Einleitung
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prozess mit berücksichtigt. Die Evaluation setzt eine Norm als
Referenz voraus. Diese Norm basiert auf der Hypothese, dass...
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Einerseits kann der Muskelstatus bei der Auswahl, wie und
welche Muskeln untersucht werden sollen, als Referenz dienen
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den [3, 21, 26, 31]. Ihre Anzahl und ihr Verlauf differieren je nach
Autor und basieren auf unterschiedlichen Erklärungsmo...
– Myofasziale Bahnen in der Statik: Die dorsale myofasziale
Bahn (Abb.12a) ist durch die Anordnung der Gewichte in
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FunktionelleKontinuität:myofasziale Systeme
Kein Muskel lässt sich ausschließlich für sich alleine beurteilen,
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Aktivierung der globalen myofaszialen Systeme: Hierbei
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Ebene berüc...
– Kontrolle der Körpersegmente im exzentrischen/iso-
metrischen Modus: Beurteilung, ob die moyfaszialen
Systeme die Körper...
Gleichgewicht: Kontrolle des Schwerpunktlots innerhalb der
Unterstützungsfläche.
– Evaluation im Einbeinstand (Abb. 26): P...
Literatur
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Bacha S. Klassifikation der Muskelfunktion, Teil 1. Manuelle Therapie
2003; 3: 157–166
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Muskelsysteme teil 2

  1. 1. Einleitung Jeder Mensch weist bestimmte Bewegungsmuster auf, die sich durch Muskeltonus und bei spezifischen Bewegungsabläufen zeigen. Demnach lassen sich Menschen leicht an ihrer Haltung und/oder Bewegung erkennen. Bei ein und derselben motori- schen Handlung bevorzugt jedes Individuum sein eigenes Bewe- gungsmuster. Somit besitzt jeder Mensch seine Bewegungsiden- tität, d.h. eine für ihn typische Art und Weise, sich zu bewegen. Diese Eigenart besteht zum Teil aus automatisierten Bewegungs- programmen, die angelegt und in der Wechselbeziehung mit der sich verändernden Umwelt durch adaptive Reaktion perfektio- niert werden (z.B. Central pattern generator [CPG] auf spinaler Ebene für das Gehen). Teilweise sind es aber auch erworbene aktivitätsspezifische Be- wegungsmuster (Beruf, Sport), die auf vorhandenen interneuro- nalen Reaktionen (z.B. Stellreaktionen) basierend im Laufe der Zeit automatisiert und im eigenen Bewegungsrepertoire gespei- chert werden. Diese Bewegungsmuster sind in ihrer Qualität nicht absolut festgelegt, sondern dynamisch und bedürfen der ständigen Aktualisierung. Tritt eine Störung auf (z.B. durch ein Trauma) findet eine Neuorganisation der Bewegungsmuster statt. Diese kann eine Heilung überdauern und sekundär zur Ent- stehung einer Dysfunktion führen [5]. Die Abweichungen der Bewegungsmuster von der „Norm“ zu er- kennen, ist Basishandwerk der Physiotherapeuten und wird bei der Arbeitshypothese als Kontrollparameter im klinischen Denk- Muskelsysteme Teil 2: Von der Muskeldysbalance zur myofaszialen Dysfunktion – Assessment S. Bacha Muscle Dysbalance to Myofascial Dysfunction – Assessment Korrespondenzadresse Salah Bacha · E-mail: S.Bacha@gmx.de Manuskript eingetroffen: 15.10.2003 · Manuskript akzeptiert: 20.10.2003 Bibliografie Manuelle Therapie 2004; 8: 28–38 © Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York · ISSN 1433-2671 · DOI 10.1055/s-2004-812861 Zusammenfassung Bei der Evaluation der myofaszialen Dysfunktion (Muskeldys- balance) wird den Erkenntnissen über die Adaptationsmechanis- men und die strukturelle sowie funktionelle Kontinuität der Mus- kulatur und der Faszie Rechnung getragen. Weiterhin wird deutlich, dass Bewegung kein lokales Geschehen ist, sondern das Ergebnis einer Interaktion verschiedener Elemente des Bewe- gungssystems, die sich gegenseitig regulieren. Die Analyse der Dysfunktion wird anhand von praktischen Beispielen erläutert. Schlüsselwörter Myofasziale Adaptation · Haltungs- und Bewegungsanalyse · strukturelle Kontinuität · myofasziale Systeme · Stabilisation und Schwerkraft · neurale Modulation Abstract The evaluation of myofascial dysfunction (muscle dysbalance) takes into account knowledge of the adaptation mechanisms and the structural as well as functional muscular and fascial con- tinuity. In addition, it is clear that movement is not a local occur- rence but rather the result of an interaction between various ele- ments of the movement system which are regulated mutually. The analysis of dysfunction is explained on the basis of practical case studies. Key words Myofascial adaptation · posture and movement analysis · struc- tural continuity · myofascial systems · stabilisation and gravitiy · neural modulation Fachwissen:Muskulatur 28 Heruntergeladenvon:FHCampusWien.Urheberrechtlichgeschützt.
