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„China wächst und wächst und wächst – über das Ziel hinaus? - THINK!DESK CHINA STANDPUNKT Nr. 17
 

„China wächst und wächst und wächst – über das Ziel hinaus? - THINK!DESK CHINA STANDPUNKT Nr. 17

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Chinas BIP-Zahlen für das 1. Quartal 2007 haben erneut alle Erwartungen übertroffen: 11,1% inflationsbereinigtes Wachstum im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, noch mal 0,7 ...

Chinas BIP-Zahlen für das 1. Quartal 2007 haben erneut alle Erwartungen übertroffen: 11,1% inflationsbereinigtes Wachstum im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, noch mal 0,7 Prozentpunkte mehr als im vorangehenden Quartal. Chinas Volkswirtschaft 'explo-
diert' geradezu. Seit Beginn der Reform- und
Öffnungspolitik im Jahr 1978 – und das ist
nun fast 30 Jahre her! – ist die chinesische Wirtschaft jedes Jahr im Durchschnitt um knapp 9,9% gewachsen.

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    „China wächst und wächst und wächst – über das Ziel hinaus? - THINK!DESK CHINA STANDPUNKT Nr. 17 „China wächst und wächst und wächst – über das Ziel hinaus? - THINK!DESK CHINA STANDPUNKT Nr. 17 Document Transcript

