Nr werkstatt-18-online-journalismus

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Online-Journalismus: Zukunftspfade und Sackgassen / hrsg. v. netzwerk recherche e.V. Konzeption: Prof. Dr. Thomas Leif (verantw.) ; Thomas Mrazek ; Albrecht Ude. Redaktion: Thomas Mrazek. Redaktionelle Günter Bartsch (Korrekturen). Mitarbeit: Albrecht Ude. Gestaltungskonzept & Artwork: Nina Faber de.sign, Wiesbaden. -
Wiesbaden : netzwerk recherche, 2011
196 S.
ISBN: 978-3-942891-00-4

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Nr werkstatt-18-online-journalismus

  1. 1. nr-Werkstatt Nr. 18 sign ber de. © N. FaOnline-JournalismusZukunftspfade und Sackgassen.
  2. 2. nr-Werkstatt:Online-JournalismusZukunftspfade und Sackgassen.
  3. 3. Inhalt6 Vorwort9 So geht’s nur im Netz: das Besondere am Online-Journalismus Nea Matzen24 „Jeder legt sich seine eigene Strategie zurecht“ Interview mit Stefan Plöchinger31 „Am Ende zählt die Geschichte – und nicht das Medium“ Interview mit Nea Matzen36 Verschwinden oder Wandel des Journalismus im Internet? Prof. Dr. Christoph Neuberger46 „Nutzerbeteiligung ist das A und O für den Qualitätsjournalismus“ Interview mit Ulrike Langer53 Und sie wissen immer noch nicht, was sie tun sollen Rainer Meyer alias Don Alphonso58 Elf Thesen zum Qualitätsjournalismus im Internet Hans-Jürgen Jakobs61 „Hört auf die digitalen Vordenker!“ Interview mit Thomas Knüwer66 Die dritte Medienrevolution frisst ihre Cousins Markus Reiter69 Die digitale Öffentlichkeit und die Krise des Journalismus Stefan Münker77 „Das Netz macht Nachrichten zum kollaborativen Element“ Interview mit Alexander von Streit83 Journalismus im Webstuhl Jan Söfjer89 „Mit angezogener Handbremse“ Interview mit Prof. Dr. Lorenz Lorenz-Meyer 2
  4. 4. Inhalt94 Recherchefreie Zone: Das Lokale Ein Werkstattbericht über das Heddesheimblog Hardy Prothmann99 „Dieser schreckliche Stotterjournalismus!“ Interview mit Marian Semm105 Sagen Sie uns Ihre Meinung! Aber was sagt die uns? Christian Pfaffinger, Nina Springer111 „Wir müssen uns auf die Gegebenheiten des digitalen Raums einlassen“ Interview mit Dirk von Gehlen115 Journalistische Glaubwürdigkeit durch Klarnamen bei der Kommentarfunktion Markus Hofmann121 „Keine großen Mängel im Pressekodex“ Interview mit Lutz Tillmanns126 Journalismus 2.0: Neue Werkzeuge für die journalistische Arbeit Anton Simons133 „Nicht so richtig fasziniert von Facebook & Co.“ Interview mit Christian Bartels und Christoph Schultheis137 Bloggen für eine Nachrichtenseite – aber wie? Sonja Riegel145 Social Payments – Prozess statt Produkt Bernd Oswald149 „Priorität hat die Einbindung partizipatorischer Elemente“ Interview mit Jörg Sadrozinski152 „Luft nach oben ist immer“ Interview mit Sophie Burkhardt155 Blogger sind in der Regel meinungsfreudig Interview mit Thomas Mrazek 3
  5. 5. Inhalt162 Originäre Inhalte, Aggregation von Information, Einordnung von Information wird wichtiger Interview mit Peter Schink165 Hochwertiger Online-Journalismus vereint die Stärken aller Mediengattungen Interview mit Dr. Christian Stöcker169 „Verlage müssten mehr in Qualität investieren“ Interview mit Alfons Pieper173 Serviceteil173 Links179 Lokal-Blogs180 Wichtige websites für den Online-Journalismus182 Literaturauswahl185 Standards der Online-Recherche – Was Journalisten können und kennen müssen Ulf Grüner und Albrecht Ude190 Autoren192 Impressum 4
  6. 6. „Das Verhältnis der Zeitungen zumInternet ist, freundlich gesprochen,überspannt. Was soll das Netz nichtalles sein: der Feind, das Volk, dieZukunft. All das sind Projektionen, dieaus der eigenen Verunsicherung kom-men. Doch sind die Prognosen vombaldigen Absterben des gedrucktenJournalismus nicht eingetreten, undes spricht wenig dafür, dass sich dasin absehbarer Zeit ändert. Das Netzbietet alles – aber kaum Struktur. Einestrukturlose Öffentlichkeit jedoch liegtnicht im Interesse der Bürger und nichtin dem der meisten Leser. So kann dasNetz für uns nur ein Mittel sein, einKonkurrent und ein Kontrolleur. Alleslebenswichtige Funktionen für denJournalismus.“Bernd Ulrich, stellv. Chefredakteur „Die Zeit“ zur Krise des politischen Journa-lismus in Deutschland, dpa, 22/12/2010 5
  7. 7. Vorwort „Online zuerst? Oder Print zuerst? Am besten: Journalismus zuerst!“ Hans-Jürgen Jakobs, Süddeutsche Zeitung, 11.11.2008Rückbesinnung. Selbstachtungskrise. Diskurs.‘Nichts ist erregender als der Online-Journalismus’Am 18. November 2010 wurde es bei der Eröffnung der Zeitschriftentage inBerlin plötzlich still. Der Schweizer Verleger Michael Ringier mahnte seine Kolle-gen, sich auf den Journalismus als Basis ihres Geschäfts zu besinnen. Ringiermonierte, dass die meisten Verlage ihre Umsätze im Internet nicht mit Journalis-mus generierten, sondern „mit Katzenfutter und Hot-Dog-Zangen“. Auf dieZukunft gerichteter Journalismus müsse „einzigartig“ sein und sich von denStoffen unterscheiden, die im Internet angeboten würden. Ein einfaches, aberschlüssiges Geschäftsmodell: die Rückbesinnung auf Journalismus als Basis desGeschäfts.Doch Appelle dieser Art bringen noch keine Lösungen. Bernd Ulrich, stellvertre-tender Chefredakteur der Zeit, sieht im Siegeszug des Internets im vergangenenJahrzehnt sogar den Anlass für eine „Selbstachtungskrise“ des Journalismus. Aufdie Herausforderung durch das Netz reagierten die meisten Zeitungshäuser mitUmsonstjournalismus im Internet. Zudem sollten die hoch spezialisierten Schrei-ber alles zugleich sein, Blogger, Twitterer, Fotograf, Filmemacher – Generaldilet-tanten eben. Obendrein wurde der Untergang der Printmedien besungen. Jour-nalisten mussten sich vorkommen wie Tote auf Urlaub.“ (dpa 22.12.2010)Diese beiden Positionen markieren die Konfliktlinien zwischen den „Holzmedien“und der „digitalen Avantgarde.“ Pointierte Bilanzen von sehr erfahrenen online-Chefredakteuren – etwa die Analyse „der Online-Journalismus wird überschätzt“-werden weder offen diskutiert, noch nüchtern untersucht.Die vorliegende „werkstatt“ möchte deshalb mit ganz unterschiedlichen Texten undInterviews argumentative Brücken schlagen und kontroverse Positionen zu denzentralen Streitthemen präsentieren. Es geht nicht in erster Line um „richtig“ oder„falsch“, sondern darum einen aktuellen Meinungsmarkt herzustellen, der 6
  8. 8. VorwortSubstanz bietet, um Einschätzungen zu fundieren und tragfähige Zukunfts-modelle zu skizzieren.Ein Diskurs über die Zukunft des Online-Journalismus – ohne Scheuklappen undTabuzonen – dieser Anspruch wird ja immer wieder erhoben. Möglicherweise gibtes in dieser „nr-werkstatt“ den Rohstoff, um die notwendigen Debatten zubeflügeln.Thomas LeifVorsitzender netzwerk recherche e. V. „Welche Rolle spielen die neuen Medien für Protestbewegungen?“ „Ich glaube, sie werden grandios über- schätzt. Natürlich ist das Internet ein hervorragendes Mittel, Informationen zu beschaffen und zu verbreiten. Aber zur Weckung von politischem Inter- esse taugt es nicht. Vor allem die ohne- hin schon Interessierten nutzen es für politische Information und Aktion.“ Prof. Dr. Dieter Rucht (WZB Berlin), Das Parlament 02/01/2011 7
  9. 9. Die Dokumentationennr-Werkstatt:Quellenmanagementnr-Werkstatt:Die Einsteigernr-Werkstatt:Fact-Checking Bezugsadresse: netzwerk recherche e.V.nr-Werkstatt: GeschäftsstelleWerte und Orientierungen Stubbenhuk 10, 5. OG 20459 Hamburgkönnen kostenfrei gegen einen adressierten undausreichend frankierten Rückumschlag (DIN C5, 1.50 Euro)beim netzwerk recherche bezogen werden. www.netzwerkrecherche.de infoπnetzwerkrecherche.de @
  10. 10. Nea Matzen So geht’s nur im Netz: das Besondere am Online-Journalismus Nea Matzen, Redakteurin tagesschau.deEs gibt einige Alleinstellungsmerkmale Definitiondes Online-Journalismus: Wo der Blick hängenbleibt• anderes Leseverhalten als bei Eyetrack-Studien sind qualitative Nut- Printmedien, zerstudien; sie untersuchen das Lese-• ständige Aktualisierbarkeit, verhalten relativ weniger Kandidaten• Hypertextualität, die zu nicht linea- (bei Eyetrack III 2003 waren es 46, in rem Erzählen führen kann, der Jakob-Nielsen-Usability-Studie 2006• einfachere und deshalb stärkere waren es 232), dafür aber intensiv. Die Interaktivität als bei anderen Technik ermöglicht es, dem Blickver- Medien, lauf zu folgen und aufzuzeichnen, wo• Multimedialität, die Augen bzw. Pupillen verweilen, um• unbeschränkter Umfang, Informationen aufzunehmen. Dies• Ubiquität, d. h. weltweite Abruf- geschieht entweder durch Brillen mit barkeit. eingebauten Kameras, die auf das Auge gerichtet sind, oder über Kame-Alle sieben Punkte haben Auswirkungen ras im Bildschirm, die den Blick daraufauf die Produktionsprozesse und die aufzeichnen. Die Synchronisation vonArbeitsweisen in Online-Redaktionen. Augenbewegung und Bildverlauf erlaubt dann eine recht genaue Aus-Überfliegen, Klicken, Lesen sage, wohin der Blick gelenkt wurde. Daraus lässt sich schließen, was dieIm Normalfall ist das Leseverhalten im Probanden lesen. Auch seitliche Augen-Internet flüchtiger als bei gedruckten bewegungen können registriert werden.Texten. Es ist gekennzeichnet durch Mehr zu Eyetrack-Studien aufschnelles Erfassen der Inhalte. Aber bei www.poynterextra.org/et/i.htm.großem Interesse lesen User so intensivwie Leser von Printprodukten. Wenn Lesen am Bildschirm im Vergleich zuNutzer klicken, lesen sie gute Texte Printprodukten:meistens durch (Ergebnis der „Eyetrack- • Es ist – je nach Auflösung und Ein-Studie III“ von 2004). Gut geschriebene, stellungen – anstrengender.zusammenfassende Einleitungen zu • Die Sichtfläche ist deutlich kleinerBeginn eines Berichts halten User nicht – kein Überblick über das Gesamt-vom Lesen des ganzen Textes ab. angebot. • Kein bequemes oder gar gemüt- 9
