Angstvermeidungsverhalten
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Angstvermeidungsverhalten Document Transcript

  • 1. Auswirkungen von Angstvermeidungsverhalten bei Rückenschmerzpatienten1 Effects of Fear-Avoidance Behaviour in Back Pain Patients Autor C. Keller-Eberle Schlüsselwçrter l" Rückenschmerzen l" Behinderung l" Angstvermeidungsverhalten l" psychosoziale Faktoren Key words l" back pain l" disability l" fear avoidance behaviour l" psychosocial factors eingereicht 24.7.2007 akzeptiert 18.9.2007 Bibliografie DOI 10.1055/s-2008-1027564 Manuelle Therapie 2008; 12: 103–112  Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York · ISSN 1433-2671 Korrespondenzadresse Catherine Keller-Eberle Schachenstr. 3 6006 Luzern, Schweiz ceberle@gmx.ch Einleitung ! In der westlichen Gesellschaft leiden die meis- ten Menschen einmal im Leben an einer Episode lumbaler Beschwerden [37]. Der grçßte Teil der Patienten erholt sich nach einer akuten Rücken- schmerzepisode wieder vollständig, während manche Patienten länger anhaltende Schmerzen mit der Tendenz zu Chronizität aufweisen. Da- bei stellt sich die Frage, welche Mechanismen dazu führen, dass sich ein Teil der Patienten vollständig erholt, während andere fortwähren- de Schmerzen und Einschränkungen bei tägli- chen Aufgaben erfahren. So kamen Cedraschi und Allaz [5] zu dem Schluss, dass psychosoziale Risikofaktoren die Wahr- scheinlichkeit erhçhen, dass akute Schmerzpa- tienten chronisch werden bzw. eine chronische Behinderung aufgrund von Schmerzen entwi- ckeln. Das Interesse der Autorin für dieses Thema ent- wickelte sich während der täglichen Arbeit. Viele Patienten leiden an lumbalen Schmerzen. Wie er- wähnt, erholt sich ein Teil wieder vollständig. Bei denjenigen, die auch nach abgeschlossener Phy- siotherapie weiterhin Schmerzen haben, stellt sich die Frage nach den auslçsenden Mechanis- men. Häufig haben sich Patienten mit anhalten- den Schmerzen ein Angstvermeidungsverhalten angewçhnt, das sich im Vermeiden gewisser Be- wegungen und Aktivitäten äußert. Diese Beob- achtung gab den Ausschlag, mehr über dieses Thema zu erfahren. Ein Ziel dieser Literaturstudie besteht darin, ei- nen Überblick über die Auswirkung von Angst auf Schmerz und das Bewegungsverhalten zu gewinnen. Außerdem wird untersucht, wie das Angstvermeidungsverhalten Patienten mit einer Episode akuter lumbaler Beschwerden sowie chronischen Schmerzpatienten beein- flusst. Abschließend wird ergründet, warum bei bestimmten Patienten nach Ablauf der Wundheilungszeit immer noch Schmerzen und Aktivitätseinschränkungen mit der Ten- denz zu Chronizität auftreten. Zusammenfassung ! Immer mehr Menschen leiden unter Rücken- schmerzen. Während viele Patienten nach einer Episode akuter Rückenschmerzen wieder voll- ständig genesen, halten bei anderen die lumba- len Schmerzen dauerhaft an. Häufig entwickeln sich dabei psychosoziale Risikofaktoren, wie z.B. Angstvermeidungsverhalten. Die Literaturstudie geht den Fragen nach, wa- rum gewisse Patienten nach Ablauf der Wund- heilungszeit immer noch Schmerzen und Akti- vitätseinschränkungen aufweisen und wie das Angstvermeidungsverhalten Patienten mit lum- balen Beschwerden beeinflusst. Abstract ! A growing number of people suffer from lower back pain. While many patients recover com- pletely after an episode of acute back pain, in others lumbar pain persists permanently. In this process psychosocial risk factors such as fear- avoidance behaviour often develop. This literature review explores the questions why certain patients still have pain and activity restrictions after wound healing and how fear avoidance behaviour influences patients with lumbar complaints. 1 Die Arbeit wurde als Bestandteil der SVOMP-OMT-Aus- bildung 2004 – 2006 verfasst. Keller-Eberle C. Auswirkungen von Angstvermeidungsverhalten… Manuelle Therapie 2008; 12: 103–112 Literaturstudie 103 Heruntergeladenvon:FHCampusWien.Urheberrechtlichgeschützt.
