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Lehrerfortbildung im digitalen_wandel_ borde_spahn

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Artikel zum Qualifizierungskonzept am Gym. Lerchenfeld in Hamburg, erschienen in PÄDAGOGIK 4/2019
Sarah Borde, Thomas Spahn

Die Nutzung digitaler Ressourcen im Unterricht kann nur gelingen, wenn die
Lehrkräfte diese lernförderlich einsetzen. Dies setzt die Weiterentwicklung der
eigenen Kompetenzen voraus, und dies gelingt nur mit Weiterbildung. Wie kann
ein schulinternes Qualifizierungskonzept aussehen? Welche Elemente haben
sich bewährt? Wie lassen sich die im Kollegium vorhandenen Ressourcen optimal
nutzen?

Published in: Education
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Lehrerfortbildung im digitalen_wandel_ borde_spahn

  1. 1. Lehrerfortbildung im digitalen Wandel Ein schulinternes Qualifizierungskonzept Die Nutzung digitaler Ressourcen im Unterricht kann nur gelingen, wenn die Lehrkräfte diese lernförderlich einsetzen. Dies setzt die Weiterentwicklung der eigenen Kompetenzen voraus, und dies gelingt nur mit Weiterbildung. Wie kann ein schulinternes Qualifizierungskonzept aussehen? Welche Elemente haben sich bewährt? Wie lassen sich die im Kollegium vorhandenen Ressourcen optimal nutzen? Sarah Borde und Thomas Spahn och wenige Tage bis zu den Weihnachtsferien. Die Sonne ist in Hamburg gerade unter- gegangen. Statt sich den vielzähli- gen Korrekturen zu widmen, finden sich 16 Kolleginnen und Kollegen am Hamburger Gymnasium Lerchen- feld nach dem Unterricht zu einer Fortbildung ein. Heute stehen web- basierte Anwendungen und deren didaktische Potenziale für den Fach- Unterricht auf der Agenda. Es ist die zweite Sitzung im Rahmen der Jah- resqualifizierung Unterricht mit digi- talen Medien, fünf weitere folgen bis zu den Sommerferien. Darunter ist ein Samstag. Wir legen einfach los, auch ohne WLAN und mit einer eher durchschnittlichen technischen Ausstattung. Was motiviert die Lehrkräfte, an der 30-stündigen Fortbildung teilzu- nehmen? Wie fügt sich dieses Vor- haben in die Anstrengungen der Schule ein, sich für die Herausfor- derungen des digitalen Wandels auf- zustellen? Welche weiteren Quali- fizierungsangebote gibt es dazu an der Schule? Dieser Beitrag stellt die digitale Schulentwicklung vor - an einem Gymnasium mit rund 900 Schülerinnen und Schülern sowie 70 Lehrkräften. Das Gymnasium Ler- chenfeld hat als einzige Hamburger Schule 2016 am Forum Bildung Digi- talisierung teilgenommen. Ein verbindliches Medien- curriculum als Ausgangspunkt Die Schulgemeinschaft hat sich im Leitbild der Schule 2014 auf das Ler- nen im digitalen Wandel als einen der Schulentwicklungsschwerpuakte verständigt. Damit wurde an das seit vielen Jahren bestehende spezielle Angebot eines eigenen Unterrichts- fachs Audiovisuelle Medien (AvM) im Wahlpflichtbereich der Sekundarstu- fe I angeknüpft und dieses inhaltlich ausgeweitet. Zum einen schien es da- bei sinnvoll, die kreativen und ana- lytischen Zugänge mit dem Schwer- punkt Film im Fach AvM um digitale Medien insgesamt und insbesondere das World Wide Web zu erweitern. Zum anderen sollten digitale Medi- en auch zur Unterstützung des Ler- nens und Lehrens im Fachunterricht einpesetzt werden. Dazu wurden zusätzlich zu der herausgehobenen Aufgabe (A14) einer Fachleitung AvM sukzessive weitere Stellen im Arbeitsbereich Medien geschaffen. Ein Beauftragter für Mediendidaktik und ein Netzwerkbeauftragter konn- ten ihre Arbeit an der stark wachsen- den Schule aufnehmen. »Internet und Digitalisierung verändern die Art und Weise, wie wir zusammen leben, arbeiten und lernen. Wo es sinnvoll ist, greifen wir daher neben Papier, Stift und Kreide auch zu Laptop und ande- ren digitalen Geräten.