Dissonanzen im Internetdreiklang – Internetzensur im Zeitalter der Olympi- schen Spiele in Beijing - THINK!DESK CHINA STANDPUNKT Nr. 25
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Dissonanzen im Internetdreiklang – Internetzensur im Zeitalter der Olympi- schen Spiele in Beijing - THINK!DESK CHINA STANDPUNKT Nr. 25

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Die Welt schaut heute auf China: Am 08.08.08 wurden die „Olympischen Spiele“ von Beijing feierlich eröffnet und bereits im Vorfeld hatten die angereisten ...

Die Welt schaut heute auf China: Am 08.08.08 wurden die „Olympischen Spiele“ von Beijing feierlich eröffnet und bereits im Vorfeld hatten die angereisten Journalisten reichlich Stoff, über den sie für ihre Heimatpresse berichten konnten, denn: Als sie in China ankamen und sich im Pressezentrum einrichteten, kamen sie
natürlich recht schnell auf die Idee einmal die chinesische Internetzensur „auszuprobieren“. Eigentlich wenig überraschend mussten sie feststellen, dass sie z.B. www.amnesty.org
nicht aufrufen konnten. Willkommen in China!
Und plötzlich waren die „News“ voll von diesem doch recht alten und in China alltäglichen Thema, denn schon Ende der 90er Jahre hatte der damalige Vorsitzende des „Ministry of Information Industry“, Wu
Jichuan, unmissverständlich festgestellt: „The Chinese Government does not want to clamp down on the development of the Internet sector. But we must find a more healthy way to manage it to ensure that individuals’ reputations and privacy are protected.“

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Dissonanzen im Internetdreiklang – Internetzensur im Zeitalter der Olympi- schen Spiele in Beijing - THINK!DESK CHINA STANDPUNKT Nr. 25 Dissonanzen im Internetdreiklang – Internetzensur im Zeitalter der Olympi- schen Spiele in Beijing - THINK!DESK CHINA STANDPUNKT Nr. 25 Document Transcript

  • 08.08.2008 THINK!DESK CHINA STANDPUNKT Nr. 25 „Dissonanzen im Internetdreiklang – Internetzensur im Zeitalter der Olympi- schen Spiele in Beijing“ – Dr. Christian Schmidkonz Die Welt schaut heute auf China: Am Die Entwicklung des Internets in China nahm 08.08.08 wurden die „Olympischen Spiele“ Anfang des neuen Jahrtausends rasant an von Beijing feierlich eröffnet und bereits im Fahrt auf. Die Regierung hatte frühzeitig Vorfeld hatten die angereisten Journalisten sowohl die ungemeinen Chancen, die das reichlich Stoff, über den sie für ihre Internet in den Bereichen Wirtschaft und Heimatpresse berichten konnten, denn: Als Politik bietet, als auch die potenziellen sie in China ankamen und sich im „Gefahren“, die durch „ungesunde“ Artikel Pressezentrum einrichteten, kamen sie und Beiträge im Web entstehen könnten, natürlich recht schnell auf die Idee einmal die erkannt. Denn tatsächlich sieht die chinesische Internetzensur „auszuprobieren“. chinesische Regierung das Internet Eigentlich wenig überraschend mussten sie differenziert und hat daher den schnellen feststellen, dass sie z.B. www.amnesty.org infrastrukturellen Ausbau des Netzes nicht nicht aufrufen konnten. Willkommen in China! zuletzt durch die „Golden Projects“ bereits Und plötzlich waren die „News“ voll von Ende des vergangenen Jahrhunderts stark diesem doch recht alten und in China gefördert. So ergibt sich ein „Dreiklang“ des alltäglichen Thema, denn schon Ende der Internets (siehe Abbildung), der immer schon 90er Jahre hatte der damalige Vorsitzende mit Misstönen behaftet war, die aus der des „Ministry of Information Industry“, Wu zunehmend professionellen Zensur von Jichuan, unmissverständlich festgestellt: „The Webinhalten resultieren. Chinese Government does not want to clamp Der Nutzung des Internets für down on the development of the Internet wirtschaftliche Zwecke standen zwar dann sector. But we must find a more healthy way und wann geradezu absurde Regularien (wie to manage it to ensure that individuals’ z.B. die „Administration of Commercial reputations and privacy are protected.“ Und Encryption Regulations - State Council damit war im Grunde schon alles gesagt, Directive 273“ vom Oktober 1999) im Wege, denn es kam dann so: aber letztendlich hat die chinesische Regierung diese Art der Internetnutzung nicht
