Zum Google Desaster in China - THINK!DESK CHINA STANDPUNKT Nr. 31
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Die Suchmaschine Google verlässt nun also China. Damit beraubt sie einige hundert Millionen Chinesen der Möglichkeit, eine alternative Suchmaschine neben der chinesischen Baidu.com zur ...

Die Suchmaschine Google verlässt nun also China. Damit beraubt sie einige hundert Millionen Chinesen der Möglichkeit, eine alternative Suchmaschine neben der chinesischen Baidu.com zur Informationssuche zu nutzen. Auf seinem Unternehmensblog spricht Google allerdings nicht davon, dass es das Land verlässt, sondern die Zensur von google.cn stoppt: „So earlier today we stopped censoring our search services—Google Search, Google News, and Google Images—on Google.cn.” In Wirklichkeit wird nicht das Zensieren der Inhalte gestoppt, sondern die Suchmaschine Google in China abgeschaltet, denn es heißt weiter in dem Blog-Eintrag: „Users visiting Google.cn are now being redirected to Google.com.hk, where we are offering uncensored search in simplified Chinese, specifically designed for users in mainland China and delivered via our servers in Hong Kong.” Und schließlich gipfelt das Ganze auch noch in einer Hoffnung: „We very much hope that the Chinese government respects our decision, though we are well aware that it could at any time block access to our services.” Kaum zu glauben, dass Google in China auf derart naive Weise ein Ende nehmen würde, denn selbstverständlich wird die Hongkonger Version von Google bei der erstbesten Gelegenheit blockiert werden.
Die Bedingungen zu denen Google in China eingestiegen war, waren von vorne herein klar: Spätestens seit dem „Public Pledge on Self-Discipline for the Internet Industry in China“, der bereits im März 2002 in der „Großen Halle des Volkes“ in Beijing von über 100 Internet-Unternehmen (unter anderem Yahoo) unterzeichnet wurde, waren alle Anbieter von Inhalten zur Selbstzensur verpflichtet. In der Tat ist die aktive Zensur durch das Löschen bestehender Inhalte nur ein Teil der landesweiten Zensurpolitik. Viel wichtiger ist die Selbstzensur, der sich jeder, der in China eine Website betreibt oder aktiv das Internet nutzt, unterwerfen muss. Das offiziell propagierte Ziel der chinesischen Regierung ist das Betreiben eines „gesunden“ Internets, welches frei von Kriminalität, Glücksspiel, Pornographie, usw. ist und die Reputation einzelner schützt. Nur die wenigsten Chinesen widersprechen, wenn propagiert wird, dass zum Erreichen dieser Ziele eben eine staatliche Kontrolle des Internets notwendig ist.
Tatsächlich ist die chinesische Regierung gar nicht gegen die Entwicklung des Internets. Im Gegenteil: Sie betreibt bereits seit den frühen 90er Jahren, als diverse „Goldenen Projekte“ zum Ausbau der Infrastruktur und initiale Internetdienstleistungen gestartet worden waren, einen sehr aktiven Ausbau der Datenautobahn. Ziel war es immer, vor allem die kommerzielle Nutzung des Internets durch E-Commerce im ganzen Land zu ermöglichen und auf diese Weise zum Beispiel auch kleinen und mittleren chinesischen Unternehmen im Landesinneren beim Handel mit ausländischen Unternehmen zu unterstützen. Darüber hinaus nutzen die Zentral- wie auch die Provinz- und Stadtregierungen das Internet ausgiebig für eigene Propaganda und Nachrichten, wie gerade wieder die ausführliche Berichterstattung über den jährlich stattfindenden „Nationalen Volkskongress“ in Beijing gezeigt hat.