« (Leitbild Gymnasium Lerchenfeld 2014) Die digitale Schulentwicklung am Gymnasium Lerchenfeld fußt seit- dem auf drei Säulen: l. einem verbindlichen Mediencurriculum, 2. der systematischen Qualifizie- rung der Lehrkräfte und 3. einer funktionalen IT-Ausstattung. Eine Kernfrage, die sich Schulen in komplexen Schulentwicklungspro- jekten stellen, ist die des Beginns: Wo soll zuerst angesetzt werden? MUSS zunächst ein drahtloses LAN in allen Klassenräumen installiert sein, bevor sich Fachschaften mit digitalen Medien beschäftigen? Unsere Ant- wort lautete: Wir legen einfach los, auch ohne WLAN und mit einer eher durchschnittlichen technischen Aus- stattung. Ein zum Schuljahr 2015/16 ver- bindlich geltendes Mediencurricu- lum bildete die Grundlage der weite- ren Prozesse einer digitalen Schulent- Meine Motivation, an der Jahresqualifizierung teilzunehmen... '(- 0 E a> 2 ". B 0 vic-iralt för'dom „•^ '•'• amballbleiben „eueideen übe; untcmcht reden hürden absenken auch für private zwecke tools schüleraktivierung ^ besserer i.!nteiTich-L Unterricht entwickeln ) in p ei e n z e i'¥y;Q ^ r ;^ ir t.:'; r c:, alltag besser gestalten materialien erstellen l<o m petei'i^ ;•"')•''.'r i'•"Is.tnci mutioer weräen unausweici digitale Zusammenarbeit inspiration besser differenzieren _c uni.eri'ic;~iI^c;L-GU anregungen wicklung. In zunächst knapp zehn, inzwischen 22 Modulen in zwölf Un- terrichtsfächern verschränkt sich das Lernen mit digitalen Medien und über digitale Medien mit dem Erwerb fachspezifischer Kompetenzen. In der Summe entspricht dies einer integrier- ten Medienbildung im Umfang von rund 120 Unterrichtsstunden in der Sekundarstufe I. Schülerinnen und Schüler lernen, wie sie digitale Medi- en zur Festigung ihres Wortschatzes in der Fremdsprache nutzen können, nutzen Wikipedia als wirkmächti- gen Träger der Geschichtskultur oder setzen im Mathematikunterricht Ta- bellenprogramme zum Planen ihrer nächsten Party ein. Dieser fächerin- tegrative Ansatz entspricht der Stra- tegie »Bildung in der digitalen Welt« der Kultusministerkonferenz (2016). Auch die Inhalte des Hamburger Me- dienpasses, wie z. B. der kompetente Umgang mit Smartphones oder An- ti-Cybermobbing (siehe auch den Bei- trag von Farkas in diesem Heft), sind in das Mediencurriculum integriert. Medienscouts aus der Mittelstufe bie- ten zudem selbst erstellte Unterrichts- Sequenzen für jüngere Schülerinnen und Schüler an. Die Module des Mediencurriculums sind betont niedrigschwellig konzi- piert. Denn der Einsatz der Module im Fachunterricht ist für alle Kolle- ginnen und Kollegen verbindlich, un- abhängig von ihren Vorerfahrungen beim Einsatz digitaler Medien im Un- Kostengünstige Beamerwagenlösung Marke Eigenbau terricht oder ihren Haltungen dazu. Daher umfasst jedes Modul umfang- reich ausgearbeitete Materialien mit möglicher Verlaufsplanung und fertig einsetzbaren Arbeitsblättern, die als offene Bildungsmaterialien (OER) bei Bedarf für die jeweilige Lerngruppe angepasst werden können. Niedrig- schwellig sind die Module auch auf der Ebene der notwendigen IT-Aus- stattung. So genügt für viele Module eine digitale Projektionsfläche mit In- ternetzugang; für keines der Module ist eine Eins-zu-eins-Ausstattung mit digitalen Endgeräten nötig. Dennoch ist klar: Auch ein als »Rundum-sorg- los-Paket« konzipiertes Mediencurri- culum kann mittelfristig nur erfolg- reich sein, wenn diese Maßnahme neben