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Warum wir im Bau lernen müssen, die Menschen zu lieben und nicht unsere Technik

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Im Bau haben wir grandiose Technologien. Wir haben Ventilatoren, die am physikalischen Wirkungslimit arbeiten. Nur wird diese Technik suboptimal eingebaut und ist für die Bewohner häufig nicht verständlich regelbar. Wir brauchen nicht nur Topprodukte, sondern Produkte die top im Alltag funktionieren und sich an den Menschen anpassen und nicht umgekehrt.

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Warum wir im Bau lernen müssen, die Menschen zu lieben und nicht unsere Technik

  1. 1. Warum wir im Bau Menschen lieben lernen sollten oder wie schaffen wir die Energiewende 4. Lifecyle Konferenz, August 2017 Patrick Stähler, fluidminds – the business innovator Marianne Stähler, Gemeinderschaft Steinwies
  2. 2. 2 McKinsey Global Institute Executive summary 3 Measuring productivity is challenging. We have used gross value added as our measure and used sector deflators to account for price fluctuations. For further detail, see the technical appendix. Our analysis refers to 41 countries that generate 96 percent of global GDP. Exhibit E1 Globally, labor-productivity growth lags behind that of manufacturing and the total economy SOURCE: OECD; WIOD; GGCD-10, World Bank; BEA; BLS; national statistical agencies of Turkey, Malaysia, and Singapore; Rosstat; McKinsey Global Institute analysis 160 200 180 120 100 80 140 Real gross value added per hour worked by persons engaged, 2005 $ Index: 100 = 1995 1020001995 201405 3.6 2.7 1.0 +2.6 $39$37$25 1 Based on a sample of 41 countries that generate 96% of global GDP. Global productivity growth trends1 Hourly rate Compound annual growth rate, 1995–2014 % Construction Total economy Manufacturing REPEATS in report Total economy Manufacturing Construction Constr Mfg Total Der Bau hat einer der tiefsten Arbeitsproduktivitätszuwächse in allen Branchen. Warum? Was können wir ändern?
  3. 3. Sanierung und Aufstockung Mietshaus im Bestand 2014 • Gute Erfahrung durch sehr gute Planung • Mieter schätzen insbesondere sommerlichen Wärmeschutz durch Isolierung • Noch nie so gute Luft in Wohnung bei Komfortlüftung
  4. 4. Wir haben höchst effiziente Komponenten* wie bei Ventilatoren für kontrollierte Lüftung... * Ventilator von ebm pabst mit Greentech ec-Technologie • Ventilatorrad bei ca. 60-70% Wirkungsgrad (Grenze der Physik erreicht) • Motor bei kleinen Maschinen bei 85%, grosse bei 90-92% (nah am Maximalen)
  5. 5. Wir haben tolle Produkte, aber...
  6. 6. Wir planen tolle Gebäude, mit einer hohen Präzision, aber wie sieht die Realität aus?
  7. 7. Lemon Consult AG Wärmeverbrauch Heizung 1. November 20162000-Watt-Leuchtturm-Areal “mehr als wohnen” 15 Komfortlüftungen Quelle: Lemon Consult AG Planwerte werden gerade in Mehrfamilienhäusern stark überschritten. Hier Objekt Mehr als Wohnen mit Komfortlüftung Warum? PerformanceGap PerformanceGap PerformanceGap PerformanceGap Performance Gap – IST nicht gleich SOLL
  8. 8. Klassisch wird der Mensch als Störfaktor für die zu hohen IST- Werte genannt
  9. 9. Ist wirklich der Mensch der Störfaktor? Oder planen/ bauen/ betreiben wir am Menschen vorbei?
