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Wort 28 NOV 2008

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Wort 28 NOV 2008

  1. 1. 18 CAMPUS Luxemburger Wort Freitag, den 28. November 2008 Etudier en Europe Helle Begeisterung für Deutsch und MoselfränkischLa Commission européenne alancé un portail internet intitulé Kéiseker a Kuddelfleck«Study in Europe». Ce site four-nit de nombreuses informationssur l’ensemble des cours dispen-sés par les établissements d’en-seignement supérieur européens,sur les procédures d’admission, Amira Ouardalitou erforscht die luxemburgischen Sprachinseln in der Neuen Weltles coûts et les bourses d’étudesdisponibles. VON ANDRÉ LINKwww.study-in-europe.org Unter Luxemburgisch-Spezialisten Kontaktmesse auch für Gehörlose versteht man gewöhnlich in EhrenVom 1. bis zum 3. Dezember ver- ergraute, von Weisheit und Erfah-anstaltet die bonding-studenten- rung triefende „Sproochmaates-initiative e.V. zum nunmehr 21. sen“. Wenn sich bereits internatio-Mal die bonding Firmenkontakt- nale Hochschulen wie Trier odermesse in Aachen, in diesem Jahr Sheffield mit unserer Sprache be-erstmalig auf dem Bendplatz. Mit schäftigen, dann gibt es aber auchinsgesamt 255 Firmen ist sie die junge Menschen, die sich dafür be-größte studentisch organisierte geistern. Eine Paradebeispiel istKontaktmesse dieser Art in Amira Ouardalitou, die für ihre Di-Deutschland. Es werden 15 000 plomarbeit an der Universität Biele-Besucher erwartet. Als erste Fir- feld die luxemburgischen Sprachin-menkontaktmesse ist die bonding seln in den USA erforscht.Aachen auch für Gehörlose kon-zipiert worden. In dem Rahmen Amira Ouardalitou hat einen tune-werden z.B. Behindertenvertreter sischen Vater und eine luxembur-von Unternehmen auf der bon- gische Mutter. Die besten Voraus-ding Messe anwesend sein und setzungen, um sich für ein Roma-Dolmetscher für die Gebärden- nistik-Studium zu entschließen?sprache die gehörlosen Besucher Falsch getippt, denn die in Echter-unterstützen. nach Aufgewachsene schwärmtewww.firmenkontaktmesse.de bereits als Kind für das Englische. Dass sie sich dann doch für Ger- Master in Optics and Photonics manistik entschied, lag an ihremDie Karlsruhe School of Optics Deutschlehrer Pol Even, der sie inand Photonics (KSOP) am Insti- ihren Gymnasiumsjahren fürtut für Technologie (KIT) baut Schönheit und Reichtum der Spra- Das „Luxembourg American Cultural Center“ in Belgium/Wisconsin wurde mit den Steinen einer 1872 vonihren internationalen Master- che Goethes zu begeistern wusste. luxemburgischen Auswandern errichteten Scheune erbaut. (FOTO: JEAN ENSCH)studiengang aus. Mit zusätzlichen Eins stand fest: Sie wollte unter-öffentlichen und privaten Mitteln richten, da sie unbedingt ihr er- den Sprung über den Großen Testpersonen ergeben? Nun, die nur, als die Probanden auf ihreerhöht die KSOP die Zahl der worbenes Wissen an andere wei- Teich. sprechen, sofern sie nicht zu der Bitte, den Satz „Is there a hedge-Studienplätze um 50 Prozent, tergebeben will. Die Reise im August dieses Jah- jüngeren Generation gehören, hog?