Wolfgang haupt frühes siegerlandorchester
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    Wolfgang haupt frühes siegerlandorchester Wolfgang haupt frühes siegerlandorchester Document Transcript

    • Wolfgang Haupt: Das "Siegerland-Orchester" in seinen Anfängen 1957 - 1963 Kreisarchiv Siegen-Wittgenstein
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    • InhaltverzeichnisInhaltverzeichnis 3Vorwort 4Autor 7Prolog: Die Orchesterschule - und ihr Ende 8Der Beginn der Ära Peter Richter und Anfang des "selbstständigen"Orchesters im Dezember 1957 12Bis hin zum Beginn des "erweiterten" Orchesters im Oktober 1958 17Die sogenannte "Richter-Krise". Rolf Agop wird "KünstlerischerOberleiter" 26Zwischenzeit: bis zur Wahl von Thomas Ungar 35Die Ära Thomas Ungar 43Erneute Krise 52Erneute Übergangszeit 56Rolf Agop auch als Chef 63Epilog 68Danksagung 73Quellenverzeichnis 74Verzeichnis der Fotos und Abbildungen 76Anmerkungen 77Liste der Mitglieder des "frühen" Siegerland-Orchesters 82 3
    • VorwortEigentlich soll man mit "ich" nicht beginnen, aber hier ist es ein Bekenntnis: ich war vomAugust 1958 bis August 1960 dritter, stellvertretender erster Flötist, danach bis August1963 Solo-Flötist des damals "Siegerland-Orchester" genannten Orchesters inHilchenbach.In dieser Zeit habe ich noch die zuende gehende "Orchesterschule" erlebt, zu der zwarschon immer ein Orchester gehört hatte, aus der heraus aber seit Oktober 1957 das"Siegerland-Orchester" seinen selbstständigen Weg einschlug. Im Jahr 2007 wurdedeshalb das 50jährige Jubiläum des Orchesters gefeiert.Und habe 1963 noch die Anfänge jener Zeit erlebt, in der der künftige Weg desOrchesters nicht mehr (wie bisher) von der Idee eines reinen "Nachwuchs-Orchesters"(also mit Altersbeschränkungen usw.) bestimmt war, sondern von der Arbeit eines ganznormalen "Berufsorchesters" - wie es noch heute ist.Es war die Zeit der Chefdirigenten Peter Richter (1957 - 1959), Thomas Ungar (1960 -1961) und die der ersten Jahre von Rolf Agop (ab 1962). Agop war aber schon seit 1959"Künstlerischer Oberleiter" gewesen.Es war die Zeit, in der das Orchester zunächst noch seinen Sitz in den ehemaligen"Arbeitsdienst-Baracken" im "Langen Feld" hatte, zum Oktober 1958 in den "Kino-SaalMüller" umzog, um mit Beginn der Spielzeit 1962/ 63 in die jetzt zur "Schützenhalle"umgebauten Baracken ins "Lange Feld" zurückzukehren.Das erste Jahr des Orchesters 1957/ 58 habe ich nur gegen sein Ende hin selbermiterlebt, aber es war bei meinem Eintritt noch so lebendig, daß ich es in diese"Chronik" einbeziehen konnte, als wäre ich dabei gewesen.Vor allem aber: ohne die Orchesterschule hätte es kein "Siegerland-Orchester"gegeben. Auch sie ist mir unvergeßlich geblieben: ich war dort (neben demOrchesterdienst) gegen ihr Ende hin einer der letzten Lehrer für "Theorie" und"Gehörbildung".Auch dies will ich erwähnen: in den Jahren von 1960 bis 63 war ich (zeitweise)"Orchester-Vorstand" und vor allem (die ganze Zeit über) "Gewerkschafts-Delegierter".Ich habe das Ringen der Obrigkeit, aber auch der "Deutschen Orchestervereinigung" umden künftigen Weg des Orchesters auf vielen Sitzungen "hautnah" miterlebt.In Siegen habe ich viel unterrichtet: in den Anfängen der dortigen Musikschule. Icherinnere mich in vielfältiger Weise an das, was der Musiker eine "Mucke" nennt:eigentlich eine "Mugge", ein "musikalisches Gelegenheitsgeschäft". Als es dann (imUnterschied zu vielen, die nur kurze Zeit blieben) volle fünf Jahre wurden, die ich im"Siegerland-Orchester" zubrachte, war ich mehr von diesem Orchester, vom"Siegerland" und sogar von den "Siegerländern" geprägt, als ich es damals wahrhabenwollte. Heute ist es mir wichtig.Doch woher kommt die Faszination, die jene ferne Zeit "in Hilchenbach" noch immerausübt? Wohl aus einer Lebens-Situation heraus, in der wir damals fast alle jung undgleichaltrig waren - und im sozialen Umfeld viel mehr, als es heute der Fall ist, aufeinander angewiesen. Dazu der Idee eines "Nachwuchs-Orchesters" (obwohl siewahrlich noch in den Kinderschuhen steckte) in besonderer Weise verbunden.Im Sommer 1963 bin ich von Hilchenbach weg ins berühmtere (und vielleicht sogarschönere) Baden-Baden gegangen, mehr und mehr in berufliche Aufgaben und 4
    • Lebensumstände hinein, die dann (im Rückblick aus dem Ruhestand heraus) erst meineeigentliche "Biografie" ausmachten.Doch es war für mich selbstverständlich, daß ich, gleich in der ersten Baden-BadenerZeit, alle Tagebücher, Kalender, Notizen und so weiter, die ich aus Hilchenbachmitgebracht hatte, in einer höchst "persönlich" formulierten "Hilchenbach-Chronik"zusammengefaßt - und dann streng gehütet habe.Immer wieder habe ich, wie so viele, in Hilchenbach Halt gemacht: um mich (mehr oderminder wehmütig) an die "alten Zeiten" zu erinnern. Spätestens mit Beginn der 80erJahre wurde es natürlich immer schwieriger, den eingetretenen Generationswechsel,aber auch die Veränderungen im Ort richtig einzuordnen.Schließlich nahm ich an jenen Treffen der "Ehemaligen" teil, die von 1999 bis 2005 allezwei Jahre stattfanden - und die ich 2001, 2003 und 2005 maßgeblich mitorganisierthabe.Es war nicht von ungefähr, daß sich dort vor allem diejenigen trafen, die die "Anfänge"miterlebt hatten. Und nicht von ungefähr, daß ich mich schon bald meiner "alten"Chronik entsann: in der festen Absicht, daraus eine "neue" Chronik zu machen.Recherchen in den Siegener Archiven waren notwendig: den dortigen Mitarbeitern binich zu großem Dank verpflichtet. Ursprünglich sollte meine "neue" Chronik in das Umfelddes Orchester-Jubiläums 2007 einbezogen werden - nun erscheint sie erst drei Jahrespäter - als "Rückblick im Rückblick". Wichtig war nur eins: die Devise "ein Zeitzeuge,der sich dem Orchester noch immer eng verbunden fühlt, erinnert sich." Dies sollteauch im Vordergrund stehen - nicht so sehr die Vielfalt an "Unterlagen", die mirinzwischen wieder in die Hände gefallen sind.Schon die "alte" Chronik war meiner Frau gewidmet, Flötistin wie ich, die ich inHilchenbach kennen gelernt hatte - und die mit mir nach Baden-Baden gegangen war.Sie starb, als wir gerade die Treffen der "Ehemaligen" ins Leben gerufen hatten. Auchdiese "neue" Chronik ist ihr gewidmet.In dieser "neuen" Chronik" sind alle Daten und Vorgänge, die schon in meinen "alten"Notizen als "sichere Kunde" enthalten waren und sich im Nachhinein auch verifizierenließen, in "normaler" Schrift wiedergegeben; dazu schließlich auch alles, was ichinzwischen als „Kommentar“ glaube hinzufügen zu können.Nur weniges steht noch in kursiver Schrift und ist auch durch Anführungszeichenhervorgehoben: jene Stellen, die ich aus meiner „alten“ Chronik übernahm, weil ich sienach vierzig Jahren als Ausdruck der damaligen Zeit noch immer für typisch hielt.Auch wenn die "Ich-Form" im folgenden zurücktritt hinter die "Meinung des Autors": essollte nie ein historisch genauer, objektiver Bericht werden, sondern mehr die subjektiveStellungnahme eines, der das alles miterlebt hat.Im übrigen: alle damaligen Konzerte des Orchesters aufzuzählen wäre unmöglichgewesen, auch die Erwähnung aller nur einigermaßen wichtigen. Überdies scheinen diefortlaufenden Konzert-Unterlagen des Orchesters aus dieser Zeit nicht mehr vollständigvorhanden zu sein.So mußte ich mich auf die Konzerte beschränken, die (aus meiner Sicht) den Fortgangder Dinge einigermaßen kommentieren und ergänzen.Sinzheim-Winden bei Baden-BadenArbeitsbeginn: nach dem 2. Treffen ehemaliger Mitglieder im September 2001Endfassung: im Frühjahr und Sommer 2007, Endredaktion Frühjahr 2010 5
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    • Autor Der Autor Wolfgang Haupt wurde 1935 in Berlin geboren, wuchs in der Nähe von Quedlinburg am Harz auf - und studierte dann wieder im heimatlichen ("West") Berlin: Flöte, daneben viele musiktheoretische und musik- wissenschaftliche Fächer. 1958 kam er als Flötist ins "Siegerland- Orchester", das er erst 1963 verließ. Darüber ist in der vorliegenden Chronik viel zu lesen. Anschließend wechselte er als Flötist in das damalige "Symphonie- und Kurorchester Baden- Baden", die heutige "Baden-Badener Philharmonie". Neben dem Dienst hat ihn dort vor allem das 1969 gegründete "Kammermusik- Ensemble Baden-Baden" beschäftigt, in Zu- sammenarbeit mit einer Berliner Konzert- direktion.Ab 1983 stellte er sich mehr und mehr den "organisatorischen undmusikdramaturgischen Notwendigkeiten" zur Verfügung - und wurde dann der erstevollamtliche "Organisator und Dramaturg" des Orchesters am Kurhaus, also das, wasman in Hilchenbach längst "Intendant" nannte.Seit dem (vorzeitigen) Ruhestand beschäftigen ihn jedoch mehr und mehr seine"musikalische Chroniken", wofür Baden-Baden (um mit Fontane zu reden) ja einbesonders "weites Feld" ist.Die in den Anfängen älteste Chronik, die er hiermit vorlegt, betraf aber das "Siegerland-Orchester".Ihre Entwicklung ist im Vorwort ausführlich dargelegt. "Nachdenken" über die früheGeschichte des Siegerland-Orchesters: Der Autor möchte es allen "alten" und "neuen"Mitgliedern des Orchesters, aus dem inzwischen die "Philharmonie Südwestfalen"geworden ist, aber auch allen "Siegerländern" besonders ans Herz legen. 7
    • Prolog: Die Orchesterschule - und ihr Ende 1Zwar gab es beim Eintritt des Autors im August 1958 nur noch sehr wenige Orchester-Mitglieder, die schon in den Anfängen der "Orchesterschule" dabei gewesen waren. Erhat aber auch anderweitig einige von ihnen kennen gelernt. Vor allem gab es bei seinemEintritt eine große Anzahl von Mitgliedern, die erst später die Orchesterschule für kurzoder länger durchlaufen hatten. So haben sie es erzählt - und so steht es auch in denerhaltenen Unterlagen:Nach Anfängen schon 1946 wurde am 01. April 1947 die "HilchenbacherVolksmusikschule mit Orchesterschule" offiziell eröffnet - und auch ein ersterTrägerverein dafür gebildet.2Sie war vom ehemaligen Militärmusiker Friedrich Deisenroth zunächst "privat" ins Lebengerufen worden; er wurde dabei von der Familie Kindermann unterstützt, die das Hotel"Deutscher Hof" übernommen hatte: im hinteren Hof des Hotels gab es eine (heutekaum noch erkennbare) Holzbaracke als ersten "Sitz" der "Moseckschool" (wie dieHilchenbacher sie nannten) und die zunächst brachliegende Kegelbahn imHintergebäude diente anfangs zum Wohnen und Üben.Es ist die Zeit der noch zerstörten Großstädte - und ihrer Musik-Hochschulen, die erstallmählich wieder in Betrieb gehen. Hilchenbach als Ausbildungsort fernab allenGeschehens erweist sich (zunächst) als sinnvoll. Viele Lehrer unterrichten vor Ort inHilchenbach - oder wohnen sogar dort; zu anderen muß man in den Unterricht fahren.3Nach und nach werden es etwa 80 Schüler, die die "Musikschule" durchlaufen; derAnteil derer, die sich dann doch lieber einem anderen Beruf zuwenden, bleibt allerdingsgroß. Umgekehrt gehören später so namhafte Musiker wie der Solo-Trompeter desSWF, Walther Scholz, zu den "Alt-Hilchenbachern."Nach Vorbild der früheren "Stadtpfeifen" erhalten sie "Lehr-Verträge" und müssen zumErhalt der Schule selber beitragen: so gibt es nach einiger Zeit nicht nur ein "Sinfonie-Orchester", das überall zum Einsatz kommt, sondern auch Tanz-Kapellen, eine Big-Band - und natürlich Blasmusik in jeder Formation.Zunächst aber muß schon 1948 die Schule den "Deutschen Hof" wegen"Lärmbelästigung" der (allmählich zahlreicheren) Gäste räumen - und wird für kurze Zeitim Erholungsheim oberhalb der "Siedlung" untergebracht. Die Währungsreform trifftdann die meisten Schüler wie zu erwarten hart: sie müssen tagsüber in einer derHilchenbacher Fabriken arbeiten, unterrichtet wird erst am Abend.Denn erst 1950 werden die ehemaligen Arbeitsdienst-Baracken im "Langen Feld" für dieMusikschule (und ihr „Internat“) hergerichtet; und wird auch der Träger-Verein"Orchester und Orchesterschule Siegerland-Wittgenstein" noch einmal neu formiert.Geschäftsführer ist seitdem Moritz Weiss.In der Trägerschaft haben sich beide Landkreise (der Landkreis Siegen bzw. der damalsnoch bestehende Kreis Olpe/ Wittgenstein) zusammengefunden, dazu die Stadt Siegenund auch schon das Land NRW bzw. der Landschaftsverband.Da sich das Orchester inzwischen als wichtigster Bestandteil der Schule entwickelt hat,kommt es auch zur neuen Namensgebung "Orchester und Orchesterschule Siegerland-Wittgenstein".So können 1951 die ersten acht Absolventen ihre Prüfung unter einigermaßengesicherten Umständen ablegen. 8
    • 1952 kommt noch das "Symphonische Blasorchester Siegerland" hinzu - und laut einer(leider nicht näher definierbaren) Konzert-Kritik von 1954 hat das Sinfonie-Orchesterbereits "überall einen guten Ruf" erworben, es werden 40 Musiker als feste Besetzungangegeben.Doch waren nun ganz andere Zeiten heraufgezogen. Schon im Winter 1955/56 feiertman vorzeitig das 10jährige Bestehen: die Bundeswehr war gegründet worden,Musikschul-Leiter Deisenroth geht zum 01. Mai 1956 zurück zur angestammtenMilitärmusik, deren Neuaufbau er übernimmt.Zwar formuliert er vorher das Anliegen der Schule und auch die nötige Weiterführungdes Orchesters in einem Memo vom April 1956 geradezu vorbildlich.Es passieren aber zwei "Pannen": nicht nur der Nachfolger Oskar Tietzel (ein schonetwas älterer Militärmusiker wie Deisenroth) erweist sich von vornherein als nur weniggeeignet - sondern durch ein Versehen wird auch die Stadt Siegen nicht zurVerabschiedung Deisenroths bzw. zum Jubiläumskonzert eingeladen.Es sieht schon hier nach dem "Anfang allen Übels" für die dann allzu schnell folgendeerste "Krise" des Orchesters aus: in Siegen ist man offensichtlich sehr verärgert. Undwohl fest entschlossen, insgeheim nach einem "wirklichen" Nachfolger Ausschau zuhalten: nach einem jüngeren, charismatischen Dirigenten, der den Siegener Uralt-Traumvon einem eigenen Orchester endlich erfüllt.4Schon im Oktober 1956 zeigen sich die Folgen: Deisenroth hat zu viele gute Leute zurBundeswehr mitgenommen, der Zustand der ehemaligen "Arbeitsdienst-Baracken" im"Langen Feld" wird kritisch, die Arbeit unter Oskar Tietzel ist es ohnehin, eine neueRechtsform von Schule und Orchester erscheint mehr und mehr notwendig.Doch noch ein Gutachten vom März 1957 geht davon aus, daß hier eine Doppelfunktionvon Schule und Orchester gegeben sei, die erhalten werden müsse. Es verneint zwardie angestrebte Gemeinsamkeit mit einer "Jugendmusikschule" des Siegerlandes, außernatürlich, daß Hilchenbach die Lehrer zur Verfügung stellen könnte, vor allem beiseltenen Instrumenten. Es stellt aber noch einmal (und damit letztmals) die Impulse fürdie Laienmusik in den Vordergrund, die von Hilchenbach bisher ausgegangen wärenund weiter ausgehen müssten. 9
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    • Eigentlich ist es schade, daß nur sehr wenig präzise Unterlagen über die Zeit der"Orchesterschule" erhalten sind. Zwar gibt es noch Kostbarkeiten wie die "Lohnbücher",aber zu wenig Material, das genau über das "wann war was?" oder "wer war wann da?"Auskunft geben könnte. Und die wenigen noch einigermaßen "rüstigen" Zeitzeugen desAnfangs konnten dem Autor kaum weiter helfen.5Es muß aber unter dem gestrengen, immer auf Disziplin bedachten Friedrich Deisenrotheine ganz interessante Zeit gewesen sein, in der man (immer unter Berücksichtigungder Nachkriegs-Verhältnisse) in Hilchenbach durchaus auf den künftigen Musiker-Berufvorbereitet werden konnte. Man hat der "Orchesterschule" später (eigentlich bis heute)viel Unrecht getan.Es fällt auf, daß man in sehr unterschiedlicher Art und Weise "Musikschüler" seinkonnte: als "Interner", der auch in der Schule wohnte, als "Externer", der nur zumUnterricht kam; man war (wohl um den Etat der Schule zu dämpfen) mitunter voll "zurBerufsschule abgemeldet" - oder manchmal auch für einige Zeit ganz beurlaubt.Doch muß hier zum Abschluß genügen, daß sich die "Alt-Hilchenbacher" (alsodiejenigen, die für kurz oder lang die Hilchenbacher Orchesterschule absolviert haben)im Rückblick in drei Gruppen unterscheiden lassen: in diejenigen, die beim WeggangDeisenroths schon ihren Abschluß hatten oder die er mit zur Bundeswehr nahm - bzw.die nun doch noch an eine Hochschule wechselten. Dann in die (zahlenmäßig rechtgroße) Gruppe derjenigen, die blieben - und ab 1957 nach und nach ins "Siegerland-Orchester" übernommen wurden.Schließlich in diejenigen, von denen dies "weder/noch" zu berichten ist. Hier sind dieNamen inzwischen Schall und Rauch. Aber noch gegen das Ende der Schule 1958/ 59hin waren es ziemlich viele.Leider ist es inzwischen so geworden: für eine wirklich "lebensnahe" Chronik der"Orchesterschule" ist es heute schon zu spät. Das hat auch der Autor schließlicheinsehen müssen. 11
    • Der Beginn der Ära Peter Richter und Anfang des "selbstständigen"Orchesters im Dezember 1957Noch in einer Sitzung am 25. Juli 1957 beschäftigte sich der Kreistag in einer Sitzungeindeutig nur mit der "künftigen Finanzierung der Orchesterschule" und dembeabsichtigten Neubau einer Unterkunft.6Das Kultusministerium hätte an die Gewährung von weiteren Zuschüssen die Bedingungeines wirklich qualifizierten neuen Leiters, einer besseren Ausstattung des Lehrkörpersund einer besseren Unterkunft der Schule geknüpft; es hätte auch nochmals angeregt,mit der Orchesterschule die künftige "Jugendmusikschule" des Siegerlandes zuverbinden.Dies bedeutet einen Neubau, so kommt es zum Beschluß, im Jahr 1958 ein neuesGebäude für die Orchesterschule zu errichten und bis dahin ihre künftige Finanzierungsicherzustellen.Von der Einstellung Peter Richters als neuem Leiter ist zu diesem Zeitpunkt noch nichtdie Rede, erst recht nicht von einer beabsichtigten Schließung der Orchesterschule bzw.von einer "Verselbständigung" des Orchesters.Am 01. Oktober 1957 wird er jedoch nicht nur Leiter der "Orchesterschule" inHilchenbach, sondern beginnt auch sofort mit dem Aufbau des "Siegerland-Orchesters",im Untertitel genannt "Junge Deutsche Philharmonie".7 Er erscheint "auf der Bühne", ohne daß es darüber konkrete Unterlagen gibt. Die es miterlebt haben berichten, er sei durch den Geschäftsführer Moritz Weiss als neuer Leiter von Schule und Orchester lediglich vorgestellt worden, irgendein "Auswahlverfahren" hätte es nicht gegeben.8 Der Autor muß fragen: Gab es tatsächlich und von vornherein eine Empfehlung oder Protektion seitens des WDR? Gab es sie durch die Rektoren der erst nach dem Krieg gegründeten, "etwas anderen" Musikhochschulen in Detmold und Freiburg, die sich dem gleichfalls "etwas anderen" Orchester in Hilchenbach eng verbunden fühlten? Oder seitens irgendwelcher "Siegener Kreise", denen dieser (mit Verlaub gesagt) manchmal zwar etwas "verwirrt" erscheinende, offenbar aber sehr geniale "Paradiesvogel" gerade recht kam?9 "Von der Parteien Gunst und Haß verwirrt, schwankt sein Charakterbild in der Geschichte"heißt es im "Wallenstein". Und genau das muß auch für Peter Richter und für die schonbald beginnende "Richter-Krise" (mit allem ihrem Hin und Her) gelten.Bisher hatte das Orchester der "Musikschule" aus den in Hilchenbach und Umgebungwohnhaften Lehrern, dazu den bereits geeigneten Schülern bestanden, aber auch aus 12
    • "Freiberuflern", von denen es damals (nach dem Krieg) gerade in Siegen noch vielegegeben haben soll.10Das neue Konzept Richters scheint jetzt vor allem gewesen zu sein, daß dieStimmführer des Orchesters nach und nach die bisherigen Lehrer der Musikschuleersetzen sollten - und daß sich bei ihnen ("Studienleiter" genannt) auch alle diejenigenOrchestermitglieder "weiterbilden" konnten, die dies noch wollten.11Mit besonderer Berücksichtigung übrigens auch von Kammermusik, die eine Zeitlangeine wichtige Rolle spielte.Es ergibt sich (aus Sicht des Autors) trotzdem kein klares Bild: die ca. 20 Namen aufden fragmentarischen Gehaltslisten, die sich seit Oktober 1957, wenn auch nur unterviel Mühe, als reine Orchestermitglieder identifizieren lassen, plus 5 unidentifizierbare(darunter vielleicht noch einige bisherige Lehrer) plus ca. 10 Musikschüler, die bereits imOrchester mitwirken konnten, plus ca. 10 Aushilfen (wohl die "Freiberufler" aus Siegen)ergeben zwar die vermutlich 45 Musiker des folgend genannten "1. Konzertes desneugegründeten Orchesters" in Siegen. Aber wie sich das gerechnet hat und vertraglichgeregelt war, und vor allem: Wie das wirklich eine "Neugründung" gewesen sein soll,bleibt etwas unverständlich.12Es scheint vor allem zu stimmen, daß der Status der bisherigen bzw. verbliebenenMusikschüler, soweit sie dann im Orchester mitwirkten, und der Zeitpunkt, zu dem sie"fest" übernommen wurden, nie genau definiert war - und daß auch hier eine typische"Genialität" Richters vorlag.Das "1. Konzert" des "neugegründeten Orchesters" findet am 02. Dezember 1957 inSiegen statt: mit Schuberts "Unvollendeter", Mozarts Konzert für Flöte und Harfe - undder 7. Sinfonie von Beethoven.13 13
    • "Einen verheißungsvollen Neuanfang", "eine unerwartete kulturelle Bereicherung", jasogar "das bisher größte Kulturereignis in letzter Zeit" nannte es die Presse - und vorallem die Siegener selbst scheinen begeistert und voller Selbstlob gewesen zu sein.Natürlich hatte auch schon jemand vom WDR zugehört.Auf jeden Fall bleibt festzustellen: Das Konzert (und seine beiden Wiederholungen, dievon vornherein terminiert waren, wohl auch stattgefunden haben, wenn auch nicht mehrvor vollem Haus) gilt zurecht als das große, verheißungsvolle Symbol am Beginn des"Siegerland-Orchesters"; es wirkte in der Erinnerung nach, wie kaum ein späteres.Doch noch am 18. Januar 1958 wird im Kreistag zwar festgestellt, daß das "OrchesterSiegerland-Wittgenstein" nun "Siegerland-Orchester" heiße und sich inzwischen als eineeigene Institution vorgestellt habe; es setze sich zusammen aus einer Reihe vonfestangestellten Musikern und einer Anzahl von Schülern; die zunächst noch benötigteVerstärkung könne bereits entfallen.14Aber auch das gehört dazu: bei einer Kreistags-Sitzung im März 1958 geht es nochimmer und ausschließlich um den "Neubau", der für die Weiterführung der"Orchesterschule" notwendig sei.15Ein merkwürdiger Widerspruch. Was war geschehen?Zumindest dies: Es gab von vornherein sehr unterschiedliche Meinungen über den"richtigen Weg" in die Zukunft, auch innerhalb des Orchesters. Es kam zu einem Hinund Her von Gegensätzen, das den Autor noch bei seinem Eintritt im August 1958ziemlich verwirrt und auch etwas hilflos gemacht hat, das aber wohl so typisch für dieganze damalige Zeit war, daß es hier ausführlich erwähnt werden muß.Es gab die "Freiburger Clique" mit dem Oboer Michael Scheck an der Spitze, einem derSöhne jenes legendären Flötisten Gustav Scheck, der nach dem Krieg die für lange Zeitals etwas "neumodisch" geltende Musikhochschule in Freiburg/Br. gegründet hatte.16Auch der Cellist Jan Corazolla war mit einem schon in Berlin erfolgreichen jungenStreichquartett in Freiburg gelandet, war jedoch bereit, das Quartett zu opfern, wenn erdafür nicht nur Cellist, sondern auch 2. Dirigent in Hilchenbach werden könne.Erwähnt werden muß er deswegen: Von ihm (und offenbar nicht Richter, der sie,zunächst noch uneins darüber, was er in Hilchenbach wirklich erreichen wollte, bloßeifrigst übernahm) stammte auch die (angeblich auf Furtwängler zurückgehende) Ideeeines reinen Nachwuchs- bzw. Jugendorchesters, wie sie nun hier verwirklicht werdensollte.17Und ihnen stand auch der Bratschist Bär von Randow nahe, der dann, nach seinerRückkehr viele Jahre später, "Intendant" in Hilchenbach wurde - und dessenorganisatorische Begabung schon damals auffiel: er war der letzte "Leiter" der"Orchesterschule", als diese bis zum Frühjahr 1959 hin "abgewickelt" wurde.Ihnen stand der "Sonderkonzertmeister und Studienleiter" Joseph Märkl nahe, den PeterRichter extra in München aufsuchte, um ihn zur Annahme dieser so wichtigen Funktionab Herbst 1958 zu überreden.18Ein relativ illustrer Kreis, wie er für diese frühe Zeit des Orchesters typisch war, esdanach keinen mehr gegeben hat. Durchaus von einem gewissen Sendungsbewußtseingeprägt, dazu Richter intellektuell weit überlegen. Zwar waren es gerade die"Freiburger", die Richter beim Aufbau des Orchesters maßgeblich zur Seite standen, 14
    • aber "logischerweise" mußte es schon bald zu Meinungsverschiedenheiten kommen -und zur Opposition gegen den "Alleinentscheidungs-Anspruch", den Richter bald mehrund mehr für sich beanspruchte.Richter selbst hatte umgekehrt in Detmold studiert, an jener Hochschule, die damalsnoch "Nordwestdeutsche Musikakademie" hieß und gleichfalls eine deraußenseiterischen Neugründungen nach dem Krieg war. Dort war er schnell aufgefallen;es gab, als die Ausschreibungen des "Siegerland-Orchesters" in den ersten Monaten1958 bekannt wurden, sogar in Berlin Leute, die dem Autor einen "ziemlichgenialischen" Peter Richter schildern konnten.Auch aus Detmold hatte er Leute mitgebracht: nicht so zahlreich, wie die "Freiburger"und mehr und mehr "für die Mitte" zuständig, aber eine gleichermaßen wichtige Gruppe.Genannt werden muß hier (um alle wichtigen Namen zu erwähnen, ohne die der frühe"Erfolg" Richters und des Orchesters nicht denkbar ist) vor allem der Solo-Flötist KlausDiederich. Er wurde dann, im späteren Verlauf der "Richter-Krise", eine "ausgleichende"Integrationsfigur von hohen Gnaden.Eine dritte, sehr starke "Fraktion" jedoch bildeten die ehemaligen "Orchesterschüler".Durchaus "autoritätsbedürftig", sahen sie in Richter - wie es noch heute bei ihrenErzählungen erkennbar ist - eine Art "Heilsbringer". Ihr "Studium" in Hilchenbach hattesich also doch gelohnt, hatte doch noch eine Zukunft.Das frühe "Siegerland-Orchester" also ein "Versuch eines Versuches" in Richtung einer"demokratischen Mitbestimmung"? Auf jeden Fall erinnert sich der Autor: Der Gegensatzder drei Meinungen und die häufigen Auseinandersetzungen darüber bestimmten fastjedes noch so harmlose Gespräch.Sein Kommentar daher: Kernpunkt aller Gemeinsamkeiten, aber auch allerDiskussionen waren immer jene Ideen, die angeblich auf den großen Dirigenten WilhelmFurtwängler zurück gingen. Auf dessen Überlegungen hinsichtlich eines "Nachwuchs-Orchesters", in dem geeignete junge Musiker (unter Gleichgesinnten und noch mit denselben "Entwicklungs-Problemen" beschäftigt) auf ihren späteren Beruf hin vorbereitetwerden sollten.Sehr ehrenvolle Überlegungen - wie sie dann später vom Deutschen Musikrat in seinen"Jugendorchestern" auch verwirklicht wurden.Doch hat das alles heute einen etwas "altväterlichen" Beigeschmack: nachdem esZeiten geradezu eines Überangebots von Landes- , Bundes- und sonstigen Jugend-Orchestern gegeben hat, dazu nicht nur von "Jungen Deutschen Philharmonien",sondern sogar "Philharmonien der Nationen" bzw. ähnlichen - und nun Zeiten heraufgezogen sind, in denen sich die Bereitschaft der Orchester, junge Musiker einzustellen,fast nur noch auf "Volontäre" erstreckt, die sie angeblich selber ausbilden. Mit allenGründen und Gegengründen.Liest man heute die endlosen Texte des "Siegerland-Orchesters" der damaligen Zeit, siemögen stammen, von wem sie wollen, hat man mehr und mehr den Eindruck, als sei(wieder einmal) das Rad erfunden worden - aber es erwies sich (wieder einmal) aufDauer dann doch nur als viereckig.Denn wie sich so etwas angesichts der tatsächlichen Gegebenheiten und Zwänge im"Siegerland" überhaupt rechnen sollte, steht nirgendwo.Und deshalb noch Kommentar zwei: Natürlich könnte man auch eine "Chronik"schreiben, in der im Vordergrund steht, daß damals viele (allzu viele) zwar aus 15
