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Hausmitteilung26. Mai 2012                                                               Betr.: Titel, WWF, GuruW     er a...
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Deutschland                                                                AU S S E N P O L I T I K                       ...
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Deutschlandinstalliert, die auf Veränderung in Russ- felte Machtgeste. Russland gebe sich                                 ...
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  1. 1. Hausmitteilung26. Mai 2012 Betr.: Titel, WWF, GuruW er anderen Menschen Fragen über Tod und Sterben stellt, kommt nicht umhin, für sich selbst nach Antworten zu suchen. So begannen TitelautorinRafaela von Bredow, 45, und ihre Kolleginnen und Kollegen über das eigene Daseinnachzudenken, als sie mit Sterbenden und Hinterbliebenen, Ärzten und Pflegernüber Wege zu einem würdevollen Ende sprachen. Laura Höflinger, 24, überlegte,was sie im Leben noch erleben möchte, und schrieb eine Liste der großen undkleinen Dinge. Die Reise nach Indien ist in Vorbereitung, ein weiterer Punkt bereitsabgehakt: mehr Erdbeeren essen. Anna Kistner, 30, erwog erstmals ernsthaft, dochirgendwann Kinder zu bekommen. Und Manfred Dworschak, 52, war so angetanvon der Atmosphäre eines sächsischen Hospizes, dass er sagt: „Hier will ich auchmal sterben.“ Der Inlandsauflage liegt eine DVD von SPIEGEL TV zum Thema„Nahtod – Einblicke ins Jenseits“ bei (Seite 110).D ie Empörung war groß, als sich der Ehrenpräsident desWorld Wide Fund for Nature(WWF), der spanische König JuanCarlos, 74, auf der Jagd nach Ele-fanten verletzte. Die SPIEGEL-Re-dakteure Jens Glüsing, 51, und NilsKlawitter, 45, hingegen überraschtedie Bigotterie nicht. „Die mäch- DER SPIEGELtigste Naturschutzorganisation derWelt ist als elitärer Club von In-dustriellen und Großwildjägern Klawitter, Sunarto auf Sumatragegründet worden“, sagt Klawitter,„das wirkt nach.“ Um die Arbeit des WWF zu bilanzieren, reisten die Redakteuredurch Südamerika und Indonesien. Glüsing entdeckte auf einer brasilianischenSojafarm einen Tank mit dem Herbizid Glyphosat – obwohl das Soja dort angeblichden WWF-Standards entspricht. Klawitter sprach auf Sumatra mit dem TigerforscherSunarto und mit Einheimischen, die auf einer Palmöl-Plantage eines WWF-Partnersgelebt hatten: Sie wurden vertrieben, ihre Hütten zerstört (Seite 62). Z ehntausende rotgewandete Sinnsucher aus Deutschland folgten in den Sieb- zigern und Achtzigern Bhagwan Shree Rajneesh, der erst als Sex- und dann als Rolls- Royce-Guru beleumundet war. 22 Jahre nach dessen Tod ist die Bewegung „in aller Welt bemerkenswert lebendig“, beobachtete SPIE- GEL-Redakteur Carsten Holm, 57. Der Jour- DER SPIEGEL nalist begab sich auf Spurensuche in alle Welt, in die USA und nach Goa, ins indische PuneKeerti, Holm bei Neu Delhi ebenso wie ins thüringische Wurzbach. In In- dien traf er Swami Chaitanya Keerti, 63, einsteiner der engsten Vertrauten Bhagwans. Keerti berichtete vom Streit um das Erbedes Mystikers, der sich später Osho nannte. „Die Führungsclique in Pune will nurnoch Monopoly spielen und Geld machen“, sagt der Veteran, der wegen seinerKritik nicht zum Grabmal Oshos vorgelassen wird. Die Chefs des Meditationszen-trums in Pune mochten sich dazu nicht äußern – und ebensowenig erklären, warumSpendengelder in beträchtlicher Höhe verschwunden sind (Seite 40).Im Internet: www.spiegel.de D E R S P I E G E L 2 2 / 2 0 1 2 3
  2. 2. In diesem HeftTitelEnde ohne Schrecken – Wege zueinem angstfreien Sterben ............................... 110DeutschlandPanorama: Merkel und Seehofer für Flexi-Quote /SPD-Unmut über Kandidaten-Troika /NRW-Innenminister fordert härteres Vorgehengegen Fußballrandalierer ................................... 15Außenpolitik: Die neue Eiszeit in dendeutsch-russischen Beziehungen ....................... 20SPD: SPIEGEL-Gespräch mit FraktionschefFrank-Walter Steinmeier über die Lehren ausdem Wahlsieg der Sozialisten in Frankreich ........ 24Linke: Oskar Lafontaine hinterlässteine Partei vor der Selbstauflösung ................... 28Bundestagswahl: Streitfall Überhangmandate –kippen die Karlsruher Verfassungsrichterdas aktuelle Wahlgesetz? .................................. 32CDU: Kritik an Merkels Kursder Modernisierung ........................................... 34Wie der gefeuerte Umweltminister NorbertRöttgen seinen tiefen Fall erlebt ....................... 35Landesbanken: Ostkommunen wurden Lafontaines Waterloo Seite 28 HANNIBAL HANSCHKE / DPAvon den öffentlichen Kreditinstituten Getrieben von seiner Partnerin Sahra Wagenknecht, griff Oskarausgenommen ................................................... 36Parteien: Die merkwürdige Doppelrolle von Lafontaine in seiner Partei noch einmal nach der Macht – und verlor.Piraten-Chef Bernd Schlömer ........................... 38 Er stürzt die Linke in die tiefste Krise ihrer Geschichte.Esoterik: Gut 22 Jahre nach seinem Tod lebendie Ideen des Gurus Bhagwan in deutschenKommunen und Meditationszentren fort .......... 40Missbrauch: Ein noch unveröffentlichterLandtagsbericht kritisiert die zögerlicheAufklärung an der Odenwaldschule .................. 46Hartz IV: In einem Berliner Wohnprojekt werdenalleinerziehende Mütter zu Bildungsabschlüssenund Erwerbstätigkeit angehalten ....................... 47 Neue Eiszeit Seite 20 Die Stimmung wird frostig sein, wenn Wladimir Putin an diesem FreitagGesellschaft nach Berlin kommt. Angela Merkel traut dem russischen Präsidenten keineSzene: Die Tricks chinesischer Panda-Züchter / Reformen zu. Die Kanzlerin will seine Gegner unterstützen.Der Münchner Sportpsychologe JürgenBeckmann über das Trauma der Bayern ........... 52Eine Meldung und ihre Geschichte – übereinen Richter, der zur Selbstjustiz greift ........... 53 Der TraumfabrikantKunstmarkt: Der InternetgaleristHans Neuendorf und der Boom aufdem Bildermarkt ............................................... 54 Seite 130Ortstermin: Beim 30. deutschen Männertreffen Ein größenwahnsinniger Traum: mitten in der Wüste acht Fußballstadien zuist es sexy, schwach zu sein ............................... 59 bauen und drum herum eine Stadt. Albert Speer hat daraus das WM-Projekt von Katar entwickelt – ein Beispiel für arabische Herrscherarchitektur.WirtschaftTrends: Wie der Facebook-Börsengang zumFiasko werden konnte / Praktiker-Belegschaftfürchtet neuen Investor / Kindertag soll Profit im NamenSpielwarenumsätze steigern .............................. 