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Diplomat In Drei Streifen

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Book Pitch about the life and experiences of Burkhard Pape as a football coach around the world

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  • 1. 1
  • 2. ISBN x-xxxx-xxxx-xAlle Rechte beim Autor© 2008 Burkhard Pape, cyberculture lanzaroteHerstellung und Verlag: Verlag xxxKein Teil dieses Buches darf in irgendeiner Form ohne schriftliche Genehmigungdes Autors reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme gespeichert,verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.Layout und Umschlag: Diogenes von der Töss, cyberculture lanzaroteFotos: Pape; cyberculture lanzaroteWir danken dem DFB, adidas und der GTZ für ihre Unterstützung 2
  • 3. Diplomat in Drei Streifen Burkhard Pape und adidas:40 Jahre Fussball-Entwicklungshilfe Verlag 3
  • 4. 4
  • 5. Ein Reisebericht mit Herz und BallVier Jahrzehnte lang hat Burkhard Pape Und während die deutsche Fussballden deutschen Fussball im Ausland Nationalmannschaft im Laufe der Zeit inerfolgreich repräsentiert. Viel hat sich so manchen internationalen Turnierengeändert seit er mit seiner Art der Schwäche zeigte, gewinnt Pape mit„Entwicklungshilfe“ damals begann. „seinen“ Teams aus zwei KontinentenAuch sportlich sind die Kontinente dutzende von Wettkämpfen, pflegtenger zusammengerückt. Die Afrika- mit seiner Arbeit das gute Image desMeisterschaften sind heute fester deutschen Fussballs und sorgt fürBestandteil mitteleuropäischer live- ein positives Image der DeutschenSportprogramme im Fernsehen und insgesamt.im Internet. In diesem Buch schildertein Insider, wie alles begann, wie es Während ein Franz Beckenbauerim Laufe der Jahre weiterging und wie im Rampenlicht zuerst mit genialenein echtes deutsches Exportprodukt Pässen die Stürmer bediente undim Ausland erfolgreich eingeführt danach im internationalen Fussballwurde. Burkhard Pape konnte dabei auch als Funktionär die Fäden zog,auf die Unterstützung von Freunden, arbeitet Burkhard Pape, von derFirmen und Helfern zählen, auch wenn Öffentlichkeit viel weniger beachtet imoft die Mittel für eine noch konkretere Ausland erfolgreich daran, deutscheHilfe fehlten, weil der Sport unter Ideen und Qualität in viele andereden Politikern nicht den Stellenwert Länder zu tragen.geniesst, den er vielleicht erhaltensollte. Hier waren es vor allem der Während in Deutschland RassismusDeutsche Fussballbund und adidas, und Gewalt gegen Ausländer immerauf deren Unterstützung der Trainer wieder für Schlagzeilen sorgten, biszählen konnte. Und so wanderten vor allem mit der Fussball-WM 2006begehrte deutsche National-Trikots auch diese unschönen Geschehnissenicht selten in die Hände von jungen zu einem guten Teil relativiert wurden,Talenten aus den sogenannten passt sich ein deutscher Fussballtrainer„Entwicklungsländern“ und trugen an unbekannte Kulturen an und sorgtzur Motivation vieler ambitionierter für eine Völkerverständigung direktJugendlicher bei. Schon seit Beginn am Menschen, von der die meistendeustcher Entwicklungshilfe kleideten im Ausland tätigen Diplomaten nursich die Nationalspieler dieser Länder träumen können.stolz in drei Streifen, die zum Symbolfür Sportsgeist, deutsche Qualität und Der Sport entfacht Leidenschaft, setztherausragende Leistungen geworden Emotionen frei und ist – fairness undsind. Sportsgeist vorausgesetzt – eine 5
  • 6. der Förderung würdige Variante des Kulturen aufmerksam beobachten undmenschlichen Bedürfnisses, sich mit integrieren möchten. Pape, zusammenanderen zu messen. Ein Diplomat mit adidas, dem DFB und weiterenhinter seinem Schreibtisch kann nicht Förderern, hat dies als grosserso viele Sympathien gewinnen wie Sympathieträger in Afrika und Asiender Trainer auf dem Platz. Pape war vorgezeigt und einen wichtigen Beitragwährend der Arbeit in den Ländern, zur Re-Integration der Deutschen in diein denen er eingesetzt wurde, internationale Familie geleistet.bekannt und beliebt wie hierzulandeRumenigge, Vogts, Beckenbauer und Die sprichwörtlichen „deutschenKlinsmann. In Deutschland wurde von Tugenden“, die vor allem der Fussball-seiner sympathischen Arbeit kaum Nationalmannschaft immer wiederNotiz genommen, eine Lücke, die das bescheinigt werden, wenn sie einvorliegende Buch schliessen möchte. verloren geglaubtes Spiel noch aus dem Feuer reisst, hat Pape erfolgreichDeutschland hat nicht erst mit der international weitergegeben, vor„WM der Herzen“ gezeigt, dass das allem auch in Ländern, in denenTrauma und die Schande, die Hitler keine „deutsche Ordnung“ herrscht,dem Volk nach dem 2. Weltkrieg in denen Länderspiele nicht 2 Jahrehinterlassen hatte, endgültig der vorher geplant sind, in denen manVergangenheit angehören sollten. Dass statt auf Medizinbälle zum Training aufdie Deutschen ein gastfreundliches, Kokosnüsse zurückgreifen musste undmultikulturelles Volk sind und andere in denen die Beschwörung von GeisternDie „Sportspende“ aus Deutschland wird in Sri Lanka... 6
  • 7. ... genauso wie in Thailand begeistert empfangenvor dem Spiel auch heute noch zum Papes blonde und hellhäutige KinderAlltag gehört. Der Mensch Burkhard sind auf viele internationale SchulenPape hat sich daran angepasst gegangen. In einer mehrfarbigenund dennoch jene „ordentlichen“ Fussballmannschaft spielte dieTugenden trainieren lassen. Der Erfolg Nationalität für sie nie eine Rolle,hat ihm Recht gegeben und an seinen sondern nur, ob einer ein bessererehemaligen Wirkungsstätten hat er Tormann oder Stürmer war.bleibende Eindrücke hinterlassen undist dort auch heute noch bekannt wie inDeutschland ein Gerd Müller. Dieses Buch blickt auf spannende Jahre im Ausland zurück, kannDer Sport kann Barrieren auflösen, wo sowohl als Abenteuer-Bericht gelesendie Politik scheitern muss. Sport ist eine werden, als auch als Grundlage fürSprache, die die ganze Welt spricht, der eine erfolgreiche Strategie globalerSportler wird zum Kinde, indem es ihm Integration innerhalb und ausserhalbnur um grundsätzliche Werte von Sieg des Fussballplatzes.oder Niederlage, Einsatzbereitschaft Ein Erfolg, der dank jahrzehntelangerund Emotionsfülle geht. guter Zusammenarbeit mit adidas,Es wird gejubelt und geweint, Gegner weiteren Förderern und mit seinenumarmen sich und werden ausserhalb Weggefährten aus Sport und Politik,des „Kampfplatzes“ zu Freunden. erst zustande kommen konnte. 7
  • 8. 8
  • 9. E ndlich bin ich dazu gekommen, einmal kennt Rummenige, Beckenbauer, die Ver- aufzuschreiben, wie „exotisch“ eigent- eine Bayern, Borussia Mönchengladbach, lich mein Leben gewesen ist. HSV – obwohl man diesen Vereinsnamen nur ganz schlecht aussprechen konnte.Nach Kindheit und Jugend in Magdeburg, wo Zuerst wusste ich nicht, welcher Verein mitich als knapp 13-Jähriger das Kriegsende einem für die Afrikaner völlig unaussprech-und vorher die Bombenangriffe erlebt hatte, lichen Namen gemeint sein konnte. Aber dakam es in der DDR-Zeit noch ganz normal man mich dann immer: fragte: „Burkhard,zu einer breit gefächerten sportlichen Lauf- kennst Du den Verein mit vielen jungenbahn. Spielern, die immer so einen tollen Angriffs-Zuerst war es die Leichtatlethik mit Meister- fußball spielen? Als ich dann den Namenschaften im Zehnkampf, danach war es der „Mönchen-Gladbach“ aussprach, wurde mitFußball in Spitzenmannschaften in der DDR leuchtenden Gesichtern genickt. Aber denund nach meiner Flucht ab 1953 auch in Namen dieses Vereins selbst auszuspre-der Bundesrepublik. Das Exotische begann chen, das sollte einfach nicht klappen!12 Jahre später. Seitdem hat es mein Lebenbestimmt, und ich meine, dass ich insge- Wie fing das alles mit diesen 36 Jahren fas-samt sehr viel erlebt habe. zinierender Arbeit im Ausland an? VorherWenn ich heute davon erzähle, dann pas- war ich einige Jahre Verbandssportlehrersiert es mir oft, dass jemand sagt: „In die- beim Badischen Fußballverband auf dersen Ländern, da war ich auch schon!“ Es Sportschule Karlsruhe-Schöneck. Das warsind oft Menschen, die dort für 14 Tage eine sehr schöne, einprägsame Zeit. Ob-ihren Urlaub verbrachten und die dann von wohl ich dort der jüngste Verbandssport-diesem Land erzählen wollen. lehrer gewesen bin, war ich sicher nicht derSehen wir uns jetzt das Wort „exotisch“ ein- Schlechteste. Dort habe ich viel gelernt.mal genauer an! Wenn man sich überlegt, Nicht nur, soweit es um Pädagogik ging, son-dass ich 36 Jahre im Ausland unterwegs dern noch mehr konnte ich den Umgang mitwar, hat mich in dieser Zeit trotzdem der den Funktionären lernen. Das war eine Fra-Begriff „Ausländer“ gekennzeichnet. Es ist ge, die sich immer wieder auch im Auslandaber zu akzeptieren, dass ich mich selbst in stellte: Wie komme ich mit den Offiziellen,manchem dieser Länder schon nicht mehr mit den Funktionären zurecht? Das warals Ausländer empfand. Dazu passt auch, weit problematischer in Afrika oder Asien,dass wir heute hier bei uns von den Proble-men mit der Immigration sprechen, wennvon den Menschen die Rede ist, die zu unsnach Deutschland gekommen sind. MeineSituation war anders, dass ich nämlich alsRepräsentant 36 Jahre lang Ausländer warund davon je zur Hälfte 18 Jahre in Afrikaund 18 Jahre in Asien. In der gesamten Zeithabe ich deshalb aber nie das erlebt, wassich hier bei uns mit den Immigranten leiderso tut.Man meint, wir könnten sehr stolz sein! Man Treffen der Verbandssportlehrer 1961 auf derbewundert den deutschen Fußball, man be- Sportschule Schöneck. Mit dabei: Helmutwundert den deutschen Fußballbund. Man Schön, Sepp Herberger, Burkhard Pape 9
  • 10. als schon in Deutschland. Aber ich hatte in ich Verbandssportlehrer in Karlsruhe, lerntemeiner Heimat gelernt, wie auch mit schwie- viel, hatte aber stets die Worte von Sepprigen Leuten umzugehen war. Viel geholfen Herberger in Erinnerung und wußte, dasshat mir ausserdem, dass ich bei Sepp Her- ich irgendwann einem solchen Ruf ins Aus-berger, dem damaligen Bundestrainer, ei- land folgen würde.nen „Stein im Brett“ hatte. Er war mit der Es war also 1965, als der DFB laufend An-Nationalmannschaft mehrfach bei mir in fragen erhielt und zwar besonders aus Afri-Karlsruhe auf der Sportschule, und der gute ka: „Wir wollen einen deutschen Trainer fürKontakt zu ihm war sehr hilfreich für mich. unsere Nationalmannschaft haben“. ZuerstEines Tage sagte er dort zu mir: „Burkhard, konnte der DFB nur antworten: „Dafür ha-horche se mol! Se müsse was ins Ausland ben wir keine Trainer. Wir haben zwar Seppgehe! Se sin a guate Sportlährer un könne Herberger und seinen Assistenten Helmutwas!” Bei meinem bald darauf folgenden Schön, aber sonst niemanden dafür.“Entschluß, dem Ruf ins Ausland zu folgen, Nachdem die Rufe nach einem deutschenhaben diese Trainer immer lauterWorte von Sepp wurden, kam manHerberger stark aber doch zu der Er-mitgewirkt. Den kenntnis, dass dieReiz, so etwas zu E n t w i c k l u n g s h i l fetun, gab es vor- auch zum Vorteil vonher schon immer. Deutschland viel-Während mei- leicht doch ebenfallsner DDR-Zeit bis mit einem Fußball-1953 hatte ich trainer wirkungsvollschon immer von zu ergänzen war. DerReisen geträumt, DFB sprach mit demwas in der DDR Auswärtigen Amt,oft ein Wunsch die Idee fiel dort aufbleiben mußte. fruchtbaren BodenIm Westen wurde mit der klaren Fest-das zu meinem stellung: „WarumGlück richtigge- sollten wir das nichthend zum Hobby! auch einmal versu-Die Reisen ins chen“! Es wurde beiAusland waren diesen Gesprächenmeine Chance, aber auch deutlich,viel für die eigene dass es nicht nur umHorizonterweite- Sepp Herberger und Helmut Schön das Training einer Na-rung zu tun. Ich tionalmannschaft ge-habe sehr deutlich den Unterschied erlebt, hen würde, sondern auch um die Ausbildungob man lediglich für 2 bis 3 Wochen eine von Trainern, die jene Lücke füllen müssten,oberflächliche Erfahrung als Tourist im Aus- die nach dem Weggang des deutschen Trai-land machen konnte oder ob man mehrere ners entstehen könnte. Zu dieser „Hilfe zurJahre dort zwar ein Ausländer blieb, aber oft Selbsthilfe“ ist es dann auch gekommen! Esden Eindruck haben konnte, fast zum Ein- war Sepp Herberger, der meinen Namen da-heimischen geworden zu sein. mals ins weitere Spiel brachte. Er wies aufDazu kam es aber erst 1965. Bis dahin war mich als standfesten Verbandssportlehrer 10
  • 11. hin, der sicher für eine solche Aufgabe qua- Das ist ebenfalls in West-Afrika und nichtlifiziert sei, weil er erfolgreich Mannschaften weit vom Kongo entfernt. Wir haben hiertrainieren würde, mit der Amateurauswahl gerade den Sportminister von diesem Landauch schon zu Spielen in anderen Ländern zu Besuch und der hat uns gesagt, dasswie z.B. der USA gewesen sei. Er könne auch er nicht eher aus Deutschland weggehenTrainer ausbilden, was er laufend tun wür- würde, wenn er nicht einen deutschen Trai-de, weshalb er eine solche Aufgabe sicher ner mitnehmen könnte.“ Für mich klangenmit grossem Einsatz und Aussicht auf Erfolg diese mit einem solchen Nachdruck ausge-angehen könne. Und dieser Kandidat sei sprochenen Worte recht überzeugend, undbereit, eine derartige Aufgabe zu überneh- ich fragte natürlich, ob ich mich mit diesemmen. Minister beim DFB treffen könnte, um ihnSepp Herberger war eine anerkannte Auto- kennen zu lernen. Nach dem O.K. fuhr ichrität! Und mit seiner Fürsprache ging plötz- also nach Frankfurt. Auffallend an diesemlich auch alles Ruck-Zuck. Wir trafen uns Minister war, dass er sich als Mann mit kräf-in Bonn, wo damals das Auswärtige Amt tiger Leibesfülle herausstellte, weshalb esresidierte, das Innenministerium wurde mit in meiner direkten Art sofort meine erstehinzugezogen und man kam mit dem DFB- Aktion gewesen ist, ihn über seinen BauchBeauftragten Passlack ganz schnell zu den zu streicheln und zu sagen: „Wenn ich alsonötigen Regelungen. Für mich war jedenfalls nach Sierra Leone komme, dann bist Du ei-klar: Wenn die Regierung dahinter steht, ner meiner ersten Patienten! Denn so gehtdann kann ich mich darauf einlassen, dann das nicht als Sportminister!“ Das berühmtepassen die Bedingungen. „Ob jetzt Afrika, afrikanische Lachen ertönte daraufhinAlaska oder Asien – ich bin bereit, das zu durch die Hallen des deutschen Fußball-machen!“, das war meine Einstellung. Und bundes und dieser Mann aus Sierra Leoneich wußte auch, dass mir niemand vom DFB und ich waren uns gleich näher gekommen.und von den Regierungsbeamten sagen Das hat mir später in seinem Land sehr ge-konnte, was genau mich dort erwartet und holfen, nämlich meine Art, recht burschikoswie ich damit umzugehen hätte. mit allen meinen Gesprächspartnern ohneZuerst hieß es noch in Bonn, ich könne da- Rücksicht auf ihre gesellschaftliche Stel-von ausgehen, dass der erste Versuch sechs lung umzugehen.Monate im Kongo sein würde. Man fragte Dazu kam auch noch, dass ich Hennes Weil-mich zum wiederholten Male, ob ich das tun weiler – der auf der Sporthochschule in Kölnwürde, und ich antwortete erneut: „Ich bin auch mein Lehrer gewesen war – dort inzu allem bereit, selbst wenn Ihr mich jetzt Köln besuchte, wo sich auch zwei Fußballerin die Antarktis oder wohin auch immer sen- aus Sierra Leone in der Trainer-Ausbildungden würdet“! befanden. Beide waren zwar noch nicht soEs war somit alles klar. Die Ausreise war für weit, dass sie ihr Diplom bekommen konn-Anfang Februar 1966 eingeplant. Ich muss- ten, aber ich sollte sie auf Wunsch vonte auf der Sportschule Ende des Jahres und Hennes Weisweiler gleich mit in ihr Land zu-im Januar vorher noch einige Prüfungen rücknehmen und sie dort weiter ausbilden.abnehmen. Plötzlich kam aber im Dezem- Den Grund dafür war, dass nämlich beideber der Anruf: „Würden Sie denn auch nach nur sehr schlechtes Englisch sprachen undSierra Leone gehen?“ Zuerst musste ich dem theoretischen Unterricht nicht beson-fragen: „Wo ist das denn? Das hört sich so ders gut folgen konnten. Ich bin jedenfallsnach Südamerika an.“ Die Antwort vom Aus- später in ihrem Land mit den Beiden sehrwärtigen Amt war: „Wir mussten auch erst gut zurecht gekommen und habe sie zu gu-einmal nachschauen“. ten Sportlehrern ausbilden können. 11
  • 12. Es gab dann noch ein Gespräch im Auswär- Uganda die nächste große Herausforderungtigen Amt mit dem späteren Bundeskanzler auf mich zu. Die erste Station war für michund damaligen Außenminister Willy Brandt. als Vorbereitung für die weiteren StationenWir sprachen auch über die Verbindungen mehr als lehrreich und das zu einer Zeit imzu meinem Elternhaus in Magdeburg. Mein Jahr 1966, als es bei uns in DeutschlandVater war früher Bundesjugendführer im sehr wenig Wissen über Afrika gab.Deutschen Reichsbanner gewesen, wasWilly Brandt bekannt war. Nachdem er michdazu befragt hatte, sagte er noch: „Herr Afrika vor 33 JahrenPape, wir wissen gar nicht, was Sie da ei- Burkhard Pape berichtet im Jahre 1975 ingentlich alles in Afrika machen sollen?“ Ich der Fachzeitschrift „Der Fussballtrainer“konnte nur sagen: „Ja, Herr Außenminister, (siehe Bild S. 14) über seine Erlebnisse vordas weiß ich eigentlich auch nicht. Das kann Ort. Der vorliegende Artikel und das dortmir nämlich niemand genau sagen!“ Willy präsentierte Afrikabild muten sicherlich einBrandt meinte daraufhin: „Machen Sie dort wenig überholt an, beweisen daher um sobloß keinen Mist!“ deutlicher, welche Veränderungen, auchIch behaupte heute, nachdem 36 Jahre im dank der Sportentwicklungshilfe, in vierAusland daraus geworden sind, dass ich Jahrzehnten vor sich gegangen sind... :wohl kaum „Mist“ gemacht habe. Auch ausdiesem Anfang in Sierra Leone, für den ur- Sport und Politiksprünglich insgesamt 6 Monate eingeplantwaren, wurden dann nach mehreren Verlän- Im Leben der Afrikaner spielt der Sport einegerungen zwei Jahre. besondere Rolle. Man verspricht sich vomSpäter kam nach dieser Anfangszeit in Sport, in einigen Bereichen auch mit Recht,meinem ersten afrikanischen Land mit eine Chance der Anerkennung, die auf ande-Trainingseinheit unter freiem Himmel: Burkhard Pape und konzentrierte Zuhörer 12
