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Legatrain-Konzept zur frühen Prävention und Förderung

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Ein Therapiekonzept von Dr. Nina Hellwig, Legatrain 2017

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Legatrain-Konzept zur frühen Prävention und Förderung

  1. 1. Das pädagogisch-therapeutische Legatrain – Konzept zur frühen Abklärung und präventiven Förderung von Kindern mit Lern- und Verhaltensauffälligkeiten. Die Entwicklungsstörungen des Kindesalters im Sinne der ICD-10 werden durch neurobiologische und genetische Faktoren sowie auch durch frühgeburtliche Schädigungen und/oder durch psychosoziale Risikofaktoren wie z.B. erhebliche Erziehungsdefizite, Vernachlässigung, etc. verursacht. Diese Risikofaktoren können sich wechselseitig bedingen und verstärken. Lern- und verhaltensauffällige Kinder sind nicht selten von einer seelischen Behinderung bedroht. Das rechtzeitige Erkennen und eine präventive Förderung dieser Kinder in den anfänglichen Schulstufen ist deshalb an der ersten Stelle für Pädagogen, Psychologen und pädagogische Therapeuten sehr wichtig. Die präventive Förderung verstehen wir mit Otto Speck als einen „Komplex [..], pädagogisch[er], psychologisch[er], [therapeutischer] und sozialrehabilitativer Hilfen, die darauf gerichtet sind, die Entwicklung eines Kindes und sein [..] Lernen [..] unterstützend zu begleiten, wenn diesbezüglich Auffälligkeiten oder Gefährdungen vorliegen.“1 Die wichtigen Aufgaben des pädagogischen Therapeuten bezüglich der kindlichen Entwicklung differenzieren wir deshalb wie folgt aus: - Unterstützung der Entwicklung einer „sicheren“ Basis für das Lernen allgemein inkl. Verhalten, sozialer Kompetenzen und Kommunikation durch verlässliches pädagogisches Handeln des Therapeuten; ermöglichen dadurch die Integration in die Klassengemeinschaft. - Förderung der Entfaltung der Potenziale des Kindes bezüglich des schulischen Lernens durch Anregung und Unterstützung seiner Wahrnehmung, selektiven Aufmerksamkeit und kompensatorischen Möglichkeiten für das Erlernen des Lesens, Schreibens und Rechnens bei vorliegen bestimmter Schwächen.2 - Ermöglichen eines positiven Selbsterlebens und Stärkung des Selbstwertgefühls eines von Lern- und oder Verhaltensstörung betroffenen Kindes auch im Sinne der Förderung seiner Resilienz. 1 Speck, O., 1996, S. 15 2 Vgl. Speck, O., 1996
  2. 2. - Stützung der Eltern-Kind-Interaktion und -Kommunikation in Form von „fachlicher Anleitung und Beratung [..], die sich „vor allem auf die Kompetenzen der Eltern in Bezug auf die besonderen Entwicklungsbedürfnisse ihres Kindes“3 mit seiner Lern- und Verhaltensproblematik richtet. Anhand dieser pädagogisch-therapeutischer Handlungen soll dem Kind ein erfolgreicher, seinen intellektuellen Fähigkeiten entsprechender Schulabschluss ermöglicht, der drohender seelischen Behinderung vorgebeugt und die spätere erfolgreiche Teilhabe am Leben der Gesellschaft gesichert werden. Pädagogisch-Therapeutische Maßnahmen im Rahmen der frühen Abklärung und präventiven Förderung von Kindern mit Lern- und Verhaltensauffälligkeiten nach der Legatrain-Methode sind im Folgenden zusammengefasst: Erkennung der Problematik. 1. Beobachtung des auffälligen Kindes im Unterricht bezüglich der Beteiligung im Unterrichtsgeschehen sowie dem Zurechtkommen mit dem schulischen Stoff. 2. Befragung der Lehrer und Eltern bezüglich der sozialen Kompetenz des Schülers und möglicher Lern- und Verhaltensauffälligkeiten. Mündliche Befragung und Fragebogenerhebung. 3. Befragung der Eltern bezüglich der seelischen Befindlichkeit und der familiären Situation (Hausaufgabensituation, Interaktion, Bezug zu den Familienmitgliedern etc.) Mündliche Befragung und Fragebogenerhebung. 4. Kindgerechte Fragestellungen zu der Lern-, Verhaltens- und sozialen Problematik. Fragebögen mit Smilies. 5. Analyse der schriftlichen Arbeiten bezüglich der Fehlerarten beim Schreiben und Rechnen. Durchführung der informellen und standardisierten Lese- Rechtschreib- und/ oder Rechentests. Erkennen des Lernproblems. Erstellen einer ausführlichen Fehlersymptomatik. 6. Erstellung eines Behandlungsplanes 3 Thurmair, Naggl 2010, S. 23
