Wie zukunftsfähig sind Gesellschaft und Politik?

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Zukunftsplanung im gesellschaftlich-politischen Umfeld – Wie zukunftsfähig sind Gesellschaft und Politik?
Keynote, 6. Internationale Szenariokonferenz, Paderborn, Mai 2009

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Wie zukunftsfähig sind Gesellschaft und Politik?

  1. 1. Zukunftsplanung im gesellschaftlich- politischen Umfeld – Wie zukunftsfähig sind Gesellschaft und Politik? Dr. Johannes Meier Vorstand Bertelsmann Stiftung Geschäftsführer Xi GmbH Mai 2009
  2. 2. Gewichtsentwicklung der Weihnachtsgans Überraschung!! Gewichtsentwicklung Johannes Meier 2 Quelle:N. Taleb, „Der schwarze Schwan“
  3. 3. Zukunftsfähigkeit? Johannes Meier 3 von vtveen
  4. 4. Kollaps Faktoren, die den Kollaps von Gesellschaften treiben: 1. Schädigung der Umwelt durch die Menschen - bewusst oder unbewusst 2. Natürliche Klimaveränderungen 3. Abnehmende Unterstützung durch Nachbarn oder Handelspartner 4. Feindliche Nachbarn 5. Die Antizipations- und Reaktionsmechanismen der Gesellschaft auf Veränderung Johannes Meier 4 Quelle: Jared Diamond von vtveen
  5. 5. Zentrale Rolle der Werte - Entwicklung • Zukunftsfähigkeit ~ Zivilisatorische Stärke? J. Diamond unterscheidet zwischen gesellschaftlicher und biologischer Überlebensfähigkeit • Häufige Annahme: Biologische Überlebensfähigkeit abhängig von Stärke unserer zivilisatorischen Werte • Gegenbeispiele: Gesetzestreue, Frieden und Freiheit liebende, tolerante, wertebasierte Gesellschaften sind untergegangen Johannes Meier 5
  6. 6. Heute verursachen 18% der Weltbevölkerung 54% der CO²-Emissionen 1. Szenario 2050 Entwickelte Länder: Reduktion CO² um 40% Entwicklungsländer: gleichbleibend/Kopf Zukunft?  Summe = Emissionen auf heutigem Niveau Erderwärmung: Gebiete mit schnellem 2. Szenario 2050 Bevölkerungswachstum Entwickelte Länder: keine Reduktion besonders hart betroffen Entwicklungsländer: Verdoppelung/Kopf  Überschwemmungen  Summe = Emissionen steigen um + 90 %  Dürren 3. Szenario 2050  Migrationswellen Entwickelte Länder: Reduktion CO² um 40% Entwicklungsländer: Verdoppelung/Kopf Summe = Emissionen steigen um + 66 % Johannes Meier 6
  7. 7. Warum fand bzw. findet keine gute Zukunftsplanung statt? 1. Methodische Barrieren 2. Barrieren der politischen Rationalität 3. Psychologische Barrieren Johannes Meier 7
  8. 8. Warum fand bzw. findet keine gute Zukunftsplanung statt? 1. Methodische Barrieren 2. Barrieren der politischen Rationalität 3. Psychologische Barrieren Johannes Meier 8
  9. 9. Der Zukunftsraum ist offen Fundamentale Trends Zukunftsraum Zeitalter Zeitalter … der Freiheit und Ideen … der Konfusion und Riesige Informations- und Kommunikationsströme Propaganda … kollektiver Intelligenz / … des Individualismus Lösungen … des gemeinsamen … des belanglosen Engagements Zeitvertreibs … des globalen Wirkens … der globalen Verdichtung von Zeit, Entfernung und Zugang Zerrüttung … des globalen … des Eigennutzes und Zunehmende Teilhabe ärmerer Nationen bei gleichzeitigem Wohlstands Protektionismus Anstieg von Asymmetrien … eines höheren … der ideologischen Inadäquate ethisch-spirituelle Codes angesichts Bewusstseins Kämpfe globaler Risiken Johannes Meier 9 Quelle:KetanPatel Quelle: in Anlehnung an Ketan Patel „The Master Strategist: Power, Purpose and Principle“ 2005