  2. 2. prozess mit berücksichtigt. Die Evaluation setzt eine Norm als Referenz voraus. Diese Norm basiert auf der Hypothese, dass es für jede Bewegung eine ideale Variante gibt. Sie ist charakteri- siert durch Effizienz und Ökonomie, die ein langlebiges Funktio- nieren der beteiligten Strukturen ermöglichen [14]. Die ideale Norm setzt bestimmte Gesetzmäßigkeiten (Prinzipien) voraus. Sie zu kennen und ihre Interaktion zu verstehen, ist zum Ver- ständnis der Funktion des Bewegungssystems unabdingbar. In diesem Aufsatz wird ausschließlich auf die Gesetzmäßigkeiten eingegangen, die die Muskelfunktion betreffen. Muskelbalance Bezogen auf die Muskulatur kann die Norm (Muskelbalance) als die Fähigkeit des ZNS definiert werden, die Muskeln selektiv in der richtigen Reihenfolge und Dosierung effizient handlungsori- entiert zu aktivieren. In der Klinik ist die Muskelfunktion ein Schlüsselparameter bei neuromuskuloskelettalen Beschwerden und nimmt eine extrem wichtige Rolle bei der Entstehung und für den Fortbestand verschiedener Syndrome ein [12]. Obwohl jedes Individuum mit einer eigenen biopsychosozialen Antwort auf eine Dysfunktion reagiert, ist In Bezug auf die Musku- latur eine gewisse Gesetzmäßigkeit bei der Reaktion zu beobach- ten [1]. Übersteigen beim Bewegungsverhalten die Anforderungen an die Muskulatur ihre Adaptationsfähigkeit, antwortet sie unter anderem mit einer Dysbalance (Störung des Zusammenspiels zwi- schen den Agonisten und Antagonisten; [23]). Manche Muskeln reagieren mit Inhibition und/oder Schwäche, andere eher mit Ver- kürzung und Verlust ihrer Dehnfähigkeit [1]. Die Bewegungsmus- ter entsprechen nicht mehr der idealen Norm und tragen Mikro- traumen in sich, die durch repetitiven Gebrauch und zeitliche Summation zu pathologischen Veränderungen führen können. Den Erkenntnissen über die Funktionsweise der Muskulatur aus Teil 1 [1] muss sowohl bei der Befundaufnahme als auch bei der Behandlung (Teil 3: folgt in Manuelle Therapie, Heft 2, 2004) Rechnung getragen werden. Dabei gilt es, insbesondere folgende Parameter zu berücksichtigen: – Reaktiver Hypo-/Hypertonus bzw. Inhibition oder Hyperakti- vität (Dominanz); – Adaptation der Muskulatur an die Funktionsstellung; – Muskelarchitektur; – Strukturelle Kontinuität; – Funktionelle Kontinuität: Klassifikation in myofaszialen Sys- temen; – Neurale Modulation. Reaktiver Hypo-/Hypertonusbzw. Inhibitionoder Hyperaktivität (Dominanz) Eine Muskeldysbalance, egal ob temporär oder dauerhaft, ist der Ausdruck einer Fehlsteuerung des ZNS, die an einem Hyper- bzw. Hypotonus sichtbar werden kann. Angelehnt an Janda [12] liefert uns die Beobachtung der oberflächlichen Anatomie des Körpers nützliche Hinweise für die weitere Untersuchung. Hypertone/hy- peraktive Muskeln sind beispielsweise an einer Erhöhung/Ein- ziehung bzw. ein Hypotonus und/oder eine Inhibition werden durch eine Abflachung sichtbar. Zur Bestätigung wird eine Palpa- tion der relevanten Stellen durchgeführt. Beispiele: – Dorsale Ansicht des Schultergürtels (Abb.1): – Gut sichtbar der Hypertonus des M. trapezius pars descen- dens. – Unterhalb des Angulus inferior scapulae ist eine Ab- flachung (Einziehung) zu sehen, die als eine Inhibition und/ oder Atrophie des M. trapezius pars ascendens interpretiert werden könnte. Ventrale Ansicht des Rumpfes (Abb. 2): – Lateral des M. sternocleidomastoideus ist eine Abflachung (Einziehung) zu sehen, die als eine Inhibition der tiefen Halsflexoren (M. longus colli) interpretiert werden kann. Inhibition Hypertonus Abb. 1 Klinische Interpretation der Topographie: Hypertonus des M. trapezius pars descendens sowie Inhibition des M. trapezius pars ascendens und M. serratus pars inferior. Inhibition Hypertonus Abb. 2 Klinische Interpretation der Topographie: Hypertonus des M. pectoralis major und M. sternocleidomastoideus sowie Inhibition der tiefen Flexoren. Bacha S. Muskelsysteme … Manuelle Therapie 2004; 8: 28 – 38 Fachwissen:Muskulatur 29 Heruntergeladenvon:FHCampusWien.Urheberrechtlichgeschützt.
