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Glaukom und katarakt

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Glaukom und katarakt

  1. 1. Leitthema Ophthalmologe 2010 · 107:403–408 T.H. Klink1 · M. Müller2 · M. Zierhut3 · G. Geerling1 DOI 10.1007/s00347-009-2062-6 1 Universitätsklinikum, Julius-Maximilians-Universität Würzburg Online publiziert: 28. April 2010 2 Klinik für Augenheilkunde, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck © Springer-Verlag 2010 3 Department für Augenheilkunde, Universitätsklinikum Tübingen Glaukom und Katarakt Etwa jeder 5. Glaukompatient benö- Übersicht soll zum einen auf die Indikati­ tiv die Gefahr von Druckspitzen und/oder tigt im Laufe der Erkrankung einen onen für ein einzeitiges bzw. zweizeitiges dauerhafter Druckdekompensation. Ver­ augeninnendrucksenkenden chirur- Vorgehen (. Tab. 1) und zum anderen mutlich kommt es hier durch Linsenprote­ gischen Eingriff. Häufig besteht zu- auf eine Auswahl von kombinierten chir­ ine und die gestörte Blut­Kammerwasser­ sätzlich eine Linsentrübung. Daraus urgischen Verfahren und deren Ergeb­ Schranke zu einer Störung der bereits sehr ergibt sich die Frage, ob der Eingriff nisse eingegangen werden. Im Speziellen eingeschränkten Trabekelwerksfunktion. kombiniert oder sequenziell durchge- wird auf die Trabekulektomie, nichtpenet­ Auch die postoperative Gabe von Stero­ führt werden soll. Bezüglich des glau- rierende glaukomchirurgische Verfahren iden nach Phakoemulsifikation kann bei komchirurgischen Verfahrens muss und einige Kombinationen von Phako­ fortgeschrittenen Glaukomen die Rest­ zwischen einem fistulierenden, nicht- emulsifikation und Kammerwinkelchir­ funktion des Trabekelmaschenwerks zum penetrierenden und kammerwin- urgie eingegangen. Erliegen bringen. Es gilt weiterhin zu be­ kelchirurgischen Verfahren entschie- denken, dass trotz Clear­Cornea­Technik den werden. Die Trabekulektomie Indikationen zur Phakoemulsifikation ein höheres Ver­ ist noch immer der in diesem Zusam- narbungsrisiko für eine nachfolgende fil­ menhang am häufigsten durchge- Zweizeitiges Vorgehen trierende Glaukomchirurgie besteht. Vor­ führte Eingriff und bietet die sichers- stellbar ist, dass auch hier – wie bei einem te Datenlage. Die nichtpenetrierende Für eine alleinige Kataraktchirurgie Bindehauteingriff – durch die Entzün­ Glaukomchirurgie zeigt mit der Ka- spricht eine signifikante Visusminderung, dungsreaktion eine Stimulierung des im­ naloplastik ein sehr innovatives und kombiniert mit einer okulären Hyperten­ munologischen Gedächtnisses erfolgt. bisher vielversprechendes Alternativ- sion oder einem geringen Glaukomscha­ Die alleinige Glaukomchirurgie ist bei konzept. den bei guter medikamentöser Regulati­ fehlender medikamentöser Augeninnen­ on (1–2 Medikamente). Diese Patienten­ druckregulation in Verbindung mit ei­ Aufgrund der demographischen Ent­ gruppe profitiert von der Kataraktextrak­ ner gering ausgeprägten Linsentrübung wicklung wird der Augenarzt in Praxis tion mit einer Augeninnendrucksenkung indiziert. Allerdings steht der drucksen­ und Klinik immer häufiger mit dem ge­ von im Mittel etwa 2 mmHg [17]. Befin­ kende Eingriff auch bei Patienten im Vor­ meinsamen Auftreten von Glaukom und den sich die Augeninnendruckwerte im dergrund, die einen niedrigen Zieldruck­ Katarakt konfrontiert. Nach der Diagno­ grenzwertigen Bereich, besteht postopera­ bereich erreichen müssen (fortgeschritte­ se der Krankheitsbilder stellt sich