  10. 10. Die Realität Grosser deutscher Hersteller von Heizungen weiss von 80% seiner Geräte nicht, wo und wie sie eingebaut sind. 90% der Geräte, die sie bei Notfalleinsätzen sehen, sind immer noch auf Werkseinstellungen. Sprich, die Heizungen verbrauchen zu viel Energie, obwohl es technisch tolle Heizungen sind
  11. 11. Wir verlangen von Bewohnern mit dieser Steuerung ohne Feedback über den IST- Zustand der Luft z.B. CO2- Gehalt oder Luftfeuchtigkeit, die optimale Luftmenge zu finden
  12. 12. Ist Smart Home die Lösung? z.B. Sonnenschutz als Komponente des Passiv-Hauses?
  13. 13. Tolles Produkt, wenn es funktioniert. Komplex für Installateur, kein visuelles Programmierinterface. Widersprechende Kommandos führten zu Schäden. Keine Systemverantwortung
  14. 14. Nicht der Mensch ist der Störfaktor, sondern das Vergessen des menschlichen Verhaltens im Design der Produkte und der Geschäftsmodelle 1
  15. 15. Wie viele Menschen verstehen genau, wie man hier die Temperatur leicht hochstellt? Jedem Ingenieur klar, aber den normalen Nutzern?
  16. 16. Endlich Versuche, den Menschen so zu akzeptieren, wie sie sind. Human Center Design
  17. 17. Produkte müssen so designt werden, dass es von normalen Menschen genutzt werden kann und Feedback gibt, ob es optimal funktioniert 2
  18. 18. Fallstudie Zufällig merken Sie, dass Wasser in der Heizung fehlt? Was machen Sie jetzt? Heizkessel ist gerade 14 Jahre alt
  19. 19. Resultat: Hin- und Herschieben von Verantwortung; keiner fühlt sich zuständig, kein durchgängiger Prozess zwischen Hersteller und Installateur Wasser fehlt in Heizkörpern 1. Servicenummer auf Geräte raussuchen und anrufen 2. Heizungshersteller ist nicht zuständig, da Hydraulikproblem 3. Heizer anrufen 4. Heizer kommt und füllt Wasser nach 5. Sieht OK aus! Jubel? 6. Leider Nein. Wasser läuft aus Kessel raus 7. Hersteller anrufen; schicken Monteur 8. Monteur kann nichts mehr machen. Heizung gerade 13 Jahre alt 9. Monteur stellt Heizung aus, bietet keine Lösung an 10. Mieter haben kein Warmwasser 11. Sales ruft am Montag an und verspricht Toppreis 12. Installateur bietet Hotboy an. Auftrag sofort erteilt 13. Elektriker wird aufgeboten für Starkstromanschluss 14. Elektriker war falsch informiert. Hotboy braucht viel höhere Absicherung (60A) als gedacht 15. ewz muss neuen Zähler mit 60A genehmigen 16. Nach 3 Tagen Ausfall Warmwasser 15. Offerte von Installateur kommt, wobei kein Toppreis sondern nur Listenpreis 16. Abbruch der Übung mit bisherigen Hersteller ......
  20. 20. Der HLK Bereich ist geprägt von kollektiver Verantwortungslosigkeit; jeder verweist bei Fehlern gerne auf den anderen 3
  21. 21. Läuft diese Zirkulations- pumpe optimal? Funktioniert sie überhaupt? Nein, sie war über 100°C heiss
  22. 22. Irgendetwas Auffälliges hier an Pumpengruppe? Hinweis: Es ist ein Hochsommertag
  23. 23. Temperaturanzeigen sind vollkommen erratisch. Ca. 10°K Abweichung. Wurden 2014 eingebaut
  24. 24. Neue Hardware eingebaut. Aber auch richtig eingestellt? 1. Versuch Werkseinstellung
  25. 25. Noch etwas aufgefallen? Verschraubungen nicht isoliert, so dass Raum deutlich wärmer ist als mit altem Kessel. Dank an unseren heutigen Installateur, dass er alle Optimierungsschritte gemeinsam angegangen ist
  26. 26. Geschäftsmodelle der Hersteller müssen sich an der Aufgabe ausrichten, die der Kunden lösen möchte und nicht an Gewerken. Kunden brauchen Wärme und nicht verschiedenste Ansprech- partner für Kessel, Heizkreislauf und Boiler 4
  27. 27. Auto defekt; zur Garage bringen; Auto wird repariert, unabhängig was der Fehler war (Motor, Elektronik, etc.)
