): Mitmachnetz Web 2.0: Rege Beteiligung nur in Communitys. In: Media-Perspektiven, Nr. 7/2008, S. 356-364.
    • Boyd, Danah/ Nicole Ellison (2007). Social network sites: Definition, history, and scholarship. Journal of Computer-Mediated Communication, 13(1), article 11.http://jcmc.indiana.edu/vol13/issue1/boyd.ellison.html
    • Boyd, Danah (2007): Incantations for Muggles: The role of ubiquitious Web 2.0 technologies in everyday life . Vortrag bei der O‘Reilly Emerging Technology Conference, San Diego, 28.3.2007. Online: http://www.danah.org/papers/Etech2007.html
    • Misoch, Sabina (2007): Avatare als Verkörperungen im virtuellen Raum. In: merz Wissenschaft , Heft 2007-6, S. 73 – 85.
    • Schmidt, Jan: Was ist neu am Social Web? Soziologische und kommunikationswissen-schaft-liche Grundlagen. In: Zerfaß, Ansgar; Martin Welker; Jan Schmidt (Hrsg.) (2008): Kommu-nikation, Partizipation und Wirkungen im Social Web. Zwei Bände. Köln: Van Halem Verlag.
    • Schmidt, Jan (in Vorb.): Das neue Netz. Merkmale, Praktiken und Konsequenzen des Web 2.0. Konstanz: UVK. Erscheint voraussichtlich Mai 2009.