die Fra­ ge, inwieweit eine gemeinsame oder zeit­ lich versetzte Therapie sinnvoll und not­ Tab. 1  Gründe für und gegen eine kombinierte Glaukom-Katarakt-Operation wendig ist. Bei der Mehrzahl der Pati­ Kombinierte Glaukom-Katarakt-Operation enten wird eine alleinige Kataraktoperati­ Pro Kontra on ausreichend sein, da die meisten Glau­ Älterer Patient Junger Patient kompatienten mit einer lokalen Tropfthe­ Multimorbide Gering ausgeprägte Katarakt rapie ausreichend versorgt sind. Nur et­ Fortgeschrittene Katarakt und fehlende IOD- Geringer Glaukomschaden → Kataraktopera- wa 23% der Glaukompatienten benöti­ Regulation tion gen im Verlauf der Erkrankung einen fil­ Schnelle Kataraktprogression zu erwarten Fortgeschrittener Glaukomschaden → Glaukom- operation trierenden Eingriff an einem und 12% an Psychologischer Effekt Niedriger Zieldruck beiden Augen [11]. Zum anderen liegt die Inzidenz der Katarakt mit 15–19% deut­ Komfort des Patienten IOD gut medikamentös reguliert lich höher als die des Glaukoms mit 0,8– Keine sekundäre Gefährdung des Sickerkissens PEX, Uveitis, okuläre Hypertension 1% (kaukasische Bevölkerung). In dieser IOD intraokularer Druck, PEX Pseudoexfoliationssyndrom bzw. -glaukom Der Ophthalmologe 5 · 2010  |  403
  2. 2. Leitthema teren, multimorbiden Patienten ist die ge­ dings wurden auch Studien veröffent­ meinsame Glaukom­Katarakt­Operati­ licht, die keinen Unterschied zwischen on sinnvoll. Aber auch eine zu erwarten­ einem zweizeitigen und einzeitigen Vor­ de schnelle Kataraktprogression legt ein gehen feststellen konnten [5, 6]. Berück­ kombiniertes Operationsverfahren nahe. sichtigt man jedoch die aufwendige medi­ Wesentliche Vorteile sind sicher auch der kamentöse Nachbehandlung, scheint das höhere Patientenkomfort und der posi­ zweizeitige Vorgehen für die Trabekulek­ tive psychologische Effekt der Sehschär­ tomie etwas erfolgreicher zu sein [14, 26]. fenbesserung nach Kataraktextraktion. Der intraoperative Einsatz von Antimeta­ Die Sehschärfenentwicklung nach der boliten ist entsprechend zu empfehlen, um Abb. 1 8 Kombinierte Trabekulektomie mit  kombinierten Operation hängt im We­ hier eine Annäherung der Erfolgsrate an Phakoemulsifikation und Hinterkammerlinsen- sentlichen von der vorhandenen glauko­ die alleinige Trabekulektomie zu erzielen implantation (getrennte Zugänge) matösen Schädigung des Sehnerven und [8, 23]. Die Ergebnisse der kombinierten eventuellen Gesichtsfelddefekten ab. Pro­ Operation scheinen bei einem Vorgehen blematisch ist immer noch die nicht voll­ über getrennte Zugänge (. Abb. 1) ten­ ständige Abbildung der Leistungen einer denziell etwas günstiger zu sein als ein ge­ kombinierten Glaukom­Katarakt­Opera­ meinsamer Zugang für beide Verfahren tion im DRG­System. [2, 4]. Gleichzeitig ist mit den getrennten Zugängen für Katarakt­ und Glaukom­ Kataraktoperation und operation ein geringfügig höherer Endo­ Trabekulektomie thelzellzahlverlust verbunden [24, 28]. So­ wohl bei der intraoperativen Verwendung Bei kombiniertem Vorgehen wird eine ge­ von 5­Fluorouracil als auch beim Einsatz ringere Drucksenkung erreicht als bei al­ von Mitomycin C intraoperativ zeigte sich Abb. 2 8 Kombinierte Kanaloplastik mit Phako- leiniger Trabekulektomie. Demgegenüber kein signifikanter Unterschied in der Er­ emulsifikation und Hinterkammerlinsenimplan- steht die erhöhte Kataraktogenität der fis­ folgsrate zwischen alleiniger Trabekulek­ tation (getrennte Zugänge), Einsatz von Gries- haber-Häkchen