Praktikumsbericht Amerika-Gedenk-Bibliothek

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Praktikumsbericht Amerika-Gedenk-Bibliothek

  1. 1. Humboldt-Universität zu Berlin Wintersemester 2007/08Philosophische Fakultät IIIInstitut für Bibliotheks- und InformationswissenschaftBericht zumBibliothekspraktikumin der Musikabteilung derAmerika-Gedenkbibliothek(Zentral- und Landesbibliothek Berlin)in der Zeit vom 30.07.2007 bis 07.09.2007Praktikumsbetreuerin: Susanne HeinSebastian Wilke 7. FachsemesterEmail: wilke.sebastian@gmail.com 1. HF: MusikwissenschaftMatrikelnummer: 502487 2. HF: Bibliotheks-/Informationswissenschaft
  2. 2. InhaltsverzeichnisI. Struktur und Funktion der Einrichtung 11. Zentral- und Landesbibliothek Berlin 12. Musikabteilung der Amerika-Gedenkbibliothek 1II. Arbeitsbereiche und ausgeführte Tätigkeiten 21. Einführungen 22. Retrokatalogisierung 33. Linkliste „Musik in Berlin“ 34. Auskunftsdienst 45. Arbeitsorganisation 6III. Einschätzung des Praktikums 6
  3. 3. - 1 -I. Struktur und Funktion der Einrichtung1. Zentral- und Landesbibliothek BerlinDie Zentral- und Landesbibliothek Berlin (ZLB) entstand 1995 im Zuge der Wiedervereini-gung durch die Zusammenlegung der Amerika-Gedenkbibliothek (ehemals Westberlin) undder Berliner Stadtbibliothek (ehemals Ostberlin). Seit dem 1. Januar 2005 gehört ihr auch dieSenatsbibliothek Berlin an. Heute versammelt die ZLB in ihren drei Häusern über 3,3 Millio-nen elektronische und gedruckte Medien. Sie bildet als Zentralbibliothek den Mittelpunkt desBerliner Systems Öffentlicher Bibliotheken und nimmt als Landesbibliothek Berlins eine Rei-he weiterer Aufgaben wahr, zum Beispiel die Erstellung der Berlin-Bibliographie.2. Amerika-Gedenkbibliothek und MusikabteilungDie Amerika-Gedenkbibliothek (AGB) ist ein Geschenk des amerikanischen Volkes an dieBerliner Bevölkerung anlässlich der von den Westberlinern 1948/49 erfolgreich überstande-nen Blockade durch die sowjetische Besatzungsmacht. Sie wurde gemeinsam von deutschenund amerikanischen Architekten als Public Library konzipiert und 1954 als Symbol für Bil-dungs- und Meinungsfreiheit eröffnet.1Besonderes Markenzeichen ist daher seit jeher ihrumfangreicher Freihandbestand.Während die Berliner Stadtbibliothek (BStB) mit ihren Beständen eher die Bereiche Natur-wissenschaft, Medizin und Recht abdeckt, findet man in der AGB u. a. Belletristik, Literaturzu Reise- und Freizeitthemen, eine Kinder- und Jugendbibliothek sowie die umfangreicheMusikabteilung.Diese bietet neben laufenden Musikzeitschriften und Musikliteratur auch eine große Auswahlan Tonträgern, Noten (inklusive vieler Gesamtausgaben, z. T. ausleihbar), Musik-CD-ROMsund –DVDs an. Als Teil der Landesbibliothek gehen sämtliche Neuerscheinungen (Tonträger)von in Berlin ansässigen Labels per Pflichtexemplar in den Bestand der AGB ein und erwei-tern das bereits gut ausgebaute Angebot. Hervorzuheben ist darüber hinaus die Sondersamm-lung USA (Komponisten des 20. Jahrhunderts), die aus Noten und Schallplatten besteht.1Vgl. www.zlb.de, Über uns, Geschichte.
