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Digitale Medien und Terrorismus (TV- und Film-Produktion)

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Digitale Medien Und Terrorismus - Analyse Digitaler Medien
(Im Rahmen Des Seminars Für Frieden Und Sicherheit 2017)

Published in: Government & Nonprofit
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Digitale Medien und Terrorismus (TV- und Film-Produktion)

  1. 1. Digitale Medien und Terrorismus
  2. 2. Agenda Digitale Medien und Terrorismus 1.  Terrorismus – Eine Einführung 2.  Inszenierung – Eine Definition 3.  Inszenierung des Terrorismus 4.  Inszenierung des (IS) Kulturterrorismus 5.  Formatbeispiele von Propagandavideos 6.  Serialität (Serienformate) 7.  Schlussfolgerung André Hartlapp, M.Sc. 2
  3. 3. Terrorismus – Eine Einführung Digitale Medien und Terrorismus 3André Hartlapp, M.Sc. -  Gewalt... -  …die von substaatlichen Akteuren... -  …aus einer politischen, militärischen oder sonstigen Unterlegenheitsposition heraus... -  ...symbolisch, kommunikativ (mit direktem Opfer ein weiteres indirektes Opfer adressierend)... -  …gezielt und systematisch (taktisch oder strategisch) eingesetzt wird und... -  ...(politisch oder religiös) ideologisch motiviert ist.
  4. 4. Terrorismus – Eine Einführung Digitale Medien und Terrorismus A) Ein offensiver Bruch gesellschaftlicher Normen: -  Unschuldige als Opfer -  Symbolisch-kommunikative Gewalt als Instrumentalisierung von Menschen -  Ursache von Leid und Gewalt – und ein Verstoß gegen die Menschenwürde -  Entgegen gewachsener, altbewährter, gesellschaftlicher Wertevorstellung: „Handle so, dass Du die Menschheit sowohl in Deiner Person, als in der Person eines jeden andern jederzeit zugleich als Zweck, niemals bloß als Mittel brauchest.“ (Kant: Grundlegung zur Metaphysik der Sitten, 1785) 4André Hartlapp, M.Sc.
  5. 5. Digitale Medien und Terrorismus 5André Hartlapp, M.Sc. B) Aus überrechtlicher moralischer Position heraus: -  „altruistisch“ -  grievance; quasi übergesetzlicher Notstand (Notwehr oder Nothilfe) + höherrangige Ziele (z.B. Selbstbestimmung) -  vorgeblich verhältnismäßig (gerechtfertigt, geeignet, erforderlich, angemessen) -  Entgegen gewachsener, altbewährter, gesellschaftlicher Wertevorstellung: „It is commanded by our religion and intellect that the oppressed have a right to return the aggression. Do not await anything from us but Jihad, resistance and revenge. Is it in any way rational to expect that after America has attacked us for more than half a century, that we will then leave her to live in security and peace!?“ (Osama Bin Laden: To the American People, 2002) Terrorismus – Eine Einführung
  6. 6. Digitale Medien und Terrorismus 6André Hartlapp, M.Sc. C) Eine Irritierung der Ordnung -  Kollektiv schwer zu verarbeiten aufgrund von Werte-Dissonanzen, u.a.: -  Höchst unethisches Verhalten – versus – Höchst ethische Gründe und Ziele -  Strategie des Umgangs (Problemlösung) = Negieren der ethischen Position durch: - Dämonisierung - Kriminalisierung - Pathologisierung Ronald Hitzler ; Jo Reichertz (Hrsg.): Irritierte Ordnung: Die gesellschaftliche Verarbeitung von Terror, 2003) Terrorismus – Eine Einführung
  7. 7. Digitale Medien und Terrorismus 7André Hartlapp, M.Sc. D) Ein diskursives Konstrukt -  Teilaspekt in einem Wettstreit der Sichtweise („narratives“) verschiedener Kulturen -  Daher: Begleitkommunikation und Einordnung („Framing“) elementar für Analyse (von Terrorismus): -  politische Situation, -  historische Situation -  Kulturell-religiöse Situation -  persönliche Anliegen der Täter (z.b. machtpolitisch) -  Sonstiger Bezugsrahmen für mögliche Einordnung als legitimer oder illegitimer Gewaltaktionismus -  Terrorismus als Teilaspekt bzw. Mittel in der Durchsetzungsbemühung der Sichtweise Terrorismus – Eine Einführung
