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  • 1. Wolfgang Amadeus Mozart wurde am 27. Januar 1756 um acht Uhr abends alssiebtes und zweites überlebendes Kind der Familie in Salzburg in der Getreidegasse9 in einer Dreizimmerwohnung eines Mehrfamilienhauses (Hagenauerhaus) geboren.Seine Eltern, aus beruflichen Gründen in das geistliche ReichsterritoriumFürsterzbistum Salzburg gezogen, waren der aus Augsburg stammendefürstbischöfliche Kammermusikus (ab 1757 Hofkomponist und ab 1763Vizekapellmeister) Leopold Mozart und die aus Sankt Gilgen stammende Anna MariaPertl. Schon am Vormittag nach seiner Geburt wurde er im Dom von Salzburg auf dieNamen Joannes Chrysostomus Wolfgangus Theophilus getauft. Der Rufname warWolfgang, Wolferl oder auch Woferl.1From Wikipedia, the free encyclopediaW. A. Mozart in Hofkleidung auf einem Ölgemälde von 1763. Vater Mozart in einemBrief am 19. Oktober 1762: „Wollen Sie wissen wie des Woferl Kleid aussieht? – Esist solches vom feinsten Tuch liloa=Farb ... Es war für den Prinz Maximiliangemacht ...“1Bereits im Alter von vier Jahren erhielten er und seine fünf Jahre ältere SchwesterMaria Anna Walburga Ignatia, genannt „Nannerl“, vom Vater den ersten Musik- undallgemeinbildenden Unterricht (Klavier, Violine und Komposition). Schon 1761zeichnete Vater Leopold ein Andante und ein Allegro als des „WolfgangerlCompositiones“ auf, denen ein Allegro und ein Menuetto folgten, datiert auf den 11.bzw. 16. Dezember 1761. Das fälschlicherweise immer wieder als frühesteKomposition genannte Menuett G-Dur mit einem Menuett C-Dur als Trio KV 1entstand vermutlich erst 1764. Auch Mozarts Begabung im Klavier- und Violinspieltrat schnell hervor. 1762 folgten seine ersten Auftritte.Erste Konzertreisen Wolfgangs und seiner Schwester Nannerl mit den Eltern wurdenAnfang 1762 nach München und Herbst 1762 von Passau nach Wien arrangiert, umdem Adel die talentierten Kinder zu präsentieren. Nach dem Erfolg der Wunderkind-Geschwister in München und Wien startete die Familie am 9. Juni 1763 zu einerausgedehnten Tournee durch die deutschen Lande und Westeuropa, die bis zurRückkehr nach Salzburg am 29. November 1766 dreieinhalb Jahre dauerte.Stationen waren München, Augsburg, Ludwigsburg, Schwetzingen, Heidelberg,Mainz, Frankfurt am Main, Koblenz, Köln, Aachen, Brüssel, Paris (Ankunft am 18.November 1763), Versailles, London (Ankunft am 23. April 1764), Dover, Belgien,Den Haag, Amsterdam, Utrecht, Mechelen, erneut Paris (Ankunft 10. Mai 1766),Dijon, Lyon, Genf, Lausanne, Bern, Zürich, Donaueschingen, Ulm und München, wodie Kinder bei Hofe oder in öffentlichen Akademien musizierten. Während dieserReisen entstanden die ersten Sonaten für Klavier und Violine sowie die ersteSinfonie Es-Dur (KV 16). Die vier Sonaten für Klavier und Violine KV 6 bis 9 sind1764 die ersten gedruckten Kompositionen Mozarts.Ein wichtiges Ergebnis dieser Reise war, dass Mozart in London mit der italienischenSymphonie und Oper vertraut gemacht wurde. Dort lernte er zudem Johann ChristianBach kennen, den er sich vielfältig zum Vorbild nahm. 1778 schrieb Mozart aus Paris
  • 2. nach dem dortigen Wiedersehen nach Hause: „ich liebe ihn (wie sie wohl wissen)von ganzem herzen – und habe hochachtung vor ihm.