60Naturschutz: Die dürftige Bilanzdes Rettungsriesen WWF .................................. 62Gesundheit: Wurde im KlinikumHildesheim etlichen Patienten ohne Notdie Schilddrüse zerstört? ................................... 68 des PandasGeldinstitute: Fondsmanager und Seite 62Aktionärsvertreter Hans-Christoph Hirt rechnetmit der Führung der Deutschen Bank ab .......... 70 Der WWF ist die mächtigsteBücher: Thilo Sarrazin enttäuscht Naturschutzorganisation derseine krawallverwöhnte Zielgruppe .................. 72 Welt. Über 500 Millionen Euro nimmt die Organisa-Medien tion pro Jahr ein. FirmenTrends: Interview mit Heidi Klums zahlen siebenstellige Euro-unterschätztem Laufstegtrainer Beträge, um mit dem Panda-Jorge Gonzalez / Die absurde Beanstandung GETTY IMAGESvon „X-Factor: Das Unfassbare“ ....................... 75 Wappen für ihre Umwelt-Rundfunk: Monika Piel ist die mächtigste Frau verantwortung zu werben.der ARD – unangefochten, aber umstritten ...... 76 Doch die Bilanz der Natur-Musikfernsehen: Was man aus dem Eurovision WWF-Aktion in Genf schützer ist durchwachsen.Song Contest in Aserbaidschan lernen kann ..... 786 D E R S P I E G E L 2 2 / 2 0 1 2
  3. 3. Merkel, Hollande Ausland Panorama: Hohe Wachstumsraten in Afrika / David Cameron, der relaxte Premierminister ... 80 Währungspolitik: Wie Deutschland sich den Weg aus der Krise vorstellt ......................... 82 Griechenland: Interview mit Alexis Tsipras, Chef des Linksbündnisses Syriza, über seinen Wunsch, in der Euro-Zone zu bleiben ............... 86 USA: Obama spaltet das schwarze Amerika ...... 88 China: Der Gelbe Fluss – Kraftquelle der Supermacht ................................................. 92 Global Village: Warum eine neue Bewegung in den Niederlanden Toaster repariert .............. 98 Sport Szene: Kletterer-Ansturm auf den Mount Everest / Ein 17-jähriger Mormone gilt als größtes Talent des US-Basketballs ........ 101 Euro 2012: Drei Stars von Borussia Dortmund sind die Hoffnungsträger des EM-Gastgebers Polen ...................................... 102 Der italienische Nationalspieler Riccardo Merkels Konzept für Europa Seiten 82, 86 Montolivo über die Favoritenrolle des deutschen Teams und seine Kindheitserinnerungen an Schleswig-Holstein ........................................... 106 Mit einem Sechs-Punkte-Plan und Strukturreformen will die Kanzlerin die Krise bekämpfen. Der griechische Linkspopulist Tsipras Wissenschaft · Technik BPA / REUTERS wünscht sich im Interview das Unmögliche: den Euro zu behalten. Prisma: Auerhahn vor dem Aussterben / Hightech-Segel für Frachtschiffe ...................... 108 Fotografie: Minikameras mit Insektenaugen revolutionieren Handys und Computer ........... 122 Medizin: Die schwierige Betreuung diabeteskranker Kinder ................................... 124 Astronomie: Jahrhundertereignis für Sternengucker – die Venus schiebt sich vorErst knipsen, dann scharf stellen Seite 122 die Sonne ......................................................... 126 KulturNeuartige Lichtfeldkameras haben Linsen wie Insektenaugen. Der Clou: Szene: Der ägyptische Filmemacher YousryDie Bilder werden erst nachträglich scharf gestellt. Die Technik könnte den Nasrallah über die Umbrüche in seiner Heimat /Bau schlankerer Handys ermöglichen, die sich mit Gesten steuern lassen. Manuela Reicharts Prosadebut ........................ 128 Baukunst: Albert Speer und das größenwahnsinnige WM-Projekt von Katar ...... 130 Geschichte: Ein US-Bestseller klärt über die Gründe für Wohlstand und ArmutDrei Dortmunder für Polen Seite 102 der Nationen auf .............................................. 134 Exil: SPIEGEL-Gespräch mit dem iranischen Musiker Shahin Najafi überSie sind Deutscher Meister und Pokalsieger, nun sollen drei sein Leben mit der Fatwa undLegionäre EM-Gastgeber Polen zu Ruhm und Siegen führen. Torjäger seinen Kampf für die Freiheit der Kunst .......... 136Robert Lewandowski trägt die Hauptlast. Bestseller ........................................................ 139 Essay: Warum man Dateien nicht lieben kann, Schallplatten aber sehr wohl .................. 140 Kunstkritik: Eine junge Generation arbeitet sich am Maler-Übervater Gerhard Richter ab ......... 142Die Aura des Briefe .................................................................. 8 Impressum, Leserservice ................................. 144Plattentellers Register ........................................................... 146 Personalien ...................................................... 148 Hohlspiegel / Rückspiegel ................................ 150 Seite 140 Titelbild: Foto Action PressAls im Wohnzimmer nocheine Musiktruhe stand, dieSchlagerhits und Karajans Die Mega-SchauBeethoven von teuren LPs Was bisher geschah:kamen, hatten die Men- Skandale und Rekordeschen ein Gefühl für den der Documentas 1 bisWert von Musik. Heute, 13. Außerdem im Kultur- GETTY IMAGESin Zeiten von Download SPIEGEL: die Tanz-und iPhone, hat der Kultur- oper „C(h)œurs“; kannkonsum die Aura des Kost- Bikini-Werbung män-baren verloren. Musikhörerin nerfeindlich sein? D E R S P I E G E L 2 2 / 2 0 1 2 7
  4. 4. Briefe binett ein Machtwort spricht und Wirt- schaftsminister Rösler auf eine klima- „Paradoxie pur: Die Personen, freundliche Energiewende verpflichtet. Und wenn sie zweitens dafür sorgt, dass die den friedfertigen, ein- Altmaier im Kabinett und in seiner Frak- tion Gehör findet und nicht wie Röttgen fachen Bürger vertreten sollen, von den eigenen Leuten bekämpft wird. können nie so sein wie UWE NESTLE, FLENSBURG dieser, da sie es sonst nie Herr Röttgen hat dafür gesorgt, dass die CDU in NRW erheblich unter Wert ge- so weit bringen würden.“ schlagen wurde. Wäre er im Amt des Um- weltministers geblieben, hätte man ihn SEBASTIAN SCHREIBER, HILPOLTSTEIN (BAYERN) bei jedem Problem in der Energiewende SPIEGEL-Titel 21/2012 an den Pranger gestellt, immer unter Hin- weis auf seine schwache Leistung und be- wiesene Bürgerferne im NRW-Wahl-Nr. 21/2012, Ziemlich beste Feinde – Neid kampf. Er wäre ständig in der Defensive.und Niedertracht in der Politik Da er das nicht einsah, was leider ein De- fizit an gesundem Menschenverstand of-Die Patin hat abgedrückt fenbart, blieb der Kanzlerin wohl nichts anderes übrig, als ihn zu entlassen.Ein Minister hat’s schwer! Kein Arbeits- DR. HUBERT HOFMANN, IMMENSTAADvertrag, kein Kündigungsschutz, kein Ar- (BAD.