Qualifizierungsangeboten für Lehrkräfte auch durch einen Ausbau der IT-Infrastruktur üankiert wird. Da wir schnell vorankommen wol- ten, galt es, kreative, kostengünsti- ge Lösungen zu finden. In die Jah- re gekommene und in Anschaffung wie Wartung ressourcenintensive in- teraktive Whiteboards wurden durch selbst konstruierte Beamerwagen er- setzt, um in jedem Unterrichtsraum eine digitale Projektionsfläche vorhal- ten zu können. Eine Infrastruktur für drahtloses LAN in allen Räumen der Schule wurde aufgebaut. IServ wur- de als Plattformlösung eingeführt. Frei gewordene Ressourcen konnten genutzt werden, um Tablets für die Schule zu erwerben. Diese stehen in- 26 PÄDAGOGIK 4/19 PÄDAGOGIK 4/19 2/
  2. 2. zwischen allen Lehrkräften zur Vor- bereitung und Durchführung ihres Unterrichts zur Verfügung. Lehrkräftequalifizierung von S bis XL Um dem Bildungsauftrag im digi- talen Wandel verantwortungsvoll nachzukommen, müssen Lehrkräfte nicht nur Experten für ihr Fach sein, sondern »in ihren fachlichen Zustän- digkeiten zugleich >Medienexperten< werden« (KMK 2016, S. 19). Für die- se Entwicklung benötigen sie vor allem Zeit und Unterstützung durch nachhaltige Fortbildungsangebote. Daher gibt es bei uns eigene Fort- bildungsformate, die aus der Praxis entwickelt wurden: • die digitale Mittagspause als 30- bis 45-minütige Mikrofortbildung (S). • eine eineinhalb- bis dreistündige Grundlagenfortbildung (M), * pädagogische Jahrestage (L) sowie • die Jahresqualifizierung als ganz- jährige Fortbildungsreihe (XL). Die schulinternen Fortbildungsan- geböte bieten den Kolleginnen und Kollegen nicht nur die Möglichkeit, einen Teil der 30 jährlichen Fortbil- dungsstunden, zu denen sie in Ham- bürg verpflichtet sind, direkt an der Schule abzuleisten. Sie haben auch das besondere Potenzial, systemisch zu wirken und so die Unterrichtsent- wicklung nachhaltig voranzutreiben. Individuelle Bedürfnisse der Kolle- ginnen und Kollegen können ebenso berücksichtigt werden wie die Ent- wicklungsinteressen der Schule. Digitale Mittagspause Die digitale Mittagspause ist eine etwa 45-minütige Mikrofortbildung von Kolleginnen und Kollegen für Kolleginnen und Kollegen. Das nied- rigschwellige Portbildungsangebot gibt es seit März 2017 am Gymnasi- um Lerchenfeld. In kleiner Runde werden Ideen und Erfahrungen für den Einsatz digitaler Medien vorge- stellt. Neben dem kurzen Input steht das Ausprobieren im Mittelpunkt. Anders als umfangreiche Fortbil- dungsangebote, die eine langfristige Planung erfordern, bietet die digi- tale Mittagspause die Möglichkeit, schnell auf die Bedürfnisse der Kol- leginnen und Kollegen einzugehen. Veränderungen in der technischen Ausstattung der Schule können ebenfalls berücksichtigt werden. Be- sonders nachgefragt waren beispiels- weise Mikrofortbildungen zu Tipps im Umgang mit dem Schulserver IServ oder dem Beamerwagen. Auch thematisch freie Mikrofortbildungen in Form einer Sprechstunde haben sich bewährt, um im Alltag wichtige praktische Fragen der Mediennut- zung zu klären. In der digitalen Mittags- pause steht das Auspro- bieren im Mittelpunkt. Die Teilnahme ist grundsätzlich frei- willig. Finden sich mindestens drei Teilnehmende für ein Thema, wird gemeinsam ein Termin für die Mi- krofortbildung vereinbart. Entspre- chen die Angebote nicht den Be- dürfnissen des Kollegiums, finden sie gar nicht erst statt. Fortbildungs- wünsche können jederzeit auf einem Aushang notiert werden. Aus ihnen ergeben sich neue Angebote. Die Re- sonanz der Teilnehmenden war bis- her durchweg positiv. Die Termin- findung und die Integration in den Arbeitsalltag