Successfully reported this slideshow.
We use your LinkedIn profile and activity data to personalize ads and to show you more relevant ads. You can change your ad preferences anytime.

Zensur in der Digitalität - eine Überwindung der Moderne?

357 views

Published on

Vortrag auf der Tagung "Nationalsozialismus Digital" Nationalsozialismus Digital
 - Die Verantwortung von Bibliotheken, Archiven und Museen sowie Forschungseinrichtungen und Medien im Umgang mit der NS-Zeit im Netz. Österreichische Nationalbibliothek, Universität Wien, 27. – 29. November 2019

Published in: Government & Nonprofit
  • Be the first to comment

  • Be the first to like this

Zensur in der Digitalität - eine Überwindung der Moderne?

  1. 1. Zensur in der Digitalität eine Überwindung der Moderne? Hans-Christoph Hobohm Fachhochschule Potsdam Nationalsozialismus Digital DieVerantwortung von Bibliotheken,Archiven und Museen sowie Forschungseinrichtungen und Medien im Umgang mit der NS-Zeit im Netz. ÖNB, Uni Wien, 27. – 29. November 2019
  2. 2. Hobohm: Zensur in der Digitalität 2
  3. 3. Hobohm: Zensur in der Digitalität 3 2015 2018 2015 Dirk Helbing
  4. 4. Hobohm: Zensur in der Digitalität 4 1992 1737: Der Roman wird modern: Markt stattVor-Zensur
  5. 5. Hobohm: Zensur in der Digitalität 5
  6. 6. Hobohm: Zensur in der Digitalität 6
  7. 7. Hobohm: Zensur in der Digitalität 7
  8. 8. Hobohm: Zensur in der Digitalität 8 Die Entstehung des „Dritten Ortes“ 1962
  9. 9. Hobohm: Zensur in der Digitalität 9 20.11.2019März 2019 30.10.2019 2019: wohin geht die Zensur: Löschen von Identitäten?
  10. 10. Hobohm: Zensur in der Digitalität 10 Kommunikation ohne Zensur ist unmöglich, weil jede Kommunikation Regeln und Normen unterworfen ist. „…communication without censorship is effectively impossible, because the structure of a discursive field, while enabling a particular discourse, can only do so at the expense of other, potentially competing discourses which have to be stifled, and consequently censored, in order to allow the field-specific discourse to flourish. Censorship thus becomes ubiquitous, making the identifiable personal censor superfluous.“ (B.Müller 2004, p.8) Müller,Beate(2004):CensorshipandCulturalRegulation.MappingtheTerritory. In:BeateMüller(Hg.):Censorship&CulturalRegulationintheModernAge. Amsterdam,NewYork:Brill|Rodopi(Culturalstudies,22),S.1–31. Zensurforschung 1990ff
  11. 11. Hobohm: Zensur in der Digitalität Zensur 11 nach:Blanché,Robert(1969):Structuresintellectuelles.Paris,Vrin Das logische Hexagon von Kultur und Herrschaft
  12. 12. Hobohm: Zensur in der Digitalität Zeitdiagnose? • Beschleunigung. DieVeränderung der Zeitstrukturen in der Moderne. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 2005 • Resonanz. Eine Soziologie der Weltbeziehung. Berlin: Suhrkamp, 2016 12 2016 Hartmut Rosa Photo: Uni Jena
  13. 13. Hobohm: Zensur in der Digitalität 13 Ohne Zweifel ist die Digitalisierung eine Störung der Routinen der Moderne. Sie ist eine ähnliche Katastrophe wie der Buchdruck für den Informationshaushalt der Gesellschaft. (Nassehi 2019, 115) Nassehi,Armin(2019):Muster.TheoriederdigitalenGesellschaft.München:C.H.Beck. Digitalität
  14. 14. Hobohm: Zensur in der Digitalität 14 Die Löschungen von Unterscheidungen auf dem Weg zur Digitalen Gesellschaft: • objektiv / subjektiv • mündlich / schriftlich • privat / öffentlich • mein / dein • virtuell / real • entweder / oder Piazzi, Tina; Seydel, Stefan M. (2010): Die Form der Unruhe. Band 2: Die Praxis. Vom Buchdruck zum Computer. Handlungsprinzipien zum Umgang mit Informationen auf der Höhe der Zeit. Hamburg: Junius Baecker, Dirk (2018): 4.0 oder Die Lücke die der Rechner lässt. Leipzig: Merve Digitalität I
  15. 15. Hobohm: Zensur in der Digitalität 15 Chris Anderson Wired 2008Wired 2004
  16. 16. Hobohm: Zensur in der Digitalität Netzwerkeffekte für „Information“ 16 Linde,Frank(2008):ÖkonomiederInformation.2.Aufl.Göttingen,Göttingen: NiedersächsischeStaats-undUniversitätsbibliothek;Univ.-Verl.Göttingen.
  17. 17. Hobohm: Zensur in der Digitalität Digitalität II • Stalder, Felix (2016): Kultur der Digitalität. Berlin: Suhrkamp (Edition Suhrkamp, 2679). • Referenzialität • Gemeinschaftlichkeit • Algorithmizität 17 2016 Felix Stalder
