Fintech - Wenn Maschinen die Banken übernehmen

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Fintech - Wenn Maschinen die Banken übernehmen

  1. 1. Fintech - Wenn Maschinen die Banken übernehmen Alexis Eisenhofer, financial.com Deutsche Apotheker- und Ärztebank, 15. Dezember 2015 in München
  2. 2. ➢ Bessere und günstigere Produkte für jedermann ➢ Gewinne entstehen nur bei sehr wenigen Produzenten ➢ Massenarbeitslosigkeit, weil Roboter nun auch Dienstleistungen übernehmen MIT Center for Digital Business: Fundamentaler Wandel der Gesellschaft infolge der Digitalisierung
  3. 3. ➢ Ein Großteil der Informations- und Telekommunikations- technik wurde von Siemens geliefert ➢ Münchens Wirtschaftskraft besteht großteils aus gefährdeten Unternehmen ➢ McKinsey sieht bis 2025 40% der heutigen Jobs bedroht Vor einem Vierteljahrhundert war München das Silicon Valley der Welt
  4. 4. Die “neue Welt” im Jahr 2015
  5. 5. Wesenszug digitaler Geschäftsmodelle: Disintermediation des “Man in the Middle” ➢ Produzenten (Marken) und Konsumenten treten direkt gegenüber ➢ “Prosumer”: Kunden nehmen Einfluss auf die Produktgestaltung ➢ “Nicht-physische Produktion” (das Kerngeschäftsmodell der Bank) liefert idealen Ansatz für digitale Strategien ➢ Innovationen bei Banken bislang auf Finanzinstrumente beschränkt ➢ Retailbanken in Europa haben nur 20-40% ihrer Prozesse digitalisiert (McKinsey, Oktober 2013)
  6. 6. Nachfrage: Immer mehr Kunden erwarten Veränderungen bei Banken ➢ Generationen X (1964-1979) und Y (1980-1995) kommen in das Alter für Vermögensbildung; “Millenials” (ab 2000) wollen kein Beratungsgespräch ➢ Millenial Disruption Index: “Banking is at the highest risk of disruption.” (71% gehen lieber zum Zahnarzt als zur Bank) ➢ Steigende Aktienmärkte ohne Festgeld-Alternative ➢ “Paradox of Choice”: Zu viel Angebot reduziert die Gesamtnachfrage ➢ “Entzauberung” der Finanzberater durch zwei Krisen; Schlechtes Image von Banken in der Öffentlichkeit ➢ Steigender Frust der Anwender aufgrund von Altsystemen bei Banken
  7. 7. Angebot: Neue Technologien ermöglichen zahlreiche (neue/kontextuelle) Angebotschancen ➢ Big Data - “4Vs”: Volume, Variety, Velocity, Veracity ➢ Weniger Grenzen - “5As”: Anyone, Anything, Anytime, Anywhere, Any Device ➢ Social Media (Collaboration & Sharing) ➢ Künstliche Intelligenz: Turing-Test wird für Personen bis 14 Jahren bestanden ➢ Technologien zerstören Branchen immer schneller (Skype, myTaxi, WhatsApp, Spotify, YouTube, Google Maps etc.) ➢ Eine Million User in 9 Jahren/Monaten/Tagen: AOL/Facebook/Draw Something ➢ FinTechs mit $ 3 Mrd. VC in 2013 (2008: $ 930 Mio.); klein im Vergleich zu gesamten IT Kosten ($ 485 Mrd.); 50% Money Services, 20% Account Services, 15% Lending, 10% Personal Finance, 5% Business Services
  8. 8. Anzeichen eines Tsunamis sind bereits sichtbar ➢ Produktivitätskennzahlen von Filialen verschlechtern sich seit langem ➢ Sinkende Hürden für Erbringung von Finanzdienstleistungen ➢ Steigende Akquisitionskosten ($ 350 für Girokonto, $ 2500 für Hypothek) ➢ Werbekampagnen weniger effizient (sinkende Conversion; Multi Channel) ➢ Tsunami-Gefahr: Anzahl der Taxis in San Francisco im letzten Jahr um -65% gesunken (Uber.com) ➢ McKinsey (Accenture): -30% (-35%) Umsatz bei Banken bis 2020 ➢ “Bezahlen mit Facebook”: Vorstellung der Open-Beta Version am 17.03.2015 ➢ Paradigmen-Wechsel verursacht Ignoranz und Unfähigkeit bei Führungskräften