  11. 11. So geht’s nur im Netz liches Schmökern: Zeitungen oder Zuschauer, Hörer sowie Nutzer von Magazine kann man u. a. mit in die Internet-Seiten. Allerdings sind für den Badewanne nehmen. Online-Bereich die Messmethoden• Die Lesegeschwindigkeit ist online umstritten, da jeder Klick – und sei es etwa 25 Prozent langsamer als auf auf einen Buchstaben in einem Kreuz- Papier. worträtsel im Netz – als ein Seitenabruf gezählt wird. Dagegen wird die Ver-Bei Online-Medien spricht man – wie weildauer in einer Mulitmediaanwen-mittlerweile allerdings auch bei Print- dung oder beim Anschauen eines Videosprodukten – vom „Scannen“ statt Lesen. im Web bisher nicht gemessen. Die wichtigste Währung im Online-Marke-Die Vorteile beim Lesen von Online- ting waren lange Zeit die Page Impres-Texten: sions, seit November 2009 sind es dieInternet-Seiten lassen sich am Schreib- „Unique Visits“. Page Impressions sindtisch gut nebenher konsumieren. Sie die einzelnen Klicks auf Texte undsind Büromedien: Die Zugriffszahlen Fotos etc., d. h. alle einzelnen Seiten-sind zwischen 8:00 bis 17:00 Uhr am aufrufe. Visit bezeichnet einen zusam-höchsten, die Spitze liegt zwischen menhängenden Nutzungsvorgang eines10:30 und 13:30 Uhr. Internet-Angebots. Als Visit wird somit der einzelne Besuch eines Internet-• Schnelle und gezielte Informations- Angebots gezählt. beschaffung ist über Suchfunktio- nen und verlinkte Artikel möglich. Ein Problem bzw. eine Herausforde-• Um journalistische Angebote online rung für die Online-Portale ist die kurze zu nutzen, braucht man keinen Verweildauer auf den Seiten: Die User Kiosk, keine Abo-Lieferadresse und bleiben häufig auf der ersten Ebene, nicht einmal im eigenen Land zu sein. lesen die Überschriften und Teaser, aber klicken die Meldungen nicht an.Definition Im Bericht verborgene Perlen werdenPage Impressions (PI), deshalb eventuell nie entdeckt.Visits und wer sie zähltOffiziell gezählt werden die Zugriffe auf Checklisteeiner Homepage von der IVW (Informa- Basics für die Online-Redaktiontionsgemeinschaft zur Feststellung der 1. Überschriften und Teaser so schrei-Verbreitung von Werbeträgern e. V./ ben, dass sie neugierig machenURL: www.ivw.de). Vor allem für soge- 2. das Thema ergänzende, vor allemnannte Werbeträger – also alle dieje- originäre (von der Redaktionnigen, die in den jeweiligen Medien erstellte eigene) Angebote direktwerben möchten – liefert die IVW ver- auf die Homepage stellen – alsgleichbare Daten u. a. über Auflage, eigene Meldung oder mit einer ver- 10
  12. 12. Nea Matzen linkten Überschrift zu weiteren auch die anfallende Datenmenge. Der Inhalten unter dem Teaser oder im Richtwert für Bilder im Internet beträgt Teasertext darauf hinweisen 72 dpi, was am Auflösungsvermögen3. multimediale Angebote hervorheben der Bildschirme liegt.4. Newsletter versenden, die aktuelle und inhaltlich aussagekräftige Be- Hier-und-Jetzt-Medium treffzeilen haben und die Empfänger auf die Seite holen Ein Tippfehler, eine Ergänzung, doch5. bei aktuellen Ereignissen („Breaking lieber eine andere Überschrift – im News“) Eilmeldungen per E-Mail ver- Online-Journalismus ist der Text ständig senden, die den direkten Link zur veränderbar. Jederzeit kann die Web- Homepage enthalten site aktualisiert werden. Das erwarten die Leser auf Nachrichtenseiten auch:Das Internet ist in erster Linie ein Text- Neues gehört in die Überschrift undund Lesemedium. Erfahrene User den Teaser und sollte nicht einfachschauen zuerst auf den Text. Die Quali- irgendwo oder gar am Schluss in dertät der Bilder im Netz ist zudem im Meldung auftauchen. Die jeweiligeVergleich zum Druck immer noch Meldungsseite sollte einen Datums-vergleichsweise schlecht – durch die und Uhrzeitstempel haben, der nuroft unüberlegte Auswahl und ohnehin: dann umspringt, wenn der Text wirklichWas ist schon eine Bildauflösung von aktualisiert wurde – und nicht, wenn72 dpi im Vergleich zu der Bildqualität nur ein Tippfehler korrigiert und dieim Hochglanzmagazin mit mehr als 300 Änderung gespeichert wurde.bis 600 dpi? Die Schnelligkeit erzeugt oft Zeitdruck,Die Online-Redaktion sollte sich zuerst sie kann, muss aber nicht zu Ober-auf gute Überschriften und Teaser kon- flächlichkeit, Nachlässigkeit und Fehler-zentrieren. Bildauswahl und Bildunter- meldungen führen. Nur das Radio kannschriften sind jedoch wichtige Kriterien, vergleichbar schnell auf aktuelle Ereig-die einen qualitativ guten Netzauftritt nisse reagieren. Das ändert sich gerade:auszeichnen und die Nutzer mehr oder Das digital produzierte Fernsehen istweniger bewusst würdigen. weit weniger behäbig als das analoge, es ist schon gar nicht auf bestimmteDefinition Sendezeiten angewiesen. Sorgfalt istdpi – dots per inch keine Frage des Mediums, sondern desMaßeinheit für die Auflösung im Druck journalistischen Selbstverständnisses –und in anderen Wiedergabesystemen. der einzelnen Redakteure und derEin Inch entspricht 2,54 cm. Je höher jeweiligen journalistischen Institution.der dpi-Wert, desto besser die Darstel- Die technische Möglichkeit zur Aktua-lung von Bildern, umso größer aber lität bringt den Zwang zur redaktionellen 11
  13. 13. So geht’s nur im NetzAktualität mit sich. Liveberichterstat- So genannte Push-Dienste ermöglichentung ist quasi möglich: Großereignisse die schnelle Information des Users, derwerden „getickert“ oder „gestreamt“, sich allerdings zuvor für den Empfangd. h., es werden nahezu in Echtzeit von Breaking-News-Telegrammen oderKurzmeldungen, manchmal nur ein Newsletter per E-Mail angemeldet ha-Satz, veröffentlicht oder Filmaufnah- ben muss. Dabei ist der Newslettermen – seltener Audios – mit einem weniger auf die Echtzeit-Nachricht aus-Sekundenbruchteil Verzögerung emp- gelegt, sondern mehr auf einen Nach-fangen und über die technische Platt- richtenüberblick zu bestimmten Tages-form Internet ausgestrahlt. zeiten. Außerdem kann die Redaktion auf aktuelle Projekte, neue DossiersMerke und Extras hinweisen, die sowohl onlineDas Internet ist kein flüchtiges als offline zu finden sein können. WirdMedium: Online-Texte landen nicht am über das Online-Portal auf anderenächsten Tag im Altpapier oder werden redaktionelle Produkte des Verlags-ein-, eventuell zweimal gesendet, son- hauses oder Senders verwiesen (oderdern sind mindestens tage-, oft ohne umgekehrt), ist das Bestandteil derzeitliche Begrenzung abrufbar. Umso crossmedialen Vernetzung von Print-,wichtiger ist die korrekte, faire und Fernseh-, Radio und Internet-Publika-sorgfältige Recherche, Berichterstat- tionen. Immer mehr Redaktionen achtentung und Schreibweise. auf eine ansprechende Gestaltung ihrer Newsletter und vor allem auf eine inte-Definition ressante, inhaltsreiche Betreffzeile, dieTwitter & Co über „Ihr Newsletter von ...“ hinausgeht.Angemeldete Nutzer können überwww.twitter.com Textnachrichten mit Beispielmaximal 140 Zeichen veröffentlichen, Bei der Bundestagswahl im Septembersogenannte Tweets. Sie können sich 2009 forderten Online-Redaktionen dieauch direkt zu einem Thema äußern Leser auf, über die Online-Dienste Twit-oder aufeinander reagieren. Die Über- ter und Facebook ihre Meinungen aus-setzung für Twitter ist Gezwitscher. zutauschen oder die Diskussionen zuTwitpic, Tweetphoto und Yfrog sind verfolgen.entsprechend Bilderdienste, auf denenFotos hochgeladen werden können. Facebook ist eine US-Website, auf der User sich anmelden und ein sozialesAuch die redaktionelle Einbindung und Netzwerk aufbauen können. Sie ent-nur leicht zeitversetzte Ausstrahlung scheiden (hoffentlich), wer ihre mehrvon Twitter-Einträgen oder Facebook- oder weniger persönlichen BotschaftenKommentaren zu einem Ereignis sind lesen darf bzw. ob sie öffentlich sind.keine Seltenheit mehr. Nach diesem Prinzip funktionieren auch 12
  14. 14. Nea Matzendeutsche Portale wie Studi-VZ oder z. B. Zuschauer beim Fernsehsender.Schüler-VZ. (Quellen: www.spiegel.de) Das Internet bietet bisher am ehesten eine Plattform für einen gleichberech-Definition tigten Kommunikationsaustausch inCrossmedia allen Medienformen (Text, Audio,Die crossmediale Vernetzung der Medien Video). Deshalb gewinnt die Einbezie-findet auf verschiedenen Ebenen statt. hung des Publikums, der User, eineErstens durch Hinweise auf weitere immer größere Bedeutung.Berichterstattung in anderen Mediendesselben Anbieters. Der Hinweis auf Eine andere Möglichkeit für User,weitere Berichterstattung im Internet immer auf dem Laufenden zu sein, sindgehört genauso dazu wie die Bilder- RSS-Feeds, die sie abonnieren können.strecke auf einer Homepage, die dieInhalte der nächsten Ausgabe eines DefinitionWochenmagazins ankündigt. RSS (Really Simple Syndication oderZweitens wird es immer selbstverständ- Rich Site Syndication)licher, dass journalistische Produkte RSS bedeutet für die Redaktion keinevon vornherein digital produziert wer- zusätzliche Arbeit: Über einen RSS-den, so dass es einfach ist, über Daten- Publisher, der im Content-Management-banken diese Inhalte für verschiedene System eingebaut ist, werden die neuMedien verfügbar zu machen. Diese publizierten Beiträge indiziert und intechnische Konvergenz führt zur den Feed („Zufuhr“) eingespeist. Beiabnehmenden Trennung zwischen den den Lesern, die den RSS-Feed abon-einzelnen Mediensparten Print, Fern- niert haben, läuft jede Neuveröffent-sehen, Radio. Ein Beispiel ist auch die lichung ein. Man kann den Link zumUmsetzung von Online-Inhalten für RSS einer Internet-Seite entweder alsSmartphones oder die Darstellung Bookmark im Browser setzen oder sichvon Printprodukten auf elektronischen eine personalisierte NachrichtenseiteLesegeräten. zusammenstellen, z. B. über GoogleDrittens: Wenn Journalisten von vorn- Reader oder Yahoo Pipes.herein für die Verbreitung über meh-rere Medien denken und ihre Beiträge Für Journalisten sind diese automa-crossmedial erstellen – z. B. für Inter- tischen News-Lieferanten sehr nützlichnet, Radio und Fernsehen – kann das als Rechercheinstrument zu bestimm-im besten Fall zum „Crossmedia-Story- ten Themen oder als Mittel, sichtelling“ führen. schnell einen Nachrichtenüberblick zuViertens nutzt das Publikum unter- verschaffen.schiedliche Medien als Rückkanal: PerTelefon, Fax, SMS, E-Mail, Webbeiträge,Chat – also crossmedial – melden sich 13
