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Soft Skills Teil 1 von 2

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Die Bedeutung der Schlüsselqualifikationen – oft auch Soft Skills genannt – für eine positive Entwicklung im beruflichen Umfeld wächst ständig. Mit dem vorliegenden eBooklet erhalten Sie die …

Die Bedeutung der Schlüsselqualifikationen – oft auch Soft Skills genannt – für eine positive Entwicklung im beruflichen Umfeld wächst ständig. Mit dem vorliegenden eBooklet erhalten Sie die Möglichkeit, Ihre Kompetenzen auszubauen.

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  • 1. Soft Skills Basic I
  • 2. Soft Skills Basic I In halt Vorwort 3 Einleitung Soft Skills: Weiche Fähigkeiten für harte Jobs 4 Teil A: Kommunikationsfähigkeiten Rhetorik: Besser reden, mehr wirken! 9 Schlagfertigkeit lässt sich lernen 14 Präsentationstechniken 0 Körpersprache: Der Körper spricht mit 5 Smalltalk – Die große Kunst des kleinen Gesprächs 9 Kritikfähigkeit: Feedback als Chance 3 Teil B: Selbstorganisation So werden Sie zum Organisationstalent! 35 Tipps für ein besseres Zeitmanagement 41 Life / Work-Planning – die kreative Methode der Karriereplanung 46 Motivation ist die Basis für erhöhte Leistungsbereitschaft 51 Steigern Sie Ihre Belastbarkeit durch Stressmanagement 54 Kreativ im Job: Durch Kreativitätstechniken Lösungen schnell erarbeiten 57 Impressum 60 Was ist die CoachAcademy? 61
  • 3. Soft Skills Basic I 3 Vorwort Liebe Leserin, lieber Leser, Die Bedeutung der Schlüsselqualifikationen – oft Mit dem vorliegenden eBooklet geben wir Ihnen auch Soft Skills genannt – für eine positive Entwick- die Möglichkeit, Ihre Kompetenzen gemäß dieser lung im beruflichen Umfeld wächst ständig. Wa- Entwicklung zu erweitern. Sie werden an die wich- ren es bisher eher die Fachkompetenzen, auf die tigsten Themen herangeführt und erhalten erste Ein- besonders viel Wert gelegt wurde, sind die Unter- blicke in spannende Kompetenzfelder. Wir möch- nehmen inzwischen nun darauf ausgerichtet, Mit- ten Sie ermutigen, dies zum Anlass zu nehmen, arbeiter mit Kompetenzen in der Teamarbeit, in der sich vertiefend mit den Themen zu beschäftigen, Führung, im persönlichen Auftreten und im sozialen die Sie besonders interessieren oder bei denen Miteinander einzustellen bzw. mit größerer Verant- Sie bei sich Defizite entdecken. Gerne auch mit wortung zu betrauen. unseren Publikationen aus der Reihe „eBooklets der CoachAcademy“. Viel Spaß bei der Lektüre dieses eBooklets wünschen Ihnen Carolin Lüdemann, Heiko Lüdemann und das Team der www.coachacademy.de
  • 4. Soft Skills Basic I 4 Einleit ung Soft Skills: Weiche Fähigkeiten für harte Jobs Der Begriff „Soft Skills“ gehört inzwischen zum un- erlässlichen und unvermeidlichen Businessvoka- bular. Jeder nimmt sie für sich in Anspruch, aber nur einige haben sie wirklich. Alternativ zum Begriff Soft-Skills wird auch von Schlüsselqualifikationen gesprochen. Bezeichnend für Schlüsselqualifikati- onen: In der Hochschulausbildung haben sie noch einen geringen Stellenwert. Aber Schlüsselqualifika- tionen sind erlernbar. In der New Economy stehen Schlüsselqualifikati- onen hoch im Kurs. Im Spezialmagazin des Stern „Campus Karriere“ vom Oktober 000 beziehen die befragten New-Economy-Unternehmen klar Stellung: 83% fordern von ihren Mitarbeitern Team- fähigkeit, eine der vielen weichen Begabungen. Aus einer Umfrage des Staufenbiel-Instituts geht hervor, dass auch Mobilität, Kommunikationsfähig- keit, Flexibilität und Sozialkompetenz Schlüsselqua- lifikationen mit wachsender Bedeutung sind.
  • 5. Soft Skills Basic I 5 Was sind Schlüsselqualifikationen? Ein Chemiker kennt sich in der Struktur von Ver- bindungen aus und kann daraus Stoffeigenschaften Schlüsselqualifikationen repräsentieren Eigen- ableiten, ein Mathematiker kann Modellrechnungen schaften, die teilweise im persönlichen Bereich ausführen, ein Sportwissenschaftler einen Bewe- eines Menschen liegen und gelten als überfachliche gungsablauf in biomechanische Komponenten zer- Qualifikation. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass legen. Alles Fähigkeiten, die aufgrund der Ausbil- sie nicht Bestandteil der Ausbildung oder des Stu- dung erlangt wurden. diums sind, in der Berufswelt dennoch eine hohe Bedeutung besitzen. Welche Bedeutung haben Schlüssel- Neue Entwicklungen erfordern neue Fähigkeiten. qualifikationen? Verständlich, dass die Liste der Schlüsselqualifi- kationen immer länger wird. Wer die Stellenanzei- Schlüsselqualifikationen sind immer dann von Be- gen in einer beliebigen Tageszeitung studiert, be- deutung, wenn viele Menschen an einem Prozess kommt einen Eindruck, was Unternehmen heute an beteiligt sind. Gleichgültig, ob Ergebnisse präsen- Schlüsselqualifikationen fordern: Kontaktfähigkeit, tiert, Konflikte gelöst, Strategien erarbeitet oder Sensibilität, Kooperationsfähigkeit, Informationsbe- Entscheidungen für ein Unternehmen getroffen und reitschaft, Offenheit, Eigeninitiative, Medienkompe- vertreten werden sollen: Stets sind, meist unbe- tenz, Flexibilität... merkt, Schlüsselqualifikationen im Spiel. Schlüsselqualifikationen sind auch notwendig, wenn Hart und weich: Was sind „Hard Skills“? der Erwerb und das Management von Fach- sowie fachübergreifendem Wissen, Organisation, Sozial- Den „Soft-Skills“ lassen sich die so genannten verhalten und verantwortliches Handeln gefordert „Hard-Skills“ gegenüber stellen. „Hard-Skills“ be- sind. schreiben berufstypische Qualifikationen, die zum Beispiel durch ein Studium vermittelt werden.
  • 6. Soft Skills Basic I 6 Nur wenn ein Biologe und ein Ingenieur in der Lage Mario Theissen, Technikdirektor im Formel-1-Team sind, Aspekte ihrer Fachdisziplinen gegenseitig ver- von BMW setzt bei der Entwicklung des BMW For- ständlich darzulegen, werden sie gemeinsam einen mel-1-Boliden auf Teamfähigkeit. Schließlich gilt funktionierenden Bioreaktor bauen können. Die es, aus einem Spezialistenensemble eine schlag- Kommunikationsfähigkeit der Beteiligten entschei- kräftige, handlungsfähige Truppe zu machen: „Wir det über den Erfolg der Zusammenarbeit. haben auf jeder Position den besten Mann. Dieser muss absolut teamfähig sein“, so Theissens Vorga- Wenn zwei Mitglieder einer Arbeitsgruppe aus per- be in Sachen Schlüsselqualifikation. sönlichen Gründen nicht harmonieren, ist soziale Kompetenz gefordert, um die Aufgaben des Teams dennoch umzusetzen. Systematik der Schlüsselqualifikation Es gibt verschiedene Systematiken, die den Ver- Schlüsselqualifikationen auch im such unternehmen, Schlüsselqualifikationen Über- Leistungssport begriffen zuzuordnen. Eine geläufige Systematik unterteilt Schlüsselqualifikationen in die Bereiche Auch im Leistungssport haben Schlüsselqualifikati- onen bereits Einzug gehalten. Der Ex-Nationalspieler } Handlungskompetenz und Göppinger Handballtrainer Christian Fitzek er- } Soziale Kompetenz klärte seine Einschätzung zur Schlüsselqualifikation „Sozialkompetenz“ in einem Interview mit „Sonntag } Methodenkompetenz Aktuell“ wie folgt: „Christian Fitzek legt großen Wert } Personale Kompetenz auf Sozialkompetenz. ‘Ich sehe eine Mannschaft nicht als Ansammlung von Muskelgruppen und Herz-Kreislaufsystemen‘.“ Nach Fitzeks Auffassung Eine andere Systematik differenziert lediglich kann nur der erfolgreich mit Menschen arbeiten, der zwischen der in der Lage ist, sie mit allen Eigenarten und Schwä- chen zu akzeptieren. } Allgemeinen Fachkompetenz } Methodenkompetenz } Sozialkompetenz
  • 7. Soft Skills Basic I 7 In einer Publikation der „Kölner Initiative für Qualifi- Wissen ist nicht nur in der Arbeitswelt ein zierungstransfer“, Uni Köln, wird von folgenden vier elementares Gut. Qualifizierungsfeldern ausgegangen: „Wissen ist Macht“, sagt der Volksmund. Wer in der } Management von Wissen und Lernen Lage ist, mit Wissen, oder allgemein mit Informa- tion umzugehen, der hat einen erheblichen Wettbe- } Methoden der Organisation werbsvorteil. Wissen vermitteln, Wissen zugänglich } Persönlichkeit und Sozialverhalten machen, Wissen umsetzen sind für ein Unterneh- men, aber auch für eine Einzelperson, unerlässliche } Fachübergreifende berufliche Basiskenntnisse Vorgänge, um erfolgreich zu sein. In den bisherigen Systematiken zur Schlüsselquali- Wo liegen die Unterschiede....? fikation wird alles um den Bereich „Wissen“ in Ein- zelkompetenzen wie „interdisziplinäres Wissen“, Zwischen der Kölner und den anderen genannten „Bereitschaft zu lebenslangem Lernen“ oder „Fä- Systematiken bestehen erhebliche Unterschiede. higkeiten im Umgang mit Information“ aufgeführt Die Kategorie „Methoden der Organisation“ taucht und der „Methodenkompetenz“ zugewiesen. in anderen Systematiken nicht auf. Ihre Einzelkom- petenzen wie Zeitmanagement, Zielorientierung Dies ist jedoch zu wenig und wird der Bedeutung oder Planung werden meist der „Methodenkompe- des Komplexes „Wissen und Information“ nicht ge- tenz“ zugeordnet. Die Kölner Autoren verstehen un- recht. Es ist daher sinnvoll, Wissensmanagement ter „Methoden der Organisation“ die „Organisation als eine eigene Kategorie einzuführen. von Arbeit“. Ein weiterer Unterschied liegt in der Kategorie „Ma- ... und wo die Gemeinsamkeiten? nagement von Wissen und Lernen“. Sie wird nur in der Systematik der Kölner Initiative aufgeführt. Egal, wie man den Begriff „Schlüsselqualifikationen“ systematisiert: Entscheidend sind letztlich die Ein- zelkompetenzen wie Kommunikationsfähigkeit, Teamfähigkeit, Menschenkenntnis oder interkultu- relle Kompetenz. Und diese weisen eine wichtige Gemeinsamkeit auf. Es handelt sich um Kompe- tenzen, und für diese gilt:
  • 8. Soft Skills Basic I 8 Kompetenz ist erlernbar Fazit Viele der so genannten Schlüsselqualifikationen hat Die Einführung und Systematisierung des zeitwei- man früher unter der Rubrik „gesunder Menschen- se stark belasteten Begriffs „Schlüsselqualifikation“ verstand“ abgelegt. Menschenkenntnis hatte man hat einen Fortschritt bewirkt. Die damit assoziierten oder eben nicht. Gesunder Menschenverstand galt Fähigkeiten oder Kompetenzen gelten nicht mehr als etwas Gegebenes, etwas durch Kultur und Er- als eine reine Begabung, so wie es der ursprüng- ziehung Erworbenes, aber nicht als etwas gezielt liche Begriff „Soft Skills“ vermittelt, sondern sie sind Erlerntes. erlernbar. Diese Sichtweise ist nach wie vor aktuell, aber sie Inzwischen stehen geeignete Lernmethoden für ver- muss erweitert werden. Der Umgang mit Menschen schiedene Einzelkompetenzen bereit. Jeder kann kann erlernt und geübt werden. Jeder kann Krea- „schlüsselkompetent“ werden und sich als Schlüs- tivität, Wissensmanagement oder die Fähigkeit zur seldienst seiner eigenen beruflichen Entwicklung Präsentation anhand der Vermittlung von Techniken neue Türen öffnen. und mittels praktischer Übungen erlernen und ein- setzen.
  • 9. Soft Skills Basic I 9 T e i l A : Kommunika tionsfähigkeiten Rhetorik: Besser reden, mehr bewirk e n . Müssen Sie eine Rede oder einen Vortrag hal- ten? Möchten Sie wissen, wovon es abhängt, ob Ihre Zuhörer Ihnen interessiert folgen oder sich langweilen? In diesem Artikel erfahren Sie praktische Tipps, wie Sie Ihre Rede leben- dig gestalten. Der erste Eindruck ist entscheidend, und der letzte Eindruck bleibt... ... das „Dazwischen“ sollte allerdings auch im Ge- dächtnis der Zuhörer haften bleiben! Nicht jeder ist der geborene Redner und kann das „Dazwischen“ vortrefflich gestalten, aber jeder kann die eige- nen Möglichkeiten nutzen, seine Zuhörerschaft zu fesseln. Hierbei sollten Sie bestimmte Grundsätze beherzigen.