-WÜRTT.)beitsgericht. Aber: Bevor er das Amt an-tritt, weiß er das alles. Brutus hat mit dem Feuer gespielt und WOLFGANG HÖRNLEIN / PDH FRITZ GRÖGER, LANGENZERSDORF (ÖSTERREICH) sich dabei die Finger verbrannt. Sage kei- ner, er wusste nicht, was er tat, war erDas zweifellos Eindrucksvollste am doch mal Muttis Klügster.Abend nach der NRW-Wahl war, dass ein GÜNTER KRUG, BERLINVerlierer das Geschehene zutreffend undangemessen kommentierte. Unerwartet Unabhängig von der Vielzahl der persön-wohltuend hob sich dies ab von den Er- Kontrahenten Merkel, Röttgen lichen Fehler sind Aufstieg und Fall desklärungen der Sieger, welche ihre allzu Norbert Röttgen die Konsequenz aus ei-oft gehörten Phrasen droschen. wohl auch dank seiner Bezüge als einfa- nem unlösbaren Dilemma: Ökologie und ERNST-GUST KRÄMER, KALLETAL (NRW) cher Bundestagsabgeordneter zumindest eine um ihre konservative Identität rin- bis zur nächsten Wahl nicht auf der Stra- gende Union – das passt nicht zusammen.Paranoid, wie Kanzlerin Merkel mit Geg- ße landen. Und sicher findet sich alterna- Röttgen war der falsche Mann in einemnern verfährt: Kritik an ihr oder Gegen- tiv dazu auch noch ein ordentlich dotier- falschen Spiel. Er trug die Klappentextebewegungen zu ihrem Kurs werden übel ter Posten als Lobbyist. Wer möchte da ökologischer Ideen vor und schmücktesanktioniert. Das hat eine despotische nicht gern „Opfer“ sein?! sie wuchtig aus. Heiße Luft, richtig ver-Note! Dieses Verhalten lehne ich als de- MARTIN HENNIGER, POTSDAM standen hat er nichts.mokratische Bürgerin ab. Diese Dame ge- MICHAEL MÜLLER, DÜSSELDORFhört endlich selbst in die Machtlosigkeit Deutschlands politische „Schwarze Wit- SPD-STAATSSEKRETÄR A. D.verbannt. we“ demonstriert öffentlich Macht! Nur – GABI EICHFELD, KÖLN was wird sein, wenn alle ihre Männchen Frau Merkel hat getan, was jeder Mana- verschlungen sind? ger tun würde: Sie hat einen illoyalenIch habe größte Hochachtung davor, dass DR. UDO KÜPPERS, BREMEN und uneinsichtigen Führungsmitarbeiter,Röttgen auf förmlicher Demission bestan- der sich weder zwischen zwei Abteilun-den hat, statt sich auf das übliche verlo- Wegen der fehlenden Macht im Kabinett gen entscheiden kann noch mit Leistunggene Ritual vom „freiwilligen Rücktritt“ und in der eigenen Partei war der Raus- überzeugt, entlassen. Wer seiner Chefinaus gesundheitlichen oder anderen fal- wurf Röttgens vermutlich richtig. Er und den Bürgern so wenig Wertschätzungschen Gründen einzulassen. reicht aber nicht aus. Der neue Umwelt- entgegenbringt wie Herr Röttgen, muss GÜNTER SCHUMACHER, ROETGEN (NRW) minister Altmaier wird nur dann dazu sich nicht wundern, wenn mal die Chefin beitragen können, die Energiewende vor- entscheidet und mal der Bürger.Von Don Vito Corleone, der im Film anzutreiben, wenn Merkel erstens im Ka- ANDREA DOBRIN, BERLINGEN (SCHWEIZ)„Der Pate II“ als Oberhaupt einer sizilia-nischen Mafiafamilie New York regiert,stammt das berühmte Zitat: „Geld ist eineWaffe. Politik ist zu wissen, wann man Diskutieren Sie im Internetabdrückt.“ Bundeskanzlerin Angela Mer- www.spiegel.de/forum und www.facebook.com/DerSpiegelkel hat abgedrückt, als sie am Mittwochfür alle überraschend ihren Umweltminis- ‣ Titel Wie kann die Gesellschaft ein würdevollester Norbert Röttgen schasste und so poli- Sterben ermöglichen?tisch erledigte. ‣ Demokratie Erststimme, Zweitstimme, Überhang- ROLAND KLOSE, BAD FREDEBURG (NRW) mandat – ist das deutsche Wahlrecht zu kompliziert?Herr Röttgen wird zunächst das ihm zu- ‣ SPD Wäre Sigmar Gabriel ein geeigneter Kanzlerkandidat?stehende Übergangsgeld beziehen und8 D E R S P I E G E L 2 2 / 2 0 1 2
  5. 5. BriefeNr. 20/2012, Der Rechtsstaatzerstörte die Existenz von Harry Wörz undließ ihn dann mit den Folgen alleinKalt und herzlosDie Geschichte von Harry Wörz geht un-ter die Haut. Das Versagen der Ermittlerund Richter, das kaum Konsequenzennach sich zieht, die fortwährende Trau-matisierung des Mannes, dem offenbar –trotz allen Unrechts – nicht schnell undunbürokratisch geholfen wird, zeichnen HEIKO SPECHT / VISUMein grausames Bild vom Umgang mit derWürde von Menschen, die zu Opfernstaatlicher Instanzen wurden. ANGELA ELIS, FREIBERG (SACHSEN)Der Staat behandelt den langjährig un- Baustelle mit Dämmstoffen in Kölnschuldig inhaftierten Harry Wörz rechtkleinkrämerisch. Dabei sollte er ihm nicht zahl und Heizöl für weniger als zehnnur die Haftentschädigung auszahlen, Pfennig pro Liter. Bei einer 50-prozenti-sondern auch den gesamten beruflichen gen Erhöhung der Scheibenzahl von ei-Verdienstausfall infolge der Haftzeit, die nem „Schneewittchensarg“ zu sprechenvollständigen Kosten für die Verteidigung ist nur ein schlechter – allerdings fürs Kli-und die Anerkennung seiner Erkrankung ma vielleicht nicht folgenloser – Witz.als Folge der Haftzeit. KURT AUBECK, REINHEIM (HESSEN) CHRISTIANE SCHMID, RETHEM (NIEDERS.) Es ist erstaunlich, mit welcher Hartnä-Die Jurisdiktion in Staatsdiensten ist bei ckigkeit sich die Postulate zum Themauns kalt und herzlos, wenn es um die Op- der energetischen Altbausanierung hal-fer geht. ten. Ich habe in 20 Jahren Bau von Pas- WERNER LADWIG, LUG (RHLD.-PF.) sivhäusern und Altbausanierung mit teil- weise extremer Wärmedämmung keinen einzigen dadurch verursachten Schimmel- befall gehabt. Im Bereich Altbau ist es im Moment so, dass überwiegend Laien und Handwerker mit Halbwissen die Sa- WOLFRAM SCHEIBLE / DER SPIEGEL nierungen ausführen, was vermeintlich Geld spart. Das ist so, als ließe man einen Metzger den Blinddarm entfernen und verdammte nach Ableben des Patienten die Operation als solche. MICHAEL TRYKOWSKI, FRENSDORF (BAYERN)Justizopfer Wörz, Therapeutin Seit der strengeren Energieeinsparverord- nung 2009 ist klar, dass Neubauten eigent-Auch die Justiz ist nicht unfehlbar. Aber lich eine Lüftungsanlage benötigen, umnachdem man das Leben eines Unschul- den notwendigen Luftaustausch zu ge-digen zerstört hat, wäre es das Mindeste, währleisten. Nur scheuen sich viele Bau-dem Opfer die Rückkehr ins normale herren vor diesem Schritt, weil sie inLeben durch eine angemessene Entschä- Deutschland nicht zum Standard gehört.digung zu erleichtern. Die Haftpflicht- BENJAMIN GÜRKAN, WEITERSTADT (HESSEN)versicherung der Justiz ist letztlich derSteuerzahler, und als solcher hätte ichmit dieser Regelung kein Problem. Nr. 20/2012, Wie ein Schweizer Paar HERBERT TAUREG, HENNEF (NRW) acht Monate in der Gewalt pakistanischer Taliban überlebteNr. 20/2012, Schärfere Öko-Vorschriftenverschrecken Hausbesitzer und Mieter Willkommen zurück im Leben! Ich bin zwölf Jahre lang auf deutschenEin Metzger am Blinddarm Handelsschiffen zur See gefahren. Unsere Einsätze haben uns in manches Krisen-Als nach dem Zweiten Weltkrieg die da- gebiet geführt, das meine Kollegen undmals sogenannten Thermopanescheiben ich sonst auf jeden Fall gemieden hätten.als Doppelverglasung ihren Siegeszug an- Wir waren immer wieder überrascht, mittraten, hat jedermann den Nutzen er- welcher Blauäugigkeit sich Touristen auskannt, trotz Verdoppelung der Scheiben- Wohlstandsnationen in den risikoreichs-10 D E R S P I E G E L 2 2 / 2 0 1 2
