Successfully reported this slideshow.
We use your LinkedIn profile and activity data to personalize ads and to show you more relevant ads. You can change your ad preferences anytime.

Outreachansätze im Museumsbereich

864 views

Published on

Diese Arbeit setzt sich mit Outreach in der Bildungsarbeit von Museen auseinander. Um die derzeitig Situation in Deutschland auf diesem Gebiet anschaulich darzustellen, wurden exemplarisch drei Projekte für die nähere Vorstellung ausgewählt. Diese drei Projekte sind in ihrer Art und Größe immer noch weitestgehend ohne Konkurrenz im deutschsprachigen Raum. Somit ist es umso notwendiger für das Verständnis dieses neuen Themengebietes, die Informationen und Erfahrungen dieser „Pionier“-Projekte zusammenzutragen, um sie dann in ein einheitliches und übergeordnetes System – dem des Outreach – einzuordnen.

Published in: Education
  • Be the first to comment

  • Be the first to like this

Outreachansätze im Museumsbereich

  1. 1. Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin Fachbereich 5 Gestaltung Studiengang Museumskunde Anna Maria Scharinger 12. Juni 2009 Erstgutachter: Prof. Dr. phil. Oliver Rump Zweitgutachterin: Ivana Scharf (MA) OUTREACHANSÄTZE IM MUSEUMSBEREICH Chancen und Grenzen eines mobilen Vermittlungsprogrammes
  2. 2. Inhalt 1. Einleitung .........................................................................................................................................1 2. Vermittlungs- und Bildungsauftrag von Museen.............................................................................3 2.1. Historische Entwicklung...........................................................................................................3 2.2. Leitgedanken und Aufgaben der musealen Vermittlung.........................................................7 3. Outreach – Mobile Dienste und Bildung........................................................................................10 3.1. Begriffsklärung Outreach.......................................................................................................10 3.2. Initiatoren von Outreachprojekten........................................................................................11 3.3. Zielgruppen von Outreach .....................................................................................................14 4. Outreach im musealen Bereich......................................................................................................17 4.1. Relevanz von Outreach ..........................................................................................................17 4.2. Museumskoffer als Urform....................................................................................................19 4.3. Weitere Ansätze des musealen Outreach..............................................................................20 4.4. Status quo in Deutschland .....................................................................................................25 5. Exemplarische Vorstellung von drei Outreachprojekten in Deutschland......................................27 5.1. Tabellarische Vorstellung.......................................................................................................27 5.2. Zusammenfassendes zu den Projekten .................................................................................38 6. Chancen von Outreachansätzen im Museumsbereich ..................................................................39 6.1. Ansprache museumsferner Milieus.......................................................................................39 6.2. Abbau von Berührungsängsten gegenüber dem Museum....................................................39 6.3. Bessere Zielgruppenorientierung...........................................................................................40 6.4. Informationen über die potenziellen Zielgruppen.................................................................41 6.5. Neue, zeitgemäße Wege der Vermittlungsarbeit..................................................................42 6.6. Bekanntmachung des Museums............................................................................................42 6.7. Imagegewinn für das Museum...............................................................................................43 6.8. Zugewinn für alle Beteiligten .................................................................................................44 7. Grenzen von Outreachansätzen im Museumsbereich...................................................................45 7.1. Wenig bis kein Umgang mit den Originalen...........................................................................45 7.2. Zeitlicher Faktor ....................................................................................................................46 7.3. Nachhaltigkeit der Programme..............................................................................................46 7.4. Hohes personelles Aufkommen.............................................................................................47
  3. 3. 7.5. Finanzierung...........................................................................................................................47 8. Kritische Einschätzung von Outreach in der musealen Praxis .......................................................49 8.1. Abwägen von Pro und Contra................................................................................................49 8.2. Versuch einer Definition ........................................................................................................50 8.3. Ausblick – Mögliche Entwicklungen von Outreach in Deutschland.......................................51 I. Verzeichnisse.......................................................................................................................................54 Literatur- und Quellenverzeichnis..........................................................................................................54 Abbildungsverzeichnis ...........................................................................................................................59 Adressenverzeichnis...............................................................................................................................60 II. Anhang ...............................................................................................................................................62
  4. 4. Verzeichnis der verwendeten Abkürzungen Abb. Abbildung/en BDI Bundesverband der Deutschen Industrie bzw. beziehungsweise ca. circa d. h. das heißt ebd. ebenda etc. et cetera e. V. eingetragener Verein f/ ff folgende Hrsg. Herausgeber Jh. Jahrhundert JMB Jüdisches Museum Berlin ICOM International Council of Museums inkl. inklusive Intv. Interview/s PISA Programme for international student assessment usw. und so weiter S. Seite/n Vgl. Vergleiche z.B. zum Beispiel
  5. 5. 1 „The Museum is not the building – the museum exists when somebody looks at something with a greater understanding. It doesn´t matter where that happens…” (Julia Spalding, Interview) 1 1. Einleitung Wie verortet sich ein Museum selbst? Diese Frage hat auch immer viel mit seinem Vermittlungs- und Bildungsauftrag zu tun. Leider ist dieser Bereich zu oft noch das „Stiefkind“ der Museumsarbeit und somit auch der finanziellen Zuschüsse. Aber nicht nur fehlende Gelder, sondern auch mangelnde Experimentierfreude haben in den letzten Jahren dazu geführt, dass die deutsche Museumslandschaft mit innovativen Neuerungen im Bereich der Bildung immer noch hinter den angelsächsischen Kollegen zurück bleibt. Dies ist aber nicht der einzige Grund, wieso sich Museen mit neuen Ansätzen und Methoden der Vermittlungsarbeit auseinander setzen sollten. Auch die immer größer werdende soziale Schere in unserer Gesellschaft, der demografische Wandel2 und die viel kritisierte Bildungspolitik3 in Deutschland, zeigen viel Raum, großes Potenzial und eine unausweichliche Notwendigkeit für neuartige und nachhaltige Bildungsprojekte von Seiten der Museen. Dass die Armutsgrenze stetig nach unten sinkt, ist nicht nur aus der Sicht des materiellen Wohlstandes ein Problem. Der damit einhergehende Mangel an Zugang zu Bildung und Kultur wird vielleicht immer schwerwiegendere Folgen für die Betroffenen haben. Die Frage ist jedoch, ob es wirklich einen Mangel an Bildungsressourcen gibt? Oder ob vielmehr die vorhandenen Ressourcen nicht richtig genutzt werden? Wie zum Beispiel das Potenzial eines Museums. Unter anderem aus diesen Gründen setzt sich diese Arbeit mit einem möglichen neuen Ansatz der musealen Bildungsarbeit, dem Outreach, auseinander. Dieser noch weitgehend unbekannte Begriff für eine Methode des hinausreichenden Services, soll zu Anfang erst einmal geklärt werden, um dann die Übertragbarkeit auf den Museumsbereich zu veranschaulichen. 1 Aus: RESERCH CENTERS FOR MUSEUMS AND GALLERIES, 2009, S.7 2 So wird, z.B. laut einer Veröffentlichung zur Bevölkerungs- und Haushaltsentwicklung, die Altersgruppe der 65 Jährigen bis 2030 um 40% ansteigen. (Statistische Ämter des Bundes und der Länder, 2007, S. 8) 3 Vor allem nach der internationalen Vergleichsstudie PISA, bei der Deutschland in den Jahren 2000 und 2003 im Vergleich schlecht abgeschnitten hat, haben in Deutschland verstärkt Diskussionen über die Bildungspolitik begonnen. Im Durschnitt lag Deutschland in den Bereichen Mathematik, Lesefähigkeit und Naturwissenschaften hinter Ländern wie beispielsweise Finnland, Japan, Niederlanden und der Schweiz, zurück. (Vgl. http://www.mpib-berlin.mpg.de/pisa/ergebnisse.pdf)
  6. 6. 2 Diese Abschlussarbeit will vor allem die Chancen und zugleich auch die Probleme aufzeigen, die mit einem solch aufwendigen und unkonventionellen Projekt einhergehen können. Um die derzeitig Situation in Deutschland auf diesem Gebiet anschaulich darzustellen, wurden exemplarisch drei Projekte für die nähere Vorstellung ausgewählt. Diese drei Projekte sind in ihrer Art und Größe immer noch weitestgehend ohne Konkurrenz im deutschsprachigen Raum. Somit ist es umso notwendiger für das Verständnis dieses neuen Themengebietes, die Informationen und Erfahrungen dieser „Pionier“-Projekte zusammenzutragen, um sie dann in ein einheitliches und übergeordnetes System – dem des Outreach – einzuordnen. Auf Grundlage der dargestellten Informationen und den Erkenntnissen aus der Praxis, wurde am Ende der Arbeit der Versuch unternommen, eine allgemeingültige Definition für Outreach an deutschen Museen zu formulieren. Abschließend soll die Arbeit die Frage beantworten, ob in den Museen immer noch zu viel ungetan bleibt, um den Bildungsauftrag auch wirklich zu erfüllen. Um möglichst aktuelle und praxisnahe Erkenntnisse in die Arbeit einfließen zu lassen, wurde die Entscheidung getroffen, Interviews mit Verantwortlichen der drei Projekt zu führen. Diese Interviewergebnisse sollen somit das Defizit an deutschsprachiger Literatur auf diesem Gebiet ausgeleichen. Die Auswahl der Fragen richtete sich zum einen am Gewinn allgemeiner Informationen, aber vor allem auch an der Eruierung möglicher Chancen und Grenzen aus der praktischen Erfahrung, aus. In der gesamten Arbeit wurde auf eine geschlechtergerechte Formulierung geachtet.
  7. 7. 3 2. Vermittlungs- und Bildungsauftrag von Museen Vermittlungs- und Bildungsarbeit, Kulturvermittlung, Bildung und Kommunikation im Museum oder auch der schon etwas veraltete Begriff Museumspädagogik4 - alle genannten Begriffe umschreiben im Kern die gleiche Intention eines Museums, nämlich die Gesellschaft um sich herum für die ausgestellten Objekte und Themen zu interessieren und sie ihnen nahe zu bringen. Laut ICOM5 ist die Vermittlungs- und Bildungsarbeit eine der fünf Säulen der Museumsarbeit6 . Durch die wachsende Notwendigkeit der Besucherorientierung bekommt sie eine immer stärker werdende Gewichtung innerhalb der fünf musealen Kernaufgaben. Denn schon lange sind auch Fragen wie „Wen interessiert das eigentlich (noch)?“ (ZACHARIAS, 2007, S. 35) oder „Wieso ist ein Museum für die Gemeinschaft von Bedeutung?“ (Vgl. CUTLER, 2009, S. 87) keine Seltenheit mehr. Gerade hier kann die Vermittlungsarbeit in den Museen ansetzen, um dieser Entwicklung entgegen zu wirken. 2.1. Historische Entwicklung Um die Entwicklung der Bildung in musealen Einrichtungen darzustellen, sollte zuerst einmal auch die allgemeine Geschichte des Museums kurz beschrieben werden. Dies ist wichtig, um zu verstehen, welch enorme Entwicklung diese Institution hinter sich hat, die immer auch untrennbar mit den Ansätzen der Bildungsaufgaben einher gegangen ist. Um den Rahmen nicht zu sprengen und einen sinnvollen Abriss der musealen Geschichte zu geben, soll hier erst mit der Entstehungszeit der ersten Privatsammlungen begonnen werden. So setzte die eigentliche Ausprägung des musealen Sammelns – nach unserem heutigen Verständnis – erst in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts ein, als in Westeuropa wieder ein wachsendes Interesse an der Vergangenheit, den unbekannten Teilen der Erde und der Natur entstand (POMIAN, 1988, S. 55). Eine große Anzahl an Artefakten vor allem aus der Antike, wie Münzen, Inschriften und Manuskripte wurden wieder aus längst vergessenen Bibliotheken und Kellern geholt, um sich vermehrt mit ihnen auseinander zu setzen (Vgl. ebd. S. 55). Mit der Entstehung der Gruppe der Humanisten, wurden auch die Sammlungen 4 Jürgen Stiller sieht die beharrliche Verwendung des Begriffes Museumspädagogik, trotz der veränderten Kontexte, kritisch, da sich die Bezeichnung zu einseitig auf Kinder und Jugendliche als Zielgruppe beziehen würde. (Vgl. STILLER, 2007, S. 15) 5 Ein Museum ist eine gemeinnützige, ständige, der Öffentlichkeit zugängliche Einrichtung im Dienste der Gesellschaft und ihrer Entwicklung, die zu Studien- und Bildungszwecken, zu Freude, Spaß und Genuss materielle Zeugnisse von Menschen und ihrer Umwelt beschafft, bewahrt, erforscht, bekannt macht und ausstellt.“ ICOM-Definition des Begriffs „Museum“ aus dem Code of Ethics for Museums 2003 6 Die fünf Säulen der Museumsarbeit: Sammeln, Bewahren, Forschen, Präsentieren, Vermitteln.