  • 2 zuletzt durch den stetigen Ausbau der denn hier wird selbstverständlich ganz wie in Infrastruktur gefördert. E-Commerce in China der allgemeinen chinesischen ist heute zu einer festen Größe in der Medienlandschaft üblich kontrolliert und Internetlandschaft geworden. zensiert. Grundsätzlich dürfen keine Inhalte auf Nachrichtenseiten erscheinen, die nicht Abbildung © 2008 THINK!DESK China von der staatlichen chinesischen Research & Consulting Nachrichtenagentur Xinhua freigegeben wurden. Blogposts werden gelesen und Darüber hinaus nutzt die chinesische gegebenenfalls wird der Autor zu einem Regierung selbst das Internet intensiv für „Cyberdissidenten“ und wird für seine eigene politische Zwecke: „Akkreditierte“ Beiträge zu Haftstrafen verurteilt. Hier greift Blogger bloggen von Parteitagen, alle ein raffiniertes System bestehend aus Ministerien bieten umfangreiches Material auf technischer Zensur, menschlicher Zensur in ihren Webseiten an, einzelne statistische Form der Internetpolizei, virtueller in Form Ämter, wie das der Stadt Nanjing, publizieren von „Jingjing“ und „Chacha“, den alle Jahrbücher seit 1949 öffentlich im Cyberpolizisten, die auf allen möglichen Internet, die Kreativität bei der Erstellung Websites plötzlich auftauchen und eine politischer „Werbebanner“ steht derjenigen „gesunde“ Nutzung des Webs anmahnen, bei kommerziellen Bannern in nichts nach, Selbstzensur durch Content-Anbieter sowie politische Werbung erscheint auf immer mehr Denunziation durch Websurfer, die auf – in Websites; E-Government ist alles andere als ihren Augen und im Zweifel im allgemeinen ein Fremdwort in China. chinesischen Verständnis – „unsaubere“ Die Misstöne entstammen nun der sozio- Inhalte stoßen. kulturellen Nutzung des Webs in China, – © 2008 THINK!DESK China Research & Consulting
  • 3 Westliche Unternehmen machen dabei zu diskutieren weiß, dass in der Regel nicht bereitwillig mit: Ohne aus dem Westen die geringsten Zweifel an der Darstellung der zugekaufte Technologie gäbe es nicht eine Regierung bestehen). Derjenige, der hier derart professionelle Zensur bereits an allerdings wirklich nachforschen möchte, Infrastrukturknotenpunkten. Westliche kennt auch die Mittel und Wege, die Internetunternehmen gehörten mit zu den chinesische Internetzensur zu umgehen; Unterzeichnern des „Public Pledge on Self- genauso, wie man als „Expat“ in China lernt, Discipline for the Internet Industry in China“ ohne weiteres auf „verbotene“ Seiten im März 2002 in der „Großen Halle des zuzugreifen. Volkes“. Und bekanntermaßen kam es sogar Allgemeines „China Bashing“ basierend auf soweit, dass chinesische Bürger auf der den nun so aufregenden Erfahrungen der Basis von Daten, die von westlichen angereisten Weltpresse wird in einer umso Internetunternehmen an Behörden schärferen Gegenreaktion (oder auch schlicht herausgegeben wurden, identifiziert und zu und einfach totaler Ignoranz) Chinas mehrjährigen Haftstrafen verurteilt wurden. resultieren. Die chinesische Regierung und Allerdings haben nicht zuletzt auch die das chinesische Volk verfügen inzwischen westlichen Internetunternehmen wie