  6. 6. MAURICE HAAS / 13 / DER SPIEGELEx-Geiseln Daniela Widmer, David Ochten Regionen der Welt bewegen. Erleb-nistrips in Westafrika und durch Drogen-gebiete in Lateinamerika kann man wahr-scheinlich nur mit Wohlstandsüberdrusserklären. Gratulieren kann man demSchweizer Paar zur gelungenen Flucht.Das Erlebte mag man keinem gönnen! DANIEL KÜPFER, RAPPERSWIL (ST. GALLEN/SCHWEIZ)Ein unfassbar ergreifender Bericht überzwei sehr starke Persönlichkeiten, diephysisch und vor allem psychisch aushal-ten mussten, was wohl eine der schlimms-ten Erfahrungen ist, die ein Mensch über-haupt machen kann. Bei der „Geburts-tagstorte“ schossen mir die Tränen in dieAugen. Daniela, David: Willkommen zu-rück im Leben! KLAUS-PETER MÜLLER, BADEN-BADENNr. 20/2012, SPIEGEL-Gespräch mit demfranzösischen Historiker Emmanuel ToddTeufel am TischPolemik, Provokationen und Neid aufden wirtschaftlich erfolgreicheren Nach-barn – viel mehr war von Herrn Todd lei-der nicht zu vernehmen. Insbesonderenichts Neues. Dazu halbgare Lösungs-ansätze wie „eine gehörige Dosis Protek-tionismus“. Und zu guter Letzt sitzt auchnoch der Teufel mit am Tisch. BENJAMIN GLAUER, HANAUDer Artikel bringt es klar und deutlichauf den Punkt. Die Wahrheit wird schnör-kellos dargestellt. SUSANNE BRETHAUER, DORTMUNDEs wäre sehr schön gewesen, wenn SieHerrn Todd nicht derart unwidersprochenüber seine weltfremde Ansicht schwa-dronieren lassen hätten. Schade! FRANK HENNEMANN, DRESDEN12 D E R S P I E G E L 2 2 / 2 0 1 2
  7. 7. BriefeWie verbohrt muss man sein, um teten Rollenbild à la Geis folgen wollen.Deutschland als Gewinner der EU und Sie wollen Zeit für ihre Kinder haben, sieder Globalisierung wahrzunehmen? Herr wollen, dass ihre Partnerin trotz kleinerTodd müsste wissen, dass auch hierzulan- Kinder die Möglichkeit hat, am Berufsle-de die Staatsschulden steigen und gute ben teilzuhaben, denn Beruf ist nicht nurJobs rarer werden. Auch unsere „Export- Karriere, sondern auch soziales Umfeld.nation“ zählt wegen des Zollabbaus zu BETTINA NOLDE, HANNOVERden Opfern des grenzenlosen Lohndum-ping-Wettbewerbs. In vielen Familien stellt sich die Frage, MANFRED JULIUS MÜLLER, FLENSBURG ob ein Partner zu Hause bleibt, gar nicht. Beide müssen arbeiten gehen, um überTodds Bemerkung, das „französische Ide- die Runden zu kommen. Es geht nichtal mit seinem universalistischen Men- darum, dass die Ehefrau die Welt retten,schenbild von der Gleichheit aller“ sei in an ihrer Professur arbeiten oder zumDeutschland nicht so tief verankert, ver- Mond fliegen möchte. Es ist auch für Män-anlasst mich dazu, ihm zu empfehlen, sich ner nicht die Frage, ob sie sich im Haus-näher mit der Geschichte des französi- halt betätigen möchten oder nicht: Wennschen Kolonialismus zu befassen. Insbe- die Dame des Hauses arbeiten geht undsondere der Krieg in Algerien ist hinsicht- sie nicht im Dreck ersticken möchten,lich dieses Menschenbilds und der daraus müssen sie halt auch mal den Putzlappenresultierenden französischen Humanität in die Hand nehmen.sehr aufschlussreich und ernüchternd. ANKE WIRTH, HEMHOFEN (BAYERN) HUBERT KOLB, BERLIN Erwartungsgemäß habe ich mich beim Le- sen eines Interviews mit Norbert Geis ge-Nr. 20/2012, Streitgespräch zwischen Na- ärgert. Nicht wegen seiner konservativendine Schön (CDU) und Norbert Geis (CSU)über das Familienbild der KonservativenPutzlappen statt MondfahrtLangsam fühle ich mich diskriminiert von MAURICE WEISS / DER SPIEGELden ehernen Verfechtern des Hausfrau-enmodells. Bin ich als Kind berufstätigerEltern arm dran? Vor dem Kindergarten-alter wurde ich von einem Kindermäd-chen und im Kindergartenalter nachmit-tags von einer Bekannten betreut. Ab derersten Klasse hatte ich einen Hausschlüs- Unionspolitiker Geis, Schönsel und bereitete mir mein Essen selbstzu. Heute bin ich sogar ein erfolgreiches Ansichten, sondern weil er keinerlei Fä-und zufriedenes Mitglied der Gesell- higkeit zur Selbstreflexion zeigt. Interes-schaft, welch ein Wunder! sant wäre die Frage gewesen, ob Geis MARTIN REUTER, MAINZ denn als voll berufstätiger Vater seinen Kindern gerecht werden konnte. SchwerWenn ich Herrn Geis reden höre, bin ich erträglich finde ich auch, wenn er sichzutiefst dankbar für unsere säkulare zwar das Recht abspricht, über andere zuStaatsform. urteilen, sich aber zugleich das vernich- PHILIPP FÄTH, HÖSBACH (BAYERN) tende Urteil der katholischen Kirche über Homosexuelle zu eigen macht.Bei jungen Familien geht es selten um JONAS FECHNER, KONSTANZdie großen Lebensentwürfe, sondern um Die Redaktion behält sich vor, Leserbriefe – bitte mitden alltäglichen Wahnsinn der Vergabe Anschrift und Telefonnummer – gekürzt und auch elek-von Kita-Plätzen. Es geht auch darum, tronisch zu veröffentlichen. Die E-Mail-Anschrift lautet:dass viele Väter eben nicht einem veral- leserbriefe@spiegel.de Aus der SPIEGEL-Redaktion Die Stadt der Gondeln und Kanäle war jahrhundertelang mächti- ge Seerepublik, Drehscheibe des Welthandels und Metropole der Malerei, Musik und Architektur. Abenteurer wie Marco Polo und Casanova, Genies wie Monteverdi und Tizian waren hier zu Hause. SPIEGEL GESCHICHTE zeichnet den erstaunlichen Aufstieg einer malariaverseuchten Lagunensiedlung zu einer der bedeu- tendsten europäischen Großmächte nach – vom ewigen Kampf gegen das Wasser bis zum Fall der Dogenrepublik, als Venedig zum Sehnsuchtsort wurde. Das Heft ist ab Mittwoch im Handel. D E R S P I E G E L 2 2 / 2 0 1 2 13