bleiben jedoch eine He- rausforderung. Pädagogischer Jahrestag Ziel des pädagogischen Jahrestages 2017 war es, nicht nur einzelne In- teressierte, sondern das gesamte Kollegium mitzunehmen, denn im digitalen Wandel ändern sich die Anforderungen an alle Lehrkräf- te. Anders als bei den Mikro- oder Grundlagenfortbildungen war die Teilnahme am Fortbildungstag daher verbindlich. In insgesamt 16 auf die Ausstattung der Schule abgestimm- ten Workshops konnten die Kolle- ginnen und Kollegen Beispiele für das Lernen mit digitalen Medien und über digitale Medien kennenlernen und diskutieren. Vorgestellt wurden auch Möglichkeiten, digitale Medien für die eigene Arbeitsorganisation zu nutzen. Das Themenangebot reichte von Blogs im Fachunterricht über Maßnahmen gegen Cybermobbing bis zum kollaborativen Arbeiten mit- hilfe webbasierter Anwendungen. Ergänzt wurde das Angebot durch einen ganztägig stattfindenden In- fo-Shop, der die Möglichkeit bot, in- dividuelle Fragen oder Probleme zu besprechen. Alternativ zu Workshop und Info-Shop konnte auch das Cafe Mikrofortbildungen Fortbildungsformate am Gymnasium Lerchenfeld Digitale Mittagspause • Mikrofortbildung • 30 bis 45 Minuten • Input und Ausprobieren • interne Expertise • Teilnahme freiwillig s Grundlagenfortbildungen • 1,5 bis 3 Stunden • Inputund Hands-on • interne Expertise • Teilnahme freiwillig M Pädagogische Jahrestage • ganztägig • breites Angebot • Theorie und Praxis • interne und externe Expertise • Teilnahme verbindlich L Jahresqualifizierung • ganzjährig • modularisiert • im Jahresplan verankert • interne und externe Expertise • Teilnahme nach Bewerbung XL "Neben überregionalen fachübergreifenden und fachbezogenen Fortbildungen haben sich folgende Formate bewährt, die gefördert werden sollten: Regionale und auch schulinterne Mikrofortbildungen, schuleigene Fortbildungsformate wie beispielsweise Peer-to-Peer-Lemen und die regionale Ausbildung von Multiplikatorinnen und Multiplikatoren an den Schulen." (Handlungsempfehlungen an Bildungspolitik und Bildungsverwaltung der Schulen der Werkstatt schulentwicklung.digital, 20.11.2017) Formate: digitale Mittagspause, Wissen vor 8, Kurskiosk, digitale Sprechstunde, ... zeitlicher Rahmen: 15-45 Minuten Vorbereitung: ggf. Anrechnung klären, Bedarfe ermitteln, Referenten finden, Termin festlegen gewählt werden, um sich über gute Unterrichtsbeispiele auszutauschen, Inhalte eines Workshops zu rekapi- tulieren oder ausgestellte Literatur zum Thema zu sichten. Für Kaffee, Saft und selbst gebackenen Kuchen sorgten Schülerinnen und Schüler der Studienstufe. Das Vertrauen, das dem Kollegium durch Angebote wie den Info-Shop oder das Cafe entgegengebracht wur- de, und die Offenheit, neue Wege in der Fortbildung zu gehen, waren nur zwei Faktoren für den Erfolg des Fort- bildungstags. Wichtig war auch, ex- terne Expertise für die Konferenz zu gewinnen. Unterstützt wurden wir vor allem durch das Referat Medien- pädagogik des Hamburger Landesin- stituts für Lehrerbildung und Schul- entwicklung. Durch die gute Vernet- zung der Kolleginnen und Kollegen aus dem Arbeitsbereich Digitale Me- dien, z. B. über Twitter, konnten über- dies erfahrene Lehrkräfte anderer Schulen für den Fortbildungstag ge- wonnen werden. Eine genaue Abstim- mung im Vorfeld erwies sich dabei als sinnvoll, um die Inhalte der Work- shops auf das Kollegium und die Be- dingungen vor Ort anzupassen. Jahresqualifizierung »Unterricht mit digitalen Medien« In der Jahresqualifizierung erhalten Kolleginnen und Kollegen die Mög- lichkeit, sich für die Dauer eines Schuljahres und