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Öffentlichkeitsarbeit in Freundschaftsgesellschaften

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Öffentlichkeitsarbeit ist für Nonprofit-Organisationen längst zu einem Thema geworden. Ein Thema, das jedoch immernoch mehr Aktivität und Anerkennung in der Theorie als in der Praxis findet. …

Öffentlichkeitsarbeit ist für Nonprofit-Organisationen längst zu einem Thema geworden. Ein Thema, das jedoch immernoch mehr Aktivität und Anerkennung in der Theorie als in der Praxis findet. Freundschaftsgesellschaften nehmen in Österreich einen besonderen Stellenwert hinsichtlich ihres nationenverbindenden Charakters ein. Es stellt sich die Frage, welchen Beitrag Öffentlichkeitsarbeit leisten kann, um die Vereinsphilosophie auch in Zukunft tragen zu können. Diese Arbeit beschäftigt sich aus wissenschaftlicher Perspektive mit den Fragen: Welchen Stellenwert nimmt PR für Freundschaftsgesellschaften ein und welche Chancen ergeben sich aus langfristigen Kommunikationsaktivitäten.

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  • 1. Fakultät für Kulturwissenschaften Institut für Kultur-, Literatur- und Musikwissenschaft Sara Louise Melaschuk (1060252) Öffentlichkeitsarbeit in Freundschaftsgesellschaften BACHELORARBEIT zur Erlangung des akademischen Grades „Bachelor of Arts“ (BA) Begutachter/in: Ao.Univ.-Prof.i.R. Mag. Dr. Josef Langer Studienrichtung: Angewandte Kulturwissenschaft Begleitende Lehrveranstaltung: 140.021, Cross-Cultural Management / Praxisseminar, SS 2013 Datum: 25.06.2014
  • 2. EHRENWÖRTLICHE ERKLÄRUNG Ich versichere ehrenwörtlich, dass ich den vorliegenden Text selbst verfasst habe, dass ich außer den angegebenen Quellen keine anderen benutzt habe, dass jede Quelle gekennzeichnet ist, und dass ich diese Arbeit an keiner anderen Stelle eingereicht habe. Datum: Unterschrift:
  • 3. Inhaltsverzeichnis Einleitung..............................................................................................................................1 Persönlicher Zugang......................................................................................................1 Problemstellung.............................................................................................................1 Zentrale Fragestellung und Ziel .....................................................................................2 Aufbau und Gliederung .................................................................................................3 Teil I: Theoretische Grundlagen 1. Freundschaftsgesellschaften in Österreich ......................................................................4 1.1 Ziele und Zweck der Freundschaftsgesellschaften ........................................................4 1.2 Einstufung von Freundschaftsgesellschaften in den Nonprofit-Sektor...........................5 1.3 Eigener Definitionsversuch ..........................................................................................6 1.4 Merkmale und Herausforderungen ...............................................................................6 2. „Tue Gutes und Rede darüber“ – Public Relations als Notwendigkeit ..........................7 2.1 Ein Definitionsversuch.................................................................................................7 2.2 Abgrenzung zu Marketing und Werbung......................................................................9 2.3 Ziele und Zweck der PR.............................................................................................11 2.4 Der Stakeholder-Ansatz .............................................................................................11 2.5 Sponsoring.................................................................................................................13 2.6 Online-PR als Chance für NPOs.................................................................................13 Teil II: Empirische Untersuchung 3. Forschungsdesign............................................................................................................16 3.1 Forschungsmethode....................................................................................................17 3.1.1 Die Online-Befragung.........................................................................................17 3.1.2 Das teil-narrative Interview.................................................................................19 3.2 Untersuchungsschritte ................................................................................................20 3.2.1 Durchführung der Online-Befragung...................................................................20 3.2.2 Durchführung der Interviews ..............................................................................21
  • 4. 4. Auswertung.....................................................................................................................23 4.1 Ergebnisse der Online-Befragung..............................................................................23 4.1.1 Grunddaten zu den Teilnehmern .........................................................................23 4.1.2 Nutzung von Medienkanälen als Informationszentrale ........................................24 4.1.3 Bedeutung von PR für einen interkulturellen Verein ...........................................26 4.1.4 Priorität der Vereinsaktivitäten ...........................................................................27 4.1.5 Dialogkommunikation als Herausforderung ........................................................28 4.2 Ergebnisse der Interviews...........................................................................................30 4.2.1 Metadaten zu den Organisationen .......................................................................30 4.2.2 Leistungsangebot und Aktivitäten.......................................................................32 4.2.3 Der Dialog mit den Stakeholdern ........................................................................33 4.2.4 Anwendung und Bedeutung von Öffentlichkeitsarbeit ........................................34 4.2.5 PR Instrumente...................................................................................................35 4.2.6 Die Arbeit mit den Medien .................................................................................37 4.2.7 Zukunftswünsche und Aussichten.......................................................................39 Teil III: Interpretation der Befunde 5. Zusammenfassung und Interpretation der Ergebnisse.................................................40 6. Chancen und Möglichkeiten für Freundschaftsgesellschaften .....................................41 Literaturverzeichnis ...........................................................................................................43 Abbildungsverzeichnis .......................................................................................................45 Anhang................................................................................................................................46 Transkript 1: Österreichisch-Kanadische Gesellschaft......................................................46 Transkript 2: Dante Alighieri Gesellschaft .......................................................................50 Transkript 3: Österreichisch- Russische Gesellschaft........................................................56 Transkript 4: Interkulturelles Zentrum..............................................................................60 Transkript 5: Österreichisch-Fidschianische Gesellschaft .................................................66
  • 5. „Da glaube ich, haben die bilateralen Gesellschaften eine entscheidende Bedeutung, nämlich, dass Brücken gebaut werden und dass das Ganze nicht konfrontativ abläuft. Ängste zu nehmen, Bedrohungen, die vielleicht empfunden werden, mehr als Chance und Bereicherung interpretieren zu können. Das hängt davon ab, wie die bilateralen Gesellschaften ganz entscheidend dazu beitragen.“ (Präsident der Österreichisch-Fidschianischen Gesellschaft, 2013)
  • 6. 1 Einleitung „Seit Gründung der Zweiten Republik sind zahlreiche bilaterale Freundschaftsgesellschaften entstanden, deren Ziel es ist, ein möglichst dichtes Netz der Völkerverständigung und Kooperation zu knüpfen. Der Geist des Miteinanders und der Freundschaft hat seither wesentlich dazu beigetragen, dass in Österreich Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit mit aller Entschiedenheit abgelehnt werden.“ 1 Freundschaftsgesellschaften in Österreich besitzen seit jeher einen Nationen verbindenden Charakter. Ihre Existenz gibt nicht nur Einheimischen die Möglichkeit in Form von Veranstaltungen, Ausstellungen, Seminaren, Sprachkursen oder Reisen Einblicke in die Kultur eines fremden Landes zu gewinnen. Ihr Tun besteht auch darin, den Migrationsfluss eines Landes zu unterstützen, indem sie für Immigranten als eine Anlaufstelle agieren, die Hilfe bei der Einbindung in ein neues kulturelles und wirtschaftliches System leistet. Die vorliegende Arbeit begutachtet diese Freundschaftsgesellschaften hinsichtlich ihrer Kommunikationsaktivitäten sowie deren Wirkung nach außen und für den Verein. Persönlicher Zugang Mein persönliches Interesse, Freundschaftsgesellschaften zu einem Forschungsobjekt zu machen kommt daher, dass ich selbst und zum derzeitigen Zeitpunkt ehrenamtlich bei einer Freundschaftsgesellschaft, dem Lateinamerika Institut Kärnten, als Schriftführerin arbeite. Meine Aufgaben umfassen unter anderem die Öffentlichkeitsarbeit des Vereins. Das Lateinamerika Institut Kärnten2 wurde im Jahr 1974 gegründet und verfolgt die Ziele der Fremdsprachenvermittlung (Spanisch, Portugiesisch, Deutsch als Fremdsprache), Kulturvermittlung, Kommunikations- und Beziehungspflege zwischen Österreich und Lateinamerika sowie eine Eruierung wirtschaftlicher Aspekte und Perspektiven. Der Verein zählt circa 150 Mitglieder und finanziert sich durch Mitgliedsbeiträge, Spenden, Subventionen und Partner. Es werden in regelmäßigen Zügen Veranstaltungen wie Seminare, Vorstandstreffen und Feste organisiert. Problemstellung Im Laufe meiner Tätigkeit stellte sich heraus, dass der Verein nicht nur in seiner Existenz von gezielter Öffentlichkeitsarbeit abhängig ist. Es bedarf auch einer sorgfältigen Auswahl aus verschiedensten Kommunikationsinstrumenten (vgl. Kapitel 2.4 und 2.5 Der Stakeholder- Ansatz und Sponsoring), um seine 1 PaN – Dachverband aller Österreichisch-Ausländischen Gesellschaften (2013): Online unter: http://www.dachverband-pan.org/ (Stand: 16.04.2014). 2 Vgl. www.lai-kaernten.at (Stand: 12.06.2014).
  • 7. 2 Mitglieder, Sponsoren, Partner wie auch eine interessierte Öffentlichkeit zu erreichen und die Mission des Vereins verbreiten zu können. Wie sich bei der Recherche für diese Arbeit gezeigt hat, existiert im deutschsprachigen Raum keinerlei auffindbare Fachliteratur über Freundschaftsgesellschaften. Wie Kapitel 1.2 Einstufung von Freundschaftsgesellschaften in den Nonprofit-Sektor zeigt, können diese in die Sparte der Nonprofit-Organisationen (NPOs) eingeordnet werden. Ausgehend von dieser Grundlage ist es daher möglich, das Thema Freundschaftsgesellschaften unter dem Aspekt der Öffentlichkeitsarbeit ausgiebig zu untersuchen und zu einem neuen Forschungsgegenstand zu machen. Wie sich im Verlauf der Arbeit zeigt, tragen Freundschaftsgesellschaften einen wichtigen Teil zur Völkerverständigung und einem gegenseitigen kulturellen Verständnis bei. Umso wichtiger erscheint es nicht nur die Beziehungen, sondern auch die Organisationen in ihrer Struktur und Existenz zu pflegen und aufrecht zu erhalten. Zentrale Fragestellung und Ziel In Folge dessen geht die vorliegende Arbeit davon aus, dass Öffentlichkeitsarbeit ein unabdingbares und fundamentales Kommunikationsinstrument für Freundschaftsgesellschaften in Österreich darstellt, viele Freundschaftsgesellschaften sie jedoch nicht in ihre tägliche Vereinsarbeit einbinden. Immer noch gibt es Organisationen, darunter fallen meist auch kleine NPOs3 , die Öffentlichkeitsarbeit beispielsweise mit Werbung gleichsetzen und neben einem eventuellen Kostenaufwand4 Angst davor haben, ihre Seriosität zu verlieren (vgl. Luthe1994: 27). ). So existieren Organisationen, die meinen „Öffentlichkeitsarbeit hat etwas mit Öffnung, Transparenz, mit der Möglichkeit öffentlicher Kontrolle zu tun – wir bleiben lieber unter uns.“ (ebd.: 28) Wie auch ich bei meiner Vereinstätigkeit feststellen durfte, hat auch Luthe (ebd.: 29) schon festgehalten: „Wie gesagt, es ist unmöglich, keine Öffentlichkeitsarbeit zu machen. Die Frage ist nur, wie geplant und zielorientiert sie stattfindet. Passivität auf dem Meinungsmarkt kann letztlich viel teurer werden als die Ausgaben für Öffentlichkeitsarbeit.“ 3 Laut dem österreichischen NPO-Governance Kodex gelten kleine NPOs als jene, die eine Summe 100.000 Euro in zwei Rechnungsjahren nicht übersteigen. Siehe auch http://www.wu.ac.at/npo/competence/npo-governance- kodex_austria/der_oesterreichische_npo-governance-kodex/npo-governance- kodex_ohne_erlauterungen_stand_oktober_2013.pdf (Stand: 12.06.2014). 4 Laut Luthe werden Maßnahmen der Öffentlichkeitsarbeit immer noch mehr als ein zu hoher Kostenaufwand, als eine sich für den Verein lohnende Investition angesehen. (vgl. Luthe1994:29).
  • 8. 3 Ausgehend von dieser Annahme widmet sich die vorliegende Arbeit den folgenden und zugleich untersuchungsleitenden zentralen Fragestellungen:  Wird Öffentlichkeitsarbeit in den einzelnen untersuchten Gesellschaften angewendet?  Inwieweit wird Öffentlichkeitsarbeit als etwas Unabdingbares für die Zielerreichung des Vereins und die Arbeit mit der Öffentlichkeit angesehen? Neben den aufgeführten Fragestellungen, die vor allem den empirischen Teil dieser Arbeit begleiten, verfolgt die Arbeit ein weiteres Ziel. Durch Theorie und Empirie soll herausgearbeitet werden, welche Chancen und Möglichkeiten sich für die Freundschaftsgesellschaften bei gezielter Öffentlichkeitsarbeit ergeben. Vorab sollte außerdem für ein besseres Verständnis der vorliegenden Arbeit erwähnt werden, dass die Begriffe Öffentlichkeitsarbeit und Public Relations (PR) synonym verwendet werden. Dies wird dann in Kapitel 2.1 Ein Definitionsversuch näher erläutert. Aufbau und Gliederung Die Arbeit gliedert sich in drei große Teile. Der erst Teil umfasst die theoretischen Grundlagen. Hier werden sowohl die Freundschaftsgesellschaften in ihrer Definition und ihrem Wirken näher beleuchtet als auch die Grundlagen der Public Relations geklärt. Hierbei werden die Bereiche Definition, Abgrenzung zu Nachbardisziplinen und eigentlicher Zweck der Public Relations abgedeckt. Des Weiteren werden zwei verschiedene Ansätze – das Stakeholder-Management und das Sponsoring – näher erläutert. Schließlich wird dann ein Aspekt angesprochen, der vor allem in der heutigen Zeit eine besondere Rolle spielt und im Bereich der Kommunikation die Anforderungen an Organisationen immer höher schraubt: Multimedia. Damit gemeint sind die Online-Public Relations. Der zweite große Teil kann als Kern dieser Arbeit bezeichnet werden und umfasst die Empirie. Der empirische Teil behandelt zwei verschiedene Methoden, die angewendet wurden. Zum einen handelt es sich um eine Online-Befragung bezüglich der Öffentlichkeitsarbeit und Wirkung des Lateinamerika Institut Kärntens. Zum anderen wurde das teil-narrative Interview ausgewählt, dessen Ergebnisse Auskunft über selektierte Freundschaftsgesellschaften in Österreich und deren Einbindung von PR in die Vereinsarbeit liefern. Der dritte und letzte Teil der Arbeit befasst sich schlussendlich mit der Interpretation der Befunde, sowie einem Ausblick unter Einbindung des oben genannten Ziels dieser Arbeit.
  • 9. 4 1. Freundschaftsgesellschaften in Österreich Dieses einleitende Kapitel soll ein grundlegendes Verständnis von Freundschaftsgesellschaften in Österreich ermöglichen. Es soll zunächst geklärt werden, was man im Allgemeinen unter Freundschaftsgesellschaften versteht und welche Ziele und Zwecke diese Gesellschaften haben. In einem weiteren Schritt geht es dann um die Einordnung in den nicht-kommerziellen Sektor. Die grundlegenden Recherchen über Freundschaftsgesellschaften haben ergeben, dass in der Fachliteratur erstaunlicherweise keinerlei Definitionen und Erklärungen zu Freundschaftsgesellschaften zu finden sind. Daher wurden für dieses einleitende Kapitel Ergebnisse aus den Interviews und den jeweiligen Websites der Organisationen, sowie ihren Statuten hinzugezogen. Auf diesen Informationen aufbauend, soll ein eigener Definitionsversuch Klarheit darüber geben, was Freundschaftsgesellschaften sind. In einem letzten Schritt wird über Herausforderungen gesprochen, welche die Gesellschaften hinsichtlich der Kommunikation nach außen zu bewältigen haben. Dieses Kapitel ist insofern von besonderer Bedeutung, da es sowohl als Einleitung wie auch als Überleitung zum eigentlichen Untersuchungsgegenstand dient: der Stellenwert von Öffentlichkeitsarbeit in österreichischen Freundschaftsgesellschaften. 1.1 Ziele und Zweck der Freundschaftsgesellschaften Dieser Abschnitt ist bedeutsam, um ein erstes Verständnis hinsichtlich der eigentlichen Aufgaben, und dessen, was Freundschaftsgesellschaften erreichen möchten, zu erhalten. Man unterscheidet zunächst zwischen den bilateralen und den multilateralen Freundschaftsgesellschaften. Der österreichische Dachverband PaN5 definiert in seinen Statuten bilaterale Freundschaftsgesellschaften wie folgt: „Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs gibt es bilaterale Freundschafts-Gesellschaften, deren primäres Ziel es ist, ein möglichst dichtes Netz der Völkerverständigung und Kooperation zu knüpfen. Sie pflegen und ergänzen die Beziehungen zwischen Österreich und der Staatenwelt in vorzüglicher und selbstloser Weise. Sie unterstützen das offizielle Österreich auf einer besonders effektiven people-to- people Ebene. Denn zwischenstaatliche Beziehungen und multilaterale Kontakte sind längst nicht mehr 5 Vgl. auch http://www.dachverband-pan.org/ (Stand: 12.06.2014). PaN steht für Partner aller Nationen. Der Dachverband ist ein eigenständiger Verein und schließt sämtliche Freundschaftsgesellschaften zusammen. Um Mitglied des Dachverbandes zu werden müssen die Statuten der jeweiligen Gesellschaft deckungsgleich mit denen des Dachverbandes sein. Die Gesellschaften profitieren dabei von den Veranstaltungen der PaN und spezifischen Serviceleistungen wie Vorträgen oder Seminaren.
  • 10. 5 auf die klassische Diplomatie beschränkt. Viel mehr prägen heute vor allem wirtschaftliche, kulturelle und zwischenmenschliche Kontakte das Bild einer immer enger zusammenrückenden Staatenwelt.“6 Während jedoch die bilateralen Freundschaftsgesellschaften wie zum Beispiel die Österreichisch-Kanadische oder die Österreichisch-Russische Gesellschaft sich dem Austausch zweier Länder untereinander widmen, vertreten multilaterale Gesellschaften einen größeren geografischen Raum. Als Beispiel dient die Österreichisch-Arabische Gesellschaft, Vertreter der Länder der gesamten arabischen Halbinseln. Auch multilaterale Gesellschaften erfüllen den Zweck der Völkerverständigung und verfolgen das Ziel, die Kontakte und Beziehungen kulturell unterschiedlicher Nationen zu pflegen (Transkript 5). Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass Freundschaftsgesellschaften eine nationen- verbindende Wirkung haben und versuchen, die zwischenstaatlichen Beziehungen auf persönlicher Ebene aufrecht zu erhalten. 1.2 Einstufung von Freundschaftsgesellschaften in den Nonprofit-Sektor Nachdem allgemeine Ziele und Zwecke der Freundschaftsgesellschaften definiert wurden, soll dieser Abschnitt Klarheit über die Organisation und Rechtsform dieser Gesellschaften liefern, um anschließend die Freundschaftsgesellschaften in den Sektor der nicht- kommerziellen Unternehmungen einstufen zu können. Dafür soll zunächst geklärt werden, was Nonprofit-Organisationen sind, um schließlich Übereinstimmungen in Aufbau, Struktur und vorheriger genannter Ziele und Zwecke finden zu können. Laut Pfeil „ist allen Nonprofit-Organisationen gemein, nicht direkt wirtschaftlichen, sondern gesellschaftlichen Profit erreichen zu wollen. Anders ausgedrückt: Nonprofit-Organisationen [...] verfolgen keine Gewinnerzielungs-Absicht. Organisatorisch kann es sich bei NPO beispielsweise um Vereine, Stiftungen, Kammern, Parteien oder gemeinnützige Gesellschaften handeln.“7 Bezüglich der Absicht einer Gewinnerzielung ist jedoch zu erwähnen, dass Nonprofit- Organisationen ebenfalls einen Gewinn erzielen möchten. Gemeint ist allerdings nicht ein finanzieller Profit, sondern ein sozialer Gewinn im Sinne der Gemeinwirtschaftlichkeit. Im 6 PaN – Dachverband aller Össterreichisch-Ausländischen Gesellschaften (2013): Online unter: http://www.dachverband-pan.org/ (Stand: 16.04.2014). 7 Pfeil, Thomas (2005): Non-Profit PR: Besonderheiten und Herausforderungen, veröffentlicht in: Berichte aus der Forschung 5 des Fachbereichs Sozial- und Kulturwissenschaften der FH Darmstadt. Online unter: http://www.suk.hda.de/fileadmin/dokumente/berichteforschung/2004/Pleil_Nonprofit-PR.pdf (Stand 10.10.2013).
  • 11. 6 Falle eines finanziellen Gewinns wird dieser nicht zum Selbstzweck der Organisation, sondern zum Zwecke gemäß den Statuten verwendet (vgl. Hohn 2004: 6). Freundschaftsgesellschaften sind laut ihrer Statuten in erster Linie als Verein organisiert. Die Tätigkeiten sind überparteilich und nicht auf den finanziellen Gewinn gerichtet8 . Die Finanzierung der Gesellschaften verläuft ausschließlich über Subventionen, Mitgliedsbeiträge, Spendengelder, Sponsoren, Förderer und Veranstaltungen9 . Ausgehend von den vorangestellten Zielen der Freundschaftsgesellschaften und deren privaten, politischen und konfessionellen Unabhängigkeit fallen diese Gesellschaften damit in den Bereich des Nonprofit-Sektors. 1.3 Eigener Definitionsversuch Zusammenfassend lassen sich Freundschaftsgesellschaften als Nonprofit-Organisationen definieren, welche sowohl im kulturellen als auch im wirtschaftlichen Bereich zwischen verschiedenen Kulturen auf einer menschlichen Ebene agieren, um damit zu einer positiven Völkerverständigung beizutragen. Diese Freundschaftsgesellschaften können sowohl in bilateraler als auch in multilateraler Form auftreten. 1.4 Merkmale und Herausforderungen Nachdem in Kapitel 1.2 die Freundschaftsgesellschaften in die Kategorie der allgemeinen Nonprofit-Organisationen eingestuft werden konnten, gilt die Tatsache, dass Freundschaftsgesellschaften mit existenziellen Herausforderungen zu kämpfen haben, welche allgemein charakterisierend für den Nonprofit-Sektor sind. Bezüglich des Kerns der vorliegenden Arbeit finden sich Herausforderungen vor allem im kommunikativen Bereich. Im Verlauf meiner persönlichen Recherchen wurde deutlich, dass die eigentliche Philosophie der Vereine, sowie ihre guten Absichten, als Beispiel wähle ich hier die Absicht einer positiven Völkerverständigung, nicht wesentlich zum selbstverständlichen Beisteuern finanzieller Mittel seitens der sie umgebenden Gesellschaft (Staat, Stadt, Land, Mitglieder, etc.) beitragen. Es scheint, es bedarf einer expliziten Ansprache, eines dauerhaft anhaltenden Dialoges, um auf sich, den Verein, aufmerksam machen zu können. Doch auch der Faktor 8 Diese Informationen ergeben sich aus den Statuten der jeweiligen Freundschaftsgesellschaft. Diese sind auf den jeweiligen Webseiten ersichtlich. Als Beispiel dient die Online-Plattform der Österreichisch-Russischen Gesellschaft: http://www.orfg.net/de/statuten (Stand: 29.03.2014). 9 PaN – Dachverband aller Össterreichisch-Ausländischen Gesellschaften (2013): Online unter: http://www.dachverband-pan.org/ (Stand: 16.04.2014).