“Erste Kompositionen in Wien und die Italienreise (1766–1771)Der Rückkehr folgten erste Uraufführungen in Salzburg, darunter auch die SchuloperDie Schuldigkeit des ersten Gebots, die der elfjährige Mozart zusammen mit denwesentlich älteren Salzburger Hofmusikern Anton Cajetan Adlgasser und MichaelHaydn komponiert hatte. Im September folgte eine zweite Reise mit der Familie nachWien. Um der grassierenden Pockenepidemie zu entgehen, fuhren sie nach Brünnund Olmütz. Die Krankheit erreichte aber Wolfgang und seine Schwester auch dortund hinterließ (laut mehreren Biografien) Narben in Wolferls Gesicht. Nach derGenesung der Kinder kehrte Mozart am 10. Januar 1768 nach Wien zurück, wo erdas Singspiel Bastien und Bastienne (KV 50), die Waisenhausmesse (KV 139) sowiedie Opera buffa La finta semplice (KV 51) fertigstellte. Obwohl vom deutschen KaiserFranz I. bestellt, konnte die letztere nicht aufgeführt werden; Grund waren Intrigender sogenannten „italienischen Partei“ um den Hofintendanten Giuseppe Affligio.Zwischen 1767 und 1769 hielt sich Mozart wiederholt im Benediktinerkloster Seeonauf. Noch 1771 wurden von ihm dort Offertorien aufgeführt. Mozart schrieb speziellfür das Kloster Seeon zwei Offertorien: Scande coeli limina (KV 34; 1769) und Internatos mulierum (KV 72; 1771). Die sogenannte „Mozarteiche“, unter der er derÜberlieferung nach gerne gesessen haben soll, wächst bis heute am Seeoner See.Nach 15 Monaten in Wien kehrte Mozart mit seiner Familie am 5. Januar 1769 nachSalzburg zurück. Hier wurde La finta semplice am 1. Mai endlich aufgeführt, und hiererlebte er am 27. Oktober mit der Berufung zum Dritten Konzertmeister derSalzburger Hofkapelle die erste, wenn auch unbesoldete Anstellung.Mozart (am Klavier) musiziert mit dem gleichaltrigen Thomas Linley junior (Violine).Florenz 1770Mozarts erste Italienreise (eingezeichnet sind die heutigen Grenzen):Schwarz: Reiseroute Salzburg – NeapelBlau: Abweichungen auf der RückrouteKnapp drei Wochen später, am 13. Dezember 1769, brach Mozart mit seinem Vaterzu seiner ersten von drei außerordentlich erfolgreichen Italienreisen auf, die – mitUnterbrechungen von März bis August 1771 und Dezember 1771 bis Oktober 1772 –fast dreieinhalb Jahre dauerte.Die erste Reise führte sie nach Verona, Mailand, Bologna, Florenz, Rom, Neapel,Turin, Venedig, Padua, Vicenza, Verona, Innsbruck und zurück nach Salzburg. Hiererholte sich Mozart bis zum Herbst, um danach zu einem längeren (dritten)Aufenthalt in Mailand zu starten. Von Papst Clemens XIV. wurde er 1770 in Romzum Ritter vom Goldenen Sporn ernannt, doch machte er im Gegensatz zu Gluckvon dem Privileg, sich „Ritter“ zu nennen, nie Gebrauch. In Rom gelang ihm,nachdem er nur ein oder zwei Mal dem neunstimmigen Miserere von Gregorio Allegrizugehört hatte, das Grundgerüst dieser vom Vatikan streng geheim gehaltenen
  • 3. Partitur aus dem Gedächtnis fehlerfrei niederzuschreiben. Nicht klar ist, inwieweit dieSänger Stimmen improvisierend koloriert haben und ob Mozart das aufschreibenkonnte.Bei Padre Giovanni Battista Martini in Bologna studierte Mozart Kontrapunkt. Nacheiner Klausur wurde er in die Accademia Filarmonica di Bologna aufgenommen. Dortbegegnete er so bedeutenden Musikern wie Giovanni Battista Sammartini, NiccolòPiccinni, Pietro Nardini und Giovanni Paisiello. Am 26. Dezember 1770 erlebte er dieUraufführung seiner Opera seria Mitridate, re di Ponto (KV 87) in Mailand, derenPublikumserfolg zu zwei weiteren Aufträgen führte: der Serenata teatrale Ascanio inAlba (KV 111, Uraufführung in Mailand am 17. Oktober 1771) sowie des Dramma permusica Lucio Silla (KV 135), Uraufführung in Mailand in der Saison 1772/73. Am 15.Dezember 1771 kehrten Vater und Sohn nach Salzburg zurück, nachdem sichHoffnungen auf eine Anstellung in Italien nicht erfüllt hatten.Dominic Patric de NeuvilleÜbersetzungsbüro TRANSIT Zürichwww.transitweb.chKonzertmeister in Salzburg (1772–1777)Tanzmeisterhaus, Wohnhaus der Familie Mozart ab 1773Im Jahr 1772 wurde Hieronymus Franz Josef von Colloredo zum Fürsterzbischof vonSalzburg gewählt; er folgte dem verstorbenen Sigismund Christoph Graf vonSchrattenbach. Vom neuen Fürsten wurde Mozart im August zum besoldetenKonzertmeister der Salzburger Hofkapelle ernannt. Trotzdem führte dies nicht zueinem Ende seiner vielen Reisen