  • 2. Begriffsdefinitionen Psychosoziale Risikofaktoren Folgende psychosoziale Risikofaktoren (Yellow flags) spielen bei einem Chronifizierungsprozess eine wichtige Rolle [12, 37]: E Angstvermeidungsverhalten; E Beliefs/Katastrophisierung (z.B. Glaube, dass Schmerz schäd- lich oder behindernd sein kann oder Angst, der Patient kann durch den Schmerz gewisse Bewegungen nicht mehr aus- üben); E Soziales Umfeld: übervorsorgliches Verhalten oder Ignoranz von Partner, Familie oder Bekannten gegenüber der Schmerz- situation des Patienten; E Negative Gefühlsempfindungen wie Depression, Niederge- schlagenheit, Hilflosigkeit und Hoffnungslosigkeit; E Arbeitssituation: Unzufriedenheit bei der Arbeit, Angst vor Arbeitsverlust; E Falsche Erwartungen in Bezug auf Prognose und Behandlung; E Passive Coping-Strategien. Im Folgenden wird ausschließlich auf den Risikofaktor Angst- vermeidungsverhalten eingegangen. Mehrere Studien haben ge- zeigt, dass beim Auftreten einer neuen Episode lumbaler Be- schwerden häufig Angstvermeidungsverhalten vorliegt [8, 13, 16, 29, 31, 36]. Zudem konnte nachgewiesen werden, dass bei der Entstehung von Rückenschmerzen ein Zusammenhang zwi- schen Angst vor Schmerz und dem daraus folgenden Vermei- dungsverhalten besteht [3, 31, 35]. Schmerz und Behinderung E Schmerz: „Schmerz ist ein unangenehmes Sinnes- und Ge- fühlserlebnis, das mit aktueller oder potenzieller Gewebs- schädigung verknüpft ist oder mit Begriffen einer solchen Schädigung beschrieben wird“ [4]. E Behinderung wird als Bewegungsdysfunktion definiert [37]. Die von der WHO entwickelte Klassifizierung International Classification of Functioning, Disability and Health (ICF) diffe- renziert Funktions- und Aktivitätsstçrung sowie Partizipati- onseinschränkung [38]. Obwohl die beiden Begriffe in der Praxis häufig als gleichbe- deutend verwendet werden, ist es wichtig, sie voneinander zu unterscheiden [10, 11, 36, 37]. Beispiel: Ein Patient kann zwar Schmerzen haben, sich aber in seinen Aktivitäten nicht einge- schränkt fühlen. Die klinische Erfahrung zeigt nämlich, dass Rückenschmerzen nicht immer auch zu einer Einschränkung der Aktivitäten und somit zu einer Behinderung führen müs- sen [37]. Die Patienten jedoch, welche aufgrund ihrer Schmer- zen ein Angstvermeidungsverhalten entwickeln, sind deutlich in ihren Aktivitäten eingeschränkt und somit behindert. Akut versus chronisch Aufgrund der unterschiedlichen Behandlungsansätze müssen akute von chronischen Schmerzen differenziert werden. Bei aku- tem Schmerz kommt es im Verlauf des Heilungsprozesses zu ei- ner kontinuierlichen Verbesserung der Symptome (adaptive Re- aktion [21]). Dauert der Schmerz jedoch länger als die normale Wundheilungszeit an, handelt es sich um chronischen Schmerz [35, 36]. Das Auftreten psychosozialer Risikofaktoren kann zu ei- ner Beeinträchtigung von Bewegungen und Aktivitäten führen, was den Chronifizierungsprozess fçrdert (maladaptive Reakti- on). l" Abb. 1 zeigt einen Vergleich zwischen akutem und chro- nischem Schmerzverhalten. Methode ! Literatursuche Die Literatursuche erfolgte vorwiegend in den Datenbanken Pubmed und PEDro. Die außerdem in Psyc Articles gefundene Literatur wurde für diese Studie nicht weiterverwendet, da sie zu wenig Bezug zur Physiotherapie hatte. Aufgrund der Komplexität des Themas fand die Literatursuche in mehreren Schritten statt: Suchwçrterabfrage, Definition von Ausschlusskriterien, Bildung thematischer Gruppen und Refe- renzsuche. Suchwçrterabfrage Im 1. Schritt wurden folgende Suchwortkombinationen verwen- det: E Fear avoidance AND low back pain; E Fear avoidance AND chronic disability; E Fear avoidance AND intervention. Eine zeitliche Limitierung nach dem Alter der Artikel erfolgte nicht, da es zunächst darum ging, eine mçglichst breite Palet- te an Informationen zu erhalten und sich nicht nur auf kürz- lich publizierte Artikel einzuschränken. Anhand der Suchwçrter fanden sich 212 Artikel. akuter Schmerz Gewebeschädigung Nozizeption Nozizeption sensorisch sensorisch kognitiv affektiv akutes Krankheitsverhalten chronischer Schmerz (Gewebeschädigung) körperliche Behinderung chronisches Krankheitsverhalten kognitiv affektiv Abb. 1 Vergleich der biopsychosozialen Elemente von akuten und chronischen Rückenschmerzen so- wie Krankheitsverhalten. Keller-Eberle C. Auswirkungen von Angstvermeidungsverhalten… Manuelle Therapie 2008; 12: 103–112 Literaturstudie104 Heruntergeladenvon:FHCampusWien.Urheberrechtlichgeschützt.