  • 12. 7 Zeit spielt bei Nonprofit-Organisationen und so auch bei Freundschaftsgesellschaften eine entscheidende Rolle. Wie in Punkt 2.2 noch eingehender erläutert wird, liegen einem langfristig ausgelegten Dialog Kontinuität und Strategie zugrunde, die es für eine erfolgreiche Kommunikation nach außen einzuhalten gilt. Da in der Regel die Organe in einem Verein ehrenamtlich tätig sind und nur ein geringes Zeitbudget für die Vereinsarbeit aufbringen können, zeigt sich hier zumeist eine große Herausforderung, Zeitpläne einhalten zu können. Im nun folgenden Kapitel werden die sowohl strategischen als auch operativen Ansätze dieser Kommunikation näher erläutert. Der Leser soll einen Einblick in die theoretischen Möglichkeiten gewinnen. 2. „Tue Gutes und Rede darüber“ – Public Relations als Notwendigkeit Das folgende Kapitel gibt zunächst einen Überblick über die für die Bachelorarbeit relevanten, theoretischen Felder der Public Relations. Es wird darauf eingegangen, welche Definitionen und Synonyme existieren. Dabei wird nach einer, dem Rahmen der Arbeit entsprechenden Definition von Public Relations gesucht, welche die für Freundschaftsgesellschaften relevanten Begriffe des Kommunikationsmanagements beinhaltet. Nachstehend wird untersucht, wie die Public Relations sich von den Kommunikationsformen Marketing und Werbung unterscheiden. Anschließend wird auf den Ansatz PR und seine Bezugsgruppen eingegangen. Zum Schluss wird auf eine spezifische Form der PR-Kommunikation eingegangen, der, hinsichtlich der Anwendung bei den Nonprofit-Organisationen, eine besondere Bedeutung zugesprochen werden kann – die Online-PR. 2.1 Ein Definitionsversuch Vorab ist zu erwähnen, dass in der Fachliteratur verschiedenste PR-Definitionen zu finden sind. Grund und Ursache für diese Vielzahl an Begriffen und Definitionen sind zum einen, dass die Entwicklung der Public Relations seit Beginn einem stetigen Wandel hinsichtlich beispielsweise Handeln, Handwerk und Ethik unterzogen war und ist (vgl. Fröhlich 2008: 96). Außerdem weist der Begriff nach Fröhlich (ebd.: 96) einen ausgeprägten interdisziplinären Charakter auf. „So entstehen je nach disziplinärem Blickwinkel spezifische Interpretationen, Sichtweisen und Zugänge, die zum Teil extrem unterschiedlich sind.“ Um die Spannweite zu veranschaulichen, werden einige ausgewählte Definitionen vorgestellt, um in einem weiteren
  • 13. 8 Schritt, eine geeignete Definition sowie einen geeigneten Begriff für die vorliegende Arbeit herauszufiltern. Zunächst jedoch noch ein Hinweis zur Historie der Public Relations. Der in den USA 1882 entstandene Begriff, bekam mit dem von dem deutschen PR-Pionier Albert Oeckl in den 1950er Jahren eingeführten Term „Öffentlichkeitsarbeit“ ein deutsches Synonym (Fröhlich 2008: 95). Im deutschsprachigen Raum wird daher weitestgehend der Begriff der Öffentlichkeitsarbeit verwendet und gilt als „die geeignetste deutsche Wortbildung für Public Relations“ (Kunczik 2002: 26). Faulstich weist jedoch darauf hin, dass sich beide Begriffe erheblich unterscheiden, da für ihn die Beziehungspflege, nach dem englischen Wort Relations, weit aus ausführlicher scheint, als das Wort Arbeit. Dennoch werden beide Begriffe in den expliziten Definitionen ähnlich bis hin zu identisch verwendet (vgl. Faulstich 1992: 22). Das beinhaltete Wort Öffentlichkeit trägt für Oeckl (1964: 36) folgende Bedeutung: „Arbeit mit der Öffentlichkeit, Arbeit für die Öffentlichkeit, Arbeit in der Öffentlichkeit. Wobei unter Arbeit das bewusste, geplante und dauernde Bemühen zu verstehen ist, gegenseitiges Verständnis und Vertrauen aufzubauen und zu pflegen.“ Festgehalten werden kann, dass beide Begriffe heute im deutschen Sprachraum gleichwertig benutzt werden. Laut der Studie aus dem Jahr 1993 der Zeitschrift „Sozialmagazin“ entstand das Ergebnis, dass „offensichtlich […] die Vokabel Öffentlichkeitsarbeit zumindest im Sozialbereich wesentlich akzeptierter als der Begriff Public Relations“ (Luthe 1994: 25) ist. Obwohl sich diese Arbeit ausschließlich mit dem sozialen Bereich beschäftigt, werden beide Begriffe synonym verwendet und erhalten somit eine gleichwertige Gewichtung. Außerdem existieren weitere Synonyme für die Public Relations, die ihre Verwendung in Abhängigkeit des jeweiligen Kontextes finden: Kommunikationsmanagement, Beziehungsmanagement, Dialogmanagement, Unternehmenskommunikation, Organisationskommunikation, etc. (Fröhlich 2008: 95). Der Public Relations Verband Austria (PRVA) definiert den Begriff der Public Relations standespolitisch wie folgt: „Public Relations ist strategisch geplantes Kommunikationsmanagement und umfasst alle Bereiche der Organisations- bzw. Unternehmenskommunikation, wie Internal Relations, Consumer PR, Media Relations, Online Relations, Public Affairs und Investor Relations. Durch den kontinuierlichen Aufbau
  • 14. 9 von Bekanntheit und Reputation trägt PR nachhaltig zur Zielerreichung der Organisation/des Unternehmens bei.“10 Für Hohn (2004: 26) beinhaltet die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit “[...] , auch als Public Relations (PR) bezeichnet, als Bestandteil der Kommunikationspolitik […] die zielgerichtete, aktive Gestaltung von Kommunikationsbeziehungen zwischen Unternehmen bzw. Organisationen und anderen sozialen Gruppen sowie ihren internen und externen Teilöffentlichkeiten.“ Folglich kann Public Relations, übersetzt „öffentliche Beziehungen“, auch als eine Art Beziehungsmanagement gedeutet werden, durch welches es Organisationen und Unternehmen gelingt, nicht nur eine aktive Kommunikation über verschiedene Kanäle zu seinen Ziel- und Bezugsgruppen aufzubauen, sondern auch das eigene Image und damit den Bekanntheitsgrad zu pflegen (vgl. ebd. 2001: 26). „Public Relations sind der Versuch, durch Information, Überzeugung und Anpassung öffentliche Unterstützung für Tätigkeit, Anschauung, Entwicklungstendenzen oder Institutionen zu verschaffen.“ (Bernays 1923 zit. nach Fröhlich 2008: 98) Letztere Definition scheint aus folgendem Grund sehr geeignet für die vorliegende Bachelorarbeit zu sein. PR wird hierbei mit Beziehungsmanagement in Verbindung gebracht, was nochmals wichtige Elemente der Öffentlichkeitsarbeit hervorhebt: Beziehungsaufbau, Beziehungspflege, Organisationsautonomie und Vertrauen schaffen(vgl. Luthe 1994: 35). Für den Kontext dieser Arbeit kann also festgehalten werden: Öffentlichkeitsarbeit wie auch PR sind primär Beziehungsarbeit. 2.2 Abgrenzung zu Marketing und Werbung Neben den verschiedenen Definitionsversuchen, um verstehen zu können, was Public Relations sind, sollte auch eine Abgrenzung zu deren „Nachbarn“ aus dem Bereich des Kommunikationsmanagements getroffen werden. Hierzu zählen unter anderem das Marketing und die Werbung11 . 10 Vgl. http://www.prva.at/index.php?id=ueber_uns (Stand: 08.04.2013). 11 Kommunikationsmanagement umfasst die transaktionsorientierte Marktkommunikation (Marketing, Werbung), die aufgabenorientierte Interne Kommunikation und die interaktionsorientierte Public Relations. (vgl. Bentele/ Fröhlich/Szyszka 2008: 600).
  • 15. 10 Es kommt nicht selten vor, dass PR und Marketing in der Praxis synonym verwendet werden. Diese Tatsache verleitet viele Organisationen dazu, Öffentlichkeitsarbeit nicht in ihre Vereinsarbeit mit einzugliedern, da sie glauben, diese sei mit zu vielen Kosten verbunden, ähnlich wie die Werbung. Sie behaupten „Öffentlichkeitsarbeit ist etwas für Unternehmen oder politische Parteien, aber doch nicht >für uns<! Öffentlichkeitsarbeit wird in diesem Argument gleichgesetzt mit Werbung, [...] Reklame. Diese unzutreffende Gleichsetzung führt zu Widerständen.“ (Luthe 1994: 29) Marketing kann als planmäßige und konsequente Ausrichtung der Unternehmensstrategie und aller operativen Maßnahmen an externen Erfordernissen verstanden werden. Aus der Perspektive der Betriebswirtschaftslehre wird PR insbesondere als ein Instrument des Marketing-Mix12 verwendet. „Eine solche Einordnung der PR [...] beschränkt den Funktionszusammenhang von PR auf Wirtschaftsunternehmen und dort wiederum auf Marktkommunikation. Diese Marketingsicht [...] ist [...] nicht in der Lage, das Phänomen PR für Organisationen außerhalb des kommerziellen Bereichs zu definieren und zu beschreiben. Tatsache aber ist, dass auch Non-Profit-Organisationen [...] PR betreiben.“ (Fröhlich: 2008: 101f) Aus diesem Grund und im Sinne der vorliegenden Untersuchung soll und muss eine Abgrenzung zwischen Marketing und PR sowie dem wichtigsten Marketinginstrument, der Werbung13 , geschaffen werden. Hohn (ebd.: 102) erklärt, dass gerade in der heutigen Zeit „das Marketing nach neuen Formen der Marktkommunikation sucht, die die Wirkungsgrenzen von Werbung zu überschreiten in der Lage sind.“ Des Weiteren meint Hohn „eine Annäherung an Mittel [...] der PR [...] erscheint vor diesem Hintergrund aus Sicht der Werbebranche als innovativ.“ (ebd.: 102)Während die Public Relations versuchen Verständnis und Vertrauen aufzubauen und zu pflegen, dient Werbung dem Verkauf von materiellen und immateriellen Produkten. Zeitlich betrachtet wird die PR langfristig aufgebaut, während die Werbung kurzfristig angelegte Ziele verfolgt. Auch beim Gewinn können wesentliche Unterschiede vermerkt werden. Während die PR darum bemüht ist Sympathieanteile zu erhalten, versucht ein Unternehmen mithilfe von Werbung Marktanteile für sich zu gewinnen. Festgehalten werden kann: „Werbung ist der Versuch Wissen, Meinungen, Einstellungen über ein konkretes Produkt oder eine Dienstleistung und Verhalten (Kauf) durch Kommunikation über Werbeträger (Medien) zu beeinflussen.“ (ebd.: 103) 12 Hierzu zählen die vier „P’s“: Product, Price, Place, Promotion (Produkt-, Preis-, Distributions- und Kommunikationspolitik) (vgl. Fröhlich 2008: 101). 13 Laut der Studie aus dem Jahr 1993 des „Sozialmagazin“ wurde PR am häufigsten mit Werbung gleichgesetzt. (vgl. Luthe 1994: 24f).
  • 16. 11 Zusammengefasst hat sich gezeigt, dass sogenannte Grauzonen zwischen den Kommunikationszweigen PR und Marketing und aus instrumenteller Sicht auch zwischen PR und Werbung bestehen. Es scheint, als habe die Entstehungsgeschichte und der berufliche Wandel evolutionären Charakter, was es nicht nur scheinbar schwer macht PR einheitlich zu definieren und als eine eigenständige Form der Kommunikation anzuerkennen. Unterschiede zeigen sich schlussendlich in den Zielen und Zwecken, die jede Kommunikationsform verfolgt. Im folgenden Abschnitt werden nun die eigentlichen Ziele und Zwecke der PR besprochen. 2.3 Ziele und Zweck der PR Nach Kunczik (2002: 29) werden die kennzeichnendsten Elemente der Public Relations von Ronneberger und Rühl14 resümiert. Ziele und Zweck der Public Relations sind: - „Allgemeines Verständnis, Vertrauen und allgemeine Sympathie schaffen, herbeiführen, entwickeln; - Verständnis, Vertrauen und Sympathie für eine bestimmte Organisation, ein System in seinen Umwelten im selben Sinne aufbauen, etablieren, organisatorisch verändern, institutionalisieren, sichern; - Vertrauen und Sympathie dauerhaft im selben Sinne erhalten, fortsetzen, verbessern, stärken, vermehren; - Kommunikation mit anderen Organisationen, Systemen, Gruppen begründen […]; - Eigene Interessen der Organisation, des Systems nach außen hin in der Öffentlichkeit geltend machen […]; - Eigene Interessen im Innern der Organisation, des Systems, der Gruppe artikulieren, kontinuierlich pflegen; - Öffentliche Meinung im eigenen Interesse der Organisation beeinflussen; - Verständigung, […] Zusammenwirken mit anderen Interessenten zum Zwecke der Produktion, der Kooperation anstreben; - Durch Verständigung und Korrelation das allgemeine öffentliche Interesse fördern; - Durch Verständigung […] die Existenz der eigenen Organisation und ihre Entwicklung fördern.“ Diese zusammengefassten wesentlichen Elemente der PR erscheinen als sehr geeignet für die vorliegende Bachelorarbeit zu sein, da sie sämtliche Vorteile einer gezielten Dialogkommunikation hervorbringen. 2.4 Der Stakeholder-Ansatz Dieses Kapitel soll nun beschreiben, welche Ansichten dieser Ansatz umfasst und wie sich ein effektives Stakeholdermanagement auf die Öffentlichkeitsarbeit einer Organisation auswirkt. 14 „Theorie der Public Relations. Ein Entwurf“, 1992.
  • 17. 12 „Als Stakeholder oder [...] Anspruchsgruppen lassen sich alle direkt artikulierten [...] Interessen bzw. Umwelteinflüsse, die an die Unternehmung herangetragen werden, verstehen und alle jene Interessen bzw. Gruppen, die durch das Handeln der Unternehmung betroffen werden [...].“ (Karmasin2008: 269) Kapitel 2.1 Ein Definitionsversuch verdeutlichte, dass für den Begriff der Public Relations verschiedenste Synonyme existieren. Ein besonderes Augenmerk soll auf die Begriffe „Dialogmanagement“ und „Dialogkommunikation“ fallen (vgl. ebd.: 278). Das Wort Dialog beschreibt eine Tat, welche sich für eine erfolgreiche Öffentlichkeitsarbeit als unumgänglich erweist. Karmasin umschreibt diesen Ansatz auch mit dem Begriff der Stakeholder PR, der hier nichts anderes beschreibt, als den Einsatz des Stakeholder-Ansatzes im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit. Hier kann ein bedeutender Unterschied zwischen der sogenannten Zielgruppe und der Anspruchsgruppe (engl. Stake – Anspruch, Interesse) gemacht werden (ebd.: 278): „Während Zielgruppen selektiv und einseitig mit Informationen versorgt werden, verlangt Stakeholder PR nach Dialog.“ Der Stakeholder Dialog ist ein strukturiertes Gespräch zwischen einer Organisation und seinen gesellschaftlichen Interessensgruppen. Er schafft Transparenz und bewirkt eine frühzeitige Problemerkennung. Vorteile ergeben sich hinsichtlich der Erschließung neuer Kooperationspartner und der Vermeidung öffentlicher Eskalationen durch das Aufdecken von kontroversen Meinungen der Stakeholder (vgl. ebd.: 272ff). Abbildung 1 zeigt zwei verschieden Sparten der Anspruchsgruppen, welche direkte als auch indirekte Auswirkungen auf Organisationstätigkeiten haben können. Die internen Stakeholder agieren innerhalb eines Unternehmens oder einer Organisation. Die zweite Interessensgruppe beschreibt jene, die von außen auf die Organisation wirken – die externen Stakholder. Abbildung 1: Interne und externe Stakeholder
  • 18. 13 Folglich kann festgehalten werden, dass der Kern des Stakeholder-Managements in der Stellung einer Organisation gegenüber ihrer Umwelt besteht. Der Stakeholder-Ansatz verfolgt die Tatsache, „dass eine Organisation nicht autonom existiert, sondern in diverse Umwelten kommunikativ integriert ist.“ (ebd.: 272) 2.5 Sponsoring Ausgehend von der Grundlage, dass Nonprofit-Organisationen und so auch die Freundschaftsgesellschaften für den Erhalt finanzieller Mittel auf ihre Umwelt, also die Gesellschaft, angewiesen sind (vgl. Kapitel 1.2), wird im Folgenden der Begriff des Sponsorings näher erklärt. Das Sponsoring bezeichnet einen Prozess, bei dem zwei Parteien davon profitieren möchten. Dabei handelt es sich zum einen um den Sponsor. Dieser stellt Finanz-, Sach- oder Dienstleistungen zur Verfügung. In der Regel handelt es sich dabei um ein Unternehmen, dessen finanzielles Standbein solch eine Förderung zulässt. Auf der anderen Seite dieses Prozesses steht der Gesponserte. Dies kann sein eine Einzelperson, Personengruppe oder eine Organisation aus dem gesellschaftlichen Umfeld des Unternehmens. Das Sponsoring verläuft dabei immer auf Basis einer vertraglichen Vereinbarung. Luthe (1994: 62) fasst drei wesentliche Elemente des Sponsorings zusammen:  Geben und Nehmen beider Seiten  Die Einbindung der gesponserten Nonprofit-Organisationen in die Marketingaktivitäten eines Unternehmens  Die vertragliche Verpflichtung beider Seiten Damit kann festgehalten werden, dass das Sponsoring eine Art Synergieeffekt mit sich trägt. Denn „Sponsoring dient beiden Seiten, dem Sponsor und den Gesponserten, als ein Instrument zur Erreichung eigener Ziele.“ (ebd.: 63) 2.6 Online-PR als Chance für NPOs Der folgende Abschnitt umfasst ein Instrument der Öffentlichkeitsarbeit, welches sich besonders für Nonprofit-Organisationen, aufgrund geringer finanzieller Mittel, eignet. Weshalb das so ist, darüber soll dieses Kapitel Auskunft geben.
  • 19. 14 Mit dem Web 2.015 , dem resultierenden Fortschritt des Internets und den neuen Kommunikationskanälen ist eine Zeit gekommen, in welcher sich neue Möglichkeiten für die interne und externe Kommunikation in Organisationen ergeben: die Online-Public Relations. Um den Vorteil herauszuarbeiten, der sich durch die Nutzung der Online-PR für Nonprofit- Organisationen ergibt, soll zunächst geklärt werden, was unter Online-PR verstanden wird, welche Synonyme es gibt und welche Kommunikationsaktivitäten dabei entstehen. Laut dem Lexikon der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit (Brauner 2001: 156) wird der Begriff der Online-PR synonym zum Begriff Interaktive Öffentlichkeitsarbeit16 behandelt. Diese „nutzt digitale Medien, die einen technisch vermittelten Dialog mit gesellschaftlichen Bezugsgruppen ermöglichen (zum Beispiel E-Mail, Newsgruppen), den Kommunikationspartnern elektronisch aufbereitete Informationen für einen gezielten Abruf zur Verfügung stellen […] oder den Prozess des PR-Managements unterstützen […].“ Das Online-Wissensportal für erfolgreiches Marketing im Internet definiert Online-PR folgendermaßen: „Presse- und Öffentlichkeitsarbeit […] ermöglicht es Unternehmen ihr Angebot außerhalb von Werbemaßnahmen bekannt zu machen und ihre Darstellung (engl. Image) in der Öffentlichkeit positiv zu unterstützen. Gerade das Internet bietet im Rahmen der Online-PR kostengünstige [Herv. d. Verf.] Möglichkeiten, sich in einer nicht werblichen Form zu präsentieren, wie zum Beispiel über Blogs und Foren im sogenannten Web 2.0.“17 Für Oplesch (2001: 57) bedeutet Online-PR „Beziehungen mit Zielgruppen mittels des digitalen Mediums Internet aufzubauen und zu pflegen.“ Wie schon in Kapitel 1.2 Einstufung von Freundschaftsgesellschaften in den Nonprofit-Sektor beschrieben wurde, verfolgen NPOs in erster Linie Sachziele, im Sinne des sozialen Engagements. Jeder finanzielle Gewinn sollte daher für neue Projekte eingesetzt werden. Aufgrund des geringen Eigenkapitals resultiert somit die Notwendigkeit kostengünstiger Varianten, um effektiv nach außen kommunizieren und teure Imagekampagnen umgehen zu 15 Wenn hinsichtlich des Web 2.0 von Veränderungen gesprochen wird, bezieht sich dies auf die wachsende Interaktivität im Internet. Durch Kommentar-Funktionen, Webblogs und vielem mehr können User aktiv an den Geschehnissen teilnehmen und reagieren. Soziale Netzwerke unter anderem unterstützen damit nicht nur die Kommunikation, sondern bieten Transparenz. Eine Grundlage für Vertrauensbildung seitens der Bezugsgruppen (vgl. Düweke/Rabsch 2011: 125). 16 Der Begriff der Interaktivität wird in diesem Kontext in Anlehnung an Max Weber verwendet. Kommunikation ist demnach ein wechselseitiger Prozess, der durch Mitteilung und Verstehen geprägt ist. Diese soziale Handlung wird folglich als eine Interaktion bezeichnet (vgl. Brauner 2001: 156). 17 Online-Wissensportal für erfolgreiches Marketing im Internet (2013): Online unter: www.onlinemarketing- praxis.de (Stand: 10.01.2014).
  • 20. 15 können. Im Bereich der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit stellt die Online-PR somit eine kostengünstige, wenn nicht sogar kostenfreie, Möglichkeit dar, um die jeweiligen Bezugsgruppen ansprechen zu können (vgl. Pfeil 2005: 14 sowie Oplesch 2001: 32). Besonders NPOs sind abhängig von finanziellen und sachlichen Beiträgen von Sponsoren, Mitgliedern, Förderern und Kooperationspartnern, um Projekte und die grundlegende Erhaltung der Organisation finanzieren zu können (vgl. Luthe 1994: 34). Die Umsetzung einer gezielten Online-PR steigert nicht nur die zusätzliche Präsenz im Internet, sondern fördert vor allem die Dialogfähigkeit durch Kommentar-Funktionen, Chats oder E-Mails und fördert somit die Erreichung und Gewinnung neuer Zielgruppen und Mitglieder (vgl. Oplesch 2001: 36). Vorteile ergeben sich außerdem für das Thema Transparenz, was besonders für NPOs ein wichtiges Thema ist, und die Personalisierung. Oplesch (2001: 39) erwähnt an dieser Stelle: „Was in allen anderen Medien nur mit großem Aufwand oder gar nicht zu erreichen ist, ermöglicht das Internet mit verhältnismäßig geringem Aufwand: die direkte Ansprache einzelner Personen. Mithilfe der Sammlung von Adressen, ausgefeilten Datenspeicherungsmethoden und zielgruppengerechter Ansprache sind erstaunliche Serviceleistungen ausführbar.“ An dieser Stelle sei auch die Werbung für Spenden über das Internet (Online-Fundraising) zu erwähnen. Beim Fundraising geht es nach Hohn in erster Linie um „Kommunikationsstrategien, um Spender zu gewinnen.“ (2001: 127) Hohn erwähnt an dieser Stelle vier unterschiedliche Formen des Fundraising im Internet: Online-Spenden über NPO- Websites, Spendenportale, Sponsoring, Online-Events (vgl. ebd.: 128-139). Die folgende Infografik Abbildung 2 gibt beispielsweise Auskunft über verschiedene Taktiken, die man anwenden kann, um effektives Online-Fundraising zu betreiben. Abbildung 2: Fundraising-Strategien auf Facebook - http://mashable.com/2012/12/12/non-profits-social-media-infographic/ Die, mit 33 %, am meisten angewendete Strategie ist laut dieser Grafik die Methode der individuellen Spende. Mit welchen Mitteln Online-Fundraising durchgeführt werden kann
  • 21. 16 und welche Online-Instrumente den Organisationen zur Umsetzung von Online-PR Kampagnen zur Verfügung stehen, werden im nächsten Kapitel verdeutlicht. Zusammengefasst lässt sich festhalten, dass sich durch das World Wide Web neue Wege für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit ergeben haben. Das Internet bietet Instrumente zur aktiven Kommunikation mit den jeweiligen Bezugs- und Zielgruppen einer Organisation. 3. Forschungsdesign Aufbauend auf der vorangegangenen Theorie soll nun in einem zweiten Teil dieser Arbeit eine empirische Untersuchung durchgeführt werden. Um die Frage nach qualitativer oder quantitativer Forschung vorweg zu nehmen, soll zunächst geklärt werden, um welche Untersuchungsobjekte es sich handelt. Der Fokus dieser empirischen Studie liegt darin, herauszufinden, ob und in welchem Ausmaß Öffentlichkeitsarbeit in ausgewählten Freundschaftsgesellschaften betrieben wird. Hierfür bietet sich zunächst die Methode des qualitativen Interviews an. Der Untersuchungsgegenstand, in diesem Fall die Freundschaftsgesellschaften, sollen in einem alltäglichen Kontext untersucht und subjektive Perspektiven und soziale Hintergründe miteinbezogen werden. Außerdem bietet die qualitative Forschung dem Forscher Einblicke in Emotionen, Gefühlslagen und Empfindungen, welche mit in die Interpretation einfließen können 18 . Die genannten Eigenschaften der qualitativen Forschung fasst Heistinger19 in Form von Kennzeichen wie folgt zusammen:  Reflexivität des Forschers / der Forscherin und der Forschung  Berücksichtigung und Analyse unterschiedlicher Perspektiven  Gegenstandsangemessenheit von Methoden und Theorien Zu den Leitgedanken20 und Elementen der quantitativen Forschung zählen:  Eindeutige Isolierbarkeit von Ursachen und Wirkungen  Messbarkeit und Quantifizierbarkeit von Phänomenen  Exakte Plan- und Formulierbarkeit von Untersuchungsanordnungen  Wirklichkeit ist objektiv mess- und beschreibbar 18 Heistinger, Andrea (WS 2006/2007): Qualitative Interviews – Ein Leitfaden zur Vorbereitung und Durchführung inklusive einiger theoretischer Anmerkungen. Online unter: https://ksreussbuehl.lu.ch/- /media/KSReussbuehl/Dokumente/Ausbildung/Fachschaften/Sport/061102durchfhrung_von_interviews_1.pdf (Stand: 13.06.2014), S. 2. 19 Vgl. ebd. S. 3. 20 Vgl. ebd. S. 1.