  • 13. ren Gebieten noch nicht so schnell zu erwar- ständig das Gespenst „Prestige“ im Nackenten ist. Man hat eine Möglichkeit gefunden, stehen. Schulsport, Jugendarbeit, Lehrer-sich den Bewohnern anderer Länder, Konti- und Übungsleiterausbildung sind Dinge, dienente, auch den Völkern anderer Hautfarbe Zeit und Geld kosten, aber eben erst nachals ebenbürtig oder gar überlegen zu erwei- Jahren Erfolge bringen. Wenn sich diesesen. Dies ist ein Faktor, der den Sport zu Einstellung nicht ändert, wird der afrika-einem politischen Hilfsmittel werden lässt, nische Fußball weiterhin nur als exotischeraber leider der kontinuierlichen Entwick- Farbtupfer auf internationalem Parkett er-lung im Wege steht. In Afrika ist der Sport scheinen, wie beispielsweise Zaire bei derein Politikum ersten Ranges. Allerdings aber letzten Weltmeisterschaft 74. Zaire hat michauch eines voller Widersprüche. Wirtschaft- nicht enttäuscht, da ich nicht mehr erwartetliche Schwierigkeiten sind nur eins jener hatte. Die Publikumslieblinge gingen zwarProbleme, die eine gute Sportorganisation kämpfend unter, verstanden auch durcherschweren. An Geld mangelt es immer. einige Kabinettstückchen das Publikum zuEin Teil der jungen afrikanischen Staaten begeistern. Was aber fehlte, waren Routine,sieht im Sport ein Mittel, um das Prestige Stellungsspiel, taktische Marschregeln, vondes eigenen Landes zu stärken. Es gibt aber Spielerpersönlichkeiten ganz zu schweigen.auch massgebliche Persönlichkeiten ande- Wieder einmal gab es keine Chance für denrer Staaten, die der Meinung sind, dass eine Schwarzen Erdteil.gemeinsame afrikanische Sportbewegungein echtes Mittel sei, um zu einer grossen Der Hemmschuh des Prestigedenkenspolitischen Gemeinschaft zu kommen. DieFolgen solcher Politik haben wir leider schon Da ich nun selbst seit Jahren in Afrika tätigerleben müssen, als der afrikanische Sport bin — in der Zwischenzeit mit vielen anderengroβen Druck ausübte auf die Olympischen Kollegen —, weiβ ich, daβ das Prestigeden-Spiele in München in der Frage der Teilnah- ken für uns ein sehr groβer Hemmschuh ist.me von Rhodesien. Ich habe in West- und Ostafrika einige Revo- lutionen erlebt. Die Arbeit mit der National-Ein weiteres Problem der Beziehung von mannschaft ging danach immer sehr schnellSport und Politik ist, daβ in den meisten weiter. Andere Pläne wurden erst mal zu denLändern der Sport, oder besser seine Orga- Akten gelegt, da sie ja vom Vorgänger wa-nisation, politisch abhängig ist und durch ren. Ob in West- oder Ostafrika, ich konnteStaatsstreiche und Revolutionen immer wie- immer nur den Weg gehen, der für uns zuder zurückgeworfen werden kann. Hause kaum verständlich erscheint: Erst Spitzensport, dann kommt die Breite. Lei-All diese Dinge, politisches Denken, Über- der wird dann aber die Breite auch wiederbewerten des Prestiges, politische Abhän- sehr schnell vergessen, wenn die Spitze aufgigkeit, hindern die kontinuierliche Ent- einmal für afrikanische Verhältnisse sehr er-wicklung und die organische Aufbauarbeit, folgreich ist.die notwendig wäre, um den Anschluβ anandere Länder zu erreichen. Es ist nicht All dies macht es auch verständlich, dassdamit getan, bei der Teilnahme an grossen man hier bei unserer Arbeit gezwungen ist,sportlichen Ereignissen immer wieder zu sehr schnell zu improvisieren. Ich glaubeerklären: Wir sind gekommen, um zu ler- kaum, dass ein Fussballehrer in Deutsch-nen. Die Jahre zwischen grossen Sporter- land so vielseitig sein muss, wie es hier dieeignissen müssen genutzt werden, um den Verhältnisse von uns verlangen. Man hatAufbau zu fördern. Dabei darf aber nicht dort doch für viele Dinge „seine“ Leute. Es 13
  • 14. gibt eine Art von Arbeitsaufteilung. Hier, im organisieren, dass wirkliche Vergleiche mitAusland, müssen wir alles in einer Person anderen auch möglich waren. Kaum vor-verkörpern, einmal, weil es notwendig ist, handenes oder schlechtes Sportmaterialzum anderen setzt man es bei uns voraus. setzte weitere Improvisationskunst voraus.Es wird einfach erwartet. Zum Krafttraining mussten dann auch mal Steine oder Kokosnüsse aushel- fen, Palmen am Strand oder Ba- nanenstauden wurden als Sla- lomstangen zweckentfremdet. Persönliche Schwierigkeiten, unabhängig von den Menschen, kamen dazu: Sprachbarrieren, Wohnungsfrage, eigener Trans- port, an wen kann man sich auch mal mit einer fachlichen Frage wenden, wen um Rat fragen, sich eindenken in die Mentalität des Afrikaners. Alles Dinge, die sehr belasten können. Mit der Zeit lernt man aber auch diese Hürden zu meistern. Leicht ist es sicherlich keinem von uns gefal- len. Man muβte eben „seinen“ Weg finden. Von den Afrikanern akzeptiert werden, heisst nicht nur, auf fachlichem Gebiet Vor- bild zu sein, das ist vielmehr eine unbedingte Voraussetzung. Das psychologische Problem bei solch einem Einsatz dürfte für viele das gröβte Hindernis sein: Die Gewalttätigkeiten und die Arroganz der früheren Kolo- nialherren haben tiefe Wunden hinterlassen. An uns liegt es, zu bewei-Es begann in Sierra Leone sen, dass wir wirklich helfen wollen. Als erstes muss man dem Afrikaner klarma-Zwei Jahre Westafrika, zwei Jahre Sierra chen, dass ein Klassenunterschied, be-Leone, das war mein erster Einsatz in Afri- dingt durch die Hautfarbe, für uns nichtka. Es waren schwere, aber auch schöne besteht, und zwar nicht nur durch netteJahre. Von der Mentalität und „Arbeitswut“ Reden, sondern durch Taten. So zu leben,der Afrikaner hatte ich noch keine Vorstel- wie der Afrikaner, ist dabei nicht notwen-lung. Mit der Nationalmannschaft zu ge- dig. Unserem Können, unserer Zivilisation,winnen, setzte man voraus, da man ja jetzt unseren Lebensgewohnheiten konnten wireinen deutschen Trainer hatte. Aber hier gerecht werden und dennoch das festewar echte Pionierarbeit notwendig: Spieler Vertrauen der Leute gewinnen. Kleine Din-im Lande zu finden; den Spielbetrieb so zu ge helfen dabei, diesen Weg leichter zu be- 14
  • 15. schreiten: Transport der nass geschwitzten sagt, man sollte Pape zu diesem ZeitpunktSpieler, auch einmal im eigenen Auto, eine nicht gehen lassen. Wir haben erst jetzt dieEInladung der Mannschaft zum Kaffee Früchte seiner Arbeit zu sehen bekommen.ins eigene Heim Bis zu höchsten Stellen Wenn wir Pape gehen lassen, wird Ugan-muss man versuchen, auch auf sozialem da sofort bereit sein, sich ihn zu schnap-Gebiet eine Verbesserung der Spieler und pen. Zur Zeit können wir es uns aber nichtihrer Familien zu erreichen. Dienstlich und leisten, den Standard im Fuβball wiederauch privat habe ich sehr viele Reisen sinken zu lassen. Noch haben wir keinen(überwiegend Safaris) in das tiefste Innere Nachfolger. Ein weiteres Jahr unter Papedes afrikanischen Urwalds unternommen. würde für uns viele Probleme lösen“.Entweder waren es Reisen zu den Ge-burtsorten der Spieler, Besuche bei ihren Nun aber, ich ging. Im Gepäck viele Erfah-Angehörigen, oder Fahrten zu Lehrgängen, rungen auf fachlichem Gebiet, Erfahrungen„nup country“, oder Safaris, die wir einfach in der Behandlung der Menschen, aber imunternahmen, um noch ,,echtes“ Afrika zu Gepäck auch Geschenke der Afrikanererleben, ein Afrika, wie wir es uns in un- und Filme und Farbdias von einem Land,serer Jugend erträumt hatten. Die Kon- das wir natürlich viel gründlicher kennentakte werden geknüpft in dem Milieu, aus gelernt haben als ein Tourist in wenigendem die Spieler kommen. Vieles wurde für Wochen.mich leichter verständlich. Auch der groβe In Lagos ein uns schon vertrautes Bild: Sol-Zauberer „Ju-Ju“, der auch heute noch im daten mit Maschinenpistolen. Da sie nichtLeben des Afrikaners eine bedeutende auf uns gerichtet waren, was schliesslichRolle spielt. Der Europäer sollte sich nicht auch schon mal der Fall war, störte es unseinbilden, über diesen Dingen zu stehen! nicht. Weiter ging es ´gen Osten.Aberglaube, kultische Gemeinden, Feti-schismus, der Glaube an das Horoskop der Daβ die klimatische Umstellung von WestTageszeitung usw., all diese Dinge haben nach Ost keine Probleme brachte, war fürauch heute noch (oder heute wieder) einen meine Arbeit ein erster wesentlicher Faktor.Platz in unserer Gesellschaft. Mir gelang Eine Umstellung betraf den Sport selbst.es, das Vertrauen meiner Spieler so weit zu Organisatorisch war in Uganda alles leich-gewinnen, daβ man mir sogar erlaubte, vor ter als in Sierra Leone. Seit Jahren gab eseinem Länderspiel gegen Guinea als Euro- ein „National Council of Sports“, Träger al-päer dabeizubleiben, als zwei Stunden vor ler Sportarten, herrliche Rasenflächen, wo-Spielbeginn der groβe „Ju-Ju“-Mann kam, bei selbstverständlich das gute Klima eineum seine kultisch-heilige Handlung vorzu- wesentliche Rolle spielte, eine Sporthallenehmen. Ich war tief beeindruckt, einmal für 2500 Zuschauer, einen geregeltendurch das Erlebnis, aber auch von dem Spielbetrieb in den Regionen, aber leiderhohen Vertrauensbeweis. Man wollte mir auch nur wenige ausgebildete Trainer. Dazeigen, ich sei einer von ihnen. ein Afrikaner als Nationaltrainer fungierte, war meine erste Hauptaufgabe die Orga-Von West nach 0st nisation des Spielbetriebs und die Ausbil- dung von Trainern und Übungsleitern. IchTrotz gröβter Anstrengung der Afrikaner, war darüber nicht böse, enthob es michmich weiter im Lande zu behalten, hiess doch des Problems, immer nur ans Siegenes für die Familie packen und es ging quer denken zu müssen, was man ja von einemdurch den Kontinent nach Ostafrika. Die deutschen Trainer erwartet. Die pädago-Staatszeitung schrieb dann: „Offen ge- gische Aufgabe mit Lehrern, Übungslei- 15
  • 16. tern und Trainern hatte auch ihre Reize und nur dienstlich, sondern auch privat Türen- freie Wochenenden standen in Aussicht! zu den höchsten Stellen öffnete. Was diesDie ersten Lehrgänge wurden durchgeführt, bedeutete, weiß nur derjenige, der längeredie Technical Colleges boten sich dabei mit Zeit im Ausland tätig war und die Problemeihren Sportanlagen an. Nach den erfolg- kennt, die auf allen Gebieten auftauchenreichen Lehrgängen sah man nun auch, daβ und auch vom Arbeitgeber in Bonn kaumdadurch eine Möglichkeit gegeben war, den behoben werden können.Sport im Landesinneren zu fördern, dennauch in Afrika ist ein Talent weder an einen Durch gute Kontakte konnte man fast Un-Ort noch an eine Zeit gebunden. Nur muβ es mögliches, dienstlich und privat, möglicheben gefunden werden! machen.Schwarz-weiβe Kooperation Erfolge im Afrika-PokalNach kurzer Zeit bat man mich dann aber, Da die Spiele innerhalb Ostafrikas einer In-auch das Training und die Arbeit mit der zucht glichen, überzeugte ich den VerbandNationalmannschaft zu übernehmen. Da von der Notwendigkeit, am Afrikapokal dermeine Bedingung, daβ mir der Afrikaner als Nationen und der Landesmeister teilzuneh-Assistent zur Verfügung steht, angenommen men. Bedingt durch die Auslosung kommt eswurde, kam es zu einer guten afrikanisch- dabei zu Vergleichen mit anderen Länderndeutschen Zusammenarbeit. und auch Teilen Afrikas. Mit der TeilnahmeNach zwei Jahren hatte ich eine Jugendna- an diesem Turnier wurde mir immer automa-tionalmannschaft ins Leben gerufen. Somit tisch auch das Training des Landesmeistersbekam mein Assistent eine selbständige übertragen - eine sehr erfolgreiche TätigkeitAufgabe, bei der ich nur noch beratend zur in Verbindung mit der Nationalmannschaft.Seite stand. Ein anderer Afrikaner, der vor- Zuerst kamen wir mit dem Vereinsmeistermalige Spielführer der Nationalmannschaft, bis ins Semifinale, zwei Jahre später bis inswurde mein Assistent und brachte es bis zu Endspiel. Der zweite Versuch mit der Nati-einer Ausbildung in Köln als Fuβballehrer. onalmannschaft im Afrikapokal führte unsEine Nationalliga wurde eingeführt, um die nach großartigen Siegen in der Qualifikati-Leistungsstärke zu verbessern. Sie spielteüber das ganze Land, und trotz Geburtswe-hen und „afrikanischen“ Schwierigkeitenwurde sie von Jahr zu Jahr erfolgreicher.Die jährliche Teilnahme am Ostafrikaturnierwar für Uganda immer ein groβes Ziel. Daβdabei nicht nur sportliche Belange, sondernauch politische eine Rolle spielten, war klar.Wer ist der ,,Gröβte“ im Land? Uganda,Kenia, Tansania oder Sansibar? Nun, die,,Gröβten“ wurden wir. In meiner sechsjäh-rigen Tätigkeit konnte Uganda viermal denPokal gewinnen, einmal wurden wir Zweiter, on - erstmals für Uganda - bis ins Endturnierund einmal wurde er nicht ausgetragen, da nach Kairo. Eine Deutschlandreise meinerKrieg im Lande war. Zweimal gewannen wir Truppe bildete einen weiteren Höhepunkt.den Pokal mit den Junioren. für Ostafrika Das Länderspiel gegen die Amateure desdurchaus ein stolzer Rekord, der mir nicht DFB in Bamberg ging nur knapp 1:2 verlo- 16
  • 17. ren. eigentlich alles erreicht, was den Leistungs-Eine Revolution im Land - Idi Amin Dada stand der Nationalmannschaft betraf. fürkam an die Macht - änderte nichts an mei- den weiteren Unterbau fehlten die notwen-ner Arbeit. Unter guter Bewachung und bei,,Kriegsverhältnissen“ ging alles ordentlichweiter.Als erstmals eine Ostafrika-Auswahl aufge-stellt wurde, mit Spielern aus allen vier Län-dern, wurde mir die Ehre zuteil, als Trainerdieser Auswahl berufen zu werden. Im Zugeder Afrikanisierung war es für mich als Eu-ropäer eine groβe Anerkennung von Seitender Afrikaner. So kam ich nach fast sechs-jähriger Arbeit in Uganda, neben der Ausbil-dung von Trainern und Übungsleitern, auchzu einem nicht schlechten Rekord, nämlich zu Gast bei Idi Amin52 Siege, 18 Unentschieden und nur 13Niederlagen. digen Gelder. Großartige Abschiedspartys machten uns das Abschiednehmen nochEs war eine lange, nicht immer leichte, schwerer, lieβen wir doch viele Freunde inaber doch schöne und erfolgreiche Zeit in Ostafrika zurück.Uganda. Die Tage der Unruhen sind heutevergessen, wo man bewaffnet ins Kino oder Von der Nilquelle bis zur Mündungzu einer Party fuhr, wo Überfälle an der Ta-gesordnung waren, wo man nachts oft mit Von der Quelle des Nils verschlug es uns ca.dem Gewehr durchs Haus schlich, weil man 600 km nördlich an die Mündung des Nils,annahm, dass mit Pangas (Buschmessern) dem Lebensspender Ägyptens. Ein neuesbewaffnete Banden ins Haus einzudringen Einsatzland, ein neuer Wohnort, Kairo, un-versuchten. Die Stunden der Angst sind sere neue Heimat. Neue Probleme, neuenicht zu zählen, die meine Frau allein mit Bekannte, neues Einleben, neues Herantas-Sohn im Haus verbrachte, da meine Tätig- ten an die schon vorhandenen Institutionen,keit mich oft ins Ausland oder auβerhalb eigene Gedanken. Aber dies sind unsereKampalas führte. Dass auch meine Frau mit Probleme, mit denen wir leben, wir könnenWaffen umzugehen weiss, war dabei nur auch nicht erwarten, daβ zu Hause dafür im-ein kleiner Trost. Passiert ist allerdings nie mer volles Verständnis aufgebracht wird.etwas. Die Angst war jedoch berechtigt, daselbstverständlich in allen Zeitungen meine Ägypten nimmt mit Sicherheit eine Sonder-Abwesenheit nachzulesen war. stellung ein unter den Ländern am Mittel- meer. Ägypten, das Land der Pyramiden, eineNach fast sechs Jahren wurden von Seiten faszinierende, auch heute noch geheimnis-der Uganda-Regierung alle Anstrengungen volle Welt am Nil. Tempel, Gräber, Riesen-gemacht, mich auch weiterhin im Lande zu bildwerke haben schon Römer und Griechenbehalten. Präsident Idi Amin, ehemals selbst im Altertum in ihren Bann gezogen. Ein Dich-Sportler. zu dem ich auch gute freundschaft- ter sagte einmal: ,,Der Ägyptische Boden istliche Beziehungen hatte setzte sich selbst Gold, der Nil ist ein Wunder, die Ägyptischendafür ein. Aber nach solch langer Zeit war Frauen sind wie himmlische Huris, und 17
  • 18. sich, sondern eher etwas Verwir- rendes, Gegensätzliches. Eine un- beschreibliche Bürokratie und eine geplante Volkswirtschaft, nach so- zialistischem Vorbild gelenkt, führt dazu, daβ Konsumgüter heute noch sehr knapp sind. Menschenschlan- gen vor den Staatsläden sind an der Tagesordnung, das Wort Luxus findet man nur bei sehr wenigen, der „Bakschisch“, das „Öl zwischen- menschlicher Beziehungen“, hilft doch immer wieder weiter. Malesh Seit der Revolution 1952 regieren erstmals Ägypter über Ägypten. In den über 20 Jahren völliger Selb- ständigkeit haben Kriege und po- litische Ereignisse aller Art tiefe Einschnitte in den Ablauf der Wirt- schaft und auch im Sport gebracht. Stillstand heiβt Rückgang, nicht nur für den Sport. 30 Mill. Menschen le- ben heute in Ägypten, davon etwa 7 Millionen in Kairo. Fast 2 Millionen wurden nach dem ersten Krieg aus den Städten Suez, Ismailia und Port Said evakuiert. Mit der Eröffnung des Suezkanals werden diese Leute Gespannt verfolgt Pape die Künste seiner wieder zurückgehen. Ob das spür- ägyptischen Jungs bar wird, ist fraglich, da täglich 3000 neueKairo ist die Stadt der Städte! „ Welch ein Ägypter das Licht der Welt erblicken. Ein Pro-Glück. dass der Beruf mich dorthin brach- blem, welches sicherlich nicht kleiner wird,te, wo Jahr für Jahr Tausende von Touristen denn vor zehn Jahren waren es ,,nur“ 1000.ihre Träume von ,,Tausendundeiner Nacht“ Die Kriege haben auch in Kairo groβe Nar-verwirklicht sehen wollen. Nur, mit Traumen ben hinterlassen, die Stadt ist abgenutzt,ist es bei mir nicht getan. An den Pyramiden der Schmutz dringt aus allen Winkeln, derfahre ich täglich vorbei. In Ägypten gibt es Zustand der meisten Strassen ist seit Jah-aber groβe Probleme, was nach Revolution ren unverändert, der Verkehr hat aber be-und zwei Kriegen gar nicht verwunderlich ängstigend zugenommen. Überfüllte Busse,ist. Heute spricht man hier von einem ,,Wirt- uralte Autos auf den Straβen, die oftmalsschaftswunder“. Dies bezieht sich aber wohl kaum mit den notwendigen Lichtern ausge-darauf, dass es doch immer irgendwie wei- rüstet sind, der Verkehrsfluβ, die Art zu fa-tergeht. für westliche Besucher hat dieses hren, sich durchzusetzen, ist unvorstellbar.Wunder nämlich wenig Wunderbares an Der Besucher, vom Flughafen abgeholt, at- 18