  • 10. Soft Skills Basic I Rhetorik: Besser reden, mehr bewirken 10 Grundsätze guter Rhetorik Wer sich intensiv mit der eigenen Stimme ausein- andersetzen will, sollte im praktischen Tun Erfah- Bei einer Rede sind die Zuhörenden immer Dialog- rungen sammeln und sich mit Hilfe von professio- partner, auch wenn sie nicht das Wort ergreifen. nellem Feedback kontinuierlich verbessern. Zustimmung, Aufmerksamkeit und Konzentration „liegen in der Luft“, sind spürbar und lassen den Redner über sich selbst hinauswachsen. Welche Faktoren beeinflussen neben der Stimme die Wirkung auf das Publikum? In erster Linie müssen Sie hinter dem, was Sie sa- gen, auch stehen können. „Das gesprochene Wort Wenn wir vor Publikum reden, wollen wir meist nicht ist leer, das empfundene wahr.“ (Mór Jókai) Sie bloß informieren, sondern motivieren und überzeu- überzeugen nur dann, wenn Sie selbst überzeugt gen. Dies gelingt uns nur, wenn wir das Gesagte sind! ansprechend und verständlich aufbereiten. Es ist nicht nur entscheidend WAS Sie sagen, Sprechen Sie so konkret, dass andere das Ge- sondern WIE Sie es sagen! Und das WIE ist eng hörte vor Augen haben, sich ein Bild von der Sa- geknüpft an die Stimme und deren bewussten che machen können! Sie erreichen dies, indem Sie Einsatz. Die eigene Stimme ist für unser Ohr kein mit farbigen Vergleichen und konkreten Beispielen angenehmer Klang. Wenn wir zum Beispiel die An- arbeiten – je anschaulicher und spannender, desto sage auf unseren Anrufbeantworter sprechen und besser! uns das Ergebnis anhören, so erkennen wir uns oft Verabschieden Sie sich von ermüdenden, nicht nicht wieder. Uns stören häufig Klang, Modulati- mehr nachvollziehbaren Endlossätzen. Formulieren on, Tempo, Lautstärke und auch Aussprache und Sie kurz und knapp. Wortwahl. Keine Füllworte! Füllworte wie „tja“, „nun“, „also“, „eigentlich“, „dann“ strapazieren die Geduld der Häufig schleicht sich das Gefühl ein, mit einer sol- Zuhörenden. Diese Worte schleichen sich leicht chen Stimme ein Publikum eher zu erschrecken als ein, wenn die eigenen Gedanken beim Reden ins es zu fesseln. Aber bereits die bewusste Wahrneh- Stocken geraten. Besser ist es, hier eine kurze mung dieser Aspekte ist ein erster Schritt hin zu Än- Sprech- und Denkpause zu machen – das entla- derungen. stet Sie selbst, und die Zuhörenden können einen Augenblick verschnaufen und das bereits Gehörte verdauen.
  • 11. Soft Skills Basic I Rhetorik: Besser reden, mehr bewirken 11 Quälen Sie Ihr Publikum nicht mit Fremdwörtern. Grundsätzlich unterscheidet man Denn wer nicht versteht, der hält Sie für arrogant, zwei Fragearten: schaltet ab und ist nur schwer wieder zurückzuge- winnen. } Die offene Frage Bei der offenen Frage steht das Fragewort am An- Arbeiten Sie mit rhetorischen Fragen. Das mensch- fang. Die Antwort kann nicht „Ja“ oder „Nein“ lau- liche Gehirn ist so angelegt, dass es bei Fragen au- ten; meist muss in einem ganzen Satz geantwortet tomatisch anfängt zu arbeiten. Und was wünscht werden. Beispiel: „Wo gehen wir heute Morgen sich ein Vortragender mehr, als dass das Publikum frühstücken?“ oder „Wie hat dir der Kinofilm ge- mitdenkt und neugierig den Ausführungen lauscht. fallen?“ Das Publikum wird es Ihnen hoch anrechnen, wenn } Die geschlossene Frage Sie sich auf das Wesentliche beschränken und nicht Bei der geschlossenen Frage steht das Verb (oder abschweifen. Denn nichts ist so nervtötend wie ei- Hilfsverb) am Satzanfang. Die Antwort kann nur aus ner, der sich selbst gerne reden hört und nicht zum einem „Ja“, „Nein“ oder „Vielleicht“ bestehen. Bei- Punkt kommt. spiel: „Möchtest du ein Eis?“ oder „Gefällt dir der Kinofilm?“ Fragetechnik – wer fragt, der führt Meist ist es sinnvoller, eine offene Frage zu stellen, Nicht umsonst sind viele Frage-Berufe – wie der um eine genauere Antwort zu erhalten. Lediglich am des Arztes, des Juristen oder des Uni-Professors Ende eines Verkaufsgespräches, gegenüber Non- – nach wie vor sehr angesehen. Gerade in diesen Stop-Rednern und gegenüber Unentschlossenen Berufen ist es sehr wichtig, die richtigen Fragen zu ist es besser, eine geschlossene Frage zu wählen. stellen und dadurch die wichtigsten Antworten zu bekommen. Grundsätzlich hilft eine gute Frage- technik beruflich und privat schwierige Situationen erfolgreich zu meistern.
  • 12. Soft Skills Basic I Rhetorik: Besser reden, mehr bewirken 1 Zehn Fragearten } 4. Ja-Fragen-Straße Diese Fragetechnik verwenden Sie, wenn Sie ein } 1. Informationsfrage „Ja“ als Antwort erreichen möchten. Dies schaffen Wie der Name schon sagt, holen Sie mit dieser Fra- Sie, indem Sie mehrere Ja-Fragen hintereinander geart leicht Informationen ein. Eine solche Frage stellen, bis Sie am Schluss eine suggestive Fest- beginnt immer mit „wie“, „wann“, „wo“, „“wer“ oder stellung anbringen. Diese Technik ist besonders am „wie viel“. Beispiel: „Wann ist Ihr Einfamilienhaus Ende eines Gespräches empfehlenswert. fertig?“ } 5. Rhetorische Frage } 2. Alternativfrage Bei einer rhetorischen Frage stellen Sie selbst eine Mit einer Alternativfrage geben Sie Ihrem Ge- Frage und beantworten diese auch gleich selbst. sprächspartner die Wahl zwischen zwei positiven (!) Diese Fragetechnik wird gerne bei Vorträgen ange- Möglichkeiten. Beispiel: „Soll ich dich um 18 Uhr wandt, weil sie die Zuhörer zum Mitdenken zwingt. oder um 19 Uhr abholen?“, Ihr Zuhörer kann nämlich gar nicht anders, als sich „Möchtest du deinen Kaffee mit Milch oder mit Sah- innerlich mit Ihrer Frage zu beschäftigen! ne trinken?“ } 6. Gegenfrage } 3. Suggestivfrage Mit einer Gegenfrage reagieren Sie auf eine Frage Bei der Suggestivfrage versuchen Sie als Fragender Ihres Gesprächspartners. Der Vorteil dieser Tech- Ihren Gesprächspartner in Ihrem Sinne zu beein- nik liegt darin, dass Sie durch die Gegenfrage Zeit flussen. Typisch für diese Frageart sind Wörter wie gewinnen können. Dies ist besonders empfehlens- „doch“, „wohl“, „auch“, „bestimmt“ oder „sicher- wert, wenn Sie die Antwort spontan nicht wissen lich“. Beispiel: „Denkst du nicht auch, dass ..?“ oder eine provokative Frage zurückgeben möchten. Dadurch erreichen Sie, dass das Problem zumin- dest vorübergehend bei Ihrem Gesprächspartner und nicht bei Ihnen liegt.
  • 13. Soft Skills Basic I Rhetorik: Besser reden, mehr bewirken 13 } 7. Motivierungsfrage } 10. Fangfrage Mit einer Motivierungsfrage bringen Sie Ihren Ge- Durch eine Fangfrage erfahren Sie Dinge, die Sie sprächspartner dazu, aus sich heraus zu gehen. direkt nicht fragen können, weil es unverschämt Beispiel: „Wie hast du es geschafft, in deinem Exa- wäre oder weil Ihnen Ihr Gegenüber nicht antwor- men so gute Ergebnisse zu schreiben?“ ten würde. Beispiel: „Wann haben Sie Abitur gemacht?“ (So können Sie dezent herausfinden, wie alt } 8. Provozierende Frage jemand ist). Vorsicht! Mit der provozierenden Frage greifen Sie Ihren Gesprächspartner an. Sie sollten diese Fragen nur gezielt in Ausnahmesituationen stellen. Eines } Zu guter Letzt sollte Ihnen dabei klar sein: Mit dieser Fragetechnik Legen Sie nach jeder Frage eine Pause ein, damit machen Sie sich keine Freunde! Ihr Gesprächspartner antworten kann. Und: Lassen Sie sich nicht dazu hinreißen, nach Ihrer eigentlichen Frage noch eine Erklärung nachzuschieben – auch } 9. Kontrollfrage nicht, wenn Ihr Gegenüber sich mit seiner Antwort Wenn Sie eine Kontrollfrage stellen, können Sie Zeit lässt. Wenn Sie Ihre Frage gestellt haben, überprüfen, ob Sie und Ihr Gesprächspartner noch müssen Sie nur geduldig sein, aufmerksam zuhö- miteinander übereinstimmen. Diese Fragetechnik ren und gegebenenfalls noch einmal zurückfragen. ist sehr wichtig; je früher sich herausstellt, dass eine Keine Angst, auch hier gilt: Nur Übung macht den Sache noch nicht abschließend geklärt ist, um so Meister! besser. Ansonsten würden die Ergebnisse nur un- befriedigend ausfallen. Beispiel: „Sind hierzu noch Fragen offen?“
  • 14. Soft Skills Basic I 14 S c h l a g f ertigkeit lässt sich lernen Schlagfertigkeitstechniken gibt es viele. Für viele Politiker und Personen des öffentlichen Lebens sind diese Techniken nichts Neues. Wir stellen sie Ihnen vor und verraten wirk- same Tricks, die in jeder Situation helfen! Stellen Sie sich vor, es ist Montag. Sie erscheinen mit neuer Frisur und neuem Outfit im Büro. Ihre Kolleginnen haben Ihnen bereits Komplimente ge- macht. Dann taucht ein besonders unangenehmer Zeitgenosse aus dem Büro gegenüber auf und wirft Ihnen vor: „Wer hat Sie denn so zugerichtet?“ und grinst hinterhältig. Alle sind entweder schockiert oder grinsen. Ihnen verschlägt es die Sprache und der Kollege verlässt triumphierend den Raum. Erst einige Minuten später fällt Ihnen eine Art „Musterlö- sung“ von schlagfertiger Antwort ein...
  • 15. Soft Skills Basic I Schlagfertigkeit lässt sich lernen 15 Viele Schlagfertigkeits-Techniken überlegt. Im Ernstfall hätte man dann sofort eine passende Antwort parat. Politiker und Prominente, Es gibt einige Techniken, mit denen sich Muster die sich auf Fernsehinterviews vorbereiten, verfah- der schlagfertigen Replik bilden lassen. Man spricht ren oft ebenfalls nach dieser Methode. von „Rückfrage-Technik“, „Gerade-weil-Technik“, „Besser-als-Technik“, „Abgrenzungs-Technik“, Im obigen Beispiel könnte diese eventuell lauten: „Komplimente-Technik“, „Ja-ganz-genau-Technik“, „Vielen Dank für das Kompliment, schließlich sind „Zugeständnis-Technik“, „Ach-was-Technik“, „Hör- Sie im ganzen Unternehmen für Ihren schlechten fehler-Technik“, „Umkehr-Technik“ und viele andere Geschmack bekannt!“, was nichts anderes bedeu- mehr. Die Aufzählung ließe sich nämlich noch end- tet, als dass das, was ihm gefällt nach allgemeiner los fortsetzten, denn ständig tauchen neue „Tech- Auffassung hässlich ist. Was er aber hässlich findet, nik-Wortschöpfungen“ auf. das ist nach allgemeiner Ansicht schön. Zum Glück brauchen Sie nicht alle zu beherrschen. Es genügt, wenn Sie ein paar davon ausprobieren Nicht beleidigend werden und sich jene antrainieren, die Ihnen persönlich am ehesten liegen. Auf diese Art gewinnen Sie mehr Selbst die schlagfertigste Antwort darf den „Pro- Routine, Souveränität und Selbstbewusstsein. Ihren vokateur“ jedoch nicht beleidigen. Mit Kraftaus- „Angreifern“ hingegen fällt dann so schnell nichts drücken sollte man sich daher zurückhalten. Doch mehr ein. wie hätte man in obiger Situation noch vorgehen können? Natürlich gibt es, vom obigen Vorschlag abgesehen, auch hier verschiedene Möglichkeiten. Doch wie könnte eine Antwort lauten? Diese wiederum ließen sich mittels verschiedener Techniken durchführen. Es gibt keine Musterlösung für schlagfertige Ant- worten. Jeder muss die Technik herausfinden, die ihm am besten liegt und diese üben. Üben kann man Antworten, indem man sich selbst regelmä- ßig (täglich oder wöchentlich) Fragen oder Bemer- kungen ausdenkt und sich schlagfertige Antworten
  • 16. Soft Skills Basic I Schlagfertigkeit lässt sich lernen 16 „Ach-was-Technik“ man diesen Trick nicht zu oft anwenden, sonst fällt auf, dass es ein Trick ist. Sollte der „Angreifer“ die „Ach was?“ Diese Frage stammt aus der so genann- ursprüngliche Behauptung (gemeinerweise) noch- ten „Ach-was-Technik“. Man gewinnt zumindest ei- mals wiederholen, dann empfiehlt sich, von der nige Sekunden Zeit, in der man sich eine bessere Durchzug-Technik abgesehen, die zusätzliche An- Antwort ausdenken kann. Abgesehen davon ist der wendung einer der anderen Techniken. verbale „Angreifer“ wieder am Zug. „Rückfrage-Technik“ „Durchzug-Technik“ Die Rückfragetechnik basiert auf einem einfachen Die Durchzug-Technik ist zwar einfach, aber sie Prinzip. Es lautet: Frage und Antwort und Gegen- durchzuführen erfordert ein starkes Selbstbewusst- frage und Gegenantwort. Mit dieser Technik lässt sein, das vor allem durch nonverbale Signale be- sich immerhin Zeit gewinnen für eine schlagfertigere tont werden muss. Ein Hauch Arroganz darf nicht Antwort. Manchmal fällt dem „Angreifer“ auch gar fehlen. Man überhört derartige Angriffe hoch erho- keine passende Antwort ein. Dann hat der „Ange- benen Hauptes. So signalisiert man zugleich, dass griffene“ immerhin ein „Unentschieden“ erreicht. man den Äußerungen des Angreifers grundsätzlich keinerlei Bedeutung zumisst. „Gerade-weil-Technik“ „Hörfehler-Technik“ Besonders „logisch“ klingt die „Gerade-weil-Tech- nik“. Oft reagiert der Angreifer perplex auf diese Ar- Diese Technik beruht auf dem Vorspielen einer aku- gumentationsstruktur. Sie eignet sich insbesondere stischen Fehlübermittlung. Man wiederholt den ver- auf Vorwürfe, die mit Leistung und Kompetenzen zu balen Affront leicht abgewandelt und der ergibt nun tun haben. „Gerade weil ich die Pressemeldungen keinen Sinn mehr. Das bringt den Angreifer even- so kurz formuliere, werden sie von Tageszeitungs- tuell in die peinliche Situation, seine Verbal-Attacke Redaktionen übernommen. Denen steht nämlich wiederholen zu müssen... „Was ich denn verrichtet nur sehr wenig Platz zur Verfügung und Berge haben soll? Im Gegensatz zu Ihnen habe ich bereits von eingehenden Texten, die zudem viel zu lang zehn Firmen akquiriert und Sie erst eine!“, könne sind und unnötige Zeit in Anspruch nehmen, sie zu eine eventuelle Konterstrategie sein. Allerdings sollte kürzen!“
  • 17. Soft Skills Basic I Schlagfertigkeit lässt sich lernen 17 Oft entspricht diese „Gerade-weil-Technik“ übri- „Kompliment-Technik“ gens der Wahrheit. Der Angegriffene ist sich aber manchmal selbst nicht darüber im Klaren, weshalb Komplimente schmeicheln, aber oft blenden sie etwas so ist. auch den Komplimentempfänger. Im obigen Fall könnte die Antwort der Angegriffenen lauten: „Ihre Frisur bewundere ich schon seit längerer Zeit. Es „Besser-als-Technik“ wird aber noch sehr viele Jahre dauern, bis ich so wenige Haare wie Sie auf dem Kopf habe, um so ein Die „Besser-als-Technik“ ähnelt Satzkonstruktionen durchsichtiges Styling zu realisieren!“ Meist verste- mit „zwar aber“. Man gibt dem Angreifer nur be- hen Außenstehende derartige Anspielungen noch dingt Recht. Das Ganze soll aber so wirken, als ob vor dem Betroffenen und lachen. Oft wird dem An- der eigentliche Fehler beim Angreifer liegt und der greifer dann erst bewusst, dass er „verloren“ hat. Angegriffene das Opfer ist, dem man dafür dank- bar sein sollte, dass er die Firma vor schlimmerem Schaden bewahrt hat. „Ja-ganz-genau-Technik“ „Besser-als“ ist gemeinhin eher bekannt in der Form Die „Ja-ganz-genau-Technik“ passt ebenfalls nur von „Besser jetzt als nie“. Der Angegriffene erhält in speziellen, individuellen Situationen. Man stimmt ein „Lob“, das sofort von einem „Tadel“ erstickt dem „Angreifer“ zu und steht zu der Situation, in- wird. „Gut dass Sie dieses Problem erkannt haben, dem man beispielsweise behauptet, dass man ge- aber warum weisen Sie uns erst jetzt darauf hin? nau dieses Resultat angestrebt habe. Im obigen Die Firma hätte weniger Verluste gemacht. Na ja, Beispiel würde dieses wiederum weniger passen. besser jetzt als nie.“ Auf diese Art wird der Angreifer Oftmals passt diese Technik im Zusammenhang so dargestellt, als sei er allein schuld an den firmen- mit Vorwürfen hinsichtlich Werten und Systemen. internen Schwierigkeiten. Für das Eingangsbeispiel Im Endeffekt zählt das Ergebnis. eignet sie sich aber weniger.