  3. 3. – Weiterhin ist ein hypertoner M. pectoralis major zu erken- nen. – Gut sichtbar sind die Konturen des M. sternocleidomasto- ideus. – Eine Palpation kann den Hypertonus bestätigen. Sagittale Ansicht der LWS (Abb. 3): – Vorwölbung unterhalb des Bauchnabels sowie des Quer- streifens in der Mitte des Bauches suggerieren die Hypo- these einer Inhibition des M. transversus abdominis. – Die vertikale Einziehung kann als eine Dominanz des M. obliquus externus abdominis interpretiert werden. Klinische Relevanz: Der Muskelstatus der HWS und des Schulter- gürtels zeigt eine Dominanz der Mobilisatoren (M. trapezius pars descendens und M. sternocleidomastoideus) zu Ungunsten der Stabilisatoren M. trapezius pars ascendens und M. longus colli. Addieren sich zusätzliche Parameter wie eine berufliche Tätig- keit mit Dominanz der Armtätigkeit hinzu, kann die Funktion bei schon vorhandener Hyperaktivität des M. trapezius pars des- cendens und Inhibition des M. longus colli zu einer Dysfunktion der HWS führen (z.B. Instabilität). Die Topographie der Abb. 3 weist auf eine Dysbalance der LWS- Beckengürtel-Muskulatur mit einer Inhibition des lokalen myo- faszialen Systems hin (Test: Abb.16; [28]). Adaptation der Muskulatur an die Funktionsstellung Die hypothetische Norm der aufrechten Haltung (Statik) ist in der Auseinandersetzung des Körpers mit der Schwerkraft als eine Stel- lung definiert, in der die Körpersegmente optimal gegen die Schwerkraft und übereinander ausgerichtet sind. Sie ist durch Ökonomie, minimalen Energieverbrauch und maximale Effizienz charakterisiert [14]. Die Kontrolle der Gelenkbeweglichkeit in ih- rer gesamten Amplitude durch die Muskulatur ist ein Merkmal ih- rer normalen Kontraktionsfähigkeit sowohl in der angenäherten als auch in der verlängerten Stellung. Eine dauerhafte Fehlhaltung kann zur Veränderung des optimalen Spannungs-/Längenverhält- nisses der Muskulatur [13] und damit zu einem Verlust der ange- sprochenen Bewegungskontrolle führen. Die Analyse der Statik mit der Fragestellung, welche Muskeln sich in einer verlängerten und welche in einer angenäherten Stellung befinden, liefert eine Hypothese über die eventuelle Adaptation der betroffenen Muskeln [1] und kann Erklärungen über deren Stellungsschwäche und/oder Verlust ihrer Verlänge- rungsfähigkeit geben (Abb. 4–6). O. E T. A Abb. 3 Klinische Interpretation der Topographie: Inhi- bition des M. trans- versus abdominis und Dominanz des M. obliquus externus. a b Abb. 4 Klinische In- terpretation der Statik. (a) Ventrale Rotation der Skapu- la, angenäherte Stellung des M. pectoralis minor. (b) In Rückenlage Bestätigung des Hypertonus des M. pectoralis minor (ventrale Rotation der Skapula bleibt erhalten). Abb. 5 Klinische Interpretation der Statik: Innenrota- tionsstellung der Arme – Hypothese einer Annäherung des M. latissimus dorsi. Bacha S. Muskelsysteme … Manuelle Therapie 2004; 8: 28 – 38 Fachwissen:Muskulatur 30 Heruntergeladenvon:FHCampusWien.Urheberrechtlichgeschützt.