    • Neugierde nach Hilchenbach kamen, schon bald aber, falls das eigene Können esirgendwie zuließ, wieder das Weite suchten. Denn die Aussichten, daß im "Siegerland-Orchester" echte künstlerische oder finanzielle Voraussetzungen geschaffen werdenkonnten, die das vorgesehene, mindestens zweijährige "Bleiben" rechtfertigten, waren(zugegebenermaßen) nur gering.Nochmals: solch eine "Chronik" wäre leicht möglich. Aber sie würde nicht dem"Idealismus" gerecht, von dem damals noch (freie Stellen, mit nur wenig Probespiel-Teilnehmern, gab es genug) der Orchestermusiker-Nachwuchs geprägt war. Und erstrecht nicht der Faszination, die (zumindest bis 1961) von einem längeren Bleibengerade in diesem Orchester trotz alledem ausging.Die Diskussion um den "richtigen Weg" eines "Nachwuchs-Orchesters" dauertejedenfalls lange - und wurde selbst dann noch nicht aufgegeben, als das "Siegerland-Orchester" längst andere Wege eingeschlagen hatte.Zu kurz kam dabei die "Orchesterschule", mit der doch alles angefangen hatte. Sie bliebnur als "Faustpfand" der Obrigkeit zurück, die sich eine so schnelle "Verselbständigung"des Orchesters nicht vorgestellt hatte, sie teilweise auch gar nicht wollte, denVeränderungen jedenfalls nur sehr zögernd zustimmte, ihnen für längere Zeit kaumfolgen konnte.Und das stimmt den Chronisten heute etwas wehmütig. Wäre nicht zumindest ein"Nachdenken" darüber, wie man eine Art "Schule" neben dem "Nachwuchs- Orchester"hätte beibehalten können, sehr sinnvoll gewesen? 16
    • Bis hin zum Beginn des "erweiterten" Orchesters im Oktober 1958Immerhin soll das "neugegründete Orchester" vom Dezember 1957 an bis Ende April1958 schon 22 größere und kleinere Konzert gespielt haben, wie irgendwo voller Stolzvermerkt ist.Vermutlich einschließlich der Wiederholungen, wie sie in Siegen und Weidenau (auch inder Form von "Jugendkonzerten") üblich wurden. Genau ist es nicht mehrauszumachen.19Die wichtigsten, außer dem schon genannten "1. Konzert" in Siegen, scheinen dabei diefolgenden gewesen zu sein:11. Januar 1958: Sinfoniekonzert in Weidenau, u. a. mit der 8. Dvorak24. Januar 1958: ebendort, u. a. mit der "Moldau" von Smetana26. Januar 1958: dasselbe in Kaan-Marienborn06. März 1958: Sinfoniekonzert in Arnsberg, u. a. mit der 7. Beethoven10. März 1958: Sinfoniekonzert in Siegen, u. a. mit der 4. Schumann25. April 1958: wieder in Weidenau, u. a. mit der 5. TschaikowskyDann aber folgt ab Mai 1958 schon die große Zäsur: mehr als die Hälfte des Orchesterswar auf fünf Monate als "Kurorchester" nach Bad Neuenahr verpflichtet worden. "... nach nächtlichem Umsteigen im Hannover und Marburg meine morgendliche Ankunft in Hilchenbach: wegen den Formalitäten im Büro Weiss und dem Kauf eines grauen Anzugs als Dienstkleidung für Neuenahr ..."So beginnt mit dem 29. Juli 1958 dann auch die "alte" Chronik des Autors, die hier (wieeingangs erwähnt) immer ein wenig zitiert werden soll, um sich das Hilchenbach und dieSituation von damals besser vorstellen zu können. "... man sah, wegen den vielen Schleifen, die der Zug fuhr, Hilchenbach schon mehrmals vorher, wollte es aber nicht wahrhaben. Doch dann hielt er genau dort, wo man es befürchtet hatte ..." Am 30. 07. 58 "... mit Peter Richter und Jan Corazolla im Auto nach Neuenahr, dort abends ein größeres Chorkonzert unter einem örtlichen Chorleiter, dem ich aber nur anfangs und sehr müde zuhöre ..." Am 31. 07. 58 "... mein erster Dienst als 3./1. (in Neuenahr 2.) Flötist in einer Umgebung, die mir (als Kontrast zu Berlin) fremd ist, und mit einer Musik, die ich bisher nur wenig kenne, in die ich mich aber sehr schnell finde ..."Die fünf Monate von Mai bis September 1958 als "Kurorchester" in Bad Neuenahr warenaus finanziellen Gründen nötig gewesen; dort feierte man irgendeine "Jubiläums-Saison", die üblicherweise verpflichtete "Kurkapelle" unter dem eigenen (tüchtigen undauch vom Orchester sehr geachteten) "Kurkapellmeister" Wantzen reichte dafür nichtaus.So hatte man stattdessen die "Siegerländer" verpflichtet, die ja für größere Konzertejederzeit durch die in Hilchenbach gebliebenen Mitglieder verstärkt werden konnten.Auch extra (von irgendwoher) einen (etwas dubiosen) "Generalmusikdirektor" als"Musikalischen Oberleiter". 17
    • Umgekehrt spielten die "zurückgebliebenen" Musiker derweil eine Reihe von kleinerbesetzten Konzerten, etwa bei den "Siegener Schloß(fest)spielen".Alles eine durchaus ehrenwerte Sache - aber sie führte erst recht zu einer tiefenSpaltung des Orchesters, in die nun der Autor (wie gleichfalls schon erwähnt) mittenhinein geriet.Zunächst aber erst gefragt: Warum kam gerade der Autor nach Hilchenbach und ins"Siegerland-Orchester"?Man mag es heute kaum noch glauben: die Berufsaussichten im damaligen "West-Berlin" waren ziemlich schlecht. Zwar gab es "Mucken" und Schüler, dazu viele"Aushilfen", aber die "grenzenlose Freiheit Westdeutschlands" lockte den jungenFlötisten damals genauso, wie die Flüchtlinge aus der "DDR".Als West-Berliner bekam man nicht einmal Probespiel-Einladungen nachWestdeutschland; erst einmal dort sein! hieß es also, dann könnte man vielleicht inRuhe abwarten.So durfte man die Möglichkeit "Siegerland-Orchester" keineswegs auslassen, die sichallerdings mit ähnlichen "Kostengründen" präsentierte, wie die anderen Orchester:indem der schon erwähnte Jan Corazolla das Probespiel "vor Ort" in Berlin abnahm.Ironie des Schicksals jedoch erstens, daß Peter Richter (mit einer sehr merkwürdigenBegründung) nicht den erwarteten Vertrag, sondern nur eine seiner üblichen Postkartenals Bestätigung schickte: der Vertrag würde nachgereicht. Und damit sofort Mißtrauenerweckte über die Zustände, die einen in Hilchenbach erwarteten.Und Ironie des Schicksals zweitens: daß der Autor, eben erst in Neuenahrangekommen, Post aus Berlin erhielt: er könne nun doch eine der Volontärstellenbekommen, mit der die West-Berliner Orchester gerade anfingen, wenigstens ein paargute "Nachwuchs-Musiker" da zu behalten. Es war gleichsam der Beginn jener "Berlin-Förderung", die dann immer größere Ausmaße annahm.Der Autor möge freilich nicht zurückkommen, wenn er sich "im Westen" schon eingelebthätte. "... ich hatte mich bereits eingelebt, ich wollte um keinen Preis zurück auf die "Insel". Also blieb ich ..." "... Vormittagskonzert, Nachmittagskonzert, Abendkonzert, bei schönem Wetter vor dem Nachmittagskonzert noch ein Konzert auf der Promenade ...dabei nur einen Tag frei, an diesem jedoch Frühkonzert, erst dann der ersehnte Radausflug in die Eifel: das war regelrecht Ausbeutung ..."Dazu kam aber eben auch: "... das waren also nicht die Richtigen gewesen, vor denen ich mein Probespiel abgelegt hatte oder die mich in Hilchenbach in Empfang genommen hatten (Scheck, Corazolla und so weiter, damals sämtlich in ihrer Gegenbastion, dem Süßen Konrad wohnhaft). Das waren die Intelligenzler, die sich vor dem Dienst im Bad gedrückt hatten (weil sie vor der Kurmusik Schiß hatten) und angeblich dem Richter halfen, den Neuanfang im Oktober vorzubereiten. Die sog. Bakaluten im Bad fühlten sich jedoch viel eher als diejenigen, von denen alles abhing, sie hätten es lieber gesehen, Richter wäre mit ihnen nach Neuenahr gegangen und dort unter ihrem Einfluß geblieben ..." 18
    • Am 24. August 1958 ist Peter Richter Gastdirigent für eines der Kurkonzerte: "... ich wage nicht, es mir einzugestehen, aber ich bin von meinen Berliner Mucken-Orchestern her besseres gewohnt - und von Richters genialischem Gehabe grenzenlos enttäuscht ..." "... seine Meldungen über den erweiterten Neuanfang sind aber noch positiv ..."Am 29. August 1958 kommt es (von Neuenahr aus!) zum vielleicht legendärstenAbstecher, der in den frühen Annalen des Orchesters verzeichnet ist: dem nachBerleburg, um dort in einem Bierzelt unter einem keineswegs nüchternen ChordirigentenHaydns "Jahreszeiten" aufzuführen.26. September 1958: im Vorfeld des "Abschlusses der Konzertsaison" (sinnvollerweisemit der "Unvollendeten") ein Orchesterversammlung unter Richter in Neuenahr. "... der die als enttäuschend angesehenen provisorischen Verträge mitbringt und jetzt auch schlechtere Arbeitsbedingungen ankündigen muß, als sie allgemein erwartet wurden ..."Es waren keine "richtigen" Verträge (wie das erhaltene Exemplar des Autors zeigt)sondern nur "Vorverträge" ohne Datum, mit einer nebulösen Absichtserklärung, zum 1.Oktober (anläßlich einer neuen "Rechtsform") einen "endgültigen" Vertrag folgen zulassen - was dann einstweilen unterblieb.Zwar ist wortreich von Aufgaben und Pflichten und sogar schon vom angestrebten"Landessinfonieorchester" die Rede, aber noch immer bedeutet der Inhalt keinerechtsgültige Aussage über die "Gründung" des Orchesters "... Kuriosität: Richter kündigt auch Frauen im Orchester an, was bei Einigen noch immer zu Protesten führt ..."01. Oktober 1958: Rückkehr des Orchesters aus Neuenahr nach Hilchenbach: "... noch glaubt die Mehrheit an die Verlegung des Orchesters nach Siegen ..."Jedoch am 10. Oktober 1958 Probenbeginn des "erweiterten" Orchesters im "KinosaalMüller", der bis zum Sommer 1962 Sitz des Orchesters bleibt; Siegen steht nie mehrernsthaft zur Debatte.Die fensterlose Tristesse und "Weltentrücktheit" des "Kinosaal Müller" ist heuteverschwunden, man kann sie sich kaum noch vorstellen.An manchen Abenden gab es dort wirklich "Kino", der Autor hat dort etliche der damalsberühmten Filme gesehen. Zu den Proben wurden die Stuhlreihen im Parkett und die 19
    • Leinwand auf dem Podium zurück geschoben, um Platz für das Orchester zu schaffen.Seitlich gab es ein "Kabuff" für die Noten und das obligatorische "Schwarze Brett".Im übrigen hatte das damals noch einigermaßen ehrwürdige "Hotel Müller" über die"Orchesterzeit" hin auf Gäste verzichtet - und seine Zimmer an einigeOrchestermitglieder vermietet. Auch den Autor hat man dort volle vier Jahre lang"beherbergt".Das Orchester war zu diesem Zeitpunkt auf 59 Planstellen verstärkt worden: auf (samt"Sonderkonzertmeister") zehn erste Geigen, acht zweite, je sechs Bratschen und Celli,vier Kontrabässe, dreifaches Holz, vier Hörner, drei Posaunen, Tuba, Pauke,Schlagzeug, Harfe, Dirigent und Sekretärin.Wobei (um es nochmals zu erwähnen) nicht mehr klar wird, wer zunächst nochMusikschüler blieb und erst allmählich "eingegliedert" wurde. 20 Es scheint ein ziemlichkompliziertes Hin und Her gegeben zu haben, um die Zahl 60 nicht zu erreichen,geschweige zu überschreiten.Der 10. Oktober 1958 galt dann aber, schon weil nun erstmals alle Mitglieder demOrchester fest angehörten (bzw. ehemalige Musikschüler waren, die noch festeingegliedert werden sollten) als der "eigentliche" Beginn des Orchesters, das Jahrdavor (trotz seiner legendären Konzerte im Dezember 1957) nur als "Anlaufzeit".Die Orchesterschule fristete seitdem nur noch ein Nebendasein - und sollte (angeblich)so schnell wie möglich aufgelöst werden.Noch glaubte niemand an die schon bald eintretende "Krise" des ja erst"neugegründeten" und nun bereits "erweiterten" Orchesters. Noch wählte an diesem 20
    • ersten Tag des "eigentlichen Beginns" das Orchester Richters "Gegenpol" MichaelScheck fast einmütig als 1. "Orchester-Vorstand".21Freilich: Die Gerüchte darüber, was "im Hintergrund" wirklich vor sich ging, dazu dasüberraschende "Bleibenmüssen in Hilchenbach", was so kaum jemand erwartet hatte:einige Eingeweihte" schienen es genauer - und ganz anders - zu wissen.Auch die "Abwicklung" der Orchesterschule, für die jetzt nebenher der Bratschist Bärvon Randow als letzter "Leiter" (aber offenbar nur von "Richters Gnaden") zuständigwurde, schien so ganz "astrein" nicht zu sein. Der Autor erinnert sich an eine gewisseHilflosigkeit unter den verbliebenen Schülern, so als wären sie nur noch eine Art"Manovriermasse" gewesen.Erneut ist zu fragen: was war geschehen? Wie stand es wirklich um das Orchester?Schon am 16. Juli 1958 muß es (vielleicht nur in kleinem Kreis?) jene Sitzung gegebenhaben, auf die sich Peter Richter und seine Freunde dann immer wieder berufen haben:In Gegenwart (oder nur in Kenntnis?) auch der Vertreter von Kultusministerium undLandschaftsverband scheint dabei das "Auslaufen der Schule" zugunsten nur noch desOrchesters zumindest "angedacht" worden zu sein.22Dies hatte jedoch zur Unruhe innerhalb der Trägerschaft und vor allem auch zuMeinungsverschiedenheiten zwischen Richter und dem Geschäftsführer derTrägerschaft, Moritz Weiss, Hilchenbach geführt.So muß Richter, in mehreren Sitzungen, die vom 05. September 1958 an stattfinden, zuseinen künftigen Vorhaben Stellung nehmen.23Er erklärt sinngemäß, daß die Orchesterschule in der bisherigen Form keine Zukunftmehr habe - und er die Notwendigkeit eines Neubaus nicht mehr befürworten könne.Trotz weitgehender Sympathie der Stadt Siegen (die sich tatsächlich ein eigenesOrchester erträumt? Die vehemente Verfechter des "genialen Künstlertums" Richters inihren Reihen hat?) und auch der Siegerländer Industrie ist man allseitig über dieseDeutlichkeit entsetzt - und wirft Richter vor, er habe die Trägerschaft über seine wahrenAbsichten nicht rechtzeitig in Kenntnis gesetzt bzw. keine klare Linie gezeigt.Zwar beruft sich Richter auch auf seine fortlaufenden Besprechungen mit Moritz Weiss,von denen er fest geglaubt hätte, daß ihr Inhalt sofort weitergeleitet worden wäre. Weissbestreitet aber die Verbindlichkeit und Ernsthaftigkeit dieser Besprechungen - und derLandkreis beharrt darauf, daß die Sache in dieser Klarheit im Juli nicht erörtert wordensei.Salopp ausgedrückt: hier war offenbar "eine Jungfer zu ihrem Kind" gekommen.Die Situation führte zumindest dazu, daß die Musiker nicht die angekündigten Verträgebekamen, sondern daß man vorerst bei den schon erwähnten "Absichtserklärungen"verblieb. Und daß das Orchester vorerst nicht (wie es Richter immer wieder versprochenhatte) nach Siegen ging, sondern seinen Sitz in Hilchenbach behielt.Am 09. Oktober 1958 (am Vortag des eigentlichen Beginns des Orchesters in seinererweiterten Besetzung!) einigt man sich (im Einvernehmen auch mit dem Land und dem 21
    • Landschaftsverband) nochmals darauf, daß die Schule erhalten bleiben und weiter einNeubau dafür geplant werden müsse.24Man erklärt die Forderungen und Absichten Richters für "übertrieben" - und stärkt dersich mehr und mehr um Moritz Weiss formierenden "Opposition" den Rücken.Das war dann spätestens die Geburtsstunde der "Richter-Krise" - und der Autor erinnertsich deutlich an die Unruhe, die schon von den ersten Tagen im "Probenlokal Müller" animmer mehr zu spüren war. Zwar sind (wie auch an anderer Stelle erwähnt) vieleUnterlagen aus der "Frühzeit" dieser Krise nicht mehr vorhanden. Aber stimmt esüberhaupt, sind sie wirklich (so jedenfalls die Darstellung des Stadtarchivs Hilchenbach)bei der späteren Auflösung des "Büro Weiss" nicht in den zuständigen Archiven inSiegen, sondern auf dem Sperrmüll gelandet?Man kann sich trotzdem aus dem, was in den beiden Siegener Archiven (wenn auch inunübersichtlicher "Abheftung") übrig geblieben ist, ein eindeutiges Bild machen. Auchwenn es dem, was heute, nach fast 50 Jahren, von Richter bzw. von seinen Getreuennacherzählt wird, in keiner Weise entspricht.11. Oktober 1958: ein "Männerchor-Konzert" in Siegen steht dort am Anfang des "Neubeginns".18. Oktober 1958: erstmals "Carmina burana" in Offenbach23. Oktober 1958: Sinfoniekonzert unter Richter in Witten: mit der "großen" g-moll- Sinfonie von Mozart und der 5. Tschaikowsky. "... zunächst läuft alles so gut, daß uns ein Stein vom Herzen fällt ..."29. Oktober 1958: erstes Konzert seit dem "Neubeginn" unter Richter in Siegen, wiedermit der "großen" g-moll von Mozart und der 4. Sinfonie von Bruckner "... wir sind hinterher alle erschrocken: es gelingt erstmals nicht, Unsicherheit und Nervosität hatten sich allseits breit gemacht ..."Am 05. November 1958 entsteht dennoch, trotz allen Spannungen, ein Trägerverein aufneuer Grundlage, wird damit der selbständigen Entwicklung seit Oktober 1957 und auchder Erweiterung des Orchesters seit Oktober 1958 wenigstens einigermaßen Rechnunggetragen.25Zum Vorstand des Vereins "Siegerland-Orchester e. V." gehören künftig derOberkreisdirektor des Kreises Siegen-Wittgenstein, der Oberstadtdirektor von Siegensowie ein Vertreter der Siegerländer Unternehmerschaft. Moritz Weiss, auch alsVertreter der Stadt Hilchenbach, bleibt Geschäftsführer.Jedoch weiterdauernde, spürbare Unruhe, sowohl bei den Proben wie auch in denKonzerten. Keine gute Sache für besonders "empfindsame" junge Musiker, wie es derAutor damals noch gewesen ist!17. November 1958, nach sehr vielen Proben: ein weiteres Sinfoniekonzert unter PeterRichter in Siegen (u. a. mit den "Bildern einer Ausstellung") das der WDR aufnimmt unddann auch überträgt. „... es gibt sehr geteilte Meinungen darüber - und genau das hat dann endgültig (nun auch innerhalb des Orchesters) die Krise um Richter ausgelöst ... Und 22
    • Richter weiß das - aber es beginnt zugleich die Zeit seines dauernden Ungeschicks, seines fast tragischen Versagens in einer Situation, die er nicht wahrhaben will, die ihm mehr und mehr entgleitet ...".26Zwar glaubt er noch am 21. November 1958 bei einem (als sensationell empfundenen)Konzert in Siegen zusammen mit dem "Orchester Kurt Edelhagen" alle Trümpfe in derHand zu haben.Am 12. Dezember 1958 kommt es aber zur entscheidenden Zusammenkunft vonKreisdirektor Kuhbier, Moritz Weiss, Richter und dem Orchestervorstand (mit Scheck alsSprecher) wegen der entstandenen Problematik. Scheck widerspricht RichtersForderungen nach "Alleinherrschaft"; man diskutiert den schlechten Eindruck derRundfunkübertragung des Konzertes mit den "Bildern der Ausstellung" - und Richter 23
    • fragt erstmals "Sind Sie der Auffassung, daß ich meiner Aufgabe nicht (mehr)gewachsen bin?"27Kuhbier formuliert eine Art künstlerischen Beirat der Stimmführer, der künftigmitbestimmen soll; bei Meinungsverschiedenheiten entscheidet allein die Trägerschaft.Dem muß schließlich auch Richter zustimmen.Vor allem wird nochmals klargestellt, daß Richter allein keinerlei Maßnahmen mehrtreffen darf, die Verpflichtungen des Trägers zur Folge haben.Also zunächst auch keine Zusagen mehr für Konzerte und Engagements geben,keinerlei Entscheidungen über Neueinstellungen oder Kündigungen von Musikern mehrtreffen darf? Genau geht das daraus nicht hervor, scheint aber so beabsichtigt gewesenzu sein.19. Dezember 1958: in einer Vorstandssitzung der Trägerschaft wird alles bestätigt. Manwill zwar an Richter festhalten, vor allem, "weil bei einer Trennung Schwierigkeitenhinsichtlich der Finanzierung auftreten würden", aber die "Differenzen" sollen jetzt durchklare Dienstanweisungen und durch deutliche Richtlinien zur Abgrenzung allerZuständigkeiten ausgeräumt werden.28Da ist es zum ersten Mal definitiv: das Schreckgespenst, daß die finanziellen Zusagendes Landes und des WDR allein an die Person Richters geknüpft sein könnten. Wiegesagt "könnten". Es stimmte nicht. Es gibt in den Unterlagen keinerlei konkreteHinweise. Leider läßt sich heute nicht mehr feststellen, wer dieses "Gespenst" und auswelchem Grund an die Wand gemalt hatte.Natürlich ist Richter alles andere, als einverstanden. In der "alten" Chronik des Autorssteht ausdrücklich, "... daß es um diese Zeit aussah, als würde er über Nacht hinschmeißen, um sich heimlich abzusetzen ..."Und er verliert jetzt auch den Autor, als einen bis dato zwar sehr naiven, oft zweifelnden,aber eigentlich noch sehr begeisterten Anhänger:19. Dezember 1958: Weihnachtsoratorium unter Richter in Witten "... ich sage ihm (teils noch immer von ihm fasziniert, teils im guten Glauben, ich könnte ihn beeinflussen) die erbetene organisatorische Assistenz bereits für die Chorproben in Witten zu, bekomme dann später eine Grippe, fahre dennoch zur Aufführung mit, habe aber kurz vorher einen Herzanfall: so daß für die Aufführung kein 1. Flötist vorhanden ist. Wütende und vor allem beleidigende Ausfälle Richters - und viel Aufmerksamkeit seitens der Opposition, die mich ermahnt, endlich einmal nachzudenken ..."02. Dezember 1959: Richter fordert und praktiziert (trotz Verbots) weiterhin seinenEntscheidungsanspruch in allen personellen Dingen. So verlangt er z. B. am 08. Januar1959 von Moritz Weiss die fristlose Entlassung Märkls, der ihm mehr und mehr dieGefolgschaft verweigern will.2909. Januar 1959: Corazolla verlangt daher umgekehrt (in einem Brief an dieTrägerschaft, im Vorfeld einer geplanten Diskussion zwischen Orchester undTrägerschaft am 12. Januar) in aller Deutlichkeit, Richter als menschlich nicht mehrgeeignet anzusehen.30 24
    • Moritz Weiss jedoch bittet seine Kollegen, im bevorstehenden Gespräch mit demOrchester zunächst noch einmal so ausgleichend wie möglich vorzugehen; dasGespräch soll für die künftige Weiterarbeit des Orchesters entscheidend sein.Fast sieht es aus, als sollte jetzt erst darüber entschieden werden, ob das Orchesterwirklich als "gegründet" und "existent" anzusehen ist, oder ob alles bisherige nur ein"ungültiger Versuch" war, den man jederzeit widerrufen könnte. "... überall wird diskutiert und verdächtigt, man kann sich kaum noch auf die Musik konzentrieren, die Zukunft erscheint völlig ungewiss ..." 25
    • Die sogenannte "Richter-Krise". Rolf Agop wird "KünstlerischerOberleiter"15. - 17. Januar 1959: Sinfoniekonzerte unter Richter in Weidenau "... es werden, ohne daß es irgendjemand für möglich hält, seine letzten Konzerte als Chef des Orchesters ..."Vorausgegangen war am 12. Januar das schon erwähnte "Gespräch" zwischenTrägerschaft und Orchester im "Probenlokal Müller".31Es blieb keineswegs als eine "besonders gelungene Veranstaltung" in Erinnerung, alsdas "klärende Gespräch", das nun notwendig war. Die Herren des Träger-Vorstandeshatten die Mahnung ihres Mitgliedes Moritz Weiss, so ausgleichend wie nur möglichvorzugehen, wohl nicht ganz ernst genommen. Sie standen zwar in allen Fragen Redeund Antwort, schienen aber die tiefe Kluft, die sich im Orchester aufgetan hatte, zuverkennen - und wollten es wohl eher mit einem "Machtwort" halten - so ähnlich wie"wenn jetzt nicht Ruhe ist, fackeln wir nicht mehr lange".Umgekehrt schien ihnen endgültig klar geworden zu sein, daß man diese "Ruhe" nurunter strengen Auflagen auch für Richter erreichen konnte.Dazu gehörte als Skurrilität sogar, daß man ihm die Einstudierung einer Oper (für die erbereits Sänger nach Hilchenbach eingeladen hatte) strengstens untersagt.Es scheint im übrigen noch eine "inoffizielle" Fortsetzung des "Gesprächs" zwischenTräger und nur der "Richter-Partei" gegeben zu haben. Darüber ist in den Protokollenzwar kaum etwas enthalten. Sonst aber läßt sich Richters überlieferte Äusserung, daßer auch "zu einer Verkleinerung des Orchesters aus finanziellen Gründen bereit wäre,wenn man ihn nur weiter gewähren ließe" nicht richtig einordnen - und vor allem nichtdas berühmte Wort von Moritz Weiss, das dann lange die Runde machte, nämlich "...wer das Geld hat, hat die Macht, daran müssen Sie sich gewöhnen, und ich habe dasGeld!" Den sonst so vorsichtigen Moritz Weiss hatte man wohl "in Rage" gebracht, er wollte vermutlich nur an den Kern der Dinge erinnern. Vielleicht hat er ja auch nur gesagt "wir haben das Geld".32 Ein "Machtwort" war jedenfalls nicht das richtige "Mittel der Wahl". Der Lernprozess, der jetzt dringend hätte folgen müssen, wäre nicht nur für Richter selbst oder für die verschiedenen Gruppierungen im Orchester, sondern auch für die "Obrigkeit" äußerst wichtig gewesen.Die Vertreter der Opposition gegen Richter (Scheck, Corazolla, Märkl und einige andere,im Orchester genannt "die Clique" und dann offiziell "die Neun") verließen das"Gespräch" jedenfalls eher - und unterschrieben noch am Abend einen bereitsvorbereiteten Brief. Man schildert noch einmal die ursprünglichen Ziele, sei aber zu derErkenntnis gelangt, daß Richter die Erwartungen nicht erfüllt habe, unter seiner Leitung 26
