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Ludwig van beethoven
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Ludwig van beethoven

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  • 1. Ludwig van BeethovenLudwig van Beethoven (1770–1827); idealisierendes Gemälde Joseph Karl Stielersvon 1820Ludwig van Beethoven (getauft 17. Dezember 1770 in Bonn, Kurköln; † 26. März1827 in Wien, Österreich) war ein deutscher Komponist. Er gilt als der Komponist,der die Musik der Wiener Klassik zu ihrer höchsten Entwicklung geführt und derRomantik den Weg bereitet hat.•LebenBonn (1770–1792)Herkunft und FamilieBeethovens Geburtszimmer im Beethoven-Haus, BonnLudwig van Beethovens väterliche Vorfahren stammten aus Mechelen im flämischenBrabant. Mit seinem Großvater (1712–1773), der ebenfalls Ludwig hieß, gingerstmals ein Musiker aus der Familie hervor. Dieser wurde 1733 als Basssänger anden Kurfürstlichen Hof nach Bonn berufen, 1761 ernannte ihn der neue KurfürstMaximilian Friedrich zum kurkölnischen Hofkapellmeister. Dessen Sohn Johann vanBeethoven (* 14. November 1740, † 18. Dezember 1792) wurde Tenorsänger an derHofkapelle und erwarb sich darüber hinaus Ansehen als Musiklehrer.1Am12. November 1767 heiratete Johann die früh verwitwete Maria Magdalena Leymgeb. Keverich (* 19. Dezember 1746). Aus der Ehe gingen sieben Kinder hervor, vondenen nur drei das Säuglingsalter überlebten: Ludwig, Kaspar Karl (getauft 8. April1774) und Nikolaus Johann (getauft 2. Oktober 1776). Die Geburt eines Brudersgleichen Namens Anfang April 17692trug später zu Ludwig van BeethovensVerunsicherung über sein tatsächliches Alter bei.Als zweites Kind wurde Ludwig van Beethoven am 17. Dezember 1770 in derdamaligen St.-Remigius-Kirche getauft. Geboren wurde er wahrscheinlich am16. Dezember in der Wohnung der Familie im Haus Nr. 515 (heute Haus Nr. 20) inder Bonngasse.Obwohl Beethoven erst drei Jahre alt war, als sein Großvater am 24. Dezember1773 starb, verklärte er diesen zur Identifikationsfigur der Familie.3Ausbildung und ErziehungBeethoven, 13-jährig (unsigniertes Porträt von 1783)
  • 2. Johann van Beethoven erkannte früh die außerordentliche Begabung seines Sohnesund sorgte für eine solide Musikausbildung, an der auch Kollegen der Hofkapellemitwirkten: der Hoforganist Gilles van den Eeden, der Sänger Tobias Pfeifer, dieViolinisten Franz Georg Rovantini und Franz Ries u. a. Über Johann van BeethovensUnterricht sind gewalttätige Übergriffe auf seinen Sohn überliefert.4Ob diese Berichteregelmäßige oder vereinzelte Vorfälle schildern, ist unklar.1782 trat der Komponist und Kapellmeister Christian Gottlob Neefe die Nachfolgevan den Eedens als Hoforganist an. Neefe erteilte Beethoven zeitweise Klavier- undKompositionsunterricht und vermittelte die Veröffentlichung ersterKlavierkompositionen: der Variationen über einen Marsch von Dressler WoO 63 undder sogenannten Kurfürstensonaten WoO 47. Ob ihm allerdings die herausragendeRolle als Lehrer Beethovens zukommt, die ihm in der Literatur zugeschrieben wurde,ist zweifelhaft.5Im Zusammenhang mit einer Neuorganisation der Hofmusik durchMaximilian Franz, den Nachfolger des verstorbenen Kurfürsten Max Friedrich, kames 1784 zum Bruch zwischen Beethoven und Neefe.6Im Alter von sieben Jahren trat Beethoven zum ersten Mal öffentlich als Pianist auf.1782 wurde er Stellvertreter Neefes an der Orgel, zwei Jahre später erhielt er einefeste Anstellung als Organist. Darüber hinaus wirkte er als Cembalist und Bratschistin der Hofkapelle.Beethovens Schulbildung ging über Grundlegendes wie Lesen, Schreiben undRechnen kaum hinaus. Zusätzlich erhielt er aber zeitweise Privatunterricht in Latein,Französisch und Italienisch.7Geistige Anregung erhielt er darüber hinaus vonFreunden aus Bonner Bürgerkreisen, allen voran der Medizinstudent und spätereArzt Franz Gerhard Wegeler sowie die Familie von Breuning, zu der Beethoven einegeradezu familiäre Beziehung pflegte. Die Freundschaft zu Wegeler und zu Stephanvon Breuning dauerte trotz gelegentlicher Krisen lebenslang.Am Hof des Kurfürsten Maximilian Franz herrschte ein liberales Klima.Aufklärerisches Gedankengut wurde u. a. in den Kreisen des Illuminatenordens,einer den Freimaurern nahestehenden Geheimgesellschaft, gepflegt. ZahlreicheHofmusiker waren Mitglied der Bonner Loge, Neefe stand ihr vor. Nach dem Verbotder Illuminaten 1785 sammelten sich ihre Bonner Mitglieder in der 1787 gegründetenLese- und Erholungsgesellschaft. Durch den an der Bonner Universität lehrendenEulogius Schneider kam Beethoven auch früh mit den Ideen der FranzösischenRevolution in Berührung.8aus Wikipedia, der freien EnzyklopädieStudienreise nach Wien1784 schrieb Neefe über Beethoven, er werde „gewiß ein zweyter WolfgangAmadeus Mozart werden, wenn er so fortschritte, wie er angefangen“.9BeiMaximilian Franz, Kurfürst seit 1784 und erklärter Liebhaber Mozarts, traf dieseEinschätzung auf fruchtbaren Boden. Ende Dezember 1786 brach Beethoven zu
  • 3. einer von Max Franz geförderten Reise nach Wien auf, um KompositionsschülerMozarts zu werden. Als Beethoven nach etwa dreimonatigem Aufenthalt dieRückreise antrat, unterbrach er diese mehrfach, um in Regensburg, München undAugsburg Station zu machen.10Im Mai 1787 kehrte er nach Bonn zurück. Es ist nichtbekannt, ob es überhaupt zu einer Begegnung mit Mozart kam; für einen Unterrichtdurch das Vorbild fehlt jeder Beleg, und der Kurfürst zeigte sich von den Ergebnissender Reise entsprechend enttäuscht.11Der Grund für das Scheitern des Plans istunklar.Dominic Patric de NeuvilleÜbersetzungsbüro TRANSIT Zürichwww.transitweb.chLetzte Bonner Jahre und Abschied von BonnZurück in Bonn traf Beethoven auf eine dramatisch veränderte familiäre Situation.Der Gesundheitszustand der an der „Schwindsucht“ erkrankten Mutter hatte sich inkritischer Weise verschlechtert. Sie verstarb am 17. Juli 1787. Der Vater verlorzunehmend die Kontrolle über seinen ohnehin hohen Alkoholkonsum, sodass erschließlich nicht mehr in der Lage war, für seine drei Söhne zu sorgen. 1789 wurdeer vom Dienst suspendiert, und Ludwig als ältestem Sohn wurde dieVerfügungsgewalt über die Hälfte der Pension des Vaters erteilt, wodurch ihmfaktisch die Rolle des Familienoberhauptes zufiel.Mitte September 1791 kam Beethoven als Organist und Bratschist der BonnerHofkapelle zu einem Generalkapitel des Deutschen Ordens nach Mergentheim. DieReise der kurkölnischen Hofkapelle ging auf zwei Schiffen vonstatten, die über Rheinund Main bis Miltenberg fuhren. Beethoven, von seinen Freunden seines bräunlichenTeints und der schwarzen Augen wegen Spagnol genannt, agierte hierbei alsKüchenjunge. Von Miltenberg ging es mit der Kutsche weiter nach Mergentheim, wosich Beethoven bis Ende Oktober 1791 aufhielt.12Durch seinen Eintritt in den Deutschen Orden kam der aus Wien stammende GrafFerdinand Ernst von Waldstein nach Bonn. Er wurde Beethovens erster adeligerFörderer, regte ihn zu Kompositionen an, so zur Musik zu einem Ritterballett WoO 1und zu den Variationen über ein Thema von Graf Waldstein WoO 67, und nutzteseinen Einfluss auf den Kurfürsten, um ihn zur Fortsetzung der FörderungBeethovens zu bewegen.Als im Juli 1792 Joseph Haydn auf dem Rückweg einer Englandreise in Bonn Stationmachte, wurde ein zweiter Studienaufenthalt Beethovens in Wien vereinbart.Nachdem Mozart bereits verstorben war, sollte er nun – nach einemStammbucheintrag Waldsteins – „Mozart’s Geist aus Haydens Händen“ erhalten.13Noch im November desselben Jahres brach Beethoven nach Wien auf.