  • 18. Soft Skills Basic I Schlagfertigkeit lässt sich lernen 18 Wer also von einem vermeintlich chaotischen „Abgrenzungs-Technik“ Schreibtisch aus effektiver arbeitet, als von einem penibel aufgeräumten Arbeitsplatz aus, der darf Die „Abgrenzungs-Technik“ sollte nur in jenen Fäl- sich ruhig auf diese Technik berufen. Insbesondere len eingesetzt werden, in denen der „Angreifer“ das dann, wenn er – getreu dem Motto: „ Das Genie Maß der tolerierbaren Verbal-Attacken überschrit- beherrscht das Chaos“ - sogar noch schneller und ten hat. Ein Beispiel hierfür könnte lauten: „Ihr Ton effektiver arbeitet, als der Kollege, der ihm Vorwürfe missfällt mir – auf dieser Ebene führe ich keine Ge- macht. spräche!“ oder etwas in dieser Richtung. „Zugeständnis-Technik“ „Umkehr-Technik“ Manchmal sind schlagfertige Antworten aber auch Die Umkehr-Technik ist oft mit einer „Wenn-dann- unangebracht, insbesondere dann, wenn man ganz Konstruktion“ verknüpft. „Wenn ich Sie wäre, würde offensichtlich im Unrecht ist. Wer zum Beispiel ei- ich aufgeben!“ So oder ähnlich könnte ein verbaler nen wichtigen Geschäftstermin verpasst hat, der Angriff des „Gegners“ lauten. Als Kontra könnten sollte sich ehrlich entschuldigen und versprechen, Sie ihm mit „Wenn ich Sie wäre, würde ich es tun!“ dass dies nicht mehr vorkommt. antworten. Diese Technik eignet sich vor allem bei Vorwürfen, „Metaebene-Technik“ die mit „wenn, dann...“ anfangen. Schließlich be- steht der „Urgrund alles Schönen in einem gewis- Angriffe erfolgen meist von einer tieferen Ebene sen Einklang von Gegensätzen“, wie der italienische aus. Man kann auch auf eine höhere Ebene aus- Theologe Thomas von Aquin (11-174) bereits weichen, wie ein Boxer, der einem Schlag zuerst vor langer Zeit feststellte. ausweicht, und dann zum Gegenschlag ausholt. Ein derartiger Gegenangriff könnte sinngemäß lau- ten, dass die Witze des Angreifers offensichtlich nur ihn selbst zum Lachen bringen. Anschließend unterstreicht man mit einem „und nun zurück zur Sache“ die unterstellte (persönliche, berufliche oder allgemeine) Unwichtigkeit des Angreifers (und sei- ner Argumente).
  • 19. Soft Skills Basic I Schlagfertigkeit lässt sich lernen 19 Allzweckmittel Weitere Beispiele: Die Liste der Techniken ließe sich noch fortsetzen. } „Nein, das bilden Sie sich nur ein!“ Ständig werden neue Techniken entworfen. Wichtig } „Bringen Sie die Lösung oder sind Sie das jedoch ist, dass man in entsprechenden Situationen Problem?“ effektiv reagiert. Manche Sprüche passen im Prin- } „Bleiben Sie ruhig bei Ihrer Meinung, für Sie ist zip immer. Es empfiehlt sich, einige dieser Sprüche die gerade gut genug!“ parat zu haben, um zumindest für „Notfälle“ gerü- } „Ich mag Ihre Witze!“, ist ebenfalls eine Ant- stet zu sein. Es macht auch selbstsichererer. Diese wort, die man sich leicht merken kann und die Taktik wenden übrigens auch Politiker an. fast immer passt. Allerdings muss man „echt“ wirken, also kurz zurückgrinsen und zurück Herbert Wehner war für seine Schlagfertigkeiten zur Sache. berühmt und berüchtigt, aber Franz Josef Strauß ebenso. Man sagt ihm nach, dass er sich vor je- dem öffentlichen Auftritt verschiedene Störungsva- Ein Kompliment kann auch gemein sein. Als Con- rianten ausgedacht habe. Wer ihn beispielsweise tra gegen unfaire Kommentare könnte sich auch auslachte, der bekam ein „Indem Sie dieses ernste ein „Ihre Argumente sind mehr als flüssig. Sie sind Thema lächerlich machen, qualifizieren Sie sich überflüssig!“ anbieten. Der individuellen Kreativität selbst!“ zu hören. sind keine Grenzen gesetzt!
  • 20. Soft Skills Basic I 0 P rä s e n t ationstechniken Präsentationen aller Art gehören heute zum Alltag vieler Mitarbeiter. Oft hängt die Zukunft eines neuen Projekts, einer Kampagne oder einer guten Idee von der überzeugenden Prä- sentation vor Kollegen, Kunden und Vorge- setzten ab. Entsprechend wichtig ist es, sich professionell vorzubereiten und den eigenen Auftritt souve- rän zu meistern. Dabei sind es nur einige wenige Dinge, die es zu beachten gilt: } Bereiten Sie sich gut vor! } Arbeiten Sie mit Medien! } Stellen Sie den Kontakt zum Publikum her!
  • 21. Soft Skills Basic I Präsentationstechniken 1 Was genau sollte bei einer Präsentationsvor- Damit das Menü auch gelingt, benötigen Sie als bereitung beachtet werden? Koch eine gute Rezeptvorlage, in der Schritt für Schritt alle Anweisungen und Empfehlungen be- Vergleichen Sie die Präsentation einfach mit der Vor- schrieben sind. Auch dies hat eine Entsprechung bereitung zu einem Abendessen für gute Freunde: im Bereich Präsentation: Arbeiten Sie immer mit Stichwortkarten, auf denen die einzelnen Ideen } Wer kommt? und „Gewürze“ (Witze/ Anekdoten/ anschauliche Beispiele) vermerkt sind. Aber Achtung: Zu viel des } Was erwarten die Gäste überhaupt Guten verursacht „Übersättigung“ und in manchen } Gibt es zur Begrüßung Sekt oder Selters? Fällen sogar Übelkeit! } Mit welchen Appetithäppchen (Einleitung) wecke ich Hunger auf mehr? Ist bei solch einem gelungenen Menü der Ein- } Was wird zum Hauptgang (Hauptteil) gereicht? satz von Medien notwendig? } Welches Dessert rundet das Menü ab (Schluss)? Der Mensch ist ein Augentier! Bei vielen Vorträgen wird leider wenig Rücksicht auf diese Tatsache ge- } Soll eine Speisekarte (Handout/ Skript) ausge- nommen. Es mag daran liegen, dass eine Folien- legt werden? vorbereitung zu viel Zeit in Anspruch nimmt, zu viel } Gibt es eine bunte Dekoration (Medieneinsatz)? Mühe macht oder daran, dass der Referent nicht sicher im Umgang mit dem Medium ist - klar ist nur: Ohne die Aktivierung der Augen bleibt viel weniger „hängen“ und die Spannung sinkt. Dabei stehen an fast allen Vortragsorten Tafel, Overhead-Projektor, Flipchart oder Pin-Wand zur Verfügung. Das am häufigsten genutzte Medium ist immer noch der Overhead-Projektor. Leider kann man hierbei die entzückendsten Unachtsamkeiten beobachten.
  • 22. Soft Skills Basic I Präsentationstechniken Die Folien sind meist ... Nur wer sein Publikum wahrnimmt, wird selbst wahrgenommen } ... zu voll! Präsentationen sind keine Monologe, keine Ein- } ... zu unübersichtlich! bahnstraßen. Vielmehr sind es ernst zu nehmende } ... ohne klare Titel! „Plaudereien“, die der Wissensvermittlung, Motiva- tion und Überzeugung dienen. Je amüsanter und } ... zu bunt oder ohne jeglichen Farbtupfer! anschaulicher Sie Ihren Vortrag aufbauen, desto } ... zu klein geschrieben! mehr überzeugen Sie als Redner die Menschen, die } ... ohne Bezug zum Inhalt! vor Ihnen sitzen. Hierbei dürfen Sie den folgenden Grundsatz nie au- ßer Acht lassen: In erster Linie wirken Sie mit Ihrer Wer gute Folien souverän einsetzt (und er tut allen Person! Anwesenden einen Gefallen damit) kann sein Pu- blikum Schritt für Schritt durch den Vortrag führen. Sobald Sie die „Bühne“ betreten, entscheiden die Das Publikum wird ihm für diese Orientierungshilfe Anwesenden bereits unbewusst zwischen „sym- und Gedächtnisstütze danken! pathisch“ und „unsympathisch“. Sie können das Publikum nur für Ihr Thema begeistern, wenn Sie Traurige Tatsache ist, dass dies nicht jeden Red- selbst begeistert sind. ner kümmert. Froh, sich dem Ende des eigenen Vortrags unaufhaltsam zu nähern, wird mancher immer schneller in seinem Reden und wirft keinen Sprechen Sie den Verstand und die Gefühle an Blick mehr auf das Publikum ... und erkennt nicht, dass die Aufmerksamkeit so gut wie nicht mehr vor- Versuchen Sie nie, die Zuhörer zu überreden. Son- handen ist. dern überzeugen Sie durch Ihr Wissen und Ihre per- sönliche Ausstrahlung. Denken Sie immer daran: „Beredsamkeit ist die Kunst, die Dinge so auszudrücken, dass die, zu denen wir sprechen, mit Vergnügen zuhören.“ (Blaise Pascal)
  • 23. Soft Skills Basic I Präsentationstechniken 3 11 Tipps für die erfolgreiche Präsentation mit einer Flip-Chart Wenn Sie sich für die Nutzung des Flip-Charts entschieden haben, achten Sie auf die folgenden 11 Tipps: } 1. Versehen Sie jedes Chart } 7. Beachten Sie die Schriftgröße – Kleinbuch- mit einer Überschrift. staben mind. ein Karo, Großbuchstaben mind. zwei Karos. } . Überfrachten Sie das Chart nicht mit zu vielen Details } 8. Nutzen Sie bis zu 3 Farben pro Chart (höchstens sieben Zeilen pro Chart). - dadurch heben Sie Wichtiges hervor. } 3. Lassen Sie genügend Rand für eine } 9. Arbeiten Sie mit Bildern und Symbolen bessere Übersichtlichkeit. - diese prägen sich viel besser ein } 4. Nutzen Sie eine klare Gliederung } 10. Vermeiden Sie zu häufiges Blättern. mit Spiegelstrichen. } 11. Überprüfen Sie die Stifte, } 5. Notieren Sie Satzfragmente bevor Sie in Aktion treten. oder Schlüsselbegriffe. } 6. Verwenden Sie Druckschrift und arbeiten Sie mit Groß- und Kleinbuchstaben.
  • 24. Soft Skills Basic I Präsentationstechniken 4 Tipps zur Präsentation mit einer Pinnwannd } 1. Sie können mit Hilfe der Pinnwand mit Ihrem } 4. Sie können in einer Diskussion entwickelte Lö- Publikum in einen direkten Dialog treten. sungen direkt zu den gesammelten Fragen heften Notieren Sie Fragen, die aus dem Publikum kom- und so den Stand des Arbeitsprozesses dokumen- men, auf jeweils einer Karte und heften Sie diese tieren. an. Wenn sich nun im Laufe Ihres Vortrags diese Heben Sie Fragen und Lösungen voneinander ab, Frage beantwortet hat, können Sie die Karte zur indem sie durchgehend zwei verschiedene Farben Seite hängen. oder Formen verwenden. } . Sie können auf Karten niedergeschrieben Ideen } 5. Die Pinnwand gehört zu den sogenannten beliebig anordnen. Dauermedien, die es dem Vortragenden/ Mode- Ihre so gewonnene Struktur können Sie immer wie- rator ermöglichen, den roten Faden unterstützend der verändern, ohne dass Sie die Ideen erneut auf- zum gesprochenen Wort allmählich vor den Augen schreiben müssen. des Publikums zu entwickeln. Besonders gut eignet sich die Pinnwand im Vor- } 3. Sie können in Gruppendiskussionen Redebei- trag bei einer Gruppengröße bis zu 0 Teilnehmern. träge der Gruppenmitglieder festhalten und thema- Achten Sie darauf, dass diese im Halbkreis vor der tisch ordnen. Pinnwand sitzen. Bei größeren Gruppen ist nicht Hierzu notieren Sie jeden Beitrag als Stichwort auf gewährleistet, dass alle einen freien Blick auf die eine Karte und clustern die Karten dann zu Grup- ganze Wand haben. pen. Es entwickeln sich dadurch allmählich die Positionen innerhalb der Gruppe heraus. Wieder- holungen oder Aspekte, die nicht zielführend sind, werden schnell erkannt. Dadurch wird verhindert, dass die Diskussion versandet.
