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WWF Extrablatt zur Bundestagswahl

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  • 1. WWF_EXTRABLATT_WAHL_SPEZIAL_ 01 Extrablatt www.wwf.de/bundestagswahl Bundestagswahl 2009 Klimaschutz Klimaschutz Parteien auf oder Krise ist nicht alles dem Prüfstand Es bleibt nicht mehr Drängende Probleme für Klima- und Umwelt- viel Zeit, um den Umwelt und Natur werden programme der Parteien fotolia (3) Klimawandel abzu- durch den Klimawandel noch unter der Lupe des WWF bremsen >> seite 03 verschärft >> seite 06 >> seite 08 Gesucht: Die ganz große Koalition für Klima- und Naturschutz S. E. Arndt/Wildlife D ie Meldungen überschlagen sich (siehe der Tropenwälder einleiten soll, außerdem große Wir präsentieren, welche Ziele aus unserer Sicht unten). Viele machen Angst, manche Reformen in der Europäischen Union zur Zutei- ein kommendes Regierungsprogramm zur Lösung machen Hoffnung. Kann die Mensch- lung der Haushaltsmilliarden und zur Landwirt- der Klima- und Umweltschutzaufgaben enthalten heit noch die Wende schaffen? Wird es schafts- und zur Fischereipolitik. Bei diesen Rich- muss und geben eine kurze Bewertung dessen, was ihr gelingen, den globalen Klimawandel und den tungsentscheidungen für das kommende Jahrzehnt die Wahlprogramme der Parteien dazu aussagen. Artenschwund auf ein gerade noch erträgliches wird die nächste Bundesregierung eine wichtige Unser Schwerpunktthema für diese Wahl ist der Maß zu begrenzen? Noch hat die Welt die Wahl, Rolle einnehmen. Klimaschutz, ohne dabei das andere große Thema wenn sie schnell und grundlegend umsteuert. zu vergessen, die Bewahrung der Artenvielfalt. Auch wir in Deutschland haben 2009 die Wahl. Sel- Es geht um die Zukunft des Planeten Politik in Zeiten einer Wirtschaftskrise ist nicht ten war eine Legislaturperiode so wichtig: Jede Wäh- Für all diese Aufgaben braucht es keine große, einfach. Doch die drohende nächste, viel größere lerstimme, jede Politikerin und jeder Politiker zäh- sondern eine ganz große Koalition. Die künf- Krise, die Weltklimakrise, müssen wir abwenden, len, wenn es darum geht, das Klima zu stabilisieren tige Bundesregierung und alle Abgeordneten im bevor es zu spät ist. Das können wir auch. Wir und die Welt für unsere Kinder und Enkel bewohn- neuen Bundestag müssen sich ihrer Verantwortung haben das Wissen und die Mittel dafür. Was bislang bar zu halten. Die nächste Wahlperiode bietet auch bewusst sein. Wer heute falsche Entscheidungen fehlt, ist der politische Wille, entschlossen zu han- international enorme Chancen, denn auf der Agenda trifft oder richtige verzögert, schadet nicht nur der deln. Deshalb gilt für Politikerinnen und Politiker stehen bedeutende globale und europäische Ent- Umwelt, sondern auch der technologischen und bei ihren Entscheidungen und für die Wählerinnen scheidungen: Ein neues UN-Klimaabkommen, das damit der ökonomischen Zukunft unseres Landes. und Wähler an der Wahlurne im September: eine neue Energieepoche mit höchster Energieeffi- Der WWF möchte mit diesem „Extrablatt“ zur zienz und erneuerbaren Energien sowie den Schutz Wahl deutlich machen, was auf dem Spiel steht. Wählen Sie Klima- und Naturschutz! Klimawissenschaftler warnen vor unKontrollierbarem Klimawandel +++ Globale co2-emissionen sprenGen alle vorhersaGen +++ usa vollziehen wende in der KlimapolitiK +++ „new Green deal“ soll weltweit millionen von zusätzlichen arbeitsplätzen schaffen +++ umfraGe: Klimawandel dränGendstes problem für JuGendliche in deutschland +++ wald- vernichtunG verursacht ein fünftel der co2-emissionen +++ 80 prozent der fischbestände weltweit überfischt +++ Klimawandel beschleuniGt artensterben +++ Klimaschutz zahlt sich für die wirtschaft aus +++ (schlaGzeilen aus der presse 2009)