mit dem Vater. Wolfgang versuchte weiterhin, demengen Reglement des Salzburger Dienstes zu entkommen: Vom 24. Oktober 1772bis zum 13. März 1773 folgte die dritte Italienreise zur Uraufführung des Lucio Silla,während der auch das Exsultate, jubilate entstand, und von Mitte Juli bis Mitte EndeSeptember 1773 die dritte Reise nach Wien. Im selben Jahr entstand sein erstesKlavierkonzert. Ab Oktober 1773 bewohnte die Familie Mozart den ersten Stock desTanzmeisterhauses, welches zuvor dem Salzburger Hoftanzmeister Franz GottliebSpöckner (ca. 1705–1767) gehört hatte.Nach einer längeren Pause folgte am 6. Dezember 1774 eine Reise nach Münchenzur Uraufführung der Opera buffa La finta giardiniera (KV 196). Am 13. Januar 1775und nach der Rückkehr am 7. März versuchte Mozart erneut, sich auch in Salzburgals Künstler der Musik zu etablieren. Er ließ zum Beispiel das Dramma per musica Ilre pastore am 23. April 1775 in Salzburg uraufführen, das allerdings beim Publikumnicht gut ankam. Nach mehrfachen erfolglosen Bitten um Urlaub reichte er 1777 seinAbschiedsgesuch beim Fürsterzbischof ein und bat um Entlassung aus derSalzburger Hofkapelle.
  • 4. Auf Stellensuche und erneut Salzburg (1777–1781)Nach seiner Entlassung aus den Diensten des Fürsten begab sich Mozart am 23.September 1777 mit seiner Mutter auf eine Städtereise; er versuchte eine neue undbessere Anstellung zu finden. Zuerst sprach er vergeblich am bayerischenKurfürstenhof in München vor, danach in Augsburg und am Hof des MannheimerKurfürsten Karl Theodor, wo er das kurfürstliche Orchester und dessenKapellmeister, seinen späteren Freund Christian Cannabich, kennenlernte (sieheauch Mannheimer Schule). Aber auch hier bekam er weder eine Anstellung nochirgendwelche musikalischen Aufträge. Er lernte aber die Familie Weber kennen undderen Tochter Aloisia, eine junge Sängerin und spätere Münchner Primadonna, indie er sich verliebte.Nach fünf Monaten in Mannheim fuhren er und seine Mutter, vom Vater gedrängt,weiter nach Paris, wo sie am 23. März 1778 ankamen. Dort konnte Mozart immerhinseine Ballettmusik Les petits riens aufführen, bekam darüber hinaus aber keineweiteren Engagements. Am 3. Juli 1778 verstarb seine Mutter um 10 Uhr abends.Die Rückreise nach Salzburg, die er widerwillig knapp drei Monate später am 26.September antrat, um die vakante Stelle eines Hoforganisten anzutreten, führte ihnüber Straßburg, Mannheim und Kaisersheim nach München, wo er noch einmal derFamilie Weber begegnete. Erst Mitte Januar 1779 erreichte er seine Heimatstadt undwurde am 17. Januar zum Hoforganisten ernannt. Hier komponierte er die später sogenannte Krönungsmesse (KV 317).Dieser erneute Versuch mit einem Engagement in Salzburg ging 20 Monate leidlichgut, obwohl das Verhältnis zum Erzbischof angespannt blieb, da dieser ihm dieMitwirkung an einträglichen Konzerten in Wien untersagte. Bei einer erneuten Reiseam 5. November 1780 nahm er in München an der sehr erfolgreichen Uraufführungseiner Opera seria Idomeneo (KV 366) am 29. Januar 1781 teil. Danach nahmMozart in Wien im Auftrag des Erzbischofs an Akademien der Salzburger Hofmusikerteil. Nach zwei heftigen Auseinandersetzungen mit dem Erzbischof und einem„Fußtritt“ durch dessen gräflichen Abgesandten2kam es zum endgültigen Bruch.Mozart kündigte am 8. Juni 1781 den Salzburger Dienst auf, ließ sich in Wien niederund bestritt dort in den nächsten Jahren seinen Lebensunterhalt durch Konzerte inprivaten und öffentlichen Akademien.Freischaffender Komponist in Wien (1781–1791)Befreit von den Salzburger „Fesseln“ schuf der nun unabhängige Komponist undMusiklehrer, der ständig auf der Suche nach Auftraggebern und Klavierschülern warund der sich auch nicht scheute, auf „Vorrat“ zu arbeiten, die ganz großen Opern undeine Vielzahl von Klavierkonzerten, die er meist selbst vortrug.• Am 16. Juli 1782 wurde das von Kaiser Joseph II. in Auftrag gegebeneSingspiel (in Deutsch!) Die Entführung aus dem Serail (KV 384) in Wienuraufgeführt. Es folgten Jahre, die mit der Komposition und Aufführung vonKlavierkonzerten angefüllt waren und in denen es Mozart finanziell sehr gutging.• Am 1. Mai 1786 war die Uraufführung der Opera buffa Le nozze di Figaro(„Figaros Hochzeit“, KV 492)
