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Mangelnde Unterstützung für KMUs und EPUs in Österreich

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Entgegen dem Versprechen der österreichischen Bundesregierung, "schnell und unbürokratisch" kleine Unternehmen zu unterstützen, kam das Gegenteil dabei heraus: Unzureichend, kompliziert, langwierig. Eine Analyse.

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Mangelnde Unterstützung für KMUs und EPUs in Österreich

  1. 1. buchingerkuduz.com Probleme und Herausforderungen im Kontext der Unterstützung von KMUs/EPUs im Rahmen der Corona-Krise 2020 Analyse und Lösungsansatz
  2. 2. buchingerkuduz.com Ausgangslage, Zielsetzung und Vorgehensweise Seit März 2020 sind die Auswirkungen der Corona-Pandemie auch in Österreich spürbar. Da unser Unternehmen Buchinger|Kuduz selbst von dem „Shut Down“ betroffen ist, haben wir uns mit den Auswirkungen auf die Wirtschaft in Österreich näher beschäftigt. Wir mussten erleben wie die Abwicklung der staatlichen Unterstützung in der Praxis abläuft - oder auch nicht. Mit mehr als 15 Jahren internationaler Erfahrung als Experten für Veränderungsfähigkeit und Prozessmanagement werfen wir einen fachlichen Blick auf die bisherigen Aktionen, die in den letzten Wochen seitens der österreichischen Bundesregierung mit den jeweiligen Ministerien und der Wirtschaftskammer entwickelt wurden. Diese Analyse soll der Verbesserung der bisherigen Maßnahmen dienen und eine gezielte Weiterentwicklung für die Zukunft voran bringen. Auf den folgenden Seiten finden Sie eine Analyse der Situation aus Sicht eines erfolgreichen KMUs, das wie viele andere jahrelang Steuern bezahlt und MitarbeiterInnen beschäftigt hat. Oft wird betont, dass KMUs der Motor Österreichs Wirtschaft seien. Jetzt ist allerdings die Zeit gekommen, in der der österreichische Staat sowie die Kammern tatsächlich „rasche und unbürokratische“ Hilfe leisten und nicht nur versprechen müssen, damit dieser Motor weiterlaufen kann. In unserer täglichen Praxis mit internationalen Unternehmen und Organisationen (auch Behörden) beginnen wir immer mit der Prozessanalyse und dem Fokus auf die Kunden. Fehlt dieser Fokus zu Beginn, droht die Gefahr, dass die gesetzten Maßnahmen am Ziel vorbei laufen und nichts bewirken. Sie finden auf den folgenden Seiten eine Übersicht der Problemfelder, die Analyse der einzelnen Problembereiche und die Darstellung der Kundengruppen. Anschließend wird ein Lösungsansatz für eine zukünftige Entwicklung erläutert. Leutasch, April 2020 Marlene Buchinger, MSc Dr. Mario Buchinger CFO Inhaber, Ökonomie-Physiker
  3. 3. buchingerkuduz.com Es ist nicht ausreichend Es fehlt der Kundenfokus Förderhöhen sind nur ein Tropfen auf den heißen Stein Ungleichbehandlung von KMUs zu großen Unternehmen Bedürfnisse der Zielgruppen nicht bekannt Optimierung in “Silos” nicht am Gesamtsystem Historisch gewachsene Strukturen Die sichtbaren Probleme Verschiedene Zielgruppen werden gegeneinander abgewogen Bisheriges Gesetz wurde gestrichen Mögliche Beträge decken nicht einmal ansatzweise die Bedürfnisse zum Überleben des Unternehmens
  4. 4. buchingerkuduz.com Es ist zu komplex Es dauert zu lange Die Abläufe sind ineffizient Unklarheit bzgl. vorhandener Hilfsmittel Gegenseitige Ausschlusskriterien zu streng und zu intransparent Maßnahmen werden laufend reaktiv verändert Kommunikation zwischen Kammern und Regierung inkonsistent Große Reibungsverluste in der Prozesslandschaft Schnittstellen nicht definiert Ungewissheit für die Existenz vieler (Unternehmer, Mitarbeiter und deren Familien) 53% der KMUs/EPUs haben nur Reserven für 1 Monat Die ersten Unternehmen sind insolvent, bevor sie eine Unterstützung erfahren konnten Die sichtbaren Probleme (2) Unterschiedliche Zuständigkeiten Datenschutz kritisch, wenn neue Aufgaben durch für nicht befugte Stellen abgewickelt werden (z.B. Steuerdaten für WKO) 3 Anträge für je 2.000 Euro nötig, 
 anstatt einmaliger Soforthilfe in 
 akzeptabler Höhe
