"Modell Deutschland" - Industrie

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    1. Modell Deutschland – Klimaschutz bis 2050 Vom Ziel her denken Eine kohlenstoffarme Wirtschaft in Deutschland ist ohne Einschränkungen des Lebensstan- dards möglich – wenn wir jetzt beginnen. Das ist das wichtigste Ergebnis einer aktuellen Studie des Instituts Prognos und des Ökoinstituts im Auftrag des WWF. Daten und Fakten: Industrie Seite 1 von 2 Die wichtigsten Ergebnisse der Studie • Fluorierte Treibhausgase (THG) wie H-FKW, auf einen Blick FKW, SF6 sind über ordnungsrechtliche Vor- gaben (etwa Verbot des Einsatzes von F-Gasen • Die direkten CO2-Emissionen des Industriesek- als Kältemittel ab 2015) und einer ergänzenden tors gehen im Zeitraum von 2005 bis 2050 von vom THG-Potenzial abhängigen Steuer für den 101 auf 36 Millionen Tonnen zurück. Das ent- Einsatz von F-Gasen zu reduzieren. spricht einer Reduktion um 64 Prozent. • Der Übergang in eine nahezu kohlenstoffarme Treibhausgasemission in der Industrie – ambitionierte Reduktion zum Ziel ge- Wirtschaft ist ohne substanzielle Strukturbrü- setzt che möglich. • Ein wesentlicher Minderungsbeitrag wird er- • Es kommt zu einer intra-industriellen Struktur- bracht durch die Senkung des Bedarfs an Pro- verschiebung zu energieeffizienteren, ressour- zesswärme – der Wärme, die für zahlreiche ceneffizienteren Industrien, der Maschinenbau technische Prozesse wie Schmelzen oder bleibt die deutsche Leitindustrie, ebenfalls steht Schmieden benötigt wird. Prozesswärme hatte der Fahrzeugbau mit neuen Produkten vor einer im Jahr 2005 einen Anteil von 66 Prozent am Wachstumsphase. Endenergieverbrauch (der Energie, die beim • Industrielle Nutzung von CO2-Abtrennung und Verbraucher abzüglich Transport- und Um- -Speicherung (CCS) stellt für einzelne Indust- wandlungsverlusten ankommt). Dieser Anteil rien eine notwendige Voraussetzung dar, wenn wird bis 2050 um ca. 50 Prozent gesenkt. Deutschland nahezu CO2-frei werden soll und Durch neue Produktionsverfahren und innova- diese Industrien zugleich erhalten werden sol- tionsgetriebene Verschiebungen von den ener- len (Zement/Klinker, Stahlproduktion etc.). gieintensiven (z. B. Metallerzeugung) zu den • Energieeffizienzgewinne tragen mit mehr als weniger energieintensiven Industriezweigen (z. zwei Drittel zu den Emissionsreduktionen bei. B. Kompositmaterialien oder Keramik) redu- Verbindlich eingeführte Energiemanagement- ziert sich der absolute Prozesswärmebedarf um systeme und vor allem rechtliche Rahmenbe- 50 Prozent bei gleichzeitiger Produktionsstei- dingungen zur Förderung besserer Energieaus- gerung von knapp 20 Prozent. nutzung und -einsparung sind hierfür wichtige • Im Endenergieeinsatz der Industrie (also der Voraussetzungen. Energie, die abzüglich aller Transport- und • Brennstoffwechsel zu Gas und Strom bezie- Umwandlungsverluste eingesetzt werden kann) hungsweise letztlich zu Biomethan und andere spielen mechanische Kraftanwendungen wie z. Produktionsprozesse tragen zur vollständigen B. Pumpantriebe eine große Rolle (21 Prozent Zielerreichung bei. in 2005). Hocheffiziente Querschnittstechnolo- _________________________________________________________________________________________________________ WWF Deutschland ist eine der nationalen Organisationen des WWF – World Wide Fund For Nature – in Gland (Schweiz).