  4. 4. - 2 -II. Arbeitsbereiche und ausgeführte TätigkeitenIm Laufe meines sechswöchigen Praktikums in der Musikabteilung der AGB habe ich alleTätigkeiten innerhalb einer Musikbibliothek kennengelernt. Dabei wurde ich in die jeweiligenArbeitsbereiche der einzelnen Mitarbeiter eingeführt. Ein erstes kleineres Arbeitsfeld bildetesich für mich währenddessen durch die Retrokatalogisierung bzw. Umsystematisierung vonälteren Beständen aus der BStB heraus. Darüber hinaus habe ich mich schwerpunktmäßig mitder Pflege der Linkliste „Musik in Berlin“ und mit dem Auskunftsdienst im Musiklesesaalbeschäftigt. Letztlich hatte ich durch die Teilnahme an einer Reihe von Sitzungen die Mög-lichkeit, einen Einblick in die Arbeitsorganisation der ZLB zu bekommen.1. EinführungenIn der Musikabteilung der AGB arbeiteten zur Zeit meines Praktikums elf Mitarbeiter. Wäh-rend meiner Zeit dort hatte ich die Möglichkeit, in alle ihre Arbeitsbereiche eingeführt zuwerden und kleinere Aufgaben zu übernehmen. So lernte ich im Speziellen das Lektorat unddie Katalogisierung von Tonträgern (aufgeteilt in U[nterhaltungs]-Musik, E[rnste]-Musik undWeltmusik), Noten, Musikbüchern und Zeitschriften sowie deren Inventarisierung und Rech-nungsbearbeitung kennen.Vor allem in Bezug auf die schon erwähnten Aufgaben der ZLB als Landesbibliothek ist mirdabei an mehreren Stellen wieder deutlich geworden, welchen Mehraufwand diese Funktionfür eine Bibliothek und ihr Personal mit sich bringt. Die hohe Dichte an Musiklabels in Ber-lin, allen voran das Major Universal, hat zur Folge, dass die AGB in regelmäßigen Abständeneine große Zahl an CDs als Pflichtexemplar erhält, die ebenso in den Bestand der Bibliothekeingearbeitet werden muss. Die ohnehin schon knappen Personalressourcen werden dadurchnoch mehr strapaziert. Ähnliches hatte ich auf nationaler Ebene schon im Deutschen Musikar-chiv Berlin erlebt. Ein weiteres Beispiel ist die Zeitschriftenauswertung innerhalb der Berlin-Bibliographie. Dabei werden sämtliche laufenden Zeitschriften auf Artikel mit einem Berlin-bezug hin ausgewertet, was einen nicht minder hohen Aufwand nach sich zieht. Die positivenSeiten der genannten Beispiele sind jedoch auch nicht zu vernachlässigen: Durch die hoheZahl an Tonträgern über die Pflichtexemplare verfügt die AGB beispielsweise über einehochaktuelle und sehr attraktive CD-Auswahl.
  5. 5. - 3 -2. RetrokatalogisierungBevor die AGB und die BStB 1995 zusammengelegt wurden, existierte in letzterer auch einMusikbestand mit einer Reihe von Notenmaterialien. Da dieser nun thematisch in der AGBanzusiedeln war, musste er im Nachhinein in ihren Bestand eingearbeitet werden. Dieser Pro-zess ist noch nicht abgeschlossen, daher habe ich mich in der ersten Praktikumswoche nacheiner Einführung in das Notenlektorat verstärkt mit dieser Aufgabe beschäftigt.Dabei stellte sich schnell heraus, dass diese Arbeit ideal für mich war, um verschiedenste Be-reiche innerhalb Musikabteilung am Anfang meines Praktikums kennenzulernen: Zunächstmusste ich zu einer Note aus der BStB die jeweiligen AGB-Pendants recherchieren – also dengegebenen Titel im Alphabetischen Zettelkatalog und im OPAC nachschlagen – und sämtli-che gefundenen Exemplare aus Freihandbereich und Magazin der AGB zusammentragen.Nach einem Vergleich aller vorliegender Exemplare und der eventuellen Aussonderung alterExemplare musste die Titelaufnahme der Note überprüft und gegebenenfalls vervollständigtoder korrigiert werden. Im Zweifel war hier auch das Zurückgreifen auf bessere Titelaufnah-men aus dem VÖBB (Verbund Öffentlicher Bibliotheken Berlins) sehr hilfreich. Um alle nö-tigen Felder ergänzt bzw. korrigiert, erhielten die BStB-Exemplare noch eine neue Signatur.Blieben am Ende mehrere Exemplare einer Note übrig, musste ich entscheiden, welche vonihnen zukünftig in der Freihand, im Magazin oder im Außenmagazin der AGB vorgehaltenwerden