  8. 8. Digitale Medien und Terrorismus 8André Hartlapp, M.Sc. Inszenierung („in Szene setzen“) -  Relevant nicht nur für „terrorisierende Wirkung“, sondern grundlegend für Bestimmung von Terrorismus -  Generell: „Inszenierung“ auch außerhalb der Kunstsphäre, z.B. Polit-Inszenierung: z.B.: negative Konnotation (uneigentlich, inhaltsleer) „Unter Inszenierung wird der Vorgang der Planung, Erprobung und Festlegung von Strategien verstanden, nach denen die Materialität einer Aufführung performativ hervorgebracht werden soll, wodurch zum einen die von ihr hervorgebrachten Ereignisse als gegenwärtig in Erscheinung treten und zum anderen eine Situation geschaffen wird, die Frei- und Spielraume für nicht-geplante, nicht-inszenierte Handlungen, Verhaltensweisen und Ereignisse eröffnet.“ Fischer-Lichte, Erika: Inszenierung. In: Erika Fischer-Lichte/Doris Kolesch/Matthias Warstat: Metzler Lexikon Theatertheorie, 2014 Inszenierung – Eine Definition
  9. 9. Digitale Medien und Terrorismus 9André Hartlapp, M.Sc. Inszenierung („in Szene setzen“) -  Vorgang der Planung, Erprobung und Festlegung von Strategien -  Verallgemeinerbare (Gesamtheit einer) öffentlichen Aufführung -  Spezifischer Modus der Zeichenverwendung in der (Medien)Produktion: -  Interpretation und Adaption (dramaturgische Strukturierung und medienspezifische Anpassung) -  Stilistische, (formal-)ästhetische, rhetorische (Aus-)Gestaltung -  Spezifische Aufführungsweise, Darbietung und Verbreitung „Der Begriff Inszenierung bezieht sich nun auf einen Vorgang, der zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort stattfindet und sich an ein bestimmtes Publikum wendet. Sie ist jedoch in der Regel nicht mit einer einzigen Aufführung identisch, sondern umfasst in typologischer Verallgemeinerung eine Reihe von Merkmalen, die prinzipiell beliebig viele Aufführungen kennzeichnen kann [...].“ Jörg Zimmermann: Ästhetik der Inszenierung. Dimensionen eines gesellschaftlichen, individuellen & kulturellen Phänomens, 2001 Inszenierung – Eine Definition
  10. 10. Digitale Medien und Terrorismus 10André Hartlapp, M.Sc. Grausame, auch „terrorisierende“, aber nicht terroristische Gewalt versus (adressierender) Akt des Terrorismus Inszenierung des Terrorismus
  11. 11. Digitale Medien und Terrorismus 11André Hartlapp, M.Sc. Dramaturgie und Narrative TITELSEQUENZ: „Aggressor“ – „Aggression“ („Auslöser/Ursache“) Inszenierung des Terrorismus
  12. 12. Digitale Medien und Terrorismus 12André Hartlapp, M.Sc. Dramaturgie und Narrative HAUPTTEIL: „Reaktion“ – „Aktion/Folge“ (Schlüsselszene/Enthauptung ausgeblendet) SCHLUSSSEQUENZ „Präsentation“ des Leichnamen – Und AUSBLICK: avisierte Folge-Hinrichtung (Opfer) Inszenierung des Terrorismus
  13. 13. Digitale Medien und Terrorismus 13André Hartlapp, M.Sc. -  Technisches Equipment (1./2. Kamera, Ansteckmikrofone) -  Bildformate/-einstellungen -  Kameraeinsatz/-perspektiven -  Drehorte („Kulissen“) -  Positionierungen (Personen) -  Ausstattungen (u.a. Kleidung) -  Schnittmontage (Umschnitte) -  Inserts (Logo, Bauchbinden) -  Wahl des Medienformats: TV-News -  (Genre des Enthauptungsvideos) Inszenierung des Terrorismus
  14. 14. Digitale Medien und Terrorismus 14André Hartlapp, M.Sc. Geiselnahme Olympiade München 1972 Anführer „Issa“ mit Schuhcreme geschwärztes Gesicht; beigefarbener Tropenanzug und Stellvertreter „Tony“ / „Cowboy“ mit Sonnenbrille, Goldkette und Absatzstiefel „Nicht zuletzt deshalb war [AP-Fotograf] Kurt Strumpf mit den sich ihm bietenden Motiven höchst unzufrieden. Der eigenwillige Aufzug der Terroristen passte einfach nicht zur Situation, und man darf wohl annehmen, dass die Inszenierung durchaus mit Absicht geschah.“ Forster, Klaus/Knieper, Thomas: Das Blutbad von München. Terrorismus im Fernseh-Zeitalter. In: Gerhard Paul (Hrsg.): Das Jahrhundert der Bilder, Bd. II: 1949 bis heute. Göttingen, 2008 Inszenierung des Terrorismus