  8. 8. 4 von „Altertümern“, vor allem in Italien, immer populärer (Vgl. ebd. S. 57). Unter deren Einfluss entstanden auch die ersten Sammlungen an „Fürstenhöfen7 und denen der Päpste und Kardinäle“ (ebd. S. 57). Von Italien ausgehend, verbreiteten sich diese dann auch an die Königshöfe in Frankreich und England und in der zweiten Hälfte des 16. Jh. in alle weiteren europäischen Länder (Vgl. ebd. S. 56 f). Neben den antiken Artefakten wurden auch immer mehr Waren, Produkte und Naturalien aus den neu entdeckten Erdteilen in die Sammlungen aufgenommen. So zählten verschiedene Tier- und Pflanzenpräparate, Steine und Muscheln, Mineralien, zahlreiche Gegenstände der neu entdeckten Kulturen, Textilien, usw. zu den neuen Objekten in den Wunderkammern. All diese Dinge wurden damals als „Raritäten“ (ebd. S. 58) bezeichnet und noch keiner speziellen Präsentation zugeführt. Für die Leute von damals war die Welt „im Museumsraum exemplarisch und geordnet präsent“ (FLIEDL, 1991, S. 9). Diese fürstlichen Kunst- und Wunderkammern des 15. und 16. Jh. bildeten im Großen und Ganzen die Grundlage der Museen des 19. Jh. (VIEREGG, 1991, S. 2). Im Jahr 1830 lässt sich in der Entwicklungsgeschichte der Museen ein prägnanter Wendepunkt feststellen. Das erste Museum – nach unserer heutigen Auffassung – wurde in Deutschland eröffnet: das Alte Museum in Berlin8 (HOCHREITER, 1994, S. 9). Diese Berliner Institution war im Gegensatz zu seinen bereits eröffneten Vorgängern, wie dem Museum Fridericanum in Kassel oder dem Herzog-Anton-Ulrich-Museum in Braunschweig, der gesamten Bevölkerung9 zugänglich. Die beiden anderen Sammlungen, jeweils fürstlichen Ursprungs, standen hingegen nur einem bestimmten oder ausgewählten Publikum zur Verfügung (Vgl. ebd. S. 9 f). Somit ist das Alte Museum das erste Museum, das durch den selbst gesetzten Bildungsauftrag unserer heutigen Definition und unserem Verständnis von einem Museum am nächsten kommt. So wie die Entstehungsgeschichte des Museums selbst, so ist auch die Geschichte der Vermittlung und Bildung in musealen Einrichtungen eine Geschichte mit vielen Wendungen. Natürlich hängt diese eng mit der allgemeinen Entwicklung zusammen und ist immer abhängig von den jeweiligen Umständen der Zeit. Wie oben schon beschrieben, hat sich das Museum von einem Ort, der nur bestimmten Kennern vorbehalten war, hin zu einem offenen Raum in der Gesellschaft entwickelt, der 7 Als erstes am Hof der Medici (Vgl. POMIAN, 1988, S. 57) 8 Das Alte Museum wurde von Friedrich Schinkel entworfen und erbaut. Damals wurde es als Neues Museum eröffnet. (FLIEDL, 1991, S. 6) 9 D. h. es konnten alle Menschen ohne Standesbegrenzungen zu bestimmten Öffnungszeiten in das Museum. (HOCHREITER, 1994, S. 9)
  9. 9. 5 durchaus den Focus auf Freude und Spaß10 der Besucher legt. Dies war ein weiter Weg. Doch kann dieser Weg nicht in einer „genetischen Reihe“ gesehen werden, bei der der jetzige Stand der Beste ist (Vgl. NOSCHKA-ROOS & TEICHMANN, 2007, S. 22). Alle Etappen der Entwicklung, die sich in drei Abschnitte unterteilen lassen, enthalten wichtige Schritte für das Verständnis der heutigen Bildungsarbeit und sollten deshalb bei einer Darstellung nicht vergessen werden. Ganz im Sinne des alten Museumsbegriffes wurden die Sammlungen vor 1960 weiterhin als eine Art des „Musentempels“11 angesehen, wobei sich die Präsentation der Ausstellungsobjekte immer noch wenig ansprechend für die Besucher darstellte (Vgl. HOCHREITER, 1994, S. 1). Durch dieses verstaubte Image gelang es den Museen zu dieser Zeit nicht, die breite Masse der Bevölkerung als Besucher anzusprechen. Genau diese Abgrenzung des Museums als Ort, an dem das „Museumsobjekt […] sein Dasein durch die Ergriffenheit des Betrachters rechtfertigt“, (SPICKERNAGEL & WALBE, 1979, S. 5) versuchte ab den 1960er Jahren eine Bewegung, unterstützt durch die damalige Bildungspolitik12 , zu durchbrechen. Die Bemühungen, aus dem Museum einen öffentlichen und aktiven Lernort zu machen, wurden immer konkreter und charakterisieren somit diesen Abschnitt. Auch wenn die Art und Weise der Präsentation in den Ausstellungen weitestgehend noch dieselbe blieb, wurde jetzt doch die Museumspädagogik immer mehr institutionalisiert (NOSCHKA-ROOS, 1994, S. 17). Zu Anfang des dritten Stadiums, in der sich die Museen derzeit noch befinden, stellte die allgemeine Fülle an Freizeitangeboten in der Gesellschaft die Museen vor neue Herausforderungen. Das Museum steht jetzt zunehmend in Konkurrenz mit anderen Freizeiteinrichtungen, was dazu führt, dass es sich an den Bedürfnissen der Besucher orientieren muss und sich somit ein Wandel vom „Bildungsduktus“ zum „Dienstleistungsduktus“ (NOSCHKA-ROOS & TEICHMANN, 2007, S. 22) vollzieht. Da aber auch der Wettkampf zwischen den Museen immer stärker wird13 , fordert dies eine immer differenziertere Besucherorientierung, die sich schnell zum „Leitziel der Museumsarbeit“ (GRAF, 2000, S. 35) ausgebildet hat. Man kann diese drei Abschnitte durchaus als eine Art Wirkungsdreieck bezeichnen, bei dem die Vermittlungs- und Bildungsarbeit an Museen nur dann funktioniert, wenn auf alle drei Bereiche, sprich „Expertensammlung“, „Bildungsangebot“ und „Erlebnismuseum“ 10 Vgl. ICOM Definition von Seite 2, Fußnote Nr.3 11 Vgl. dazu SPICKERNAGEL & WALBE, 1976 12 Diese war geprägt durch „das Streben nach Chancengleichheit im Bildungswesen“, welche zum Beispiel zu zahlreichen Universitätsneugründungen in den 60er Jahren, zur Reformation der Schulen und zum Zugang neuer Inhalte in den Klassen durch die Curriculumrevision. (Vgl. STILLER, 2007, S.15) 13 Aufgrund des Museumsbooms in den 1980er und 1990er Jahren in Deutschland (Vgl. KIRCHBERGER, 2005, S. 22 ff)
  10. 10. 6 (NOSCHKA-ROOS & TEICHMANN, 2007, S. 22) Rücksicht genommen wird. So ist die fachlich-systematisch einwandfreie Präsentation eine genauso wichtige Aufgabe der Museen, wie die pädagogische Erschließung durch didaktisch aufbereitete Texte und Führungen (Vgl. NOSCHKA-ROOS & TEICHMANN, 2007, S. 22 f). Der amerikanische Soziologe Paul DIMAGGIO hat sich ebenfalls mit dem historischen Wandel des Museums, vor allem in Bezug auf seine Besucher, auseinandergesetzt (Vgl. DIMAGGIO, 1991; KIRCHBERG, 2005). Genau wie NOSCHKA-ROOS und TEICHMANN (2007) teilt er die Entwicklung der letzten 100 Jahre in drei Phasen oder auch „Koalitionen“ ein, wie es KIRCHBERGER in seiner Publikation zum Thema Gesellschaftliche Funktionen von Museen zitiert (Vgl. KIRCHBERGER, 2005, S. 32 ff). DIMAGGIO (1991) geht bei seinen Überlegungen davon aus, dass es immer unterschiedliche Interessen im Museum gab und gibt, die zwar parallel verlaufen, sich dann aber doch zu unterschiedlichen Zeitpunkten durchsetzen. So setzte er als erste Phase „die Koalition des Patronats- oder Kuratorenmuseums (patron´s museum)“ (ebd. S. 36) fest. Diese Bezeichnung soll deutlich machen, dass zu dieser Zeit das Hauptaugenmerk der musealen Arbeit auf den Bereichen des Sammelns, Bewahrens und Forschens lag. Somit wurden als mögliches Publikum vor allem die Sammler und privaten Förderer der Museen berücksichtigt. Die Zeit ab den 1920er Jahren definiert DIMAGGIO (1991) als die Phase des „sozialen Museums“ (ebd. S. 37). Hier rückte „die Funktion des pädagogischen Vermittelns des angehäuften Materials und Wissens“ immer mehr in den Blickpunkt der damaligen „Museumskoalition“ (ebd. S. 37). Diese öffneten sich nun auch einem neuen Publikum, dem „Alltagsmensch“ und den „urbanen Randgruppen der Gesellschaft“ (ebd. S. 37). Als dritte und letzte Entwicklung setzt DIMAGGIO (1991) das „Marketingmuseum (market oriented museum)“ (ebd. S. 37) fest, das sich seit den 1980er Jahren entwickelt hat. Hier wird auf Grund der steigenden Notwendigkeit neuer Finanzierungsquellen ein „kaufkräftiges (Mittelschichts-) Publikum“ (ebd. S. 37) immer wichtiger. Der Museumsbesucher wird mehr und mehr als Konsument verstanden und der pädagogische Aspekt rückt wieder zunehmend in den Hintergrund. Doch wie NOSCHKA-ROOS und TEICHMANN (2007) die Entwicklung nicht als eine genetische Reihe verstehen, sieht auch DIMAGGIO (1991) die Phasen nicht unbedingt in einer chronologischen Reihe. Er geht davon aus, dass die einzelnen Koalitionen (Phasen) sich nicht gegenseitig ablösen, sondern (noch) stetig nebeneinander existieren. Gemeint ist damit, dass die Koalitionen nicht verschwinden, lediglich deren Interessensschwerpunkte sich im Laufe der Zeit verschieben (ebd. S. 37).
  11. 11. 7 2.2. Leitgedanken und Aufgaben der musealen Vermittlung Die Leitgedanken der musealen Vermittlungs- und Bildungsarbeit sind, wie auch die allgemeinen Aufgaben eines Museums, nirgendwo allgemeingültig definiert oder in irgendeiner Weise geschützt (Vgl. WITTGENS, 2005, S. 3). Doch gab es in den letzten Jahren immer mehr Bemühungen von Seiten verschiedener Verbände und Zusammenschlüsse14 diesen Bereich der Museumsarbeit zu definieren und somit zu festigen. Dies ist ein wichtiger Prozess, um die beachtliche Arbeit in diesem Bereich mit ihren stetig steigenden Anforderungen zu professionalisieren. Schon lange hat sich die Museumspädagogik aus dem Feld der „autoritär-geschlossenen Verfahren“ (BUSSE, 2007, S. 25), welche Frontal-Führungen und Vorträge meint, wegbewegt und sich zu allgemeinen Methoden der zeitgemäßen Pädagogik hin entwickelt. Der Focus wird heute eindeutig mehr auf den Dialog mit Besucher/innen gelegt, sowohl durch Einsatz von personalen als auch medialen Vermittlungskonzepten, um sich so immer mehr deren Bedürfnissen und Wünschen zu nähern und schließlich anzupassen. Dieser Vorgang wird auch als „Besucherorientierung“ oder „Zielgruppenarbeit“ bezeichnet und ist zum Leitziel geworden - nicht nur der Vermittlungs- und Bildungsarbeit, sondern der gesamten Museumsarbeit (Vgl. GRAF, 2000). Die Vermittlungs- und Bildungsarbeit nimmt bei dieser Zielsetzung natürlich eine besondere Rolle innerhalb der allgemeinen Museumsbereiche ein, da sie die direkte Schnittstelle zu den Besuchern ist und somit den größten Handlungsspielraum in diesem Bereich nutzen kann. Doch die Kompetenzen dieses Gebietes reichen noch weiter. Wenn die „Museumspädagogik für alle Fragen der Besucherorientierung und der museumsspezifischen Vermittlungsarbeit zuständig“ sein soll, „muss sie daher bei der Konzeption und Realisierung aller Präsentationen des Museums von vornherein einbezogen werden.“ (KUNZ-OTT, 2008, S. 8). Die Vermittlungsarbeit muss aber gleichzeitig die angebotenen Programme immer mit dem „Leitbild des jeweiligen Museum“ (ebd. S. 8) abstimmen. Will das Museum für alle Besuchergruppen Programme anbieten, schließt das natürlich mit ein, möglichst viele unterschiedliche Gruppen anzusprechen und diesen somit „Zugang zur kulturellen Bildung zu ermöglichen“ (ebd. S. 8). Die Möglichkeiten in diesem Bereich sind relativ vielseitig, da sie von der großen Heterogenität der möglichen Zielgruppen abhängig sind. So sind zum Beispiel sowohl Leitsätze wie, „Lebenslanges Lernen“ oder „Lernen in jeder Lebensphase“ (ebd. S. 9) als auch die Vermittlungsarbeit als Methode kultureller 14 Exemplarische Beispiele: Deutscher Museumsbund e.V., Bundesverband Museumspädagogik e.V., Österreichischer Verband der Kulturvermittler im Bereich Museum und Ausstellungswesen, Mediamus – Schweizerischer Verband der Fachleute für Bildung und Vermittlung im Museum
  12. 12. 8 Integration wichtige Indikatoren für die Besucherorientierung in Bezug auf die heutige Pluralität unserer Gesellschaft. Die große Frage hinter diesen Leitsätzen ist natürlich, wie man diese speziellen Zielgruppen erreichen, binden und begeistern kann. Vor allem Senioren, Menschen mit Behinderung, Menschen mit Migrationshintergrund und/oder einem bildungs-/ museumsfernen Hintergrund fallen meist durch das Raster der klassischen Vermittlungsarbeit eines Museums. Gerade hier könnten aber die Herausforderungen der langfristigen und nachhaltigen musealen Bildungsarbeit liegen. Dies bedeutet, dass einerseits die Gruppe der fachlich Interessierten, sprich „jene Menschen, die bereits Besucher/innen des Museums sind und diesem verbunden bleiben sollen“ (ebd. S. 12), aber andererseits auch die „Nichtbesucher“ und Menschen, die „an Bildung im Museum nicht selbstverständlich teilhaben“ (ebd. S. 12) können, vom Museum bei der Konzeption der Vermittlungsprogramme gleichermaßen berücksichtigt werden müssen. Nur so kann das Museum einer seiner Aufgaben, nämlich „durch differenzierte Angebote“ eine möglichst breite und vielschichtige Besuchergruppe anzusprechen (ebd. S. 8), gerecht werden. Um diesen Auftrag auch in der Praxis Folge leisten zu können, ist eine weitere Aufgabe der Bildungs- und Vermittlungsarbeit Voraussetzung: Die „Bedürfnisse des Publikums zu analysieren“ (ebd. S. 8). Diese Ergebnisse können in den meisten Fällen durch Besucherbefragungen vor Ort evaluiert werden, welche meist noch zusätzliche Informationen über Wirksamkeit und Qualität der bereits bestehenden Programme liefern können. Neben dem Ziel, das Museum zu einem „besuchergerechten und besucherfreundlichen“ Ort zu gestalten, trägt die Vermittlungsabteilung auch die Verantwortung, über die Institution hinaus Kooperationen mit anderen Bildungs- und Kultureinrichtungen zu knüpfen und zu erhalten (Vgl. ebd. S. 8). Nur so kann sich ein umfangreiches Netzwerk von Kultur- und Bildungseinrichtungen bilden, von dem alle Beteiligten gleichermaßen profitieren. So können beispielsweise die Erfahrungen und Erwartungen der externen Partner auch nach innen kommuniziert werden (Vgl. ebd. S. 21). Für die Umsetzung dieser Leitgedanken sowie der Ausführung der Aufgaben im sinnvollen und befriedigenden Umfang, brauchen die Vermittlungs- und Bildungsabteilungen neben den finanziellen Mitteln auch und vor allem die ideelle Unterstützung des Museums. Sowohl die Träger als auch die Direktion können die nötigen Rahmenbedingungen15 15 Folgende Rahmenbedingungen können gestellt werden: „besucherfreundliche Ausstellungsräume, museumspädagogische Räume, Servicebereiche, ausreichendes und qualifiziertes Personal, finanzielle Mittel für Personal und Ausstattung, […]“ (KUNZ-OTT, 2008, S. 23 f)
  13. 13. 9 schaffen und dafür sorgen, dass „der Vermittlungsgedanke im gesamten Museum etabliert ist“ (Vgl. ebd. S. 24).
