Financial times-deutschland-rio20

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Financial times-deutschland-rio20

  1. 1. .................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND DONNERSTAG, 21. JUNI 2012 Europa // International 13 RIO PLUS 20 Die Erwartungen an das Uno-Treffen waren von Anfang an Putin strebt für Syrien gering. Rabiat drang Gastgeber Brasilien auf eine Einigung und düpierte dabei die Europäer. Auf der politische Lösung an Megakonferenz gibt es nur Verlierer – und dazu gehört auch die Umwelt Der russische Präsident Wladimir Putin hat vor einem gewaltsamen Machtwechsel in Syrien gewarnt. Die Erfahrung in Nordafrika zei- ge, dass das Blutvergießen auch nach den Umbrüchen weitergehe,Europas Ohnmachtserklärung sagte er am Mittwoch. „Wir den- ken, dass niemand das Recht hat, für andere Völker zu entscheiden, wer an die Macht kommt und wem die Macht genommen wird.“Auf dem Uno-Umweltgipfel peitschen die Brasilianer eine vage Abschlusserklärung durch. Den Europäern bleibt nur Abnicken Ein Regimewechsel sei nur auf Grundlage der syrischen Verfas- sung möglich. Außerdem müsse klar sein, wie es nach einemNikolai Fichtner, Rio de Janeiro möglichen Regierungsende des........................................................................................................................ Präsidenten Baschar al-Assad inKlaus Töpfer ist 73 – zu alt, um sich dem Land weitergehen solle, sag-noch groß aufzuregen. Gerade ist er te er auf einer Pressekonferenz inaus dem Konferenzzentrum gekom- Los Cabos. Syrischen Opposi-men, einer weitläufigen Betonwüste tionskreisen zufolge diskutierenam Rande von Rio. Hier hat er vor 20 die USA und Russland über einenJahren als Umweltminister die konkreten Plan für einen Macht-Agenda 21 mitverhandelt, einen Mei- wechsel. Der Plan, dessen Textlenstein der globalen Umweltpolitik. ein ehemaliger syrischer Diplo-Und soeben, berichtet Töpfer, haben mat am Mittwoch unter Regime-die versammelten Staaten der Welt gegnern verbreitete, sehe diedas damals Vereinbarte noch einmal Gründung eines Militärrats fürwiederholt. „Wir sind nicht hinter Rio eine Übergangszeit vor. Was aus1992 zurückgefallen“, sagt er. Aber Assad und seiner Familie werdenvorangekommen ist man auch nicht, soll, wird nicht erwähnt. US-Prä-das ist die schlechte Nachricht. sident Barack Obama und Putin Was auf der Umweltkonferenz in hatten am Rande des G20-GipfelsRio in diesen Tagen passiert, ist ein über Syrien gesprochen. BeideSpiegel der neuen Weltordnung. Die erklärten, dass sie einen politi-Schwellenländer lassen sich von schen Übergang zu einem „de-Europa nichts mehr diktieren. „Die mokratischen und pluralistischenWelt ist völlig verändert“, sagt Töpfer. System“ unterstützen. DPA„Europa ist zurückgefallen. Und dieanderen begegnen uns mit großem Tote bei SektenangriffSelbstbewusstsein“. Das gilt vor allemfür Brasilien, den Gastgeber. auf Kirchen in Nigeria Und so läuft es in Rio ganz anders, Bei den jüngsten interreligiösenals die Europäer es sich erhofft hatten. Auseinandersetzungen in NigeriaNormalerweise dauern die Verhand- sind nach Angaben von Polizeilungen bei großen Uno-Konferenzen und Rotem Kreuz mindestensmindestens bis zur letzten Minute, in 80 Menschen ums Leben gekom-diesem Fall also bis Freitag. Doch die men. Auslöser waren ÜbergriffeBrasilianer wollen der Welt um jeden der radikalislamischen SektePreis ein Ergebnis präsentieren, und Boko Haram auf Kirchen. In