  15. 15. Digitale Medien und Terrorismus 15André Hartlapp, M.Sc. Propagandamagazin (im PDF Format) „DABIQ“ Nr. 8 Veröffentlichungsdatum: Ende März 2015 Titel: Erasing the legacy of a ruined nation Inhalt: Begründung und Legitimation dieser Zerstörung Traditionsvorbild religiöser Ikonoklasmus Kulturschätze: historisches Negativbeispiel „Thus, we are meant to take a lesson from those disbelieving nations that came before us and avoid what led to their destruction, as opposed to unearthing and preserving their statues and putting them on display for people to admire.” Inszenierung des (IS) Kulturterrorismus
  16. 16. Digitale Medien und Terrorismus 16André Hartlapp, M.Sc. Archäologische Ausgrabungen & kulturelle Präservation als ideologisches, indoktrinäres Projekt der ungläubigen Feinde (Nationalismus versus islamische Umma) Heiliger Terrorismus: Zorn und Entsetzen des Westens / „der Ungläubigen“ nicht nur propagandistischer Gewinn, sondern rechtfertigt religiös-gerechte, gottgefällige Tat: „ [...] but had also served to enrage the kuffår, a deed that in itdelf is beloved to Allah.“ „Nor do they tread on any ground that enrages the kuffår, nor do they inflict upon an Enemy any infliction but that is registered for them as a righteous deed (At Tawbah).” Inszenierung des (IS) Kulturterrorismus
  17. 17. Digitale Medien und Terrorismus 17André Hartlapp, M.Sc. Aufnahmen von Kulturzerstörungen im Propaganda- Ensemble: -  Im Vergleich zu Hinrichtungsvideo: zunächst weniger inszeniert und ästhetisiert ( >> eher dokumentierend) -  Bildmaterial nicht von offiziellen und übergeordneten Medienabteilungen (al-Hayat Media Center) sondern regionalen „PR“-Stellen (Willayat Ninavah) - volle propagandistische Instrumentalisierung und Inszenierung erst nach heftigen, westl. Reaktionen -  Beispiel Hatra: Anfang März 2015 Meldung des irakischen Ministeriums für Tourismus und Antike Anfang April 2015 erstes IS-Video mit versch. Merkmalen medialer Inszenierungen Inszenierung des (IS) Kulturterrorismus
  18. 18. Digitale Medien und Terrorismus 18André Hartlapp, M.Sc. Beispiel: „New ISIS Video Destroys Ancient Pagan Temple“ -  TV-Intro/-Outro -  Schwarzweiß -  Zeitlupen -  Zeitraffer -  Split-Screens -  Soundeffekte -  Naschid-Musik-Untermalung Inszenierung des (IS) Kulturterrorismus
  19. 19. Digitale Medien und Terrorismus 19André Hartlapp, M.Sc. TALKING HEADS (TH) Direkte Adressierung der Zuschauer durch Ansprache und/oder stilistisch-deutender Kameraperspektiven: Unterteilt in: -  Ideologen (z.B. Bin Laden) -  Lifestyle-Aktivisten (z.B. Abu Dawud al-Almani) -  Märtyrer (Abu Muslim al-Canadi) Formatbeispiele von Propagandavideos
  20. 20. Digitale Medien und Terrorismus 20André Hartlapp, M.Sc. REALITY CLIPS (RC) Scheinobjektivität, pseudojournalistische Einblicke, Imitation von Doku-, News-Elementen und Stilismen >>> nicht konzentriert auf einzelne Personen <<< Unterteilt in: -  Lifestyle-Gruppen (handlungsorientiert/gemeinschaftl.) -  Öffentliche Meinung (Bürgerumfragen bzw. ”VoxPops”) -  Nachrichtensendungen (Moderationen + Einspieler) Formatbeispiele von Propagandavideos
  21. 21. Digitale Medien und Terrorismus 21André Hartlapp, M.Sc. MOVIE CLIPS (MC) Auch: Produced Video EXTREME CLIPS (EC) -  Geiselnahme -  Hinrichtung (Enthauptung, Erschießung, sonst. Tötung) -  Kampfeinsätze Formatbeispiele von Propagandavideos