  • 19. met erlöst auf, wenn er das Haus erreicht mern. In Ismailia und Port Said regen sichhat. Er braucht Tage, um nicht immer wie- erste Lebenszeichen, die Bevölkerung kehrtder als Beifahrer zu erschrecken. Um dies zurück. Der Aufbauminister Osman Ahmedzu begreifen, muβ man eben die ,“Malesh“- Osman (auch Präsident eines Sportklubs,Einstellung der Ägypter kennen (Malesh der schon in Bremen spielte) hat grosseist ein Wort, das ,,Vergebung“ und ,,macht Pläne. Man setzt groβe Hoffnungen auf dienichts“ bedeuten kann), sich nämlich hin Deutschen, wohl beeindruckt von unsererund wieder rücksichtslos und auch manch- Aufbauleistung nach dem Kriege. Wirt-mal mit nicht ganz korrekten Mitteln durchs schaftsdelegationen geben sich in Kairo dieLeben zu boxen. Dies ist aber nur eine Seite, Türklinke in die Hand, sind Dauergäste inmit deren Schwierigkeiten sich nur der Orts- den Hotels. Warten wir ab, was kommt. Dieansässige auseinanderzusetzen hat. Dem wichtigste Voraussetzung für das GelingenTouristen eröffnet sich eine andere Welt. dürfte wohl sein, daβ im Nahen Osten keinHerrliche ägyptische Restaurants in der neuer Krieg ausbricht, der mit SicherheitStadt und am Nil, wo sich dann bei unter- nicht nur Tage dauern würde.gehender Sonne die Feluken-Boote auf demträgen Wasser treiben lassen oder gar ge- Standort des Sports in Ägyptengen den Strom segeln. Die 7-Millionen-Stadtist voller Dokumente vorchristlicher Vergan- Stillstand heiβt Rückgang. Wo steht nungenheit, voll der Stätten islamischer Kunst. der Sport in Ägypten? Die VergangenheitBei wechselnder Beleuchtung ist es immer hat gezeigt, dass bei dem 35-Millionen-Volkwieder ein bedrückend-faszinierender An- ein sehr grosses Potential für den Sportblick, über die riesigen Gebiete der Mame- vorhanden ist. Die Ägypter haben von allenlukkengrabmäler zu blicken, ein enormes afrikanischen Staaten schon die gröβtenGräberfeld mitten in der Stadt, dazwischen Fortschritte gemacht. Medaillen und inter-viele herrliche Moscheen. über allem dann nationale Siege sprechen heute noch da-die Zitadelle mit der groβen Mohamed-Ali- von. Die deutsche Nationalmannschaft hatMoschee. Das ägyptische Museum und die hier in Kairo 1958 1:2 verloren, mit SpielernPyramiden von Gizeh und Sakkara sprechen wie Rahn, Tilkowski, Schnellinger, Morlock,für sich selbst. Der Blick von der Sahara-City Schäfer. Nationalmannschaften aus allerauf die Pyramiden, den Nil, im Hintergrund Welt waren hier schon zu Gast. Real MadridKairo, dann wieder Wüste, dürfte auch für in seiner gröβten Zeit spielte zur Eröffnungeinen Touristen, der sich nicht so genau des 100 000 Mann fassenden Nasser-Sta-in der Geschichte des alten Ägyptens aus- dions.kennt, unvergesslich bleiben. Der nächt-liche Lichtzauber um Sphinx und Pyramiden Ein organisiertes Vereinsleben, mit Kluban-versetzt den Besucher in die fünftausend lagen für alle Arten von Sport, dürfte für Afri-Jahre alte Kultur der Pharaonen. Fahrten ka (und nicht nur dort) als vorbildlich gelten.nach Luxor, Kharnak, Assuan bilden weitere Der Gezira-Sporting-Club z. B. gilt als einerMöglichkeiten, um Ägypten als Reiseland zu der gröβten Klubs in der Welt. Er hat überentdecken. 30 000 Mitglieder, die ca. 20 verschiedene Sportarten betreiben können. Die KlubsGross sind nun die Pläne der Ägypter für den haben eigene Stadien und eine Anhänger-weiteren Ausbau des Landes. Der Suezka- schaft, die sich fast schon familiär vererbt.nal mit seinen Millionen-Dollar-Einnahmen Mitglied in solch einem Klub zu sein, zähltim Jahr spielt dabei die gröβte Rolle. Noch schon etwas.ist er Sperrgebiet, noch liegt Suez in Trüm- 19
  • 20. Der Fuβball ist auch hier Sportart Nr. 1. Uganda! Die Zeit war zu kurz, um wenigeDas Problem der Aufstellung einer Na- Wochen vor Turnierbeginn noch entschei-tionalmannschaft liegt hier nicht wie in denden Einfluβ - vom Training abgesehenSchwarzafrika im Stammesdenken, son- - auf die Mannschaft auszuüben. Seit Mo-dern in der Rivalität der Vereine. Bei be- naten gab es kriegsbedingt keinen Spiel-sonderen Punktspielen kommen oft 100 verkehr, kein geregeltes Training, es fehl-000 Zuschauer. Da das eigene Stadion te einfach an Wettkampfpraxis. Da auchnicht ausreicht, weicht man in das grosse das härteste Training keinen WettkampfNasser-Stadion aus. Ein Freundschafts- ersetzt, wurden Testspiele in der Vorberei-spiel der Eintracht Frankfurt im letzten tungszeit ausgetragen, erst A gegen B. wasSommer brachte auch hier gegen eine ja auch selten einen echten Einblick gibt,Vereinsmannschaft etwa 60 000 Leute dann Spiele gegen Dukla Prag als Trai-auf die Beine. Aber wie sieht es mit der ningspartner. Leider kam es dabei zu denheutigen Leistungsstärke im ägyptischen bekannten Zwischenfällen im Zamalek-Sport aus? Die Vergangenheit ist Geschich- Stadion. Nach solch einer langen Fussball-te - eine Hypothek, die belasten kann. Zwei pause war die Begeisterung noch grösserKriege haben den Sport und nicht nur den als erwartet. Das Stadion wurde gestürmt.Fuβball - um Jahre zurückgeworfen. 1948 Zu einem Spiel kam es nicht, aber zu einerwurde eine Nationalliga gegründet, aber Katastrophe. über 40 Tote wurden dannnur neunzehnmal konnte sie bis zum Ende später gezählt.durchgespielt werden. Immer wieder kames zu Unterbrechungen. Wir wissen alle, Dies war psychologisch auch nicht geradedaβ gerade in den letzten zehn Jahren die der beste Weg der Vorbereitung, aber esEntwicklung im Leistungssport so sprung- musste weitergehen. Persönliche Schwie-haft gestiegen ist, daβ den Anschluβ zu ver- rigkeiten traten auch mal wieder auf.lieren fast einer Katastrophe gleichkommt. Transportschwierigkeiten, WohnungssucheBeispiele auf vielen Gebieten des Sports in usw., Dinge, die gerade in solch einer Zeitvielen Ländern gibt es dafür genug. die Arbeit nicht gerade erleichtern. Doch Improvisieren, sich den GegebenheitenMich reizte diese Aufgabe. In Spielen mit anpassen, auch wenn es nicht in den vor-Uganda gegen Ägypten konnte ich sehen, gefertigten Plan paβt, sind eben Dinge,welche Kräfte dort zu fördern sind, die die man können muβ, die ich mir auch inauch auf internationalem Leistungsge- den knapp 10 Jahren Afrika gut angeeig-bieten mitreden könnten, aber auch, daβ net habe. Sehr viel kollegiale Unterstüt-durch die schon vorhandenen Vereine eine zung erhielt ich von Dettmar Cramer, dergute Breitenarbeit möglich ist. in seiner Eigenschaft als Trainer der FIFA im gleichen Zeitraum hier Trainerlehrgän-Mit der neuen Mannschaft gegen die alte ge abhielt. Die Pokalspiele selbst hatten kein sehr hohes Niveau, gemessen am in-Meine Ankunft in Kairo fiel fast zusammen ternationalen Standard. Trotz mangelndermit dem Endturnier um den Afrika-Pokal Kondition und mit wenig Wettkampfpraxisder Nationen. Ägypten war als Ausrich- konnten wir gegen Uganda, Zambia, Elfen-ter qualifiziert. Mit Uganda hatte ich - im beinküste und Kongo-Brazzaville gewin-Rahmen meiner letzten Tätigkeit - dieses nen. Gegen Zaire verloren wir dann trotzTurnier nach Siegen über Algerien erreicht. einer 2:0-Fuhrung noch 3:2. Zaire wurdeMein erstes Länderspiel in Kairo hiess, so dann auch Afrikapokalsieger und vertrat jawollte es die Gruppeneinteilung, Ägypten - bekanntlich den afrikanischen Erdteil bei 20
  • 21. der WM 74 in Deutschland. vier Punktspiele ausgetragen werden. Über die Zahl der erhaltenen gelben Karten wer-Da die konditionellen Mängel gerade bei den die Vereine jedes Mal informiert. Einder ägyptischen Mannschaft deutlich ägyptischer Schiedsrichter war auch Leitersichtbar wurden — Wadenkrämpfe, Er- bei der WM 74 im Spiel Deutschland gegenschöpfung, Tempoverlust usw. - , tauchte Australien.die Frage auf, ob der momentane Lei- Auch mit der Trainerausbildung konntestungsstand überhaupt ausreicht für den ich beginnen. Der ägyptische Verband istLeistungssport. Eine Untersuchung ergab in 5 Zonen aufgeteilt: Kairo, Alexandria,dann interessante Resultate. Bei den Spit- Delta, Kanal und Oberägypten. Die Zonenzenkräften des ägyptischen Sports wurde verfügen über eine eigene Verwaltungein Lungenvolumen von ca. 4 Litern festge- und haben ihren Regionalfuβball und diestellt. Da 5,56 Liter heute für die Belastung Spielrunden der Jugendlichen unter sich.im Leistungssport verlangt werden, war es Der Hauptverband, mit Sitz in Kairo, leitetkein Wunder, dass die Spieler den Bela- die Nationalliga, die mit 18 Mannschaftenstungen von Wettkampf und Training nicht über das ganze Land spielt. Da die Lei-gewachsen waren. Drei Freundschafts- stungsstärke nicht so groβ ist wie die Zahlspiele gegen die Eintracht Frankfurt vor der der Vereine, kommt es leider immer wie-WM zeigten noch einmal, daβ die spiele- der zu sehr niveaulosen Spielen. Der echterischen Mittel durchaus genügen, um auch Spitzenspieler braucht sehr oft nur die hal-Profimannschaften vor echte Probleme zu be Kraft, um zu gewinnen. Es fehlt der ste-stellen. Aber leider eben noch nicht für 90 tige Leistungsdruck, das Abverlangen einerMinuten. Nach der WM, die auch hier mit ständigen Höchstleistung, die dann ja erstSpannung verfolgt wurde, begann dann zur Beständigkeit führt. (Im Vergleich dazu:erstmals nach langer Zeit wieder eine unsere Bundesliga heute und die OberligaPunktspielrunde. In den vergangenen 26 damals).Jahren konnte Kairo den Titel der ,,NationalClub“12mal gewinnen, Zamalek 4mal und Guter NachwuchsMehalla, das jetzt im Endspiel um den Afri-kapokal der Vereinsmeister stand, Ismailia Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung,und Arsenal je einmal. Daβ nach den zwei wenn auch langsam, ist nun auch im SportKriegen die Punktspieleinnahmen für die wieder geregeltes Leben eingekehrt. DieVereine sehr wichtig sind, durfte wohl je- Liga läuft, zusätzlich haben wir jetzt in dendem klar sein, denn nach solch langer Zeit einzelnen Zonen Sichtungsspiele gemacht,sieht es auch für den Verband nicht gerade um bei den Jugendlichen unter 18 Jahrenrosig aus. die Talente herauszupicken. Um den lau- fenden Spielbetrieb nicht zu unterbrechen,Viermal gelbe Karte = 15 Tage Sperre flog ich mit einer Nachwuchsmannschaft nach Damaskus. Es war ein Turnier (Kune-Einige Schiedsrichterlehrgänge konnte ich tra-Pokal) mit 11 arabischen Staaten, dieschon durchführen, wobei das Niveau als direkt oder durch finanzielle Unterstützungsehr gut bezeichnet werden kann. Dabei am Krieg gegen Israel teilgenommen hat-wäre besonders zu erwähnen, daβ man ten. Mit drei Siegen und zwei Niederlagenhier vom Verband aus die Regelung ein- brachte die Truppe weit mehr als erwartet.führte, daβ die vierte gelbe Karte automa- Es gab uns weiteres Vertrauen, daβ wir beitisch zu einer Sperre von 15 Tagen führt, dem Nachwuchs auf dem richtigen Wegeegal, ob in dieser Zeit zwei, drei, oder gar sind. 21
  • 22. Bezahlte Amateure meine Aufgabe sein. eine gute Verbindung, ein besseres Verständnis zwischen VereinenDer hiesige Fußball ist auf Amateurbasis und Verband herzustellen. Mein Angebot,aufgebaut. Durch den Verein kann der Spie- auch die Vereine zu unterstützen, wurdeler aber doch „einiges“ Geld machen. Ein nach einigem Zögern überraschend schnellguter Spieler kann durchaus auf 600-800 angenommen. Der Zamalek-Klub, der bisherDM im Monat kommen. Es gibt dabei eine einen Trainer aus der CSSR hatte und sehrStaffelung nach Tabellenplatz, Zuschauer- viele Spieler an die Nationalmannschaftzahl, Wichtigkeit des Spieles usw. Von den abstellt, bat um meine Hilfe, auch Arsenal.Einnahmen gehen 10 % an den Verband Gern bin ich diesem Wunsch, nach Abspra-ab, 5 % an die Zone. Die Eintrittspreise lie- che mit dem Verband, nachgekommen, laggen zwischen 1 DM und 10 DM. All diese doch hier die groβe Chance, endlich einmalBeträge sagen für deutsche Verhältnisse die Rivalität Verein - Verband zu beseitigen.nichts aus. Wenn man aber bedenkt, daβ Ich als Nationaltrainer, sprich Verband, hel- fe euch, dem Verein, ihr müsst aber auch mir, sprich Verband helfen. wenn Spieler für die Na- tionalmannschaft ge- braucht werden. Durch diesen Einsatz kam es dann auch zu einer gu- ten Zusammenarbeit mit den Trainern, die ich ja auch für meine Ver- bandsarbeit brauchte, deren Arbeit letztlich entscheidend war für die Verbreitung meiner Me- thoden. Hoher Besuch: Berti Vogts, Günter Netzer u.A. in Ägypten Gute Trainer werden inein junger Verkehrspolizist knapp 100 DM Ägypten immer willkommen sein. Als Deut-im Monat verdient, ein Arzt am Sportinstitut scher machte ich den Anfang. Mit meineres auf knapp 500 DM bringt, dann lohnt es Hilfe konnte dieser Sport wieder aus dersich schon, in Ägypten bei einem Spitzen- Versenkung auftauchen, dorthin gelangen,klub Fußball zu spielen, um zusätzlich diese wo er schon einmal war, dann aber weiterge-Einnahmen zu haben. Leider führt dies aber führt werden bis zum Erreichen eines Stan-auch dazu, daβ die Vereine kein allzu groβes dards, der es uns erlaubte, auf der internati-lnteresse an der Nationalmannschaft zei- onalen Bühne des Fuβballs mitzureden. Dergen, da der Verband nicht in der Lage ist, Weg wird nicht leicht sein. Es wird Zeit brau-groβe Gelder zu zahlen. Bei richtigem Spiel- chen und natürlich auch Geld. Durch diebetrieb und einem oberen Tabellenplatz sind langen Jahre in Afrika hat man aber eine Artdie Vereine finanziell in einer weit besseren ,,brutales Durchhaltevermögen“ entwickelt,Lage als der Verband. Im Gegensatz zum ohne das es einfach keinen Erfolg gebenanderen Teil Afrikas, wo die Schwierigkeit kann. Die Zukunft lag vor uns und ,,inshalla“im Stammesbewuβtsein lag, würde es hier würden wir auch erfolgreich sein. 22
  • 23. Sonne, Sand, nen deutschen Trainer auch in etwa genau so vor, wie ich damals aussah: blond undSiege und Sport von großer, kräftiger Statur. Einem solchen Wunschbild habe ich perfekt entsprochen!Eine sportliche und politische, lebensnahe So stellte man sich für das eigene LandGeschichte den passenden Fußballtrainer vor. Die mir entgegengebrachten Wünsche konnte ich tagtäglich spüren in einem zwar nicht mit Worten ausgesprochenen, aber trotzdemHaben diese vier „S“, so frage ich mich deutlichen Denken:heute, mehr als alles andere mein Leben „So, jetzt bist Du da und jetzt gewinnen wirbestimmt? Es gab noch weitere lebens- mit Dir die Länderspiele gegen unsere Riva-werte Dinge auf meinem Weg, aber trotz- len, gegen die Länder in der Nachbarschaft!dem sind Sport und Sonne untrennbar mit So war es dann auch im weiteren Verlaufmeinem Leben verbunden, Sand (im Ge- meiner Zeit in Sierra Leone! Und nicht nurtriebe so mancher Maschinerie) hat sicher dort. Zuerst begann es aber mit den unmög-so manches mal die Siege verhindert, nach lichsten Dingen.denen ein Sportler so sehr sich sehnt wieein Wanderer in der Wüste nach dem leben-spendenden Wasser.Zu Anfang möchte ich gleich mit meiner er-sten großen Herausforderung in dem mir bisdahin völlig unbekannten afrikanischen Kon-tinent, nämlich mit dem westafrikanischenLand Sierra Leone beginnen, wo diese vier„S“ mein Leben viele Monate bestimmensollten.Für mich war dort alles richtiggehend neuund mit nichts zu vergleichen, was ich bisdahin erlebt hatte. Ich musste mich heran-tasten an viele ungewohnte Dinge. Als ichin Sierra Leone ankam, begleiteten michSchritt für Schritt die hohen Erwartungendieses Landes in den schon lange erwar-teten zukünftigen Trainer der noch nichtvorhandenen Fußball-Nationalmannschaft.Aber zuerst war ich aus meiner Sicht nurder „Ausländer“. Aber ich war doch ein be-sonderer Ausländer, was ich bei jeder Be- Not macht erfinderisch:gegnung mit Einheimischen spüren konn- Bänke statt Medizinbällete. Ich war jemand, von dem man sich vielerhofft hatte - das habe ich später auch in Über die Platzverhältnisse wollen wir garanderen Ländern immer wieder erlebt und nicht einmal reden. Es gab nämlich auchgespürt: „Jetzt bist Du endlich da, Du deut- keine vernünftigen Bälle; Medizinbälle wa-scher Germane“. Und man stellte sich ei- ren völlig unbekannt. Große Kokosnüsse 23