    • könne die Idee des Siegerland-Orchesters auch nicht mehr verwirklicht werden. Mansähe sich daher gezwungen, das Orchester zu verlassen - und diesen Brief alsKündigung anzusehen.33Eines der großen, wenn auch später etwas umstrittenen Ereignisse in der Geschichtedes frühen Orchesters! Auf jeden Fall ist zu sagen: Richters bald verbreitete Meinungvon "unverschämten Lügen", die im Brief stünden, wird schon bei oberflächlicherLektüre völlig unverständlich. Nicht der Brief als solcher hatte die von niemandem soerwarteten Folgen, sondern allein Richters voreilige und schlecht beratene Reaktiondarauf. Sie hätte wohl noch jeden Arbeitgeber auf der Welt zur "sofortigen Beurlaubung"veranlaßt.18. Januar 1959: der Brief der "Neun" war an Moritz Weiss gegangen und von diesemoffiziell an Oberstadtdirektor Seibt weitergereicht worden; Seibt übergab ihn dann (wohlanlässlich einer für diesen Tag sofort einberufenen Vorstandssitzung) an Richter zurStellungnahme.34In der Sitzung (mit Seibt, Kuhbier, Simony, Weiss, dazu Richter und Diederich) ist Seibtfür Richter, Weiss (sehr erregt) gegen ihn. Richter und Diederich müssen die Sitzungzunächst wieder verlassen; Weiss verteidigt dann weiter die "Neun" ("und zehn weitere,die hinter ihnen stünden"), Simony aber weiter Richter - und behauptet auch dessenRückhalt bei der Industrie.Als Richter und Diederich wieder hinzu kommen, stellt jetzt Richter ultimativ sein Bleibeninfrage. Nur mühselig einigt man sich auf den Kompromiß, den WDR (Dr. Krutge) alsSchiedsrichter anzurufen.Der Autor kann gar nicht anders, als so ausführlich von jenen legendären Ereignissen zuberichten, die ihm noch so lebendig in seiner Erinnerung sind:19. Januar 1959: Abfahrt zu "Carmina burana" in Offenbach. Da es die Wiederholungeines Konzertes ist, das schon am 18. Oktober stattgefunden hatte, der Chordirigentauch schon wieder zu einer Probe in Hilchenbach gewesen war, ist in Offenbach nureine "Verständigungsprobe" mit dem Chor notwendig.So hält Richter zunächst eine Orchesterversammlung ab, auch sie eine derlegendärsten in der frühen Geschichte des Orchesters.35Auf ihr verliest Diederich den Brief der "Clique" - und formuliert dann die Haltung desübrigen Orchesters: die „Neun“, jetzt mit Haupt zehn, sollen ausgeschlossen werden,man stehe einmütig hinter Richter. Diederich läßt schließlich eine Liste zur Unterschriftherumgehen.36Noch von Offenbach aus wird viel telefoniert (Scheck mit Moritz Weiss, der die"Ausgeschlossenen" ermahnt, unbedingt weiter Dienst zu tun, Richter mit dem SiegenerBaurat Simony) und auf der Rückfahrt gibt es einen nächtlichen Halt in Butzbach, beidem Richter dem Orchester durch Diederich ausrichten läßt, daß Siegen denOrchesterbeschluß voll bestätigt habe, anders lautenden Gerüchten solle keinerleiGlauben mehr geschenkt werden.37Es fällt offenbar auch der Zusatz, daß man sich bereits auf einen Vorstandsbeschlußdes Trägers dazu stützen könne.Dies war dann der entscheidende Schritt, den Richter zu weit gegangen war. Dennsofort verteidigt sich Weiss in einem Brief an die Vorstandskollegen und erinnert an 27
    • frühere Sitzungen: zwar habe man am 12. Januar vor dem Orchester eine weitgehendeKontrolle Richters zugestanden, dies sei nun aber in der Praxis nicht mehr möglich. Esgäbe "Hunderte von solchen Vorfällen" in der Vergangenheit. Auch die Darstellung der"Neun" als "gemeine Lügner" sei so nicht hinnehmbar.38Als Scheck ihm am folgenden Tag über "Butzbach" berichtet, schreibt er noch einenweiteren Brief - und verlangt die sofortige Entscheidung jetzt.21. Januar 1959: der Vorstand beschließt die Lösung des Dienstverhältnisses mitRichter - und teilt es ihm mündlich mit.39Es beginnt damit auch die Zeit, in der Scheck (neben seinem Dienst als Solo-Oboer)das Amt eines "vorläufigen Verwaltungsleiters" in aller Öffentlichkeit ausübt. Dies warwohl vor allem in seinem engen Vertrauensverhältnis zu Moritz Weiss begründet.Auf Moritz Weiss muß deshalb kurz eingegangen werden: als Hilchenbacher Fabrikantund dort lange Zeit Bürgermeister war er geschäftsführendes Vorstandsmitglied schonbeim Träger der Orchesterschule gewesen und wurde es dann auch beim Träger desOrchesters.Michael Scheck über ihn heute: "... obwohl er in eine ihm fremde Welt eingetreten war,versuchte gerade er, für das Orchester Sympathie und finanzielle Mittel aufzubauen. Dieinternen Querelen müssen ihm total unverständlich, mehr noch, ein Greuel gewesensein."So brauchte er natürlich einen Ratgeber, dem er voll vertrauen konnte - und hatte ihn inder Person von Michael Scheck gefunden; dies offenbar schon seit längerer Zeit.4022. Januar 1959: Weiss hat an Konzertmeister Hartig einen Text zur Verlesung vor demOrchester gegeben, daß man mit Richter vereinbart habe, seine Stellung sofortaufzugeben. "Ruhe (so sinngemäß) sei jetzt die erste Bürgerpflicht".4129. Januar 1959: der Vorstand stellt "amtlich" fest, daß das Beschäftigungsverhältnis mitRichter seit dem 21. Januar gelöst sei, und teilt es ihm jetzt auch schriftlich mit.4201. Februar 1959: Doch nun gibt es mehr und mehr Briefe seiner Siegener Freunde, diean "Gott und die Welt", vor allem aber an Dr. Krutge vom WDR, der ja Schiedsrichtersein soll, gerichtet sind. Wortreich wird versucht, die Dinge aus der Sicht Richters klar zustellen.43Und gibt es umgekehrt auch die (heute etwas peinlich wirkenden) Erkundigungen derTrägerschaft über Richter bei seinen früheren Arbeitgebern in Hagen und Wuppertal.44Natürlich gibt es am 03. Februar 1959 auch eine Besprechung im Kultusministerium, imBeisein von Dr. Schmücker (Ministerium), Dr. Krutge (WDR), Paasch(Landschaftsverband) und den Träger-Vorständen.45Die "Externen" bedauern zunächst, daß sie nicht mehr gehört worden wären - undstellen die Vorgänge als "unter Künstlern üblich" dar. Krutge behauptet erneut, daß erdie Befürwortung von weiteren Zuschüssen allein auf die Person Richters hin aufgebauthabe. Es kommt auch zur Sprache, daß sich der zu weit abgelegene StandortHilchenbach nicht bewährt habe, eine "Cliquenbildung" sei dort unvermeidlich gewesen.Die "Externen" werden sehr "deutlich", sie kanzeln die Trägervorstände beinahe ab.Dr. Schmückers und Dr. Krutges Reaktionen jedoch waren so zu erwarten - und warenallzu vordergründig. Der Name der Frau Dr. Schmücker taucht in den "Quellen" im 28
    • übrigen viel seltener auf, als man es laut anderen Darstellungen erwarten müßte; aufihrem Schreibtisch lag wohl vor allem der "Fall Agop", von dem gleich die Rede seinwird.Die graue Eminenz des Dr. Krutge hingegen bewegte sich mehr und mehr auf Glatteis.Zwar war er wohl eine im Hintergrund sehr treibende Kraft - und vor allem der FördererRichters schlechthin. Aber wenn er weiterhin mit der Bindung der Zuschüsse "an diePerson Richters" argumentierte, während doch nach den üblichen Regeln allein diesesungewöhnliche Orchester im Mittelpunkt hätte stehen müssen: kann man ihm kaumfolgen. Und das hat er dann wohl ziemlich bald eingesehen.46Viel eher ist hier ein (vorsichtiges) Wort über den Baurat Simony angebracht, der als"Adlatus" des Siegener Oberstadtdirektors Seibt an fast allen Sitzungen teilnahm. Abernicht über ihn persönlich, sondern über ihn als den profiliertesten Vertreter jenerSiegener Kreise, die in Richters Bestrebungen (wie schon erwähnt) wohl einen altenTraum verwirklicht sehen wollten (ein eigenes Orchester und womöglich auch Theaterzu haben, wie es z. B. Hagen, Solingen und Remscheid längst hatten) und ihn deshalbso enthusiastisch unterstützten.47Michael Scheck: "die vorherrschende Subjektivität der Siegener high society wirktesich immer wieder zum Nachteil des Orchesters aus. Denn diese Leute hatten Gewichtund Stimme in den politischen Gremien, oder konnten sie zumindest beeinflussen."48Vom Verwaltungsjuristen Kuhbier scheint (bei Gelegenheit aller genannten Gespräche)im übrigen die Feststellung zu stammen, daß die juristischen Gründe für eine "fristloseEntlassung" allemal ausgereicht hätten, man sei sich aber über eine "grundsätzlicheKündigung" zum 31. März 1959 und eine Gehaltsfortzahlung bis zu diesem Termin einiggeworden.Ob die "Fehlleistungen" Richters tatsächlich für eine "fristlose Entlassung" ausgereichthätten, mag dahin gestellt bleiben. Auffallend ist, wie schnell man nach dem rettendenStrohhalm bloß einer "fristlosen Beurlaubung" gegriffen hat. Aber das Kind war nun inden Brunnen gefallen, die Situation blieb völlig verfahren. Und so war die Bühne frei fürden nächsten "Helden" in der Geschichte des Orchesters.Am 04. Februar 1959 springt der Dortmunder GMD Rolf Agop ein und leitet alsVertretung für Richter ein Sinfoniekonzert in Siegen (u. a. mit den "Weber-Metamorphosen" von Hindemith).Agops nun beginnenden Unterlagen49 zufolge war er am 22. Januar telefonisch gebetenworden, für das Konzert einzuspringen.Neu und überraschend für ihn kann das aber nicht gewesen sein, es gibt auch keinerleiHinweise darauf, von wem er angerufen wurde - eher darauf, daß es sich um eine"Angelegenheit" handelte, die schon "von längerer Hand" vorbereitet worden war.50War es also schon schwierig zu erklären, wie Richter eigentlich "auf der Bühne" inHilchenbach erschien, ergibt sich bei Agop genau dasselbe.Auf jeden Fall: Agops "Einspringen" wird als die "Wende" angesehen. Und sie beginntso "blumig", wie es eben die Ausdrucksweise des unvergessenen Rolf Agop gewesenist: Er sei "händeringend vom Siegerland-Orchester darum gebeten worden."Die vom Autor vermutete und auch dunkel erinnerte Wahrheit aber lag wohl eher dort,daß Agop damals vor allem um ein Ziel bemüht war: noch "richtiger" Professor in 29
    • Detmold zu werden. Hierfür mußte entweder sein Vertrag in Dortmund gegen allesErwarten doch noch verlängert werden, oder es mußte sich eine Aufgabe wie dieses"Nachwuchs-Sinfonie-Orchester" ergeben, das in die richtige Richtung zielte.51So war er denn vermutlich schon sehr früh informiert - und hatte seine Fühler schon zueinem viel früheren Zeitpunkt ausgestreckt.Zwar bestätigt er, "daß sich Richter Dinge erlaubt hätte, die ihm so nicht zustanden, vorallem in vertraglicher Hinsicht" - aber er spricht eben schon gleich nach dem Konzertauch davon, daß zwar Richter "unbedingt zurückgeholt werden" solle (´er sei ja imübrigen sein Schüler gewesen), ihm aber "ein erfahrener Künstler zumindest in denersten kritischen Wochen quasi übergeordnet werden müsse."´ "... zunächst sind erst einmal völlig freie Tage bis Anfang März. Man fängt an, wieder in Ruhe zu üben - und bekommt eine erste Ahnung davon, in welch schöne Landschaft man da eigentlich verschlagen worden ist ..." "... derweil aber Drohungen der Richter-Seite, man würde gleichfalls kündigen, wenn Richter nicht zurückberufen würde ..." "... irgendwie kam man eben doch noch nicht zur Ruhe ..."Am 05. Februar 1959, dem Tag nach dem Siegener Sinfoniekonzert unter Agop:außerordentliche Sitzung des Kulturausschusses des Kreistages, bei der alles gründlichzur Sprache kommt, und Kreisdirektor Kuhbier noch einmal die Entwicklung "bis zumheutigen Stande" vorträgt. In der "sehr lebhaften" Debatte wird deutlich, daß es keineMehrheit dafür gibt, an der Person Richters als allein Verantwortlichem festzuhalten. Nurdrei Ausschußmitglieder sprechen sich dafür aus, sieben dagegen, drei enthalten sich.52Insofern wird begrüßt, daß nach dem gestrigen Konzert noch ein Gespräch mit Agopstattgefunden hätte, in dem er sich sehr positiv über das Orchester, aber auch übereinzelne Mitglieder der "Neun" geäußert und dies auch sofort Herrn Dr. Krutge mitgeteilthabe.Auf die spontane Frage, ob er als "Oberaufsicht" für eine Weiterarbeit Richters zuVerfügung stehen würde, habe er seine Bereitschaft bekundet.Man spricht sich sofort für diese Lösung aus, zumal sie auch ein Einvernehmen mitMinisterium, Rundfunk und Landschaftsverband verspricht, fordert Seibt zu den nötigenVerhandlungen mit der Stadt Dortmund auf - und beschließt einstimmig. 30
    • 09. Februar. 1959: Richter fordert darauf hin brieflich die Aufarbeitung seiner finanziellenDinge. Es sei Krankheit und privates Mißgeschick gewesen, daß ein Treffen mit Agopbisher noch nicht vereinbart werden konnte; Agop hätte ja aber gebeten, erst dann zueiner Aussprache und nach Hilchenbach zurück zu kommen, wenn er wieder gesundsei.53Schon hier fordert er jedoch seine "Herrschaft" allzu deutlich zurück, er formuliertsarkastisch, daß er "offenbar nur unter Aufsicht" wieder vor das Orchester treten dürfe.Und redet zwar von einer Neuordnung und von einem "Schlußstrich", meint aber ganzoffensichtlich: zu seinen Gunsten. Vor allem: gegen die "Neun". Das drang bis insOrchester vor. Der Autor erinnert sich um diese Zeit an erste "Friedensgespräche", mitdem Inhalt, daß Richter aus seinen Fehlern offenbar nicht lernen wolle, ganz einfach,weil er es grundsätzlich nicht könne.Viel wichtiger aber, als dies alles: um diese Zeit gibt es auch eine etwas bedenklicheSitzung des Finanzausschusses des Kreistages. 54Dem Sinn nach wird festgestellt: die "Sanierung" des Orchesters erfordere inzwischeneine viel höhere Summe, als erwartet. Es sei also zu überlegen, ob das Orchester "injedem Fall" gerettet werden solle. Ein "Nachwuchsorchester" sei auch nicht Aufgabe desSiegerlandes allein. Umgekehrt sei eine Reduzierung der Orchesterstärke und damit dieRückkehr zu den Verhältnissen der "Musikschule" ebenso wenig machbar. DasEinvernehmen mit Ministerium, WDR und Landschaftsverband sei daher unerläßlich.Dann kommt es, was man kaum in die Öffentlichkeit dringen ließ: eine finanzielle"Probezeit" von zwei Jahren sei das Äußerste, dem man zustimmen könnte.55Die Trägerschaft jedoch bleibt optimistisch: inzwischen hatte Agop auch brieflichzugestimmt, lag die Zustimmung aus Dortmund vor - und hing jetzt alles davon ab, obRichter mit einer "Oberaufsicht" Agops einverstanden war. Ein Neubau in Hilchenbachsei vorerst unnötig geworden; notfalls könne das Orchester in die Halle in Kaan-Marienborn ausweichen.56Man entschließt sich jedoch (wohl angesichts der vielfältigen Gerüchte, Meinungen undGegenmeinungen) künftig alles "streng vertraulich" zu behandeln. So gibt es am 12.Februar 1959 (laut Agop erst am 13. Februar 1959 und dann "ganztägig") bereits dienotwendigen Besprechungen: zwischen Agop und dem Trägervorstand, dasselbe imBeisein Richters, dann zwischen Agop und dem Orchester, dasselbe im Beisein desTrägervorstandes.57Die Ergebnisse sollen die Grundlage für ein ausführliches Gespräch zwischen Agop undRichter sein. Eingeschlossen ist schließlich auch eine "außerordentliche, nicht-öffentliche" Kreistags-Sitzung, deren Inhalt tatsächlich als "vertraulich" ausgegebenwird. Einziger Punkt der Tagesordnung: das Weiterbestehen des Orchesters.Agop ist anwesend, spricht sich gleich zu Beginn deutlich für den Erhalt des Orchestersaus, ist bereit (falls der Kreistag heute zustimme) die "Oberleitung" (im Klartext "diekünstlerische Verantwortung, die Programmgestaltung und die Schlichtung vonStreitigkeiten") zu übernehmen, dies (was immer er damit meinte) ohne "materielleForderungen"; daraufhin sei auch das Orchester "einstimmig" bereit, Frieden zu machenund einen erneuten Versuch mit Peter Richter zu unternehmen. 31
    • Landesrat Paasch, der gleichfalls zugegen ist, stellt dafür auch die Zustimmung desLandschaftsverbandes und des WDR in Aussicht. Moritz Weiss, der sich von dereigentlichen Geschäftsführung künftig mehr zurückziehen will, legt außerdem dar, daßso auch ein verwaltungsmäßiger Neuanfang des Orchesters möglich werde.Als Agop und die "Externen" dann den Saal verlassen haben, erwähnt Moning noch,daß er die "fristlose Entlassung" bereits zurückgenommen habe (womit also endlich derStatus der bloßen Beurlaubung hergestellt war) und daß die noch fehlenden Teile(Kuratorium, Satzung usw.) einer künftigen Trägerschaft endlich in die Wege geleitetworden seien.Es liest sich wie die eigentliche, nachgeholte Orchestergründung. Und das ist sieirgendwie auch gewesen: nun hatte nicht nur die Realität die Trägerschaft eingeholt,sondern hatte erstmals auch die Trägerschaft Anschluß an die Realität gefunden - undbekannte sich zuversichtlich zur Existenz eines selbständigen Orchesters. OhneFortbestand der Orchesterschule.Ob dabei nochmals das Wort gefallen ist, daß man jetzt "den Frieden erzwingen müsse,sonst aber das Orchester auflösen", ist nicht genau auszumachen. Der Autor hält esheute für eine sofortige "Propaganda" der Richter-Seite. "... darüber waren wir aber alle erschrocken - und skeptisch, ob Richter zustimmen würde bzw. wie das funktionieren sollte. Einzig seine tatsächliche Rückkehr unter Agops Oberaufsicht war jetzt der springende Punkt ..."Für den 18. Februar 1959 war dann das entscheidende, direkte Gespräch zwischenAgop und Richter vereinbart; es gab sogar schon einen Entwurf für denvertragsmäßigen Teil. Richter aber erscheint nicht, es findet nicht statt.58Die für den 28. Februar 1959 geplante "Wieder-Einführung" Richters wird also abgesagt.Richter wird außerdem verboten, bis zur Rückkehr Agops von einer Reise und einemdaher erst für den 6. Mai(!) angesetzten neuen Gesprächstermin nach Hilchenbach zukommen oder mit dem Orchester in irgendeiner Weise Kontakt aufzunehmen.59Vor seiner Reise gibt es am 04. März 1959 noch ein vielgelobtes Sinfoniekonzert unterAgop in Iserlohn, mit der "großen C-Dur" von Schubert. "... Agop bestätigt bei dieser Gelegenheit Corazolla als Vertreter im künstlerischen Bereich - und Scheck in seinen organisatorischen Aufgaben. Er läßt aber andererseits einen neuen Orchestervorstand wählen, in dem erneut nur die Richter-Seite vertreten ist ..." "... ein nicht immer zu verstehendes, aber wie sich zeigte: sehr geschicktes Taktieren, es wird zum Anfang der tatsächlichen Beruhigung ..."13. März 1959: Richter (jetzt und dann weiterhin mit dem Absender des heimatlichenElternhauses in Lübeck) widerspricht plötzlich und erklärt sich generell mit demgeplanten Ablauf der Dinge nicht einverstanden; er dreht auch den Spieß um: Agop seivoreingenommen, sei beeinflußt worden - und habe seine (Richters) terminlicheGegenvorschläge von vornherein nicht akzeptiert. Er "droht" sogar mit Konsequenzen,oder deutet sie zumindest an.60 32
    • Am 15. März 1959 scheint er seiner Sache so sicher zu sein, daß er für seineVorbereitungen die "April-Partituren" verlangt, und nun wieder von "Entscheidungs-Befugnissen" redet.19. März 1959: sogar Seibt weist Richter jetzt in einem "eingeschriebenen" Vorstands-Brief scharf zurecht. Richter habe nach dem Treffen am 12. Februar akzeptiert, wasauch die Grundlage für das Treffen mit Agop am 18. Februar sein sollte: einenwirklichen Schlußstrich, nach dem alles Vorherige nicht mehr zur Debatte stünde. DasGespräch am 18. Februar, sei aber leider nicht zustande gekommen. Die Rückkehr vonAgop müsse jetzt abgewartet werden. Richters Briefe vom 13. und 15. März seien sonicht hinnehmbar, würde er sie aufrecht erhalten, sähe der Vorstand keine Möglichkeitmehr, das Vertragsverhältnis neu zu begründen. "... alle sind neugierig, ob Richter die ihm gestellten Bedingungen jetzt noch annimmt - vor allem aber besorgt darüber, ob seine Stelle (zusammen mit der eines Verwaltungsleiters) sonst wirklich neu ausgeschrieben wird (wie es mehr und mehr verlautet) oder ob es doch noch zur angedrohten Auflösung des Orchesters kommt ..."Doch schon am 04. April 1959 treffen sich Agop und Richter überraschenderweise inKöln, Krutge/ WDR scheint diesen Termin möglich gemacht zu haben und moderiert ihn:man hatte sich also doch noch einigen können.61Sah Agop plötzlich ein, daß auch er allzu unbeherrscht reagiert hatte?11. April 1959: Jan Corazolla "muß" in einem Brief an den Vorstand monieren, daß sichdie "Neun" zwar zum Bleiben bereit gefunden hätten, jedoch nur, wenn sich Richtergrundsätzlich und positiv ändere. Dies habe er aber auch seit dem Gespräch mit Agopnicht getan, er habe das Übereinkommen nachweislich bereits gebrochen.62Zwar wird Corazolla leider nicht konkret, doch sein "Kernpunkt" dabei ist neu: erverweist darauf, daß sich die Diskussion um Richter ausschließlich auf das"menschliche" verlagert habe, über das "künstlerische" sei noch gar nicht geredetworden. Dies aber sei das Entscheidende.63Er hat das offenbar auch an Agop geschrieben und ihm seinen Brief an den Vorstandbeigefügt. Agop antwortet am 20. April 1959 zunächst noch etwas zurückweisend: daßman Richter nun erst recht die Chance einer Rückkehr geben müsse, dann würde sichsofort und deutlich erweisen, ob er dies auch nutzen könne. Es ist aber deutlich zuspüren, daß er über die "künstlerische Seite" Richters bisher noch gar nicht vielaussagen kann - oder will.64So ganz unrecht, wie man es damals glauben machen wollte, hatte Richter mit seinem"Taktieren" nicht: inzwischen redet Agop kaum noch davon, daß es schon deswegeneine "nur vorübergehende Unterordnung" sein würde, weil er, Agop, ja eigentlich garkeine Zeit hätte und auf das Wohlwollen seiner Obrigkeit in Dortmund angewiesen sei.In Wahrheit hatte er offenbar sehr viel Zeit, und so war wohl damals schon entschieden,daß die "künstlerische Oberleitung" auf Dauer und sogar unter einem neuen Dirigentenfortbestehen würde. 33
    • 21. April 1959: dem Vorstand wird die Nachricht zugespielt, daß Richter kein echtesInteresse an einer Rückkehr habe, wenn er nicht allein verantwortlich sein dürfe undsich Agop unterordnen müsse; dies würde er dann nur heucheln, es würde ihm dann"nur noch ums Geld gehen“. 65Daraufhin muß der Vorstand (im Einvernehmen mit Agop) sehr schnell reagiert haben,obwohl kaum noch Unterlagen darüber vorhanden sind. Schon im Vorfeld oder erst beiProbenbeginn anläßlich eines Konzertes am 25. April 1959 in Niederdresselndorf erfährtdas Orchester, daß nicht Richter, der es als erstes Konzert nach seiner Rückkehr leitensollte, dirigieren würde, sondern Agop, und daß Richter nicht mehr zurückkehrt.Am 29. April 1959 kann Oberstadtdirektor Seibt auch Krutge/ WDR davon überzeugen,daß Richter seine Äußerungen tatsächlich so getan hätte - und zwar in einem Telefonatmit Bremer vor dessen Einstellungsgespräch.66Die Entscheidung brachte also ein telefonisches Gespräch zwischen Arne Bremer, demdesignierten neuen Verwaltungsleiter des Orchesters, und Peter Richter, das auchstattgefunden haben muß, weil selbst Richter es später immer wieder erwähnt hat.Leider wird nur nicht ganz klar, von wem es ausging. Der Autor meint allerdings, daßdieser heikelste Punkt der Entwicklung lieber offen bleiben sollte.Bremer solle es den Siegenern ausdrücklich so mitteilen: wird Richter wohl seinen(vermutlich sehr ungeschickten) Sätzen am Telefon hinzugefügt haben, und Bremer hates dann offensichtlich auch getan.Erst viel später (der Autor hat es erst unter dem Datum 28. Januar 1960 gefunden) wirdRichter behaupten, daß er es so nur sinngemäß gesagt habe (etwa: helfen Sie mir, daßich wenigstens etwas künstlerische Entscheidungsfreiheit behalte, damit ich nicht nurdes Geldes wegen zurückkommen muß) und wird hinzufügen, daß es dafür Zeugengäbe.Das ist, samt den unbenannten Zeugen, vom ganzen Vorgang her nicht glaubhaft, dieoffizielle Version scheint zu stimmen. Erstaunlich ist also nur, daß Bremer dieseunüberlegten Äußerungen überhaupt weitergegeben hat: ausgerechnet Bremer, derdoch (seiner Art gemäß und gemäß seiner Auffassung von seiner künftigen Arbeit) vonvornherein "um Ausgleich" bemüht war.Daher ist zu fragen: bleibt das (aber auch nur das) also übrig von der legendären, bisheute immer wieder erwähnten "Intrige", über die Richter schließlich "gestolpert" sei:daß man Bremer überredet hat, sein Telefonat mit Richter so "ungeschminkt"weiterzugeben?67Das Spiel war aus - und Richter muß es sehr schnell erfahren haben. Ob es alsReaktion darauf wirklich zu dem kam, was Richter in einem Brief an den Autor später"eine Verzweiflungstat meinerseits" nannte, "die dann im Krankenhaus undmonatelangem Genesenmüssen endete", soll hier nicht näher untersucht werden. Zwarhat der Autor darüber einige Unterlagen gefunden. Aber was bleibt, wäre dann nurMitleid.68 34
    • Zwischenzeit: bis zur Wahl von Thomas UngarHier zunächst noch eine Anmerkung über Jan Corazolla. Als "stellvertretendenDirigenten" hatte ihn Peter Richter schon bald nicht mehr anerkannt - wie dann auchThomas Ungar nicht und (ab 1962 als Chef) auch nicht Rolf Agop. Er wurde später inKöln zunächst "Organisator" des "Rheinischen Kammerorchesters", erst dann dessenDirigent. Leider starb er viel zu früh. Als "Chef" in Hilchenbach, was er wohl gerngeworden wäre, war er nicht denkbar. Aber man mag ihn sehen, wie man will: als "Chef-Ideologe" hat er sich um das Orchester verdient gemacht, wie kaum ein anderer.6904. Mai 1959 und damit zurück zu jenem folgenreichen Telefongespräch: erst jetzt wehrtsich Agop auf einer Sitzung mit dem Vorstand und den hinzugezogenen Fachleutengegen eine Rückkehr Richters. Man beschließt, das Vertragsverhältnis nicht neu zubegründen, sondern einen neuen Dirigenten zu suchen.70Agop lehnt auch für die Zwischenzeit eine weitere Chance für Richter "um des liebenFriedens willen" ab. Richters Vertrag wird daher (allerdings unter Wahrung der Bezügebis einschließlich September) endgültig aufgelöst."Richters Vertrag": immer wieder (wie bei allen Orchestermitgliedern) muß man fragen,ob er überhaupt rechtsgültig vorhanden war. Agop spricht außerdem mehrfach von"großer Sorge um die gesundheitliche Zukunft" Richters. Davon, daß Richter in Detmoldeine Weile sein Schüler gewesen sei (offenbar hatte Agop zumindest in der Zeit, als erChef in Herford war, in Detmold einen Lehrauftrag) spricht er jetzt kaum noch.14. Mai 1959: Auch der erweiterte Vorstand, das Kuratorium, stellt sich hinter diesenBeschluß.Es sei nicht möglich, daß Richter in dieser Zwischenzeit in irgendeiner Form nochKonzerte des Orchesters dirigiere. Er solle bis zum 25. Mai mitteilen, ob ereinverstanden sei, sonst müsse man sich auf den Rechtsstandpunkt stellen.Auch Dr. Krutge schien dem inzwischen zugestimmt zu haben, mit der RegierungsrätinDr. Schmücker hatte Agop ohnehin ein internes Einvernehmen hergestellt.14. Mai 1959: Richter wird dies alles brieflich mitgeteilt. Zwar hält sein Vater diesen Briefzunächst noch zurück - oder leitet ihn erst verspätet an seinen Sohn weiter. So stimmtRichter (angeblich noch in der Klinik und inzwischen "gezwungen" zur Unterschrift) erstam 22. Mai 1959 schriftlich zu.Richter behauptet bis heute sinngemäß, daß das noch offenstehende, weil bisSeptember weitergewährte Gehalt (das er dringend benötigt hätte) ohne dieseUnterschrift sonst nicht ausgezahlt worden wäre; die Frist für ein arbeitsgerichtlichesVerfahren "war ja inzwischen wohlweislich abgelaufen".71Seine Vorwürfe jedenfalls , daß alles "unkorrekt" zugegangen sei, dauern bis heute an,sie standen auch noch bei den Treffen der "Ehemaligen" ab 1999 im Mittelpunkt."Unkorrektheiten" jedoch lassen sich aus den Unterlagen so nicht herauslesen. Einweiteres Attest der Klinik hätte auf jeden Fall Aufschub bedeutet. Und so ist es beivielem, was er und seine Freunde noch immer behaupten.72 35
