Mitgliederversammlung Chemieverbände RLP

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Auf der diesjährigen Mitgliederversammlung der Chemieverbände Rheinland-Pfalz ging es um Führungsstile, Zuhören und Akzeptanz. Dr. Bernd Vogler dankte den Unternehmen für die Geschlossenheit bei den Tarifverhandlungen. Dr. Harald Schaub rief zu mehr Dialog mit der Öffentlichkeit auf. Gäste waren das DrumCafe, Julia Klöckner, Steffi Burkhart und Dieter Münk.

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Mitgliederversammlung Chemieverbände RLP

  1. 1. Mitgliederversammlung 2015 In diesem Jahr stand die Mitgliederversammlung unter dem Thema „Unterneh- mensführung der Zukunft – neue Generation, neue Welt?” In einer gemein- samen Diskussion ging es um die Generation Y und deren Einfluss auf die Unternehmensführung. Einen Blick über den Tellerrand erlaubten die Beiträge von CDU-Chefin Julia Klöckner sowie Dieter Münk (IBM) und Dr. Steffi Burkhart (Generation WHY). Ein Fazit war, dass die Fähigkeit, neue Perspektiven einzu- nehmen, weiterhin wichtig für die Unternehmensführung ist. Um Perspektiven und gegenseitige Wertschätzung ging es in der Rede von Dr. Harald Schaub. Der Vorsitzende machte deutlich, dass die Chemie weiter den Dialog suchen will, um die Akzeptanz der Industrie zu verbessern. Dazu gehöre auch, dass man sich auf den Diskussionspartner einstellt und einander zuhört. Wie das auf der Mitgliederversammlung umgesetzt wurde, lesen Sie im vorliegenden festgehalten. Tobias Göpel | Chemieverbände Rheinland-Pfalz ein guter Stil im Umgang miteinander ist Teil der Chemie-Philosophie Inhalt Für mehr Akzeptanz Sich auf Menschen einstellen und einander zuhören Gemeinsam Herausforderungen angehen Unternehmensführung der Zukunft – neue Generation, neue Welt? Wer ist die Generation Y? Müssen sich Unternehmen im Personal- marketing besonders anstrengen? Work-Life-Balance: Die Führungskraft als Vorbild? Mobil und grenzenlos arbeiten? festgehalten 06 | 2015 Die Veranstaltungen der Chemieverbände Rheinland-Pfalz
  2. 2. Mitgliederversammlung 2015 | Mainz Für mehr Akzeptanz Aus dem Bericht des Vorsitzenden Jeden Tag kämpfen wir als Unternehmer und Geschäftsführer aufs Neue um die Wettbewerbsfähigkeit unserer Betriebe. Damit sorgen wir für Wohl- stand. Dafür brauchen wir aber auch die politische und gesellschaftliche Ak- zeptanz für unsere Bedürfnisse. Doch die wachsende Zahl an Bedenkenträ- gern stellt die industrielle Entwicklung in unserem Land in Frage. Beispiele sind das Freihandelsabkommen TTIP, die Energiewende oder auch die Ver- kehrsinfrastruktur im Land. Wir brauchen in Zukunft also mehr denn je die Akzeptanz der Politik und der Öffentlichkeit für das wirtschaftliche Handeln. Wenn wir mehr Wertschätzung für Industrie erreichen wollen, sind wir schnell bei der Diskussion um ethisches Handeln in der Wirtschaft. Und hier brauchen wir uns nicht zu verstecken. Unsere Werte und unsere Leitlinien haben wir in der Initiative Chemie³ verankert. Was dort zum Ausdruck kommt, ist bei ganz vielen unserer Unternehmen bereits Realität. Wir haben erkannt, dass Nachhaltigkeit und wirtschaftlicher Erfolg eine gute Verbindung sind. Zu den ethischen Standards zählen die sozialen Standards. Mit dem Ni- veau in der chemischen Industrie brauchen wir den Vergleich nicht zu scheuen. Unsere Tariflöhne sind ein Gütesiegel für unsere hohen sozialen Standards. Damit können wir aktiv werben: Schreiben Sie auf Ihre Karriere- webseiten, dass Sie nach Tarif zahlen. Machen Sie Werbung dafür, dass Sie soziale Standards erfüllen, die es so in anderen Branchen nicht gibt, zum Beispiel bei Themen wie Gesundheit oder der Förderung der Talente. Wenn wir also nachhaltig wirtschaften und sehr gute Löhne zahlen, dann sollten wir das nicht verschweigen. Wir sollten es nutzen und mehr für die Akzeptanz