  • 3. Ausschlusskriterien Bei der im 2. Schritt durchgeführten Selektion entfielen folgen- de Artikel: E In einer anderen Sprache als Englisch verfasste Arbeiten; E Studien, die sich nicht ausschliesslich mit lumbalen Rücken- schmerzpatienten befassten; E Artikel, die eine zusätzliche Krankheit (z.B. Fibromyalgie, Bandscheibendegeneration, Lungenerkrankung) oder einer Rückenoperation behandelten. Da mit den dokumentierten Suchwortabfragen einige Artikel doppelt erschienen, reduzierte sich die Anzahl der verbleiben- den Artikel auf 52. Bildung thematischer Gruppen Für eine gezieltere Analyse der gefundenen Artikel wurden im 3. Schritt die 52 Artikel in folgende 3 Untergruppen aufgeteilt: E Wie wirkt sich das Angstvermeidungsverhalten bei Patienten mit chronischen Rückenschmerzen auf das Schmerzempfin- den und die Behinderung aus? (9 Artikel) E Welche Auswirkung hat Angstvermeidungsverhalten bei Patienten mit einer Episode akuter lumbaler Beschwerden? (6 Artikel) E Arbeiten mit mehr globalen Fragestellungen, wie z.B. Thera- pieansätze, Einfluss auf die Arbeit (37 Artikel). Für die weitere Analyse wurden ausschließlich die 15 Artikel der ersten beiden Gruppen verwendet, weil sie einen direkteren Zu- sammenhang mit dem Ziel dieser Literaturstudie aufweisen. Ergänzende Referenzensuche In einem 4. und letzten Schritt wurde die Literaturliste um die in den nach Schritt 2 gefundenen Studien am häufigsten zitierten Artikel ergänzt. Damit kamen 9 weitere Artikel hinzu, die auch Studien zu Kopfschmerzpatienten [22, 23] und zum Zeitpunkt der Studie schmerzlosen Probanden berücksichtigten [16]. Diese zusätzlichen Artikel sollten zu einem tieferen Verständnis die- ses komplexen Themas verhelfen. Verwendete Artikel Zusammen mit den 15 Artikeln aus der thematischen Gruppen- bildung und den 9 Studien der ergänzenden Referenzensuche verwendete diese Literaturstudie insgesamt 24 Arbeiten, von denen 6 rein beschreibender Natur waren. Die anderen 18 Arti- kel wurden den unter Ergebnissen genannten Punkten gemäß miteinander verglichen. Ergebnisse ! Entwicklung von akuten zu chronischen Schmerzen bzw. Behinderung Um die Entwicklung von akuten zu chronischen Schmerzen zu erklären, wurden verschiedene Modelle entwickelt, wie z.B. das Fear-Avoidance Model von Lethem et al. ([15]; l" Abb. 2) oder das Cognitive Model of Fear of Movement/(Re) Injury von Vlaeyen et al. ([32]; l" Abb. 3). Der Kernpunkt der beiden Modelle ist die Angst vor Schmerz, die sich entweder in Konfrontations- oder Vermeidungsverhalten zeigt. Konfrontation führt zu einer Angstverminderung (adapti- ves Verhalten), Vermeidung hingegen zur Zunahme der Angst bzw. dem Vermeiden kçrperlicher und sozialer Aktivitäten [22, 23] und somit maladaptivem Verhalten. Im Modell von Vlaeyen et al. [32] geht es zusätzlich um den Zusammenhang zwischen Angst vor Bewegung und einer (Wieder) Verletzung sowie dem Verhalten des Patienten. Beim Übergang von akutem zu chronischem Rückenschmerz scheint der Einfluss psychosozialer Faktoren sehr wichtig zu sein [13, 32, 33]. Verschiedene Autoren unterstützen die The- orie, das Angstvermeidungsverhalten sei der wichtigste kogni- tive für die Entwicklung vom akuten Problem zur chronischen Behinderung verantwortliche Risikofaktor [6, 8, 22]. Die Studie von Klenerman et al. [13] zeigte, dass sich Patienten mit einer erstmaligen Episode akuter Rückenschmerzen entwe- der innerhalb von hçchstens 2 Monaten erholen oder andern- falls zur Chronizität tendieren. Daraus lässt sich schließen, dass in Bezug auf die Entstehung chronischer