bei nicht erweiterbarer Pupille tulierenden Chirurgie, die ab etwa dem tomie und kombiniertem Vorgehen [3, 50. Lebensjahr erheblich ansteigt. Eine der 23]. Bei Anwendung von Antimetabo­ Trabekulektomie nachfolgende Katarakt­ liten scheint der absolute Erfolg der Ope­ ne Gesichtsfelddefekte, niedriger IOD bei operation birgt das Risiko eines Sickerkis­ ration (Erreichen des Zieldruckbereichs Schadensentstehung). Wenn die Glaukom­ senversagens. In einer prospektiven Stu­ in Studien) gleich zu sein, aber die abso­ erkrankung im Vordergrund steht, soll­ die konnte gezeigt werden, dass eine Ka­ lute Drucksenkung der alleinigen Opera­ te deren Therapie Vorrang gewährt wer­ taraktoperation nach vorangegangener tion bleibt größer [3, 23]. den, sofern die kataraktbedingte Reduk­ Trabekulektomie zu einem IOD­Anstieg tion der Sehschärfe in den nächsten (3–) von durchschnittlich 2 mmHg führt [17]. Trabekulotomie und 6 Monaten bezogen auf das Risiko eines Zur Prophylaxe einer postoperativen Ver­ nichtpenetrierende kombinierten Vorgehens toleriert werden narbung des Sickerkissens nach Trabeku­ Glaukomchirurgie kann. Welcher Mindestabstand zur vor­ lektomie durch die nachfolgende Kata­ angegangenen Filtrationschirurgie für ei­ raktchirurgie wurde in einer retrospek­ Betrachtet man die Trabekulotomie, Vis­ ne nachfolgende Kataraktoperation einge­ tiven Vergleichsstudie 5­Fluorouracil (5­ kokanalostomie und die tiefe Sklerektomie halten werden sollte, um die Gefahr einer FU) eingesetzt. Die IOD­Werte waren in Kombination mit der Phakoemulsifika­ Sickerkissenvernarbung zu reduzieren, ist nach 1 Jahr in der 5­FU­Gruppe und in tion, liegt der IOD zwar im Vergleich zur noch nicht im Rahmen von Studien ge­ der nichtbehandelten Gruppe gleich. Die Trabekulektomie im Durchschnitt etwas klärt. Auch bei Patienten mit Pseudoex­ Zahl der drucksenkenden Medikamente höher, aber die Zahl der postoperativen foliationssyndrom und uveitischem Se­ war jedoch in der 5­FU­Gruppe signifi­ Komplikationen und die Entzündungs­ kundärglaukom ist das zweizeitige Vor­ kant geringer als in der nichtbehandelten reaktion (Fibrinbildung) sind weitaus sel­ gehen zu bevorzugen, um das Risiko ei­ Gruppe [27]. tener bzw. geringer ausgeprägt [12, 30]. ner Fibrinreaktion zu vermeiden bzw. zu Das Problem der kombinierten Glau­ Für diese Verfahren zeigt sich eine gleich­ verringern. komkataraktchirurgie ist die verstärkte wertige Erfolgsrate im Vergleich zum al­ Fibrin­ und Wundheilungsreaktion (10– leinigen Vorgehen [9, 12, 22, 32]. Die tiefe Einzeitiges Vorgehen 30%), die mit einem ausgeprägteren Ver­ Sklerektomie mit intraoperativer Anwen­ narbungsrisiko einhergeht. Das drucksen­ dung von Mitomycin C ermöglicht zwar Für ein kombiniertes Vorgehen spricht ei­ kende Potenzial und die Erfolgsrate ohne eine IOD­Senkung auf ein Niveau ver­ ne fortgeschrittene Linsentrübung bei un­ Medikation sind dadurch entsprechend gleichbar der Trabekulektomie, gleichzei­ zureichender IOD­Einstellung oder Pro­ reduziert [21]. Es können IOD­Werte von tig jedoch verdoppelt sich das Risiko der gression des Glaukomschadens. Bei äl­ 15–17 mmHg erwartet werden [2]. Aller­ Sickerkissenleckage [1]. In der Kombinati­ 404 |  Der Ophthalmologe 5 · 2010