  • 4. Die erste Wiener Dekade (1792–1802)NeuorientierungEine Folge von Ereignissen bewirkte, dass aus Beethovens Studienreise nach Wienein dauerhafter und endgültiger Aufenthalt wurde. Kurz nach Beethovens Ankunft,am 18. Dezember 1792, starb sein Vater. 1794 besetzten französische Truppen dasRheinland, und der kurfürstliche Hof musste fliehen. Damit war Beethoven nichtallein der Boden für die Rückkehr nach Bonn entzogen; auch die Gehaltszahlungendes Kurfürsten blieben nun aus. Im Frühjahr 1794 schließlich übersiedelte seinBruder Kaspar Karl nach Wien, im Dezember 1795 folgte auch Bruder Johann.In Wien fand Beethoven bald die Unterstützung adeliger Musikliebhaber, die ihmhalfen, in der neuen Heimat Fuß zu fassen, darunter Fürst Franz Joseph Maximilianvon Lobkowitz und Gottfried Freiherr van Swieten. Eine besondere Rolle spielte FürstKarl Lichnowsky; in seinem Haus knüpfte Beethoven Kontakte zu WienerMusikerkreisen und lernte den Geiger Ignaz Schuppanzigh kennen, der als Interpretwesentlich zur Verbreitung seiner Werke beitragen sollte. Lichnowsky stellteBeethoven zeitweise eine Wohnung in seinem Haus zur Verfügung.Von 1800 an zahlte Lichnowsky an Beethoven ein jährliches Gehalt in Höhe von600 fl. und schuf damit für die folgenden Jahre die Grundlage für eine unabhängigekünstlerische Existenz.14Unterricht bei Haydn und anderenWie vereinbart nahm Beethoven bei Haydn Kompositionsunterricht. Das Verhältniszwischen dem renommierten Lehrer und dem eigenwilligen, selbstbewussten Schülerblieb nicht frei von Meinungsverschiedenheiten und Konflikten; so, als HaydnBedenken gegen Beethovens Klaviertrio op. 1 Nr. 3 äußerte, da er es für zu schwerverständlich hielt.15Auch wenn Beethoven einmal über seinen Lehrer gesagt habensoll, „nie etwas von ihm gelernt“16zu haben, so hat Haydn tatsächlich BeethovensEntwicklung als Komponist nachhaltig geprägt, vor allem auf den Gebieten derSinfonie und der Kammermusik.Allerdings scheint Beethoven unzufrieden mit Haydn als Lehrer gewesen zu sein.Heimlich nahm er Unterricht bei Johann Baptist Schenk. Ab 1794 studierte erKontrapunkt bei Johann Georg Albrechtsberger, und von Antonio Salieri ließ er sichin der Gesangskomposition unterweisen.Pianist und KomponistBeethovens Erfolge als Komponist hängen anfangs eng mit seiner Karriere alsKlaviervirtuose zusammen. In den ersten zehn Jahren in Wien entstanden allein 20seiner 32 Klaviersonaten, darunter die Grande Sonate pathétique op. 13 in c-Mollund die beiden Sonaten op. 27, deren zweite unter der (nicht von Beethovenstammenden) Bezeichnung „Mondscheinsonate“ bekannt wurde; der Titelzusatz„quasi una fantasia“ deutet an, dass die Improvisation am Klavier eine wichtigeInspirationsquelle für den Komponisten war.
  • 5. Am 29. März 1795 trat Beethoven mit seinem Klavierkonzert B-Dur op. 19 erstmalsals Pianist an die Wiener Öffentlichkeit. Besonderes Aufsehen erregte er auch durchseine herausragende Fähigkeit zum freien Fantasieren. 1798 unternahm der jungeVirtuose eine Konzertreise unter anderem nach Prag, Dresden und Berlin, die eingroßer künstlerischer und finanzieller Erfolg wurde. Die von Lichnowsky initiierteTournee folgte der Route der Reise, die der Fürst 1789 mit Mozart unternommenhatte.17Die ersten Kompositionen, die Beethoven drucken ließ, waren die drei 1794/95entstandenen Klaviertrios, die er mit der Opusnummer 1 versah. In den folgendenJahren setzte sich Beethoven mit zwei weiteren zentralen Gattungen der Klassikauseinander: dem Streichquartett und der Sinfonie. Zwischen 1798 und 1800komponierte er, nach intensivem Studium der Quartette Haydns und Mozarts, eineerste Serie von sechs Quartetten, die er als op. 18 dem Fürsten Lobkowitz widmete.Kurz darauf, 1800 und 1802, präsentierte sich Beethoven als Sinfoniker. DieWidmung der 1. Sinfonie op. 21 in C-Dur ging an van Swieten, die der 2. Sinfonieop. 36 in D-Dur an den Fürsten Lichnowsky.GehörleidenBeethovens wachsender Erfolg als Pianist und Komponist wurde von einerschwerwiegenden Beeinträchtigung überschattet: Etwa um 1798 zeigten sich ersteSymptome jenes Gehörleidens, das schließlich zur Taubheit führen sollte. NachBeethovens eigenem Bericht18aus dem Jahr 1801 verschlimmerte sich das Leideninnerhalb weniger Jahre; es scheint jedoch in den Folgejahren einige Zeit stagniertzu haben.Die Ursache der Erkrankung ist Gegenstand zahlreicher Untersuchungen.19Zu denmöglichen Ursachen zählen eine Atrophie der Gehörnerven oder eine Otosklerose.20Beethovens Gehörleiden stellte nicht nur eine ernste Bedrohung seiner Laufbahn alsMusiker dar; es beeinträchtigte auch seinen gesellschaftlichen Umgang. DieKrankheit stürzte Beethoven in eine schwere persönliche Krise, die ihn zeitweiligsogar an Selbstmord denken ließ. Beethoven offenbarte seinen Seelenzustand imsogenannten Heiligenstädter Testament21, einem Schriftstück, das er im Oktober1802 am Ende einer Kur in Heiligenstadt verfasste, nachdem auch diese ohne denerhofften Erfolg geblieben war.Die mittleren Wiener Jahre (etwa 1802 – etwa 1812)Profilierung als KomponistBeethoven, 1805. Dieses Porträt von Joseph Willibrord Mähler war bis zu seinemTod in Beethovens Besitz.22Die mittleren Wiener Jahre, vom Beethoven-Biographen Maynard Solomon als die„heroische Periode“23bezeichnet, sind, der Beeinträchtigung durch das Gehörleidenzum Trotz, die produktivste Phase in Beethovens Schaffensbiographie. Beethovenhatte zu dieser Zeit einen eigenen unverwechselbaren Stil entwickelt.