  4. 4. Einerseits kann der Muskelstatus bei der Auswahl, wie und welche Muskeln untersucht werden sollen, als Referenz dienen (z.B. beim Test der Kontraktionsqualität eines bestimmten Mus- kels in der Neutral-Null-Stellung, maximalen Annäherung oder in der verlängerten Stellung). Andererseits bietet seine klinische Interpretation eventuell ein Erklärungsmodell für eine vorhan- dene Dysfunktion [13, 14]. Klinische Relevanz: Störung der Arthrokinematik des Glenohu- meralgelenks: Der M. latissimus dorsi kann dazu beitragen, dass bei der Elevation des Armes das Tuberculum majus ventral bleibt und damit am Proc. coracoideus anstößt. Der M. pectoralis minor seinerseits bewirkt durch die verursachte ventrale Rotation der Skapula eine Einengung des subakromialen Raumes. Die Bestäti- gung erfolgt durch Muskelfunktionsprüfungen (Abb. 7 u. 8). Muskelarchitektur Eine Abweichung der Statik von der hypothetischen Norm kann die Orientierung der Muskelfasern in Bezug auf das von ihnen überbrückte Gelenk und daraus folgend auch deren Aktion auf das betroffene Gelenk verändern. Klinische Relevanz: Die Flexoren werden eher zu den Mobilisato- ren, die Abduktoren (speziell der M. glutaeus medius) zu den Stabilisatoren des Hüftgelenks gezählt. In der Standbeinphase kommt es darauf an, die Belastungskräfte auf das Hüftgelenk möglichst gering zu halten. Besonders der M. glutaeus medius mit seinen posterioren Fasern kontrolliert die Stellung des Fe- murkopfes im Azetabulum [6] und trägt durch seine Zentrierung zur Reduktion der Belastungskräfte bei. Die neue Orientierung der Muskelfaser bewirkt, dass neben dem M. tensor fasciae latae auch mehr Fasern des M. glutaeus medius flexorisch statt abduk- torisch auf das Hüftgelenk wirken und so zu einer mangelhaften Stabilisation des Beckens in der Standbeinphase führen können (höhere Druckkräfte auf das Hüftgelenk; Abb. 9a u. b). Weiter- laufend nach kaudal und/oder kranial kann es durch Dezentrie- rung des Belastungslotes zu einer Fehlbelastung kommen (z.B. medialer Kollaps des Kniegelenks). Die Kontraktionsrichtung des M. sternocleidomastoideus erhält eine kaudale und eine Kompressionskomponente. Damit ver- stärkt sie die bereits vorhandene Fehlstellung der Segmente der HWS (der oberen Segmente in Extension, der unteren in Flexion). Zusätzlich vergrößern die aktive Insuffizienz (Stellungsschwä- che) des M. longus colli und die passive Insuffizienz der kranio- zervikalen Extensoren die Translation des Kopfes (Abb.10). StrukturelleKontinuität:„myofasziale Bahnen“ Muskulatur und Bindegewebe bilden auf lokaler Ebene eine strukturelle Einheit [1]. Die Betrachtung der Anatomie zeigt, dass die einzelnen Muskeln auch global bindegewebige Verbin- dungen eingehen, die sich sowohl vertikal als auch horizontal ausdehnen. Diese strukturelle Kontinuität wird als myofasziale Bahnen bezeichnet, die von mehreren Autoren beschrieben wer- Abb. 6 Klinische Interpretation der Sta- tik: Retroversion des Beckens und Neigung des Oberschenkels nach vorne. Hypothe- se: Verlängerung des M. psoas. Abb. 7 Der Test des M. latissimus dorsi zeigt eine deutliche Verkür- zung, da normalerweise die Arme auf der Unterlage liegen sollen. Abb. 8 Der Test des M. psoas in einer angenäherten Stel- lung zeigt dessen Aktivierung in der inneren Bahn. Die Flexionsstellung des Oberschenkels kann nur durch Substitu- tion (Neigung des Rumpfes) aktiv ge- halten werden. Nor- malerweise sollte der Rumpf vertikal bleiben. Bacha S. Muskelsysteme … Manuelle Therapie 2004; 8: 28 – 38 Fachwissen:Muskulatur 31 Heruntergeladenvon:FHCampusWien.Urheberrechtlichgeschützt.
  5. 5. den [3, 21, 26, 31]. Ihre Anzahl und ihr Verlauf differieren je nach Autor und basieren auf unterschiedlichen Erklärungsmodellen. Nach Schultz [31] ist der Fetus im Uterus Spannungen aus- gesetzt, die als adaptive Reaktion eine Verdickung des Bindege- webes auslösen. Diese spezifischen Anforderungen werden im Schwerefeld bei der Entwicklung der Lokomotion weiter fort- gesetzt. Die Schwerkraft übt permanent Zug- und Druckkräfte auf den Körper aus, was beispielsweise an der Muskelverteilung deutlich wird. Am Rücken sind eine große fasziale Platte (Fascia thoracolumbalis mit einer lumbosakralen Verdickung) und vent- ral die Faszie des Bauches sichtbar (Abb.11). Diese anatomische Besonderheit ist gemäß Hoepke [11] kein Zu- fall, sondern eine ökonomische Antwort des Körpers auf die In- teraktion zwischen Schwerkraft und Körpermasse, um den Schwerpunkt zu kontrollieren. Die Auseinandersetzung verlangt eine dauerhafte Aktivität der Muskulatur, um die Teilgewichte des Körpers räumlich zu stabilisieren. Da die Summe aller äuße- ren Kräfte auf den Körper so einwirken, als würden sie ihn in der Nähe seines Schwerpunkts angreifen, könnte dies eine Erklärung für die lumbosakrale Lokalisation des Bindegewebes liefern (Abb.11). Nach Schultz [31] bildet das aus Bindegewebe beste- hende fasziale System eine Art 2. Skeleton, das dem Körper Volu- men gibt (ihn überspannt) und damit zur Stabilisation beiträgt. An diese Hypothese angelehnt, hat Lardner [16] innerhalb des stabilisierenden Systems (wie es 1992 Panjabi [24, 25] beschrie- ben hat) das passive osteoligamentäre Subsystem auf die Faszie erweitert. Die verschiedenen Verbindungen auf globaler Ebene übernehmen im Bewegungsverhalten eher eine posturale Auf- gabe und funktionieren nicht isoliert, sondern im Verbund mit anderen myofaszialen Bahnen. Diese werden je nach Autor un- terschiedlich bezeichnet: Myers [21] nennt sie Fascial meridians (Abb.12a) und Paoletti [26] spricht von Chaînes fasciales (Abb.12b). Die Funktion verlangt vom Bindegewebe spezifische Anpassun- gen, die das Bewegungsverhalten relevant verändern können: – Eine Immobilisation führt beispielsweise zu einem Wasser- verlust innerhalb der Grundsubstanz und somit zur Bildung von Querbrücken (Cross-links) zwischen den kollagenen Fa- sern [4]. Die interzelluläre Matrix besteht aus einer Protein- substanz. Eine Eigenschaft der Proteine ist unter anderem de- ren strukturelle Umwandlung in einen flüssigen Zustand bei Wärme/Bewegung und einen zähen Zustand bei Kälte/Ruhe- stellung. – Nach dem Prinzip der Interaktion zwischen Struktur und Funktion hat eine vermehrte Beanspruchung des Bindegewe- bes dessen adaptive Proliferation zur Folge [4, 31]. a b Abb. 9 Interpre- tation der Statik – Muskelarchitektur. (a) Die Anteversion des Beckens ver- ändert die Kraftrich- tung des M. tensor und M. glutaeus medius (mehr flexo- rische Wirkung). (b) Bei der Abduk- tion des Beines do- miniert die flexori- sche Komponente. M. semispinalis capitis M. levator scapulae M. sternocleidomastoideus M. scalenus anterior Ideale Kopfhaltung Chronische Vorwärtsneigung des Kopfes M. rectus capitis posterior major a b Abb. 10 Statik des Rumpfes in der Sagittalebene (nach Neumann [22]). Die ventrale Translation des Kopfes bewirkt eine vertikale Orien- tierung sowie eine Annäherung der Fasern des M. sternocleidomasto- ideus und eher eine Verlängerung der Fasern des M. longus colli. Bacha S. Muskelsysteme … Manuelle Therapie 2004; 8: 28 – 38 Fachwissen:Muskulatur 32 Heruntergeladenvon:FHCampusWien.Urheberrechtlichgeschützt.
  6. 6. – Myofasziale Bahnen in der Statik: Die dorsale myofasziale Bahn (Abb.12a) ist durch die Anordnung der Gewichte in Bezug auf die Schwerkraft im Sinne von Spannung ständig „aktiviert“ (Schwerpunkt des Kopfes liegt vor der sagittalen Rotationsachse von C0–C1). Verlassen andere Körpersegmen- te das Lot, kommt es primär zu einem reaktiven Hypertonus der Muskulatur im Sinne einer Fallverhinderung (Klein-Vogel- bach 1999). Bleibt es bei der Abweichung, entsteht sekundär eine adaptive Verdickung des Bindegewebes, woraus eine Fixation dieser Haltung einschließlich kompensatorischer Strategien im Bewegungsverhalten resultieren können. Klinische Relevanz: Die Interpretation der Statik hinsichtlich faszialer Spannung kann einen zusätzlichen Hinweis über einen eventuellen Beitrag der Faszien zu einer globalen Dysbalance geben (Abb. 6: Statik in der Seitenansicht). Interpretation: Die dorsale Myofaszie scheint im Niveau Hüft- gelenk/HWS fest zu sein. – Myofasziale Bahnen in der Dynamik: Die Proliferation des Bindegewebes (intrinsisch und extrinsisch) führt zu lokaler Festigkeit der myofaszialen Einheit [1]. Der Bewegungsimpuls innerhalb einer weiterlaufenden Bewegung [14] pflanzt sich z.B. nach dem Prinzip Weg des geringsten Widerstands fort. Das bedeutet: Wo die Myofaszie fest ist, wird weniger Bewe- gung und kompensatorisch umso mehr Bewegung anderen Stellen innerhalb der strukturellen Kontinuität stattfinden. Klinische Relevanz: Die Untersuchung der Muskulatur auf Verkürzung nach den standardisierten Methoden (z.B. [12]) beurteilt vor allem die lokale Veränderung. Ergänzend wäre daher sinnvoll, während der Untersuchung die weiterlaufende Bewegung zu beobachten, um die Fixation bzw. das Nach- geben innerhalb der strukturellen Kontinuität zu beurteilen (Abb.13). Je nach Körperhaltung variiert dem Prinzip der Kontinuität fol- gend der Anspruch an die Dehnfähigkeit der Myofaszien. Somit ist es naheliegend, auch die Dehnfähigkeit innerhalb des für den Patienten relevanten Bewegungsmusters zu untersuchen (Abb.14). Faszie des M. erector spinae (lumbal-dorsale Faszie) sakroiliakaler Übergang Faszie des M. glutaeus maximus Tractus iliotibialis Abb. 11 Adaptation der Faszien an die Schwerkraft (nach Paoletti [26]). a b Abb. 12 (a) Fascial meridians nach Myers [21] vom Fuß bis zum Kopf. (b) Chaîne fasciale nach Paoletti [26). Bacha S. Muskelsysteme … Manuelle Therapie 2004; 8: 28 – 38 Fachwissen:Muskulatur 33 Heruntergeladenvon:FHCampusWien.Urheberrechtlichgeschützt.