  3. 3. Zusammenfassung · Abstract on mit der Phakoemulsifikation scheinen Ophthalmologe 2010 · 107:403–408   DOI 10.1007/s00347-009-2062-6 sich die Viskokanalostomie und die tiefe © Springer-Verlag 2010 Sklerektomie der Trabekulektomie bezüg­ T.H. Klink · M. Müller · M. Zierhut · G. Geerling lich der Erfolgsrate und des drucksenken­ Glaukom und Katarakt den Potenzials anzugleichen [9, 18, 31]. Zusammenfassung Kanaloplastik Im Zuge der Bevölkerungsentwicklung steigt  gen erste Ergebnisse, dass die Kombination  auch die Koinzidenz von Katarakt und Glau- von Kanaloplastik und Phakoemulsifikation  Bei der Kanaloplastik handelt es sich um kom an. Die Trabekulektomie ist noch immer  gegenüber der alleinigen Kanaloplastik Vor- das am häufigsten mit der Kataraktchirurgie  teile haben kann. Der Langzeitverlauf muss  ein neues Verfahren, das eine Weiterent­ kombinierte Verfahren. Um das Risiko eines  die Nachhaltigkeit der Senkung des intraoku- wicklung der Viskokanalostomie dar­ späteren Sickerkissenversagens zu minimie- laren Drucks (IOD-Senkung) bei diesem neu- stellt. Bei diesem nichtpenetrierenden ren, sollte – wenn möglich – ein zweizeitiges  en Verfahren noch bestätigen. Die kombi- Verfahren wird zunächst ein oberfläch­ Vorgehen angestrebt werden, das mit der  nierte Kammerwinkelchirurgie (z. B. Trabekel- licher Skleradeckel von ca. 5×5 mm prä­ Linsenchirurgie beginnt. Die postoperative  aspiration) bietet eine komplikationsarme  pariert. Anschließend erfolgt die Exzi­ Fibrinreaktion und das Komplikationsspekt- und bindehautschonende Möglichkeit, wei- rum nach Trabekulektomie kombiniert mit  tere invasivere Eingriffe hinauszuzögern und  sion einer etwas kleineren tiefen Horn­ Kataraktchirurgie sind deutlich ausgeprägter  Medikamente einzusparen. hautskleralamelle. Dabei werden die Os­ als nach kombinierter Trabekulotomie oder  tien des Schlemm­Kanals und ein Desce­ nichtpenetrierender Glaukomchirurgie. Die  Schlüsselwörter met­Fenster dargestellt. Mit Hilfe eines Kanaloplastik ist ein neues innovatives nicht- Trabekulektomie · Kanaloplastik · Katarakt- Mikrokatheters wird ein 10­0­Prolene®­ penetrierendes glaukomchirurgisches Verfah- chirurgie · Kammerwinkelchirurgie · Nicht- Faden in den Schlemm­Kanal eingeführt. ren. Anders als bei der Trabekulektomie zei- penetrierende Glaukomchirurgie Dieser Faden bewirkt eine zirkuläre Wie­ dereröffnung des Schlemm­Kanals, der Glaucoma and cataract bei vielen Glaukompatienten zumindest segmental kollabiert ist. Durch die Deh­ Abstract nung des Trabekelmaschenwerks erhöht The coincidence of cataract and glaucoma is  plasty show an even lower intraocular pres- increasing due to population development.  sure (IOP) after combined procedures com- sich die Abflussfazilität, und der Abfluss Trabeculectomy is still the most commonly  pared to canaloplasty alone. Long-term re- über die Kollektorkanäle ist wieder ge­ used procedure in combined glaucoma-cata- sults have to confirm a sustained decrease of  währleistet. Wie auch die Viskokanalos­ ract surgery. However, a two-step approach,  IOP. Surgery of the chamber angle combined  tomie zielt die Kanaloplastik nicht auf die starting with cataract surgery should be pre- with cataract surgery has hardly any compli- Ausbildung eines Sickerkissens, sondern ferred to minimize the risk of secondary fil- cations and preserves the conjunctiva. It also  auf eine interne Drainage des Kammer­ tering bleb scarring. Postoperative fibrin ex- allows medication to be saved and more in- udation and the complication rate are more  vasive surgery to be postponed. wassers. Interessanterweise zeigt die Ka­ pronounced after combined trabeculectomy  naloplastik eine stärkere Drucksenkung compared to combined trabeculotomy