  • 2. 0 _WWF_EXTRABLATT_WAHL_SPEZIAL WWF_EXTRABLATT_WAHL_SPEZIAL_ 0 Wahl-spezial digital vision, K. Jae-Hwan/picture alliance/dpa, B. Lammel/WWF Wir vom WWF werden die kommende Bundes- regierung vor allem an diesen Themen messen: in deutschland: Wir müssen in den nächsten vier Jahren entscheiden, wie wir bis 2020 den Treibhausgasausstoß in Deutschland um mindes- tens 40 Prozent gegenüber 1990 zurückfahren und die Weichen so stellen, dass wir bis 2050 fast keine Treibhausgasemissionen mehr verursachen. Wenn in der kommenden Legislaturperiode hingegen weiter Kohlekraftwerke gebaut und geplant sowie Atomkraftwerke länger am Netz gehalten werden, Wahl-spezial verhindern wir den dringend nötigen Umstieg auf erneuerbare Energien und mehr Energieeffizienz. Die Auktionserlöse aus dem europäischen Handel mit CO2-Verschmutzungsrechten für Industriean- Klimaschutz oder Krise lagen müssen außerdem vollständig in den Klima- schutz investiert werden. Zudem muss der Erhalt der heimischen Artenvielfalt mit einem Aktions- S. Vielmo plan finanziell stärker gefördert werden. die Politik muss die Weichen neu stellen, wenn sie die ganz großen Katastrophen in europa: In der EU muss die Bundesregierung verhindern will darauf hinwirken, dass die großen anstehenden Reformen beim Haushalt, in der Landwirtschaft Mut zum Handeln P und in der Fischerei so gestaltet werden, dass sie olitik muss Sicherheit und Stabi- die Nationen gemäß der von ihnen verursachten einen deutlichen Rückgang an Treibhausgasen lität schaffen. Das ist in Zeiten des Schäden für den Klimawandel haften? Deutsch- sowie einen Weg zu ökologisch intakten Meeren Klimawandels aber nur durch einen land trägt durch aktuelle und historische Emissi- und Landschaften garantieren. Außerdem muss dramatischen Wandel in der Politik zu onen insgesamt etwa fünf Prozent zum Problem appell des WWf-Geschäftsführers eberhard Brandes an alle Parteien illegal geschlagenes Holz endlich vom EU-Markt erreichen. Ein „Weiter so“ führt direkt in die bei – und müsste deshalb dann für fünf Millionen ausgeschlossen werden. Klimakrise und damit in maximale Unsicherheit. Flüchtlinge sorgen? Und das „Zeitfenster“ zum Handeln schließt sich • Wie ernähren wir 2050 eine Weltbevölkerung W er in diesem Jahr für ein öffentliches Bundeskanzlerin Angela Merkel sich 2008 beim Weltweit: Auf globalem Parkett muss Deutsch- schnell. Wollen wir das Schlimmste noch verhin- von vermutlich rund neun Milliarden Menschen, Amt kandidiert, braucht Mut zu weit G 8-Gipfel verbal an die Spitze der internatio- land Vorreiter für ein sehr ehrgeiziges und wir- dern, indem wir den Anstieg der globalen Erwär- wenn zum Beispiel Dürren oder Fluten sowie reichenden Änderungen – und den nalen Klimapolitik gesetzt. Doch beim Streit um kungsvolles neues UN-Klimaabkommen sein, das mung auf maximal zwei Grad Celsius begren- Ernteausfälle bisher ungekannten Ausmaßes Willen, die Wählerinnen und Wähler die Verbrauchsobergrenzen für Autos, bei den zum Ziel hat, den Anstieg der globalen Tempera- zen, müssen wir sofort und rasant umsteuern. reGine Günther, fachBereichsleiterin Klima auf uns zukommen? Aus den Meeren, die bereits und enerGie Beim WWf deutschland: dafür zu begeistern. Denn mit ein paar Reförm- Ausnahmen vom Emissionshandel, bei Konjunk- tur auf durchschnittlich unter zwei Grad Celsius Wir dürfen nicht noch einmal, wie in der Finanz- Wir stehen am Scheideweg und müssen schnell jetzt überfischt sind und durch übermäßige chen ist die globale Umwelt- und Klimakrise turpaketen, die nur in homöopathischen Dosen gegenüber vorindustriellen Werten zu drosseln. krise, untätig bleiben, bis der – dieses Mal ganz