  9. 9. Plattformökonomie, Ökonomie der Null- Grenzkosten oder “Winner-Takes-It-All” ➢ Größtes Taxi-Unternehmen besitzt keine Taxis (Uber) ➢ Größtes Hotel-Unternehmen besitzt keine Hotels (Airbnb) ➢ Größtes Telefon-Unternehmen besitzt keine Leitungen (Skype) ➢ Größter Einzelhändler besitzt keine Waren (Alibaba) ➢ Größtes Medienunternehmen produziert keinen Content (Facebook) ➢ Größtes Filmunternehmen besitzt keine Kinos (Netflix) ➢ Größtes Softwareunternehmen schreibt keine Apps (Google)
  10. 10. Angreifer auf die Institutionelle Kapitalanlage bzw. das Investment Banking
  11. 11. Quandl.com: 10 Mio. kostenfreie Zeitreihen für Finanzdaten (Download, API, Excel & Plotly) ➢ Plattform für strukturierte Daten ➢ Alle wichtigen Quellen (FRED, EZB etc.) ➢ Fortlaufende Aktualisierungen
  12. 12. Plot.ly: Kostenfreie graphische Datenanalyse ➢ Ähnlich mächtig wie Programmiersprache R ➢ Sharing & Collaboration ➢ Zahlreiche Import/Export Formate
  13. 13. Quantopian.com: Kostenfreie Algorithmic Trading Community mit Live Backtesting/Bewertung von komplexen Strukturen ➢ Quellcode und Kennzahlen verfügbar ➢ Fachlicher Austausch mit hervorragenden Quants ➢ Finanzierung über Hedgefonds Management
  14. 14. Rizm.equametrics.com: Drag & Drop Algo Builder & Paper Trading ➢ Keine Programmier- erfahrung erforderlich ➢ Backtesting & Paper Trading ➢ Finanzierung über Introducing Broker Fees (IB, FXCM)
  15. 15. Estimize.com: Crowdsourced Estimates (4500+ Analysten) ➢ Schwarmintelligenz (ohne Sell side); Bessere Ergebnisse als Wall Street Analysen ➢ Zahlreiche Rankings, Alerts, Kalender ➢ Social Media Funktionen
  16. 16. SeekingAlpha.com: Peer Group Blog für Aktienanalysen mit mehr als 7.000 Autoren ➢ Ausgezeichnete Qualität aufgrund intensiver Diskussionen ➢ Oftmals neue, nicht- öffentliche Fakten ➢ Kostenfreie Transcripts aller Earnings Calls
  17. 17. Exkurs: LimeBrokerage.com - Sub Millisecond Execution & Clearing (880 ns Market Data); 20% of US Equities Volume ➢ “Discount Broker” für Algos ➢ Order-Ausführung schneller als bei “normalen” Brokern ➢ Umfangreiche Marktdaten (Level 2)
  18. 18. Angreifer auf die Vermögensverwaltung bzw. das Brokerage-Geschäft
  19. 19. Wikifolio: Social Trading - “Freunde” ersetzen Bankberater ➢ Handelsstrategien werden von L&S verbrieft (aktuell 8421 Zertifikate) ➢ Heute bereits 40% des Handelsumsatzes der Börse Frankfurt ➢ 3-stelliges jährliches Wachstum
  20. 20. quirion.de: Massentaugliche Vermögensverwaltung “Robo-Adivor” ➢ Einfachheit als zentrales Produktfeature ➢ Individualisierung durch “Selbst-Beratung” über Schieberegler ➢ Kostenvorteile durch Indexfonds
  21. 21. Wealthfront.com: ETF-basierte, provisionsfreie Vermögensverwaltung (1 Mrd. USD AuM in 30 Monaten) ➢ Internationaler Marktführer mit 1,8 Mio. Visits pro Monat ➢ 3-stellige Wachstumsraten pro Jahr ➢ Weit stärkeres Wachstum als Charles Schwab (Direct Brokerage)
  22. 22. Angreifer auf Zahlungssysteme bzw. Girokonten
  23. 23. Paypal wickelt ¼ der weltweiten Online-Einkäufe ab - 148 Mio. Kunden sind zahlenmäßig “Deutschland plus Frankreich” ➢ Paypal hat nach 7 Jahren mehr Online Accounts als alle Sparkassen in Deutschland ➢ eCommerce in 5 Jahren auf 14% Anteil verdoppelt - bei beschleunigtem Wachstum ➢ Abspaltung von Ebay bringt weiteres Wachstum für Paypal
  24. 24. Alipay ist heute bereits der größte Anbieter von Festgeld in China (6,3% statt 3,25% bei staatlichen Banken) ➢ Zahlungsabwickler beginnen auch mit Einlagengeschäft ➢ Aktuell einziger Anbieter in China mit positivem Realzins ➢ Alipay hat besseres Image als staatliche Banken