and  Keywords in der Kombination mit der Katarakt­ non-penetrating glaucoma surgery. Canalo- Trabeculectomy · Canaloplasty · Cataract   chirurgie (etwa 13–14 mmHg; . Abb. 2) plasty is a new innovative non-penetrating  surgery · Surgery of the chamber angle ·   im Vergleich zur alleinigen Kanaloplastik glaucoma procedure. The results after canalo- Non-penetrating glaucoma surgery (etwa 15–16 mmHg; [20]). Durch geringe­ ren Vorderkammerreiz und den Verzicht auf eine Iridektomie bei einer Kanaloplas­ tik scheint der drucksenkende Effekt der Kataraktchirurgie additiv zu wirken. Al­ lerdings hatte der alleinige Verzicht auf ei­ ne periphere Iridektomie im Rahmen der Trabekulektomie bzw. kombinierten Ope­ ration in einer randomisierten prospekti­ ven Studie keinen Einfluss auf die Erfolgs­ rate [16], sodass dieser Faktor vielleicht nur eine untergeordnete Rolle spielt bzw. einen Teil des additiven drucksenkenden Effekts erklärt. Der Raumgewinn im vor­ deren Augensegment durch die Linsen­ chirurgie könnte gerade bei der Kanalo­ plastik ein besonderer Vorteil sein. Durch die Vertiefung der Vorderkammer ist ei­ ne gesteigerte Wirkung des Fadens im Der Ophthalmologe 5 · 2010  |  405
  4. 4. Leitthema on erreicht, Lokaltherapie eingespart oder tomie ab interno. Eine größere prospek­ eine geringe zusätzliche IOD­Senkung er­ tive Fallserie konnte eine Erfolgsrate von zielt werden. Das drucksenkende Potenzi­ 64% (mindestens 20% IOD­Senkung und al der vorab genannten Verfahren wird al­ Medikamentenreduktion) nach 1 Jahr bei lerdings nicht erreicht. Auch die Studien­ kombiniertem Vorgehen feststellen. Der lage zu vielen additiven Laser­, kammer­ IOD lag durchschnittlich um 15 mmHg winkelchirurgischen und Implantatver­ mit Medikation [7]. fahren ist sehr eingeschränkt. Hier fehlen vielfach Vergleichsstudien oder prospek­ Stentimplantation im  tive Studien. Kammerwinkel Abb. 3 8 Implantation eines iStent® in den   nasalen Anteil des Schlemm-Kanals, nach vor- angegangener Phakoemulsifikation und Hinter- Trabekelaspiration Ähnlich der bereits erwähnten kammer­ kammerlinsenimplantation (gemeinsamer   winkelchirurgischen Methoden zielt auch Zugang für beide Verfahren) Sinnvoll einsetzbar ist die Trabekelaspi­ der iStent® auf ein mit der Kataraktchir­ ration nur bei Patienten mit Pseudoex­ urgie kombinierbares minimal­invasives foliationssyndrom. Der IOD kann durch Verfahren ab. Hier wird ein 1,0×0,5 mm Schlemm­Kanal und damit auf das Trabe­ die Trabekelaspiration im Durchschnitt (Innendurchmesser 0,12 mm) großer Ti­ kelmaschenwerk möglich. Eine zusätzliche nicht so tief wie bei der Trabekulektomie tanstent unter gonioskopischer Kontrol­ Steigerung der Abflussfazilität ist denkbar. gesenkt werden. In einer Vergleichsstu­ le ab interno in den Schlemm­Kanal im­ Bereits die Einjahresergebnisse zeigten ei­ die zwischen Phakotrabekulektomie (PT) plantiert (. Abb. 3). In einer jüngst ver­ nen signifikant niedrigeren Augeninnen­ und Kataraktoperation mit Trabekelaspi­ öffentlichten unkontrollierten prospekti­ druck für die kombiniert operierten Pati­ ration (TA) zeigte sich nach 2 Jahren eine ven Studie konnte nach 12 Monaten ein enten im Vergleich zur alleinigen Kanalo­ Erfolgsrate von 78% PT vs. 64% TA (ma­ drucksenkender Effekt von im Mittel plastik [20]. Die vor kurzem veröffentlich­ ximal ein Medikament, keine Folgeein­ 18,3% und eine deutliche Reduktion der ten Zweijahresergebnisse bestätigen dieses griffe; [13]). Der Effekt der Trabekelaspira­ Medikation erzielt werden [29]. Etwa die Ergebnis (IOD kombinierte Operation: tion lässt entsprechend dem Pathomecha­ Hälfte der Patienten konnte die Medikati­ 13,4±4,0 vs. 16,3±3,7 mmHg für die allei­ nismus im Laufe der Zeit wieder nach. on aussetzen. Wie bereits oben erwähnt, nige Kanaloplastik) und können zusätz­ ist bei vielen Patienten mit primärem Of­ lich auch eine signifikant höhere Erfolgs­ Trabekelablation fenwinkelglaukom der Schlemm­Kanal rate ohne Medikation für die kombinierte segmental kollabiert. Dieser Umstand Operation (85%) im Vergleich zur allei­ Die Excimerlaser­Trabekulotomie erzielt könnte bei diesem Verfahren z. T. der li­ nigen Kanaloplastik (56%) aufzeigen [19]. in der Kombination mit der Kataraktchir­ mitierende Faktor sein, da bei einer Stent­ Die Kanaloplastik stellt somit eine sehr in­ urgie je nach Ausgangs­IOD­Erfolgsraten implantation in diesem Bereich wahr­ teressante Alternative zu den klassischen von 52–91% (IOD ≤21 mmHg und min­ scheinlich kein ausreichender Abfluss zu­ penetrierenden Verfahren dar. Inwieweit destens 20% IOD­Senkung bei reduzierter stande kommt oder auch keine Verbin­ Langzeitverläufe die bisherigen positiven oder gleichbleibender Medikation) nach dung zu einem Kollektorkanal entsteht. Erfahrungen bestätigen, muss abgewar­ 12 Monaten [25]. Es können IOD­Werte Vor diesem Hintergrund ist der Ansatz tet werden. um 16 mmHg erwartet werden. Bei nied­ eines Implantats, das über den supracho­ rigen Ausgangswerten ist die Augenin­ rioidalen Raum drainiert, möglicherweise Kataraktoperation kombiniert nendrucksenkung geringer ausgeprägt. erfolgreicher [10, 15]. mit Kammerwinkelchirurgie Die Medikation muss allerdings in den und Implantaten meisten Fällen ohne wesentlichen Ein­ Fazit für die Praxis spareffekt fortgeführt werden. Der Vor­ Neben der klassischen Filtrationschirur­ teil ist die Schonung der Bindehaut für ei­ Die Phakoemulsifikation in Clear-Cornea- gie und der nichtpenetrierenden Glau­ ne eventuelle nachfolgende fistulierende Technik stellt den Goldstandard für die  komchirurgie existieren noch eine Viel­ Chirurgie und das minimale Komplikati­ Kataraktoperation im Rahmen der kom- zahl von Verfahren, die zur gleichzeitigen onsrisiko. Im Rahmen der Trabekelabla­ binierten Glaukom-Katarakt-Operati- Augeninnendrucksenkung mit der Kata­ tion sollte auch das Trabectome® erwähnt on dar. Für die Glaukomoperation in die- raktchirurgie kombiniert werden können. werden. Es handelt sich hier um ein In­ sem Zusammenhang besteht kein Kon- Im Folgenden soll kurz auf die Trabekel­ strument, das über gonioskopische Kon­ sens. Je nach Wahl des glaukomchirur- aspiration, die Lasertrabekelablation und trolle in den Kammerwinkel geführt wird. gischen Verfahrens durch den Opera- die Stentimplantation im Kammerwin­ An seiner hakenartigen Spitze ist ein Elek­ teur ist ein ein- oder zweizeitiges Vorge- kel eingegangen werden. Je nach erfor­ trokauter angebracht, mit Hilfe dessen die hen zu bevorzugen. Wird die Trabekulek- derlicher IOD­Senkung und Anzahl der innere Wand des Schlemm­Kanals über tomie als Verfahren favorisiert, sollte die  Medikamente kann mit diesen Verfahren 90–120° weggenommen werden kann. Trennung der Eingriffe (vorzugsweise zu- z. T. eine Druckregulation ohne Medikati­ Es handelt sich also um eine Trabekulo­ erst Kataraktchirurgie) erfolgen. Die aus- 406 |  Der Ophthalmologe 5 · 2010
