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Im Treatise of Opticks schreibt er:      Zwei oder drei Prinzipien der Bewegung aus den Phänomenen abzuleiten und dann zu ...
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Leich fau-ps-copernicanische-wende-handout-14

  1. 1. FAU-Proseminar: Die Copernicanische Wende – Ein Motiv zur Entstehung derneuzeitlichen Naturwissenschaft, 14. Sitzung, Do 02.02.12, Pierre Leich_________________________________________________________________Schwerkraft bei CopernicusDie Notwendigkeit einer neuen Physik hatte Copernicus nicht gesehen. Nur für dienicht mehr im Zentrum befindliche Erde hatte er eine Modifikation der Schwere-theorie übernehmen müssen, die letztlich auf Platon zurückgeht: Nicht der Mittel-punkt der Welt, sondern der Mittelpunkt der Erde ist das von den schweren Körpernangestrebte Schwerezentrum. Ich bin wenigstens der Ansicht, daß die Schwere nichts anderes ist als ein von der göttlichen Vorsehung des Weltenmeisters den Teilen eingepflanztes natürliches Streben, vermöge dessen sie dadurch, daß sie sich zur Form einer Kugel zusammenschließen, ihre Einheit und Ganzheit bilden. Und es ist anzunehmen, daß diese Neigung auch der Sonne, dem Mond und den übrigen Planeten innewohnt …1Newtons SyntheseWährend Galilei beschreibt und typisiert, bindet Newton seine Beschreibungen anein Erklärungsprogramm.Newton zeigt, dass die Anziehungskraft der Erde auf den Mond sowie die Zentrifugalkraft des Mondes die beobachtete Bahn des Mondes hervorbringen. die Bahn, die durch eine im Quadrat der Entfernung abnehmende Anziehungskraft hervorgeht, eine Keplersche Ellipse ist, in deren einem Brennpunkt die Sonne steht. eine elliptische Bahn eine Anziehungskraft erfordert, die im Quadrat der Entfernung abnimmt. für jede Zentralbewegung das Flächengesetz gilt. Kometen sich auf stark exzentrischen Ellipsen oder Parabeln bewegen. die Wirkung einer Kugel im Außenraum gleich der Wirkung ist, wenn die Masse im Mittelpunkt vereinigt ist.Damit hat Newton die Mittel in der Hand, um sein Forschungsprogramm zuformulieren, und er charakterisiert die Methode der Physik etwa folgendermaßen:Zunächst werden bestimmte Erscheinungen der Bewegungen betrachtet, um induktivaus diesen auf die zugrunde liegenden Kräfte zu schließen. Aus den Gesetzendieser Kräfte werden dann im Folgenden alle übrigen Erscheinungen deduziert.21 Nicolaus Copernicus, De revolutionibus orbium coelestium, Nürnberg 1543, Übersetzung.2 Im Gegensatz zu seinen methodologischen Ausführungen ist der tatsächliche Aufbau der Principia nicht von empirischen Abhängigkeiten bestimmt. Wie Jürgen Mittelstraß in Neuzeit und Aufklärung, S. 299 betont, lässt sich dieser „gerade nicht als Systematisierung einer ‘induktiven’ Physik auffassen, sondern stellt ganz im Sinne der mit Galilei begonnenen rationalen Mechanik eine axiomatische Theorie dar, in der Definitionen und Axiome, nicht ‘Wahrnehmungen’ und Ihre Wiedergabe, an der Spitze stehen.“
  2. 2. Im Treatise of Opticks schreibt er: Zwei oder drei Prinzipien der Bewegung aus den Phänomenen abzuleiten und dann zu zeigen, wie die Eigenschaften und das Verhalten aller Dinge sich aus diesen fest- stehenden Prinzipien ergibt, das wäre ein wichtiger Schritt in der Philosophie.3Gleich zu Beginn der Principia heißt es: In diesem Sinne ist die rationale Mechanik die genau dargestellte und erwiesene Wissenschaft, welche von den aus gewissen Kräften hervorgehenden Bewegungen und umgekehrt, den zu gewissen Bewegungen erforderlichen Kräften handelt.4Ist die Suche nach Ursachen erst einmal in Gang gekommen, kann diese erst beieiner Erstursache ruhen. Hauptaufgabe der Naturphilosophie ist nach Newton diehypothesenfreie Erfassung der Phänomene und Erkenntnis der Ursachen „till wecome to the very First cause; which certainly is not mechanical“.5Das GravitationsgesetzNachdem Newton die Axiome der Mechanik eingeführt hat, vergleicht er dieBewegung des Mondes mit einem Körper auf der Erde.Die Mondbewegung setzt sich aus der Trägheitsbewegung auf der Tangente unddem Fall in Richtung Erde zusammen. Da die Abweichung des Mondes von seinerBahntangente im Verlauf eines bestimmten kleinen Zeitabschnittes der Zentripetal-kraft, die den Mond an die Erde zieht, proportional ist, vergleicht Newton dieseAbweichung mit der Entfernung, die ein auf der Erde fallender Körper im gleichenZeitabstand zurücklegt.Newton erhielt bei seinen Berechnungen für die Zentripetalkraft des Mondes eineum 3600-mal kleinere Größe als für die Schwerkraft auf der Erdoberfläche. Da dieEntfernung vom Erdzentrum zum Mond mit 60 Erdradien bekannt war, ergab sich,dass die Anziehung des Mondes zur Erde als die zum Mond ausgedehnteSchwerkraft betrachtet werden kann.In der dritten Auflage der Principia (Amsterdam 1726) ergänzte Newton dieProposition V des dritten Buches durch ein Scholium, in dem er explizit feststellt: Bis jetzt haben wir jene Kraft, welche die Himmelskörper in ihren Bahnen erhält, Centripetalkraft genannt. Daß sie mit der Schwere identisch sei, ist ausgemacht, und wir wollen sie daher künftig Schwere nennen.6Da sich die Himmelskörper gegenseitig anziehen, verwandelt sich der Ausdruck fürdie zentripetale Beschleunigung nach Einbeziehung der Massen in den Ausdruckdes Gesetzes der universalen Wechselwirkung der Gravitation: F = kMm/r2Alle Massen im Weltall ziehen sich gegenseitig an, und zwar mit einer Kraft, die demProdukt der beiden beteiligten Massen proportional und dem Quadrat ihres gegen-seitigen Abstands umgekehrt proportional ist. Die Gravitationskraft nimmt damit indem Maße ab, wie die Kugelflächen, in die sich diese Kraft verbreitet, zunehmen.3 Isaac Newton, Treatise of Opticks, 4. Aufl. London 1730, Dover/New York 1953, S. 401; zitiert nach: Max Jammer, Das Problem des Raumes, Darmstadt 1960, S. 104.4 Philosophiae naturalis principia mathematica, London 1687; deutsche Übers. v. J.Ph. Wolfers, Mathematische Prinzipien der Naturlehre, Darmstadt (WBG) 1963 (Berlin 1872), S. 1f.5 Faksimile-Neudruck (Stuttgart-Bad Cannstatt 1964) der von Samuel Horsley hrsg. Werkausgabe Opera quae exstant omnia, Band IV, London 1979-1985, S. 237.6 Isaac Newton, Mathematische Prinzipien der Naturlehre, Darmstadt 1963, S. 388.

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