  • 22. 17 Für das Forschungsdesign wurde also eine Kombination aus quantitativen und qualitativen Forschungselementen gewählt. Zunächst werden die angewendeten empirischen Methoden sowie das methodische Vorgehen und die Untersuchungsschritte beschrieben. In einem weiteren Schritt kommt es dann zur Auswertung der Ergebnisse. 3.1 Forschungsmethode Nachdem nun die Frage nach quantitativer oder qualitativer Forschungsmethode beantwortet wurde, möchte ich in den nächsten beiden Unterkapiteln im näheren Sinn auf die ausgewählten Forschungsmethoden eingehen. Das Kapitel Forschungsmethode soll in einem ersten Schritt grundlegende Informationen zu den spezifischen Methoden, liefern wie auch die Frage nach dem Grund für die Wahl der jeweiligen Methodik beantworten. In einem weiteren Schritt werden die einzelnen Untersuchungsmaßnahmen behandelt. 3.1.1 Die Online-Befragung Online-Befragungen weisen bestimmte Spezifika auf, durch welche sie als eine Sonderform der quantitativen Befragungsmethode gelten. Für ein weitgehendes Verständnis soll zunächst geklärt werden, welche Bedeutung einer Befragung im Allgemeinen zukommt. „Als Befragung kann man alle empirischen Verfahren der Erhebung sozialer Realität verstehen, bei denen eine Einzelperson der Gruppe auf mündlich oder schriftlich präsentierte Fragen (evtl. ergänzt durch weitere Stimuli) in mündlicher oder schriftlicher Form antwortet. In der Regel wird die Befragung bei einer Stichprobe von Personen auf der Grundlage eines vorformulierten Fragebogens durchgeführt. Gängige Formen der Befragung sind das mündlich-persönliche Interview, die Telefon-, schriftlich-postalische und die Online-Befragung.“21 Für die Online-Befragung gelten laut Eichhorn22 folgende Charakteristika: • Der Fragebogen wird über ein Computernetzwerk (in der Regel das Internet) zugestellt. • Der Fragebogen wird auf einem Bildschirm in schriftlicher Form präsentiert. • Der Befragte beantwortet die Fragen eigenständig in schriftlicher Form. 21 Eichhorn, Wolfgang (2004): Online-Befragung. Methodische Grundlagen, Problemfelder, praktische Durchführung. Online-Publikation. München. Online unter: http://wolfgang-eichhorn.com/cc/onlinebefragung- rev1.0.pdf (Stand: 12.06.2014), S. 1. 22 Vgl. ebd. S. 2.
  • 23. 18 Die Online-Befragung ist eine Methode, die ihren Einsatz vor allem im Bereich der Organisationsforschung23 findet (Weber/Brake 2005: 61). Sie dient unter anderem als geeignete Methode zur Befragung von Mitarbeitern, Mitgliedern und dient damit auch der internen Kommunikation. Kühl betont, dass es sich dabei keinesfalls um eine neue Methode der empirischen Sozialforschung handelt, sondern mehr um eine Form der Befragung, die im Zuge der globalen Dynamik hinsichtlich Technologie und Medien immer mehr Vorteile mit sich bringt. Im Vordergrund steht eine schnellere Datenübermittlung des Fragebogens wie auch eine schnellere Antwort-Rück-Übertragung (ebd.: 63). Zusammengefasst können Online-Befragungen E-Mail- oder web-basiert stattfinden. Unterscheidungen werden dabei bezüglich der Zugänglichkeit und der Art der Beantwortung getroffen. Vorteile der Online-Befragung gegenüber der schriftlichen Befragung ergeben sich hinsichtlich des Zeitaufwandes und des finanziellen Aufwandes (vgl. Taddicken 2008: 55). Es fallen weder Druck- noch Verteilungskosten an, die Teilnehmer können in kürzester Zeit erreicht werden (Weber/Brake 2005: 75). Außerdem erhält der Forschende ein einheitliches Schrift-Bild von Antworten und er unterliegt nicht einer schwierigen Entzifferung von verschiedenen Handschriften. Kühl unterscheidet24 drei verschiedene Charakteristika der Online-Befragung (2005: 64):  Es werden Fragebögen online ausgefüllt, welche auf einem Server gespeichert sind.  Es werden Fragebögen von einem Server heruntergeladen und via E-Mail zurückgesendet.  Der Fragebogen wird per E-Mail zu- und zurückgesendet. In Kapitel 4 Auswertung werden neben den einzelnen Untersuchungsschritten der durchgeführten Online-Befragung auch ein Überblick über Zielgruppe und Teilnehmer der Befragung gewährleistet. Anhand dieser Daten wird dann eine spezifische Erklärung darüber abgegeben, weshalb, unter Berücksichtigung der genannten Kennzeichen und Vorteile, die Online-Befragung als Methode für diese Studie verwendet wurde. 23 Grund für diese steigende Nutzung sind zwei Entwicklungen. Zum einen ist es eine zunehmende Nutzung von Informationstechnologien in Organisationen. Zum anderen schließen sich immer mehr Organisationen netzwerklich zusammen (vgl. Kühl 2005: 60f). 24 Diese Kennzeichen werden hinsichtlich der Arbeiten des Arbeitskreises Deutscher Markt- und Sozialforschungsinstitute (ADM) aus dem Jahr 2001 getroffen.
  • 24. 19 3.1.2 Das teil-narrative Interview Zunächst jedoch, wird im Folgenden die verwendete qualitative Methode, das teil-narrative Interview, näher erläutert. „Das teil-narrative Interview ist ein Interview, das sich aus dem narrativen Interview ableitet, aber Rückfragen durch die interviewende Person erlaubt sind, es wechseln sich daher Erzählpassagen mit Frage-Antwort-Passagen ab.“25 Das teil-narrative Interview ist eine Methode der multivarianten Interviewform. Charakteristisch für diese Form ist eine Flexibilität hinsichtlich des Interviewers. Während dieser sich bei einem narrativen Interview vollständig an den Interviewleitfaden hält und der Grad an Fremdstrukturierung minimal ist, sind bei einem teil-narrativen Interview abweichende Fragen wie zum Beispiel Verständnisfragen, Rückfragen oder nicht eingeplante Fragen möglich. Dies hat den Vorteil auf ungeahnte Sachverhältnisse oder komplexe Details seitens der zu interviewenden Person näher einzugehen, da dies für die gesamte Forschungsfrage interessant sein könnte26 . Daher bietet sich das leitfadengestützte teil-narrative Interview vor allem für die vorliegende Forschungsarbeit an, indem „in der weiten Tradition von Fritz Schütze die Befragten zum Erzählen, Erzählen und nochmals Erzählen aufgefordert werden, um somit ein umfassendes und sehr ergiebiges Textmaterial zu erhalten, in dem sich dann der rekonstruktive Sozialforscher mit seinen hermeneutischen und phänomenologischen Analysen regelrecht austoben kann.“27 In den nun folgenden Kapiteln wird auf die einzelnen Untersuchungsschritte der beiden Methoden näher eingegangen. 25 Heistinger, Andrea (WS 2006/2007): Qualitative Interviews – Ein Leitfaden zur Vorbereitung und Durchführung inklusive einiger theoretischer Anmerkungen. Online unter: https://ksreussbuehl.lu.ch/- /media/KSReussbuehl/Dokumente/Ausbildung/Fachschaften/Sport/061102durchfhrung_von_interviews_1.pdf (Stand: 13.06.2014), S. 5. 26 Vgl. ebd. S. 4. 27 Heistinger, Andrea (WS 2006/2007): Qualitative Interviews – Ein Leitfaden zur Vorbereitung und Durchführung inklusive einiger theoretischer Anmerkungen. Online unter: https://ksreussbuehl.lu.ch/- /media/KSReussbuehl/Dokumente/Ausbildung/Fachschaften/Sport/061102durchfhrung_von_interviews_1.pdf (Stand: 13.06.2014), S. 1f.
  • 25. 20 3.2 Untersuchungsschritte 3.2.1 Durchführung der Online-Befragung Wie in Kapitel 3.1.1 zur Methode der Online-Befragung bereits erklärt, finden diese einen besonderen Einsatz in der Organisationsforschung, wie auch im Bereich der internen Kommunikation für Mitglieder in Organisationen oder auch Mitarbeitern in Unternehmen und gibt Aufschlüsse über beispielsweise Mitarbeiterzufriedenheit und Befinden im Unternehmen. Unter der Berücksichtigung meiner persönlichen Anstellung als ehrenamtliches Mitglied im Vorstand des Lateinamerika Institut Kärntens ergab sich die Möglichkeit einer Online- Befragung sämtlicher Newsletter-Abonnenten. Daraus ergibt sich der Vorteil, dass nicht nur interne Mitglieder befragt wurden, sondern auch eine interessierte Öffentlichkeit ihre Meinung zum Erscheinungsbild der Kommunikation nach außen abgeben konnten. Die Online-Befragung zur Öffentlichkeitsarbeit des Institutes soll als Ergänzung im Sinne einer explorativen Studie exemplarisch zur Gesamtstudie und damit auch zur Gesamtaussage beitragen. Die Online-Befragung erfolgte web-basiert, indem über das Online-Survey-Portal Survey Monkey28 eine Umfrage erstellt wurde. Der Link der Online-Umfrage wurde dann via Newsletter an insgesamt 554 Newsletter-Abonnenten versendet. Über die Abonnenten selbst existieren keine persönlichen Grunddaten mit Ausnahme des jeweiligen Namens und der E- Mail Adresse. Auch ist nicht klar, wie viele Mitglieder schlussendlich zu den Abonnenten gehören. Die Umfrage gestaltete sich aus vier Persönlichkeitsfragen bezüglich Alter, Nationalität, Geschlecht und Sprachkenntnisse und aus fünf folgenden Eigenschafts- und Meinungsfragen:  Wie haben Sie über das Lateinamerika Institut Kärnten erfahren?  Über welche Medien holen Sie allgemein am häufigsten Informationen ein?  Auf einer Skala von 1 bis 6: Wie wichtig erachten Sie es für einen interkulturellen Verein, wie die Lateinamerikagesellschaft, aktiv Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben?  Welche Bedeutung schreiben Sie den folgenden Zielen, Aktivitäten und Leistungen eines interkulturellen Vereins zu?  Wie groß betrachten Sie die Herausforderung eines Vereins, mit der Öffentlichkeit zu kommunizieren, hinsichtlich des Aspektes der Interkulturalität? 28 https://de.surveymonkey.com/.
  • 26. 21 Nach einem ersten Versand des Umfrage-Links und einer Rückmeldefrist von 4 Wochen fiel die Teilnehmerzahl mit 31 Personen gering aus. Damit wurde eine zweite Phase eingeleitet. Aufgrund der Tatsache, dass es sich bei der Organisation um einen interkulturellen Verein handelt und die Mitglieder, wie auch die interessierte Öffentlichkeit unterschiedlicher Nationalitäten entstammen wurde der Fragebogen auch auf spanisch erstellt und nochmals an alle 554 Abonnenten versendet. Nach einer weiteren Rückmeldefrist von 4 Wochen haben 5 weitere Personen teilgenommen. Insgesamt 39 Personen nahmen an der Studie teil. An dieser Stelle sollte nochmals betont werden, dass die Befragung an insgesamt 554 Abonnenten versendet wurde. Da somit weniger als ein Zehntel sich an der Befragung beteiligt haben wäre eine Überlegung nötig, wie diese rege Anzahl an Teilnehmern gewertet werden kann. Die Vermutung beläuft sich darauf, dass das Abonnieren eines Newsletters immer auch mit einer Form von Unverbindlichkeit einhergeht. Ein Abonnent ist nicht unbedingt auch ein Mitglied oder eine Person, die Veranstaltungen und sonstige Aktivitäten des Vereins besucht. Und auch ein festes Mitglied ist nicht unbedingt auch ein Newsletter- Abonnent. Unter 554 Abonnenten besteht die Möglichkeit, dass mehr als die Hälfte keinen Bezug zum dem Institut hat. Auch kann die Aktualität der jeweiligen Mail-Adresse nicht kontrolliert werden, daher ist es möglich, dass nicht einmal alle Abonnenten mit dieser Befragung erreicht wurden. Ausgehend von diesen Faktoren kann die Zahl 39 durchaus als eine angemessene Teilnahme bewertet werden, die erheblich und aussreichend zu dieser Auswertung der Ergebnisse beiträgt. 3.2.2 Durchführung der Interviews Für das Interview wurden die Obmänner und Obfrauen der jeweiligen Freundschaftsgesellschaften wie auch eine PR-Mitarbeiterin befragt. Die Selektion der Freundschaftsgesellschaften wurde durch folgende Faktoren bestimmt: Geografische Entfernung und Vereinsgröße. Diese sollte für einen anschließenden Vergleich möglichst variieren. Die Interviews erfolgten sowohl persönlich als auch via Skype. Nachstehende Gesellschaften wurden ausgewählt und in folgender chronologischer Reihenfolge interviewt:  Österreichisch-Kanadische Gesellschaft  Dante Alighieri Gesellschaft  Österreichisch-Russische Gesellschaft
  • 27. 22  Interkulturelles Zentrum Wien29  Österreichisch-Fidschianische Gesellschaft Mit der Hilfe des nachstehenden Interviewleitfadens wurden die Interviews durchgeführt: Einstiegsfrage:  Wie beschreiben Sie den Unterschied zwischen einem gewöhnlichen Kulturverein und einer bilateralen Freundschaftsgesellschaft? Öffentlichkeitsarbeit:  Wie pflegen Sie die Verbindungen zwischen Österreich und dem Ausland?  Welche Art von Öffentlichkeitsarbeit wird betrieben?  Gibt es aktive Leistungen oder Unterstützungen seitens der Mitglieder?  In wie weit stellt sich der interkulturelle Aspekt als Herausforderung für die Öffentlichkeitsarbeit dar? Herausforderung Interkulturelle Kommunikation:  Gibt es Schwierigkeiten hinsichtlich der Kommunikation z. B. innerhalb des Vorstandes?  Welchen Stellenwert haben interkulturelle Kompetenzen bei Ihnen, hinsichtlich der Arbeit in Ihrem Verein? Schlussfrage:  Wie nehmen Sie selbst Ihren Verein wahr?  Was sind Ihre Wünsche und Hoffnungen für die Zukunft? Im Anschluss erfolgte die Auswertung der insgesamt fünf Interviews nach der Methode von Alfred Schütze (Küsters 2006: 77): „Die Analyse narrativer Interviews nach dem Verfahren von Schütze (1983) gliedert sich in die Abfolge von sechs Arbeitsschritten: 1. formale Textanalyse, 2. strukturelle inhaltliche Beschreibung der Darstellungsstücke, 3. Analytische Abstraktion, 4. Wissensanalyse, 5. Kontrastive Vergleiche unterschiedlicher Interviewtexte, 6. Konstruktion eines theoretischen Modells […]. Die Schritte 1. Bis 4. Dienen der Analyse eines Falles, also eines Interviews, während die Schritte 5. Und 6. Die Einzelanalyse aller Interviews eines Samples zusammenführen. Zunächst wird also jeder Fall für sich ausgewertet, bevor Vergleiche zwischen den Fällen vorgenommen werden.“ 29 Das Interkulturelle Zentrum Wien zählt nicht zur Kategorie der Freundschaftsgesellschaften. Dennoch beinhaltet dieses den interkulturellen Aspekt hinsichtlich der Öffentlichkeitsarbeit und trägt damit ebenfalls zu dieser empirischen Studie bei.
  • 28. 23 Folglich wurde jedes analysierte Interview in seine Hauptaussagen unterteilt. Anschließend wurden die einzelnen Hauptaussagen aller Interviews miteinander verglichen und gleiche Themen zu einer jeweiligen Hauptkategorie zusammengefasst. Daraus entstanden sieben Hauptkategorien, deren Deutung und Analyse einer anschließenden Zusammenfassung und Interpretation hinsichtlich der Beantwortung der zentralen Fragestellungen dient. 4. Auswertung 4.1 Ergebnisse der Online-Befragung Das folgende Unterkapitel widmet sich den Studienergebnissen der Online-Befragung. Zur Auswertung werden zunächst die Grunddaten der Teilnehmer zusammengefasst. Im Anschluss daran werden die fünf geschlossenen Fragen behandelt und ausgewertet. Die Fragen wurden zum Teil miteinander in Beziehung gestellt, zum anderen wurden sie einzeln behandelt. Dabei bildeten sich folgende Themen heraus: Nutzung von Medienkanälen als Informationszentrale, die Bedeutung der PR, die Priorität der Vereinsaktivitäten, sowie die Dialogkommunikation als Herausforderung. Im Rahmen der Erhebung der Online-Befragung soll an die Aktivitäten des Lateinamerika Institut Kärntens angeknüpft und Verbindungen gezogen werden. Die Erkenntnisse aus diesem Fragebogen fließen in die Entwicklung der sich anschließenden Interviews ein. 4.1.1 Grunddaten zu den Teilnehmern Insgesamt nahmen 39 Teilnehmer an der Online-Befragung teil. Die Mehrheit der Teilnehmer mit 61% ist 50 Jahre und älter. Gerade einmal 3% sind zwischen 18 und 20 Jahren. 35% sind zwischen 21 und 49 Jahren alt. Von diesen Teilnehmern sind 52% weiblichen und 49% männlichen Geschlechts. Insgesamt 25 Teilnehmer besitzen die österreichische Staatsbürgerschaft, zwei die brasilianische, drei jeweils die portugiesische, deutsche und peruanische Staatsbürgerschaft, und zwei Teilnehmer weisen eine Doppelstaatsbürgerschaft vor: Österreich und Brasilien, Österreich und Argentinien.
  • 29. 24 4.1.2 Nutzung von Medienkanälen als Informationszentrale In dieser Kategorie sollen zwei Fragen der Online-Befragung nähere Informationen über die Nutzung von Medienkanälen als Informationszentrale, seitens der Teilnehmer, geben. Der Hintergrundgedanke liegt darin, herauszufinden, über welche Medienkanäle die jeweilige Zielgruppe und potenzielle neue Bezugsgruppen wie zum Beispiel Mitglieder erreicht werden können. Bei der Frage über welches Medium die Teilnehmer über das Lateinamerika Institut Kärnten erfahren haben (vgl. Abbildung 3), gaben 75% an, über Freunde und Bekannte. 36% haben Informationen über das Internet erhalten und nur 4 % erfuhren von dem Verein über Flugblätter wie zum Beispiel Flyer. Zusammengefasst überwiegt in diesem Fall die Sprache als Medium. Abbildung 3: Online-Befragung, Frage 1: Wie haben Sie über das Lateinamerika Institut Kärnten erfahren? (N=39)30 30 Screenshot durch den Verfasser.
  • 30. 25 Des Weiteren wurde gefragt (vgl. Abbildung 4),über welche Medien die Teilnehmer sich allgemein am häufigsten Informationen einholen. Interessanterweise gab die Mehrheit mit 84% an, dass sie das Internet als Hauptinformationsquelle nutzen. Etwas mehr als die Hälfte nutzt Printmedien wie Zeitschriften oder Zeitungen und das Fernsehen als Informationsmedien. Gerade mal 13% verschaffen sich Informationen über öffentliche Druck- Erzeugnisse wie Flyer oder Plakate und eine Minderheit von 6% gab an, dass sie sich mobil über das Handy Informationen einholen. Abbildung 4: Online-Befragung, Frage 2: Über welche Medien holen Sie allgemein am häufigsten Informationen ein? (N=39)31 Die Erhebung bietet eine Einsicht in das Medien-Nutzen-Verhalten. Damit kann ein Vergleich zu Frage 1 gezogen werden. Daraus ergibt sich, dass die Teilnehmer das Internet als häufigste Quelle der Informationsbeschaffung nutzen, jedoch nur 36 % haben über das Lateinamerika Institut über das Internet erfahren. Demzufolge bleibt die Frage offen, ob der Verein den Internet-Auftritt effektiv nutzt, um nicht nur seine aktuellen Bezugsgruppen anzusprechen, sondern auch um neue Zielgruppen erreichen zu können. 31 Screenshot durch den Verfasser
  • 31. 26 4.1.3 Bedeutung von PR für einen interkulturellen Verein Sobald ein Verein Aktivitäten, Programme und Leistungen anbietet, kommuniziert dieser mit der Öffentlichkeit. Solch eine Kommunikation nach außen kann durch die Umwelt unbewusst oder auch bewusst aufgenommen und als aktive Öffentlichkeitsarbeit bezeichnet werden. Abbildung 5 gibt Auskunft über die Wertigkeit von Öffentlichkeitsarbeit für einen interkulturellen Verein seitens der Teilnehmer. Mehr als die Hälfte mit 57% gab an, dass sie aktive Öffentlichkeitsarbeit als wichtig bis unverzichtbar ansehen. 43% gaben an, dass die Dialogkommunikation kein unverzichtbarer Teil der Vereinsaktivitäten sei. Wobei hier zu erwähnen ist, dass gerade mal 7% diese als komplett unwichtig ansehen. Abbildung 5: Online-Befragung, Frage 3: Wie wichtig erachten Sie es für einen interkulturellen Verein, wie die Lateinamerikagesellschaft, aktiv Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben? (1= unwichtig; 6=unverzichtbar) (N=39)32 32 Screenshot durch den Verfasser.
  • 32. 27 4.1.4 Priorität der Vereinsaktivitäten Mit dem Beitritt zu einem Verein oder dem Interesse an dessen Aktivitäten ist immer auch eine Erwartungshaltung verbunden (vgl. Kapitel 2.4 Der Stakeholder-Ansatz). Ein Mitglied stellt sich also zum Beispiel die Frage: Was für Ziele verfolgt der Verein? Wen oder was unterstützt der Verein? Erfüllen die Vereinsaktivitäten meine Erwartungen und lohnt es sich finanziell oder auch sachlich den Verein zu unterstützen? Aus diesem Grund wurde anhand von Abbildung 6 überprüft, welche Ziele, Leistungen und Aktivitäten für die Teilnehmer bei einem interkulturellen Verein wie das Lateinamerika Institut Kärnten wichtig sind. Interessant ist dabei das Ergebnis, dass knapp die Hälfte die Pflege internationaler Beziehungen, Fremdsprachenvermittlung, Organisation von Veranstaltungen, Unterstützung sozialer Projekte und Organisation interkultureller Austauschtreffen als sehr wichtig empfinden. Nur 3% gaben an, dass die Fremdsprachenvermittlung und Veranstaltungen nicht so wichtig sind. Am wichtigsten und damit unverzichtbar jedoch sind für 38% die Pflege und der Aufbau internationaler Beziehungen. Abbildung 6: Online-Befragung, Frage 4: Welche Bedeutung schreiben Sie den folgenden Zielen, Aktivitäten und Leistungen eines interkulturellen Vereins zu? (1= unwichtig; 6=unverzichtbar) (N=39)33 33 Screenshot durch den Verfasser.