  14. 14. 10 3. Outreach – Mobile Dienste und Bildung 3.1. Begriffsklärung Outreach Das englische Verb „to outreach“ kann so viel meinen wie „hinausreichen“, „übertreffen“ oder auch „weiter reichen“ (www.leo-dict.org). Die Frage ist nur, über was hinausreichen, was übertreffen oder worüber weiter hinaus reichen? Das Nomen „Outreach“ kann auch einen „freundlichen Kontakt“ (ebd.) meinen. Also ein freundlicher Kontakt, der über etwas Bestimmtes hinausreicht, somit weiter reicht als dieses. Outreach, wie es auch in dieser Arbeit verstanden werden will, hat sich aber auch zu einer Bezeichnung für einen ganz konkreten Vorgang, der von verschiedensten Institutionen genutzt werden kann, entwickelt und etabliert. So heißt es in einem klassischen Englisch Wörterbuch von OXFORD UNIVERSTITY: „Outreach: the activity of an organization that provides a service or advice to people in the community, especially those who cannot or are unlikely to come to an office, a hospital, etc. for help […]” (HORNBY, WEHEIMER, & ASHBY, 2000, S. 900) In dieser Definition wird Outreach als ganz allgemeiner Vorgang beschrieben, der in allen öffentlichen Einrichtungen, wie zum Bespiel in einem Büro oder Krankenhaus stattfinden könnte. In einer Fachpublikation zum Thema Education Outreach wird der Begriff zwar auch sehr generell, aber noch in keinen Bezug auf aktive Einrichtungen oder das Angebot, dargestellt. “Outreach is a systematic attempt to provide services beyond conventional limits, as to particular segments of a community.” (DOLAN, 2008, S. 5) Hier steht vor allem die „Dienstleitung jenseits von konventionellen Grenzen“ im Vordergrund. Auf der bekannten Internetplattform Wikipedia wird Outreach als “[…] effort by individuals in an organization or group to connect its ideas or practices to the effort of other organizations, groups, specific audiences or the general public…” (www.wikipedia.org) bezeichnet. Mit einem sozialen, gemeinnützigen und christlichen Hintergrund, wird es auch als “[…] type of social service which includes involvement in activities designed to educate participants and assist those on the margins of society…” (http://www.edmundschools.org/sys-tmpl/terms/)
  15. 15. 11 beschrieben. Deutlich zu erkennen ist, dass der Begriff „service”, also der Dienst, die Dienstleistung, die Leistung oder auch der Einsatz, in fast jeder Definition von Outreach eine zentrale Rolle spielt. Auch die Begriffe „community“ oder „society“, für die der Dienst erbracht werden soll, lassen sich als Hauptelemente der Definitionen erkennen. Deshalb sollten auch diese Begriffe hier geklärt werden, um die Definitionen in ihrem vollen Umfang erfassen zu können. „Service: Offering services to the public in response to need or demand.” (DOLAN, 2008, S. 5) “Community: All the people who live in a particular area, country, etc. […] (HORNBY, WEHEIMER, & ASHBY, 2000, S. 243) “Society: People in general, living together in communities; a particular community of people who share the same customs, laws, etc. […] (ebd. S. 1226) Daraus lässt sich schließen, dass der Dienst oder der Service, der sich aus dem jeweiligen Hintergrund der initiativen Institution ergibt, nach außen hin, also über die Grenzen dieser hinausreichend, der Gesellschaft oder der Gemeinschaft angeboten wird. „[…] it is about reaching out into communities, of networking and working in partnerships.“ (SARGENT, 2004, S. 7) Diese kurze Aussage von SARGENT trifft den Kern von Outreach vielleicht am ehesten. Je nach sozialer, kultureller, wissenschaftlicher Ausrichtung der aktiven Einrichtung könnte die Definition der Outreachaufgabe noch spezialisiert werden. 3.2. Initiatoren von Outreachprojekten In der Praxis ist Outreach nicht gleich Outreach. Dieser Schluss ist aufgrund der relativ offenen und allgemeinen Definition durchaus möglich. Diese lässt immer noch Raum für Initiatoren, die generellen Ziele auf die eigenen, institutionell verankerten Leitziele zu spezialisieren. Somit ergibt sich eine große Bandbreite an möglichen Formen, wie und vor allem durch wen uns Outreach in der Gesellschaft begegnen kann. Um die genauen Ziele eines Outreachprojektes zu kennen, ist es wichtig zu wissen, welche Einrichtungen oder Organisationen es anbieten. Es lässt sich wohl feststellen, dass es in Bezug auf die Definition primär Einrichtungen mit einem gesteigerten Interesse an der Gesellschaft, dem Wohl und der Entwicklung dieser sind, die für die Durchführung eines Outreachprojektes in Frage kommen. Die Träger können aber trotz dieser generellen Gemeinsamkeit aus den unterschiedlichsten Bereichen der Gesellschaft stammen.
  16. 16. 12 So kann auch der Staat als Initiator, Träger oder Förderer von Outreachaktionen in Erscheinung treten. So wie im folgenden Beispiel das Bundesministerium für Bildung und Forschung, das zusammen mit der VDI Technologiezentrum GmbH16 eine mobile Aktion – den „nanoTruck – Hightech aus dem Nanokosmos“ – unterhält. Dieses Outreachprogramm stellt sich die Aufgabe, „die Querschnittstechnologie aus den Laboren der Wissenschaft“ zu holen und sie direkt zu den Menschen zu bringen. (Vgl. http://www.nanotruck.de/ initiative-nanotruck.html) Das Ziel dieser Kampagne, die in ganz Deutschland präsent ist, ist es, neben der Bereitstellung von Informationen über „die Chancen und potenziellen Risiken der Nanotechnologie“, auch Ausbildungs- und Berufsperspektiven in diesem Feld einer Öffentlichkeit vorzustellen. (Vgl. http://www.nanotruck.de/initiative-nanotruck/ projektziel.html) Auch im Gesundheitsbereich gibt es Bemühungen, mit Hilfe von Outreach die Gesellschaft ausreichend medizinisch zu versorgen und sie über eine gesunde Lebensführung zu infomieren. Diese spezielle Form des Outreach nennt sich auch „health outreach” oder „health education outreach“.17 Meist werden die Programme von Krankenhäusern, Gesundheitszentren oder Gemeindezentren angeboten. Aber auch einige Universitäten, vor allem in den USA und England, bieten diese Art des Outreach, zum einen für ihre Student/innen selbst, aber auch für die breite Öffentlichkeit um den Campus herum, an. (Vgl.http://www.40th.vcu.edu/caring/healthedu.html; http://www.plattsburgh.edu/studentlife/health/education.php) Ein Beispiel für „health outreach“ in Deutschland ist das „Mammographie-Mobil“, das im Raum Niederbayern allen Frauen ab 50 Jahren die kostenlose Möglichkeit zur Brustkrebsvorsorge anbietet. Diese Mobile Praxis wurde von RADIO-LOG18 und dem Verbund Radiologischer Nuklearmedizinischer Zentren gegründet und versucht, mit dem Programm den Patentinnen weite Anfahrtswege zu ersparen. Gerade im christlichen und sozialen Bereich kommt die Methode des Outreach häufig zum Einsatz. So nutzt z.B. der BAG Evanglische Jugendsozialarbeit e.V.19 eine Wanderausstellung mit dem Titel „anders? – cool!“ um vor allem die Integration von Migranten sowie Respekt 16 Die VDI Technologiezentrum GmbH ist eine Einrichtung des Verein Deutscher Ingenieure e. V. und seit 1973 im Auftrag und mit Unterstützung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF), anderer öffentlicher Auftraggeber und der Wirtschaft tätig. (Vgl. http://www.vditz.de/ home/profil/wer-wir-sind/index.html) 17 Vgl. hierzu einige Internetauftritte von Trägern, die die Begriffe „health outreach“ oder „health education outreach“ verwenden: http://rileychildrenshospital.com/information-desk/international- project/calnali.jsp; http://www.cuc.claremont.edu/heo/index.asp; http://www.40th.vcu.edu/caring/healthedu.html 18 RADIO-LOG ist ein Zusammenschluss mehrerer Medizinischer Vorsorgezentren für Radiologie in Niederbayern. Vgl. dazu http://www.radio-log.de/radio-log/index.shtml 19 Bundesarbeitsgemeinschaft Evangelische Jugendsozialarbeit e.V. (http://www.bagejsa.de/)
  17. 17. 13 und Toleranz zu fördern und Vorurteile unter den Jugendlichen abzubauen (Vgl. http://www.anders-cool.de/themen.html). Auch in Berlin gibt es einen ganz konkreten Ansatz in der mobilen Jugendsozialarbeit, das Projekt „Outreach – Berlin“. In diesem neuen Konzept werden verschiedene Ansätze der Jugendarbeit miteinander kombiniert, welche einen „eigenständigen Ansatz“ bilden. Der öffentliche Raum bildet hier die Plattform für die direkte Arbeit mit den Jugendlichen (Vgl. http://jugendserver. spinnenwerk.de/~outreach/pdf/corax.pdf). Auf dem Gebiet der Jugendsozialarbeit kann sich diese Methode als sehr nützlich und hilfreich herausstellen, da viele junge Menschen gerade aus „Quartieren mit erhöhtem Entwicklungsbedarf“ mit der herkömmlichen Jugendarbeit manchmal nur noch schwer oder gar nicht mehr erreicht werden können. Auch die Schulen, die als möglicher Treffpunkt fungieren könnten, fallen oft weg, da viele Jugendliche die Schule bereits verlassen haben (Vgl. http://jugendserver.spinnenwerk.de/~outreach/pdf/corax.pdf). Der gesellschaftliche Anspruch auf kulturelle Teilhabe bildet bei vielen Einrichtungen die Basis zum Outreach. Allen voran ist hier die Bewegung des „Library Outreach“, die schon 1978 von BRAMLEY in seiner Publikation festgelegt und genauer definiert wurde: „[…] that the public library has a duty to reach out to those who are confined to their homes or an institution. […] that all members of society have a right to receive an adequate library service whatever their circumstances.” (BRAMLEY, 1978, S. 7) Von England und den USA ausgehend bildet diese Form wohl die Grundlage des Outreach im kulturellen Bereich. Weitere Initiatoren aus dem Kultursektor können, neben Bibliotheken, auch Archive, Museen, Historische Organisationen und viele weitere gemeinnützige Vereine aus diesem Gebiet sein.20 Die möglichen Adressaten von kulturellem Outreachprogrammen sind genauso vielfältige wie die jeweiligen Inhalte der Einrichtung. Viele Outreachprojekte werden auch ausschließlich von Trägern der freien Wirtschaft ins Leben gerufen, wie z.B. der allgemein bekannte „Coca-Cola Weihnachtstruck“. Diese Projekte haben aber meist einen reinen Marketinganspruch und machen sich nur die Methode des Outreach, um eine bessere und effektive Vermarktung ihrer Produkte zu erreichn, zu Nutze. Abschließend lässt sich hier feststellen, dass es in jedem Fall neben den erwähnten Initiatoren noch viele weitere Träger gibt, die oft auch Zusammenschlüsse aus den einzelnen Bereichen sein können. Die hier vorgestellten Einrichtungen und Gebiete sind 20 Vgl. dazu folgende Projekte: Wanderausstellungen des Anne Frank Zentrums Berlin (http://www.annefrank.de/wanderausstellungen/); Das Haus der Bayerischen Geschichte stellte in seiner Reihe „Geschichte frei Haus“ Materialien für Schulen und Bildungseinrichtungen zur Verfügung. (http://www.hdbg.de/gfh/)
  18. 18. 14 nur ein kleiner Ausschnitt aus der Vielzahl an Möglichkeiten und sollen dazu dienen, die Sachlage ausreichend zu thematisieren und Outreach in der Praxis beispielhaft darzustellen. Sie können somit keine allgemeingültige Beschreibung bilden. 3.3. Zielgruppen von Outreach Die möglichen Adressaten von Outreach stellen eine sehr heterogene Gruppe dar. Den Zielgruppen gemeinsam ist in den meisten Fällen jedoch eine gewisse Immobilität, die sie wiederum zu den begünstigten Gruppen für Outreach macht. Die Zielgruppen können lokal, regional oder überregional verortet sein, was von Größe und Umfang des jeweiligen Outreachprojektes abhängt. Outreach spricht an sich eigentlich alle Menschen einer Gesellschaft an (Vgl. HORNBY; WEHEIMER & ASHBY, 2000, S. 900), was aber in der Praxis der einzelnen Projekte nur in den wenigsten Fällen durchführbar ist.21 So werden neben der Bevölkerung im allgemeinen, die meist an öffentlichen Plätzen erreicht wird, oft auch nur einzelne ausgewählte Gruppen angesprochen, die einerseits den größten Nutzen aus den angebotenen Inhalten ziehen können und andererseits auch die Erfüllung der möglichen Zielstellungen des Projektes am ehesten realisieren können. Somit definieren sich die Zielgruppen auch immer an den Trägern oder Initiatoren von Outreachaktionen. Ganz allgemein lässt sich desweiteren feststellen, dass die Adressaten zum einen in ihrem privaten Lebensraum aufgesucht werden und somit die direkte Ansprechpersonen sein können. Sie können aber zum anderen auch über schon bestehende Einrichtungen22 erreicht werden, mit denen sie zu diesem Zeitpunkt in irgendeiner Weise verbunden sind. Kinder und Jugendliche Kinder und Jugendlichen können Adressaten von Outreachprojekten sein, da es viele Möglichkeiten gibt, sie in verschiedenster Form zu erreichen. Ferner gibt es in dieser Gruppe eine große Bandbreite an relevanten Themengebieten, wie z.B. Drogen- und Gewaltprävention, Gesundheitsaufklärung, Ausbildung sozialer Kompetenzen und Bildung im Allgemeinen, die für Kinder und Jugendliche von Nutzen sein können. Innerhalb dieser Gruppe könnte nochmals eine Untergliederung stattfinden, die die Bedürfnisse der Einzelnen spezialisieren würde. Eine mögliche Untergruppe könnte sich 21 Vgl. hierzu das Projekt „nanoTruck – Hightech aus dem Nanokosmos“, das Menschen aus allen Teilen der Gesellschaft als seine Zielgruppe sieht. (www.nanotruck.de) oder „documenta mobil – ein Museum auf Rädern“, das 2005 als Infomobil fungierte und ebenfalls jeden Bürger ansprechen sollte. (http://www.stadt-kassel.de/imperia/md/content/cms03/infomaterial/ documentamobil/documenta_mobil_endversion.pdf) 22 Beispielsweise Schulen, Seniorenheime, verschiedene Zentren, etc.