    • Geben wir ihm aber wenigstens die Gelegenheit zu einem Schlußwort: "daß das Ganzeeine zutiefst menschliche Tragödie war und ist, will wohl niemand wahrhaben."In der Sitzung vom 5. Mai war auch der Einstellung von Arne Bremer als neuer (ersterrichtiger, erster vollbezahlter) Verwaltungsleiter (amtlich sogar "Verwaltungsdirektor")endgültig zugestimmt worden.Zwar klaffen im Etat weiterhin große Lücken, das Orchester soll aber nun doch in vollerStärke erhalten bleiben - und die Dirigentenstelle (endlich ist es amtlich) neuausgeschrieben werden. "... Agop bleibt völlig Herr der Situation; er ist der hochverehrte Meister, der umwerfend gut probiert und in jeder Situation die Belange des Orchesters vertritt ..."So vor allem am 20. Mai 1959 in Darmstadt, wo das Orchester erstmals zu den "Tagenfür Neue Musik und Musikerziehung" eingeladen worden ist.In der Folgezeit ist jedoch noch immer nicht viel Dienst: viele Konzerte (und damitEinnahmen) waren infolge der "Richter-Krise" nicht zustande gekommen, nur einigeChorleiter hatten notgedrungen abgewartet. Auch jene Neuverpflichtung nachNeuenahr, die eine Weile die Gemüter erregte, kam nicht zustande - doch kam nunumgekehrt der noch immer hochgeschätzte Kurkapellmeister Wantzen wenigstens füreinige "Wiener Abende" nach Hilchenbach und ins Siegerland. "... wir knüpfen also wieder dort an, wo wir waren, als wir von Neuenahr aufbrachen, und versuchen, zu vergessen ..."Am 08. Juli 1959 schließlich kommt es zum (wegen seiner hochsommerlichen Hitzeunvergeßlichen) Sinfoniekonzert unter Christoph Stepp auf der Bundesgartenschau inDortmund, der damit den Reigen der Probedirigate eröffnet.Der Abschluß vor der Sommerpause ist ein Serenaden-Konzert unter Dr. Krutge(höchstpersönlich!) am 17. Juli 1959 im Hof des Oberen Schlosses in Siegen - dazueine anschließende Einladung des Vereinsvorstandes an das Orchester.Das Ende der Orchesterschule ist zwar offiziell, aber das Orchester bleibt bestehen undbekommt eine nunmehr erweiterte finanzielle Trägerschaft. "Verwaltungsdirektor"Bremer nimmt seinen Dienst auf.So stellt es auch Dr. Krutge dar, der (obwohl er doch eigentlich die Rückkehr Richterszur Bedingung des WDR gemacht hatte) weiterhin regelmäßige "Sendekonzerte" desOrchesters verspricht. Und auch andere steigen mit ins Boot, vor allem die Rektoren(bzw. ihre Vertreter) der Hochschulen in Detmold, Köln und Freiburg. Sie bilden ein"Kuratorium", das an der Dirigentenentscheidung beteiligt werden und den "richtigen"Weg in die Zukunft formulieren soll.Viele, sehr viele "Texte" über dieses "Experiment" eines idealistisch gesinnten"Nachwuchsorchesters" sind auch damals wieder entstanden - bis hin sogar zu einerersten, höchst spektakulären "Bildfolge mit Text" in der "HörZu".73Liest man das heute, so erschrickt man immer wieder vor so viel (mit Verlaub gesagt)Klugscheißerei. Nicht nur, weil die eigentlichen Belange der Siegener bzw.Hilchenbacher (und ihr geschilderter, fortdauernder Konflikt untereinander) dabei bloßübertüncht wurden, der Konflikt brach dann unter Thomas Ungar gleich wieder auf. 36
    • Sondern es scheint erneut wichtiger gewesen zu sein, daß etwas geschrieben wurde,nicht was.So, wie es bei allen Orchestern überall in solchen Fällen der Fall ist. Merke: solcheTexte verlieren sehr schnell an Aussagekraft. Sie sind heute fast unverständlich.Wirklich aussagekräftig auf Dauer bleiben eigentlich nur ein paar Fotos, einige Gesten,einige Gesichter hier und da, hingeworfene Notizen, einige Momente in irgendwelchenKonzerten. So kommt es dem Autor vor.Irgendwann in dieser Zeit war dann die "Musikschule" tatsächlich und endgültig"abgewickelt" worden; konnten die allerletzten Schüler noch "weitergereicht" oder sogarbeim Orchester "aufgefangen" werden. "... die Baracken im "Langen Feld" stehen nun wieder leer, werden nur noch teilweise als billiges Wohnquartier einiger unentwegter Orchestermitglieder benutzt ..."74 "... doch es hält sich natürlich das unausrottbare Mißverständnis der alteingesessenen Hilchenbacher, wir wären noch immer die Jongs von de Moseckschool ..."Das Orchesterbüro zieht in das winzige (heute längst verschwundene) Haus in derRotenberger Straße (in der Nähe des Probenlokals "Müller") um. "... Agop erreicht in dieser Zeit auch den endgültigen Frieden im Orchester. Zwar bleibt bestehen, daß Scheck, Corazolla und Märkl eine Art Beirat für ihn bilden (was später zur nächsten, zur Ungar-Krise beiträgt), aber die vor allem von Scheck durchgesetzte Wahl Bremers ist eigentlich schon die letzte Aktion der Clique ..."Umgekehrt stecken nun auch die Eiferer "pro Richter"zurück, so daß sich eine gemäßigte Haltung in der Mittedurchsetzt.Christoph Stepp (der jedoch zu hohe Forderungen stellt, dieman ihm erst später in Ludwigshafen erfüllen wird), derältliche GMD Georg C. Winkler (ehemals Kiel undSondershausen) und Frithjof Haas (damals schon inKarlsruhe, aber erst als "Kapellmeister") waren dienamhaftesten unter den immerhin 34 Bewerbern, die AgopEnde Juni auflisten konnte.75Die interessantesten hatten sich dann bis zur Sommerpauseschon ein erstes Mal vorgestellt. Nur der eigentliche FavoritAgops, Günther Weissenborn aus Göttingen, hielt sich nochbedeckt - und die späteren Favoriten des Orchesters(Thomas Ungar, damals noch im Umfeld der "PhilharmoniaHungarica" tätig, sowie Thomas Baldner, dessen Weg sichnicht mehr nachvollziehen läßt) hatten noch nichtentschieden, ob sie sich auch wirklich bewerben wollten.Hinzu kamen im übrigen schon damals Außenseiter, die das 37
    • Orchester mehr als "Tournee-Orchester" verpflichten wollten - und die damit für eineWeile auch Gehör fanden, die Wahl eines ständigen Chefs hinausschoben.Inzwischen war es der "Jahrhundert-Sommer" 1959 geworden; nie wieder hat der Autorso schöne - und endlich wieder "entspannte" - Wochen in Hilchenbach erlebt, wie sienun ins Land zogen.Doch gegen Ende der Sommerpause meldet sich auch Richter noch einmal zu Wort: miteinem "Leserbrief", der fast ganzseitig in der Wochenend-Ausgabe der "Westfalenpost"vom 22. August 1959 erscheint.76 38
    • Eine kurze Entgegnung des Trägers in der folgenden Wochenend-Ausgabe vom 29.August 1959 stellt jedoch nur Richters damalige Äußerung (er käme "bloß um desGeldes wegen" zurück) in den Mittelpunkt.77Der Kreistag beschäftigt sich dann aber noch ausführlich mit dem "Leserbrief", dadessen Wirkung "außerordentlich" gewesen sei; dies allerdings nicht in der Richtung, dieRichter erwartet habe, sondern mehr in Richtung einer allgemeinen "Verwirrung".Die "außerordentliche" Wirkung des Leserbriefes kam vor allem deswegen zustande,weil er jetzt tatsächlich noch erschien: nachdem jedermann wußte, daß er längstangekündigt war - und im Vorfeld (wie schon erwähnt) von sehr vielen Briefen Richtersund seiner Freunde an alle möglichen Leute begleitet wurde.Auf fast 100.000 DM Schulden sei im übrigen zu beziffern, was Richter durch dieeigenmächtige Ausweitung auf 59 Mitglieder plus Dirigent plus Verwaltungsleiter, alsoauf 61 "Kräfte" angerichtet habe; es sei zu befürchten, daß die Summe durch die"dirigentenlose Zeit" auf 120.000 anwachsen werde.78 Doch schon in dernichtöffentlichen Sitzung am 17. September 1959 gibt der Kreistag wieder Entwarnung:die finanzielle Situation könne (dank des WDR) bis Ende des Jahres doch nochausgeglichen, unter das "Thema Richter" daher endgültig ein Schlußstrich gezogenwerden.Der Ruf des Orchesters habe nicht gelitten; seine Unterbringung hätte allerdingsdahingehend geregelt werden müssen, daß bis auf weiteres noch im "Saal Müller"geprobt würde, weil noch keine Einigkeit über den künftigen Standort gefunden sei.Vorerst sei die billigste Lösung die wahrscheinlichste, nämlich die gründlich renoviertenund umgestalteten Baracken "Im langen Feld" von der Stadt Hilchenbach anzumieten.Da der vom Land geforderte Neubau so schnell nicht möglich gewesen sei, sei es auchrichtig gewesen, die Orchesterschule aufzulösen. Dies sei nun abgeschlossen. LandratBüttner stellt nochmals klar, daß Agop zur festen Auffassung gelangt sei, daß Richternicht mehr vor das Orchester treten dürfe, also habe man sich endgültig von Richtergetrennt; nach seinem Leserbrief sei man zwar der Meinung gewesen, "scharf" undausführlich antworten zu müssen, es sei aber nur zu einer kurzen Richtigstellunggekommen: in der Absicht, erst im Wiederholungsfall Klarheit zu schaffen. 39
    • Doch dazu kommt es nicht. So erhält Richter mit Datum des 15. Oktober 1959 auchnoch ein (erstaunlich positiv formuliertes) Zeugnis, mit dem Hinweis auf eine "Trennungim gegenseitigen Einvernehmen".79Er gibt sich aber noch immer nicht zufrieden und geschlagen: Noch im Januar 1960fordert er vehement sein "Abschiedskonzert", und auch eine Würdigung seiner "höchstpersönlichen Verdienste um die Idee eines Nachwuchs-Sinfonieorchesters".Und um dieses "Abschiedskonzert" und damit um die Möglichkeit, den Fuß in der Tür zubehalten, ging es wohl. Für den Autor bei der Wiederentdeckung zunächst ein Buch mitsieben Siegeln, kann er inzwischen Richters "Leserbrief", angesichts von so vielHintergrundmaterial, einen gewissen Respekt nicht versagen: Die Polemik hält sich inGrenzen, der Stil ist viel weniger chaotisch, als alles, was es von Richter sonst gibt;offenbar hatte er endlich gute Ratgeber gefunden.Der Zeitpunkt des Erscheinens war sogar gut gewählt: Die Dirigenten-Neuwahl war insStocken gekommen und sollte erst im Herbst entschieden werden. Vielleicht wäre alsomittels seiner "Haupt-Forderung", ihm ein Abschiedskonzert zu gewähren, noch etwaszu machen gewesen.Doch es tritt nur die Situation ein, wie sie sich später, nach dem plötzlichen WeggangThomas Ungars im Herbst 1961, sogar noch einmal wiederholt. Aus diesem Herbst1961 ist (in den Unterlagen des Autors, damals Orchestervorstand) ein Brief erhalten,der es auf den Punkt bringt: es sei unmöglich, an ein Abschiedskonzert zu denken, solange Richter noch um eine neue Anstellung bemüht sei und das Orchester noch um dieSuche nach einem neuen Chef.Das war auch schon in diesem Herbst 1959 nicht nur die offizielle Meinung, sondernauch die der Mehrheit des Orchesters. Es hatte (früher als erwartet) den ersten großenWechsel unter den Mitgliedern gegeben. Und die, die blieben, wollten jetzt nur nocheins: endlich vergessen, was so lange Unruhe gestiftet hatte. Und so ist es denn zuRichters "Abschiedskonzert" überhaupt erst nach der Wahl Agops zum neuen Chef1962 gekommen.80Wegen einer wieder wachsenden Zahl von Verpflichtungen des Orchesters (meistjedoch zu Chorkonzerten) wird dann zunächst der 25. Oktober, später erst der 25.November als Entscheidungstermin für die Neuwahl festgelegt. Inzwischen war imSeptember noch die Bewerbung von Thomas Ungar erfolgt, der auf jeden Fall bereits fürdas dem Wahltermin unmittelbar folgende Sinfoniekonzert in Weidenau verpflichtet wird,und auch noch die Bewerbung von Thomas Baldner, der am 05. Oktober 1959 dasOrchester sogar für ein Sinfoniekonzert im "Gürzenich" zur Verfügung hat, das der WDRaufnimmt.Es ist jenes, das in der "HörZu" angekündigt wurde - und Baldner war also anstelle vonRichter zum Favoriten Dr. Krutges avanciert. Aber auch das Orchester war voll von ihmüberzeugt. "... doch der Vereinsvorstand nimmt ihn, zur allgemeinen Enttäuschung, nicht in die engere Wahl ..."81 40
    • 41
    • So bleiben als Kandidaten für die "Durchgänge" am 24. und 25. November 1959 in StiftKeppel nur noch die von Agop und dem Vereinsvorstand favorisierten Älteren(Weissenborn und Winkler) übrig, dazu Haas und Ungar, und wird Ungar "... bei demjetzt alle denkbaren Chancen seitens des Orchesters lagen, er machte den neuestenund unbelastetsten Eindruck ..." dann schließlich gewählt - darf sich also am 26.November 1959 in Weidenau (mit der "Jupitersinfonie" und der "großen C-Dur" vonSchubert) auch gleich als neuer Chef vorstellen. "... er heißt nicht nur Ungar, sondern er ist auch einer: war das wichtigste, was wir über ihn herausfanden ..."Ein sehr charmanter und gut aussehender junger Mann: fand vor allem die Damenwelt -wie bald zu spüren war. Er war offenbar Arztsohn aus Budapest, hatte dann nach demUngarn-Aufstand 1956 beim legendären Swarowsky in Wien studiert - aber engeBindung an seine Landsleute in der "Philharmonia Hungarica" gehalten - und so auchKontakt nach Hilchenbach bekommen.82Seine "Ära" wurde dann viel kürzer, als erwartet. Und erstaunlicherweise kürzer, als siein Erinnerung blieb: aber das lag wohl daran, daß er "dirigistisch" sehr viel besser war,als sein Vorgänger. Und, wenn er es nur wollte, sogar "offenherziger" und"gewinnender", als sein direkter Gegenspieler und Nachfolger Rolf Agop. Was vielheißen will.Daß es unter ihm (im Ganzen gesehen) trotzdem kaum besser lief, als vorher, standzwar schon bald wieder "im Buch der Orchesterentwicklung" geschrieben - war aberauch (er wird diese Kritik verzeihen) in seiner nicht eben leicht zu schildernden, häufigsehr widersprüchlichen Persönlichkeit begründet. Der Autor kann nur versuchen, es imfolgenden zu schildern.Zwei Konzerte müssen vorher noch getrennt erwähnt werden, weil sie zeigten, wie sehrdas Orchester "die große Krise" überwunden hatte, wieder voll belastbar war - und in dieDirigentenwahl mit großem Selbstbewußtsein hineinging:20. September 1959: Sinfoniekonzert unter Agop in Lüdenscheid, mit Haydns "Uhr" undMozarts "Jupiter", Orchestermitglieder spielen die "Konzertante B-Dur" von Haydn. Am18. November 1959 ein wichtiges Chorkonzert unter Philipp Röhl in Köln: neben dem"Psalmus Hungaricus" von Kodaly kommt eine Kantate von Rudolf Petzold zurUraufführung, die lange Proben benötigt hatte.Philipp Röhl und seine "Philharmonischer Chor Köln": Auch das wird dann noch einelange Geschichte haben. 42
    • Die Ära Thomas Ungar06. Januar 1960: der eigentliche Dienstbeginn Thomas Ungars.Und damit wieder ein "Neuanfang" des Orchesters. Der Unterschied zu 1957 bzw. 1958bestand allerdings darin, daß diesmal alle Karten offen auf dem Tisch lagen, es keine"Heimlichkeiten" gab. Damit aber auch alle (vor allem finanzielle) Zwänge undNotwendigkeiten offen auf dem Tisch lagen, denen das Orchester nun erst rechtunterworfen blieb. Daß sie keineswegs so schnell in den Griff zu bekommen waren, hatdann zur unerwarteten Kürze der "Ära Ungar" geführt - die trotzdem von Vielen als "diegroße Zeit in der frühen Geschichte des Orchesters" empfunden wurde - und so auchvom Autor erinnert wird.04. Februar 1960: erstes großes Sinfoniekonzert Ungars in Siegen, mit der 3. Brahms,Edith Peinemann spielt das seltene Violinkonzert von Pfitzner.11. Februar 1960: Sinfoniekonzert unter Agop in Siegen, mit Piere Fournier als Solist imDvorak-Cello-Konzert. 43
    • 05. März 1960: vielbeachtetes Sinfoniekonzert Ungars in Herborn, diesmal mit der 2.Brahms.09. März 1960: wieder Ungar in Siegen, u. a. mit dem "Feuervogel".05. April 1960: Sinfoniekonzert unter Agop in Iserlohn, diesmal er mit der zweitenBrahms, dazu mit der Uraufführung einer "Sinfonie" des Freiburger Professors ArturHartmann; das Konzert wird vom WDR aufgenommen.Ungar und Agop also im steten Wechsel - und manchmal sogar mit den selben Werken.Obwohl Agop nun wieder streng darauf achtet, daß seine Konzerte "Gastkonzerte"genannt werden. Aber Agops Konzert mit Fournier (das irgendwer auf Tonband nimmt,das lange kursiert) wird sofort als "das Konzert schlechthin in der bisherigen Geschichtedes Orchesters" hochstilisiert. Kein guter Start für Ungar als neuem Chef, möchte mansagen. "... dennoch: das war wohl die Zeit, in diesen ersten 4 Monaten 1960, in der sich entschied, was noch aus dem Siegerland-Orchester werden konnte. Es entschied sich alles Positive, das die Zeit in Hilchenbach für diejenigen, die damals dort gewesen sind, so unverwechselbar gemacht hat: Weil wir eine gefährlichen Lebensabschnitt an einem gefährlichen Ort so unbeschadet überstanden hatten, lohnte es sich auch, diesem Orchester (und seinem neuen Chef) alles zu geben, was man vermochte ..." "... wir waren dem Orchester verhaftet, weil eine so wichtige Zeit seiner Entwicklung auch unsere Entwicklung gewesen war, und es bekam nun für eine ganze Weile das Ansehen als der Ort einer besonders intensiven Gemeinschaft, als die Stätte eines ganz besonderen Musizierens ..."Den Heutigen seis ins Stammbuch geschrieben. Freilich folgt schon bald dies: "... aber leider ging damit Hand in Hand auch alles Negative, das uns schon bald so zu schaffen machte: die Chance, daß wir noch einmal davongekommen waren, wurde auch bereits in diesen 4 Monaten vertan. Die idealistische Gemeinsamkeit dieses Neuanfangs bekam viel zu bald wieder Sprünge - und erst jetzt die entscheidenden. Ungar geriet, genau wie vor ihm Richter, bereits in diesen Siegener Konzerten an die Grenzen, die ihm gegenüber einem so unerfahrenen Orchester nur gesetzt waren - und auch er verlor viel zu schnell die Geduld, das zu überwinden. Dies aber, indem er (anders als Richter) in Vorsicht und Unentschlossenheit verharrte, sich nie mehr ganz verausgabte, in eleganter Weise resignierte ..."Und Agop (der in großzügiger Weise Zeugnisse schreibt, denn die Fluktuation imOrchester ist infolge der Richter-Krise noch immer groß) überläßt zwar Ungar sofortseinen Sitz in den Beratungen der Trägerschaft, läßt auch einen Vertreter derHochschulprofessoren als weiteren "künstlerischen Oberleiter" hinzuwählen.83 "... aber er gab in seinem Siegener Konzert nur allzu schnell zu erkennen, daß er in Wahrheit das Orchester nie mehr aus seinen Händen geben, daß er keineswegs länger nur sein weiser Erzieher und Berater sein wollte - und fing bereits jetzt damit an, was später (als er nach Ungar alleiniger Chef wurde) einmal unser Verhängnis sein würde: das Orchester, wie in diesem fragwürdigen Iserlohner Funkkonzert, rücksichtslos zu überfordern, die Grenzen nicht mehr zu sehen, die uns gesetzt waren ..." 44
    • Am 25. Januar 1960 ist man bei den Sitzungen der Trägerschaft immerhin nochallgemein überzeugt von der "Bescheidenheit" des neuen Dirigenten und seiner Pläne.84Diese scheinen tatsächlich auf sehr viele "Arbeitswochen" im klassischen Bereich undauch auf "Gruppenarbeit" abgezielt zu haben; die Tragik Ungars entwickelt sich also aufder Basis, daß er selber zunächst nur wenig davon profitiert - und daß umgekehrt dasOrchester zu wenig Zeit hat, um so zu arbeiten, weil es weiterhin zu viele Konzerte ausfinanziellen Gründen spielen muß. Das hat Ungar wohl sehr schnell eingesehen - undauch deshalb viel zu früh resigniert.Allzu bald liest man auch dies, zu finden in einer undatierten Vorlage für eine Sitzung,vermutlich im Frühjahr 1960: Trotz aller zu erwartenden Einwände geht man weiterhindavon aus, daß das Orchester (aus finanziellen Gründen) im Sommer "Kurmusik"spielen müsse.85 Die ins Auge gefassten "internationalen" Konzerte würdenvoraussichtlich Defizite erbringen - wie umgekehrt die vom Landkreis geforderten,häufigeren "kleineren" Konzerte auch. Es ergäben sich im kommenden Sommer fünfMonate ohne größere Einnahmen, deshalb auch wieder Fehlbeträge von erneut100.000 DM.Die "Entwarnung" im Herbst war also voreilig gewesen.Die Forderung Ungars nach mehr Probenarbeit in kommenden Monaten (heißt esweiter) sei nicht stichhaltig, weil gerade da ein großer Wechsel im Orchesterbevorstünde. Die DOV (die Orchester-Gewerkschaft) sähe sogar Probleme, ob dasOrchester generell seine Existenz sichern könne: es gäbe zu wenig Nachwuchs.Tatsächlich dreht sich in dieser Zeit die Diskussion völlig um: war bisher von einer"Höchstdauer" die Rede, die man nur in einem "Nachwuchsorchester" bleiben dürfe, istnun mehr und mehr von einer "Mindestdauer" die Rede, die gefordert wird, schon umden Betrieb aufrecht erhalten zu können. 45
    • Im übrigen habe der Pächter der kommenden Siegerland-Halle bereits Verträge mit"namhaften" Orchestern abgeschlossen, die Sorge um die Zukunft des Orchesters seialso nach wie vor berechtigt. "... Ungar war auch alles andere, als der geborene Diplomat, der er als Ungar doch hätte sein müssen - und wie es gerade für diese Position nun endlich erwartet wurde ..." "... so groß war der Unterschied zu seinem Vorgänger also auch wieder nicht. Und das gab schon bald wieder (internen) Krach. Zwar einen kurzen Krach nur, bis zum Sommer verlief sich das weitgehend, das Orchester hatte auch einfach keine Lust mehr, schon wieder zerstritten zu sein ..." "... wesentlich dazu beigetragen hatte im übrigen das "Kammerorchester" unseres Konzertmeisters Märkl, das um diese Zeit an den Start ging, als Orchester neben dem Orchester. Zwar galt es schon bald als ein besonderer Glanzpunkt - aber auch wieder nicht: denn es blieb mit seiner Arbeit ziemlich unter sich, fand bei der Mehrheit des Orchesters kaum Zustimmung, dies vor allem, weil sich Ungar nicht präzise dazu äußerte“ 86 "... kam man also nicht vom Regen allzu bald wieder in die Traufe?"Die Fluktuation (der ständige Wechsel der Orchestermitglieder in andere Orchester) hieltjedenfalls an: nach kürzerer "Verweildauer" und häufiger, als man es bei einem so"vorzüglichen Sprungbrett" eigentlich erwarten durfte. Und auch anders, als es eigentlichim "Aufgabenbereich" lag: man wechselte gar nicht so sehr in die "größeren" oder"künstlerisch bedeutenderen" Orchester, sondern vorwiegend in die "kleinen","bedenklichen". Hauptsache, man kam irgendwie weg. 46
    • Das lag natürlich am nach wie vor allzu geringen "Honorar", das nur gezahlt wurde - undauch nur gezahlt werden konnte: die Zahlen der Etat-Planung, die man in denUnterlagen aus dieser Zeit zu lesen bekommt, sind geradezu kläglich.87Aber selbst dieser geringe Etat scheint nur nach einem ziemlich "festgefahrenen"System möglich gewesen zu sein, bei dem jeder der Geldgeber eifersüchtig daraufachtete, daß ihm nun auch die entsprechenden Rechte zustanden.Man sieht es am besten an der Frage des Orchester-Standortes: der "Kinosaal Müller"war nur ein Provisorium gewesen, das allmählich unerträglich wurde. Ein schnellerUmzug nach Siegen, etwa in die jetzt fertige neue "Siegerland-Halle", kam jedoch nichtinfrage, weil man nach wie vor den Einspruch der Hilchenbacher, des Landkreises undder Unternehmerschaft befürchtete. Der Umbau der Baracken im "Langen Feld"hingegen, den man als weiteres Provisorium (er wurde dann zum Dauerprovisorium)beschloß, sollte "gottseidank" zwei Jahre in Anspruch nehmen: Zeit genug also, umvielleicht doch noch neue oder andere Geldgeber zu finden - und die Gewichteentsprechend zu verschieben.Anders gesagt: Voraussetzung für jede "gedeihliche" Entwicklung wären gerade indieser Zeit klare künstlerische Perspektiven und ein entsprechendes Konzept gewesen.Davon aber ist in den erhaltenen Unterlagen nichts (oder viel zu wenig) zu finden.Es war jetzt die Zeit, in der einige kleinere Orchester endlich Jahresverträge ausstellenkonnten und dafür ihren angestammten sommerlichen Bäder-Dienst aufgaben. Esbegann die Zeit des Niedergangs der "großen Kurorchester", die es dann schon bald nurnoch in Baden-Baden und Reichenhall gab.Gießen jedenfalls suchte (noch vor der Dirigentenwahl) auch in Hilchenbach (zunächstübrigens nur "verschlüsselt") dringend nach einem Ersatz für Bad Nauheim: für deneinen Monat August 1960, in dem das Gießener Orchester nun erstmals einheitlichenSommerurlaub bekommen sollte.Nach einigem Bedenken (und trotz Ungars Empörung, als er damit konfrontiert wurde)scheinen sich Agop und Bremer durchgesetzt zu haben, die das Einspielergebnis fürwichtiger hielten - und also zusagten. "Nauheim" (nur mit der Hälfte der Mitgliederbesetzt: mit den "Freiwilligen", die sich dafür meldeten) wurde so noch einmal zu einerkünstlerisch höchst bedenklichen Episode.88Nochmals: notwendig wären klare Konzepte - und auch ein wenig Einsicht gewesen.Das Problem war ja weniger der ständige Wechsel, sondern es begann nun auch im"Siegerland-Orchester" jene Zeit, die man sich heute gar nicht mehr vorstellen kann, dieaber in den folgenden Jahren zum Problem für alle kleineren Orchester wurde: esmeldeten sich zu wenig neue Interessenten, man fing an, nach jedem nur halbswegsflüggen "Ostblock-Kandidaten" Ausschau zu halten, der eine Geige halten konnte. Esgab an den deutschen Hochschulen viel zu wenig Nachwuchs, vor allem im Streicher-Bereich.Warum hat der zuständige "Beirat" der Hochschul-Professoren das nicht gesehen, aufdie Warnungen der "DOV" nicht geachtet, nicht von sich aus die nötigen "Ratschläge"beigesteuert? Fragen über Fragen, die man sich auch heute noch stellen muß. 47
    • 48
    • Am 09. Mai 1960 Abfahrt 06.00 Uhr morgens vor dem Hotel Müller, mit den beidenüblichen Bussen nach Paris. Dort am 10. Mai 1960: von 21.00 bis fast 24.00 UhrSinfoniekonzert unter Ungar im Palais de Chaillot, mit der "Nacht auf dem kahlen Berg",dann dem 2. Rachmaninoff- und dem 1. Tschaikowsky-Klavierkonzert (samt einemjungen, damals noch namenlos französischen Pianisten89) und schließlich auch nochder 5. Tschaikowsky-Sinfonie; am 11. Mai 1960 (spätabends und völlig übermüdet) dieSchallplatten-Aufnahme des Tschaikowsky-Konzertes, am 12. Mai 1960: "endlich" dieRückfahrt.Das Orchester spielt unter dem Fantasie-Namen "Orchestre Philharmonique deCologne", da "Siegerland-Orchester" nicht opportun erschien. Der Anlaß aber war wohlein Nachfahre jener (oben erwähnten) "Bewerber", die im Orchester ein günstiges "Miet-Objekt" gesehen hatten - so offenbar der junge französische Pianist aus Gründen seiner"promotion".9021. Mai 1960: Pfitzners "Deutsche Seele" unter Chorleiter Meyer-Giesow in Witten. ("...zwischendurch also immer wieder Konzerte, die viel Arbeit erfordern, dann aberregelrecht "heruntergeschludert" werden ...") Danach das Orchester wieder zu denTagen für "Neue Musik und Musikerziehung" in Darmstadt:06. Juni 1960: "Eröffnungskonzert" unter Agop, mit Henzes "Nachtstücken", WolfgangMarschner spielt das Violinkonzert von Alban Berg08. Juni 1960: "Symphonisches Konzert" unter Ungar, u. a. mit dem "Feuervogel"11. Juni 1960: "Sinfonie-Konzert", geleitet von den Teilnehmern eines vorangegangenenDirigierkurses, u. a. mit der 2. Brahms und den "Weber-Metamorphosen" von Hindemith12. Juni 1960: Rückfahrt und bereits Beginn des Sommer-Urlaubs.91Nach dem Sommer-Urlaub am 31. Juli 1960 die Abreise nach Bad Nauheim, am 01.September 1960 die Rückkehr von dort.92 "... wir spielen (mit nur einem Teil des Orchesters) zweimal nacheinander ein auf 14 Tage angelegtes Kurmusik-Programm unter dem dortigen (sehr schlechten) Dirigenten, zusätzlich einen (mäßigen) sinfonischen Abend ..."Aus dem ursprünglich beabsichtigten "großen Sinfoniekonzert" des ganzen Orchesterswird nichts, wohl weil sich diejenigen, die sich "gedrückt" hatten (zu hause oder sogar imUrlaub geblieben waren) probenmäßig nicht integrieren ließen. "... das führte prompt zu neuen, erheblichen Kontroversen... und es ging also zunächst nicht besser mit Ungar, eher genau so ungeschickt weiter, wie unter Richter ..." "... bloß sah man nun allmählich ein, wie wenig der Vereinsvorstand (sic!) seinen Aufgaben als Träger eben doch nur gewachsen war. Außerdem sagte Ungar immer wieder, und wir glaubten es ihm zunächst gerne: wartet ab, wie es in meiner ersten eigenen Saison vom Herbst an sein wird ..." "... und so war das Orchester gut zu verstehen, daß es die vorangegangenen Frühjahrs-Monate richtig genossen hatte: das war doch nun endlich mal was, Paris! oder diese ganze Woche bei solch zauberhaft schönem Wetter in Darmstadt. Da fühlten wir uns endlich einmal in allen unseren Wunschträumen bestätigt ..."Aus der Zeit "Nauheim" ist mit Datum des 15. August 1960 ein ungewöhnlich scharferBrief Ungars an Bremer erhalten, in dem er sich, ausgehend von einer Beschwerde, die 49
