Successfully reported this slideshow.
We use your LinkedIn profile and activity data to personalize ads and to show you more relevant ads. You can change your ad preferences anytime.

Energiewende in Deutschland: Industriepolitik neu denken - Einführung

5,547 views

Published on

Vortrag am 29. August 2011, Restaurant im Leineschloss Hannover

  • Be the first to comment

Energiewende in Deutschland: Industriepolitik neu denken - Einführung

  1. 1. Einführung Ernst Ulrich von Weizsäcker Ko-Präsident
  2. 2. Fukushima, Auslöser der erneuten Energiewende Der Tsunami löst die Katastrophe aus. ( NTV Japan) Die radioaktive Wolke nach 7 Tagen (Blog alexanderhiggins.com)
  3. 3. Aber die Klimasituation lässt eingentlich keine Rückkehr zur Kohle zu!
  4. 4. Klimadesaster 2010 Pakistan: Flutkatastrophe Brände rund um Moskau Ein Eisberg von 260 qkm bricht von Grönland ab
  5. 5. . Zur Zeit destabilisieren wir das Grönlandeis. (rot : Süßwasserbedeckung im Sommer 1992 und 2002 )
  6. 6. Die Flut kann plötzlich kommen! (nach Michael Tooley. Global sea-levels: floodwaters mark sudden rise. Nature 342 (6245), p 20 - 21 1989)
  7. 7. Die Wachstumszonen in Asien liegen fast alle direkt am Meer!
  8. 8. Auch große Teile von Niedersachsen sind gefährdet! http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/d/d2/Nordsee_plus_1m.png
  9. 9. <ul><li>80-90% weniger CO 2 -Ausstöße, und das ohne Kernenergie. Wie soll das gehen? </li></ul><ul><li>Weniger CO 2 in der Energie </li></ul><ul><li>Weniger Energie im Wohlstand </li></ul><ul><li>Weniger Wohlstand </li></ul>
  10. 10. <ul><li>Die konventionelle Aufteilung heißt: </li></ul><ul><li>80%: Weniger CO 2 in der Energie </li></ul><ul><li>10%: Weniger Energie im Wohlstand </li></ul><ul><li>10% : Weniger Wohlstand </li></ul><ul><li>100% </li></ul>
  11. 11. Diese konventionelle Antwort impliziert jede Menge Streit. Und genau das ist es, was wir heute haben. Konsens besteht weitgehend über den Ausbau der Windenergie.
  12. 12. Copyright © 2009 - OFFSHORE-JOB.net … speziell See-Wind
  13. 13.     Rot: vorhanden, grün: im Bau, gestrichelt: geplant Hochspannungs-Gleichstrom (HGÜ, engl. HVDC): alte Technik modernisiert für verlustarme Kraftübertragung. Für See-Wind besonders wichtig.
  14. 14. Intelligente Netze können Angebot und Nachfrage optimieren
  15. 15. Ein nächster Schritt könnte DESERTEC sein: Europa mit Afrika und Solarstrom mit Wind, Wasserkraft, Biomasse und Geothermie verbinden. Natürlich mit HGÜ
  16. 16. <ul><li>Trotzdem: Ich denke eher an diese Aufteilung: </li></ul><ul><li>30%: Weniger CO 2 in der Energie (EE) </li></ul><ul><li>65%: Weniger Energie im Wohlstand </li></ul><ul><li>5%: Weniger Wohlstand </li></ul><ul><li>100% </li></ul>
  17. 17. <ul><li>Zwei Drittel der Miete durch Effizienz??? Wie soll das gehen? </li></ul><ul><li>Hierzu eine Rechnung aus einem gymnasialen Leistungskurs Physik. </li></ul>
  18. 18. Stellen Sie sich einen 10 kg schweren Wasser-eimer vor Wieviele Kilowatt-stunden braucht man, um ihn von Meeres-höhe auf den Gipfel des Mount Everest zu heben?
  19. 19. Die Antwort heißt: Eine Viertel Kilowattstunde! (Eine Wattsekunde ist ein Newtonmeter; ¼ Kwh ist 900.000 Wattsekunden) 1 kwh        
  20. 20. Effizienztechnologie + Erneuerbare Energien können zu einer faszinierenden technologischen Revolution, zu einem neuen Kondratieffzyklus führen!! Eine Innovationslawine wird verlangt!
  21. 21. Fünf große Zyklen gab es. Alle bedeuteten: Mehr Naturverbrauch. Der nächste Zyklus muss “grün” sein. Mechanisierung Stahl & Eisenbahn Elektrizität, Chemie, Auto TV, Flugzeug, Computer Biotech. IT Resourcen- produktivität, Erneuerbare Energien
  22. 22. Effizienz ehrgeizig formuliert: das ist der Kern von Faktor Fünf Dezember 2009 März 2010 Oktober 2010
  23. 23. Nun ein Schnelldurchgang
  24. 24. Amory Lovins‘ Hyperauto ist gut 5 mal effizienter als der Schnitt Hypercar 1,2 l/100km Today‘s cars 6-10 l/100km Energy efficiency