  • 33. 28 4.1.5 Dialogkommunikation als Herausforderung Abbildung 7 soll zeigen, inwieweit die Teilnehmer die Kommunikation eines Vereines mit seiner Umwelt als eine Herausforderung sehen bezüglich des interkulturellen Aspektes als Eigenschaft von Freundschaftsgesellschaften. Die wenigsten mit 3% gaben an, dass sie die Dialogkommunikation hinsichtlich des interkulturellen Aspektes als keine Herausforderung ansehen. Für hingegen knapp die Hälfte und damit die Mehrheit stellt die Pflege internationaler Beziehungen und damit auch die interkulturelle Dialogkommunikation eine ständige Herausforderung dar. Für 21 % ist der interkulturelle Dialog eine enorme Herausforderung. Abbildung 7: Online-Befragung, Frage 5: Wie groß betrachten Sie die Herausforderung eines Vereins mit der Öffentlichkeit zu kommunizieren, hinsichtlich des Aspektes der Interkulturalität? (N=39)34 Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass für die Mehrheit der befragten Teilnehmer dieser Online-Befragung die Kommunikation mit anderen Nationen, aber auch die interne Kommunikation hinsichtlich der vermischten Kulturen im Verein (Mitglieder, der Vorstand) als nicht einfach empfunden wird. Umso höher steigt damit der Stellenwert einer effektiven Öffentlichkeitsarbeit für eine Freundschaftsgesellschaft. Dies bestätigt die Aussage der Erhebung von Frage 3 hinsichtlich der Wertigkeit von Öffentlichkeitsarbeit. Auch hierbei gab die Mehrheit an, dass Öffentlichkeitsarbeit einen wichtigen Beitrag für eine erfolgreiche Vereinsarbeit leistet, demzufolge sie für die interkulturelle Kommunikation ein unverzichtbares Fundament bildet. 34 Screenshot durch den Verfasser
  • 34. 29 Die Auswertung dieser Online-Befragung soll einen Einblick in das Verhältnis zwischen dem Verein und der interessierten Öffentlichkeit geben. Zusammenfassend hat sich herausgestellt, dass das Selbstbild des eigenen Vereins vielleicht nicht immer jenes ist, welches die Öffentlichkeit teilt. Es bestätigt damit die Theorie, dass es sich bei der Öffentlichkeitsarbeit keinesfalls, um einen einseitigen Akt handelt, sondern um Wechselbeziehungen. Die wichtigste Rolle spielen hierbei die Bezugsgruppen (vgl. Kapitel 2.1 und 2.4).
  • 35. 30 4.2 Ergebnisse der Interviews Die Namen der Befragten werden in der vorliegenden Arbeit und nach Absprache mit den interviewten Personen bis auf das Geschlecht anonym behandelt. Anstelle der jeweiligen Nachnamen werden Pseudonyme in Form von Buchstaben verwendet. Demzufolge gilt:  Österreichisch-Kanadische Gesellschaft – Herr A;  Dante Alighieri Gesellschaft – Frau B;  Österreichisch-Russische Gesellschaft – Herr C;  Interkulturelles Zentrum – Frau D;  Österreichisch-Fidschianische Gesellschaft – Herr E. 4.2.1 Metadaten zu den Organisationen Diese erste Hauptkategorie soll einen Überblick über die jeweiligen Strukturen und Statuten der befragten Freundschaftsgesellschaften geben. Dies ermöglicht außerdem für die anschließende Zusammenfassung und Interpretation, die jeweiligen Aussagen der Vereine in ein Verhältnis zu deren Gegebenheiten wie Vereinsgröße, Anzahl der Mitglieder und so weiter, setzen zu können. Die Österreichisch-Kanadische Gesellschaft35 hat ihren Sitz in Wien und wurde im Jahr 2013 gegründet. Sie hat das Ziel, die Beziehung zwischen Österreich und Kanada zu pflegen. Durch fortlaufende Veranstaltungen sollen sowohl gegenseitiges Verständnis als auch das Wissen übereinander gepflegt und gesichert werden. Die Gesellschaft versucht sowohl nach außen tätig zu sein, indem sie KanadierInnen in Österreich unterstützen als auch ÖsterreicherInnen Kontakte nach Kanada ermöglichen. Der Obmann selbst bezeichnet die Gesellschaft, aufgrund der Mitgliederzahl, als einen kleinen Verein. Diese schwankt zwischen 85 und 95 Mitgliedern. (Transkript 1) Die Dante Alighieri Gesellschaft Klagenfurt36 , wurde im Jahr 1947 gegründet und ist seitdem in der Stadt Klagenfurt tätig. Der offizielle und internationale Name der Gesellschaft lautet Società Dante Alighieri Klagenfurt. Sie ist ein weltweit verbreitetes Vereinsnetzwerk, dass im Jahr 1889 in Italien und zur Unterstützung der Emigranten im Ausland gegründet 35 Sämtliche Informationen bezüglich Statuten, Leitbild und Aktivitäten können der aktuellen Homepage entnommen werden: www.austria-canada.com (Stand: 29.03.2013). 36 Sämtliche Informationen bezüglich Statuten, Leitbild und Aktivitäten können der aktuellen Homepage entnommen werden: www.dante-klagenfurt.at (Stand: 29.03.2013).
  • 36. 31 wurde. Die Dante Alighieri Gesellschaften bieten weltweit Sprachkurse und Kulturveranstaltungen, wie auch Kulturfahrten nach Italien an. In Österreich dient sie vor allem als Schnittstelle, nicht nur, um die kulturellen Beziehungen zu pflegen. Die Gesellschaft legt einen besonderen Wert auf die Geschichtsvermittlung sowohl über Italien, als auch über Österreich, um ein grundlegendes Verständnis für die jeweils andere Kultur zu erreichen. Die Gesellschaft ist kein staatlicher Verein und lebt daher ohne jegliche Subventionen. Finanzielle Unterstützung erhält die Gesellschaft durch 650 Mitglieder. Die Österreichisch-Russische Gesellschaft37 , kurz ORFG (Österreichisch Russische Freundschaftsgesellschaft), hat ihren offiziellen Sitz in Wien und wurde Ende der 1990er Jahre gegründet. Die Organisation verwirklicht ihre Projekte in enger Zusammenarbeit mit der russischen Botschaft. Sie zählt circa 70 Mitglieder (Transkript 3). Die Arbeit des Vereins dient sowohl der gegenseitigen Völkerverständigung zwischen Russland und Österreich als auch der Förderung und Entwicklung von Projekten in Form von Veranstaltungen, Seminaren und sonstiger Aktivitäten. Das Interkulturelle Zentrum38 definiert sich als Verein, hat seinen Sitz in Wien und setzt sich für die Begegnung von Menschen verschiedenster Kulturen, grenzüberschreitende Zusammenarbeit in Schulen und das Diversity Management in Österreich ein. Der Verein wurde im Jahr 1987 gegründet und finanziert sich durch Subventionen, Spenden, Sponsoren, Förderern, Projekte und Veranstaltungen. Der Verein bietet interkulturelle Aus- und Weiterbildungen, Workshops, Seminare und auch Lehrgänge an. Die Österreichisch-Fidschianische Gesellschaft39 hat seinen Sitz in Wien und ist Mitglied des Dachverbandes PAN. Der Obmann des Vereins ist selbst offizieller Vizepräsident des Dachverbandes. Die Tätigkeiten des Vereins erstrecken sich sowohl auf Österreich als auch auf Fidschi. Der Verein selbst beabsichtigt nicht die Bildung und Verzweigung weiterer Österreichisch-Fidschianischen Gesellschaften. Die Gesellschaft bemüht sich um die Kontakt- und Beziehungspflege zwischen Österreich und Fidschi sowie die Wissensvermittlung mit dem Ziel eines gegenseitigen Völkerverständnisses. Diese Ziele verfolgen die Gesellschaft in Form von Veranstaltungen, Vorträgen, Ausstellungen und Publikationen. Die Finanzierung 37 Sämtliche Informationen bezüglich Statuten, Leitbild und Aktivitäten können der aktuellen Homepage entnommen werden: www.ofrg.net (Stand: 29.03.2013). 38 Sämtliche Informationen bezüglich Leitbild und Aktivitäten können der aktuellen Homepage entnommen werden: www.iz.or.at (Stand: 29.03.2014). 39 Sämtliche Informationen bezüglich Statuten, Leitbild und Aktivitäten können der aktuellen Homepage entnommen werden: www.oefig.hermann-mueckler.com (Stand: 29.03.2013).
  • 37. 32 des Vereins verläuft ausschließlich über Mitgliedsbeiträge, Spenden, Subventionen, Kuratoriumsbeiträgen und Einschaltungen. 4.2.2 Leistungsangebot und Aktivitäten Freundschaftsgesellschaften bieten sowohl ihren Mitgliedern, als auch einer interessierten Öffentlichkeit immer wieder bestimmte Leistungsangebote, Aktivitäten und Unternehmungen. Grund dafür sind die Bindung und das Wirken der Gesellschaften nach außen. Dies lässt sich am Beispiel des Sponsorings verdeutlichen. Sponsoren stellen finanzielle oder auch sachliche Mittel zu Verfügung und erwarten dafür eine bestimmte Gegenleistung. Wie in dem Kapitel Sponsoring erwähnt wurde kann damit beispielsweise eine Platzierung des Firmenlogos auf einer Veranstaltung gemeint sein. Auch Mitglieder eines Vereins, die jährlich ihre Spende abgeben, erwarten ein Leistungsangebot seitens der Organisation. Bei der Österreichisch-Kanadischen Gesellschaft besteht der Fokus darin, Österreich den in Österreich lebenden Kanadier näher zu bringen. „Wir bieten also ein eher Kanadier orientiertes Programm an. Das war zum Beispiel ein Besuch der Staatsoper hinter der Bühne.“ (Transkript 1). Des Weiteren ist die Gesellschaft darum bemüht, auch etwas für eine interessierte Öffentlichkeit zu machen. „Dann gibt es noch etwas, einmal im Monat gibt es einen Stammtisch der offen ist für alle in Wien lebenden Kanadier. Nicht nur für unsere Mitglieder und das hat sich ganz gut bewährt [...].“ (Transkript 1) Die Dante Alighieri Gesellschaft legt ihren Schwerpunkt des Leistungsangebotes auf einen dynamischen Austausch zwischen Österreicher und Italiener: „Wir machen also einmal im Monat einen offenen Abend, da kann jeder mit einem gemütlichen Abendessen kommen und da kann jeder sprechen. Das ist das, was die Leute hier wollen. Sie wollen reden. Wir unterstützen also Italiener, die hier herkommen, Arbeit suchen oder Arbeit gefundene haben, Kinderbetreuung suchen oder überhaupt Deutsch lernen wollen. Wir arbeiten hier sehr viel mit Tandem, das heißt, Leute, die schon Italienisch können und mit Leuten, die am Deutsch lernen sind, also die unterstützen sich gegenseitig. Das ist ökonomisch auch sehr vorteilhaft und bringt verhältnismäßig viel, weil wenn ich zwei zu zwei habe, ist das besser, als wenn ich hier acht oder zehn Leute im Kurs habe. Das hat eine andere Dynamik.“ (Transkript 2) Eine weitere Variante, auf welche Art und Weise man eine bindende Wirkung erzielen kann, zeigt die Österreichisch-Russische Gesellschaft. Denn der Verein organisiert viele Aktivitäten sowohl in Österreich als auch in Russland. „Wir machen Schüler- und Studentenaustausch, wir machen Bildungsreisen, wir organisieren auch Wirtschaftstreffen, wir organisieren in St. Petersburg für steirische Wirtschaftstreibende, auch für die burgenländische Wirtschaftsform, für die Weinwirtschaft, aber in erster Linie sind wir kulturell tätig, wobei wir auch gesellschaftspolitisch unterwegs sind. [...] Wir sind im Bereich humanitäre Hilfe aktiv, wir bringen Medikamente nach Russland.“ (2013: 3)
  • 38. 33 Deutlich wird auch, dass jede einzelne Gesellschaft ihr Leistungsangebot unterschiedlich und vor allem ausgerichtet auf die Bedürfnisse der sie umgebenden Gesellschaft und Gegebenheiten gestaltet. Dies zeigt, dass die jeweiligen Aktivitäten auch in Verbindung mit einer effektiven Stakeholder-Kommunikation stehen können (vgl. Kapitel 2.4). 4.2.3 Der Dialog mit den Stakeholdern Wie schon in Kapitel 2.1.3 Der Stakeholder-Ansatz verdeutlich werden konnte, ist der Non- Profit Sektor abhängig von seinen jeweiligen Bezugsgruppen. Um auf der wirtschaftlichen Ebene bestehen zu können, sind besonders Vereine finanziell nicht nur abhängig von deren Mitgliedsbeiträgen, sondern auch von Kooperationspartnern, Sponsoren oder der Regierung. Das Überleben des Vereins ist abhängig von Partnern und Kooperationen, aufgrund finanzieller Unterstützungen. Diese Theorie wird auch von den einzelnen Freundschaftsgesellschaften bestätigt, wie folgende Aussagen zeigen: „Wir haben Mitglieder, die zum Beispiel für Banken arbeiten oder große Rechtsanwaltsfirmen. Und auch Leute, die im Hotel tätig sind, die uns dann zu Nullkosten oder sehr günstigen Bedingungen Meeting-Räume zur Verfügung stellen. Das ist schon sehr, sehr wichtig, denn ich meine, wir sind ganz gut finanziert, aber wir schwimmen nicht in Geld.“ (Transkript 1) „Wir sind jetzt dabei das ein bisschen umzustellen. Weil, wenn wir mehr Italiener haben, wollen wir denen auch erzählen, wie das hier bei uns ist.“ (Transkript 2) „Es gibt in Russland eine Russisch-Österreichische Gesellschaft […]. Mit dieser kooperieren wir, aber wir kooperieren auch mit Hochschulen dort. Mit Kulturinstituten, mit allem möglichen.“ (Transkript 3) „Da sind wir natürlich ganz stark angewiesen auf die öffentliche Hand, auf Ministerien und auf Stiftungen, auf Partner aus der Wirtschaft, auf Wirtschaftstreibende, die sagen, das gefällt uns und auf all jene, die uns unterstützen und das ist immer eine Herausforderung.“ (Transkript 4) Die Gesellschaften weisen damit unterschiedliche Herangehensweisen auf, wie man versuchen kann, seine Zielgruppe zu erreichen. Bei der Planung von Veranstaltungen und Beschaffung von Ressourcen profitiert die Österreichisch-Kanadische Gesellschaft unter anderem von der beruflichen, gesellschaftlichen Stellung ihrer Mitglieder. Ein ebenso wichtiger Aspekt kristallisiert sich aus der Aussage der Dante Alighieri Gesellschaft: Das Programm, welches man anbietet, sollte auf die jeweilige Bezugsgruppe, die man ansprechen möchte, abgestimmt sein. Die Tatsache, dass immer mehr Italiener aus privaten und
  • 39. 34 wirtschaftlichen Gründen nach Österreich kommen veranlasst die Gesellschaft daher ihr Leistungsprogramm umzustellen. Zusammenfassend lässt sich also sagen, wie auch Luthe schon gezeigt hat, dass unterschiedliche Bezugsgruppen auf unterschiedliche Art und Weise gezielt angesprochen werden müssen. Immer mit dem Ziel, dass diese einzelnen Verbindungen zu den Stakeholdern Ressourcen für die Organisation ermöglichen und bereitstellen (vgl. Luthe1994: 36). 4.2.4 Anwendung und Bedeutung von Öffentlichkeitsarbeit In dieser ersten Hauptkategorie soll die Frage beantwortet werden, inwieweit Öffentlichkeitsarbeit in der jeweiligen Freundschaftsgesellschaft eine Rolle spielt. Mit dieser Kategorie wird somit das Ziel verfolgt, herauszufinden, ob gezielte Öffentlichkeitsarbeit generell als Wichtig empfunden wird oder nicht und inwieweit diese eine Anwendung findet. Die Österreichisch-Kanadische Gesellschaft nimmt hierzu wie folgt Stellung: „Schauen Sie, das ist bei uns kein wirklich großes Thema. Was im Jahr für Kanada gemacht wird, das macht eigentlich die Botschaft und wir bemühen uns eigentlich, mit durchschnittlichem Erfolg, die Mitglieder zu motivieren, sich regelmäßig zu treffen und auszutauschen. […] Aber wie gesagt, echte Pressearbeit oder Presseaussendungen und ähnliches machen wir nicht.[…] Ja da muss ich ganz ehrlich sagen, sind wir eigentlich zu klein. […] Wir versuchen es eher mit persönlichen Gesprächen, aber ich muss ehrlich sagen mit nicht großem Erfolg.“ (Transkript 1) Die Dante Alighieri Gesellschaft äußert sich folgendermaßen: „Das ist eine gute Frage, denn das ist hier sehr schwer. […] Öffentlichkeitsarbeit ist also sicher etwas, das im Arm ist, weil wir ja ehrenamtlich arbeiten, wir haben alle einen Job. Ich kann mich viel zu wenig um das kümmern, weil ich schauen muss, dass hier verwaltungsmäßig und auch organisatorisch die Sache läuft.“ (Transkript 2) Die Österreichisch-Russische Gesellschaft sagt: „Absolut wichtig, aber wir haben den Zugang nicht. Wir haben keine kompetenten Leute, das fällt uns ein bisschen schwer.“ (Transkript 3) Das Interkulturelle Zentrum nimmt folgende Position ein: „Also ich denke ohne Öffentlichkeitsarbeit kommt man nicht aus. […] Also Öffentlichkeitsarbeit ist notwendig und wichtig, denn das ist ja ein wesentlicher Teil der Aktivitäten, die man macht und die Kanäle sind einfach unterschiedlich und je nachdem, wen man hat und wen man erreichen will, muss man sich überlegen: Wie mache ich das? Wie erreiche ich das?“ (Transkript 4). Und auch die Österreichisch-Fidschianische Gesellschaft erklärt: „Ja, absolut. Wir wollen ja auch, dass Leute zu unseren Veranstaltungen kommen nur wenn Leute zu unseren Veranstaltungen kommen kann man auch einen Topf hinstellen und sagen bitte werft da ein bisschen was hinein. […] also damit ist Öffentlichkeitsarbeit einmal sehr wichtig. Wie machen wir sie? Sehr wenig.[…]Öffentlichkeitsarbeit kann man selber steuern und ist etwas, das ich auch in meiner
  • 40. 35 Eigendynamik entwickeln kann und ich habe die Kontrolle darüber Medienarbeit in den eigenen Händen tragen zu können. Aber ich gebe Ihnen recht, Öffentlichkeitsarbeit ist wichtig und das möchte ich mit drei Ausrufezeichen versehen.“ (Transkript 5) Anhand der Aussagen der Interviewten lässt sich zusammenfassen, dass Öffentlichkeitsarbeit als wichtig empfunden wird. Sie bietet die Möglichkeit, die Kommunikation nach außen selbst zu steuern und kann einen entscheidenden Beitrag zur Erreichung der Vereinsziele leisten. Es wird deutlich, dass ein Bewusstsein über die Notwendigkeit der Erreichung von Bezugsgruppen und anderen Teilöffentlichkeiten vorhanden ist. Auch Franck (2008:9f) hat die Bedeutung von Öffentlichkeitsarbeit für Vereine festgelegt und bestätigt, dass gezielte Öffentlichkeitsarbeit ein fundamentales Werkzeug, vor allem aus wirtschaftlichen Gründen, ist. Auch die Betonung der Notwendigkeit von Öffentlichkeit sei keine Seltenheit, dennoch bleibt das Handeln in vielen Fällen aus. Bei den Interviews stellte sich heraus, dass das Fehlen von Kompetenzen im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit der Hauptgrund für ausstehende PR sei. Es spielen aber noch weitere Faktoren eine Rolle. Auch der Status als ehrenamtliche/r MitarbeiterIn, das daraus resultierende knappe Zeitbudget und die Tatsache der eigentlichen entgeltlichen Berufstätigkeit sind Gründe dafür, dass gezielte Öffentlichkeitsarbeit nur wenig bis hin zu keinen Raum findet. Die Ergebnisse einer Studie40 der Zeitschrift „Sozialmagazin“ aus dem Jahr 1993 haben gezeigt, dass Öffentlichkeitsarbeit in den meisten Fällen als unumgänglich für Nonprofit-Organisationen gesehen wird. Jedoch findet diese in der Praxis nur wenig Anwendung und Umsetzung (vgl. Luthe 1994: 24). 4.2.5 PR Instrumente Wie die Theorie gezeigt hat, bieten sich für die Kommunikation mit der Öffentlichkeit verschiedene Instrumente und Kanäle. In Folgendem soll nun dargelegt werden, in welchem Ausmaß die klassische Pressearbeit, das Internet oder die Neuen Medien von den einzelnen Freundschaftsgesellschaften angewendet werden. Gezielte Pressearbeit findet in der Österreichisch-Russischen Gesellschaft keine Anwendung und auch in den Neuen Medien sind sie, mit Ausnahme einer eigenen Homepage, nicht vertreten. Die Gesellschaft beschränkt sich daher auf ihre Website, Face-To-Face Kommunikation und Mundpropaganda: „[…] echte Pressearbeit oder Presseaussendungen 40 Das Journal „Sozialmagazin“ fragte seine Leser, ob und in welchem Ausmaß diese Öffentlichkeitsarbeit betreiben. Bei insgesamt 1.034 Befragten gaben 69 % an, dass sie Öffentlichkeitsarbeit für unerlässlich finden, 23 % halten diese für wichtig und weniger als 10 % gaben kaum, gering oder mäßig an. Jedoch gaben 50 % an, dass sie die Arbeit nebenbei verrichten und 15 % besitzen einen Pressereferenten. Das Ergebnis lief darauf hinaus, dass weniger als 1 % der Befragten mit dem Ergebnis ihrer Öffentlichkeitsarbeit sehr zufrieden sind.
