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„Klassische“ Fehler im Umgang mit der Vermutung sexualisierter Gewalt durch Mitarbeiter/innen

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„Klassische“ Fehler im Umgang
mit der Vermutung sexualisierter Gewalt
durch Mitarbeiter/innen

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„Klassische“ Fehler im Umgang mit der Vermutung sexualisierter Gewalt durch Mitarbeiter/innen

  1. 1.  Zartbitter : Enders/Wolters 2015 „Klassische“ Fehler im Umgang mit der Vermutung sexualisierter Gewalt durch Mitarbeiter/innen Ursula Enders mit Illustrationen von Dorothee Wolters Zartbitter e.V. 2015
  2. 2.  Zartbitter : Enders/Wolters 2015 Vermutung oder Verdacht?
  3. 3.  Zartbitter : Enders/Wolters 2015 Vermutung oder Verdacht Aufgabe der Strafverfolgungsbehörden: Abklärung eines Verdachts Aufgabe von Schule und Jugendhilfe: Sicherstellung des Kindeswohls und Fürsorgepflicht für Mitarbeiter/Mitarbeiterinnen
  4. 4.  Zartbitter : Enders/Wolters 2015 Vermutung oder Verdacht Strafverfolgungsbehörden im Zweifel für den Angeklagten Schule/Jugendhilfe/Vereine Im Zweifelsfalle für das Kindeswohls
  5. 5.  Zartbitter : Enders/Wolters 2015 Schule/Jugendhilfe/Vereine Standards fachlichen Handelns = Maßstab der Bewertung
  6. 6.  Zartbitter : Enders/Wolters 2015 Umgang mit Vermutung Klassischer Fehler: Unklarheit über die eigene Rolle
  7. 7.  Zartbitter : Enders/Wolters 2015 Differenzierung • Vermutung • begründeter Verdacht • erhärteter Verdacht
  8. 8.  Zartbitter : Enders/Wolters 2015 Vermutung entsteht durch … • Verhaltensweisen von Kindern • verbale Andeutungen von Kindern • psychosomatische Symptomatiken von Kindern
  9. 9.  Zartbitter : Enders/Wolters 2015 Vermutung entsteht durch … • Verhalten eines Erwachsenen oder Jugendlichen – Missachtung von grenzachtenden Teamabsprachen – offen sexistisches Verhalten – Machtmissbrauch – Missachten der Grenzen zwischen den Institutionen – Intrigen säen – sonstiges fachliches Fehlverhalten …
  10. 10.  Zartbitter : Enders/Wolters 2015 Begründeter Verdacht entsteht durch • Vermutung, die in begründeten Verdacht übergegangen ist • deutliche Hinweise (z.B. Tagebuch, Postings im Netz)
  11. 11.  Zartbitter : Enders/Wolters 2015 Umgang mit Vermutung „Klassischer“ Fehler: unzureichende Differenzierung zwischen • (sexuellen) Grenzverletzungen • Übergriffen • strafrechtlich relevanten Formen sexualisierter Gewalt
  12. 12.  Zartbitter : Enders/Wolters 2015 Umgang mit Vermutung (Sexuelle) Grenzverletzungen und Übergriffe sind als fachliches Fehlverhalten zu bewerten.
  13. 13.  Zartbitter : Enders/Wolters 2015 „Klassischer“ Fehler: Fehlerhaftes institutionelles Schutzkonzept.
  14. 14.  Zartbitter : Enders/Wolters 2015 Mindeststandard:
  15. 15.  Zartbitter : Enders/Wolters 2015 „Klassischer“ Fehler: Fokussierung auf die Aussage des Opfer .
  16. 16.  Zartbitter : Enders/Wolters 2015 Fokussierung auf das Opfer Risiko: Opfer verstummt.
  17. 17.  Zartbitter : Enders/Wolters 2015 Fokussierung auf die Aussage des Opfers … Verhalten des Täters Aussagen des Kindes Hinweise anderer Mädchen und Jungen Objektive Beweise Risiko: Andere Hinweise/Beweise werden übersehen.
  18. 18.  Zartbitter : Enders/Wolters 2015 „Klassischer“ Fehler: Zu frühe Befragung des betroffenen Mädchens/Jungen ohne Schweigegebote zu entkräften.
  19. 19.  Zartbitter : Enders/Wolters 2015 Zu frühe Befragung … Risiko: Die Schweigegebote de Täters wirken noch.
  20. 20.  Zartbitter : Enders/Wolters 2015 Zu frühe Befragung … Risiko: Die Schweigegebote de Täters wirken noch.
  21. 21.  Zartbitter : Enders/Wolters 2015 „Klassischer“ Fehler: Alle an einen Tisch
  22. 22.  Zartbitter : Enders/Wolters 2015 Alle an einen Tisch … Risiko: Täter schleimt sich ein.