  • 25. Soft Skills Basic I 5 K ö r p e r s prache: Der Körper spricht mit Menschen haben viele Möglichkeiten sich anderen mitzuteilen. Die häufigste und inte- ressanteste Form der Kommunikation ist die Sprache. Doch wer gedacht hat, dass die Spra- che ein rein verbaler Akt ist, der täuscht sich ganz gewaltig... Sprache wirkt erst dann, wenn sie durch Bewe- gungen und Ausdrucksformen des Körpers ab- gerundet wird. Selbst wenn wir am Telefon mit jemanden sprechen, können wir uns anhand der Stimmvariation unseres Gesprächspartners seine Körperreaktionen vorstellen. Die Körpersprache ist ein wesentlicher - manchmal sogar entscheidender - Bestandteil unserer Kommunikation. Die Hälfte der Kommunikation ist nonverbal Um Körpersprache zu verstehen und sie sinnvoll einzusetzen, müssen wir sie im Ganzen betrachten und vor allem den sprachlichen Kontext sehen. Zur richtigen Deutung von Körpersprache gehört immer ein sprachlicher Zusammenhang: Es heißt ja auch Körper-Sprache! Diese muss richtig eingesetzt auch in Harmonie mit dem Gesagten stehen, sonst wird sie leicht entlarvt.
  • 26. Soft Skills Basic I Körpersprache: Der Körper spricht mit 6 Wie schnell erkennen wir an der Disharmonie von Fangen Sie damit an, dass Sie sich so klei- Körper und Sprache „falsche Freundlichkeit“? Oder den, dass es dem Event angemessen ist und wie verheerend kann ein Lächeln zum falschen Zeit- Sie sich in Ihrer Kleidung wohl fühlen. Fühlen Sie punkt wirken? Körpersprache ist aber auch etwas, sich nicht wohl, sind Sie „verkleidet“ und werden was uns angeboren ist und wir aus der Natur über- auch so wirken. nommen haben. Denken Sie nur einmal an einen Gorilla, der zwar nicht sprechen kann, Ihnen aber unmissverständlich seine Absicht, Sie anzugreifen, Die Begrüßung kann schon entscheiden durch heftiges Trommeln auf der Brust mit beiden Fäusten vermittelt! Der erste Eindruck ist entscheidend, deshalb fängt das positive Bild mit einer freundlichen und rich- tigen Begrüßung an. So ist im deutschen Raum Ein positives Bild vermitteln das Begrüßungsritual fast eine Konfrontation, wir stehen uns gegenüber mit festem Händedruck Jeder Gedanke, der in unserem Gehirn gefasst schauen wir dem Anderen in die Augen. Eine et- wird, ist ein Auftrag und der wird dann auch in Kör- was geöffnete Körperhaltung kombiniert mit einem persprache übersetzt. Nehmen Sie sich vor, heute freundlichen aber bestimmten Lächeln wird sofort in einer Verhandlung einmal besonders hart zu blei- zu einer freundlichen Atmosphäre führen, wenn ben, dann wird Ihre Körpersprache entsprechend die Stimme dies durch ehrliche Freundlichkeit starr und unbeweglich sein. Es ist aber in vielen Fäl- untermalt. len einfach vorteilhafter, ein positives Bild abzuge- ben. Dieses positive Bild können Sie nur durch eine An einigen Besonderheiten im Begrüßungsverhal- entsprechende Synchronisation von Gedanken, ten können Sie auch schon viel über die Person Sprache und Körperreaktionen geben. erfahren, mit der Sie reden wollen. Zieht jemand einen anderen zu sich heran, dann ist das immer ein Dominanzverhalten, zeigt aber auch, dass der Heranziehende seinen Standpunkt nicht so schnell aufgeben wird (andere müssen auf ihn zukommen).
  • 27. Soft Skills Basic I Körpersprache: Der Körper spricht mit 7 Versuchen Sie zu deuten, Um zu ergründen, welchen Einfluss die Kopfneigung aber achten Sie auf den Kontext auf Sympathie oder Antipathie hat, kamen Forscher auf die Idee, einen Kopf computergestützt vom Be- Es gibt eine Menge an körpersprachlichen Reakti- trachter aus nach links zu neigen und dieses neue onen und Gesten, die es richtig zu deuten gilt. Viele Bild weiteren Probanden zu zeigen. Das Ergebnis Reaktionen und Ausdrücke nehmen wir unterbe- hier war vollkommen anders als im ersten Fall. Die wusst zur Kenntnis und verändern unsere eigene Testpersonen hier empfanden die Astronomia als Körpersprache entsprechend. Achten Sie also auf nachdenklich, verträumt, freundlich, weich und ge- verbale und nonverbale Signale und versuchen fühlvoll. Sie diese in den richtigen Zusammenhang zu bringen. Dafür brauchen Sie nur etwas Gespür und Erstaunlich, dass alleine die Kopfneigung diese voll- Erfahrung. kommen anderen Empfindungen ausgelöst hatte – eine Änderung an Mimik, Gestik oder dem Bild- Es ist nicht schwer, Körpersprache zu deuten. Sie ausschnitt wurden nämlich nicht vorgenommen! können dann leicht die Richtung Ihrer verbalen Kommunikation verändern und sich besser auf Ih- ren Gesprächspartner einstellen. Vielleicht erkennen Der Andere „spiegelt“ Ihre Körpersprache Sie dann ganz schnell eine positive Veränderung in seiner Körpersprache? Ein Phänomen, das sehr häufig in Gesprächen oder Verhandlungen zu erkennen ist: Einer der Gesprächspartner beginnt die Kommunikation mit Kopfneigung entscheidet mit einer offenen und freundlichen Körpersprache und über Sympathie oder Antipathie sein Gegenüber macht unbewusst mit. Es entwi- ckelt sich eine entspannte Atmosphäre und das In einer Studie wurde Testpersonen das Gemälde Gespräch verläuft reibungslos. „Kopf der Astronomia“ von Botticelli gezeigt und danach gefragt, welchen Eindruck diese Frau auf dem Bild auf sie machen würde. Das Spektrum der Antworten reichte von stolz, distanziert, streng, hart bis unnahbar – alles in allem also ein eher negatives Ergebnis.
  • 28. Soft Skills Basic I Körpersprache: Der Körper spricht mit 8 Anders dagegen das Vorstellungsgespräch: Der Körpersprache im Detail Bewerber ist nervös und unsicher, seine Körper- sprache ist verschlossen. Die Beine übereinander Was bedeutet es, wenn... geschlagen, die Hände ineinander gefaltet und der Gesichtsausdruck angespannt. Direkt angespro- } ...jemand die Füße um die Stuhlbeine legt? chen verstärkt sich diese Haltung, das Gespräch Symbol für „Halt suchen“. verkrampft. Sehr häufig sind diese Reaktionen zu } ...sich jemand die Hände reibt? Zeichen für beobachten, wenn das Gespräch auf unangenehme Selbstgefälligkeit oder (Vor-) Freude. Themen - wie Gehaltsvorstellungen - gelenkt wird. Ein Tipp: Klären Sie alle möglichen unangenehmen } ...das Kinn streichelt? Fragen vorher. Spielen Sie diese Situation mit ei- Nachdenklichkeit, Intellektualität. ner/m Bekannten durch und achten Sie dabei auf } ...sitzend mit dem Oberkörper weit nach vorne eine sichere aber entspannte Körpersprache. Bitten kommt? Interesse, auf Einwurf wartend. Sie Ihren „Testpartner“ überraschende und unan- genehme Fragen zu stellen und auf Ihre Körper- } ...häufig wegsieht? Verlegenheit. sprachereaktionen zu achten. Denken Sie daran: } ...mit den Füßen im Stehen wippt? Je übertriebener und verstärkter diese Simulation Sich „größer machen“. ausfällt um so besser für das reale Gespräch. } ...die Oberlippe hochzieht? Ekel, Verachtung. Bewusstsein zahlt sich aus } ...die Unterlippe hochzieht? Zweifel, Enttäuschung. Machen Sie den Test: Beobachten Sie sich und an- dere im Gespräch! Versuchen Sie die Körperspra- che der anderen zu deuten, einfache Signale sind nicht so schwer zu erkennen. Mit etwas Routine verbessern Sie nicht nur Ihre Auffassungsgabe son- dern auch Ihre eigene Körpersprache. Sie werden sehen: Eine positive Körpersprache wird sich aus- zahlen, vor allem in unangenehmen oder schwie- rigen Situationen.
  • 29. Soft Skills Basic I 9 S m a l l t a l k: Die große Kunst des kleinen G e s p r ä chs Wem es gelingt, mit Vorgesetzten, Kollegen, Geschäftspartnern oder Unbekannten auf un- gezwungene Weise ins Gespräch zu kommen, hat viel gewonnen. Wer gekonnt „smalltalkt“ hat mehr Karrierechancen. Die „Kunst des Smalltalk“ lässt sich sogar lernen. Nicht jeder ist ein Naturtalent darin, mit den richtigen Worten den ersten Kontakt zu anderen herzustel- len. Während in manchen Epochen der Geschichte die „Kunst des kleinen Gesprächs“ geradezu zele- briert wurde, neigt man in einer schnelllebigen Zeit eher dazu, ohne Umschweife sofort zur Sache zu kommen. Im Geschäftsleben zählt Effektivität. Belangloses Plaudern galt als Zeitkiller. Mittlerweile hat man erkannt, dass ein unverfängliches Plaudern eine gemeinsame Ebene herstellen kann, die effektives Arbeiten beschleunigt. Im Alltag bringt dieses „ice breaking“ ebenfalls enorme Vorteile.
  • 30. Soft Skills Basic I Smalltalk: Die große Kunst des kleinen Gesprächs 30 Die „Smalltalk-Kompetenz“ Typische Smalltalk-Themen Es gibt Naturtalente des Smalltalks, aber vielen ist Es gibt einige Themen, die sich für Smalltalks be- diese Kommunikation ein Graus. Selbst im Alltag sonders eigenen. Eines davon ist so unverbindlich kostet es Überwindung, ohne ersichtlichen Grund wie kaum in anderes: Das Wetter! Bereits in der mit Anderen zu kommunizieren. Dies kann ver- Steinzeit galt es vermutlich als Gesprächsthema schiedene Ursachen haben. Soziale und emotio- Nummer 1. Für den ARD Fernsehmoderator Ul- nale Kompetenzen zeichnen Smalltalker aus. rich Wickert sind die kleinen „Trost- und Spottge- schichten“, mit denen er allabendlich die Tagesthe- men mit den Worten „Das Wetter...“ beschließt Soziale und emotionale Kompetenz längst zum Markenzeichen geworden. Grundlagen für emotionale Kompetenz ist eine gesunde Portion Selbstbewusstsein. Wer humor- Unverbindlicher Gesprächseinstieg voll und aktiv ist, über ein breites Allgemeinwissen verfügt und auch schwierige Situationen meistert, Über „verbreitet Niederschläge“ durch „heftige gilt als emotional kompetent. Soziale Kompetenz Turbulenzen“, „frischer Kaltluft“ und „örtlichen Ge- zeichnet sich dadurch aus, dass man eine „Anten- wittern in einzelnen Hoch- und Tiefdruckgebieten“ ne“ für die Stimmung des anderen hat. Dazu muss gibt es natürlich auch „weitere Aussichten“ für un- man sich in ihn hineinversetzen können und seine verfängliche Gesprächsteinstiege. Mit der Bitte um Gefühlslage erahnen. Kontaktfreudigkeit und Kom- Feuer findet sich für Raucher schnell ein Grund für munikationsvermögen runden dieses Talent ab. ein Ansprechen. Es gibt aber auch „gesündere“ Hierfür sollte man offen sein und Interesse an ande- Themen. Zum Beispiel: „Wissen Sie, in welchem ren Sichtweisen zeigen. Wer darüber hinaus aktiv Raum der Vortrag zum Thema Projektmanagement zuhören kann, und die Sprache bewusst einsetzt, stattfindet?“, „Könnten Sie mir vielleicht sagen, wie rundet das Bild der sozialen Kompetenz ab. spät es ist?“ oder „Wissen Sie, ob der Zug Verspä- tung hatte?“
  • 31. Soft Skills Basic I Smalltalk: Die große Kunst des kleinen Gesprächs 31 Tabu-Themen Ein Tipp... Manche Themen sind für Smalltalks absolut Tabu. Vermeiden Sie neben diesen Tabuthemen alles, Dazu zählen in erster Linie: was persönliche Probleme anbelangt. Neben dem „Allroundthema Wetter“ gibt es immer noch viele } Geld und Gehalt: Wie viel verdienen Sie? Was unverbindliche Themen wie zum Beispiel die An- hat Ihr Anzug gekostet? Welchen Tagessatz fahrt („Wie war der Flug?“; „Gab es Glatteis auf der rechnen Sie ab? Was hat ihr Haus gekostet? Autobahn?“); Kunst und Kultur („Waren Sie auch Werden Sie finanziell unterstützt? schon in der Miro-Ausstellung?“; „Kennen sie das neue Werk von dem Künstler K?“) oder allgemein } Gesundheit und Krankheit: Sind Sie auch all- Geschäftliches („Arbeiten Sie auch mit Windows ergisch gegen Roggenpollen? Haben Sie Ihren NT?“ oder „Welche Neuigkeiten gibt es in Ihrer Fir- Blinddarm noch? Für derartige Fragen sollte ma?“) et cetera. man sich besser „an seinen Arzt oder Apothe- ker“ wenden. } Religion: Sind Sie (auch/aus steuerlichen Gründen) aus der Kirche ausgetreten? Gehen Sie in die Kirche? Gehören Sie einer Sekte an? Sind Sie Atheist? Was halten Sie vom Islam? } Politik: Wie finden Sie das Verhalten der israelischen Regierung gegenüber den Palä- stinensern? Welche Partei wählen Sie? Sind sie dort Mitglied? Was halten Sie vom Einsatz deutscher Truppen in Mazedonien?