  5. 5. buchingerkuduz.com Die sichtbaren Probleme (Details) Wir haben den Eindruck gewonnen, dass die Zielgruppen, die unterstützt werden sollen, in Bezug auf ihre tatsächlichen Bedürfnisse nicht hinreichend gesehen werden. Es entsteht der Eindruck, dass die Unterstützungsmaßnahmen von Personen entwickelt werden, die keine bzw. unzureichende Erfahrung mit realen wirtschaftlichen Abläufen haben. Stattdessen bringen verschiedene Akteure ihre Interessen ins Spiel und Zielgruppen (Große Unternehmen, Branchen) werden gegeneinander abgewogen. Jede beteiligte Instanz in dem historisch gewachsenen System (Wirtschaftsministerium, Finanzministerium, WKO, AMS, Gewerkschaften, AWS, etc.) versucht ihren Beitrag so gut wie möglich abzubilden, was zu einer Silo-Optimierung führt. Damit sind lauter einzelne Silos miteinander verkettet, die für sich genommen aus der Sicht des “Silo-Inhabers” gut laufen. Im Gesamtsystem, also das, was bei den “Kunden” ankommen soll, läuft es aber nicht gut, denn die einzelnen Silos passen nicht zueinander. Folglich gibt es zwar isoliert betrachtet viel Effizienz, aber das Gesamtsystem ist nicht mehr effektiv. In der Wirtschaftstheorie gibt es die Erkenntnis, dass man ein System am besten zerstören kann, wenn alle Einzelprozesse maximal effizient sind. Als eine Hilfestellung für den Kundenfokus kann die Unternehmensstruktur in Österreich herangezogen werden (siehe nächste Seite). Es fehlt der Kundenfokus
  6. 6. buchingerkuduz.com Kleinstunternehmen (0-9 Beschä_igte) 87% Kleine Unternehmen (10-49 Beschä_igte) 11% Midlere Unternehmen (50-249 Beschä_igte) 2% Großunternehmen (>249 Beschäbigte) 0,4% Anzahl KMUs (99,6%) Anzahl Beschäbigte in KMUs (67%) Anzahl Lehrlinge in KMUs (65%) Umsatzerlöse in KMUs (63%) Bruhowertschöpfung von KMUs (61%) Bruhoinvesjjonen von KMUs (63%) Warenausfuhren von KMUs (47%) Quelle: Bericht “KMU im Fokus 2019”, BM für Digitalisierung und Wirtschabsstandort Zielgruppenstruktur
  7. 7. buchingerkuduz.com Die sichtbaren Probleme (Details) Durch die Aussetzung des bisher für solche Ereignisse vorgesehene Epedemiengesetzes wurde eine wirksame Vergütung der Unternehmensausfälle abgeschafft. Große Unternehmen haben im Vergleich zu KMUs wesentlich mehr Möglichkeiten auf diese Situation zu reagieren (bessere Finanzierungskonditionen, Steuergestaltung, Inhouse-Legal-Kompetenz, direkter Kontakt zu EntscheidungsträgerInnen). Die bereitgestellten Förderhöhen besonders im Härtefallfonds sind nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Wie sollen Unternehmer mit mehreren MitarbeiterInnen mit 2000 Euro pro Monat wesentliche Kostenpositionen abdecken, wenn der Umsatz ein- oder wegbricht? Der monatliche Betrachtungszeitraum (z.B 16.03.-15.04.) diskriminiert alle Betriebe, die nicht sofort Einnahmen verbuchen, sondern wie durchaus üblich Zahlungsziele haben (z.B. Handwerker, Dienstleistung). Diese Unternehmen spüren die Auswirkung der Krise in späteren Monaten (ab Mai) und sind somit in der ersten und evtl. auch zweiten Zahlungstranche automatisch ausgeschlossen. Die Deckelung auf maximal 6.000 Euro wird für viele KMUs nicht ausreichend sein und eine massive Insolvenzwelle nach sich ziehen. Zudem erschwert die monatliche Antragstellung die Handhabung. Staaten, wie etwa Deutschland, haben in kürzester Zeit (Mitte März) ein hilfreiches und unkompliziertes System für KMUs auf die Beine gestellt. Beispielsweise werden dort KMUs bis zu 5 Mitarbeiter mit 9.000 Euro unterstützt. KMUs bis 10 Mitarbeiter erhalten 15.000 Euro Bundeszuschuss. Diese Gelder wurden bereits vor Wochen ausgezahlt. Es ist nicht ausreichend
  8. 8. buchingerkuduz.com Die sichtbaren Probleme (Details) Die ganzen Maßnahmen wirken sehr komplex und verwirrend. Es ist nicht klar kommuniziert worden, welche Maßnahmen für wen die richtigen sind und welche einander ausschließen. Zudem sind die Ausschlusskriterien innerhalb der Hilfsprogramme sehr eng gefasst und schließen wiederum viele Unternehmen aus. Bestehende Maßnahmen werden in kurzen Zyklen ständig reaktiv verändert (z.B. Antrag Kurzarbeit, Härtefallfonds), sodass zuvor investierte Arbeit in punkto Beantragung und Einarbeitung der ohnehin komplizierten Sachverhalte wieder obsolet wird. Fast täglich kommen seitens der Politik neue Ankündigungen, die in der Folge von den ausführenden Instanzen nicht umgesetzt werden können. Die Folge sind ständige Veränderungen an einem bestehenden System, die bei der Zielgruppe zu Verwirrung und unnötigem Mehraufwand führen. Hier ist ein starkes Defizit im Bezug auf die Kommunikation zwischen Regierungsinstanzen und ausübenden Institutionen (wie z.B. den Kammern) erkennbar. Durch unterschiedliche Zuständigkeiten wird das System zudem verlangsamt (siehe ineffiziente Abläufe). Es ist zu komplex