  15. 15. So geht’s nur im NetzLiteratur Videozusammenschnitte der aktuellenEinen sehr guten, da praxisorientierten Nachrichten finden sich auf fast allenÜberblick zum Thema RSS bietet: Newsportalen im Netz. Das heißt: DieChristiane Schulzki-Haddouti: Web 2.0. Redakteure müssen mit Schnittpro-Beilage „Medium Magazin“. Verlag grammen umgehen können, auch Mode-Johann Oberauer, 2009. ratoren für diese Webvideos sind – fallsEine Anleitung für Google-Reader aus die Nachrichtenfilme nicht direkt hinter-der Reihe „Plain English“: einander gesetzt werden – im Einsatz.http://is.gd/64k6v. Da die Homepage bzw. gesamte Web-Auch unterwegs wollen User informiert site am schnellsten aktualisiert werdensein: Aktuelles wird über die Push- kann, gehen einige Redaktionen zurdienste auf Mobiltelefone oder PDA „Online First“-Strategie über: Die(Personal Digital Assistant) gesendet, publizistischen Inhalte werden sofortwenn die Besitzer sich für das Angebot im Internet veröffentlicht – bevor dasentschieden haben. Das funktioniert Zeitungspapier belichtet ist. Das ver-mit jedem Handy, das Internet-Zugang ändert zum einen die Arbeitsabläufe inhat. Die Darstellung der Nachrichten ist den Redaktionen komplett und istmeist für die kleinen Displays opti- zudem ein täglicher Balanceakt: Wasmiert. Aber auch Abos von News oder stellen wir online, damit die ZeitungEilmeldungen per SMS sind gang und auch noch morgen oder das Magazingäbe. Kostenlos oder im Abonnement noch in ein paar Tagen gekauft wird?bieten immer mehr journalistische Net- Vor dem Hintergrund der Zeitungskrisezangebote ihre Inhalte über Apps für und des Stellenabbaus in den Redak-das Iphone an. tionen ist das ein ernstes Problem.Definition Die Debatte verläuft grob gesagt zwi-App schen den Positionen: Die ZeitungenTausende Anwendungen („applicati- produzieren bisher den journalistischons“), die Apple als Software mit dem anspruchsvollen, gut recherchiertenIphone ausliefert und die – kostenfrei, Inhalt, der umsonst ins Netz gestelltgegen einmalige Gebühr oder im Abo – wird oder werden soll. Entlasse manzusätzlich auf das Smartphone (Mobil- immer mehr Zeitungsredakteure, sinketelefon und Mini-Computer bzw. Perso- die Qualität. Die Gegenargumente lau-nal Digital Assistent in einem) geladen ten: Guter Journalismus habe nichtswerden können. Die Programme zum mit der Art des Mediums zu tun. Da dieLesen, Hören, Schauen, Spielen etc. Leser ins Netz abwanderten, müssesind entweder von Apple oder anderen auch der sogenannte Qualitätsjourna-Anbietern für das Iphone entwickelt lismus im Internet stattfinden – undworden. Qualität koste nun einmal. Vermehrt 14
  16. 16. Nea Matzenwird über Bezahlmodelle für den Abruf oder breit sie Informationen suchen.von Texten und anderen Inhalten nicht Route, Tempo, Pausen, Wegklicken,mehr nur nachgedacht: Immer mehr Lesezeichen setzen, Versenden – allVersuche laufen, verschiedene Modelle das ist jederzeit bestimmbar.werden angewendet. Doch wegen der Fülle des AngebotsDefinition im Internet wünschen sich User Orien-Newsaggregatoren tierung.Auf diesen Websites werden Nachrich-ten von anderen Sites entweder auto- Merkematisiert mit Programmen gesucht und Die Online-Redaktion sortiert vor, bietetkategorisiert oder eine Redaktion an und lenkt durch das Angebot.wählt die Berichte aus. Nutzer können Die verlinkten Angebote müssen über-sich hier einen schnellen und nach sichtlich dargestellt werden und sollteneigenen Vorstellungen zusammenge- möglichst mit einem Blick erfassbarstellten Überblick verschaffen, ohne sein.mehrere Websites absurfen zu müssen. Das Redaktionsteam muss immer wie-Eine kleine Auswahl: der aufräumen: Was ist überholt? Washttp://de.driggle.com/news ist nicht mehr so interessant? Waswww.nandoo.net muss dazukommen?http://news.google.dehttp://de.news.yahoo.com DefinitionKulturnachrichten: Linkswww.perlentaucher.de Wichtig ist, möglichst viele Zusatzan- gebote im eigenen Angebot zur Verfü-Viele Wege führen durch die gung zu stellen, d. h. interne Links zuvernetzte Welt setzen. Viele Angebote – wie etwa FAZ.NET – bündeln die internen LinksHypertext bildet die Grundstruktur des in einem Kasten im Text.Veröffentlichens im Netz: Alles kann anjeder Stelle miteinander verknüpft wer- Externe Links führen zu Inhalten andererden, indem auf Begriffe oder Doku- Anbieter – diese Vernetzung ist einmente Links gesetzt werden. Dadurch wichtiges Prinzip im World Wide Web.entsteht eine netzartige, nicht lineare Doch erstens sind wir geschäftstüchtigStruktur. oder eitel und wollen die User möglichst lange auf unserer Seite halten, zweitensDer Zugang der User zu den Webseiten sind wir bis zu einem gewissen Grad fürist selektiv und individuell: Es ist die Inhalte der bei uns verlinkten Ange-immer wieder die Entscheidung der bote verantwortlich. Das bedeutet einLeser, was sie wann anklicken, wie tief ständiges Prüfen der fremden Inhalte. 15
  17. 17. So geht’s nur im NetzWas die User nicht zum Thema im MerkeAngebot sehen, suchen sie woanders. Die Online-Redaktion muss also dieDa der Hypertext das Verknüpfen von Neugier der „Netzsurfer“ wecken und(guten) Inhalten so einfach nur im Besonderes, Interessantes, „Eigenes“Online-Journalismus möglich macht, anbieten. Wer in einem Online-Angebotwäre es fast fahrlässig, diese Chance nur ins Netz kopierte Agenturmeldun-nicht zu nutzen. Linkjournalismus ist gen und Pressemitteilungen findet, istein Fachgebiet für Netzjournalisten schnell wieder weg und kommt nichtund beinhaltet die sinnvolle Auswahl wieder. Außerdem werden originäreund kritische Prüfung aller verlinkten Inhalte von anderen Internet-SeitenInhalte. gerne verlinkt.Literatur Im Prinzip können alle Elemente einerGreg Lynch stellt in „Nine Steps to Website miteinander verlinkt werden:Verified Link Journalism“ ein paar ent- Teaser sind mit dem Bericht verlinkt,scheidende Überlegungen an, nachzu- der Bericht mit Fotos und Hintergrund-lesen hier: http://is.gd/aOsQU. texten, Fotos untereinander zur Bilder- strecke. Links können direkt im TextVerantwortungsvolle Journalisten wür- stehen, darunter, daneben, hervorge-den ja auch sonst keine ungeprüften hoben in Kästen oder in Linklisten.Quellen und Informationen in ihrenBerichten verwenden – warum also Wörter, die im Text mit einem Linksollte das bei Links so sein? Experten – hinterlegt sind, müssen klug ausge-z. B. der Spezialist für „Neue Medien“ wählt werden. Alle NavigationspunkteRené Pfammatter und der Pädagogik- müssen selbsterklärend sein. GanzProfessor Rolf Schulmeister – verglei- schlecht: „Bitte klicken Sie hier“: daschen das Hypertext-Prinzip mit der nimmt Platz weg und hindert den Lese-Arbeitsweise des menschlichen Gehirns, fluss, auch wenn es am Ende einesdem eher nicht lineare als lineare Texte Absatzes steht.entgegenkommen: kreatives Suchen,Finden und Anklicken ist demnach eine Strittig ist, ob es überhaupt Links imdem Menschen eigene Strategie, Fließtext geben sollte: Klaus Meieretwas Wichtiges und Interessantes zu plädiert in seinem Buch „Internet-Jour-finden. In der Nutzerforschung wird nalismus“ dafür. Wolfgang Schweigerdas Vorgehen von Kindern beim Erkun- schreibt in seinem Buch „Hypermedienden einer Website „Mine Sweeping“ (in im Internet“, dass vor allem weiterfüh-etwa: „nach Minen abtasten“) genannt: rende Links im oberen SeitenabschnittSie fahren mit der Maus über die zu schnell den Lesefluss unterbrechenSeiten, um zu sehen, wohinter sich und der User beim anderen Angebotetwas verbirgt. weitersurft. Das könne auch das Öffnen 16
  18. 18. Nea Matzendes Links in einem neuen Fenster nicht auch auf Nachrichtenseiten tun kön-verhindern. nen.“ Diese Idee könne man auch als „News als Gespräch, nicht als Lehrvor-Tipp trag“ bezeichnen, meint Briggs. JayKeine ganzen Sätze zum Hyperlink Rosen, Professor für Journalistik an dermachen, sondern nur ein bis drei Wörter! New York University, spricht von „TheDie Leser erkennen so schneller, wohin People Formerly Known As The Audi-es geht. ence“, kurz und so auch über Suchma- schinen zu finden: TPFKATA. Er zeichnetErst wir, dann ihr: das Bild einer Öffentlichkeit, die selbstinteraktives Zusammenspiel mit der Texte in Blogs schreibt, Audios undCommunity Videos mit einfach zu handhabenden Aufnahmegeräten und Kameras auf-„Jetzt wir! Jetzt ihr!“ – Diese Aufforde- nimmt und sich ihre Nachrichtenseitenrung auf Jetzt.de bringt die (Fast-)Gleich- im Internet nach den eigenen Interessenberechtigung von Machern und Nut- zusammenstellt. Und: Jeder könne mitzern eines Medienangebots auf den jedem kommunizieren, der horizontalePunkt. Inzwischen fordern die Onliner Informationsfluss von Bürger zu Bürgerder Jugendseite der „Süddeutschen habe den vertikalen vom MedienmacherZeitung“ mit dem Appell „Schreib mit zum Publikum abgelöst: „Now the hori-im jetzt-Kosmos“ die User zum Schrei- zontal flow, citizen-to-citizen, is as realben von Kommentaren und Texten auf. and consequential as the vertical one.“Auch andere Online-Portale – inDeutschland sind Zeit Online und Der LiteraturFreitag Vorreiter – binden ihre Leser Jay Rosens Konzept TPFKATA vomstark in die Produktion der redaktio- 27. Juni 2006: http://is.gd/4SrSs.nellen Inhalte ein. Das herkömmlicheSender-Empfänger-Modell ist nicht auf- Eine kritische und trotzdem motivie-gehoben, aber durch die einfache Pro- rende Einführung bietet Mark Briggs:duktion von Text- und Bildpublikatio- Journalism 2.0. How to Survive andnen ist das „Gefälle“ zwischen Sender Thrive. A digital literary guide for theund Empfänger im digitalen Zeitalter information age. 2007.weit niedriger. Das Netz erlaubt spontane Interak-Leser seien nicht länger passive Emp- tivität: Schnelle Reaktionen sind mög-fänger „unserer Botschaften“, schreibt lich, da kein Wechsel des Mediums fürder Journalist Mark Briggs in „Journa- die Reaktion notwendig ist. Leserbrief-lism 2.0“: „Sie erstellen selbst Inhalte, schreiber mussten an die Schreibma-teilen sie miteinander und kommentie- schine gehen oder den Computer hoch-ren sie. Und sie erwarten, dass sie das fahren, Fernsehzuschauer und Radio- 17