sollen. Abschließend wurden die bearbeiteten Noten mit entsprechenden Laufzettelnan die Buchbinderei (im Falle von Umsystematisierungen) bzw. an die Einsteller in Magazinoder Freihand weitergeleitet. Während des gesamten Ablaufs bekam ich auch einen gutenEinblick in die Arbeit mit aDIS, der verwendeten Katalogisierungssoftware in der AGB.3. Linkliste „Musik in Berlin“Einer meiner beiden Praktikumsschwerpunkte war die Pflege der Linkliste „Musik in Ber-lin“.2Diese Liste erfasst ca. 900 Links über das Musikleben in Berlin – von Künstleragentu-ren, Orchestern, Chören und Kammermusikensembles über Musikschulen, Opernhäuser, In-strumentenbau und Neue Musik bis hin zu Labels, Plattenläden, Tonstudios, Jazz-, Rock- undPopinterpreten. Wenn man sich beispielsweise vor Augen führt, wie dynamisch und schnell-lebig die Rock- und Popmusikbranche mittlerweile geworden ist, wird schnell klar, dass mit2Vgl. http://www.zlb.de/wissensgebiete/musik/listen, Musik in Berlin.
  6. 6. - 4 -dem Entstehen und Auflösen von Bands aus diesem Bereich auch innerhalb sehr kurzer Zeitneue Webseiten aufgebaut und stillgelegt werden. Daher bestand eine erste Aufgabe für michdarin, sämtliche Links, die die Liste bereithält, auf ihre Aktualität hin zu überprüfen. Da „Mu-sik in Berlin“ dem Nutzer nicht nur den Link, sondern auch eine Annotation über den Inhalteiner Webseite anbietet, musste ich gegebenenfalls auch hier Ergänzungen vornehmen.Darüber hinaus hatten sich mittlerweile wieder viele neue Bands, Labels, Ensembles usw. inBerlin gegründet, die von den Mitarbeitern der Musikabteilung regelmäßig über verschiedens-te Informationsquellen fürdie Linkliste gesammeltwerden. Dabei ist eigentlichalles sehr hilfreich, vomZeitungsbericht bis hin zurMundpropaganda. DieseHinweise habe ich jeweilsdurchgearbeitet, habe dieentsprechenden Webseitenausfindig gemacht und indie Linkliste aufgenommen.Die Pflege von „Musik inBerlin“ war eine sehr inte-ressante Arbeit, da ich in-haltlich sehr viele Anre-gungen von verschiedensten Webseiten für mich mitnehmen konnte. Außerdem war es auf-grund von sehr unterschiedlich gestalteten Webseiten zum Teil spannend, innerhalb einer sol-chen an geeignete Informationen heranzukommen oder herauszufinden, ob sich an der bishe-rigen Information innerhalb der Linkliste etwas geändert hat.4. AuskunftsdienstVon der ersten Praktikumswoche an wurde ich täglich in den Auskunftsdienst im Musikleses-aal eingebunden. Damit bekam ich nicht nur sehr schnell einen guten Kontakt zu allen Mitar-beitern der Musikabteilung, sondern setzte mich auch intensiv mit den Beständen und Infor-
  7. 7. - 5 -mationsquellen im Musiklesesaal auseinander. Außerdem gab mir dieser regelmäßige Einsatzan der Auskunftstheke einen guten Überblick über die unterschiedliche Frequentierung derNutzer zu verschiedenen Wochentagen und Tageszeiten. Hatte ich anfangs den jeweiligenMitarbeitern eher assistierend zur Seite gestanden, durfte ich im Laufe der Wochen auch im-mer häufiger komplette Schichten selbst übernehmen. Diese täglichen Stunden im Musikle-sesaal habe ich als ungemein abwechslungsreich und spannend empfunden, weil die Nutzerder AGB mit den unterschiedlichsten Wünschen und Fragen an die Theke gekommen sind3und es für mich zum Teil eine motivierende Herausforderung war, in der Verbindung vonOPAC, IPAC, Zettelkatalog und anderen Quellen geeignete Informationen herauszufinden.Suchmaske Musik im VÖBB (Ausschnitt)Neben den täglichen großen und kleinen Erfolgserlebnissen, wenn man mal wieder einemNutzer auf die Sprünge geholfen hatte, konnte ich auch in Bezug auf Suchstrategien einigeErfahrungen sammeln. Insbesondere der regelmäßige Umgang mit dem VÖBB-Katalog warfür mich sehr aufschlussreich, da dieser in seiner Benutzung und Transparenz in der Regeletwas undurchsichtig und schwerfällig ist.3Siehe hierzu auch III. Einschätzung des Praktikums, S. 6.