  19. 19. 15 aus Kinder und Jugendlichen aus bildungsfernen Milieus, mit Migrationshintergrund oder ganz allgemein aus Brennpunktgebieten, zusammensetzen. Da Jugendliche in der Öffentlichkeit wie z.B. auf Straßen oder Plätzen relativ schwer dauerhaft angesprochen werden können, bilden vor allem Einrichtungen wie beispielsweise Jugendclubs oder Vereine eine geeignete Plattform. Nicht zu vergessen sind hier natürlich auch die Schulen, als mögliches Ziel, da gerade Schüler/innen als eine „leicht handhabbare Gruppe“ bezeichnet werden, welche meist eine „hohe Effektivität verspricht“. (WESCHENFELDER & ZACHARIAS, 1991, S. 34) Somit lässt sich sagen, dass Kinder und Jugendliche entweder als Personen direkt angesprochen werden können, doch überwiegend Institutionen als eine Art Vermittler eintreten.23 Menschen mit Handicap Gerade Menschen mit Behinderung, Alte und Kranke sind oft nicht mehr selbst in der Lage, Angebote von verschiedenen Einrichtungen wahrzunehmen. Durch diese Immobilität stellen sie natürlich einen großen Anteil der möglichen Outreachzielgruppen. So haben vor allem Senioren, Blinde oder Menschen mit einer Sehschwäche, Gehörlose, Menschen mit geistiger oder körperlicher Behinderung (Vgl. BRAMLEY, 1978, S. 5) und auch Patienten eines Krankenhauses (Vgl. TALBOYS, 2005, S. 115) jeweils spezielle Bedürfnisse, die mit einem Outreachprogramm in den meisten Fällen individuell berücksichtigt werden können. Was gerade für Personen mit fortgeschrittener Immobilität und somit einer eingeschränkten Teilhabe an Aktivitäten, von großer Bedeutung ist, fasst BRAMLEY in seiner Publikation wie folgt zusammen: „[…] will need a supply (of reading material) to relieve the frustration and the boredom which they inevitably suffer.“ (BRAMLEY, 1978, S. 119) Menschen aus Gegenden mit wenig Angebot Auch schlechte Anbindung an das Verkehrsnetz oder ganz einfach wenig Angebot, z.B. an kulturellen oder gesellschaftlichen Tätigkeiten in der Region, können durchaus Faktoren sein, um die Bevölkerung in eher ländlichen oder abgelegenen Gegenden als Adressaten von Outreach zu sehen. Oft können es auch profane Gründe sein, die Leute von einem Besuch oder Termin abhalten. Wie beispielsweise eben ein langer Weg oder die dadurch entstehenden Kosten für die Fahrt. Auch TALBOYS (2005) bezeichnet in seiner Publikation 23 Vgl. hierzu verschieden Outreachprojekte, mit dieser Zielgruppe: „anders? – cool!?“ – Lebendige Bibliothek (www.anders-cool.de); „Das klingende Mobil Berlin“ (www.klingendes-mobil.de); „Outreach – Berlin. Mobile sozialraumorientierte Jugendarbeit“ (http://jugendserver.spinnenwerk.de/~outreach/pdf/corax.pdf)
  20. 20. 16 die Umstände, die zu einem geringen Angebot führen können, wie folgt: „peripheral housing estates that are badly served by public transport, factories or industrial estates where they operate night shifts, remote villages, […]“ (ebd. S. 111). Es müssen nicht immer gravierende Gründe wie Handicaps sein, die eine Immobilität oder eine eingeschränkte Teilhabe auslösen. Viele Menschen finden oft auch aus einfachen Gründen keinen Zugang zu bestimmten Angeboten. Diese aufgeführten Zielgruppen können natürlich nur eine mögliche Einteilung dieser darstellen. Die Gruppen könnten in den meisten Fällen noch viel feiner definiert und auf die speziellen Angebote zugeschnitten werden. Weitere Adressaten von Outreach, die in dieser Aufteilung keinen gesonderten Platz erhalten haben, können auch Gefängnisse (Vgl. BRAMLEY, 1978, S. 5; TALBOYS, 2005, S. 111), Touristen an öffentlichen Plätzen (TALBOYS, 2005, S. 111) oder auch Menschen, die als mögliche Multiplikator/innen fungieren, sein. Multiplikator/innen meint hier vor allem, Lehrer/innen, Journalist/innen oder auch Politiker/innen, die auf das angebotene Programm aufmerksam werden und die Idee in ihrem Umfeld verbreiten oder unterstützen könnten. Erfolgversprechend für das Projekt ist in diesem Fall dann auch die daraus resultierende allgemeine Mund-zu-Mund-Propaganda.
  21. 21. 17 4. Outreach im musealen Bereich Wie im Grundlagenteil zu Outreach schon erkenntlich wurde, bezieht sich Outreacharbeit keineswegs nur auf einzelne Bereiche, sondern kann von verschiedenen Hintergründen aus initiiert werden. Outreach im Museumsbereich ist vor allem in Deutschland als ausdrückliche Methode der Vermittlung noch eine sehr junge Entwicklung.24 Gerade deswegen soll im Folgenden die Übertragbarkeit von Outreach auf die Museumslandschaft gezeigt werden. 4.1. Relevanz von Outreach Bei dieser relativ neuen Form der Vermittlungsarbeit stellt sich natürlich die Frage nach der Notwendigkeit dieser Arbeit. Wieso ist es für Museen überhaupt relevant, ihre Angebote über den normalen Rahmen hinaus weiter zu denken und anzubieten, und somit vielleicht auch die Wände ihrer Einrichtung zu verlassen? Ganz allgemein beginnend, könnte die Definition von Outreach möglicherweise als Begründung schon für sich allein stehen, da sie die Notwendigkeit und Relevanz von Outreach, manchen Menschen der Gesellschaft Zugang zu einem speziellen Dienst zu verschaffen, als Hauptaussage und gleichermaßen als Erfordernis behinhaltet. Auch SARGENT (2004), die die Gründe für Outreacharbeit zusammengefasst hat, bezieht sich auf das Selbstverständnis von Outreach: „reaching out enables oraganisations to touch the lives of a greater number of people – the people who form the audience, the user, the learners and potential employees.” (SARGENT, 2004, S. 7). Aus dieser Aussage geht vor allem ein großer Bezug auf die Besucherorientierung hervor. Könnte die Begründung für den Bedarf von Outreach auch in den allgemeingültigen Aufgaben eines Museums finden sein? Wenn es bei Outreach darum geht, Menschen anzusprechen, die eine potenzielle Besuchergruppe sein könnten (Vgl. ebd.), dann überschneidet sich der Outreachgedanke in diesem Punkt ganz klar mit dem Vermittlungs- und Bildungsauftrag von Museen. Ist das Leitziel der Vermittlung, die Besucherorientierung und damit, die Ermöglichung des Zugangs zu musealer und kultureller Bildung für eine möglichst große und breite Gruppe der Gesellschaft (Vgl. KUNZ-OTT, 2008), so ist sich diese Zielsetzung mit der des Outreach nicht ganz unähnlich. Könnte Outreach somit eine Methode sein, um diese Aufgaben der musealen Bildungsarbeit zu erfüllen? 24 Diese Aussage lässt zum einen das derzeitige Literaturangebot als auch die fehlende Verwendung der expliziten Outreachbezeichnungen von musealen Vermittlungsprojekten dieser Art, zu.
