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INTERREG B - In Chancen investieren

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  1. INTERREG B –in Chancen investierenMehrwert für die Schweiz und Europa Mit der Unterstützung von
  2. INTERREG B – Potenziale fördern Inhalt Europa zeichnet sich durch eine grosse ein Instrument, mit dem sie auf gemeinsame Vielfalt auf kleinem Raum aus: Die kultu- Probleme koordiniert reagieren können. INTERREG B – Potenziale fördern 2 rellen und wirtschaftlichen Unterschiede zwischen den Ländern, aber auch zwi- INTERREG B in der Schweiz INTERREG B – Wirkungen entfalten 4 schen den Regionen einzelner Länder Die Schweiz beteiligt sich an den beiden sind teilweise sehr gross. Mit diesen euro- INTERREG-B-Programmen «Nordwesteu- INTERREG B – Blick in die Praxis 6 päischen Besonderheiten vor Augen ent- ropa» und «Alpenraum». Unterstützung erhal- ACCESS 6 wickelte die Europäische Union (EU) vor ei- ten Projekte, in denen sich Partner aus verschie- ENERBUILD 8 nigen Jahrzehnten ihre Kohäsionspolitik. denen Ländern des jeweiligen Programm- Alps Bio Cluster 10 gebiets engagieren. Die Projekte müssen das COMUNIS 12 Regionale Wirtschaft fördern Ziel verfolgen, die regionalen Wirtschafts- CLISP 14 Die europäische Kohäsionspolitik zielt auf den standorte zu stärken und Antworten auf ge- iMONITRAF! 16 Abbau regionalwirtschaftlicher Ungleichhei- meinsame Herausforderungen zu fi nden. CODE24 18 ten. Sie will aber auch Potenziale bereits gut Thematisch ist die Bandbreite möglicher Pro- DEMARRAGE 20 situierter Regionen fördern. Die EU setzt dabei jekte gross – vom Verkehr über Umweltas- auf die Förderung der regionalen Wirtschaft. pekte, Informations- und Kommunikationstech- INTERREG B – von Zusammenarbeit profitieren 22 nologien bis hin zur Förderung der wirtschaft- Grenzen überwinden lichen Entwicklung. In der Programmperiode Kontaktadressen 24 Im Rahmen der Kohäsionspolitik unterstützt INTERREG IV B (2007–2013) wurden be- die EU seit 1990 auch die grenzüberschrei- reits 26 Projekte mit Schweizer Beteiligung tende Zusammenarbeit. Ihr Kerninstrument ist lanciert (Stand: März 2011). Impressum INTERREG – ein Förderinstrument, das die Herausgeber wirtschaftlichen Ziele der Kohäsionspolitik INTERREG-B-Projektpartner Bundesamt für Raumentwicklung (ARE), regiosuisse verfolgt und den Dialog zwischen den Regio- Innovationen werden durch Überwindung Konzept/Redaktion/Ausführung nen sowie die Vernetzung über die Grenzen klassischer Denk- und Verhaltensmuster Gioia Edelmann und Sébastien Rieben Bundesamt für Raumentwicklung (ARE), hinweg stärken will. Die Schweiz – im geo- erreicht. An INTERREG-B-Projekten können regiosuisse grafischen Zentrum Europas gelegen – betei- sich deshalb Institutionen aller Art beteiligen: Mit finanzieller Unterstützung des Staatssekretariats für Wirtschaft (SECO) ligt sich seit Beginn an INTERREG. Gemeinden, kantonale oder eidgenössische Grafische Ausführung Ämter, Forschungsinstitute (ETH, Universitä- Kurt Brunner INTERREG B ten, Hochschulen), private Unternehmen, Ver- Fotos Priska Ketterer, Luzern Neben der klassischen Zusammenarbeit zwi- bände usw. INTERREG-B-Projekte verbinden Alps Bio Cluster, ESRF, Grenoble: S. 10, S. 11 (links) Alps Bio Cluster, Bioindustry Park Silvano Fumero: schen unmittelbar benachbarten Grenzregio- Partner mit den unterschiedlichsten Erfah- S. 11 (Mitte) nen (INTERREG-A-Programme) hat die EU rungshintergründen. Einzelne Partner über- ballenbergkurse.ch: S. 8 (links) Bilddatenbank PNRHJ: S. 4 (links) mit den INTERREG-B-Programmen Ende nehmen die Leadpartnerschaft eines Projekts Ralph Eichenberger, © re/hslu: S. 8 (rechts), S. 9 (links) Hafenbehörde Genua: S. 19 (rechts) der 1990er-Jahre auch länderübergreifende, und zeichnen dadurch für die Koordination Hupac AG, Chiasso: S. 5, S. 16 (rechts), S. 18, S. 19 (Mitte) transnationale Kooperationsprogramme ent- des Projekts verantwortlich. Sie gewährleis- Urs-Peter Menti, Hochschule Luzern: Umschlag Massimiliano Navarria, Provinz Alessandria: S. 15 (links) wickelt. So decken die Programmgebiete von ten damit beispielsweise, dass die übrigen www.nena-network.eu: S. 9 (rechts) «SchweizMobil»: S. 20–21 INTERREG B weiträumige Regionen Euro- Partner ihren Aufgaben nachkommen. Land Tirol: S. 17 (rechts) pas wie den Alpenraum, den Nord- oder Ost- Druck Paulusdruckerei, Freiburg seeraum ab. Sie erstrecken sich über mehrere Gedruckt auf Balance SILK FSC Länder, die aufgrund ihrer geografischen und Ausgabe April 2011 wirtschaftlichen Beschaffenheit mit den glei- Bezug der Broschüre in Deutsch und Französisch chen Herausforderungen konfrontiert sind. unter www.interreg.ch Mit INTERREG B erhalten diese Regionen2 INTERREG B – Potenziale fördern
  3. Teilnahme der Schweiz im Rahmen sollen mit Hilfe der NRP verbessert und Inno- Für die inhaltliche Betreuung und Koordina-der Neuen Regionalpolitik vationen, Wertschöpfung sowie Wettbe- tion von INTERREG B ist in der Schweiz dasDa sich auch die Regionen der Schweiz in werbsfähigkeit nachhaltig gefördert werden. Bundesamt für Raumentwicklung (ARE)ihren Stärken unterscheiden, werden sie durch zuständig. Es nimmt an der Programmsteue-die nationale Regionalpolitik gezielt unter- Da INTERREG ein regionalpolitisches Instru- rung und den Programmsitzungen teil, betreutstützt. Die Neue Regionalpolitik (NRP) hat ment ist, wird es in der Schweiz im Rahmen die Schweizer Projektpartnerinnen und -part-zum Ziel, die Wettbewerbsfähigkeit einzelner der NRP gefördert und vom Staatssekretariat ner und begleitet die Entstehung und Aus-Regionen zu stärken und deren Wertschöp- für Wirtschaft (SECO) finanziell unterstützt. wahl neuer Projekte.fung zu steigern. Mit der NRP unterstützen INTERREG-Projekte, die mit NRP-GeldernBund und Kantone seit 2008 das Bergge- gefördert werden, müssen den Kriterien derbiet, den weiteren ländlichen Raum und die Neuen Regionalpolitik genügen, das heisst,Grenzregionen der Schweiz bei der Inwert- Innovation, Wettbewerbsfähigkeit und Wert-setzung ihrer Potenziale und Bewältigung schöpfung in den Regionen fördern. Eine Aus-des Strukturwandels. Die Standortvoraus- nahme gilt für INTERREG-B-Projekte von na-setzungen für unternehmerische Aktivitäten tionaler strategischer Bedeutung.Projekte mit Schweizer Programm «Alpenraum»Beteiligung – www.alpine-space.euBlick in die PraxisDie vorliegende Broschüre stellt acht Pro-jekte aus den Programmen «Alpenraum» und • Maximale Projektlaufzeit: 3 Jahre«Nordwesteuropa» vor. Schweizer Projekt- 2 • Durchschnittliche Anzahl Partner 3partnerinnen und -partner berichten von ihren 7 pro Projekt: 13 1Erfahrungen mit INTERREG B und gewäh- • Durchschnittliches Gesamtbudgetren Einblick in ihre Projekte. 4 pro Schweizer Projektpartner: 6 5 256 000 FrankenKontakt 1 Schweiz 5 ItalienBundesamt für Raumentwicklung (ARE) 2 Deutschland 6 FrankreichDienst für Internationales 3 Österreich 7 Liechtenstein 4 Slowenieninterreg@are.admin.chwww.interreg.ch Programmgebiet Programm «Nordwesteuropa» www.nweurope.eu • Maximale Projektlaufzeit: 5 Jahre • Durchschnittliche Anzahl Partner pro Projekt: 9 • Durchschnittliches Gesamtbudget pro Schweizer Projektpartner: 8 317 000 Franken 3 2 4 5 1 Schweiz 5 Belgien 6 2 Deutschland 6 Luxemburg 3 Vereinigtes 7 Frankreich Königreich 8 Irland 1 4 Niederlande 7 Programmgebiet INTERREG B – Potenziale fördern 3
  4. INTERREG B – Wirkungen entfalten INTERREG B will in den Programmgebie- Durch Innovationen regionale Wirt- Mit internationalen Netzwerken die ten spürbare Wirkungen entfalten. Innova- schaftskreisläufe stärken regionale Wirtschaft fördern tionen und internationale Netzwerke sollen Innovationen sind für die Wettbewerbsfähig- Ein Zusammenschluss von Wirtschaftsunter- die regionalen Wirtschaftskreisläufe för- keit der regionalen Wirtschaft von höchster nehmen und Forschungsinstitutionen zu Clus- dern und stärken. Wissens- und Erfah- Bedeutung. Sie bleiben aber wirkungslos, tern ermöglicht eine bessere Positionierung rungsaustausch ermöglichen die effizien- wenn sie an den politischen und wirtschaftli- im europäischen oder internationalen Markt. tere Nutzung der regionalen Ressourcen. chen Realitäten in den Regionen scheitern. Das Mitwirken in einem internationalen Netz- Schliesslich dient INTERREG B auch als INTERREG B will Partnerschaften zwischen werk erleichtert den Zugang zu ausländischen Plattform zur koordinierten Lösung überre- Akteurinnen und Akteuren aus den verschie- Absatzmärkten. Davon profitiert die regionale gionaler Probleme. densten Bereichen fördern. Deshalb setzen Wirtschaft: Der Standort wird gefördert, sich die Projektteams aus Partnerinnen und Arbeitsplätze werden geschaffen und so die Partnern mit unterschiedlichen kulturellen und NRP und die europäische Regionalpolitik institutionellen Hintergründen zusammen. umgesetzt. INTERREG B ermöglicht die Lösungen, die in solchen Partnerschaften ent- Schaffung solcher Cluster, indem es Projekt- wickelt werden, sind meist bedarfsgerecht, partnerinnen und -partner aus verschiedenen breit abgestützt und umsetzbar, weil sie den Ländern zusammenbringt. politischen Realitäten in den Regionen bereits Rechnung tragen. Das Projekt «Alps Bio Cluster» (S. 10) verfolgt diesen Ansatz, indem es ein alpenweites Netz- Auf bedarfsgerechte Innovationen setzt das werk aus Firmen des Biotech- und Medizinal- Projekt «ACCESS» (S. 6) bei der Entwicklung techsektors errichtet. neuer Lösungen, die zum Ziel haben, die Grund- versorgung in den Berggebieten zu erhalten. Dasselbe gilt für das Projekt «ENERBUILD» (S. 8), das die im Alpenraum tätigen kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) des Bausektors dabei unterstützt, Know-how für das Bauen energiesparender Gebäude zu erwerben und dadurch wettbewerbsfähig zu bleiben.4 INTERREG B – Wirkungen entfalten