  19. 19. So geht’s nur im Netzhörer z. B. zum Telefonhörer greifen und Say!“ das Prinzip der Userbeteiligung.beim Sender anrufen. Zitate der Website-Besucher werdenWas für Briggs und Rosen in den USA nicht nur auf der „Talking Point“-Seitebereits mediale Wirklichkeit zu sein (URL: news.bbc.co.uk/2/hi/talking_scheint, ist im deutschen Sprachraum point) veröffentlicht, sondern auchbei Weitem noch nicht so selbstver- prominent in den redaktionellen Textständlich. Doch mag bis vor Kurzem gestellt – verlinkt wiederum mit dernoch gegolten haben: je jünger die Ziel- Meinungsseite.gruppe, desto interaktiver und nutzer-orientierter das Portal, so ändert sich Die Einbindung von Leserbeiträgen indas zurzeit mit großer Geschwindigkeit. den redaktionellen Teil ist immens wichtig: die Auswertung von Foren inDas Prinzip lautet: „Lean back – lean Artikelform oder als Recherchegrund-forward“, zurücklehnen und konsu- lage; das Hervorheben von Leserzita-mieren, dann sich vorbeugen und agie- ten in der fortlaufenden Berichterstat-ren – immer im Wechsel ohne großen tung; die Aufforderung, Ideen oder Bei-Aufwand. spiele zu liefern, z. B. absurde Bedienungsanleitungen, überflüssigeDas kann geschehen mit: Verkehrsschilder, an Mauern gesprühte• Kommentaren direkt zu den Texten, Liebeserklärungen in der Stadt; Fotos• Foren, aus dem „Summer of Love“, Erinne-• Chats, rungen an den Fall der Mauer etc. Das• Umfragen, sind Geschichten, die erst mit den viel-• Wissenstests (Quiz), fältigen Beiträgen der Community richtig• Aufrufen zum Selber- oder gut werden. Mitmachen, Ein großartiges Rechercheinstrument• interaktiven Karten und Grafiken, ist das „Crowd Sourcing“, dahinter Literatur steckt die Idee, das Wissen, die Erfah-• Spielen, rungen oder schlicht die Daten von• Tagclouds/Schlagwortwolken, Usern zu einem Thema zusammenzu-• Social-Web-Anbindungen. tragen und auszuwerten. Die Idee ist nicht völlig neu: Redaktionen habenFür die Online-Redaktion heißt das: als immer schon ihre Leser, Hörer undDiskussionsgrundlage mindestens eine Zuschauer aufgerufen, zu bestimmtenMeinung, Frage oder These anbieten, Themen ihre Sichtweise oder ihregerne auch zwei oder mehr, und zum Erkenntnisse beizutragen. Durch dieDebattieren auffordern nach dem Verbindung mit einem landes- oderMotto: „Schreibt uns, was ihr denkt!“ weltweiten Publikum haben Online-Konsequent betreibt der britische Redaktionen es jetzt leichter, ihre NutzerSender BBC mit der Rubrik „Have Your ins Boot zu holen. 18
  20. 20. Nea MatzenEin schönes, weil so anschauliches sehr lang sind. Auch wer sie nichtBeispiel ist „Did you feel it?“: Tausende nutzt, erwartet Multimedialität. Da dievon Freiwilligen melden für diese Web- meisten Nutzer keine Muße haben,site, wie stark ein Erdbeben bei ihnen zu lange zu warten, sollte die Ladezeit fürspüren war – verortet auf der Karte die Redaktion ein wichtiges Kriteriumnach Postleitzahl: http://is.gd/c2je8. sein, ob sie ihre Inhalte in einer Multi- mediaanwendung darstellt oder nicht.TippWie kann man vermeiden, dass die Generell muss unterschieden werdenNutzerbeiträge gefälscht sind? zwischen:Robert Niles, der 2001 sein erstes • dem zusätzlichen Angebot einesCrowd-Sourcing-Projekt „Accident Audios, Videos oder einer Grafik zuWatch“ ins Netz stellte, rät: Die User einem Bericht mit Text und Foto,müssen sich mit dem Zuliefern des • der Entscheidung, das Thema garBerichts oder der Angaben registrieren: nicht in Form eines Textes aufzu-E-Mail-Adresse, Postleitzahl und Name, greifen, sondern ein anderesTelefonnummer und Anschrift. Medium für das Thema zu wählen, • einer „verzahnten“ multimedialenDen Usern deutlich machen, dass es Geschichte, also z. B.: eine inter-ein seriöses Projekt ist und sie es bitte aktive Karte, auf der die Betrachterauch ernst nehmen sollten. Wenn das einzelne Punkte anklicken können,Projekt individuelle Berichte vorsieht, und ein Video, eine Bilderstreckeist es gut, anderen Lesern die Möglich- oder ein Audio, die über den weite-keit zu geben, die Beiträge zu diskutieren ren Verlauf oder Details der Storyund die Informationen zu verifizieren. informieren. Auch Zeitleisten, die mit unterschiedlichen MedienartenAuch wenn nur Daten zusammengetra- bestückt sind, zählen zu diesergen werden, sollten die Leser ermutigt Kategorie. Dabei handelt es sichwerden, die Angaben anderer zu prüfen meistens um aufwändige Projekte,und ihre eigenen Informationen zum bei denen Journalisten und GrafikerDatenbestand hinzuzufügen. eng zusammenarbeiten.Multimediales Erzählen mit Texten, Online-Redakteure von Portalen, dieGrafiken, Fotos, Audios und Videos keinen Zugriff haben auf professionell erstellte Video- oder sogar Fernsehbei-Immer mehr Computerbesitzer können träge, fragen sich zu Recht, ob sie mitmultimediale Angebote abrufen. Doch verwackelten, selbst produziertenvielerorts sind die Übertragungsleis- Filmchen auf ihrer Website ihren Ruftungen der Internet-Verbindungen verderben. Die Antwort lautet: Es istnoch so gering, dass die Ladezeiten nur dann angemessen, wenn es zum 19
  21. 21. So geht’s nur im NetzStil der Website und das Thema es reitung von Themen, die User in dieerfordert; die Qualität vieler Filme auf Lage versetzt, bestimmte Inhalte besserdem Videoportal YouTube und der zu erstehen. Das gilt insbesondere fürEinsatz von Amateurkameras in Spiel- bis dahin unbekannte Abläufe oderfilmen haben die Sehgewohnheiten Prozesse und Fachbegriffe, die erklärtlängst verändert. werden. Die korrekte Wiedergabe von Namen und Fakten funktioniert lautDefinition dieser Studie allerdings besser nachVideoportale der Lektüre von Text.YouTube wurde 2005 gegründet. Aufdem Internet-Videoportal können LiteraturBenutzer kostenlos Videoclips an- Es lohnt sich, sich die Poynter-Eye-schauen und hochladen. 2006 wurde track-Studie im Internet anzuschauen:YouTube von Google übernommen. http://is.gd/9LlyW.Vimeo ist ein Portal für nicht kommer- Allerdings gibt es berechtigte Kritik-zielle Videos, das 2004 startete. Videos punkte an der Methode:dürfen ausschließlich von Personen Festgehalten wird nur das scharfehochgeladen werden, die an der Pro- Sehen, die visuelle Wahrnehmung desduktion wesentlich beteiligt waren. Umfelds, der Peripherie, wird vernach-Dafür steht das „me“ im Namen. Vimeo lässigt. Das periphere Sehen funktio-bietet eine höhere Videoqualität niert schneller als das Fokussieren, esim HD-(High Definition)-Standard. Wei- dient dazu, die Gesamtsituation einzu-tere viel genutzte Videoportale sind schätzen. Bewegt sich etwas am RandMyVideo, Clipfish, Sevenload und des Gesichtsfelds, geht es darum: Lau-Youku (VR China). ert dort Gefahr oder Beute? Bewegte Elemente auf dem Bildschirm habenEs könnte rufschädigend oder gar pein- also ein großes Ablenkungs- oderlich sein, unprofessionell gedrehte und Wahrnehmungspotenzial. Sehen funk-geschnittene Beiträge ins Netz zu tioniert heuristisch, d. h. wir beziehenstellen, wenn die Internet-Seite einen unsere Erfahrungen mit ein. Es werdenhohen oder auch nur ernsthaften jour- die Teile des Angebots wahrgenom-nalistischen Anspruch hat. Deshalb men, in denen neue Informationen ver-sollten die Journalisten entsprechend mutet werden. Nicht das Bild vor Augen,gut in diesem Metier ausgebildet sein. sondern das Gehirn lenkt die Auswahl.Das bedeutet aber nicht, dass für Filme Die Eyetracking-Methode zeigt, woraufim Internet mit einer teuren Kamera- die Pupillen gerichtet waren. Ob dieausrüstung gearbeitet werden muss. Gedanken tatsächlich dabei waren, istDie Nutzerstudie Eyetrack III kommt zu nicht nachvollziehbar.dem Ergebnis, dass „Alternative Story-telling“, also die multimediale Aufbe- 20
  22. 22. Nea MatzenGenerell gilt, dass der Einsatz von Bilder- ist? Beispiele wären: die Geschichtestrecken mit und ohne Ton, von Grafiken, eines Unternehmens auf der eige-Videos, Audios, Animationen gut über- nen Site, ein journalistisches Lang-dacht werden sollte: zeitprojekt (z. B. auf Arte.tv: http:// is.gd/6jOfg), die umfassende und• Unterstützen oder ergänzen sie die angemessene Abbildung einer Kata- journalistische Aussage? strophe• Welches Medium eignet sich am (siehe z. B. auf StarTribune.com: besten für die Darstellung welchen http://is.gd/6jNRH). Teils der Geschichte? • Oder werden wir dem Thema viel-• Lohnt sich der im Regelfall hohe leicht doch eher über eine schnelle, personelle und zeitliche Aufwand? leicht aktualisierbare Textberichter- stattung gerecht?Der Vorteil im Internet ist: KomplexeMultimediaanwendungen können nicht Platz ohne Grenzen, kein Spiel ohnenur einmal auf die Website gestellt, Grenzensondern immer wieder verlinkt werden,wenn das aufwändige Produkt inhaltlich Theoretisch könnten Online-Redak-erneut zu einem aktuellen Thema passt. teure endlos lange Texte ins Netz stellen. Doch wer will die lesen? TheoretischTipps könnten auch Links auf alle möglichenFür die Redaktion gibt es drei Kriterien, Websites und einzelne Dokumenteob sie ein Thema multimedial abbildet gesetzt werden. Doch wer soll darausoder nicht: noch schlau werden?• Geht es um ein Thema, das bei uns immer wieder eine Rolle spielt? Für Eine entscheidende Antwort auf die politische Redaktionen: Wie funk- Frage, wozu noch Journalisten, wenn es tioniert die Online-Durchsuchung? doch alle Informationen im Internet oder: Wie entsteht ein Gesetz? Für gibt, lautet: Journalisten sind in der Wirtschaftsredaktionen: Wie wird Lage, die Verlässlichkeit der Informa- Energie gewonnen? oder: Hinter- tionen und Quellen zu überprüfen, sie gründe zu General Motors und Opel. unter dem Gebot der Ausgewogenheit Aus aller Welt: Wie funktioniert eine zu ergänzen sowie die wichtigsten Herztransplantation? oder: Porträt Aspekte, Aussagen und Eindrücke so einer Persönlichkeit aus dem öffent- zusammenstellen, dass die Leser sich lichen Leben. möglichst mühelos und eventuell sogar• Ist es ein Thema, das das Portal noch mit Freude über das Thema infor- „schmückt“- entweder aus tatsäch- mieren können. Letzteres betont den lichen ästhetischen Gründen oder starken Servicecharakter des Online- weil es inhaltlich ein Prestigeprojekt Journalismus. Von der Themenauswahl 21
