Chinas Internet – Ein weißer Riese wird porentief rein? - THINK!DESK CHINA STANDPUNKT Nr. 11 - Presentation Transcript
16.02.2006
THINK!DESK „China Standpunkt“ Nr. 11
Chinas Internet – Ein weißer Riese wird porentief rein?
Ein Aufschrei geht um die Welt: Google zen- Grundsätzlich wurden schon immer (außer in
siert seine Sucheinträge in China, nachdem den frühesten Anfangsjahren) alle Internetin-
die ehemals „alternative“ Suchmaschine nun halte in China gefiltert – vor allem auch dieje-
vor Ort unter der Domain google.cn auftritt. nigen, die auf ausländischen Servern ruhen.
Die inzwischen über 110 Millionen Nutzer des Da alle Internetverbindungen in das Ausland
Internets in China bekommen also nur gefil- letztendlich über die staatliche China Tele-
terte Suchergebnisse, die der Vorstellung der com verlaufen, können Filter relativ einfach
chinesischen Regierung von einem „gesun- und zuverlässig eingesetzt werden. Für die
den“ Internet entsprechen. Denn dass im Kontrolle der Inhalte auf inländischen Servern
Internet nicht jegliche Art von Inhalten in Chi- ist neben technischen Filtern eine Internetpo-
na verbreitet werden darf, das wurde bereits lizei von mehreren Tausend Polizisten zu-
in den ersten Regularien 1996 festgehalten ständig, die das gesamte chinesische Internet
(damals wurde der Begriff „Internet“ im Chi- inklusive der mehr oder weniger einschlägi-
nesischen noch gar nicht verwendet, sondern gen Foren nach kritischen Inhalten absurft.
es wurde lediglich von „vernetzten Compu- Eine derartige Polizei wurde bereits vor sechs
tern“ gesprochen). Und warum sollte auch Jahren erstmals in der Provinz Anhui einge-
das Internet frei von Zensur sein, wenn nahe- setzt. Gleichzeitig wurden aber auch Gesetze
zu die komplette Presse in China nicht alles und Verordnungen derart geschaffen, dass
drucken darf, was sie will? Der Aufwand, sein „unsaubere“ Inhalte gar nicht erst in das In-
Internet „sauber“ zu halten, ist für China riesig ternet gelangen können. So dürfen z.B. nur
und weltweit einmalig. Es mag erstaunen, wie solche Nachrichten im Internet erscheinen,
„rein“ der weiße Riese Internet für den die ohnehin schon von den staatlichen Nach-
normalen Nutzer in China tatsächlich ist. richtenorganen, sei es in einer Zeitung oder
Doch es sei erlaubt zu fragen: Warum die auf einer Website, publiziert wurden. Nach-
ganze Aufregung und warum erst jetzt? Ist es richtenwebsites mit eigenen, unabhängig
nicht heuchlerisch ein Thema, das schon seit verfassten Nachrichten sind verboten. Und
zehn Jahren aktuell ist, plötzlich derart seit dem 26. März 2002 ist sowieso dafür
aufzubauschen, nur weil der „Internet-Robin gesorgt, dass auch vor allem alle großen An-
Hood“ Google genau das gleiche macht, was bieter von Websites das richtige „Waschmit-
tausende von Firmen zur Zeit planen und tel“ konsequent einsetzen: An diesem Tag
umsetzen, nämlich nach China zu gehen? gehörten in der „Großen Halle des Volkes“ in
Ein Aufschrei geht um die Welt: Google zen- siert more
Ein Aufschrei geht um die Welt: Google zen- siert seine Sucheinträge in China, nachdem die ehemals „alternative“ Suchmaschine nun vor Ort unter der Domain google.cn auftritt. Die inzwischen über 110 Millionen Nutzer des Internets in China bekommen also nur gefilterte Suchergebnisse, die der Vorstellung der chinesischen Regierung von einem „gesunden“ Internet entsprechen. Denn dass im Internet nicht jegliche Art von Inhalten in China verbreitet werden darf, das wurde bereits in den ersten Regularien 1996 festgehalten (damals wurde der Begriff „Internet“ im Chinesischen noch gar nicht verwendet, sondern es wurde lediglich von „vernetzten Computern“ gesprochen). Und warum sollte auch das Internet frei von Zensur sein, wenn nahezu die komplette Presse in China nicht alles drucken darf, was sie will? Der Aufwand, sein Internet „sauber“ zu halten, ist für China riesig und weltweit einmalig. Es mag erstaunen, wie „rein“ der weiße Riese Internet für den normalen Nutzer in China tatsächlich ist. Doch es sei erlaubt zu fragen: Warum die ganze Aufregung und warum erst jetzt? Ist es nicht heuchlerisch ein Thema, das schon seit zehn Jahren aktuell ist, plötzlich derart aufzubauschen, nur weil der „Internet-Robin Hood“ Google genau das gleiche macht, was tausende von Firmen zur Zeit planen und umsetzen, nämlich nach China zu gehen? less
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