  5. 5. Leitthema geprägtere Entzündungsreaktion (Fibrin-   9.  Gianoli F, Schnyder CC, Bovey E et al (1999) Com- 25.  Pache M, Wilmsmeyer S, Funk J (2006) Laser surge- bined surgery for cataract and glaucoma: phaco- ry for glaucoma: excimer-laser trabeculotomy. Klin  bildung) bei der Kombination von fistu- emulsification and deep sclerectomy compared  Monatsbl Augenheilkd 223:303–307 lierendem Eingriff und Phakoemulsifi- with phacoemulsification and trabeculectomy. J  26.  Rockwood EJ, Larive B, Hahn J (2000) Outcomes of  kation reduziert die Erfolgsrate und die  Cataract Refract Surg 25:340–346 combined cataract extraction, lens implantation,  10.  Guthoff RF, Schmidt W, Buss D et al (2009) Deve- and trabeculectomy surgeries. Am J Ophthalmol  absolute Drucksenkung. Im Gegensatz  lopment of a glaucoma microstent with draina- 130:704–711 zur Trabekulektomie scheint die Linsen- ge into the suprachoroidal space: fluid mechanical  27.  Sharma TK, Arora S, Corridan PG (2007) Phacoe- chirurgie in Kombination mit der Kana- model approach. Ophthalmologe 106:805–812 mulsification in patients with previous trabeculec- 11.  Hattenhauer MG, Johnson DH, Ing HH et al  tomy: role of 5-fluorouracil. Eye (Lond) 21:780–783 loplastik einen additiven drucksenken- (1999) Probability of filtration surgery in pati- 28.  Soro-Martinez MI, Villegas-Perez MP, Sobrado-Cal- den Effekt zu haben. Langzeitergebnisse  ents with open-angle glaucoma. Arch Ophthalmol  vo P et al (2009) Corneal endothelial cell loss after  stehen hier noch aus. Die Kombination  117:1211–1215 trabeculectomy or after phacoemulsification, IOL  12.  Hoffmann E, Schwenn O, Karallus M et al (2002)  implantation and trabeculectomy in 1 or 2 steps.  von Katarakt- und Kammerwinkelchirur- Long-term results of cataract surgery combined  Graefes Arch Clin Exp Ophthalmol gie (z. B. Trabekelaspiration) bietet eine  with trabeculotomy. Graefes Arch Clin Exp Oph- 29.  Spiegel D, Wetzel W, Neuhann T et al (2009) Coe- Möglichkeit, minimal-invasiv eine mode- thalmol 240:2–6 xistent primary open-angle glaucoma and cata- 13.  Jacobi PC, Dietlein TS, Krieglstein GK (1999) Com- ract: interim analysis of a trabecular micro-bypass  rate IOD-Senkung zu erzielen und Medi- parative study of trabecular aspiration vs trabe- stent and concurrent cataract surgery. Eur J Oph- kamente einzusparen. Eine Filteroperati- culectomy in glaucoma triple procedure to tre- thalmol 19:393–399 on lässt sich somit hinauszögern. at pseudoexfoliation glaucoma. Arch Ophthalmol  30.  Tanito M, Ohira A, Chihara E (2001) Surgical out- 117:1311–1318 come of combined trabeculotomy and cataract  14.  Jampel HD, Friedman DS, Lubomski LH et al (2002)  surgery. J Glaucoma 10:302–308 Korrespondenzadresse Effect of technique on intraocular pressure after  31.  Tanito M, Park M, Nishikawa M et al (2002) Compa- PD Dr. T.H. Klink combined cataract and glaucoma surgery: An evi- rison of surgical outcomes of combined viscocana- dence-based review. Ophthalmology 109:2215– lostomy and cataract surgery with combined tra- Universitätsklinikum, Julius-Ma- 2224; quiz 2225, 2231 beculotomy and cataract surgery. Am J Ophthal- ximilians-Universität Würzburg 15.  Jordan JF, Engels BF, Dinslage S et al (2006) A novel  mol 134:513–520 Josef-Schneider-Straße 11,  approach to suprachoroidal drainage for the surgi- 32.  Wishart MS, Shergill T, Porooshani H (2002) Visco- 97080 Würzburg cal treatment of intractable glaucoma. J Glaucoma  canalostomy and phacoviscocanalostomy: long- klink_t@klinik.uni-wuerzburg.de 15:200–205 term results. J Cataract Refract Surg 28:745–751 16.  