entscheiden, ob wir in eine klimasichere oder Kohlendioxidaufnahme zusätzlich zu versauern nicht mehr abzuwenden. Bei der Rettung des ökologische Ansätze enthalten, zeigte sich: Wenn Dieses Abkommen muss auch die noch verbliebe- große – Crash kommt. unsichere Zukunft gehen wollen. drohen? Weltklimas geht es ums Ganze – oder, um es mit es zum Schwur kam, hat die große Koalition viel nen artenreichen und für das Klima so wichtigen Doch momentan sind wir genau dorthin unter- • Das Abschmelzen der Himalaja-Gletscher und einem heute geläufigen Wort zu sagen: Wenig ist zu oft Politik von gestern statt Politik für morgen Tropenwälder retten. Dafür sollte sich die künf- wegs. Tempo und Umfang des Klimawandels die Störung des Monsunzyklus in Asien wer- systemrelevanter für das Leben auf der Erde als gemacht. tige Bundesregierung am Beispiel Norwegens sprengen selbst die pessimistischen Szenarien. langjähriger Klimaberater der Bundeskanzlerin, den die ohnehin politisch labile Region weiter das Klima und die Artenvielfalt. orientieren und ausreichend Geld bereitstellen. Ein „Weiter so“ führt bis zum Jahr 2100 aller sieht für diesen Fall „das Ende unserer Hochzivi- destabilisieren. Wie verhindern wir schon heute Von gestern ist das Argument, Umwelt- und Für all diese Weichenstellungen erwarten wir Voraussicht nach zu einem im Durchschnitt lisation“ voraus. Deshalb müssen wir uns schon vorhersehbare Katastrophen, politische Unruhen Klimaschutz gefährdeten Arbeitsplätze. Heute ist von der Politik, was sie gern von uns allen for- sechs Grad wärmeren Planeten. Und das bedeu- heute nicht nur mit den bei uns zu erwartenden und eine Gefährdung der gesamten Region? klar, dass diejenigen Länder die Nase vorn haben dert: Innovationskraft, Begeisterung, Mut zum tet – neben vielen anderen Konsequenzen – den Folgen, sondern vor allem mit Antworten auf die Noch immer handelt die bundesdeutsche Poli- werden, die am schnellsten über marktfähige Handeln. Die nächste Bundeskanzlerin oder der Verlust des Regenwaldes, das Abschmelzen der Überlebensfragen für Milliarden von Menschen tik viel zu zögerlich. Keine einzige Partei hat Konzepte etwa bei erneuerbaren Energien oder nächste Bundeskanzler wird im Amtseid schwö- Pole und der Gletscher, das Auftauen der Tundra beschäftigen. Denn sie betreffen auch uns. Je auch nur in Ansätzen ein Konzept, wie der Energieeffizienz verfügen. Je mehr Rohstoffe und ren, Schaden vom Volk abzuwehren und seinen und eine dauerhafte Störung der Regen- und länger wir konsequenten Klimaschutz hinaus- geforderte ökonomische Umgestaltungsprozess Energie wir einsparen, je sauberer und energie- Nutzen zu mehren. Genau das ist es, was wir Trockenzeiten. schieben, umso größer werden die Probleme: konsequent vonstattengehen soll. effizienter unsere Produkte und Dienstleistungen brauchen und erwarten. Es bedeutet auch in Deutschland dramatische Ver- • Handeln wir nicht, kann – wie in einigen Die Politik ist jetzt am Zug. Sie muss handeln werden, desto besser für unsere Arbeitsplätze, änderungen mit mehr Hitze, mehr Trockenheit wissenschaftlichen Szenarien beschrieben – ein und sie kann handeln, denn die gute Nachricht P Langrock/Agentur Zenit unsere Umwelt und unsere Zukunft. und mehr Überschwemmungen sowie unvorstell- ungebremster Klimawandel schätzungsweise 100 ist: Es ist noch nicht zu spät. Wir haben das In der auslaufenden Legislaturperiode bestimm- bar hohen ökonomischen Kosten. Der renommierte Millionen Menschen heimatlos machen. Wer ist Wissen und die Mittel, um die große Krise zu te am Ende Kleinmut die Agenda. Zwar hatte Klimawissenschaftler Hans-Joachim Schellnhuber, für sie verantwortlich und sorgt für sie? Müssen verhindern. Wir müssen nur wollen. .