im Umfang von 20 bis 30 Fortbildungsstunden vertieft mit den Potenzialen digitaler Medi- en für ihren Fachunterricht ausein- anderzusetzen. Dies geschieht unter Anleitung einer Kollegin oder eines Kollegen der Schule mit Portbil- dungsexpertise in diesem Feld. Alle Lehrkräfte können sich für die Teil- nähme bewerben. Gibt es mehr Be- Werbungen als freie Plätze, sind Un- terrichtsfächer und Vorerfahrungen im Unterrichten mit digitalen Me- dien relevante Auswahlkriterien. Die Jahresqualifizierung setzt sich aus mehreren zwei- bis dreistün- digen Modulsitzungen zusammen und einem längeren Modulblock an einem Samstag. Die restlichen Fort- bildungsstunden werden den Teil- nehmenden angerechnet für die Be- arbeitung eines Praxisprojekts. In diesem Praxisprojekt erstellen die Teilnehmenden etwa (Unterrichts-) Materialien für die Kolleginnen und Kollegen in ihrer Fachschaft oder werten Unterrichtserfahrungen mit Referentlnnen: meist interne Expertise (Kolleginnen oder auch Schülerinnen) mögliche Themen: praktische Tipps für den Unterrichtsalltag, Schulserver, Dienstgeräte, Etherpad, Twitter,... bewährter Ablauf: kurzer Input und anschließendes Ausprobieren Sarah Borde, Gymnasium Lerchenfeld, Hamburg Y- ) @sarah_borde digitalen Medien aus. Neben dieser Produkt- und Praxisorientierung zeichnet sich die Jahresqualifizie- rung durch eine große Eigeuverant- wortung der Teilnehmenden, einen hohen Grad an Fachlichkeit und eine breite Differenzierung aufgrund der sehr heterogenen Vorkenntnisse der teilnehmenden Kolleginnen und Kol- legen aus. Das Auftaktmodul führt zunächst in die Medienwelten Heranwachsen- der ein und gibt einen Überblick über aktuelle medien- und fachdidaktische Positionen. In den darauffolgenden Modulen werden Werkzeuge, Metho- den und Konzepte des Lernens und Lehrens mit digitalen Medien vorge- stellt und deren Chancen wie Gren- zen für den eigenen Fachunterricht diskutiert. Beispiele aus dem ersten Durchgang der Jahresqualifizierung im Schuljahr 2017/18 sind webbasierte Anwendungen zur Kollaboration und Kommunikation wie Etherpads, Lear- ningApps als Beispiel für das Üben und Anwenden von Gelerntem mit Unterstützung digitaler Medien, digi- tales Feedback oder das Schreiben in Weblogs. Die Kolleginnen und Kolle- gen gingen der Frage nach, ob Erklär- Videos eine ertragreiche Abwechs- lung zum Unterricht darstellen oder 28 PÄDAGOGIK 4/19 PÄDAGOGIK 4/19 29
  3. 3. doch eher als Hype bewertet werden sollten. Die Mathematik-Lehrkräfte nutzten eine der Modulsitzungen da- für, sich ein gemeinsames Bild von ad- aptiven Lernsystemen zu verschaffen und die Implementierung in der Fach- schaft zu diskutieren. Ein Ziel der Jahresqualifizierung ist es, dass die Teilnehmenden Zeit er- halten, um ihre Kenntnisse in diesem Themenfeld zu vertiefen und vor al- lern die didaktischen Potenziale für den Unterricht in ihren Unterrichtsfä- ehern kennenzulernen und selbst zu bewerten. Es ist keine Fortbildung zu einzelnen Modulen des Medien- curriculums (die zumeist nicht nötig sind) oder eine Technikeinführung. Zudem wird bewusst der Austausch zwischen den Kolleginnen und Kol- legen gefördert. Dies kann auch ganz informell in der Seminarpause eine Frage zur Handhabe des Beamerwa- gens oder Lehrertablets sein. Gegen- seitiger Austausch und Zusammen- arbeit sind die zentralen Funktionen des Modulblocks an einem Samstag, der auch der Vorbereitung individuel- ler oder gemeinsamer Praxisprojekte dient. Von allen Teilnehmenden wird die Weitergabe ihrer Kenntnisse oder Arbeitsprodukte in ihre Fachschaften hinein erwartet. Diese erhoffte