  22. 22. 18 Wenn aber das Museum als eine seiner Zielgruppen auch den „Nichtbesucher“ (KUNZ-OTT, 2008, S. 12) definiert, dann zeigt sich hier klar die Herausforderung der Umsetzung, sprich dem praktischen Ansatz der positiven Ansprache dieser Adressaten. Wie, wenn nicht mit einem Programm, bei dem das Museum über seine konventionellen Grenzen hinausdenkt und agiert, könnte eine solche Gruppe angesprochen werden? Da bei vielen Leuten „aus Gründen der Entfernung oder der schlechten Mobilität“ (GACH, 2005, S. 28) der Museumsbesuch erschwert oder gar ganz verhindert wird, könnte hier Outreach in jeglicher Form einen Anfang darstellen, in diese Richtung aktiv zu werden. Mit den beschriebenen Leuten sind meist Menschen, die im ländlichen Raum leben und dadurch längere Wege zu bestimmten Museen haben, Senioren mit eingeschränkter Mobilität und auch Menschen aus Gebieten mit wenig kulturellem Angebot gemeint. Genau diese Gruppen, „Senioren“, „Menschen mit Behinderung“, „Menschen mit Migrationshintergrund“ sowie „überregionales“ Publikum, sind unteranderem auch schon als weitere Zielgruppen der Vermittlungsarbeit festgelegt (Vgl. KUNZ-OTT, 2008, S. 12 f). Nancy CUTLER (2009) begründet Outreach noch nachdrücklicher, indem sie den Museen voraussagt, dass sie nur begrenzten Einfluss ausüben können, wenn ihr Publikum auf die Besucher innerhalb der Museumsmauern begrenzt ist (Vgl. CUTLER, 2009, S. 87). Aber sie beschränkt sich nicht nur auf eine Beschreibung des Nachteils, sondern zeigt auch den möglichen Nutzen von Outreach für die Museen auf: „Extending beyond the museum walls into the community to demonstrate why your museum matters can benefit both the museum and the community in innumerable ways.“ (ebd. S. 87). Genau die Frage nach der Bedeutung von Museen in unserer Gesellschaft wird in der aktuellen Phase der Institution von immer größerer Bedeutung. Die Position der Museen in der Gesellschaft muss neu gefunden und definiert werden25 (Vgl. KIRCHBERG, 2005) und die Einrichtungen sollen sich mit Fragestellungen wie „Wer soll das bezahlen und warum? Wen interessiert das alles (noch)?“ immer intensiver auseinander setzen (ZACHARIAS, 2007, S. 34). Nur wenn auch Gesellschaftsschichten erreicht werden, die bis dahin keinen Bezug zum Museum hatten, kann ein langfristiges Interesse an der Institution erhalten, ausgebaut und aktualisiert werden (Vgl. ebd. S. 34). Somit lässt sich die Frage nach der Relevanz von Outreach für museale Einrichtungen mit Hilfe von allgemeingültigen Museumsaufgaben und Herausforderungen sehr leicht klären. Warum sich ein Museum überhaupt mit Outreach auseinander setzen sollte, liegt hauptsächlich darin begründet, dass sowohl die Leitziele als auch die Adressaten der 25 So sieht sich das Museum als Institution „immer mehr als Bestandteil und nicht als außenstehender Beobachter oder gar als Außenseiter der Gesellschaft.“ (Vgl. KIRCHBERGER, 2005, S. 19)
  23. 23. 19 Outreacharbeit, eine relativ große Schnittmenge mit denen der Vermittlungs- und Bildungsarbeit aufweisen. 4.2. Museumskoffer als Urform Der Museumskoffer als klassisches Tool der Vermittlungsarbeit im Museum kann je nach Einsatzbereich verschiedene Ausrichtungen haben. In seiner Publikation zum Museumskoffer definiert Hans J. GACH diesen folgendermaßen: „Bei Museumskoffern handelt es sich um didaktisch aufbereitete, transportable Materialsammlungen, die mittels vielfältiger Zugänge zu ausgewählten Themen (Basis-) Informationen vermitteln.“ (GACH, 2005, S. 51) Da die Einsatzgebiete beim Museumskoffer sehr variabel sein können, sind diese auch nicht auf das „Museum als Lernort“ (ebd. S. 28) beschränkt, sondern können auch an Orten außerhalb der Institution liegen. Dadurch könnte der Museumskoffer durchaus schon als eine frühe Form des Outreachs im Museumsbereich bezeichnet werden. Er erfüllt eines der Hauptkriterien des Outreach: die Nutzung außerhalb des Museums. Desweiteren richtet sich der Koffer auch an Menschen der Gesellschaft, die aus „Gründen der Entfernung oder der schlechten Mobilität keine Gelegenheit zum Museumsbesuch“ (ebd. S. 28) haben. An sich verkörpert der Museumskoffer schon durch seine Form und die allgemeine Verwendung, die von denen anderer Materialien und Medien abweicht, einen Charakter der Mobilität und des Reisens. Der Koffer als Mittel zum Transport von Dingen aus dem Museum in eine andere Umwelt, ist eine altbewährte Methode der klassischen Museumspädagogik. So wurde in den USA am Kindermuseum Boston schon vor mehr als 50 Jahren, die Ausleihe von Museumskoffern26 organisiert. Die Grundidee des sogenannten „Loan-„ oder „kits department“ war es, „die Museumskollektion dem Publikum nicht nur relativ abgeschottet zu zeigen, […], vielmehr sollten die Objekte und Inhalte für Schulklassen weitgehend geöffnet werden, soweit es die musealen Möglichkeiten und konservatorischen Erfordernisse zuliesen.“ (ebd. S. 16). Auch in Deutschland hat der Museumskoffer eine relativ lange Tradition in der musealen Vermittlungsarbeit. Ungefähr ab den 1970er Jahren, einhergehend mit der Entwicklung und Etablierung der Kindermuseumsidee, entstanden auch hier die ersten Koffer, jeweils passend für die unterschiedlichen Museumstypen (Vgl. ebd. S. 22). 26 Museumskoffer werden im Ausland auch als „loan boxes“, „museum in a trunk“ oder „museum kit“ bezeichnet. (Vgl. GACH, 2005, S. 15 ff)
  24. 24. 20 Durch die Beschaffenheit, die möglichen Einsatzbereich sowie die vielfältigen Zielgruppen – wie Krankenhäuser, Senioren, Schulklassen außerhalb des Museums (Vgl. ebd. S. 59) – können Museumskoffer als eine mögliche Urform des Outreachgedankens bezeichnet werden. Aber noch heute hat diese museumspädagogische Methode nichts von ihrer Aktualität eingebüßt und kann somit einen Ansatz der Outreacharbeit darstellen. 4.3. Weitere Ansätze des musealen Outreach Outreach an sich meint, den Weg aus der Institution. Aber wie dieser Weg aussieht, ist oft ganz unterschiedlich. Nicht immer muss es der vorgestellte Museumskoffer oder der klassische Bus sein, der die Ziele anfährt um dort seine Dienste anzubieten. Outreach fängt oft schon viel früher an, als vielen Museumsleuten vielleicht bewusst ist. Im Folgenden sind einige der möglichen Outreachansätze aufgeführt und erläutert. Diese Liste stellt einen Versuch dar und kann somit keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Die Auswahl der Bereiche dieser Auflistung fand hauptsächlich unter dem Gesichtspunkt der Allgemeingültigkeit statt. Das meint, dass die aufgeführten Ansätze sich z.B. nicht nur auf den US-amerikanischen Museumsbereich beziehen, sondern auch in Deutschland denkbar wären. Es wurde versucht, bei der Darstellung der Ansätze nicht zu speziell oder detailiert zu beschreiben, um eine relativ umfassende und generelle Übersicht zu gewährleisten. Da Outreach in vielen verschiedenen Formen und Ansätzen durchgeführt werden kann, können die Möglichkeiten und Programme lediglich durch den Einfallsreichtum und die Vorstellungskraft begrenzt sein (Vgl. CUTLER, 2009, S. 89). Websites Einleitend ist zu sagen, dass Outreacharbeit wohl auch schon die reine Bereitstellung von Materialien jeglicher Art sein kann, die zum Nutzen der Gesellschaft dienen. Diese Bereitstellung erfolgt meist über das Internet, um die Zugänglichkeit so einfach wie möglich zu gestalten. Oder auch wie es GROVE bezeichnet: „The internet has the power to affect outreach in ways unlike other mediums.” (GROVE, 2009, 112). Bary LORD (2007) zählt daher in seiner Publikation zum Thema Lernen im Museum auch schon die Museumswebsite an sich zu den „outreach activities“ (LORD, 2007, S. 223). Auch CUTLER ordnet die Website den möglichen Formen von Outreach zu. Die Website stellt in den meisten Fällen, wie schon erwähnt, Informationen über das Museum im Allgemeinen, seine Sammlung sowie seine Vorzüge dar (Vgl. CUTLER, 2009, S. 88). Oft werden auch Materialien zur Vor- und Nachbereitung der angebotenen Kurse zum Download bereit gestellt. Dieser Service richtet sich meist an Lehrer/innen oder Betreuer/innen im Allgemeinen, die ein Vermittlungsprogramm im Museum besuchen
  25. 25. 21 oder besucht haben. In jedem Fall ermöglicht die bereitstellende Institution einer breiten Anzahl von Leuten den Zugang zu gewissen Daten, Fakten und Informationen, sprich Wissen, das die Einrichtung generiert hat. So ließe sich auch der Download von Audiodateien für den persönlichen Mp3-Player schon als Outreachansatz bezeichnen. Oft bieten Museen die Dateien des Audioguides vorab auf der Homepage an, um den Besuchern die Möglichkeit zu geben, die Audios entweder bereits zuhause oder später im Museum auf ihrem eigenen Gerät anzuhören. Neben den reinen Audiodateien können Museen auch ganze „online exhibits“ zusammen mit „educational activities“ (ebd. S. 88) auf ihrer Website anbieten. Diese Online- Ausstellungen können in verschiedenen Formen im Web dargestellt werden. Der Entstehungsprozess sollte aber meist auch von den Vermittlern der realen Ausstellung begleitet werden (Vgl. GROVE, 2009, S.111). Diese Form des Outreach ist aus zeitlichen und finanziellen Gesichtspunkten gesehen natürlich einer der einfacheren Ansätze für die Einrichtung. Sie kann aber trotzdem bei der Zielgruppe schon einen relativ großen Nutzen hervorrufen, da jeder mit Internetzugang an jedem Ort der Welt, zu jeder Tageszeit die Website besuchen kann (Vgl. ebd. S. 112). Auch die jüngeren Zielgruppen könnten mit Hilfe dieses Mediums leichter angesprochen werden, da sie mit Computern aufgewachsen sind und daran gewöhnt sind, „[…] to having access to information at the touch of a button.“ (ebd. S. 112). Bei dieser Outreachform ist es aber wichtig, den Blick für das Wesentliche des Museums nicht zu verlieren oder wie GROVE in seinem Artikel schreibt: „It´s important to understand the Internet medium for what it is and is not. It is a unique medium that is not a book, an audiovisual or a film or exhibition. […] An online presence does not automatically guarantee traffic to your site, it is the potential that is important to consider.” (ebd. S.111 f.). Fernunterricht Diese Form hat zwei Aspekte. Zum einen den Aspekt des Fernstudiums für „older and more academically advanced students“ (TALBOYS, 2007, S. 113) und zum anderen die Betrachtungsweise als „Virtual classroom“ oder „videoconference“ an Schulen (CUTLER, 2009, S. 88). Der Ansatz von TALBOYS meint die Gestaltung von Kursmaterialien, Vorlesungen, Lehrgängen und Praktika als Beitrag für „course providers“, wie Fernuniversitäten und andere Fernstudienanbieter. Diese Verbindung könnte das Museum zu einem wesentlichen Teil, deren Arbeit werden lassen (Vgl. TALBOYS, 2007, S. 113).
  26. 26. 22 CUTLER hingegen meint den Fernunterricht in dem Sinne, dass Schüler/innen mit dem Museum interagieren können, ohne ihr Klassenzimmer zu verlassen (Vgl. CUTERL, 2009, S. 88). Die Sammlung des Museums kann mit „kid-friednly activitis“ vorgestellt werden und soll den Schüler/innen die Möglichkeit geben, ihre Fragen zu stellen und auch auf Anhieb eine Antwort zu bekommen. Diese Unterrichtsstunden können durch das Internet übertragen werden, setzen aber die Ausstattung für Videokonferenzen an Schulen voraus, die oft sehr kostspielig sind (Vgl. ebd. S. 88). Gespräche und Vorträge Auch Gespräche und Vorträge über die „museums education“ sind laut TALBOYS (2007) schon eine Form des Outreach. Seine Argumentation in diesem Bereich bezieht sich auf den Fakt, dass mit Gesprächen und Vorträgen, wohlgemerkt außerhalb der Institution, auch interessierte Menschen erreicht und ihnen bestimmte Inhalte nahe gebracht werden können (Vgl. TALBOYS, 2007, S.113 f). Eines der weiteren Ziele von Outreach, Netzwerke und Partnerschaften mit der Gesellschaft oder der Gemeinschaft um sich herum zu bilden, wird mit dieser Ausprägung durchaus erreicht. Vorrangig können Schulen, sprich Lehrer und interessierte Eltern, aber auch ganz allgemein „Community Groups“ als mögliche Zuhörer ausgewählt werden (Vgl. CUTLER, 2009, S. 89). „Formal“ oder „informal lectures“ über die Sammlung des Museums oder seine Mission, können vor allem für reifere Adressatengruppen interessant sein (Vgl. ebd. S. 89). Diese Vorträge können natürlich auch mit medialen Mitteln, wie beispielsweise Videos oder „slide shows“ begleitet werden (Vgl. ebd. S. 89). Beide Autoren - TALBOYS und CUTLER - sind sich in der Frage nach der Vergütung der gehaltenen Vorträge einig. Wird ein Honorar erhoben, sollte dies mit der Museumspolitik übereinstimmen. Meist sollten die entstanden Kosten durch ein Entgelt gedeckt werden, was mit der besuchten Einrichtung oder Gruppe abgesprochen werden kann (Vgl. TALBOYS, 2007, S. 114; CUTLER, 2009, S. 89). Verleihen von Museumskoffern/ Materialsammlungen Wie im Punkt „Museumskoffer als Urform“ schon erläutert, können Museumskoffer als sogenannte „travelling trunks/ kits“ (CUTLER, 2009, S. 88) auch an Einrichtungen, in den meisten Fällen Schulen, verliehen werden. Nach dem Verleih können die betreuenden Personen den Koffer und seine Inhalte selbständig, z.B. im Unterricht, verwenden. Die meisten Museumskoffer haben anschauliches Material, wie z.B. „hands-on“-Materialien oder auch „experiential, problem solving elements“, mit dabei (Vgl. ebd.). 27 27 Mehr zu Museumskoffern auf S. 18 dieser Arbeit
  27. 27. 23 Mobile Museen Mobile Museen sind meist in einem Transporter oder Bus untergebracht und mit dem Typ der „travelling exhibitions“ verwandt (Vgl. TALBOYS, 2007, S. 111). Sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie „small“ und „mobile“ sind sowie „regelmäßig umgebaut“ (ebd. S. 111) werden können und „portable exhibits“ (CUTLER, 2009, S.88) des Museums mitbringen. In den meisten Fällen müssen diese mehr oder weniger kleinen Fahrzeuge nicht jedesmal ein- und ausgepackt werden und eignen sich somit ideal für kurzfristige Ausstellungen (Vgl. TALBOYS, 2007, S. 111). Die Einsatzorte und somit auch die Zielgruppen von Mobilen Museen sind sehr vielseitig. Das Fahrzeug kann aufgrund der großen Mobilität an verschiedensten Plätzen abgestellt werden. Somit können im Grunde auch schon öffentliche Plätze, wie z.B. „tourist spots“, Feste, Märkte und andere Veranstaltungen, eine Gelegenheit bieten, durch das Mobile Museum Menschen anzusprechen und ihnen einen Eindruck davon geben, was sie im Museum selbst finden können (Vgl. ebd. S. 111). Aber auch Zielgruppen, die wenige Möglichkeiten haben, ein Museum zu besuchen, könnten so erreicht werden. TALBOYS zählt zu dieser Gruppe Menschen in Vororten mit schlechtem Zugang zu öffentlichen Verkehrsmitteln, ländliche Gegenden oder auch Gefängnisse, um nur einige zu nennen. Auch Schulen gehören bei dieser Form zu den möglichen, wenn nicht sogar den hauptsächlichen Adressaten (Vgl. ebd. S. 111, CUTLER, 2009, S. 88). Direkte Vermittlungsarbeit in Schulen und Bildungseinrichtungen Der direkte Weg nach außen, zu den Kinder und Jugendlichen und somit „on their home ground“ (S. 115), wie es TALBOYS (2007) so passend beschreibt, ist auch ein weiterer Weg, den musealer Outreach gehen kann. Im Wesentlichen meint dies den Vorgang, wenn Vermittler/innen mit verschiedensten Materialien aus dem Museum in die Klassenzimmer und/oder Jugendeinrichtungen gehen, um dort ein Vermittlungsprogramm zu gestalten (Vgl. ebd. S. 115). Diese Methode unterscheidet sich insofern von den „travelling trunks“, dass hier die Museumsmitarbeiter vor Ort den „Unterricht“ gestalten. Sie können zwar auch ihre Materialien in Form eines Koffers dabei haben, sind aber im weiteren Ablauf alleine für das Workshop-Programm zuständig und geben es nicht komplett in die Hände der Lehrer/innen bzw. Betreuer/innen. So können die Vermittler/innen beispielsweise für Schulen „einen hohen pädagogischen und fachlichen Standard anbieten.“ (GERKE, 2006, S. 11). Zwar ist diese Form durch den hohen Aufwand der Vorbereitung, den Transport/ die Reise und die aktive Zeit vor Ort in den meisten Fällen sehr kostenintensiv für das Museum, aber sowohl dieser finanzielle Aspekt als auch der Fakt, dass für Jugendliche ein
  28. 28. 24 Museumsbesuch meist bevorzugt werden sollte, ist kein Grund diese Form nicht auch als erfolgreiche Outreachmöglichkeit zu betrachten (Vgl. TALBOYS, 2007, S. 115), denn: „it certainly does no harm for you [the museum] to become familiar with the students´ normal educational environment.” (ebd. S. 115). Community Projekte Die Brücken zur Gesellschaft und Gemeinschaft um das Museum herum sollten gerade mit Outreach geschlagen und gefestigt werden. Behinderte oder alte Menschen, die oft wenig oder gar keine Gelegenheit haben, selbst ein Museum zu besuchen, sollten von musealer Outreacharbeit berücksichtigt werden. So können Gemeindezentren, Tageszentren, Seniorenheime, Krankenhäuser und Gefängnisse mögliche Ziele darstellen (Vgl. TALBOYS, 2007, S. 115). In Seniorenzentren können die Menschen oft sehr vom „Anreiz“ profitieren, der von Museumsobjekten und Geschichten ausgeht, die aus dem Zeitraum der letzten 150 Jahre stammen (Vgl. ebd. S. 115), also aus der früheren, aktiven Lebenszeit dieser Personen. Aber auch in Krankenhäusern und anderen gesundheitlichen Einrichtungen können Besuche des Museums gerade für die Langzeitpatienten positive Auswirkungen haben. Ebenso in Gefängnissen, die für junge Gefangene Unterrichtseinheiten anbieten, bei denen das Vermittlungsteam eines Museums auch zur besseren Wiedereingliederung der Straftäter nach ihrer Haft beitragen kann (Vgl. ebd. S. 115). Gerade bei Projekten mit Community-Gruppen, die wohl eine sehr allgemeine Form des Outreach darstellen, gibt es eine Vielzahl an möglichen Wegen, die vom Museum gegangen werden können. So fasst es auch TALBOYS in seiner Publikation zusammen: „There are many other ways in which the museum can reach out into the general community. Exhibitions at community centres and work with various groups, as well as involvement with various community forms, all help to increase the integration of museum and community.” (ebd. S. 115). Bei solchen Vorhaben ist es im Vorfeld für das Museum wichtig zu bedenken, dass oft die eigenen Verhaltens- und Vermittlungsweisen wie auch die Erwartungen erneuert werden müssen. Diese Arbeit führt die Vermittler/innen in neue Gebiete und die Vorbereitung sollte deswegen dem schwierigen und anspruchsvollen Einsatz angepasst sein (Vgl. ebd. S. 116).