  • 5. • Am 29. Oktober 1787 in Prag die Uraufführung des Dramma giocoso DonGiovanni („Don Juan“, KV 527)• Am 26. Januar 1790 in Wien die Uraufführung der Opera buffa Così fan tutte(„So machens alle Frauen“, KV 588)(diese letzten drei nach Libretti von Lorenzo da Ponte)• Am 6. September 1791 war die Uraufführung der Opera seria La clemenza diTito („Die Milde des Titus“, KV 621) in Prag• Am 30. September 1791 war die Uraufführung der großen Oper DieZauberflöte (KV 620) in Emanuel Schikaneders Theater im Freihaus auf derWieden. Damit war er zur deutschen Sprache zurückgekehrt. Geschichte undTexte der Zauberflöte gehen auf Emanuel Schikaneder zurück und stelleneine spekulative Mischung aus einem Vorgängerwerk Der Stein der Weisen,einem Märchen von Wieland und freimaurerischen Attributen dar.In dieser Phase komponierte Mozart außerdem die Große Messe in c-Moll (KV 427)(1783) und wichtige Instrumentalwerke: die sechs Joseph Haydn gewidmetenStreichquartette (KV 387, 421, 428, 458, 464, 465) (1785), die Linzer Sinfonie (KV425), die Prager Sinfonie (KV 504) (1786) und die Serenade Eine kleine Nachtmusik(KV 525) (1787) sowie die drei letzten Sinfonien, in Es-Dur (KV 543, Nr. 39), g-Moll(KV 550, Nr. 40) und in C-Dur, genannt Jupiter-Sinfonie (KV 551, Nr. 41).In Wien lernte Mozart um 1782/83 Gottfried van Swieten kennen, einenausgewiesenen Musikliebhaber und Präfekten der kaiserlichen Bibliothek, derheutigen Österreichischen Nationalbibliothek. Dieser machte ihn bei den regulärenSonntagskonzerten in van Swietens Räumen in der kaiserlichen Bibliothek mit denManuskripten Johann Sebastian Bachs und Georg Friedrich Händels bekannt, die erin Berlin gesammelt hatte. Die Begegnung mit diesen Barockkomponisten machteeinen tiefen Eindruck auf Mozart und hatte umgehend großen Einfluss auf seineKompositionen.3Am 4. August 1782 heiratete Mozart Constanze Weber, eine jüngere SchwesterAloisias. Mozart hatte seine Frau drei Jahre zuvor in Mannheim kennengelernt. Siegebar ihm in den folgenden Jahren sechs Kinder: Raimund Leopold († 19. August1783), Karl Thomas (* 1784), Johann Thomas Leopold († 15. November 1786),Theresia Konstantia Adelheid Friderika († 29. Juni 1788), Anna Maria († 16.November 1789) und Franz Xaver Wolfgang (* 1791). Lediglich Karl Thomas undFranz Xaver Wolfgang überlebten die Kinderzeit.Der Vater Leopold Mozart, den Wolfgang in seinen Wiener Jahren 1783 noch einmalbesuchte und der 1785 noch einmal bei ihm zu Besuch war, starb am 28. Mai 1787.Durch seine Freundschaft mit Otto Heinrich von Gemmingen-Hornberg trat Mozartam 14. Dezember 1784 in die Wiener Freimaurerloge Zur Wohltätigkeit ein. Mozartbesuchte regelmäßig eine zweite Wiener Loge Zur wahren Eintracht, in der derIlluminat Ignaz von Born „Stuhlmeister“ war. Dort wurde er am 7. Januar 1785 zumGesellen befördert. Er konnte aber am 11. Februar nicht bei der Initiation seinesFreundes Joseph Haydn anwesend sein, da er am selben Abend, an dem auch seinVater Leopold Mozart aus Salzburg angekommen war, das erste seiner sechsSubskriptionskonzerte in der Mehlgrube gab und dabei den Solopart seinesKlavierkonzertes in d-Moll KV 466 spielte. Auf Mozarts Veranlassung wurde auch