  7. 7. FunktionelleKontinuität:myofasziale Systeme Kein Muskel lässt sich ausschließlich für sich alleine beurteilen, jede einzelne Kontraktion hat durch fasziale Verbindungen eine lokale und ferne Wirkung. Diese Betrachtungsweise hat Relevanz sowohl für das Verständnis der Zusammenhänge beim Befund als auch beim nächsten Schritt, nämlich der Wahl der therapeu- tischen Intervention. Das Konzept der Kraftübertragung von Panjabi [24, 25] – ur- sprünglich als Denkmodell zur Erklärung der Wirbelsäulenstabi- lisation konzipiert – lässt sich heute auf das ganze Muskuloske- lettalsystem übertragen [3, 17, 27, 35]. Die Zusammensetzung dieser Muskelgruppen hängt einerseits von der Funktion ab [1], anderseits ist sie handlungsorientiert und passt sich den Anfor- derungen des vielfältigen Bewegungsverhaltens an [22, 32]. Klinische Relevanz: Die Muskelfunktionsprüfung nach Janda [12] und Kendall [13] liefert wertvolle Informationen über die Akti- vierung einzelner Muskeln und deren Dehnungsfähigkeit (globa- le Muskeldysbalance). Eine Dysfunktion der myofaszialen Sys- teme erkennen, heißt jedoch, ergänzend die Erkenntnisse über die Funktionsweise der Muskulatur in myofaszialen Systemen [1] sowie deren struktureller Kontinuität in das Assessment der myofaszialen Dysfunktion einfließen zu lassen (Abb.15a–d). Angelehnt an die bis jetzt gewonnenen Erkenntnisse ergibt sich in der Beurteilung eine gewisse Priorität: 1. Vorrang hat die Diagnostik des lokalen myofaszialen Sys- tems. Die Dysfunktion der lokalen Muskeln führt zu einer segmentalen Instabilität und korreliert sehr stark mit mus- kuloskelettalen Schmerzen (z.B. [9]). Seine Funktion sichert die Kontrolle der neutralen Zone der Gelenke sowie deren Stellung bei Bewegung [24, 25]. Die Innervation dieser Synergien geschieht antizipatorisch bereits in der Phase der Bewegungsplanung, deren Rekrutierung mit minimaler In- tensität reaktiv, von tonischer Qualität und unabhängig von der Bewegungsrichtung ist (Abb.16; [10]). 2. Das lokale myofasziale Stabilisationssystem in der Interak- tion mit der Schwerkraft: Bewegung bedeutet eine räumli- che Veränderung der Körpersegmente im Verhältnis zuei- nander und in Bezug auf die Schwerkraft. Die Aufgabe des lokalen Systems besteht darin, auch die Körpersegmente ökonomisch hinsichtlich der Schwerkraft selektiv zu stabili- sieren. – Durch das Einnehmen und Halten der Neutral-Null- Stellung der Wirbelsäule soll die Kokontraktionsfähigkeit des lokalen Systems beurteilt werden. Hier ist auf das Niveau muskulärer Aktivität sowie auf Substitutions- muster (Qualität der Atmung, Einsatz der globalen Mus- keln) zu achten (Abb.17a u. b). – Die Kontrolle der Körpersegmente soll in der Dynamik beurteilt werden. Zur Kontrolle der Gewichte muss die Muskulatur bei der Neigung des Rumpfes reaktiv durch selektive Kokontraktion die Anordnung der Körperseg- mente in ihrer neutralen Haltung sichern. Patienten mit Rückenschmerzen neigen dazu, bei der Rumpfneigung nach vorne die neutrale Haltung der Wirbelsäule zu ver- lieren und zeigen stattdessen als Substitutionsstrategie eine lumbosakrale Flexion (Abb.18; [8]). Globales myofasziales stabilisierendes System: – Analyse der ventral-dorsalen Verbindung (Abb.19a). Die Aktivierung der myofaszialen Verbindung zwischen Rü- cken und Bauch bewirkt eine Anordnung der Körper- abschnitte des Rumpfes übereinander [3]. Eine Testmöglichkeit ist der Liegestütz (Abb.19b u. c), dessen Besonderheit neben der Aktivierung des lokalen Systems die synergistische Kokontraktion der Mm. rhom- boidei, M. serratus und der Bauchmuskulatur ist. Parame- ter der Beobachtung sind die Fixation der Scapulae auf dem Brustkorb und das Einordnen der Körpersegmente Becken, Brustkorb und Kopf in die Körperlängsachse (Lot der Neutral-Null-Stellung der Wirbelsäule; [14]). – Analyse des Verhältnisses der globalen stabilisierenden Synergien des Rumpfes zueinander: Patienten mit Rü- ckenschmerzen weisen häufig ein Missverhältnis in der Ausdauer der verschiedenen Rückenmuskeln auf [20]. Demnach ist klinisch relevant, diese Synergien in ihrer Ausdauerfähigkeit zu vergleichen (Abb. 20a–c). Abb. 13 Beim Test der dorsalen myofaszialen Kontinuität geben die Oberschenkel, die LWS und die untere BWS innenrotatorisch nach, während die Myofaszie dorsal der Hüftgelenke und der HWS nicht nachgibt. Abb. 14 Bei der Beurteilung der Dehnfähigkeit der ischiokruralen Muskulatur im Sitz gibt die LWS in Flexion nach. Bacha S. Muskelsysteme … Manuelle Therapie 2004; 8: 28 – 38 Fachwissen:Muskulatur 34 Heruntergeladenvon:FHCampusWien.Urheberrechtlichgeschützt.