  28. 28. Andere Branchen zeigen wie Systemverantwortung geht. Einer steht vorne und garantiert die Leistung und koordiniert die anderen Gewerke 5
  29. 29. Viele Ideen. Nur liefern die neuen Geschäftsmodelle auch, was sie versprechen? Haben wir überhaupt die richtigen Geschäftsmodelle gefunden?
  30. 30. Spielerischer Ansatz zum “Sparen“ Aufladung der Produkte mit mehr als nur Kernnutzen Wäre auch bei nachhaltigen Geschäftsmodellen möglich (Autarkie, Coolness, Cleverness, Vereinfachung des Lebens, etc.)
  31. 31. Viele offene Fragen: Haben wir die rechtlichen Grundlagen für innovative Geschäftsmodelle z.B. beim Eigenverbrauch? • Verrechnungspreise zwischen Mietern und Anlagenbesitzern? • Bezugspflicht für Mieter möglich? • Steuerliche Behandlung? • Opendata Ansatz über alle Energieträger über alle Verbraucher für Bestimmung des Lastgang
  32. 32. Durch neue Geschäfts- modelle kann die Energiewende gelingen. Dafür braucht es radikales Neudenken, aber viele offene Fragen 6
  33. 33. Geberit – ein Produktinnovator? Vom einfachen Spülkasten zum Unterputzgesamtsystem
  34. 34. Kostenstruktur • Höher verglichen zu klassischen Komponentenherstellern. • Hoher Aufwand für Customer Insights, Entwicklung, Schulung und Betreuung der Installateure. Team • Sehr breites Spektrum von Kompetenzen und Berufen wie Architekt, Produktdesigner, Produktionsfachkraft, Installateur, Schulungs-, Marketing-, Vertriebs-, Brandschutz- und Lärmschutzexperte et cetera. Angebot • Integrierte Sanitärsysteme, zum Beispiel Unterputzspülkästen, die für den Endnutzer meist unsichtbar sind. • Vermehrt sichtbare Produkte wie AquaClean (WC-Dusche). Produktion (Kernaktivitäten) Kernfähigkeiten • Wissen über Produkte und Bau/Sanierungsprozess von Bädern. • Kompetenz im Partnermanagement • und Schulung der Installateure (100.000 Teilnehmer pro Jahr). Geschäftsstruktur Ertragsmodell Unternehmensgeist Vertrieb und Kommunikation • Dreistufiges Vertriebssystem (Großhandel, Sanitärinstallateur, Endkunde). • Installateure werden via Schulung und eigenem Vertrieb erreicht. • TV-, Printwerbung für neue Produkte. Partner • Sanitärinstallateure sind langfristige Partner, die in »Geberit ausgebildet« werden. • In Ländern ohne Berufslehre übernimmt Geberit die Zertifizierung der Handwerker. Schulung Partner Entwicklung Einbau Installateur Beschaffung Customer Insights VertriebProduktion Kunde • Hauseigentümer (via der anderen Kundensegmente). • Architekten, Sanitärplaner. • Sanitärinstallateure. Nutzen • Hauseigentümer: Schnellere, bequeme- re Badsanierung; Wissen, dass Geberit auch Jahrzehnte hält. • Installateure: alle Komponenten aus einer Hand, sodass ihr Leben von der Planung, Beschaffung, Logistik und Installation einfacher wird, plus hohe Marge. Ertragsquellen • Deutlich höher, als wenn einzelne Komponenten gekauft würden. • Geringerer Wettbewerb, da Installateure nur noch »Geberit« können. Werte • Langfristiges Denken. • Partnerschaftlicher Umgang mit Installateuren und Planern. Value Proposition Geberit stellt nicht das Produkt in den Mittelpunkt, sondern das perfekt im Einsatz funktionierende Produkt. Darum hat es ein Geschäftsmodell entwickelt, dass die Installateure eng einbindet und so die Qualität garantiert