  • 3. 0 _WWF_EXTRABLATT_WAHL_SPEZIAL WWF_EXTRABLATT_WAHL_SPEZIAL_ 0 Wahl-spezial fotolia (2), R. Kiedrowski/Arco Images Unser Koalitionsvertrag der WWf erspart der Politik bei der Verhandlung über den Koalitionsvertrag viel arbeit. das Kapitel für Klima, energie • ein Klimaschutzgesetz verabschieden, in dem sich Die öffentlichen Finanzen werden wir effektiver • die weitere Beeinträchtigung der Meeresschutzge- und umwelt haben wir in den wichtigsten Punkten bereits Deutschland verbindlich auf eine Senkung der Treibhaus- für die Zukunftsaufgaben einsetzen: biete in Nord- und Ostsee durch Fischerei und Abbau ausformuliert. gasemissionen um mindestens 40 Prozent bis 2020 und • Im Rahmen des europäischen Emissionshandels wer- von Bodenschätzen beenden beziehungsweise neue mindestens 95 Prozent bis 2050 gegenüber 1990 festlegt. den wir uns für die Versteigerung aller Emissions- Beeinträchtigungen verhindern. Zur Begleitung dieses Prozesses werden wir eine Kommis- rechte ohne Ausnahmen von 2013 an aussprechen; sion aus unabhängigen Experten einrichten; • Sämtliche Erlöse aus der Versteigerung von Zur Sicherung der biologischen Vielfalt werden wir • einen „Klimaplan 2050“ aufstellen mit den Schritten, Verschmutzungsrechten werden wir für Maßnahmen • unter der deutschen Präsidentschaft des UN-Überein- Kapitel Klima, energie, umwelt die von heute bis 2050 umzusetzen sind, um die Ziele des zum nationalen und internationalen Klimaschutz und zur kommens über die biologische Vielfalt (CBD) bis 2010 Klimaschutzgesetzes zu erreichen. Anpassung an den Klimawandel verwenden; und darüber hinaus das in Bonn beschlossene Aktions- Eine ambitionierte deutsche Umwelt-, Klima- und Unter anderem werden wir die nationale Energieversor- • Beim EU-Haushalt 2014 bis 2020 wird sich die Bun- programm vor allem in folgenden Schwerpunktberei- Energiepolitik kann und wird einen zentralen Bei- gung so schnell wie möglich größtenteils auf erneuerbare desregierung dafür einsetzen, dass fünf Prozent der Ausga- chen umsetzen: trag zur Modernisierung unserer Gesellschaft leisten. Energien umstellen. Wir werden eine sichere und bezahlbare ben den Erhalt der biologischen Vielfalt fördern, die Hälfte – Bis 2010 ist eine Vereinbarung zu erzielen, die welt- Sie soll zum Motor werden für die Entwicklung von Stromversorgung auch ohne den Neubau von Kohlendioxid aller Strukturfondsmittel für klimarelevante Maßnahmen weit die Biopiraterie (siehe Kasten) beendet; Zukunftstechnologien, sie kann die deutsche Volks- emittierenden Kohlekraftwerken und mit dem Festhalten am eingesetzt werden und 85 Prozent aller EU-Agrargelder an – die von Deutschland ins Leben gerufene „LifeWeb“- wirtschaft wettbewerbsfähig erhalten und sie wird neue Atomausstieg sicherstellen und ein Energieeffizienzgesetz emissionsmindernde Produktionsweisen gekoppelt werden. Initiative zur Erhaltung bestehender und Sicherung und sichere Arbeitsplätze schaffen. Deutschland soll verabschieden. neuer Waldschutzgebiete, insbesondere in den Tropen, deshalb noch stärker als bisher eine führende Rolle im wird ausgeweitet; Klimaschutz wahrnehmen. Unser gemeinsames Ziel Im Rahmen der UN-Klimaverhandlungen werden wir In der Landwirtschafts-, Meeres- und Forstpolitik – ein Netz von Meeresschutzgebieten auf hoher See ist, die weltweite Erderwärmung auf durchschnittlich darauf hinwirken, werden wir soll bis 2012 mit deutscher Unterstützung eingerichtet