  23. 23. So geht’s nur im Netzüber den Textaufbau bis zur Navigation Management-Systeme verfügen übersollte der Online-Journalist die User an eine interne Suche. Aber damit diesedie Hand nehmen, damit sie sich nicht effizient funktioniert, müssen dieim World Wide Web verirren. Das Schlagwörter logisch gewählt undschließt lange, unstrukturierte Texte ohne Tippfehler sein. Im Regelfall sindund unkommentierte Linklisten aus. die bearbeitenden Redakteure für diese Kennzeichnung verantwortlich.Ein großer Vorteil des Online-Journalis- Sinnvoll ist es, wenn die Begriffe weit-mus ist der direkte Zugriff auf andere gehend mit den Schlagwörtern (Tags)Seiten innerhalb und außerhalb des für die externe Suche bzw. Auffindbar-eigenen Angebots und die Möglichkeit, keit übereinstimmen. Da auch für Such-umfangreiche Texte als PDF-Dateien zu maschinen diese Schlagwörter relevantverlinken. Wichtig ist der Hinweis auf sind, lohnt sich eine sorgfältige Wahldie Größe der Datei, damit der User der Wörter.weiß, wie viele Kilobyte er herunterlädt. Das Dorf in der Welt, die Welt im DorfWie bereits erwähnt, erlaubt das Publi-zieren im Internet, dass einmal Das Internet zeichnet sich vor allemerstellte Hintergründe oder multime- durch eine sehr große Reichweite aus.diale Anwendungen immer wieder zu Theoretisch sind die Inhalte überalleinem aktuellen Thema gestellt werden abrufbar. Doch sind die technischenkönnen. Bei Printmedien würde das als Grundvoraussetzungen für einen Netz-Platzverschwendung wahrgenommen zugang nicht überall gegeben – wederwerden: Was, das habe ich doch ges- national noch international.tern erst auf der Seite 2 gelesen! DieÜberschriften zu diesen hintergründigen Doch grundsätzlich haben Medien imTexten stehen unter den Rubriken Internet die Möglichkeit, weltweit eine„Weitere Meldungen“, „Mehr zum Leserschaft zu erreichen, die ihre Spra-Thema“, „Aus dem Archiv“ oder auch che versteht. Die User können irgendwodirekt unter dem Teaser, dem Anreißer auf der Welt sein und die Homepageoder kurzen Vorspann auf der Home- aufrufen. Wer in den USA lebt undpage. Die Archivbeiträge müssen selbst- Plattdeutsch spricht, kann sich dieverständlich daraufhin geprüft werden, plattdeutschen Nachrichten auf derob sie noch dem aktuellen Wissens- Website von Radio Bremen anhörenstand entsprechen. (http://is.gd/5ddE6). Wer seinen Kin- dern die Möglichkeit geben will, ihrEntscheidend ist dabei, dass die Texte Mandarin zu verbessern, empfiehltfür die Redaktion wieder auffindbar ihnen die entsprechende Seite aufsind. Dafür müssen sie klug verschlag- NationalGeographic.com (http://is.gd/wortet sein. Die meisten Content- 5ddU6). Wer ausgewandert ist und 22
  24. 24. Nea Matzentrotzdem wissen möchte, was in seinem verbessert die sozialen und wirtschaft-Heimatdorf passiert, kann hoffen, dass lichen Entwicklungschancen.die dortige Lokalzeitung eine guteWebsite hat. Durch die Plattform Internet entstehen neue Konkurrenzlinien: Fernsehen,Definition Radio und Zeitung oder Magazin sindDigitale Kluft („Digital Gap“) mit einem Klick abrufbar. Ob die UserDadurch, dass der Zugang zum Internet z. B. die regionalen Informationen beiund zu digitalen Informationen geo- der Zeitung oder dem lokalen Fernseh-grafisch und innerhalb der Gesellschaft sender online lesen, entscheiden sieungleich verteilt ist, vergrößern sich jeweils nach Qualitäts- und Ge-die Wissensunterschiede. Der Zugang schmacksfragen.zu modernen KommunikationstechnikenQuelle: Nea Matzen, Onlinejournalismus, 2010, 156 Seiten, 25 s/w Abb., broschiert, ISBN 978-3-86764-226-2, Euro 14,90,UVK Verlagsgesellschaft mbH, www.uvk.de „Das Internet ist schon jetzt zu einem politischen Medium mit enormer Durchschlagskraft geworden.“ Konstantin von Notz, netzpolitischer Sprecher der grünen Bundestagsfraktion 23
  25. 25. Interview „Jeder legt sich seine eigene Strategie zurecht“ Stefan Plöchinger Chefredakteur sueddeutsche.de zur Zukunft des Online-JournalismusWelche journalistischen Impulse gehen nach Ihrer Analyse von Blogs in Deutsch-land aus?Erstens sind viele inhaltlich eine Bereicherung. Oft drehen sich Blogs um The-menfür die andernorts Ressourcen fehlen, manche bieten gute Expertise, anderestoßen Kritik oder Debatten an, sie sind mal mehr, mal weniger interessant – in derSumme ein wichtiger Beitrag zur Pluralität im Netz. Zweitens ist die Form spannend:subjektiv, im Idealfall fokussiert und eher knackig als länglich. Solche Formatekönnen auch Newssites gut tun, „New York Times“ und „Guardian“ machen es vor.Nennen Sie bitte einige typische Fallbeispiele, wo Gegen-Öffentlichkeit, Kritik,Kontrolle und eine eigenständige Agenda-Funktion funktioniert?Der Klassiker ist Bildblog, gerade weil sich die Kollegen dort auch um andereMedien als „Bild“ kümmern. Die Kritik in diesem Blog mag manchmal etwas klein-teilig oder überspitzt sein, trotzdem ist es ein Muss für Onlinejournalisten – sei esnur zur Kontrolle der eigenen Site. Ansonsten lese ich zum Beispiel viele Tech-blogs aus den USA. Sie halten mich besser auf dem Stand als Newssites.Welche strategischen Vorteile haben Blogs im Kontrast zum „etablierten Jour-nalismus“?Die spannendsten sind schneller, kürzer, subjektiver und damit in der Regel kurz-weiliger als klassische Newsangebote. Zugleich können das die Nachteile sein: 24
  26. 26. Stefan Plöchingerzu hektisch, zu wenig tief, zu persönlich, damit erschöpfend. Gute Blogger habenfür sich eine Strategie gefunden, um die Vorteile der Form zu nutzen.Wo sehen Sie die wesentlichen Defizite von Blogs in Deutschland?Jedes ist anders. Ich kann keine gemeinsamen Defizite ausmachen, eine Genera-lisierung fände ich unredlich. Das einzige vielleicht: Zu wenige Blogs schaffen esbisher, durch eine gute Kombination von Kompetenz, Charakter und Stringenzwirklich populär zu werden. Ich wünsche mir manchmal mehr Blogs wie Spreng-satz; was Michael Spreng da macht, ist kontrovers, meist reflektiert und reiztdamit die Leser – dabei kommt der Autor nicht mal aus einer netzaffinen Genera-tion. Wie immer man zu seinen Thesen steht, von solchen Experimenten auchetablierter Kollegen könnte man mehr vertragen.Glauben sie an die Legende von „online first“?Apodiktische Regeln scheitern meistens an der Realität. Man muss letztlich jenach Geschichte entscheiden; jedes Thema ist ja anders. Generell: Eine Exklusiv-nachricht zum Beispiel muss nicht zuerst online erscheinen. Aber in der Regelsollte sie parallel zu Print erscheinen – weil die kombinierte Veröffentlichung dieSchlagkraft erhöht.Bei der Bild-Zeitung gilt dieser Slogan jedenfalls in der Praxis nicht.Jeder legt sich seine eigene Strategie zurecht. Ich finde das klüger als generelleRegeln, die im Alltag nicht funktionieren.Einer der führenden Online-Journalisten einer führenden Tageszeitung sagtekürzlich: „Die Bedeutung und Reichweite des Online-Journalismus in Deutschlandwird überschätzt.“ Teilen Sie diese Einschätzung?Erst mal: Ich hänge nicht der These an, dass sich Onlinejournalismus grundlegendvon TV- oder Printjournalismus unterscheidet. Unser Handwerk bleibt letztlich dasgleiche, die Menschen konsumieren uns heute nur anders als vor zehn Jahren.Viele lesen uns jetzt eben im Internet. Entsprechend ist die Bedeutung: Man sollte dasNetz schätzen – nicht unter- oder überschätzen. Man sollte aus dieser gigantischenChance etwas Relevantes machen, statt lange über Relevanzen zu debattieren. 25
  27. 27. InterviewIhre Einschätzung: unterschätzt oder überschätzt?Mancher Politiker und Journalist unterschätzt Online immer noch, obwohl hiertatsächlich Agendasetting passiert. Mancher Insider überschätzt Online – fürOutsider dreht sich die Welt ja keineswegs nur ums Netz.Wird das Potenzial des Online-Journalismus in Deutschland nach Ihrer Ein-schätzung ausgeschöpft? (Quellenvielfalt, Eigenständigkeit, visuelle Aufarbei-tung, thematische Multi-Media-Potenziale etc.)In Deutschland weniger als in den USA, aber auch in den USA können die meistenSeiten noch lernen. In den vergangenen Monaten und Jahren haben wir Beat Blogsund spannende Integrationsformen für Facebook und Twitter auf Newssites gese-hen, wunderbare Infografiken und Reportagen, die die mediale Vielfalt des Netzesnutzen. Das alles macht großen Spaß, auch dem Leser. Das Problem ist, dass solcheFormen erst mal Zeit kosten – und wir aus Angst davor zu wenig versuchen. MeineErfahrung ist: Wenn wir es versuchen, wird es oft einfacher als erwartet. Manchmalspart man sogar Ressourcen.Was hindert sie am Versuch?In wohl allen deutschen Online-Redaktionen die Routine und die Nöte des Alltags.Man muss sich zwingen, für kreative Formen Raum freizuschaufeln – und, falls siesich bewähren, in den Alltag zu überführen.Welche wesentlichen Unterschiede sehen Sie zwischen dem herkömmlichenPrint-Journalismus u n d hochwertigen Online-Journalismus?Wie gesagt, grundsätzlich gibt es handwerklich keine Unterschiede. In der Fein-arbeit natürlich schon – von SEO bis zur pointierten Verkaufe von Geschichten.Online bedeutet: potenziell sekundenaktuell, potenziell unendlich tief, potenziellmultimedial. Es kommt darauf an, was man aus diesem Potenzial macht. Die Mög-lichkeiten sind groß, aber man muss nicht alle nutzen, sondern nur jene, die für diejeweilige Geschichte die richtigen sind. Dies im Alltag zu schaffen und das nötigeRüstzeug zur Hand zu haben, ist die spezifische Herausforderung des Mediums.Wie wichtig sind die SEOs und wann macht ein SEO einen guten Job?Google, Google News etc. sind für mich wie ein interaktiver Kiosk. Natürlich willman da gleich neben der Kasse liegen. Also optimiert man seine Seite. SEO steht 26