  29. 29. 25 4.4. Status quo in Deutschland Neben dem Museumskoffer, der in Deutschland und auch den deutschsprachigen Ländern bisher relativ große Verbreitung und Bedeutung in der Museumslandschaft hatte und immer noch hat28 , sieht es bei den restlichen Outreachprojekten etwas überschaubarer aus. Auch wenn schon 1927 mit dem Ausstellungsbus des Deutschen Hygiene-Museums in Dresden29 das erste mobile Museum unterwegs war, hat sich diese Entwicklung bis heute nicht stringent fortgesetzt. Es gibt zwar bereits verschiedene Ansätze die museale Vermittlungsarbeit nach außen zu tragen, diese Vorgänge werden jedoch bei den meisten Museen noch nicht als Outreach eingeordnet und somit auch nicht so bezeichnet. Dieser Mangel an einer einheitlichen Bezeichnung der verschiedenen Projekte führt natürlich dazu, dass kein oder nur wenig Austausch zwischen den Initiatoren stattfinden kann. Es gibt in Deutschland bis jetzt keinerlei Vernetzungen in diesem Bereich30 , was Tagungen und daraus resultierende Publikationen begünstigen würde. Im Vergleich zum Literaturangebot über musealen Outreach im angelsächsischen Sprachraum gibt es in Deutschland so gut wie keine Bücher oder Artikel.31 Zwei der wenigen Veröffentlichungen zu diesem Thema finden sich in der allgemeinhin bekannten Zeitschrift zur Museumspädagogik „Standbein Spielbein“.32 Hier wurde zum einen im Jahr 2006 ein Projekt der pädagogischen Abteilung des Ludwig Forums in Aachen vorgestellt, bei dem Kurse für Schüler/innen initiiert werden, die zum Teil im Museum aber auch an Schulen selbst stattfinden. Das Projekt hat aktuell die Umstrukturierung der Schulen zu offenen Ganztagsschulen als Chance begriffen, noch mehr außerunterrichtliche Angebote zu gestalten (Vgl. GERKE, 2006, S. 10 ff). Das zweite Projekt „Generation 50 plus KUNST“ des Kunstmuseums Bayreuth, dessen Bericht letztes Jahr in „Standbein Spielbein“ erschienen ist, beschäftigt sich mit Senioren als mögliche Zielgruppe der Vermittlungsarbeit. Hier sollen „die besonderen Bedürfnisse der Älteren nach Möglichkeit berücksichtigt werden.“ (JACOBI, 2008, S. 22). Nicht alle Veranstaltungen finden außerhalb des Museums statt, doch seit dem Start 2007 konnte 28 Vgl. dazu die Publikation Geschichte auf Reisen von GACH (2005) 29 Das Museum setzte im Rahmen der Gesundheitsaufklärung sehr stark auf eine mobile Außentätigkeit. Mit dem Bus und unterschiedlichen Themen, wurden zahlreiche deutsche Städte bereist. (GACH H. J., 2005, S. 24) 30 Vgl. dazu die Interviewantworten zu Frage Nr. 13, Intv. 1 -3, Anhang 31 Siehe dazu Literatur- und Quellenverzeichnis im Anhang als Spielgelbild der Lage 32 Volle Bezeichnung der Zeitschrift: „Standbein Spielbein. Museumspädagogik aktuell“. Diese Publikation wird vom Bundesverband Museumspädagogik herausgegeben und erscheint 3x jährlich.
  30. 30. 26 das Projekt insgesamt 16 Programme in einem Seniorenstift, einem Seniorentreff und Seniorenheimen als auch einem Asylantenheim durchführen (Vgl. ebd. S. 23). Oft sind diese nach außen gerichteten Projekte aber nur Pilotprojekte, wie auch das Projekt „Generation 50 plus KUNST“, oder sie existieren relativ isoliert nebeneinander, was den Austausch und somit auch die Weiterentwicklung erschwert. Im Vergleich der Outreachentwicklung in den USA mit der in Deutschland, lässt sich hier auch noch eine weitere Tendenz erkennen. Die der Professionalisierung und Institutionalisierung der Outreacharbeit. Der amerikanische Autor Barry LORD (2007) beschreibt in seinem Buch den Arbeitsplatz eines „Outreach/ Community Liaison Officer“ (ebd. S.157 f) im Museum. Dieser Outreach Officer ist aber laut seiner Beschreibung nicht im Bereich der PR-Arbeit einzusetzen, sondern wirklich in der Bildungsabteilung des Hauses verortet (Vgl. ebd. S. 157). Alle aufgeführten Argumente sollen nicht den Eindruck entstehen lassen, dass es keine Entwicklung im Bereich des Outreachs in Deutschland geben würde. Diese ist nur offensichtlich noch am Anfang und beschränkt sich meist hauptsächlich auf Outreachansätzen wie die Bereitstellung von Infomaterial auf Websits oder Vorträge. Aber wie die beiden genannten Beispiele schon zeigen, gibt es immer wieder Ansätze der Museen, die darauf hinweisen, dass auch in Deutschland ein Denken über die Mauern hinweg beginnt. Diese zwei Projekte und drei Weitere, die im folgenden Abschnitt näher vorgestellt werden, sollen einen kleinen Querschnitt der aktuellen Lage im Bereich des musealen Outreachs in Deutschland vermitteln.
  31. 31. 27 5. Exemplarische Vorstellung von drei Outreachprojekten in Deutschland In diesem Abschnitt der Arbeit sollen drei Outreachprojekte aus dem deutschen Museumsbereich exemplarisch vorgestellt werden. Die Outreachprojekte unterscheiden sich jedoch in ihren Ausgangspunkten voneinander. So sind nur zwei Projekte aus der Institution Museum hervorgegangen, während das Dritte aus einem gemeinnützigen Verein heraus entstanden ist. Diese unterschiedlichen Hintergründe wirken sich natürlich auch auf die aktuelle Ausrichtung der Projekte aus. Die Methoden und dadurch auch die Zielsetzungen haben bei allen Projekten zwar Schnittmengen, da sie sonst ja nicht als Outreach eingeordnet werden könnten, sie haben aber auch sehr eigene Schwerpunkte bezüglich der Herangehensweise und der Umsetzung ihrer Programme. Diese Tatsache ist wichtig für die Betrachtung der einzelnen Projekte. Jedes Projekt steht für sich und soll nur rein sachlich mit den anderen verglichen werden. Es soll keine Hervorhebung oder Betonung des einen oder anderen, als besonders gut oder chancenreich bzw. besonders schlecht und problematisch, entstehen. Es sollen hier lediglich die Hintergründe und einzelnen Fakten des Projektes aus einer objektiven Position dargestellt werden. Ebenfalls anzumerken ist, dass im Großen und Ganzen alle drei Projekte Outreachprogramme den Schwerpunkt ihrer Arbeit in der Zusammenarbeit mit Schulen sehen. Dies war unteranderem ein Auswahlkriterium im Vorfeld, um einen Fixpunkt innerhalb der Projekte zu haben, da alle Drei von verschiedenen Museumstypen stammen. Die folgenden Informationen wurden mit Hilfe der geführten Interviews33 , den aktuellen Internetauftritten, mit vorhandenen internen Projektdokumentationen und Evaluationen der Museen, zusammengetragen. 5.1. Tabellarische Vorstellung Die exemplarische Vorstellung erfolgt im Folgenden in tabellarischer Form. Diese Form wurde auf Grund der besseren Lesbarkeit und Vergleichbarkeit gewählt. Die abgefragten Fakten und Informationen finden sich in einer Reihenfolge, die von allgemeinen Projektdaten zu speziellen und detaillierteren Ablaufinformationen verläuft. Die Kategorien wurden auf der Grundlage der Gegebenheiten der drei ausgewählten Projekte gebildet, um diese in ihrem ganzen Umfang vollständig darstellen zu können. Auf Angaben, die nicht für mindestens eines der Projekte relevant waren, wurde in der Auflistung verzichtet. 33 Transskripte der Interviews im Anhang
  32. 32. 28 Outreach Programm des Jüdisches Museum Berlin Outreach Programm des Wallraf-Richartz-Museum Köln Outreach Programm des Kinder- und Jugendmuseum Nürnberg Projektname on.tour - Das JMB macht Schule Wallraf der Museumsbus Museum im Koffer Projektziele Primär sollen Schüler/innen erreicht werden, denen es nicht möglich war oder ist, das JMB zu besuchen. Ihnen soll eine Möglichkeit zur Auseinandersetzung mit deutsch-jüdischer Geschichte und der Vielfalt jüdischer Lebenswelt als Ergänzung zum Lehrplan geboten werden. Die Schüler/innen sollen zu einem aktiven und vorurteilsfreien Umgang mit der Thematik angeregt werden. Weitere Ziele sind zum einen, Jugendliche bundesweit durch das Programm für einen späteren Besuch im JMB zu aktivieren, als auch Multiplikatoren, wie z.B. Lehrer/innen, Eltern, usw. auf das Angebot, im speziellen das Vermittlungsangebot des JMB hinzuweisen. Mit Hilfe des Museumsbusses soll Kindern und Jugendlichen der Zugang zu klassischer Kunst möglichst reibungslos ermöglicht werden. Ziel ist es auch, die Schüler/innen für Kunst zu begeistern, ihr Interesse zu wecken und ihnen vor Ort eine Möglichkeit zu geben, selbst kreativ zu werden. Mit dem Programm sollen auch verstärkt Schüler/innen aus bildungsfernen Milieus angesprochen werden, um ihre Berührungsängste gegenüber dem Museum zu mindern und ihnen die Möglichkeit zu geben, einen Bezug zum Museum und der Kunst aufbauen zu können. Ganz allgemein soll auch das Museum als Institution vorgestellt werden. Eines der Ziele der Vermittlungsarbeit vor Ort des "Museum im Koffer" ist unteranderem, für Kinder und Jugendliche in ihrem vertrauten Umfeld komplexe Sachverhalte und Geschichten erfahrbar und somit begreifbar zu machen. Neben der klassischen Wissensvermittlung als Ergänzung zum Schulunterricht stehen hier auch die spielerische Förderungen und das Wecken von Interesse für bestimmte Themen und deren eigenständige Erschließung im Focus der Arbeit. Zielgruppen Schüler/innen ab der 5. Schulstufe aller weiterführenden Schultypen im ganzen Bundesgebiet und ab der 6. Schulstufe in Berlin. Schüler/innen der Schulstufen fünf bis acht (oder von 10 bis 14 Jahren) aller Schultypen im Großraum Köln/Bonn/Leverkusen/Bergisch Gladbach an . Schüler/innen aller Schulstufen und Schultypen, Kindergärten, Kinder und Jugendliche über verschiedene Jugend-, Bildungs-, Kultur- und Sozialeinrichtungen. Projektträger Jüdisches Museum Berlin Wallraf-Richartz-Museum als eigenständiges, städtisches Museum der Stadt Köln. Der gemeinnützige Verein Museum im Koffer e.V. (Ebenfalls Träger des Kinder-und Jugendmuseum)
