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Digitale spuren des Lernens im Prozess der Arbeit

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Digitale Spuren des Lernens im Prozess der Arbeit war der Impuls von Prof. Dr. Andreas Rausch, Lehrstuhl für Wirtschaftspädagogik, Lernen im Arbeitsprozess. Hier ging es um das Thema „Workplace Learning Analytics“. Für mich ein zukunftsweisender Ansatz, wenn auch schwieriger wie Analytics von formellem Lernen. Diskutiert wurden anschließend auch konkrete Ansätze wie die Rolle von Analytics im Performance Support oder beim Lernen in sozialen Netzwerken.

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Digitale spuren des Lernens im Prozess der Arbeit

  1. 1. Digitale Spuren des Lernens im Prozess der Arbeit Prof. Dr. Andreas Rausch Lehrstuhl für Wirtschaftspädagogik, Lernen im Arbeitsprozess 27.09.2019 Digital Round Table Learning Analytics 1
  2. 2. O-Ton aus einem Interview zum Lernen am Arbeitsplatz „… Also, am Arbeitsplatz kann ich eigentlich gar nicht lernen. Immer wenn ich gerade das Buch raushole, kommt wieder ein Kunde. Am Arbeitsplatz lerne ich eigentlich nie.“ 2Andreas Rausch
  3. 3. Übersicht Andreas Rausch 3 1. Informelles Lernen im Arbeitsprozess 2. Digitale Spuren des Lernens im Arbeitsprozess 3. „Workplace Learning Analytics“ 4. Risiken und Nebenwirkungen
  4. 4. Varianten arbeitsbezogenen Lernens 4 Arbeitsgebundenes Lernen Arbeitsverbundenes Lernen Arbeitsorientiertes Lernen Verhältnis von Lernort zu Arbeitsort Lernort und Arbeitsort sind identisch Lernort und Arbeitsort sind getrennt, aber räumlich verbunden Lernort und Arbeitsort sind getrennt Formalisierung des Lernens • überwiegend informelles Lernen • überwiegend informelles Lernen • überwiegend formelles Lernen Beispiele • „Learning by doing“ • Lernen durch Kon- frontation mit Neuem • Einarbeitung • Qualitätszirkel • Lerninsel • Reflexionsgespräch • „Daily“ • Schulungszentrum • Lernbüro • Übungsfirma (Dehnbostel & Pätzold, 2004) Informelles Lernen Andreas Rausch
  5. 5. Handeln, Arbeiten, Lernen 5 Merkmale der Arbeitssituation Individuelle Voraussetzungen Externe Bedingungen: Interne Bedingungen: Handlungsebene: Handlungen Auswirkungen Lernen PersonSituation Arbeiten (in Anlehnung an Straka & Macke, 2008, S. 591) Andreas Rausch “Arbeitshandeln“ = Verfolgung von Arbeitszielen, d. h. Veränderung der Umwelt / der Arbeitssituation à Lernen als unbemerktes „Nebenprodukt“ “Lernhandeln“ = Verfolgung von Lernzielen, d. h. Veränderung der eigenen Kompetenzen à keine unmittelbare Verwertung („Vorratswissen“)
  6. 6. Probleme als Lernanlass: … Was heißt hier Problem? Ein Problem entsteht, wenn ein Lebe- wesen ein Ziel hat und nicht weiß, wie es dieses Ziel erreichen soll. Wo immer der gegebene Zustand sich nicht durch das bloße Ausführen selbstverständlicher Operationen in den erstrebten Zustand überführen lässt, wird das Denken auf den Plan gerufen. Ihm liegt es ob, ein vermittelndes Handeln allererst zu konzipieren (Duncker, 1935/1974, S. 1). ... einfach ausgedrückt: 6Andreas Rausch https://furrynuff.files.wordpress.com/2008/08/cookie.jpg Ist-Zustand ≠ Soll-Zustand & keine Lösungsroutine verfügbar https://c.stocksy.com/a/ypD900/z9/2198146.jpg?1567101149
  7. 7. Quellen problemlösender Handlungsentwürfe: 7Andreas Rausch Da frag ich jemanden, der sich auskennt ...