  28. 28. Stefan Plöchingeraber nicht zwingend im Widerspruch zum guten alten Newsjournalismus, imGegenteil. Wenn man zum Beispiel Newsgeschichten mit klaren nachrichtlichenÜberschriften versieht, die Reizworte enthalten, dann ist das sowohl klassischesBlattmachen als auch SEO. Eine handwerkliche Aufgabe, die sich im Übrigen vonjener in den Zeitungen nicht so sehr unterscheidet.Was verstehen sie unter „pointierter Verkaufe“?Die Aufmerksamkeitsschwelle des Lesers ist gering, sein Interesse flüchtig. Das ver-drängt man als Journalist gern, aber es ist so. Also muss jede Überschrift und jederTeaser das Publikum reizen, auf den Punkt getextet sein, die Geschichte blitz-schnell verständlich machen. Jedes Wort muss sitzen, und die Geschichten müsseneinen klug überlegten, möglichst überraschenden Spin haben – natürlich ohne ander Realität vorbei zu dichten, man darf den Leser nicht verladen. Auch das:gewohntes Handwerk, dicht dran an Print, aber bei Online fast immer untergrößerem Zeitdruck.Wie sieht das Rezept für den idealen „Teaser-Text“ zu Beginn einer Story aus?Wenn der Spin der Geschichte überraschend ist, schreibt sich der Teaser wie vonselbst. Wenn es eher klassische News sind, gibt es ein paar Tricks – den Artikel aufReizworte und gute Zitate scannen, Kontrastkonstruktionen, Überhöhung und vielesmehr. Drei wichtige Regeln: Erstens den Teaser am Ende zwar öffnen auf dasberühmte „mehr ...“ hin, aber nichts elementar Wichtiges offen lassen, das frus-triert Leser. Zweitens nicht übergeigen, das frustriert auch. Drittens sich zwingen,sich von Rezepten zu lösen. Eine Seite mit immer gleichen Teaserkonstruktionenist langweilig.Welche wesentlichen Zukunfts-Trends sehen Sie für die kommenden fünf Jahreim Feld des Online-Journalismus?Fünf Jahre sind im Netz kaum zu überblicken. Für die kommenden zwei Jahrenwäre meine Prognose: Die journalistischen Formen werden vielfältiger, das Layouthoffentlich kreativer und übersichtlicher, und wir müssen uns mit alternativenPlattformen auseinandersetzen. Redaktionen müssen in Social Networks prä-senter werden. Wir brauchen attraktive Sites für Smartphones, Tablets, vielleichtsogar Fernseher, denn die Leute lesen uns längst nicht mehr nur am Rechner. Dasist mehr als eine technische Frage, sondern auch eine blattmacherische: Wasändert es, wenn Menschen unsere Site unterwegs oder im Wohnzimmer abrufen? 27
  29. 29. InterviewIst diese Nutzung „alternativer Plattformen“ nur eine Investitionsfrage der Ver-leger – oder welche Ressourcen sind nötig, um dieses ehrgeizige Ziel zu erreichen?Es ist erst mal eine journalistisch-gestalterische Frage: Welche Informationen inte-ressieren Menschen auf solchen Plattformen mehr, welche weniger? Wie präsen-tieren wir sie, womit experimentieren wir? Dafür sind wir Journalisten eigentlichExperten. Investitionen ergeben in der Regel nur Sinn, wenn wir diese Vorarbeitgemacht haben.Welche Vorteile hätte ein Ende der Anonymisierungs-Kultur, die von vielenOnline-Portalen gepflegt wird? (vgl. manche Regionalzeitungen akzeptieren nurnoch Leserstimmen mit Klarnamen ...)Vor allem Facebook und Twitter haben die Debattenkultur verändert. Mehr Men-schen als früher sind heute bereit, identifizierbar im Netz zu kommentieren, undmittelfristig wird sich diese Position hoffentlich durchsetzen. Weniger Forentrolle,die provozieren – mehr reale Menschen, die debattieren, so dass die Qualität der Bei-träge steigt.Wie können sie denn die lästigen „Forentrolle“ filtern?Beispiel: Wer mit seiner Facebook-Anmeldung einen Artikel kommentiert, tut diesin der Regel mit Klarnamen und Bild. In diesem Rahmen Thesen in den Raum zuschleudern, bloß um zu provozieren – das geschieht nach aller Erfahrung viel sel-tener, die Selbstdisziplin ist größer, man muss viel weniger eingreifen, die Stim-mung ist besser.Vergiften diese „Forentrolle“ nicht die gewünschte, kreativ-intelligente Debat-tenkultur?Ja, deshalb hoffe ich, dass sich Formen durchsetzen, wie sie bei Facebook zusehen sind.Viele Verlage „kannibalisieren“ ihre Geschäftsmodelle selbst, in dem sie mit kos-tenlosen Angeboten den Käufermarkt ihrer Print-Produkte einengen. Welche Aus-wege sehen Sie hier und welche Bezahlmodelle haben künftig aus ihrer Sichtdie realistischsten Umsetzungs-Chancen?Man bezahlt nicht für Artikel, die man anderswo umsonst bekommt. Deshalb wirdeine klassische Newssite immer effizienter über Anzeigen zu finanzieren sein als 28
  30. 30. Stefan Plöchingermit Paywalls – weil immer irgendwer kostenlos News bringen wird. Aber dass dieLeser für Exklusives gern Geld ausgeben oder für ganzheitliche Leseerlebnisseauf einem Coffeetable-Gerät wie dem iPad, das zeigen „Wall Street Journal“ und„Spiegel“. Mit das Wichtigste ist vermutlich, dass das Bezahlsystem so simpelund etabliert ist wie bei iTunes oder PayPal.Wann wird hier etwas passieren?Alle wesentlichen Verlage prüfen, planen, experimentieren, es ist Bewegung drin.Aber natürlich hat noch keiner das ideale Geschäftsmodell der Zukunft gefunden.Das macht die Sache ja so spannend.Warum haben die Verlage dieses Thema „verschlafen“?Das wird gern gesagt, stimmt so aber nicht. Weltweit, auch in Deutschland, expe-rimentieren Verlage seit Jahren mit Paid Content und stellen zum Beispiel E-Paperihrer Zeitungen ins Netz – was in der Summe kein riesiger Erfolg war. Das liegt anvielem, vor allem an mangelnder Aufbereitung und daran, dass sich die meistenMenschen erst seit dem iPad vorstellen können, auf einem Monitor gern eineZeitung oder Zeitschrift zu lesen. Das Haptische, das Blattmacherische und diemenschlichen Gewohnheiten sind offensichtlich nicht zu unterschätzen. Eine wich-tige Lernerfahrung der vergangenen Jahre.Welche publizistische Innovationen stehen im deutschen Online-Journalismusnoch aus?Data Journalism zum Beispiel. Das ist für uns weitgehend Neuland. Den Bundes-etat oder Parteispenden zu dekodieren, auch so Simples wie Wahlergebnisse oderdie Arbeitslosenzahlen, und zwar attraktiv und mit Erkenntnisgewinn für denLeser, offen und für Nutzung durch andere Sites zugänglich – das wäre ein Trans-parenzgewinn für eine Newssite, den Journalismus, die Demokratie.Wie können solche qualitativen Optimierungs-Strategien umgesetzt werden?Onlineredaktionen müssen ständig checken, ob die Strukturen stimmen, in denensie arbeiten, Routinen hinterfragen und offene Debatten führen. Die Herausfor-derungen im Netz sind so vielfältig, dass ich jeder Redaktion interne Think Tanksund harte externe Sitekritiken empfehlen würde. Und dann: Get things done. 29
  31. 31. InterviewWas steht auf ihrem „Priorisierungs-Zettel“ bezogen auf den Online-Journalismus?Jeden Tag versuchen, besser zu werden. Das ist das Wichtigste – alles Weiteresiehe oben.Fragen: Thomas LeifZur Person: Stefan Plöchinger, Jahrgang 1976, ab März 2011 Chefredakteur von sueddeutsche.de undGeschäftsführender Redakteur der „Süddeutschen Zeitung“. Zuvor bei „Spiegel Online“, der „FinancialTimes Deutschland“ und der „Abendzeitung“. Ausbildung an der Deutschen Journalistenschule,36. Lehrredaktion. „Online steht, was passiert – in der Zeitung steht, was es bedeutet.“ Claus Strunz, Chefredakteur Hamburger Abendblatt 30
  32. 32. Nea Matzen „Am Ende zählt die Geschichte – und nicht das Medium“ Nea Matzen Online-Redakteurin, Dozentin und Autorin des Fachbuchs „Onlinejournalismus“Sie unterrichten auch zum Thema „Schreiben fürs Internet“ – manche renom-mierte und netzaffine Kollegen behaupten, solche Kurse brauche man nicht.Hauptsache man beherrsche die „normale“ journalistische Schreibe, den Restkönne man sich auch learning by doing aneignen. Was ist denn das besondeream journalistischen Schreiben im Netz, was muss man sich da aneignen?Das journalistische Handwerk müssen Online-JournalistInnen natürlich beherr-schen. Aber so wie es Unterschiede gibt zwischen dem Schreiben fürs Hören unddem Schreiben fürs Lesen existieren auch Besonderheiten für das Schreiben fürsNetz. Das schließt ja Gemeinsamkeiten mit den Texten für die anderen Mediennicht aus. Die Unterschiede aber sind auf das Rezeptionsverhalten der Leser undLeserInnen im Netz zurückzuführen. Das User-Verhalten ist der Ausgangspunktbeim Schreiben für Onlineportale: Wie lesen sie? Wo lesen sie? Was suchen sie?Was kann ich ihnen auf der Homepage, was nach dem Klick bieten? Dabei spielenÜberschriften und Teaser eine entscheidende Rolle. Aber auch der Textaufbauinklusive Zwischenüberschriften, Arbeiten mit Modulen, Textboxen, Links, Bildernund Bildunterschriften müssen durchdacht sein. In mehrtägigen Seminaren gehtes dann selbstverständlich auch um die „onlinegerechte“ Aufbereitung von Themen:von der Wahl der geeigneten Darstellungsform (im Netz), über das Texten undBebildern bis hin zum Einbinden von Interaktivität und Social Media.Nach meinen Beobachtungen gibt es im deutschsprachigen Online-Journalismusnoch vielerlei Mängel – allein was die Qualität journalistischer Texte ausmacht– zu beobachten. Wie sehen Sie das? 31
  33. 33. InterviewEhrlich gesagt, sehe ich diese Mängel nicht nur online. Grundsätzliche Regeln – wiedas korrekte Zitat im Konjunktiv oder überhaupt die rechtzeitige Nennung derQuelle – werden häufig missachtet. Auch die korrekte Zeitenfolge bei Nachrich-tentexten (Einstieg im Perfekt oder bei laufenden Ereignissen im Präsens), dasBerichten des Vorherigen im Plusquamperfekt sollten Regeln sein, die jeder Jour-nalist/jede Journalistin im Halbschlaf (also auch im Früh- oder Nachtdienst)beherrscht. Der Textfluss – die logische Verknüpfung der Sätze und Absätze –spielt gerade auch im Online-Journalismus eine große Rolle, weil möglichst einSog entstehen soll, der die LeserInnen am Text hält. Für handwerkliche Problemegibt es viele weitere Beispiele. Wichtig ist daher, dass den KollegInnen genug Zeitgegeben wird, ihre Texte zu recherchieren und zu formulieren. Denn eine zitier-bare Quelle muss eventuell erst herausgefunden und erneut befragt werden –zum Beispiel bei einer Pressemitteilung der Polizei zu einem Raubüberfall, in derauch (angebliche) Zeugenaussagen wiedergegeben werden. Ich finde diese Frageauch deshalb so wichtig, weil das Vorurteil weit verbreitet ist, online gehe esetwas lockerer zu als im Print oder auf dem Sender. Dass zum Beispiel in Teasernund Überschriften nicht die Quelle genannt sein muss, sondern erst nach demKlick im Langtext. Jedes journalistische Produkt sollte sein Image ins Netz trans-ferieren: Eine seriöse Zeitung sollte zum Beispiel ihre in Jahrzehnten, eventuellsogar Jahrhunderten aufgebaute Glaubwürdigkeit nicht im Internet verspielen,sondern dieses Renommee dort noch vertiefen – nach dem Motto: „Die wissen, waslos war und schreiben es so auf, dass es verständlich und in jeder Hinsicht nach-vollziehbar ist, also vertrauen wir ihnen und kommen wieder.“ Bestenfalls: „Wirwollen mal schauen, ob sie in der Zeitung noch mehr zuverlässige Infos haben.“Und noch besser: Die LeserInnen melden sich bei der Redaktion mit eigenen Hin-weisen und Kommentaren, die Substanz haben. Zu gutem Online-Journalismusgehört dann auch, dass die im Netz verfügbaren Quellen verlinkt werden, auchdie Angebote der Konkurrenz oder Informationen anderer Institutionen, die imeigenen Text kritisiert werden.In Ihrem Buch „Onlinejournalismus“ beschreiben Sie ausführlich, wie man imInternet als Journalist gute Texte schreiben kann und Sie reißen zumindest auchan, wie man im Internet als Journalist multimedial arbeiten kann. Aber ist es inden Praxis nicht so, dass aufgrund von Zeitdruck und Budgetzwang die meistenaufwändigeren und qualitativ sicherlich hochwertigen multimedialen Darstel-lungsweisen gar keine Anwendung finden können?Ja, es wäre gut und langfristig gedacht ökonomisch klug, wenn es mehr Investi-tionen – Zeit, Geld und Ausbildung – in die Onlineportale gäbe. Das fängt bei derEntwicklungen von einfach zu handhabenden Software-Tools an und findet sei- 32