dersei es noch so weich gespült. Am nordöstlichen Stadt DamaturuMontagabend setzt Außenminister lieferten sich am Dienstag Kämp-Antonio Patriota seinen Gästen die fer der Boko Haram Schusswech-Pistole auf die Brust. Er legt einen sel mit Sicherheitskräften, wie Reuters/Nacho DoceText vor, der so gut wie alle strittigen die Polizei mitteilte. Dabei seienPunkte ausspart – und verlangt die so- 34 Aufständische und sechs Poli-fortige Zustimmung. Die Europäer, zisten getötet worden. Auch inBundesumweltminister Peter Altmai- der Stadt Kaduna sei es wiederer, die Dänen, Franzosen und Italiener, Bundesumweltminister Peter Altmaier erklärt den Journalisten das magere Gipfelergebnis von Rio: „Je länger der Abend, desto langweiliger wurde es“ zu Gewalt zwischen Christen undverlangen weitere Verhandlungen. Muslimen gekommen. Dabei sei-Stundenlang warten sie auf ein neues erschüttert, dass die Europäer sich Industrieländer – und seien sie auch en mindestens 40 Menschen ge-Angebot von Patriota. „Je länger der nicht gewehrt haben“, sagt Kaiser. noch so mächtig. Beschlüsse von Rio tötet und 62 verletzt worden, soAbend, desto langweiliger wurde es“, Dahinter steckt auch der Frust über Für Greenpeace-Mann Kaiser ist das Rote Kreuz. Boko Haram haterzählt Altmaier. Nachts um halb drei die neuen Mächtigen, über Brasilien, der Grund für das magere Gipfel- Green Economy Das Leitbild einer Klima Zwar teilen alle Staaten die angekündigt, seine Anschläge aufvertagt man sich auf den Morgen. China und die anderen. Das neue Ab- ergebnis das Konsensprinzip. „Fort- nachhaltigen Green Economy ist im Sorge, dass die bislang zugesagten Kli- Christen fortzusetzen. Die Sekte Als am Dienstag früh um acht ein kommen für Schutzgebiete im Ozean? schrittliche Länder müssten voran- Rio-Text verankert – in windelweicher maschutzmaßnahmen nicht ausreichen, hat Verbindungen zu anderen is-nur leicht überarbeiteter Text vor- An Venezuela gescheitert. Die neue schreiten“, sagt er. Für Altmaier ist es Form. Jeder Staat soll darüber nachden- um die Erderwärmung auf zwei Grad zu lamistischen Gruppen in der Re-liegt, steht Europa vor der Wahl: Soll Uno-Umweltorganisation? Wollte die mangelhafte Vorbereitung. „Natür- ken, heißt es sinngemäß. Das Konzept begrenzen. Doch stärkere Verpflichtun- gion, darunter al-Kaida. REUTERSes den weltweiten Konsens riskieren, Brasilien nicht. Neue Bewegung in den lich war das Papier unterambitioniert“, sei eines von vielen möglichen Instru- gen für die Schwellenländer, die dennur um womöglich kleine Verbesse- festgefahrenen Klimaverhandlungen? sagt er. „Aber die Fehler wurden vor menten für nachhaltige Entwicklung. Verhandlungen neuen Schwung geben Luxemburger könnenrungen zu erzwingen? Die EU-Minis- Mit den Schwellenländern nicht zu Monaten gemacht.“ Als die Europäer Unter den Entwicklungsländern ist das würden, lehnen sie weiter ab.ter entscheiden sich für’s Einlenken. machen. Die aufstrebenden Staaten sich auf Verhandlungen einließen, die Misstrauen groß. Sie fürchten, der sich am meisten leistenUnd als das Plenum gegen Mittag sind mächtig wie nie, doch Verantwor- überhaupt kein richtiges Ziel hatten. Norden könnte die Green Economy Nachhaltigkeitsziele Alle konkre- Die Luxemburger bleiben diewieder zusammentritt, teilt Patriota tung übernehmen für Klimaschutz und Für Rio-Veteran Töpfer wiederum dazu nutzen, sie mit Umweltstandards ten Zahlen und Zieldaten sind aus dem reichsten Europäer. Sie sind imnur