  9. 9. buchingerkuduz.com Die sichtbaren Probleme (Details) Bei uns ist der Eindruck entstanden, dass die Abläufe und Kommunikationswege innerhalb der WKO aber auch der Regierungsfunktionen sowie weiterer Involvierter sehr komplex und ineffizient sind. Beispielsweise haben wir erlebt, dass durch die unnötige Komplexität der Härtefallfondsabwicklung die Kommunikation zwischen der WKO und Regierung inkonsistent und ineffektiv war (keine klaren Aussagen, Nachbesserungen, nicht eingehaltene Termine, etc.). Wir sind überzeugt, dass Sie alle derzeit intensiv an den Themen arbeiten. Aus der langjährigen Erfahrung in der Prozessverbesserung schließen wir darauf, dass die Schnittstellen und Kommunikationswege nicht oder nicht ausreichend definiert waren. Es ist dabei wie in einem mechanischen System mit Kräftegleichgewicht: Sie können noch so viel Energie in ein System reinstecken, es wird deswegen nicht schneller. In einem freien Fall in der Erdatmosphäre wird sich eine beliebige Masse mit maximal 230 km/h auf den Boden zubewegen, weil die Luftreibung der Gravitation entgegen wirkt. Ähnlich ist es in ineffizienten Prozessen. Sie können noch so viel menschliche Arbeitsleistung reinstecken (Masse), es wird nicht schneller gehen, weil die Ineffizienz der Prozesse der Arbeitsleistung entgegen wirkt (Luftreibung). Durch die Abwicklung neuer Aufgaben durch nicht befugte Stellen wird eine zusätzliche Komplexität geschaffen. Das Finanzministerium hat nach unserer Erfahrung nach binnen kürzester Zeit (innerhalb von 24 Stunden) auf die Bitte zur Anpassung der Einkommenssteuervorauszahlung vorbildlich reagiert. Diese Stelle ist prädestiniert für Finanzfragen und die Abwicklung solcher Zuschüsse, da die Einkommensdaten dort sowieso im Rahmen des Jahresabschlusses auflaufen. Warum die WKO einen Zugang zu Steuerdaten bekommt, erschließt sich uns nicht und ist auch besonders in Hinsicht auf den Datenschutz bedenklich. Wenn ab Mitte April das Finanzamt eine Telefonhotline für Unternehmer einrichtet, die u.a. Fragen zum Härtefallfonds abklärt, dann widerspricht das dem von der WKO kommunizierten Prozedere. Und verschärft die bestehende Problematik weiter. Die Abläufe sind ineffizient
  10. 10. buchingerkuduz.com Die sichtbaren Probleme (Details) Laut einer Studie der KMU Austria reichen die Liquiditätsreserven von über 50 % der KMUs in Österreich für ein Monat. Wir sind nun in der fünfen Woche des Ausnahmezustands und damit dürften die Liquiditätsreserven bei einigen Unternehmen bereits oder bald ausgeschöpft sein. Laut KSV1870 hat sich bei mehr als zwei Drittel der Unternehmen die Geschäftslage in kürzester Zeit radikal verschlechtert. „In jedem zweiten Betrieb reichen liquide Mittel für maximal drei Monate oder deutlich kürzer.“ Dies führt zu einer Phase extremer Ungewissheiten zu erhöhtem unternehmerischen Risiko. Dass die Anträge für je 2.000 Euro pro Betrachtungszeitraum (also maximal drei Mal) jeweils separat gestellt werden müssen, trägt nicht zu einer schnelleren Abwicklung bei. Es dauert zu lange
  11. 11. buchingerkuduz.com Kunden Kundenbedürfnisse Dienstleistungen Prozesse Kommunikation identifizieren, lokalisieren, strukturieren verstehen, nachvollziehen, verinnerlichen anpassen, neue entwickeln, alte wegfallen lassen anpassen, neu gestalten, wegfallen lassen anpassen, gemäß Kunden und Prozesse 1 2 3 4 5 Der Lösungsansatz Genauso wie bei jeder anderen Organisation ist auch auf Staatsebene die langfristige Kundenorientierung für den Erfolg entscheidend, der sich aus zufriedenen StaatsbürgerInnen, sozialer Stabilität und ausgeglichenen Finanzverhältnissen zusammensetzt. Wie bereits im Jahr 2016 allen politischen Parteien, den Partei- akademien und der WKO vorgestellt, gibt es Mittel und Wege um eine solche langfristige Entwicklung umzusetzen und besser auf Krisen vorbereitet zu sein. Die Unterlagen stellen wir bei Interesse gerne nochmals bereit.