der Industrie werben – im beruflichen und privaten Umfeld. Denn um diese hohen Standards und diesen Wohlstand zu schaffen, brau- chen wir ein wirtschaftsfreundliches Umfeld: bei besseren Zufahrten ins Werk und auch bei besseren Zugängen zu anderen Märkten. Sich auf Menschen einstellen und einander zuhören Über 180 Mitglieder haben die Chemieverbände Rheinland-Pfalz. Sie alle unterscheiden sich in der Sparte und der Anzahl der Beschäftigten. In den Verbänden hören sie einander zu und helfen sich, um gemeinsam zu einem großen Ganzen beizutragen – den Industriestandort in Rheinland- Pfalz sichern. Die Chemieverbände – das sind die Unternehmen. Als Teil des Vortrages des Vorsitzenden wurde dies unter Leitung des DrumCafes aus Dietzen- bach erlebbar gemacht. In einem ungewöhnlichen 30-minütigen Auftritt trommelten die Teilnehmer gemeinsam zu gleichen und sich ergänzenden Rhythmen. Die Botschaft: Einander zuhören und aufeinander einstellen – für mehr gegenseitige Akzeptanz. „Das gemeinsame Trom- meln war klasse, auch wenn man sich zunächst darauf einlassen musste.” Teilnehmerstimme Dr. Harald Schaub
  3. 3. Gemeinsam Herausforderungen angehen Aus dem Bericht des Hauptgeschäftsführers Ukraine, Russland, IS, Grexit, Brexit - die Risiken für die Chemie sind nicht weniger geworden. Und auch nach der amtlichen Statistik sind die Zahlen nicht so, dass man jubeln könnte: Der Zuwachs in der Chemieproduktion liegt bislang bei 0,9 Prozent in diesem Jahr. Und in wichtigen Bereichen sehen wir auch Minuszahlen im Land: Chemieumsatz -2,7 Prozent, Aufträge sogar -3,7 Prozent. Der Beschäftigungsaufbau der letzten Jahre scheint praktisch gestoppt. Die Auswirkungen spürt man bei den zurückhaltenden Investitionen. Und die Kosten sind ein Dauerthema. Der Verband führt prak- tisch durchgängig Verhandlungen, seien es Sozialpläne, Einigungsstellen, Öffnungsklauseln oder firmenbezogene Verbandstarifverträge. In der Sum- me nehmen die Prozesszahlen zu und das Beratungsaufkommen ist hoch. Etwas Besonderes war auch die diesjährige Tarifrunde. Die Gespräche im sozialpolitischen Beirat und darüber hinaus haben gezeigt: Wir haben die- sen Abschluss dringend gebraucht. Und das haben wir mit einem klaren Stoppsignal für die andere Seite deutlich gemacht. Die Botschaft war so klar formuliert, ohne jede Schnörkel, damit man sie nicht missverstehen konnte. Dass die Erwartungen trotzdem nach oben geschraubt wurden, steht auf einem anderen Blatt. Und dann standen plötzlich Worte wie Schlichtung und Streik im Raum – nicht nur als leere Drohung, sondern durchaus sehr ernst. Alle betroffenen Unternehmen haben in einer ernsten Situation Gelassenheit und Geschlossenheit gezeigt und mit Ruhe auf betrieblichen Druck reagiert. Die Arbeitgeber haben Solidarität gezeigt, zwischen den Sparten, Groß und Klein. Diesen Zusammenhalt brauchen wir auch bei unserer künftigen Rolle ge- genüber Öffentlichkeit und Politik. Ich finde, je mehr wir uns zeigen, umso mehr werden wir gehört. Und deswegen haben wir uns auch ein ambitio- niertes Ziel gesetzt. Wir wollen die starke Stimme der Chemie in Rhein- land-Pfalz sein. Wir wollen als Branche in der Politik, in den Medien und der Öffentlichkeit präsent sein und für Akzeptanz in der Breite sorgen. Und ich sage Ihnen auch ganz klar: wir sind noch nicht dort, wo wir hinwol- len. Wir haben uns in der Politik in Bund und Land eine wirklich gute Positi- on erarbeitet. Aber die Breite, die Basis der Parteien und der Bevölkerung, haben wir noch nicht mal ansatzweise erreicht. Dr. Schaub hat Industrieakzeptanz angesprochen. Nur, von selbst kommt das nicht. Man muss sich öffnen und bereit sein, zu kommunizieren. Das kostet Mühe und Geduld. Wir begleiten Sie dabei, und wir möchten Sie ermuntern, sich auch hier weiter mit uns nach vorne zu wagen, damit wir zusammen die starke Stimme der Chemie werden und bleiben. Wahl des Vorstandes und des Sozialpolitischen Beirates Zur Mitgliederversammlung am 16. Juni 2015 wurden die Vorstände und der Sozialpolitische Beirat neu gewählt. Die Besetzung der Gremien finden Sie im Internet unter http://www.chemie-rp.de/die-verbaende/gremien.html Dr. Bernd Vogler im Gespräch mit Francesco Grioli zur Wirtschaftsdebatte in Frankenthal