    2. Seite 2 von 2 gien und spezifisch entwickelte Werkstoff-, • Der Anteil erneuerbarer Energien und emissi- Produkt- und Prozessoptimierungen verringern onsfreier Energieträger (Fern- und Nahwärme, hierbei den Endenergieeinsatz von 2005 bis Strom) am gesamten Endenergiebedarf sollte 2050 um 43 Prozent. bis 2030 auf etwa 60 Prozent und bis 2050 auf 90 Prozent steigen. • Es profitieren die Glas- und Keramikindustrie sowie vor allem die (Spezial-) Chemie- und • CO2-intensive Industrieprozesse sollten bis Kunststoffbranche von der spezifischen Ent- zum Jahr 2050 nur noch in Kombination mit wicklung neuer Werkstoffe sowie der Nachfra- CO2-Abtrennung und -Speicherung (CCS) be- ge nach Hochleistungs-Wärmedämmstoffen, trieben werden. Hochleistungsfenstern etc. im Rahmen der Daraus leiten sich folgende Umsetzungsinstrumen- notwendigen Gebäudesanierung. Die energie- te ab: intensive Metallerzeugung wird durch maßge- schneiderte Werkstoffe und Bautechniken teil- • Schaffung eines flexiblen Mengensteuerungs- weise ersetzt. Der Fahrzeugbau produziert ins- systems für Energieeinsparungen, in dem die gesamt kleinere und leichtere Fahrzeugflotten Energielieferanten auf Grundlage einer Positiv- bei Übergang zur weitgehenden Elektromobili- liste für Energiesparprojekte jährlich mit frei tät. Insgesamt ändert sich die Branchenstruktur handelbaren Einsparzertifikaten einen bestimm- aufgrund ihrer hohen Differenzierung nicht ten Energiesparbeitrag nachweisen müssen. substanziell. Der Maschinenbau bleibt weiter- • Verbindliche Einführung von Energiemanage- hin die große Wachstumsbranche. mentsystemen. Hindernisse in der Umsetzung von Re- • Wiedereinführung der steuerlichen Absetzbar- duktionsmaßnahmen keit von Energieeffizienz-Investitionen. • Es gibt physikalische Grenzen für Emissi- Flankierend hierzu sind Anreize für die Entwick- onsminderungen. Im Industriesektor wird aus lung und den Einsatz effizienter Technologie- diesem Grund 2050 insgesamt nur rund Innovationen zu setzen. Dies betrifft insbesondere 53 Prozent weniger Energie verbraucht werden die anwendungsorientierte Forschung. als 2005. Weitere Hintergrundinformationen zur Studie • Es gibt nur begrenzte Einsatzmöglichkeiten für „Modell Deutschland – Klimaschutz bis 2050“ erneuerbare Energien zur Erzeugung von Nied- finden Sie im Internet unter rigenergiewärme. www.wwf.de/klima2050. Lösungsstrategien Weitere Informationen: Folgende strategische Leitlinien müssen gesetzt Thomas Duveau, Referent Klimaschutz und Fi- werden, um die genannten Minderungsziele zu er- nanzsektor, WWF Deutschland, Tel.: 030 / reichen: 308742-36, Fax: -35, thomas.duveau@wwf.de • Die Energieproduktivität sollte von 2005 bis zum Jahr 2030 etwa verdoppelt und bis zum Regine Günther, Leiterin Klimaschutz und Ener- Jahr 2050 verdreifacht werden. giepolitik, WWF Deutschland, Tel.: 030 / 308742- 18, Fax: -35, regine.guenther@wwf.de Die Faktenblätter zur Studie auf einen Blick: Überblick über die Gesamtstudie, Gebäudesektor, Elektrogeräte, Industrie, Verkehr- sektor, Elektrizitätsversorgung, Landwirtschaft. _________________________________________________________________________________________________________ WWF Deutschland ist eine der nationalen Organisationen des WWF – World Wide Fund For Nature – in Gland (Schweiz).
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