  5. Dank Wissens- und Erfahrungsaustausch Überregionale Probleme koordiniert lösenRessourcen effizient nutzen Viele Massnahmen und Strategien zur Förde-Transnationale Zusammenarbeit ermöglicht, rung der nachhaltigen wirtschaftlichen Ent-Ressourcen einzusparen und effizient zu nut- wicklung eines INTERREG-B-Raums sind nurzen. Möglich wird dies etwa beim Wissens- dann sinnvoll, wenn sie flächendeckend ko-transfer: Daten, Resultate oder erfolgreiche ordiniert umgesetzt werden. Massnahmen,Prozesse können untereinander ausgetauscht die lediglich in einem Teil des Gebiets getrof-werden. Die Schweiz profitiert in verschiede- fen werden, können ihre Wirkung nur bedingtnen Bereichen vom Wissen anderer Länder. entfalten und zu unerwünschten Konsequen-Auf Gebieten, in denen die Schweiz Vorreite- zen in anderen Teilen des Raums führen.rin ist, kann sie ihr Wissen weitergeben und Um derartige Effekte zu vermeiden, müssenImagegewinne verbuchen. überregionale Lösungen entwickelt wer- den. INTERREG-B-Projekte können dazu bei-Die Nutzung der Ressourcen lässt sich auch tragen, gemeinsame Lösungen für überregio-durch Erfahrungsaustausch optimieren. Die ein- nale Probleme zu finden, indem Lösungsideenzelnen INTERREG-B-Programmgebiete sind erarbeitet und transnationale Beziehungenmit jeweils gleichen Herausforderungen kon- geknüpft werden.frontiert. Statt dass jedes Land für diese Pro-bleme dieselben Lösungsansätze ausprobiert, Das Projekt «iMONITRAF!» (S. 16) beispiel-können unterschiedliche Ansätze in verschie- weise will die Umweltauswirkungen des trans-denen Regionen getestet werden. Anschlies- nationalen Schwerverkehrs im Alpenraum re-send können Erfahrungen und Empfehlungen duzieren. Das Projekt «CODE24» (S. 18) hatausgetauscht und auf andere Regionen über- zum Ziel, den wichtigen «Nord-Süd-Schienen-tragen werden. korridor 24» zu realisieren. Auch das Projekt «DEMARRAGE» (S. 20), das die internatio-Das Projekt «COMUNIS» (S. 12) setzt bei der nale Vermarktung des Rheinradwegs mit ein-Entwicklung seiner Strategie zur gemeinsa- heitlicher Signalisation und Webarchitekturmen industriellen und gewerblichen Standort- vorsieht, ist nur über die gesamte Rheinrouteförderung auf Erfahrungs- und Wissensaus- sinnvoll.tausch zwischen verschiedenen Modell-regionen. Auch im Projekt «CLISP» (S. 14),das die Anpassung an den Klimawandel imBereich der Raumplanung untersucht, spielenWissens- und Erfahrungsaustausch zwischenden Partnern und Modellregionen eine zent-rale Rolle. INTERREG B – Wirkungen entfalten 5
  6. INTERREG B – Blick in die Praxis «ACCESS» Grundversorgung im Berggebiet sicherstellen «ACCESS» mit der Schweizerischen Ar- Das Projekt «ACCESS», lanciert im Rahmen beitsgemeinschaft für die Berggebiete des Programms «Alpenraum», sucht Lösun- (SAB) als Leadpartnerin setzt auf bedarfs- gen für diese Problematik, indem es innovative gerechte Innovationen. In enger Zusammen- Ansätze zur Bereitstellung gefährdeter Dienst- arbeit mit lokalen Akteurinnen und Akteu- leistungen entwickelt und in den Modellregio- ren und Betroffenen sucht das Projekt nach nen realisiert. Die Zusammenarbeit mit regio- Wegen, in ihrem Bestand bedrohte Dienst- nalen und lokalen Akteurinnen und Akteuren leistungen wie Schulunterricht, Post- und mit Betroffenen ist ein Kernpunkt dieses dienste und Einkaufsmöglichkeiten im Ansatzes. In der Modellregion «Nord Vaudois» • Laufzeit: September 2008 bis August 2011 Berggebiet aufrechtzuerhalten. beispielsweise werden unter Arbeitnehmenden • Budget: 2 478 845 EUR Mitfahrgelegenheiten organisiert. Die Region • Anzahl Partner: 11 Viele Alpenregionen befinden sich in einem «Südlicher Oberrhein» entwickelt eine Inter- • Schweizer Projektpartner: Teufelskreis: Die räumliche Konzentration der netplattform, die mittels Hol- und Bringdiens- Schweizerische Arbeitsgemeinschaft öffentlichen Dienstleistungen führt zu einer ten die Versorgung mit Waren und Dienstleis- für die Berggebiete (SAB) Verschlechterung der Versorgungsqualität in tungen des täglichen Bedarfs sicherstellt. Vereinigung zur Entwicklung den peripheren Gebieten. In der Folge sinkt Damit die erarbeiteten Lösungsansätze auch des nördlichen Waadtlands (ADNV) auch die Attraktivität der noch bestehenden in anderen Regionen anwendbar sind, werden Dienstleistungen, und die Nachfrage geht sie überprüft und Empfehlungen formuliert. www.access-alpinespace.eu zurück. Der Rückgang des Dienstleistungs- Die Zusammenarbeit zwischen Betroffenen angebots bringt für die betroffenen Regionen und möglichen Anbieterinnen und Anbietern zahlreiche Nachteile mit sich. Zu den wich- fehlender Dienstleistungen erlaubt, solche tigsten gehören die verminderte wirtschaftli- marktgerecht zu planen. Die transnationale che Wettbewerbsfähigkeit und der Verlust Zusammenarbeit zwischen Projektpartne- an Wohnortattraktivität. rinnen und -partnern wie der Vereinigung zur Entwicklung des nördlichen Waadtlands (ADNV), der Region Lombardei oder dem Regionalverband Südlicher Oberrhein ermög- licht eine Vielfalt potenzieller Modellvorhaben, die in verschiedenen Regionen getestet wer- den können.6 INTERREG B – Blick in die Praxis – ACCESS
  7. Interview mit Thomas Egger, Direktor der SABThomas Egger ist Direktor der SAB, die Gäste eine genutzte und gepfl egte Land- geschafft, dass sich die anderen Projektpart-sich für die Erhaltung der Grundversor- schaft suchen, und das kann nur die ortsansäs- ner wirklich einbringen können und Verantwor-gung im Berggebiet einsetzt. Zu diesem sige Bevölkerung gewährleisten. Die Bergbe- tung mittragen. Von Beginn weg wurde dasZweck hat die SAB unter anderem das Pro- völkerung ebenso wie die städtische Bevölke- Projekt so flexibel ausgerichtet, dass sichjekt «ACCESS» lanciert und dessen Koor- rung will eine gepflegte und keine vergandete die Projektpartner mit ihm identifizieren unddination übernommen. Landschaft vorfinden. ihre eigenen Anliegen einbringen können. Jeder Partner hat innerhalb des Themenbe-In der Schweiz wird die Entvölkerung des Kann «ACCESS» etwas erreichen im Rahmen reichs «Grundversorgung» eine Gestaltungs-Berggebiets seit längerer Zeit thematisiert. eines Wirtschaftssystems, das immer stärker freiheit und kann so auf die Bedürfnisse derWieso ist es wichtig, dass das Berggebiet als auf eine Zentralisierung der Wirtschaftsstand- Bevölkerung eingehen – ein entscheidenderLebensraum erhalten bleibt? orte und damit der Arbeitsplätze drängt? Erfolgsfaktor dafür, dass die Projekte auchZunächst möchte ich klarstellen: Die Berg- «ACCESS» ist ein wichtiges Teilprojekt im wirklich bedarfsorientiert ausgerichtet sind.gebiete sind nicht als Ganzes von Entvölke- Umfeld der Grundversorgung. Wo es keine Manchmal führt dies auch zu überraschendenrung betroffen. Es gibt aber einzelne Teil- Postdienstleistungen, keine Breitbandkom- Wendungen. So glaubten wir bei «PUSE-räume, in denen die Bevölkerungszahl rückläu- munikation, keine Verkehrserschliessung gibt, MOR» zuerst, wir müssten unbedingt neuefig ist. Dabei handelt es sich entweder um wird sich keine Firma oder Privatperson nie- Infrastrukturen für die Grundversorgung auf-wirtschaftlich monostrukturierte Teilräume, die derlassen. Mit der Grundversorgung ist des- bauen. Rasch stellten wir fest, dass nicht diesich einseitig auf beispielsweise Landwirt- halb sicherzustellen, dass alle Räume zumin- Infrastruktur, sondern die Nutzung dieser Infra-schaft oder Tourismus ausrichten, oder um dest einen gleichen Minimalstandard haben. struktur im Vordergrund steht. Konkretes Bei-Teilräume, die zusätzlich schlecht erreichbar Leider stellen Sparprogramme des Bundes spiel: Wir haben in der Schweiz heute einesind. Die Erreichbarkeit ist ein wichtiger Fak- und Verfechter der reinen Marktwirtschaft Breitbandabdeckung von ungefähr 98 Pro-tor für die wirtschaftliche Entwicklung eines dies immer wieder in Frage. In dieser Hinsicht zent, aber nur etwa die Hälfte der BevölkerungRaums. Diese ist ihrerseits Grundmotor für ist für mich auch der Begriff «proaktiv» sehr macht davon Gebrauch. Wir müssen also ver-die Bevölkerungsdynamik. Wenn die Wirt- wichtig. Gemeinden reagieren oft schockiert suchen, die Leute zu motivieren, diese neuenschaft in einer Region gut funktioniert, dyna- und ablehnend, wenn sie aus Bern den Be- Möglichkeiten auch zu nutzen.misch ist, neue, attraktive Arbeitsplätze vor- scheid erhalten, ihr Postbüro werde geschlos-handen sind, wird sich auch die Bevölkerung sen. Die Gemeinden könnten aber auch proak- Worin sehen Sie die Vorteile von INTERREG Bpositiv entwickeln. tiv tätig werden und vorausschauend und pla- für die SAB? nend erkennen, dass sie etwas unternehmen Für uns stehen eindeutig der Erfahrungsaus-Gibt es nicht Dörfer, wo es sich gar nicht mehr müssen. Viele stellen gar keine strategischen tausch und das gemeinsame Lernen mit Part-lohnt, Dienstleistungen der Grundversorgung Überlegungen zur künftigen Entwicklungs- nern aus dem Ausland im Vordergrund. Oft be-anzubieten? Und wäre es nicht effizienter, richtung an. Bedingt durch das Milizsystem, geht man den Fehler und glaubt, Probleme imdiese aufzugeben? können die Gemeinden oft nur auf Entwick- Alleingang lösen zu müssen. Nehmen wir noch-Auf keinen Fall. Die Ressource «Raum» ist in lungen reagieren. «ACCESS» nimmt eine Vor- mals das Beispiel der schliessenden Post-der Schweiz relativ begrenzt. Es wäre eine denkerrolle ein und zeigt mögliche Wege auf. stellen. Hier können wir von Partnern anderervöllig falsche Strategie, einzelne Täler in der Wir erhoffen uns von «ACCESS» eine Sig- europäischer Staaten lernen und uns gemein-Schweiz aufzugeben. Wir müssen unseren nalwirkung, aber auch ein Modell, das auf sam weiterentwickeln. Sie haben teilweiseRaum möglichst optimal nutzen. Dezentrale den ganzen Alpenraum transferierbar ist. ganz andere Voraussetzungen und kommenBesiedelung ist ein Verfassungsauftrag, den gerade deshalb manchmal auf völlig anderewir wahrnehmen müssen. Verwilderte, entvöl- Die SAB war bereits federführend im Vorgän- Ideen. Auf diese Weise können wir enorm von-kerte Landschaften wie in einzelnen Gegen- gerprojekt «PUSEMOR» und kennt deshalb einander profitieren.den Oberitaliens sind nicht mehr attraktiv. die Schwierigkeiten der transnationalen Ar-Ohne vielfältige Landschaften würde die beitsweise. Wie gehen Sie damit um? thomas.egger@sab.chSchweiz massiv an Attraktivität einbüssen. Die Schwierigkeiten sind kleiner, als man aufDie Schweiz ist ein Tourismusland, dessen den ersten Blick meinen könnte. Wir haben es INTERREG B – Blick in die Praxis – ACCESS 7