  33. 33. 29 on.tour – das JMB macht Schule Wallraf der Museumsbus Museum im Koffer 34 Didacta Verband e.V. – Verband der Bildungswirtschaft 35 Europäischer Fonds für regionale Entwicklung: Der Fonds soll durch den Ausgleich der wichtigsten regionalen Ungleichgewichte und die Beteiligung an der Entwicklung und Umstellung der Regionen den wirtschaftlichen und sozialen Zusammenhalt fördern. (http://ec.europa.eu/regional_policy/funds/feder/index_de.htm) 36 Diese Kosten umfassen die Bezahlung des Vermittlungsteams, deren Übernachtungen, den Transport sowie die Verbrauchsmaterialien. 37 Hier werden die Transport- und eventuelle Übernachtungskosten übernommen, um den mittelfränkischen Schulen das Programm ebenfalls zum Preis von 5 Euro pro Kind zu ermöglichen. (Intv. 1, Anhang) 38 Zum Beispiel den Nachbau einer Gutenberg Druckerpresse. 39 Siehe dazu Seite 16/ Tabellenabsatz „Ist das Programm kostenpflichtig/kostenfrei?“ Finanzielle Ressourcen Sponsoren: • Eric und Lore Ross, New Jersey, USA + • Gesellschaft der Freunde und Förderer der Stiftung Jüdisches Museum Berlin e.V.: Stellen die finanziellen Mittel für die Tour-, Personal- und Materialkosten. • Diamler Financial Service: Die Leasingrate für den Mercedes Sprinter wird von Daimler übernommen. • Verband Bildungswirtschaft34 : Stellt seit zwei Jahren eine Standfläche auf der Bildungsmesse didacta zur Verfügung. Weitere Finanzierung: • Jüdisches Museum Berlin: Personalkosten werden teilweise auch aus dem Haushalt des JMB finanziert. • EFRE35 : Weiterentwicklung der mobilen Module wird aus EFRE-Mitteln gefördert. Kosten: Die jährlichen Betriebskosten36 bei 11 Tourwochen, sprich 11 besuchten Bundesländern und 55 besuchten Schulen, liegen bei ca. 55.000 Euro. Sponsoren: • Deutsche Bank Stiftung: Stellt eine Vollzeitstelle und alle benötigten Materialien zur Verfügung. Dies für einen Förderzeitraum von drei Jahren. • Regionalverkehr Köln GmbH: Stellt für den Förderzeitraum zwei Linienbusse zur Verfügung. Sowohl die benötigten Busfahrer, als auch die Stellplätze für die Busse werden gestellt. Weitere Finanzierung: • Stadt Köln: Bietet eine Vollzeitstelle einer Museumspädagogin und stellt auch die Räumlichkeiten inkl. Betriebskosten im Museum zur Verfügung. Medienpartner: • Kölnische Rundschau Keine Direkten Sponsoren Finanzierung: • Stadt Nürnberg: Stellt einen Zuschuss von 110.000 Euro pro Jahr für das gesamte Kinder- und Jugendmuseum. Davon ist nur ein geringer Teil für den mobilen Bereich vorgesehen. • Bezirk Mittelfranken: Finanzielle Zuschüsse für Programme an mittelfränkischen Schulen37 • Sachspenden 38 • Projektbezogene Sponsoren: Zum Aufbau von neuen Themenbereich (z.B. Ferrero) Weitere Finanzierung: Ansonsten finanziert sich der mobile Bereich selbst.39 Dies wird durch Besuche in kommerziellen Einrichtungen gewährleistet, da die Besuche an Schulen, insbesondere Förderschulen, keinerlei Gewinn abwerfen können.
  34. 34. 30 on.tour – das JMB macht Schule Wallraf der Museumsbus Museum im Koffer 40 Die zugesagten Gelder wurden bis jetzt noch nicht alle abgerufen. Dadurch kann eine Verlängerung bis 2011 erfolgen, ohne dass die Sponsoren die Fördersumme erhöhen. Personelle Ressourcen Für das Projekt „on.tour“ sind zwei Vollzeitstellen im Bereich Projektmanagement besetzt. D. h. Konzeption der Programme, Vorbereitung der Mitarbeiter/innen sowie die Organisation der Touren. Desweiteren gibt es eine Stelle mit 25%, die die Leitung des Projektes übernimmt. Weiter beschäftigt das JMB eine studentische Hilfskraft, ein Praktikanten sowie einen FSJ- Mitarbeiter für Kontakt- und Datenpflege, Recherche und Vorbereitung der Touren, usw. Das Team der Vermittler stellt sich aus ca. 11 freien Mitarbeitern zusammen. Für das Outreachprojekt sind zwei Mitarbeiterinnen angestellt. Die Projektleitung, besetzt mit einer Pädagogin, ist bei der Deutschen Bank Stiftung angestellt. Die zweite Mitarbeiterin kommt vom Museumsdienst der Stadt Köln. Für die Busfahrten stellt das Busunternehmen auch die Busfahrer, die aber beim Unternehmen selbst angestellt sind. Ansonsten werden alle personellen Ressourcen des Museums genutzt, wie z.B. Wachpersonal, wissenschaftliche Mitarbeiter, usw. Im mobilen Projekt ist ein hauptamtlicher Mitarbeiter angestellt, der sich vor allem um die Vorbereitung der Programme und die Tourplanung kümmert, aber auch bei den Aktionen vor Ort mitarbeitet. Neben ihm arbeiten im Schnitt ca. 12 Honorarkräfte im Vermittlungsteam mit. Die Honorarkräfte bringen unterschiedliche fachliche Qualifikationen mit, wie z.B. Kunsthistoriker/innen, Geografin, Biologin, Kunsterzieher/innen als auch Sozialpädago/innen. Projektstart Projektstart im Oktober 2006. Beginn der ersten Tour im Juni 2007. Seit August 2007 Beginn der Projektplanungsphase. Im Januar 2008 startete das Projekt selbst. Seit 1980 Eventuelles Projektende ---- • Ende 2011 Das Projekt kann mit der zugesagten Komplettfördersumme noch ein Jahr länger als geplant finanziert werden.40 Ab 2011 ist die Finanzierung noch nicht gesichert. ---- Erhaltene Auszeichnungen Auszeichnung "Ausgewählter Ort 2009" der Standortinitiative "Deutschland - Land der Ideen" erhalten. Verliehen von der Bundesregierung und dem Bundesverband der Deutschen Industrie. Auszeichnung "Ausgewählter Ort 2009" der Standortinitiative "Deutschland - Land der Ideen" erhalten. Verliehen von der Bundesregierung und dem BDI. Der Sponsor, die Deutsche Bank Stiftung, hat die Auszeichnung des deutschen Kulturförderpreis 2008 erhalten. Ausgelobt vom Kulturkreis der deutschen Wirtschaft/BDI. Auszeichnung "Kinderkulturpreis" 1999 erhalten. Verliehen vom Kinderhilfswerk in Deutschland.
  35. 35. 31 on.tour – das JMB macht Schule Wallraf der Museumsbus Museum im Koffer Geplante Erweiterungen/ Veränderungen Aufgrund einer internen Evaluation des Projektes haben sich Weiterentwicklungen bei „on.tour“ ergeben: • Änderungen der Tour-Organisation • Neuer Ablauf an Schulen: Verlängerung der Workshopdauer • Inhaltliche Weiterentwicklung: Erweiterung und Ausbau der mobilen Ausstellung als auch des Workshops mit neuen Themenfeldern. • Weiterführung der Bildungsarbeit in Jugendstrafgefängnissen. In Bezug auf die grundlegenden Daten des Projektes, wie Zielgruppen und Umfang, ist in nächster Zeit keine Veränderung oder Erweiterung geplant. Die geplanten Modifizierungen haben hauptsächlich einen qualitativen Anspruch: • Verbesserung der angebotenen Kurse: Mehr Material zur Vor- und Nachbereitung anbieten. • Erweiterung der angebotenen Kurse: Erweiterung um ein oder zwei neue Programme • Angebot von Sommerferienprogrammen: Für die diesjährigen Ferien sind Sonderprogramme in Zusammenarbeit mit dem Medienpartner Kölnische Rundschau geplant. Aufgrund der finanziellen Lage möchte das Projekt die Kooperation mit möglichen Sponsoren weiterhin verstärkt suchen. Auch der Ausbau der Kooperationen mit kommerziellen Einrichtungen, wie z.B. Firmen, Einkaufszentren, usw. soll weiterhin voranschreiten. Projektskizze Das Projekt „on.tour“ ist ein mobiles Programm, das Schulen im gesamten Bundesgebiet anfährt und Schüler/innen jeden Alters und Bildungshintergrunds ansprechen will. Es beinhaltet sowohl eine kleine, mobile Ausstellung, die aus ausgewählten Exponaten des Museums zusammengestellt ist, als auch Workshops zum Thema deutsch-jüdische Geschichte. Die ausgewählten Objekte und Workshopinhalte- und beiträge sind nah an der Lebenswelt der Jugendlichen und sollen somit den Dialog zwischen Mitarbeiter/innen und Schülern fördern. Das Projekt "Wallraf der Museumsbus" richtet sich an Schüler/innen im Bereich Rhein/Siegen, die noch nicht die Möglichkeit zu einem Besuch im Wallraf-Richartz-Museum hatten. Der Museumsbus holt Schulklassen an ihrer Schule ab und bringt sie ins Museum. Die Fahrt und der Museumsbesuch werden mit Vorbereitungen und einem kunstpädagogischen Programm gefüllt. Die mobile Form des Kinder- und Jugendmuseums "Museum im Koffer" fährt das ganze Jahr hindurch neben Schulen auch andere kulturelle oder soziale sowie kommerzielle Institutionen an. Mit seinem Programm zu verschiedenen Themenschwerpunkten der Geschichte und Volkskunde legt es einen Schwerpunkt auf das aktive Lernen und Erfahren von Kindern und Jugendlichen. „Lernen durch Handeln“ ist einer der Leitgedanken des „Museum im Koffer“.
  36. 36. 32 on.tour – das JMB macht Schule Wallraf der Museumsbus Museum im Koffer 41 Die angefahrenen Schulen sollten nicht weiter als eine Stunde Fahrtzeit vom Museum entfernt liegen. 42 Im Jahr 2008 haben insgesamt 120 Schulklassen das Programm genutzt. 43 Es gibt 12.013 Schulen in der BRD, davon werden 7.618 Schulen angeschrieben, von denen sich dann wiederum 1.092 bei „on.tour“ bewerben. Outreach-Bereich Der Bus des „on.tour“ Programms fährt jährlich Schulen im ganzen Bundesgebiet an. Die jeweiligen Bundesländer werden für die Dauer von fünf Tagen besucht. Der Museumsbus fährt Schulen in den folgenden Bereich NRW´s an: Rhein-Sieg-Kreis, Rhein-Erft-Kreis, Kreis Euskirchen, Rheinisch-Bergischer Kreis, Oberbergischer Kreis sowie Leverkusen, Bonn und Köln.41 Das Museum im Koffer fährt auf Anfragen bundesweit zu Schulen oder zu sonstigen Interessenten. Intervall der Programme Insgesamt 11 bis 15 Wochen im Jahr werden Touren in die jeweiligen Bundesländer angeboten. In einem Monat wird jeweils ein Bundesland besucht. Von Juni 2007 bis Oktober 2008 wurden alle 16 Bundesländer besucht. Für das Schuljahr bietet der Museumsbus von Dienstag bis Freitag (außer an Feiertagen oder in den Ferien) Programme für Schulen an.42 Während dem laufenden Schuljahr finden unter der Woche täglich (je nach Buchung variabel) Programme an Schulen statt. Die kommerziellen Besuche werden hauptsächlich auf die Ferienzeit oder das Wochenende gelegt. In den Schulferien werden zusätzlich noch offene Ferienprogramme angeboten. Anmeldung/ Bewerbung der Interessenten Die Schulen werden vor Beginn der Tour von „on.tour“- Mitarbeiter/innen angeschrieben. Nachdem die Schulen über das Programm informiert wurden, können sie sich direkt bei „on.tour“ bewerben.43 Nach Ende der Frist werden jeweils fünf Schulen pro Bundesland ausgelost, die besucht werden. Die Tourorganisation geschieht in Abstimmung mit dem Ferienkalender und den Prüfungsterminen der jeweiligen Bundesländer. Die interessierten Schulen können sich für ihr gewünschtes Thema mit einem Wunsch- und einen Ausweichtermin bei Wallraf der Museumsbus anmelden. Die vorgeschlagenen Termine werden weitestgehend berücksichtigt. Falls nicht, wird der Schule ein weiterer Ausweichtermin angeboten. Die interessierten Schulen oder Einrichtungen können sich für ein Thema, ein Schuljahr im Voraus anmelden. Die Termine werden unter Berücksichtigung der Vereinbarkeit mit dem Lehrplan und der Ferienzeiten verteilt. Es wird versucht, bestimmte Themengebiete gesammelt in einem Zeitraum anzubieten.