unter zwei Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen • dass die EU bis 2020 ihre Treibhausgasemissionen gegen- • sicherstellen, dass die klimaschädlichen Emissionen von werden. Stand zu begrenzen. Außerdem werden wir uns für eine über 1990 um mindestens 40 Prozent und bis 2050 praktisch Lachgas in der Landwirtschaft deutlich reduziert werden. • mit einem neuen Bundesaktionsplan die Umsetzung nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen und auf Null zurückführt; Wir prüfen die Einrichtung einer Abgabe auf Stickstoffüber- der nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt für weitergehende Maßnahmen zur Bewahrung der bio- • dass auch die Schwellen- und Entwicklungsländer mit schuss; finanzieren. logischen Vielfalt einsetzen. Unterstützung der Industrieländer bis 2020 insgesamt 30 Pro- • bei der Nutzung von Agrarrohstoffen für Energie, Treib- zent weniger Treibhausgase emittieren als bei unveränderter stoff, Futtermittel und Lebensmittel einen strengen Nach- In der deutschen Klimaschutzpolitik werden wir Entwicklung prognostiziert; haltigkeitsnachweis (siehe Kasten) verlangen; • die bereits im Jahr 2007 beschlossenen Maßnahmen aus • dass die Industrieländer die Entwicklungs- und Schwellen- • im Gesetzgebungsverfahren auf EU-Ebene dafür sorgen, dem „Meseberg-Programm“ der letzten Bundesregierung länder bei Maßnahmen zum Klimaschutz und zur Anpassung dass der Handel mit illegalem Holz unterbunden wird; in einem „Meseberg-Plus-Programm“ (siehe Kasten) wei- an den Klimawandel massiv unterstützen. Dazu gehört als ein • in der EU auf eine Neuausrichtung der Fischereipoli- terentwickeln und damit sicherstellen, dass die deutschen neuer Schwerpunkt die Hilfe beim Erhalt der Wälder und damit tik drängen: Fangkapazitäten sind an die Fischressourcen Treibhausgasemissionen bis 2020 um mindestens 40 Prozent bei der Reduzierung von Emissionen aus der Waldvernichtung anzugleichen, Fangrechte sollen künftig handelbar sein. Der gegenüber 1990 gesenkt werden; (REDD). Beifang muss drastisch reduziert werden; meseBerG-ProGramm nachhaltiGKeitsnachWeis BioPiraterie Das Bundeskabinett hatte sich im Sommer 2007 im brandenburgischen Meseberg auf Um negative Folgen – etwa zusätzliche Urwaldrodungen – zu verhindern, hat die EU Biopiraterie ist die Nutzung von biologischen Ressourcen in Entwicklungsländern, einen Maßnahmenkatalog zur Verringerung des Treibhausgasausstoßes geeinigt. Das die Kontrolle der Nachhaltigkeit bei der Erzeugung verlangt. Die Umsetzung erfolgt zum Beispiel zur Herstellung von Arzneimitteln oder Kosmetika, ohne dass diese ange- „Meseberg-Paket“ wurde später unter dem offiziellen Namen „Integriertes Energie- über glaubwürdige Zertifizierungssysteme, die sowohl ökologische als auch soziale messen vergütet wird. Vor allem globale Unternehmen nutzen tropische Pflanzen, Tiere und und Klimaprogramm (IEKP)“ beschlossen. Schwerpunkte des Programms sind unter Kriterien berücksichtigen. Diese müssen die gesamte Handelskette vom Produzenten Kleinstlebewesen für Medikamente und Kosmetika, ohne die Herkunftsländer fair zu betei- anderem die Steigerung der Energieeffizienz, die Erhöhung des Anteils erneuerbarer bis zum Endverbraucher betrachten. ligen. Biopiraterie beraubt die armen Länder ihrer Schätze, verhindert dort Einkommen und Energien und die Wärmedämmung. wirtschaftliche Entwicklung und kann negative Auswirkungen auf die Artenvielfalt haben.