Yahoo! nicht zuletzt gefüttert durch den stetigen und und Google, Amazon und auch eBay für eine lang anhaltenden wirtschaftlichen Erfolg des Belebung des chinesischen Internets gesorgt. Landes über ein derartiges Jeder Chinese kann heute auf eine Selbstbewusstsein, dass die allgemeine unüberschaubare Menge von Informationen Empörung in der Weltpresse mit eigener zugreifen. Doch die meisten Internetnutzer Empörung über die Weltpresse erwidert wird. interessieren sich gar nicht für diese Websites wie www.anti-cnn.com decken in Informationen. Und schon gar nicht für die der Tat Schlampigkeiten in der westlichen Informationen, die der Zensur unterliegen, Berichterstattung auf und fördern damit nur denn auch im chinesischen Web geht es im die sich abzeichnenden Konfrontationen in Wesentlichen um „MMORPGs“ (Massively den Köpfen zwischen den Bürgern Chinas Multiplayer Online Role-Playing Games), und denjenigen der westlichen Länder. Ein Social Networks, Chats, Foren, Erfolg der „Olympischen Spiele“ ist für die Kennenlernen, Entertainment, News von chinesische Regierung umso wichtiger, da sie Stars und Sternchen usw. Kaum jemand auf diese Weise ihren eigenen Bürgern auf kommt wirklich auf die Idee, nachschauen zu friedliche, bunte und sportliche Weise die wollen, ob das, was in der Schule zu Tibet vermeintliche Stärke des Landes vermitteln und Taiwan erzählt wird, vielleicht so gar kann. Wie „der Westen“ das sieht, ist aus nicht stimmt (jeder, der auch nur ansatzweise ihrer Sicht erst einmal zweitrangig. Hier einmal versucht hat, dieses Thema in China prallen Welten aufeinander und es ist schon – © 2008 THINK!DESK China Research & Consulting
  • 4 erstaunlich, wie wenig Verständnis und intensiver Zugang besteht u.a. zu Einfühlungsvermögen für die jeweils andere chinesischen Regierungseinrichtungen, Seite vorhanden sind. Lieferanten von monatsaktuellen Industrie- Letztendlich zeichnet sich aber schon seit und Branchendaten sowie Experten vor Ort. Jahren ab, was auch der chinesische Blog In Shanghai verfügen wir über ein erprobtes Pionier Issac Mao glaubt: „I believe the deutsch-chinesisches Partner-Team. Auch Internet will change China more than China unsere nicht-chinesischen Mitarbeiter changes the Internet.“ Sicher nicht heute und sprechen die Landessprache mitunter auch nicht morgen, vielleicht aber schon verhandlungssicher. Ausführliche übermorgen… Informationen zu THINK!DESK China Research & Consulting sowie eine Reihe von kostenlosen Publikationen erhalten Sie auf unserer Website unter www.thinkdesk.de THINK!DESK China Research & Consulting ist spezialisiert auf die Beratung von Unternehmen, die einen Marktzutritt in China planen oder bereits seit vielen Jahren im „Reich der Mitte“ tätig sind und Möglichkeiten für einen Marktausbau suchen. Darüber hinaus führt THINK!DESK China Research & Consulting im Auftrag Branchen- Haben Sie Anregungen, Kritik oder Fragen zu unserem aktuellen Standpunkt? und Industriestudien durch, erstellt Unsere Autoren stehen Ihnen gerne zur Prognosen und Szenarioanalysen zu Verfügung! ökonomischen und politischen Trends in China sowie gesamtwirtschaftliche China- Analysen. Das erklärte Ziel von THINK!DESK THINK!DESK China Research & Consulting China Research & Consulting ist es, seine Kunden sowohl mit fundierter und erprobter Dr. Christian Schmidkonz Beratung als auch streng praxisorientierter Wissenschaft zu unterstützen. Das deutsche +49 - (0)89 - 26212782 Team von THINK!DESK China Research & schmidkonz@thinkdesk.de Consulting verfügt über 20 Jahre Erfahrung in chinabezogenen Beratungs- und Forschungsprojekten. Ein entsprechend – © 2008 THINK!DESK China Research & Consulting