  35. 35. Nicht das Produkt ist entscheidend, sondern nur das perfekt eingebaute und richtig genutzte Produkt 7
  36. 36. Was ist ein Geschäfts- modell
  37. 37. Produkt/Technologie Wert schafft X ermöglicht Geschäftsmodell Ihre Technologie und ihr Produkt schaffen noch keinen Wert
  38. 38. Das Geschäftsmodell ist der Bauplan Ihres Unternehmens
  39. 39. Das Geschäftsmodell muss Ihren Kunden und Mitarbeitern Sinn geben
  40. 40. Vier Elemente für ein erfolgreiches Geschäft: Was begeistert unsere Kunden? Value Proposition PATRICK STÄHLER DAS RICHTIGE GRÜNDEN Werkzeugkasten für Unternehmer Wie schaffen wir die Begeisterung für unsere Kunden? Geschäftsstruktur PATRICK STÄHLER DAS RICHTIGE GRÜNDEN Werkzeugkasten für Unternehmer Wie verdienen wir Geld? Ertragsmodell PATRICK STÄHLER DAS RICHTIGE GRÜNDEN Werkzeugkasten für Unternehmer Wer ist im Team? Welche Werte teilen wir? Unternehmergeist PATRICK STÄHLER DAS RICHTIGE GRÜNDEN Werkzeugkasten für Unternehmer Die Aufgabe des Unternehmers
  41. 41. Sind gerollte Handtücher für Toiletten eine grosse Innovation?
  42. 42. CWS boco – Der Wäsche Mietservice CWS-boco bietet Lösungen für Waschräume, Schmutzfangmatten, Berufsbekleidung und andere Textilien Geschäftsmodellinnovation Die Firma bietet nicht Produkte, sondern das Management dieser. Ertragsquelle sind die Mieten Value Proposition CWS macht das Leben der Kunden einfacher, in dem es Produkte und Dienstleistungen kombiniert
  43. 43. Produkt/ Technologie Glückliche Kunden schafft X Value Proposition löst wird erfüllt von Geschäftsmodell Produkt/Technologie schafft allein keinen Wert. Es ist die Value Proposition und das Geschäftsmodell, das die Value Proposition erfüllt Kunden-Aufgabe adressiert
  44. 44. Was müsste sich ändern? Sowohl aus Unternehmer- bzw. aus Bestellersicht?
  45. 45. Wünsche an Hersteller a) Verstehen Sie den Nutzer mit allen seinen aus Ingenieurssicht gesehen Mängeln. Lieben Sie ihn so wie er ist b) Stellen Sie die Lösung der Kundenaufgabe in den Mittelpunkt ihres Geschäftsmodells und nicht ihr Gewerk (singuläre handwerkliche Fähigkeit) c) Messen Sie, wie Kunden ihre Produkte verwenden und lernen Sie daraus, es das nächste Mal besser zu machen d) Innovieren Sie Ihr Geschäftmodell hin zu Nutzer-Zentriertheit, sonst machen es andere 8
  46. 46. Wünsche an Besteller a) Achten Sie auf Benutzerfreundlichkeit. Testen Sie angebotene Lösungen in der Realität b) Fordern Sie Hersteller heraus und verlangen Sie Systemlösungen und nicht nur tiefe Preise im Bau c) Fordern Sie bei Ausschreibungen Unternehmerlösungen d) Geben Sie eine Einführung für neue Nutzer und bilden Sie ERFA Gruppen, um Erfahrung und Lehren auszutauschen e) Fordern Sie garantierte IST-Werte und nicht schöne SOLL-Werte 9
  47. 47. Wir brauchen Sie!
  48. 48. Folien basieren auf dem Buch „Das Richtige gründen: Werkzeugkasten für Unternehmer“. Mit dem Arbeitsbuch können Sie aus Ihrer Idee ein tragfähiges Geschäftsmodell entwickeln. Erhältlich in jeder Buchhandlung oder bei Amazon.de Mehr Informationen auf Das-Richtige-gruenden.de

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