  • 24. waren der einzig mögliche Ersatz. Es wurde ne bereits vom Premierminister erwartet. InSand hinein gefüllt, damit wir überhaupt einer kurzen Rede wurden wir aufgefordert,Gymnastik machen konnten. Als ich dann diese Führung zu verteidigen und möglichstan hoch offizieller Stelle quengelte, dass wir noch auszubauen. Zugleich versprach ernur einen einzigen Fußball hatten, wurde eine Erhöhung der Siegesprämie für jedenich beim Premierminister Sir Albert Margai Spieler auf 5 oder 8 Mark (genau weiß ichpersönlich vorstellig, der lange Jahre für die das nicht mehr). Wir konnten das 1:0 haltenSierra Leone Peoples Party im Amt gewesen und ganz Sierra Leone feierte uns für die-ist (von 1958 bis 1967) und der während sen historischen Sieg über den Nachbarn.dieser Zeit, kurz bevor ich kam, der erste Zur Beruhigung der wutschnaubenden Libe-Premierminister nach der Selbständigkeit rianer wurde dann aber schon für drei Tagedes Landes geworden war. Vorher war ich später ein neues Spiel ausgemacht. Es waraber auch noch in der deutschen Botschaft, dann ein passender Erfolg für die Diploma-um dort unseren Botschafter zu sprechen - tie, dass dieses Spiel mit Unentschiedenmit dem ich im weiteren Verlauf meiner Tä- ausging.tigkeit einen sehr guten Kontakt hatte. Als In der Gesamtabrechnung waren auf jedenich ihm sagte, dass ich jetzt zum Premiermi- Fall wir erfolgreich. Das brachte mit sich,nister gehen würde, um dort wegen der Bäl- dass mein Ansehen weiter beträchtlich ge-le anzufragen, da meinte der Botschafter: wachsen war. Die Liberianer waren jeden-„So können Sie doch nicht hingehen, so wie falls - das wurde mir berichtet - ausgespro-Sie aussehen, nämlich im Sporthemd und chen neidisch auf den deutschen Trainer imkurzer Hose!“ Nachbarland, und es gab auch gleich denIch machte mir nichts aus diesem Ein- scherzhaft ausgesprochenen, aber dochwand und meine Antwort entsprach mei-ner Einstellung: „Wenn ich jetzt im Anzugmit Schlips komme, dann erkennt der michüberhaupt nicht! Genauso war‘s auch. Sir Al-bert Margai nahm die Sache sofort gut auf,hatte aber doch den Einwand: „Ihr brauchtdoch beim Spiel nur einen einzigen Fuß-ball“. Da hatte er nicht unrecht für‘s Spielselbst; aber natürlich konnte ich ihm klar-machen, was alles da noch zusätzlich sodranhängt mit Ersatzbällen, den Mitteln fürdas Training usw. Danach wurde die Sacheauch sofort ohne Verzögerung klar gemacht,und wir hatten von nun an mehrere Fußbälleund was sonst noch alles dazu gehört.Es kam kurz darauf ein erstes, für Sierra Le-one sehr bedeutendes Spiel gegen das einkleines bißchen größere direkte Nachbar-land Liberia zustande. Auch politisch wasdas mit langer Tradition schon immer soein ziemliches „Hick-Hack“ zwischen beidenLändern. Dieses Spiel gewannen wir knappaber verdient mit 1:0, und bereits nach Endeder ersten Halbzeit wurden wir in der Kabi- Ballgefühl auch ausserhalb des Fussballplatzes 24
  • 25. ernstgemeinten Versuch eines Funktionärs 35 Jahren immer wieder geholfen hat, michvon Liberia, mich abzuwerben sowie mich in die Lage der Leute zu versetzen, die icham besten gleich in das Nachbarland mit- trainierte, die ich brauchte oder mit denenzunehmen. ich auch zusammen lebte. Es ging darum,Nach guten Anfängen in Karlsruhe war ich nicht nur als Ausländer anerkannt zu wer-schon in Deutschland ein begeisterter Ten- den, sondern als Mensch, der sich für die-nisspieler geworden. In der Zwischenzeit jenigen interessiert, die dort leben und mithatte sich das nach ebenfalls in Sierra Leone ihnen auf gleicher Stufe stehen wollte. Undherumgesprochen, was dazu führte, dass der sich nicht nur dafür interessiert, dassich mit dem mir inzwischen sehr gewogenen sie dort leben, sondern wie sie leben undPremier Margai schon bald Tennis spielte. Er was sie erleben.ließ sogar in seinem eigenen Wohnbereich Denn immerhin waren meine Spieler, die ausTennisplätze anlegen. Wir spielten dort lau- dem Urwald kamen, auch Menschen, mit de-fend miteinander Tennis und hatten auch nen ich auskommen wollte. Es gab deshalbdadurch einen sehr stabilen, richtig guten auch Tage, an denen ich bei den SpielernKontakt. Sport verbindet – das ist mir im und deren Familien im Dorf wohnte - unterLaufe meiner Tätigkeiten wieder und wieder nicht immer ganz leichten Bedingungen -aufgefallen – dort wo die reine Diplomatie aber das wurde von den Leuten anerkannt.versagt, haben sich verschwitzte Sports- „Mensch, der interessiert sich doch für uns,männer oft mehr zu sagen. der steht nicht nur da oben drüber!“Gleich zu Anfang, nach wenigen Wochen inSierra Leone, trainierten wir als Vorberei- Es war jedenfalls kein Wunder, dass so austung auf das schon geschilderte Spiel gegen den ursprünglich für Sierra Leone vorgese-Liberia. Nachdem das Training vorbei war henen 6 Monaten, als ich eigentlich wegge-und wir alle ziemlich staubig, dreckig und hen sollte, eine große Staatsaffäre wurde.verschwitzt waren, ging die ganze Mann- Die deutsche Botschaft wurde eingeschaltetschaft zum Duschen. Und ich ging natürlich und auch das Auswärtige Amt in Bonn. Allesmit - was für mich vom Sport in Deutschland wurde getan, damit ich in diesem Land blei-her selbstverständlich war, ohne mir dabei ben sollte. Natürlich ging diese Forderungirgend etwas zu denken. Der deutsche Bot- auch an den DFB mit dem Ergebnis, dassschafter rief mich einige Tage später an und mein Aufenthalt gleich auf ein volles Jahrfragte, ob ich denn schon gesehen hätte, was verlängert wurde. Später kam nach ähn-die lokalen Zeitungen schreiben würden. Ich lichen Forderungen an die gleichen deut-musste ihm sagen: „Nein, was ist denn los?“ schen Stellen noch mal ein weiteres JahrDaraufhin hörte ich von ihm, dass in der Zei- dazu.tung stand, wie sehr die Spieler mehr alsüberrascht waren und dem Reporter gesagt Vorher hatte ich nach dem ersten Jahr inhatten: „Der Trainer ist mit uns zusammen diesem Land Urlaub in Deutschland ge-zum Duschen gegangen!“ Dass dies dort so macht und heiratete in Münster in Westfa-großartig ankam, hatte ich nicht erwartet! len meine mir schon etwas länger bekannteDass ich nämlich als Weißer, als Europäer Freundin Bärbel, die auch Sportlehrerin war.mit den schwarzen Spielern zusammen auf Wir kamen dann gemeinsam nach SierraAugenhöhe stand, brachte mir ungeahnte Leone zurück, hatten dort inzwischen einSympathien ein. Und das war etwas, was ich schönes Haus, nämlich ein altes Kolonial-vielleicht nur gefühlsmäßig gemacht hatte, haus gefunden, das auf Stelzen mit hartemund was mir aber - wenn es zu ähnlichen Ge- Holz erbaut war. Bilder ließen sich übrigensmeinsamkeiten kam - auch in den nächsten in diesem Haus erst aufhängen, nachdem 25
  • 26. man in dem harten Holz unter erheblichen nicht ganz so einfach zu überstehen. In denSchwierigkeiten Löcher gebohrt hatte. Das folgenden Jahren gab es das hier in Sierraharte Holz hatte mit den Termiten zu tun, die Leone wie später ebenfalls in anderen Län-sich wegen der Härte nicht einnisten sollten, dern, wobei ich dann mit den gewonnenendamit das Haus stehenbleiben und nicht zu- Erfahrungen aber bessere Reaktionen zei-sammenbrechen konnte. Das waren alles gen konnte. In Sierra Leone war es für unsneue Erfahrungen, die ich bis dahin noch beide jedenfalls etwas, was wir nicht er-nicht gemacht hatte, weil ich mich damit im wartet hatten. Es kriselte zu dieser Zeit imvorherigen Junggesellenleben überhaupt etwas weiter entfernten Ghana im dortigennicht in Berührung gekommen war. Ein-Parteien-System. Unser Premierminister Albert Margai hatte hier das gleiche SystemMeine Frau arbeitete inzwischen auch an auch einzuführen versucht. Die Oppositionden Schulen, führte dort sogar schon sehr war sehr dagegen. Von Regierungsseite ver-früh so etwas Ähnliches wie das Bundes- suchte man nun, mich in solchen Fragensportfest bzw. die Bundesjugendspiele ein. einzuspannen. Aber ich wußte stets, dassDas kam großartig an und wir waren beide als ich mich aus diesen politischen Angelegen-leitende Akteure voll akzeptiert. Man konnte heiten rauszuhalten hatte. In allen meinenauch mit Hilfe Bärbels vieles machen, was Einsätzen habe ich stets eine solche Haltungim Sport weiterhalf und Fortschritte brach- eingenommen und bin gut damit gefahren,te. Die zusätzlichen Aktivitäten von Bärbel dass ich immer gesagt habe: „Ich bin Sport-machten sie sehr schnell genau wie mich ler, neutral und unpolitisch. Ich kümmereweiter populär und sie trugen alle zur Fuß- mich deshalb auch nicht um die Politik inball- sowie Sportbegeisterung mit bei. Deutschland und genau so wenig um Eure Politik oder um die der Nachbarländer. IchJetzt möchte ich aber noch auf den Anfang verkaufe stattdessen nur Fußball“. Auf die-meiner Zeit dort in Freetown, der Haupt- ser Basis konnte ich mich mit der Oppositionstadt von Sierra Leone zurückkommen. Als wie mit der Regierung immer gut verstehen,ich dort nämlich ankam, erfuhr ich schon weil ich genau wußte: Wenn etwas passiert,relativ bald, dass der zuständige Sportmini- dann kann es nur von der Opposition, derster überall voll Stolz erzählen würde: „Ich Polizei oder der Armee kommen. Deshalbwar es, der den Burkhard von Deutschland habe ich in den meisten der Länder, in de-in Frankfurt beim dortigen Fußballbund für nen ich war, auch die Mannschaften der Po-unser Land gekapert und nach hierher ge- lizei wie der Armee mit trainiert, denn es warholt habe. Von diesem Sportminister wurde mir klar, dass wenn einmal eine Revolutionich wenig später ebenfalls allen anderen kommen sollte, dass ich auch dort HelferKabinettmitgliedern vorgestellt, was mir haben würde. In solche politischen Ausei-und danach auch Bärbel viel Unterstützung nandersetzungen wollten nämlich wederdurch alle diese Amtspersonen gebracht meine Frau noch ich als frisch gebackenerhat. Als wir übrigens nach unserer Heirat Ehemann verwickelt werden.in Deutschland gemeinsam dort ankamen,wurde sogar eine Parlamentssitzung unter- Und so war‘s dann auch mit dem Nicht-ver-brochen mit der Ankündigung: „Soeben ist wickelt-werden. Kurz nach der gerade be-unser deutscher Trainer wieder gelandet!“ gonnenen Regenzeit hatte ich noch mit der Mannschaft der Armee trainiert. Nach demNun aber zu der Überraschung in diesem Training saßen wir in Freetown im Offiziers-afrikanischen Land. Was in solchen Län- kasino zusammen, als der Colonel Johnsondern nämlich auch passiert, ist manchmal zu mir auf einmal sagte: „Coach, morgen trai- 26
  • 27. nieren wir nicht.“ Ich habe ihm als Germane so ähnlich passiert, dass ich schon etwasnatürlich sofort geantwortet: „Moment mal, wußte, was auf der deutschen Botschafthier wir trotz des Regens trainiert!“ Nach nicht bekannt war. Der Kanzler der deut-einer Pause sagte er wieder: „Du, morgen schen Botschaft in Freetown, den ich danntrainieren wir nicht!“ Ich bin dann sofort auf auch noch ansprach, es war ein Herr Süßdie Palme gegangen und habe geantwor- aus Darmstadt, reagierte aber als Manntet: „Horch mal her, Ihr seid hier geboren, mit langjähriger Erfahrung ganz anders.ich komme hierher, der Regen ist warm und „Komm, Burkhard, zu uns ins Haus, ich binnicht wie der Schnee- und Eisregen bei uns bewaffnet, wir können uns 14 Tage halten.“in Deutschland, und da wird hier doch wei- Ich erzählte ihm gleich, dass ich das sichertergemacht!“ Aber ich hatte nach dieser nicht brauchen würde wegen der mir ver-mehrfachen Wiederholung des Hinweises, sprochenen Wachposten. Und als es dun-dass morgen nicht trainiert würde, schon kel wurde, waren diese Posten tatsächlichdas Gefühl, irgendetwas dürfte nicht stim- da. Allerdings hatten sie Karabiner, die ichmen. Und dann sagte er mir, so dass es an- schon mal im Museum gesehen hatte unddere nicht hören konnten: „Morgen ist ‚ne die wahrscheinlich noch aus dem erstenRevolution! Aber Coach, Du brauchst keine Weltkrieg stammten.Angst zu haben. Wir schicken Dir morgenoben auf den Berg, wo Dein Haus steht, zwei Nachts rappelte es jedenfalls in FreetownSoldaten, die bewaffnet sind. Dir passiert kräftig. Es gab allerhand Tote, aber zweijedenfalls nichts. Aber wenn Du jetzt nach Tage später war der Spuk vorbei und allesHause fährst, dann sag Deiner Frau, sie soll wieder in Ordnung. Mich rief dann aber dernoch schnell etwas zu essen und trinken Botschafter an und bat mich, in die Bot-einkaufen, denn man weiß nicht, wie lange schaft zu kommen. Er sagte: „Ich muss Sieso etwas dauert.“ unbedingt sprechen.“ Als ich bei ihm war, meinte er, es könne mit der Revolution dochIch bin dann gleich zu Bärbel, die meinte aber noch weiter gehen, und es ginge ihm darum,nur, dass ich spinnen würde oder dass man dass man meine Frau und mich sofort aus-beim Training einen Scherz mit mir gemacht fliegen sollte über Dakar nach Deutschland.habe. Als ich ihr dann aber die Geschichte Ich fragte ihn gleich: „Was ist denn dafür dergenauer erzählte, sind wir sofort doch noch Grund?“ Seine Antwort war: „Stellen Sie sichtüchtig einkaufen gegangen. Zugleich hielt mal vor. Sie haben doch mit dem vorherigenich es für meine Pflicht, den Botschafter, zu Premierminister Tennis gespielt und hattendem ich genau wie in den anderen Ländern zu seinem Kabinett sehr gute Verbindungen,später zu den deutschen Botschaften einen was Ihnen jetzt, wenn die Opposition ansguten Kontakt hatte, über die bevorstehen- Ruder kommt, angekreidet werden kann!“de Revolution zu unterrichten. Ich rief ihn an Ich meinte dazu aber nur: „Kennen Sie dennund sagte ihm: „Herr Botschafter, Sie sollten schon den dann vielleicht möglichen neuensich darauf einstellen, dass heute Nacht Premierminister?“ Er verneinte das, aber icheine Revolution kommt.“ Er meinte darauf- konnte ihm sagen, dass ich ihn bereits ken-hin allerdings: „Ach, Herr Pape, Sie hören ja nen würde. Und dieser Mann dürfte michnicht nur Gras wachsen, Sie hören ja eine genauso akzeptieren, weil er wisse, dass ichganze Wiese wachsen! Wenn so etwas läuft, mich immer klar aus der Politik raushaltendann würden wir das bestimmt als Erste würde. Ebenfalls möchte dieser Mann je-wissen!“ denfalls auch, dass wir Länderspiele gewin- nen. Und dann sagte ich ihm noch: „MichAuch in späteren Zeiten ist das manchmal akzeptiert man hier überall, weil ich inzwi- 27
  • 28. schen schon nicht mehr als Ausländer emp- den dort gab es viel Trauer, aber man ließfunden werde. Man weiß hier, dass mich die es sich nicht nehmen, mich ganz großartigKultur des Landes interessiert und zwar mit zu verabschieden. Mit ihren Tänzen trat nurall ihren Hintergründen, dem hier normalen für uns eine Tanzgruppe auf mit dem NamenFamilienleben, wie und wo die Menschen „Heart Beat of Africa.“ Mein Bruder war ge-wohnen und alle diese Dinge, womit manch rade zu Besuch bei uns, und er nahm an derein Ausländer schon mal Schwierigkeiten Abschiedsparty mit teil. Als ich ihn eingela-hat und nach wenigen Jahren das Land ver- den habe und er dort alles auf Tonband auf-läßt. Das sind nämlich im Gegensatz zu mir nahm und einen Videofilm drehte, musstenLeute, die wenig von den Bewohnern wissen wir allerdings versichern, dass die Darbie-bzw. wissen wollen und nur an das hier zu tungen dort von meinem Bruder nicht kom-verdienende Geld denken.“ merziell ausgewertet würden. Ich habe das alles damals auch auf Tonband aufgenom-Meine Zeit dort in Sierra Leone war jeden- men und freue mich über den Film davon.falls weiter erfolgreich und die Arbeit machte Das Ganze damals war für uns ein wunder-Bärbel und mir viel Spaß. barer Abschied. Was mir deshalb so nah und plastisch in Erinnerung ist, weil es meine er-Aber nach über zwei Jahren insgesamt teilte ste Station im Ausland war, der dann aberman mir mit, dass ich jetzt mit einer Verset- noch viele weitere Stationen folgen sollten.zung zu rechnen hätte. Bei meinen Freun- 28
  • 29. 29
  • 30. Drei Jahrzehnte in Afrika und kannt sind vor allem die indonesischenAsien : 1966 - 1996 Inseln Java, Sumatra, Borneo, das heutigeEinige kurze Einblicke in eine aufregende Kalimantan, und vor allem Bali - die InselTätigkeit voller Überraschungen der Götter.Sierra Leone, Westafrika: Dichter Urwald bis Thailand. Allein der Name erweckt diehinter das Haus. Schlangen im Garten oder verschiedensten Erwartungen: Exotischegar in den Zimmern. Von Palmen umsäumte Tempelbauten und Paläste, mandeläugigeTraumstrände. Diamanten- und Edelstein- Schönheiten mit langem seidigen Haar, Ele-vorkommen. Aber nur 46 Meilen asphal- fanten, tiefer Dschungel, Palmen und son-tierte Straßen. Ein Schwarz-Afrika, wie man nige Strände am Golf von Thailand. Bang-es sich in der Jugend erträumt. kok - weltbekannte Großstadt, die fasziniert,Ostafrika: Das sind Uganda, Kenia, Tansania aber auch eine Zumutung sein kann, imund Sansibar. Ostafrika steht für Buschsa- Widerspruch zwischen asiatischer Traditionvannen mit den größten Tierreservaten der und westlicher Neuzeit.Welt, aber auch für den höchsten Berg Afri-kas, den schneebedeckten Kilimanscharo. Westafrika, Ostafrika, Ägypten, Sri Lanka,Und auch der Victoria See, der zweitgrößte Indonesien und Thailand - nicht um einenSee der Welt, befindet sich in Ostafrika. Vor Reisebericht für die TourismusindustrieTansania, im Indischen Ozean, liegt Sansi- handelt es sich im Nachfolgenden, sondernbar, reich an Gewürznelken und Ausgangs- um die Beschreibung meiner Einsatz- undort vieler Afrika-Expeditionen; die exotische Arbeitsplätze als Fußballehrer in den letztenInsel, die in den 90er Jahren des letzten 30 Jahren, aber auch um die WahlheimatJahrhunderts gegen die in britischem Besitz meiner Familie mit den Geburtsländern un-befindliche Insel Helgoland in der Nordsee serer Kinder.eingetauscht wurde. Ob ich nun nach so vielen Jahren in diesenÄgypten, das Land der Pharaonen, der Sphinx Ländern ein „Afrika- und Asienkenner“ ge-und der Pyramiden. Ein Land mit gewaltigen worden bin, lasse ich dahin gestellt. DabeiWüsten, ein Land aus Sand und Salzseen, bin ich sicher, daß wir Europäer die Menta-ein Land mit einem Jahrhundertbauwerk, lität der Afrikaner und der Asiaten kaum bisdem Suezkanal, der das Mittelmeer mit zur letzten Konsequenz verstehen werden,dem Indischen Ozean verbindet, aber auch ganz gleich, wie lange wir uns in Afrika oderein Land mit modernen Großstädten. Asien aufhalten. Da ich aber als Fußballtrainer in erster Li-Sri Lanka, das ehemalige Ceylon, die Perle nie nur mit Einheimischen, die selten ausdes Indischen Ozeans: Unvorstellbar schöne der jeweiligen Oberschicht stammten, zuStrände und Tauchparadiese, die bis zu den tun hatte, war es mir doch möglich, die Pro-Malediven reichen. Plantagen mit Tee, Ka- bleme, Sorgen und familiären Hintergründekao, Kautschuk und Kokospalmen, die zum der Menschen kennenzulernen. Mit der ZeitTeil auf 2.000 Meter Höhe liegen. entwickelte sich ein Vertrauensverhältnis und Verständnis auf beiden Seiten - die Ba-Indonesien, mit ca. 180 Millionen Einwoh- sis um überhaupt erfolgreich arbeiten zunern eines der bevölkerungsstärksten Län- können. So wird Verständnis und Interesseder der Welt, bestehend aus über 13.000 an uns fremden Mentalitäten und KulturenInseln mit weltweit den meisten Vulkanen, „eingetauscht“ gegen das Vertrauen dervon denen noch sehr viele aktiv sind. Be- Bewohner des Landes gegenüber einem 30