  18. 18. Hobohm: Zensur in der Digitalität Maßnahmen • Vertrauensbildende Maßnahmen: SEO: page authority, page trust (Referenzialität) • Beziehungskennzeichnung mit gesetzten Link-Attributen (rel=„nofollow“ (2005 - ) + rel=„ugc“, rel=„sponsored“ (2019 - ) (Referenzialität) • Maschinelle Vorzensur: „Upload Filter“ (EU Richtlinie März 2019,Algorithmen) • Automatisch generierte Metadaten: Marc21 Feld: 883 0 $81p$amaschinell gebildet$c0,79204 (Algorithmen) • Bewertungs-Tools wie NewsGuard (Algorithmen, Community) • Korrektur: Recherchenetzwerke und Faktenchecker wie Correctiv (Community) 18
  19. 19. Hobohm: Zensur in der Digitalität Niklas Luhmann: „Macht entlastet“ 19
  20. 20. Hobohm: Zensur in der Digitalität 20 „increase in mobile internet access reduces government approval“ Guriev,SergeiandMelnikov,NikitaandZhuravskaya,Ekaterina,3GInternet andConfidenceinGovernment(November2019).AvailableatSSRN:https:// ssrn.com/abstract=3456747orhttp://dx.doi.org/10.2139/ssrn.3456747
  21. 21. Hobohm: Zensur in der Digitalität Der neue Gesellschaftsvertrag 2019 21 1762 1989 - 2001 - 2019
  22. 22. Hobohm: Zensur in der Digitalität Contract for the Web, 25.11.2019 22 Governments Companies Citizens
  23. 23. Hobohm: Zensur in der Digitalität 23 https://ec.europa.eu/digital-agenda/en/onlife-manifesto - Stand Juni 2015
  24. 24. Hobohm: Zensur in der Digitalität Verschiebungen A. „Die Übergänge zwischen Realität undVirtualität verschwimmen. B. Die Grenzen zwischen Mensch, Maschine und Natur werden verwischt. C. Statt Informationsknappheit herrscht Informationsüberfluss. D. Es findet eineVerlagerung vom Primat des Objekts hin zum Primat der Interaktion statt.“ 24 Floridi,Luciano(Hg.)(2014):OnlifeManifesto.(dt),S.2
  25. 25. Hobohm: Zensur in der Digitalität Das Manifest • Moderne: „Game over“? • Bei Frankenstein und Big Brother • Der Dualismus ist tot! Lang lebe die Dualität! • Kontrolle und Komplexität • Öffentlichkeit und Privatheit • Vorschläge für eine bessere Politikgestaltung • Das relationale Selbst • Digitale Mündigkeit der Gesellschaft • Sorge um unserer Aufmerksamkeitsfähigkeit 25 Floridi,Luciano(Hg.)(2014):OnlifeManifesto.(dt),
  26. 26. Hobohm: Zensur in der Digitalität Sorge um unsere Aufmerksamkeitsfähigkeit* 4.6 Wir glauben, dass Gesellschaften die Aufmerksamkeitsfähigkeit des Menschen schützen, pflegen und nähren müssen. […] Der Schutz der Aufmerksamkeit sollte in die Grundrechte wie die der Privatsphäre und der körperlichen Unversehrtheit eingebunden werden, da Aufmerksamkeitsfähigkeit wegen ihrer Bedeutung für die Entwicklung von Sprache, Empathie und Gemeinschaftsfähigkeit ein dem relationalen Selbst innewohnendes Element ist. 26 Floridi,Luciano(Hg.)(2014):OnlifeManifesto.(dt),S.9 * „attentional capabilities“
  27. 27. Hobohm: Zensur in der Digitalität Handlungshemmung? 27 Eine Handlungshemmung tritt nur dort auf, wo es zu Anpassungs-, Entscheidungsoder Justierungsfragen kommt. Der größte Teil unseres Alltagshandelns kommt ohne Handlungshemmungen aus – es geschieht sehr routiniert, was geschieht. In der Soziologie nennt sich solches Handeln Praxis. Erst wo die Praxis unterbrochen wird, kommt es zur expliziten Beteiligung des Bewusstseins, besser müsste man sagen: der Bewusstheit. (Nassehi (2019), 292) Nassehi,Armin(2019):Muster.TheoriederdigitalenGesellschaft.München:C.H.Beck.
  28. 28. Hobohm: Zensur in der Digitalität Sorge = „cūra <ae> f“ (lat.) 28 Éthique de la considération 2019 2008 Foundational Economy 2019 2004
  29. 29. Hobohm: Zensur in der Digitalität 29 Die Auftrag der Bibliothekare ist die Verbesserung der Gesellschaft durch die Förderung von Wissensgenerierung in der Community.
  30. 30. Hobohm: Zensur in der Digitalität 30 Deutsche Übers. hrsg. v. H.-C. Hobohm, Berlin 2017 Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! www.hobohm.info @hobohm Audunson, Ragnar;Andresen, Herbjørn; Fagerlid, Cicilie; Henningsen, Erik; Hobohm, Hans-Christoph; Jochumsen, Henrik et al. (Hg.): Libraries, archives and museums as democratic spaces in a digital age. Berlin: De Gruyter Saur, 2020

×