  8. 8. Aktivierung der globalen myofaszialen Systeme: Hierbei werden die Prinzipien der Kraftübertragung auf globaler Ebene berücksichtigt. Es kommt darauf an, die Körperseg- mente kontrolliert in ihrer Richtung und Geschwindigkeit zu bewegen und zu halten (Abb. 21). – Kontrolle der Körpersegmente im konzentrischen/iso- metrischen Modus. M. multifidus Diaphragma M. transversus abdominis Sakrum PS Beckenboden ba c d Abb. 15 (a) Lokales myofasziales Stabilisa- tionssystem (nach Lee [17]). (b) Diagonales myofasziales Stabilisationssystem (nach Portfield [27]). Die diagonale Kraftüber- tragung von der Fascia thoracolumbalis zum M. latissimus dorsi ist deutlich sichtbar. (c) Test des diagonalen globalen Systems (Kraftübertragung zwischen M. latissimus dorsi und Glutäalmuskulatur; nach Lee [17]). (d) Muskelketten (nach Tittel [32]; schwarz = extensorische, rot = flexorische Muskulatur). Abb. 16 Test des lokalen myofaszialen Systems (nach [28]). Der Pres- sure feedback objektiviert die Druckzunahme als Zeichen der Rekrutie- rung der globalen Muskeln. a b Abb. 17 (a) Beim Aufrichten wird die thorakolumbale Extension sicht- bar. Die Lumbosakralregion bleibt in Flexion. (b) Bei Aufrichten erfolgt als Substitution die Elevation des Schultergürtels. Abb. 18 Kontrolle der Körpersegmente in der Dynamik: Nachdem der Patient mithilfe des Therapeuten die Neutral-Null-Stel- lung der Wirbelsäule wahrgenommen hat, soll er sich nach vorne neigen. Dabei wird der Verlust der Neutral-Null- Stellung deutlich (nach Klein-Vogel- bach [14]). Bacha S. Muskelsysteme … Manuelle Therapie 2004; 8: 28 – 38 Fachwissen:Muskulatur 35 Heruntergeladenvon:FHCampusWien.Urheberrechtlichgeschützt.
  9. 9. – Kontrolle der Körpersegmente im exzentrischen/iso- metrischen Modus: Beurteilung, ob die moyfaszialen Systeme die Körpersegmente im exzentrischen Modus kontrollieren können (Abb. 22). – Kontrolle der Körpersegmente in der Funktion: Analyse der für den Klienten relevanten Bewegungsmuster (Abb. 23). Neurale Modulation Reihenfolge der Muskelrekrutierung Erzeugte Bewegungen werden nicht von einzelnen Muskeln aus- geführt, sondern von Muskelgruppen, und jeder Muskel steuert einen in seinem Verhältnis genau vorherbestimmten Teil der Be- wegung [33]. Die Analyse von Bewegungsmustern ist oftmals aussagekräftiger als das isolierte Testen eines Muskels [12]. Überaktive Muskeln zeichnen sich eher durch eine verfrühte oder inhibierte als durch eine verzögerte Rekrutierung aus. Die- ses Timing der Muskelprogrammierung analysierte [12] durch EMG-Studien an einigen Bewegungsmustern und standardisierte ihre Norm (Abb. 24a u. b). Sensomotorische Kontrolle Sie wird als eine unwillkürliche efferente Reaktion im Sinne ei- ner dynamischen Gelenkstabilisation auf ein afferentes Signal definiert. Ein Teil dieser Kontrolle im Bewegungsverhalten ist die Fähigkeit, Bewegungen vorauszusehen, um präventiv durch antizipatorische (Feed-forward) Programmierung der Muskula- tur Traumen zu verhindern (siehe Lokales myofasziales System). Die Funktion und/oder Dysfunktion des myofaszialen Systems ist von den neuralen modulierenden Mechanismen nicht zu tren- nen. Eine periphere Störung führt häufig zu adaptiven Mechanis- men innerhalb des ZNS (und vice versa), die sich durch eine ver- änderte Bewegungsprogrammierung äußern. Wissenschaftliche Arbeiten (z.B. [5,18]) erklären die Zusammenhänge zwischen ar- tikulären Läsionen und den daraus resultierenden Muskelin- koordinationen. Klinische Relevanz: Die reaktive Stabilisation der Gelenke durch eine funktionierende sensomotorische Kontrolle beugt präventiv Verletzungen bzw. Mikrotraumen vor, die durch Summation zu einer Dysfunktion führen können. Für die Planung der therapeu- tischen