  • 32. Soft Skills Basic I 3 K r i t i k f ä h igkeit: Feedback als Chance Einen Rüffel vom Chef, Schwierigkeiten mit den Kollegen oder Kommilitonen - das ist niemals angenehm. Dennoch lässt sich mehr Gutes daraus machen, als Sie ahnen! Fassen Sie sich an die eigene Nase Sehen Sie es positiv: Auf den Gebieten, in denen Sie selbst Fehler machen, kennen Sie sich am be- sten aus. Der beste Trainer zum Thema „Schreib- tisch aufräumen“ ist nicht ein Ordnungsfanatiker, sondern ein Chaot, der an sich gearbeitet hat. Die Falle: Was Sie an sich selbst nicht mögen (bei- spielsweise Unpünktlichkeit), kritisieren Sie gern auch an anderen. Das erschwert den Kontakt und die Zusammenarbeit. Besser: Als Spezialist für Unpünktlichkeit müssten Sie doch auch den einen oder anderen Trick da- gegen entwickelt haben. Den können Sie weiterge- ben. Trumpfen Sie mit der eigenen Kritik nicht auf, sondern solidarisieren Sie sich: „Das Problem ken- ne ich, das ist mir auch schon passiert. Dann bin ich auf folgende Lösung gekommen ...“
  • 33. Soft Skills Basic I Kritikfähigkeit: Feedback als Chance 33 Wenn Sie selbst kritisiert werden: Nehmen Sie das Wenn Sie selbst kritisiert werden: Stellen Sie sich Sprichwort wörtlich, und fassen Sie sich tatsächlich vor, Sie hätten einen Mantel mit einem hässlichen an Ihre eigene Nase, während Sie getadelt werden. Fleck an, und Ihre Kritiker sprächen nur von Ihrem Es ist eine uralte Demutsgeste, die der andere un- Mantel. Ziehen Sie in Gedanken den schmutzigen bewusst versteht. Außerdem erinnern Sie sich da- Mantel aus, und versprechen Sie, ihn reinigen zu durch selbst daran, nicht gleich Kontra zu geben, lassen. So vermeiden Sie, dass die Kritik der ande- sondern kurz „in sich zu gehen“. ren Ihre Persönlichkeit verletzt. Übersehen Sie das Gute nicht Selber machen oder Platz machen für den, der es besser kann? Kritik ist kein Wert an sich, sondern sollte dazu die- nen, die Spreu vom Weizen zu trennen. Trennen Grundregel, wenn Sie jemanden kritisieren: Geben Sie „Werk und Person“ (kommt aus der Theolo- Sie ihm (oder ihr) die Chance, den Fehler selbst gie). Jemand, der sich nicht ausreichend wäscht, wieder gut zu machen. Dazu braucht er (sie) Ihre ist deswegen kein schlechter Mensch. Außerdem Geduld, Ihr Vertrauen und Ihre Unterstützung. Tref- hat jede schlechte Eigenschaft eine gute Kehrsei- fen Sie über alle drei Punkte klare Absprachen. Erst te. Vielleicht ist der, der immer zu spät kommt, ein wenn der Betroffene es auch dann nicht schafft, sehr engagierter und hilfsbereiter Mensch, der nur sollte er Platz machen für jemanden, der es kann. schlecht nein sagen kann? Wenn Sie selbst kritisiert werden: Vermeiden Sie Wenn Sie andere kritisieren: Fragen Sie sich: Was einen Problemstau. Bitten Sie um Hilfe, wenn Sie lohnt sich zu behalten? Beenden Sie jede Kritik mit sich überfordert fühlen. Schauen Sie dem Helfer einem kleinen Lob. dann beim Helfen zu, um Ihre Lernbereitschaft zu demonstrieren.
  • 34. Soft Skills Basic I Kritikfähigkeit: Feedback als Chance 34 Machen Sie‘s mit Humor Die Zwei-Minuten-Regel Kritik muss weder todernst noch verletzend sein. Kritik ist eine punktuelle Sache, keine Dauereinrich- Kritik, die mit einem ehrlichen Lächeln, einem hei- tung. Optimal ist die Zwei-Minuten-Kritik: So lange teren Ton und einem Schuss Selbstironie gewürzt kann man gut sachlich bleiben und inhaltlich alles ist, wird besser aufgenommen. klar auf den Tisch bringen. Danach sollte Schluss sein. Wer länger kritisiert, wird meistens unsachlich Wenn Sie jemanden kritisieren: Bringen Sie Ihr und färbt sein Urteil zu stark emotional ein. Gegenüber wenigstens einmal zum Lachen. Das klappt nur, wenn der Witz nicht auf Kosten des Kri- Wenn Sie jemanden kritisieren: Stellen Sie sich tisierten geht, sondern wenn Sie eine kleine eigene innerlich die Uhr. Spätestens nach zwei Minuten Schwäche karikieren. sollte der andere zu Wort kommen. Legen Sie die Messlatte nicht zu hoch. Akzeptieren Sie, dass Irren Wenn Sie selbst kritisiert werden, gilt eigentlich das eine Eigenschaft des Menschen ist und kein Ver- Gleiche: Bringen Sie Ihren Kritiker zum Lachen, in- brechen. dem Sie einen Witz auf eigene Kosten machen. Sie müssen sich dabei nicht demütigen, aber der ande- Wenn Sie selbst kritisiert werden: Verteidigen Sie re sollte erkennen, dass Sie eine gesunde Distanz sich mindestens zwei Minuten lang nicht, sondern zu sich selbst haben und lernfähig sind. erlauben Sie Ihrem Kritiker, Dampf abzulassen. Holen Sie nach den zwei Minuten nicht zum Ge- genschlag aus, sondern überzeugen Sie durch Ihre Standfestigkeit.
  • 35. Soft Skills Basic I 35 T e i l B : Selbstorganisation So werden Sie zum Organisationstalent ! Arbeitsorganisation ist Selbstorganisation. Wer in der Lage ist, sich und seinen Berufsall- tag optimal zu organisieren, wird seinen Job entspannter machen und erfolgreicher und zufriedener sein. Das können auch Sie errei- chen, denn eine gute Organisation ist keine angeborene Fähigkeit entsprechender Ta- lente, also etwas, dass man hat oder nicht. Vielmehr ist eine gute Selbstorganisation die Summe verschiedener Techniken, die man er- lernen kann, wie das Autofahren. Ein Prinzip muss man allerdings beherzigen, um ein Or- ganisationstalent zu werden: Erlernte Tech- niken konsequent anwenden! Organisation ist Ordnung Für viele Menschen bedeutet Ordnung halten, Din- gen einen festen Platz zuzuweisen, um sie bei Bedarf schnell wiederzufinden. Im Arbeitsalltag wird Ord- nung oft reduziert auf Rechnungen, Bestellungen oder andere Dokumente in Ordner zu verbannen und ein virtuoses Ablage- und Terminsystem zu führen. Ordnung halten, heißt Papier verwalten.
  • 36. Soft Skills Basic I So werden Sie zum Organisationstalent! 36 Doch Ordnung im Arbeitsalltag ist mehr als heften, Wichtig oder dringend? lochen, nummerieren, denn nicht nur Papier lässt sich verwalten, auch Aufgaben und Tätigkeiten Für den deutschen Zeit- und Selbstmanagement- können strukturiert, organisiert und gruppiert wer- Experten Lothar J. Seiwert reichen zwei Kriterien den. Die Vielzahl an parallelen Abläufen, ineinander aus, um sinnvoll Prioritäten zu setzen: wichtig und greifenden Aktivitäten und voneinander abhängigen dringend. Allein anhand dieser Merkmale entschei- Vorgängen macht Ordnung unverzichtbar. Wer den den Sie, ob etwas vorrangig behandelt wird, ob es Überblick verliert, arbeitet unter verschärften Bedin- warten kann oder verworfen wird. Mittels „wichtig“ gungen - die Aufgaben wachsen über den Kopf. und „dringend“ erkennen Sie, ob die aktuelle Tätig- keit fortgesetzt werden muss, oder durch eine neue, unerwartete Aufgabe unterbrochen werden darf. Prioritäten setzen! Wichtige Aufgaben wirken unmittelbar auf das Er- reichen von Zielen. Wichtige Aufgaben umgehend Um Ihren Aufgabenberg zu ordnen, müssen Sie be- zu erledigen, bedeutet den Erfolg sichern. Das stimmen, was wann erledigt wird. Andernfalls droht entscheidende Merkmal von wichtigen Aufgaben Gefahr, Tag für Tag nur Stückwerk zu verrichten. ist, dass sie Initiative erfordern, wir also agieren Ständig kommen andere Dinge dazwischen, von müssen. denen man sich ablenken lässt und die einen da- Dringend sind Aufgaben dann, wenn ein Termin ran hindern, die entscheidenden Angelegenheiten dahinter steht, der eingehalten werden muss. In zu erledigen. Bestimmen Sie deshalb, welche Auf- diesem Fall müssen wir zwar oft selbst handeln, gaben welche Bedeutung für Ihren Erfolg haben. aber wir reagieren - auf den näher rückenden Ter- Setzen Sie Prioritäten. Mit Prioritäten entscheiden min. Dringende Aufgaben können Stress auslösen, Sie, was Vorrang hat, was warten kann und was da sie mit Zeitdruck einhergehen. Der Beitrag zum gar nicht erledigt werden muss, weil es ohne Be- Erfolg ist oft gering. Dringende Aufgaben sind eher lang ist. ein lästiges Übel, wie zum Beispiel Steuererklä- rung ausfüllen, Überweisungen erledigen oder Fra- gebögen beantworten. Aber was tun, wenn zwei Aufgaben erledigt werden müssen, und die eine dringend, die andere hinge- gen wichtig ist? Welcher gibt man den Vorzug?
  • 37. Soft Skills Basic I So werden Sie zum Organisationstalent! 37 Wichtig vor dringend! Gut ist besser als perfekt: das GSP-Prinzip Lothar J. Seiwert hat vier Prioritätsstufen entwickelt, Perfekt zu sein, ist für viele ein hohes Ziel. Aber ist die auf den genannten Kriterien beruhen. Perfektionismus wirklich erstrebenswert? Ist ein perfektes Ergebnis überhaupt erreichbar? Perfekt } Priorität A: Aufgaben, die wichtig und drin- im Sinne der Qualität meint, dass etwas vollkom- gend sind. men ist, also Ergänzungen und Verbesserungen eines Resultats, einer Lösung oder einer Fähigkeit } Priorität B: Wichtige Aufgaben gar nicht möglich sind. Das Perfekte als Modell } Priorität C: Dringende Aufgaben eines Idealzustandes mag berechtigt sein, in der täglichen Berufspraxis ist es aber nicht sinnvoll, weil } Priorität P*: Aufgaben, die weder wichtig nicht erforderlich. Perfektionismus ist nicht effizient, noch dringend sind. er benötigt viel mehr Einsatz, als das „gute“ Ergeb- *Priorität P?: „P“ steht hier für „Papierkorb, weil nis, ohne den Nutzen im Verhältnis zum Aufwand Aufgaben, die unwichtig und nicht dringend sind, angemessen zu steigern. „Gut“ ist vernünftig, „per- meistens in die „Rundablage“ gehören... fekt“ einfach nur unnötig. Wichtig ist es, seine Arbeit auf „gute“ Ergebnisse Orientierung durch Prioritätenlisten auszurichten. „Gute“ Ergebnisse sind dadurch cha- rakterisiert, dass sie gesetzten Vorgaben entspre- Ordnen Sie Ihre Aufgaben in diese vier Gruppen chen. „Gut“ ist ökonomisch im Verhältnis von Auf- und bearbeiten Sie sie der Reihe nach. Stoppen wand zu Nutzen – sowohl hinsichtlich der Kosten, Sie Störungen. Eine Störung hat nur Vorrang, wenn als auch im Hinblick auf die eingesetzte Zeit und der ihre Priorität höher als die der bearbeiteten Aufgabe verwendeten Ressourcen. ist. Prüfen Sie, ob Sie Vorgänge aus der C-Gruppe delegieren können, so verschaffen Sie sich Zeit, um A- oder B-Aufgaben zu erledigen. Nehmen Sie die So wird Perfektes endlich gut Wichtigkeit und Dringlichkeit neuer Arbeitspakete unter die Lupe und weisen Sie ihnen die angemes- Treten Sie nicht in eine der vielen Perfektionismus- sene Priorität zu. fallen, die Ihnen Kraft und Zeit rauben. Machen Sie Ihre Sache gut. Seien Sie pünktlich, aber trommeln Sie nicht mit den Fingern auf die Tischplatte, wenn eine Besprechung nicht perfekt auf die Sekunde
  • 38. Soft Skills Basic I So werden Sie zum Organisationstalent! 38 genau beginnt. Vergessen Sie den Drang nach dem Eine schriftliche Zeitplanung hingegen entlastet klinisch reinen Arbeitsplatz. Ordnung ist wichtig - das Gedächtnis, spornt an und hat den psycho- aber nicht um der Ordnung willen. logischen Effekt der Selbstmotivation. Darüber hi- naus werden die Aktivitäten bei der Bewältigung des Tagesgeschäfts zielorientierter. Man lässt sich Weitere Perfektionismusfallen sind: weniger ablenken und arbeitet konzentrierter an den vorgenommenen Aufgaben. Und die Kontrolle } Pflichtbewusstsein: Erfinden Sie keine Pflichten, der Tagesergebnisse verhindert, dass unerledigte die es nicht wirklich gibt. Aufgaben verloren gehen. Der Tag ist die kleinste und überschaubarste Einheit einer systematischen } Überforderung: Die gestellten Anforderungen Zeitplanung. Wer seinen Tagesablauf schlecht übersteigen die eigenen Fähigkeiten bei wei- plant, wird auch Schwierigkeiten mit der Einhaltung tem. Die Flucht in den Perfektionismus soll das längerer Planungsperioden haben. Ein realistischer Ergebnis nur verzögern Tagesplan sollte grundsätzlich nur das enthalten, } Überprüfungszwang: Ergebnisse werden immer was an diesem Tag erledigen werden soll, muss wieder überprüft. Folge: Der Vorgang wird nicht und kann. abgeschlossen. } Ergebnisunsicherheit: Es ist unklar, welche Ei- Delegieren muss sein genschaften das Ergebnis haben muss, damit ein Vorgang abgeschlossen werden kann. Delegation ist ein Schlüssel zu erfolgreicher Ar- } Fehlerangst: Fehler werden als Makel angesehen. beitstechnik und erhöhtem Zeitgewinn. Wer nicht } Leistungszwang: Hoher Aufwand wird fälschli- delegieren kann, betreibt kein effektives Zeitma- cherweise mit hoher Leistung gleichgesetzt. nagement. Das Prinzip „Führen durch Delegieren“ gilt außerdem nicht nur für Führungskräfte. Alle Ar- beiten, die man nicht zwingend höchstpersönlich Besser organisieren ausführen muss, sollten abgegeben werden. Wer in mit schriftlicher Zeitplanung der Lage ist zu delegieren, der kann sich selbst ent- lasten und gewinnt mehr Zeit für wirklich wichtige Zeitpläne, die nur „im Kopf“ existieren, verlieren Aufgaben mit A-Priorität. an Übersichtlichkeit und werden schnell verwor- fen. Das Motto „Aus den Augen – aus dem Sinn!“ bewahrheitet sich gerade dann besonders häufig.