  • 31. „Fremden“. sten „Engpässen“. Über Berlin floh ich zu ei- ner Zeit in den Westen, zu der es die „men-Doch vor weiteren Ausführungen über mei- schenfreundliche“ Mauer noch nicht gab.ne doch sehr lange, schöne, aber auch nichtimmer ungefährliche Tätigkeit an so vielen Für Hannover 96, den VFR Neumünster undunterschiedlichen Orten der Erde, zunächst den FSV Frankfurt spielte ich dann als Ver-einmal ein paar Angaben zu meiner Person: tragsspieler in der Oberliga, der damaligen1932 in Magdeburg geboren, waren die Jah- höchsten Spielklasse (Bundesliga wurdere des Krieges und der Nachkriegszeit sehr erst 1962 eingeführt). Der Leichtathletikeinprägsam. Schon immer sportbegeistert, widmete ich nur noch wenig Zeit, da ichwar ich in Magdeburg ein aktiver und erfolg- mein Ziel verfolgte, an der Sporthochschulereicher Fußballspieler geworden, der bis zur Köln das Examen als Fußballtrainer unterhöchsten Klasse spielte. Aber auch Hand- Hennes Weisweiler zu machen. Dafür benö-ball spielte ich damals in der Stadtauswahl. tigte ich allerdings Geld. Als „der schnellsteIn der Leichtathletik wurde ich in der dama- Rechtsaußen der Oberliga“ konnte ich mirligen DDR Jugendmeister im Fünfkampf und in den Jahren, in denen ich aktiv Fußballzwei Jahre später Juniorenmeister im Zehn- spielte, ein finanzielles Polster schaffen, sokampf. Schon früh war die DDR-Sportförde- daß ich anschließend, im Jahr 1959, in Kölnrung optimal. mein Examen erfolgreich ablegen konnte.Zwar wurde man als großes Talent im Mehr- Danach war ich sieben Jahre lang als einerkampf umhätschelt, aber die Bespitzelung der jüngsten Verbandssportlehrer an derund das ganze System mit den widrigen herrlichen Sportschule Schöneck in Karls-Umständen waren widerlich. Meine Eltern ruhe Durlach auf dem Turmberg tätig. Eineund mein Bruder hatten die DDR schon früh wichtige und lehrreiche Zeit, die mir, wieverlassen bzw. haben, wie man in Magde- ich später feststellen sollte, viel gab, um anburg sagt, „rüber gemacht“. Dann kam der meinen exotischen Einsatzorten erfolgreichVolksaufstand am 17. Juni 1953: Schwerbe- arbeiten zu können.waffnete Stasileute mit Schäferhund verhaf-teten mich wegen Spionageverdachts. In sehr guter Erinnerung blieb mir die Rei- se der Badischen Amateurauswahl im JahrKeiner der sonst so hilfsbereiten Sport- 1962 in die USA. Es war das erste Mal nachfunktionäre machte auch nur einen Finger dem Krieg, daß eine Auswahl eine solchekrumm, um mir zu helfen. Niemand wußte, Reise antrat. In den drei Wochen Aufenthaltwo ich mich befand. GottseiDank konnte wurden viele Spiele durchgeführt und nachmein damaliger Trainer G. Gläser, der mich Verletzung zweier Spieler zog auch ich mei-auch später oft unterstützte, die Mannschaft ne Fußballschuhe an, um die Auswahl auf-davon abhalten, in Spielstreik zu treten, da zufüllen. Wenn ich damals gewußt hätte, anmir dies mehr geschadet denn genützt hät- welchen Orten ich lehren und Fußball spie-te. 10 Tage lebte ich in einer Einzelzelle mit len würde....weiteren sieben Häftlingen im Zuchthaus.Doch über Umwege und mit Hilfe des Sports An der Sportschule Schöneck lernte ich auchwurde ich auf freien Fuß gesetzt. meine spätere Frau und Mutter unserer Kin- der kennen, aber dazu später mehr.Nach dieser Erfahrung hielt mich nichts Zwei wesentliche Dinge (oder Weisheiten)mehr in der sozialistischen Volks-DDR - in gab ich in den Jahren an der Sportschuleder größten „Berg-Republik“ mit den mei- Schöneck den Menschen mit auf den Weg: 31
  • 32. - begeistert muß man sein, um begeistern meine Vorstellungen: Freies Arbeiten nachzu können, meine Entscheidungen, dabei eine Natio-- überzeugt muß man sein, um überzeugen nalmannschaft aufzubauen, im Lande aufzu können. Talentsuche zu gehen und nationale Trainer auszubilden. Allerdings konnte ich mir natür-Damals war mir allerdings nicht bewußt, lich nicht vorstellen, was mich de facto er-daß diese Philosophie in meinem weiteren wartete. Daß das Organisieren von Spielen,Berufs- und Lebensweg ein große Rolle spie- das Massieren der Spieler, die Behandlunglen würde. Heute, nach 30 Jahren an so un- von Verletzungen selbstverständlich erwar-terschiedlichen Plätzen der Welt, blicke ich tete wurde, überraschte mich kaum, Aberauf so viel Ungereimtheiten in dieser Zeit daß das Tanzen, Singen und Klavierspielenzurück und weiß, daß diese zwei Lehrsätze zur Selbstverständlichkeit wurden, hätte ichnotwendig waren und sind, um in meiner zu diesem Zeitpunkt in Deutschland nochexotischen, turbulenten, schönen, interes- nicht gedacht.santen und gefährlichen Tätigkeit Erfolg zuhaben. Aber wie stellte man sich im Jahr 1966 in Westafrika einen deutschen Trainer vor?Nennen wir diese Tätigkeit „sportliche Ent- Was erwartete man von ihm? Ich sollte eswicklungshilfe“. Für diese Form der Entwick- bald erfahren:lungshilfe ist der Kulturhaushalt des Aus-wärtigen Amtes in Bonn zuständig, der DFB Abflug ab Hannover am 01.02.1966 nachsteht als fachlicher Berater zur Seite. Die Frankfurt, das Abenteuer Afrika beginnt.GAWI, die heutige GTZ, ist für die Durchfüh- Von Frankfurt weiter nach Dakar (Senegal)rung der sportlichen Entwicklungshilfe ver- mit Zwischenpause, um eine kleiner Ma-antwortlich. Sepp Herberger, Herbert Wid- schine zu bekommen, die mich weiter nachmayer und viele andere bestärkten mich, Gambia brachte. Nicht so wie heute, mit LTUmein fachliches Können auch im Ausland oder Neckermann in wenigen Stunden mitunter Beweise zu stellen. So habe ich dann komfortablen Abfertigungshallen, nein, derdas Angebot aus Bonn angenommen und Flughafen war noch aus alten Zeiten undbin nach Absprache mit dem DFB (Detmar bestand nur aus einigen Baracken. GetanktCramer war damals mein Freund und Bera- wurde noch von Hand aus Fässern! Weiterter) nach Westafrika gegangen. gehts nach Sierra Leone, Freetown. Der Hin- flug war schon interessant, aber das, wasGeplant war zunächst einmal ein Einsatz nun auf mich einstürmte war neu und fastvon nur 6 Monaten, als Versuch dieser Art unvorstellbar. So, wie man sich Afrika alssportlicher Entwicklungshilfe. Aber schon in kleiner Junge vorstellt: Die Affen, die auf demSierra Leone wurde aus diesen 6 Monaten Wege vom Flughafen zur Stadt zu sehen wa-zwei Jahre. Heute sind es nun, ohne Unter- ren, waren nicht meinetwegen dort, sondernbrechung, 30 Jahre. Ich glaube, daß man sie sausten dort täglich durch die Gegend.sagen kann, daß das AA, die GTZ und ich in- Sie gehörten dort so selbstverständlich hin,zwischen aus dem Versuchsstadium heraus wie später zu meinem Hotel und als „Haus-sind. tiere“ unserem Garten am Haus.In Bonn und beim DFB in Frankfurt ergab Im Parlament, das gerade tagte, wurde einesich eine gute Gelegenheit, meinen künf- Unterbrechung eingelegt und man gab be-tigen Arbeitgeber zu treffen, den Generaldi- kannt, daß der deutschen Fußballtrainerrektor für Sport aus Freetown/Sierra Leone. eingetroffen war. Dies schien ein wichtigesDas Ergebnis der Gespräche entsprach Ereignis zu sein. Ich erfuhr auch bald warum: 32
  • 33. Ein erstes Länderspiel gegen den Erzfeind terten wir ein Sportflugzeug und hieltenLiberia war geplant, frei nach dem Motto den Mann notdürftig am Leben.„Nun haben wir einen deutschen Trainer,nun gewinnen wir auch automatisch“. Der damalige Präsident von Sierra Leone, der erste nach Entlassung des LandesAm nächsten Tag begleitete mich „mein“ Di- in die Selbständigkeit, Sir Albert Margai,rector General für Sport zu allen Ministern, kümmerte sich ebenfalls um den Fußball.um mich vorzustellen, denn schließliche Erst als es mir gelang ihn davon zu über-hatter er es ja geschafft, mich nach Afri- zeugen, daß zum Spiel ein Ball durchauska zu holen. Die Minster waren zufriedne, ausreicht, aber zum Training mehrere Bälledenn ich entsprach voll den Vorstellungen notwendig sind, wurde veranlaßt, eine ent-der Afrikaner: groß, blond, kräftig und mit sprechende Anzahl Bälle zur Verfügung zulauter Stimme, so daß ich beim Training stellen. Fußball als Chefsache. Auch hattekeine Pfeife benötige, scheut weder Sonne Margai das größte Interesse daran, daßoder Hitze noch die Regenmassen in der ich sein Tennisspiel verbesserte, ein Ersu-Regenzeit. Selbst das schwüle Wetter war chen, dem ich gerne entsprach. Überhauptfür den „Germanen“ kein Grund, das Trai- hat mir die Sportart Tennis viel geholfen,ning abzusagen. Verbindungen aufzubauen und Kontakte zu festigen.Eine Verhaltensweise, die von mir we-der bewußt noch mit bestimmter Absicht Aber zurück zum Länderspiel gegen Liberia.durchgeführt wurde, brachte mir gleich zu Nach kaum ausreichender VorbereitungBeginn meiner Arbeit in Westafrika großen - notwendige Medizinbälle wurden durchKredit ein: Als die Spieler nach dem ersten mit Sand gefüllte Kokosnüsse ersetzt - warTraining zu den Duschen gingen, konnten es soweit: das Länderspiel gegen Liberiaes die Spieler nicht fassen, daß ich mich stand vor der Tür, eine Mannschaft, gegenihnen selbstverständlich anschloß und mit die noch nie gewonnen worden war. Dasihnen duschte. Im Jahre 1966 hatte man Haus war ausverkauft, denn man hatteso ein Verhalten von einem Weißen nicht ja den Germanen als Trainer. Zur großenerwartet. Dies und die Tatsache, daß ich Überraschung stand es in der Halbzeit,beim Duschen meine wasserdichte Arm- nach gutem Spiel für uns, immer noch 0 :banduhr am Handgelenk behalten konn- 0. Da kam der Präsident persönlich in diete, machte anschließend die Runde in der Kabine und versprach eine Prämie für denStadt und in den Dörfern des Landes, was Sieg. Und wir gewannen 1 : 0! Der Jubelich allerdings erst später erfuhr. Jedenfalls war groß. Ich war der Größte. Schnell wur-entstand durch das Duschen das Gefühl, de nach diesem Sieg noch ein Spiel für indaß ich zu ihnen und daß sie zu mir ge- zwei Tagen vereinbart, um die Einnahmenhörten. zu verdoppeln. Und wieder gewannen wir.In Sierra Leone kam auch immer wieder zu Nur waren aus diesen zwei Spielen kaum„Einsätzen“, die nun wirklich nicht zu mei- Einnahmen vorhanden. Sie hatten wohlner Trainertätigkeit gehörten. So begleite- „Wege“ gefunden, die sie bislang immerte ich zusammen mit Krankenschwestern gegangen waren. Eine Erkenntnis, die micheinen verletzten Matrosen nach London, seit 30 Jahren, egal wo ich mich befinde,der sich nach einem Freundschaftsspiel immer begleitet hat.gegen „meine“ Mannschaft beim Badenden Halswirbel gebrochen hatte. Nach Dann aber kam für mich der erste großeeinem notwendigen Kehlkopfschnitt char- „Hammer“: Zwei Männer waren zum Tode 33
  • 34. durch den Strang verurteilt worden, da voll war, daß wir nicht ins Stadion fahrensie aus kultischen Motiven Menschen ge- konnten. Also haben wir den Bus an derschlachtet hatten. Einige Wochen vorher Stadionmauer geparkt, sind auf die Küh-hatte der Präsident noch, nachdem alle lerhaube und auf das Dach geklettert undRadios ausgeschaltet waren, in einer Stadt mit einem Sprung ins Stadion gehechtet.im Landesinnern gesagt „It is not nice to Jeder Sprung eines Spielers wurde mit Ju-eat your neighbours“ (es ist nicht gut, seine bel begrüßt. Tosender Beifall entbrannte,Nachbarn zu essen). Doch diesmal sollte als ich, ein Weißer; ebenso auf der Bildflä-erstmals eine öffentliche Hinrichtung statt- che erschien.finden und das, wie nicht anders erwartet,im Fußballstadium. Freudestrahlend über- Bei diesem Spiel erfolgte zum ersten Malbrachte man mir die Nachricht, daß ich als eine live Übertragung im Radio nach SierraZeuge dabei sein sollte. Man bedenke, dies Leone. Der Reporter saß mit seinem Mi-geschah in den Jahren 1966/67. Obwohl krofon auf dem Dach des Rot-Kreuz-Fahr-ich schon von der Sonne gebräunt war, zeugs, um einen besseren Überblick zuwurde ich blaß. Ich fragte die Deutsche haben. Als sich einer unserer Spieler nachBotschaft um Rat. Erst einmal ratlos und einem Tor am Torpfosten verletzte und dergeschockt überlegte man: Die Idee aus- Rot-Kreuz-Wagen losbrauste, flog der Re-zufliegen könnte mißverstanden werden, porter in hohem Bogen vom Dach. Sicher-krank werden wäre ein Alternative. Dann lich wurde die Übertragung unterbrochen.wurde diese Hinrichtung aber nach vielen Mit dieser Aktion kam aber Stimmung imProtesten aus aller Welt zum Glück nicht Stadium auf. Als ich mich umsah, stellte ichöffentlich durchgeführt, sondern unter fest, daß ich der einzige Weiße war. Mutigstrengen Sicherheitsmaßnahmen im Ge- hielt ich die Stellung auf der Trainerbank.fängnis, wo ich nicht „gebraucht“ wurde. Nach der Halbzeit wurde es immer dunk- ler. Flutlicht gab es damals noch nicht.Hatte ich bislang nur am Rande mitbe- Liberia schoß ein Tor: 1 : 1. Es war inzwi-kommen, wie wichtig der Medizinmann in schen so dunkel, daß man die SchwarzenAfrika ist, sollte ich dies nun bald selbst nicht mehr sehen konnte. Bei einem Frei-erfahren. Der Medizinmann macht „Ju Ju“, stoß nahm mein Spielführer den Ball in died.h. er zaubert und verzaubert. Bei dem Hand und versuchte dem SchiedsrichterRückspiel in Monrovia, Liberia, erlebte ich klar zu machen, daß man wegen der Dun-erstmals die Angst sowohl meiner Spieler kelheit nicht mehr spielen könne. Dies warals auch der liberianischen Spieler: Kein seine letzte Handlung, denn dann brachSpieler und auch kein Offizieller hatten in ein Tumult aus. Ich suchte sofort Schutz imdem Hotel, in dem wir abgestiegen waren, Bus. Nachdem sich die Spieler ausgetobtetwas gegessen oder getrunken. Auf mei- hatten, suchte auch meine Mannschaftne Frage hin, warum denn nicht, erhielt Schutz im Bus, der versuchte, Land zu ge-ich die Antwort, daß die Gefahr bestünde, winnen. Steine flogen gegen den Bus unddaß alles verzaubert sei. Au weiha. Somit er wurde von den Liberianern ziemlich de-wurde schnell ein Auto gemietet und in moliert, während wir auf dem Busbodenunterschiedlichen Geschäften Essen und lagen. Ich als Neuling dachte, daß nunTrinken eingekauft, das auf den Zimmern sämtliche politischen Beziehungen ab-gemampft wurde. „Das fängt ja gut an“, gebrochen würden, aber weit gefehlt. Wirdachte ich mir. duschten, gingen zum Festbankett und al-Am nächsten Tag fand das Rückspiel statt, les war vergessen. Wir tanzten, etwas daswieder im ausverkauften Stadion, das so die Afrikaner wirklich können, und alles 34
  • 35. war wieder in Butter. ein Heiratsantrag auf Tonband - direktInnerhalb weniger Stunden erlebte ich auf aus dem afrikanischen Busch - auch einediese Art die Schwankung zwischen „To- nicht gerade alltägliche Angelegenheit sei.desangst“ und größter Freude. Ob wir Euro- Gedacht, getan. Ich schickte den Heirats-päer solche Vorkommnisse zu dramatisch antrag auf Band per Kurier nach Deutsch-sehen? Jedenfalls war auch der Deutschen land und wurde erhört. Ich flog sofort nachWelle dieses Länderspiel mit all seinen Be- Deutschland, bekam den Segen der Eltern,gleiterscheinungen eine Reportage wert. es wurde geheiratet, kurz geflittert und schon ging es zu zweit zurück nach SierraNun war schon bald mein erstes Jahr in Leone.Afrika vergangen, das ich staunend undhin- und hergerissen von all den neuen Als Sportlehrerin in Afrika, blond undEindrücken erlebte. hübsch, war sie bald so beliebt und be- kannt wie ich als Trainer. Bärbel unter-Dann folgte ein wichtiger Schritt in meinem richtete die Frauen, während ich mich umLeben - oder auch ein wichtiges Tonband, die Kicker kümmerte. Sie führte eine Artdas meinen, unseren Lebensweg be- Bundesjugendspiele an den Schulen einstimmte. und durch sie wurde der SportunterrichtLeider gibt es sehr viele Beispiele für Ent- für die Schüler zu einem bisher nicht ge-wicklungshelfer, die für viele Jahre allein kannten Erlebnis. Welche Anstrengungenim Ausland tätig waren und durch Heim- Bärbel dabei auf sich nahm, kann kaumweh, Alkohol und sexuelle Exzesse in kur- beschrieben werden, aber sie hatte Erfolg.zer Zeit zum Wrack wurden. Dies hatte ichnicht vor. Ich wollte eigentlich eine ganz Der Spaß an der Arbeit und an den gemein-„normale“ Familie gründen, aber wie? samen Hobbies, wie Tennis spielen oderNoch vor meinem Umzug nach Sierra Le- das Landesinnere auch unter schwierigenone hatte man sich ach Abschluß eines Umständen zu erkunden, waren immerAusbildungslehrganges an der Sportschu- wieder Dinge, die uns in der Welt voller Un-le Schöneck zum Feiern bei mir auf Schö- gereimtheiten und auch Ängsten zusam-neck getroffen. Und da begegnete SIE mir: menbrachten. Gemeinsam verjagten wireine intelligente, sehr hübsche, blonde abends mit einer Schrotflinte die Affen, dieWestfälin. Sie war selbst Sportlehrerin und um unser dicht am Urwald liegenden Hausbildete Schülerinnen an der Sportschule herumtobten, beruhigten den Hausboy, derSteinbach, nicht weit von Karlsruhe, aus. aufschrie, weil sich unter dem BügelbrettWir lernten uns nur kurz kennen, denn lei- eine Schlange bewegte und staunten überder ging dann aber alles sehr schnell mit die Wolken, die in der Regenzeit auf dermeinem Einsatz in Sierra Leone, der ein einen Seite ins Haus kamen und auf derkaum abzusehender Schritt in eine damals anderen Seite das Haus wieder verließen.noch unbekannte Zukunft war. Schon nach Wir krabbelten nachts unter unser großeskurzer Zeit in Sierra Leone sagte ich mir, Moskitonetz um morgens festzustellen,daß es ein Fehler gewesen war, SIE nicht daß die Schuhe, die wir aus Versehen nichtdirekt gefragt zu haben, ob sie mich heira- in den Schrank mit der starken Glühbirneten und nach Afrika begleiten würde, aber zum Trocknen gestellt hatten, voller Schim-.... Chance verpaßt. mel waren.Da ich meine Erlebnisse in Sierra Leoneauf Tonband sprach und nach Hause Einmal bekamen wir einen großen Schreck,schickte, dachte ich mir irgendwann, daß als ich nachts beim Umkleiden, nachdem 35