  8. 8. Panorama Deutschland NORBERT MILLAUER / DAPD Seehofer, Merkel GESCHLECHTER I Union für Flexi-Quote Angela Merkel, Kanzlerin und CDU-Vorsitzende, und der stammt von Bundesfamilienministerin Kristina Schröder CSU-Vorsitzende Horst Seehofer wollen im Gesetz eine (CDU). Merkel und Seehofer wollen mit ihrer Einigung zum flexible Frauenquote für Unternehmen festschreiben. Auf einen den Unmut der Frauen in der Unionsfraktion dämpfen, diesen Schritt hätten sich die beiden in einem vertraulichen die sich gegen das von der CSU geforderte Betreuungsgeld Gespräch am Dienstagabend im Kanzleramt verständigt, heißt wenden. Zum anderen sehen sie in der Flexi-Quote ein Kom- es in Kreisen der Koalition. Die sogenannte Flexi-Quote sieht promissangebot an die FDP. Die Liberalen sind strikt gegen vor, dass Unternehmen sich selbst ein Ziel für die Förderung eine feste Quote, wie sie unter anderem Bundesarbeitsminis- von Frauen in Führungspositionen setzen. Wenn ein Unter- terin Ursula von der Leyen (CDU) fordert. Auch Seehofer nehmen dieses Ziel verfehlt, können Sanktionen – zum Bei- hat in internen Gesprächen deutlich gemacht, dass er für eine spiel Geldbußen – verhängt werden. Die Idee der Flexi-Quote feste Quote keine Mehrheit in seiner Partei sieht. GESCHLECHTER II tierten und rund 15 Prozent der Pro- ner- und Frauenanteilen nach dem fessoren in der höchsten Besoldungs- Studienabschluss öffnet und im Zuge Frau Doktor, stufe C4/W3. Die Zahlen zeigten, „dass sich die Schere zwischen Män- der weiteren wissenschaftlichen Lauf- bahn größer wird“. Zwar habe es seit Herr Professor einer Vergleichserhebung 2006 Fort- schritte gegeben: Der Frauenanteil bei den C4/W3-Professoren lag damalsDer Wissenschaftsrat fordert eine um rund vier Prozentpunkte niedriger,Frauenquote – im Gespräch waren zu- in den Spitzenpositionen der außer-letzt 40 Prozent – in Auswahlkommis- universitären Forschungseinrichtungen BERND SETTNIK / PICTURE ALLIANCE / DPAsionen und Entscheidungsorganen von stieg er von 7,9 auf 11,3 Prozent. ZurForschungseinrichtungen und Hoch- weiteren Steigerung dieses Anteilsschulen. Dadurch sollen mehr Wissen- empfehlen die Experten den Hoch-schaftlerinnen in Führungspositionen schulen und Instituten, bei befristetengelangen. Nach Angaben des Berater- Verträgen längere Laufzeiten einzu-gremiums stellten Frauen im Jahr 2010 räumen, um Eltern mehr Sicherheit zuzwar 52 Prozent der Hochschulabsol- bieten, außerdem ausreichend vieleventen und 44 Prozent der Promovier- Kinderbetreuungsplätze einzurichtenten, aber nur 25 Prozent der Habili- Biologiestudentinnen in Potsdam und bei Arbeitszeiten flexibel zu sein. D E R S P I E G E L 2 2 / 2 0 1 2 15
  9. 9. Panorama GRÜNE Basis bestimmt WahlkampfthemenDie Mitglieder der Grünen sollen ent-scheiden, welche Forderungen die Par-tei im Bundestagswahlkampf 2013 her-vorhebt. Nach den Plänen, die Bundes-geschäftsführerin Steffi Lemke denLandesvorständen vorstellte, wählendie Parteimitglieder bei Diskussionenin den Kreisverbänden sowie im Inter-net die zehn wichtigsten Wahlverspre-chen. Darüber bestimmen sonst die IMAGO SPORTFOTODIENSTSpitzenkandidaten und der Bundesvor-stand. Die Grünen-Führung hofft dar-auf, dass die Basis im Wahlkampf fürdie selbstgewählten Themen engagier-ter streitet. Das neue Mitmachmodellsei keineswegs eine Reaktion auf das Fan-Krawalle im Düsseldorfer Stadion beim Rückspiel gegen Hertha BSCErstarken der Piratenpartei, betont dieParteiführung. FUSSBALL Anfeuern statt feuern Nach den Ausschreitungen bei den Bun- nen. „Die Vereine müssen alle rechtlichen desliga-Relegationsspielen fordert der Möglichkeiten ausschöpfen“, sagt Jäger. nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Das Abbrennen von Bengalos mit Tempe- OLIVER KILLIG / PICTURE ALLIANCE / DPA Jäger (SPD) die Fußballvereine auf, ihre raturen von 1000 Grad sei „lebensgefähr- Geschäftsbedingungen zu ändern. Beim lich für alle Fans“ und könne eine Panik Ticketkauf sollen sich die Fans verpflich- mit unübersehbaren Folgen auslösen. Der ten, keine Pyrotechnik ins Stadion mitzu- NRW-Innenminister verlangt von den bringen. Randalierer, die im Stadion mit Clubs zudem, bei ihren Kontrollen sorg- bengalischen Feuern, Rauchbomben und fältiger vorzugehen. Auf der anstehenden Böllern erwischt werden, müssten dann Innenministerkonferenz will Jäger seine mit empfindlichen Vertragsstrafen rech- Vorschläge den Kollegen vorlegen.Landesparteitag der Grünen in Dresden A M O K LÄU F E Pistolen im Elternhaus. Wie lässt sich chen Sportschützen nie an Wettkämp- so etwas verhindern? fen teil. Diesem Personenkreis sollte „Erwerb von Brenneke: Ob die Waffen richtig ver- wahrt waren, müssen die Ermittlungen man den Besitz von scharfen Waffen verbieten und erst recht deren Aufbe- Waffen erleichtert“ ergeben. Das generelle Problem ist, dass überhaupt so viele Menschen Waffen und Munition zu Hause haben. wahrung zu Hause. SPIEGEL: Klingt leicht umzusetzen. Brenneke: Das wäre eine Revolution! EsDer frühere Referats- Da haben alle Parteien mitgewirkt. heißt immer, das Waffengesetz vonleiter für Waffenrecht Vor allem für Sportschützen gab es bis 2003 sei verschärft worden. Aber es A. STEIN / JOKER / DER SPIEGELim Bundesinnenministe- 2008 immer wieder Liberalisierungen wurde nur die Altersgrenze heraufge-rium, Jürgen Brenneke, statt Verschärfungen. setzt, und die Waffenschränke müssen74, über die Gefahren SPIEGEL: Welche denn? jetzt besser gesichert sein. Der Erwerbdurch Sportschützen Brenneke: Jeder, der in einem Schützen- von Waffen wurde eher erleichtert.und andere Waffen- verein ist, darf praktisch beliebig viele SPIEGEL: Funktionieren die Kontrollen?besitzer in Deutschland Waffen besitzen – und zwar nicht nur Brenneke: Für die Vollzugsbehörden solche, mit denen in seinem Verein ge- sind erst jetzt die allgemeinen Verwal-SPIEGEL: Der Vorfall in Memmingen, schossen wird. Die Logik des Gesetzes tungsvorschriften für das Waffengesetzwo ein 14-Jähriger vor seiner Schule lautet: Falls er mal bei einem anderen von 2003 erlassen worden. Und in die-und auf einem Sportplatz mehrmals Verein als Gast schießt, müsse er eine sen Vorschriften wird der Gesetzestextschoss, erinnert an das Massaker von dort im Wettkampf zulässige Waffe extrem großzügig ausgelegt – zuguns-Winnenden: Der Vater ist im Schüt- mitbringen können. Dabei nehmen ten der Waffenbesitzer, aber zu Lastenzenverein, der Sohn besorgt sich die weit mehr als 50 Prozent der angebli- der inneren Sicherheit.16 D E R S P I E G E L 2 2 / 2 0 1 2