  25. 25. Passivhäuser zehnmal so energieeffizient wie Standardhäuser
  26. 26. Neu: Altbausanierung nach Passivhausstandard Oben: Photos Unten: Thermogramme
  27. 27. Energieeffizienz Statt Portland Zement Geopolymerzement z.B. mit Flugasche aus Kraftwerken (vor allem in China!)
  28. 28. Energieeffizienz Aluminium aus Schrott statt aus Bauxit
  29. 29. Energieeffizienz LED statt Glühbirnen: ein Faktor 10 an Effizienz. Philips 7W Master LED
  30. 30. Mehr jahreszeitlich, lokal, ökologisch, etwas weniger Fleisch …
  31. 31. Stadt- und Verkehrsstruktur Energie- und Flächeneffizienz USA Kopenhagen (oben) Freiburg , Vauban (unten)
  32. 32. Auch Mineralien: Vom großen Baggern zum City-Mining
  33. 33. Bei den Hochtechnologie-Metallen wie Gallium, Indium, Neodym usw liegt die Recyclingrate unter 1%!! Ein Faktor 5 sollte erreichbar sein! Quelle: Thomas Graedel u.a., 2011 >50% >25-50% >10-25% 1-10% <1% ???
  34. 34. <ul><li>Soviel zur Vision. Nun zur politischen Umsetzung: </li></ul><ul><li>Umdenken bei der „Produktivität“; </li></ul><ul><li>Marktkorrektur: Energie verteuern; </li></ul><ul><li>Härten vermeiden; </li></ul><ul><li>Allianz der Gewinner schmieden. </li></ul>
  35. 35. Umdenken bei der Produktivität. Und lernen aus der Erfolgsgeschichte der letzten 150 Jahre <ul><li>Seit 1850 hat sich die Arbeitspro-duktivität verzwanzigfacht </li></ul><ul><li>Jetzt sollte sich die Ressourcen-produktivität verzehnfachen </li></ul>
  36. 36. Die Arbeitsproduktivität stieg mit den Löhnen (oder umgekehrt)
  37. 37. Und was war mit den Rohstoff-Marktpreisen? 2000-2005
  38. 38. Da die Märkte meist das falsche Signal senden, müssen wir politisch dafür sorgen, dass die Preise einigermaßen die ökologische Wahrheit sagen. Energie muss ihren Preis haben! Damit das wirtschaft- und sozialverträglich geschieht, der Vorschlag, Energiepreise jährlich in dem Umfang anzuheben, wie im Vorjahr die Effizienz gestiegen ist.
  39. 39. Für die Sozialverträglichkeit müsste ein Niedrigpreissockel vereinbart werden. Für die Industrieverträglichkeit kann man dort Aufkommensneutralität akzeptieren. Wer dann noch jammert, jammert über einen Strukturwandel, welcher unter reinen Markt-bedingungen viel brutaler ausfallen würde!
  40. 40. Der Staat darf auch preisdämpfend eingreifen, wenn die Märkte spekulative Spitzen produzieren. Die Idee ist ja nicht, Leute oder Wirtschaft zu quälen, sondern ideale Bedingungen für langfristige Infrastruktur- und Technologieinvestitionen zu schaffen .
  41. 41. Wo wären die Gewinner und wo die Verlierer? Gewinner :IT-Branche; generell high tech Industrie; Handwerk; Wissenschaft; Ökobranche; Schienenverkehr; Wartung und Recycling; Bildung; Berater; Kultur. Sicher auch Volksbanken/Raiffeisenkassen! Verlierer : Lastwagen-Logistik, Flugzeuge; Grundstoff-Industrie; Grundstücke fern vom ÖPNV.
  42. 42. … und geographisch: Gewinner : Europa, Ostasien, die rohstoffarmen Entwicklungsländer Verlierer : USA, Kanada, Australien, Russland, und rohstoffexportierende Entwicklungsländer (dort vor allem die reichen Eliten).
  43. 43. Rot sind die Länder, die pro Kopf am meisten CO 2 ausstoßen.
  44. 44. Hohe Energiepreise brauchen der Wirtschaft nicht zu schaden, solange das Geld im Lande bleibt. Japan hatte 1975 – 1990 mit Abstand die höchsten Energiepreise! OECD data. Picture: Wuppertal Institute
  45. 45. <ul><li>Am Horizont sehe ich eine weltweite </li></ul><ul><li>Allianz zwischen Europa und Asien </li></ul><ul><li>(ohne auf die angelsächsischen Länder zu warten). </li></ul><ul><li>Die Themen: </li></ul><ul><li>ökologische Energiepolitik, - seit Fuku- shima auch Ausstieg aus Kernenergie </li></ul><ul><li>ernsthaftes Recycling; </li></ul><ul><li>ökologische Preispolitik. </li></ul>
  46. 46. Ich erwarte, dass ein Land, welches mit dem Energiepreispfad voran geht, erhebliche Wettbewerbsvorteile hat, auf dem weltweit unvermeidlichen Pfad der klimaverträglichen Modernisierung.
  47. 47. Vielen Dank!

×