  8. INTERREG B – Blick in die Praxis «ENERBUILD» Know-how für den Bau energiesparender Gebäude «ENERBUILD» setzt auf bedarfsgerechte Anforderungen kundengerecht umzusetzen. Innovationen, indem es die im Alpenraum «ENERBUILD» unterstützt die KMU bei die- tätigen KMU des Bausektors dabei unter- ser Herausforderung. stützt, das Know-how für den Bau energie- sparender Gebäude zu erwerben und «ENERBUILD» setzt dabei auf verschiedene dadurch wettbewerbsfähig zu bleiben. Massnahmen. Dazu gehört der Transfer von • Laufzeit: Juli 2009 bis Juni 2012 technischem Know-how. Diesem dient der • Budget: 2 961 502 EUR Im Bausektor tätige KMU spielen in der Aufbau einer überregionalen Datenbank mit • Anzahl Partner: 13 Schweiz und insbesondere in den Alpen eine Hilfe der Know-how-Träger und der speziali- • Schweizer Projektpartner: zentrale Rolle. Sie sind wichtige Arbeitgeber sierten KMU. Zudem passt «ENERBUILD» ITZ (InnovationsTransfer Zentralschweiz) und eine grosse Stütze der regionalen Wirt- das Ausbildungsangebot im energieeffizien- schaft. Mit der Klimadebatte ist energieeffi- ten Bauen den Bedürfnissen der KMU an. www.enerbuild.eu zientes Bauen in den Fokus der Bauwirtschaft Ziel ist es, Lücken zu schliessen und das Aus- gerückt: Minergie-, Minergie-Plus- und ener- bildungsangebot innerhalb des Alpenraums gieproduzierenden Häusern gehört die Zu- zu koordinieren. «ENERBUILD» erstellt im kunft. Für KMU des Baugewerbes ist es zent- Weiteren eine Übersicht über die im Alpen- ral, dass sie den Anschluss an die neue raum verwendeten Baulabels, um den KMU Bautechnik nicht verlieren, sodass sie ihre einen schnellen Anforderungs- und Normen- Wettbewerbsfähigkeit gegenüber grösseren vergleich zu ermöglichen. Ein Argumentarium Unternehmen beibehalten und stärken können bezweckt, den nach wie vor verbreiteten Ein- und in der Lage sind, die entsprechenden wänden gegen Minergiebauten zu begegnen. In «ENERBUILD» arbeiten Partner wie Innova- tionsTransfer Zentralschweiz (ITZ) gemeinsam mit der Hochschule Luzern, der Energieagen- tur Obersteiermark oder der Regionalentwick- lung Vorarlberg. Sie sorgen so dafür, dass wichtige Arbeitsplätze in den Alpenregionen erhalten bleiben.8 INTERREG B – Blick in die Praxis – ENERBUILD
  9. Interview mit Willy Küchler, Geschäftsführer von ITZWilly Küchler ist Geschäftsführer von ITZ. Wie erleben Sie bei ITZ die Zusammenarbeit sieren, etwa bei Holzbaubetrieben in Vorarl-Zu den Aufgaben von ITZ gehört es, die Wett- mit Projektpartnern mit anderen institutionellen berg. Daraus ergeben sich Kontakte und esbewerbsfähigkeit der KMU in der Zentral- Hintergründen wie beispielsweise der Energie- eröffnen sich neue Möglichkeiten.schweiz zu fördern. Dazu werden Wissens- agentur Obersteiermark?und Technologietransfers organisiert – so- Für uns ist es eine Riesenchance, im Alpen- INTERREG B ist zwar ein transnationales Pro-wohl zwischen KMU als auch zwischen raum mit diesen Partnerinnen und Partnern gramm. Profitieren die Zentralschweizer Kan-KMU und Hochschulen oder Universitäten. zusammenzuarbeiten. Einerseits hat sich aus tone davon, dass ITZ sich an einem Projekt der Teilnahme an «ENERBUILD» ein sehr wie «ENERBUILD» beteiligt?Der Erwerb von Wissen für die neue Bautech- gutes Beziehungsnetz ergeben. Gleichzeitig Auf jeden Fall. Die Region Luzern beispiels-nik ist für KMU mit Aufwand und Kosten ver- profitieren wir von Tätigkeiten, die die anderen weise überlegt sich, wie sie Energie effizienterbunden. Wie erleben Sie die Reaktion der Partner ausüben. Jeder Partner hat seine spe- nutzen kann. Vorarlberg ist für uns ein sehrBetroffenen auf die neue Bautechnik? zielle Ausrichtung und überall kann man etwas gutes Vorbild. Dort sind sie uns einige SchritteKMU reagieren an sich sehr schnell auf neue lernen: Wie werden Massnahmen umgesetzt, voraus, was die Vermarktung und effizienteMarktbedürfnisse. Immer wieder – nicht nur im welche Lösungen werden erarbeitet? Nutzung von Energie angeht. Wir konntenBausektor – ist aber festzustellen, dass KMU Eine Triebfeder für unsere Teilnahme war aber durch «ENERBUILD» vor Ort Wissen beschaf-zwar schnell reagieren, in der Tiefe aber das auch, dass wir unseren KMU Wege in andere fen, das wir mehr oder weniger eins zu eins inWissen fehlt, um am Markt das Richtige umzu- Regionen ebnen können. Sucht eines unserer der Region Luzern umsetzen können.setzen. Ein Beispiel hierfür ist das Minergie- KMU beispielsweise eine Möglichkeit in der Beim Bau einer Siedlung im Kanton ObwaldenLabel. Baubetriebe und Architekten haben Steiermark, können wir mit unserem steiri- konnten wir im Rahmen von «ENERBUILD»schnell auf die Einführung dieses Labels schen Partner in «ENERBUILD» die Unter- einen Innovationstransfer zwischen der Hoch-reagiert und bieten interessierten Kunden stützungsmöglichkeiten prüfen, ähnlich einer schule Luzern und dem Bauplanungsbüro imMinergie-Häuser an. Doch fehlt es oft an Wis- niederschwelligen Osec (Kompetenzzentrum Kanton Nidwalden organisieren. Die Hoch-sen, beispielsweise über den Feuchtigkeits- der Schweizer Aussenwirtschaftsförderung, schule Luzern hat eine Studie erstellt, wie dieaustausch bei sehr dichten Fassaden und informiert, berät und begleitet Schweizer und Elektroinstallationen in solchen SiedlungenFenstern. In der Praxis passieren so Fehler, die Liechtensteiner KMU bei ihren internationalen ausgeführt werden müssen, damit die Energiedann Minergie mit schlechter Luftqualität in Geschäftsvorhaben). heute und in Zukunft effizient genutzt wird.Verbindung bringen. Das schadet den KMU, Letztlich ist ein solcher Transfer natürlich dasaber natürlich auch dem Label «Minergie». Mit ITZ arbeitet eng mit Firmen aus der Privatwirt- Ziel von ITZ. Die Teilnahme an INTERREG-B-«ENERBUILD» möchten wir dem entgegen- schaft zusammen. Diese sind in INTERREG-B- Projekten soll kein reiner Selbstzweck sein.wirken und den KMU Hilfe bieten, damit sie Projekten tendenziell untervertreten. Wo sehenihre Arbeit gut machen können. Sie Chancen für die Privatwirtschaft bei einer wk@itz.ch Teilnahme an einem INTERREG-B-Projekt? Für uns in der Zentralschweiz sind INTER- REG-B-Projekte sehr wichtig, da wir die ein- zige Region in der Schweiz sind, die keine Aussengrenze hat und deshalb bei INTER- REG A nicht mitmachen kann. INTERREG B ermöglicht, mit Regionen ausserhalb der Schweiz in Kontakt zu kommen. Dank INTER- REG B sind beim Export oder bei der Inter- nationalisierung erste Schritte möglich. Beispielsweise lassen sich mit den Projekt- partnern leicht gegenseitige Besuche organi- INTERREG B – Blick in die Praxis – ENERBUILD 9
  10. INTERREG B – Blick in die Praxis «ALPS BIO CLUSTER» Bio- und Medizinaltechsektor vernetzen «Alps Bio Cluster» kreiert ein alpenweites Regionen starke Life-Sciences-Industrien Netzwerk mit Firmen aus dem Biotech- befinden, erreichen diese nicht die kritische und Medizinaltechniksektor. Ziel ist es, Grösse, um auf globaler Ebene wettbewerbs- die Stellung im globalen Markt und den fähig zu sein. Das Interesse an einer Zusam- Austausch zwischen Firmen und For- menarbeit liegt deshalb auf der Hand. Insbe- schungsinstitutionen zu verstärken. sondere soll das Projekt den Aufbau eines gemeinsamen internationalen Marketingdiens- «Alps Bio Cluster» bezweckt den Aufbau eines tes für die KMU ermöglichen. • Laufzeit: Oktober 2008 bis September 2011 transnationalen Netzes von Clustern im Biotech- Das Projekt will im Weiteren die Zusammen- • Budget: 1 862 505 EUR nologie- und Medizinbereich. Zentrale Bereiche arbeit zwischen Hochschulen, Forschungs- • Anzahl Partner: 8 sind insbesondere «personalisierte Medizin», zentren und Industrie erleichtern und so die • Schweizer Projektpartner: «medizinische Diagnostik» und «die Anpas- Innovationsfähigkeit der Unternehmen im er- BioAlps – Lake Geneva Life sung von Behandlung und Pflege, um die Selb- weiterten Alpenraum verbessern. Gegenseiti- Science Cluster ständigkeit der Pflegebedürftigen zu stärken». ges Vertrauen und direkte Kontakte, die im transnationalen Umfeld häufig fehlen, sind www.alpsbiocluster.eu Am Projekt beteiligen sich Hochschulen und zwei Erfolgsfaktoren für Technologietransfers private Akteure aus sechs Alpenregionen in und Innovationsprozesse von KMU. «Alps Bio Deutschland, Frankreich, Italien, Österreich Cluster» soll dazu beitragen, Kontakte zu und der Schweiz. Obwohl sich in jeder dieser knüpfen und das notwendige Vertrauen zu schaffen. Insbesondere sollen zwei themati- sche Netzwerke errichtet werden, die das Pro- jekt selbst überdauern. In der Schweiz wird «Alps Bio Cluster» von «BioAlps», dem Life-Sciences-Cluster in der Westschweiz, getragen. «BioAlps» umfasst sieben Kantone sowie Universitäten, Hoch- schulen und nicht weniger als 750 in diesem Sektor tätige Unternehmen.10 INTERREG B – Blick in die Praxis – Alps Bio Cluster