  22. 22. Digitale Medien und Terrorismus 22André Hartlapp, M.Sc. ADRESSATEN -  Sympathisanten, Unterstützer, Mitglieder, Kameraden -  Politische Gegner, militärische Gegner, Öffentlichkeit -  Ideologische Konkurrenten (alternative Gruppen) FUNKTIONEN -  Überzeugen, Überreden (Sichtweisen, z.B. Täter-Opfer- Rollenverteilungen, Handlungen wie z.B. the lone wulf) -  Verunsichern, Furcht verbreiten, Stärke demonstrieren -  “Informieren” (u.a. durch Infografiken und Schaubilder) Formatbeispiele von Propagandavideos
  23. 23. Digitale Medien und Terrorismus 23André Hartlapp, M.Sc. KATEGORIEN -  Reden bzw. Ansprachen (politische Drohungen, wie z.B. „A Message To America“ und weitere) -  Kommentar-Reihen (bspw. „Lend Me Your Ears – Message form the British Detainee John Cantlie) -  „Musik-Videos“ (Bebilderung von ganzen Songs mit Videoaufnahmen eigener Aktionen / “Taten“) -  „Meta-Propaganda“ (bspw. Bewerbung der o.g. Propaganda-Formate durch eigene Videotrailer oder Print-Anzeigen in PDF-Magazinen etc. Serialität (Serienformate)
  24. 24. Digitale Medien und Terrorismus 24André Hartlapp, M.Sc. SERIENCHARAKTER -  Durch Inhalt (Thema), Struktur (Aufbau), Gestaltungselementen (im Bild), Stilismen -  Wiederholung und Variation, Fortentwicklung und Konstanz (Logos, Fonts, Themen, Personen, Titel z.B.: „Mujatweets“) -  Kontinuität und Verlässlichkeit (Ausstrahlungs-Zeit/-Dauer) -  Markenkonsistenz, geordnete Angebotsvielfalt (Identität, Seriosität, Erlebniswelt) -  Soziale Interaktion: besonderer Beziehungsaufbau (partnerschaftliches Verhältnis) Serialität (Serienformate)
  25. 25. Digitale Medien und Terrorismus 25André Hartlapp, M.Sc. A MESSAGE TO AMERICA (Foley) 4:40min - 1. Opfer: James Foley A SECOND MESSAGE TO AMERICA (Sotloff) 2:11 - 2. Opfer: Steven Sotloff A MESSAGE TO THE ALLIES OF AMERICA (Haines) 2:28 - 3. Opfer: David Haines Serialität (Serienformate)
  26. 26. Digitale Medien und Terrorismus 26André Hartlapp, M.Sc. JOHN CANTLIE „Lend Me Your Ears“ JOHN CANTLIE „Inside ...“ Aleppo – Kobane – Mossul Serialität (Serienformate)
  27. 27. Digitale Medien und Terrorismus 27André Hartlapp, M.Sc. ÄSTHETISIERUNG -  (Nach)Bearbeitung des Audio- und Video-Materials: (Über-)Betonung oder gar starke Dominanz der Anmutung und des sinnlich-gestalterischen vor dem inhaltlich-gedanklichen Aspekt der Bildgestaltung -  Ähnlich rhetorische pathos-logos-Differenzierung, allerdings mit einer eigenen emotionalen Valenz der Ästhetisierung -  Ansatzpunkte der Ästhetisierung: -  Bildaufbau bzw. Bildkomposition -  Schnitt/Montage (z.B. Rhythmus) -  Farbgebung (Color Grading etc.) Serialität (Serienformate)
  28. 28. Digitale Medien und Terrorismus 28André Hartlapp, M.Sc. IS NASHEED MUSIC VIDEO -  Film-/Animationstechnik: Motion Graphics bzw. Kinetic Typography Slow Motion durch High Speed Kameras -  Schrift spiegelt Gesangsinhalte (Untertitel) -  Trenner: Einblendung von Titelsequenzen (ähnlich bei Werbung, Film und TV-Serien) -  Ausstattung (Props bzw. Deko-Elemente): Kriegs-/Kampfbilder inkl. Waffen und Posen -  eher illustrativ (veranschaulichend) ; und -  ausschmückend (martialische Stimmung) Serialität (Serienformate)
  29. 29. Digitale Medien und Terrorismus 29André Hartlapp, M.Sc. HERAUSFORDERUNGEN -  Umgang der Nachrichtenmedien mit Propaganda: -  Propaganda wird als solches thematisiert und weiterverbreitet (Meta-Berichterstattung) -  Propaganda-Videos werden als Beleg-, Anschauungs-, Illustrationsmaterial verwendet -  Medienethisches Verständnis: -  Was und wie viel darf bzw. soll bzw. muss man zeigen? -  Frage nach ungewollten Propaganda-Dienstleistungen? Schlussfolgerung
  30. 30. Vielen Dank für die Aufmerksamkeit

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