Allerdings beobachtet und kontrolliert China Nachrichten und selbst erstellte Inhalte in Form von Blogs und Kommentaren extrem kritisch. Doch hier entwickelt sich immer mehr eine sehr kreative, sich stetig wandelnde Internet-Sprachkultur, durch die die Zensur – zumindest vorübergehend – umgangen werden kann. Überhaupt sind diejenigen Chinesen, die sich kritisch äußern es gewohnt, zwischen den Zeilen zu lesen – und entsprechend zu schreiben. Selbstverständlich rechtfertigt dies keine Zensur, allerdings ist umgekehrt die Zensur nicht notwendigerweise ein Grund dafür, das Land zu verlassen. Veränderung fand in China immer wieder durch eine Gegenpolitik von unten als Antwort auf die Politik von oben statt. Hierzu fehlt nun ein wichtiger Baustein nach dem Weggang von Go

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Zum Google Desaster in China - THINK!DESK CHINA STANDPUNKT Nr. 31 Zum Google Desaster in China - THINK!DESK CHINA STANDPUNKT Nr. 31 Document Transcript

  • 23.03.2010 THINK!DESK CHINA STANDPUNKT Nr. 31 „Zum Google Desaster in China― von Christian Schmidkonz www.thinkdesk.de Inhalten zur Selbstzensur verpflichtet. In der Tat Die Suchmaschine Google verlässt nun also ist die aktive Zensur durch das Löschen China. Damit beraubt sie einige hundert Millionen bestehender Inhalte nur ein Teil der landesweiten Chinesen der Möglichkeit, eine alternative Zensurpolitik. Viel wichtiger ist die Selbstzensur, Suchmaschine neben der chinesischen der sich jeder, der in China eine Website betreibt Baidu.com zur Informationssuche zu nutzen. Auf oder aktiv das Internet nutzt, unterwerfen muss. seinem Unternehmensblog spricht Google Das offiziell propagierte Ziel der chinesischen allerdings nicht davon, dass es das Land verlässt, Regierung ist das Betreiben eines „gesunden― sondern die Zensur von google.cn stoppt: „So Internets, welches frei von Kriminalität, earlier today we stopped censoring our search Glücksspiel, Pornographie, usw. ist und die services—Google Search, Google News, and Reputation einzelner schützt. Nur die wenigsten Google Images—on Google.cn.‖ In Wirklichkeit Chinesen widersprechen, wenn propagiert wird, wird nicht das Zensieren der Inhalte gestoppt, dass zum Erreichen dieser Ziele eben eine sondern die Suchmaschine Google in China staatliche Kontrolle des Internets notwendig ist. abgeschaltet, denn es heißt weiter in dem Blog- Eintrag: „Users visiting Google.cn are now being Tatsächlich ist die chinesische Regierung gar redirected to Google.com.hk, where we are nicht gegen die Entwicklung des Internets. Im offering uncensored search in simplified Chinese, Gegenteil: Sie betreibt bereits seit den frühen specifically designed for users in mainland China 90er Jahren, als diverse „Goldenen Projekte― zum and delivered via our servers in Hong Kong.‖ Und Ausbau der Infrastruktur und initiale schließlich gipfelt das Ganze auch noch in einer Internetdienstleistungen gestartet worden waren, Hoffnung: „We very much hope that the Chinese einen sehr aktiven Ausbau der Datenautobahn. government respects our decision, though we are Ziel war es immer, vor allem die kommerzielle well aware that it could at any time block access Nutzung des Internets durch E-Commerce im to our services.‖ Kaum zu glauben, dass Google ganzen Land zu ermöglichen und auf diese Weise in China auf derart naive Weise ein Ende nehmen zum Beispiel auch kleinen und mittleren würde, denn selbstverständlich wird die chinesischen Unternehmen im Landesinneren Hongkonger Version von Google bei der beim Handel mit ausländischen Unternehmen zu erstbesten Gelegenheit blockiert werden. unterstützen. Darüber hinaus nutzen die Zentral- wie auch die Provinz- und Stadtregierungen das Die Bedingungen zu denen Google in China Internet ausgiebig für eigene Propaganda und eingestiegen war, waren von vorne herein klar: Nachrichten, wie gerade wieder die ausführliche Spätestens seit dem „Public Pledge on Self- Berichterstattung über den jährlich stattfindenden Discipline for the Internet Industry in China―, der „Nationalen Volkskongress― in Beijing gezeigt hat. bereits im März 2002 in der „Großen Halle des Volkes― in Beijing von über 100 Internet- Allerdings beobachtet und kontrolliert China Unternehmen (unter anderem Yahoo) Nachrichten und selbst erstellte Inhalte in Form unterzeichnet wurde, waren alle Anbieter von von Blogs und Kommentaren extrem kritisch.