  • 41. 36 und ähnliches machen wir nicht. Wir haben natürlich unsere Website, wir sind auch im Internet vertreten und ich bin schon in der Generation, die das nicht sehr gern macht. Aber wir haben dafür eine nette junge Dame, die unseren Internetauftritt ein bisschen betreut.[…] Wir versuchen es eher in persönlichen Gesprächen, aber ich muss ehrlich sagen, mit nicht großem Erfolg. "(Transkript 1)Es entsteht der Eindruck, dass vor allem kleinere Gesellschaften, wie die Österreichisch-Kanadische Gesellschaft, versuchen sich vermehrt auf die Mitglieder als interne Öffentlichkeit, als auf eine externe Öffentlichkeit zu konzentrieren und so ihre Kommunikation auszurichten. Die Dante Alighieri Gesellschaft antwortet auf die Frage, ob sie im Internet, außer auf der Homepage, vertreten sind, wie folgt: „Nein nur auf der Homepage. Das ist sehr schwierig. Wir haben zum Beispiel ein Buch vorgestellt und da kamen 250 Leute und die Kleine Zeitung berichtete auch darüber. […] Das kann ich nicht jeden Tag bieten.“ (Transkript 2) Dass Öffentlichkeitsarbeit jedoch sehr facettenreich ist und mehr als nur die klassische Presseaussendung oder eine Website bedeutet, erläutert das Interkulturelle Zentrum: „Öffentlichkeitsarbeit bedeutet sehr vieles, dass ich einen Newsletter aussende, dass ich eine Website habe, dass ich auch auf Facebook präsent bin. Für meine Organisation macht es Sinn einen Facebook-Auftritt zu haben, weil ich hier meine Klientel erreiche. Manche sagen, sie erreichen ihre Leute am besten per Newsletter, andere sagen, nein ich erreiche meine Leute am besten per Post […].“ (Transkript 4) Franck gibt für die Notwendigkeit von PR-Instrumenten wie Pressearbeit und ähnliches folgendes Argument ab: "Ein Verein, der sich für die Errichtung eines Museums für Erziehungsgeschichte engagiert, hat ein bahnbrechendes Konzept für die Organisation und Gestaltung eines solchen Museums entwickelt. Beschränkt sich der Verein darauf, dieses Konzept auf einer Mitgliederversammlung zu beschließen, dann mögen sich die Vereinsmitglieder sehr wohl fühlen, weil sie so ein tolles Konzept entwickelt haben. Wenn aber niemand davon erfährt, haben wir es faktisch mit einem Nicht-Ereignis zu tun – mit einem folgenlosen Beschluss.“ (Franck 2008: 11) Zusammengefasst scheint es so, als würden manche Gesellschaften wie die Dante Alighieri oder die Österreichisch-Fidschianische Gesellschaft, in Relation zu dem, was sie erreichen möchten, zu wenige Instrumente und Kanäle nutzen: „Das Einzige, was wirklich nach außen geht, ist die Homepage. Die wiederum derzeit noch den Nachteil hat, dass sie nur in einer deutschsprachigen Version existiert. Hier gibt es keine englischsprachige Version. […] Das Problem ist nur, das muss ja auch immer jemand machen. Also ich zum Beispiel selber mache kein Facebook und auch kein Twitter. Auch aufgrund des E-Mail Ansturms in meinem Job, habe ich einfach kein Zeitbudget dafür. Es wäre natürlich wünschenswert, wenn es einen Blog gebe, wenn man über Facebook etwas macht und wenn die Website dann natürlich auch mal mehrsprachig wäre, damit Fidschianer aus Fidschi auch an uns herantreten können oder damit sie Informationen haben, wie das in Österreich aussieht.“ (Transkript 5)
  • 42. 37 Andere Vereine, wie die Österreichisch-Kanadische Gesellschaft geben sich mit einem Internet-Auftritt, in Form einer Website zufrieden und belassen damit ihre Öffentlichkeitsarbeit auf einem Minimum. Wie schon in Kapitel 2.6 angeschnitten wurde, sollten die jeweiligen Kanäle und Instrumente bewusst ausgewählt werden, mit dem Ziel eine jeweilige Ziel- oder Bezugsgruppe erreichen zu können. „Man kann nicht davon ausgehen, dass das Tool, welches man erfunden hat, das einzig Wahre ist, welches in anderen Kreisen so gut ankommt oder so gut funktioniert. […] und immer auch mit dem Ziel, wen möchte ich adressieren, wen möchte ich erreichen und wer kann mir was sagen über diese Gruppe, die ich erreichen möchte.“ (Transkript 4) Und auch Franck erwähnt, dass unterschiedliche Vereine unterschiedliche Teilöffentlichkeiten haben. Eine Festlegung der jeweiligen Zielgruppe hilft die Öffentlichkeitsarbeit überschaubar zu machen, Schwerpunkte zu setzten und Mittel und Medien gezielt einzusetzen. (2008: 22) 4.2.6 Die Arbeit mit den Medien Wie die Interviewausschnitte jedoch zeigen, gehen die Gesellschaften in der Praxis mit gemischten Auffassungen dem Zusammenspiel von Medien und Journalismus entgegen. Gleichzeitig bestätigt sich die Aussage von Luthe, dass es einer professionellen Arbeit auf Seiten der Nonprofit-Organisationen bedarf, was zugleich der Grund sein kann, für einen geminderten Aufwand an Öffentlichkeitsarbeit, seitens der Gesellschaften. Folgende Interviewausschnitte sollen einen Überblick über die Zusammenarbeit mit und die Einstellung gegenüber den Medien liefern: Auf die Frage, wie die Gesellschaft ihre Öffentlichkeitsarbeit gestaltet, lautet die Antwort der Dante Alighieri Gesellschaft: „Das ist eine gute Frage, denn das ist hier sehr schwer. Weil das Interesse, die Medien, die öffentliche Meinung, will immer nur etwas Neues. Dabei haben wir das Alte noch nicht einmal richtig verdaut.“ (Transkript 2) Die Gesellschaft geht damit von einem grundlegenden Desinteresse seitens der Medien aus. Die Wertigkeit dessen, was geschieht, scheint von Kultur zu Kultur unterschiedlich zu sein. In Italien wurde über einen stellvertretenden Chefredakteur berichtet, der in Klagenfurt einen Vortrag gehalten hat. Eine Berichterstattung darüber fand jedoch nur in Italien statt. Für die Österreichisch-Russische Gesellschaft ist jedoch klar: „Sie verhalten sich nach dem Motto bad news are good news.“(Transkript 3) In einer weiteren Aussage fährt Herr C fort: „Wir haben nicht den Zugang zu den Medien, wir sind nicht berühmt, wir können keine Schlagzeilen machen“ (ebd.) Auf die Frage, ob die Gesellschaft versucht gegen diese negativen Aussagen zu steuern,
  • 43. 38 antwortet Herr C: „ Wir können nur homöopathisch daher wirken oder unser Gespräch, das sind Sachen im Mikrogrammbereich, aber manchmal denke ich mir, kann man schon ein wenig dazu beitragen.“ (ebd.) Mit einem weiteren Beispiel aus der Praxis stellt Herr C klar, dass die Arbeit mit den Medien mit Vorsicht zu genießen ist. Man kann jedoch mit eigenen Aktivitäten, unabhängig von den Medien, wahre Eindrücke und Bilder schaffen kann. Dieser Aussage kommt eine Bedeutung zu, nimmt man das Zitat des Interkulturellen Zentrums hinzu: “ Öffentlichkeitsarbeit bedeutet für mich viel mehr als Medienarbeit, also ich glaube es ist oft so eine verengte Sichtweise, dass man denkt Öffentlichkeitsarbeit ist auch Medienarbeit und Pressearbeit.“ (Transkript 4) Positive Erfahrungen mit den Medien machte die Österreichisch-Fidschianische Gesellschaft: „Wir arbeiten mit den Medien zusammen. Wir haben schon zweimal mit Radio Orange zusammengearbeitet, da gab es einen fidschianischen Abend […]. Also es gibt schon eine Medienarbeit, aber bei unserer kleinen Gesellschaft da könnte man mehr tun und das wäre auch wünschenswert.“ (Transkript 5) Aber auch der Vorsitzende der Österreichisch-Russischen Gesellschaft erkennt, dass gute und gezielte Öffentlichkeitsarbeit wichtig ist, um eine negative Resonanz durch die Medien zu umgehen: „Wenn ich jemandem ein Interview gebe und dann sehe ich in der Zeitung, was daraus geworden ist, dann lege ich oft die Ohren an. Weil es natürlich auch immer zwangsläufig zu Verkürzungen kommen kann. Weil es eben auch ein anderer Background ist. Und Dinge natürlich auch ganz anders interpretiert werden können. Das bedeutet immer bei der Zusammenarbeit mit den Medien, man muss möglichst Hintergrundwissen geben […]. Sie müssen sich natürlich auch als Gesellschaft sichern, dass sie auch selber ihre eigene Version unter die Menschen bringen und diese nicht nur über und durch andere entwerfen lassen, weil einfach immer die Gefahr da ist, dass das in eine völlig andere Richtung abdriftet.“ (Transkript 5) Zusammenfassend wurde genannt, dass die Gefahr von Fehlinterpretation, Verzerrung sowie falscher Selektion seitens der Medien, Gründe dafür sind, weshalb die Gesellschaften nur selten mit den Medien zusammenarbeiten. Einige schienen auch (Berührungs-)Ängste vor einer Art öffentlicher Kontrolle oder zu hohem Diskussionsaufwand zu haben. Es zeigt sich trotzdem klar, dass gezielte und gut platzierte Öffentlichkeitsarbeit fundamental sein kann, nicht nur um die Medien zu erreichen, sondern auch um Fehlinterpretationen und Verfälschungen bereits im Vorfeld vermeiden zu können. Das nachfolgende Zitat des Interkulturellen Zentrums fasst das wie folgt zusammen: „Also ich meine, Medien haben natürlich eine Selektion, es gibt Kriterien nach denen sie beurteilen, was wird verbreitet und was scheidet einfach schon mal aus. Die haben einen Kriterienkatalog, den man sich auch anschauen sollte, denke ich mir. Was erfüllt meine Botschaft, welche Newswerte werden hier auch erfüllt und wie kann ich es so modifizieren, dass es da auch wieder hineinpasst. Es gibt immer wieder Journalisten, die speziell dazu Interessen haben oder eigene Sonderseiten haben, wo so etwas auch Platz findet, das ist eine Geschichte, die da super hinein paßt. […]manchmal ist es schwierig, was erreicht den Nachrichtenwert oder was macht diese Mediengeschichte für den Journalisten interessant. Und manchmal ist es auch nur das regionale Blatt ums Eck, oder Fachzeitschriften.“ (Transkript 4)
  • 44. 39 4.2.7 Zukunftswünsche und Aussichten In dieser Kategorie soll gezeigt werden, was die jeweiligen Freundschaftsgesellschaften von der Zukunft erwarten und welche Ziele sie verfolgen. Es stellt sich heraus, dass zur Erreichung dieser Ziele eine grundlegende Kommunikation erforderlich ist. Die Österreichisch-Kanadische Gesellschaft wünscht sich: „Da gibt’s eigentlich nur eines: Ich hoffe sehr, dass das Interesse an der Teilnahme an unseren Veranstaltungen besser wird. Wir versuchen wirklich etwas anzubieten, was die Leute interessieren könnte. Nur wie ich schon geschildert habe, wir wollen Leute, die gut und erfolgreich sind, dass die sich das ein oder andere mal im Jahr Zeit nehmen und nicht nur zur Einladung des Botschafters kommen. Rub shoulders with the important people.“ (Transkript 1) Dass Sponsoren auch zukünftig fundamental für die Dante Alighieri Gesellschaft sind, zeigt sich bei dem Wunsch folgendes Projekt umsetzen zu können: „Auf die Gesellschaft bezogen, kämpfe ich immer noch für so eine Schule. Ich hoffe auf einen großen italienischen Sponsor, der uns das ermöglichen könnte.“ (Transkript 2) Über Aussichten für Freundschaftsgesellschaften und deren Zukunft spricht die Österreichisch-Fidschianische Gesellschaft: „Steigend. Sie wird an Bedeutung gewinnen. Wir leben in einer globalisierten Welt, in der die Flexibilität und Mobilität der Menschen immer größer ist sowie der Austausch zwischen Menschen und verschiedenen Ländern. […] Da glaube ich, haben die bilateralen Gesellschaften eine entscheidende Bedeutung, nämlich das Brücken gebaut werden und das Ganze nicht konfrontativ abläuft. Ängste zu nehmen, Bedrohungen, die vielleicht empfunden werden, mehr als Chance und Bereicherung interpretieren zu können. Das hängt davon ab, wie die bilateralen Gesellschaften ganz entscheidend dazu beitragen. Allein durch ihre kulturellen Veranstaltungen versuchen sie Leute einzubinden, die vielleicht auch bildungsärmeren Schichten entstammen und selbst nur sehr schwer einen Schritt machen. Diese Leute zu umarmen und mit hinein zu nehmen, das ist eine ganz wichtige Aufgabe. Das hat durch eine gesellschaftsstabilisierende Wirkung und global gesehen eine völkerschaftsbindende Wirkung. Das wird zunehmen.“ (Transkript 5) Zusammenfassend zeigt sich, dass Freundschaftsgesellschaften ein hoher Stellenwert hinsichtlich der Globalisierung zugeschrieben werden kann. Bedeutend sind hierbei nicht nur die Projekte bezüglich ihrer Ziele, sondern auch die bindende Wirkung dieser Organisationen für Länder und Nationen in der Zukunft. Um diese Ziele erreichen zu können, bedarf es an Unterstützung seitens der Stakeholder einer jeden Organisation. Grundlage hierfür ist eine direkte Ansprache und andauernde Dialogkommunikation mit dem Ziel diese Beziehungen aufrechterhalten und vertiefen zu können.
  • 45. 40 5. Zusammenfassung und Interpretation der Ergebnisse Es zeigte sich, dass die Öffentlichkeitsarbeit verschiedene Aufgabenfelder abdeckt. Organisationen stehen vor der Herausforderung, ein für die Erreichung eines sozialen Gewinns adäquates Feld herauszusuchen und dies in die alltäglichen Aufgaben der Vereinsarbeit mit einzubinden. Für Freundschaftsgesellschaften kann Folgendes festgehalten werden: Es geht bei der Anwendung von PR weniger um die Imagefestigung der Freundschaftsgesellschaften, als viel mehr um die Vertrauensbildung und ein ernst zu nehmendes Bild über die Absichten der Organisationen, das gegenüber der Öffentlichkeit geschaffen werden muss. Wenn es um die Frage geht, ob Öffentlichkeitsarbeit als wichtiger Bestandteil der Kommunikation nach außen angesehen werden soll, so kann diese Frage eindeutig mit „Ja“ beantwortet werden. Dennoch darf, wie die Auswertung der empirischen Ergebnisse gezeigt hat, Öffentlichkeitsarbeit als keine Selbstverständlichkeit in Freundschaftsgesellschaften angesehen werden. Öffentlichkeitsarbeit wird generell als wichtig empfunden, dennoch fällt in kleineren Vereinen das Augenmerk weniger auf eine aktive PR. Größere Vereine zeigten den Wunsch, mehr Aufmerksamkeit auf aktive Öffentlichkeitsarbeit zu legen und mehrere Kommunikationskanäle nutzen zu können. Interessant ist hierbei, welche Gründe die Vereine aufzählen, weshalb Öffentlichkeitsarbeit weniger betrieben wird – das Zeitbudget und die Kompetenz. Da es sich in der Regel um ehrenamtliche Mitarbeiter handelt, lässt es der persönliche Alltag meist nicht zu, intensiv Zeit in die Vereinsarbeit investieren zu können. Hinzu kommt, dass nicht alle Mitglieder einen Beruf ausüben, der den Aufgabenbereich der Öffentlichkeitsarbeit abdeckt und sie damit auch keine Erfahrung in diesem Bereich aufweisen können. Diese Tatsache ist auch ein Grund, weshalb die Mehrheit der befragten Freundschaftsgesellschaften nicht mehr Kommunikationskanäle nutzen, als die eigene Homepage, einen Newsletter oder auch die Mundpropaganda. Diese Feststellungen bestätigt auch Luthe (1994: 26f): „Die Notwendigkeit von Öffentlichkeitsarbeit als Pflege von öffentlichen Beziehungen wird grundsätzlich anerkannt; in der Praxis mangelt es jedoch an der konsequenten Umsetzung dieser Einsicht. […] Es wird zwar Öffentlichkeitsarbeit betrieben, aber häufig nur >nebenbei< und nicht zuletzt aus diesem Grund mit mäßigem Erfolg.“ Es kann also festgehalten werden, dass Öffentlichkeitsarbeit generell als etwas Existenzielles für die Vereinsarbeit und den fortlaufenden Bestand der Gesellschaften angesehen wird, dennoch tragen bei den befragten Freundschaftsgesellschaften die Faktoren Zeitbudget und
  • 46. 41 Kompetenz entscheidend dazu bei, dass Öffentlichkeitsarbeit zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt werden kann. Ausgehend von der zu Beginn aufgestellten Hypothese, dass Öffentlichkeitsarbeit ein unabdingbares und fundamentales Kommunikationsinstrument für Freundschaftsgesellschaften in Österreich darstellt, viele Freundschaftsgesellschaften sie jedoch nicht in ihre tägliche Vereinsarbeit einbinden, kann diese aufgrund der vorliegenden Ergebnisse bestätigt werden. Öffentlichkeitsarbeit ist für die meisten Freundschaftsgesellschaften ein Kommunikationsmittel, welches immer noch zu wenig routinierten Einsatz in der Vereinsarbeit findet, um beispielsweise neue Bezugsgruppen erschließen und Sponsoren und Mitglieder dauerhaft binden zu können. 6. Chancen und Möglichkeiten für Freundschaftsgesellschaften Auch Walter Fischer (2002: 12) legte einst folgendes fest: „Man sollte sich […] bewusst sein: Haben wir überhaupt etwas zu sagen? Wer nichts zu sagen hat, sollte keine Öffentlichkeitsarbeit machen. Ohne Botschaft keine PR!“ Diese Aussage kann für Freundschaftsgesellschaften nicht geltend gemacht werden. Denn Tatsache und charakterisierend für diese Organisationen bleibt ihr volksbindender Charakter auf einer menschlichen Ebene, bei der, ohne eine Kommunikation nach außen, Ziel und Zweck nicht erfüllt werden könnte. „Die Mitarbeiter […] können die Arbeit der Organisation nur dann erfolgreich vertreten, wenn sie vom Wert und Sinn, von der Wirksamkeit und dem Nutzen ihrer Organisation auch überzeugt sind.“ (Luthe 1994: 19) Dieser Aussage soll eine Studien41 der Universität Wien gegenüber gestellt werden. Es wurde festgestellt, dass eine höhere Kompetenz im Bereich der PR auch einen steigenden Erfolg der Umsetzung von PR-Maßnahmen mit sich bringt. Es ist daher nur sinnvoll, zu überlegen, inwieweit Kompetenz und Überzeugung beieinander liegen. Die vorliegenden Arbeit zielt mit den Ergebnissen darauf hinaus, dass Kompetenz durchaus eine wichtige Rolle bei der aktiven Umsetzung von Maßnahmen der Öffentlichkeitsarbeit spielt. Dennoch scheint es die persönliche Überzeugung gegenüber dem Vereinsziel und der Vereinsphilosophie zu sein, die ebenfalls dazu führen kann, die Öffentlichkeit effektiv zu erreichen. Umso mehr würde es sich anbieten, dass gerade der Vorstand von Freundschaftsgesellschaften einen aktiven Teil der Öffentlichkeitsarbeit 41 Vgl. Göckel, Irmgard (2009): Public Relations für Fortbildungsveranstaltungen in Non-Profit-Organisationen an Hand des Beispiels der Bildungs-PR der Österreichischen Akademie der Ärztinnen und Ärzte. Diplomarbeit. Universität Wien. Online unter: http://othes.univie.ac.at/3754/1/2009-01-28_9304822.pdf (Stand: 13.06.2014).
  • 47. 42 übernehmen würde, sofern der Verein keine verantwortlichen Mitarbeiter für diese Tätigkeit vorweisen kann. Die Untersuchungsergebnisse haben gezeigt, dass bestimmte Faktoren innerhalb der Freundschaftsgesellschaften dazu beitragen, weshalb der Fokus der internen Vereinsarbeit nicht auf die Öffentlichkeitsarbeit gelegt wird. Und sollte auch immer noch ein Misstrauen gegenüber Öffentlichkeitsarbeit vorherrschen, so konnte in dieser Arbeit widerlegt werden, dass gerade Organisationen wie Freundschaftsgesellschaften keinen Vergleich zur Werbung und kostspieligen Kampagnen ziehen sollten, sondern die Vorteile, die Öffentlichkeitsarbeit für Nonprofit-Organisationen mit sich bringt, herausnehmen und nicht nur strategisch, sondern operativ umsetzen. Öffentlichkeitsarbeit kann als Mittel zum Zweck angesehen werden, das Freundschaftsgesellschaften dabei hilft gehört zu werden. Wie das Interview mit der Österreichisch-Fidschianischen Gesellschaft ebenfalls bestätigt hat, stehen die Chancen gut, dass Freundschaftsgesellschaften, vor allem in Zukunft, in Krisenzeiten in der Friedenspolitik eine große Rolle spielen (Transkript 5): „Das hängt davon ab, wie die bilateralen Gesellschaften ganz entscheidend dazu beitragen. Allein durch ihre kulturellen Veranstaltungen versuchen auch Leute einzubinden, die vielleicht auch bildungsärmeren Schichten entstammen und sich auch nur selbst nur sehr schwer einen Schritt machen. Diese Leute zu umarmen und mit hinein zu nehmen, das ist eine ganz wichtige Aufgabe.“ Um das zu fördern ist es nur ratsam, die Vorteile der Öffentlichkeitsarbeit zu erkennen und trotz einschränkender Faktoren, aktiv daran festzuhalten, um eine Verbindung zur Öffentlichkeit und vor allem das Vertrauen in die Organisation sowie deren Ziele aufrechterhalten zu können.
  • 48. 43 Literaturverzeichnis Bentele, Günter / Fröhlich, Romy / Szyszka, Peter (Hrsg.) (2008): Handbuch der Public Relations. Wissenschaftliche Grundlagen und berufliches Handeln. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften Brauner, Detlef J. (Hrsg.) (2001): Lexikon der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. München; Wien: Oldenburg Verlag Deg, Robert (2005): Basiswissen Public Relations. Professionelle Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften Düweke, Esther / Rabsch, Stefan (2011): Erfolgreiche Websites : SEO, SEM, Online- Marketing, Usability. Bonn : Galileo Press Faulstich, Werner (1992): Grundwissen Öffentlichkeitsarbeit : kritische Einführung in Problemfelder der Public Relations. Bardowick : Wissenschaftler-Verlag Fischer, Walter (2002): Tue Gutes und rede darüber: erfolgreiche Öffentlichkeitsarbeit für Non-Profit-Organisationen. Zürich: Orell Füssli Verlag AG Franck, Norbert (2008): Praxiswissen Presse- und Öffentlichkeitsarbeit : ein Leitfaden für Verbände, Vereine und Institutionen. Wiesbaden : VS Verlag für Sozialwissenschaften Fröhlich, Romy (2008): Die Problematik der PR-Definition(en). In: Bentele, Günter / Fröhlich, Romy / Szyszka, Peter (Hrsg.): Handbuch der Public Relations. Wissenschaftliche Grundlagen und berufliches Handeln. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, S. 95-99 Hohn, Bettina (2004): Internet-Marketing und -Fundraising für Nonprofit-Organisationen. Wiesbaden: Dt. Univ.-Verlag Karmasin, Andreas (2008): Stakeholder Management als Ansatz der PR. In: Bentele, Günter / Fröhlich, Romy / Szyszka, Peter (Hrsg.): Handbuch der Public Relations. Wissenschaftliche Grundlagen und berufliches Handeln. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, S. 268-279 Kunczik, Michael (2002): Public Relations: Konzepte und Theorien. Böhlau: UTB Verlag Kühl, Stefan / Strodtholz, Petra / Taffertshofer, Andreas (Hrsg.) (2005): Quantitative Methoden der Organisationsforschung. Ein Handbuch. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften Küsters, Ivonne (2006): Narrative Interviews. Grundlagen und Anwendungen. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften Luthe, Detlef (1994): Öffentlichkeitsarbeit für Nonprofit-Organisationen. Eine Arbeitshilfe. Augsburg: MaroVerlag
  • 49. 44 Oeckl, Albert (1964): Handbuch der Public Relations Theorie und Praxis der Öffentlichkeitsarbeit in Deutschland und der Welt. München: Süddeutscher Verlag Oplesch, Angelika (2001): Online-PR: exakte Zielgruppenansprache, interaktive Kundenkontakte, innovative Kommunikationskonzepte. Landsberg/Lech: Moderne Industrie Verlag Taddicken, Monika (2008): Methodeneffekte bei Web-Befragungen. Einschränkungen der Datengüte durch ein >reduziertes Kommunikationsmedium<? Köln: Halem Verlag Weber, Susanne / Brake, Anna (2005): Internetbasierte Befragung. In: Quantitative Methoden der Organisationsforschung. Ein Handbuch. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften
  • 50. 45 Abbildungsverzeichnis Abbildung 1: Interne und externe Stakeholder .....................................................................12 Abbildung 2: Fundraising-Strategien auf Facebook - http://mashable.com/2012/12/12/non- profits-social-media-infographic/..........................................................................................15 Abbildung 3: Online-Befragung, Frage 1: Wie haben Sie über das Lateinamerika Institut Kärnten erfahren? (N=39).....................................................................................................24 Abbildung 4: Online-Befragung, Frage 2: Über welche Medien holen Sie allgemein am häufigsten Informationen ein? (N=39) ..................................................................................25 Abbildung 5: Online-Befragung, Frage 3: Wie wichtig erachten Sie es für einen interkulturellen Verein, wie die Lateinamerikagesellschaft, aktiv Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben? (1= unwichtig; 6=unverzichtbar) (N=39) .............................................................26 Abbildung 6: Online-Befragung, Frage 4: Welche Bedeutung schreiben Sie den folgenden Zielen, Aktivitäten und Leistungen eines interkulturellen Vereins zu? (1= unwichtig; 6=unverzichtbar) (N=39)......................................................................................................27 Abbildung 7: Online-Befragung, Frage 5: Wie groß betrachten Sie die Herausforderung eines Vereins mit der Öffentlichkeit zu kommunizieren, hinsichtlich des Aspektes der Interkulturalität? (N=39).......................................................................................................28
  • 51. 46 Anhang Transkript 1: Österreichisch-Kanadische Gesellschaft Befragte/r: Herr A Interviewerin (I): Sara Melaschuk Datum: 04.09.2013 I Mich würde interessieren wie Sie den Unterschied zwischen einem gewöhnlichen Kulturverein und einem Kulturverein wie Ihrem beschreiben? A Ja also bilateral in der Bezeichnung, das ist ja schon ziemlich klar, dass wir versuchen die beiden Länder etwas näher zu bringen. Die meisten unserer Mitglieder haben einen gewissen Kanadabezug, also zum Beispiel bei mir, ich habe vor vielen Jahren mit einem Stipendium des Kanada-Councils in Toronto studiert und dort meinen Master in Volkswirtschaft gemacht und für mich ist es eine Möglichkeit ein bisschen was zurückzugeben, für die Großzügigkeit der Kanadier. Das ist das eine, das Zweite, es gibt vielleicht auch welche, die vielleicht ein bisschen egoistische Gründe haben im Sinne von: Sie denken daran, nach Kanada auszuwandern. Da hatten wir einen, der hat das dann nicht gemacht, aber es hat ihm geholfen mit unseren kanadischen Mitgliedern und wir haben ungefähr die Hälfte, wenn man so will, Kanadier und die andere Hälfte Österreicher mit diesem Kanadabezug. Also wie gesagt Kanadabezug unserer Mitglieder ist wichtig und auch ein Interesse an Kanada. Kann auch egoistischer Natur sein. Das gleiche gilt ja für unsere kanadischen Mitglieder, denen wir versuchen zu helfen. Nicht unbedingt bei der Arbeitsvermittlung, weil die meisten, die bei uns Mitglieder sind, sind in gesicherter Position wie es so schön heißt. I Das heißt also, Sie... A Also Unterschiede: ja genau die erste Frage war, der Unterschied bei einem Kulturverein ist, dass eigentlich nur das Land, das er vertritt, also der kanadische Kulturverein, in Österreich präsentiert, auf was immer für eine Art. Denn wir versuchen diese gesellschaftliche menschliche Komponente herauszustreichen und das machen auch, so weit ich informiert bin, die 140 anderen bilateralen Organisationen, die zusammengefasst sind in dieser Pan p-a-n partner aller nationen, die Dachorganisation aller bilateralen Gesellschaften I Darf ich Sie fragen wie viele Mitglieder Sie in Ihrem Verein haben? A Ja, es schwankt ein bisschen zwischen 85 und 95. Also wir sind keine sehr große Organisation.