  23. 23.  Zartbitter : Enders/Wolters 2015 Alle an einen Tisch … Risiko: Täter wertet Vertrauenspersonen des Kindes ab.
  24. 24.  Zartbitter : Enders/Wolters 2015 Alle an einen Tisch … Risiko: Täter nutzt Infos, um Gegenbeweise zu sammeln.
  25. 25.  Zartbitter : Enders/Wolters 2015 Risiko: Täter präsentiert sich als Opfer vermeintlich falscher Verdächtigungen.
  26. 26.  Zartbitter : Enders/Wolters 2015 Alle an einen Tisch … Risiko: Gespräch endet in Schuldzuweisungen.
  27. 27.  Zartbitter : Enders/Wolters 2015 Alle an einen Tisch … Risiko: Alle sind gebeutelt - nur nicht der Täter.
  28. 28.  Zartbitter : Enders/Wolters 2015 Alle an einen Tisch … Risiko: Zu Unrecht Beschuldigter wird angegriffen.
  29. 29.  Zartbitter : Enders/Wolters 2015 „Klassischer“ Fehler: Zu frühe und detaillierte Information an den Beschuldigten.
  30. 30.  Zartbitter : Enders/Wolters 2015 Zu frühe und detaillierte Information … Risiko: Täter nutzt Infos, um Gegenbeweise zu sammeln.
  31. 31.  Zartbitter : Enders/Wolters 2015 Risiko: Täter vernichtet Beweismittel. Zu frühe und detaillierte Information …
  32. 32.  Zartbitter : Enders/Wolters 2015 „Klassischer“ Fehler: Name des Opfers und Details der Missbrauchshandlunge werden innerhalb der Institution bekannt.
  33. 33.  Zartbitter : Enders/Wolters 2015 Das Opfer wird erneut entblößt. Name des Opfers und Details werden bekannt …
  34. 34.  Zartbitter : Enders/Wolters 2015 Das Opfer wird erneut entblößt. Name des Opfers und Details werden bekannt …
  35. 35.  Zartbitter : Enders/Wolters 2015 „Klassischer“ Fehler: Gegenüberstellung von Täter und Opfer
  36. 36.  Zartbitter : Enders/Wolters 2015 Risiko: Verhalten des Opfers wird fehlinterpretiert. Gegenüberstellung von Täter und Opfer
  37. 37.  Zartbitter : Enders/Wolters 2015 „Klassischer“ Fehler: Pseudokooperation des Täters als Verantwortungsübernahme und Einsicht fehlinterpretieren.
  38. 38.  Zartbitter : Enders/Wolters 2015 Risiko: Täter schützen – Opfer verraten. Pseudokooperation fehlinterpretieren …
  39. 39.  Zartbitter : Enders/Wolters 2015 Pseudokooperation fehlinterpretieren … Risiko: Täter schützen – Opfer verraten.
  40. 40.  Zartbitter : Enders/Wolters 2015 Pseudokooperation fehlinterpretieren … Risiko: Täter schützen –opfer verraten.
  41. 41.  Zartbitter : Enders/Wolters 2015 „Klassischer“ Fehler: Prävention ohne vorherige Abklärung der Vermutung und Aufarbeitung eines Missbrauchs.
  42. 42.  Zartbitter : Enders/Wolters 2015 Prävention ohne Abklärung und Aufarbeitung
  43. 43.  Zartbitter : Enders/Wolters 2015 Prävention ohne Abklärung und Aufarbeitung
  44. 44.  Zartbitter : Enders/Wolters 2015 Prävention ohne Abklärung und Aufarbeitung
  45. 45.  Zartbitter : Enders/Wolters 2015 „Klassischer“ Fehler: Bedeutung der Täterstrategien für die institutionelle Dynamik unterschätzen.
  46. 46.  Zartbitter : Enders/Wolters 2015 Täter gilt als Opfer falscher Verdächtigungen
  47. 47.  Zartbitter : Enders/Wolters 2015 Kindliche Zeuginnen und Zeugen werden übersehen …
  48. 48.  Zartbitter : Enders/Wolters 2015 Die Opfer und ihre Vertrauenspersonen werden gemobbt…
  49. 49.  Zartbitter : Enders/Wolters 2015 Klassischer Fehler: Die Anwesenheit des abwesenden Täters unterschätzen. (Ursula Enders)
  50. 50.  Zartbitter : Enders/Wolters 2015 Anwesenheit des abwesenden Täters unterschätzen… Risiko: Die Intrigen des Täters wirken, auch wenn er selbst abwesend ist.
  51. 51.  Zartbitter : Enders/Wolters 2015 Anwesenheit des abwesenden Täters unterschätzen … Risiko: Die Intrigen des Täters wirken, auch wenn er selbst abwesend ist.
  52. 52.  Zartbitter : Enders/Wolters 2015 Klassischer Fehler: Vernachlässigung der Hilfen für alle Ebenen der Institution.