  8. 8. - 6 -5. ArbeitsorganisationBei mehreren Arbeitstreffen innerhalb der AGB und auf regionaler Ebene hatte ich die Mög-lichkeit, direkte Einblicke in die Arbeitsorganisation der ZLB bzw. zwischen den BerlinerÖffentlichen Musikbibliotheken zu bekommen. Dabei reichten die Treffen von der wöchentli-chen Besprechung der Musikabteilung über die Fachlektorensitzung der ZLB bis hin zur Sit-zung des Facharbeitskreises Öffentlicher Musikbibliotheken Berlins, die am 31.08.2007 in derMusikbibliothek Treptow-Köpenick stattfand. Diese Treffen stellten nicht nur eine Abwechs-lung zum Praktikumsalltag in der AGB dar, sondern bedeuteten auch viele neue Personenkennenzulernen, was ich im Falle des Facharbeitskreises Öffentlicher Musikbibliotheken be-sonders interessant fand.III. Einschätzung des PraktikumsDas sechswöchige Praktikum in der Musikabteilung der AGB hat mir sehr gut gefallen. Ichhabe einen umfassenden Einblick in alle Arbeitsbereiche bekommen, durfte mich mit einembreiten Aufgabenspektrum auseinandersetzen und habe das Arbeitsklima als außerordentlichangenehm empfunden. Meine beiden Schwerpunkte, die Pflege der Linkliste „Musik in Ber-lin“ und der regelmäßige Auskunftsdienst, waren sehr abwechslungsreich und gaben mir dar-über hinaus genügend Freiräume, um weitere kleinere Aufgaben zu übernehmen. Was michim Laufe des Praktikums immer wieder beeindruckt hat, ist die besondere Atmosphäre in derAGB, in meinem Fall in der Musikabteilung: Für eine Öffentliche Bibliothek ist der Bestanddermaßen vielfältig und musikwissenschaftlich relevant, dass die Grenzen zwischen ÖB undWB eigentlich aufgehoben werden. Das merkt man auch tagtäglich an dem ungewöhnlichbreiten Spektrum von Nutzern, unter denen Arbeitslose ebenso zu finden sind wie Doktoran-den. Verbunden mit den hohen Besucherzahlen und den großen Freihandflächen macht dies inmeinen Augen den besonderen Charme und den Reiz der Arbeit in der Musikabteilung derAGB aus – Bedingungen, wie man ihn sonst nur selten finden wird.Nicht unerwähnt sollte darüber hinaus die AIBM (Association Internationale des Biblio-thèques, Archives et Centres de Documentation Musicaux) bleiben. Mit meiner Praktikums-vorgesetzen Susanne Hein als momentaner Präsidentin der AIBM, Gruppe Deutschland, er-hielt ich über das Praktikum hinaus wertvolle Anregungen und Einblicke in die Arbeitsweisedieser für mich sehr relevanten Organisation sowie wertvolle Kontakte.

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