Pädagogisches Vorgehen bei sexuellen Übergriffen durch Kinder im Vor- und Grundschulalter

1,133 views

Published on

Fachtagung des Dekanats Betzdorf

Published in: Government & Nonprofit
0 Comments
0 Likes
Statistics
Notes
  • Be the first to comment

  • Be the first to like this

No Downloads
Views
Total views
1,133
On SlideShare
0
From Embeds
0
Number of Embeds
453
Actions
Shares
0
Downloads
5
Comments
0
Likes
0
Embeds 0
No embeds

No notes for slide

Pädagogisches Vorgehen bei sexuellen Übergriffen durch Kinder im Vor- und Grundschulalter

  1. 1. © Zartbitter 2015  Pädagogisches Vorgehen bei sexuellen Übergriffen durch Kinder im Vor- und Grundschulalter Das ist kein Spiel! Ursula Enders Illustrationen: Dorothee Wolters Zartbitter Fachtagung Betzdorf, den 14.10.2015
  2. 2. © Zartbitter 2015  •wahrnehmen
  3. 3. © Zartbitter 2015  • stoppen und benennen
  4. 4. © Zartbitter 2015  • uneindeutige Reaktionen reichen nicht!
  5. 5. © Zartbitter 2015  • uneindeutige Reaktionen reichen nicht!
  6. 6. © Zartbitter 2015  • klar stoppen und benennen!
  7. 7. © Zartbitter 2015  • einzeln befragen und Stellung beziehen
  8. 8. © Zartbitter 2015 Fragen an das übergriffige Kind  • Wer hat dir das beigebracht? • Wo hast du das schon mal gesehen?
  9. 9. © Zartbitter 2015 Fragen an das übergriffige Kind  Merke: Bei Hinweis auf Gewalterfahrungen des Kindes keine intensive Befragung durch päd. Fachkräfte Achtung: •Bei aktuellen/nicht verarbeiteten Gewalterfahrungen Kindeswohlgefährdung abklären •(§ 8a SGB VIII)
  10. 10. © Zartbitter 2015  dokumentieren Wichtig: •Spiegelstrichdokumentation - zunächst kein Bericht!!! •sachliche und genaue Wiedergabe der Fakten, Aussagen und Verhaltensbeobachtungen (wie Notizen nach einem Unfall)
  11. 11. © Zartbitter 2015  • kooperieren mit Fachstelle gegen sexuellen Missbrauch • abklären ob Kindeswohlgefährdung (§ 8a SGB VIII): • betroffenes Kind • übergriffiges Kind • kindliche Zeuginnen und Zeugen • ggf. Kooperation mit Jugendamt
  12. 12. © Zartbitter 2015  •mit Müttern und Vätern •mit Fachstelle gegen sexualisierte Gewalt •mit Jugendamt… kooperieren
  13. 13. © Zartbitter 2015  sexuelle Übergriffe kindgerecht sanktionieren wichtig: •Zwischen Person und Verhalten unterscheiden Botschaft: •Wenn jemand deine Grenzen verletzt, dann halte ich auch zu dir!
  14. 14. © Zartbitter 2015  abklären •ob Verbleib des übergriffigen Kindes in der Gruppe möglich ist •Schutz der anderen Mädchen und Jungen sicher stellen
  15. 15. © Zartbitter 2015  mit Klasse/Gruppe sprechen wichtig: •Persönliche Grenzen achten, kein Kind durch Detailschilderung entblößen!
  16. 16. © Zartbitter 2015  •Informationsabend für Mütter und Väter
  17. 17. © Zartbitter 2015 nachhaltige Aufarbeitung 
  18. 18. © Zartbitter 2015 • Würdigung des Leids der unmittelbar und mittelbar betroffenen Mädchen und Jungen und deren Eltern • langfristige externe Hilfen für alle nachhaltige Aufarbeitung
  19. 19. © Zartbitter 2015 Hilfen für Opfer und übergriffige Kinder
  20. 20. © Zartbitter 2015 diagnostische Abklärung evtl. Traumafolgen Verlaufsdiagnostik (kontinuierliche Beobachtung unter fachl. Anleitung) keinesfalls ausreichend: • Punktdiagnostik etwa durch übliche kinderpsychiatrische Testdiagnostik • Ergotherapie Hilfe für Opfer
  21. 21. © Zartbitter 2015
  22. 22. © Zartbitter 2015 Belastungen der betroffenen Kinder und der Zeuginnen/Zeugen ernstnehmen!
  23. 23. © Zartbitter 2015 Erste Reaktion auf Gewalterfahrungen sagt nichts über Langzeitfolgen aus! Dissoziation Erstarrung Verzweiflung
  24. 24. © Zartbitter 2015 © Zartbitter: Enders/Wolters 2014 Anpassung Kampf Flucht Erste Reaktion auf Gewalterfahrungen sagt nichts über Langzeitfolgen aus!