  10. 10. Die methodische Herausforderung • Interdependenzen zwischen Trends, Risiken, Interventionen • Entkopplung gesellschaftlicher Handlungen von örtlichen und zeitlichen Restriktionen • Reflexivität des Lebens moderner Gesellschaften: soziale Praktiken werden ständig in Hinblick auf einlaufende Informationen über eben diese Praktiken überprüft und verbessert, so dass ihr Charakter grundlegend geändert wird (Anthony Giddens) • Keine geteilten Deutungen und Fundamente über kulturelle und semiotische Kontexte  Prozess der Produktion gemeinsamer Deutung und Werte entscheidend Johannes Meier 10
  11. 11. Warum fand bzw. findet keine gute Zukunftsplanung statt? 1. Methodische Barrieren 2. Barrieren der politischen Rationalität 3. Psychologische Barrieren Johannes Meier 11
  12. 12. Politische Rationalität • Interessen des Machterwerbs und der Machtsicherung • Mehrheitsprinzip (heutiger) Wähler  Wählermaximierungslogik • Parteiendemokratie  Logik parteipolitischer Profilierung • Mediendemokratie  Tagesaktuelle „Quote“ Alte Vertriebsweisheit: „Die schnelle Mark schlägt die langsame Mark“ (Kurzfristige Sensibilität schlägt langfristige Reflektion) Johannes Meier 12
  13. 13. Staatsausgaben und –einnahmen 2004 und Bevölkerungsprofil 2004 25.000 € 1.600 1.400 20.000 € 1.200 Bevölkerung in 1.000 1.000 15.000 € 800 10.000 € 600 400 5.000 € 200 0€ 0 1 5 9 13 17 21 25 29 33 37 41 45 49 53 57 61 65 69 73 77 81 Alter Bevölkerung 2004 Steuern und Beiträge pro Kopf Transfers und Staatsverbrauch pro Kopf Johannes Meier Seite 13
  14. 14. Staatsausgaben und –einnahmen 2004 und Bevölkerungsprofil 2020 25.000 € 1.600 1.400 20.000 € 1.200 Bevölkerung in 1.000 1.000 15.000 € 800 10.000 € 600 400 5.000 € 200 0€ 0 1 5 9 13 17 21 25 29 33 37 41 45 49 53 57 61 65 69 73 77 81 Alter Bevölkerung 2020 Steuern und Beiträge pro Kopf Transfers und Staatsverbrauch pro Kopf Johannes Meier Seite 14
  15. 15. Staatsausgaben und –einnahmen 2004 und Bevölkerungsprofil 2030 25.000 € 1.400 +285 Mrd. € 1.200 20.000 € 1.000 Bevölkerung in 1.000 15.000 € 800 600 10.000 € 400 5.000 € 200 0€ 0 5 -118 13 17 21 25 29 33 37 41 45 49 53 57 61 65 69Mrd. € 81 9 Mrd. € -403 73 77 1 Alter Bevölkerung 2030 Steuern und Beiträge pro Kopf Transfers und Staatsverbrauch pro Kopf Johannes Meier Seite 15
  16. 16. Projektion der Schuldenstände 2020 (in T€ pro Kopf) Johannes Meier 16 Quelle: Schuldenmonitor BST 2007
  17. 17. Warum fand bzw. findet keine gute Zukunftsplanung statt? 1. Methodische Barrieren 2. Barrieren der politischen Rationalität 3. Psychologische Barrieren Johannes Meier 17
  18. 18. ShlomoShoham‘s Analyse Looking forward with anxiety Turning inwards No energy for planning and creating Vicious Circle a future Preserving the present reality Using force to prevent change Johannes Meier 18 ShlomoShoham: 1. Knesset Commissionerforthe Future Generations
  19. 19. Überwindung der Barrieren 1. Methoden erweitern 2. Einbezug der Bürger – Betroffenheit erzeugen, Emotionalisierung 3. Teufelskreis durchbrechen Johannes Meier 19