  • 39. Soft Skills Basic I So werden Sie zum Organisationstalent! 39 Reservieren: Zeit optimal nutzen Der Sägeblatt-Effekt Jeder ist in seiner Leistungsfähigkeit während eines Natürlich lässt sich ein Tag nicht immer perfekt pla- Arbeitstages bestimmten Schwankungen unter- nen, sondern unvorhersehbare Ereignisse müssen worfen, die sich in einem natürlichen Rhythmus integriert werden. Aber Achtung: Durch Störungen vollziehen. Die statistische durchschnittliche täg- oder Unterbrechungen der Arbeit kommt der „Sä- liche Leistungsbereitschaft und ihre Schwankungen geblatt-Effekt“ zum Zug. Nach diesen Ablenkungen zeigen, dass der Leistungshöhepunkt am Vormittag – so kurz sie auch immer sein mögen – ist eine zu- liegt. Dieses Niveau wird während des ganzen Ta- sätzliche Anlauf- und Einarbeitungszeit notwendig. ges nicht mehr erreicht. Natürlich gibt es eine Reihe Addiert man diese Leistungsverluste, dann ergibt individueller Unterschiede. Dennoch entsteht am sich ein Verlust von bis zu 5 Prozent. Daher ist Nachmittag meist das allgemein bekannte „Nach- es sinnvoll, besonders bei sehr wichtigen Aufgaben mittagstief“. Nach einem erneuten Zwischenhoch möglichst störungsfrei zu arbeiten. Hier bietet sich am frühen Abend fällt die Leistungskurve kontinu- an, täglich eine „Stille Stunde“ einzurichten, in der ierlich ab und erreicht dann einige Stunden nach man möglichst störungsfrei arbeiten kann. Mitternacht ihren Tiefpunkt. Allerdings gibt es viele individuelle Abweichungen Fazit von diesem Durchschnitt, den Sie berücksichtigen sollten. Es empfiehlt sich also, seinen persönlichen Zeitmanagement erfordert, insbesondere in der Tagesrhythmus herauszufinden, und sich, soweit Startphase, eine gewisse Selbstdisziplin. Selbst möglich, den eigenen Leistungsschwankungen an- ausgefeilte Methoden und Techniken können den zupassen. Reservieren Sie die leistungsstarken Pha- Eigenantrieb nicht ersetzten. Diesen Anteil muss sen für komplexe Tätigkeiten, während Sie in den jeder selbst einbringen. Ganz wichtig: Erledigen Zeiten mit flacher Kurve eher einfachere Aufgaben Sie Dinge immer sofort oder wenn Sie sie einge- erledigen sollten. Noch ein Tipp: Kurze Pausen (fünf plant haben. Aufschieberitis macht sich nicht be- bis zehn Minuten) sind keine Zeitverschwendung, zahlt! Hier gilt in gewissem Sinne auch das Motto sondern sinnvoll, da sie ein erholsames Auftan- von Erich Kästner: „Es gibt nichts Gutes, außer: ken ermöglichen. Auf diese Art gewinnt man mehr Man tut es!“ Leistungsfähigkeit.
  • 40. Soft Skills Basic I 40 Ti p p s f ür ein besser es Zeitmanagement Wir haben nie genug Zeit, um alles zu erledi- gen, was wir erledigen müssen. Wir werden von Arbeit überschwemmt, von persönlicher Verantwortung, von Zeitschriftenstapeln und Büchern, die wir lesen wollen – sobald wir dazu kommen! Eine gute Tagesplanung, ein gutes Zeitmanagement eröffnet Ihnen ganz andere Möglichkeiten! Tatsächlich gibt es nur eine einzige Chance, die Kontrolle über Ihre Zeit und Ihr Leben zu gewinnen: Ändern Sie die Art, wie Sie denken, arbeiten und mit dem niemals endenden Fluss von Verantwort- lichkeiten umgehen, der jeden Tag über Sie hin- wegströmt. Um Ihnen dabei zu helfen, finden Sie im Folgenden einige Tipps, wie Sie Ihr Zeitmanage- ment entscheidend verbessern können.
  • 41. Soft Skills Basic I Tipps für ein besseres Zeitmanagement 41 Schreiben Sie Ihr eigenes Drehbuch! Planen Sie Ihren Tag realistisch! Wie viele Ihrer Freunde oder Freundinnen haben ir- Stellen Sie alle Aufgaben zusammen, die Sie mor- gendwann einmal ein Tagebuch geführt? Vielleicht gen erledigen wollen. Schätzen Sie hierfür grob - haben Sie selbst einmal Tagebuch geführt? Auch aber realistisch - den Zeitbedarf der Aufgaben ab. wenn dies eine nette Angewohnheit ist – der ge- schilderte Tag ist vorbei, nichts kann ihn mehr zu- Dadurch kommen Sie schnell in den Genuss... rückholen. Man kann zwar aus der Vergangenheit lernen, sie aber nicht mehr ändern. Wie viel faszi- } ... alle Aufgaben erledigen zu können, die Sie nierender und abenteuerlicher müsste es wohl sein, sich vorgenommen haben (Erfolgsgefühl!!!) das Drehbuch eines zukünftigen Tages zu schrei- } ... erheblich konsequenter auf Störungen zu ben und diesen Tag damit fremden Einflüssen und reagieren („Hättest du mal 5 Minuten Zeit...“), dem Zufall zu entreißen? da Sie viel bewusster versuchen, die selbst Nehmen Sie sich am Vorabend 10 Minuten Zeit, um gesetzte Vorgabezeit einzuhalten. den nächsten Tag schriftlich vorzubereiten! Denken Sie auf Papier! Durch jede Minute, die Sie für die Planung aufwenden, können Sie fünf bis zehn Mi- nuten bei der Ausführung sparen! Und eins ist si- Planen Sie Pufferzeiten ein! cher - der nächste Tag vergeht auf jeden Fall; ob Sie sich mit ihm bewusst auseinander setzen oder Denn: Erstens kommt es anders und zweitens als ihn einfach an sich vorbeiziehen lassen. man denkt! Derjenige, der glaubt, Zeitplanung hie- ße, seinen Tag minutiös zu verplanen, büßt nur sei- ne Flexibilität ein. Verplanen Sie deshalb maximal 60% Ihrer Arbeitszeit und reservieren Sie 0% für unerwartete Aktivitäten. Die restlichen 0% sollten Sie für plötzlich auftretende Probleme reservieren.
  • 42. Soft Skills Basic I Tipps für ein besseres Zeitmanagement 4 Setzen Sie eindeutige Prioritäten! Planen Sie eine „Stille Stunde“ ein! Es ist besser die richtige Arbeit zu tun (=Effektivität), Wenn Sie nur für einen kurzen Augenblick von Ih- als eine Arbeit richtig zu tun (=Effizienz). rer momentanen Aufgabe abgelenkt werden, ist ein zusätzlicher Energie- und Zeitaufwand nötig, bis Sie Kennen Sie das Pareto-Prinzip? 0% unserer Auf- an der gleichen Stelle weiterarbeiten können. Ad- gaben bringen 80% des Erfolges. 80% unserer Auf- diert man diese Leistungsverluste, so kann bis zu gaben bringen nur noch 0% des Erfolges. Kon- 8% Ihrer Zeit verloren gehen. Im Laufe der Jahre zentrieren Sie sich immer nur auf die obersten 0%. lernt man, ganz gut mit solchen Unterbrechungen Dies heißt für Sie, dass Sie darüber entscheiden zu leben. Daher sind wir auch in relativ ruhigen müssen, welche Aufgaben erstrangig und welche Zeiten auf eventuelle Störungen vorbereitet und zweitrangig sind. Versehen Sie darum jede Aufgabe sind selten ganz bei der Sache. (auch ein Telefongespräch) mit einer Priorität! Wenn Sie ehrlich zu sich selbst sind, brauchen Sie nicht rund um die Uhr erreichbar sein. Beispiel für Kategorien: Planen Sie für sich selbst eine Stille Stunde ein! Dies soll eine Stunde während der offiziellen Arbeitszeit } A = Diese Aufgabe muss ich heute unbedingt sein, in der Sie nicht gestört werden und auch wis- erledigen. Sie ist für meinen persönlichen und sen, dass Sie von Niemandem gestört werden! beruflichen Erfolg äußerst wichtig. Tragen Sie Ihre Stille Stunde wie ein wichtiges Mee- ting in den Tagesplan Ihres Kalenders ein! Wählen } B = Ich sollte nach Möglichkeit diese Aufgabe Sie dafür eine von Natur aus störarme Stunde. heute erledigen. Schirmen Sie sich für diese Stunde völlig ab. Bit- } C = Ich kann diese Aufgabe noch erledigen, ten Sie einen Kollegen oder Ihre Sekretärin ankom- falls es meine Zeit erlaubt. mende Gespräche für Sie entgegenzunehmen und alle wichtigen Informationen zu notieren. Schließen Denken Sie daran: Viele wichtige Aufgaben sind Sie für diese Zeit Ihr Büro zu oder hängen Sie ein zunächst nicht dringend. Die meisten dringenden eindeutiges Schild vor die Tür. Aufgaben sind oft nicht wichtig. Die Wichtigkeit er- Konzentrieren Sie sich während Ihrer Stillen Stunde gibt sich aus der Bedeutung der Aufgabe für Ihren ausschließlich auf wenige und wirklich wichtige A- beruflichen Erfolg und aus der Bedeutung für die Aufgaben. Unternehmensziele.
  • 43. Soft Skills Basic I Tipps für ein besseres Zeitmanagement 43 Bereiten Sie sich mental auf den Tag vor! Geben Sie jedem Tag einen Höhepunkt (privat oder beruflich)! Das Geheimnis wirklich erfolgreicher Sportler ist nicht nur die physische Fitness, sondern den Wett- Antworten Sie jetzt auf folgende Fragen kampf auch mental im Griff zu haben. Programmie- ganz spontan: ren Sie sich ebenso gezielt auf Erfolg! Folgende Fra- gen werden Ihnen dabei hilfreich sein: } An welche Tage des letzten Monats können Sie sich noch gut erinnern? } Was kann ich tun, um morgen möglichst viel } An welche Tage im vergangenen Jahr? Spaß und Freude zu haben? } An welche Tage in den letzten fünf Jahren? } Wie kann mich dieser Tag meinen Zielen näher bringen? Erfahrungsgemäß sind dies MERKwürdige Tage; } Mit wem werde ich morgen zusammenkom- Tage an denen etwas AUSSERgewöhnliches pas- men? siert ist - in negativer als auch in positiver Hinsicht. MERKwürdigerweise können die meisten Menschen } Wie stehe ich zu ihm/zu ihr? auf diese Fragen keine zehn bestimmten Tage an- } Wem könnte ich morgen eine Freude berei- führen. Wundern Sie sich also nicht, falls es Ihnen ten? Auch mir selbst? Wie? ähnlich ergeht! Das ist völlig normal - aber vielleicht } Welche Probleme oder Schwierigkeiten möchten Sie ja aufhören, normal zu sein? Denn be- könnten auf mich zukommen? Und wie könnte ginnen Sie von heute an damit, jedem Tag in Ihrem ich diese lösen? Leben einen besonderen Wert zu geben! Beginnen Sie Ihren Tag in guter Stimmung! Wecker nicht gehört - verschlafen - beim Rasieren geschnitten - „Schwarzes Frühstück“ (Kaffee + Zi- garette) - Rotphase bei allen Ampeln - Stau - halbe Stunde zu spät im Büro ... - eine Garantie für einen tollen Start in den Tag, oder?
  • 44. Soft Skills Basic I Tipps für ein besseres Zeitmanagement 44 Probieren Sie es doch lieber mal anders: Freuen Sie Werden Sie ein Leertischler sich auf den Tag, der vor Ihnen liegt. Nehmen Sie sich am Morgen wirklich Zeit zum Aufwachen, zur Hierbei gilt das Sprichwort „Aus den Augen - aus Morgentoilette und zum Frühstück. Nehmen Sie sich dem Sinn!” Wenn Ihr Schreibtisch mit Unterlagen ausreichend Zeit für die Fahrt ins Büro. Vom richtigen überfüllt ist oder Ihr Posteingangsfach überquillt, Start in den Tag hängen das weitere Gelingen und können Sie sich nicht mehr auf das Wesentliche Ihre gute Laune ab! Denn: Hektik, die schon zu Hau- vorbereiten. Also, werden Sie ein Leertischler! se beginnt, setzt sich häufig am Arbeitsplatz fort. Machen Sie mal Pause! Erledigen Sie ähnliche Aufgaben in Serienproduktion! Legen Sie kurze, aber regelmäßige Pausen ein. Medizinische Untersuchungen haben gezeigt, dass Fassen Sie gleichartige Aufgaben zu Arbeitsblöcken der beste Erholungswert nach etwa einer Stunde zusammen. Dies hat den Vorteil, dass Sie Ihre Arbeits- Arbeitszeit erzielt wird. Die Pause sollte nur bis zu gänge nur einmal vorbereiten müssen und Tätigkeiten 10 Minuten dauern - der optimale Erholungseffekt gleicher Art schnell erledigen können: 10 x 5 Minuten tritt nämlich in den ersten 10 Minuten ein. Entspan- Briefe schreiben, Telefonate erledigen et cetera. Ihre nen Sie sich indem Sie sich kurz bewegen (mög- Arbeitsblöcke sollten hierbei nicht zu lange sein (ma- lichst unter Sauerstoffzufuhr). ximal 30 bis 60 Minuten), da sonst beispielsweise Ihr Telefon ständig besetzt wäre und dies bei Anderen Ungeduld erzeugen könnte. Bevor Sie nach Hause gehen... Schließen Sie angefangene Aufgaben sinnvoll ab! Es kostet Sie viel Zeit, wenn Sie sich in einen Vor- Stellen Sie sich vor, Sie kommen am nächsten Mor- gang eingearbeitet haben, sich zwischendurch mit gen an Ihren Arbeitsplatz: Da steht noch die halb- anderen Dingen beschäftigen und sich dann erneut volle Kaffeetasse von gestern, der Aschenbecher in die beiseite gelegte Aufgabe einarbeiten müssen. quillt über, Ihr Schreibtisch ist übersät von Unterla- Versuchen Sie deshalb, angefangene Dinge immer zu gen - ein toller Start in den Tag, oder? Versuchen Ende zu bringen oder wenigstens an einer sinnvollen Sie doch einfach einmal Ordnung in das kreative Stelle zu unterbrechen. Falls Ihnen plötzlich ein Einfall Chaos zu bringen. Den nächsten Tag können Sie kommt, notieren Sie diesen kurz in Ihrem Kalender. dann mit guter Laune beginnen! Sie ersparen sich dadurch unnötige Anlaufzeiten bis Ihre Gedanken wieder bei der Sache sind.
  • 45. Soft Skills Basic I 45 L i f e / Wo rk-Planning – die kreative Methode d e r K a r r i e r e planung Der Knackpunkt des LWP-Ansatzes besteht darin, dass es einen verborgenen Arbeitsmarkt gibt, der ca. 75% der offenen Stellen beher- bergt. Diese Stellen werden von den Arbeitge- bern nicht öffentlich über Zeitungen, Internet, Arbeitsamt etc. ausgeschrieben, sondern über andere Strategien besetzt. Auf die restlichen 5% der offenen Stellen, die tat- sächlich öffentlich kommuniziert werden, bewer- ben sich aber 90% der Stellensuchenden! Um in dieser Masse aufzufallen, bedarf es wirklich einer besonderen Bewerbungsunterlage, weshalb sich viele Karriereberater gerade darauf spezialisiert ha- ben. Die wesentliche Frage, wie ein Bewerber eine passende Arbeit findet, ist damit jedoch noch lange nicht beantwortet!