  • 52. 47 I Und wie gestaltet sich bei Ihnen das Leistungsangebot für ihre Mitglieder oder für die Öffentlichkeit? A Schauen Sie, das ist bei uns kein wirklich großes Thema. Was im Jahr für Kanada gemacht wird, das macht eigentlich die Botschaft und wir bemühen uns eigentlich ja, mit durchschnittlichem Erfolg, die Mitglieder zu motivieren sich regelmäßig zu treffen und auszutauschen. Wir bieten also mehr ein Kanadier orientiertes Programm. Das war zum Beispiel ein Besuch der Staatsoper hinter der Bühne. Wir haben einen Besuch in einer Ausstellung mit einer englischsprachigen Führung gemacht. Es gibt in Wien eine Organisation, die versucht disneylandartig die Stadt Wien und die Geschichte Wiens zu erstellen. Das war natürlich interessanter für die kanadischen Mitglieder der Organisation. Wir waren zu Besuch am Dach des naturhistorischen Museums, da kommt man auch schlecht hin. Wir haben dann wiederum als offizielle Veranstaltungen: einmal im Jahr lädt der kanadische Botschafter zu Weihnachten ein, zu sich in die Residenz und bei dieser Gelegenheit wird unser Preis für die beste Arbeit über Studien, die Kanada und Österreich zum Thema haben, und das haben wir jetzt schon seit einigen Jahren gemacht. Das wird von einer österreichischen Firma unterstützt und der Sieger bekommt 1000 Euro. I Ich verstehe... A So, aber wie gesagt echte Pressearbeit oder Presseaussendungen und ähnliches machen wir nicht. Wir haben natürlich unsere Website, wir sind auch im Internet vertreten und ich bin schon in der Generation, die das nicht sehr gerne macht, aber wir haben dafür eine nette junge Dame die unseren Internetauftritt ein bisschen betreut. I Aha, ok. Das wäre eigentlich auch schon meine nächste frage gewesen, hinsichtlich der Art der Öffentlichkeitsarbeit, die sie betreiben. Ich meine, was man versucht um die Öffentlichkeit anzusprechen, auf sich aufmerksam zu machen? A Ja, da muss ich ganz ehrlich sagen, sind wir eigentlich zu klein I Ich verstehe... A Und ich kenne aus meiner früheren Inkarnation noch sehr viele Presseleute, aber ich muss ehrlich sagen, das ist unterm Radar. Wir versuchen es eher in persönlichen Gesprächen, aber ich muss ehrlich sagen, mit nicht sehr geringem Erfolg. Es gibt eigentlich nichts, was niemanden vom Hocker reißt. Einmal hat die Organisation ein Buch veröffentlicht mit Artikeln von unseren Mitglieder und den Gewinnern unseres erdigen Preises und das ist ganz gut angekommen. Ich meine, es war kein rauschender Verkaufsschlager, das können sie sich vorstellen.
  • 53. 48 I Und gibt es da seitens der Mitglieder irgendwelche Unterstützungen oder Leistungen? A Achso, natürlich, unseren Mitgliedsbeitrag versuchen wir sehr niedrig zu halten und für eine Einzelmitgliedschaft 50 € für Familien 75€ und für Studenten 15 €. Und was tun wir mit dem Geld eigentlich, wir subventionieren Veranstaltungen der Organisation, zum Beispiel die Verabschiedung des kanadischen Botschafters, obwohl wir da eigentlich der Meinung sind, dass wenn es wirklich nur ein Essen ist, das kann sich jeder von uns leisten. I Ich höre sehr oft heraus, was Sie ja auch vorhin über Ihre Mitglieder erzählt haben, dass es sich da zum Teil um Kanadier handelt und zum anderen Teil Kanada- Interessierte. Habe ich das richtig verstanden? A Genau richtig. Und wir versuchen auch im Vorstand so eine Balance zu halten. Also ich bin Präsident und bin Österreicher, meine Vizepräsidentin ist Kanadierin und dann haben wir auch eine ganz gute Mischung von Kanadier und Österreicher. Dann gibt es noch etwas, einmal im Monat gibt es einen Stammtisch der offen ist für alle in Wien lebenden Kanadier, nicht nur für unsere Mitglieder. Und das hat sich ganz gut bewährt. I Und halten Sie es persönlich für wichtig oder grundlegen, dass zum Beispiel der Vorstand bei Ihnen auch wirklich aus Einheimischen besteht? A Nein, nein ich find diese Mischung ist ganz gut, weil die Kanadier, die in Wien leben sind schon mehr Österreicher als Kanadier, aber wenn es darum geht, was interessieren bei der Gestaltung der Veranstaltungen ist dieser Mix ganz wichtig. I Was mich so interessiert, ist, wie sich die Aspekte, hinsichtlich der interkulturellen Kommunikation gestalten? A Also untereinander w,enn sie das Hauptproblem ansprechen wollen, ist es nicht so sehr das Miteinander auskommen, da hat es eigentlich nie ein Problem gegeben. In Wien gibt es ein unglaubliches Überangebot an Dingen die man machen kann, jetzt denke ich nicht nur an Musiktheater, was auch immer man machen kann, sondern auch an Vorträge. Also ich will nicht übertreiben, aber ich könnte jeden ´Tag zu drei oder vier Veranstaltungen gehen, obwohl ich schon in Pension bin. Das ist einfach wahnsinnig schwierig durch diesen (...) durchzukommen mit den eigenen Veranstaltungen und wir versuchen natürlich schon Leute zu haben, die auch was darstellen, das heißt die warten nicht auf noch eine Veranstaltung und das größte Problem eigentlich ist es, die Leute zu motivieren zu kommen und auch manchmal das frustrierende und das ist etwas, das haben wir früher versucht. Jetzt haben wir den einen Stammtisch einmal im
  • 54. 49 Monat und wir versuchen jeden Monat etwas anzubieten und es war einfach nicht genügend Interesse da, weil es hat keinen Sinn. die Vorbereitung der Veranstaltung ist sehr arbeitsaufwendig und genauso arbeitsaufwendig, ob 10 Leute kommen oder 50 und jetzt machen wir es so, dass wir im Jahr nur drei oder vier größere Sachen machen und das bewährt sich ganz gut. I Versuchen sie ihre Veranstaltungen auch auswärts zu platzieren? A Wir haben Mitglieder die zum Beispiel für Banken arbeiten oder große Rechtsanwaltsfirmen und Leute, die im Hotel tätig sind, die uns dann zu nullkosten oder sehr günstigen Bedingungen Meetingräume zur Verfügung stellen. Das ist schon sehr, sehr wichtig. Weil ich meine, wir sind ganz gut finanziert aber wir schwimmen nicht in Geld und einer meiner Träume war immer das wir so viel haben, dass wir ein Stipendium sponsern können, aber davon sind wir noch weit weg. I Arbeiten sie auch mit der Universität zusammen? A Oh ja, oh ja, wir haben einen wissenschaftlichen Beirat, der auch über diesen Preis entscheidet, den wir einmal im Jahr vergeben. I Ok, dann komme ich eigentlich auch schon zu meiner letzten Frage, die Sie mir eigentlich auch schon beantwortet haben, aber ich möchte Sie gerne einfach noch mal stellen, da ich sie persönlich auch für wichtig halte: Was sind Ihre Wünsche und Hoffnungen für die Zukunft? A Das gibts eigentlich nur eines: Ich hoffe sehr, dass das Interesse an der Teilnahme an unseren Veranstaltungen besser wird. Wir versuchen wirklich etwas anzubieten, was die Leute interessieren könnte, nur, wie ich schon geschildert habe, wir wollen Leute, die gut und erfolgreich sind, dass die sich das ein oder andere mal im Jahr Zeit nehmen und nicht nur zur Einladung des Botschafters kommen - „rub shoulders with the important People“.
  • 55. 50 Transkript 2: Dante Alighieri Gesellschaft Befragte/r: Frau B Interviewerin (I): Sara Melaschuk Datum: 10.09.2013 I Mich würde interessieren, wie Sie den Unterscheid zwischen einem gewöhnlichen Kulturverein und einer Freundschaftsgesellschaft beschreiben? B Naja, also die sind nicht alle auf dem gleichen Niveau, diese Gesellschaften, die überregional tätig sind. Die Dante Alighieri Gesellschaft ist ein italienischer Verein, der gegründet wurde am Ende des 19. Jahrhunderts zur Unterstützung italienischer Emigranten im Ausland. Sie ist also anders als andere Gesellschaften. Es ist auch kein staatlicher Verein wie das Goethe-Institut, daher leben wir auch ohne irgendwelche Subventionen. Jeder Verein, in jeder Stadt – in Kärnten gibt es 3: Klagenfurt, Villach und Spittal – ist autonom und macht das, was er glaubt, was er dem Publikum hier verkaufen kann. Das ist einmal das eine. Da wir uns selbst erhalten müssen, setzen wir sehr stark auf Sprachkurse, weil wir natürlich das alles hier finanzieren müssen. Wir leben aber vorwiegend von ehrenamtlicher Tätigkeit und Freundschaftsgesellschaften, in diesem Sinne würde ich sagen, wir unterscheiden uns von anderen Anbietern von Sprachkursen dadurch, dass wir also sehr viel Kultur dazu anbieten. Wir bemühen uns im Austausch, d.h. also wir versuchen Leute aus Italien und Österreich in Verbindung zu bringen. Das geht ganz gut bei den Erwachsenen. Wir machen also einmal im Monat einen offenen Abend, da kann jeder kommen mit einem gemütlichen Abendessen und da kann jeder sprechen. Das ist das, was die Leute hier wollen. Sie wollen reden. Wir unterstützen also Italiener, die hierher kommen, Arbeit suchen oder Arbeit gefundene haben, Kinderbetreuung suchen oder überhaupt Deutsch lernen wollen. Wir arbeiten hier sehr viel mit Tandem, das heißt Leute die schon Italienisch können und mit Leuten, die am Deutsch lernen sind, also sie unterstützen sich auf Gegenseitigkeit. Das ist ökonomisch auch sehr vorteilhaft und bringt verhältnismäßig viel, weil wenn ich zwei zu zwei habe ist das besser, als wenn ich hier acht oder zehn Leute im Kurs habe. Das hat eine andere Dynamik. Wir arbeiten sehr viel auch, indem wir unten Kontakte mit unseren Gesellschaften, denn die Dante ist eine Gesellschaft, die hat auch im Land einige Komitees. D.h. das gibt es bei den anderen auch nicht, deswegen sagte ich, wir sind ein bisschen außerhalb des Rahmens. Die hatten früher
  • 56. 51 die Aufgabe die nötigen finanziellen Mittel bereitzustellen, um die Schwestergesellschaften im Ausland zu finanzieren. Das ist lange her. Das ist mit dem 2. Weltkrieg gefallen, denn auch in der faschistischen Ära wurde das sehr beworben, d.h. die Kinder in der Schule haben so wie wir (... ) ein paar Schilling gebraucht. Das war wenig, aber es hat die Masse ausgemacht. Das hat also den Italienern, die ins Ausland gegangen sind sehr geholfen, die konnten meistens gar kein Italienisch, sie konnten nicht lesen, sie konnten nicht schreiben, sie konnten nur den Dialekt ihres Ortes. Das ist schwierig eine zweite Sprache zu kennen, daher haben sie also den Zusammenschluss der Italiener also im Ausland, in „littel Italy“. D.h. die suchen die Gemeinschaft, wo sie, auch wenn sie die Sprache nicht können, trotzdem überleben können. Das ist also eine typische italienische Verhaltensweise. Das ist anders, wenn ein Österreicher ins Ausland geht, dann hat er die Sprache schon vorher ein bisschen gelernt und der passt sich an. Das ist eine andere Mentalität. Und dieser Unterschied in der Mentalität, das versuchen wir hier den Leuten aufzuzeigen. I Und wie ist das umgekehrt, bzw. zunächst die Frage, wie viele Mitglieder haben Sie? B So an die 650. Sonst könnten wir uns das alles hier nicht leisten. Das ist also wie eine große Schule: Wir fangen jetzt mit den Sprachkursen an, wir bieten so an die 30 Kurse an. Hier in Klagenfurt und dann noch mal welche in St. Veit (...). Ich habe außer mir nur italienisch Unterrichtende, also nur Muttersprachliche, die ich auch sehr gut aussuche, damit man also auch ein sehr gutes Niveau anbieten kann. Denn wir haben kaum Italiener hier. Das nimmt jetzt ein bisschen zu, denn von Italien kommen immer mehr Italiener her und arbeiten oder machen eine Firma auf und daher haben wir jetzt Italiener auch hier.(...) bei uns ist es umgekehrt, bei uns haben wir sehr viele Österreicher und wenig Italiener. Wir sind jetzt dabei das ein bisschen umzustellen und auch das Angebot umzustellen. Weil wenn wir mehr Italiener haben, wollen wir denen auch erzählen wie das hier bei uns ist. D.h. wir versuchen beides abzudecken. Wir erzählen den Italienern, warum ist das in Italien so und welche Probleme haben sie, wo kommen die Probleme her und versuchen den Italienern zu sagen, bei uns ist das anders, weil bei uns ist die Entwicklung eine andere gewesen. I Und wie würden Sie den Unterschied bezeichnen zwischen dem Programm, welches Sie den Österreichern anbieten und dem, welches Sie den Italienern anbieten? B Wir haben viele, die jetzt ein Jahr in Udine gewesen sind, im Europagymnasium, das heißt „Ucelis“. Da gehen die Schüler hinunter, ohne das sie ein Wort Italienisch können. Das ist meiner Meinung nach purer Wahnsinn. Das ist für die Kinder
  • 57. 52 schlimm, das ist für die Lehrer unten schwierig. Und nicht jeder will so lange weg. Da gibts auch Kinder, die machen unten dann die Matura, aber wir bräuchten so etwas auch. Ich bin auf Gegenseitigkeit, ich hasse es, wenn ich alle hinunter schicke und keiner kommt herauf. Wir haben hier etwas zu bieten, das die Italiener nicht haben, wir haben ein intakte Mannschaft, wir haben ein funktionierendes Gesellschaftssystem, noch sage ich die Schule könnte besser sein, aber sie ist nicht so schlecht, wie man manchmal redet und man könnte eine Schule schaffen, ein Internat, wo die Italiener heraufkommen und mit uns dann in die Schule gehen. Drei Monate und dann gehen unsere hinunter. Das würde ich mir vorstellen. Eine Klasse, ich rede nicht von Schulen, eine Klasse in einer Schule. I Ist das Ihre Wunschvorstellung, dass das passiert? B Das wäre meine Wunschvorstellung, das würden auch viele Leute begrüßen. Die Tendenz geht nicht dorthin. Wir sind noch weit entfernt, da müsste vielleicht mal von der EU ein Angebot kommen, das diese Sache fördert. Die Kinder, von 4 bis 14, die 10 Jahre, da tausche ich die Lehrer. Dass sie mit dem Muttersprachlichen das lernen, auch die Mentalität. Ab 15, also die Oberstufe sage ich jetzt mal groß gerechnet, da (tausche?) ich dann die Schüler, damit sie das, was sie lernen auch an Ort und Stelle auch erproben können. Das wäre auch meiner Meinung nach, wenn wir hier wirklich eine integrierte Gesellschaft haben wollen. Nächstes Jahr gedenken wir zu 100 Jahre 1. Weltkrieg und es wäre mal Zeit, das wir hier auf diesem Gebiet weiter arbeiten. Denn nur wenn wir das so machen, wenn ich weiß, wie sieht der Italiener den Ausbruch des 1. Weltkriegs, der für den Italiener ja erst 1915 beginnt, dann kann ich überhaupt verstehen, was sich da entwickelt hat. Das ist aber wichtig, dass nicht der Österreicher auf Italienisch; das dem erzählt, sondern, dass der Italiener kommt und aus seiner Sicht das erzählt. Dann kann ich von Jugendlichen erwarten, dass sie sich ein Bild machen. I Wenn ich das richtig verstehe, sehen Sie also den momentanen Stand der gesellschaftlichen Integration sehr schwankend? B Da gibt es sicher Bestrebungen, aber meiner Meinung nach bräuchte ich hier, das ist natürlich auch schwer das mit einem Lehrkörper zu machen – indem die Lehrer vor der Pension stehen. Das muss ich mit einer Schule machen, bei der die Lehrer jung sind und bei Null anfangen. Ich mein das gilt nicht für alle. Ich bin auch schon alt, ich würde das also morgen so machen, wenn ich soviel Geld hätte, dass ich so eine Klasse mache, würde ich morgen anfangen und zeigen, wie man so etwas macht. Denn es reicht nicht die Sprache. Wenn ich keine Sicherheit in meiner Verwurzelung habe,
  • 58. 53 dann kann ich das auch draußen nicht bekommen. Das versuche ich hier den Leuten zu erzählen. Auch sehr viel gemeinsame Geschichte: Wenn wir das nicht erkennen, wie das gelaufen ist, das ist in Italien noch viel schlimmer, auch in gebildeten Kreisen wissen sie eigentlich garnichts über Österreich, auch wenig über Deutschland, solange werden wir die europäische Einigung nicht im Kopf haben. Denn erst bei der ersten Schwierigkeit, werden wir gegen (einen anderen ziehen?). I Das heißt, welchen Stellenwert haben interkulturelle Kompetenzen bei Ihnen? B Meiner Meinung nach, wenn sie als interkulturell verstehen, ich interessiere mich für ein anderes Land, das kann ein Nachbarland sein, ist leichter, weil dort kann ich das eher überprüfen. Es ist schwieriger, wenn das z. B. in Finnland ist, weil da komme ich vielleicht nicht jedes Jahr hin. Für uns ist Italien das Nachbarland schlecht hin. Jedes Kind ab einem gewissen sozialen Niveau, war schon einmal am Meer. Das war bis zum Fall Jugoslawiens nur Italien. Kein Mensch fuhr nach Kroatien, das ändert sich jetzt. Auch hier ändert sich jetzt der Blickwinkel. Da ist es auch interessant, dass die gesamte kroatische dalmatinische Küste, da reisen sie auf den Spuren von Venedig. Das ist nichts kroatisches. Dort sprechen die Leute einen venezianischen Dialekt. (...). Drum finde ich, das ist wichtig, das wir uns das mal klar machen, dann schauen auch viele andere Sachen ganz anders aus. Und die Auseinandersetzungen, die in diesem Land dort stattgefunden haben, als Venedig dort weg ging, die waren ja schlimm. Und das hat sich ja in Wellen immer weiter wiederholt und das ist den Leuten eigentlich gar nicht so klar. I Umso wichtiger ist es wahrscheinlich auch für Sie, dass Sie hier mit Ihrer Gesellschaft über solche historischen Unklarheiten aufdecken? B Ich sehe es als ein Ziel. Ich beschränke mich nicht nur auf Sprache. Es ist schon wichtig, dass ich weiß, wie ich einen Kaffee oder einen ordentlichen Schuh bestelle, aber das kann ich auch mit wenigen Worten. Der Hintergrund, das Verständnis für das Land, ist meiner Meinung nach, für mich, ich seh das so, dass das wichtig ist. Das ist auch nicht einfach, weil auch die jungen Lehrkräfte, die ich aus Italien habe, haben dann nur einen schwierigen Zugang. Das wird in Italien überhaupt nicht unterrichtet. Und je weiter sie aus dem Süden kommen, desto weniger ist das so. Und ich sehe das als Aufgabe, das bietet weder die Schule, noch die Universität, das sehe ich als Aufgabe von solchen Gesellschaften, dies– ob das jetzt Literatur oder Musik ist – übergreifend anzubieten. I Und wie gestalten Sie Ihre Öffentlichkeitsarbeit?
  • 59. 54 B Das ist eine gute Frage, denn das ist hier sehr schwer. Weil das Interesse, die Medien, die öffentliche Meinung, will immer nur etwas Neues. Dabei haben wir das, was wir anbieten noch gar nicht richtig verdaut. Öffentlichkeitsarbeit ist also sicher etwas, das im Arm ist, weil wir arbeiten ja alle ehrenamtlich, wir haben ja alle einen Job. Ich kann mich viel zu wenig um das kümmern, weil ich muss schauen, dass hier verwaltungsmäßig und auch organisatorisch die Sache läuft. Bei einem Duzend Kursleitern, 30 Kursen, Vorträgen, Reisen bin ich also ausgelastet. Und man sollte immer noch mal was neues haben, um Leute anzusprechen, die man noch nicht ganz geschafft hat. I Aber glauben Sie, dass es in unserer Gesellschaft Schwierigkeiten gibt mit der Öffentlichkeitsarbeit, weil es eben um ein Thema geht – Thema Integration und Thema andere Kulturen – dass es tatsächlich schwieriger ist? B Nein das glaube ich nicht, dass es am Thema liegt. Ich glaube, dass es ein Desinteresse dafür ist, hier ganz speziell, ich weiß nicht wie es wo anders ist. Also ich habe viel offenere Ohren in Italien. Immer wieder schickt mir jemand einen Artikel, das war auch ein Journalist, der sagt auch „ das ist ja enorm, was ihr hier macht.“ Ja und ohne Geld, ich bekomme also keine Subventionen. Aber dann gibt es doch Leute, die finden das toll, was wir hier machen. „Ich komme und stelle ein Buch vor oder ich komme und wir machen eine Reise. Wir haben schon hervorragende Autoren hier gehabt, sie kommen aber damit nicht in die Zeitung, sie kommen auch nicht ins Radio. I Also besteht keine Nachfrage? B Naja, es ist ja auch überhaupt keine Neugierde da. Wenn ich jemanden kommen lasse, der in Italien, z. B. Sergio Romano, ein Mann, der Botschafter in Moskau und in Amerika war und bei jedem größeren Problem gibt er sein Kommentar ab oder hält Vorträge, wenn ich erreiche, dass der kommt und hier einen Vortrag hält und die Leute kommen nicht und die Medien bringen nicht eine halbe Zeile darüber, dann muss ich sagen, ist es um uns wirklich sehr schlecht bestellt. I Ich verstehe, sind Sie im Internet, außer auf Ihrer Homepage, vertreten? B Nein nur auf der Homepage. Das ist sicher schwierig. Wir haben z. B. ein Buch vorgestellt und da kamen 250 Leute und darüber berichtete auch die Kleine Zeitung. Da kam auch der italienische Botschafter aus Wien extra her. Die fanden das ganz extrem. Das kann ich nicht jeden Tag bieten. Ich würde mir wünschen, das man dann, wenn man sagt so, der war mal da, jetzt haben wir jemand anderen, der ist auch gut, ich hab z. B. vor der Wahl in Italien einen stellvertretenden Chefredakteur der Zeitung
  • 60. 55 (...) hier gehabt und der hat erzählt über die Positionen der Parteien und so, das war eine hochinteressante Geschichte, die Leute auch die Italiener waren hingerissen. In Italien, unten, wurde berichtet, der war in Klagenfurt. Total interessant, aber hier... I Sie sagen also, das ist in Italien anders? B Das ist in Italien ganz anders. I Wenn ich das also richtig aufgefasst habe, halten Sie Verbindungen mit der Dante Alighieri Gesellschaft in Italien? B Natürlich. Wir haben auch Kontakte mit Deutsch-Italienischen Gesellschaften, die es gibt. Also Deutschland, die finanzieren das auch nicht mehr. Aber vor vielen Jahren, das waren so Freundschaftsgesellschaften, die gibts in Deutschland, die gibts in Italien. Die haben viele Kontakte miteinander. Die Deutsch-Italienischen Gesellschaften sind teilweise sehr gut. Da gibt es Institutionen, die sagen wir unterrichten Deutsch, das ist nicht nur Deutschland sondern auch Österreich und die deutsche Schweiz. Die sehen sich also als Vertreter von allen, da mach ich hin und wieder einen Vortrag oder die kommen herauf. Also da halte ich schon Kontakte. I Besteht Ihr Vorstand aus verschiedenen Nationen? B Nein. Wir haben nur Österreicher und Italiener. Wir sind ja statutengemäß so, das wir so halbe, halbe haben: halbe Österreicher, halbe Italiener, halbe Damen und halbe Herren. Also ich bin für eine sehr ausgewogene Sache. Das ist nicht einfach. Junge Leute müssen heute schauen, dass sie überleben mit dem Job und wenn man da noch ein bisschen ehrenamtlich tätig ist, dann tut man sich schon schwer. Das ist auch der Grund, warum ich das gerne morgen abgebe. Im Augenblick ist es so, ich habe jemanden, aber die haben die Zeit nicht. I Damit komme ich dann zu meiner letzten Frage: Was sind Ihre persönlichen Wünschen und Hoffnungen für die Zukunft, bezogen auf die Gesellschaft? B Auf die Gesellschaft bezogen, kämpfe ich immer noch für so eine Schule. Ich hoffe auf einen großen Italienischen Sponsor, der uns das ermöglichen könnte. Schön wäre es solch einen Austausch zu schaffen.