  34. 34. Nea Matzennen Höhepunkt in der Erstellung aufwändiger Multimediaanwendungen. Aber gibtes diese simple Steigerung? Im Netz wie im „richtigen“ Leben ist alles eng mitei-nander verwoben. „Everything is deeply intertwingled“ ist ein Zitat von Ted Nel-son, das ich liebe. Nelson ist einer der Internetpioniere; schon Anfang der 1960er-Jahre prägte er die Begriffe Hypertext und Hyperlink. Auf Ihre Frage bezogen heißtdas: Geld und gut bezahltes Personal sind notwendig. Aber auch mit kleinen Mul-timedia-Anwendungen oder auch nur mit einer gut getexteten Bilderstrecke las-sen sich erstaunliche Ergebnisse erzielen. Das heißt aber: das Bildmaterial musssowohl mit journalistischem Auge fotografiert als auch mit redaktionellem Fokusausgewählt werden. Beides ist lern- und lehrbares Wissen. Die Bildtexte müsseneine Geschichte erzählen: Erzählidee, Aufbau bzw. Abfolge (Dramaturgie) und For-mulierungskunst sind die Herausforderungen, die die RedakteurInnen leistenmüssen. Auch das ist journalistisches Handwerk. Für Audioslideshows müssenOnline-JournalistInnen zusätzlich mit Ton umgehen können.Auch für das Erstellen von Videos im Web sind zumindest Basics wie die Five-Shot-Regel die Grundlage, um sich mit den Filmchen nicht zu blamieren. Aber eine High-Tech-Videoausstattung mit allem Drum und Dran muss nicht gleich angeschafft wer-den. Mit einer Flip- oder anderen Mini-Kamera plus Stativ kann man ernstzuneh-mende Ergebnisse erstellen. Ich verweise auch in meinem Buch auf den Vergleichvon Aufnahmen, die Kirk Allen Mastin mit einer Flip-Kamera und mit einer CanonXH-A1 in Netz gestellt hat: „Why equipment isn’t everything“ (http://lofihistyle.com/2008/02/flip-video-vlog-tale-of-two-formats_21/ – Kurzform: tinyurl.com/37k7ef3). Er schreibt in seinem Blog lofihistyle.com: „In the end, it is the storythat matters – not the equipment.“ Den Satz würde ich abgewandelt auch auf denVergleich der traditionellen Medien mit dem Online-Journalismus übertragen: AmEnde sind es die gut recherchierten und gut erzählten journalistischen Geschich-ten, die zählen – nicht das Medium, mit dem oder auf dem sie publiziert werden.Mindestens genauso wichtig: eine umfassende Ausbildung, die neben dem jour-nalistischen Handwerk sowie ethischem und gesellschaftspolitischem Back-ground des Berufs die Grundkenntnisse in allen Medien vermittelt, so dass sich dieangehenden JournalistInnen entscheiden können, in welchem Bereich sie ihremedienspezifischen Kenntnisse vertiefen wollen. Ich hoffe, jeder hört bzw. liest hierheraus, dass ich damit gegen die Eier legende Wollmilchsau argumentiere. Aufdie Rolle des Journalisten im digitalen Zeitalter bezogen heißt das: Eine fundierteund facettenreiche Ausbildung macht nicht jeden Redakteur zum besseren Jour-nalisten als den Blogger, Twitterer oder sonstigen engagierten Netzpublizisten.Aber es besteht zumindest die große Chance, dass auf dieser Grundlage der Nach-wuchs die ethischen und handwerklichen Kriterien beherrscht und zum BeispielFact-Checking, Verifikation und Wikileaks keine Fremdwörter sind. 33
  35. 35. InterviewKönnen Sie Beispiele nennen, bei denen die vielfältigen Möglichkeiten desOnline-Journalismus optimal ausgespielt wurden?Es gibt sehr viele beeindruckende multimediale Geschichten im Netz. Manchmalsind es auch kleine, aber überzeugende Darstellungen. Mir fällt sofort eineherausragende, sehr umfassende Anwendung ein, die allerdings für deutsche Nut-zer und Nutzerinnen etwas ungewohnt ist. Das liegt weniger an der technischenoder ästhetischen Umsetzung des Themas als an einem anderen Umgang mit Pri-vatsphäre und öffentlichem Erinnern an Verstorbene in den USA. Die Geschichteheißt „13 seconds in August“, handelt von dem Einstürzen einer stark befahre-nen Autobahnbrücke in Minneaopolis im August 2007 und ist erstellt von der„Startribune“-Redaktion in Minneapolis: (www.startribune.com/local/12166286.html – tinyurl.com/3624dh). Eine der verantwortlichen Redakteurinnen für dasProjekt, Regina McCombs, hat mir erzählt, dass die Onliner sofort überlegt haben,was sie zu diesem fürchterlichen Ereignis machen können, was weder Print nochFernsehen leisten können. Es ist eine Anwendung entstanden, die Grafik, Text,Video und Audio miteinander verknüpft und die zudem interaktiv ist. Vor allem istsie emotional sehr anrührend. Das wird stark durch die Ton- und Bildcollage aus-gelöst. Den Opfern – deren Familien selbstverständlich um ihr Einverständnisgebeten wurden – ist ein Denkmal gesetzt worden. Aber Memorials sind in deramerikanischen Alltagskultur sehr viel selbstverständlicher als in unserer. Hinzukommen andere Datenschutzbestimmungen, zum Beispiel können JournalistIn-nen in den USA die FahrzeughalterInnen ermitteln, wenn sie das Kennzeichen andie Behörde durchgeben. Ich würde aber gern auch noch ein schlichteres Beispielerwähnen: „Remembering Eleanor“ (www.nytimes.com/interactive/2009/12/21/us/20091221-thisland-eleanor/index.html – tinyurl.com/26nyxs9). Ich finde dieseAudioslideshow so großartig, weil sie aktuelle und historische Fotos und O-Tönevon Zeitzeuginnen zu einer dicht erzählten Geschichte komponiert. Es gibt auchgute Beispiele aus dem deutschsprachigen Raum, aber ich wurde ja von Ihnennach dem aus meiner Sicht Optimalen gefragt. Eigentlich ist es ein Frevel, über-haupt einzelne Anwendungen hervorzuheben, weil es so viele tolle Beispiele gibt.Wichtig ist: Sich immer fragen, welches Medium passt zu meinem Thema bzw. zuwelchem Teil meiner Geschichte? Welches Thema ist für unser Portal so zentral, dasses immer wiederkehrt und deshalb einen hohen Zeitaufwand lohnt, weil wir esimmer wieder auf der Homepage oder als Modul einer Geschichte platzieren werden.Sie lehren auch zur journalistischen Recherche. Welche speziellen Empfehlun-gen können Sie für die Recherche im Internet geben ? Welche Vorteile bietendiese Recherchewege, welche Gefahren sehen Sie aber auch durch diese Vielfalt... wie kann man sich da eine vernünftige Routine aneignen? 34
  36. 36. Nea MatzenIch muss es ja eigentlich nicht betonen, aber sage es trotzdem: Google ist ein ers-ter Rechercheschritt, aber auch nur das. Aber unterschätzen würde ich die Erst-recherche bei Google nicht: Wer zum Beispiel wissen möchte, warum so vielepublikumswirksame und von staatlicher PR begleitete erste Durchfahrten und„Sicherheitstests“ des ICE durch den Eurotunnel stattfinden, findet mit diesen inAnführungszeichen gesetzten Suchbegriffen schnell ein paar Texte, die das Politi-kum thematisieren, das dahinter steckt, und die ein paar Verweise auf Ansprech-partner geben. Mit Telefonaten und weiterer Recherche im Netz, etwa auf denWebsites der Unternehmen Siemens und Alstom, kann die Suche nach Informa-tionen dann weitergehen. Zur Online-Recherche gehört ansonsten die professio-nelle Skepsis, die jeden Journalisten/jede Journalistin bei der Arbeit begleitensollte. Wer hat diese Information mit welcher Absicht ins Netz gestellt? Ist dieInformation überprüfbar? Gibt es weitere Quellen, die das behaupten? Wer hatdas Foto gemacht, das ich im Netz gefunden habe? Welche Datenbank oder offi-zielle, möglichst frei zugängliche Seite kann verlässliche Daten liefern bzw. wokönnte ich sie anfordern (z.B. Statistisches Bundesamt, eurostat)? Das Spektrumder Informationsquellen lässt sich durch Twitter und durch soziale Netzwerke imInternet erweitern. Dafür muss man ein paar Dinge kennen und nutzen können:angefangen vom Hashtag über die Nutzung von Googletrends bis hin zur geziel-ten Suche nach Youtube-Videos. Das Beobachten von Blogs zu bestimmten The-men versteht sich von selbst. Ein frühes Erkennen von Trends und auch Hinweiseauf Missstände können mögliche Rechercheergebnisse sein, aber Katastrophen wieAmokläufe oder Massenpaniken kann ein Netzreporter dadurch auch nicht vor-hersehen. Die Hinweise im Netz auf solche Tragödien erscheinen oft erst im Nach-hinein – mit dem Wissen um das Geschehene – als Warnungen und Alarmzeicheneindeutig erkennbar. Auch die Nutzung von Social Bookmarking gehört ins Reper-toire: Was hat der Experte/die Expertin zu diesem Thema als Lesezeichen ange-legt oder was finde ich unter bestimmten Suchworten bei den jeweiligen Anbie-tern? Ich nutze delicious.com (www.delicious.com/cmatzen), bin aber kein sehr sor-tierter User. Es gibt so viele Bausteine für eine umfassende oder gezielteRecherche im Netz kombiniert mit den herkömmlichen Methoden, dass ich siehier nicht alle aufzählen kann. Das jeweilige Vorgehen hängt zu sehr vom Themaab, als dass ich Routinen vorschlagen könnte.Zur Person: Nea Matzen ist Redakteurin bei tagesschau.de und arbeitet seit mehr als zehn Jahren als Online-Journalistin. Sie ist ausgebildete Printredakteurin und hat während und nach dem Journalistikstudium frei-beruflich Erfahrungen bei Radio und Fernsehen gesammelt. Seit 1995 arbeitet sie als Trainerin und Dozentinfür praktischen Journalismus an verschiedenen Journalistenschulen und Universitäten.www.neamatzen.de 35