  • 4. 0 _WWF_EXTRABLATT_WAHL_SPEZIAL WWF_EXTRABLATT_WAHL_SPEZIAL_ 0 Wahl-Spezial Klimaschutz ist nicht alles Aber ohne Klimaschutz ist alles nichts. Es gibt noch andere wichtige Umweltprobleme neben dem Klimawandel, die wir dringend angehen müssen. Doch wer die Artenvielfalt und die Wälder erhalten, die Meere retten und die Ernährung der Weltbevölkerung sichern will, muss auch die Klimakrise verhindern helfen. Die Bundesregierung muss auf Absprachen In Deutschland tragen wir besondere Verantwor- in Europa dringend reformiert werden, um den im neuen UN-Klimaabkommen drängen, die tung für große Wildtiere wie Luchs, Wolf und Raubbau an den natürlichen Ressourcen zu stePhan lutter, den Entwicklungs- und Schwellenländern aus- Bär, die hier wieder eine Heimat suchen. Nicht beenden. Düngen muss klimasicher betrieben meere Küsten: reichend finanzielle und technische Hilfe garan- Abschuss ist angesagt, sondern Toleranz, dann und Grünland erhalten werden, damit nicht noch Die Welt unter Wasser ist faszinierend und tieren, um die Vernichtung ihrer Wälder zu haben diese großen Wildtiere auch bei uns ihren mehr Treibhausgase entweichen. Die EU-Agrar- zerbrechlich zugleich. stoppen. Das kann gelingen, wenn die Wald- Platz. Aus Verantwortung für die Artenvielfalt in förderung muss an Umwelt- und Klimaschutz- Es muss in die Köpfe der Politiker, dass auch erhaltung lukrativer wird als die Abholzung. Deutschland insgesamt muss die neue Bundesre- leistungen der Landwirte gekoppelt werden. der Reichtum der Meere gierung die nationale Strategie zur biologischen Und nicht zuletzt müssen die Verbraucher endlich ist. Die Artenvielfalt Vielfalt konsequent umsetzen und mit einem umdenken: Weniger Konsum von Fleisch und Wir Menschen verursachen ein Aussterben von eigens dafür aufgelegten Bundesaktionsplan anderen tierischen Produkten ist gesünder und Tier- und Pflanzenarten, das hundertmal rascher finanziell absichern. entlastet zugleich das Klima. voranschreitet als unter natürlichen Bedingungen. Klimaschutz und Meeresschutz sind deshalb eng W. Bahnmüller/mauritius images/imagebroker, B. Lammel/WWF, W. Layer/blickwinkel, M. Meißner/Foto Pahl, mauritius images/age, WWF, digital vision Um den unwiederbringlichen Verlust natürlichen Landwirtschaft und Klima Die Meere verbunden. Nur gesunde Ozeane mit weniger Reichtums zu stoppen, ist das UN-Überein- Die Landwirtschaft ist die vielleicht wichtigste Die Meere werden immer leerer. 80 Prozent Klimastress, in denen nicht mehr Fische gefangen kommen zur biologischen Vielfalt (CBD) zu stär- Errungenschaft des Menschen, denn sie liefert aller kommerziell genutzten Fischbestände sind werden als nachwachsen, liefern uns auch in der ken und die Anzahl der Schutzgebiete weltweit Nahrungsmittel und Rohstoffe. Heute wissen wir überfischt oder bis an die Grenze der Tragfähig- Zukunft lebenswichtige Ressourcen. wesentlich zu erhöhen. aber, dass die weltweite Agrarproduktion nicht keit ausgebeutet, in den europäischen Meeren In der EU ist das europäische Netzwerk „Natura nur direkte Schäden in der Natur verursacht, son- sogar 86 Prozent. Der weltweite Fischfang pro- 2000“ eine Erfolgsgeschichte. Es umfasst heute dern auch den Klimawandel anheizt. duziert bis zu 40 Prozent Beifang. Ein Großteil 25 000 Schutzgebiete auf 17 Prozent der Land- In Europa kommen alleine neun Prozent aller davon wird ungenutzt und tot wieder über Bord fläche. Das aber reicht