Wir- kung stellt ein weiteres strategisches Ziel der Jahresqualifizierung auf der Ebene der (digitalen) Unterrichtsent- wicklung dar. Lessons learned Es hat sich bewährt, die digitale Schul- entwicklung vom Unterricht aus zu denken und, analog zur Strategie der KMK, mit dem Mediencurriculum auf der Ebene des Fachunterrichts anzusetzen. Nachdem das Medien- curriculum und dessen Materialien erarbeitet und etabliert worden sind und die IT-Infrastruktur spürbar Links Fünf Gelingensbedingungen für digitale Schulentwicklung Angemessene Personalressourcen und Personalentwicklung (Medien- didaktik, Netzwerkadministration, ...) Expertise und Strukturen für schulinterne Fortbildungsmaßnahmen / Aufbau eines Referentenpools Digitale Expertise in der Schulleitung Verständigung auf das Thema als (zeitlich begrenzten) Schulentwick- lungsschwerpunkt, z. B. im Rahmen einer Ziel- und Leistungsverein- barung oder des Leitbilds Funktionale Lösungen für die IT-Infrastruktur folgen dem Primat des Pädagogischen verbessert werden konnte, bilden nun seit bereits zwei Jahren die Qua- lifizierungsmaßnahmen den Schwer- punkt der digitalen Schulentwick- lung am Gymnasium Lerchenfeld. Es hat sich bewährt, die digitale Schulentwicklung vom Unterricht aus zu denken. Die Fortbildungsangebote sind, der pädagogische Jahrestag 2017 aus- genommen, durchgehend optionale Angebote für die Kolleginnen und Kollegen der Schule und heben sich somit von der Verbindlichkeit des Mediencurriculums ab. Dieser An- satz ist bisher erfolgreich. Im er- sten Durchgang der Jahresqualifi- zierung haben 16 Kolleginnen und Kollegen teilgenommen, im zwei- ten Durchgang sind es 15. Die enge Verzahnung mit der Unterrichts- entwicklung wirkt sich wie erhofft positiv aus. Aus der ersten Jahres- qualifizierung sind weitere von Teil- nehmenden selbst organisierte Fort- bildungen hervorgegangen, Inhalte wurden auf die Agenda von Fach- konferenzen gesetzt, ein Projekttag zu Erklärvideos für den gesamten 11. Jahrgang wurde konzipiert. Zugleich ergab die Auswertung des Pilotjahrgangs, dass sich ein Teil der Teilnehmenden einen stärkeren Fo- kus auf technische Fragen gewünscht hätte. Vorgeschlagen wurde auch eine stärkere Differenzierung nach Unter- richtsfächern, z. B. in geteilten Sit- zungen. Denn auch wenn es das Ziel von Lehrerfortbildungen im digita- len Wandel sein sollte, fachdidakti- sehe und mediendidaktische Inhal- te zu verknüpfen, sollte eines nicht vernachlässigt werden: Lehrkräf- te benötigen oft Unterstützung und Zeit bei der Weiterentwicklung ihrer eigenen allgemeinen Medienkompe- tenz. Dies haben wir bei der Einfüh- rung der neuen Geräte unterschätzt. Im zweiten Durchgang der Jahresqua- lifizierung werden diese berechtigten Punkte umgesetzt. www.gyle.de www.forumbd.de/dialog/portraet-gymnasium-lerchenfeld/ (Suchbegriffe: Porträt Gymnasium Lerchenfeld Hamburg Forum Bildung Digitalisierung) Strategie der Kultusministerkonferenz »Bildung in der digitalen Welt«, Berlin 20i6.www.kmk.org/fileadmin/Dateien/pdf/PresseUndAktuelles/20i7/ Strategie_neu_20i7_datum_i.pdf Sarah Borde ist Lehrerin für die Fächer Englisch und Spanisch am Gymnasium Lerchenfeld und Referentin in der Stabsstelle Digi- talisierung der Behörde für Schule und Berufsbildung Hamburg. sarah.borde@bsb.hamburg.de Thomas Spahn ist Beauftragter für Mediendidaktik am Gymnasium Lerchenfeld und Teamleiter in der Stabsstelle Digitalisierungder Behörde für Schule und Berufsbil- düng Hamburg. thomas.spahn@bsb.hamburg.de und http://unterricht-digital.de 30 PÄDAGOGIK 4/19

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