  • 6. sein Vater Leopold Mozart Freimaurer: Dieser wurde am Mittwoch, den 6. April 1785in der Bauhütte seines Sohnes als Maurerlehrling eingeweiht und am 16. und 22.April 1785, erneut in der Loge Zur wahren Eintracht, in den 2. resp. 3. Graderhoben.45Speziell in seinen Opern Die Zauberflöte und Le nozze di Figaro sindgesellschaftskritische Töne aus dieser Mitgliedschaft zu spüren, die vielleicht mitdazu beigetragen haben, dass es Mozart nach der Uraufführung des Figaro finanziellnicht mehr so gut ging, zumal kurz danach ein Krieg mit den Türken begann. Am 7.Dezember 1787 wurde er noch von Joseph II. zum k.k. Kammermusicus ernannt miteinem stattlichen Jahresgehalt von 800 Gulden und am 9. Mai 1791 zumunbesoldeten Adjunkten des Domkapellmeisters von St. Stephan, Leopold Hofmann.Mit der Aufführung von Le nozze di Figaro 1786, die Joseph II. trotz dessystemkritischen Inhalts freigab, überforderte er das Wiener Publikum, so dass essich von ihm zurückzog. So verschlechterte sich seine wirtschaftliche Situation, ohnedass er dieser Tatsache mit seinen Ausgaben Rechnung trug. Trotz des vorherigenWohlstandes hatte er keine Ersparnisse angesammelt und musste mehrfach seineFreunde anpumpen. Diese Misserfolge führten zu einem Wendepunkt in seinemLeben: Erfolg hatte er in dieser Zeit nur in Prag.Abseits der Wiener Öffentlichkeit erschuf er die Werke seiner letzten Lebensjahre.Vergeblich versuchte er mit erneuten Reisen die wirtschaftliche Talfahrt aufzuhalten.Diese Reisen führten ihn zu den Aufführungen von 8. Januar bis Mitte Februar 1787und Ende August bis Mitte September 1791 nach Prag. Vom 8. April bis 4. Juni 1789reiste er mit dem Fürsten Karl Lichnowsky über Prag, Dresden und Leipzig nachPotsdam und Berlin zum preußischen König Friedrich Wilhelm II. Vom 23.September bis Anfang November 1790 reiste er zur Krönung des Kaisers Leopold II.,der dem verstorbenen Joseph II. nachfolgte, nach Frankfurt am Main. Dort warMozart zusammen mit seinem Freund, dem Theaterdirektor Johann Heinrich Böhm,im „Backhaus“ in der Kalbächer Gasse 10 einquartiert.67Auf Heimreisen machte erStation in Mannheim und München.Aber die Reisen nach Berlin 1789 und Frankfurt 1790 verhalfen ihm nicht zuerneutem Wohlstand. In Berlin erhielt er weder Einnahmen noch eine Anstellung. Dievom Kaiser erbetene Oper Così fan tutte fand nur mäßigen Anklang, der Auftritt inFrankfurt am Main und die Uraufführung von La clemenza di Tito in Prag fandenwenig Resonanz. Erst der große Beifall für die Zauberflöte versprach wirtschaftlicheBesserung, aber jetzt war es nicht mehr der Adel, sondern die „einfachere“Bevölkerung, bei der er Resonanz fand.Dominic Patric de NeuvilleÜbersetzungsbüro TRANSIT Zürichwww.transitweb.ch
  • 7. Zu Mozarts ReisenMozart war insgesamt über zehn Jahre, beinahe ein Drittel seines Lebens aufReisen, die ihn in zehn Länder des heutigen Europas führten. Allein schon dieFahrten per Kutsche – eine Reise von Salzburg nach Wien dauerte zum Beispiel jenach Jahreszeit und Wetter etwa sechs Tage – waren zur damaligen Zeit einephysische Herausforderung. Zudem reisten die Mozarts oft im Winter.8So schreibtLeopold Mozart am 29. Dezember 1762 über die Fahrt von Preßburg nach Wien anLorenz Hagenauer, den Vermieter und gleichzeitigen Gönner der Mozarts inSalzburg:„… wir reisten diesen Tag nicht sonderlich bequemm, indem der weeg zwarausgefrohren, allein unbeschreiblich knoppericht und voller tieffer gruben undschläge war; deñ die Ungarn machen keinen weeg. Hätte ich in Pressburg nichteinen Wagen kauffen müssen, der recht gut gehängt ist, so hätten wir ganz gewißein paar Rippen weniger nach Hause gebracht. Den wagen muste ich kauffen, wennich anders wollte, daß wir gesund nach Wieñ kommen sollten. Deñ in ganz Presburgwar kein 4sitziger geschlossner wagen bey allen Landkutschern anzutreffen. Diesenwagen hatte ein Stattkutscher – die Stattkutscher därffen aber nicht über Landfahren, aufgenommen mit 2 Pferd nur auf etliche Stunde.