  • 6. Sechs der neun Sinfonien komponierte Beethoven allein zwischen Herbst 1802 und1812, darunter so bekannte Werke wie die 3. Sinfonie Eroica, die 5. Sinfonie und die6. Sinfonie Pastorale. Darüber hinaus entstanden das 4. und 5. Klavierkonzert sowiedie Endfassung des 3. Klavierkonzerts, das Violinkonzert op. 61 und die fünf„mittleren“ Streichquartette op. 59 Nr. 1–3, op. 74 und op. 95.Auch die erste Fassung seiner einzigen Oper Fidelio komponierte Beethoven indieser Zeit. Am 20. November 1805 wurde sie unter dem ursprünglichen TitelLeonore zum ersten Mal aufgeführt, in der Folge aber noch zweimal überarbeitet.Seinen bis dahin größten Erfolg erzielte Beethoven 1813/1814 mit den Aufführungeneines eigens aus Anlass des Wiener Kongresses komponierten Werkes, WellingtonsSieg oder Die Schlacht bei Vittoria op. 91, das den entscheidenden Sieg derEngländer über die napoleonischen Truppen schildert und damit beim Publikum denGeist der Zeit traf.Französische EinflüsseDie Französische Revolution und die Gestalt Napoléon Bonapartes hatten aufBeethoven einen starken Eindruck gemacht und wirkten sich nachweislich auf seinSchaffen aus.So hatte Beethoven die 3. Sinfonie Eroica ursprünglich mit dem Zusatz „intitulataBonaparte“ oder „geschrieben auf Bonaparte“ versehen wollen. Eine Anekdoteberichtet, Beethoven habe den Titelzusatz wütend entfernt, nachdem Napoléon imDezember 1804 sich selbst zum Kaiser gekrönt hatte.24Wahrscheinlich hängt dieÄnderung des ursprünglichen Titels eher mit einer geplanten, aber letztlich nichtdurchgeführten Reise nach Paris25zusammen.Auf eine französische Revolutionsoper, Léonore ou L’amour conjugal (Leonore oderDie eheliche Liebe) von Jean Nicolas Bouilly, geht der Stoff zurück, den Beethovenin seiner Oper Fidelio verarbeitete, und in seiner 5. Sinfonie in c-Moll op. 67 griff erElemente der sogenannten Revolutionsmusik auf; ein Stil, den französischeKomponisten wie André-Ernest-Modeste Grétry, Étienne-Nicolas Méhul und LuigiCherubini Ende des 18. Jahrhunderts geprägt hatten.26Mäzene und LebensunterhaltIm Verhältnis zwischen Beethoven und seinem bis dahin wichtigsten Mäzen, demFürsten Lichnowsky, kam es im Laufe der Jahre zu einer zunehmendenEntfremdung. Die Spannungen eskalierten im Herbst 1806 bei einem AufenthaltBeethovens auf Schloss Grätz (tschechisch Hradec) bei Troppau (tschechischOpava), dem Sitz des Fürsten, in einer ernsten Auseinandersetzung. Etwa zurgleichen Zeit, 1806 oder 1807, stellte Lichnowsky, der in jenen Jahrenaußerordentlich hohe finanzielle Verpflichtungen zu erfüllen hatte, die jährlichenGehaltszahlungen an den Komponisten ein.27Zwar bezog Beethoven neben dem fürstlichen Gehalt nicht unerhebliche Einkünfteaus Verlagsverträgen und Konzerteinnahmen, doch garantierten diese keinedauerhafte finanzielle Absicherung. Daher bewarb sich Beethoven im Dezember1807 – vergeblich – bei der k.k. Hoftheaterdirektion um eine Anstellung und erwog
  • 7. darüber hinaus, Wien zu verlassen.28Eine entsprechende Gelegenheit bot sich, alsihn Friedrich Ludwig III. Graf Truchsess zu Waldburg im November 1808 alsKapellmeister an den Hof Jérôme Bonapartes nach Kassel berief.29Durch eine Initiative Ignaz von Gleichensteins und der Gräfin Marie Erdödy, die zuBeethovens engstem Freundeskreis gehörten, gelang es, Beethoven in Wien zuhalten. Am 1. März 1809 sicherten Erzherzog Rudolph, Franz Joseph FürstLobkowitz und Ferdinand Fürst Kinsky dem Komponisten per Dekret ein festesjährliches Gehalt zu unter der einzigen Bedingung, dass Beethoven in Wien wohnenbliebe (der sogenannte Rentenvertrag). Die Hoffnung Beethovens auf finanzielleUnabhängigkeit erhielt jedoch nach kurzer Zeit gleich mehrere Rückschläge: dieGeldentwertung durch das sogenannte Finanzpatent im Frühjahr 1811, der Tod desFürsten Kinsky im folgenden Jahr und der drohende Bankrott des Fürsten Lobkowitz1813. Dadurch war Beethoven gezwungen, die Fortsetzung der Zahlungengerichtlich einzuklagen.30aus Wikipedia, der freien EnzyklopädieBegegnung mit Bettina Brentano und GoetheBeethovens Wertschätzung Johann Wolfgang von Goethes begann sich seit den1790er Jahren vor allem in seinen Liedkompositionen niederzuschlagen. 1809/1810kumulierte die kompositorische Beschäftigung mit dem Dichter in den Liederzyklenop. 75 und op. 83 sowie der Schauspielmusik zu Egmont op. 84.Während ihres Wienaufenthalts im Frühjahr-Sommer 1810 lernte Beethoven EndeMai Bettina Brentano kennen, die Schwester des Dichters Clemens Brentano. Siegewann sein Vertrauen und nutzte ihre Freundschaft zu Goethe, ein Treffen derbeiden Künstlerpersönlichkeiten anzuregen. Durch die literarisch stark überformtenDarstellungen ihrer Beziehung zu Beethoven hat Bettina Brentano später dasromantische Beethoven-Bild maßgeblich mit geprägt.31Zur lange angebahnten Zusammenkunft zwischen Beethoven und Goethe kam es imJuli 1812 (19. 20., 21. und 23.), als sich beide im böhmischen Kurbad Teplitzaufhielten. Das Ergebnis war eher durchwachsen: Am 19. Juli schrieb Goethe anseine Frau: „Zusammengefaßter, energischer, inniger habe ich noch keinen Künstlergesehen. Ich begreife recht gut, wie er gegen die Welt wunderlich stehen muß.“32Und am 12. September 1812 schrieb Goethe aus Karlsbad an seinen Freund CarlFriedrich Zelter, den Leiter der Berliner Sing-Akademie: „Beethoven habe ich inTeplitz kennengelernt. Sein Talent hat mich in Erstaunen gesetzt; allein er ist leidereine ganz ungebändigte Persönlichkeit, die zwar gar nicht unrecht hat, wenn sie dieWelt detestabel findet, aber sie freilich dadurch weder für sich noch für andregenußreicher macht. Sehr zu entschuldigen ist er hingegen und sehr zu bedauern,da ihn sein Gehör verläßt, was vielleicht dem musikalischen Teil seines Wesensweniger als dem geselligen schadet. Er, der ohnehin lakonischer Natur ist, wird esnun doppelt durch diesen Mangel.“33Dagegen schrieb Beethoven lakonisch am 9.August von Franzensbrunn an seinen Verleger Härtel: „Göthe behagt die Hofluftsehr, mehr als einem Dichter ziemt. Es ist nicht vielmehr über die Lächerlichkeiten