  11. Interview mit Daniel Cefai, Mitglied des Exekutivausschusses von «BioAlps»Daniel Cefai ist wissenschaftlicher Mitar- Gleichzeitig hilft «Alps Bio Cluster» «BioAlps» sches Forschungsprojekt planen. Wie wir beibeiter im Bereich «angewandte Forschung» auch dabei, Innovationen im Life-Sciences- «Euresearch» gesehen haben, gestaltet sichder Universität Neuchâtel. Er ist zuständig Bereich in der Westschweiz zu fördern. gerade die Bildung von Konsortien auf euro-für den Technologietransfer und fungiert Unabhängig davon kann man von den Nach- päischer Ebene manchmal sehr schwierig.als regionale Kontaktstelle des schwei- barregionen immer viel lernen, weil sie unter- «Alps Bio Cluster» kann hier Unterstützungzerischen Informationsnetzwerks «Eure- schiedliche Geschäfts-, Innovations- und Finan- leisten, weil es sich ergänzende Kompetenz-search». Als Mitglied des Exekutivaus- zierungsmodelle haben. Ein Vergleich der bereiche aus verschiedenen europäischenschusses von «BioAlps», dem schweizeri- Gesundheitssysteme in den Partnerregionen Ländern zusammenführt.schen Partner von «Alps Bio Cluster», ist er hat gezeigt, dass bei der Patientenversorgung Schliesslich hilft «Alps Bio Cluster» mit deran der Umsetzung dieses Projekts beteiligt. und bei der Kostenrückerstattung für Medi- Organisation von Workshops bei der Bewer- kamente und Behandlungen grosse Unter- bung für Projektausschreibungen. Dies ist vorWelche Bedeutung hat der Biotechnologie- schiede bestehen. allem bei Ausschreibungen im Rahmen desund Medizinalsektor in der Westschweiz? Im Fall der Telemedizin könnte es beispiels- «Framework Programme» (FP7) der Fall, einesDer Life-Sciences-Sektor, zu dem die Bio- und weise gelingen, im Rahmen eines transnatio- Programms der EU, das die wissenschaftlicheMedizinaltechnologie gehören, umfasst in der nalen Projekts wie «Alps Bio Cluster» einen Zusammenarbeit in Europa fördert.Westschweiz rund 25 000 Forschende in 750 europäischen Standard für die Datenübertra-Unternehmen und Forschungszentren. Diese gung festzulegen. Was können die KMU und Forschungsinsti-Forschungszentren wie EPFL, Universitäten tute von «Alps Bio Cluster» lernen?und Fachhochschulen sind eigentliche Innova- Wie können die KMU konkret in die Projektakti- «Alps Bio Cluster» ermöglicht Einblicke in dietionszentren. Die Genferseeregion ist als vitäten eingebunden werden? unterschiedlichen nationalen Gesundheits-dynamischste Region für Innovationen im Life- KMU können an Veranstaltungen und Arbeits- modelle und zeigt auf, welche Lösungen inSciences-Bereich Europas anerkannt. Der Clus- gruppen von «Alps Bio Cluster» teilnehmen. den verschiedenen Ländern umgesetzt wur-ter «BioAlps» verzeichnete in den letzten Jahren Sie erhalten so die Gelegenheit, innerhalb von den. Andererseits sieht man aber auch, dassein Wachstum, während andere grosse Clus- ein, zwei Tagen einen sehr breiten Kreis an aka- letztlich nur eine kleine Anzahl an Innovationenter im Life-Sciences-Bereich, beispielsweise demischen Institutionen oder Unternehmen zu wirklich zum Ziel führen wird. Und genauin der «Boston Area», eher einen Rückgang treffen, die in für sie relevanten Bereichen arbei- dieses Nachdenken über mögliche Lösungenverzeichneten. Das Genferseegebiet positio- ten und forschen. Dadurch, dass Fachleute und Innovationspotenziale kann zu Forschungs-niert sich somit auf diesem Gebiet deutlich innerhalb eines kurzen Zeitraums an einem projekten und gezielten Partnerschaften führen.besser als andere Regionen, die im Biotechno- einzigen Ort versammelt sind, ergeben sich Das sind die Botschaften, die unsere Unter-logie-Bereich zwar über eine lange Tradition zahlreiche Möglichkeiten, Kontakte zu knüpfen nehmen und Forschenden aus unseren Veran-verfügen, aber mit mehr Schwierigkeiten bei und Partnerschaften einzugehen. Gleichzeitig staltungen mitnehmen. Ein KMU erkennt etwa,der Erneuerung kämpfen. hält sich der Zeitaufwand in Grenzen. dass eine Zusammenarbeit mit Forschungsin- Nebst Vorlesungen schaffen wir Platz für stituten oder anderen KMU aus den «Alps-Bio-Welche Vorteile sehen Sie in der transnationa- Begegnungen. So organisieren wir am Rande Cluster»-Partnerländern nützlich sein könnte,len Zusammenarbeit für «BioAlps»? der Kongresse soziale Anlässe oder stellen weil das KMU dadurch neue Lösungen oder«BioAlps» vertritt an allererster Stelle die im beispielsweise Räume für «One-to-one»-Sit- Technologien in Betracht ziehen wird; Lösun-Life-Sciences-Bereich tätigen Unternehmen zungen zur Verfügung. gen und Technologien, die ihm erlauben, aufund Institutionen der sieben Kantone der erwei- neuartige Herausforderungen und Bedürf-terten Genferseeregion. Dank «Alps Bio Clus- Ist «Alps Bio Cluster» auch für Forschende an nisse von Gesellschaft und Wirtschaft zuter» kann «BioAlps» seinen Unternehmen und Universitäten oder Hochschulen von Interesse? reagieren und damit am Ball zu bleiben.Forschungsinstituten Erfahrungsaustausche Auf jeden Fall. In «Alps Bio Cluster» könnenund potenzielle Partnerschaften in einem grösse- sich Forschende verschiedener Regionen aus- daniel.cefai@unine.chren als dem schweizerischen Markt anbieten. tauschen. Falls sie feststellen, dass sie in sich ergänzenden Bereichen tätig sind, können sie beispielsweise ein gemeinsames europäi- INTERREG B – Blick in die Praxis – Alps Bio Cluster 11
  12. INTERREG B – Blick in die Praxis «COMUNIS» Strategien für die interkommunale kommerzielle Standortförderung Das Projekt «COMUNIS» setzt auf die effi- Die kommerzielle Standortförderung der Ge- ziente Nutzung von Ressourcen, indem die meinden besteht jedoch oft nur darin, kurzfristig einzelnen Modellregionen Instrumente zur auf einzelne Anfragen durch interessierte Firmen überkommunalen kommerziellen Stand- zu reagieren. Meist fehlt der regionale Blick auf ortförderung entwickeln. Erfahrungen und Wirtschaft und Arbeitsmarkt, wodurch Res- Wissen der einzelnen Regionen werden sourcen verloren gehen. Erfolgversprechender zur Optimierung von Standortförderungs- ist es, wenn Gemeinden gemeinsam versu- strategien ausgetauscht. chen, interessierten Firmen ein Paket an attrak- • Laufzeit: Juli 2009 bis Juni 2012 tiven Möglichkeiten zu offerieren und sich somit • Budget: 2 110 663 EUR «COMUNIS» ist ein Projekt des Programms als Region zu profilieren. • Anzahl Partner: 11 «Alpenraum». Es vereint Partnerinnen und Part- «COMUNIS» will deshalb eine Strategie zur • Schweizer Projektpartner: ner wie die Fachhochschule Westschweiz-Wal- gemeinsamen industriellen und gewerblichen Fachhochschule Westschweiz-Wallis lis, die Handelskammer Lyon, die Regionalent- Standortförderung entwickeln. Diese Stra- Kanton Wallis wicklung Vorarlberg oder den Kanton Wallis. tegie soll auf die spezifischen Bedingungen Schweizerische Beratungsgruppe Gemeinden konkurrieren bei der industriellen der Alpengemeinden eingehen und wird in für Regionen und Gemeinden (SEREC) und gewerblichen Entwicklung, weil diese verschiedenen Modellregionen erarbeitet, zentral ist für die Schaffung regionaler und erprobt und weiterentwickelt. Dabei entwi- www.comunis.eu lokaler Arbeitsplätze. Sie hilft, der Abwande- ckelt «COMUNIS» nicht nur konkrete Richt- rung qualifizierter Arbeitskräfte vorzubeugen, linien, wie diese Strategie umgesetzt werden und bietet eine Alternative zum Tourismus. kann, sondern zeigt auch auf, wie die Arbeit in den Gemeinden organisiert werden muss und in welchen rechtlichen Rahmen sie einzubet- ten ist. «COMUNIS» schafft in den Modellre- gionen zudem nachhaltige Strukturen, die die Umsetzung der gemeinsamen Strategie zur industriellen und gewerblichen Standortför- derung gewährleisten. Im Vordergrund steht die Zusammenarbeit zwischen den Gemein- den. Im Detail wird beispielsweise ermöglicht, dass die Gemeinden Industrie- oder Gewer- bezonen gemeinsam planen.12 INTERREG B – Blick in die Praxis – COMUNIS
  13. Interview mit Nathalie Stumm, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Fachhochschule WestschweizNathalie Stumm ist wissenschaftliche Mit- europäischen Umfeld Bekanntheit erlangen. vom Nutzen des Projekts nicht überzeugt oderarbeiterin an der Fachhochschule West- Das ist ein grosses Plus. Schliesslich bedeu- hinsichtlich der interkommunalen Zusammen-schweiz-Wallis. Sie betreut die Teilnahme tet die Teilnahme an einem solchen Projekt auch arbeit bereits desillusioniert sind. Dann gibt esan «COMUNIS» und kümmert sich um wei- immer eine gewisse Anerkennung von aussen. natürlich auch den finanziellen Aspekt: Für dietere Projekte wie «INCUBUS» oder die Projektteilnahme erhalten die Gemeinden keinMachbarkeitsstudie für eine kantonale Die Fachhochschule Westschweiz ist Lead- Geld. Es ist deshalb schwierig, sie zur Teil-Tourismusbeobachtungsstelle im Wallis. partner bei «COMUNIS». Was bedeutet das nahme zu bewegen. Um zu verhindern, dass für Sie? das Engagement auf Praxisebene abflacht,Welchen Nutzen bringt die transnationale Die Aufgabe des Leadpartners ist eine Her- wenn das Projekt konkret wird, haben wirZusammenarbeit im Projekt «COMUNIS»? ausforderung und eine Investition. Wir koordi- jeweils eine offizielle Zusage der Gemeinde-Grundsätzlich ermöglichen grenzüberschrei- nieren und leiten das Projekt. Es gilt sicherzu- präsidenten verlangt.tende Projekte eine Annäherung zwischen stellen, dass der Zeitplan für die Umsetzungzusammengehörigen Regionen und damit der Aktivitäten eingehalten wird und das Pro- Welcher wirtschaftliche Einfluss kann voneine Annäherung der