“9Wie unangenehm er eine Fahrt von Salzburg nach München erlebte, schildertWolfgang Amadeus am 8. November 1780 in einem Brief an seinen Vater:„Glücklich und vergnügt war meine Ankunft! – glücklich, weil uns auf der Reise nichtswidriges zugestossen, und vergnügt, weil wir kaum den Augenblick, an ort und Endezu kommen, erwarten konnten, wegen der obwohl kurzen doch sehr beschwerlichenReise; – denn, ich versichere Sie, daß keinem von uns möglich war nur eine Minutedie Nacht durch zu schlafen – Dieser Wagen stößt einem doch die Seele heraus! –und die Sitze! – hart wie stein! – Von Wasserburg aus glaubte ich in der that meinenHintern nicht ganz nach München bringen zu können! – er war ganz schwierig – undvermuthlich feuer Roth – Zwey ganze Posten fuhr ich die Hände auf dem Polstergestützt, und den Hintern in lüften haltend – doch genug davon, das ist nun schonvorbey! – aber zur Regel wird es mir seyn, lieber zu fus zu gehen, als in einemPostwagen zu fahren.“10Letzte Werke und früher TodNach der Uraufführung von La clemenza di Tito in Prag war Mozart Mitte September1791 nach Wien zurückgekehrt und hatte sich sofort in die Arbeit für dieUraufführung der Zauberflöte (KV 620) gestürzt, die zwei Wochen später – endlichwieder mit Erfolg – über die Bühne ging. Gleichzeitig hatte er die Motette Ave verumcorpus (KV 618) ausgearbeitet und mit der Niederschrift des Requiems (KV 626)begonnen, die er jedoch nicht mehr abschließen konnte. Franz Xaver Süßmayr, lautConstanze Mozart ein ehemaliger Schüler Mozarts, vollendete das Requiem.Wenige Wochen nach der Uraufführung der Zauberflöte am 30. September 1791wurde Mozart bettlägerig, am 5. Dezember um 1 Uhr früh starb er und wurde am Tagdarauf beerdigt. Er wurde nicht ganz 36 Jahre alt.
  • 8. In der Folgezeit wurde eine Vielzahl von vermutlichen Todesursachen genannt,darunter „hitziges Frieselfieber“ (Diagnose des Totenbeschauers), Rheuma(Rheumatisches Fieber), Syphilis (eventuell mit Quecksilbervergiftung), Trichinen,Purpura Schönlein-Henoch, Nierenversagen, Herzversagen, Aderlass undPharyngitis. Auch eine Erkrankung bereits während seiner Kindheit wurde alsmögliche Todesursache genannt. Die moderne Medizin tendierte zunächst zu einerInfektion mit Streptokokken, die unzulänglich behandelt wurde und somit zu Herz-bzw. Organversagen führte.Das Grabmal Mozarts auf dem St. Marxer Friedhof in WienEr selbst war davon überzeugt, vergiftet worden zu sein, und äußerte sich gegenüberConstanze dazu wenige Wochen vor seinem Tod während eines Besuchs im Prater:„Gewiß, man hat mir Gift gegeben.“ Für einen Giftmord gibt es allerdings keinerleidokumentierte Anhaltspunkte. Die ersten Legenden zirkulierten schon kurz nachMozarts Tod, die wohl bekannteste davon beschuldigte seinen angeblichmissgünstigen Kollegen Antonio Salieri.Beigesetzt wurde der große Komponist in einem allgemeinen Grab am Sankt MarxerFriedhof. Seine Witwe besuchte das Grab zum ersten Mal erst nach 17 Jahren. 1855wurde der Standort seines Grabes so gut wie möglich bestimmt und 1859 an dervermuteten Stelle ein Grabmal errichtet, das später von der Stadt Wien in die Gruppeder Musiker-Ehrengräber am Zentralfriedhof (32 A-55) übertragen wurde. Auf deralten freigewordenen Grabstelle wurde in Eigeninitiative des FriedhofswärtersAlexander Kugler abermals eine Mozart-Gedenktafel errichtet, die mit der Zeit ausSpolien anderer Gräber zu einem Grabmal ausgebaut wurde und heute eine vielbesuchte Sehenswürdigkeit ist.Finanzielle Verhältnisse und HinterlassenschaftDie These vom „verarmten Genius Mozart“ stammt aus der Romantik. JederBiograph versuchte Mozart „noch ärmer zu machen“. Besonders in der Öffentlichkeitist das Klischee vom „armen Mozart“ noch verbreitet, während es