  • 8. der Virtuosen hier zu reden, wenn Dichter, die als die ersten Lehrer der Nationangesehen sein sollten, über diesem Schimmer alles andere vergessen können.“34Beziehungen zu Frauen und die „Unsterbliche Geliebte“Zwar war Beethoven nach einer Aussage von Franz Gerhard Wegeler „sehr häufigverliebt“,35doch bezog sich dies nur auf eine kurze Periode in den 1790er Jahren, alsWegeler in Wien war. Frauen spielten jedoch in vieler Hinsicht eine große Rolle inBeethovens Leben: als Freundinnen und Vertraute, als Interpretinnen oder alsWidmungsempfängerinnen.Johanna von Honrath→ Hauptartikel: Johanna von HonrathBeethovens erste große Liebe galt Johanna von Honrath. Sein Jugendfreund FranzGerhard Wegeler schreibt über die Bonner Jugendzeit des Komponisten: „Seine undStephan von Breuning’s erste Liebe war Fräulein Jeanette d’Honrath aus Köln,Neumarkt Nro. 19. (jetziges Wohnhaus des Baumeisters Herrn Biercher), die ofteinige Wochen in der von Breuning’schen Familie in Bonn zubrachte. Sie war eineschöne, lebhafte Blondine, von gefälliger Bildung und freundlicher Gesinnung,welche viele Freude an der Musik und eine angenehme Stimme hatte.“36Maria Anna Wilhelmine von und zu Westerholt-Gysenberg→ Hauptartikel: Maria Anna Wilhelmine von und zu Westerholt-GysenbergMaria Anna Wilhelmine von und zu Westerholt-Gysenberg war wohl ebenfalls eineJugendliebe Beethovens. Er selbst spricht sie in seinen Brief als „ma très cheramie“37(deutsch „meine sehr liebe Freundin“) an, was eher für eine innigeFreundschaft als für Liebe spricht. Sein Jugendfreund Franz Gerhard Wegelerschreibt dagegen einige Jahre später über Beethovens erste Liebe von einemFräulein v. W. – wobei er unbekannt lässt, welche Person er damit meinte:„Darauf folgte die liebevollste Zuneigung zu einer schönen und artigen Fräuleinv. W., von welcher Werther-Liebe Bernhard Romberg mir vor drei Jahren nochAnecdoten erzählte. Diese Liebschaften fielen jedoch in das Uebergangs-Alter undhinterließen eben so wenig tiefe Eindrücke, als sie deren bei den Schönen erweckthatten.“– FRANZ GERHARD WEGELER38Gräfin Marie von ErdödyZu Beethovens längsten und treuesten Freundinnen gehörte die Gräfin Marie vonErdődy (1779–1837). Mehrere seiner Werke sind ihr gewidmet. Sie besaß außerihrer Stadtwohnung ein Haus in Jedlesee, in dem Beethoven 1815 gewohnt habensoll. In der älteren Literatur wird verschiedentlich vermutet, dass es eine kurzzeitigeLiebesbeziehung zwischen Beethoven und der Gräfin gab, was jedoch reineSpekulation ist.Gräfin Josephine Brunsvik
  • 9. → Hauptartikel: Josephine BrunsvikBesonders freundschaftlich wurde Beethoven von der ungarischen Familie Brunsvikaufgenommen. Die Schwestern Therese, Josephine, Charlotte und ihr Bruder Franzbegegneten dem Komponisten erstmals 1799.39Als die Familie nach 18 Tagenwieder in ihre ungarische Heimat zurückkehrte, schrieb Beethoven in Josephines undThereses Album einen Auszug von Goethes Gedicht „Ich denke dein“.Auf Drängen der Mutter, die ihre schöne Tochter mit einem wohlhabenden Adligenvermählen wollte, heiratete Josephine Brunsvik noch im Sommer 1799 den GrafenJoseph Deym, zog zu ihm nach Wien und gebar in ihrer kurzen Ehe vier Kinder. Indieser Zeit war Beethoven Josephines Klavierlehrer und regelmäßiger „standhafterBesucher der jungen Gräfin“.40Nachdem Graf Deym Anfang 1804 unerwartetgestorben war, entwickelte sich zwischen Beethoven und Josephine eineLiebesbeziehung. Zwischen 1804 und 1809 schrieb Beethoven Josephinemindestens vierzehn teils leidenschaftliche Liebesbriefe, in denen er sie unteranderem als „Engel“, „mein Alles“ und als seine „einzig Geliebte“ bezeichnete und ihr„ewige Treue“ schwor. Der Briefwechsel, soweit erhalten, dokumentiert aber auch dieseelischen Konflikte des Paares, die aus dem Widerspruch zwischen ihrenpersönlichen Gefühlen und den Zwängen der Realität resultierten:41Josephine hattevier Kinder zu versorgen, und im Falle einer Heirat mit dem nichtadligen Beethovenhätte sie die Vormundschaft für sie verloren.42Im Herbst 1807 zog sich Josephineschließlich auf Druck ihrer Familie von Beethoven zurück. Bereits 1805 hatteTherese voller Besorgnis an Charlotte geschrieben: „Aber sage mir, Pepi undBeethoven, was soll daraus werden? Sie soll auf ihrer Hut sein! … Ihr Herz muß dieKraft haben nein zu sagen, eine traurige Pflicht, wenn nicht die traurigste aller.“431810 ging Josephine eine zweite Ehe mit dem estnischen Baron Christoph vonStackelberg ein, die sich für sie äußerst unglücklich entwickelte. Ende Juni/AnfangJuli 1812 verließ Stackelberg sie. In ihrem Tagebucheintrag vom 8. Juni 1812 heißtes: „Ich habe heute einen schweren Tag. – Die Hand des Schicksals ruht düster aufmir – Ich sah nebst meinem tiefen Kummer auch noch die Entartung meiner Kinderund – fast – aller Muth wich von mir –!!!“44Kurz darauf notierte sie in ihremTagebuch, dass sie beabsichtigte, nach Prag zu reisen: „St. will daß ich mir selbstsitzen soll er hat mich sitzen gelassen. er ist gefühllos für bittende in der Noth. ... Ichwill Liebert in Prague ! sprechen. ich will die Kinder nie von mir lassen. ... Ich habeStackb zu liebe mich physisch zugrunde gerichtet indem ich ... noch so viele Kummerund Krankheit durch ihn zugezogen habe.“45In Prag traf Beethoven am 3. Juli seine„Unsterbliche Geliebte“.1817 notierte Therese, die weiterhin mit Beethoven in Verbindung blieb, in ihremTagebuch über ihre kranke Schwester: „Ob Josephine nicht Strafe leidet wegenLuigi’s Weh? Seine Gattin – was hätte sie nicht aus dem Heros gemacht!“46EineTagebuchnotiz Thereses von 1848 lautet: „Ich Glückliche hatte Beethovens intimen,geistigen Umgang so viele Jahre! Josephinens Haus- und Herzensfreund! Sie warenfüreinander geboren und lebten beide noch, hätten sie sich vereint.“47Zahlreiche Beethoven-Forschende, vor allem im deutschsprachigen Raum, darunterLa Mara, Siegmund Kaznelson, Harry Goldschmidt, Brigitte und Jean Massin, Marie-Elisabeth Tellenbach, Carl Dahlhaus und Rita Steblin, halten Josephine fürBeethovens „Unsterbliche Geliebte“.