  • 46. Soft Skills Basic I Life / Work-Planning – die kreative Methode der Karriereplanung 46 Im Rahmen von Projekten der evangelischen Kir- Nach dem LWP-Ansatz, den Bolles in seinem Buch chen entwickelte der amerikanische Pastor Richard beschreibt, sind jene Personen im Vorteil, die ge- Nelson Bolles dieses Verfahren zu Beginn der nau wissen, was sie können und darüber sprechen. 1970er Jahre. Sein Buch „What color is your pa- Denn dies ist die Grundlage dafür, den Arbeitsmarkt rachute?“ (deutsch: „Durchstarten zum Traumjob“, systematisch zu analysieren! übersetzt von Madeleine Leitner) wurde mittlerweile in zehn Sprachen übersetzt und gilt mit über sieben In den Hintergrund tritt die Gestaltung des An- Millionen verkauften Exemplaren weltweit als das schreibens, des Lebenslaufs und der gesamten meistverkaufte Buch zum Thema Jobsuche. Heut- Bewerbungsmappe. Erst wenn sich der Bewerber zutage wird LWP an Hochschulen wie den Universi- Klarheit verschafft hat über seine Fähigkeiten und täten Münster und Bremen als studienbegleitendes wo er sie einbringen möchte, ist es an der Zeit, sich Programm angeboten. auf den letzten Schritt in der Kette der beruflichen Entscheidungen zu konzentrieren: Die Bewer- bungsunterlagen. Warum Life/Work und nicht Work/Life? Diese Frage ist berechtigt, denn schließlich geht es Was sind die Kernfragen in diesem Verfahren doch um den Beruf und nicht im Life/Work-Planning? um das Leben als solches! Dennoch ist der Titel dieses Planungsverfahrens mit Bedacht gewählt: Im Vordergrund steht die Beantwortung von drei „Life“ steht vor „Work“, was verdeutlicht, dass wir Fragen: Sie lauten Was, Wo und Wie. zunächst unser Leben betrachten und uns Gedan- ken machen, wie wir es führen wollen und welche Bei der Frage Was analysieren Sie als Stellensuchen- Bereiche für uns wichtig sind. der mit Hilfe von ausführlichen biografischen Bögen Ihr eigenes Können. Folgende Fragen sind hilfreich: Unsere Arbeit ist in den Gesamtkontext „Leben“ „Welche Art von Fähigkeiten setze ich am liebsten eingebettet und nimmt darin einen relativ großen ein?“ oder „welche Art von Leistungen möchte ich Bereich ein. Deshalb sollten „Life“ und „Work“ nicht dem Arbeitsmarkt anbieten?“ Den entsprechenden getrennt voneinander betrachtet, sondern aufeinan- Antworten geht eine Bestandsaufnahme eigener der abgestimmt werden. Fähigkeiten und Talente voraus, die Sie nach per- sönlichen Vorlieben gewichten.
  • 47. Soft Skills Basic I Life / Work-Planning – die kreative Methode der Karriereplanung 47 Nach der Beschäftigung mit den eigenen Fähig- Merkwürdige Reihenfolge? keiten sind Sie in der Lage, den Nutzen, den Sie schaffen, zu benennen und ihn im Rahmen des Or- Vielleicht fragen Sie sich nun, weshalb das Was an ganisationskontextes einzuordnen. erster Stelle steht und sind in Versuchung, es zu überspringen, um sich gleich dem Wie zu widmen. Die Kernfrage Wo zielt auf die bevorzugte Umge- Sie kümmern sich lieber gleich darum, wie man eine bung für die Arbeit ab. In welcher Branche möchten Bewerbung schreibt, wie man freie Stellen findet und Sie tätig sein? Für welche Art von Kunden wollen wie man Vorstellungsgespräche erfolgreich führt. Sie tätig sein? Wie sollten die zukünftigen Kollegen sein? In welcher Firmenphilosophie wollen Sie zu- Treten Sie auf die Bremse und verdeutlichen Sie künftig arbeiten? So erarbeiten Sie ein konkretes sich folgendes: Vergleicht man Ihr Vorgehen mit Profil für die Zielfirma, mit dessen Hilfe Sie den Ar- dem Bau eines Hauses, so beschäftigen Sie sich beitsmarkt dann untersuchen. in Bezug auf das Wie bereits mit dem Bau des Daches. Das kann aber nur funktionieren, wenn Das Wie des dritten Kernbereichs beschäftigt sich das Fundament bereits steht. Übertragen auf Ihre mit der Frage, wie Sie Jobs finden, bei denen Sie Aufgabe, den passenden Job zu finden, besteht die Ihre Lieblingsfähigkeiten einsetzen können. Hier be- Grundlagenarbeit darin, sich Klarheit über die eige- steht die wesentliche Aufgabe darin, sich mit den nen Fähigkeiten und Interessen - das„Was“ und Menschen zu unterhalten, die den betreffenden Be- „Wo“ - zu verschaffen. ruf bereits ausüben. Sie fragen nach, wie diese Per- sonen ihren Job gefunden haben und was ihnen an der Arbeit gefällt bzw. nicht gefällt! Erst dann, wenn Wessen Job hätten Sie gern? Sie genügend Gespräche geführt haben und sicher sind, dass Sie in diesem Arbeitsgebiet tätig werden Wir stellen Ihnen eine Übung vor, die sich „Spie- wollen, ist es an der Zeit, sich um eine Mitarbeit zu gelmethode“ nennt. Damit kommen Sie Ihrem Be- bewerben. rufsziel ein Stück näher. Überlegen Sie sich einmal, wessen Job Sie gerne hätten! Bitte denken Sie sich auch eine zweite und eine dritte Wahl aus und schreiben Sie die Berufe auf einzelne Blätter.
  • 48. Soft Skills Basic I Life / Work-Planning – die kreative Methode der Karriereplanung 48 Nun beginnt die Arbeit des Filetierens: Zerlegen Sie Entsprechend der Klärung dieser Fragen ist es für die ausgewählten Berufe in die einzelnen Bestand- Sie erstrebenswert, in einer Organisation zu arbei- teile und beantworten Sie sich folgende Frage: Was ten, deren Ziele sich mit Ihren persönlichen Interes- genau finden Sie daran besonders anziehend? Li- sen decken! sten Sie alle Punkte auf, die Ihnen dazu einfallen. Vergleichen Sie am Ende die drei Blätter miteinan- der und entscheiden Sie nun, welcher Beruf für Sie Planen Sie Ihre Suchkampagne! der interessanteste ist. Überlegen Sie als nächstes, wie Sie jetzt an jemanden herankommen könnten, Wenn Fähigkeiten und Interessen geklärt sind, rückt der genau diesen Beruf ausübt! die individuelle Suchkampagne in den Vordergrund. Wichtig dabei ist, dass Sie das Suchverfahren des LWP nur dann systematisch anwenden können, Was würden Sie als nächstes tun, wenn ...? wenn Sie vorher herausgefunden haben, was Ihre Suchinhalte sind. Im Life/Work-Planning werden Fähigkeiten und In- teressen voneinander getrennt. Was der Stellensu- Im Mittelpunkt steht eine Reihe von Gesprächen mit chende kann und weiß, wird in den Fähigkeiten zum Stelleninhabern bzw. Berufstätigen in bestimmten Ausdruck gebracht. Dagegen stehen die Interessen Arbeitsgebieten. Als Suchender planen und verein- immer für ein Gefühl für die Inhalte der Arbeit. Das baren Sie selbst diese Gespräche, die direkt vor Ort ehrliche und tiefe Interesse stellt demzufolge die - also im Unternehmen – geführt werden. Es handelt Basis für die (intrinsische) Motivation dar. sich dabei um strukturierte Gespräche, die Sie ge- nau vorbereiten können. Das Ziel dieser Gespräche Deshalb besteht im LWP ein wesentlicher Arbeits- liegt darin, herauszufinden, ob Sie einen Job mö- schritt darin, herauszufinden, was Sie selbst antreibt gen, bevor Sie versuchen, ihn zu bekommen! bzw. wofür Sie sich einsetzen möchten. Folgende Fragen helfen Ihnen dabei, dies herauszufinden: Was begeistert Sie? Wovon hätten Sie gerne mehr auf der Welt? Was würden Sie als nächstes tun, wenn Sie nicht scheitern könnten?
  • 49. Soft Skills Basic I Life / Work-Planning – die kreative Methode der Karriereplanung 49 Welche Einstellung setzt das Plötzlich passierte etwas! LWP Verfahren voraus? Fragen Sie einmal Freunde, Bekannte oder Kol- Im Grunde ist LWP ein klar verständliches Verfah- legen danach, wie sie ihren Job gefunden haben. ren, das gut nachzuvollziehen ist. Dennoch bereitet Bestimmt hören Sie unter anderem auch Aussagen es vielen Stellensuchenden Schwierigkeiten, sich wie „...als ich plötzlich erfuhr, dass...“ oder „...dann auf dieses unkonventionelle Verfahren einzulassen. rief mich auf einmal ein Freund an und erzählte mir, Was sind die Gründe dafür? Der Suchende steht im dass...“! Mittelpunkt - er ist der Akteur auf allen Ebenen, im Gegensatz zu einem eher passiven Stellensuchen- Diese Geschichten hinterlassen den Eindruck, dass den, der abwartet, um zu gegebener Zeit auf eine der Erzähler nicht der Auslöser einer Handlung ist Stellenausschreibung zu reagieren. und nicht absichtlich etwas herbeigeführt hat. Sol- che Geschichten wirken vielleicht ansteckend auf Bestimmte Denkgewohnheiten werden hier über Sie, so dass Sie sich sagen „irgendwann wird etwas den Haufen geworfen, denn ein ordentlicher Bil- bei mir passieren“, womit Sie sicherlich recht behal- dungsabschluss ist - leider - kein Garant für den ten werden! Die Frage ist nur, ob das, was pas- Ein- oder Umstieg in eine Organisation. Dieses Ver- siert, Ihren Vorstellungen entspricht? Wie können ständnis vom Bildungs- bzw. Arbeitsmarkt scheint Sie die Wahrscheinlichkeit, dass das, was passiert, jedoch in vielen Köpfen zu existieren. Ihren beruflichen Wünschen und Vorstellungen ent- spricht, positiv beeinflussen?
  • 50. Soft Skills Basic I 50 M o t i v a t i on ist die Basis für erhöhte L e i s t u n gsbereitschaft Manche unserer Aufgaben würden wir gerne auf die lange Bank schieben und irgendwann vergessen. Funktioniert aber nicht! Warum also gehen Sie Ihre Aufgaben nicht hoch mo- tiviert an? Das macht garantiert mehr Spaß – und führt gleichzeitig schneller zum Erfolg! Ihr Projekt Unabhängig davon ob Sie Student, Banker oder angestellter Manager sind; ob Sie Diplomarbeiten, Kredite, Kurse oder Konzepte herstellen - alles lässt sich als „Projekt“ bezeichnen. Tun Sie‘s: Sehen Sie Ihre Arbeit als Ihr Projekt.
  • 51. Soft Skills Basic I Motivation ist die Basis für erhöhte Leistungsbereitschaft 51 Ihre Aufgabenstellung Der Service-Faktor Normalerweise erhalten Sie Ihre Aufgaben oder Jede Tätigkeit, auch eine vermeintlich rein tech- Arbeitsaufträge in denkbar unspektakulärer Form: nische, dient letztlich dazu, das Leben von Men- Sie nennen sich Hausarbeiten, Baufinanzierungen schen zu verbessern oder zu vereinfachen. Stellen oder Businesspläne. Egal, ob Sie an Ihrer Aufgabe Sie sich die Leute vor, denen Sie mit Ihrem Job hel- allein oder mit anderen gemeinsam arbeiten; erfin- fen – das können auch Sie selber sein (zum Beispiel den Sie Ihre Aufgabenstellung neu. Formulieren Sie durch eine gute Hausarbeit)! Ihr Projekt um, bis es einzigartig und sensationell klingt. Warum sollten Sie nicht ein Beratungsmo- dell entwickeln, das den Vorstand aufhorchen lässt, Wo liegen Ihre Schwerpunkte? oder das laufende Geschäftsjahr zu einem Event machen!? Dieser Trick hat einen zweifach positiven In den meisten Fällen wird in etwa 10% der Zeit ge- Effekt: Zum einen werden Sie mit mehr Spaß an plant und in den übrigen 90% das Projekt durchge- Ihre Aufgabe heran gehen und zum anderen haben führt. Besser ist eine andere Schwerpunktsetzung: Sie Ihren Qualitätsanspruch kräftig nach oben ge- schraubt! } 30% für die Kreation: erfinden, planen und die richtigen, neuartigen Formulierungen finden } 30% für das Verkaufen: hausieren gehen, Mit- Wie heißt Ihr Projekt? streiter finden, sich Rückendeckung holen Nennen Sie Ihr Projekt nicht Hausarbeit, Routine, } 30% für das Durchführen Aufgabe oder Produkt, sondern geben Sie Ihrer Ar- } 10% für das Happy End: das fertige Projekt beit eine frische Bezeichnung. Dieser Name kann, übergeben, seinen Fortbestand sichern, es zu muss aber nicht nach außen kommuniziert werden. feiern und stolz darauf zu sein. Wenn Ihr Projekt ein Erfolg wird, erinnert man sich noch Jahre später an den Namen: das „Rundum- sorglos-Kredit-Paket“ oder die „Aktion 5.000“ in Ih- rem Unternehmen.