die neuereForschung ablehnt. Mozart war sicher nicht reich im Vergleich zu einem Grafen oderFürsten, reich war er aber gegenüber den anderen Angehörigen seines Standes:dem vierten Stand der Bürger.11Nach heutigen Maßstäben war Mozart ein Großverdiener, dennoch war er aufgrundseines Lebenswandels oft in finanziellen Nöten. Für ein Engagement als Pianisterhielt er nach eigenen Angaben „wenigstens 1.000 Gulden“ (zum Vergleich: SeinerMagd bezahlte er einen Gulden pro Monat). Zusammen mit seinen Klavierstunden,für die er jeweils zwei Gulden berechnete, und seinen Einkünften aus den Konzertenund Auftritten verfügte er über ein Jahreseinkommen von rund 10.000 Gulden, wasnach heutiger Kaufkraft etwa 125.000 Euro entspricht. Dennoch reichte das Geldnicht für seinen aufwendigen Lebensstil, so dass er oft genug andere, wie JohannMichael Puchberg, einen Logenfreund, um Geld bat. Er bewohnte großeWohnungen12und beschäftigte viel Personal, außerdem hegte er – so wird (bis heuteunbewiesen) angenommen – eine Leidenschaft für Karten- und Billardspiele mithohen Einsätzen, wodurch er große Summen verloren haben könnte. Der wertvollsteEinzelposten seiner Hinterlassenschaft waren laut Verlassenschaftsverzeichnis nicht
  • 9. die zahlreichen wertvollen Bücher oder Musikinstrumente in seinem Besitz, sondernes war seine teure Kleidung. Mozart starb nicht in Armut, denn er hatte immer nochKredit und bei Anton Stadler sogar einen Kredit von 500 Gulden ausständig. SeinBillardtisch, der zu jener Zeit ein Merkmal absoluten Luxus war, gibt Zeugnis vonMozarts durchaus erträglichen Lebensumständen im Jahr 1791.Mozarts Begräbnis – Fakten und Spekulationen13Das wohl berühmteste Mozart-Porträt, in Anlehnung an das Familiengemälde von1780/81 postum gemalt von Barbara Krafft im Jahr 1819Die Fakten• Wolfgang Amadeus Mozart starb am Montag, dem 5. Dezember 1791, gegenein Uhr früh in seinem Haus in Wien.• Er wurde noch am selben Tag in seiner Wohnung und am 6. Dezember beider über dem Abgang zu den Katakomben errichteten Kruzifixkapelle amStephansdom aufgebahrt.14Der Abschied wurde im Kreise seiner Freundeund Verwandten zelebriert.• Laut der Sternwarte in Wien, die Wetteraufzeichnungen durchführte, war dasWetter mild und trocken.15Allerdings ist dies kein Hinweis auf dieStraßenverhältnisse im Dezember 1791.• Laut dem Wiener Stadt- und Landesarchiv ist nicht bekannt, ob Mozart am 6.Dezember 1791 abends oder am 7. Dezember 1791 frühmorgens zum St.Marxer Friedhof gebracht wurde. Es gibt darüber keinerlei Aufzeichnungen.• Mozart wurde in ein „allgemeines einfaches Grab“ gebettet. Das Bezeichnender Gräber war aufgrund der Josephinischen Reformen vom August 1788zwar nicht verboten, geschah aber im Falle Mozarts nicht.Die Spekulationen• Mozart starb verarmt und wurde in einem Armengrab beerdigt:Falsch ist, dass er völlig mittellos starb. Vielmehr ist richtig, dass er alsMusiker standesgemäß in einem „einfachen allgemeinen Grab“ bestattetwurde, nicht in einem „Armengrab“.16Richtig ist allerdings auch, dass MozartsWitwe die verbliebenen Verbindlichkeiten nur begleichen und denLebensunterhalt der Familie für einige Zeit decken konnte, weil ihr von KaiserLeopold II. eine Pension und der Gewinn aus einem Benefizkonzert, für dasder Kaiser selbst einen großzügigen Betrag gab, zugesprochen wurden.• Niemand begleitete den Leichenzug Mozarts zu seinem Grab:Richtig ist, dass der Leichenzug nicht von Freunden und Verwandten zum St.Marxer Friedhof begleitet wurde. Falsch ist, dass dies aufgrund derWetterverhältnisse geschah. Richtig ist vielmehr, dass damals in Wien dasBegleiten des Leichnams bis zum tatsächlichen, in Mozarts Fall vier Kilometerentfernten Grab unüblich war. Mit der Aussegnung in Sankt Stephan warendie zu jener Zeit vorgesehenen Begräbnisfeierlichkeiten beendet.17• Die Leiche Mozarts wurde umgebettet:
  • 10. Erst 17 Jahre nach Mozarts Tod versuchte seine Frau Constanze, das Grabihres Mannes zu finden. Da es aber keine Kreuze oder Bezeichnungen derGräber gab, musste man sich auf höchst unsichere Erinnerungen derFriedhofsangestellten verlassen. Es ist daher nicht möglich anzugeben, woMozart beerdigt worden ist.• Der echte Schädel Mozarts wird von der Internationalen Stiftung Mozarteum inSalzburg verwahrt:Experten konnten erstmals eine DNA-Analyse und eine chemische Prüfung andem Schädel durchführen. Das für die DNA-Analyse erforderlicheVergleichsmaterial stammte von Skeletten, die aus dem Familiengrab derMozarts auf dem Salzburger Friedhof St. Sebastian geborgen wurden.Leopold Mozart ist nicht in diesem Grab, sondern in der Kommunalgruftbegraben. Das im Januar 2006 veröffentlichte Ergebnis erbrachte somitmangels Vergleichmaterials keinerlei Hinweise auf die Echtheit des Schädels.Im April 1991 fand Walther Brauneis, der von der ISM gebeten worden war,den historischen Sachverhalt zu , in der Wienbibliothek im „VorgeordnetenNachlaß von Ludwig August Frankl“ das Manuskript mit dem Titel „Mozart’sSchädel ist gefunden“ (1868). Frankls Beschreibung des sogenannten Mozart-Schädels war bekannt, nicht bekannt war allerdings, dass Hyrtl den Text vonFrankl attestiert hatte. Danach unterscheidet sich der Schädel von dem, dendie ISM verwahrt, erheblich: Für den „Frankl-/Hyrtlschen Schädel“ werdensieben Zähne genannt, der Schädel in der ISM zählt dagegen elf Zähne.Damit ist bewiesen, dass der in der ISM verwahrte Schädel nicht mit dem„Frankl-/Hyrtlschen Schädel“ identisch sein kann.Dominic Patric de NeuvilleÜbersetzungsbüro TRANSIT Zürichwww.transitweb.chMedizinische SpekulationenDer dänische Neurologe und Psychiater Rasmus Fog spekulierte 1985 über einemögliche Erkrankung Mozarts am Tourette-Syndrom.182005 untersuchte der irischeProfessor für Kinder- und Jugendpsychiatrie Michael Fitzgerald in seinerVeröffentlichung The Genesis of Artistic Creativity die Frage, ob Mozart dasAspergersyndrom gehabt hätte. Anhand des biographischen Materials hält er esdurchaus für möglich. Wegen Mozarts Hyperaktivität und Impulsivität würde abereher eine Diagnose von ADS zutreffen.19Zu Mozarts VornamenAm 28. Januar 1756 – einen Tag nach seiner Geburt – wurde Mozart auf die NamenJoannes Chrysostomus Wolfgangus Theophilus getauft. Der erste und letzte dergenannten Vornamen verweisen auf den Taufpaten Joannes Theophilus Pergmayr,Senator et Mercator Civicus, der mittlere Vorname Wolfgang auf Mozarts Großvater
  • 11. Wolfgang Nicolaus Pertl. Das griechische Theophilus („Gottlieb“) hat Mozart später inseine französische Entsprechung Amadé bzw. (selten) latinisierend Amadeusübersetzt.Sein Rufname war zeitlebens Wolfgang. In der Zeit der Italienreisen nannte er sichoft Wolfgango Amadeo Mozart. Als Erwachsener unterschrieb er zumeist alsWolfgang Amadé Mozart, wenn nicht überhaupt nur als Wolfgang Mozart (so etwatrug er sich in die Anwesenheitsliste der Wiener Freimaurerloge Zur Wohlthätigkeitein). Amadeus nannte er sich nur im Scherz in drei seiner Briefe. Die NamensformWolfgang Amadeus erschien zu Mozarts Lebzeiten offiziell nur einmal, und zwar imFrühjahr 1787 in einem amtlichen Schreiben der NiederösterreichischenStatthalterei.20Die erste postume amtliche Nennung Mozarts mit dem latinisiertenVornamen ist die Eintragung im Totenbeschauprotokoll des Wiener Magistrats am 5.Dezember 1791. Erst im 20. Jahrhundert wurde dieser von Rundfunkanstalten undPlattenfirmen weltweit durchgesetzt. In Umlauf gebracht hat sie der Dichter E. T. A.Hoffmann, der sich aus Bewunderung für Mozart Ernst Theodor Amadeus Hoffmannnannte.

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