    • er (jetzt endlich) in Sachen Nauheim an den Vereinsvorstand zu Händen des "BüroWeiss" gerichtet hatte, über viel zu viele "Nebenkonzerte" unter zu schlechten Chor- undGast-Dirigenten beklagt, die Bremer annehmen würde; also auch über zu schlechteArbeitsmöglichkeiten, die ihm selbst nur blieben. Er habe so "keine künstlerischenPerspektiven" mehr und verlange Korrekturen noch für die kommende Saison.93Er verspricht am Schluß sogar "konkrete Vorstellungen", die er "umgehend" formulierenwolle.Bremer antwortet am 21. September natürlich mit dem Hinweis auf dieEinspielergebnisse, die er vorweisen müsse; man könne nur hoffen, das es bald dieerwarteten Zuschüsse gäbe, die eine Reduzierung (etwa der Chorkonzerte) möglichmachen könnten.Aber Bremer muß auch die "konkreten Vorstellungen" anmahnen, die Ungar noch immernicht gemacht hat - und dann auch weiter schuldig bleibt.Es wurde damals viel geredet und "formuliert", aber es passierte wenig. "Passieren" tatnach Erinnerung des Autors eigentlich nur, daß nun eine Periode begann, in der einenger Schulterschluß zur DOV (der "Deutschen Orchestervereinigung") gesucht wurde,von der alle glaubten, daß sie am ehesten helfen könnte. Über diese "Periode" mußausführlich berichtet werden:Die DOV saß damals noch im nahen Düsseldorf und wurde damals noch vomlegendären Hermann Voß regiert.94Es ging im wesentlichen um folgendes: es sollten nun endlich, nach so langer Anlaufzeitund nach vielfältigen Diskussionen, "Verträge" ausgegeben werden, die ersteneinigermaßen "professionellen" überhaupt. Das Orchester bat aber selbst umVerschiebung: mit der Frage, ob der immer wieder neu formulierte Text wirklich schonso vollständig und gründlich eine Stabilisierung der Verhältnisse im Siegerland-Orchester garantieren könnte, wie man es erwarten müsse, und ob überhaupt eineVertragsunterzeichnung zu diesem Zeitpunkt, nämlich noch vor der erhofften finanziellenStabilisierung, überhaupt sinnvoll sei.Über das wohl wichtigste Gespräch, das Anfang November 1960 gewesen sein mußund zu dem Ungar, Bremer und der Autor (in seiner damaligen Funktion alsGewerkschafts-Delegierter des Orchesters) bei unglaublich schlechtem Wetter inBremers Auto nach Düsseldorf fuhren, gibt es leider kein Protokoll und auch keinedirekten Aufzeichnungen des Autors.Der Autor erinnert sich, daß zuerst Ungar und Bremer vorgelassen wurden - und ihreVorstellungen über einen neu zu formulierenden Aufgabenbereich des Orchesters (samtden dazu nötigen Zuschüssen und vertraglichen Abmachungen) vorgebracht haben, aufdie hin Voß sogar noch nach dem "Prinzip Hoffnung" reagiert haben soll.Es waren übrigens noch keinesfalls die Vorstellungen, wie sie dann später, von 1964 an,nach und nach umgesetzt wurden: als man auf das "Nachwuchs-Orchester" verzichtete,das Orchester dafür als "Landesorchester" mit dem entsprechenden Aufgabenbereichund den entsprechenden TVK-Verträgen aufwertete. Sondern es waren nochVorstellungen, die auch weiterhin von einem reinen "Nachwuchs-Orchester" ausgingen,das aber nun vertraglich und finanziell wenigstens "angeglichen" werden sollte.Umso mehr erstaunte, daß Voß im (kurzen) zweiten Teil des Gesprächs, in dem derAutor nun allein diese Vorstellungen erläutern wollte, regelrecht "abkanzelte", ihm 50
    • beinahe brutal ins Wort fiel - und ihm beizubringen versuchte, daß die Mitglieder des"Siegerland-Orchesters" aus seiner Sicht "Volontäre" wären, die man vertraglich undfinanziell kurz halten müsse, die jedenfalls ihre Träume vom "TVK" und einer"Angleichung" begraben könnten. Basta.95Das führte nicht nur zu einer heftigen und anhaltenden Kontroverse zwischen Ungar unddem Autor, sondern führte (wenn auch vielleicht nicht beabsichtigt) mitten hinein in dieschon jetzt folgende "Krise" um Thomas Ungar. "... Ungar war wütend, daß ich vom Scheitern meines Gespräches erst anschließend im Auto berichtete, anstatt das Gespräch mit Voß zu unterbrechen und ihn und Bremer wieder hinzu zu ziehen ...""Nun müsse man wieder ganz von vorne anfangen" meinte er. Das schien ihm schwerzu fallen. Und es kam dann ja auch ganz anders. 51
    • Erneute Krise24. September 1960: festliches Sinfoniekonzert unter Müller-Brühl im Treppenhaus vonSchloß Brühl. Ein Sponsor aus dem Siegerland hatte es ermöglicht.02. Oktober 1960: ziemlich eindrucksvolles Sinfoniekonzert (mit der 4. Brahms) unterUngar in Siegen.13. Oktober 1960: Sinfoniekonzerte unter Ungar mit den "Weber-Metamorphosen" vonHindemith und den "Nocturnes" von Debussy: morgens (zu Werbe-Zwecken) in derHochschule Köln und dann noch abends in Neuss.20. November 1960: Verdi-Requiem unter einem (tüchtigen) Chorleiter inAschaffenburg.24./25. November 1960: zum ersten Mal die Doppel-Chorkonzerte unter ChorleiterThuebben "linksrheinisch" in Homberg und Rheydt.29. Dezember 1960: Philipp Röhl beginnt in wachsendem Maße, zu seinenChorkonzerten in Köln das Orchester heranzuziehen. "... wie positiv erschien dann zunächst noch Ungars so lange angekündigte erste eigene Spielzeit, und wie positiv wirkte es sich nun endlich, endlich aus, daß nicht mehr irgendwelche "Gremien" aus dem Hintergrund heraus das Wort führten, sondern Ungar, der Orchestervorstand samt dem Gewerkschafts- Delegierten - und sonst niemand ..." "... da war es schwer zu verstehen, daß der Vereinsvorstand unschlüssig blieb und vor allem die DOV sagte: es wird ja doch nichts draus ..." "... bis wir es verstehen mußten: Ungar fuhr Anfang Dezember 1960 kurz hinter Hilchenbach gegen einen Lastwagen und war ziemlich lange außer Gefecht. Da kamen wir ohne ihn nicht recht weiter, da fing er hinterher wieder an, zögerlich und unentschlossen zu sein. Da gab es immer mehr die deprimierende Einsicht, daß wir diesmal mit unserem Neuanfang wohl schon den Zug verpasst hatten ..."Im übrigen: seit Dezember 1960 weiß Agop (ohne daß es weiter bekannt wird)endgültig, daß sein Vertrag in Dortmund über die Spielzeit 1961/ 62 hinaus nicht mehrverlängert wird. In einem Brief aus dieser Zeit (in ganz anderer Sache) klingt an, daß er"aus finanziellen Gründen" bis zum Ruhestand noch etwas suchen muß - dort aber auchseinen "so sehr ersehnten Alterssitz" einrichten will.96Wenn Ungar das gewußt (oder auch nur geahnt) hat, ist sein folgendes Verhaltendurchaus erklärlich. Und ist auch die nun beginnende Trendwende hin zum reinen"Berufsorchester" erklärlich: ein "Nachwuchsorchester" in Verbindung mit Agops "Alters-Sitz" (also längst nicht mehr mit dem Ziel einer Professur in Detmold) machte keinenrechten Sinn mehr.Es hatte bereits, und diesmal völlig anders, ein ganz neuer Abschnitt in der Geschichtedes Orchesters angefangen: schon hier endete der 1957/ 58 unter Richter begonnene,so stürmische "Aufbruch"; schon hier zeichnete sich – in ersten Umrissen - dieTrendwende zu ganz neuen Ufern ab.24. Januar 1961: "... während im Orchester große Unruhe ist über sehr seltsameEntscheidungen Ungars, der sein Orchester vom Krankenbett aus oder als 52
    • Rekonvaleszent regiert, als einziges Positivum der Beginn von Wilhelm SchweglersTätigkeit als Studienleiter für die Bläser; wir mochten ihn sehr ..."30. Januar 1961: großangelegtes Sinfoniekonzerte unter einem Dr. Cremer (mit der 6.Tschaikowsky) in Marburg, "... als Beispiel für die unablässige Folge von Gastdirigenten,die jetzt einspringen müssen ..."04. Februar 1961: Sinfoniekonzert unter Agop in Siegen, Maurice Gendron spielt HaydnD-Dur und Tschaikowskys "Rokoko"26. Februar 1961: Bruckners "Te Deum" und 4. Sinfonie in Krefeld. Zwar ein recht gutesKonzert, aber wieder nur unter einem "namenlos" gebliebenen Gastdirigenten.Schließlich als die große, in jeder Weise unvergeßliche Unterbrechung:ab 06. März 1961: Proben mit dem Philharmonischen Chor unter Philipp Röhl in Köln08. März 1961: Abreise nach Brüssel, dort am09. März 1961: "Messias",10. März 1961: Weiterreise nach Paris,11./12. März 1961: "Mathäuspassion",13. März 1961: Rückreise18./19. März 1961: "Matthäuspassion" in Köln. Und danach - als Beginn vieler folgenderOratorien-Aufführungen in der dortigen Reinoldi-Kirche31. März 1961: "Matthäuspassion" unter KMD Büchsel auch in Dortmund. 53
    • 03./04. April 1961: unter Agop doch noch einmal zu den Tagen für Neue Musik undMusikerziehung in Darmstadt; "... aber nur noch in kleiner Besetzung und zumEröffnungskonzert - und mit der seltsamen Begründung, daß man dort über wenigerMittel als bisher verfüge, das Orchester jedoch auf höhere Einspielergebnisseangewiesen sei ..."Erst im April wieder größere Konzerte unter Ungar:15. April 1961: in Kreuztal mit der 5. (oder 6.?) Beethoven20. April 1961: als Rundfunkkonzert u. a. mit dem "Siegfried-Idyll" und TschaikowskysRomeo und Julia" in Dahlbruch. "... er ist noch nicht gut drauf - und es mißrät ziemlich..."Wohl deshalb auch weiterhin viele Gastdirigenten, so am 08. Juni 1961: DirigentinGisela Jahn und die 8. Dvorak im fernen Eschwege, Tibor Varga spielt dabei Mozarts A-Dur-Konzert. Schließlich jedoch am ("... und wieder unter dem alten Thomas Ungar ...")15. Juni 1961: Sinfoniekonzert in Dahlbruch, mit der 1. Brahms: "... doch es wird –unerwartet - bereits sein letztes größeres Sinfoniekonzert als Chef ..."Nun war die Zeit der "Ungar-Krise" da, die zwar vom Orchester längst nicht als sobedrohlich, wie seinerzeit die "Richter-Krise" wahrgenommen wurde, die aber für dieZukunft des Orchesters viel entscheidender blieb.Ungar regierte (wie eben erwähnt) sein Orchester erst vom Krankenbett aus oder alsRekonvaleszent, dann aber mehr und mehr von unterwegs her: während einer von ihmfast überstürzt betriebenen Zeit als Gastdirigent - und er machte das teilweise äußerstungeschickt.97Schaut man jedoch (im Rückblick) näher hin, erscheinen auch diese Vorgänge nur alsVorboten einer ganz anderen Zeit, als es die "Richter-Krise" je gewesen war. Man hat imRückblick (auch bei Ungar selbst) eher den Eindruck eines "ein jeder drängt nun jeden,bald ein Probespiel zu gewinnen", oder sogar eines "rette sich, wer kann, bevor es zuspät ist."Denn das Orchester hatte inzwischen überdeutliche Probleme bei der Besetzung freiwerdender Stellen, es fehlte überdeutlich an geeigneten Interessenten. Und man kannUngar kaum widersprechen, wenn er in einem Brief vom 03. Mai 61 (den ihm weiß Gottwer mitformuliert hat) auch diesmal entgegenhält, daß seine Weiterarbeit infrage gestelltsei, "weil die aus finanziellen Gründen nötige Überbeanspruchung des Orchesters jederechten künstlerischen Aufbauarbeit und Schulung entgegensteht... die eigentlicheAttraktion des Orchesters, seine unverbrauchte jugendliche Spielfreude, geht damitverloren."98Ungar verlangt dringend Abhilfe, auch bei der Frage des Proben-Raumes. "Es bleibtsonst nur die Feststellung, das bisherige Konzept eines Nachwuchsorchesters alsFehlinvestition zu erklären... und genau dies ist zu einem echten Politikum geworden."Der Vereinsvorstand umgekehrt wirkt inzwischen mehr und mehr hilflos. Die Sitzungs-Protokolle aus dieser Zeit wirken längst nicht mehr so lebendig, wie vorher - so daß derAutor sie auch kaum noch erwähnt.Zwar soll es eine (geringe) Gehaltserhöhung geben, aber die bisherigen Geldgeber sinddamit an der Grenze ihrer Möglichkeiten. Und man ahnt wohl, daß noch eine ziemlicheDurststrecke nötig ist, bis man endlich das (faktisch ja schon eingetretene) Alternativ- 54
    • Konzept eines vollprofessionellen Landesorchesters "richtig" auf den Weg bringen kann,bis man also das "Nachwuchsorchester" tatsächlich als "Fehlinvestition" begreift.Mit Datum des 21. Juni 1961 wird diese Situation in einer Sitzung der Trägerschaft auchbesprochen: es fehle der finanzielle Anreiz für Hochschulabsolventen. Zwar will manden Status eines "Landesorchesters" zunächst noch vermeiden, sähe aber für ein"Nachwuchsorchester" nur noch Chancen, wenn es "breitgefächerte" Zuschüsse dafürgäbe.99Das räumliche Problem und der nach wie vor zu abseits gelegene Sitz des Orchesterskämen hinzu.Zunächst versucht man es also weiter (fast "händeringend") mit dem alten Konzept -und wendet sich an alle nur denkbaren Stellen. Doch die Talsohle desNachwuchsmangels sogar an den Hochschulen ist ja noch nicht einmal erreicht. Esdauert noch lange, bis man endlich mit Projekten wie "Jugend musiziert" gegensteuert.Und man ist noch Lichtjahre von der heutigen Einsicht entfernt, daß es auch einmal zuviel Nachwuchs geben könnte.Und noch ebenso weit entfernt von (dann völlig anders, als das "Siegerland-Orchester"konzipierten) Projekten wie den Landes- und Bundesjugendorchestern. Noch einmal seies gesagt: es wurde zum tragischen Geschick, daß ein Unterfangen, wie es dasSiegerland-Orchester ursprünglich sein sollte und bis dahin auch gewesen war, einfachnoch nicht aktuell und "zeitgemäß" genug erschien, als daß man brauchbare"Spielregeln" dafür aufstellen konnte oder wollte.So hat Agop diesmal ein viel leichteres Spiel, um die Wogen zu glätten. Und er läßt vorallem die Katze aus dem Sack: Im nächsten Jahr würde er "wahrscheinlich" alsalleiniger neuer Chef zur Verfügung stehen, man solle also Ruhe bewahren und "HerrnUngar keine Steine mehr in den Weg legen". Soll heißen: er, Agop, würde es dannschon richten.100Ungar jedoch weiß offenbar längst, wohin der Hase laufen soll, daher auch seine vielenGastdirigate. Im Juni bittet auch er Agop um ein "Zeugnis", das Agop ihm als "brieflicheBeurteilung" wortreich ausstellt.101Und als das Orchester diesmal (wieder schon im Juli) aus den Ferien zurückkommt, istes bereits geschehen, "... daß wir nur noch den Dreck wegräumen können. Ungar gibt nur noch kluge Ratschläge und kommt ab und zu als Gastdirigent vorbei. Seit der neuen Spielzeit ist er Musikdirektor in Remscheid ..." 55
    • Erneute ÜbergangszeitObwohl er es zunächst dementiert: Corazolla hatte sofort, bereits mit Datum des 25. Juli1961, seine "Verantwortung" für die Übergangszeit angeboten, in der zunächst alleProbleme geklärt werden müßten. Er bleibt auf diese Weise nun doch 1. Kapellmeister,mit aller Entscheidungsfreiheit.102Zu Beginn der neuen "Spielzeit" hatte sich die Situation so zugespitzt, daß man am 3.August 1961 seitens der Trägerschaft (analog der 1959 geforderten zweijährigenBedenkzeit) offen über eine Verkleinerung des Orchesters bzw. über seine Auflösungdiskutiert.103Hierzu scheint auch jene Zusammenstellung aus dieser Zeit zu gehören, in der dieOrchestermitglieder bereits nach dem aufgelistet sind, was wir heute"Sozialverträglichkeit" nennen würden: wie alt, ob verheiratet, ob schon Kinder, und soweiter.Der Landkreis betont: Er würde zwar erhebliche Mittel beisteuern, Tätigkeit und Zieleeines "Nachwuchsorchesters" seien aber erstens ganz andere und nicht regional betont,sie wären zweitens beim "Siegerland-Orchester" durch den fehlenden Nachwuchs unddie sich abzeichnenden neuen Konzepte des Deutschen Musikrates sogar infragegestellt. Es gäbe auch immer wieder Klagen, daß die "kleineren" Konzerte im Landkreisvon den Orchestermitgliedern nicht recht ernst genommen würden.So wird zwar festgestellt, daß die Stadt Siegen (die ja zu diesem Zeitpunkt noch immer"kreisfrei" ist und erst 1966 in den Kreisverbund zurückkehrt) und auch das Land NRWbzw. der WDR am Orchester in seiner bisherigen Zielsetzung bis auf weiteres festhaltenwollen. Aber es wird ein Kompromiß gesucht: um den Landkreis "im Boot" zu behaltenund um ihm weiterhin seinen Einfluß zu sichern, wird ihm zumindest zugestanden, daßihn ein neuer finanzieller Verteilerschlüssel nicht stärker belastet, und daß es auchweiterhin genügend "Konzerte im Landkreis" geben soll, zudem mehr Auftritte in denSchulen.Bei der "Standortfrage" zeige sich (als Vermächtnis von Moritz Weiss, der nun alsGeschäftsführer ausscheidet) daß Hilchenbach zwar auf einen Neubau verzichten,andererseits das Orchester nicht hergeben will.Es schält sich also jetzt als "endgültige" Lösung der Ausbau der alten "Baracken"heraus; man verzichtet hier, an dieser Stelle und aus diesen Gründen, auf die immerwieder geplante Verlegung in die "Siegerland-Halle".Durch diesen Kompromiß können dann (endlich!) die "längerfristigen Verträge" in Angriffgenommen werden.Es sind - wie schon mehrfach erwähnt - die ersten rechtsgültigen Verträge, die dieOrchestermitglieder überhaupt erhalten. Und das Orchester bietet natürlich wieder seineMitarbeit bei den Vertragstexten, aber auch bei den "Disziplinar-Ordnungen" an.03. August 1961: ein mit Namen nicht überlieferter Gastdirigent beim Sinfoniekonzert(mit der "Neuen Welt" von Dvorak) in Siegen kandidiert zu diesem ungewöhnlichenTermin (gleich nach dem Urlaub) schon als neuer Chef.(Ein kulturgeschichtliches Kuriosum: der Autor hatte sich vorher an der Nordsee einenBart stehen lassen und beharrte eigensinnig darauf, daß er auch noch zu diesem ersten 56
    • Konzert nach dem Urlaub "dranbleiben" sollte. So etwas aber war damals noch"unerhört".)17. September 1961: Sinfoniekonzert (mit Beethoven 4) unter Ungar inBensheim/Bergstraße.(Zur Erinnerung: es ist gerade Bundestagswahl; Brandt als Herausforderer kann sichnoch nicht durchsetzen, Adenauer wird ein letztes Mal Kanzler)24. September 1961: Sinfoniekonzert (mit Leonore III und der "Eroika" von Beethoven)unter Agop in Herborn.25. Oktober 1961: Sinfoniekonzert (mit Kodaly, "Pfauen-Variationen") unter Ungar inBergisch Gladbach.28. Oktober 1961: mit Rudolf Schock unter Agop in Wiesbaden. Und mit den üblichen,geradezu peinlich "entzückten" älteren Damen in der ersten Reihe...04. November 1961: letztes Konzert unter Ungar (jetzt immer schon als "Gastdirigent")ausgerechnet in Kreuztal, Märkl spielt das Brahms-Konzert.07./08.11./09.12.1961: drei Sinfoniekonzerte unter Willi Hanuschke mit der 2. Brahms(Magda Rusy spielt vorher das 3. Beethoven-Konzert) in Weidenau.Gerade zu diesem Zeitpunkt war es für viele ein Wiedersehen der seltsamsten Art, auchfür den Autor. Deshalb muß es kurz kommentiert werden: Hanuschke (beileibe keinguter Dirigent und ursprünglich wohl Bratscher) hatte in Berlin vom experimentier- undspendierfreudigen "Rundfunk im amerikanischen Sektor" den Auftrag für das "RIAS- 57
    • Jugendorchester" erhalten, das dann zum deutschen "Studenten-Orchester" schlechthinwurde, immer wieder mit Mitgliedern, die sich später auf viele berühmte Orchesterverteilten. Hanuschkes Orchester wurde so nicht nur das Vorbild für das früheSiegerland-Orchester, sondern auch für alles, was nun an Landes- und Bundes-Jugendorchestern nachfolgte. Hanuschke, endlich einmal in Hilchenbach undinzwischen ein älterer Herr geworden, genoß im übrigen die Huldigungen seiner"Ehemaligen" (und auch die der Damen im "Deutschen Hof") sehr.So ganz klar war die Sache mit Agops Kommen "als Chef" noch längst nicht gewesen:am 14. September 1961 bringt Krutge/ WDR noch einmal Richter als Nachfolger Ungarsins Spiel.104 Agop umgekehrt äußert auf offizielles Befragen am 15. September 1961noch keine definitive Bereitschaft zur Nachfolge. Da die künstlerische Vertretung durchCorazolla gesichert und die Saison 61/62 "vorbildlich" geplant sei, sieht er "keinenGrund zur Eile".Das klingt fast etwas schamlos angesichts seiner Bemühungen gerade um diese Zeit,noch etwas anderes zu finden, bevor er Hilchenbach zusagen muß. Sein Vertrag inDortmund läuft nur noch bis Ende der Spielzeit 61/ 62 - und sein Abgang dort gleicht invielen Dingen bereits dem Abgang Richters aus dem Siegerland: auch in Dortmund gibtes negative Zeitungsberichte (und sie werden auch in Siegen wahrgenommen) die seineFreunde bereits zur "Ehrenrettung" veranlassen.105Intern bleibt die "cheflose" Zeit seit dem Ausscheiden Ungars erst recht von großerProblematik geprägt. Zwar wird die so lange geplante Gehaltserhöhung tatsächlich biszur vom Orchester geforderte Höhe des Grundgehalts von 420,- DM aufgestockt - undgibt es (erstmals in der Geschichte des Orchesters) ein Weihnachtsgeld von sage undschreibe 20,- DM.106Hinzu kam aber die allgemeine Enttäuschung, daß Ungar, der anfangs so sehr verehrte,sich nicht nur immer mehr zurückgehalten hatte, sondern nun auch so abgegangen war. "... irgendwie war damit aller Idealismus, der sich mit diesem Orchester verband, fraglich geworden - und wurden wir aus allen Träumen aufgeweckt. Jeder der alten Garde sah plötzlich die Notwendigkeit ein, auch über sein eigenes künftiges Leben nachzudenken - und zog, sobald er konnte, daraus die Konsequenzen ..."Dazu passte ein sehr heftiges Zerwürfnis mitten durch das Orchester, das vom Herbst61 bis in das Frühjahr 1962 anhielt. Dem neuen 3./1. Flötisten war im Frühsommer(damals noch in "einmütiger" Meinung des Orchesters) mitgeteilt worden, daß er seinProbejahr nicht bestehen würde, wenn er sich bis zu einer endgültigen Entscheidung imOktober nicht wesentlich gebessert hätte.Er hatte sich dann "nicht wesentlich" gebessert, eine Entscheidung wurde ausdienstlichen Gründen nötig. Im Oktober fehlte nun aber der "Chef", der die volleVerantwortung übernahm. Es kam zu einer negativen Entscheidung "ohne Chef" - abernur unter wütender und lang anhaltender "Mißbilligung" des größten Teils desOrchesters.In einer Vorstandssitzung des Trägers am 31. Oktober 1961 wurde zunächst nocheinmal beschlossen, die Stelle Ungars neu auszuschreiben - was dann eine Weile langauch vom Orchester geglaubt wird.107 Es ist lediglich Bremer, der die mögliche engereBindung Agops weiter ins Spiel bringt, allerdings auch an die ja seinerzeit von Krutge/ 58
    • WDR so favorisierte "alte" Lösung, nämlich an die Rückkehr Richters unter derOberleitung Agops, erinnert. Es liest sich so, als wollte Bremer seinen "Fehler" von 1959wieder "gutmachen".So kommt es erst am 13. Dezember 1961 zu einer Besprechung mit Agop , in der ersich definitiv als "Chef" bereit erklärt, zunächst aber sehr hohe finanzielle Forderungenstellt. Auch will man in einer Sitzung des Trägers am 28. Januar 1962 eigentlich dochwieder einen jungen Dirigenten berufen.108 Krutge/ WDR nimmt noch einmal selbstPartei: Man habe Richter nicht in gebührender Form verabschiedet, daran sei Agopentscheidend beteiligt gewesen; Krutge will also einer Wahl Agops nur zustimmen, wenndieser auch so schnell als möglich Richters Abschiedskonzert terminiert.Es steht tatsächlich und bis zuletzt die Uralt-Lösung im Raum, Agop nur als Oberleiterzu bestätigen - und aus Richters Abschiedskonzert eine Wiederannäherung als Chefabzuleiten. So wird erst nach einer Vorstandssitzung des Trägers am 15. Februar 1962endgültig bekannt gegeben, daß Agop zum 01. Juli 1962 "als Chef" zugesagt hätte - undbereits ab sofort für alle wichtigen Dinge zur Verfügung stünde. Er würde dann auchseinen Wohnsitz nach Hilchenbach verlegen. Zwar opponiert Krutge in einem Brief vom19. Februar 1962 noch immer: die Presseberichte aus Dortmund würden den WDR zurVorsicht mahnen, auch der Landschaftsverband habe noch Einwände. Er bittet umAufschub bis zu einer Kuratoriumssitzung, die bald stattfinden soll. Doch da ist derVertrag Agops schon unterzeichnet.Er tritt dann also erst mit Beginn der neuen Spielzeit 1962/63 sein Amt als "alleinigerChef" an: unter Beibehaltung des GMD-Titels und verbunden mit dem sofortigenBaubeginn seines Hauses oben auf der "Wilhelmsburg".Aber ein großer Unterschied besteht bis dahin nicht, irgendwie ist er ja noch immer"Künstlerischer Oberleiter" und hat damit schon alle Entscheidungsvollmacht. Das Jahr1962 verläuft daher fast ohne größere Zäsur. Der "reaktivierte" Jan Corazolla undVerwaltungsleiter Bremer regieren freilich das Orchester nur unentschlossen, die"Übergangszeit" wird immer länger und deutlicher.109Und nochmals gesagt: Sie wird zur "Trendwende", die sich mehr und mehr kundtut: wegvom "als enge Gemeinschaft" erlebten Orchester, hin zu einem "persönlich gefärbten 59