Intervention sind Erkenntnisse über eine veränderte neurale Modulation von Bedeutung. Testbeispiele: – Antizipation (Feed-forward; Abb. 25): – Ausfallschritt. – Parameter der Beobachtung sind die Erhaltung der neutra- len Stellung der Wirbelsäule und die axiale Belastung des vorderen Beines. – Der Patient zeigt eine mangelhafte Stabilisation des Rü- ckens und den Verlust der neutralen Stellung der Wirbel- säule. c b a Abb. 19 (a) Vent- ral-dorsale Synergie der Bauchmuskula- tur, des M. serratus und des M. rhom- boidei (nach Bus- quet [3]). (b) Kokon- traktionssynergie des ventral-dorsalen myofaszialen Sys- tems M. rhom- boidei–M. serratus – Bauchmuskulatur (nach Klein-Vogel- bach [15]). (c) Beim Test der ventral- dorsalen Verbindung zeigen sich die man- gelhafte Veranke- rung der Scapulae auf dem Brustkorb sowie der Verlust der Anreihung der Rumpfsegmente (nach Klein-Vogel- bach [14]). a b c Abb. 20 Beurteilungsparameter bei den Synergietests ist jeweils die Ausdauer bei der Stabilisation der Körpersegmente in der Neutral-Null-Stellung der Wirbelsäule (aus: McGill S. Low Back Disorders: Evidence-ba- sed Prevention and Rehabilitation. Cham- paign/IL: Human Kinetics; 2002). (a) Test der ventralen myofaszialen Synergie. (b) Test der lateralen myofaszialen Synergie: die laterale myofasziale Synergie ist deutlich besser aktiviert als die ventral-dorsale. (c) Test der dorsalen myofaszialen Synergie. Bacha S. Muskelsysteme … Manuelle Therapie 2004; 8: 28 – 38 Fachwissen:Muskulatur 36 Heruntergeladenvon:FHCampusWien.Urheberrechtlichgeschützt.
  10. 10. Gleichgewicht: Kontrolle des Schwerpunktlots innerhalb der Unterstützungsfläche. – Evaluation im Einbeinstand (Abb. 26): Parameter der Beobach- tung ist die Analyse der bevorzugten Muskelstrategie zur Er- haltung der axialen Belastung der Gelenke des Standbeins (vor allem Qualität der Verankerung Becken–Bein). Schlussfolgerungen Die Evaluation der myofaszialen Dysfunktion bezieht die Inter- aktion vieler Komponenten des Bewegungssystems ein, von de- nen einige erwähnt wurden. Bewusst wurde die Anamnese als wichtige Informationsquelle über das Aktivitätsniveau, die individuellen Bewegungsmuster (Beruf, Sport) sowie das kognitive und vor allem das affektive Profil des Patienten als Faktoren, die eine Dysfunktion auslösen bzw. unterstützen können, ausgelassen. Die Diagnostik basiert auf dem Konzept der myofaszialen Adap- tation der Strukturen an die Belastung (Funktion und Schwer- kraft). Sie berücksichtigt die Idee der strukturellen Kontinuität der funktionellen myofaszialen Systeme und der neuralen Mo- dulation. Abb. 23 Funktions- test: Bei der Analyse der für den Patien- ten relevanten Be- wegungsmuster zeigt sich eine Inhi- bition der Stabilisa- toren des Becken- gürtels (M. glutaeus medius). Abb. 21 Bei der Aktivierung des globalen flexorischen myofaszialen Systems (Modus: konzentrisch-isometrisch) wird eine Dominanz des globalen Systems bei der HWS (Translation statt Flexion des Kopfes) sichtbar. Abb. 22 Bei der Aktivierung des globalen extensorischen myofaszia- len Systems (Modus: exzentrisch-isometrisch) werden die Qualität der axialen Belastung des Beines sowie die Kontrolle des Rumpfes deutlich (aus: Bizzini M. Sensomotorische Rehabilitation nach Beinverletzun- gen. Stuttgart: Thieme; 2000). a b Abb. 24 Reihenfol- ge der Rekrutierung. (a) Verfrühte Akti- vierung des M. tra- pezius pars descen- dens links (nach Janda [12]). (b) Ver- frühte Aktivierung des M. trapezius pars descendens beim Funktionstest. Bacha S. Muskelsysteme … Manuelle Therapie 2004; 8: 28 – 38 Fachwissen:Muskulatur 37 Heruntergeladenvon:FHCampusWien.Urheberrechtlichgeschützt.
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