    • 22.04.2007 THINK!DESK CHINA STANDPUNKT Nr. 17 „China wächst und wächst und wächst – über das Ziel hinaus?“ Prof. Dr. Markus Taube Chinas BIP-Zahlen für das 1. Quartal 2007 ven Exportüberschüsse erzwungenen Devi- haben erneut alle Erwartungen übertroffen: senmarktinterventionen geldpolitisch neutrali- 11,1% inflationsbereinigtes Wachstum im sieren kann, verharren die Preisindizes wei- Vergleich zum Vorjahreszeitraum, noch mal terhin in moderaten Größenordnungen. Auch 0,7 Prozentpunkte mehr als im vorangehen- die Feinstruktur des Wachstumsprozesses den Quartal. Chinas Volkswirtschaft ‚explo- deutet nicht auf eine bevorstehende Entkop- diert’ geradezu. Seit Beginn der Reform- und pelung der Wachstumsdynamik in den ver- Öffnungspolitik im Jahr 1978 – und das ist schiedenen Sektoren und damit einen Zu- nun fast 30 Jahre her! – ist die chinesische sammenbruch des chinesischen ‚Wirtschafts- Wirtschaft jedes Jahr im Durchschnitt um wunders’ hin (vgl. Tabellen). Das heißt aller- knapp 9,9% gewachsen. dings nicht, dass nicht mittelfristig einige grundsätzliche Problemfelder zu bewältigen wären. Das ist einfach zu viel des Guten! Und tat- sächlich, auch die chinesische Regierung scheint die Zahlen mit einigen Bedenken ver- Wachstum im 1. Quartal 2007 nommen zu haben: ihre Veröffentlichung wur- Brutto-Inlandsprodukt 11,1% de um mehrere Stunden verzögert, innerhalb Exporte (Wert) 27,8% derer man sich in Beijing noch einmal intensiv Anlageinvestitionen 23,7% Einzelhandelsumsätze 14,9% mit denselben und ihren Implikationen für die Geldmenge M2 17,3% weitere Wirtschaftsentwicklung auseinander- setzte. Droht erneut eine gesamtwirtschaftli- Preisindizes 1. Quartal 2007 che Überhitzung und damit ein unkontrollier- Konsumgüter-Index 2,7% ter Absturz der chinesischen Volkswirtschaft? Produzenten-Index 2,9% Rohstoff-Index 4,1% Wohl eher nein. Obwohl die Zentralbank der- zeit nur ca. zwei Drittel ihrer durch die massi-
    • 2 Die entscheidenden Triebkräfte des Wachs- finden uns also keineswegs in einem immer tums in China sind zum einen der Exportsek- weiter aus dem Ruder laufenden Eskalations- tor und zum anderen die Anlageinvestitionen. prozess.) In Anbetracht eines nur mangelhaft ausgeprägten nationalen (!) Marktes, unkoor- dinierter lokaler Investitionsförderungen und Die chinesischen Exporte wachsen nun be- in der Masse der Bankfilialen weiterhin beste- reits seit Jahren in der Größenordnung von hender Mängel bei der Identifikation guter +/- 30% p.a. Diese Expansion ist aber auch in bzw. schlechter Kreditrisiken haben sich in dieser Größenordnung ‚gesund’ und keines- verschiedenen Branchen substantielle Über- wegs überzogen. Im Gegenteil bezeichnet sie kapazitäten ausgebildet, die die Rentabilität ein unverzichtbares Symptom jenes Prozes- bestehender und neuer Investitionsprojekte ses, mit dem die Weltwirtschaft China und ernsthaft in Frage stellen. Hier liegt tatsäch- sein Heer von 900 Million Menschen im er- lich eine Keimzelle für neue faule Kredite und werbsfähigen Alter in das Geflecht der inter- eine erneute Belastung des Bankensystems nationalen Arbeitsteilung einbindet. Wer Chi- verborgen. na in der Weltwirtschaft haben will, muss Chi- na als starke Exportnation akzeptieren! Auch in den nächsten Jahren dürften daher ähnli- Trotzdem ist die rege Investitionstätigkeit kei- che Ausfuhrsteigerungen zu beobachten sein neswegs nur Ausdruck irrationalen oder kurz- – marginale Wechselkursanpassungen wer- sichtigen Verhaltens. Im Gegenteil. Während den dieses Strukturphänomen nicht aufheben in einzelnen Sektoren massive Überkapazitä- können. Tatsächlich dürfte das Hauptproblem ten die Renditen gedrückt haben, haben zahl- für die chinesische Regierung in den nächs- reiche andere chinesische Akteure in der letz- ten Jahren darin bestehen, die Industriestaa- ten Zeit eine ganz andere Realität erfahren: ten davon zu überzeugen, dass Chinas Ex- Sie haben gutes Geld verdient – sehr gutes. portboom ein weitestgehend natürliches Phä- In den ersten zwei Monaten des Jahres lagen nomen darstellt und nicht (oder weniger als die Gewinne der größeren Industriebetriebe von den USA und der EU behauptet) auf Re- insgesamt um 44% über der Vorjahresperi- gierungsinterventionen und Wechselkursma- ode. Dieses Geld sucht nach rentablen Anla- nipulationen beruht. gemöglichkeiten – genau diese aber kann das noch immer kaum ausdifferenzierte Fi- nanzsystem bislang nicht bieten. Während Die Expansion der Anlageinvestitionen ist Unternehmer derzeit mit Renditen auf Investi- demgegenüber tatsächlich ein Sorgenkind für tionen in einer Größenordnung von 15% Chinas Wirtschaftslenker. (Es sei aber darauf rechnen, liegen z.B. die Leitzinsen im Ban- hingewiesen, dass die Expansion im 1. Quar- kensystem bei 6,39%. Wenig attraktiv – und tal 2007 vier Prozentpunkte unter dem insofern auch kaum die Möglichkeit besteht, Wachstum des Vorjahresquartals lag. Wir be- © 2007 THINK!DESK China Research & Consulting