noch nicht aus, um die Treibhausgase direkt aus dem Agrarsektor. Hier geworfen und taucht daher in keiner Statistik auf. Die Wälder Arten- und Lebensraumvielfalt in Mitteleuropa belasten neben dem Kohlendioxid aus der Bear- Rabiate Fangmethoden, auch durch Flotten der Die Naturwälder, besonders in den Tropen, sind bau an den Wäldern vernichtet nicht nur wertvollen zu sichern. Immer noch ist die intensive und hoch beitung der Felder vor allem Lachgas aus dem Industrienationen, zerstören den Meeresboden Labore der Evolution und Schatzkammern der Lebensraum für Menschen, Tier- und Pflanzen- subventionierte Landwirtschaft in der EU für Dünger und Methan aus der Nutztierhaltung und die Korallenriffe. Die Plünderung der Welt- Artenvielfalt. Sie liefern Nahrungsmittel und arten, sondern verursacht insgesamt auch rund ein große Schäden an der Natur verantwortlich. das Klima. Dabei sind die Ernten auch bei uns meere bedroht nicht nur die marine Artenvielfalt, Medikamente, sind Wasserspeicher, stabilisieren Fünftel der weltweiten Kohlendioxid-Emissionen. Naturschutz und Klimaschutz müssen künftig sondern auch die Nahrungssicherheit von einer Gleichzeitig gefährdet der Klimawandel durch Hand in Hand gehen: Werden mehr Wälder, Milliarde Menschen, die in ärmeren Ländern auf Hitze und veränderte Niederschläge die Funktion Moore, Auen und andere Wildnisflächen als matthias meissner, Fisch als Eiweißquelle angewiesen sind. landWirtschaft: nina Griesshammer, der Wälder als globale „Klimaanlagen“. Europa, natürliche Speicher für Treibhausgase in Europa Doch wir schützen nicht einmal unsere eigenen Umweltfreundliche forstPolitiK: das seine eigenen Urwälder in der Vergangenheit erhalten, bremst das nicht nur den Artenschwund, Landwirtschaft ist viel Meere wirklich. Noch immer sind Sand- und Gesunde Wälder sind fast völlig vernichtet hat, wirkt auch am Kahl- sondern auch die Erwärmung der Erdatmosphäre. mehr als Heuhotel- Kiesabbau sowie Öl- und Gasexploration und für mich so wichtig wie Idylle: Sie ist eben auch die Luft zum Atmen. schlag in den Tropen kräftig mit: Wir importieren Wirtschaft, die sich der umweltschädliche Fischerei in den Schutzge- Und für viele andere Holz, Fleisch, Viehfutter und Palmöl, für deren Verantwortung fürs Klima bieten in deutschen Gewässern von Nord- und Menschen sind sie Gewinnung Regenwald zerstört wird. stellt! Ostsee erlaubt. tatsächlich überlebens- wichtig. So stammt zum Beispiel fast ein Fünftel aller Der Lebensraum im und am Meer steht unter Holzimporte in der EU aus illegalen Quellen. Um zusätzlichem Stress durch den Klimawandel: sicherzustellen, dass all diese für den Verbrauch in durch Überschwemmungen, Dürren und andere Steigender Meeresspiegel und stärkere Stürme das Weltklima und sind Heimat für Milliarden Deutschland und Europa bestimmten Produkte für Wetterextreme gefährdet, die immer stärker und bedrohen die Bevölkerung und die Naturräume Lebewesen. Trotzdem werden jedes Jahr rund 13 den europäischen und deutschen Markt legal und häufiger werden. an den Küsten. Durch die vermehrte Aufnahme Millionen Hektar Naturwald vernichtet – eine Flä- auf nachhaltige Weise erzeugt werden, braucht es Die Landwirtschaft trägt also zum Klimawandel von CO2 versauern allmählich die Meere, was che von der Größe Griechenlands. Dieser Raub- konsequente Regelungen. bei und leidet gleichzeitig darunter. Sie muss die Nahrungsketten in den Ozeanen bedroht.