kurz mit, dass es eine Einigung Entwicklungshilfe wollen sie nicht. ist es die schwindende Macht des kri- zu bevormunden oder Handelsschran- Entwurf der Rio-Erklärung verschwun- Schnitt mehr als zweieinhalbmalgebe. Bevor sich jemand melden kann, Von ihrer Basis werden sie dafür selnden Europas. Er spüre „weniger ken für ihre Produkte zu errichten. den. Übrig blieb nur die Absicht, bis so vermögend wie der europä-haut er mit dem Hammer auf den gefeiert. Ein paar Meter von Kaiser Rücksichtnahme“ der Entwicklungs- 2014 in einer Uno-Arbeitsgruppe neue ische Durchschnittsbürger – dasTisch. „Es ist so entschieden.“ entfernt gibt eine Entwicklungslän- länder, sagt er. Damals, 1992, kurz Meeresschutz Der Schutz der Meere Ziele zu entwickeln. heißt, sie können sich für ihr Wenig später sitzt Martin Kaiser in deraktivistin eine Pressekonferenz. nach dem Fall des Eisernen Vorhangs, jenseits nationaler Grenzen ist völker- Geld deutlich mehr leisten. Daseiner Ecke des Konferenzzentrums Sie lobt den Kompromiss über- hatten die armen Länder sich noch rechtlich immer noch nicht geregelt. Waldschutz Der konkreteste Beitrag hat die europäische Statistikbe-und kann es immer noch nicht fassen. schwänglich. „Wir haben zwar nichts leichter beeindrucken lassen. „Dies Anders als von Umweltaktivisten zum Schutz der Wälder war das neue hörde Eurostat in Luxemburg in„Jetzt ist der Gipfel gescheitert, bevor gewonnen“, sagt sie. „Aber wir haben hier ist die erste globale Konferenz, erhofft gibt es auch in Rio keinen Papersmart-Konzept der Uno-Konfe- einer am Mittwoch veröffentlich-er überhaupt angefangen hat.“ Kaiser ein wichtiges Prinzip verteidigt.“ die die wirklichen neuen Einfluss- Beschluss zur Ausweisung von Schutz- renz. Statt wie früher den viele Dutzend ten Untersuchung der Kaufkraftarbeitet für Greenpeace, er ist Experte Nämlich das Prinzip, dass Entwick- kräfte widerspiegelt.“ gebieten. Vereinbart wurde nur, das Seiten langen Abschlusstext zu kopie- im Jahr 2011 errechnet. Immer-für Gipfellobbying. Doch diesmal kam lungs- und Schwellenländer nicht die Thema demnächst auf die internatio- ren und zu verteilen, ist er jetzt für die hin noch knapp 30 Prozent überer überhaupt nicht zum Zug. „Ich bin gleiche Verantwortung tragen wie Kommentar: Seite 24 nale Agenda zu heben. Teilnehmer nur noch online erhältlich. dem Durchschnitt der 27 EU-Län- der liegen die Niederlande und Österreich, Deutschland kommt auf 20 Prozent. ZurücksteckenDie nicht ganz so grüne Wirtschaft müssen vor allem Bulgaren und Rumänen: Ihre Kaufkraft ist nur halb so hoch wie der Durch- schnitt. Für ihren jährlichenMit ihrem Protest gegen den Megastaudamm Belo Monte stehlen brasilianische Ureinwohner ihrer Regierung die Schau beim Umweltgipfel Kaufkraftbericht vergleichen die EU-Statistiker den sogenannten Kaufkraftstandard (KKS). Dabei kommt – im Durchschnitt – auf 16 Prozent. Doch Schon einmal brachte internationaler Protest werden die Unterschiede zwi-Taylor Barnes, Rio de Janeiro gerade wegen des massiven Einsatzes von Wasser- das Projekt zu Fall, das vor 30 Jahren von der dama- schen den nationalen Preis-................................................................................................................................................................... kraft steht Brasilien nun am Pranger der Umwelt- ligen Militärregierung ersonnen wurde. Popstar niveaus herausgerechnet. DPAMehr als 3000 Kilometer liegen zwischen Rio de