vom Projekt erfassten jekt über eine möglichst grosse Medienprä- einem solchen Projekt für die Regionen oderBevölkerung. Der transnationale Ansatz führt senz verfügt. Es bedeutet aber auch, über die Gemeinden erwartet werden?Teilnehmerinnen und Teilnehmer zusammen, Kommunikation zwischen dem Leadpartner Die Schweizer «COMUNIS»-Pilotregionendie sich eine Zusammenarbeit miteinander und dem Programmsekretariat Bericht zu sind das französischsprachige Wallis und ins-vielfach nicht gewohnt sind. So gibt es in erstatten. Die Partnerinnen und Partner müs- besondere die Region Sierre mit der Indus-«COMUNIS» sehr viele unterschiedliche Part- sen über alles informiert werden. Auch die Kon- triezone «Ile Falcon». Dort entsteht gegenwär-nerinnen und Partner: Universitäten, Unter- fliktbewältigung gehört zu unseren Aufgaben, tig eine Pilotzone für industrielle Ökologie,nehmen, Regionen und sogar ein Ministerium und schliesslich müssen wir sicherstellen, dass wo Umweltschutzmassnahmen im industriel-sind mit dabei. Dank der unterschiedlichen die Projektmittel angemessen genutzt werden. len Bereich lanciert werden sollen. BereitsAnsätze dieser Partner ergeben sich sehr inte- Wir haben auch die Möglichkeit, das Projekt in ansässigen Unternehmen bietet sich dieressante Synergien. Wir lernen Beispiele von unserem Sinne zu steuern, was wir bis zu einem Chance, ihre Aktivitäten vor ökoindustriellem«Good Practices» kennen, die es auf unserem gewissen Grad auch machen. Wichtig ist uns Hintergrund neu zu erfinden. Wir hoffen,Gebiet in dieser Form noch nicht gibt. aber vor allem, den Partnerinnen und Partnern zudem neue Unternehmen nach «Ile Falcon»Aufgrund seiner europäischen Dimension wird so viel Spielraum wie möglich zu gewähren. in Sierre locken zu können.natürlich auch die Medienpräsenz des Pro- Auch wenn sich industrielle Ökologie stark amjekts erhöht. In der föderalistischen Schweiz legen die Umweltschutz orientiert, beruht ihr Erfolg dar- meisten Gemeinden viel Wert auf ihre Autono- auf, dass sie sich dem Druck der Wettbe-Inwiefern profitiert die Fachhochschule West- mie. Wie haben die Gemeinden auf die von werbsfähigkeit stellt. Eine auf Wissen undschweiz von der Teilnahme an einem INTER- «COMUNIS» angestrebte interkommunale technologischer Innovation beruhende regio-REG-B-Projekt? Zusammenarbeit reagiert? nale Wirtschaft ist ein starkes Markenzeichen.Bereits die Teilnahme an sich ist sowohl für die In «COMUNIS» ist die Arbeit mit den Gemein- In der Tat könnte sich industrielle ÖkologieInstitution selbst als auch für die Mitarbeiten- den sehr wichtig. Die Gemeinden sind die bald zum lokalen Standortvorteil entwickelnden ein Gewinn. Man lernt neue Arbeitstech- Partner vor Ort. Sie kennen die Situation in der und so die regionale Identität prägen. Bei Er-niken und findet Einlass in Netze, zu denen Praxis und sie beteiligen sich in ihrem eigenen folg sollte das Projekt auf weitere Gemeindenman zuvor keinen Zugang hatte. Für die Fach- Interesse an der Umsetzung der Projektinhalte. im Wallis oder andernorts ausgedehnt werden.hochschule Westschweiz ist die Teilnahme an Die Gemeinden müssen nachweisen, dass«COMUNIS» auch eine Form von Werbung. das Pilotprojekt, das sie auf ihrem Gebiet nathalie.stumm@hevs.chWir können das Image verbessern und im durchführen möchten, machbar ist. Innerhalb der Partnerschaft stellt man jedoch fest, dass die Gemeinden manchmal zögern. So erweist sich die Zusammenarbeit ab und an als schwierig, vor allem, wenn die Gemeinden INTERREG B – Blick in die Praxis – COMUNIS 13
  14. INTERREG B – Blick in die Praxis «CLISP» Klimawandelfitness der Raumplanungsinstrumente verbessern Auch im Projekt «CLISP», das die Anpas- Damit die Raumplanung diese Schlüsselrolle sung an den Klimawandel im Bereich der erfüllen kann, sind allerdings geeignete Ver- Raumplanung untersucht, spielen Wis- fahren notwendig. «CLISP» erforscht zu die- sens- und Erfahrungsaustausch zwischen sem Zweck die «Klimawandelfitness» der den Partnern und Modellregionen eine zen- Raumplanungssysteme in den Modellregio- trale Rolle. nen – in der Schweiz der Kanton Graubünden. Beinhalten die Gesetze bereits Anpassungs- Die Alpen reagieren sensibler auf die Auswir- möglichkeiten? Bestehen Instrumente und • Laufzeit: September 2008 bis August 2011 kungen des Klimawandels als Regionen im Verfahren, die Anpassungen an den Klima- • Budget: 2 522 990 EUR Mittelland. Das hat Folgen für die Alpen als wandel zu steuern? Ziel ist es, die «Klimawan- • Anzahl Partner: 14 Lebensraum: Extremereignisse wie Hitzewel- delfitness» der Alpenregionen und ihrer • Schweizer Projektpartner: len oder Überschwemmungen treten häufiger Gemeinden zu verbessern. Dazu wird «CLISP» Kanton Graubünden, Amt für Raum- auf – mit den bekannten Risiken für Menschen auch das Bewusstsein für die Folgen des Kli- entwicklung und Infrastrukturen. Solche Ereignisse beein- mawandels bei den Entscheidungsträgerin- Bundesamt für Raumentwicklung (ARE) trächtigen nicht nur den Lebensraum, sondern nen und Entscheidungsträgern und der schmälern auch Entwicklungsmöglichkeiten Öffentlichkeit steigern. Dies soll dazu beitra- www.clisp.eu und führen zu vermehrten Raumnutzungskon- gen, dass die Erkenntnisse in den verschiede- flikten wie jenem zwischen Risikoprävention nen Regionen auch umgesetzt werden. und Flächennutzung. Die Zusammenarbeit von Projektpartnern mit Konflikte dieser Art sind das Thema von unterschiedlichem institutionellem Hinter- «CLISP», das die Raumplanung als Instrument grund wie dem Amt für Raumentwicklung im einsetzt, um die Anpassung an den Klimawan- Kanton Graubünden, dem Forschungsinstitut del zu steuern, die Verletzbarkeit zu mindern EURAC in Bozen oder dem Bundesamt für und die Widerstandsfähigkeit zu verbessern. Raumentwicklung (ARE) erlaubt, breit abge- stützte Ergebnisse zu erzielen. Die einzelnen Modellregionen konzentrieren sich auf thema- tische Schwerpunkte wie Wassermanage- ment oder Wintertourismus. Dies schafft die Voraussetzung für den Erfahrungsaustausch unter den Regionen und für einen effizienten Ressourceneinsatz.14 INTERREG B – Blick in die Praxis – CLISP
  15. Interview mit Melanie Butterling, wissenschaftliche Mitarbeiterin im AREMelanie Butterling ist wissenschaftliche Instrumente zur Verfügung. Nebst der Gesetz- Diese Personen haben ihre Anliegen dann lieberMitarbeiterin im Bundesamt für Raument- gebung arbeitet das ARE auch an Konzepten beim gemeinsamen Abendessen in Deutschwicklung (ARE). Sie betreut die Projektteil- wie dem «Raumkonzept Schweiz». Wir prüfen mit mir besprochen.nahme des ARE an «CLISP» und ist dort auch, wie wir die Resultate aus «CLISP» in Ein Projekt dieser Art ist auch sehr lehrreich.hauptsächlich für die Evaluation der «Kli- die Strategie «Nachhaltige Entwicklung des Aus der Erkenntnis, dass auch andere Heran-mawandelfitness» der kommunalen und Bundes» integrieren können, die vom ARE gehens- und Vorgehensweisen möglich sind,regionalen Raumplanungsinstrumente erarbeitet wird. Schliesslich lässt sich in den können neue Lösungsansätze gewonnen wer-zuständig. Daneben betreut Melanie But- Sachplänen des Bundes festlegen, in welche den. Lösungsansätze, auf die man nicht gestos-terling auch den Beitrag des ARE an die Richtung sich die Raumplanung auf Gemein- sen wäre, wenn man nur national gearbeitetStrategie der Schweiz zur Anpassung an de- und Kantonsebene bewegen soll. hätte. Die transnationale Zusammenarbeitdie Klimaänderung. dient in gewissem Sinne als Inspirationsquelle Wie wird das in «CLISP» generierte Wissen für Herangehensweisen und Lösungsansätze,Wo sehen Sie für das ARE den Mehrwert aus umgesetzt? die man von selbst vielleicht so nicht gewähltder Teilnahme an «CLISP»? Der Kanton Graubünden kann das Wissen, hätte, die sich aber als erfolgreich und sinnvollVon den in «CLISP» gewonnenen Erfahrungen das er in seiner Pilotregion gewinnt, in die kan- herausstellen.profitieren wir für den Beitrag des ARE an die tonale Klimapolitik einfliessen lassen. Im AREnationale Strategie zur Anpassung an die Kli- arbeiten wir an Folgeprojekten, mit denen wir Haben Sie bei «CLISP» Instrumente entwi-maänderung. Der Kanton Graubünden ist die Handlungsempfehlungen und Resultate ckelt, um den Schwierigkeiten zu begegnen?Pilotregion in «CLISP». Für uns als nationales aus «CLISP» in Modellvorhaben anwenden. Bei den Sitzungen versuchen wir inzwischen,Amt ergibt sich daraus ein guter Austausch Ziel ist es, mit einem integralen Planungsan- den Inhalt interaktiver zu gestalten. Es haltenmit der Kantonsebene. Wir können den Puls satz Anreize zu schaffen, damit lokale und kan- also nicht mehr einfach die Leader der einzelnendes Kantons spüren und herausfinden, welche tonale Akteure sich vermehrt für das Thema Arbeitspakete lange Monologe, sondern esBedürfnisse und Wünsche die Kantone ans «Klimawandel» einsetzen. findet verstärkt ein Austausch zwischen allenARE und an die Strategie der Schweiz zur An- Zudem wird in «CLISP» versucht, aus den ver- Partnerinnen und Partnern statt. Dadurch füh-passung an die Klimaänderung haben. schiedenen Erfahrungen in den Pilotregionen len sich alle stärker verantwortlich. Der Team-«CLISP» hat im ARE das Bewusstsein gestei- transnational gültige Handlungsempfehlungen geist wird gestärkt.gert, dass die Herausforderungen des Klima- abzuleiten. Dies ist gegen Projektende vorge- Auch die gemeinsamen Essen und Unterneh-wandels auch Herausforderungen der Raum- sehen, wenn die Erfahrungen aus den Pilotre- mungen finde ich in dieser Hinsicht sehr wich-planung sind. gionen ausgewertet sind. Es wird interessant tig. Dort können Probleme und UnklarheitenSchliesslich besteht dank «CLISP» ein guter sein, zu sehen, inwiefern gemeinsame Empfeh- informeller und auch mal bilateral angespro-Austausch zwischen dem ARE und der For- lungen formuliert werden können, da sich die chen werden. Oder lokale Partner können michschung – etwa mit der Eidgenössischen For- Raumplanungssysteme in den verschiedenen auf Deutsch ansprechen.schungsanstalt für Wald, Schnee und Land- Ländern teilweise stark unterscheiden. Dochschaft (WSL). Das ermöglicht dem ARE, in lassen sich aus diesen Unterschieden letztlich melanie.butterling@are.admin.chder Klimawandelforschung auf dem aktuells- auch interessante Erkenntnisse gewinnen.ten Stand zu sein. Erleben Sie Schwierigkeiten bei «CLISP» auf-Raumplanung findet in der Schweiz grössten- grund des transnationalen Ansatzes?teils auf Gemeinde- und Kantonsebene statt. Schwierigkeiten sehe ich vor allem bei derInwiefern kann das ARE als nationale Behörde englischen Sprache und bei der Kommunika-für «CLISP» einen Beitrag leisten? tion über die Distanz. Ich hatte hin und wiederDie Arbeit des ARE findet vor allem auf strategi- den Eindruck, dass vor allem lokale Partnerin-scher und konzeptueller Ebene statt. Wir kön- nen und Partner Mühe bekundeten, sich wäh-nen nicht neue Pläne aus dem Boden stamp- rend einer Sitzung zu äussern, weil sie Hem-fen, das ist klar. Trotzdem stehen uns vielfältige mungen hatten, ihr Englisch auszupacken. INTERREG B – Blick in die Praxis – CLISP 15