  12. 12. buchingerkuduz.com Fazit Sicherlich sind Angebote, wie Kurzarbeit, Steuer- und Abgabenstundungen und die Unterstützung bei Garantien und Krediten eine sinnvolle Unterstützung. Dennoch hilft das nicht vielen Unternehmen nicht, wenn deren Umsatz entfällt und nicht nachgeholt werden kann. Daher ist eine rasche Sicherung der Liquidität in Form einer nicht rückzahlbaren Förderung sinnvoll. Der Härtefallfonds für KMUs ist ein wesentlicher Beitrag dazu, leider ist die Ausgestaltung und Handhabung qualitativ und quantitativ nicht zielführend. Außerdem ist nicht nachvollziehbar, dass die Unterstützung nur aus Steuermitteln erfolgen soll. Die Kammern sitzen auf großen Vermögen, die in Krisenzeiten auch zu einer Unterstützung beitragen sollten (z.B. KMU Unterstützung der WK Niederösterreich in Höhe von 5.000 Euro). Der Slogan von Bundeskanzler Kurz über eine „rasche und unbürokratische“ Hilfe kann der Realität leider nicht standhalten. Aufgrund der vorangegangenen Analyse zeigt sich, dass aufgrund des fehlenden Kundenfokus die Hilfszahlungen große Teile der betroffenen Unternehmen nicht, nur unzureichend oder zu spät erreichen.
  13. 13. buchingerkuduz.com Quellen Buchinger|Kuduz Lesetipp - The World after: Was wir dringend aus der Corona-Krise lernen sollten, 02.04.2020, https://www.linkedin.com/pulse/world- after-wir-dringend-aus-der-corona-krise-lernen-buchinger/ Buchinger|Kuduz, Projektform Vision 2037 - Gesellschaftliches Gemeinwohl auf Basis von Nachhaltigkeit, Juli 2016: http://www.buchingerkuduz.com/docs/ Oesterreich2037.pdf Bundesministerium für Finanzen (BMF) Hotline für rasche und unbürokratische Hilfe, https://www.bmf.gv.at/public/top-themen/hotline.html, abgerufen am 19.04.2020 Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort (BMDW) Studie „KMU im Fokus 2019 - Bericht über die Situation und Entwicklung kleiner und mittlerer Unternehmen der österreichischen Wirtschaft“, BMWD und KMU Forschung Austria, Stand Jänner 2020, https://www.bmdw.gv.at/dam/jcr:6d9387eb-9d42-4558-9838- cbc77f83e9cb/Beilage_KMU_im_Fokus_2019_barrierefrei.pdf, abgefragt 04.04.2020 KMU Austria Aussendung „Liquide Mittel von KMU reichen bei Einnahmenentfall meist nur für wenige Wochen“, 27.03.2020, https:// www.kmuforschung.ac.at/wp-content/uploads/2020/03/Liquidität-bei-Einnahmenentfall.pdf, abgefragt 28.03.2020 KSV1870 Pressemitteilung „KSV1870 Umfrage: Zwei Drittel der Firmen stark von Covid-19 betroffen“, 16.04.2020, https://www.ksv.at/ pressemeldungen/ksv1870-umfrage-zwei-drittel-firmen-stark-covid-19-betroffen, abgefragt 18.04.2020
  14. 14. buchingerkuduz.com Wege zur Veränderungsfähigkeit Marlene Buchinger, MSc & Dr. Mario Buchinger Weidach 364h
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