“ keine Antwort geben konn-verbessert die Ausstattung der Wenn etwas die junge Dame res hat einen Monat gedauert. wohl noch ihre alte Heimatspra- ten, denn ob Igel oder „Kéiseker“,Labors und stockt das Personal auszeichnet, dann ist es ihr Taten- Zweck war, die Nachfahren lu- che, wenn auch in einer archai- dieses Tier war ihnen unbekannt.auf, das die Studierenden betreut. drang. Nicht in sechs, in fünf Se- xemburgischstämmiger Emigran- schen Form. Anders als Abkömm- Im Zweiten Weltkrieg war denDie Private-Public-Förderung gilt mestern wollte sie ihren Bachelor ten aufsuchen, um herauszufin- linge deutscher Einwanderer be- US-Behörden das Luxemburgi-besonders zwei internationalen machen. Und bereits im dritten den, ob und in welcher Form sie nennen sie die Ortschaften, in de- sche wegen seiner Nähe zumMasterstudiengängen: Photonics Semester an der Uni Bielefeld noch das Luxemburgische spre- nen sie leben, mit der luxemburgi- Deutschen verdächtig, weshalb esin Jena sowie Optics and Photo- sagte ihr Dozent Professor Jan chen. Flug und Mietauto hatte die schen, nicht der englischen Be- außerhalb des Familienkreises nurnics in Karlsruhe. Wirrer zu ihr: „Morgen gibst du Studentin aus eigener Tasche be- zeichnung. Vor allem sind ihnen noch wenig gebraucht wurde.www.kit.edu eine Luxemburg-Vorlesung vor zahlt, sie konnte auch auf den landwirtschaftliche Ausdrücke be- Heute hat auch die jüngere Gene- 180 Studenten!“ Korpus des „Institut grand-ducal“ kannt, sobald es aber zum Beispiel ration Gelegenheit, die Sprache Uni und FH Trier kooperieren sowie des Ahnen- und Emigrati- um Kommerzielles geht, wechseln ihrer Vorfahren in Kursen zu ler-Rund 15 Aktivitäten und Koope- Die obligate Springprozession onsforschers Jean Ensch zurück- sie lieber ins Englische über. nen, so dass die Hoffnung besteht,rationen haben die Trierer Hoch- Seitdem referiert Amira regelmä- greifen und die Veröffentlichun- Das in der neuen Welt gespro- dass dieser sprachliche Import alsschulen in der Vergangenheit ßig vor staunenden Mitstudieren- gen des Auswanderers und Publi- chene Luxemburgisch kennt kaum Kulturerbe nicht ganz verlorenrealisiert. Das ergab die zweite den über das kleine Großherzog- zisten Nicolas Gonner, der auch in französische Lehnwörter, dafür ist geht. Ein Erbe, das allein schon diegemeinsame Sitzung der Hoch- tum und seine kuriose Sprache. der neuen Heimat die Öslinger die Interferenz mit dem Engli- „Cultural Society“ in ihrem Doku-schulkuratorien von FH und Uni Dass sie als Echternacherin auch „Prärieblummen“ so schwärme- schen natürlich größer (im Fach- mentationszentrum in BelgiumTrier zu Beginn des Winter- die Springprozession mit ein- risch besang. Ansonsten lag in Sa- jargon: „Die Diglossie ist insta- wie einen kostbaren Schatz hütet.semesters 2008/2009. Gemein- bringt, muss wohl nicht eigens chen Forschung Neuland vor der bil.“) Wenn zum Beispiel ein Far-same Projekte sind u.a. die Reali- betont werden. Die Frage, ob Lu- tatenfreudigen Sprach-Pionierin. mer in Belgium oder St. Donatus Wechsel nach Freiburgsierung eines E-Learning-Projekts xemburgisch international als ei- einem das Kompliment macht: Die Forschungsergebnisse werdenfür beide Hochschulen; ein Pro- genständige Sprache anerkannt Herzliche Aufnahme „Du kucks schéin haut“, dann hat sich für Amira Ouardalita in einerjekt zur Verkehrstechnik und ist, kann sie vom sprachwissen- Unterstützung bekam Amira von er dies natürlich wörtlich aus dem Diplomarbeit und gegebenenfallsVerkehrssicherheit, kombiniert schaftlichen Standpunkt natürlich der luxemburgischen Botschaft in Englischen übersetzt. in Buchform niederschlagen. Ammit psychologischen Gesichts- nicht bejahen. Interesse weckt das den USA und Vereinigungen wie Ansonsten sagt das US-Luxem- 14. Januar hält sie ihre erste Vorle-punkten sowie die Promotion moselfränkische Idiom, das