  • 10. Gräfin Giulietta Guicciardi→ Hauptartikel: Giulietta GuicciardiÜber die Schwestern Brunsvik lernte Beethoven um 1801/02 auch deren CousineGräfin Giulietta Guicciardi (1782–1856) kennen und verliebte sich kurzzeitig in sie. Erwar sich jedoch darüber im klaren, dass eine Heirat wegen desStandesunterschiedes nicht in Frage kam.48Außerdem war sie bereits mit demGrafen Wenzel von Gallenberg verlobt, den sie 1803 heiratete.49Beethoven widmeteihr 1802 die als „Mondscheinsonate“ bekannte Sonata quasi una Fantasia, op. 27Nr. 2.Marie Bigot→ Hauptartikel: Marie BigotMit der französischen Pianistin Marie Bigot verkehrte Beethoven insbesondere imJahre 1807. Die Freundschaft kam wahrscheinlich zustande, da Maries Gatte PaulBigot bei Beethovens Gönner, dem Grafen Andrej Rasumowsky, als Bibliothekartätig war. Von der Beziehung zeugen mehrere Briefe Beethovens. Er schenkte Marieauch das Autograph seiner berühmten Appassionata, das sich heute in derBibliothèque nationale de France in Paris befindet. Anfang März 1807 lud BeethovenMarie zu einer Spazierfahrt ein, als ihr Mann abwesend war.50Dessen offensichtlicheifersüchtige Reaktion veranlasste Beethoven, kurz darauf einenEntschuldigungsbrief an das Ehepaar zu schreiben, in dem er betonte: „... ohnedemist es einer meiner ersten Grundsätze nie in einem andern als FreundschaftlichenVerhältniß mit der Gattin eines andern zu stehen.“51Dominic Patric de NeuvilleÜbersetzungsbüro TRANSIT Zürichwww.transitweb.chElisabeth Röckel→ Hauptartikel: Elisabeth RöckelEtwa im Frühjahr 1808 begegnete Beethoven erstmals der damals 15-jährigenSängerin Elisabeth Röckel, der Schwester des Tenors Joseph August Röckel, der inden Fidelio-Aufführungen von 1806 die Partie des Florestan übernommen hatte.Nach einer zweifelhaften Aussage von Anton Schindler gegenüber Gerhard vonBreuning wollte Beethoven sie heiraten. Sie selbst hat das später bestritten,berichtete aber mehrfach, dass Beethoven ihr sehr zugetan gewesen sei. In ihremoffiziellen Nekrolog heißt es: „Zu ihren Verehrern gehörte auch Beethoven.“522010stellte Klaus Martin Kopitz die These auf, Beethoven habe für sie am 27. April 1810sein berühmtes Albumblatt „Für Elise“ komponiert.53Der Musikwissenschaftler
  • 11. Michael Lorenz bezweifelt diese Annahme, da es nur eine einzige Quelle gibt, in derElisabeth als „Elise“ bezeichnet wird. Wie er aber gleichfalls bemerkt, „wurde im Wiendes Vormärz zwischen den Namen Elisabeth und Elise nicht mehr unterschieden, siewaren austauschbar und quasi identisch“.54Das Autograph des Albumblattes warspäter im Besitz von Therese Malfatti, aus deren Nachlass es nach München zueiner Babette Bredl gelangte, der Mutter von Malfattis Hausfreund und Erbe RudolfJosef Schachner. Bredl lieh das Autograph Ludwig Nohl, der es abschrieb undpublizierte. Während es keinerlei nachweisliche Verbindung zwischen Röckel unddem Autograph des Albumblatts „Für Elise“ gibt, ist die Provenienz des Autographsüber die Reihe der Besitzer Malfatti – Schachner – Bredl – Nohl bewiesen.Therese von Malfatti→ Hauptartikel: Therese MalfattiEine weitere Frau in Beethovens Leben war Therese Malfatti. Beethoven lernte sie1809 durch seinen Freund Ignaz von Gleichenstein kennen, der 1811 TheresesSchwester Anna heiratete. Im Frühjahr 1810, angesichts Josephine BrunsviksWiederverheiratung, plante Beethoven offenbar, Therese Malfatti einen Heiratsantragzu machen, und ließ sich dafür von seinem Freund Franz Gerhard Wegeler in Bonneine Abschrift seines Taufscheins besorgen. Als dann Therese von Malfatti seinenAntrag aber abwies – ihre Familie war aus Standesrücksichten ebenfalls dagegen –,verwand Beethoven diese Ablehnung vergleichsweise leicht. Therese blieb danachfreundschaftlich mit ihm verbunden.55Antonie Brentano→ Hauptartikel: Antonie BrentanoEnde Mai 1810 lernte Beethoven durch Bettina Brentano deren Schwägerin AntonieBrentano kennen, die von 1809 bis 1812 in Wien lebte, um den umfangreichenNachlass ihres verstorbenen Vaters Johann Melchior Edler von Birkenstock zuverkaufen. Sie schrieb im März 1811 in einem Brief an Bettina, Beethoven sei ihr„einer der liebsten Menschen“ geworden und besuche sie „beinahe täglich“.56Zwischen dem Ehepaar Franz und Antonie Brentano und Beethoven entwickelte sicheine freundschaftliche Beziehung, die Antonie in ihrem Tagebuch als„Wahlverwandtschaft“ bezeichnete.57Sie besaß auch das Autograph von BeethovensLied An die Geliebte, WoO 140, auf dem von ihrer Hand vermerkt ist: „den 2n März1812 mir vom Author erbethen“.58Dieses Lied hatte Beethoven kurz zuvor derbayerischen Sängerin Regina Lang ins Stammbuch geschrieben.591972 stellteMaynard Solomon die Hypothese auf, Beethovens Brief an die „UnsterblicheGeliebte“ vom 6./7. Juli 1812 sei an Antonie Brentano gerichtet. Aus dem Brief gehthervor, dass die Adressatin am 3. Juli 1812 in Prag gewesen sein muss und sichzum Zeitpunkt der Niederschrift des Briefes in „K.“ (vermutlich Karlsbad) aufgehaltenhaben könnte. Antonie reiste mit ihrer Familie von Prag nach Karlsbad weiter.Obwohl sich nicht beweisen lässt, dass Beethoven in Prag mit Antoniezusammentraf,60und die „Unsterbliche Geliebte“ möglicherweise doch nicht nach „K“ging,61haben sich mittlerweile zahlreiche Beethoven-Forscher dieser Hypotheseangeschlossen, darunter Yayoi Aoki, Barry Cooper, William Kinderman, Klaus MartinKopitz, Lewis Lockwood62und Susan Lund.