  53. 53.  Zartbitter : Enders/Wolters 2015 Vernachlässigung derHilfen für alle Ebenen
  54. 54.  Zartbitter : Enders/Wolters 2015 Klassischer Fehler: Vernachlässigung einer nachhaltigen Aufarbeitung.
  55. 55.  Zartbitter : Enders/Wolters 2015 Ursula Enders/Dorothee Wolters: Wir können was, was ihr nicht könnt. Ein Bilderbuch von über Doktorspiele und sexuelle Übergriffe mit didaktischem Begleitmaterial. Köln 2009 Ursula Enders: Grenzen achten. Schutz vor Missbrauch in Institutionen. Ein Handbuch für die Praxis. Köln 2012
  56. 56.  Zartbitter : Enders/Wolters 2015 Danke für eure Aufmerksamkeit! www.zartbitter.de
  57. 57.  Zartbitter : Enders/Wolters 2015 Vermutung oder Verdacht?
  58. 58.  Zartbitter : Enders/Wolters 2015 Vermutung oder Verdacht Aufgabe der Strafverfolgungsbehörden: Abklärung eines Verdachts Aufgabe von Schule und Jugendhilfe: Sicherstellung des Kindeswohls und Fürsorgepflicht für Mitarbeiter/Mitarbeiterinnen
  59. 59.  Zartbitter : Enders/Wolters 2015 Vermutung oder Verdacht Strafverfolgungsbehörden im Zweifel für den Angeklagten Schule/Jugendhilfe/Vereine Im Zweifelsfalle für das Kindeswohls
  60. 60.  Zartbitter : Enders/Wolters 2015 Schule/Jugendhilfe/Vereine Standards fachlichen Handelns = Maßstab der Bewertung
  61. 61.  Zartbitter : Enders/Wolters 2015 Schule/Jugendhilfe/Vereine Differenzierung zwischen • Grenzverletzungen • Übergriffen • strafrechtlich relevanten Formen der Gewalt
  62. 62.  Zartbitter : Enders/Wolters 2015 Ursachen: • unabsichtlich verübt • fachliche/konzeptionelle Unzulänglichkeiten • persönlichen Unzulänglichkeiten • „Kultur der Grenzverletzungen“ • „Kultur des Wegschauens“ Grenzverletzungen
  63. 63.  Zartbitter : Enders/Wolters 2015 • (nicht nur) objektive Faktoren • subjektives Erleben des Mädchen/Jungen • nicht ganz zu vermeiden • korrigierbar Grenzverletzungen
  64. 64.  Zartbitter : Enders/Wolters 2015 Übergriffe wiederholte, massive und/oder nicht zufällige Grenzverletzungen
  65. 65.  Zartbitter : Enders/Wolters 2015 Übergriffe durch Mitarbeiter/Mitarbeiterinnen Ursachen: • Machtmissbrauch • grundlegende persönliche Defizite • grundlegende fachliche Defizite • gezielte Desensibilisierung als Vorbereitung eines sexuellen Missbrauchs/eines Machtmissbrauchs
  66. 66.  Zartbitter : Enders/Wolters 2015 Strafrechtlich relevante Gewalthandlungen • Körperverletzung • sexueller Missbrauch/sexuelle Nötigung • Erpressung • Vernachlässigung der Fürsorgepflicht Strafmündigkeit beginnt mit 14 Jahren.
  67. 67.  Zartbitter : Enders/Wolters 2015 Sexueller Missbrauch durch Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen wird strategisch vorbereitet. Wenn es gelingt, Grenzverletzungen und Übergriffe zu stoppen, wird sexueller Missbrauch verhindert.
  68. 68.  Zartbitter : Enders/Wolters 2015 Jeder Mitarbeiter/jede Mitarbeiterin hat ein Recht auf Schutz vor Verleumdungen. Grenzverletzungen/Übergriffe sachlich zu benennen, ist keine Verleumdung und kein Verrat, sondern Ausdruck fachlicher Verantwortung für den Schutz von Mädchen und Jungen.
  69. 69.  Zartbitter : Enders/Wolters 2015 Vermutung • sich selbst als vertrauenswürdig erweisen • professionelle Distanz wahren • sich selbst und dem Mädchen/Jungen Zeit geben • Entlastung des Kindes/Ressourcen stärken
  70. 70.  Zartbitter : Enders/Wolters 2015 Vermutung • Information von Vorgesetzten oder externen Ansprechpersonen der Institution • alternative Erklärungen mitdenken • Dokumentation der Beobachtungen/Fakten • Kooperation • sich selbst Unterstützung holen
  71. 71.  Zartbitter : Enders/Wolters 2015 Begründeter Verdacht • Schutz des Kindes hat oberste Priorität • Outing des Kindes vermeiden • Information von Vorgesetzten oder externen Ansprechpersonen der Institution • Beweismittel sichern • Angebot notwendiger Hilfen für Kind, Kindergruppe, Eltern und pädagogische Fachkräfte

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