  8. 8. … oder ich lese irgendwo nach 8Andreas Rausch Bildquelle: http://autfm.org/wp-content/uploads/2018/02/what-are-the-best-car-repair-manuals-2017-to-do-car-repair-at-home.jpg
  9. 9. … oder ich probiere herum (mehr oder weniger erfolgreich) 9Andreas Rausch Bildquelle: https://i.chzbgr.com/full/3812370176/hFAF6E904/ Bildquelle: https://i.ytimg.com/vi/yxyhG58b9Gc/maxresdefault.jpg
  10. 10. … oder ich beobachte andere, die ähnliche Problem lösen 10Andreas Rausch Bildquelle: https://image.shutterstock.com/image-photo/electrical-line-apprentice- observing-teachers-260nw-1498333109.jpg
  11. 11. … und ich denke mal gründlich über das Problem nach. 11Andreas Rausch Bildquelle: https://st3.depositphotos.com/11841524/16555/v/600/depositphotos_165551762-stock-video-thoughtful-business-young-man-working.jpg
  12. 12. Lernen durch Problemlösen im Arbeitsprozess 12Andreas Rausch Handlungsentwurf „aus Theorie“ (indirekte Erfahrung) Handlungsentwurf „aus Empirie“ (direkte Erfahrung) Eigener Handlungsentwurf Elaboration (Nachdenken = “Probehandeln“) Eigenes Ausprobieren („trial and error“ bzw. „Hypothesentest“) Fremder Handlungsentwurf (a) Nachfragen (b) Nachschlagen Beobachtung fremden Ausprobierens Abbildung: Quellen problemlösender Handlungsentwürfe (adaptiert von Rausch, Schley & Warwas, 2015, S. 452) Problemlösen = Wissenssuche à Problemlösung = Wissensanwendung à Wissensanwendung memorieren = Lernen
  13. 13. Übersicht Andreas Rausch 13 1. Informelles Lernen im Arbeitsprozess 2. Digitale Spuren des Lernens im Arbeitsprozess 3. „Workplace Learning Analytics“ 4. Risiken und Nebenwirkungen
  14. 14. Digitale Spuren des Nachfragens bei Kollegen_innen 14Andreas Rausch Bildquelle: http://images.iphone- ticker.de/wp-content/uploads /2016 /06/anrufliste-1.jpg Bildquelle: https://slackhq.com/admin- slacktips/wp-content/uploads/sites/2 /2019/01/0_Live_chatting.png Bildquellehttps://cdn.nanalyze.com/uploads/2017 /04/Humanyze-Badge.jpg
  15. 15. Browserverlauf Bildquelle: https://imobie-resource.com/de/support/img/iphone-safari-verlauf-wiederherstellen2.png Digitale Spuren des Nachschlagens 15Andreas Rausch Aufrufstatistiken interner Hilfeangebote Bildquelle: https://www.strato.de/faq/new_images/776/de/6de184ba2d83b092e581873ff294d1db.jpg
  16. 16. Digitale Spuren von Trial and Error 16Andreas Rausch Bildquelle: https://docplayer.org/docs-images/26/8168250/images/2-0.pngBildquelle: http://www.der-pc-anwender.de/excel-2010-lernen/ab/excel-2010-spur-zum-fehler.png Erwartungswidrige Änderung einer früheren Eingabe
  17. 17. Ihre Ideen sind gefragt: Welche weiteren digitalen Spuren weisen auf lernrelevante ARBEITS-Aktivitäten hin? 17Andreas Rausch Bildquelle: https://icon-library.net/images/discussion-icon/discussion- icon-25.jpg
  18. 18. Übersicht Andreas Rausch 18 1. Informelles Lernen im Arbeitsprozess 2. Digitale Spuren des Lernens im Arbeitsprozess 3. „Workplace Learning Analytics“ 4. Risiken und Nebenwirkungen
  19. 19. Identifikation von Experten_innen in bestimmten Bereichen • Experten_innen erbringen in einer bestimmten Domäne dauerhaft herausragende Leistungen (Gruber & Stöger, 2011, S. 247). • Identifikation von Expertise auf Basis von Daten zu (a) Häufigkeiten der Problembearbeitung (b) Fehlerquoten (c) Nachfragen anderer (d) … what else? 19Andreas Rausch Bildquelle: https://icon-library.net/images/discussion- icon/discussion-icon-25.jpg