  • 36. wir von einer Party zurückgekommen wa- glaubte mir sofort und lud uns zu sich inren, im Spiegel sah, wie eine schwarze die Residenz ein. Ein Woche könnten wirHand nach unserem Radio griff. Ich, split- uns dort gut „halten“. Dies war aber dannternackt, konnte es kaum fassen, sagte nicht notwendig, da wir von den Mannennichts, sondern schnappte mir nur einen der Armee beschützt wurden. In der Nachtgroßen Stock und jagte nackt hinter dem war „Stimmung in der Bauernschänke“ undAfrikaner her, der nach unten auf die Stra- morgens hatten wir eine neue Regierung.ße sauste. Ich hatte ihn fast erreicht, damachte er einen Satz in den Urwald und Der Botschafter meinte nun, man müßteich stand nackt davor. Der Fahrer eines mich wegen meiner sehr guten Bezie-gerade vorbeifahrenden Autos hat wohl hungen zu dem nun in Haft sitzenden,auch im Scheinwerferlicht gedacht, daß ehemaligen Präsidenten ausfliegen. Als icher träumt: Steht da mitten in der Nacht ein fragte, ob man denn in der Botschaft denweißer nackter Mann mit einem Prügel auf neuen Präsidenten kennen würde, undder Straße! Schnell bin ich zurück ins Haus dies mit nein beantwortet wurde, konntegelaufen, habe die Tür verrammelt und Mü- ich beruhigend erklären, daß ich den neu-ckennetz zugezogen und habe mit Bärbel en Präsidenten schon kennen würde undeinen neuen aufregenden Tag erwartet. er mir aufgrund meiner Trainertätigkeit recht zugetan sei. So laufen die Uhren inEin anderes Mal waren meine guten Ver- solchen Ländern manchmal anders. Undbindungen zur Armee und Polizei von gro- als Trainer öffnet man Türen, von denenßer Hilfe. Insbesondere in Schwarzafrika andere nicht einmal die Klinke kennen.kommen Leistungssportler nämlich über-wiegend aus diesen Institutionen. Und aus Eine nette Episode erlebte ich mit „Ju Ju“,diesen Quellen erfährt man so manches ... dem Zauberer. Ich hatte eine sehr großeNach einem Training bei der Armee wurde Schienbeinverletzung, eine große Schraub-mir bei einem Drink danach mitgeteilt, daß stollenwunde, die nicht heilen wollte. Allesdas Training am nächsten Tag ausfallen wurde versucht, aber immer wieder brachwürde. Da ich zu der Zeit noch unwissend die Narbe auf - eine nicht gerade ungefähr-war, bezog ich dies auf die Regenzeit und liche Verletzung bei den nicht sauberenwollte das Training doch durchführen. Bis Böden. Sollte ich nach Deutschland fliegenman mir klar machte, daß in der folgenden und mich dort behandeln lassen? Nein,Nacht eine Revolution stattfinden, mir und zunächst wollte ich noch etwas auspro-meiner Frau aber nichts passieren würde. bieren: mit einem Deutschen, der schonNur einkaufen gehen sollten wir zur Sicher- lange im Land lebte und auch die Spracheheit noch! Zu Hause angekommen, ging beherrschte, fuhr ich eines Tages zu einemBärbel direkt los, um noch notwendige Medizinmann in den Urwald. Mir war zwarDinge einzukaufen. Doch was war in solch etwas mulmig, aber neugierig war ich auch.einer Situation notwendig? Der Medizinmann machte Feuer, mischte Blätter, Kräuter und alles mögliche inAuf jeden Fall hielt ich es für notwendig, einem Topf zu einem Brei zusammen, derunseren Botschafter über meine Erkennt- auf mein Schienbein aufgetragen wurde.nisse zu informieren. Dieser fragte er- Anschließend wurde ich notdürftig verbun-staunt, wieso ich von der Revolution wüßte, den. Schon wenige Tage später stellte sichwenn die Botschaft nicht informiert sei? Erfolg ein! Die Wunde verheilte vollkom-Kein Kommentar meinerseits. Der Kanz- men und dies bis heute. Hoch lebe der Juler der Botschaft, ein alter Afrikakämpfer, Ju im afrikanischen Busch. 36
  • 37. Eine ähnliche Situation erlebte ich später früheren Kolonialherren im Land hinter-auch in Asien. Geschehnisse, die ich gerne lassen haben. Um so freundlicher undmit Medizinern zu Hause diskutiere. offener reagierten die Menschen, da wir keine Klassen¬unterschiede machte, ver-Der Bedeutung des Sports und vor allem schwitzte Spieler im eigenen Auto mitnah-des Fußballs wurde ich mir so richtig be- men oder zum Kaffee bei uns zu Hausewußt, als wir ein Länderspiel in Ibadan, Ni- einluden. Aber auch der Kontakt zu dengeria, machten, während der Biafra Krieg höchsten Regierungsstellen war - wie über-in vollem Gange war. Ich wunderte mich, all - unerläßlich, wenn die Arbeit als Fuß-wieso die Regierung unter diesen Um- balltrainer dauerhaft Früchte tragen sollte.ständen Geld und Zeit für ein Länderspiel Zwei Jahre Westafrika bedeuteten nebenhatte. Auf einem Festbankett erklärte mir den enormen Erfahrungen und Bereiche-dann ein Minister diesbezüglich, daß die rungen - kultureller, menschlicher undWelt eher an einem guten Abschneiden fachlicher Art - auch echte Pionierarbeitder Nationalmannschaft bei einer großen und Improvisation in Reinkultur. Oft warinternationalen Veranstaltung, bei Olym- meine Frau die einzige Ansprechpartnerinpischen Spielen oder einer Weltmeister- in fachlichen Fragen - wie gut daß sie auchschaft interessiert sei, als an einem Krieg. Sportlehrerin ist.Die Regierung wollte also durch das Län-derspiel politische Vorteile erzielen und in- Trotz aller Anstrengungen, mich in Westafri-ternationales Interesse wecken! ka zu halten, hieß es für die Familie, zu pa- cken, um nach Ostafrika zu ziehen. SelbstNach zwei Jahren Westafrika standen un- die Zeitungen schrieben, daß das Landsere letzten zwei Länderspiel bevor. Noch bzw. die Mannschaft ohne „Paep“, wie ichimmer wurde ich nach der Spielbespre- in Schwarzafrika genannt wurde, den Stan-chung mit der Mannschaft kurz fortge- dard nicht halten könne und es besser sei,schickt, so daß der Ju Ju Mann, der Zau- mich ein weiteres Jahr zu engagieren.berer, die notwendigen Verzauberungenan der Mannschaft vornehmen konnte. Echt afrikanisch war auch die Reise vonNach ca. einer halben Stunde erschienen West nach Ostafrika, nach Uganda, unsererdie Spieler meist völlig gelöst, entspannt neuen Heimat: Bei der Zwischenlandung inund guten Mutes. Trotzdem verloren wir Lagos bot sich uns wieder ein gewohntesdas Hinspiel in Guinea. Das Rückspiel in Bild: Soldaten mit Maschinenpistolen, dieFreetown gewannen wir dann. Bei diesem allerdings diesmal nicht gegen uns gerich-letzten Länderspiel durfte ich - als größter tet waren.Vertrauensbeweis der Mannschaft aberauch des Ju Ju Mannes - bei den kultisch- In Uganda waren die Anfangsvorausset-heiligen Handlungen anwesend sein. Ich zungen professioneller, als in Sierra Le-war tief beeindruckt und gerührt, daß ich one: es gab eine oberste Sportbehörde,tatsächlich „einer der ihren“ geworden eine große Sporthalle für 2.500 Zuschau-war. er, herrliche Rasenflächen und vor allem einen geregelten Spielbetrieb in den Re-Während der zwei Jahre in Westafrika gionen. Sogar einen Nationaltrainer hattehaben meine Frau und ich viele Safa- man etabliert. Allerdings gab es damalsris unternommen, zu Geburtsorten der nur wenige ausgebildete Trainer in Ugan-Spieler oder zu Länderspielen. Immer da, so daß ich mich zunächst um die Trai-wieder war spürbar, welche Wunden die nerausbildung kümmerte. Wir veranstal- 37
  • 38. teten viele Lehrgänge, bei denen wir die Wer, bzw. welches Land ist das größte inFußballtalente entdeckten. Ostafrika? Nun, beim Fußball wurden wir die Größten. In meiner sechsjährigen Tä-Nach kurzer Zeit bat man mich, auch die tigkeit in Uganda gewannen wir viermalNationalmannschaft zu übernehmen. Der den Pokal, einmal wurden wir Zweiter undehemalige Nationaltrainer wurde mein einmal wurden die Spiele aus Kriegsgrün-Assistent und so entstand eine sehr gute den nicht ausgetragen. Zweimal gewannenafrikanische-deutsche Zusammenarbeit. wir auch den Pokal mit den Junioren, einAls wir auch eine Jugendnationalmann- stolzer Rekord!schaft aufgebaut hatten, übernahm meinAssistent deren Training und der ehema- Selbstverständlich war das Training denlige Spielführer der Nationalmannschaft Landesverhältnissen angepaßt. Da diewurde mein Assistent. Er ging später sogar Turnierspiele in der heißesten Trockenzeitzur Fußballtrainer-Ausbildung nach Köln! stattfanden, wurde das Training ebensoDie Einführung einer Nationalliga förderte in der heißen Zeit durchgeführt, Meinedie Spielerfolge deutlich. Spieler und ich schwitzen, aber die Mann- schaft dachte sich, daß der „Germane“Eine große Hilfe bei meiner Arbeit war auch schon wisse, was er tut. In der Tat wirktenin Uganda die Armee, die zusammen mit die anderen Mannschaften während desder Polizei auch in Uganda fast alle Spit- Turniers in der glühenden Sonne eher wiezensportler stellt. Idi Amin, der damalige ausgequetschte Zitronen.Oberbefehlshaber der Armee und selbstaktiver Sportler, hatte ein offenes Ohr für Nach unserem ersten Sieg in Tansaniaalle meine Wünsche, die den Sport be- schickte uns der damalige Präsident Dr.trafen. Jedes Länderspiel wurde von Idi Obote eine Militärmaschine, die uns abhol-Amin live im Stadion miterlebt, er stellte te. In Kampala war dann unser der Empfangdie Quartiere für die Mannschaft und auch eines Königs würdig. Voller Begeisterungnotwendige Lastwagen für Transporte zur feierte das Volk unseren Erfolg. Es kam so-Verfügung. gar zu so skurilen Situationen, daß mir ein Stammeshäuptling seine Tochter schen-Mit Sicherheit war ich für ihn auch der ken wollte. Aber was würden meine Frau„echte“ Deutsche, der ihm sogar sagen und meine Schwiegereltern dazu sagen?konnte, daß er einige Pfunde zu viel auf den Statt dessen nahmen meine Frau und ichRippen hatte. Willig lies er sich sogar ein dankbar das Angebot Dr. Obotes an, unserFitness-Programm verordnen und suchte erstes erspartes Auto, eine Mercedes, zoll-um Rat in sportlichen Fragen. Idi Amin frei einzuführen. „ES HAT SICH GELOHNT“gab aber damals auch manch wertvollen hieß es überschwenglich in den ZeitungenHinweis, wie ich die Afrikaner behandeln Ugandas, dabei spielten sie auf das hartesollte, so daß sich eine Art „Freundschaft“ Training an. „Durch unseren Trainer „Paep“entwickelte, als es noch nicht abzusehen gelangten wir plötzlich in die Sonne eineswar, welche unschöne Rolle er in seinem bis dahin nie erlebten Triumphes über un-Land noch spielen sollte. sere erhabenen Nachbarn“...Die jährliche Teilnahme an dem Ostafrika- Auch meine Frau wurde wieder schnell be-turnier war für Uganda schon immer ein ruflich erfolgreich, da sie an einer privatengroßes Ziel gewesen. Dabei hatte natürlich Sportschule neben Kinderschwimmen undneben den sportlichen Interessen auch po- Hausfrauengymnastik auch Handballtrai-litische Interessen eine große Bedeutung. ning gab. 38
  • 39. Nach unserem zweiten Sieg im Ostafri- für die mögliche Weiterentwicklung beiderkapokal stand ein weiteres, bedeutungs- Mannschaften“ und so mobilisierten wirvolles Ereignis bevor: Eine Reise nach alle verfügbaren Kräfte. Durch die Unter-Deutschland im Jahr 1970! Schon länger stützung unseres Botschafters, Herrn Eick,hatte in Uganda der Wunsch bestanden, wurde uns ein Zuschuß aus Bundesmittelneinmal nach Europa zu reisen. Ich unter- bewilligt. Wir führten Verhandlungen mitstützte dieses Anliegen, da es an der Zeit Fluggesellschaften, feilschten mit Schnei-war, außer-afrikanische Erfahrungen zu dern und organisierten Geschenke, diemachen und somit der fußballerischen billig aber/und typisch afrikanisch sein„Inzucht“ mit immer denselben Gegnern sollten. Es wurden Fußballspiele (National-entgegen zu wirken. Da die Deutsche spieler gegen Trainer) organisierten, derenFußballnational¬mannschaft anläßlich der Einnahmen für die Reise verwendet wer-Olympischen Spiele 1972 in München auch den sollten.einen Vertreter Schwarzafrikas erwartete,war der DFB ebenfalls an einem Leistungs- Der Aufruf zu privaten Spenden brachtevergleich interessiert. Daher übernahm die riesige Überraschung: Auf einem vonder DFB alle notwendigen Vorbereitungen der Armee organisierten Festbankett standin Deutschland. Noch nie hatte vorher selbst der einfachste Afrikaner mit nied-eine schwarzafrikanische Fußballnational- rigem Lohn auf und spendete zwischen 50mannschaft in Deutschland gespielt! Pfennige und 10 DM. Jeder Spieler gab von seinem Taschengeld 50 DM in die Kasse.Flugkosten, Kosten für die Kleidung der Unser Botschafter, Ehrengast des Ban-Spieler und die Kosten für die Vorbereitung ketts, mischte sich tanzend unters Volkin Uganda sollten von ugandischer Seite und begeisterte die Afrikaner zu weiterenübernommen werden. Im März / April 1970 Spenden. Mit diesem Geld, durch das Ent-war alles klar: Ein dreiwöchiger Aufenthalt gegenkommen der Fluggesellschaften undin Deutschland mit sechs Spielen war ab- durch den Bundeszuschuß war unseregesprochene Sache. Die Vorbereitungen Reise dann doch gesichert. Als Gastge-in Uganda liefen auf Hochtouren und die schenke verfügten wir über Zebra- und An-Zeitungen berichteten begeistert von den tilopenfelle, Masken und Schlangenhäute,Orten, in denen wir spielen sollten. die bei der Überreichung in Deutschland großen Anklang fanden.Um die Kosten zu decken, schrieb ich,nein, schrieb meine Frau ca. 30 Briefe an Endlich unterwegs, war eine Riesenstim-Firmen, die wir um Spenden für die Flug- mung an Bord der Maschine. Noch nie wartickets und um Kleidungsgeld baten. Alle schließlich ein Ugander in Europa gewe-Firmen gaben ohne Zögern ihre Zusage. sen. So wie es mir 1966 in Sierra LeoneAber dann kam der 1. Mai und Dr. Obote ergangen war, so war es nun für meineverstaatlichte unerwartet am Tag der Arbeit Mannschaft: Alles war neu. Ankunft amalle Unternehmen. Aus mit den Spenden! Flughafen Frankfurt, dort Empfang durchAbsage der Reise, obwohl in Deutschland den DFB, die Autobahnfahrt nach Nürn-schon alles vorbereitet war. Wie Schade. berg zur Einkleidung durch adidas. MeineDie Niedergeschlagenheit der Afrikaner Spieler hatten strahlende Augen bei derund deren geheim gehegte Hoffnung, daß Einkleidung! Mit einem herrlichen Zebrafellder Pape bzw. die Papes das schon irgend- bedankten wir uns bei Frau Käthe Dasslerwie machen würden, stachelten meine Frau (adidas).und mich an. „Wir benötigen diese Reise 39
  • 40. Das erste Spiel, wie immer sehr wichtig bei Spieler auf dem Feld persönlich begrüßte.Reisen ins Ausland, war gegen den dama- Als Überraschung wurde jedem Spieler einligen Länderpokalsieger Bayern München Trainingsanzug überreicht.geplant. Hatten meine Spieler durch ihr Der DFB verabschiedete uns mit demfröhliches und diszipliniertes Auftreten Wunsch eines Wiedersehens im Jahr 1972.viele Sympathien gewonnen und für ihr Aber daraus wurde leider nichts, da wir dieLand geworben, erreichten sie durch ihre Qualifikation beim Elf-Meter-Schießen imhervorragende Spielweise und durch den Sudan nicht schafften.Sieg gegen Bayern noch viel mehr. (Damals, Das Reiseprogramm wurde durch Fahrten1979 wußte kaum jemand in Deutschland, zum Titisee, zum Feldberg, durch den Be-wo Uganda überhaupt liegt und ob ein Afri- such der Opel-Werke und Besichtigung derkaner nicht „abfärbt“) Den Spielern, den Hutschenreuther Porzellanfabrik abgerun-Begleitern und mir fiel ein Stein vom Her- det. Von München aus ging es dann, mitzen und auch die Resonanz der deutschen 59 statt 25 Gepäckstücken bewaffnet, zu-Presse war überaus positiv. Überall wollte rück nach „Hause“, wo wir stürmisch gefei-man die „schwarzen Perlen“, wie die Spie- ert und empfangen wurden.ler zärtlich genannt wurden, beim Trainingerleben. Auch in Uganda wurden wir Zeuge einer Re- volution: „Mein“ General wurde PräsidentNach einem sehr guten Spiel gegen den des Landes, obwohl er dies zunächst nichtdamals starken Gegner Bayern Hof mit wollte. Nichts änderte sich an meiner Ar-einem Ergebnis von 1 : 1, wartete man beit, bis auf die Bewachung und die Kriegs-nun mit Spannung auf die Bewährungspro- verhältnisse. Allerdings wurde die Bezie-be gegen die deutsche Amateurnational- hung zwischen Idi Amin und mir intensiver,mannschaft, die durch sieben Mitglieder da er, nun Präsident, mich aufforderte, mitder Bundesliga verstärkt wurde. Auch Ulli allen Problemen direkt zu ihm zu kommen,Hoeness aus München war mit dabei und er sei immer für mich da. Unter diesenJupp Derwall, ein guter Freund von mir, war Umständen war es nicht verwunderlich,der Trainer. daß ich bald der bekannteste Mann der in Uganda lebenden Ausländer war. LeiderBamberg war unser nächster Spielort. Die wurden mir wegen meiner guten Kontaktbeiden Nationalhymnen wurden gespie- zu Idi Amin auch Vorwürfe gemacht, aberlt, der Botschafter Ugandas begrüßte die die Menschen in Deutschland hatten gutMannschaften und schon erfolgte der An- reden. Sie waren in Sicherheit, ich arbei-stoß zum Länderspiel Uganda : Deutsch- tete und lebte mit meiner Frau und späterland. Bis zur 88. Minute verlief das Spiel meinem Sohn in Uganda! Eine Zeitung insehr ausgeglichen, aber da fiel das 2:1 Deutschland berichtete sogar, daß dergegen Uganda. So ein Pech. Bei einem ab- beste Freund von Idi Amin der deutscheschließenden Fest lobte man die Leistung Modellathlet B. Pape sei. Dabei wurdeder Afrikaner und ihre Spielweise, war aber Amin bei einem Staatsbesuch in Deutsch-auf deutscher Seite auch froh über einen land vom Bundespräsidenten empfangen,Leistungsvergleich im Hinblick auf die Minister Willy Brand schüttelte ihm dieOlympischen Spiele 1972. Dem klaren Sieg Hand und der Bürgermeister von Hamburgmit 3:0 gegen eine Süd-Baden-Auswahl machte mit ihm eine Hafenrundfahrt.wurde noch mehr Bedeutung beigemes- Als in Kampala unser Sohn Timo geborensen, da der damalige Entwicklungshilfe-Mi- wurde, tat Idi Amin Dada so, als wäre ernister, Herr Eppler, Ehrengast war und die der Vater. Er meinte zu mir, daß wir Papes 40