  • 12. „Unsterbliche Geliebte“→ Hauptartikel: Unsterbliche GeliebteBeethovens Brief an die „Unsterbliche Geliebte“, den er am 6./7. Juli 1812 in Teplitzwährend einer Reise in die böhmischen Kurbäder verfasste, ist neben demHeiligenstädter Testament das bedeutendste Selbstzeugnis des Komponisten.63Errichtet sich an eine namentlich nicht genannte Frau, mit der es kurz zuvor, am 3. Juliin Prag, zu einer für die Zukunft der Beziehung entscheidenden Begegnunggekommen war. Aus dem Brief geht unter anderem die gegenseitig eingestandeneLiebe hervor und die Hoffnung auf eine dauerhafte Verbindung der Liebenden, deraber offenbar große Hindernisse entgegenstehen. Die Identität der „UnsterblichenGeliebten“ ist unter Beethoven-Forschern umstritten.Krise und letzte Jahre (etwa 1812–1827)LebenskriseVom Jahr 1812 an begann sich Beethovens Lebenssituation deutlich zumSchlechteren zu verändern. Zu den schicksalhaften Ereignissen um die „UnsterblicheGeliebte“ kamen materielle Sorgen im Zusammenhang mit dem Rentenvertrag undeine Verschlimmerung des Gehörleidens bis hin zur völligen Taubheit. Von etwa1813 an verwendete Beethoven Hörrohre, um mit seiner Umgebung zukommunizieren, ab 1818 ist der Gebrauch sogenannter Konversationsheftenachzuweisen, worin die Gesprächspartner ihre Äußerungen notierten.64Verbundenmit der Taubheit war das Ende der Laufbahn als Pianist.Am 15. November 1815 starb Beethovens Bruder Kaspar Karl und hinterließ einenneun Jahre alten Sohn. Beethoven verstrickte sich in einen über Jahre andauernden,zermürbenden Rechtsstreit mit seiner Schwägerin Johanna um die Vormundschaftüber seinen Neffen Karl, in dessen Verlauf ihm diese wechselweise zu- und wiederabgesprochen wurde. In seiner Funktion als Ersatzvater scheiterte Beethoven mitdem Versuch, den Schützling seinen moralisch überzogenen Erziehungszielen zuunterwerfen.65Neue Kompositionspläne und letzte WerkeGleichzeitig mit Beethovens persönlicher Krise vollzog sich ein Wandel seineskompositorischen Stils. 1813 bis 1814 war er zunächst mit der Komposition vonWellingtons Sieg sowie einer gründlichen Revision seiner Oper Leonore zu Fideliobeschäftigt. In den Folgejahren wandte sich Beethoven noch einmal intensiv derKlaviersonate zu. Es entstanden die Sonaten op. 90 (1814), op. 101 (1815–1817)und op. 106 („Hammerklavier-Sonate“, 1817–1818). Gleichzeitig schuf Beethoven diebeiden Cellosonaten op. 102 (1815), den Liederkreis An die ferne Geliebte op. 98(1816) sowie die Vertonung von Goethes Meeres Stille und glückliche Fahrt für Chorund Orchester op. 112.Hatte sich Beethoven einige Jahre fast ausschließlich Werken für kleinereBesetzungen gewidmet, so bot sich 1819 ein Anlass, wieder ein größeres Werk inAngriff zu nehmen. Sein langjähriger Mäzen und Klavierschüler, der ErzherzogRudolph, sollte am 20. März 1820 als Erzbischof von Olmütz (tschechisch Olomouc)
  • 13. inthronisiert werden. Beethoven wurde mit der Komposition einer großen feierlichenMesse beauftragt. Doch der Kompositionsprozess der Missa solemnis op. 123begann sich zu verselbständigen, sodass Beethoven das Werk erst Ende 1822 /Anfang 1823 vollendete.Gleichzeitig mit der Messe arbeitete Beethoven an den 33 Veränderungen übereinen Walzer von Anton Diabelli op. 120, einem Variationenzyklus für Klavier, der aufeinen Aufruf des Musikverlegers und Komponisten Diabelli zurückging. Dieser hatteseinen Walzer an zahlreiche Komponisten geschickt mit der Bitte, je eine Variationzu einer geplanten Sammelausgabe beizusteuern. Während der Arbeit an der Missasolemnis und den Diabelli-Variationen setzte Beethoven mit op. 109, 110 und 111 dieSerie seiner letzten Klaviersonaten fort.Nach mehr als zehnjähriger Pause wandte sich Beethoven auch wieder der GattungSinfonie zu. Die Uraufführung der 9. Sinfonie op. 125 am 7. Mai 1824 wurde vomPublikum begeistert aufgenommen. Die Aufführung leitete der Kapellmeister MichaelUmlauf, Beethoven stand mit ihm zur Unterstützung am Dirigentenpult.66Schließlich entstand zwischen Frühjahr 1824 und Herbst 1826 beginnend mit demStreichquartett op. 127 eine letzte Gruppe von fünf Streichquartetten. Angestoßenhatte die Quartettproduktion ein Kompositionsauftrag des russischenMusikliebhabers Nikolai Borisowitsch Fürst Galitzin. Zusätzliche Motivation erhieltBeethoven durch die Rückkehr des Geigers Ignaz Schuppanzigh nach Wien, der seit1816 auf Reisen gewesen war und dessen Ensemble fast alle seine früherenStreichquartette uraufgeführt hatte. Das Streichquartett in F-Dur op. 135 war dasletzte Werk, das Beethoven vollendete.Freunde und BekannteDurch die Taubheit war Beethoven in den letzten Jahren zunehmend auf dieUnterstützung durch Freunde und Bekannte angewiesen. Zwar hatte BeethovenHauspersonal (Köchin und Haushälterin), doch führten heftigeAuseinandersetzungen mit den Angestellten mehrfach zu Kündigungen von dereinen oder anderen Seite.Schon früher hatte Beethoven Personen aus dem Freundeskreis zur Erledigung vonBesorgungen und anderen Diensten genutzt, so z. B. 1817/18 die KlavierbauerinNanette Streicher geb. Stein. Die freundschaftliche Verbindung Beethovens zurKlavierbauerfamilie Stein geht schon auf seinen frühen Aufenthalt in Augsburg 1787zurück. Nanette Streicher kümmerte sich um die Haushaltsführung und vermittelte oftauch zwischen dem Komponisten und seinem Hauspersonal.1822 tauchte erstmals Anton Schindler in Beethovens Bekanntenkreis auf. Schindlersuchte Beethovens Nähe und diente sich ihm als Faktotum an. Seine Mischung ausServilität und Eigenmächtigkeit war immer wieder Auslöser für dessen Unmut undVerachtung. Nach Beethovens Tod brachte Schindler Dokumente aus dessenNachlass, so einen Teil der Konversationshefte, in seinen Besitz. Schindler verfassteeine der frühesten Beethoven-Biografien67, doch ist die Glaubwürdigkeit vieler seinerAngaben zweifelhaft, da er zur Untermauerung seiner Behauptungen auch vorFälschungen nicht zurückschreckte.68