  16. INTERREG B – Blick in die Praxis «iMONITRAF!» Negative Auswirkungen des transalpinen Schwerverkehrs reduzieren Mit Massnahmen, die über den gesamten alpenquerenden Transitverkehr jedoch eine Alpenraum hinweg koordiniert werden, wichtige Rolle, wenn verhindert werden soll, strebt das Projekt «iMONITRAF!» an, die dass Massnahmen zu Ausweichverkehr auf negativen Auswirkungen des transalpinen Transportkorridore anderer Regionen führen. Schwerverkehrs zu reduzieren. Die Herausforderung im alpenquerenden Güterverkehr packt «iMONITRAF!» mit einem Der alpenquerende Transitverkehr hat sich in langfristig angelegten politischen Netzwerk den letzten 20 Jahren beinahe verdoppelt. an. Dieses verleiht den betroffenen Alpen- • Laufzeit: Juli 2009 bis Juni 2012 Dies zwingt die betroffenen Regionen zum transitregionen eine gemeinsame Stimme und • Budget: 1 734 768 EUR Handeln. Aber wie lassen sich die negativen verschafft ihnen Gehör auf regionaler und nati- • Anzahl Partner: 10 Auswirkungen des Transitverkehrs reduzie- onaler Ebene sowie auf Stufe der EU. Ein jähr- • Schweizer Projektpartner: ren? Mit dieser Herausforderung beschäftigt lich stattfindendes Transportforum ermöglicht Zentralschweizer Umweltdirektionen sich das Projekt «iMONITRAF!». Zwar existie- Politikern, Interessierten und Betroffenen, (ZUDK) ren in den einzelnen Ländern Massnahmen, um sich über die Resultate von «iMonitraf!» zu Kanton Tessin, Amt für Raumplanung die negativen Auswirkungen des Transitver- informieren und dem Projekt Feedback zu kehrs zu reduzieren. Doch es mangelt an der Ko- geben. In einem «Best-Practice-Guide» hat www.imonitraf.org ordination zwischen den einzelnen Initiativen. «iMONITRAF!» bereits aufgezeigt, welche Die länderübergreifende Ebene spielt beim Massnahmen die verschiedenen Länder und Regionen ergriffen haben und inwiefern diese Massnahmen in die anderen Transitregionen übertragen werden können. Eine gemeinsame Strategie soll dazu führen, dass die gewählten Massnahmen möglichst effizient umgesetzt werden können. In «iMONITRAF!» treffen sich alle wichtigen Transitregionen der Korridore Fréjus, Mont- Blanc, Gotthard, Brenner und Tauern.16 INTERREG B – Blick in die Praxis – iMONITRAF!
  17. Interview mit Rainer Kistler, Leiter Amt für Umweltschutz Kanton ZugRainer Kistler leitet das Amt für Umwelt- Die von «iMONITRAF!» verfolgten Ziele sind in Projekte sehr wichtig. Andererseits wünschenschutz des Kantons Zug. Als Sekretär der der Schweiz aufgrund der Alpeninitiative bereits wir uns, dass die gemeinsame Datenauswer-Zentralschweizer Umweltdirektionen in der Verfassung verankert. Wieso ist ein sol- tung, die wir im Rahmen von «iMONITRAF!»(ZUDK) betreut er «iMONITRAF!», bei dem ches Projekt trotzdem notwendig? vornehmen, nach Projektende fortgesetzt wird.die Zentralschweiz als Projektleader wal- Richtig, betrachtet man nur die Schweiz,tet. Im Rahmen der ZUDK arbeiten die ist ein Projekt wie «iMONITRAF!» vielleicht Wie muss eine Strategie für den alpenqueren-Umweltämter der Kantone Uri, Schwyz, weniger zwingend. Doch sind Massnahmen, den Transitverkehr aussehen, damit sie tat-Obwalden, Nidwalden, Luzern und Zug eng die ausschliesslich in der Schweiz umgesetzt sächlich Durchschlagskraft entwickeln kann?zusammen und führen auch gemeinsam werden, nur bedingt wirksam und politisch Mit «iMONITRAF!» tasten wir uns an dieseProjekte und Aktionen durch. auch schwer durchsetzbar. Es geht deshalb Frage heran. In unserem «Best-Practice- darum, die Schweizer Verkehrspolitik den Guide» haben wir analysiert und festgehalten,Ist der Mehrwert der transnationalen Herange- anderen Alpenregionen schmackhaft zu was die verschiedenen Regionen bereitshensweise bei einem Projekt wie «iMONIT- machen und die dortigen Verantwortlichen unternommen haben. Nun gilt es eine Strate-RAF!» tatsächlich so gross? dabei zu unterstützen, dieselben oder ähnliche gie für den alpenquerenden Transitverkehr zu«iMONITRAF!» macht nur länder- oder regio- Massnahmen einzuführen. Wir dürfen nicht erarbeiten. Dies gleicht ein bisschen der Qua-nenübergreifend Sinn. Alle Alpenregionen vergessen: «iMONITRAF!» steht zwar in Ein- dratur des Kreises. Die lokale Bevölkerunghaben zwar einzeln Massnahmen getroffen, klang mit der schweizerischen Verkehrspolitik, legt viel Wert auf eine gute Erreichbarkeit,um die Umweltauswirkungen des transalpinen in Ländern wie Österreich ist dies aber nicht möchte aber möglichst wenig durch Emis-Schwerverkehrs zu reduzieren. Einzelstaatliche der Fall. Die Region Tirol sucht sich deshalb sionen des Transitverkehrs belastet werden.Massnahmen können aber zu Ausweichverkehr gleichgesinnte Partner im Ausland. «iMONIT- Eine erfolgreiche Strategie muss wohl daraufin einer anderen Region führen. Das ist weder RAF!» bietet der Schweiz einen Kanal für die ausgerichtet sein, möglichst viel des Transit-nachhaltig noch politisch sinnvoll. Wir müs- behutsame Vermarktung ihrer Verkehrspolitik. verkehrs von der Strasse auf die Schiene zusen deshalb solidarische Lösungen finden. In Wien trifft die Schweiz nicht in gleichem verlagern, ohne aber den PersonenverkehrDie Regionen sind für bestimmte Massnah- Masse auf offene Ohren wie die Region Tirol. völlig von der Schiene zu verdrängen.men zudem teilweise zu klein. Ein gutes Bei- Schliesslich können wir dank «iMONITRAF!» Zurzeit existiert noch keine Richtung, die vonspiel ist das Nachtfahrverbot auf einzelnen von den Erfahrungen und Lösungen der ande- allen Partnern getragen würde. Ich stelle aberStrecken in Tirol. Die Lastwagen sammeln ren Alpenregionen profitieren. eine grosse Offenheit für die Massnahmen dersich vor der Nachtfahrverbotsstrecke und fah- jeweiligen anderen Regionen fest. Doch vari-ren am Morgen alle gleichzeitig los. Die Luft- «iMONITRAF!» möchte politisch Einfluss neh- ieren der Autonomiestatus und damit auch diebelastung steigt zu diesem Zeitpunkt enorm men – in den Alpenländern wie auch in Brüs- Handlungsmöglichkeiten der verschiede-an. Erreicht wird das Gegenteil von dem, was sel, wo die EU-Verkehrspolitik gemacht wird. nen Regionen stark. Einigkeit besteht darin,beabsichtigt war. Plant «iMONITRAF!», die Zusammenarbeit dass möglichst kein Ausweichverkehr produ-Für Massnahmen dieser Art braucht es grosse auch nach dem offiziellen Ende des Projekts ziert werden soll und dass die bestehendenRäume und transnationale Koordination. fortzusetzen? und geplanten Bahninfrastrukturen optimal zu Wir erhoffen uns, dass zumindest ein Teil der nutzen sind. geschaffenen Strukturen bestehen bleibt. Einerseits versuchen wir ja ein politisches rainer.kistler@zg.ch Netzwerk zu etablieren und möchten, dass die politischen Bande, die an den drei Transport- foren geknüpft werden, nach Projektende bestehen bleiben und solche Foren auch wei- terhin stattfinden. Politisches Commitment ist für den längerfristigen Erfolg transnationaler INTERREG B – Blick in die Praxis – iMONITRAF! 17