  25. 25. © Zartbitter 2015 (geschlechtsspezifische) Hilfen für kindliche Zeuginnen/Zeugen sowie Gruppe/Klasse
  26. 26. © Zartbitter 2015 Hilfen für übergriffige Kinder  • übergriffigem Kind keine vermehrte Aufmerksamkeit schenken! • Verantwortung für die Aufarbeitung des übergriffigen Verhaltens abgeben • verhaltens- bzw. traumatherapeutische Fachkräfte • Kindeswohlgefährdung an Jugendamt Achtung: Ergotherapie nicht geeignet! Spieltherapie nur begrenzt geeignet!
  27. 27. © Zartbitter 2015 Hilfen für Mütter und Väter der Opfer, übergriffigen Kinder und Gruppe/Klasse
  28. 28. © Zartbitter 2015  • Hilfen für… Hilfen für Mütter und Väter • Elterngespräch • Vermittlung von Beratungsangebot • Infoabend für alle Mütter und Väter der Gruppe
  29. 29. © Zartbitter 2015 Spezialisierte Hilfen für Mütter und Väter betroffener Kinder
  30. 30. © Zartbitter 2015 Mütter und Väter sexuell grenzverletzender Kinder Spezialisiertes Beratungsangebot, da oftmals … • fehlendes Wissen über (Un-)angemessenheit sexueller Aktivitäten von Kindern • Angst vor Beschuldigungen • Abwehr massiver Schuldgefühle in der Erziehung des Kindes und als Familie versagt zu haben
  31. 31. © Zartbitter 2015 Mütter und Väter sexuell grenzverletzender Kinder • Abwehr der eigenen Traumageschichte • familiäre Kultur, die Annahme von Hilfe erschwert - insbesondere bei schambesetzten Themen
  32. 32. © Zartbitter 2015 Fachberatung/Fortbildung/Supervision der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
  33. 33. © Zartbitter 2015 Fachberatung/Fortbildung/Supervision der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
  34. 34. © Zartbitter 2015  Fachberatung/Fortbildung/Supervision für … •Pädagoginnen/Pädagogen und Team (Fachberatung) •nicht pädagogische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter •Leitung (Supervision/Coaching) •Fachberatung bei Entwicklung eines institutionellen Kinderschutzkonzeptes
  35. 35. © Zartbitter 2015 Wenn ein Mädchen oder Junge sich Ihnen anvertraut…
  36. 36. © Zartbitter 2015 Reaktionen • Reagieren Sie besonnen und nicht mit Panik! • Machen Sie dem Kind keinen Vorwurf! • Stellen Sie ruhige und sachliche Fragen über den Ablauf des Missbrauchs! • Trösten Sie das Opfer, ohne zu dramatisieren! • Beziehen Sie sachlich Stellung, wenn ein Kind über Missbrauchshandlungen spricht! („Das ist nicht in Ordnung…“, „das ist gemein…“)
  37. 37. © Zartbitter 2015 • Spontane physische Reaktionen sind in Ordnung und nicht übertrieben (Weinen, Zittern, Magenkrämpfe…). • Auf keinen Fall zum Entspannen auffordern! • Bewegung ist hilfreich, um Kinder in die Realität zu holen. • Sprechen Sie das Kind nicht vor dem Einschlafen auf die sexuellen Gewalterfahrungen an. • Behalten Sie eine möglichst klare und normale Tagesstruktur bei. Reaktionen
  38. 38. © Zartbitter 2015 • Vermeiden Sie die Forderung nach drastischen Strafen für den Täter/die Täterin! • Holen Sie sich eine fachliche Beratung, um dem Kind eine wirkliche Hilfe zu sein! • Loben Sie das Kind, weil es den Mut hatte darüber zu sprechen! • Die Verantwortung für einen sexuellen Missbrauch trägt immer der Täter/die Täterin! Reaktionen
  39. 39. © Zartbitter 2015  Ursula Enders: Grenzen achten. Schutz vor Missbrauch in Institutionen. Ein Handbuch für die Praxis. Köln 2012
  40. 40. © Zartbitter 2015 Ursula Enders/Dorothee Wolters: Wir können was, was ihr nicht könnt. Ein Bilderbuch über Doktorspiele und sexuelle Übergriffe mit didaktischem Begleitmaterial Köln 2009
  41. 41. © Zartbitter 2015 Danke für eure Aufmerksamkeit! www.zartbitter.de

×