  • 2 Doch hier entwickelt sich immer mehr eine sehr interessant sein könnten. Und auch wenn kreative, sich stetig wandelnde Internet- zweitens Google nur rund ein Drittel des Sprachkultur, durch die die Zensur – zumindest chinesischen Suchmarktes abgedeckt hat, so war vorübergehend – umgangen werden kann. die Suchmaschine eben eine Alternative für alle, Überhaupt sind diejenigen Chinesen, die sich die auf der Suche nach mehr Nachrichten und kritisch äußern es gewohnt, zwischen den Zeilen anderen Nachrichten, die mehr Text zwischen als zu lesen – und entsprechend zu schreiben. auf den Zeilen haben, waren. Selbstverständlich rechtfertigt dies keine Zensur, allerdings ist umgekehrt die Zensur nicht Vielleicht ist alles aber auch nur ein notwendigerweise ein Grund dafür, das Land zu Missverständnis und in Wirklichkeit ist Google verlassen. Veränderung fand in China immer wieder einmal ein visionärer Vorreiter, dieses Mal wieder durch eine Gegenpolitik von unten als allerdings nicht im technischen als vielmehr im Antwort auf die Politik von oben statt. Hierzu fehlt ethischen Bereich. Denn Google verzichtet auf nun ein wichtiger Baustein nach dem Weggang einen vermeintlichen Millionenmarkt zugunsten von Google aus China. der moralischen Integrität. Viele Zeichen sprechen jedoch dafür, dass es sich hierbei um einen Google gegen China, das war der Kampf zweier vorgeschobenen Grund handelt, der noch dazu Alpha-Tiere, von denen eines von Anfang an naiv gut für das Marketing in Zeiten der zunehmenden an den Marktzutritt in China herangegangen ist Angst vor der „Datenkrake― Google ist. Die und sich am Ende selbst überschätzt hat. Allein chinesischen Internetnutzer haben davon nichts. die wohl im fernen Silicon Valley verfassten Und spätestens wenn das nächste Google-Auto Einträge auf dem Unternehmensblog von Google gesichtet wird, wie es fotografierend durch die zu China zeugen von einer erstaunlichen Straßen fährt, wird dieser Effekt auch in den Unkenntnis über die Funktionsweise von Politik westlichen Ländern verpufft sein. und Wirtschaft in China. Es war völlig klar, dass von der chinesischen Regierung in dieser Sache keinerlei Kompromissbereitschaft zu erwarten war – vor allem nicht in einer Zeit des ohnehin P.S.: Aus dem Google-Unternehmensblogeintrag: wachsenden Selbstbewusstseins des „Reichs der „Finally, we would like to make clear that all these Mitte―. Dies ist aus zweierlei Sicht sehr decisions have been driven and implemented by bedauerlich, denn erstens war Google China für our executives in the United States, and that none einige sehr interessante technische Innovationen of our employees in China can, or should, be held im Bereich „Suche― in der chinesischen Sprache responsible for them.‖ – q.e.d. verantwortlich. Vereinzelt hatte Google in China sogar Dienste, wie zum Beispiel die Musiksuche, die eines Tages vielleicht auch außerhalb Chinas © 2009 THINK!DESK China Research & Consulting
  • THINK!DESK China Research & Consulting ist spezialisiert auf die Beratung von Unternehmen, die einen Marktzutritt in China planen oder bereits seit vielen Jahren im „Reich der Mitte― tätig sind und Möglichkeiten für einen Marktausbau suchen. Darüber hinaus führt THINK!DESK China Research & Consulting im Auftrag Branchen- und Industriestudien durch, erstellt Prognosen und Szenarioanalysen zu ökonomischen und politischen Trends in China sowie gesamtwirtschaftliche China-Analysen. Das erklärte Ziel von THINK!DESK China Research & Consulting ist es, seine Kunden sowohl mit fundierter und erprobter Beratung als auch streng praxisorientierter Wissenschaft zu unterstützen. Das Team von THINK!DESK China Research & Consulting verfügt über 20 Jahre Erfahrung in chinabezogenen Beratungs- und Forschungsprojekten. Ein entsprechend intensiver Zugang besteht u.a. zu chinesischen Regierungseinrichtungen, Lieferanten von monatsaktuellen Industrie- und Branchendaten sowie Experten vor Ort. In Shanghai verfügen wir über ein erprobtes deutsch-chinesisches Partner-Team. Auch unsere nicht-chinesischen Mitarbeiter sprechen die Landessprache mitunter verhandlungssicher. Ausführliche Informationen zu THINK!DESK China Research & Consulting sowie eine Reihe von kostenlosen Publikationen erhalten Sie auf unserer Website unter www.thinkdesk.de Haben Sie Anregungen, Kritik oder Fragen zu unserem aktuellen Standpunkt? Unsere Autoren stehen Ihnen gerne zur Verfügung! THINK!DESK China Research & Consulting Internet: www.thinkdesk.de E-Mail: info@thinkdesk.de Skype: thinkdesk Twitter: www.twitter.com/thinkdesk Slideshare: www.slideshare.net/thinkdesk XING: http://www.xing.com/net/china/