  20. 20. Nutzen der Identifikation von Expertise à Anerkennung von Expertise (monetär und sozial) à Statusrolle zeigt potenzielle Entwicklungsziele an (= wichtiges Signal innerhalb einer so genannten „Community of Practice“) à Sichtbarmachen von Expertise (Expertendatenbank), um Nachfragen zu erleichtern. à Verfügbarkeit von Expertise (= wichtiges Merkmal guter „Communities of Practice“) à Aufzeichnung von „Best Practice“ (bspw. aus Logdaten), um die Beobachtung von Expertenhandeln zu erleichtern. 20Andreas Rausch
  21. 21. Identifikation typischer Fehler / Critical Incidents • Bei welchen Arbeitsaufgaben treten Nachfragen, Nachschlagen und Fehler besonders häufig auf? • Welche Informationen würden hier helfen? (kurze Erklärungen oder Kontakt zu Experten_innen) • Wie kann ich diese Informationen hilfreich zur Verfügung stellen? à Kontextualisierung von Hilfeangeboten (Performance Support Tools) • Wie werden diese Hilfeangebote genutzt? à Logdaten- Analyse, Nutzerbefragungen, Fehlerquoten etc. • Kontinuierliche Verbesserung der kontextualisierten Hilfen à Förderung des informellen Lernens im Arbeitsprozess 21Andreas Rausch
  22. 22. Übersicht Andreas Rausch 22 1. Informelles Lernen im Arbeitsprozess 2. Digitale Spuren des Lernens im Arbeitsprozess 3. „Workplace Learning Analytics“ 4. Risiken und Nebenwirkungen
  23. 23. Grenzen von „Workplace Learning Analytics“: 23Andreas Rausch Bildquelle: https://st3.depositphotos.com/11841524/16555/v/600/depositphotos_165551762-stock-video-thoughtful-business-young-man-working.jpg Meine kognitiven Prozesse hinterlassen keine (direkten) Spuren
  24. 24. Risiken und Nebenwirkungen 24Andreas Rausch Bildquelle: https://icon-library.net/images/discussion-icon/discussion-icon-25.jpg
  25. 25. Danke für Ihre Aufmerksamkeit! 25Andreas Rausch Prof. Dr. Andreas Rausch Wirtschaftspädagogik, Lernen im Arbeitsprozess Fakultät Betriebswirtschaftslehre Universität Mannheim rausch@uni-mannheim.de
  26. 26. Literatur • Dehnbostel, P. & Pätzold, G. (2004). Lernförderliche Arbeitsgestaltung und die Neuorientierung betrieblicher Bildungsarbeit. In P. Dehnbostel & G. Pätzold, G. (Hrsg.), Innovationen und Tendenzen der betrieblicher Berufsbildung. Zeitschrift für Berufs.- und Wirtschaftspädagogik, 18. Beiheft (S. 19-30). Stuttgart: Steiner. • Endedijk, Maaike D. & van den Bossche, P. (2017). Sociometric badges and WiFi sensors: using wearable sensor technology to study dynamics of social learning at the workplace. Paper presentation at the 17th Biennial Conference of the European Association for Research in Learning and Instruction (EARLI) 2017 - University of Tampere, Finland • Gruber, H. & Stöger, H. (2011). Experten-Novizen-Paradigma. Wieso und seit wann sprechen wir vom „Lehrer als Experten“? In E. Kiel & K. Zierer (Hrsg.), Unterrichtsgestaltung als Gegenstand der Wissenschaft (S. 247-264). Baltmannsweiler: Schneider-Verl. Hohengehren. • Rausch, A. (2011). Erleben und Lernen am Arbeitsplatz in der betrieblichen Ausbildung. Wiesbaden: VS- Verlag. • Rausch, A., Schley, T. und Warwas, J. (2015). Problem solving in everyday office work - a diary study on differences between apprentices and skilled employees. International Journal of Lifelong Education, 34, 448-467. • Straka, G. A. & Macke, G. (2008). Handlungskompetenz – und wo bleibt die Sachstruktur? Zeitschrift für Berufs- und Wirtschaftspädagogik, 104(4), 590–600. • Tynjälä, P. (2013). Toward a 3-P Model of Workplace Learning: A Literature Review. Vocations and Learning, 6(1), 11–36. 26Andreas Rausch

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