schützer. Sting sang dagegen an, und ein Foto, auf dem eineJaneiro und dem Bundesstaat Pará, wo 8000 Bauar- Nach Schätzungen von Nichtregierungsorgani- Indio-Frau den Chef des staatlichen Energiekon- 27 Millionen Menschenbeiter gerade den drittgrößten Staudamm der Welt sationen müssen allein für Belo Monte mehr als zerns mit einer Machete bedroht, ging um die Welt.mitten ins Amazonasgebiet bauen. Dabei bewegen 20 000 Ureinwohner umgesiedelt werden. Die indi- Doch nach dem großen Stromausfall im November leben in Sklavereisie mehr Erde als beim Bau des Panamakanals. Für genen Bewohner fürchten zudem um ihre Lebens- 2009, der in 18 Bundesstaaten die Lichter ausgehen Bis zu 27 Millionen MenschenBrasiliens Regierung ist der Belo Monte ein Presti- grundlagen, die Landwirtschaft und den Fischfang. ließ, zog der damalige Präsident Luiz Inácio Lula da leben nach einem Bericht desgeprojekt, für seine Gegner eine offene Wunde. Des- Auch Energieexperten sind skeptisch. Die linke Re- Volle Power Silva die Pläne wieder aus der Schublade. US-Außenministeriums weltweithalb marschieren seit Tagen federgeschmückte In- gierung hänge Entwicklungsstrategien aus dem Stromverbrauch in Brasilien in Mrd. kWh Auch Nachfolgerin Dilma Rousseff pocht darauf, in Verhältnissen, die der Sklave-dios mit Kriegsbemalung durch die Innenstadt von vorherigen Jahrhundert an, beklagt Gilberto Jan- dass das Land mehr Strom für Wachstum brauche. rei ähneln. „Das Verbot der Skla-Rio. In Twitter-Accounts begleiten sie ihre Kampa- nuzzi vom Energieinstitut der Ingenieurwissen- Bis 2030 sollen 84 neue Staudämme gebaut werden, verei in den USA und anderengne medial und stehlen der Regierung die Schau. schaftler an der Universität von São Paulo. „Statt die 450 die so viel Strom erzeugen wie 30 Atomkraftwerke. Staaten der Welt war leider nicht Eigentlich wollte Gastgeber Brasilien den Uno- Energieeffizienz zu steigern, setzt die Regierung auf Kritiker bemängeln, dass die Wachstumsstrategie das Ende der Sklaverei“, sagteUmweltgipfel Rio plus 20 nutzen, um sich der Welt Großprojekte.“ auf die Ausbeutung der Rohstoffe setze. Doch bis- US-Außenministerin Hillary Clin- 400als Vorreiter der grünen Wirtschaft zu präsentieren. Die Menschenrechtskommission der Organisa- lang hat die Regierung – dank der beachtlichen Er- ton am Dienstag bei der Vorstel-In dem aufstrebenden Schwellenland, so die Bot- tion Amerikanischer Staaten verfügte zwischenzeit- folge bei der Armutsbekämpfung – die Mehrheit der lung des Berichts zum weltwei-schaft, stünden Wachstum und Umweltschutz im lich sogar einen Baustopp, doch Brasiliens Regie- 350 Bevölkerung auf ihrer Seite. Die Umweltschützer ten Menschenschmuggel. DieEinklang. Immerhin hält Brasilien den Weltrekord rung wies die Einmischung brüsk zurück. Der Ärger haben in Brasilien nur eine kleine, wenn auch wach- Opfer würden unter anderem zubei der Nutzung erneuerbarer Energien. 46,8 Pro- war so groß, dass sich Brasilia beim letzten OAS- sende Lobby. Ausgerechnet ein anderes Prestige- schwerer körperlicher Arbeit,zent des Energieangebots stammen aus Wasser-, Treffen an der Seite des US-feindlichen Venezuela 300 FTD/mm; Quelle: IEA, EPE projekt der Regierung – der Uno-Umweltgipfel – zum Betteln, Zwangsheirat oderWindkraft und Biomasse. Der Rest der Welt für eine Schwächung der Kommission einsetzte. 2000 2011 gibt ihnen nun Rückenwind. Prostitution gezwungen. DPA

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