  18. INTERREG B – Blick in die Praxis «CODE24» Realisierung des «Schienenkorridors 24» sicherstellen Das Projekt «CODE24» nimmt sich eben- für die Entwicklung des «Korridors 24». Sobald falls einer Herausforderung an, die nur die Zulaufstrecken entsprechend ausgebaut koordiniert sinnvoll gelöst werden kann: sind, erhält Europa eine leistungsfähige Nord- der Beseitigung von Lücken und Flaschen- Süd-Verbindung. Allerdings schränken einige hälsen auf dem «Schienenkorridor 24», der Lücken und Flaschenhälse im Schienennetz die Häfen von Rotterdam, Antwerpen und die Leistungsfähigkeit dieses Korridors sowie Genua verbindet. Dadurch soll der Aufbau die gewünschte Erschliessungsqualität ein. einer leistungsfähigen Nord-Süd-Schie- • Laufzeit: Oktober 2008 bis Dezember 2013 nenverbindung gewährleistet werden. Das Projekt «CODE24» im Rahmen des Pro- • Budget: 6 696 755 EUR gramms «Nordwesteuropa» hat sich zum Ziel • Anzahl Partner: 16 Die Verlagerung der Güter von der Strasse auf gesetzt, die Realisierung des gesamten «Korri- • Schweizer Projektpartner: die Schiene ist ein Hauptanliegen der schwei- dors 24» sicherzustellen und zu beschleunigen. ETH Zürich, Institut für Raum- und zerischen Verkehrspolitik. Dieses Anliegen Die wirtschaftliche Leistung soll speziell im Landschaftsentwicklung (IRL) setzt voraus, dass neben der Bahninfrastruk- Hinblick auf den Gütertransport und die Logistik- tur im Inland auch das Schienennetz auf der netzwerke gesteigert werden. Die Beschleuni- www.code-24.eu Nord-Süd-Achse insgesamt die notwendigen gung des Streckenausbaus und die Steigerung Kapazitäten erreicht. Der «Schienenkorridor der Transportkapazitäten werden so gestaltet, 24» verbindet die internationalen Häfen von dass einerseits die wirtschaftliche und räumli- Rotterdam und Antwerpen mit jenem von che Entwicklung gefördert wird, gleichzeitig Genua am Mittelmeer. Auf dem «Korridor 24» aber auch negative Umweltauswirkungen werden pro Jahr 700 Millionen Tonnen Fracht durch den Schienenverkehr reduziert werden. befördert, was rund der Hälfte der gesamten Unter anderem soll ein Planungsleitfaden für Nord-Süd-Fracht auf der Schiene entspricht. innovative Lärmschutzsysteme zum Gelingen Die beiden Basistunnels in der Schweiz – beitragen. Das Projekt stärkt nicht zuletzt die Lötschberg und Gotthard – sind wegweisend Rolle der regionalen Akteurinnen und Akteure entlang des «Korridors 24». Schweizer Partner im Projekt ist das Institut für Raum- und Landschaftsentwicklung (IRL) der ETH Zürich, unterstützt vom «Gotthard-Komi- tee». Nebst dem IRL sind zahlreiche Akteurin- nen und Akteure beteiligt, beispielsweise die Hafenbehörde Genua, die Region Ruhrgebiet oder die Logistikfirma Transcare.18 INTERREG B – Blick in die Praxis – CODE24
  19. Interview mit Felix Günther, Leiter von Weiterbildungsprogrammen an der ETH ZürichFelix Günther arbeitet am IRL der ETH Zürich. «CODE24» verbindet unterschiedliche Part- der Schweiz in dieser Form noch nicht gemachtDort betreut er das Projekt «CODE24» und nerinnen und Partner wie die genuesische wurden. Holland andererseits verfügt über eineleitet die Weiterbildungsprogramme «MAS Hafenbehörde, das Logistikunternehmen starke nationale Planungsebene.Raumplanung» und «CAS Raumentwick- Transcare oder eben das IRL der ETH Zürich. Der Vergleich dieser verschiedenen Systeme istlung» der ETH Zürich. Können deren Interessen tatsächlich auf auch ein Unterthema von «CODE24». Ziel ist es, einen Nenner gebracht werden? Erkenntnisse und Erfahrungen aus den verschie-«CODE24» hat sich zum Ziel gesetzt, den Stre- Natürlich divergieren die Interessen bis zu denen Ländern zu sammeln, die unterschiedli-ckenausbau im «Korridor 24» möglichst einem gewissen Grad, insbesondere wenn chen Ansätze zu vergleichen und so neue Ein-umweltverträglich zu gestalten. Wie soll das die Interessen einer Region wie des Ruhr- sichten auch für die Schweiz zu gewinnen.konkret geschehen? gebiets mit denen einer Hafenbehörde ver-Prof. Bernd Scholl von unserem Institut hat glichen werden. Regionen möchten in der Re- «CODE24» ist Ihre erste INTERREG-B-Pro-das INTERREG-B-Projekt initiiert, weil Fragen gel die Emissionen möglichst gering halten, jekterfahrung. Wie erleben Sie die Zusam-zu allfälligen Raumnutzungskonflikten in der während die Häfen daran interessiert sind, menarbeit mit Partnerinnen und Partnern ausDiskussion um den Ausbau des «Korridors ihre Abflusskanäle so weit wie möglich offen anderen Ländern und mit anderen institutio-24» bis anhin eher aussen vor gelassen wur- zu halten. «CODE24» bietet die Gelegenheit, nellen Hintergründen?den. Mancherorts ist die Opposition der diesen Interessengegensatz auszudiskutieren. Das ist für mich sehr spannend. Ich habe zwarBevölkerung heute so gross, dass deswegen Wird darauf verzichtet, besteht die Gefahr, schon bei meinen früheren Stellen Erfahrun-das ganze Verlagerungsziel in Schwierigkeiten dass der geplante Ausbau in einer Infrastruktur- gen mit internationaler Zusammenarbeitgeraten könnte. Mit «CODE24» möchten wir debatte endet, die sich in zahlreichen Gerichts- gemacht, hatte dort aber mehr mit privatennicht einfach nur eine Übersicht erstellen, wo verfahren gegen die Ausbaupläne der Bahn Akteuren zu tun. «CODE24» bietet mir jetzt diees Konflikte gibt, sondern helfen, diese vor Ort niederschlägt. Die Ausbaupläne würden auf Gelegenheit, auch mit öffentlichen Akteurenzu lösen. So führen wir als Pilotprojekt eine Jahrzehnte blockiert. Dies wäre gefährlich, aus Europa zusammenzuarbeiten. InteressantTestplanung im Raum Oberhausen-Emmerich nicht zuletzt weil auch die Wirtschaft, die im sind die verschiedenen kulturellen Hinter-durch. In dieser Region zwischen zwei für Projekt eingebunden ist, die Ansicht vertritt, gründe. So haben wir uns etwa mit der glei-den Schnellverkehr ausgebauten Strecken in dass der Ausbau vorangetrieben werden chen Fragestellung und der gleichen Einla-Deutschland und Holland soll die Bahnstrecke muss. Gefährlich auch angesichts der Inves- dung an dieselbe Anzahl Personen in Genuaausgebaut werden. Der Abschnitt führt durch titionen, die in anderen, vielleicht weniger und Holland gewandt. In Genua waren wirverschiedene Dörfer. Die Bevölkerung hat wertschöpfungsintensiven Wirtschaftsräumen schliesslich 30 und in Holland 4 Personen angrosse Angst vor den Folgen, die der Ausbau Europas getätigt werden. der Sitzung.mit sich bringt. Mit der Testplanung versuchen «CODE24» soll aber auch den Spagat zwi- Zu Beginn der Zusammenarbeit braucht eswir gemeinsam mit den lokalen Akteurinnen schen Wissenschaft, angewandter Planung den persönlichen Kontakt, um die Leute ein-und Akteuren, aber auch mit Akteuren des und Politik schaffen. schätzen und erfolgreich mit ihnen zusammen-Landes Nordrhein-Westfalen und der Bahn, arbeiten zu können. Die persönlichen Kontakteeine für das Gebiet erträgliche Lösung zu fin- Die Raumplanungssysteme der einzelnen Län- sind allerdings sehr zeitintensiv. Ich hoffe, dassden. Es scheint uns wichtig, dass die ver- der sind sehr verschieden. In welchen Be- wir in Zukunft vermehrt auf Videokonferenzenschiedenen Gruppen einen gemeinsamen reichen der Raumplanung kann die Schweiz von und E-Mail zurückgreifen können.Dialog führen. den «CODE24»-Partnern lernen? Es existieren an vielen Orten interessante fguenther@ethz.ch Ansätze, aus denen wir neue Erkenntnisse ge- winnen können. In Italien zum Beispiel wurden bei uns übliche informelle Planungsmetho- den – Leitlinien, Entwicklungskonzepte, Test- planungs- oder Mitwirkungsverfahren – teil- weise bereits in die formellen Raumplanungsver- fahren integriert. Das sind Erfahrungen, die in INTERREG B – Blick in die Praxis – CODE24 19
  20. INTERREG B – Blick in die Praxis «DEMARRAGE» Internationale Vermarktung des Rheinradwegs «DEMARRAGE» zielt auf die internationale Eine im Mai 2009 erschienene «EuroVelo»-Stu- Vermarktung des Radtourismus entlang des die des Europäischen Parlaments weist ein Rheins. Die koordinierte Kommunikation erhebliches wirtschaftliches Potenzial für den und eine einheitliche Signalisation über die Velotourismus aus: Die Schätzungen gehen gesamte Strecke sollen helfen, den Radweg von jährlich 45 Millionen Reisen und 5 Milliar- als Ganzes besser zu vermarkten. den Euro Umsatz auf dem Routennetz von «EuroVelo» aus. Die Erhebungen aus dem Netz Das Radtourismus-Angebot entlang des Rheins von «Veloland Schweiz» bestätigen die hohe • Laufzeit: Januar 2009 bis April 2013 soll ausgebaut, besser koordiniert und kommu- wirtschaftliche Bedeutung des Radtourismus: • Budget: 2 369 690 EUR niziert werden. Um dieses Ziel zu erreichen, Auf den Routen von «Veloland Schweiz» wer- • Anzahl Partner: 18 wurde das Projekt «DEMARRAGE» im Rah- den Jahr für Jahr ungefähr 150 Millionen Fran- • Schweizer Projektpartner: men des Programms «Nordwesteuropa» lan- ken ausgegeben. Stiftung «SchweizMobil» ciert. Die Stiftung «SchweizMobil» erarbeitet Die Stiftung «SchweizMobil» ist als einer der darin mit der European Cyclists Federation federführenden Projektpartner mitverantwort- www.schweizmobil.ch (ECF) sowie nationalen und regionalen Part- lich für die Kommunikations- und Produktstra- nern aus den Niederlanden, Deutschland und tegie des Projekts «DEMARRAGE». Gleich- Frankreich Grundlagen, um den Rheinradweg zeitig ist «SchweizMobil» zuständig für die organisatorisch, infrastrukturell und kommu- Wahrung der Schweizer Interessen sowie die nikativ zu fördern und als «EuroVelo»-Route Koordination innerhalb der Schweiz. nachhaltig zu sichern. Dank des Projekts «DEMARRAGE» wird die nationale Veloland-Route Nr. 2 «Rhein» in das Netz von «EuroVelo» integriert, aufgewertet und wirkungsvoller kommuniziert. Hohe Bedeu- tung hat dabei das Internet: Erstmals in Europa soll eine Webarchitektur entwickelt und umge- setzt werden, die auf einer möglichst optima- len Verknüpfung der Informationen auf europä- ischer, Länder- und Regionsebene aufbaut. Das Projekt «DEMARRAGE» stellt sicher, dass die Schweiz die Standards für die Reali- sierung und europaweite Kommunikation internationaler Velorouten massgeblich mitbe- stimmen kann.20 INTERREG B – Blick in die Praxis – DEMARRAGE