  10. 10. Deutschland BUNDESPRÄSIDENT SPD Imitatoren gestoppt Aus drei mach einsAnonyme Täuscher können nicht In der SPD wächst der Unmut gegenlänger unter www.praesidialamt.de den Plan, weiterhin auf die Troika ausden Eindruck erwecken, Bundespräsi- Parteichef Sigmar Gabriel, Bundes-dent Joachim Gauck beantworte dort tagsfraktionschef Frank-Walter Stein-Bürgeranfragen. Nach einem Hinweis meier und Ex-Finanzminister Peerdes Bundespräsidialamts löschte die Steinbrück zu setzen. „Das Konzeptdeutsche Internetregistrierungsstelle der Troika hat sich totgelaufen“, sagtDenic die Domain. Die unbekannten der wirtschaftspolitische Sprecher derGauck-Doubles betreiben aber weiter- SPD-Fraktion im Bundestag, Garrelthin die im Ausland registrierte Seite Duin. Er will die Kür des Kanzler-www.praesidialamt.com, auf der sie kandidaten vorziehen und diesender Denic vorwerfen, die deutsche nicht erst im Januar 2013 bestimmen.Paralleladresse „wie in bester diktato- Auch sein Parlamentskollege Frankrischer Manier enteignet“ zu haben. Schwabe, Umweltexperte aus Nord-Eine weitere Internetadresse derselben rhein-Westfalen, fordert ein Ende derBetreiber, www.jgauck.de, leitet die Troika: „Es muss klar sein, dass derBenutzer direkt auf die Homepage der Parteivorsitzende das Verfahren be-Scientology Kirche Berlin. „Wir haben stimmt, das darf nicht unter drei Män-damit mit Sicherheit nichts zu tun“, nern ausgemacht werden.“ Seit demerklärte ein Sprecher der Organisation. Sieg der SPD mit ihrer Spitzenkan-Die Unbekannten hatten sich bei der didatin Hannelore Kraft bei der Land-Denic unter einer falscher Adresse an- tagswahl in NRW mehren sich in dergemeldet: der des Bundesnachrichten- Partei die Stimmen für eine Kanzler-dienstes. kandidatur Krafts. H AU P T S TA D T Bruchlandung in Brüssel?Die Verschiebung des Starts des Berli- Die Gesellschafter, die beiden Bundes-ner Großflughafens um ein Dreiviertel- länder sowie der Bund, müssen Kapitaljahr könnte der Bundesregierung Pro- nachschießen oder neue Kredite überbleme mit der Europäischen Kommis- Bürgschaften absichern. Die Parlamen-sion einbringen und die Finanzplanun- te werden vermutlich noch vor dergen der Länder Brandenburg und Ber- Sommerpause Nachtragshaushalte be-lin durcheinanderwirbeln. Da die staat- schließen und die EU-Kommission umliche Flughafengesellschaft den eine Genehmigung dafür bitten müs-Kreditrahmen von 2,4 Milliarden Euro sen. Die Brüsseler Wettbewerbswäch-nahezu ausgeschöpft hat, braucht sie ter äußerten bei einem ähnlichen Vor-bis zum neuen Starttermin im März fri- gang um den Flughafen Leipzig-Hallesches Geld. Insider schätzen die Zusatz- im September große Bedenken gegenkosten – unter anderem für Schadenser- eine nachträgliche Kapitalerhöhung.satzforderungen und den Weiterbetrieb Der Fall liegt nach Angaben der Flug-der Flughäfen Tegel und Schönefeld – hafengesellschaft Leipzig beim Europäi-auf mindestens 300 Millionen Euro. schen Gerichtshof. KLAUS-DIETMAR GABBERT / DAPDFlughafen Berlin Brandenburg D E R S P I E G E L 2 2 / 2 0 1 2 17
  11. 11. Deutschland Panorama VERKEHR QUERSCHNITT Ramsauers siebter Sinn Luisenbad, Schlei Bundesverkehrsminister Peter Ram- Elbe, sauer (CSU) kämpft unbeirrt darum, Kollmar dass die ARD die Verkehrsratgebersen- Weser, Lütauer See dung „Der 7. Sinn“ wieder einführt. Upleward Kleinensiel „Schließlich geht es um die Verkehrssi- Freibad cherheit“, sagt Ramsauer, „ich habe Dyksterhausen Ems, Leer keinerlei Verständnis, dass die ARD- Kleine Badewiese, Anstalten als öffentlich-rechtliches Unterhavel Fernsehen sich einem solch plausiblen, wichtigen und populären Anliegen ver- schließen.“ Zuvor hatte die ARD-Vor- sitzende Monika Piel dem Politiker eine Absage erteilt. Bebraer Die Chefredakteu- Teiche re der ARD hätten sich gegen eine Wißmarer Wiederaufnahme entschieden, teilte CHRISTIAN THIEL / DER SPIEGEL See Piel in einem Brief vom 11. Mai mit. Meerhofsee Wasserqualität „Finanzielle, pro- Wasserzustand unterhalb duktionstechnische der Mindestanforderungen und inhaltlich-kon- Schornweisach Nur Mindestanforderungen zeptionelle Überle- Kocherbade- Weiher werden erfüllt bucht Ramsauer gungen haben zu keinem Ergebnis Buchhorner geführt, das Ihrem Anliegen entspre- See chen würde“, heißt es darin. Die Rech- te für die Sendung, die von 1966 bis 2005 in der ARD ausgestrahlt worden war, liegen beim WDR. Auch Länder- verkehrsminister und die Deutsche Rheinschwimmbad, Schwörstadt Polizeigewerkschaft hatten die Wieder- belebung der dreiminütigen Kultsen- dung gefordert. Diese war oft unmittel- bar nach der Tagesschau ausgestrahlt Wasser – marsch! worden und hatte in Spitzenzeiten bis zu 20 Millionen Zuschauer erreicht. Ramsauer hatte in einem Brief Ende Wer in diesen ersten Sonnentagen des Jahres nach Abkühlung sucht, sollte an März angeboten, dass sich sein einigen Bädern in Deutschland nur die Fußspitze ins Wasser stecken. 15 der Ministerium indirekt an der Finanzie- offiziellen EU-Badestellen hierzulande haben eine geringe Wasserqualität (rot rung beteiligen würde. Er könne den markiert). 36 Badestellen schneiden kaum besser ab, sie erfüllen gerade die Wunsch in der Bevölkerung, die Sen- Mindestanforderungen der EU-Richtlinie (schwarz markiert). Insgesamt ver- dung wieder ins Programm zu nehmen, schlechterte sich die Wasserqualität an den Küsten im Vergleich zum Vorjahr. gut nachvollziehen, hatte Ramsauer Die gute Nachricht: An den übrigen 2259 untersuchten Badestellen kann man geschrieben, „da ich die Sendung laut der Studie bedenkenlos planschen. selbst kenne und deren konzeptionel- len Wert stets geschätzt habe“. POLIZEI schlägt das niedersächsische Ministe- fentlicht, bis das niedersächsische rium vor, Regeln „insbesondere in Justizministerium diese Praxis als völ- Fahndung via Bezug auf die Nutzung sozialer Netz- werke festzulegen“. Aktivitäten bei kerrechtswidrig kritisierte: Der Face- book-Server befinde sich in den USA, Twitter Facebook und anderen Netzwerken werden als „sinnvolle Ergänzung“ der „Informations-, Ermittlungs- und Fahn- die Polizei werde ohne völkerrecht- liche Vereinbarung auf fremdem Staatsgebiet tätig. Die hannoverscheDie Innenminister prüfen, bundeswei- dungsarbeit“ bezeichnet. Behörde erwähnt deshalb auf ihrerte Standards für den Umgang der Si- Bisher nutzen die Ermittler die Netz- Facebook-Seite die Fahndungen nurcherheitsbehörden mit Facebook, Twit- werke unterschiedlich. Die Polizei- noch und verweist auf den Internet-ter und Co. zu schaffen. In einem Ent- direktion Hannover hatte Fahndungs- auftritt der Polizei. Erst dort findenwurf für die Innenministerkonferenz aufrufe auf ihrer Facebook-Seite veröf- sich detaillierte Angaben.18 D E R S P I E G E L 2 2 / 2 0 1 2