  • 61. 56 Transkript 3: Österreichisch- Russische Gesellschaft Befragte/r: Herr C Interviewerin (I): Sara Melaschuk Datum: 13.09.2013 I Wie definieren Sie Ihre Freundschaftsgesellschaft? C Unsere Gesellschaft ist entstanden aus der ehemaligen Österreichischen-Sowjetischen Gesellschaft, die wurde schon 1945 oder 1946 gegründet. Das war damals so, dass die Sowjetunion mit allen Ländern so genannte Freundschaftsgesellschaften hatte. Und diese Gesellschaften hatten auch indirekt einen diplomatischen Status. Ein Beispiel: Als damals dieser 6-Tage Krieg in Israel geführt wurde, hat die Sowjetunion mit Israel die diplomatischen Beziehungen abgebrochen, aber über diese Freundschaftsgesellschaften sind weiterhin die Kontakte gelaufen, die immer bilateral notwendig sind. Als in diesem Fall hat die Freundschaftsgesellschaft die Kommunikation übernommen zwischen zwei Ländern mit diplomatischen Beziehungen, die offiziell abgebrochen wurden. Diese Österreichische-Sowjetische Gesellschaft hat auch geholfen vielfach Dinge zu regeln, Bürokratische Dinge, wo man gesagt hat, gut mit der Sowjetunion ist das ein bisschen schwierig jetzt und das ist dann über die Freundschaftsgesellschaften gelaufen. Es gab in Russland eine Sowjetisch-Österreichische Gesellschaft und bei uns die Österreichisch-Sowjetische Gesellschaft. Und da ist dann Ende der 90er Jahren, da die Sowjetunion eben aufgehört hat zu existieren, haben wir gesagt, was machen wir mit dieser Freundschaftsgesellschaft? Und man hat die dann aufgelöst. Es gab in Wien einen Dachverband und dann die einzelnen Landesgesellschaften. Dieser Dachverband hat sich dann aufgelöst und in einigen Bundesländern existieren diese Freundschaftsgesellschaften noch unter einem anderen Namen: In Voradelberg, die nannten sich Ostgesellschaft, in Salzburg, die nannten sich Österreichisch-Russische Kulturaustausch und in der Steiermark und im Burgenland, die haben gesagt wir machen auch weiter, wir nennen uns dann Österreichisch-Russische Gesellschaft. Soweit diese Geschichte, wir haben natürlich dann nicht mehr den Status gehabt wie die Österreichisch-Sowjetische Gesellschaft. Die Österreichisch-Sowjetische Gesellschaft hatte zum Beispiel einen Generalsekretär im Burgenland, der hatte einen eigenen Dienstag, der ihm von der Wirtschaft gesponsert wurde. Wir bekommen jetzt auch noch Hilfe von der Botschaft, aber natürlich nicht mehr in dem Ausmaß. Und z.
  • 62. 57 B am 9. Mai In Graz machen wir jetzt seit 4 Jahren eine Veranstaltung am Zentralfriedhof bei der sowjetischen Grabanlage. Und da sponsert dann zum Beispiel die Botschaft das Mittagessen für die Teilnehmer. Also solche Hilfen bekommen wir, auch sonst bekommen wir auch moralische Unterstützung, aber eben keine gewaltig geltende. I Warum ist die Botschaft nicht mehr so hilfsbereit wie damals? C Weil wir einen anderen Status haben. Wir sind keine quasi diplomatische Vertretung, sondern wir sind ein Verein, das war zwar vorher auch, aber wir sind jetzt ein Verein und das ist eben so. Ich muss aber dazu sagen, die haben ein sehr gutes Verhältnis zu uns. Zum Beispiel voriges Jahr haben wir eine Veranstaltung gemacht, die hieß „unser Partner Russland“, da ist dann der Botschafter persönlich gekommen und da waren wichtige Leute da. I Haben Sie das Gefühl, das die Medien hier in Österreich zu Unrecht beurteilen? C Sie verhalten sich nach dem Motto „bad news are good news“. Ich kann dazu zwei Beispiele sagen. Da gab es mal eine Diskussion über Kitzbühel, da seien zu viele Russen. Und dann gab hier eine ehemalige Journalistin, sie hat hier einen Vortrag gehalten und danach hat sie eine Schlagzeile gebracht: „Kitzbühel ist fast russenfrei“. Und das finde ich eine Infamie sondergleichen. Und das zweite Beispiel, kann ich leider nicht zeigen, aber es gibt im Standard eine Karte der Welt, ein Weltplan, wo alle Staaten Rot eingezeichnet waren, wo Kindersoldaten zum Einsatz kommen. Und die ganze russische Föderation war rot, so nach dem Motto, in der russischen Föderation kommen Kindersoldaten zum Einsatz, was natürlich ein Unfug ist. Ich hätte versucht juristisch dagegen vorzugehen, kann es aber nicht und zwar aus folgendem Grund, während der Tschetschenien-Krise wurden Kindersoldaten vereinzelt eingesetzt. Von den Rebellen her nicht von der russischen Armee. Und weil Tschetschenien ein Teil der russischen Föderation ist hat man das ganze russische Territorium rot gekennzeichnet. Die Botschaft die herüberkommt ist eindeutig: Russland verwendet Kindersoldaten. Das mein ich es wird immer die negative Seite betont oder was man da an Negativem empfinden kann. I Glauben Sie, dass das nur für Russland gilt oder, dass man dies Verallgemeinern kann? C Ich glaube das gilt ganz speziell für Russland. I Versuchen Sie mit Ihrer Gesellschaft gegen diese negativen Aussagen zu steuern?
  • 63. 58 C Soweit wir das können, ja. Wir können nur homöopathisch daher wirken oder unser Gespräch, das sind Sachen im Mikrogramm Bereich, aber manchmal denk ich mich, man kann ein wenig etwas beitragen. Zum Beispiel voriges Jahr war ich mit einer Touristengruppe, ich mach jedes Jahr im Sommer eine Russlandreise und da war eine Ärztin dabei aus der Süd-Steiermark und ich war mit der Gruppe auch am (…) Friedhof. Leningrad war von den Faschisten fast 900 Tage belagert, da haben sich schreckliche Dinge abgespielt. Und es gab einen Befehl der deutschen Wehrmacht Leningrad nicht einzunehmen, sondern nur zu belagern und die Leute durch Hunger und Kälte umzubringen, das steht so in diesem Befehl drinnen. Und Leute die mit weißen Fahnen aus der Stadt heraus wollen sind also zu erschießen. Und da gibt’s einen Friedhof, das ist der (…) Friedhof, da liegen die Leute, die während dieser Zeit umgekommen sind und nachdem wir dort waren kam am nächsten Tag eine Ärztin zu mir: „Peter dieser Eindruck war der stärkste hier in Russland und meine Meinung über die Russen hat sich völlig verändert. Jetzt weiß ich, was dieser Krieg für die Russen bedeutet hat“. Und das sind für mich Aussagen, die für mich Grund genug sind das zu machen, in dieser Gesellschaft zu arbeiten und mich auch manchmal unbeliebt zu machen. Denn es gibt (…), die nicht jeder versteht. I Was für Leistungen und Aktivitäten erbringen Sie mit Ihrer Gesellschaft im Jahr? C Was wir machen sieht man auf unserer Homepage und wir schreiben auch ÖWRG Aktivitäten, aber dann aktualisier ich sie oft ein halbes Jahr nicht. Wir machen Schüler- und Studentenaustausch, wir machen Bildungsreisen, wir organisieren auch Wirtschaftstreffen, wir organisieren in St. Petersburg für steirische Wirtschaftstreibende auch für die burgenländische Wirtschaftsform, für die Weinwirtschaft, aber in erster Linie sind wir kulturell tätig, wobei wir auch gesellschaftspolitisch unterwegs sind. Wir sind auch, ohne es zu wollen, als Heiratsvermittler tätig. Wir sind im Bereich humanitäre Hilfe aktiv, wir bringen Medikamente nach Russland. Oder wir haben uns gekümmert um eine Leukämiekranke Russin, dann war sie im Krankenhaus und wir waren ein wenig behilflich, dass ihr Aufenthalt ein wenig verlängert wird, dass sie im Krankenhaus bleiben kann, 70 Tage. I Wie stehen sie zu dem Thema Öffentlichkeitsarbeit? Ich entnehme dem Gespräch, dass sie die Vermittlung über die Medien zu umgehen? C Es ist so. Vermeiden klingt ein wenig so: man wagt es nicht, man traut sich nicht. Das ist es nicht. Nur wir haben nicht den Zugang zu den Medien, wir sind nicht berühmt,
  • 64. 59 wir können keine Schlagzeilen liefern. Und das, was ich medial lange Zeit gemacht habe ist, oder anders gesagt, es gab oft in den Medien Berichte über russische Straftäter. Und ich hab dann nachrecherchiert und habe herausgefunden, dass es sich dabei nicht um Russen handelt, wohl aber um Bürger der russischen Föderation. Das sin zwei Paar Schuhe. Es gibt noch andere Völker, die wollen auch nicht mit den Russen gleichgesetzt werden und auch umgekehrt. Und wir haben von einer ganz bestimmten Gruppe sehr viele Migranten hier in Österreich und da gibt es in der Kriminalstatistik sehr hohe Zahlen an Straftaten und ich habe dann versuchtr den Medien klar zu machen, wenn man schreibt „russische Straftäter“ dann ist das falsch, das stimmt nicht. Man kann schreiben Straftäter aus der russischen Föderation oder ein Bürger der russischen Föderation, aber nicht ein Russe hat das angestellt. I Halten sie es aber trotz allem für wichtig Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben? C Absolut wichtig, aber wir haben den Zugang nicht. Wir haben keine kompetenten Leute, das fällt uns ein bisschen schwer. I Besteht Ihr Vorstand aus verschiedenen Nationen? C Wir haben Österreicher dabei und Russen. Das sind mehr Russinnen und im Vorstand sind das sind Österreicher, Stellvertreter haben wir schon Russinnen dabei und in der Geschäftsführung auch. I Wie viele Mitglieder haben Sie? C Auf dem Papier haben wir ca. 70 Mitglieder I Und die Aktivitäten, die sie veranstalten, sind die für die Mitglieder oder auch für eine interessierte Öffentlichkeit? C Die sind für alle. Wir sind für alle offen I Welchen Stellenwert haben für Sie interkulturelle Kompetenzen für die Arbeit in Ihrem Verein? C Ich bin durchaus offen für andere Kulturen, ich selbst habe einen Migrationshintergrund und ich meine auch, das Wort mit Ausländerproblemen, das ist für mich ein Unwort, denn wir haben keine Probleme mit Ausländern. Es gibt aber Probleme mit Migranten und Migrantinnen, ich meine wenn diese gibt, dann darf man sie auch nennen und man muss sich dann auch konkret ansprechen. Und ich meine diejenigen, die zu uns kommen sollen verstehen dass Migration nicht nur eine Bringschuld des Gastlandes ist, sondern auch eine Holschuld, derjenigen, die zu uns kommen.
  • 65. 60 I Welche Verbindungen haben Sie zu Russland? Gibt es dort eine Organisation mit der man hin und her kommuniziert? P Es gibt in Russland eine Russisch-Österreichische Gesellschaften, gegründet vom Bürgermeister von Graz vor einigen Jahren. Mit dieser Gesellschaft kooperieren wir, aber wir kooperieren auch mit Hochschulen dort. Mit Kulturinstituten, mit allem möglichen. Es sind immer Anlässe, da wird man kontaktiert von einer russischen Stelle und dann machen wir was. Oder rumgekehrt bei uns gibt es einen Wunsch, den platzieren wir dann an der entsprechenden Stelle und das funktioniert dann auch. So ungefähr läuft das. Dadurch, dass ich in St. Petersburg auch wohne kann ich da einiges immer wieder bewirken. Transkript 4: Interkulturelles Zentrum Befragte/r: Frau D Interviewerin (I): Sara Melaschuk Datum: 10.09.2013 I Welche Ziele und Aufgaben verfolgen Sie mit dem Interkulturellen Zentrum und was ist Ihre Zielgruppe? D Also ganz allgemein gesagt setzten wir uns für die Begegnung von Menschen mit verschiedenen Kulturen ein und den Verein gibt es schon sehr lange, seit 1987, und wir haben uns in verschiedenen Themengebieten spezialisiert. Wir haben ganz viel im Schulbereich, wo wir mit Schulen gemeinsame Projekte umsetzen und Schulnetzwerke aufbauen die immer diesen grenzüberschreitenden Charakter haben. Menschen, Schüler aus unterschiedlichen Ländern zusammenbringen in verschiedenen Arten von Projekten, das ist so ein großer Schwerpunkt den wir haben, wo wir auch ganz konkret einzelne Projekt durchführen. Dan gibt es einen Bereich bei uns, der widmet sich dem Thema Integration und Diversity mit Schwerpunkt in Österreich. Wir bieten interkulturelle Aus- und Weiterbildung an für Leute, die in diesem Bereich aktiv sind oder sich auch privat für das Thema interessieren. Das machen wir auch schon seit Anfang der 90er Jahre, also schon sehr lange. Wir bieten hier entsprechen Fortbildungen an, seien es einzelne Lehrgänge, Workshops und Seminare. Wir haben einen geografischen Schwerpunkt in den letzten Jahren herausgearbeitet vor allem mit dem Kaukasus, Armenien, (...) sind so unsere Schwerpunkte geworden bei denen wir
  • 66. 61 aktuell aktiv auch lange Zeit war es der Balkan und das ist auch immer noch hier in verschiedenen Projekten wo wir hier auch am Balkan aktiv sind, aktuell haben wir aber keinen. Wir haben aber ein Netzwerk das uns jetzt begleitet am Balkan für Jugendorganisationen und NGO’s aus dem Jugendsektor gefunden haben aus verschiedenen Balkanländern und die zusammen haben ein Netzwerk gegründet und da haben wir uns beteiligt. Es gibt aber trotzdem aktuell keine Projekte an denen wir uns beteiligt haben. I Und wieso gerade diese Region, gab es hierfür einen bestimmten Anlass? D Das hat sich aus eigentlich aus persönlichem Background und Hintergrund der Mitarbeiter ergeben. Wir sind ja ein Verein und von den Leuten, die hier aktiv und tätig sind wird auch die Arbeit unseres Vereins geprägt und da haben die Leute einfach persönliche Kompetenzen, Wissensgebiete, wir haben auch schon Schwerpunktregionen, die sie interessiert haben mit hereingebracht und je nachdem (...) und das hatt sich dann auch anhand von dem, von Schwerpunktinteressen, hat sich das langsam herauskristallisiert. I Wie kann ich mir das vorstellen, sind das Räumlichkeiten, die Sie für das Interkulturelle Zentrum zur Verfügung haben? D Ja genau, das sind Räumlichkeiten und wir haben momentan um den Dreh herum ca. 28 Mitarbeiter, wobei die Beschäftigungszeiten unterschiedlich sind, also es sind nicht alle 25 Leute 40 Stunden angestellt, sondern, der Verein bekommt auch keine Basisfinanzierung. Wir finanzieren uns wirklich durch Ausschreibungen über de Projekte, die wir durchführen, die von unterschiedlicher Stelle finanziert und gefördert werden. Und in diesen Projekten ist dann manchmal auch eine unterschiedliche Anzahl, die es dann braucht um diese umzusetzen. (...) I Wie schätzen Sie die aktuelle Lage der Unterstützung Ihrer Projekte ein? Werden Sie unterstützt? Und wie kommen die Projekte bei der Öffentlichkeit an? D Das ist unterschiedlich. Das hängt von den unterschiedlichen Projekten ab, je nachdem, welche Zielgruppe erreicht werden soll has heißt, das es auch nicht immer sozusagen, die gesamte Bevölkerung hier beteiligt ist oder Wirksamkeit generiert sein soll. Und manchmal ist es natürlich auch ein größerer Kreis, was die Zielgruppe anbelangt und man natürlich mehr Öffentlichkeit erreichen möchte und entsprechen gefordert ist diese zu generieren. I Sie arbeiten ja im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit. Gibt es Herausforderungen?
  • 67. 62 D Es ist sicher eine Herausforderung, um so komplexe Materie, die jetzt nicht leicht in Bildern oder so einfach erklärbar ist, herunterzubrechen für eine breite Öffentlichkeit und es interessant zu machen oder auch medial zu vermarkten. Das hängt auch von der Zielregion ab, also wie gesagt, z. B. Kaukasus ist nicht unbedingt eine Region, die Österreich großartig interessiert. Wenn etwas dort passiert, ist es sehr schwierig hier Öffentlichkeit zu generieren oder Aufmerksamkeit zu schaffen. Was wir dann auch schon versucht haben, in einzelnen Projekten, ist mit Austellungen oder speziellen Themenveranstaltungen ein interessiertes Klientel über die Region zu informieren oder sich da auszutauschen. Also ganz konkret im Kaukasus hatten wir ein Projekt, wo wir eine Ausstellung konzipiert haben gemeinsam mit Jugendlichen aus dem Kaukasus, die Bilder zu ihrem Alltagsleben, die Geschichten ihres Alltags aufgenommen haben. Da ist Video, da ist Radio zum Einsatz gekommen, da wurden Fotos gemacht und auch Texte verfasst und wir haben das ganze dann in eine Ausstellung gegossen und diese Ausstellung ist dann in verschiedenen Stationen in Österreich auch präsentiert worden. (...) Also da haben wir dann gewisse Spots gesucht, wo eine gewisse Öffentlichkeit jeden Tag ein und ausgeht und da so versucht so Öffentlichkeitsarbeit zu machen über die Region und die Aktivitäten, die wir da vor Ort finden. (...) Da war ein Beispiel, oft ist es so beim Jugendprogramm, wo die Materie sehr komplex ist und je weiter ich das herunterbrechen kann, also ein Jugendprojekt vor den Vorhang hole, wo die Jugendlichen etwas gemacht haben, also in der Öffentlichkeit eine tolle Aktion präsentiert haben, dann ist das durchaus auch für lokale Medien interessant und wird auch hier aufgenommen. Wir haben jetzt auch hier die Erfahrung gemacht, wenn es hier um komplexere Programme geht das man halt einzelne Stücker herausnimmt, die dann gerecht aufbereit und so einer breiten Öffentlichkeit auch zugänglich macht. Wobei ich denke, Öffentlichkeitsarbeit bedeutet für mich viel mehr als Medienarbeit, also ich glaube es ist oft so eine verengte Sichtweise, dass man denkt Öffentlichkeitsarbeit ist auch Medienarbeit und Pressearbeit und nur dann ist meine Öffentlichkeitsarbeit, wenn ich einen Bericht in meiner Tageszeitung habe oder noch besser in den Lokalnachrichten vorkomme und ich denke, da muss man einfach auch unterscheiden und das ist natürlich auch schön, aber ich denke das muss nicht immer das einzige wahre (..)sein. Es gibt viele andere Möglichkeiten Aufmerksamkeit zu generieren und zu schaffen. I Und wie war das Feedback der Medien durch die Ausstellung?