    • Eigenleben" der Mitglieder, das sich vom Orchestergeschehen abspaltet. Oder andersgesagt: das "Orchestergeschehen" und das "private Leben" werden nun zwei getrenntePaar Schuhe. Das war noch vor kurzer Zeit unvorstellbar gewesen.110Der Autor erinnert sich in aller Vorsicht vor allem eine gewisse Hoffnungslosigkeit, diesich damals mehr und mehr breit machte. Darüber, ausgerechnet hier, in diesemOrchester gelandet zu sein - und sogar mit großer Begeisterung an dessen Zukunft als"Nachwuchsorchester" mitgearbeitet" zu haben - für das sich nun aber keine "echte"Lösung mehr abzeichnete. Die meisten, die die Aufbruchstimmung der Jahre 1957 bis59 miterlebt hatten, waren nun, Anfang 1962, schon wieder weg oder wollten sichgerade verabschieden. Nur noch wenige waren geblieben - und unablässig damitbeschäftigt, entweder an die "alten Zeiten" zu erinnern, mit denen sie ihr "Dasein inHilchenbach" rechtfertigen konnten, oder jetzt, da es die "alten Zeiten" nicht mehr gab,allen und jedem zu versichern, daß sie ebenfalls und "so bald als möglich" die Fluchtergreifen wollten.111An dieser Stelle auch noch ein längeres, und wie der Autor meint sehr wichtiges "Zitat"aus seiner "alten" Chronik: "... wie war es denn nun mit dem, was wir immer Hilchenbachitis nannten? Wie waren wir denn überhaupt (und auf so lange) mit Hilchenbach und den Siegerländern zurecht gekommen? Damals, als auch Hilchenbach noch viel mehr von den alten Zeiten geprägt war, als es heute erkennbar ist? Drei Tendenzen muß man da unterscheiden: erstens das persönliche Verhältnis zu Land und Leuten, das auch bei mir zunächst von den ganz netten Anfängen und dem ständigen Bemühen, diesen vertrackten Dialekt nachzuahmen geprägt war - und dann leider mit einer immer stärkeren Abkühlung endete, die das einfache Hilchenbach ebenso betraf wie das prominente Siegen. So daß man am Schluß, hinter vorgehaltener Hand, nur noch von einem heftigen Drang, weglaufen zu müssen, sprach, wenn nicht von Schlimmerem... Und das Verhältnis des Orchesters zum gleichen Gegenüber, das so betont herzlich begonnen hatte - um dann doch (schon bald und mehr und mehr, in aller Widersprüchlichkeit und Verfahrenheit) da zu enden, wo es typischerweise auch hinzugehören schien: unter diese schrecklichen Siegerländer. Denen es nie ganz beizubringen war, was dieses Orchester bedeuteten sollte bzw. ihnen eigentlich bedeuten müßte. Schließlich aber das Drumherum, das einen mehr und mehr prägte - und bei mir mit einem starken Erleben der Landschaft begonnen hatte, in der ich nun wohnte und arbeite, dann (hauptsächlich durch das Unterrichten und die Vorstandstätigkeit) zwar abgelöst wurde durch das Mitmachen bei dem, was kulturell und politisch das Siegerland bedeutete - schließlich und plötzlich aber (Gott seis geklagt!) im Gewahrwerden von Lebensgewohnheiten endete, die man hier, am Ende der Welt, entwickelt hatte, zwar entwickeln mußte, so aber niemals hätte entwickeln dürfen ... „"Harte" Worte, aber es ist ja nur ein Zitat "von damals". Bei der "PhilharmonieSüdwestfalen" und beim Siegerland von heute ist natürlich alles ganz anders geworden. 60
    • Das weiß auch der Autor. Und meint deshalb, frei nach Fontane: "Hilchenbachitis? einweites Feld!" Das könnte fast, wenn sie nicht sehr "ernsthaft" gemeint wäre, als Mottoüber dieser Chronik stehen. 11218. März 1962: Sinfoniekonzert (mit der 2. Tschaikowsky) unter Agop in Köln.22. März 1962: Sinfoniekonzert (mit de Fallas "Dreispitz") unter Agop in Neuss. "... es war nicht nur, daß auch für mich das ganz Andere begonnen hatte, so daß in den Hintergrund trat, was eben noch meine Leidenschaft gewesen war: die Orchesterdinge ... sondern: wenn sie nun plötzlich in den Hintergrund traten, so doch auch, weil sich Agop schon bald als die große Enttäuschung schlechthin entpuppte: der, statt liebenswerter (manchmal sehr liebenswerter) Künstlerischer Oberleiter zu bleiben, unser Chef niemals hätte werden dürfen - weil er nun den Wandel vollzog vom gefeierten Gastdirigenten zum beinahe gehassten Diktator ...er machte sehr schnell die Enttäuschung über Ungar vergessen, dem man anfing Abbitte zu leisten und der nun so zum Symbol einer vergangenen, großen Zeit wurde ...dabei dirigierte Agop zunächst bloß öfter, als bisher, und sogar noch in der alten, beliebten Manier: mit wenig Proben durch viel Temperament recht gute Konzerte. Die genannten Konzerte in Köln und Neuss waren dafür Beispiele ... Er konnte auch mit dem selben Recht, wie seinerzeit Ungar, verlangen: laßt mich doch erst einmal ganz richtig da sein und meine erste eigene Saison in Angriff nehmen ...aber dies war es wohl, was so schnell als negativ empfunden wurde und den Ausschlag gab: es zeigte sich plötzlich, wie wenig er jetzt als Chef auf die alten Spielregeln achten würde. Darauf, was in diesem Nachuchsorchester einmal üblich gewesen war oder nicht, was man als Abmachung für eine Art Mitbestimmung offiziell festgelegt hatte oder nur stillschweigend. Daß er auf keinen Orchestervorstand mehr hören würde, auf uns alte Hasen schon gar nicht. Und daß es also bis dahin, daß seine erste eigene Saison auch wirklich begann, er dann aber krampfhaft abstreiten mußte, daß seine Vorstellungen nun erst recht nichts taugten, kein weiter Weg mehr war ..."Erst recht "harte Worte", und der Autor hat große Probleme, schon wieder eine Krise zuschildern - so als sei die frühe Geschichte des Orchesters nur eine Abfolge vonMißgeschick gewesen. Was sie vielleicht sogar war. Denn an einen allzeit "fröhlichenAufschwung" kann sich der Autor nur stellenweise erinnern. Sicher ist aber: es wardiesmal nicht allein Agops Schuld. Denn vor allem: er war natürlich davon geprägt, daßer sich "ein Ende in Hilchenbach" für seine Karriere ebenso wenig vorgestellt hatte, wiewir es uns für unsere vorstellen konnten. Daß er sich also erst einmal "zurechtfinden"mußte.Im übrigen war also etwas dran gewesen an den Gerüchten (und viel mehr war ja nichtdurchgesickert) daß es fast keine andere Wahl mehr gegeben hatte? Daß die baldigeAuflösung des Orchesters ebenso diskutiert worden war wie die Rückkehr Richters?Daß Agop tatsächlich bis zum letzten Moment gezögert hatte, "ganz" nach Hilchenbachzu kommen? 61
    • 09. April 1962: „Matthäuspassion“ unter Röhl in Köln17./18. April 1962: Dvorak-Requiem in Homberg und Rheydt26. April 1962: „Johannespassion“ in Dortmund24. Mai 1962: "König David" unter Röhl in Gummersbach06. - 09. Mai 1962: Proben und Aufführung von Bachs h-moll-Messe in GöttingenAls Kontrast also zunächst eine sehr "geistlich" geprägte Zeit. Erst am Schluß, vor derSommerpause, wurde es (teilweise) noch einmal "weltlich".20./21. Juli 1962: das Orchester begleitet Siegerländer Chöre auf einem großen Chor-Festival in Essen.„ ... es muß mehrere Tage gedauert haben. Den Zungenbrecher bei einem Text, derirgendwie lautete ´Telegramm für Hiob, schlagende Wetter zerstören die Gruben´versuchten wir (mit dem rollenden `r“ der Siegerländer) unablässig nachzuahmen.Allerlei Notenmaterial stammte nach aus der Zeit von ´vor 1945` und war nur notdürftigüberklebt worden. Vor allem aber: ich wohnte privat bei Leuten in einer Werkssiedlung.Und am Ende der Straße lag tatsächlich Krupp ....“ 62
    • Rolf Agop auch als Chef06. September 1962: Sinfoniekonzert (u. a. mit "Nobilissima Visione" von Hindemith unddem "Feuervogel" von Strawinsky) unter Agop in Dahlbruch: "... bei diesem ersten Konzert nach dem Urlaub geschah es dann doch noch - und war zum letzten Mal die Spannung da, wie es denn werden würde. Wir bekamen Auftrieb durch den endlichen Auszug aus dem Kino-Saal Müller, hinaus zur alten Orchesterschule, die sich zur einigermaßen respektablen Schützenhalle gemausert hatte ...das Orchester war (vorläufig zum letzten Mal) für ein paar Monate auch noch überraschend vollständig besetzt, nicht nur in den Bläsern, sondern sogar in den Streichern. Das Dahlbrucher Konzert erschien noch lange als das letzte Konzert im alten Stil des Siegerland-Orchesters, für das man nun so lange gelebt und gelitten hatte ..."Das neue "Schützenhaus": sieht man es heute, so wie es nun noch immer das Quartierder "Philharmonie Südwestfalen" ist, erscheint es (mit Verlaub gesagt) erst recht als "einProvisorium gebliebenes weiteres Provisorium". Doch wie komfortabel ist allesgeworden gegenüber dem, was man im Herbst 1962 zunächst nur vorfand! Und soüberwiegen in der Erinnerung vor allem die kalten, ungemütlichen Proben, die der erste,lange Winter mit sich brachte. 63
    • Als Auswahl von einer dann ziemlich gedrängten Anzahl von Konzerten, deren Intensitätjedoch mehr und mehr nachließ - und mitten in den als sehr desolat empfundenenWinter 1962/ 63 hineinführte:20. September 1962: Sinfoniekonzert (mit der Beethoven 4.) unter Agop in Fulda27. September 1962: Sinfoniekonzert (mit der 3. Brahms) wieder unter Gisela Jahn inEschwege"eingeklemmt" bereits zwischen die Fahrten zu den Chorproben in Köln am10. Oktober 1962: das legendäre Opernkonzert mit Rudolf Schock unter Agop inDortmund, nach dem es anschließend auch irgendeine nächtliche - und mehr alsseltsam verlaufene – Schallplattenaufnahme gab.Erst folgend am12./13. Oktober 1962: die beiden Aufführungen der "Missa solemnis" unter Philipp Röhlin Köln25. Oktober 1962: Beethoven 5 und "Leonore 2" unter Agop in Dahlbruch30. Oktober 1962: Sinfoniekonzert (mit der 3. Bruckner) unter Agop in Limburg04. November 1962: Sinfoniekonzert (wieder mit der 3. Bruckner) unter Agop in Siegen24./25. November 1962: Probe und dann Aufführung Bachs h-moll-Messe in Dortmund06. Dezember 1962: Sinfoniekonzert in Eschwege; "... dazu ein Privatausflug an die winterliche Zonengrenze, die damals für immer undewig erscheint ..." "... dann aber fing es an, daß Agops Proben so zähflüssig wurden, so gar nichts mehr gemeinsam hatten mit seiner alten, zupackenden Art. Wohl deshalb erreichte der Orchestervorstand für kurze Zeit sogar eine Viertage-Woche. Es erschien allerdings noch unfaßbar, was dann passierte: daß Märkls Nachfolgerin sich so wenig mit Agop einigen konnte, daß sie einfach von heut auf morgen wegblieb ... und noch fiel es schwer einzusehen, daß unsere Sorgen um Streichernachwuchs, interessantere Programme und bessere Probenarbeit nun fast täglich wachsen würden; unsere Konzerte konnten plötzlich an wichtigen Orten wieder sehr unkonzentriert und geschludert sein. Sie waren in Siegen plötzlich sehr schlecht besucht. Unser Ruf in den Fachkreisen bröckelte ab, von den vielen Mentoren und Beiräten, die noch die Ungar-Zeit beherrscht hatten, sprach kein Mensch mehr ..."Aber dies hat der Autor damals noch hinzugefügt: "... trotzdem der Entschluß, mit dem ich mich ein letztes Mal wandele zu einer Pflicht, die selbst Agop zu halten wäre bis zum Ende. Denn daß wir uns derartig gehen lassen, ist denn das unsere Opposition? sind denn nicht wir immer noch gefragt, wenn wir von diesem Orchester mehr erwarten?"Unvergeßlich: 26. Januar 1963: ein recht gutes Opernkonzert (mit großen Teilen des"Fidelio") in Krombach, von wo offenbar der (sehr eindrucksvolle) Tenor113 stammte, derirgendwo an den Opern zwischen Köln und Dortmund Karriere gemacht hatte. 64
    • Und erst jetzt am 14. Februar 1963 das Gastkonzert ("Abschiedskonzert") PeterRichters in Dahlbruch, mit der 3. Brahms und vorher dem "Eulenspiegel" von Strauss. InDahlbruch deswegen, weil der wohl wichtigste Richter-Apologet, Wolfgang Burbach, dortdie Kulturgemeinde leitete, damals auch schon seine "Brüder-Busch-Gesellschaft" inden Startlöchern hatte. Und es war sogar ein "Funk-Konzert", weil sich Krutge/ WDR fürRichter noch immer weit aus dem Fenster lehnte. Aber ein "Erfolg" wurde es nicht. Eherkonnte man sagen, "daß Berge kreißten, aber nur ein Mäuslein geboren wurde."114Erst hier also der letzte Vorhang zum Thema "Richter". Und noch der Epilog. Sein"Schlußwort" hat ihn der Autor schon weiter vorn sprechen lassen. Hier ist noch dasSchlußwort des Autors:Ohne Peter Richter (und gerade dadurch, daß er nun einmal war, wie er war) gäbe esdas Orchester ganz sicher nicht. Die Gründung des "Siegerland-Orchesters mag zwarauch ein Ausdruck "bürgerlichen Musik-Verlangens" gewesen sein. Ohne diesen"Paradiesvogel" (noch einmal soll dieses Wort benutzt werden) wäre es aber nicht soweit gekommen. Darin liegt sein Verdienst.Er und seine anfänglichen Berater (dann sehr bald Gegner) müssen sich aber vorhaltenlassen, daß ihr Konzept für ein "Nachwuchs-Sinfonieorchester" keineswegs ausreichte -und auch viel zu wenig Unterstützung fand. Und daß sie für ihre Alleingänge eben dochnicht "die richtigen Leute zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort" waren.Und deswegen hätte auch die selbst heute noch nicht verstummte Forderung, "gebtRichter endlich eine richtige Chance", nur wieder und immer wieder in die selbeSackgasse geführt, wie vorher.Die Chorleiter verstanden es manchmal besser, als Agop. Sie leiten Konzerte, die sehrlange nachklingen. So am09./10. März 1963 Verdi-Requiem unter Röhl in der Kölner Universität12. April 1963 Matthäuspassion unter Büchsel in Dortmund.Inzwischen wurde der "Nachwuchsmangel" an Streichern im Orchester derartig eklatant,daß zumindest die Proben, aber auch einige Konzerte kaum noch darstellbar waren. Esfunktionierte nur noch, weil nun zu den letzten Proben und zu den größeren Konzertenregelmäßig die Mitglieder der Geigenklasse Tibor Varga und auch einige Mitglieder des"Kammerorchester Varga" aus Detmold erschienen.115 Doch sie kamen eben nicht zuallen Konzerten.116Ein Konzert am 21. April 1963 mit Händels "Samson" in Gummersbach "... wird daher, durch das erstmals von fremden, laienhaften und ungenügenden Aushilfen völlig verunsicherte Orchester, derartig heruntergehudelt, daß keiner mehr weiß, was noch kommen soll ..."Was am 30. April 1963 kam, war dann das gewonnene Probespiel des Autors in Baden-Baden. Die Frage aber muß er sich an dieser Stelle gefallen lassen: Hätte nicht geradeer unverdrossen in Hilchenbach bleiben sollen?11704. Mai 1963: "Missa solemnis" unter Röhl auch noch bei der "Kulturabteilung BayerLeverkusen"15. Mai 1963: Sinfoniekonzert (mit der 1. Schumann) unter Agop in Dahlbruch,tatsächlich noch einmal als "Funk-Konzert". 65
    • 30. Mai 1963: Bläserkonzert unter Wilhelm Schwegler im Stift Keppel. Auch er ist(damals gerade noch) weiter aktiv - und es gibt sehr schöne Fotos davon.20./21. Juni 1963: Sinfoniekonzerte (mit der 7. Beethoven) unter Agop in Bad Nauheimund Wetzlar An dieser Stelle zunächst noch "der Einschub welcher", denn die vorstehenden Konzerte waren die letzten "Abstecher", die der Autor mit dem "Siegerland-Orchester" nach Orten außerhalb des damaligen Landkreises Siegen gemacht hat; es sind in fünf Jahren fast 125 gewesen, in über 50 Orte. Am häufigsten übrigens nach Köln - das mit vielen, vielen Aufenthalten (dienstlichen und privaten) auch sonst Spitzenreiter war - und wohl auch blieb. Wir fuhren zu den Abstechern natürlich mit dem Bus.118 Deshalb: Vor allem die niederrheinischen Chor-Konzerte, wie sie ab 1960 in Mode kamen, wurden zu recht als "viel zu weit" empfunden, es gab auch Proteste. Zwar wurde nach der Probe und (wenn es Doppel-Konzerte waren) nach dem ersten Konzert in der Regel übernachtet, aber die Heimfahrt nach dem letzten Konzert folgte dann eben doch. Und Oratorien zeichnen sich nun mal nicht durch prägnante Kürze aus. Sie finden auch nur selten an lauen (und dann sogar im "Sauerland" schneefreien) Sommertagen statt. Selbst wenn in geradezu fliegender Hast "abgebaut" und eingeladenworden war: Es wurde spät, bis man wieder in Hilchenbach war, sehr spät. Oder sehrfrüh, ganz wie man es sehen will.Der Autor hat deshalb anläßlich dieser Chronik extra ausprobiert, wie lange es vonHilchenbach aus "wenigstens nur bis Köln" dauert, wenn man die alten Pfade benutztund nicht die heutige Autobahn - und sich ungefähr an das Tempo der damaligen Bussehält. Er war ziemlich erschrocken!119 66
    • Ein letztes Zitat aus der "alten" Chronik des Autors; "Sindbad der Seefahrer" kommtdarin vor, einer der Helden aus den Erzählungen der "Scheherazade" in "1001 Nacht",sozusagen als orientalische Fassung von der "Odyssee" eines umherirrendenMenschen: "... es folgt nur noch der Rest, da ist er schon ..."26. Juni 1963: Kammerkonzert in großer Besetzung bis hin zum "Nonett" im "DeutschenHof" "... Hilchenbach also noch einmal zu seinen Anfängen zurückgekehrt ..."schließlich:09. Juli 1963: Sinfoniekonzert unter Agop in Siegen, mit der "Scheherazade" vonRimsky-Korssakoff "... Ungar ist zufällig auch da - und schilt mich, daß ich ihm nicht nach Remscheid nachgefolgt bin ..." "... ich nehme vor allem Abschied von meinen Schülern ..."120 "... dies also sind die letzten Töne im Siegerland: Sindbad der Seefahrer als völlig konfuser Ausklang. Nun gehe ich tatsächlich fort. Nun muß ich erst Abstand finden - und dann anfangen nachzudenken: was denn gewesen ist und was denn übrig bleibt. Trotz alledem doch noch übrig bleibt ...“ 67
    • EpilogEs war unmöglich, daß ich diese Chronik dort enden ließ, wo von meinem Weggang ausdem "Siegerland-Orchester" die Rede ist. Mein Weggang im August 1963 geschahgenau so "mittendrin", wie mein Kommen im August 1958. Daher vorne ein Rückblickbis in die Anfänge der "Orchesterschule" - und hier ein Ausblick.Kein richtiger Ausblick auf jene Entwicklung, die damals erst ganz allmählich begann,sich erst abzeichnete: zwar nicht gleich endgültig weg vom "Nachwuchs-Orchester"führte (lange Zeit noch geistert ein "Stamm-Orchester" durch die Veröffentlichungen, zudem dann erst der "Nachwuchs" tritt) aber schließlich doch bis hin zum "Landes-Orchester" von heute, mit Mitgliedern aus allen Altersstufen.Ich habe diese Zeit nicht mehr als "Zeitzeuge" erlebt, diese Chronik war aber bis hierhergekennzeichnet, daß ich immer wieder persönlich, eben als "Zeitzeuge" Stellung nahm.So muß ich mir einen "richtigen" Ausblick versagen - und möchte viel eher die Fragebeantworten: Wie wird man denn ein auch "weiterhin teilnehmender Zeitzeuge", wie wirdman es über viele Jahrzehnte hin? Wie wird man aus einem, der damals froh war,endlich gehen zu können, zu einem, der heute seine in Hilchenbach verbrachte Zeit sehrwichtig nimmt, sie in Zusammenhang mit der Geschichte des Orchesters sehen, sie mitihr in "Einklang" bringen möchte?Ich will versuchen (obwohl diese "Chronik" nun wahrlich ausufert) auch darauf noch zuantworten. Anfang August 1963 kam ich zum packen aus dem Urlaub zurück, am 10. August war der Aufbruch nach Baden-Baden, am 12. August dort mein erster Dienst. Meine künftige Frau aber blieb zunächst in Hilchenbach: Sie hatte Ehrgeiz, und wollte noch meine Nachfolgerin als Solo- Flötistin werden, dann erst hinterher-kommen. Doch bekam auch sie schon bald Möglichkeiten, in Baden-Baden tätig zu sein, und bat ab Dezember 1963 um die "Gewährung der vorzeitigen Kündigung". Um dies (jetzt mit dem Rückkehrer Bär von Randow) endgültig zu klären, nahm ich selber eine Gelegenheit wahr, in Hilchenbach Station zu machen, unsicher allerdings, wie es werden würde. Umso herzlicher war damals noch die Begrüßung durch die ehemaligen Kollegen. Sie war es schon nicht mehr, als ich fast genau zwei Jahre später, im Oktober 1965 wieder für ein paar Stunden "nach dem Rechten sehen" wollte. Zwar war da der Neuanfang beim "Siegerland- Orchester" schon unübersehbar, manches 68
    • erschien mir bereits fremd. Aber es gab ja (dachte ich) noch genug Mitglieder, die"meine" Zeiten miterlebt hatten, die mich auch jetzt wieder freudig begrüßen würden.Merke: Nicht auf Dauer sind die ehemaligen Kollegen willkommen, wenn sie mitfreundlichem Grinsen "nur noch einmal vorbeischauen" wollen!So kam ich ein weiteres Mal erst im Frühjahr 1972, und diesmal in der festen Absicht,möglichst unerkannt zu bleiben. "Nur mal kurz mal umschauen, sich erinnern, aber nichtweiter Stellung nehmen". Es war die Haltung, von der auch andere "Ehemalige" erzählthaben.Und es war wohl auch eine Zeit, in der man nicht unbedingt nur "Siegesmeldungen" ausHilchenbach hörte, sondern sich (Verzeihung!) auch die Frage aufdrängte, "gibts diedenn immer noch?". Auf jeden Fall: Obwohl ich sogar übernachtete (damals noch im"Menn" am unteren Markt) muß ich tatsächlich schon "gefremdelt" haben: ich habe fastkeine Erinnerung mehr behalten.Ganz anders jene Durchreise im Frühjahr 1981, in einer Art Urlaub, bei der ich "endlichauch einmal selber" im "Deutschen Hof" übernachten und diesmal ganz bewußt wiederins "Lange Feld" hinaus laufen wollte.Jetzt, nach fast 20 Jahren traf es zu: "Vater und Mutter sind lange tot, es kennt mich dortkeiner mehr". Ich zitiere eine meiner kurzen Notizen aus einem damaligen Tagebuch: "... ein nachmittäglich-abendlicher Schock, der mich tief betroffen macht. Hilchenbach genau eine Generation später. Man findet im Cafe Kramer dasselbe junge Mädchen, das man einst bewunderte - aber es ist längst die Tochter. So will fast keine Erinnerung mehr passen - und es sind doch unendliche, sich überstürzende, mich erschreckende Erinnerungen ..."Doch geschah immerhin dies: Ich muß wohl vom "Langen Feld" aus bis zum"Sonnenhang" weitergelaufen sein und dann im weiten im Bogen die "Wilhelmsburg"wieder hinunter. Und sah nun plötzlich Agop . Völlig in sich versunken, stark gealtert undvornüber gebeugt stand er in seinem Garten - und betrachtete ein spielendes Kind, dassogar ich sofort als den Nachwuchs "derer von Randow" identifizieren konnte.Erschrocken trat ich in den Wald zurück, Agop registrierte mich kaum - und hat michjedenfalls nicht erkannt.So ist es eben: hinter diesem einen, versöhnlichen Bild war später alles Widrigezurückgetreten, das ich mir deshalb nur zögernd, manchmal fast stockend aus meiner"alten" Chronik erst wieder zusammensuchen mußte.Doch auch das gehört zu diesem Wiedersehen 1981: Inzwischen hatte ichherausgefunden, daß ja auch mein Großvater väterlicherseits ein "geborenerSiegerländer" gewesen war. Das gefiel mir im Nachhinein gar nicht! Das mußte ich beidieser Gelegenheit "dringend" untersuchen. Doch war das "nur" in den Gebäuden einerum 1860 für kurze Zeit wiederbelebten Kupfer-Grube in der Nähe von Eisemrothgewesen. Das erwies sich (gottseidank) schon als "hessisches" Siegerland. DerAufenthalt meiner Vorfahren hatte auch nur kurze Zeit gedauert: man war vonirgendwoher gekommen, blieb eine Weile - und zog dann weiter, kehrte nie wiederzurück.Ich aber war nun schon öfter "auf Besuch heimgekehrt". Warum? 69
    • Ob es übrigens schon damals war, daß ich eine Weile lang, ganz unauffällig, einerProbe des Orchesters zuhörte, und erstaunt feststellte, wie sehr es sich inzwischen"fortentwickelt" hatte, weiß ich nicht mehr.Dabei blieb es aber, wieder für lange Zeit. Doch natürlich hatte es sogar in Baden-Baden (in den inzwischen vergangenen Jahren) auch andere Wiederbegegnungen "inSachen Hilchenbach" gegeben. Die Welt ist klein - und Musiker treffen sich überall.Erstens lebten auch in Baden-Baden einige "Alt-Hilchenbacher". Darunter vor allemWalter Scholz, Solo-Trompeter des SWF-Sinfonieorchesters und als "Trompeter vomSchwarzwald" fast weltberühmt. Vor allem traf ich in Baden-Baden einen Freund aus"meiner" Zeit in Hilchenbach wieder. Mit ihm zusammen habe ich dann alte Pläneverwirklicht - und so hatte auch meine im Südwesten lange Zeit sehr erfolgreicheKammermusik ihre Anfänge im längst so fernen Hilchenbach gehabt.Vor allem aber ist meine Sicht der Dinge stark geprägt von der Wiederbegegnung mitThomas Ungar in Baden-Baden. Er war inzwischen GMD in Freiburg geworden, als ichihn 1971 zum ersten Mal wieder traf. Doch hatte er da schon die Berufung als Dirigier-Professor an die Musikhochschule in Stuttgart erhalten - was seinen Namen über 30Jahre hin weitaus geachteter und bekannter machte, als man es in Hilchenbach nurvermuten konnte.Ungar nun hatte den Einfall, seine Schüler zu uns ins Kurhaus Baden-Baden zuschicken, damit sie nicht nur die Stücke üben konnten, die immer "geradeaus" gehen,sondern auch die, die von unerwarteten "Fallstricken" geprägt sind. Dies viele Jahrelang. Dabei durchaus von jenem gesundheitlichen Zwischenfall gezeichnet, durch denman dem "späteren" Thomas Ungar immer nur unter großem Mitgefühl entgegentrat.Etwas, was die etwas kritische Darstellung der "Ära Ungar" in dieser Chronik mehr alsproblematisch gemacht hat. Wir wissen alle nie und nicht, was noch kommt. 70
    • Ich muß zum Schluß kommen - und erwähne nur noch die "nostalgischen" Treffen derer,die die frühe Zeit in Hilchenbach erlebt haben. Das erste 1999 war ursprünglich einEinfall zweier Hornisten gewesen, die einander mit großem Elan ansteckten. Mitbewundernswerter Mühe fingen sie an, die heutigen Adressen der "Ehemaligen" herauszu finden. Trotz großer Zweifel, die wir alle hatten (mußte man sich nicht über so vielSentimentalität schämen? Würde man nicht, wie ich es tatsächlich überlegte, inHilchenbach eben erst angekommen, gleich wieder weiterfahren?) hat uns geradedieses erste Treffen zu Tränen gerührt, es war ein großartiger Einfall. Es galt zunächstsogar das Prinzip, daß fast nicht erlaubt war, über die "Positionen" zu berichten, in dieman es später noch geschafft hatte. Sondern daß alle gleich sein sollten: die, die auchnach ihrem Weggang aus Hilchenbach nur "mühselig und beladen" blieben, und die,"die es so herrlich weit gebracht". So haben wir es auch noch 2001 und 2003 gehalten.Erst dann habe ich selber für Unruhe gesorgt: weil ich nun meine "alte" Chronik (mit denvielen, vielen Namen und Ereignissen) wiedergefunden hatte und plötzlich der festenÜberzeugung war, daß sie in einer "neuen" Chronik aufgehen sollte. Sozusagen alsVermächtnis der Treffen an die "Nachgeborenen".So weit aber wollten nicht alle gehen: ein häufiges Phänomen bei den sogenannten"Ehemaligen-Treffen". Ein paar "private" oder sogar "rührende" Erinnerungen? Das ja.Aber ein "dokumentiertes" Sich-Verbunden-Fühlen? Das doch lieber nicht.Ich hatte (bei immer neuen Reisen nach Siegen und Hilchenbach) bereits begonnen,nach den entsprechenden Unterlagen zu suchen, fand sie zuerst noch weitgehendbeieinander in den verstaubten Aktenschränken des "jetzigen" Orchesters, dann aber(und mehr und mehr) in den Siegener Archiven. Oft kaum kenntlich, meist "seit damals"fast unbenutzt. Ich konnte nur hoffen, daß die Archivare (durch mich oder dasbevorstehende 50jährige Jubiläum vielleicht aufgeschreckt) nun auch für das "früheSiegerland-Orchester" das bekommen würden, was sie so nötig brauchen: mehr Platz.Damit will ich (der Autor) schließen. An den über das ganze Jahr verteilten und auchhäufig in ihrem Konzept geänderten Jubiläums-Terminen 2007 habe ich leider, trotzallem guten Willen, kaum teilnehmen können. Immerhin lagen die Prospekte jederzeitgreifbar auf meinem Schreibtisch.In diesem selben Jahr 2007, in dem ich meine Chronik im Prinzip abgeschloßen hatte,war auch noch immer nicht abzusehen, wann sie endlich erscheinen konnte.Meine Aufgabe war jedoch zeitlos und immer die eines einigermaßen präzisenBerichterstatters über die "Jugend und Lehrjahre" des "Siegerland-Orchesters", derheutigen "Philharmonie Südwestfalen" geworden. Nicht immer kam dabei das richtige"Freude, schöner Götterfunken, Tochter aus Elysium" auf. Ich mag aber das, was dazutage trat, nie und nimmer missen. Geschichte führt uns immer auch zurück zu unsselbst.Zwar ist "Pathos" hier völlig fehl am Platz. Dennoch fällt mir ein Gedicht von Hölderlinein, mit Anspielungen sogar darauf, daß dies nun eine "Chronik" mit viel zu vielEinzelheiten geworden ist - die sich aber alle aufgedrängt haben, fast nicht zu"bändigen" waren. Außerdem war Hölderlin (im Nebenberuf) ja auch ein ganz 71