es der „Luxembourg American Cul- burgisch schon etwas über die un- sung über das amerikanische Lu-für FH-Absolventen/innen, die in zum Status einer Nationalsprache tural Society“. Auch auch die Alt- terschiedliche regionale Herkunft xemburgische an der BielefelderTrier oder an anderen Universi- gebracht hat, jedoch allemal. Lu- luxemburger, die sie in Chicago, seiner Sprecher aus. Etwas ver- Hochschule, und ab Februar wirdtäten möglich ist. xemburg, so Amira, sei vor allem Morton Grove, Skokie (Illinois), blüfft war die Sprachforscherin sie ihr Studium an einer anderen wegen des Multikulturellen be- Bellevue, City of Dubuque, St. Do- Universität, Freiburg im Breisgau, Gerhard-Fürst-Preis nach Trier kannt. Ob zu Recht oder nicht - im natus (Iowa), Belgium, Fredonia, mit einem anderen Professor, Pro-Die Diplomarbeit von Martin europäischen Ozean überwiegen- La Crosse, Mineral Point Port Wa- fessor Dr. Mark Louden, fort-Vogt wurde am 20. November der Monoglossie gilt unser Land shington, Ozaukee Countee und setzen.mit dem Gerhard-Fürst-Preis aus- irgendwie als Insel der Vielspra- Sheboyggan County (Wisconsin) Wenn auch ihre zweite Hälfte,gezeichnet. Das deutsche Statis- chigkeit. Und auch die Leichtig- aufsuchte, nahmen sie gastfreund- die tunesische Identität, in dentische Bundesamt prämiert mit keit, mit der die meisten Luxem- lich auf und standen ihr bereitwil- letzten Jahren etwas in den Hin-dem Gerhard-Fürst-Preis heraus- burger von einer in die andere lig Rede und Antwort. Besonders tergrund gerückt ist, so ist Amiraragende Dissertationen und Sprache wechseln, ruft Staunen herzliche Kontakte kamen bei dem doch hell begeistert von der For-Diplomarbeiten mit engem Bezug hervor. „Lëtzebuerger Heritage Festival“ schungsarbeit in den USA und denzur amtlichen Statistik. In seiner Nachdem Amira in Bielefeld zustande, bei dem auch die Herren menschlichen Kontakten, die da-Arbeit beschäftigte sich Martin das Seminar über deutsche Jean Ensch, Guy Thomas, Guy Do- mit verbunden waren. Dass sieVogt mit statistischen Methoden, Sprachinseln in den Vereinigten ckendorf und Georges Calteux zu- diese aufwändige Erhebung bzw.die eine Disaggregation von In- Staaten belegt hatte, entschloss sie gegen waren. Hier lernte Amira Auswertung auf sich genommenformationen auf kleine Nach- sich, als Thema für ihre Diplomar- Ouardalitou Eigentümlichkeiten hat, bereut sie keinen Augenblick.weisgruppen ermöglichen sollen. beit die luxemburgischsprachigen kennen, auf die sie als Halbtune- „Forschen hat nichts mit dem Al-Diese sogenannten Small Area- Gemeinschaften in der Neuen sierin wohl nicht vorbereitet war, ter zu tun“, schlussfolgert die sym-Verfahren sollen im deutschen Welt zu wählen. so den allseits gerühmten, aber pathische Studentin, und soZensus 2011 zum Einsatz kom- Mit achtzehn Jahren war sie nicht unbedingt jeden anspre- möchte sie alle Studierenden er-men. Die Diplomarbeit war im zum ersten Mal in den States ge- chenden „Kuddelfleck“. mutigen, nicht in ihren HörsälenFach Mathematik eingereicht wesen, jetzt, ohne sich völlig im Was haben nun die Gespräche sitzen zu bleiben, sondern uner-worden. Der Preis ist mit 2 500 Klaren zu sein, worauf sie und Tonaufnahmen mit den in den „Jeder Student sollte eigenständig re- schrocken vor Ort zu recher-Euro dotiert. sich einließ, wagte sie erneut vorgenannten Staaten ansässigen cherchieren ...“ (FOTO: ANOUK ANTONY) chieren.

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