  • 68. 63 D Das mit den Austellungen war lokal natürlich begrenzt. Man hat diese Ankündigung über verschiedene Medien ausgesendet, dass hier eine Ausstellung stattfindet und die Medien haben über die Ausstellung in sofern berichtet, dass sie halt gesagt haben: hier findet eine Ausstellung statt zu dem und dem Thema, das war mehr oder miner eine Terminankündigung zu der Ausstellung durch Zeitungen und Medien. I Würden Sie sagen, dass es schwieriger ist Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben, wenn es dabei um die Vermittlung einer Kultur geht, die nicht so sehr verbreitet ist? D Man muss dann einfach die Geschichten suchen, die das ganze interessant machen. Meinen vielen Aktivitäten nehme ich heraus, dass es auch eine interessante Geschichte ist für die Medien vor Ort oder mein Publikum, dass ich hier ansprechen möchte. I Für wie wichtig halten Sie also Öffentlichkeitsarbeit, wenn es dabei um die Pflege von interkulturellen Beziehungen geht? D Also ich denke ohne Öffentlichkeitsarbeit kommt man nicht aus. Öffentlichkeitsarbeit bedeutet sehr vieles, dass ich einen Newsletter aussende, dass ich eine Website habe, dass ich auch Facebook präsent bin. Für meine Organisation macht es Sinn einen Facebook-Auftritt zu haben, weil ich hie mein Klientel erreiche. Manche sagen, sie erreichen ihre Leute am besten per Newsletter, andere sagen, nein, ich erreiche meine Leute am besten per Post, oder ich mache Flyer für meine Veranstaltungen und henge die aus oder ich lade sie zu mir in Haus ein und veranstalte im Haus verschiedene Aktivitäten. Also Öffentlichkeitsarbeit ist notwendig und wichtig und ohne das, das ist ja ein wesentlicher Teil der Aktivitäten, die man macht und, ja, die Kanäle sind einfach unterschiedlich und je nachdem wen man hat und wen man erreichen will muss man sich überlegen: wie mache ich das? Wie erreiche ich das? Bzw. die Personen oder die Gruppe. Das ist manchmal auch eine Herausforderung. I Wird ihr Vorstand durch verschiedene Nationen vertreten? D Also, wir sind in der glücklichen Lage, dass unser Vorstand kontinuierlich wächst, es gibt den Geschäftsführer und dann einen ehrenamtlich agierenden Vorstand und hier sind wir durchmischt beim Vorstand. Wir haben zwei Österreicher, einen Lehrer für muttersprachlichen Unterricht, dieser kommt glaube ich aus Bosnien. Dann gibt es welche die haben ihre Wurzeln in Italien. Ich glaube also die meisten bringen einen Migrationshintergrund mit. I Bringt es der Organisation etwas, dass der Vorstand multinational ist? D Ich denke, dass spielt schon eine große Rolle. Da spielt wahrscheinlich die Herkunft auch eine Rolle, aber nicht nur, das spielt dann auch die Gender-Frage eine Rolle, die
  • 69. 64 Herkunft, was bringt er mit. Bei uns ist auch immer ganz spannend aus welchem Arbeitsfeld kommen diese Leute. Was bringen die von ihrem persönlichen Know-how mit, was dann für den Verein auch wichtig ist. Wir machen ganz, ganz viele Schulprojekte, natürlich ist das dann toll wenn im Vorstand jemanden hat, der diese Lehrererfahrung hat. Integration ist natürlich ein Thema, auch da ist es schön, wen jemand vertreten ist (...) von dem her ist es auch was ganz wichtiges, was die Leute für einen Background mitbringen von dem wir dann auch profitieren. I Welche Ziele für die Zukunft hat das Interkulturelle Zentrum? D Ich glaube einfach weiter arbeiten und bestehen zu können. Das ist natürlich ganz stark abhängig von Projekten und diese umsetzen zu können. Da sind wir natürlich ganz stark angewiesen auf die öffentliche Hand, auf Ministerien und auf Stiftungen auf Partner aus der Wirtschaft, auf Wirtschaftstreibende, die sagen das gefällt uns und die uns unterstützen und das ist immer eine Herausforderung. I Was sagen Sie zum Thema „Multicultural PR“ ? Gibt es diesbezüglich Unterschiede in der Öffentlichkeitsarbeit, die man beachten muss, auf Grund verschiedener Kulturen? D Also es gibt sicher das Bewusstsein, dass nicht überall alles so funktioniert. Manche Gruppen von Personen kann man mit einem elektronischen Newsletter nicht erreichen oder mit einer Zeitungsankündigung, da es für diese Community viel sinnvoller ist etwa Mund zu Mund Propaganda zu machen oder Face-to-Face auf einer Veranstaltung zu werben und die sagen das dann untereinander dann auch wieder weiter und plötzlich hat man das Haus voll. Da war dann eine Person und die hat das dann weitergesagt und die hat das dann wieder weiter gesagt und plötzlich sind ide Leute da. Wirklich vielseitig zu sein in der Hinsicht wie man wirbt und streut das ist sicher sehr sinnvoll und sich dann auch anzuschauen mit welchen Netzwerken und Communities was wie funktioniert. Wenn man halt andere Länder erreichen will, so auch oft im Kaukasus, ich würde mir nicht herausnehmen zu sagen, dass ich weiß wie Öffentlichkeits- oder Medienarbeit im Kaukasus zu passieren hat. Je nach Land sind die Gegebenheiten ja auch wieder unterschiedlich und da sind wir dann auch einfach auf unsere Partner angewiesen, die wir dann da vor Ort haben, die dann sagen, okay, bei uns schaut das so aus: wir schicken keine Pressemeldungen mit Fotos, sondern wir rufen da an und laden den dann ein. Die Medienlandschaft zu kennen und zu wissen wie man dort die Leute erreichen kann ist einfach wichtig oder das man sagt bei uns gibt es kein Facebook, wir nutzen ganz ein anderes Tool, wir sind momentan auf
  • 70. 65 Facebook nicht präsent. Wichtig kann auch sein, dass man in den jeweiligen Landessprachen kommuniziert, das ist natürlich notwendig, weil sonst geht das nicht. I Gibt es einen Tipp Ihrerseits für bilaterale Freundschaftsgesellschaften, auf welche Weise man sinnvolle Öffentlichkeitsarbeit betreiben kann, vor dem Hintergrund der Diversität? D Ich glaube, wenn ich das richtig interpretiere ist da ein Unterschied. Man kann nicht davon ausgehen, dass das Tool, welches man erfunden hat, das einzig wahre ist was in anderen Kreisen so gut ankommt oder so gut funktioniert. Manchmal muss ich dann was übersetzen und brauche diese Mehrsprachigkeit auch, weil es einfach wichtig ist, macht es überhaupt Sinn auf Deutsch etwas auszuschicken. Und immer auch mit dem Ziel, wen möchte ich adressieren, wen möchte ich erreichen und wer kann mir was sagen über diese Gruppen, die ich erreichen möchte. I Glauben Sie, dass die Medien Geschichten oder Berichte verändern? D Also ich meine Medien haben natürlich eine Selektion, es gibt Kriterien nach denen sie beurteilen, was wird verbreitet und was scheidet einfach schonmal aus. Die haben einen Kriterienkatalog, den man sich auch anschauen sollte, denke ich mir Erfüllt meine Botschaft, welche Newswerte werden hier auch erfüllt und wie kann ich es so modifizieren, dass es da auch wieder hineinpasst. Es gibt immer wieder Journalisten, die speziell dazu Interessen haben oder eigene Sonderseiten haben, wo so was auch Platz findet, das ist eine Geschichte, die da super hinein passt. Also ich glaube auch nicht, manchmal ist es schwierig, was erreicht den Nachrichtenwert oder was macht diese Mediengeschichte für den Journalisten interessant. Und manchmal ist es auch nur das regionale Blatt ums Eck, oder Fachzeitschriften. I Halten Sie also schlussendlich Öffentlichkeitsarbeit für wichtig zur Erreichung Ihrer Ziele? D Ja. Das tun wir ständig. Wir sind darauf angewiesen Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben. Wobei Öffentlichkeitsarbeit sehr viele Facetten hat und das sind auch mal Besuche zu veröffentlichen, eine Ausstellung zu gestalten, eine Veranstaltung bei uns im Haus zu machen. Das hat ganz viele Aspekte,aber ohne das geht es nicht.
  • 71. 66 Transkript 5: Österreichisch-Fidschianische Gesellschaft Befragte/r: Herr E Interviewerin (I): Sara Melaschuk Datum: 10.09.2013 I Welche Aufgaben haben bilaterale Freundschaftsgesellschaften zu erfüllen und wie würden Sie diese definieren? E Grundsätzlich kann man das mal so zusammenfassen: Bilaterale Freundschaftsgesellschaften sind für uns dann relevant, nämlich insofern, dass wir sie als Mitglied vom Dachverband aufnehmen und sie dann vom Dachverband auch profitieren können. In ihren Statuten, meistens sind sie ja vereinsmäßig organisiert müssen die Gesellschaften deckungsgleich sein mit denen des Dachverbandes und zwar in diesen Punkten: Sie müssen unpolitisch oder überpolitisch sein, sie dürfen also nicht irgendwelche problematischen Ideologien vertreten, ich denke jetzt an nationalsozialistische Wiederbetätigung oder auch religiösen Fanatismus, Fundamentalismus usw. Sie müssen also auch überreligiös sein und sich sozusagen im Dienen der Völkerverständigung des Brückenbauens zwischen Menschen jeweils zweier Länder, daher auch bilateral, in diesem Fall Österreich und jeweils einem anderen Land. Wenn sie das tun, dann sind sie für uns interessant und dann können wir darüber reden, ob wir sie in den Dachverband aufnehmen, was für die Gesellschaft den Mehrwert hat, dass sie von unseren Veranstaltungen und vor allem auch von unseren Serviceleistungen profitieren können. I Es gibt ja auch multilaterale Gesellschaften, oder? E Das ist richtig. Es gab früher mal die Österreichisch-Arabische Gesellschaft, welche die Länder der gesamten arabischen Halbinsel vertreten haben. Es gab und gibt natürlich immer noch die Österreichisch-Südpazifische Gesellschaft, welche die gesamten Kleinstaaten im Pazifik vertritt. Es gibt also viele multilaterale Gesellschaften, ja, der Dachverband hat aber seinen Fokus auf die bilateralen Gesellschaften gelegt. Das heißt die multilateralen Gesellschaften haben bei uns eher einen Beobachterstatus, sind auch zum Teil außerordentliche Mitglieder bei uns dabei, sie kommen auch an Informationen, sind aber im Inneren des Dachverbandes nicht voll gegliedert, das heißt das ist hier auch statuenmäßig festgelegt, dass nur bilaterale Freundschaftsgesellschaften dabei sein können. Das hat folgende Funktion: Bisher gab es immer die Einschränkung, dass aus jedem Land, ich nehme jetzt mal als Beispiel
  • 72. 67 Argentinien. Da gibt es eine Österreichisch-Argentinische Gesellschaft, aber es könnte ja sein, dass es mehrere Vereine in Österreich gibt, die sich mit Argentinien beschäftigen, aber es kann jeweils nur ein Verein wirklich als Repräsentant, der offiziellen Diplomatie zwar nachgeordnet, aber doch auch irgendwo offiziöse Kontakt zwischen Österreich und Argentinien als Österreichisch-Argentinisches bilaterale Gesellschaft als Mitglied im Dachverband sein. I Grundsätzlich haben multilaterale Gesellschaften aber den gleichen Status wie bilaterale Gesellschaften, also bezüglich dessen, was sie vermitteln wollen und ihrer Definition? E Das ist richtig. Also viele fühlen sich sehr ähnlichen Zielen verpflichtet. Zum Beispiel war die Österreichisch-Südpazifische Gesellschaft viele Jahre im Dachverband. Und wir haben es auch so festgelegt, die Österreichisch Südpazifische Gesellschaft bleibt so lange im Dachverband, solange bis eines von den Ländern, und obwohl sie sowieso in der Gesellschaft vertreten sind, eigene bilaterale Gesellschaften gründen. Das ist in der Zwischenzeit auch passiert, es gibt eben die Österreichisch-Fidschianische Gesellschaft, es gibt eine Österreichisch-Paguaneuginea Gesellschaft, es gibt eine Österreichisch… und da haben wir gesagt, da muss die multilaterale Gesellschaft als zweites Glied zurückbleiben und die einfach Gesellschaft unmittelbar Länder vertreten, betreuen, wie auch immer Kontakte herstellen, die haben Priorität, denn sie sind Vollmitglieder im Dachverband. I Wie wichtig sind bilaterale Freundschaftsgesellschaften im internationalen Austausch oder auch hinsichtlich der Friedenspolitik? Wie können bilaterale Freundschaftsgesellschaften dazu beitragen? E Ich glaube sie haben sogar eine sehr wichtige Bedeutung und das sage ich jetzt, denn es ist auch vom österreichischen Außenministerium zuerkannt. Eine Rolle spielt sicher auch dass der österreichische Bundespräsident Fischer, der sonst für keine Institution oder für keine Vereine die Firmherrschaft übernimmt aber er ist genau Firmherr dieses Dachverbandes. Ich kann das mal an einem Beispiel erläutern: Der Dachverband und die bilateralen Gesellschaften können dort eine wichtige Funktion entwickeln, wo die offizielle Diplomatie des österreichischen Bundesministeriums für europäische und internationale Angelegenheiten vielleicht nur eingeschränkt oder überhaupt nicht agieren kann. Ein Beispiel: Nordkorea. Gegenüber Nordkorea vertritt die EU und auch die österreichische Außenpolitik eine Linie möglichst sich zurück zuhalten. Das heißt also die diplomatischen Kontakte sind auf ein Minimum reduziert. Es gibt keine
  • 73. 68 Österreichisch-Nordkoreanische Botschaft. Und die Kontakte sind bewusst zurückgehalten, solange also dort (…). Das heißt aber auch das Vertreter des Außenministeriums unbefangen mit Vertretern Nordkoreas reden können. Und hier kommen die bilateralen Freundschaftsgesellschaften ins Spiel, die auf einer Diplomatie nachrangigen Ebene hier auf der Ebene kulturellen Austausches, zum Beispiel soziale oder medizinische Projekte ob es um den Austausch einer Tischtennismannschaft oder einer Volkstanzgruppe geht oder was auch immer, aber über diese Ebene werden sozusagen quasi diplomatische Kontakte zu anderen Ländern aufrechterhalten, indem man auf offizieller diplomatischer außenministeriums Ebene nicht treten kann oder auch nicht will. Das heißt es fällt zurück auf die ebene der bilateralen Gesellschaften, womit persönliche Kontakte bestehen bleiben (…). Die aber dann natürlich wenn die offizielle Diplomatie wieder greift, müssen wieder die bilateralen Gesellschaften zurücktreten. Aber die bilateralen Gesellschaften die wichtigen Funktionen eine der Diplomatie nachgeordneten Ebene Kontakte zu Institutionen auf persönlicher Ebene zu Gruppen wie auch immer aufrechtzuerhalten. Und das ist sehr wichtig und wird daher auch von offiziellen österreichischen Politikern: Präsidentschaftskanzlei, Bundespräsident, Bundeskanzleramt und Außenministerium auch als solches gesehen, deswegen auch der Bundespräsident Fischer als Schirmherr, deswegen auch die neuen Landeshauptleute und also ganz unwichtig ist es nicht würde ich sagen. I Welche Vorteile ergeben sich also für Mitglieder vom Dachverband PAN, die andere Gesellschaften nicht haben? E Wir bieten bilateralen Gesellschaften Zugang zum offiziellen Österreich. Also wir stellen Kontakte her zum Parlament, Direktion, Innenministerium, Außenministerium, also zu Ministerien und offiziellen und offiziösen Institutionen. Das heißt also hier handelt es sich um Networking, wovon sie profitieren. Das zweite ist eine Art Serviceleistung, die wir anbieten. Es gibt einen Anwalt, der ist spezialisiert auf Vereinsrecht. Dieser hat einen Abend lang darüber referiert, wie Vereine, also bilaterale Gesellschaften, denn die werden alle als Vereine geführt, wie solche Vereine geführt werden sollen. Auch juristischer Sicht, aus technischer Sicht, aus vereinspolitischer Sicht. Also da geht es um Finanzfragen, da geht es um Haftungsfragen und ähnliches. Also da bietet der Dachverband auch Service orientierte Dinge an. Und wir fördern und unterstützen Projekte, die sinnvoll sind. Zum Beispiel findet jetzt im Oktober etwas statt, da haben sechs Gesellschaften die
  • 74. 69 Möglichkeit ihre Projekte vor einem Publikum zu präsentieren und wir vergeben dann auch die sogenannten PAN-Preise, das sind Förderungspreise für Projekte, die schon laufen. Wenn etwas sinnvoll ist, dann prämieren wir so ein Projekt und schütten noch mal einen kleinen Geldbetrag aus. Das sind Geldbeträge zwischen 2.000 Euro und 20.000 Euro. Zweitens gibt es einen PAN-Preis, der ist gesponsert vom Außenministerium, sie sehen also die Verschränkung ist eng da, und dieser wurde dieses Jahr an Italien vergeben, da gab es eine Zeremonie (...). Warum Italien? Vor einigen Jahren gab es ein Erdbeben in der italienischen Umgebung und da hat sich die Österreichisch-Italienische Gesellschaft sehr stark gemacht beim Aufbau von Schulen und Kindergärten mitzuwirken. Das heißt die haben dann hier in Österreich ein Projekt gestartet, bei dem Geld gesammelt wurde für den Aufbau von diesen Schulen und Kindergärten. Das Außenministerium spendet einmal im Jahr einen Preis. Das heißt sie geben uns, PAN, das Geld, damit wir damit etwas sinnvolles machen und damit die Gesellschaft auswählen, die dann diesen Preis bekommt. Das sind vor allem Projekte im sozialen, karikativen, medizinischen Bereich. Also solche Sachen, wo etwas überprüfbar ist, wo etwas schon im Laufen ist, geben wir Unterstützung. Also das ist auch eine Schiene von PAN – die Unterstützung. Bekanntmachung und die Leistung anerkennen und eine Hilfestellung bieten. I Mit Bekanntmachung meinen Sie hinsichtlich der Projekte? E Mit Bekanntmachung meine ich, dass wir dann die Projekte, so wie jetzt im Oktober, vor den Vorhang bitten, dass sie diese auch präsentieren können. Man muss auch immer etwas iim Hinterkopf behalten: Fast alle, die in den bilateralen Gesellschaften drin sind, machen diese Tätigkeit ehrenamtlich. Fast nirgends gibt es Gehaltsempfänger. Also diese Leute machen das neben ihren Jobs, die sie so haben und da ist es angebracht, diese Leute mal vor den Vorhang zu bitten und zu sagen, was ihr macht ist toll, das ist wichtig, das ist etwas worauf ihr auch stolz sein könnt und wir möchten das auch den anderen bekannt machen, damit zumindest ein bisschen der Rum da ist, jetzt mal so flapsig gesagt. I Mit wem arbeiten Sie bei der fidschianischen Gesellschaft zusammen? Ist das die Botschaft oder sind das noch andere Vereine mit denen Sie zusammenarbeiten? E Also wir hatten bereits Veranstaltungen, die wir zusammen mit anderen bilateralen Gesellschaften gemacht haben. Das ist ja auch etwas, was PAN wiederum fördert. Nämlich das einzelne Gesellschaften auch untereinander wieder kooperieren. Natürlich haben wir auch teilweise etwas mit den regionalen Nachbargesellschaften
  • 75. 70 etwas zu tun. Im Fall Fidschi wäre das die Österreichisch-Australische Gesellschaft, mit der Österreichisch-Peruanischen Gesellschaft wollen demnächst einmal was zusammen machen. Also das ist die Zusammenarbeit mit den Nachbargesellschaft. Und die Zusammenarbeit mit verschiedenen Institutionen in Fidschi existiert schon allein in dem Fall, weil die Österreichisch-Fidschianische Gesellschaft ein Diabetis- Vorbeugungs-Projekt in Lautoka unterstützt. Also wir machen veranstaltungen, wo wir spenden und dieses Geld einmal im Jahr wird von einem Historiker aus Salzburg direkt übergeben an die Fidschianische Institution, die wiederum mit einer australischen NGO zusammenarbeitet, die gemeinsam Diabetes-Prävention machen. Also da geht es um den Ankauf von Teststreifen, Urinteststreifen, da geht es um Medikamente, Einwegspritzen, was so dafür gebraucht wird. Also die Fidschianische Gesellschaft in Wien arbeitet mit anderen benachbarten bilateralen Gesellschaften, arbeitet in Fidschi vor Ort mit einer lokalen NGO für und wegen eines sozialen Projektes. I Halten Sie Öffentlichkeitsarbeit für wichtig? E Ja. Absolut. Wir wollen ja auch das Leute zu unseren Veranstaltungen kommen und nur wenn Leute zu unseren Veranstaltungen kommen kann man auch einen Topf hinstellen und sagen „bitte werft da ein bisschen was hinein“. Bei den Veranstaltungen ist auch meistens freier Eintritt, ist ja klar. Also damit ist Öffentlichkeitsarbeit einmal sehr wichtig. Wie machen wir sie. Derzeit sehr wenig, das einzige, was wirklich nach außen geht, ist die Homepage. Die wiederum derzeit noch den Nachteil hat, dass sie nur in einer deutschsprachigen Version existiert. Hier gibt es keine englischsprachige Version. Interessanter Weise habe ich aber jetzt in Fidschi bemerkt, ich war erst unten, da hat mich ein Radiosender angesprochen, denn die haben herausgefunden, dass es in Österreich so was wie eine Österreichisch-Fidschianische Gesellschaft gibt und haben um ein Interview gebeten für das Radio dort, weil die das recht kurios gefunden haben, dass so ein kleines Land wie Österreich kontakt hat. Da habe ich dann erklärt es gibt auch FidschianerInnen in Österreich. Nicht sehr viele, aber die gibt es und die Mehrheit davon arbeitet bei Sicherheitspersonal in Wien. I Sie würden aber behaupten, es könnte durchaus mehr Öffentlichkeitsarbeit sein? E Ja. I Und wie steht es um andere Medien wie Social Media, die neuen Medien? E Das Problem ist nur, das muss ja auch immer jemand machen. Also ich zum Beispiel selber mache kein Facebook und auch kein Twitter. Auch auf Grund des E-Mail-
  • 76. 71 Ansturms in meinem Job, habe ich einfach kein Zeitbudget dafür. Es wäre natürlich wünschenswert,wenn es einen Blog gäbe, wenn man über Facebook, da was macht und wenn die Website dann natürlich auch mal englischsprachig wäre, damit Fidschianer aus Fidschi auch an uns herantreten können oder damit einfach Informationen geben, wie das in Österreich aussieht. Diese bilateralen Gesellschaften gehen ja immer in zwei Richtungen: Also einerseits geht es darum über das jeweilige Land hier in Österreich zu informieren und um Defizite abzubauen. Aber es geht natürlich auch immer wieder darum Österreich in diese Länder zu bringen. Wie schaut es bei uns aus, was machen wir. I Wie ist Ihre Einstellung gegenüber den Medien? Arbeitet Ihre Gesellschaft mit den Medien zusammen? E Wir arbeiten mit den Medien zusammen. Wir haben schon zweimal mit Radio Orange zusammengearbeitet, da gab es einen fidschianischen Abend, also jeweils eine einstündige Sendung. Einmal war ich auch selber dabei und ab fidschianische Musik präsentiert und dazwischen mal mit ein paar kleinen Gescheiten aufgelockert. Also es gibt schon eine Medienarbeit, aber bei unserer kleinen Gesellschaft da könnte man mehr tun und das wäre auch wünschenswert. I Sind Sie der Meinung das Medien die wahr Geschichte verfälschen könnten? E Diese Gefahr ist immer gegeben. Wenn ich jemandem ein Interview gebe und dann schaue ich in der Zeitung was daraus geworden ist, dann lege ich oft die Ohren an. Weil es natürlich immer, auch zwangsläufig, zu Verkürzungen kommen muss, weil es eben auch eiin anderer Background ist. Und Dinge natürlich auch ganz anders interpretiert werden können. Das bedeutet immer bei der Zusammenarbeit mit den Medien, man muss möglichst klar die Dinge formulieren, möglicht Hintergrundwissen geben und auch den InterviewerInnen die Möglichkeit geben das zu kontextualisieren. Die Gefahr, dass es verzerrt dargestellt wird ist nicht nur da, sondern es passiert auch laufend. Sie müssen sich natürlich auch als Gesellschaft sichern und auch darauf achten, dass sie auch selber ihre eigene Version unter die Menschen bringen und diese nicht nur über und durch andere entwerfen lassen, weil einfach immer die Gefahr da ist, dass das in eine völlig andere Richtung abdriftet. I Umso wichtiger ist daher gezielte Öffentlichkeitsarbeit, oder? E Öffentlichkeitsarbeit kann man selber steuern und ist etwas, das ich auch in meiner Eigendynamik entwickeln und habe die Kontrolle darüber Medienarbeit in den
  • 77. 72 eigenen Händen tragen zu können. Aber ich gebe Ihnen recht, Öffentlichkeitsarbeit ist wichtig und das möchte ich mit drei Ausrufezeichen versehen. I Wie sehen Sie die Zukunft für bilaterale Freundschaftsgesellschaften? E Steigend. Sie wird an Bedeutung gewinnen. Wir leben in einer globalisierten Welt, in der immer größer die Flexibilität und die Mobilität der Menschen ist, der Austausch zwischen Menschen und verschiedenen Ländern. Alle staatlichen Gebiete werden auch zunehmend mehr kulturell, ethnisch, religiös und sprachlich zunehmend heterogener. Und das ist auch was positives, wenn man das nicht als Bedrohung versteht, sondern als Bereicherung, als Chance sich auch woanders bedienen zu können, unternehmen zu können, zu kooperieren und neue Dinge entstehen lassen zu können. Das ist ideal. Das glaube ich haben die bilateralen Gesellschaften eine entscheidende Bedeutung, nämlich, dass Brücken gebaut werden und das ganze nicht konfrontativ abläuft. Ängste zu nehmen, Bedrohungen, die vielleicht empfunden werden, mehr als Chance und Bereicherung interpretieren zu können. Das hängt davon ab, wie die bilateralen Gesellschaften ganz entscheidend dazu beitragen. Allein durch ihre kulturellen Veranstaltungen versuchen auch Leute einzubinden, die vielleicht auch bildungsärmeren Schichten entstammen und sich auch nur selbst nur sehr schwer einen Schritt machen. Diese Leute zu umarmen und mit hinein zu nehmen, das ist eine ganz wichtige Aufgabe. Das hat durch eine Gesellschaftsstabilisierende Wirkung und global gesehen eine Völkerschaftsbindende Wirkung. Das wird zunehmen. Einige Länder haben das schon erkannt. Kurioserweise hat gerade China ein eigenes Ministerium für diese bilateralen Kontakte. Also neben dem Außenministerium haben sie ein eigenes Ministerium für die Pflege der bilateralen Kontakte. Soweit ist es natürlich noch lange nicht hier. Ist die Frage, ob das überhaupt möglich wäre. Aber allen bilateralen Gesellschaften kommt zunehmend Bedeutung zu. Und auch so was wie den Dachverband PAN haben nicht alle Länder, also ich weiß zum Beispiel aus Deutschland und anderen europäischen Ländern kamen immer wieder Leute, die sich das angeschaut haben. Was stellt der Dachverband da und welche Rolle kann er spielen. Um eben genau diese bilateralen zu unterstützen. Also es kann sein, dass es in einigen anderen Ländern auch bald gibt in den nächsten Jahren, der dann als Schaltstellt zwischen den bilateralen Gesellschaften auf der einen Seite und den offiziellen Stellen, Ministerien und des Landes hier als Schaltstelle, Mediator, als Katalysator dienen kann.

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