    • brauchbarer Flötist. Etwas, was ich in Hilchenbach (im Hauptberuf) immer wieder undimmer wieder nur erst versuchen konnte, endlich zu werden.So seis gewagt:" Größeres wolltest auch dudoch es kehret umsonst nichtunser Bogen, woher er kommt.Alles prüfe der Menschdaß er danken für alles lern,und verstehe die Freiheit,aufzubrechen, wohin er will." 72
    • DanksagungMein besonderer Dank gilt vor allem jenen ehemaligen Kollegen, die meine Recherchenund die sehr viele Arbeit mit Rat und Tat unterstützt haben, darunter nenne ichbesonders Michael Scheck und Axel Fürch.Er gilt ebenso den beiden Archivaren in Siegen, vor allem dem Leiter des "Kreis-Archivs", Thomas Wolf. Mit viel Nachsicht hat er mich immer wieder aufgefordert, meineArbeit zu Ende zu bringen und den richtigen Zeitpunkt für ihre Veröffentlichungabzuwarten.Er gilt jener Familie in Hilchenbach, die (obwohl wir keineswegs verwandt sind) so heißtwie ich - und in deren einfachen, aber liebenswerten (und inzwischen sehr häufigbenutzten) Quartier ich mehr und mehr den Unterschied vom damaligen zum heutigenHilchenbach, vom damaligen Siegerland zum heutigen Siegerland, von den damaligen"Siegerländern" zu den heutigen "verinnerlicht" habe.Von diesem Quartier aus bin ich zu den Siegener Archiven fast immer Bahn gefahren.Auch dabei ist heute alles anders als "früher". Aber eigentlich nur hier, irgendwozwischen Hilchenbach und Kreuztal bzw. umgekehrt, floß das "damals" und "heute"derartig ineinander über, wie ich es kaum je erlebt habe. 73
    • QuellenverzeichnisDer Autor bedauert es sehr, daß die Unterlagen vor allem der Spätzeit derOrchesterschule und der allerersten Zeit des Orchesters (bei seinem Arbeitsbeginnscheinbar noch in beeindruckender Vielfalt vorhanden) sich bei näherem Hinsehenselten als brauchbar erwiesen: meist war nur eine punktuelle Auswertung möglich, keinZusammenhang feststellbar.Der Autor hat deshalb häufiger aus eigener Sicht entscheiden müssen, als es ihmeigentlich lieb war. Er mußte vor allem hinnehmen, daß die vielleicht wichtigstenUnterlagen dieser Zeit, nämlich die aus dem Büro des Geschäftsführenden Vorstandesder jeweiligen Trägerschaft, beim Ende dieses Büros nicht archiviert, sondern vernichtetwurden: so jedenfalls die Auskunft des Stadt-Archivs Hilchenbach.Ähnliches gilt erst recht für den Versuch, einigermaßen verlässliche Daten und"Mitglieder-Listen" dieser Zeit herauszufinden. Auch die anderen "Zeitzeugen" konntendabei kaum weiterhelfen.Das gilt insgesamt leider auch für die "heiligen und unverletzlichen" Personalakten.Beim Arbeitsbeginn des Autors wurden sie noch ziemlich sorglos im Orchesterbüroaufbewahrt, später dann unter der vorgeschriebenen Kontrolle im Kreis-Archiv. Als sichder Autor dort aber näher damit befaßte (weil er eigentlich nur weitere Namen für seineMitgliederlisten finden wollte) war er einigermaßen schockiert. Viele Akten (wie auchseine eigene) waren auf seltsame Weise unvollständig, manche deutlich "gefilzt" odergar nicht mehr vorhanden. Merke: Auskünfte über "Mitgliedschaft" und den jeweiligen"Leumund" sollte man nur sehr vorsichtig erteilen.Um der Frage "Warum ist das so?" zu entgehen, weist der Autor eiligst auf wenigstenseine "Insel der Seeligen" hin: zwar auch nur für "Eingeweihte" verständlich, aber docheinigermaßen "liebevoll" beieinander, hat er im Archiv der Stadt Siegen eine wenigstens"hilfreiche" Ansammlung an Unterlagen über die ersten Jahre des Orchestersvorgefunden. War man also in Siegen zwar deutlich von "Wunschdenken" geprägt, wiees der Autor stellenweise geschildert hat, aber doch einigermaßen "professionell"vorgegangen? Darf sich aber der Autor jetzt noch zu seiner Liebe auch fürs "Kreis-Archiv" bekennen?Ob es die andere "Insel der Seeligen" gibt, kann der Autor nur vermuten: einen Ort, wonicht nur "Verwaltungs-Vorgänge" archiviert sind. Sondern tatsächlich das archiviert ist,worauf es doch eigentlich ankommt: einigermaßen komplette Sammlungen von Konzert-Terminen, Programmen und vor allem deren Rezensionen in der Presse. So etwas isterst jetzt, aber nur in Umrissen wieder aufgetaucht, der Autor konnte es nicht mehreinbeziehen, hatte auch einen ziemlich „chaotischen“ Eindruck davon. Er hofft aber, mitdieser Chronik einem gewissenhaften Nachfolger den Weg geebnet zu haben.Die wichtigsten Quellen und ihre Signaturen:ALT eine sog. "Hilchenbach-Chronik", die der Autor nach seinem Ausscheidenaus dem "Siegerland-Orchester" 1963 in den ersten Folgejahren aus seinen nochvorhandenen (und dann vernichteten) Tagebüchern, Taschenkalendern, Dienstplänen,"Merkzetteln" usw. zusammengestellt hatAUTOR vom Autor gesammelte Prospekte und Drucksachen aus verschiedenenJahren, zugehörig einzelne, zusammenhanglose "Findlinge" bzw. Duplikate aus denoffiziellen Unterlagen. Zugehörig aber auch eine Sammlung von Briefen undGesprächsnotizen betr. wichtige damalige Orchestermitglieder und Zeitzeugen: wie etwa 74
    • Peter Richter, Michael Scheck, Josef Märkl, Klaus Diederich und so weiter, aber aucheinige "Alt-Hilchenbacher". Dazu Berichte von denen, die den Wandel vom"Orchesterschüler" zum "Orchestermitglied" miterlebt haben; gerade diese Sammlungergab einen beträchtlichen Fundus an "Wissen", das der Autor sorgfältig eingearbeitethatAGOP ein dicker, überquellenden Ordner aus dem Besitz von Rolf Agop, den derAutor 2002 vom verstaubten Boden seines Hauses in Hilchenbach in Sicherheit brachte,Agop hatte ihn im unmittelbaren Zusammenhang mit seinem "Einspringen" für dasKonzert am 04. 02. 59 angelegt und bis zu seiner Ernennung als alleiniger "Chef" desOrchesters im Februar 62 weitergeführt.Er darf als die wichtigste "Quelle" für die Geschichte des Orchesters in dieser Zeitangesehen werden, auch wenn sein Verwesungsgeruch den Gebrauch starkeinschränkt. Während der Arbeit an dieser Chronik noch im Besitz des Autors, wurde erinzwischen an das Kreis-Archiv weitergeleitet.DIRIG Ordner "Dirigenten-Angelegenheiten" im Kreis-Archiv Siegen, der unter"Ungar" und "Agop" fast nur Unwesentliches enthält, im älteren Teil jedoch daswichtigste Material zur "Richter-Krise". Zum Zeitpunkt der ersten Einsichtnahme durchden Autor waren darin (überraschenderweise) noch Vorgänge sehr "personeller" bzw."privater" Art enthalten, sie wurden später getrennt abgeheftet.BURB mit "Richter" bezeichneter Ordner im Kreis-Archiv Siegen, der bis zurEinsichtnahme durch den Autor als "Personalakte Richter" angesehen wurde, beinäherem Hinsehen enthielt er aber ausschließlich Originale und Kopien jener Briefe, dieRichter und seine Siegener Freunde im Umfeld des "Leserbriefes" von 1959 und nochspäter geschrieben haben; er stammte ursprünglich aus dem Besitz von WolfgangBurbach, Dahlbruch, später der Orchester-Verwaltung.KREIS Kreistagsprotokolle im Kreisarchiv Siegen-WittgensteinSIEG Protokolle des Kultur-Ausschusses usw. der Stadt Siegen im StadtarchivSiegenDas Problem eines jeden "Historikers", daß die jeweiligen Protokollanten des Kreisesund der Stadt ein und dieselbe Sitzung mitunter höchst unterschiedlich dargestellt bzw.datiert haben, hat der Autor gewissenhaft zu lösen versucht. 75
    • Verzeichnis der Fotos und AbbildungenDie ursprünglich aus dem Besitz des Autors bzw. einzelner ehemaliger Mitgliederstammenden Fotos usw. sind inzwischen sämtlich im Besitz des Kreis-Archivs.Titebild: Siegerlandorchester 1958 unter Peter Richter, Thomas Ungar bei einer Probe1959, Rolf Agop und das Siegerland-Orchester in Feuervorgel-Besetzung, Sept. 1962.S. 5: Wolfgang Haupt 1962 bei einer BläserprobeS. 7: Orchesterschüler für der Hilchenbacher Baracke, 50er JahreS. 8: „Schulzeitung“ der Orchesterschule 50er JahreS. 10: Peter Richter, entnommen aus Orchester-Broschüre, 1957/58S. 11: Orchesterlogo, entnommen aus Orchester-Broschüre, 1957/58S. 17: Probe im Saal Müller, 1958S. 18: Orchestermitglieder vor dem Saal Müller: 1. v. l. Michael Scheck, 4. v. r. JanCorazolla,S. 21: Quelle: Kreisarchiv Siegen-WittgensteinS. 24: Moritz WeißS. 28: aus einem Brief von Rolf Agop, Februar 1959S. 35: Rolf AgopS. 36: Quelle: Kreisarchiv Siegen-WittgensteinS. 37: Rolf Agop bei einer Probe im Saal Müller, Herbst 1959S. 39: aus der „HörZu“ 12959, Quelle: Kreisarchiv Siegen-WittgensteinS. 41: Thomas UngarS. 43: Thomas Ungar bei seiner „Bach-Probe“ vor der Presse, 1959S. 44: Konzertmeister Josef Märkl mit seinem Kammerorchester, 1961 oder 1962S. 46: Quelle: Kreisarchiv Siegen-WittgensteinS. 51: Studienleiter Wilhelm Schwegler bei einer Bläserprobe, 1962S. 55: Rolf Agop, Konzertmeister Josef Märkl, Rudolf SchockS. 57: Pressebericht 27.02.1962S. 61: Rolf Agop und das Siegerland-Orchester in „Feuervorgel-Besetzung“, Sept. 1962S. 64: v. r. Busfahrer Günther Geisweid und Walter BlankeS. 65: Schienenbus bei HilchenbachS. 66: Rolf Agop und Bär von RandowS. 68: Schnappschuss vom ersten nostalgischen Treffen, Hilchenbach 1999 76
    • Anmerkungen1 Hier noch einmal die wichtigsten Signaturen für die benutzten Unterlagen, alles Weitere siehe unter "Quellen":ALT betrifft die im Vorwort erwähnte "alte" Hilchenbach-Chronik des AutorsAUTOR betrifft Materialsammlungen des AutorsAGOP betrifft einen Aktenordner aus dem Besitz von Rolf Agop, in dem dieser vom Februar 1959 an über 3 Jahre hin alle ihn betreffenden Vorgänge abgeheftet hatDIR betrifft den Ordner "Dirigenten-Angelegenheiten" im Kreisarchiv Siegen-WittgensteinKREIS betrifft die "Kreistags-Protokolle" im Kreisarchiv Siegen-WittgensteinSIEG betrifft entsprechend die "Protokolle des Kulturausschusses" usw. der Stadt Siegen2 Zum ganzen Komplex "Orchesterschule" siehe vor allem AUTOR und SIEG; wie auch anderweitig erwähnt sindalle übrigen erhaltenen Unterlagen weder fortlaufend noch vollständig.3 Beim Durchblättern fallen Namen wie von Klepacki/ Flöte, Kretschmer/ Fagott, Metzger/ Geige, Lauffs/ Trompetebzw. Cello, Stark/ Posaune, Dr. Schreiber/ Theorie und Vollstedt/ Klavier als Namen der Lehrer ins Auge, die "vorOrt" unterrichtet haben. Vor allem aber der Name des stellvertretenden Leiters Fritz Liesegang - der auch noch später(in den Anfängen des Orchesters) die Notenbestände hütete, die er über den Krieg retten konnte: vorher war erMusikdirektor in Witten gewesen.4 Über diesen "Uralt-Traum" der Siegener soll es schon Anfänge einer "Forschungs-Arbeit" geben, die dem Autorjedoch nicht zugänglich war. Eine ganze Menge davon ist aber mit dem neueröffneten "Apollo-Theater" noch immerübrig geblieben5 Diese Gruppe der "echten" Alt-Hilchenbacher (die also die Orchesterschule erlebt hatten, aber nicht mehr das"Siegerland-Orchester") hat sich zwar später (den Ruheständler Deisenroth in ihrer Mitte) ein paar Mal inHilchenbach getroffen. Versuche des Autors jedoch, sie näher zu kontaktieren oder sogar in die seit 1999stattfindenden Treffen der ehemaligen Orchestermitglieder einzubeziehen, schlugen weitgehend fehl. Es waren nunalles ältere Herren geworden, die sich zwar noch an "dies und jenes" erinnerten, dabei aber "nicht mehr gestört"werden wollten.6 siehe KREIS unter dem entsprechenden Datum7 Über die Wahl und die Ernennung Peter Richters hat der Autor keinerlei Unterlagen mehr gefunden, er war alleinauf das angewiesen, was er in "AUTOR" zusammengestellt hatte.8 laut Richters Darstellung in einem irgendwo veröffentlichten Lebenslauf: 1930 geb. in Prag; nach dem Kriegaufgewachsen in Lübeck, der Vater ist dort Pfarrer; erste Kompositionen und Dirigierversuche. Ab 1950 Studium inDetmold und Hamburg: Dirigieren, Komposition, Klavier und Waldhorn (das deutet eher auf ein Schulmusik-Studium hin) später dann Sommerkurse; 1954 Korrepetitor und Kapellmeister in Hagen, 1957 dasselbe, mehraushilfsweise in Wuppertal.Wie erst nachträglich berichtet wurde, aber auch aus den Unterlagen zu ersehen ist, war seine Zeit in Hagen undWuppertal wohl etwas mißlich zuende gegangen (teilweise in SIEG)9 Leider fehlen diesbezügliche Unterlagen beim WDR ebenso wie in Siegen - und natürlich auch verlässlicheBerichte der Zeitzeugen. Der Autor bleibt dennoch bei einer "sehr starken Vermutung".10 auch dies im Material AUTOR11 Die sogenannten "Studienleiter" traten beim Eintritt des Autors (vom Sommer 1958 an) kaum noch inErscheinung. Michael Scheck, für die Kammermusik zuständig, war schon bald mit ganz anderen Aufgabenbeschäftigt. "Studienleiter" (für die Streicher des Orchesters, nicht mehr für die verbliebenen Schüler derauslaufenden Musikschule) war dann eigentlich nur noch der "Sonderkonzertmeister" Joseph Märkl - und war für dieBläser ab etwa 1961 der Solo-Flötist des WDR-Sinfonieorchesters, Wilhelm Schwegler.12 Der Autor ist sich bewußt, daß er damit einem auf Dezember 1957 bezogenen 50jährigen Jubiläum etwas denBoden entzieht. Aber zu einer "Neugründung" gehört auch irgendwie ein Beschluß und eine Rechtsform. Genau dasjedoch ist nirgendwo zu finden.Das Orchester vom Dezember 1957 läßt sich (aufgrund des Materials "AUTOR") einigermaßen genaurekonstruieren. "Neu" waren eigentlich nur der genialische Dirigent und seine Absichten; die Zusammensetzung derMusiker muß den regelmäßigen Konzertbesuchern noch immer wie das gewohnte "Orchester der Musikschule"vorgekommen sein.13 Ab hier dann wieder einigermaßen vollständig in SIEG, aber auch KREIS; Solisten bei Mozart waren im übrigender damalige Solo-Flötist des Orchesters, Klaus Grünow, und eine Harfenistin aus Freiburg, die dann aber nicht insOrchester eintrat.14 in KREIS15 desgleichen 77
    • 16 Er soll weitgehend bereit gewesen sein, die Hilchenbacher Absolventen an seine Freiburger Hochschule zuübernehmen.17 So ergibt es sich überall in AUTOR18 Dabei war diese "Gruppe" eigentlich durch Werbung des Geigers Christoph Richter entstanden, den sein BruderPeter für eine Weile bewogen hatte, seine (später so erfolgreiche!) Laufbahn als Schulmusiker noch nichteinzuschlagen; er holte zuerst den Bratschisten Walter Eichert und den Fagottisten Christoph Rüschemeyer hinzu -und dann eben auch Michael Scheck, mit dessen so vielverheißenden Verbindungen .Corazolla bot außerdem an, Leute vom "RIAS-Jugendorchester" in Berlin (das damalige Vorbild schlechthin für allesolche Unternehmungen) mitzubringen, dem er noch immer verbunden war. Auch der Autor ist letztendlich auf dieseWeise nach Hilchenbach gelangt.19 Erwähnt in einer neuen "Programmübersicht", die aufgrund erst jetzt aufgefundener Unterlagen durch dasKreisarchiv begonnen wurde. Sie ist unvollständig und noch nicht "ausgereift" - und konnte für diese Chronik nur"sehr bedingt" benutzt werden.20 So zumindest der zusätzliche Orchesterwart, der dann beim nächsten Wechsel zugleich die Tuba übernahm: umauch die Stelle des Intendanten (die anfangs amtierende Intendantin hatte nur einen Aushilfsvertrag) "offiziell"machen zu können. Notenwart und eigentlicher Orchesterwart war in Personalunion der 2. Flötist. Dem späteren"Studienleiter" der Bläser wurde zunächst sogar die Harfenstelle geopfert.21 Ein Begriff, der im Siegerland übrigens immer den Einspruch des Trägervereins herausgefordert hat. Zwar war ervon den Musiker-Gewerkschaften (damals gab es noch mehrere) durchgesetzt worden. Aber "Vorstände", fand dieObrigkeit im Siegerland, sollte es nur beim Trägerverein geben. Dem Orchester sollten allenfalls "Orchester-Vertreter" zugestanden werden.22 vor allem in SIEG.23 Mit teilweise um einen Tag voneinander abweichenden Daten in SIEG und KREIS.24 vor allem in SIEG25 nicht sehr präzise und teilweise unklar datiert in SIEG und KREIS26 Er verlangt jetzt offiziell die absolute künstlerische und personelle Entscheidungsgewalt, beginnt ein kleinlichesGezänk (mit Moritz Weiss) wer denn nun für das geheiligte Ritual, nämlich das Entgegennehmen und Öffnen derPost zuständig sei - und lehnt die weitere Zusammenarbeit mit jener Frau de Wolf ab, die im September "hilfsweise"als "Verwaltungsleiterin" gekommen war, aber den "Freiburgern" nahe stand; für kurze Zeit muß jetzt KlausDiederich dieses Amt zusätzlich übernehmen: so in DIR und im Material AUTOR.27 in DIR28 vor allem in KREIS29 in DIR; es soll im Beisein von Klaus Diederich geschehen sein.30 desgleichen31 einigermaßen rekonstruierbar in SIEG und DIR32 deutliche Hinweise in BURB (s. unter Quellen), weniger deutlich in SIEG33 Dies und alles folgende in DIR, soweit es jedenfalls bei der ersten Einsichtnahme des Autors dort noch abgeheftetwar. "Er" ist also tatsächlich noch im Original erhalten; die Suche war nur deshalb so mühsam, weil zunächstniemand in diesen optisch und stilistisch nicht sehr überzeugenden Bögen "den Brief schlechthin" erkannt hatte, deralles auslöste.Die Namen (samt Funktion im Orchester und in der "amtlichen" Reihenfolge) sind eingangs vorgedruckt - deswegenkonnte der Autor (als Wolfgang Haupt) nicht mehr unterschreiben. Die Unterschriften folgen dann formlos in derReihenfolge Hinrichsen, Hungerland, Eichert, Märkl, Fiedler, Corazolla, Locher, Scheck und Rüschemeyer.Die Kündigung am Schluß ist nur sehr vorsichtig formuliert, und verrät, daß der Text erst ein Entwurf war. Insofernerübrigt es sich auch, den Brief hier vollständig zu zitieren. Er war offensichtlich schon in der Weihnachtspause vonMärkl entworfen und provisorisch "zum Tippen" gegeben worden - und wurde nun (auf einen Wink von MoritzWeiss hin?) ohne Veränderungen eiligst unterschrieben. Dies im Beisein auch von Bär von Randow, der aber alsamtierender Musikschul-Leiter neutral bleiben wollte.Einige werden wohl große Sorgen um ihre Zukunft gehabt haben, falls die Kündigung tatsächlich angenommenwerden würde. Gerade auch der Autor. "Gestatten, ich bin hier der Zehnte" hat er dann zwar in Offenbach bekannt,aber nur unter tausend Ängsten. Legt man außerdem zugrunde, daß ja für niemanden ein echtes Vertragsverhältnisbestand, mag man an eine Entscheidung durch ein Arbeitsgericht gar nicht denken.34 hier weiter in DIR35 Richter hatte extra die Abfahrt vorverlegen lassen, und erst bei der Bus-Abfahrt stellte sich heraus, daß die"Privatfahrer" der "Clique" nicht verständigt worden waren; so nahmen von ihr nur Scheck, Hungerland, Fiedler undHaupt an der Versammlung teil 78
    • 36 Auch dabei eine elementare Ungeschicklichkeit: die Unterschriften sind im Original nicht bei den Akten - und esist anzuzweifeln, ob sie dorthin je gelangt sind. Es findet sich nur noch eine anschließend angefertigteSchreibmaschinenfassung. So läßt sich jedenfalls nicht mehr nachkontrollieren, wer wirklich unterschrieben hatte;Gerüchte über Zwang und Unkorrektheiten gab es damals sofort. In der Schreibmaschinen-Fassung sind im übrigendie 46 Namen derer aufgeführt, die angeblich unterschrieben hätten; plus die wegen Krankheit fehlenden GeorgSchmid und Ewald Dürfeld, plus die "Neun", plus Haupt und plus von Randow ergibt sich tatsächlich das komplettedamalige Orchester.37 Ab hier zumeist in SIEG. In den später angefertigten Protokollen der Trägerschaft ist im übrigen nicht nurvermerkt, daß Richter während der Unterschriften den Saal verlassen hätte, und daß Scheck (wie es aber wohl mitMoritz Weiss vereinbart worden war) nicht habe Stellung nehmen wollen, sondern ausdrücklich auch, daßinzwischen einige gekommen wären, die sich unter Druck gesetzt gefühlt hatten - und das nun rückgängig machenwollten. An letzteres erinnert sich auch der Autor.38 wieder in DIR39 in KREIS und SIEG; an dieser Sitzung scheinen außer Richter und natürlich Märkl und Scheck auch die Herreneines sofort neugewählten (und Richter treu ergeben) Orchestervorstandes teilgenommen zu haben, jetzt mit KlausDiederich als Sprecher. Sein Amt als "Verweser" anstelle der längst ausgeschiedenen "Verwaltungsleiterin" de Wolfscheint Diederich daraufhin nicht mehr ausgeübt zu haben. Es scheint eher, daß nun zunächst Bär von Randow damitbeauftragt werden sollte, der dann aber weiter auf seiner Neutralität als Musikschul-Leiter beharrt.40 sämtlich in AUTOR41 wieder in DIR; hier übrigens auch eine nicht ganz klare "Vorlage" von Weiss für die nächste Vorstands-Sitzung, inder er weiterdauernde Eigenmächtigkeiten der Siegener beklagt und dringend die Einigkeit des Vorstandes anmahnt.42 desgleichen43 Quelle ist natürlich vor allem BURB (s. unter Quellen).44 Die eingegangenen (sehr negativen) Briefe sind dann ausgerechnet in SIEG abgeheftet worden, wohl um sieunauffällig los zu werden.45 nachzulesen vor allem in KREIS46 Leider sind die Unterlagen des Dr. Krutge beim WDR nicht mehr vorhanden, sondern in ein nicht zugängliches"Privatarchiv" überführt worden: so jedenfalls alle Auskünfte an den Autor.47 dies alles in AUTOR48 Sofort anzumerken ist allerdings: in die Zeit der "Richter-Krise" fällt auch die "Trendwende", daß Siegen (dasdamals voller Stolz "kreisfrei" war) wieder in den Kreisverbund zurückkehren sollte - wie es dann später geschehenist. Und man muß es in Siegen wohl schnell eingesehen haben, daß im "Fall Richter" gegen die Meinung des Kreisesund vor allem gegen die von Weiss vertretene Haltung der Stadt Hilchenbach nichts auszurichten war. Und deshalbwohl ist ein so hervorragender Mann wie der Siegener Oberstadtdirektor Seibt sehr schnell aus einem "Paulus" inSachen Richter zu einem "Saulus" geworden, wie sich bald zeigte.49 in AGOP50 so verschiedene Hinweise in AUTOR51 auch darauf gibt es verstreute Hinweise in AUTOR52 in KREIS53 in DIR54 in KREIS55 Auf diese Zweijahresfrist ist man 1961 tatsächlich zurückgekommen.56 Auch das wurde tatsächlich diskutiert, aber nie ernsthaft.57 etwas widersprüchlich in AGOP und KREIS58 in DIR und AGOP; es sollte in der Wohnung von Agop in Dortmund stattfinden, weil Richter nach wie vor seinenChor in Witten beibehalten hatte. Richter fährt auch (angeblich von Celle aus) nachweislich zur Probe nach Witten,erscheint aber nicht bei Agop, sondern läßt sich erst Tage später brieflich durch seine Frau entschuldigen: unterHinweis auf Mißverständnisse, dann wieder auf Krankheit, und er läßt seine Frau (offenbar telefonisch und etwasungeschickt) um einen neuen Termin bitten.Was der verärgerte Agop einerseits mit dem Hinweis beantwortet, daß er wegen Auslandsreisen erst einen Terminnach dem 5. Mai frei hätte - und andererseits (in bewußter Ausgrenzung Richters) mit ausführlichen Vertretungs-Regelungen, Probendispositionen und anderen Dienstanweisungen während seiner Abwesenheit: ein problematischerPunkt der Entwicklung, weil sie so eigentlich nur in Agops eigenen Unterlagen zu finden ist. Zwar scheint AgopGründe auch zur persönlichen Verärgerung gehabt zu haben, aber ein wenig muß offen bleiben, was wirklichvorgefallen war.59 in DIR 79
    • 60 in DIR hier auch alles folgende61 in AGOP62 Details nennt er wirklich nicht. Dabei wären sie besonders wichtig.63 Corazolla ist damit der erste, der das Tabu, nämlich der (trotz allen menschlichen Schwächen) bisher"unbestrittenen" Künstlerschaft Richters absichtlich verletzt, und der erste, der die Nicht-Wiedereinstellung auskünstlerischen Gründen verlangt.64 dies und folgend in AGOP. Agop weicht dann, wie so oft bei ähnlicher Gelegenheit, aus und leitet alles an Dr.Krutge weiter: mit dem Hinweis, daß Richter tatsächlich Vorschläge gemacht habe, aus denen ersichtlich sei, daß erdie Vereinbarungen vom 4. April "entweder nicht verstanden hat oder verstehen will"; so sei vor seiner "Rückkehr"zumindest noch ein weiteres Gespräch mit ihm und dem Vorstand notwendig.65 in DIR66 Arne Bremer war der designierte erste "vollamtliche" Verwaltungsleiter des Orchesters; ursprünglich vermutlichSänger, inzwischen aber im kirchlich-sozialen Dienst in Hamburg tätig - und durchaus wieder eine Empfehlung der"Freiburger". Es scheint aber, daß sogar Richter mit ihm einverstanden war.67 in DIR68 Diese sehr persönlichen Unterlagen waren bisher an einer nicht zu vermutenden, leicht zugänglichen Stelleabgeheftet, wo sie "laut Gesetz" nicht hingehörten. Nach Hinweisen des Autors hat man sie zwar dort entfernt. Aberder Autor bedauert, daß er sie überhaupt gefunden - - und nicht sofort vernichtet hat.69 So die Meinung des Autors aufgrund vielfältiger Hinweise. Anzufügen ist: er war keineswegs ein unehelicherSohn des großen Dirigenten Wilhelm Furtwängler, wie es in Hilchenbach immer wieder behauptet wurde. InHilchenbach konnte er aber seinen Anspruch, doch wenigstens ein "geistiger" Nachfahre Furtwänglers zu sein,einigermaßen verwirklichen. Auch wenn es wohl "nicht so ganz" verkehrt war, daß er deshalb von Richter immerwieder als der "böse Bube" im großen Spiel angesehen wurde.Nur muß man sich fragen, warum die, die er in dieser kritischen Zeit deutlich beeinflußte (Märkl? Agop? denVorstand?), es nicht gemerkt haben. Corazolla (genannt "Onkel Jan") galt im Orchester als ein irgendwie sehr netterKerl, der auch leicht zu durchschauen war.70 dies und das folgende wieder in DIR71 so in AUTOR..72 Daß z. B. alle Akten "nur durch die Brille der Selbstgerechtigkeit und Gesichtswahrung der Siegener Beamtenformuliert wären; dies sei auch der Grund seines berechtigten Mißtrauens gegenüber jedweder Chronik" hat er demAutor geschrieben. Er schreibt "Siegener Beamten". Hatte er nicht gerade dort seine besten Freunde?73 Wo Bremers Frau Mitarbeiterin war. Berichte in der "Hör Zu" gab es deshalb noch mehrere, aber keiner fand unterden Siegerländern solche Beachtung, wie dieser erste. Der Autor hat wenigstens die betreffende Seite derbetreffenden Ausgabe wieder rekonstruieren können. Zwar stimmt (für Kenner) nicht alles, was dort zu sehen und zulesen ist, aber immerhin.74 Der spätere Umbau, das heutige Erscheinungsbild, erst recht die Umgebung erinnern kaum noch an die alte"Herrlichkeit" - aber brauchbare Fotos (wie etwa der "Alt-Hilchenbacher" von ihrer Schule) sind dem Autor nichtmehr in die Hände gefallen.75 Die Dirigentenwahl ist in AGOP sehr gut dokumentiert.76 Gut erhaltene Exemplare sind inzwischen selten, eins der wenigen war AGOP beigefügt. Auf das Hin und Her: daßdie Richter-Seite dem zuständigen Redakteur Frank Schürmann zu große Objektivität vorwarf, und dieser umgekehrtauf das Risiko verwies, den Brief überhaupt zu veröffentlichen, kann hier nicht näher eingegangen werden.77 dies und alles folgende in KREIS78 Da ist man plötzlich sogar bei "61" gelandet, obwohl der Autor es in seiner Erinnerung wirklich nur bis zur "59"bringt.79 dies und folgend in DIR.80 In jenem Herbst 1959 bleibt es einzig beim Hin- und Her um die Kosten der Überstellung von Richters inzwischeneingelagerten Möbeln, auch hatte er der Orchesterschule Noten und dergleichen zur Verfügung gestellt - und einKlavier, das sich in Obhut des Autors befand. Schließlich mußte dann die Siegerländer Industrie kostenmäßig in dieBresche springen.81 Angeblich (so die lange anhaltenden, heute leider nicht mehr belegbaren Gerüchte) wegen seines etwasfragwürdigen Lebenswandels.82 Dies und folgend in AUTOR; im Zusammenhang mit seiner Wahl ist eine Szene im "Kinosaal Müller"unvergeßlich geblieben: die Presse ist anwesend, Ungar soll zum ersten Mal vor "sein" Orchester treten, dieFotografen warten. Und weil der Chordirigent, der Bachs "Weihnachtsoratorium" probieren soll, sich verspätet hat,dirigiert nun Ungar den Anfang des ersten Chores. 80