  • 5. 0 _WWF_EXTRABLATT_WAHL_SPEZIAL Wahl-Spezial Parteien auf dem Prüfstand Die WWF-Redaktion hat ausschließlich die Klima- und Umweltprogramme der Parteien für die Bundestagswahl ausgewertet und mit den eigenen Forderungen verglichen. Die folgenden, sehr groben Bewertungen sind keine Wahlempfehlung für eine oder mehrere bestimmte Parteien. Dem WWF ist bewusst, dass es noch weitere Quellen zur Klima- und Umweltschutzpolitik der Parteien gibt, und dass die Wählerinnen und Wähler ohnehin noch weitere Aspekte in ihre Wahlentscheidung einbeziehen. Papier ist geduldig, besonders bei Wahlpro- Das fordert der WWF von der … und so stehen die Parteien in grammen. Welcher Politiker und welche Partei nächsten Bundesregierung … ihren Wahlprogrammen dazu haben sich in den vergangenen Jahren wirklich CDU/ SPD FDP B 90/ DIE LINKE für Umwelt- und Klimaschutz eingesetzt? Wie CSU GRÜNE plausibel sind die Vorschläge für die nächste Treibhausgasemissionen in Deutschland und Europa bis 2020      Legislaturperiode? Gibt es noch Veränderungen um mindestens 40 Prozent reduzieren in der öffentlichen Festlegung der Parteien zu Treibhausgasemissionen in Deutschland und Europa bis 2050  Klima- und Umweltfragen? Der WWF wird um mindestens 95 Prozent reduzieren das für Sie bis zur Wahl Ende September 2009 Ein Klimaschutzgesetz für Deutschland schaffen, das diese Ziele festschreibt beobachten. Die Recherchen, Analysen und Kommentare Alle Emissionsrechte in Europa ab 2013 versteigern dazu finden Sie auf unseren Sonderseiten zur Alle Erlöse aus dem Emissionshandel für den Klimaschutz Bundestagswahl unter verwenden www.wwf.de/bundestagswahl Entwicklungs- und Schwellenländer bei Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel deutlich stärker unterstützen Entwicklungs- und Schwellenländer bei der Bekämpfung der im Internet. Hier bieten wir Ihnen aktuelle Infor- Entwaldung erheblich stärker unterstützen mationen und interaktive Angebote. Spielerisch Aktionsprogramm der „Bonn 2008-Agenda“ zum Übereinkom- können Sie Ihr Wissen über die umweltpoli- men über die biologische Vielfalt (CBD) konsequent umsetzen tischen Positionen und Aussagen der Parteien „LifeWeb“-Initiative der bisherigen Bundesregierung für internationale Waldschutzgebiete fortsetzen und ausbauen und ihrer Spitzenkandidaten testen. Seien Sie auf Neue Meeresschutzgebiete auf hoher See einrichten Überraschungen gefasst! Umsetzung der nationalen Biodiversitätsstrategie durch mindestens tendenzielle übereinstimmung einen Bundesaktionsplan finanzieren mit wwf-forderung Keine neuen Kohlekraftwerke bauen ohne sichere Kohlen-      dioxidabtrennung und -lagerung (CCS) parteiposition unklar oder erfüllt Am Atomausstieg festhalten      wwf-forderung nur zum teil Deutschlands Energieversorgung so schnell wie möglich auf    parteiposition ist konträr zu erneuerbare Energien umstellen wwf-forderung Energieeffizienzgesetz beschließen, das zu einer drastischen   Keine aussage Erhöhung der Energieeffizienz führt Vergabe der EU-Agrarzuschüsse und EU-Strukturfondsmittel  an Klimaschutzmaßnahmen koppeln Der WWF hat diese Bewertungen auf Grundlage Klimaschädliche Emissionen aus der Landwirtschaft  der Wahlprogramme der sechs bisher im Parla- reduzieren ment vertretenen Parteien vorgenommen bezie- Strengen Nachhaltigkeitsnachweis für Biomasse in der Ener-   hungsweise – wenn sie noch nicht öffentlich gie-, Treibstoff-, Futter- und Lebensmittelproduktion einführen einsehbar waren – auf der Basis der verfügbaren Strenge Gesetze gegen illegalen Holzhandel in der EU   durchsetzen Vorläufertexte. Sie beziehen sich auf den Stand der Parteidokumente zum Redaktionsschluss EU-Fischereipolitik: Fangquoten anpassen und Beifang vermeiden dieser Veröffentlichung am 12. Juni 2009. Die Beeinträchtigung der Meeresschutzgebiete in Nord- und Ost-  jeweils aktualisierte Fassung sowie Informa- see durch Fischerei und Abbau von Bodenschätzen verhindern tionen zu Wahlprogrammen weiterer Parteien finden sich auf www.wwf.de/bundestagswahl. IMPRESSUM Herausgeber/Bezug WWF Deutschland Rebstöcker Straße 55, 60326 Frankfurt am Main, Telefon: (0 69) 7 91 44-0, Fax: (0 69) 7 91 44-112; Für den Inhalt verantwortlich: Sandra Exterbrink (V. i. S. d. P.), WWF; Redaktion: Donné Norbert Beyer (Chefredaktion), octopus media; Koordination: Alois Vedder, WWF; Bildredaktion: Annika Magdorf, WWF; Produktion: Natascha Schuck, Panda Fördergesellschaft mbH; Schlussredaktion: Elisa Holz, Süddeutscher Verlag onpact GmbH, Gestaltung und Litho: dworak kornmesser, Druck: Stark Druck GmbH Co. KG

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