  • 14. Im Sommer 1825, nach dem Bruch mit Schindler, übernahm Karl Holz, der zweiteGeiger aus dem Schuppanzigh-Quartett, die Funktion des persönlichen Sekretärsund Beraters.Gerade in den letzten Monaten seines Lebens gewann die Freundschaft mitBeethovens Jugendfreund Stephan von Breuning, der 1801 nach Wien gekommenwar, wieder an Bedeutung. Breuning wurde im September 1826 Mitvormund desNeffen Karl und kümmerte sich um Beethoven in den Monaten seinerTodeskrankheit.FamilieLudwig van Beethovens Bruder Johann hatte es als Apotheker in Wien zu einigemWohlstand gebracht. Der nie besonders enge Kontakt der Brüder intensivierte sich,als Beethoven sich von Johann 1822 eine größere Summe lieh. In den folgendenJahren zog der Komponist den erfolgreichen Geschäftsmann immer wieder alsBerater in Geldangelegenheiten heran.Die Entscheidung des Appellationsgerichts am 8. April 1820, die Beethovenendgültig zum Vormund seines Neffen Karl bestimmte unter der Bedingung, dass einMitvormund ihn unterstützte, konnte die fortgesetzten Spannungen zwischen Onkelund Neffe nicht beenden. Am 6. August 1826 unternahm Karl einenSelbstmordversuch, der zum Rücktritt Beethovens von der Vormundschaft führte.Krankheiten und TodBeethovens Sterbehaus in der Wiener Schwarzspanierstraße (1903 abgerissen)Beethovens Grab, Zentralfriedhof WienSchon seit etwa seinem 30. Lebensjahr litt Beethoven häufig an Krankheiten. Es sindSchilderungen unterschiedlicher Symptome wie Durchfall, Leibschmerzen, Koliken,Fieberzustände oder Entzündungen überliefert. Als Ursachen kommen zum einenakute Erkrankungen in Betracht, zum anderen werden eine oder mehrere chronischeErkrankungen als Hauptursache genannt.69Unter anderem werden eineBleivergiftung70, Brucellose71und übermäßiger Alkoholgenuss vermutet. Ob nur eineeinzige oder mehrere verschiedene Ursachen für Beethovens gesundheitlicheProbleme verantwortlich waren, lässt sich rückblickend nicht mehr zweifelsfreifeststellen.Mit zunehmendem Alter mehrten sich Häufigkeit und Intensität derKrankheitszustände. Im Sommer 1821 kündigte sich durch eine schwere Gelbsuchteine Leberzirrhose an. Beethoven suchte Linderung der Beschwerden in Bäder- undLandaufenthalten. Sein letzter führte ihn im Herbst 1826 auf das Landgut seinesBruders Johann nach Gneixendorf. Auf der Rückreise nach Wien, die AnfangDezember bei nasskaltem Wetter im offenen Wagen stattfand, zog sich Beethoveneine Lungenentzündung zu. Kurz nach der Genesung zeigten sich mitWasseransammlungen in Beinen und Unterleib sowie einer Gelbsucht schwereSymptome der Leberzirrhose, sodass Beethoven das Krankenbett nicht mehr
  • 15. verlassen konnte. Nach mehreren Punktionen und erfolglosenBehandlungsversuchen verschiedener Ärzte starb Beethoven am 26. März 1827.Die Beisetzung auf dem Währinger Ortsfriedhof fand am 29. März unter großerAnteilnahme der Wiener Bevölkerung statt.72Ungefähr 20.000 Personen sollen amTrauerzug teilgenommen haben.73Die von Franz Grillparzer verfasste Grabredesprach der Schauspieler Heinrich Anschütz. Franz Schubert, der Beethoven nur einJahr später ins Grab folgen sollte, erwies ihm neben Grillparzer als einer der36 Fackelträger die letzte Ehre.74Beethovens Leichnam wurde zweimal exhumiert: 1863, um die Gebeine zuvermessen und den Schädel zu fotografieren; 1888, um sein Skelett – erneut untergroßer öffentlicher Anteilnahme – in den Ehrenhain auf dem Wiener Zentralfriedhofumzubetten.75Der KomponistBedeutungBeethoven-Denkmal in BonnBeethoven-Denkmal in Frankfurt am MainBeethoven-Denkmal in NürnbergBeethoven gilt heute als der Vollender der Wiener Klassik und Wegbereiter derRomantik. Insbesondere in den für die Epoche der Wiener Klassik grundlegendenFormen der Sinfonie, der Klaviersonate und des Streichquartetts hat er Werkegeschaffen, deren musikgeschichtlicher Einfluss kaum zu übertreffen ist. So legteBeethoven beispielsweise wichtige Grundsteine für die fortschreitende Einführungder Kategorie des Sinfonischen in die Solokonzerte der weiteren Musikgeschichte.Auch eine immer weiterführende Konzentration von Sinfonien und Solokonzerten,sich von Quantität zu Qualität bewegend, kann Beethoven zugesprochen werden.In der ersten Periode seines Schaffens schloss er sich noch aufs engste an Haydnund Mozart an, bis er zu seinem ganz eigenen Stil fand. Was ihn nun vor diesenVorgängern auszeichnet, die ja ihrerseits schon die Sprache der Instrumente zureicher Entwicklung geführt hatten, ist zunächst die weitere Ausgestaltung derübernommenen Formen zu größeren, den neuen Ideen angemessenen,Dimensionen. Unter seinen Händen erweiterte sich das Menuett zum vielsagendenScherzo, das Finale, vor Beethoven meist nur ein heiter und lebhaft sich verlaufenderAusgang, wurde bei ihm zum Gipfelpunkt der Entwicklung des ganzen Werks undübertrifft an Wucht und Breite nicht selten den ersten Satz. Das andere Neue war dieüberall erkennbare Einheit eines zusammenfassenden Gedankens. Was er ineinzelnen Werken (z. B. in den Klaviersonaten Pathétique und Appassionata, LesAdieux, in der Eroica und in der Pastoral-Sinfonie) schon durch den Titel deutlichmachte, lässt sich auf die Mehrzahl seiner Instrumentalwerke anwenden: dass die in
  • 16. den einzelnen Teilen dargestellten Seelenzustände in einer inneren Beziehungzueinander stehen und daher die Werke recht eigentlich als Tondichtungen zubezeichnen sind.Seine Skizzenbücher zeigen, mit wieviel unermüdlicher Arbeit und wiederholtenVersuchen er seinen Werken die Gestalt zu geben suchte, in der sie ihn schließlichbefriedigten. Man staunt, wie O. Jahn schrieb:„… über seine Art, „nicht bloß einzelne Motive und Melodien, sondern die kleinstenElemente derselben hin und her zu wenden und zu rücken und aus allen denkbarenVariationen die beste Form hervorzulocken; man begreift nicht, wie aus solchemmusikalischen Bröckelwerk ein organisches Ganzes werden könne …. Und machendiese Skizzen nicht selten den Eindruck unsichern Schwankens und Tastens, sowächst nachher wieder die Bewunderung vor der wahrhaft genialen Selbstkritik, die,nachdem sie alles geprüft, schließlich mit souveräner Gewißheit das Beste behält.“– O. JAHN: Gesammelte Aufsätze, S. 243Die Bonner ZeitDie frühen, noch in der Bonner Zeit entstandenen Werke Beethovens umfassen zehnheute bekannte Kompositionen aus dem Zeitraum 1782–1785, die im Bemühen, ihnzu einem Wunderkind zu stilisieren, fast alle veröffentlicht wurden. Außerdem sindetwa dreißig Werke aus den Jahren 1787–1792 bekannt, von denen damals jedochnur eines veröffentlicht wurde. Viele davon arbeitete Beethoven in spätere Werkeein. Die Stücke des ersten Zeitraums waren noch stark vom Stil Neefes und Sterkelsgeprägt und orientierten sich am Vorbild Mozarts. Die späteren Bonner Jahrebrachten eigenständigere Lieder, Kantaten, Arien und Variationen, die in manchenFällen bereits den analytisch arbeitenden Komponisten späterer Zeit erahnen ließen.Die Werke im Sonatenstil sind dagegen wenig eindrucksvoll und blieben in großenTeilen Fragment; diese für den späteren Beethoven so wichtige Form hat er sichoffenbar erst in der Wiener Zeit angeeignet.Erste Epoche des individuellen SchaffensSie begann mit der Herausgabe der ersten drei Klaviertrios op. 1 (1795) und endeteetwa mit den Jahren 1800–1802.Die 1. Sinfonie gehört dazu. Im Alter von 29 Jahren nahm Beethoven sie in Angriffund vollendete sie am Anfang des darauffolgenden Jahres. Sie wurde mit großemErfolg am 2. April 1800 uraufgeführt. Bahnbrechend in dieser Zeit waren dieKlavierkompositionen, sowohl in der Form des Konzerts als auch der Sonate undVariation, nicht nur in der Technik, sondern auch im Zuschnitt der Sätze und desGanzen.Zweite SchaffensperiodeSie begann etwa in den Jahren 1800–1802 und dauerte bis 1814. Hierher gehörenvor allem Sinfonien und Klaviersonaten.Eroica und Fidelio