  37. 37. 33 44 Der Workshop basiert auf der gleichnamigen Dauerausstellung im JMB. 45 Das Programm „Spurensuche im Museum“ wurde 2008 von 48,3% der teilnehmen Klassen gewählt. „Augenblick mal! Blicke, Gesten, Körpersprache: Großes Theater in der Kunst“ nur von 5%. 46 Im Kinder- und Jugendmuseum wird eine gleichnamige Ausstellung angeboten. Ist das Programm kostenfrei/ Kostenpflichtig? Das gesamte Programm ist für die Interessenten kostenfrei. Das gesamte Programm ist für die Interessenten kostenfrei. Die Kosten für Schulklassen im Raum Nürnberg betragen 5,- Euro pro teilnehmenden Schüler, unabhängig von der Klassenstärke. Bei Schulen außerhalb Nürnbergs kommen noch Reisekosten und eventuelle Unterbringungskosten für das Team hinzu. Bei Besuchen in kommerziellen Einrichtungen, wie z.B. Firmenfesten, Einkaufszentren, etc. wird eine Pauschale von 400,- bis 1000,- Euro berechnet. Vermittelte Themenbereiche „on.tour“ bietet bei jedem Besuch fünf Themenschwerpunkte an, die in Form von Workshop und Ausstellung vermittelt werden (die besuchte Einrichtung kann nicht auswählen): • „Jüdische Kindheit und Jugend nach 1945 in Deutschland.“ Dieses Thema wird im Workshop „So einfach war das“44 behandelt. • „Jüdischer Alltag“ Hier werden z.B. Speisegesetze des jüdischen Glaubens vorgestellt. • „Feste feiern“ Dieser Bereich beschäftigt sich mit Festen und Zeremonien des Judentums • „Chancen und Diskriminierung“ Bei diesem Themenschwerpunkt werden exemplarisch, Erfindungen und Die Schulen können zwischen drei thematisch unterschiedlichen Workshops wählen45 : • „Spurensuche im Museum“ Bei der spielerische „Tatortbegehung“ stehen das Erkennen von Details und die spezielle Bildsprache der Gemälde im Vordergrund. Ikonographie und Symbolik der Kunstwerke sind die Schwerpunkte. • „Glückliches Gelb, Gruseliges Grün – Farben und Gefühle“ Der Einsatz von Farben und ihre Wirkung stehen hier im Mittelpunkt. Emotionen, Gedanken und Stimmungen vermittelt durch Farben, werden vor allem auf impressionistischen und neoimpressionistischen Bildern betrachtet. • „Augenblick mal! Blicke, Gesten, Das Projekt bietet sechs große Themengebiete mit insgesamt 14 Workshops an, aus denen die Einrichtungen auswählen können: • Alltag der Urgroßeltern46 : „Urgroßmutters Waschtag“ und Urgroßmutters Küche“ sind zwei Programme, bei denen wie vor 100 Jahren gewaschen und gekocht werden kann. • Natur: „Boden – die Erde lebt“ beschäftigt sich mit dem Ökosystem Erdboden. Es werden z.B. Waldböden untersucht. „Wasser – Tummelplatz des Lebens“ stellt die Frage nach den Organismen, die in diesem Lebensraum vorkommen. • Kulturwerkstätten: In „Gutenbergs Druckwerkstatt“ kann an einer nachgebauten Gutenbergpresse on.tour – das JMB macht Schule Wallraf der Museumsbus Museum im Koffer
  38. 38. 34 Firmengeschichten jüdischer Geschäftsleute, wie z.B. Levi Strauss, Fromm, usw. vorgestellt • „Leben und Überleben“ Dieser Themenbereich konfrontiert mit dem Überleben von Juden im zweiten Weltkrieg durch Immigration. Die letzten vier Themenbereiche werden jeweils in einem der roten Ausstellungswürfel vorgestellt. Körpersprache: Großes Theater in der Kunst“ Hier soll der Bildaufbau ausgewählter Werke mithilfe von Ausdruck und Körpersprache dargestellt werden. Beziehungen zueinander und Interaktion sind hier zentrale Inhalte. gedruckt werden. „Mittelalterliche Papierwerkstatt“ beschäftigt sich mit der mittelalterlichen Papierherstellung in Nürnberg. Mit Sieben kann selbst Papier geschöpft werden. „Mittelalterliche Schreibwerkstatt“ zeigt die Arbeit des Schreibens und Illuminierens in einem mittelalterlichen Scriptorium. • Technik: „Raumfahrt“ versucht mit Hilfe von kleinen Experimenten die Themen Schwerkraft und Raketentechnik verständlich zu machen. • Kulturen „Afrika – Reise in den Senegal“ ist eine Reise durch westsenegalesische Dörfer mit Einbezug von Originalgegenständen. „Türkei – Anatolien ganz nah“ Hier kann mit originalen Alltagsgegenständen unter anderem türkisches Fladenbrot gebacken werden. „Ein Tag im Leben der Plains-Indianer“ Mit einem Tipi, Gebrauchsgegenständen und Kleidung werden die Ureinwohner Nordamerikas vorgestellt. „Das Judentum“ Hier wird das jüdische Pessach-Fest näher besprochen. (Die Materialien werden hier nur an die Einrichtung verliehen.) • Urzeit: Bei der „Reise in die Steinzeit“ werden die verschiedenen Epochen und on.tour – das JMB macht Schule Wallraf der Museumsbus Museum im Koffer
  39. 39. 35 on.tour – das JMB macht Schule Wallraf der Museumsbus Museum im Koffer on.tour – das JMB macht Schule Wallraf der Museumsbus Museum im Koffer 47 Schulbeginn variiert von Schule zu Schule und je nach Bundesland, meist zwischen 7.30 und 8.00 Uhr. Entwicklungsstufen des Menschen mit Hilfe von Repliken näher gebracht. „Das Leben der Kelten“ gibt die Möglichkeit das häusliche und kulturelle Leben der Kelten zu erforschen. Maximale Gruppengröße für die Programme Pro Besuch können immer vier bis fünf Schulklassen die Ausstellung besuchen und zwei Klassen am Workshop-Programm teilnehmen, da diese beiden Angebote parallel ablaufen. Die maximale Gruppengröße für ein Programm (Workshop oder Ausstellung) umfasst in der Regel die durchschnittliche Anzahl von Schülern in einer Klasse (20 – 35 Schüler). Maximal 35 Personen inkl. Begleitpersonen können an einem Programm teilnehmen. Diese maximale Gruppengröße ergibt sich aus der Anzahl der Sitzplätze im Bus. Für die Schulklassenprogramme ist die Anzahl der Teilnehmer auf eine reguläre Schulklasse zugeschnitten, was im Durchschnitt 20 – 35 Kinder umfasst. Es gibt aber keine direkte maximale Teilnehmerzahl. Bei Programmen auf Festen an öffentlichen Orten oder in kommerziellen Einrichtungen, ist die Anzahl der Teilnehmer frei, da ein ständiges „Kommen und Gehen“ herrscht. Zeitraum und Länge des Programms Die Schule wird an einem Tag besucht. Die Dauer des Aufenthalts beträgt meist sechs Stunden. Also im Schnitt die reguläre Vormittagsschulzeit. Das Programm des Museumsbusses wird nur für einen Schultag angeboten. Das gesamte Programm inkl. Busfahrt dauer vier Stunden. Der Aufenthalt an Schulen ist meist auf drei Schulstunden, sprich 2,5 Stunden, festgelegt. Bei kommerziellen Einrichtungen bleibt das Programm manchmal auch für einen Zeitraum von mehreren Tagen am besuchten Ort. Ablauf des Programmes Vor Schulbeginn47 kommt der Kleinbus von „on.tour“ an die Schule. Dort wird die mobile Ausstellung entweder auf dem Pausenhof, in der Aula/Sporthalle oder im Klassenzimmer aufgebaut. Eine Klasse beginnt mit dem Workshop, die andere mit der Ausstellung. Die beiden Angebote laufen parallel , so dass jede Klasse die Möglichkeit zur Teilnahme am Workshop und an der Ausstellung hat. Um 9.00 Uhr erreicht der Linienbus die ausgewählte Schule. Dort findet eine kurze, fünfzehn minütige Einführung durch eine/n Museumspädago/inn statt. Auf der meist halbstündigen Fahrt wird den Schüler/innen ein Einführungsfilm zum Museum gezeigt. Im Museum angekommen findet ein themenspezifischer Rundgang durch die Ausstellung statt, an den sich der praktische Teil des Programms anschließt. Um ca. 12.15 Uhr ist das Programm beendet und der Bus fährt die Klasse wieder zurück zur Schule. Das Team des Museums im Koffer kommt zu der vereinbarten Zeit an die Schule und baut dort im Klassenzimmer, auf dem Schulhof, etc. das Programm auf. Für die Klasse beginnt das Programm mit einer theoretischen Einführung ins Thema, gefolgt von einem praktischen Teil, bei dem die Schüler/innen selbständig arbeiten können. Abschließend findet in der Gruppe noch die „Präsentation“ oder Zusammen- fassung des Gesehenen, Erfahrenen, Gelernten, Gebastelten, Gekochten, usw. auf unterschiedliche Weise statt.
  40. 40. 36 Anzahl der Vermittler/innen vor Ort Bei einem Besuch sind insgesamt drei Vermittler/innen dabei. Ein/e Vermittler/in betreut den Workshop mit einer Schulklasse während die anderen zwei die Schüler in der Ausstellung anleiten. (Die Vermittler/innen werden bei „on.tour“, wie auch im JMB als „Guides“ bezeichnet. Ein Programm für eine Schulklasse wird von einer Vermittlerin betreut. (Die Vermittlerinnen werden bei Wallraf der Museumsbus, als auch im Wallraf-Richartz- Museum als Museumspädagoginnen bezeichnet.) Meist sind zwei Vermittler/innen bei einem Besuch mit dabei. Bei etwas aufwendigeren Programmen oder bei Besuchen auf Festen oder in größeren Einrichtungen, sind mehr als zwei Vermittler/innen anwesend. Ausstattung des Projekts Das Projekt verfügt als Transportmittel über einen Mercedes Sprinter. Die weitere Ausstattung umfasst vier große, rote Ausstellungswürfel mit integrierten Vitrinen, die Objekte (auch teilweise Originale) aus dem Museum zeigen. Für den Workshop sind ca. 30 iPod-Geräte vorhanden, mit denen die Schüler/innen arbeiten können. Anschauungsmaterial im klassischen Museumskoffer ist ebenfalls vorhanden. Dem Projekt stehen zwei klassische Linienbusse der Verkehrsbetriebe Köln GmbH zur Verfügung. Beide Busse sind zusätzlich mit zwei Bildschirmen für den Einführungsfilm ausgestattet. Des Weiteren steht im Museum selbst ein Atelier mit Materialien zum Zeichnen, Malen, großformatigen Malen, Basteln und Theaterspielen zur Verfügung. Dem Museum im Koffer stehen zwei Mercedes Sprinter zur Verfügung. Die Fahrzeuge sind jeweils zum ausgewählten Programm mit den passenden Materialien bestückt. Hierbei handelt es sich um handwerkliche Gerätschaften, wie z.B. Schmiedefeuer inkl. Werkzeug, Musikinstrumente, zum Themenschwerpunkt passende Repliken aller Art, Materialien zum Basteln und Handwerken, wie z.B. Ton, Draht, Holz, etc. sowie Infotafeln passend zum Thema. Muss die besuchte Einrichtung etwas bereitstellen? Außer Platz für die Durchfahrt des Transporters und Raum für den Aufbau der Ausstellung, müssen die Einrichtungen nichts bereitstellen. Die Einrichtung muss nicht bereitstellen. Die angefahrene Einrichtung muss sowohl dafür sorgen, dass genügend Platz zur Durchfahrt der Fahrzeuge besteht, als auch Platz oder Raum zum Aufbau des Programms. Zusätzlich muss bei bestimmten Programmen für Lebensmittel gesorgt werden, die dann im Workshop gemeinsam verkocht werden und aufgrund von logistischen Gründen nicht mitgebracht werden können. on.tour – das JMB macht Schule Wallraf der Museumsbus Museum im Koffer
  41. 41. 37 Das Projekt „on.tour – das JMB macht Schule Abb. 1: Die mobile Ausstellung wird auf dem Schulhof aufgebaut Abb. 2: Die mobile Ausstellung Abb. 3: Schüler/innen im Workshop „So einfach war das“ © Jüdisches Museum Berlin Das Projekt „Wallraf der Museumsbus“ Abb. 4: Schüler/innen vor dem Museumsbus Abb. 5: Beim Workshop „Augenblick mal! Blicke, Gesten, Körpersprache: Großes Theater in der Kunst“ Abb. 6: Praktischer Teil im Atelier Das Projekt „Museum im Koffer“ Abb. 7: Aktion im Freien mit Transporter im Hintergrund Abb. 8: Workshop „Gutenbergs Druckwerkstatt“ Abb. 9: Kinder beim Workshop „Das Leben der Kelten“

×