  • 52. Soft Skills Basic I Motivation ist die Basis für erhöhte Leistungsbereitschaft 5 Alles ist wichtig Termine sind heilig! Übersehen Sie kein einziges Detail. Jede Kleinigkeit Liefern Sie immer pünktlich – am Besten bereits vor ist wichtig für den Erfolg Ihres Projekts. Halten Sie dem vereinbarten Termin. Das hat zwei Vorteile: Zum vor allem sich selbst und Ihre Tätigkeit niemals für einen lassen Sie sich bei der Vorbereitung nicht auf klein oder unbedeutend. Auch das kleinste Licht einen zu knappen Terminplan ein und zum anderen in einer Firma kann Großes bewegen. Auch das hinterlassen Sie einen prompten und zuverlässigen kleinste Unternehmen kann den großen Durch- Eindruck. Wenn Ihr Zeitplan steht, geben Sie dem bruch schaffen. Einhalten des Plans oberste Priorität. Arbeiten Sie innerhalb Ihrer Projektgruppe immer ein bisschen zu schnell - nutzen Sie den „Wir-sind-unserer-Zeit- Liebe und Schönheit ... voraus“-Effekt. Jede Arbeit, jedes Projekt lässt sich so gestalten, dass Sie und Ihre Mitarbeiter es lieben und schön Mittelmäßigkeit – nein danke! finden. Selbst die Buchhaltung oder die Uni-Biblio- thek können schön und liebenswert sein - wenn Sie Vergeuden Sie keine Energie damit, Ihr Projekt nor- ihnen Ihre Schönheit und Liebe schenken. Nehmen mal zu gestalten, damit es allen gefällt. Vermeiden Sie bei Ihrem Projekt einen Designer mit an Bord Sie vor allem Mittelmäßigkeit! Treten Sie anderen oder gestalten Sie innerhalb Ihrer Möglichkeiten (Sie ruhig auf die Füße; sagen Sie allen Skeptikern, können ja kaum die Bibliothek umbauen) Ihre Um- dass Sie das Risiko gerne eingehen. Denn: Große gebung angenehm. Sie könnten sich zum Beispiel Erfolge erreichen Sie niemals ohne großes Risiko. einen Lieblingsplatz suchen oder bestimmte Ge- Manager und Macher, die Großes gewagt haben genstände, zum Beispiel einen schönen Stift oder und manchmal auch scheiterten, haben fast immer Block mitnehmen. Versuchen Sie die romantische eine steilere Karriere gemacht als diejenigen, die auf und künstlerische Dimension Ihres Projekts zu ent- Mittelmäßigkeit gebaut haben. decken und zu wecken. Auch wenn es im ersten Moment schwierig erscheint - es lohnt sich immer!
  • 53. Soft Skills Basic I 53 S t e i g e r n Sie Ihre Belastbarkeit durch S t r e s s management Nüchtern betrachtet mag Stress eine zu ver- arbeitende Informationsmenge pro Zeitein- heit sein, aber Menschen sind nicht nur unter- schiedlich, sie reagieren auch unterschiedlich auf Stress. Was den einen zermürbt, lässt den anderen aufblühen und spornt ihn zu Höchst- leistungen an. Ohne Erholung einfach kein guter Manager “Natürlich kann ich jeden Abend und am Wochen- ende einen Aktenkoffer mit nach Hause nehmen. Aber damit tue ich weder mir noch dem Unter- nehmen einen Gefallen. Um etwas tun zu können, muss man entspannt und ausgeglichen sein“ stell- te Dr. jur. Wolfgang R. Habbel (*194) bereits vor langer Zeit fest. Der berühmte Automobilmanager der Audi AG dachte aber nicht immer nur an Audis (beziehungsweise Horchs, wie die Vorläufermodelle dieser Pkws hießen). „Wer nicht richtig ausspannen kann, ist einfach kein guter Manager“, lautete seine These. Der Jurist sollte recht behalten...
  • 54. Soft Skills Basic I Steigern Sie Ihre Belastbarkeit durch Stressmanagement 54 Das Stress-Modell nach Lazarus Alles hängt davon ab, ob die Person über geeig- nete Bewältigungsstrategien (»coping strategies«) Bereits 1974 stellte Richard Lazarus fest, dass nicht verfügt. Geht die Person gefühlsmäßig davon aus, die Charakteristika der Reize oder Situationen für der bedrohlichen Situation gewachsen zu sein, wird die Stressreaktion von Bedeutung sind, sondern die sie entsprechend motiviert (aber eventuell auch wü- individuelle kognitive Verarbeitung des Betroffenen. tend und zornig) an die Bewältigung herangehen. Nach seinem „transaktionalem Stressmodell“ wird Befürchtet sie aber, dieser bedrohlichen Situation jede neue oder unbekannte Situation kognitiv be- nicht gewachsen zu sein, dann wird sie angstvoll wertet. Lazarus ging davon aus, dass bei der Kon- flüchten. frontation mit einer Situation verschiedene Bewer- tungsprozesse existieren. Zunächst prüfe man, ob Die sekundäre Bewertung bestimmt somit nicht nur die Situation bedrohlich sei (primary appraisal). An- die Art des Bewältigungsprozesses. Sie beeinflusst schließend bewerte man, ob sich die Situation mit auch auf die primäre Bewertung. Wer beispielswei- den verfügbaren Ressourcen bewältigen lasse. se das Fazit zieht, mit einer vorher als sehr bedroh- lich empfundenen Situation leicht fertig zu werden, wird sie als weniger bedrohlich empfinden und sie Der Bewertungsprozess sogar herausgefordert fühlen. Eine Neubewertung der Stresssituation folgt. Doch Stress hat auch Bewertet die Person diese Reizsituation als stress- sonst zwei Gesichter. bezogen, dann schätzt sie demnach zunächst ab, ob es sich um eine Bedrohung handelt. Weiterhin wägt sie ab, ob ein Schaden oder Verlust droht, Die zwei Gesichter des Stresses oder sie fühlt sich herausgefordert. Letzteres geht jedoch nur dann, wenn (subjektiv) noch eine Ab- Es gibt positiven und negativen Stress. Positiver wendung des Schadens möglich erscheint. Bei Stress wird in der Fachsprache als Eustress, und diesen sekundären Bewertungsprozessen geht es negativer als Distress bezeichnet. Letzterer kann in erster Linie darum, wie jemand eine Bedrohung, krank machen, wenn er über längere Zeit andauert. Herausforderung oder Niederlage verkraftet. Nicht nur die Immunabwehr lässt nach. Gestresste Menschen werden anfälliger für Krankheiten. Sogar schwere seelische und körperliche Probleme kön- nen entstehen.
  • 55. Soft Skills Basic I Steigern Sie Ihre Belastbarkeit durch Stressmanagement 55 Der gute Stress Des einen Freud, des anderen Leid Stress hat auch seine guten Seiten. Ohne Stress Nicht nur die Geschmäcker, sondern auch die Cha- gäbe es vermutlich kaum Erfolg. Eustress aktiviert raktere sind und bleiben unterschiedlich. Was den nämlich die Lebensgeister, spornt an zum Handeln einen stresst, spornt den anderen vielleicht sogar und zur Bewegung. Wer keinen Anforderungen zur Höchstleistung an. So mag manch einer Ent- ausgesetzt ist, der hängt herum („hanging around“), spannung in meditativer Musik oder beim Betrach- langweilt sich oder verfällt sogar in Depressionen. ten von Briefmarken finden. Wer sich (Frei-)Zeit Eustress steht für Euphorie, Elan, Engagement und nimmt, spart im Endeffekt sehr viel Zeit, denn wie Energie - Eustress ist erstrebenswert. Selbst bei Habbel schon sagte: „...um etwas tun zu können, Extrem-Belastungen bleibt Stress Eustress, wenn muss man entspannt und ausgeglichen sein...“. man Spaß daran hat eine Aufgabe zu bewältigen. Wer Freude empfindet, kann selbst große Heraus- forderungen lange Zeit durchstehen. Der böse Stress Stress hat aber auch seine Schattenseiten. Aus Eu- stress entwickelt sich schnell Distress, wenn man sich überfordert fühlt. Dies ist der Fall, wenn Druck und ständige Anspannung nicht mehr nachlassen und die Arbeit keinen Spaß mehr macht. Bleiben dann auch noch Erfolg oder Anerkennung aus, dann zeigt der böse Stress sein wahres Gesicht. Je nach Veranla- gung wirkt sich Stress sehr unterschiedlich aus.
  • 56. Soft Skills Basic I 56 K r e a t i v im Job: Durch Kreativitätstechniken L ö s u n g en schnell erarbeiten Die Kundenakquisition läuft schlecht, Ihr Chef fordert „neue Wege und neue Ideen“. Kreativi- tät auf Abruf ist gewünscht. Eine typische Si- tuation, in der man auf dem sprichwörtlichen Schlauch stehen kann, nicht in der Lage, ver- nünftige Ideen zu entwickeln. Mit der geeig- neten Kreativitätstechnik können Sie in einem Zeitraum von 15 bis 180 Minuten überra- schende und zugleich brauchbare Ergebnisse erarbeiten. Jede für alle: Kreativitätstechniken nützen jedem Ist Kreativität eine Begabung oder kann jeder kre- ativ sein? Kreativität ist unterschiedlich ausgeprägt. Dennoch steht fest: Es gibt ihn nicht, den gänzlich Unkreativen und stets Ideenlosen. Jeder Mensch verfügt über ein Potenzial an Kreativität. Jedoch hat nicht jeder den gleichen Zugang zu seinen Fähigkeiten. Der kreative Mensch unterscheidet sich vom schein- bar nicht-kreativen dadurch, dass er sein Potenzial fast immer abrufen kann. Er sprüht vor Ideen, hat immer einen passenden Einfall und findet unge- wöhnliche Lösungen auf gewöhnliche Fragen. Dennoch, trotz seiner vielen Ideen wird selbst ein
  • 57. Soft Skills Basic I Kreativ im Job: Durch Kreativitätstechniken Lösungen schnell erarbeiten 57 kreativer Mensch seine Fähigkeiten verbessern spiel von Vorgesetzten, aufgetischt. In diesem Fall können, wenn er für manche Aufgabenstellungen wurde bereits eine Problemanalyse vorgenommen, auf die eine oder andere Kreativitätstechnik zurück um das Problem zu formulieren. greift. Aber auch der angeblich nicht-kreative Mensch Problemanalyse: erkennen worauf es an- kann kreative Lösungen erarbeiten. Kreativitäts- kommt techniken sind wichtige Werkzeuge, um Blockade- schrauben zu lösen. Dennoch wird die Arbeitsgruppe, die das Problem zu lösen hat, als ersten Schritt eine erneute Proble- manalyse betreiben. Die Problemanalyse zeigt die Ideen Stück für Stück: der kreative Prozess Rahmenbedingungen, die Bedeutung, aber auch die Wechselwirkungen des Problems mit anderen Kreative Prozesse lassen sich in verschiedene Pha- Vorgängen. Sie fordert die erste gedankliche oder sen gliedern: praktische Auseinandersetzung mit dem Problem und führt meist zu ersten Spontanideen. } Problemerkennung } Problemanalyse Problemformulierung: sagen was Sache ist } Problemformulierung und Neuformulierung Die Erkenntnisse aus der Problemanalyse führen } Inkubation und Spontanideen (Illumination) zur Problemformulierung. Wurde das Problem be- } Lösungserarbeitung (Elaboration) reits von einer anderen Arbeitsgruppe vorformuliert, spricht man von Neuformulierung. Ausgangspunkt eines kreativen Prozesses ist eine Problemstellung. Streng genommen beginnt der Die Neuformulierung des Problems ist ein entschei- kreative Prozess schon mit der Problemerkennung. Oftmals ist derjenige, der das Problem zu lösen hat, an der Problemerkennung aber gar nicht beteiligt. Ihm wird das Problem von anderer Seite, zum Bei-
  • 58. Soft Skills Basic I Kreativ im Job: Durch Kreativitätstechniken Lösungen schnell erarbeiten 58 dender Schritt im kreativen Prozess. Sie bringt das idealen Lösung sein, zumindest bieten sie eine gute Problem mit den Worten und dem Wissen derjenigen Ausgangsposition, um weiterentwickelt zu werden. auf den Punkt, die das Problem lösen sollen. Grund- sätzlich ist bei vorgegebenen Problemstellungen eine Spontanideen müssen festgehalten werden. Notie- Neuformulierung immer empfehlenswert. ren Sie Ihre Spontanideen. Machen Sie einen klei- nen Notizblock zu ihrem ständigen Begleiter und halten Sie Ihre Spontanideen, die Ihnen beim Spa- Inkubation: den Kopf frei machen zierengehen, beim Warten auf die U-Bahn oder am Abend nach dem zweiten Glas Rotwein durch den Während der Inkubation löst man sich vom Pro- Kopf schießen, fest. Auch für Kreativitätssitzungen blem. Es rückt in den Hintergrund, die Aufmerk- in der Gruppe gilt: Notieren Sie Spontanideen. samkeit gilt ganz anderen Dingen. Ablenkung, neue Eindrücke, neue Reize machen den Kopf frei. Das Problem bleibt dennoch präsent, es schlummert im Elaboration: Ideen auf dem Prüfstand Unterbewussten und wird mit Bildern und Gescheh- nissen aus unserem Alltag verknüpft. Während der Die Lösungsansätze, die den Notizzettel nach und Inkubation setzen wir uns mit der Aufgabenstellung nach füllen, scheinen genial zu sein. Ob eine Idee in völlig unabhängig vom ursprünglichen Zusammen- der Tat zur Lösung des Problems beitragen kann hang auseinander. und aufgegriffen wird, wird erst entschieden, wenn die Einfälle analysiert und geprüft wurden. Während der Elaboration werden Spontanideen, geprüft wei- terentwickelt und veranschaulicht. Es ist möglich, Spontanideen: die Startrampen zur genialen dass mehrere Ideen miteinander kombiniert werden Lösung um die beste Lösung zu erhalten. Während der Inkubationsphase findet der kreative Prozess statt, der die wichtigsten Spontanideen hervorbringt. Das plötzliche, unerwartete Aufkom- men eines tollen Einfalls wird als Illumination be- zeichnet. Spontanideen können schon nahe an der
  • 59. Soft Skills Basic I 59 Impressum CoachAcademy Perspektive GmbH Silberburgstraße 187 70178 Stuttgart Telefon: 0711.658357 00 Fax: 0711.658357 11 info@coachacademy.de www.coachacademy.de Autoren dieser Ausgabe: Das Team der CoachAcademy Herausgeber: Heiko Lüdemann (V.i.S.d.P.) Redaktionsleitung: Carolin Lüdemann Redaktion: Dirk Baranek DTP-Grafik: vierelemente.com Ausgabe Version 1.0 (Juli 006) Urheberrecht:Alle Artikel, Beiträge, Abbildungen und Fotos in- nerhalb von CoachAcademy sind urheberrechtlich geschützt. Eine Nutzung dieser Inhalte für nicht-private Zwecke bedarf der schriftlichen Genehmigung der Geschäftsführung von CoachAcademy.
  • 60. Soft Skills Basic I 60 Wa s i s t die CoachAcademy? CoachAcademy ist das Karrierenetzwerk des Stutt- garter Bildungsträgers Perspektive GmbH, der seit 1996 junge Menschen berät, trainiert und coacht. Auf den Internetseiten der CoachAcademy stehen Studenten, Absolventen und Berufseinsteigern re- daktionelle Beiträge zu den Themen Beruf, Karriere und Unternehmen zur Verfügung - und jeden Monat kommen weitere hinzu. Jährlich nehmen mehr als .000 junge Frauen und Männer die Gelegenheit wahr und trainieren für ihren beruflichen Erfolg. CoachAcademy bietet Karriereberatungen und Einzelcoachings sowie Seminare zu Managementtechniken, Führungs- techniken und Kommunikationstechniken an und ergänzt somit die akademische Ausbildung um wichtige Schlüsselqualifikationen. Unterstützt wird das Projekt unter anderem vom Arbeitgeberverband Südwestmetall, der IHK Heil- bronn-Franken und dem Würth-Konzern. Weitere Infos unter www.coachacademy.de

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