  12. 12. Deutschland AU S S E N P O L I T I K Kalter FriedenIm deutsch-russischen Verhältnis zieht eine neue Eiszeit herauf. Berlin ist wie selten zuvor auf die Zusammenarbeit mit Moskau angewiesen, doch Merkel misstraut dem wiedergewählten Präsidenten Putin. Sie will die Opposition stärken.E s sollte eine Geste der Verbundenheit werden, eine große Inszenierung:Wladimir Putin, der russischePräsident, und sein deutscherKollege Joachim Gauck beimPuzzlespiel auf dem RotenPlatz in Moskau, direkt vor denToren des Kreml. Mit handver-lesenen Gästen wollten diebeiden Staatschefs aus 1023Einzelteilen eine überdimen-sionale Kopie des Selbstbild-nisses von Albrecht Dürerzusammenfügen. Das Gemäldeist eine Ikone der europäischenKunst. Doch Putin ist die Lust aufPuzzlespiele vergangen. Erstsagte der Kreml einen Terminim Mai ab, da sollte dasdeutsch-russische Jahr eröffnetwerden. Jetzt ließ der Präsi-dent mitteilen, dass er im Juniebenfalls keine Zeit habe. Derehemalige KGB-Agent Putinwill dem FreiheitskämpferGauck, der nur Verachtung fürdas Spitzelsystem des Kommu-nismus übrig hat, keine großeBühne bieten. Die Absage des Puzzlespielsspiegelt den Stand des deutsch-russischen Verhältnisses treff-lich wider. Am kommendenFreitag reist Putin zu einem of-fiziellen Besuch nach Berlin. Es MARKUS SCHREIBER / APist die erste Reise in ein westli-ches Land, nachdem er AnfangMai zum dritten Mal als Präsi-dent ins Amt eingeführt wurde.Eigentlich sollte das eine posi-tive Botschaft sein. Tatsächlich Kanzlerin Merkel*: Wenig Hoffnung auf einen Wandel in Moskausind die Beziehungen zwischenBerlin und Moskau so schlecht wie seit kann nur über Berlin Einfluss in Europa land bleibt wegen des drohenden Schei-Jahren nicht mehr. ausüben. terns des Pipeline-Projekts Nabucco wei- Die Beziehungen zu Russland genießen Aber ausgerechnet in einer Zeit, in der ter abhängig vom russischen Gas. Putintraditionell eine Sonderstellung in der Deutsche und Russen zunehmend auf- wiederum braucht deutsche Investoren,deutschen Außenpolitik. Deutsche Regie- einander angewiesen sind, steuern beide um die Wirtschaft seines Landes zu mo-rungen sehen sich aufgrund der gemein- Länder auf eine neue Eiszeit zu. Deutsch- dernisieren.samen, leidvollen Geschichte in einer Gut entwickeln sich derzeit nur dieMittlerrolle zwischen den westlichen Part- * Am 14. März im Kanzleramt vor der Ankunft des tu- Handelsbeziehungen. Die deutschen Ex-nern und Russland. Moskau wiederum nesischen Ministerpräsidenten. porte nach Russland legten im vergange-20 D E R S P I E G E L 2 2 / 2 0 1 2
  13. 13. nen Jahr um 34 Prozent auf 27 Milliarden sie ihre Ämter tauschen würden, fühlte heitsanteils des Autobauers Opel an einEuro zu, die Importe stiegen um 27 Pro- Merkel sich hintergangen. Sie musste er- russisch geführtes Konsortium vor dreizent auf 25 Milliarden Euro. Deutschland kennen, dass Medwedew, auf den sie so Jahren. Schuld daran war nach Putinsist nach China der zweitwichtigste Han- große Hoffnungen gesetzt hatte, nur eine Meinung der Widerstand Washingtons.delspartner Russlands. Marionette Putins war. Die Europäer seien wenig mehr als „Va- Politisch sieht die Lage anders aus. Das Die Enttäuschung der Kanzlerin saß sallen“ Amerikas, sagte Putin jüngst inVerhältnis zwischen Merkel und Putin ist tief, zwischen Kanzleramt und Kreml einer landesweit übertragenen Bürger-angespannt. Die Kanzlerin empfängt am herrschte erst einmal Funkstille. Die Fäl- Fragestunde.Freitag einen Gast, dem sie schon vor schungen bei der Wahl zur russischen Was Putin vom Westen hält, machte erJahren das Ende seiner politischen Kar- Duma und die Schmutzkampagnen gegen in den vergangenen Tagen deutlich: Er reis-riere gewünscht hat. Nun ist er mächtiger Oppositionelle bestätigten sie in ihrem te nicht zum G-8-Gipfel der wichtigstendenn je. Urteil über Putin. Wirtschaftsnationen nach Camp David. Merkel hatte auf Putins Vorgänger Dmi- Vor der Präsidentschaftswahl ließ sie Auch dem Nato-Gipfel in Chicago blieb ertrij Medwedew gesetzt. Ihm traute sie zu, ihm eine Botschaft übermitteln: Er solle demonstrativ fern. Das ist noch kein neuerRussland zu modernisieren. Sie hoffte, sich doch als Staatsoberhaupt eine Geste Kalter Krieg, aber ein kalter Frieden. Das Treffen in Berlin wird daran nichts ändern. Es sollen keine Abkommen unterzeich- net werden, wie eigentlich bei solchen Begegnungen üblich. Zu einer Annäherung bei um- strittenen Themen wie den von Moskau geforderten Visa-Er- leichterungen wird es ebenfalls nicht kommen, weil weder Ber- lin noch Moskau Neues anzu- bieten haben. Natürlich ist man sich im Kanzleramt darüber im Klaren, dass Deutschland in wichtigen Fragen auf die Russen angewie- sen ist. Das gilt nicht nur für die Energieversorgung. Moskau wird bei den Verhandlungen über das iranische Atompro- gramm gebraucht. Auch im Sy- rien-Konflikt können die Rus- sen mit ihrem Veto-Recht die Politik des Westens blockieren. Aber Merkel ist sich inzwi- schen gar nicht mehr sicher, ob Putin ihren Argumenten zu- gänglich ist. Vor einigen Wo- chen rief sie Putin an, um ihm klarzumachen, dass Russland mit seinem Verhalten in der Syrien-Krise den eigenen In- teressen schade. Sie beschwor ihn, seine Haltung zu überden- ken. Es passierte nichts. Die Kanzlerin ist nun ent- SASHA MORDOVETS / GETTY IMAGES schlossen, Putin auf andere Wei- se unter Druck zu setzen. Sie veranlasste, dass die Führung des sogenannten Petersburger Dialogs verändert wurde. Die jährlich stattfindende Veranstal- tung war vor elf Jahren vonPräsident Putin*: Der Westen hat nicht mehr die oberste Priorität Merkels Vorgänger Gerhard Schröder und Putin ins Lebendass er erneut als Präsident kandidieren überlegen, die im Westen als Aufbruchs- gerufen worden, um beiden Ländern einwerde, auch wenn viele Experten das für signal gedeutet wird, eine Freilassung des Forum zum gesellschaftlichen Austauschunwahrscheinlich hielten. Als Medwedew ehemaligen Oligarchen Michail Chodor- zu geben. Tatsächlich hat sich der Dialogund der damalige Ministerpräsident Putin kowski zum Beispiel. Doch Putin igno- nach Meinung von Kritikern zu einer ri-im September vergangenen Jahres erklär- rierte das Ansinnen. tualisierten Konferenz entwickelt, die vonten, es sei schon lange abgesprochen, dass Der russische Präsident respektiert die ehemaligen Politikern und kremlhörigen Kanzlerin zwar, aber er hält sie für zu Funktionären dominiert wird.* Am 15. Mai im Kreml bei einem Gipfeltreffen der amerikafreundlich. Als Beleg dafür gilt Merkel hat im April zwei Vertraute inGUS-Staatschefs. ihm der gescheiterte Verkauf eines Mehr- der Führung des Petersburger Dialogs D E R S P I E G E L 2 2 / 2 0 1 2 21