  37. 37. Verschwinden oder Wandel des Journalismus im Internet? Verschwinden oder Wandel des Journalismus im Internet? Prof. Dr. Christoph Neuberger, Institut für Kommunikations- wissenschaft der Wilhelms-Universität MünsterÖffentlichkeitswandel im Internet hung der Massenmedien führte, besei- tigt das Internet das Nadelöhr auf derDas Internet entzieht sich einer einfa- anderen Seite: beim kommunikativenchen Einordnung. Es setzt die Reihe der Zugang zur Öffentlichkeit. Der Entwick-bisherigen journalistischen Medien lungsschub, den die öffentliche Kom-nicht fort, weil es deutlich mehr Kom- munikation dadurch erhält, könnte vonmunikationsoptionen bietet als Presse vergleichbarer Bedeutung sein.und Rundfunk: Neben der Multimedia-lität und raum-zeitlichen Variabilität Weil technische, ökonomische, kogni-sind es vor allem die Partizipation und tive und rechtliche Barrieren für dasInteraktion, d. h. der erweiterte kommu- Publizieren niedriger sind als in Pressenikative Zugang zur Öffentlichkeit sowie und Rundfunk, kann im Prinzip nunder flexible Wechsel zwischen der Rezi- jeder ohne allzu großen Aufwandpienten- und der Kommunikatorrolle, publizieren. Das heißt noch nicht, dassdie dem Journalismus neue Möglich- diese Möglichkeit auch tatsächlich vonkeiten eröffnen (vgl. Neuberger 2009). jedem genutzt wird: Die repräsentative ARD/ZDF-Online-Studie 2009 kommtIn der Öffentlichkeit der traditionellen zum Ergebnis, dass fast die Hälfte (48Massenmedien ist der professionelle Prozent) der deutschen Internetnutzerund redaktionell organisierte Journa- die „Möglichkeit, aktiv Beiträge zu ver-lismus die einzige Durchlassstelle zwi- fassen und ins Internet zu stellen“,schen Quellen und Publikum: Als „gar nicht interessant“ finden (vgl.„Gatekeeper“ verfügt er einerseits Busemann/Gscheidle 2009: 357).über einen exklusiven Kontakt zurÖffentlichkeitsarbeit („Public Relati- Gleichwohl besitzt das Internet dasons“) und zu anderen Quellen. Ande- technische Potenzial, dass sich diererseits unterhält er eine einseitige öffentliche Kommunikation von einerBeziehung zum passiven, dispersen sozial selektiven, linearen und einsei-Massenpublikum, das kaum über tigen zu einer partizipativen, netzarti-„Feedback“-Möglichkeiten verfügt. gen und interaktiven KommunikationWährend einst die Erfindung des verändert. Wie wandelt sich die aktuelleDrucks mit beweglichen Lettern durch Öffentlichkeit durch die neuen Partizi-Gutenberg zur Erweiterung des rezep- pations- und Interaktionsmöglichkeiten?tiven Zugangs und damit zur Entste- Organisationen, die mittels Public 36
  38. 38. Prof. Dr. Christoph NeubergerRelations partikulare Interessen durch- netzen (Nutzerplattformen, „Blogo-setzen wollen, und andere Quellen des sphäre“). Dies ist vor allem gemeint,Journalismus können nun selbst als wenn vom „Web 2.0“ die Rede ist (vgl.Anbieter und Kommunikatoren auftre- O’Reilly 2005). Ein großer Teil dieserten. Sie müssen nicht mehr zwingend Kommunikation, etwa auf „Social Net-den Umweg über die Redaktionen work Sites“ (wie Facebook, MySpacegehen, die ihre Mitteilungen prüfen und StudiVZ), hat nur eine geringeund selektieren. Sie haben nun einen Reichweite („Long Tail“) und behandeltungefilterten Zugang zu ihren Bezugs- Themen von niedriger Relevanz, wasgruppen, mit denen sie sich interaktiv ihren Nachrichtenwert betrifft. Gleich-austauschen können. Dies gilt z. B. für wohl können auch Laienbeiträge jour-Politik und Wirtschaft, wo sich Bürger nalistische Bedeutung erlangen, etwaund Konsumenten direkt an Parteien Augenzeugenberichte von überraschen-und Unternehmen wenden können. den Negativereignissen oder Insider-Auch in anderen Teilsystemen der Wissen, das einen Skandal auslöst.Gesellschaft kommt es zu einer solchenDisintermediation (vgl. Shapiro 1999). Auf der Einbahnstraße herrscht nun auch Gegenverkehr: Die Anschluss-Die bisherigen Vermittler verlieren teil- kommunikation des Publikums derweise ihre Funktion, wenn Quellen und Massenmedien kann öffentlich ver-Publikum einen direkten Kontakt breitet und zurück an den Journalismushaben. Es muss, zumindest technisch adressiert werden. Zuschauer, Hörergesehen, nicht mehr zwingend eine und Leser können ihre Kritik anInstanz zwischengeschaltet sein. Das Medienangeboten nun auch öffentlichVerhältnis zwischen Leistungs- und äußern, wodurch die MarkttransparenzPublikumsrollen im Öffentlichkeitssys- für andere Nutzer wächst. Das Mas-tem verschiebt sich dadurch: Die ein- senpublikum kann über das Internetflussreiche Rolle des professionellen auch gemeinsames Handeln gegen dieJournalismus als „Gatekeeper“, der Anbieterseite koordinieren (etwa inbislang alleine über den Zugang zur Form von Protesten und Boykotts).aktuellen Öffentlichkeit entscheidenkonnte, ist in Frage gestellt. Sind jour- Im Öffentlichkeitssystem lässt sichnalistische Vermittler noch notwendig, also ein Zuwachs an Einfluss auf derund – wenn „ja“ – wie ändern sich die Publikumsseite beobachten. Dasan sie gerichteten Erwartungen? „schweigende“ Massenpublikum besitzt im Internet erweiterte Möglichkeiten:Die isolierten Glieder des dispersen Die Glieder des Publikums verfügenPublikums der traditionellen Massenme- zum einen über mehr Transparenz, umdien können sich im Internet als Laien- zwischen Anbietern auswählen zukommunikatoren untereinander ver- können („exit“-Option), zum anderen 37
  39. 39. Verschwinden oder Wandel des Journalismus im Internet?können sie negative Leistungen kritisie- lediglich spekuliert, oder es werdenren und öffentlichen Druck ausüben Einzelbeobachtungen in unzulässiger(„voice“-Option). Leistungsempfänger Weise verallgemeinert. Beispiele lieferndes Öffentlichkeitssystems sind in dafür die Feuilletons der großen Zei-ihrer Mehrheit zugleich Leistungsemp- tungen (wie die „Frankfurter Allge-fänger anderer gesellschaftlicher Teil- meine Zeitung“, die „Süddeutsche Zei-systeme. Der Partizipationsgewinn im tung“ oder „Die Zeit“).Öffentlichkeitssystem verändert des-halb zugleich die Beziehung zwischen Journalistische Vermittlung imLeistungserbringern und -empfängern Internetin anderen Teilsystemen wie Politik,Wirtschaft, Gesundheit, Kultur und Der Zugewinn an Beteiligungsmöglich-Sport. So wird die Macht des Publi- keiten ist ambivalent, denn darauskums durch Bürgerproteste in der Poli- ergeben sich auch Folgeprobleme,tik und durch Verbraucherkritik in der nämlich eine quantitative und qualita-Wirtschaft über das Internet gestärkt. tive Überforderung der Rezipienten sowie – als Kehrseite der Medaille – dieUm es noch einmal ausdrücklich zu Schwierigkeit der Kommunikatoren,betonen: Die hier angedeuteten Verän- Aufmerksamkeit und Glaubwürdigkeitderungen sind kein Resultat des blo- zu gewinnen. Die teilnehmeroffeneßen Erscheinens eines neuen techni- Kommunikation im Internet verschärftschen Mediums, das die Kommunika- das Problem der begrenzten Aufmerk-tion in eine vorgegebene Bahn zwingt. samkeits- und Verarbeitungskapazität:Dies wäre eine technikdeterministische Durch den erweiterten kommunikativenSichtweise, in der umstandslos von der Zugang sind Rezipienten mit einerExistenz einer Technik auf ihre Verwen- Überfülle an Informationen konfron-dung geschlossen wird. Entscheidend tiert. Weil sich jeder öffentlich zu Wortist vielmehr die soziale Aneignung des melden kann, schwillt die „Informa-Internets, das gegenüber früheren tionsflut“ erheblich an. Außerdem fehltMedien durch seine Multioptionalität im Internet eine flächendeckende Qua-den Spielraum erweitert und es weit- litätssicherung wie in Presse und Rund-aus mehr Akteuren erlaubt, das funk, wo Redaktionen die Relevanz undMedium mitzugestalten. Dadurch ist es Richtigkeit der Nachrichten überprüfenviel weniger absehbar, wie vom sollen. Nun herrscht nicht mehr Knapp-Medium Gebrauch gemacht wird. Dies heit an technischer Verbreitungskapa-verlangt, dass genau hingesehen und zität, sondern Knappheit an Aufmerk-empirisch sorgfältig geprüft wird, was samkeit und Urteilsvermögen auf Sei-sich im Internet abspielt. Allerdings ten der Rezipienten. Dadurchwird in einem Großteil der Beiträge, in schwindet zugleich für Kommunikato-denen das Internet gedeutet wird, ren die Chance, Aufmerksamkeit zu 38
  40. 40. Prof. Dr. Christoph Neubergergewinnen und ein „Feedback“ anderer dennoch bleibt die klassische AufgabeTeilnehmer zu erhalten. Auch Glaub- des Journalismus, das Schaffen hoch-würdigkeit lässt sich bei flüchtigen, wertiger Informationen, unerlässlich.punktuellen Kontakten nur schwer Auch im Internet stammen die Beiträgeerwerben. zu den gesellschaftlich relevanten The- men überwiegend aus den klassischenWegen dieser Probleme werden Ver- Medien. Die schlechten Refinanzie-mittler auch im Internet nicht überflüs- rungsmöglichkeiten machen es wenigsig. Allerdings wandeln sich die Erwar- wahrscheinlich, dass reine Internetan-tungen, die sich an sie richten. Diese bieter Redaktionen unterhalten kön-lassen sich mit den drei Begriffen nen, die in der Lage sind, solche Infor-„Navigation“, „Moderation“ und „Pro- mationen zu recherchieren und zu prä-duktion“ umschreiben: sentieren.Navigation: Im Internet ist statt eines Alternativen zum professionellen„Gatekeeping“, also Entscheidungen Journalismus?über Publikation oder Nicht-Publikation,ein „Gatewatching“ erforderlich, eine Welche Akteure erbringen nun dieseBezeichnung, die von Axel Bruns (2005) Vermittlungsleistungen? Sind dafürstammt und die darauf verweist, dass Profession und Redaktion notwendigedie Orientierung im Internet zu einer strukturelle Voraussetzungen? Oderwichtigen Leistung wird, also die nach- gibt es dafür funktionale Äquivalente,trägliche Sichtung und Prüfung des im also Alternativformen im Internet?Internet bereits Publizierten. Damit neue Ausprägungen des Journa- lismus überhaupt beobachtet werdenModeration: Der Journalismus produ- können, darf der Journalismus nichtziert nicht mehr nur selbst Informatio- mehr über die herkömmlichen Struktur-nen, sondern er kann auch förderliche merkmale – Journalismus als (Semi)Bedingungen für die Kommunikation Profession, Redaktion als Arbeitsorga-der Nutzer schaffen, indem er ihre nisation, Vermarktung journalistischerBeteiligung organisiert und moderiert. Angebote – definiert werden, sondernDass der Journalismus Bürger stärker muss – abstrakter ansetzend – alsin die öffentliche Kommunikation ein- soziales System über seine gesell-beziehen soll, ist schon vor dem Auf- schaftliche Funktion (gesellschaftlichetauchen des Internets ein Anliegen des Selbstbeobachtung und Synchronisa-„Public Journalism“ und der Alternativ- tion) und seinen Code (aktuell versusmedien gewesen. nicht-aktuell) abgegrenzt werden. Dann wird sichtbar, dass auch andereProduktion: Zwar wird das Sortieren strukturelle Ausprägungen des Journa-und Moderieren im Internet wichtiger, lismus denkbar sind. Unter den Bedin- 39

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