  3. 3. Therapie der vorliegenden Lese-, Rechtschreib- und/ oder Rechenstörung. Ganzheitlicher Ansatz. Lesen. Schreiben. ➔ Festlegen des Schwerpunktes der Behandlung. ➔ Arbeit an Laut, Buchstaben, Silben und Wortkernerkennung ➔ Trainieren der phonologischen Bewusstheit ➔ Arbeit an der Silbentrennung ➔ Einsatz der stakkatierenden Lesemethode4 ➔ Arbeit an Lesetempo und -verständnis ➔ Trainieren des rhythmisch-silbierenden Mitsprechens beim Schreiben ➔ Einsatz der Klangbausteine und Signalgruppen für das Lesen- und Schreibenlernen ➔ Arbeit an dem schriftlichen und sprachlichen Ausdruck ➔ Arbeit an der Sicherung des Wortschatzes entsprechend der je. Klassenstufe ➔ Arbeit an der Groß- und Kleinschreibung Mathematik Pädagogisch-therapeutische Arbeit an: ➔ der Zahl und Ziffernerkennung ➔ der Mengenerfassung ➔ der Mengeneinschätzung ➔ der Invarianz ➔ der Zahlzerlegung ➔ den Zahlenbildern ➔ den Operationssymbolen (+/ – u.a.) ➔ den Rechenoperationen ➔ an den Zählfertigkeiten ➔ an dem Größenvergleich ➔ an dem Transkodieren – Übertragung aus der Wortform der Zahl in die arabische Form (drei → 3) und umgekehrt ➔ an dem Lösen von Textaufgaben ➔ Trainieren der Zahl- und Ziffernbewusstheit 4 Vgl. Hellwig 2013
  4. 4. Konzentrations- und Wahrnehmungstraining ➔ Arbeit an der auditiven und visuellen Wahrnehmung: Gedächtnis, Differenzierungsfähigkeit, Serialität ➔ Arbeit an der Raumwahrnehmung ➔ trainieren der Auge-Hand-Koordination ➔ Trainieren der selektiven Aufmerksamkeit Seelische Befindlichkeit. Verhalten. Sozialisation. Pädagogisch-therapeutische Arbeit: ➔ an der Motivation ➔ an dem Verbessern des Selbstbildes, des Selbstwertgefühls ➔ an der Bewältigung der Angstproblematik ➔ an den vorliegenden Verhaltensauffälligkeiten ➔ an dem strukturierten Lernverhalten ➔ an dem Verbessern der Hausaufgabensituation ➔ an der Stärkung der Widerstandsfähigkeit ➔ soziales Training ➔ Kommunikationstraining Eltern- und Lehrerarbeit ➔ Aufklärende Eltern- und Lehrerarbeit ➔ Involvieren der Eltern in den Therapieprozess ➔ Kooperative Zusammenarbeit mit dem Klassenlehrer und Schulpsychologen ➔ Intervention und Kooperation bei Schulverweigerung ➔ Zwischenevaluierung des therapeutischen Prozesses anhand von Fragebögen Die Therapie wird unter Beachtung des Leistungsstandes und der individuellen Lernvoraussetzungen nach bestimmten Therapieregeln, wie kleinschrittiges, systematisches Vorgehen, Kontinuität, ständiges Wiederholen etc. durchgeführt. Es ist dabei zu erwarten, dass dadurch die lese-, rechtschreib-, und/ oder rechenschwache Kinder ihre schulischen Leistungen und Verhalten bezüglich des Lernens sowie ihr soziales Verhalten weitgehend verbessern.
  5. 5. Literaturverzeichnis: 1. Hellwig, N. (2013): Mit Montessori Legasthenie behandeln. Montessori Pädagogik für die arbeit mit legasthenen Kindern. Augsburg: Brigg Pädagogik Verlag Hellwig, N. (2009): Der Einsatz von Montessoris Prinzipien für die silbenorientierte Leseförderung bei legasthenen Kindern. In: Das Kind, Halbjahresschrift für Montessori-Pädagogik, 45, 1 Hellwig, N. (2010): Verhaltensstörungen bei Kindern pädagogisch behandeln. Hellwig, N. (2011): Die Legatrain-Methode als eine ganzheitliche Therapiemethode für die Behandlung von Lese-Rechtschreibstörungen. In: LeDy Mitgliederzeitschrift des Bundesverbandes Legasthenie und Dyskalkulie e. V. 2. Kindler, Heinz (2009): Wie könnte ein Risikoinventar für frühe Hilfen aussehen? In: Meysen, Thomas; Schönecker, Lydia; Kindler, Heinz (Hrsg.): Frühe Hilfen im Kinderschutz. Rechtliche Rahmenbedingung und Risikodiagnostik in der Kooperation von Gesundheits- und Jugendhilfe.Weinheim, München: Juventa, 171– 261 3. Schulte-Körne, G. (2002): „Legasthenie: Zum aktuellen Stand der Ursachenforschung, der diagnostischen Maßnahmen und der Förderkonzepte“. Bochum: Winkler 4.. Speck, Otto (1996): Frühförderung entwicklungsauffälliger Kinder unter ökologisch-integrativem Aspekt. In: Peterander, F. & Speck, O. (Hrsg.): Frühförderung in Europa. München, Basel: Reinhardt, S. 15–23 5. Thurmair, M. & Naggl, M. (2010): Praxis der Frühförderung. Einführung in ein interdisziplinäres Arbeitsfeld. München, Basel: Reinhard 6. Warnke, A et.al. (2002).: Legasthenie. Leitfaden für die Praxis. Göttingen: Hogrefe © Dr. Nina Hellwig, Erlangen 2017

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