  4. 4. 06/2015 Unternehmensführung der Zukunft – neue Generation, neue Welt? Podiumsdiskussion zur Generation Y Die Generation Y steht derzeit im Fokus von Medien und Wissenschaft. Denn es ist die Generation, die scheinbar so ganz anders ist – aufge- wachsen mit Internet, Smartphone und Web 2.0. Aufgrund des demo­ grafischen Wandels gehören die Angehörigen dieser Generation zu einer Minderheit in unserer Gesellschaft. Allerdings stellen sie bald maßgeb- lich die Fachkräfte. Welchen Einfluss hat das auf die Unternehmens­ führung? Haben wir in der Industrie die richtigen Antworten auf die neue Zeit? Die Diskussion wurde mit dem Podiumsteilnehmern und dem Publikum geführt. Wer ist die Generation Y? Diese Frage wurde zu Beginn auf dem Podium und im Publikum disku- tiert. Dr. Steffi Burkhart, „Sprachrohr der Generation Y”, ging bei der Beschreibung der Vertreter über die Altersfrage hinaus. Aus ihrer Sicht ist die Generation Y eine Geisteshaltung, die alle Menschen haben kön- nen. Es geht um die Grundeinstellung, dass das Leben und damit auch der Beruf Spaß machen sollen. Dies bestätigte Dr. Friedrich Richter vom Pharmakonzern AbbVie. Der Geschäftsführer unterstrich, dass Work-Life- Balance ein wichtiges Thema geworden ist und die Wirtschaft moderne Strukturen mit unterschiedlichen Kulturen benötigt. Konkret wurde Burkhart bei den Anforderungen an die Führung. Denn wichtig sei es, dass Vorgesetzte bei steigender Vielfalt auf der Mitarbeiterebene auf ein breites Portfolio unterschiedlicher Führungsstile zurückgreifen können. Die Mitarbeiter wiederum brauchen Unterstützung, zum Beispiel bei der Selbstorganisation oder Problemlösekompetenz.  Wir diskutierten mit  Julia Klöckner, MdL, Landes- und Fraktionsvorsitzende  der CDU Rheinland-Pfalz  Dieter Münk, Vice President IBM Systems  Dr. Steffi Burkhart, Sprachrohr der Generation Y  Harald Düster, kaufmännischer Leiter bei Sebapharma Auf dem Podium (v.l.n.r.): Harald Düster, Julia Klöckner, Dr. Steffi Burkhart, Dieter Münk Müssen sich Unternehmen im Personalmarketing besonders anstrengen? Die Herausforderungen sind lösbar, so Harald Düster. Er machte deutlich, dass kein Betrieb von Null beginnt. Denn die Unternehmen sind nicht über Nacht vom Himmel gefallen und auch der demografische Wandel ist nicht neu. Besonders im ländlichen Raum sind viele Menschen mit der Heimat ver- wurzelt und entscheiden sich für einen Beruf in den dort ansässigen Unter- nehmen. Das ist ein Vorteil. Wichtig ist jedoch, den Mitarbeitern von Anfang an Achtsamkeit für deren Belange entgegen zu bringen und ihnen Perspekti- ven zu bieten. Dazu zählt auch, die Ansprüche der Generation Y aufzugreifen. Auf die Frage nach den politischen Herausforderungen im Bezug auf die Generation Y stellte Julia Klöckner fest, dass eine wechselseitige Anpas- sung wichtig sei. Ebenso wie Unternehmen auf die neuen Lebensstile der Generation Y reagieren müssen, muss die Politik für verschiedene gesell- schaftliche Gruppen und Generationen jeweils unterschiedliche Rahmen- bedingungen anbieten. Eines sei aber auch klar: Beruf geht nicht ohne Einbindungen und Verpflichtungen. Auch wenn die Generation Y sich Schöneres wünschen mag. Work-Life-Balance, Home-Office, Selbstverwirklichung – das sind die Schlagworte, wenn es um die Ansprüche der Generation Y geht. Wo sind die Grenzen des Machbaren und wie können Führungskräfte darauf reagieren? Wie wirken Führungskräfte als Vorbilder?