  • 41. die Afrikaner und ihre Mentalität sehr gut allerdings etwas mulmig, da ich es fälsch-verstehen würden, aber Timo wäre ein rich- licherweise als Spaß aufgefaßt hatte. Ab-tiger Halb-Ugander, da er in Uganda gebo- rupt brachen die Geschäftsbeziehungenren wurde. Darauf war Amin mächtig stolz. ab und fuhren weiter. Vermutlich wären auch die Schwiegereltern nicht einver-Timo lebte in seinen ersten Lebensjahren standen gewesen, und wie hätten die 100in Uganda. Seine Spielkameraden waren Rinder nach Münster transportiert werdenAfrikaner, mit denen er sich prächtig ver- sollen....?stand. Herbst und Winter kannte Timonicht, aber Büffel, Antilopen, Nilpferde und Eines der letzten Länderspiele war dasLöwen in freier Wildbahn gehörten zu sei- gegen die brasilianische Mannschaft, diener gewohnten Umgebung. Ein Wort wie sich auf die Weltmeisterschaft 1974 vor-„Zoo“ war ihm kein Begriff. bereitete. Für uns war es selbstverständ- lich, daß wir alles taten, um vor vollemAuch in Uganda sagten wir uns, daß die Haus bzw. Stadion zu bestehen. In diesemHauptstadt nicht wie das Land selbst sei Zusammenhang kam der General undund so machten wir viele Safaris in das Lan- Präsident mal wieder auf eine tolle unddesinnere. Aber auch quer durch Ostafrika auch gute Idee: Quasi als Vorspiel zu demnach Kenia, Tansania und Sansibar gingen Länderspiel sollte am selben Tag ein Fuß-unsere Reisen, wo wir unserem Hobby, der ballspiel Regierungs¬mannschaft, damalsGroßwildjagd frönten. Man mag heute bei Government of Action genannt, gegen dasdem Wort Großwildjagd erschrecken, aber Diplomatische Corps Ugandas stattfinden.damals war die Jagd voll lizensiert undnach deutschen Jagdgesetzen kontrolliert. Idi Amin wollte selbst als Mittelstürmer spielen; von der Deutschen Botschaft wur-Auch in diesem Zusammenhang erlebten den der Herr Botschafter und der Leiterwir interessante Episoden wie z.B. daß der Kulturabteilung aufgestellt. Das Gan-man nach mir im ganzen Busch suchen ze wurde ein riesiges Spektakel. In einemließ, da Idi Amin und der Präsident eines offenen LKW wurde die Regierungsmann-anderen Landes spontan vereinbart hat- schaft ins Stadion gefahren. Während desten, in einem Länderspiel zu klären, wes- Spiels verletzte sich Idi Amin und wurdesen Mannschaft die bessere sei. Es war al- auf meinen Rat hin aus dem Spiel ge-lerdings Spielpause und sowohl die Spieler nommen. Da er sich aber den Spaß nichtals auch meine Familie und ich machten nehmen lassen wollte, humpelte er in derUrlaub, sprich, wir gingen auf Safari. Über 2. Halbzeit als Schiedsrichter übers Feld.Radio lies man uns ausrufen und fand uns Er war so Feuer und Flamme, daß er dasschließlich im Busch, so daß zwei Tage Ende der Halbzeit übersah. So mußte ichspäter das Spiel stattfinden konnte. ihn vom Spielfeld holen und ihn auf die Zeit aufmerksam machen, da das Haupt-Auf Safaris im Busch weit entfernt jeglicher spiel auch noch stattfinden sollte. „Paep,Zivilisation fragten wir oft die Einwohner ok“, sagte er und schon war das Abpfeifennach dem Weg. Dabei interessierten sich seine nächste Amtshandlung. Da wir mitdie Dorfbewohner öfter für meine blonde 1 : 1 gegen Brasilien das Spielfeld verlie-Frau Bärbel und wollten sie mir sogar ab- ßen, war Idi Amin sehr zufrieden. Wiederkaufen - nichts ungewöhnliches für eine einmal hatte ein Gegner gedacht, dieafrikanische Frau oder ein Mädchen. Über „Schwarzen“ mal so eben zu putzen und100 Rinder bot man mir, dann wurde es mir nebenbei auf Safari gehen zu können. 41
  • 42. sichts der Kriegsverhältnisse im Land für mich nur ein schwacher Trost. Oft konnte ich der Deutschen Botschaft oder Geschäftsleu- ten durch meine guten Bezie- hungen zu Idi Amin helfen, in dem ich als Türöffner fungier- te. Dies hat man mir und mei- ner Frau oft vorgeworfen. Und in der Tat hat Idi Amin, der an- fangs im Volk sehr beliebt war, viele Fehler gemacht und bru- tal gewütet. Aber wir mußtenEin General auf Abwegen: Idi Amin als Schiedsrichter unter diesen Umständen im Land leben und arbeiten. Kei-Nach über sechs Jahren harter Arbeit wur- ner hat mich aufgefordert, das Projekt zude es wieder Zeit, die Koffer zu packen verlassen oder hat das Projekt eingestellt.und diesmal Uganda den Rücken zu keh- Und offene Opposition hätte weder mei-ren. Die ugandische Regierung hatte alles ner Familie noch dem AA etwas gebracht,erdenkliche versucht, uns im Lande zu hal- wenn ich standrechtlich erschossen wor-ten, aber nach so langer Zeit war eigentlich den wäre. Meine Aufgabe bestand darinalles erreicht, um den Leistungsstand der Fußball „ zu verkaufen“ und dies habe ichNationalmannschaft zu optimieren. Es gab erfolgreich getan. Daß meine Frau öfterinzwischen genügend ausgebildete Trainer ängstlich auf mich wartete, ob ich lebendim Land und für weitere Maßnahmen fehl- von einem Besuch bei Idi Amin zurückkam,ten die Gelder. wissen nur die wenigsten Menschen.Die Zeit in Uganda war nicht immer leicht Trotzdem verließen wir Ostafrika auch mitgewesen. Die Tage der Unruhen sind unge- einem weinenden Auge, denn natürlichzählt, an denen wir bewaffnet ins Kino gin- blieben viele liebe Freunde zurück undgen oder zu einer Party fuhren, an denen viele schöne Erlebnisse sind für immer mitÜberfälle auf Weiße an der Tagesordnung Ostafrika verbunden.waren, an denen man nachts mit Gewehrim Haus umher schlich, da man vermutete, Die nächste Station in unserer „Karriere“daß mit Buschmesser bewaffnete Banden hieß Ägypten, das Land der Pyramiden undversuchten, in das Haus einzudringen. Die der Königs-Gräber. Das Tal der Könige,Stunden der Angst sind nicht zu vergessen, das Mausoleum des Aga Khan und nichtdie meine Frau alleine mit unserem Sohn zu vergessen der Abu-Simbel-Tempel gehö-im Haus verbrachte, da meine Tätigkeit ren zu Ägyptens Attraktionen. Ein Land, inoft mit Reisen ins Landesinnere und auch das jährlich Tausende von Touristen reisenins Ausland verbunden war. Die Angst war oder von einer Reise träumen. Aber nur mitnicht unberechtigt, da in den Zeitungen träumen war es in unserem Falle natürlichimmer berichtet wurde, wann ich mich wo nicht getan. Ein neues Einsatzland, einaufhielt. Die Tatsache, daß meine Frau neuer Wohnort, neue Bekannte, neues Ein-mit Waffen umzugehen vermag, war ange- leben und Herantasten an die schon vor- 42
  • 43. handenen Institutionen. In diesen Punkten den notwendigen Mitteln vor allem an derwaren wir inzwischen Profis geworden. Nachwuchsarbeit. Die Wende brachte ein Turnier in Syrien mit sich, als ich mit einerIm sportlichen Bereich gab es in Ägypten Nachwuchsmannschaft antrat, um den üb-nach den Jahren des Krieges eine Menge rigen Spielbetrieb nicht zu unterbrechen.zu tun. Aber es gab schon damals eine gute Wir schnitten in Damaskus gut ab und soGrundlage im Bereich des Breitensports, wurde grünes Licht für den gezielten Nach-mit vielen Sportvereinen und den notwen- wuchsaufbau gegeben. Weihnachten 1974digen Sportanlagen. Es herrschte sogar wurde in Tunesien der Palästinenser Po-schon wieder ein geregelter Fußball-Spiel- kal ausgetragen, der eine große politischebetrieb, bei dem allerdings noch keine Län- Bedeutung hatte. Wir gewannen das Tur-derspiele durchgeführt wurden. Durch feh- nier mit einer verjüngten Mannschaft undlende internationale Kontakte begann im konnten so die Sinnhaftigkeit der Nach-Jahr 1974 alles neu. Schon in demselben wuchsförderung unter Beweis stellen.Jahr trugen wir in Kairo den Afrikapokal derNationen aus, so daß die Begeisterung bei Ein Höhepunkt meiner Arbeit in ÄgyptenSpielern, sich auch im Turnier zu qualifizie- waren zwei Trainingsreisen nach Deutsch-ren, leicht geweckt werden konnte. land, die von der Bevölkerung mit groß- em Interessen verfolgt wurden. Bei denBei einem Spiel der Nationalmannschaft Freundschaftsspielen erzielten wir gutegegen Dukla Prag kam es aber leider auch Ergebnisse, so daß die Reisen auch alszu weniger schönen Ereignissen: Obwohl die Vorbereitung auf die ersten Weltmei-das Stadion bereits ausverkauft und voll sterschaft der Junioren ein voller Erfolgbesetzt war, drängten sich immer noch waren.unglaubliche Maßen hinein, drücktendie Menschen an Pfeiler und Wände und Bis in das Endspiel der Qualifikationsrun-selbst die Flucht der Zuschauer auf das den für diese WM spielten wir uns vor. DochSpielfeld half in dieser Situation nur wenig. dann wurde leider ein berechtigter ProtestDas Spiel wurde daher nicht angestoßen. gegen die Mannschaft der Elfenbeinküste,Wir flüchteten in die Kabinen und später die Spieler im Alter von über 20 Jahrenwurde in den Zeitungen von viele Toten be- aufgestellt hatte, nicht berücksichtigt undrichtet. Zu dieser Zeit war Dettmar Cramer wir verloren. Nach all‘ der Arbeit und Mühebei mir zu Besuch, unsere Familien jedoch war ich war stinksauer.in Deutschland. Da wir wußten, daß einsolches Desaster weltweit Schlagzeilen Bei einem anderen Turnier brachte ich diemachen würde, versuchten wir, in Deutsch- Mannschaft von Zamalek ins Pokalend-land ein Lebenszeichen zu hinterlassen, spiel. Das Nasser Stadion drohte aus allenwas uns schließlich auch gelang. Nähten zu platzen. Über 120.000 Men-Das gesamte Turnier wurde schließ- schen drängten sich auf den Rängen. Daßlich mit „älteren“ Spielern mit geringer wir das Spiel gewannen, brachte die MengeWettkampf¬erfahrung ausgetragen, mit dazu, mich als Erfolgstrainer zu feiern unddenen wir uns sogar den dritten Platz er- mir den Sportdress zum Leibe zu reißen:spielten. man wollte ein kleines Souvenir mitneh- men. Selbst meiner Sportschuhe wurde ichDie Einsicht in die Notwendigkeit der Trai- entledigt und zieren heute vielleicht einennerausbildung war damals in Ägypten Trophäenschrank. Nur mit Mühe und Notschon vorhanden, aber es fehlte neben konnte ich meine Hose anbehalten, die ich 43
  • 44. für den anschließenden Festumzug durch auch durchaus sehen lassen, wurden aberdie Stadt doch benötigte! von den Verantwortlichen leider oft über- schätzt. Es war daher nicht immer leicht,In Ägypten vergrößerte sich unsere Familie: zusätzliche Trainerlehrgänge etc. durchzu-Unser Sohn Thorsten wurde geboren, der setzen.mit seinem Bruder Timo an all‘ meinen/unseren Einsatzorten - natürlich unter der Von 1978 bis 1983 lebten meine FamilieObhut der Eltern, bzw. der Mutter - dabei und ich in Colombo / Sri Lanka, dem ehe-war. maligen Ceylon. Heute eine unruhige Insel, war Sri Lanka damals ein echtes ParadiesWie auch in Afrika waren wir bemüht, die zum Genießen - und zum Arbeiten.Geschichte und Eigenarten Ägyptens durchReisen zu ergründen und so die Menschen Große Unterstützung in meiner Arbeit er-besser zu verstehen. Dabei begegnete uns fuhr ich durch einen Direktor des Sportmini-immer wieder der Ausdruck „MALESH“. steriums, der in Leipzig in der DDR studiertMalesh hat eine mächtige Bedeutung und hatte und perfekt Deutsch sprach. Trotzkann schon fast als eine Lebenseinstel- relativ geringer finanzieller Mittel lief dielung bezeichnet werden. Malesh bedeutet Arbeit recht gut. Zahlreiche Trainer-, Leh-vor allem „Vergebung“, das landläufig mit rer- und Schiedsrichterseminare wurden„macht nichts“ oder „kann man eben nicht durchgeführt und das Training der Natio-ändern“ übersetzt werden kann. Hat man nalmannschaft zeigte erste Früchte. Aucheinen Unfall: Malesh. Schießt man am lee- wurden Kleinprojekte in Sachen Sportme-ren Tor vorbei: Malesh. Auch wenn ein naher dizin, Sportverwaltung und Schiedsrichter-Angehöriger stirbt: Malesh. Aber auch sich ausbildung unterstützt.mit vielleicht nicht ganz korrekten Mittelndurchs Leben zu boxen ist Malesh. Ein wei- Sportlehrer, die als Counterparts ausgebil-terer wichtiger Begriff in Ägypten ist „Bak- det wurden, waren in ihren Provinzen fürschisch“, das „Öl“ zwischen¬menschlicher die Auswahlmannschaften zuständig, soBeziehungen. Bis man diese Lebensauffas- daß der Nachwuchs gezielt gefördert wur-sungen und Verhaltensweisen verstanden de. Insbesondere der Nachwuchsförderungund verinnerlicht hat, vergeht als Europäer wurde von Regierungsseite viel Beachtungdoch eine gewisse Zeit! geschenkt. Bei den Asienmeisterschaften erzielten wir die dritte Runde und hattenAls es nach 13 Jahren Afrikanischer Konti- somit in Sri Lanka einen riesigen Erfolg.nent im Jahr 1978 wieder hieß, Abschiedzu nehmen, hatten wir in Sachen Fußball War ich in Sachen Sportlehrerausbildungeinen guten internationalen Standard er- als Fußballspezialist bekannt, so wurdereicht. Hatte zuletzt 1958 die deutsche Na- meine Frau in der Ausbildung in der Rhyth-tionalmannschaft in Kairo mit 1:2 verloren, mischen Gymnastik aktiv und erfolgreich.so kamen auch nun nach ca. 20 Jahren Es war sehr interessant zu beobachten,wieder Mannschaften aus aller Welt, um wie die Männer (!) immer mehr Gefallen anFreundschaftsspiele gegen Ägypten auszu- der Gymnastik fanden und sich bemühten,tragen. Auch deutsche Mannschaften, wie diese noch unbekannte Sportart zu beherr-z.B. Bayern München, Eintracht Frankfurt schen. Mit einer Mädchengruppe trat mei-oder Bor. M. Gladbach haben ihre Kräfte ne Frau im ausverkauften Stadion auf. Di-gegen „uns“ gemessen. Die Ergebnisse ese Gruppe war mit ihren Keulen und demdieser Freundschaftsspiele konnte sich Einsatz klassischer Musik ein Höhepunkt 44
  • 45. der Veranstaltung, so daß der Präsident - Ergebnisse meiner Arbeit, also Erfolge se-selbst Zuschauer - meine Frau bat, diese hen, bevor man bereit war zu investieren.Vorführung im Landesinnern zu wiederho- Anders als in Deutschland wird zunächstlen, was sie natürlich mit Freude tat. der Spitzensport gefördert, bis auch MittelAuf allen Gebieten des Sports wurden in für den Breitensport freigegeben werden.Sri Lanka große Fortschritte gemacht, die Als „Experte“ muß man in diesen Länderndann leider durch den Krieg zu nichte ge- daher besonders „am Ball bleiben“, um et-macht wurden. was langfristiges zu erreichen. GottseiDank wurden wir mit der U-18 (unter 18jährige)In Sri Lanka, das sich erst kurz vor unser erstmals Asiatischer Meister beim TurnierÜbersiedlung vom Sozialismus befreit hat- in Indien. Dies war der Ansporn, auf diete, ging es nach den Jahren der Isolation Jugend zu setzen, um vor allem dauerhaftpolitisch und wirtschaftlich schnell bergauf. Erfolg zu erzielen.Viele Touristen reisten damals ins Land,um neben Kultur und Religion vor allemdie traumhafte Landschaft mit den para-diesischen Stränden zu genießen. Auch wirentdeckten ein neues Hobby: das Tauchen.Wir hatten es natürlich besonders gut, dawir nicht nur die Tauchreviere Sri Lankas,sondern auch die Malediven direkt vor der„Haustür“ hatten. Auch für unsere Kinderwaren die Jahre in Sri Lanka herrlich: inwunderschöner Natur wohnend, mit erfolg-reichen und zufriedenen Eltern, ging der Äl-tere in die erste Schulklasse während derJüngere den Kindergarten besuchte.Im Jahr 1983 siedelten wir nach Jakarta, Viel Prasis am Ball: Während eines Trainer-Lehrganges in IndonesienIndonesien um. Indonesien, das Land der13.000 Inseln ist an Abwechslungsreich- Auch in Jakarta entwickelten sich schnelltum und Schönheit meiner Meinung nach die notwendigen Kontakte zu einfluß-kaum zu überbieten. Hier widmete ich reichen Persönlichkeiten des öffentlichenmich überwiegend dem Auf- und Ausbau Lebens: Jahrelang spielte ich in Jakartades Jugendfußballs. Es bestanden zwar als einziger Ausländer im Stadion jedenschon drei Fußballschulen, aber auf mei- Mittwoch Tennis. Als Gegner oder Partnernen Reisen durch das Land bzw. über die lernte ich so z.B. den Sportminister, sei-Inseln stellte ich immer wieder fest, daß es nen Deputy, einen Staatssekretär und denwahnsinnig schwer war, geeignete Talente Sportdirektor, dem unsere Jugendschulenzu entdecken. Wo sollte auf den 13.000 In- unterstanden, persönlich gut kennen. Die-seln nur der indonesische „Beckenbauer“ se Personen waren für meine Projekte sehroder „Maradonna“ leben? Von den ca. 180 wichtig und so war es klug, im geeignetenMillionen Einwohnern Indonesiens leben Augenblick auszusetzen und ein „Schwätz-ca. 70 Prozent auf der Hauptinsel Java. chen“ zu halten. So konnten Dinge viel leichter entschieden werden, als bei einemWie in fast allen Ländern der „Dritten Welt“ offiziellen Termin im Ministerium: Anderewollte man in Indonesien auch zunächst Länder, andere Sitten. 45