  20. 20. 1. Methodische Erweiterungen Konventionelle Ansätze Fokus auf die Lücken • Extrapolationder • Einbezug des Undenkbaren, der Vergangenheit Wildcards, der Utopia • Disziplinärer • Landkarten der Interdepen- Reduktionismus denzen über Disziplinen hinweg • Expertendiskurse • Diskurse über Perspektiven hinweg (Eliten + Bürger) • Einweg-Kommunikation • Interaktive Koproduktion von der Deutungshoheit Interpretation und Sinn Johannes Meier 20
  21. 21. 2. Betroffenheit der Bürger erzeugen • Die Zukunft persönlich relevant machen • Emotionale Aufladung wichtig • Vermittlung in die Fläche, Partizipationsmöglichkeiten • Politik reagiert sensibel auf Stimmungen der Bevölkerung Johannes Meier 21
  22. 22. 3. Teufelskreis durchbrechen The inner source for creating the future The courage to Broad view on create in the Humanity real Changing unknown needs awareness The courage to Intuitive study let go of the field Listening and containing Johannes Meier 22 Quelle: ShlomoShoham: 1. Knesset Commissionerforthe Future Generations
  23. 23. Beispiel: Theory U neuer Zugangs zur Zukunftsplanung Johannes Meier 23 Quelle: Claus Otto Scharmer, MIT Source: Claus Otto Scharmer, theoryu.com
  24. 24. Zukunft: Etwas, das meistens schon da ist, bevor wir damit rechnen.
  25. 25. Beispiel: nextpractice Zugang zu Resonanzräumen für Veränderung intuitive Bewertungen Ebene der Einstellungen Ebene der bewussten Meinungen Ebene der tatsächlichen Verhaltensweisen Johannes Meier 25 Quelle: Andreas Kruse, nextpractice
  26. 26. Entwicklung von Deutschland Ungleichheit und antiquierte Solidargemeinschaft und Rollenvorstellungen Gefühl von Geborgenheit Existenzprobleme und Einkommenssicherung und Entwicklung Deutschland mangelnde Leistungsstärke Verteilungsgerechtigkeit 60er Bürokratie und bevormun- Aufbruchstimmung und 70er dende Mängelverwaltung Optimismus für die Zukunft Idealbild 80er Resignation und Weg in Eigenverantwortung und Zwei-Drittel-Gesellschaft Nutzung aller Potentiale 90er heute prinzipielles Profitgier und kinderfeind- Bürgerengagement und Potential liche Wachstumsideologie kulturelle Reichhaltigkeit vermutete Zukunft Machterhalt und persön- Integrationsfähigkeit und liche Interessenverfolgung optimale Bildungssysteme Innovationskraft und persön- liche Leistungsstärke Alle Interviewpartner aus der Studie zum demographischen Wandel (n = 111) Johannes Meier 26
  27. 27. zentrale Wertepräferenzen der verschiedenen Gruppen Solidarität Nutzen fürs Nutzen von acht Individuum Gemeinschaft Präferenzgruppen Fokus Fokus persönliche gesellschaftliche Entwicklung Verantwortung Beitrag des Beitrag der quot;was mir persönlich Individuums Gemeinschaft wichtig istquot; Leistung Analyse unterschiedlicher Wertemuster Johannes Meier 27
  28. 28. Hoffnungszeichen Institutionelle Innovationen • Commission forFuture Generations (Israel) • InnovationUnits (UK) • Wecansolveit.org (USA) • IPCC (INT) • Forum Demographie des Bundespräsidenten (D) von RebelBlueAngel Johannes Meier 28
  29. 29. Statt einem Fazit Der beste Weg, die Zukunft vorauszusagen, ist, sie zu gestalten. Willy Brandt Johannes Meier 29

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