  5. 5. Mitgliederversammlung 2015 | Mainz Mobil und grenzenlos arbeiten? Home-Office, geografisch verteilte Teams, unterschiedliche Arbeitszeiten. Als Vice President im weltweit agierenden IT-Unternehmen IBM kennt Dieter Münk die Veränderungen in der Arbeitswelt. Aus seiner Erfahrung ist die Generation Y in China oder Indien eine andere als in Deutschland. Die Frage ist auch hier, wie man allen unterschiedlichen Bedürfnissen gerecht werden kann. Er sorgt sich darum, dass die Führungskräfte nicht genug darauf vorbereitet wurden, digital virtuell und global zu führen. Denn in geografisch verteilten Teams treffen die jungen Mitarbeiter den direkten Vorgesetzten oder Team-Kollegen häufig nicht mehr persönlich. Damit geht leider auch ein Stück berufliche Heimat als identitätsstif- tendes Merkmal verloren. Und die Führung ist beim mobilen Arbeiten besonders gefordert. Denn es führt schnell zur Entgrenzung der Arbeit und damit zur Frage der gesetz- lichen Arbeitszeiten. Münk sieht hier die Führung gefordert, rechtzeitig die jeweiligen Aufgabenstellungen zu analysieren und daraus abgeleitet realistische Erwartungen an die Mitarbeiter zu kommunizieren. Hier setzt auch Düster an. Denn nicht alle Aufgaben eignen sich für das Home-Office. Er betonte, dass der Wunsch nach Teilzeit und Home-Office zwangsläufig dazu führt, dass mehr Beschäftigte eingestellt werden müs- sen. Das wiederum bedeutet steigende Kosten. Unternehmen sollten sich darauf einstellen, diese Kapazitäten aufbauen zu müssen. Denn der Grund für flexible Arbeitszeiten ist nicht zwingend der Wunsch nach mehr per- sönlicher Freizeit – die Aufgaben zur häuslichen Pflege der Eltern nehmen nicht nur in den ländlichen Regionen weiter zu. Am Ende der einstündigen Diskussion wurde keine Musterlösung für den Umgang mit der Generation Y präsentiert. Deutlich wurde jedoch, dass es mehr individuelle Wege in den Betrieben geben muss, um den Anforde- rungen der Beschäftigten entsprechen zu können. Die Führungskräfte sollten daher offen sein für verschiedene Perspektiven. Aus der Perspek­ tive der jungen Generation wird Dr. Steffi Burkhart konkrete Ideen und Tipps auf unserem Blog www.dahinter-stehen-wir.de mitteilen. Cyrille Beau, bisheriger Werkleiter bei Michelin in Bad Kreuznach, hat den Vorstand mit seinem Wechsel zum Reifenwerk nach Homburg/Saar ver- lassen. Die Chemieverbände Rheinland-Pfalz haben von seiner Arbeit im Vorstand sehr profitiert. Abschied von Cyrille Beau Work-Life-Balance: Die Führungskraft als Vorbild? Beispiele dafür, dass Beruf und Freizeit miteinander verschmelzen, gibt es viele. Die richtige Balance zu finden, ist eine Herausforderung. Als Spitzenpolitikerin der CDU ist Julia Klöckner viel unterwegs. Allein mit Blick auf die Wahlen 2016 in Rheinland-Pfalz bleibt für sie nur wenig Freizeit. Zu dieser Vorbildwirkung befragt, sieht sie ihren Lebensweg nicht als Muster für eine gültige Lebensweise. Für Julia Klöckner bedeutet Führung vielmehr, dass man viele Lebensweisen zu- lässt und als selbstverständlich akzeptiert. Die Vertreter der Generation Y zählen zu einem guten Mix im Team dazu. Klöckner ging aber noch ein Stück weiter. Die Diskussion um die Generation Y und die damit verbun- dene andere Sicht auf die Arbeitswelt ist eine gute Anregung für die Frage nach der Integration von Flüchtlingen mit anderem kulturellen Hintergrund in unsere Unternehmen.
  6. 6. Impressum Herausgeber: Chemieverbände Rheinland-Pfalz, Bahnhofstraße 48, 67059 Ludwigshafen, Telefon 06 21-5 20 56 ‑0, Telefax 06 21‑5 20 56 ‑20, info@chemie-rp.de, www.chemie-rp.de, Redaktion: Tobias Göpel, Fotos: Marcel Hasübert, mh-foto.de, Gestaltung: gestaltbar@netcologne.de, Köln, Druck: Chroma Druck & Verlag GmbH, Römerberg-Berghausen, Auflage: 400, Stand: Juli 2015. Die Veranstaltung fand am 16. Juni 2015 in Mainz statt. Impressionen der Mitgliederversammlung 2015

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