  • 46. Bis zu meiner Abreise im Jahr ..... gab es berichtet werden können.insgesamt neun Jugendsportschulen aufJava, Sumatra, Sulavesi, Irian-Jaya und in Da die Kinder nun auch schon größer undKalimantan verteilt. Dort wurden auch die älter waren, haben wir viel im Land unter-jeweiligen Zentralen für die Trainerausbil- nommen. So sind wir z.B. mit dem Motorraddung etabliert. durch die Götterinsel Bali gefahren, sind auf noch brodelnde Vulkane gestiegen undNatürlich reiste ich mit meiner indone- haben Eingeborenenstämmen „besucht“,sischen U-18 auch nach Deutschland, die zu dieser Zeit kaum Kontakt zur Außen-genau gesagt sogar zweimal. Die Reisen welt hatten. Vor allem für unsere Kinderwurden von dem NOK, von dem leider in- waren dies wichtige Erfahrungen, um Ver-zwischen verstorbenen Herrn Dobrick, ei- ständnis für eine „andere“ Welt aufzubrin-ner großen Stütze aller Sportexperten im gen, in der sie später allein leben sollten.Ausland, und von seinen Mitarbeitern be- Wir sind uns sicher, daß unsere Kinder, diestens vorbereitet. Nach schwerem Training inzwischen in den USA studieren, von die-und harten Gegnern in Deutschland waren sem Leben stark profitierten.wir nach dem Sieg in Indien gestählt, wie-der Asiatischer Meister zu werden. Als wir dann nach Thailand, in das Land des Lächelns umzogen, blieben uns vieleUnd dann erzielten wir noch den Sieg ge- gute Kontakte in Indonesien erhalten.gen Thailand vor 90.000 Zuschauern in Ja-karta. Die tolle Stimmung nutzend, packte Thailand ist wie Indonesien ein Urlaubs-ich die Gelegenheit beim, diesen Sieg nicht land mit, reich an Dschungelgebiten undnur mit einem „feuchten“ Händedruck für Traumstränden. Aber die Hauptstadtdie Spieler honorieren zu lassen, sondern Bangkok in der wie nun seit gut 5 Jahrendem Minister abzuringen, daß jeder Spieler leben, ist mit den ca. 8 Mio Einwohnernnach dem Schulabschluß ein Studiensti- und aufgrund der schlechten Verkehrspla-pendium bekam. Für die Jungs, die meist nung eher eine Zumutung. Z. B. beträgt dieaus ärmlichen Verhältnissen kamen, hatte durchschnittliche Stundengeschwindigkeitdies natürlich einen unschätzbaren Wert. zu Spitzenzeiten nur 3 bis 5 km/h. AberSie selbst hätten sich nie ein Studium lei- schöne Frauen gibt es hier ebenso wie ei-sten können. Zudem wurden die Stipen- nen über alles erhabenen König, der vomdien für die jüngeren Fußballjahrgänge die Volk verehrt und von der Politik und demrichtige Motivation, sich total ins Zeug zu Militär im Lande geachtet wird.legen und ähnliches zu erreichen. Denn sokonnte der Sport für sie zum Vehikel wer- Auch in Thailand wird der Sport von der Re-den, ihren sozialen Status zu verbessern. gierung als Erziehungsaufgabe angesehenBei fünf Turnieren wurden wir zweimal Asi- und man bat mich daher, den Jugend- undatischer Meister und haben dreimal das Schulsport abzudecken. TrainerausbildungHalbfinale erreicht. Auf unseren Reisen in gehört natürlich ebenso dazu. Fußball istandere Länder wurde ein guter Grundstein die populärste Sportart des Landes. Diegelegt und die Notwendigkeit, noch weitere deutsche Bundesliga mit all ihren Stars istSchulen aufzubauen, eingesehen. Durch ein fester Begriff; fast jeder Thai weiß, werdie vielen Trainerlehrgänge, die in allen Matthäus oder Völler sind. Der Thai-Ger-Ecken und Enden des Landes abgehalten man-Fussball-Fan-Club zählt über 1.000wurden, erlebte ich natürlich wieder viele Mitglieder. Da dies in Deutschland nichtDinge, die aufgrund Vielzahl hier nicht alle so bekannt ist, waren unser Bundestrainer 46
  • 47. Berti Vogts und auch Franz Beckenbauer 1991 versuchten wir uns mit der Frauen-bei einem Besuch in Thailand sehr über- auswahl in Japan für die erste Frauen-WMrascht, welchen Stellenwert Fußball in zu qualifizieren, doch beim letzten SpielThailand hat. Auch die Westfalen-Auswahl schafften wir gegen Taiwan nur ein 0:0,staunte, als sie zum Kings-Cup nach Thai- was nicht ausreichte. Aber die sehr guteland kam und vor 30.000 bis 40.000 Zu- Zusammenarbeit führte dazu, daß Frau-schauern spielte. enfußball nun erstmals in Thailand im De- zember 1995 bei den SEA Games (SouthDie Jugendfußballarbeit läuft auch in Thai- East Asien Games) auf dem Programmland über die Schulen. Die Sportlehrer sind steht. Zur Zeit, im August 1995, werdennormalerweise begeistert, ihren Status mit der U-18 die letzten Vorbereitungen fürdurch eine Trainerausbildung aufzuwerten die nächste Meisterschaft in Brunei getrof-und auch die Jugendlichen erhoffen sich fen.dauerhafte Verbesserungen ihrer Leben-sumstände. Das fehlende Vereinsgefüge Auch in Thailand wurden/werden viele Trai-macht die Arbeit allerdings nicht leicht. Und nerseminare an exotischen Plätzen abge-da es auch in der oberstenSpielklasse kei- halten. Dabei ist Thailand ein Land vollernen geregelten Spielbetrieb über Monate, Überraschungen: der Norden des Landeswie beispielsweise in Europa gibt,wird es ist mit Dschungel überzogen, der Südenfür Thailand nicht leicht sein, internatio- Thailands weist herrliche Strände auf. Nurnalen Anschluß zu finden. Aber trotzdem Bangkok bietet trotz der eindrucksvollenhaben wir mit gut ausgebildeten Counter- Paläste und Tempel keinen Grund zumparts (Trainern) und hartem Training einige Schwärmen. Durch die immer größer wer-Erfolge erzielt. So waren wir bislang zwei- denden Verkehrsprobleme ist diese Stadtmal Asiatischer Meister: in Malaysia gegen eher eine Belastung. Jegliches außerberuf-Korea und in Sri Lanka gegen Indonesien. liches Leben kommt zum Erliegen bzw. ent- steht nicht erst. Bis Ende des Jahre 1995Ja, so traf man seinen alten Freunde werden wir, d.h. meine Frau und ich, nochwieder. in Bangkok wohnen, dann aber werde ich Hahn im Korbe: Trainer Pape und die Mädels in Thailand 47
  • 48. in Rente und wir nach 30 Jahren zurück Leistungen zu bringen. Dies geschiehtnach Deutschland gehen. selbst dann wenn anfangs z.B. wegen der Methode eigentlich Skepsis besteht. DerBewußt habe ich in dem in meinem Bericht Asiate sagt hingegen: „gut, daß du da bist,aus Indonesien nichts über die kulturellen, aber wir machen alles so wie bisher“. Diesmenschlichen und klimatischen Beson- ist mit Sicherheit auch ein Grund dafür,derheiten berichtet, da sich Indonesien daß deutsche Trainer immer eher in Afrikaund Thailand nicht so stark von einander eingesetzt wurden, als in Asien.unterscheiden. Allerdings ist mir die Zu-sammenarbeit in Indonesien leichter als Für Touristen ist natürlich die asiatischein Thailand gefallen, sei es bei der Arbeit Art sehr angenehm, da man immer ange-mit den Counterparts, mit den Offiziellen lächelt wird und erst nach einiger Zeit diean höchster Stelle oder auch mit dem drei Formen des Lächelns erkennt: dasPersonal. Natürlich sind insbesondere in echte, herzliche Lächeln, das schamvolleThailand die Sprache und die Schrift ein Lächeln und das eisige Lächeln.großes Hindernis, da nur wenig Englischgesprochen wird. Thais werden auch nie laut oder ausfal-Aber das für Europaer verwirrenste und für lend. Unarten, die in Deutschland im Um-Thais wichtigste ist es, „nicht das Gesicht gang z.B. mit Verkehrsrowdies üblich sind,zu verlieren“. Auch in Europa verliert man wie Vogel zeigen oder andere Handbewe-nur ungern sein Gesicht, d.h. man blamiert gungen, wird man bei Thais vergeblichsich ungern. In Asien hat dies allerdings suchen. So ist es auch beim Fußball: keineine weitaus wichtigere Bedeutung, ja es Schrei „Mensch, gib den Ball ab“, oderhandelt sich hierbei um eine echte Men- „greiff an!“. Emotionale „Ausbrüche“, dietalitätsfrage. Oft wurde ich gefragt, ob es beim Fußballspielen lebenswichtig sind,in Afrika oder Asien einfacher war, zu ar- kommen mentalitätsbedingt nicht vor. Dabeiten. Die Antwort heißt für uns ganz klar:In Afrika und zwar in Schwarzafrika. Schonin Ägypten, also in Nordafrika, führt der ara-bische Einfluß zu ganz anderen Verhaltens-weisen der Einheimischen und zu anderenLebensumständen als in Schwarzafrika.Bei einem Schwarzafrikaner weiß manganz genau, was los ist, ob er gut oderschlecht gelaunt ist und ob man Einver-ständnis erzielen konnte oder nicht. Wennein Schwarzafrikaner lacht, blitzen seineweißen Zähne, da klatscht er in die Hän-de und man weiß, daß die Freude echt ist.Auch die Akzeptanz der eigenen Personist in Afrika anders als in Asien. In Afrikaeinem Ausländer, der als Experte ins Landkommt, die Chance gegeben zu zeigen,was er kann. Man sagt dort, „gut, daß duda bist, wir werden das so mal probieren“und man gibt sich Mühe, entsprechende 48
  • 49. ich aber nach Thailand zum arbeiten, also Verständnis für diese uns so fremde Men-zum trainieren gekommen bin, mußten/ talität aufzubringen, kostet oft sehr vielmüssen sich die Spieler gewaltig umgewöh- Zeit und Kraft. Allerdings ist es natürlichnen und Kompromisse eingehen. Oft weiß für die Asiaten auch nicht anders. Oft warich natürlich wegen des ewigen Lächelns und ist die Improvisation in vertrackten Si-nicht, woran ich eigentlich bin. Die einzel- tuationen alles. In den Jahren in Afrika undnen Nuancen habe ich erst nach längerer Asien habe ich daher so eine Art „Durch-Zeit erkannt und zu interpretieren gelernt. haltevermögen“ entwickelt, ohne das es keine Erfolge gegeben hätte.Zudem ist die Hierarchie in der Thai-Gesell-schaft ein wesentliches Element. So kann Dabei wäre noch zu klären, wie sich füres passieren, daß in Asien ein Mitarbei- mich „Erfolg“ eigentlich definiert. Sicher-ter zusagt, etwas zu tun, was er aber aus lich ist jeder Sieg im Spiel ein Erfolg, aberGründen, die in der Hierarchie liegen, gar für mich persönlich gibt es auch Erfolge an-nicht ausführen darf und demnach auch derer Art: Durch meine Tätigkeit als Trainernicht tut. Man darf dann nicht verärgert hatte ich immer eine gewisse Vorbildfunk-sein, sondern muß durch indirekte Fragen tion bei den Jugendlichen und konnte sieherausfinden, warum es nicht möglich war, bei zahlreichen Gelegenheiten davon ab-das Angekündigte zu tun. halten, Dinge zu tun, die sie in irgendeiner Form in Gefahr gebracht hätten. Eine phan-Fragen stellen, dies ist auch ein beson- tastische Chance bot sich mir hier in Thai-deres Thema in Asien. Als Trainer ist es land, genau gesagt im Goldenen Dreiecknatürlich eine meiner Aufgaben, Wissen zu Laos, Burma und Thailand. Das Goldenevermitteln und dieses Wissen abzuprüfen. Dreieck ist eines der größte Drogenan-Dabei habe ich bei Trainerseminaren oft baugebiete der Welt. Drogen aller Art sindselbst das Gesichter verloren, da ich unver- hier zu relativ niedrigen Preisen verfügbarständlich unterrichtete. Aber auch die Teil- - welch eine Gefahr für die Jugendlichen,nehmer verloren öfter ihr Gesicht, da sie insbesondere da in den Bergregionen dervon mir gestellte Fragen nicht richtig be- Golden Dreiecks Drogen traditionell z.B.antworten konnten. Ein herrliches Beispiel gegen Hungergefühle eingenommen wer-für diese Situation ist die nicht unübliche den (Kauen der Betel-Nuß).Frage nach dem Weg: Frage einen Thainach dem Weg nach X und er wird auf je- In Zusammenwirken mit einem anderenden Fall eine Antwort geben, auch wenn er GTZ-Projekt, das sich im Norden Thailandsden richtigen Weg nicht kennt. Es wäre ein- seit Jahren mit dem Thema Drogenanbaufach zu unhöflich, entweder keine Antwort und seinen Folgen beschäftigt, ergab sichzu geben und einzugestehen, daß er den die Möglichkeit, eine kleine gemeinsameWeg nicht weiß. Eine weitere Möglichkeit Kampagne zu fahren: Drogen - nein danke.ist, daß der Angesprochene selbst wieder Mit unserer Schülerauswahl aus BangkokLeute anspricht, bei denen man auch nicht veranstalteten wir in Mae Hong Song, ansicher ist, ob sie den Weg nun tatsächlich der Grenze zur Burma, einen Anti-Drogen-kennen. So kann schnell eine kleine Men- Sporttag. Wir wurden dabei vom dortigenschentraube entstehen, die über den rich- Gouverneur in unseren Aktivitäten unter-tigen Weg diskutiert. stützt. Die Fußballmannschaften liefen mitMan darf dann bloß nicht die Geduld ver- adidas-Fußballhemden in schwarz-rot-goldlieren und einfach weggehen, denn dann und dem Aufdruck „Keine Macht den Dro-verlieren alle ihr Gesicht. gen“ über das Spielfeld. Fallschirmsprin- 49
  • 50. ger brachten den Spielball vom Himmel, Nun mag man mich fragen, was denn inein Prominentenspiel erfreute die Zu- diesen 30 Jahren Trainerleben im Auslandschauer und ein Anti-Drogenumzug durch die wichtigsten Ereignisse oder Momentedie Stadt war der Höhepunkt des Tages. in meinem Leben waren. Vieles gibt es daAuch im Tennis gab es ein Länderspiel: der zu nennen, aber nur einiges soll hier Er-Gouverneur und sein Stellvertreter traten wähnung finden: der Mauerfall 1989 wargegen zwei GTZ-Experten an. Diese Aktion für mich, als eigentlicher „Ossi“, ein sehrfand sehr viel Anklang und wurde mit einer bedeutsames Ereignis.intensiven Berichterstattung in den Medi- Grundsätzlich ist der Zusammenhalt inen, Presse und unserer Fami-Fernsehen lie, die ja nunbedacht. Die- nicht gerade einser Tag war durchschnitt-für mich ein liches Leben angroßer persön- meiner Seitelicher Erfolg, führt mit dasda wir den Wichtigste inJugendlichen meinem Leben.Wege aus ei- Die Entwicklungner Sackgas- meiner Söhne,se aufzeigen die durch diekonnten - und Erfahrungen imsei es nur mit Ausland - eigent-Fu ß b a l l s p i e - lich ihrer Heimatlen. Ich bin si- - keine Rassen-cher, daß man oder Fremden-insbesondere feindlichkeitenim Goldenen e n t w i c ke l te n ,Dreieck noch sondern überviel mehr mit diese ProblemeSport bewegen könnte, aber leider fehlen erst aus der Zeitung erfahren haben. Auchhierzu die Mittel. durch ihrer Ausbildung an internationalenNeben den bisher beschriebenen Einsatz- Schulen, an denen sie mit ca. 50 verschie-orten führte mich mein Trainerberuf auch denen Nationalitäten „aufwuchsen“, hatzu vielen Kurzzeiteinsätzen in die Welt. So den Weitblick meiner Söhne gefördert. Eswar ich z.B. auf den Malediven, in Bangla- war und ist nicht wichtig gewesen, welchedesch, in Papua-Neuguinea, auf Tuvalu in Hautfarbe die jeweiligen „Kumpels“ hat-der Südsee und in Laos. Gerne erinnere ten, wichtig war statt dessen, ob sie guteich mich auch an die kollegiale Freund- Stürmer oder Mittelfeldspieler waren oderschaft unter den „alten“ Recken auf dem eine andere Sportart bevorzugten. Für sie,Gebiet der Sportentwicklungshilfe: an wie auch für meine Frau und mich ist derBernd Trautwein in Afrika und Kairo, an B. Mensch wichtig, nicht seine Nationalität,Ziese, an Rudi Gutendorf und seine Frau auch wenn man sagen kann, daß der Um-Maika. gang mit bestimmten Nationalitäten fürBernd Zkoll war bei uns zu Besuch in Ja- uns Europäer leichter ist, als mit anderenkarta und Holger Obermann und K. H. Wei- Nationalitäten. Wie schon erwähnt, stu-gand waren bereits in Bangkok. dieren beide Söhne in den USA und gehen 50
  • 51. on anhält, im Beruf darauf zu achten, daß er Spaß macht und vielleicht sogar, wie in meinem Fall, eine Art Hobby darstellt. Ich kann auch nur jedem raten, eine Zeit seines Lebens im Ausland zu verbringen und dort zu arbeiten. Ich kann dies nach nun gut 30 Jahren Auslandseinsatz jedem mit aller Ehr- lichkeit empfehlen. Ich bin auch ein wenig stolz, daß ich in all den vielen Jahren meine Arbeitgeber, die GTZ und das AA, nicht enttäuscht habe. Leider wird nun aufgrund der Kostensitua- tion die sportliche Entwicklungshilfe stark eingeschränkt, was ich sehr bedauere. Mei- ner Erfahrung nach kann gerade mit den relativ geringen Mitteln in der sportlichen Entwicklungshilfe überproportional viel im Gastland erreicht und für das positive An- sehen Deutschlands getan werden. Manch- mal hieß es sogar, daß wir Trainer im Aus- land „die idealen Botschafter in aller Welt“ wären. Ein Funken Wahrheit ist schon wahrschon ihre eigenen Wege. daran.Meine sportlichen persönlichen Erfolge, dieMeisterschaften in der Leichtathletik, im Jedenfalls blicke ich gerne auf die turbu-Fünf- und Zehnkampf freuten mich natürlich lenten und aufregenden Jahre in der Frem-damals auch sehr, insbesondere wo sie da- de zurück, die nun eigentlich meine Heimatmals unter anderen Bedingungen als heute geworden ist. Ich danke meiner Familie, dieerrungen wurden. dies alles mitgemacht hat, vor allem meiner Frau, die ja nun nicht gefragt wurde, ob sieAber auch die Meistertitel mit meinen je- schon wieder in ein anderes Land umziehenweiligen Fußballmannschaften - der Ostafri- wollte, aber mit Optimismus und Tatkraft im-katitel, zweimal Jugend-Asien-Meister mit mer wieder „neu“ angefangen hat.Indonesien und auch schon zweimal mitThailand sind wichtige Schritte in meinem Mögen recht viele Menschen ein gleichesLeben gewesen. Die Ausbildung sehr vieler „Wagnis“ eingehen und ebenso positive Er-Trainer und Übungsleiter, denen ich eine fahrungen machen.Grundlage verschaffte und die meine Arbeitnach meinem Weggang weiterführten, sindebenso wichtig für mich.Ein weiterer, bedeutsamer Punkt ist, daß iches tatsächlich geschafft habe, mein Hobbyzu meinem Beruf zu machen, etwas, wovonoft abgeraten wird. Ich kann aber nur hof-fen, daß diese Zeilen die jüngere Generati- 51
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