    • Was die vielen (bekannten) Fotos nicht zeigen: es ist nicht unbedingt seine Musik, er wird so etwas in Hilchenbachauch nie wieder dirigieren. Aber es war "dirigiertechnisch" gesehen der perfekteste Anfang des so viel gespieltenOratoriums, den der Autor je erlebt hat.Wie tragisch sich später das Blatt für ihn wendete, wird noch gegen den Schluß hin anzudeuten sein.Er war übrigens nicht denkbar ohne seine Frau: eine im Konzert nicht unbedingt "erstklassige" Pianistin, aber vonhohen pädagogischen Gaben."... wir sahen sie zumindest dann kritisch, wenn sie den Proben beiwohnte - und ihre (offenbar ziemlich drastischen)Anmerkungen über uns ihrem Mann auf ungarisch mitteilte. Damals hatten wir keine Ungarn im Orchester mehr, diedas hätten übersetzen können - und fanden es nicht unbedingt "die feine Art", von der unser neuer Chef doch sogerne sprach ..."83 Der ganze Beginn der "Ära Ungar" ist am besten in AGOP dokumentiert, dessen Ordner also auch im folgendendie Hauptquelle ist. Die Zahl der in AGOP abgehefteten "Zeugnisse" und vor allem die Namen der Empfänger: siesind wirklich höchst erstaunlich!84 dies in KREIS85 dies in SIEG86 Was zwar so auch in seinem Vertrag stand, um die nunmehrige Voll-Stelle zu begründen .Mit dem er auch bald ziemlich spektakuläre Reisen vor allem nach Belgien begann: einige Offiziere der in Siegenstationierten belgischen Truppen, allen voran der unvergessene Willy Holleweg, fühlten sich der Sache engverbunden.Mit dem er sich aber kaum unterordnen wollte. Und so wäre es einerseits durchaus verständlich, das "Siegerland-Kammerorchester" in dieser Chronik mehr hervorzuheben. Auch der Autor hat dann in einigen Konzerten und anziemlich hochstehenden Orten begeistert mitgewirkt.Andererseits fühlt sich der Autor aber als Schiedsrichter berufen: die Mehrheit des Orchesters sah es (Märkls Erfolgehin, Märkls Erfolge her) leider anders. Und es fehlte die klare Stellungnahme des Chefs. So muß es bei dieser kurzenHervorhebung bleiben (fast alles in AUTOR).87 Man bekommt sie (in KREIS und SIEG) nicht etwa in sorgfältigen Zusammenstellungen zu lesen, sondern muß siesich mosaikartig zusammensuchen; also sind erst recht "kläglich" auch die Rückschlüsse, die man nur daraus ziehenkann.88 über die Vorgeschichte ausführlich in AGOP89 Es handelte sich um den später ziemlich namhaften Claude Kahn.90 Dieser wohl spektakulärste "Abstecher" in der frühen Geschichte des Orchesters ist in den offiziellen Unterlagenerstaunlicherweise fast nicht zu finden, er ergibt sich zumeist aus ALT und AUTOR.91 Erst diese Konzert sind dann in AGOP wieder ausführlich dokumentiert.92 zwar auch dies bei AGOP, aber das meiste ergibt sich nur wieder aus ALT und AUTOR.93 erhalten in AGOP.94 Der ganze folgende Vorgang ist nur rekonstruierbar aus dem, was der Autor damals aufgehoben und schon in ALTniedergelegt hatte.Vor allem bringt es ein Brief, der vom Autor (immer als DOV-Delegiertem) und den drei Orchestervorständen indieser Zeit an Hermann Voß gerichtet wurde, genau auf den Punkt: "... die Unterscheidung zwischenNachwuchsorchester und Berufsorchester erscheint doch wohl dann als allzu theoretisch, wenn es dringend nötigist, unser Orchester für Absolventen der Hochschulen wieder attraktiv zu gestalten. Die Diskussion geht doch nurdarum, welche vertragliche und finanzielle Sicherung gerade auch ein Nachwuchsorchester aus Gründen derErfahrung und Erziehung benötigt, und wie sehr gerade dadurch die Fähigkeiten eines solchen Orchesters erstermöglicht werden"95 Finanziell kurz halten: es ging damals noch um den Unterschied zwischen einer Grundvergütung von dochwenigstens 420,- DM, die das Orchester vorgeschlagen hatte - und den 300,- DM, die Hermann Voß für ausreichendhielt.Es führte zu einer heftigen Verstimmung nicht nur zwischen dem Autor und Thomas Ungar, sondern natürlich auchzwischen dem Autor und Hermann Voß: so sehr, daß sich der oberste Orchestervertreter im Präsidium der DOV (eswar damals der SWF-Cellist Then Berg) extra nach Hilchenbach bemühen mußte, um zu vermitteln. Doch es gabnicht viel zu vermitteln: anläßlich der Konferenzen der DOV-Delegierten in Düsseldorf, an denen der Autorteilnahm, war die damalige Aufbruchstimmung der deutschen Orchester so groß, daß auch die DOV der Meinungwar, daß man die "Grauzone" der kleineren (und TVKmäßig nur "angeglichenen") Orchester getrost vernachlässigenkönnte. 81
    • Hermann Voß blieb reserviert. Erst bei der letzten Konferenz, an der der Autor im Frühjahr 1963 noch teilnahm, umsich dann zu verabschieden, gab er ihm (vielleicht schon einsichtig geworden, daß dieser Kurs der DOV wohl nichtfür immer richtig sein würde???) wieder versöhnlich die Hand.96 in AGOP97 Er überfordert den Geiger (nebenher Dirigenten) Guido van den Bosch, den er nun auch als "verlängerten Arm"statt Jan Corazolla heranzieht, er übergeht Märkl sogar bei der Abhaltung von Geigenvorspielen, er versucht (aus"künstlerischen" Gründen!) den Autor als seinen Solo-Flötisten zu kündigen, der es (als DOV-Delegierter unddamals auch Orchestervorstand) doch nur gewagt hatte, Ungars von Rom(!) aus angeordneten Dienstplänen zuwidersprechen. Für kurze Zeit bildet sich sogar wieder eine "Clique": eine Art "Beirat" aus einigenOrchestermitgliedern, der auch eine Weile lang mit großem Eifer versucht "gegenzusteuern".98 erhalten in AGOP99 vor allem in SIEG100 etwas mühselig zu finden in KREIS und SIEG.101 in AGOP.102 in SIEG, etwas versteckt.103 vor allem in SIEG.104 desgleichen, auch in allem folgenden.105 sogar dies, obwohl das meiste natürlich in AGOP steht.106 Doch galt das nur für das "Fußvolk", mehr war wohl nicht "drin". Bei den "Offizieren" sah es anders aus, waswohl als Aufforderung verstanden wurde, sich weg zu bewerben. Der verärgerte Märkl (der nun auch für dasKammer-Orchester "Nachwuchsprobleme" kommen sieht und es enden lassen will?) gewinnt ziemlich schnell seinKonzertmeister-Probespiel in Düsseldorf. Bremer geht zwar erst gegen Ende 1963, wechselt auch noch für längereZeit in die Leitung eines beneidenswert schönen "Seniorenstifts" im Allgäu - stirbt dann aber (leider) ebenso früh,wie es bei Jan Corazolla der Fall gewesen war. Und auch Scheck geht (nun längst ohne seine alten, zusätzlichenAufgaben) plötzlich nach Antwerpen. Daß Agop nach Bremers Weggang zunächst ihn (und "baldmöglichst")zurückholen wollte (daß also Bär von Randow erst "von der Ersatzbank kam") soll hier nicht näher kommentiertwerden.107 in SIEG, auch in allem folgenden.108 in SIEG und mehr und mehr auch in KREIS.109 in AUTOR.110 Anmerkung zu 1962 jedoch: mit der "endgültigen Wahl" Agops endet dann sein Ordner "Siegerland-Orchester",den er seit Januar 1959 geführt hatte, und der (als AGOP) die vielleicht wichtigste "Quelle" für die bishergeschilderte Zeit war. Als "Haupt-Quelle" benutzt der Autor im folgenden fast nur noch seine "alte" Chronik(genannt ALT) mit ihren gegen Schluß hin immer sorgfältigeren Eintragungen.111 Aus dieser Gruppe insgesamt stammte im übrigen der größte Teil derer, die ab 1999 regelmäßig zu den"nostalgischen Treffen" nach Hilchenbach kamen. Schon die nächste Gruppe war zahlenmäßig nicht so groß: dieGruppe derjenigen, die 1962 erst kamen bzw. damals gerade gekommen waren - geprägt davon, daß sie deutlich ineiner Übergangszeit des Orchesters anfingen, oder davon, daß die "Älteren" immer wieder von den "alten Zeiten"sprachen. Sie blieben dann teilweise bis über diese Krisenjahre 1962 und 63 hinaus und haben auch noch denNeuanfang (mit ganz anderen Zielen) ab 1964 erlebt - aber verbunden mit den "Älteren" waren sie auch auf denTreffen nur dadurch, daß sie allenfalls eine Ahnung davon mitbekommen hatten, wie es einmal gewesen war.Alle anderen, die dann erst ins Orchester kamen, gehörten aus Sicht der Teilnehmer schon "nicht mehr richtig" dazu,wurden, wenn sie teilnahmen, nur als "Gäste" angesehen.112 Der legendäre Einfall, der wohl auf Otfried Ruprecht zurückgeht, jenem wegen seiner geistreichen Sprüche imganzen Orchester hochbeliebten Oboer der frühen Jahre, darf hier nicht vergessen werden. Man muß sich in dieSituation zurückdenken: Fernsehen, das gab es damals erst in der Gaststube vom "Deutschen Hof". So etwas wie"bürgerlichen Wohlstand" in den meisten Primitiv-Zimmern nur erst in wirklich "höchst geringen" Anfängen. Alsoging man abends irgendwo ein Bier trinken. Und da muß wohl Ruprecht das "Ba-ra-bam" der Mathäuspassion miteinem lauten "Hil-chen-bach" unterlegt haben113 Es handelte sich um Eberhard Katz; s. Schreiber, Klaus: Eberhard Katz - vom Krombacher Chorsänger zumgefeierten Heldentenor, Kreuztal 2003.114 Mit dem eigentlichen Anlaß verglichen, geriet das Konzert künstlerisch gesehen jedenfalls "nur so beinah".Richter hielt sich auch auffallend zurück. "Wenn ich mich so umsehe: es ist ja längst nicht mehr mein Orchester, ichwill hier nichts mehr werden..." hat er denn auch dem Autor eingestanden; bloß fanden das seine Verteidiger, vorallem die aus Siegen, nicht. Vehement forderten sie nach dem Konzert, man müsse nun Richter als "1.Gastdirigenten" des Orchesters regelmäßig verpflichten. Das war mit Agop nicht zu machen. Höchst verärgert gab er 82
    • zu Protokoll, daß so lange er hier noch etwas zu sagen hätte, Richter nie mehr und nie wieder eingeladen werdendürfe (in KREIS und SIEG).115 Mit Hans Maile an der Spitze, der in der winterkalten Halle unverdrossen Paganini übt.116 Um diese Zeit entdeckt Agop daher anläßlich der (nach wie vor häufigen) Konzerte in den kleineren Orten desSiegerlandes seine Vorliebe für die 4. Beethoven - die ja in der Tat ursprünglich für ein nur kleiner besetztesPrivatorchester eines seiner Mäzene komponiert worden war. Aber mußte das gleich so oft sein? Oder wir stiegenjeden Morgen neu in unsere Busse, um die Schulen des Siegerlandes mit einem weiteren, nur klein besetzten Werk,mit "Peter und der Wolf" zu erfreuen. Der kälteste und längste Winter seit langem will kein Ende nehmen. Der Autorhat also ausprobiert, ob man den "kleinen Vogel" nicht auch mit Fingerhandschuhen zwitschern lassen könnte; nurdie Aussicht darauf, daß ja wieder unsere bewährte Sprecherin dabei war, ließ ihn innehalten: sie hatte irgendeinenSprachfehler. Ihre Möglichkeiten, das "im Nu kletterte die Katze auf den Baum" aufzusagen, gehören zu denkostbarsten Erinnerungen an diese Zeit, hinter denen alle Widrigkeiten fast zurücktreten.117 Denn daß er sich nun eine geradezu fürchterlichen Dienstmenge des "Orchesters am Kurhaus" und eben sehr viel"Kurmusik" einhandelte, nur um aus Hilchenbach wegzukommen, war ihm bewußt. Daß er den deutschen Südwesten(ziemlich schnell und also ganz anders als das Siegerland) fast von vornherein als "Heimat" ansah, hat ihn zwargetröstet. Dazu die spätere Möglichkeit, recht ausgedehnt und in vielerlei Besetzungen Kammermusik zu machen,schließlich beim "Symphonie- und Kurorchester Baden-Baden" (heute natürlich "Baden-Badener Philharmonie"genannt) auch noch das zu werden, was man gemeinhin "Intendant" nennt; aber nochmals (und nur an dieser Stelle)die Frage: was wäre denn gewesen und geworden, wenn gerade er geblieben wäre?118 Mit einem "Nichtraucher-Bus", den Günther Geisweid (genannt "der Sack") steuerte, ein treuherziger Optimist,wie der Autor nur wenige getroffen hat, Ehre seinem Andenken! und mit einem "Raucher-Bus", gesteuert vomwesentlich spröderen Walter Blanke; hinten in den Bussen wurden auch die Instrumente transportiert - denn das gabes noch nicht: einen Wagen, der die Instrumente im voraus transportierte, damit schon aufgebaut war, wenn manankam. Und es waren auch lediglich Busse, die eigentlich für den "Liniendienst" der Fa. Kolb in Ferndorf bestimmtwaren, also noch keinerlei Liegesitze hatten - und noch keinerlei Kopfstützen.119 "Privatfahrer" gab es zwar auch schon, sogar bei Zielen wie Paris. Aber es bleibt doch festzuhalten, daß alles nochin der grauen Vorstufe der Autozeit geschah: Autos hatten erst wenige Orchestermitglieder, und es waren allzu oftwirklich nur "schon sehr gebrauchte" Exemplare; richtig "privat" fuhr man daher meistens Bahn. Mit dem klapprigenroten "Schienen-Bus" bis Siegen, wo man dann, wenn es weitergehen sollte, auch weiterkam. Weidenau als derzentrale Umsteigebahnhof war freilich noch nicht erfunden - dafür aber fuhr jene Bahn, die auf den HilchenbacherSchleifen unter fortwährendem "Pfeifen" die Höhe erklomm, damals noch bis Marburg: ein häufiger Umsteigeort,wenn man weiter ostwärts wollte.120 Es waren weit über 20, die der Autor vom Herbst 1960 an, als er "Solo-Flötist" wurde (und damit auch als Lehrer"akzeptiert"), bis zu seinem Weggang in diesem Sommer 1963 für kurz oder lang, aber regelmäßig unterrichtet hat.In Siegen oder in Dillenburg. Und im Übrigen, wie schon angedeutet, erst teilweise in den jeweiligen Musikschulen:die damals "noch im Aufbau begriffen" waren, auch hinsichtlich des Honorars. 83
    • Liste der Mitglieder des "frühen" Siegerland-Orchestersvom Zeitpunkt Oktober 1958 an (Dienstbeginn des "erweiterten" Orchesters nach derRückkehr aus Bad Neuenahr) bis zum Ausscheiden des Autors im August 1963Quelle: Kreisarchiv Siegen-Wittgenstein. Vom Autor nur als vorläufiges Manuskript zurVerfügung gestellt. Arbeitsstand 2005, erscheint hier als Anhang.Der kurze Absatz nach den jeweils ersten Namen trennt diejenigen Mitglieder, die imOktober 1958 zum Orchester gehört haben, von den nachfolgenden. Achtung: dieteilweise recht häufigen Beurlaubungen zu einem Studium/ Zwischenstudium konntennicht näher berücksichtigt werden. Bei weiblichen Mitgliedern steht immer zuerst derName, unter dem sie ins Orchester eingetreten sind, dann erst der Name nach ihrerVerheiratung.Im Schnitt 45 Jahre nach den Ereignissen von 1958 bis 1963 ergibt sich ein Bild des"Siegerland-Orchesters", das so bei anderen Orchestern nur selten zu finden ist1. GeigeJosef Märkl Studienleiter und Sonderkonzertmeister/ Okt. 58/ bis Juni 62Kurt Hartig Konzertmeister/ schon ab Okt. 57/ bis März 63Heinz Schöbel Vorgeiger/ schon ab Okt. 57/ bis Aug. 60Arne Hungerland ab 61 Vorgeiger 2. Geige; schon ab Nov. 57 / ab 62 Vorgeiger 1. Geige/ bis Mai 63Jürgen Vlach schon ab Jan. 58/ bis Nov. 58Wladimir Schein Okt. 58?/ bis Aug. 59Maria Engelmann Okt. 58/ bis Febr. 60Käthe Link-Pekara Okt. 58/ bis Juli 59Erich Grün schon ab Jan. 58?/ bis Nov. 58?Wolfgang Kölbel schon ab Okt. 57?/ bis Dez. 58?Adolf Gruber Nov. 58/ bis Aug. 59Marga Haverkamp Juni 59/ bis Sept. 60Hans-Georg Kaune Okt. 59/ bis Aug. 60Herbert Lehmann 2. Geige Okt. 58; ab Ende 59 1. Geige/ab 60 Vorgeiger 1. Geige/ bis Aug. 62?Guido van den Bosch Jan 60; (ab 62 Vorgeiger 2. Geige/bis April 63)Hans Stitz März 60/ bis Aug. 61Helga Schneekloth- April 60/ bis Juni 63HinrichsenHaye Hinrichsen schon ab Nov. 57 (ab 58 Vorgeiger 2. Geige); ab 60 2. Konzertmeister/ bis Aug. 63Hans Bosch Aug. 60/ bis Dez. 61Anne Demoulin-Corazolla Sept. 60/ Aug. 61 zum Zürch. Ka.Orch./Sept. 62 zurück/ blieb bis Jan. 65Ortwin Nöth Okt. 60/ bis Aug. 61 84
    • Annemarie Malz- 2. Geige Jan. 60; ab 61 1. Geige/bis April 63van den BoschCornelia Schreiber- April 61?/ bis Aug. 63RüschemeyerSibylle Braunstein Mai bis Dez. 61Ulrich Schuppe Sept. 61/ bis März 63Dorothea Lipps Dez. 61 bis Febr. 62Franziska Koszielny Studienleiterin? Konzertmeisterin/ Aug. bis Okt. 62Hans Maile; Studienleiter März 63/ blieb bis Aug. 682. GeigeHaye Hinrichsen 1. Geige schon ab Nov. 57; ab 58 Vorgeiger 2. Geige (ab 60 2. Konzertmeister/bis Aug. 63)Andreas Koch schon ab Jan 58?/ bis Febr. 59?Werner Starke Okt. 58/ ab 60 stellv. Vorgeiger/blieb bis Sept. 69Sylvia Faesi-Ramacher Okt. 58/ bis Aug. 60/ Rückkehr Aug. 62/blieb bis Aug. 64Herbert Lehmann 2. Geige Okt. 58 (ab Ende 59 1. Geige/ab 60 Vorgeiger 1. Geige/ bis Aug. 62?)Egon Hauck Okt. 58/ bis Febr. 59Ewald Dürfeld schon ab Nov. 57/ bis Juni 59Georg Schmidt schon ab Okt. 57?/ zuerst Konzertmeister?/dann unklare Zuordnung/ ab 59 stellv. Vorgeiger/ ab 60 Vorgeiger/ bis März 60;Silvester Biechl Jan. 59/ bis April 61Gerhard Voss nur Juli 59?Kaya Ileri Sept. 59/ bis Dez. 60Gerald Reichert Okt. 59/ bis Aug. 62Annemarie Malz- (ab 61 1. Geige bis April 63); 2. Geige Jan. 60van den BoschArne Hungerland 1. Geige schon ab Nov. 57); ab 61 Vorgeiger 2. Geige (ab 62 Vorgeiger 1. Geige bis Mai 63)Gretel Heuschert-Rasch Febr. 61/ ab 63 1. Geige/ blieb bis Dez. 64Boguslaw Segieth März 61/ bis Mai 62/ Rückkehr Nov. 63/blieb bis Nov. 65Magdalena Kronthaler Sept. 61/ bis März 62Walter Mottl Sept. 61/ bis Aug. 63Herbert Wittlich Febr. bis Aug. 62Hartwig Plawitzki März 62/ bis Aug. 63Guido van den Bosch Jan 60 1. Geige; ab 62 Vorgeiger 2. Geige/bis April 63BratscheWalter Eichert Solobratscher/ schon ab Nov. 57/ bis Aug. 60Friedrich Erb stellv. Solobratscher/ ab Okt. 58?/ bis Dez. 58?Gustav Kraut Okt. 58?/ ab 59 stellv. Solobratscher/ bis Aug. 59Johannes Adam Okt. 58/ bis Aug. 59Bär von Randow unklares Ausscheiden/Dez. 63 Rückkehr als Intendant; schon ab Jan. 58/ ab 59 stellv. Solobratscher 85
    • Wilhelm Niessen schon ab Nov. 57/ bis Jan. 61Maria Prüss-Gebhart Dez. 58?/ ab 60/ 61 Solobratscherin/ bis April 63Heinz Schlüter Sept. 59/ bis Febr. 61Ulrich Hose Okt. 59/ bis Dez. 62Franziska Grosch-Nippes Okt. 60/ bis Aug. 62Gerhard Rehkopf stellv. Solobratscher/ März 61/bis Juli 62Gerd Grigat Mai bis Aug. 61Karla Hentschel-Kallensee Aug. 61/ bis Sept. 62Karlheinz Heers Aug. 61/ bis Sept. 62Rudolf Jäger Sept. 62/ blieb bis Febr. 64Helga Rumohr Sept. 62/ bis Juni 63CelloSiegfried Fiedler Solocellist/ Okt. 58/ ausgeschieden als Musikschul-Leiter in Siegen erst März 69Uwe Gebhart stellv. Solocellist/ schon seit Okt. 57/ bis Aug. 62Jan Corazolla schon seit Nov. 57/ blieb bis Aug. 70Paul Klose schon seit Okt. 57/ blieb bis Sept. 71Georg Locher Okt. 58/ bis Sept. 59Egmont Köhler Okt. 58/ bis Aug. 60Bruno Bobinger Sept. 60/ bis Juni 61Gerhard Dierig Sept. 60/ bis April 61Armin-Fred Rietz Sept. 61/ bis Jan. 62Hans-Ulrich Rasch Sept. 61/ blieb bis Sept. 63Johannes Aeschbacher März 63/ blieb bis Okt. 63KontrabaßRaimund Walter Solobassist/ schon seit Okt. 57?/bis März 62Bruno Leihs stellv. Solobassist/ schon seit Jan. 58/ ab 62 Solobassist/ bis Juni 63Otto Johanson Okt. 58/ ab 62 stellv. Solobassist/bis Aug. 63Hubert Olbrich schon seit Okt. 57?/ bis April 62Horst Sokoll März 62/ blieb bis Okt. 63Roberto Benini Okt. 62/ blieb bis Juni 66HarfeBrigitte Mathieu-Ziegler Okt. 58/ bis Aug. 59Magdalene Schäk Aug. 62/ bis Aug. 63FlöteKlaus Diederich; 1. schon seit März 58?/bis Aug. 60Imants Elias-Ellings 2. Okt.58/ bis Aug. 63Wolfgang Haupt 3./ 1., schon seit Aug. 58/ 1. ab 60/ bis Aug. 63 86
    • Jürgen Kratsch 3./ 1. Okt. 60/ bis Jan 61Bernhard Leesmeister 3./ 1. Jan 61/ bis Dez. 61Angelika Laube-Haupt 3./ 1. Jan. 62/ blieb bis Dez. 63OboeMichael Scheck 1. schon seit Dez. 57/ bis Nov. 61Klaus Büschler 2. Okt. 58/ bis Juni 61Otfried Ruprecht 3./ 1. schon seit April 58/bis Aug. 60Franz Behle 3./ 1. Sept. 60/1. ab Nov. 61/ bis April 62Klaus Growe 2. Aug. 61/ bis Juni 62Jürgen Schoroth 3./ 1. Nov. 61/1. ab April 62/ bis Sept. 62Peter Hautzinger 2. Juni 62/ blieb bis März 64Lothar Heuchler 3./ 1. Okt. 62/1. ab Okt. 62/ blieb bis zum RuhestandHelmuth Nestler 3./ 1. Dez 62?/ bis Juli 63KlarinetteKlaus Holstein 1. schon seit Okt. 57/Ende 59 Bundeswehr/ Rückkehr Jan 61/ blieb bis ?Hans Drzymalla 2. Okt. 58/ 3./ 1. ab 60/ wieder 2. ab 61/ bis Aug. 61Heinz Renner 3./ 1. Okt. 58/1. ab 60/ wieder 3./ 1. ab 61/ blieb bis Juni 66?Volker Brandenburger 2. Sept. 59/ bis Mai 60Manfred Haase 2. Sept. bis Dez. 60?Josef Schwaiger 2. März 62?/ blieb bis Mai 70?FagottChristoph Rüschemeyer 1. schon seit Okt. 57/bis Aug. 63?Dieter Schumann 2. Okt. 58/3./ 1. ab 60/ bis Okt. 60Adolf Fischer 3./ 1. schon seit Nov. 57/bis Okt. 59Dietrich Kallensee 3./ 1. Okt. 60/ bis Juli 61Andreas Weigmann 3./ 1. Aug. 61/ bis Aug. 62Axel Fürch 2. Febr. 62?/ blieb bis April 68Bernd Neffgen 3./ 1. Sept. 62/ bis Aug. 63HornHans Ramacher 1. schon seit Okt. 57?/ bis Aug. 60/ Rückkehr Aug. 62/ blieb bis Aug. 64Willy Rechsteiner 2. schon seit Nov. 57?/ 1. Aug. 60/ bis Dez. 60Peter Görler 3./ 1. Okt. 58/ bis Dez. 60Hartwig Metterhausen 4. offiziell erst Mai 58?/ bis Sept. 61Günter Bartel 2. Mai 60/ blieb bis Sept. 65Holger Lieberich 3./ 1. Jan. 61/ 4. ab Okt. 62/ blieb bis Sept. 63Rolf-Dieter Stein nach Musikschule erst Studium/1. März 61/ bis Aug. 62Günter Neumann 4. Jan. 62/ bis Sept. 62 87
    • Siegfried Karow 3./ 1. Okt. 62/ blieb bis März 64TrompeteHeinz Rose 1. schon April 58?/ bis März 59?Hanns Wittling 2. schon ab Okt. 57?/ ausgeschieden durch Tod erst 67Friedrich Kauffeld 3./ 1. Okt.58?/1. ab Sept. 59/ bis Jan. 61Alfons Zocha 3./ 1. Sept. 59/ blieb bis zum RuhestandGünter Fritz 1. Febr. 61/ blieb bis Juni 66?PosauneWerner Sesterhenn 1. offiziell erst Okt. 58?/ bis Okt. 60Michael Elseg 2. schon seit Okt. 57/ bis Okt. 59Gerhard Stein 3./ 1. offiziell erst Mai 58?/bis Aug. 60Achim Held 2. Okt. 59/1. ab 60/ blieb bis zum RuhestandGert Ruff 3./ 1. Okt. 60/ bis Nov. 62Heinz Schilling 2. Febr. 61/ blieb bis Dez. 67?Heinrich Zirkelbach 3./ 1. Nov. 62/ blieb bis zum RuhestandTubaManfred Hoppert Okt. 58/ bis Aug. 59?Tuba/ OrchesterwartHeinz Diedrichsen meist unklarer Status/bis Jan. 61Klemens Pröpper zunächst unklarer Status/offiziell Sept. 59?/ bis März 63Pauke und SchlagzeugWolfgang Cartier offiziell erst Okt. 58?/bis Aug. 63Wolfgang Cordier letztes von der "Musikschule" übernommenes Mitglied: offiziell erst Sept. 59/ bis Febr. 63Folgende Namen tauchen in den Karteien als Mitglied während dieser Zeit auf, ohnedaß der Autor sich an sie erinnert oder identifizieren kann:Hege Brahammar, Instrument?, März bis Juni 63Heinz Gross, Horn?, nur Okt. 61?Gerhard Hammann, Horn?, Okt. bis Dez. 61?Bernd Köllner, Tuba?, März 63/ blieb bis Juni 66Ilona Köllner, Stimmführerin 2. Geige?, März 63/blieb bis März 66Helmut Lissok, Cello, Mai bis Aug. 63Erich Müller, 2. Geige?, Nov. 61/ bis Febr. 62Josef Niessen, Geige, April 63/, bis Sept. 63Louis Onrust, Geige, Febr. bis Aug. 62Rüdiger Rehn, Geige, Juni 63/ blieb bis Dez. 64 88
    • Alois Schüller, Pauke, Apr. 63/ blieb bis Aug. 65Raimund Schwalbach, Trompete, Okt. 59/ bis Dez. 60Günther Tuguntke, Geige, Sept. 59/ bis Jan. 61Adrian Wepfer, Bratsche, Mai bis Aug. 63Folgende Mitglieder waren zwar noch im Aug. 58 (bei Eintritt des Autors in BadNeuenahr) Mitglied, aber nicht mehr im Oktober 58 beim Dienstbeginn des erweitertenOrchesters:Christoph Richter, Violine, schon ab Dez. 57/ bis Sept. 58Heinz Feldewerth, 2. Geige, schon ab Nov. 57/ bis Sept. 58Karoly Tschurl, Bratsche, schon ab April 58/ bis Sept. 58Klaus Grünow, 1. Flöte, schon ab Nov. 57/ bis Aug. 58Henning Blaase, 1. Horn, schon ab Nov. 57/ bis Sept. 58mit unklarem Status:Franz Kraus, 2. OboeZur Gruppe der Ungarn, die nach dem Aufstand von 1956 nach Hilchenbach und dannins Orchester kamen, gehörten:Andreas Bonifert, Klarinette, vermutlich schon ab Okt. 57/bis Sept. 58Michael Elseg, Posaune, schon ab Okt. 57/bis Okt. 59Josef Schwartz, Horn, vermutlich schon ab Okt. 57/bis Sept. 58Musikschüler:Es war im Rahmen dieser "Chronik" nicht möglich, das "Hineinwachsen" derer, dievorher "Musikschüler" waren, in das ab Herbst 1957 entstehende "selbständige"Orchester klar zu definieren und den Zeitpunkt ihres Wechsels präzise zu bestimmen.Aus ehemaligen Musikschülern wurden (in der Reihenfolge der vorstehenden Listen) zuOrchestermitgliedern:Heinz Schöbel, ViolineGeorg Schmidt, ViolineUwe Gebhard, VioloncelloPaul Klose, VioloncelloRaimund Walter, KontrabaßHubert Olbrich, KontrabaßKlaus Holstein, KlarinetteHans Ramacher, HornHartwig Metterhausen, HornHanns Wittling, TrompeteWerner Sesterhenn, PosauneGerhard Stein, PosauneHeinz Diedrichsen, unklarer StatusKlemens Pröpper, unklarer Status 89
    • Wolfgang Cartier, Pauke und SchlagzeugWolfgang Cordier, Pauke und Schlagzeugdazu:Henning Blaase, Horn (schied schon zum Oktober 58 aus)unklar:Wolfgang Kölbel, Violine (schied spätest Dez. 58 aus)Rolf-Dieter Stein, Horn (ging zunächst zum Studium und kehrte erst 1961 zurück)Was die Zeit ab Oktober 1957 anlangt, so tauchen die Namen der vorgenannten, reinenOrchestermitglieder ungefähr zu folgendem Zeitpunkt auf, darunter in Klammern einigeNamen derer, die schon bald wieder ausschieden:Okt. 57mit fraglichem Status die drei obengenannten Ungarnneu:Hartig, Violine(Mathiak, Kontrabaß)Rüschemeyer, FagottNov. 57 neu:Hungerland, ViolineFeldewerth, ViolineDürfeld, ViolineEichert, BratscheNiessen, BratscheCorazolla, VioloncelloGrünow, FlöteFischer, FagottRechsteiner, HornDez. 57 neu:Hinrichsen, ViolineChr. Richter, Violine(Paschek, Flöte)Scheck, OboeJan. 58 neu:Vlach, ViolineGrün, Violinev. Randow, BratscheLeihs, KontrabaßApr. 58 neu:Lehmann, ViolineTschurl, BratscheDiederich, Flöte 90
    • Ruprecht, OboeRose, TrompeteAug. 58 neu:Haupt, FlöteMit aller Vorsicht auf die Mitwirkenden des "1. Konzertes des neugegründetenOrchesters" Anfang Dezember 1957 in Siegen bezogen, die "Musikschüler"eingeschlossen, ergibt sich folgender Mitgliederbestand:1. Geige: Schöbel/Hartig/Hinrichsen/Hungerland/Chr. Richter/ Kölbel?2. Geige: Georg Schmidt?/ Feldewerth/ DürfeldBratsche: Eichert/ NiessenCello: Gebhard/ Klose/ CorazollaBaß: Walter?/ Olbrich/ (Mathiak)Flöte: Grünow/ (Paschek)Oboe: ScheckKlarinette: Holstein/ BonifertFagott: Rüschemeyer/ FischerHorn: Blaase/ Ramacher/ Rechsteiner/ SchwartzTrompete: WittlingPosaune: Sesterhenn/ ElsegPauke (u. Schlagzeug): Cartier? Cordier? 91