  25. 25. TransferWise.com: Extrem kostengünstige Auslandsüberweisungen - “Geld ohne Grenzen” ➢ Auslandsüberweisung ist der Honigtopf der Bankgebühren ➢ Selbst innerhalb eines Währungsraums hohe Gebühren ➢ Aktienkurs von Western Union seit Jahren im Abwärtstrend
  26. 26. Facebook und MoneyGram: Auslandsüberweisung aus den USA in über 200 Länder über “PicomoPay” App ➢ 25% aller Klicks in den USA bei Facebook ➢ 73% aller Millenials wünschen sich Zahlungsfunktion von Facebook (Millenial Disruption Index) ➢ Kein “Henne-Ei- Problem” (Netzwerkeffekt)
  27. 27. Mint.com: Persönlicher Finanzverwaltungsdienst mit Multi- Konten-Aggregation (198 Mio. Konten in USA/Kanada) ➢ Persönliche Finanzplanung mit Sparempfehlungen durch Peer Group Vergleiche ➢ Finanzierung durch Vermittlung langfristiger Verträge ➢ Gründung 2006, Übernahme in 2009 durch Intuit (170 Mio. USD)
  28. 28. Friend-to-Friend Zahlungen über Facebook Messenger ➢ Produktvorstellung am 17.03.2015 ➢ Einfach über FB Message bezahlen (in China bietet WeChat längst dieses Feature) ➢ Keine (externe) App erforderlich
  29. 29. Social Banking “Kaching” der Commonwealth Bank ➢ Bezahlen per Handy über Facebook/E- Mail/SMS ➢ Komplette Integration in Timeline der Freunde ➢ Push Notifications bei Zahlungen
  30. 30. Exkurs: Alternative “Geldschöpfung” durch Kryptowährungen ➢ Dezentrale Peer-to-Peer Geldschöpfung mit eigener Software (“Blockchain”) ➢ Führendes Bitcoin- Netzwerk entstand 2009 (14 Mio. Bitcoins à 262 USD) ➢ Fälschungssicher und knapp aufgrund kryptographischer Verfahren
  31. 31. Angreifer auf das Kreditgeschäft bzw. die Projektfinanzierung
  32. 32. Lendingclub.com: Peer-to-Peer Kredite (“Social Lending”) ➢ Peer-to-Peer Kredite, größte Crowdlending Plattform weltweit ➢ Google seit 2013 mit 8% beteiligt (Bewertung 1,55 Mrd. USD; 1,9 Mrd. USD Kredite, Verdreifachung in zwei Jahren) ➢ Risikomanagement über Vorauswahl der Kreditanträge (nur die besten 10%) sowie Diversifikation
  33. 33. Crowfunding: Die “Schwarmfinanzierung” wächst mit hohen zweistelligen jährlichen Wachstumsraten ➢ Selbst große Projekte werden finanziert ➢ 2012 hat das Videospiel “Star Citizen” auf der Plattform Kickstarter 55,5 Mio. USD eingesammelt ➢ Crowdfunding wird auch oft für soziale Projekte eingesetzt
  34. 34. Lightfin.de: Private Placements an qualifizierte Investoren ➢ Institutionelle Anleger drängen ins Bankgeschäft ➢ Plattformen bringen Kreditanfragen ohne Vertrieb ➢ Oftmals werden Ratings mitgeliefert (z.B. White Label Moody’s)
  35. 35. Kreditech.com: Big Data Scoring für Kreditwürdigkeit ➢ Vollautomatisches Rating aus 15.000 Datenpunkten ➢ Sozialer Graph, Browsing Behavior und GPS-Daten erklären den Großteil der Bonität ➢ Prognosegüte besser als traditionelle Modelle
  36. 36. Wonga.com: Kurzfristige Konsumentenkredite bis £400 in 5 Minuten ➢ Standardisierte Erfassung kleiner Konsumentenkredite ➢ Kreditaussage in weniger als 5 Minuten ➢ Deutliche Effizienzsteigerung im Vergleich zur Filiale
  37. 37. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! ➢ Der Kanarienvogel sitzt noch auf der Stange ➢ Nicht nur Risiken, sondern auch viele Chancen für Banken ➢ Kombination von digitaler und realer Welt bislang am erfolgreichsten (“online finden, offline binden”)

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