Kaplan-Messas A, Cohen Y, Blumenthal E et al  (2009) Trabeculectomy and phaco-trabeculectomy  with and without peripheral iridectomy. Eur J Oph- Interessenkonflikt.  Der korrespondierende Autor  thalmol 19:231–234 gibt an, dass kein Interessenkonflikt besteht. 17.  Klink J, Schmitz B, Lieb WE et al (2005) Filtering  bleb function after clear cornea phacoemulsifica- tion: a prospective study. Br J Ophthalmol 89:597– Literatur 601 18.  Kobayashi H, Kobayashi K (2007) Randomized    1.  Arnavielle S, Lafontaine PO, Bidot S et al (2007)  comparison of the intraocular pressure-lowering  Corneal endothelial cell changes after trabeculec- effect of phacoviscocanalostomy and phacotrabe- tomy and deep sclerectomy. J Glaucoma 16:324– culectomy. Ophthalmology 114:909–914 328 19.  Lewis RA, Von Wolff K, Tetz M et al (2009) Canalo-   2.  Borggrefe J, Lieb W, Grehn F (1999) A prospec- plasty: circumferential viscodilation and tensio- tive randomized comparison of two techniques  ning of Schlemm canal using a flexible microca- of combined cataract-glaucoma surgery. Graefes  theter for the treatment of open-angle glaucoma  Arch Clin Exp Ophthalmol 237:887–892 in adults: two-year interim clinical study results. J    3.  Chang L, Thiagarajan M, Moseley M et al. (2006) In- Cataract Refract Surg 35:814–824 traocular pressure outcome in primary 5FU phaco- 20.  Lewis RA, Von Wolff K, Tetz M et al (2007) Canalo- trabeculectomies compared with 5FU trabeculec- plasty: circumferential viscodilation and tensio- tomies. J Glaucoma 15:475–481 ning of Schlemm’s canal using a flexible microca-   4.  Cotran PR, Roh S, Mcgwin G (2008) Randomized  theter for the treatment of open-angle glaucoma  comparison of 1-Site and 2-Site phacotrabecu- in adults: interim clinical study analysis. J Cataract  lectomy with 3-year follow-up. Ophthalmology  Refract Surg 33:1217–1226 115:447–454 e441 21.  Lochhead J, Casson RJ, Salmon JF (2003) Long    5.  El-Sayyad FF, Helal MH, Khalil MM et al (1999) Pha- term effect on intraocular pressure of phacotrabe- cotrabeculectomy versus two-stage operation: a  culectomy compared to trabeculectomy. Br J Oph- matched study. Ophthalmic Surg Lasers 30:260– thalmol 87:850–852 265 22.  Luke C, Dietlein TS, Luke M et al (2007) Phaco-tra-   6.  El Sayyad F, Helal M, El-Maghraby A et al (1999)  beculotomy combined with deep sclerectomy, a  One-site versus 2-site phacotrabeculectomy: a ran- new technique in combined cataract and glauco- domized study. J Cataract Refract Surg 25:77–82 ma surgery: complication profile. Acta Ophthalmol    7.  Francis BA, Minckler D, Dustin L et al (2008) Com- Scand 85:143–148 bined cataract extraction and trabeculotomy by  23.  Murthy SK, Damji KF, Pan Y et al (2006) Trabeculec- the internal approach for coexisting cataract and  tomy and phacotrabeculectomy, with mitomycin- open-angle glaucoma: initial results. J Cataract Re- C, show similar two-year target IOP outcomes. Can  fract Surg 34:1096–1103 J Ophthalmol 41:51–59   8.  Friedman DS, Jampel HD, Lubomski LH et al (2002)  24.  Nassiri N, Sadeghi Yarandi S, Mohammadi B et al  Surgical strategies for coexisting glaucoma and ca- (2008) Combined phacoemulsification and Ahmed  taract: an evidence-based update. Ophthalmology  valve glaucoma drainage implant: a retrospective  109:1902–1913 case series. Eur J Ophthalmol 18:191–198 408 |  Der Ophthalmologe 5 · 2010

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