    • 3 im Ausland alternative Finanztitel erwerben, chinesische Konsumlandschaft ist offensicht- drängt dieses Geld in immer neue realwirt- lich unterentwickelt und zeigt keine Anzei- schaftliche Investitionsprojekte. Investitions- chen einer Verbesserung. Mit einer Expansi- projekte, die genährt werden vom Export- on von 14,9% liegen die Einzelhandelsumsät- boom und massiven (staatlichen) Infrastruk- ze (der Konsum) deutlich unter anderen ge- tur- und Urbanisierungsprogrammen, die den samtwirtschaftlichen Aggregaten. Noch be- Expansionsprozess immer wieder von neuem denklicher ist aber der gleichzeitige Rück- anfachen. Versuche, die gesamtwirtschaftli- gang des Konsumenten-Vertrauensindex auf che Investitionsneigung durch eine Verteue- nun nur noch 95,8 Punkte. Die Chinesen wol- rung der Kreditausreichung zu dämpfen, lau- len ihr Geld nicht ausgeben! fen vor diesem Hintergrund ebenfalls zwangsläufig ins Leere. Denn Kredite werden Die chinesische Volkswirtschaft muss aber für die Investitionstätigkeit kaum in Anspruch mittelfristig ihre Abhängigkeit von der Export- genommen. Gut 50% aller Investitionen kom- wirtschaft und der Investitionstätigkeit abbau- men direkt aus dem cash flow des chinesi- en und sich stärker auf eine starke inländi- schen Unternehmenssektors. sche Konsumnachfrage stützen. Nur so wird es letztlich auch möglich sein, die bislang am Chinas Investitionsmaschine läuft somit auf ‚Wirtschaftswunder’ nur stark unterproportio- vollen Touren und das durchaus aus guten nal partizipierenden zentral- und westchinesi- Gründen. Kurzfristig wird diese Aktivität nur schen Regionen zu reintegrieren. Genau die- durch diskretionäre Eingriffe der Regierung, ser Prozess kommt aber nicht in Gang. Der d.h. explizite Investitionsverbote in bestimm- private Konsum stellt in China derzeit nur ca. ten Sektoren, oder aber einen Zusammen- 40% der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage – bruch der allgemeinen Entwicklungsdynamik deutlich weniger als z.B. in Deutschland mit gestoppt werden können. Letzteres ist bis ca. 60%. mindestens 2008 kaum zu erwarten, stärkere Regierungsinterventionen werden aber in den Auch hierfür gibt es letztlich gute Gründe. Ne- nächsten Wochen mit Sicherheit zu verzeich- ben ihrer grundsätzlich stark ausgeprägten nen sein. Entscheidend wird sein, dass diese Affinität für Konsumverzicht und Ersparnisbil- jene Sektoren treffen, in denen die Marktkräf- dung sehen sich viele Chinesen mit starken te bislang versagen und Überkapazitäten auf- Anreizmechanismen konfrontiert, mehr zu gebaut werden. sparen, als der chinesischen Regierung aus gesamtwirtschaftlicher Sicht eigentlich lieb Die eigentlich schlechte Nachricht im Umfeld wäre. Angesichts unzureichender Sozialversi- der Veröffentlichung der Quartalszahlen liegt cherungssysteme wird gespart, um die indivi- vor diesem Hintergrund ganz woanders: Die duelle Alters- und Gesundheitsversorgung si- © 2007 THINK!DESK China Research & Consulting
    • 4 cherzustellen und um den Kindern eine gute ge und weniger der der Weltwirtschaft die- Schul- und u.U. Universitätsausbildung ge- nen. währleisten zu können. Diese Parameter er- höhen die Sparleistung strukturell und kön- China wächst und wächst und wächst – gut nen nur mittelfristig, durch einschneidende in- so! Deutschlands Unternehmen wie Konsu- stitutionelle Reformen aufgelöst werden. Chi- menten können von der Ausweitung der chi- na braucht mehr Konsum! nesischen Volkswirtschaft profitieren. Das chinesische ‚Wirtschaftswunder’ ist mo- mentan nicht dabei, aus den Fugen zu gera- ten. Eine fatale Überhitzung des chinesischen Investitionsmotors ist in der kurzen Sicht nicht zu erwarten. Mittelfristig müssen allerdings Haben Sie Anregungen, Kritik oder Fragen zu unserem aktuellen Standpunkt? eingreifende Strukturbrüche vollzogen wer- Unsere Autoren stehen Ihnen gerne zur den, um die Nachhaltigkeit des chinesischen Verfügung! Aufstiegs sicherzustellen. Dies beinhaltet u.a. eine substantielle Stärkung des Finanzdienst- THINK!DESK leistungssektors und seiner Allokationsleis- China Research & Consulting tung und insbesondere eine umfassende För- derung des privaten Konsums. Und das be- Prof. Dr. Markus Taube deutet dann letztendlich: Chinas Anlageinves- 0203 - 4 835 357 titionen sollten mittelfristig in erster Linie der taube@thinkdesk.de Bedienung der chinesischen Konsumnachfra- © 2007 THINK!DESK China Research & Consulting