  • 17. Mit der 3. Sinfonie fand Beethoven zur Form einer eher monumentalen undheroischen Sinfonie.76Ursprünglich trug sie den Titel „Sinfonia grande, intitolataBonaparte“ (benannt nach Napoleon). Nachdem er jedoch erfuhr, dass Napoleonsich am 18. Mai 1804 zum französischen Kaiser gemacht hatte, radierte er in großerWut den Namen aus dem Titelblatt. Seine neue Überschrift hieß nun „HeroischeSinfonie, komponiert um das Andenken eines großen Mannes zu feiern“, heute wirdsie meistens mit ihrem italienischen Titel Eroica genannt. Uraufgeführt wurde sie imAugust 1804 im Wiener Palais des Fürsten Lobkowicz, dem sie nun auch gewidmetwar.1805 wurde Beethovens einzige Oper, Fidelio, uraufgeführt. Sie hatte, wie auch vieleandere Werke, etliche Überarbeitungen erlebt und hieß ursprünglich „Leonore“. Inder dritten und bleibenden Fassung (mit der E-Dur-Ouvertüre) kam sie 1814 auf dieBühne. Beethoven hat mit ihr keine neuen Wege dramatischer Gestaltungbeschritten. Ihre besondere Stellung hat sie nach wie vor durch den reichen undtiefen, menschlich interessanten und berührenden Stoff und die Qualität ihrer Musik.Sinfonien Nr. 5 c-Moll, Nr. 6 F-Dur und Nr. 7 A-DurAnfang der 5. SinfonieSeine 5. Sinfonie wurde in der Vergangenheit auch „Schicksalssinfonie“ genannt. Sieentstand in einer schweren Lebensphase des Komponisten (über die vier berühmtenAnfangstöne soll Beethoven gesagt haben: „So pocht das Schicksal an die Pforte“,allerdings wurde dies inzwischen als spätere legendarische Zuschreibung belegt).Am 22. Dezember 1808 wurde sie zusammen mit der 6. Sinfonie (der sogenanntenPastorale), dem vierten Klavierkonzert und Teilen der C-Dur-Messe uraufgeführt.Dominic Patric de NeuvilleÜbersetzungsbüro TRANSIT Zürichwww.transitweb.chDie Pastorale ist nicht im eigentlichen Sinne Programmmusik, wie sie fälschlich oftbezeichnet wird, sondern nach Beethovens eigener Aussage „mehr Ausdruck derEmpfindung als Malerei“. Damit befindet sich die Sinfonie immer noch auf demBoden der Klassik. Franz Liszt, der die ersten sinfonischen Dichtungen schrieb,bezog sich bei der Entwicklung dieses neuen Genres vielmehr auf die OuvertürenBeethovens, wie etwa Coriolan oder König Stephan. Allerdings stellte dienaturbezogene Thematik der Pastorale ein Grundelement der folgenden Epoche derRomantik dar, der Epoche sinfonischer Dichtungen schlechthin. Ebenso legte dieKunst der Romantik den Akzent auf das Innerste des Menschen, also seinEmpfinden und seine Gesinnung. Unter dem Gesichtspunkt, den wahrscheinlichauch Beethoven für seine Pastorale eingenommen hatte, könnte diese sehr wohl alsRomantikvorläuferin betrachtet werden. Dafür spricht die Formerweiterung auf fünfSätze ebenso wie der Einbezug von Instrumenten (z. B. Piccoloflöte), die imklassischen Sinfonieorchester nicht heimisch sind. Dies sind deutlich auf die
  • 18. Romantik hinweisende Neuerungen, welche in der triumphalen 9. Sinfonie nochwesentlich deutlicher werden. Außerdem sind auch einige der in der Pastoraleverwendeten „programmmusikalischen“ Topoi („Sturm“ etc.) in der Romantik gerneaufgegriffen worden.In der 7. Sinfonie A-Dur op. 92 verarbeitet Beethoven die Eindrücke aus denpreußischen Befreiungskriegen. Sie entfachte bei der Uraufführung im Dezember1813 eine riesige Euphorie und Begeisterung unter den Zuhörern. Diese Sinfoniezeichnet sich durch einen gewissen Patriotismus aus und deutet nicht so deutlich aufdie kommende Epoche der Romantik hin wie die Vorgänger-Sinfonien. Dennoch sindharmonische und polyphone Neuerungen in dem Werk deutlich zu spüren. ZentralerSatz des Werkes ist unüblicherweise der zweite, das Allegretto. Es ist von einemfeierlich schreitenden Rhythmus geprägt, der dem Motto der Sinfonie zuzuschreibenist.aus Wikipedia, der freien EnzyklopädieLetzte SchaffensperiodeIn den Jahren 1814–1818 erlahmte Beethovens Produktion vorübergehend. Indiesem kurzen Zeitraum traten nur ganz vereinzelt größere Kompositionen hervor,z. B. die Sonate in A (1815) und der „Liederkreis“. Krankheit und bitteres häuslichesLeid hemmten seine Phantasie. Nach Überwindung dieser Zeit der Entmutigung warer in mancher Beziehung verändert. Sein Empfinden war bei völligerAbgeschlossenheit gegen die Außenwelt noch mehr verinnerlicht, infolgedessen derAusdruck häufig noch ergreifender und unmittelbarer als früher, dagegen die Einheitvon Inhalt und Form mitunter nicht so vollendet wie sonst, sondern von einemsubjektiven Moment beeinflusst.Die Hauptwerke dieser dritten Epoche sind die Missa solemnis (1818–23), dieBeethoven selbst für sein vollendetstes Werk hielt, und die neunte Sinfonie in d-Moll(1823–24). Außerdem gehören zu dieser Zeit: die Ouvertüre „Zur Weihe desHauses“, Op. 124 (1822), die Klaviersonaten Op. 106 in B-Dur (1818), Op. 109 in E-Dur, Op. 110 in As-Dur (1821) und Op. 111 in c-Moll (1822), die Diabelli-Variationen,mehrere kleinere Stücke für Klavier und Gesang und schließlich die letzten großenStreichquartette Op. 127 in Es-Dur (1824), Op. 130 in B-Dur und Op. 132 in a-Moll(1825), Op. 131 in cis-Moll und Op. 135 in F-Dur (1826).77Die spätenStreichquartette gehen auf Beethovens Beschäftigung mit denKompositionstechniken Johann Sebastian Bachs zurück, speziell seineFugentechniken. Trotzdem weisen diese Stücke nicht in die Vergangenheit, sondernweit in die Zukunft. Speziell sein Op. 133 („Große Fuge“) war für seine Zeitaußerordentlich modern und wurde im gesamten 19. Jahrhundert kaum verstanden.Viele Entwürfe, darunter der zu einer zehnten Sinfonie in c-Moll und zu einemStreichquintett in C-Dur, befanden sich im Nachlass des Komponisten.aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
  • 19. 9. Sinfonie→ Hauptartikel: 9. Sinfonie (Beethoven)1824 vollendete Beethoven die 9. Sinfonie. Der letzte Satz mit dem Chorfinale zuSchillers Gedicht An die Freude ist besonders bekannt. Das Thema dieses Satzes istdie Grundlage der Europahymne. Die Sinfonie drückt das Ringen einesMenschenherzens aus, das sich aus Mühen und Leiden nach dem Tag reiner Freudesehnt, der ihm doch in voller Klarheit und Reinheit nicht beschieden ist. Die erstendrei Sätze mit ihrer grandiosen Architektur, Instrumentierung undThemenverarbeitung wurden richtungsweisend für die Sinfoniker der Romantik bishin zu Gustav Mahler. Die Uraufführung der 9. Sinfonie erfolgte zusammen mit Teilender Missa solemnis am 7. Mai 1824. Beethoven wollte, obwohl er die Aufführungnicht mehr selbst leiten konnte, den Dirigenten durch Angabe der Tempiunterstützen. Das Orchester war allerdings angewiesen worden, dies nicht zubeachten.Sinfonie Nr. 10Beethoven hat noch kurz vor seinem Tod an seiner 10. Sinfonie gearbeitet, dieseaber nicht vollendet. Vom ersten Satz existieren jedoch viele Skizzen und Notizen.Barry Cooper hat diese Skizzen zu einem ersten Satz ausgearbeitet. Auch zu einemdritten Satz, einem mit „Presto“ betitelten kraftvollen Scherzo, existieren Skizzen ausdem Jahre 1825.78