  21. Interview mit Lukas Stadtherr, Vertreter der Stiftung «SchweizMobil» im Projekt «DEMARRAGE»Lukas Stadtherr repräsentiert die Stiftung Es ist schon das zweite INTERREG-B-Pro- Zwischen Tourismusorten herrscht in der«SchweizMobil» und ihre Partner Bund, jekt, an dem Sie und die Stiftung «SchweizMo- Regel eine grosse Konkurrenz. Ist das Poten-Kantone, Tourismusorganisationen im Pro- bil» teilnehmen. Was sind Ihre Motivationen, zial des Radtourismus auf der Rhein-Routejekt «DEMARRAGE». Als Mitglied der Pro- um sich an diesen manchmal als zu bürokratisch genügend gross, damit alle Regionen aus demjektleitung «SchweizMobil», des «EuroVelo- verschrienen Projekten zu beteiligen? Projekt als Gewinner hervorgehen können?Council» und als Mitinhaber des «Velo- «SchweizMobil» will mit einer Teilnahme errei- Ganz bestimmt. Europäisch gesehen kann diebüros» betreut er in- und ausländische Pro- chen, dass das nationale Angebot «Veloland Lösung nicht in der Konkurrenzierung, sondernjekte im Bereich «Velo- und Langsam- Schweiz» besser in den europäischen Kontext nur in der Zusammenarbeit bestehen. Wennverkehrstourismus». eingebunden und durch diese internationale grenzüberschreitende radtouristische Ange- Anbindung noch bekannter wird. Davon kön- bote auf der Basis gemeinsamer SpielregelnIn den fünf Jahren, die «DEMARRAGE» dau- nen die Regionen und Gemeinden entlang kommuniziert werden, gewinnen alle. Wenn bei-ert, wird zwischen den Partnerinnen und Part- des Rheins wirtschaftlich profitieren, weil mehr spielsweise in Deutschland mehr Velofahren-nern ein beachtlicher Erfahrungsaustausch Touristinnen und Touristen die Rhein-Route de auf der Rheinroute unterwegs sind und dar-stattfinden. Werden auch die Velofahrenden besuchen werden. auf aufmerksam gemacht werden, dass dieseauf der Rhein-Route konkrete Auswirkungen Gleichzeitig möchten wir die Standards in der Route bis in Nachbarländer weiterführt, profi-dieses Projekts sehen können? Kommunikation – beispielsweise das Cor- tiert auch die Schweiz davon und umgekehrt.«DEMARRAGE» muss dieses Ziel erreichen. porate Design oder die geplante Webarchi-Das Projekt soll dazu animieren, dass Bundes- tektur – massgeblich mitbestimmen. Europa- Acht Kantone unterstützen «DEMARRAGE»länder, Kantone und Regionen noch mehr in Inf- weit ist kein Land in der Kommunikation rad- finanziell. Was hat diese Kantone davon über-rastrukturverbesserungen auf der Rhein-Route touristischer Angebote so weit fortgeschrit- zeugt, das Projekt zu unterstützen? Inwiefern pro-investieren. Investiert werden soll auch in die ten und weist so viel Erfahrung auf wie die fitieren die Kantone von diesem Engagement?Signalisation: Der Rhein-Radweg erhält die Schweiz. Das wird auch von den Nachbarlän- Letztlich ist es im Interesse der Kantone, Inves-Nummer 15. Sie wird – in Weiss auf blauem dern immer wieder bestätigt. Via «DEMAR- titionen, die sie bisher für das nationale Ange-Feld und umrahmt mit zwölf gelben Sternen – RAGE» können wir diese Erfahrungen einbrin- bot «Veloland Schweiz» getätigt haben, bekann-die «EuroVelo»-Route 15 kennzeichnen. gen. Wir möchten durch unser Engagement ter zu machen und grenzüberschreitend nochZudem soll die Internet-Information im Ver- aber auch verhindern, dass in der Kommunika- besser zu kommunizieren.gleich zu heute einfacher zugänglich und bes- tion nicht funktionierende Lösungen realisiert Mitgeholfen haben könnte auch die Tatsache,ser verknüpft werden. Ziel ist es, eine länder- werden, nach denen sich die Schweiz dann im dass die Stiftung «SchweizMobil» Gesuchstel-übergreifende Übersichtsseite zu erstellen, schlimmsten Fall richten muss. ler gewesen ist. «SchweizMobil» (bis 2008 diedie für Detailinformationen zu einzelnen Stre- «DEMARRAGE» ist schliesslich auch als Mit- Stiftung «Veloland Schweiz») steht seit mehrckenabschnitten mit den jeweiligen nationalen tel gedacht, um etwa in der Kommunikation als 15 Jahren dafür ein, dass lancierte Projekteoder regionalen Seiten verlinkt wird. Eine sol- Lösungen zu realisieren, die später auf jede auch tatsächlich realisiert werden. Die Zusam-che Webarchitektur verhindert Doppelspurig- internationale Route angewendet werden kön- menarbeit zwischen «SchweizMobil» und denkeiten und ist nachhaltig. Damit soll erstmals in nen. Wir möchten nicht für jede internationale involvierten Partnern ist seit vielen Jahren engEuropa eine grenzüberschreitend koordinierte Route neue und unabhängige Lösungen erar- und die Vertrauensbasis gut.Webarchitektur für einen internationalen Rad- beiten, sondern ein verständliches, gemässweg realisiert werden. einfachen und übertragbaren Regeln kommu- lukas.stadtherr@schweizmobil.ch niziertes Angebot realisieren. Aus Sicht der Schweiz und von «SchweizMobil» ist INTERREG ein geeignetes Mittel, diese Fra- gen zu lösen. Ich sage dies auch im Bewusst- sein, dass wir in INTERREG-Projekten admi- nistrativ deutlich weniger belastet werden als unsere Partnerinnen und Partner in der EU. INTERREG B – Blick in die Praxis – DEMARRAGE 21
  22. INTERREG B – von Zusammenarbeit profitieren In einer globalisierten Welt, in der sich die Mit transnationaler Zusammenarbeit • INTERREG B als Ort für ungewöhnliche Bedeutung von Grenzen verändert, ermög- Mehrwert schaffen Partnerschaften licht INTERREG B die Zusammenarbeit in Die Interviews in dieser Broschüre mit Schwei- In INTERREG-B-Projekten stammen die ein- funktionalen Räumen. Lösungen können zer Projektpartnerinnen und -partnern aus acht zelnen Partnerinnen und Partner nicht nur aus auf dafür geeigneten Ebenen angestrebt INTERREG-B-Projekten verdeutlichen, dass die verschiedenen Ländern, sondern kommen auch werden und müssen sich nicht mehr zwin- EU mit diesem Instrument der Verwirklichung aus dem öffentlichen und privaten Bereich. gend an Landesgrenzen orientieren. Die In- ihrer Kohäsionspolitik ein Stück näher rückt. Dadurch sollen klassische Denkmuster über- terviews mit Schweizer Projektpartnerinnen Die Interviews zeigen auch, dass die Zusam- wunden und bedarfsgerechte Innovationen und -partnern zeigen, dass sich aus trans- menarbeit in einem gebietsüberschreitenden ermöglicht werden (ACCESS, CLISP, Alps nationaler Zusammenarbeit in vielfältiger Raum eine Vielzahl an positiven Wirkungen ent- Bio Cluster, ENERBUILD). Weise profitieren lässt. Gleichzeitig ist die faltet, die dieser Form der Zusammenarbeit Zusammenarbeit in internationalen Projek- ihren ganz eigenen Mehrwert verleihen: • INTERREG B zur Etablierung stra- ten auch anforderungsreich und erfordert tegischer und politischer Netzwerke ein besonderes Mass an Verständnis für • INTERREG B als Inspirationsquelle in funktionalen Grossräumen die Situation der verschiedenen Partner. und Experimentierlabor In verschiedenen Fällen führen nur über den Erfahrungs- und Wissensaustausch mit Ak- Gesamtraum koordinierte Lösungen zum Ziel, teurinnen und Akteuren aus dem Ausland er- oder es müssen strategische und/oder poli- möglichen neue Lösungsansätze für bekannte tische Netzwerke geschaffen werden, die sich Herausforderungen. Die Innovationsfähig- zwar über mehrere Länder erstrecken, aber keit der Projektpartner wird gestärkt (CLISP, nicht mit dem Territorium von Nationalstaaten ACCESS, ENERBUILD, Alps Bio Cluster). decken. In diesen Fällen kann INTERREG B als Gefäss dienen, um strategische und poli- • INTERREG B als Plattform für die tische Netzwerke in funktionalen Grossräu- Vermarktung der eigenen Ideen men zu etablieren (iMONITRAF!, CODE24, Nationale Standards und Lösungsansätze DEMARRAGE). können via INTERREG-B-Projekte im Ausland vermarktet und im Idealfall dort auch umge- • INTERREG B als Ort für Diskussionen setzt werden (DEMARRAGE, iMONITRAF!). und Kompromisse Umfassende Planungsansätze erfordern, • INTERREG B als Sprungbrett in neue dass divergierende Interessen ausdiskutiert und Märkte Kompromisse gefunden werden (CODE24). Die eigene Institution gewinnt an Sichtbar- keit in einem europäischen Umfeld. KMU erhal- ten die Gelegenheit, sich mit ausländischen Betrieben zu vernetzen und neue Märkte ken- nen zu lernen (Alps Bio Cluster, COMUNIS, ENERBUILD).22 INTERREG B – von Zusammenarbeit profitieren
  23. Mit INTERREG B die regionale Wirtschaft Beteiligen auch Sie sich an einem INTER-unterstützen REG-B-Projekt! Das Bundesamt für Raum-Die Schweizer Bundesverwaltung unterstütztINTERREG B als Instrument der Neuen Regio- entwicklung (ARE) als Koordinator dernalpolitik (NRP). Gute NRP-Projekte erhöhen Schweizer Beteiligung an INTERREG Bdie wirtschaftliche Wertschöpfung der Regio-nen und schaffen Arbeitsplätze. «Alps Bio steht Ihnen bei Fragen gerne zur Verfügung.Cluster» (Vernetzung von KMU), «COMUNIS»(lokale Wirtschaftsentwicklung), «ENER- Bundesamt für Raumentwicklung (ARE)BUILD» (Innovation im Energiebereich) und Dienst für Internationales«CODE24» (Vernetzung von wirtschaftlichwichtigen Regionen) haben dieses Potenzial. www.interreg.ch«ACCESS» (Grundversorgung in Berggebie- interreg@are.admin.chten), «CLISP» (Naturgefahren), «DEMAR-RAGE» (Velotourismus) und «iMONITRAF!»(Erreichbarkeit, Transitverkehr) leiten ihreNRP-Konformität eher aus der nationalen stra-tegischen Bedeutung ihrer Anliegen ab.Die Beispiele zeigen, dass sich INTERREG-Projekte eignen, die Wertschöpfung einerRegion zu stärken.Durch Schwierigkeiten wachsenDie Erfahrungen aus 20 Jahren INTERREG Bverdeutlichen aber auch: TransnationaleZusammenarbeit ist reich an Herausforde-rungen. Distanzen, unterschiedliche Kultu-ren und Sprachen sowie verschiedene institu-tionelle Hintergründe bergen zwar ein grossesPotenzial, können die Zusammenarbeit aberauch erschweren.Die Erfahrungen der interviewten Projektpart-nerinnen und -partner zeigen: Es braucht aus-reichend Raum für informellen und bilateralenAustausch. Sprachliche und kulturelle Unter-schiede sollten berücksichtigt und respektiertwerden. Am Anfang ist persönlicher Kontaktwertvoll. Er hilft, sich besser kennen zu lernen.Der schweizerische Hintergrund mit seinerkulturellen Vielfalt kann dazu genutzt werden,bei Zwist zwischen Partnern die Vermittlerrolleeinzunehmen. INTERREG B – von Zusammenarbeit profitieren 23
  24. Bundesamt für Transnationale ProgrammeRaumentwicklung (ARE) INTERREG BDienst für Internationalesinterreg@are.admin.ch Programm «Alpenraum» Programm «Nordwesteuropa»www.interreg.ch www.alpine-space.eu www.nweurope.eu Bereits erschienen INTERREG und die Schweiz Ein bereichernder Austausch Bezug: www.interreg.ch

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