  14. 14. Deutschlandinstalliert, die auf Veränderung in Russ- felte Machtgeste. Russland gebe sich Plan die Keimzelle für eine „Eurasischeland dringen sollen. Der stellvertretende stark, weil es in Wirklichkeit schwach sei. Union“, der sich weitere Staaten der zer-Unionsfraktionschef Andreas Schocken- Für den Kreml stellt sich die Lage ganz fallenen Sowjetunion anschließen sollen.hoff, ein Vertrauter Merkels, übernimmt anders dar. Putin und seine Berater sehen Einer Annäherung zwischen Merkel unddie wichtige Arbeitsgruppe Zivilgesell- nicht ohne Schadenfreude, dass der welt- Putin steht auch die EU im Wege. Der rus-schaft. Merkels früherer Regierungsspre- politische Einfluss des Westens schwindet. sische Präsident sieht die Gemeinschaft alscher Ulrich Wilhelm soll sich um die Zu- Sie weisen darauf hin, dass der Anteil der schwaches Gebilde, das sich durch kompli-sammenarbeit der Medien kümmern. EU-Staaten an der weltweiten Wirtschafts- zierte Entscheidungsverfahren selbst lähmt. „Wir müssen deutlich machen, dass leistung in den vergangenen 30 Jahren Russland will gute bilaterale Beziehungenwir unter Modernisierungspartnerschaft kontinuierlich gesunken ist. „Putin ist sich zu Deutschland. Die EU stört da nur.mehr verstehen als nur eine bessere Zu- sicher, dass das westliche Modell den Merkel dagegen weiß, dass Deutsch-sammenarbeit im Energiesektor“, sagt Zenit seiner weltweiten Anziehungskraft land als Führungsmacht in Europa auchSchockenhoff. Deutschland müsse den schon hinter sich hat“, sagt der Politologe auf die kleineren Staaten Rücksicht neh-Aufbruch der russischen Mittelschicht un- Nikolai Slobin. men muss. Im Baltikum oder in Polenterstützen, die mit ihren Protesten nach Dabei spielt Deutschland in Putins herrscht aus historischen Gründen nachder Duma-Wahl öffentlich Kritik gezeigt Weltbild durchaus eine wichtige Rolle. Er wie vor Misstrauen gegenüber Moskau.habe, dass sie eine echte Modernisie- hat hier traditionell wichtige außenpoli- Das kann Merkel nicht ignorieren.rungskraft in Russland ist. tische Initiativen vorgestellt. Er beschrieb Nicht nur sachliche Gründe sind für In der Bundesregierung weiß man, 2001 vor dem Bundestag das Ziel eines den deutsch-russischen Stillstand verant-dass das ein mühsamer Prozess ist. Kurz- „einheitlichen und sicheren Europa“, in wortlich. Im Verhältnis Berlin-Moskau spielten persönliche Beziehungen immer eine große Rolle. Das gemeinsame Bad Willy Brandts mit KPdSU-Chef Leonid Breschnew im Jahr 1971 ebnete den Weg für die deut- sche Ostpolitik. Kohl verhandelte mit Gorbatschow in Strickjacke im Juli 1990 über die deutsche Einheit, das sollte ihr enges Vertrauensverhältnis symbolisieren. Die Duz-Freunde Putin und Schröder fuh- ren 2001 im Pferdeschlitten durchs ver- schneite Moskau. Merkel und Putin begegnen sich dage- gen mit kalter Geschäftsmäßigkeit. Die ostdeutsche Pastorentochter hat nicht ver- gessen, dass Putin als KGB-Offizier in der DDR eingesetzt war. Für Merkel war das Ende der Sowjetunion die Ouvertüre für INTERNATIONAL HERALD TRIBUNE die Freiheit des Ostblocks. Putin empfand es als Schmach. Merkel stößt ab, wie Putin seine Männ- lichkeit bei der Tigerjagd oder mit nack- tem Oberkörper beim Angeln zur Schau stellt. Seine Versuche, sie einzuschüch- tern, empfand sie als Affront. Bei einemAnti-Putin-Karikatur: Die Enttäuschung saß tief Treffen in Putins Ferienresidenz an der Schwarzmeerküste in Sotschi im Januarfristige Erfolge erwartet niemand. Das dem die Staaten Europas und Russland 2007 ließ Putin seine schwarze Labrador-Putin-Lager wird wohl versuchen, die ihre Ressourcen vereinigen. Im Novem- Hündin Koni an der Hose des GastesOpposition als Agenten des Westens zu ber 2010 hat er vor seinem Berlin-Besuch schnüffeln. Merkel hat Angst vor Hunden,diffamieren. in einem außenpolitischen Grundsatz- seit sie als Kind einmal gebissen wurde. Die neue russische Regierung bietet artikel für eine „harmonische Wirtschafts- Putin lächelte nur.nach Ansicht der Bundesregierung wenig gemeinschaft von Lissabon bis Wladi- Dabei beeindruckt ihn die Härte, mitHoffnung auf einen Wandel: Putin habe wostok“ geworben. der ihm Merkel entgegentritt. „Putineinen Konservativen wie Außenminister „Putin hat aber zur Kenntnis genom- schätzt Merkel als hochkarätige und pro-Sergej Lawrow im Amt gehalten. Ein men, dass seine Vorschläge ohne Antwort fessionelle Politikerin“, sagt WladislawHardliner wie Innenminister Raschid Nur- blieben“, sagt Kreml-Berater Wladislaw Below. „Er hält sie eindeutig für eingalijew sei durch den Moskauer Polizei- Below. „Der Westen hat für ihn heute Schwergewicht.“chef Wladimir Kolokolzew ersetzt wor- nicht mehr oberste Priorität.“ Beim EU-Russland-Gipfel im Mai 2007den, dessen Truppen immer wieder bru- Mehr als sein Vorgänger Medwedew lieferten sich Merkel und Putin vor lau-tal gegen Demonstranten vorgegangen richtet Putin sein Augenmerk auf die Staa- fenden Kameras ein Wortgefecht zum The-seien. ten der ehemaligen Sowjetunion in Russ- ma Menschenrechte. Als Putin im Januar Aus deutscher Sicht hat die Führung in lands unmittelbarer Nachbarschaft. Er 2009 auf dem Höhepunkt des russisch-Moskau noch immer nicht verstanden, setzte eine Zollunion mit Weißrussland ukrainischen Gasstreits in Berlin zu Gastdass Russland keine Weltmacht mehr ist, und Kasachstan durch, „einen gewaltigen war, erteilte die Kanzlerin ihm Lektionensondern Europa als verlässlichen Partner Binnenmarkt von 165 Millionen Men- wie eine Lehrerin einem Schuljungen. „Siebraucht. Dass Russland gegen die Rake- schen mit freiem Verkehr von Kapital und hat mit mir geschimpft“, sagte Putin spätertenabwehr der Nato zu Felde zieht, er- Arbeitskräften“, wie er schwärmte. Der halb ironisch, halb anerkennend.scheint den Deutschen als letzte verzwei- östliche Wirtschaftsclub bildet in Putins RALF NEUKIRCH, MATTHIAS SCHEPP22 D E R S P I E G E L 2 2 / 2 0 1 2

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