Schmerzen die ersten 2 Monate am kritischsten sind. Auch laut Sieben et al. [25] erholen sich die meisten Patienten nach einer akuten Rückenschmerzepisode innerhalb von eini- gen Wochen und die anderen weisen ein erhçhtes Risiko auf, chronisch zu werden. Angst vor Schmerz Ereignisse Persönlichkeit psychosozialer Kontext persönliche Schmerzgeschichte Strategien des Schmerz-Copings Konfrontation starkes Verlangen. wieder an den Arbeitsplatz und zu anderen Aktivitäten zurückzukehren Mobilisierung, Übungen und Konfrontation mit persönlicher Schmerzgrenze zunehmende Konfrontation mit Schmerzerfahrung: Kalibrierung der Schmerzerfahrung gegen das Schmerzempfinden wirksame Rehabilitation Vermeidung zunehmende Angst vor Schmerz und Vermeiden körperlicher und sozialer Aktivitäten körperliche Auswirkungen: z.B. Verlust der Wirbelsäulenmobilität und der Muskelkraft, Gewichtszunahme psychologische Auswirkungen: mangelndes Aussetzen der Schmerzerfahrung, fehlende adäquate Kalibrierung, vermindertes Verhaltensrepertoire und zunehmende Empfindlichkeit gegenüber positiver und negativer Verstärkung des Invaliditätsstatus übertriebenes Schmerzempfinden (Desynchrony) Abb. 2 Fear-avoidance Model des übertriebenen Schmerzempfindens. Keller-Eberle C. Auswirkungen von Angstvermeidungsverhalten… Manuelle Therapie 2008; 12: 103–112 Literaturstudie 105 Heruntergeladenvon:FHCampusWien.Urheberrechtlichgeschützt.
  • 4. Therapeuten müssen sich der zentralen Rolle des Angstver- meidungsverhaltens bei der Entwicklung von chronischer Be- hinderung und Arbeitsverlust bewusst sein. Um Chronizität zu verhindern, muss das Angstvermeidungsverhalten im akuten Stadium der Rückenschmerzepisode erkannt und behandelt werden (Waddell et al. 1993). Angst Patienten mit einer akuten Rückenschmerzepisode haben häufig Angst. Es verunsichert sie, nicht zu wissen, woher der Schmerz kommt, was ihn ausgelçst hat und was sie dagegen unterneh- men kçnnen [37]. Dabei kann es um Angst vor Schmerz, der Aus- führung einer Bewegung, sozialem Verlust, Arbeitsplatzverlust oder Behinderung handeln. Angst vor Schmerz Verschiedene Autoren beschrieben, dass Angst vor Schmerz und schmerzhaften Erlebnissen und Aktivitäten behindernder ist als der Schmerz selber [3, 6, 36]. Patienten entwickeln oft schon in einem frühen Stadium lumbaler Beschwerden Angst vor Schmerz, die ihren Gesundheitszustand bezüglich Behin- derung und Arbeitsfähigkeit bestimmt [31]. Sieben et al. [25] konnten in ihrer Studie bestätigen, dass innerhalb der ersten 2 Wochen nach einer akuten Schmerzepisode eine verstärkte Angst vor Schmerz festzustellen ist. Bei chronischen Rückenschmerzpatienten ist die Angst vor Schmerz mit verstärkter Behinderung [2, 6, 33] und vermin- derter kçrperlicher Leistungsfähigkeit verknüpft [1, 6, 32]. Vlaeyen und Linton [35] sowie Asmundson et al. [3] zeigten zudem, dass bei chronischen Rückenschmerzpatienten die Angst vor Schmerz ein Vermeidungsverhalten auslçst, das die Entwicklung und Beibehaltung behindernder Rückenschmer- zen unterstützt. Linton et al. [16] fanden auch bei schmerz- freien Personen Anzeichen schmerzbedingter Angst. Angst vor Bewegungsausführung Häufig führt Schmerz auch zu Angst vor der Bewegungsausfüh- rung bzw. (Wieder) Verletzung [32]. Vlaeyen et al. [32] fanden heraus, dass Patienten mit einer akuten Rückenschmerzepisode bestimmte Aktivitäten nicht länger ausführen, weil diese Akti- vitäten den Schmerz und das Leiden verstärken. In ihrer Studie heben sie den starken Einfluss der Angst vor Bewegungsausfüh- rung bzw. (Wieder) Verletzung hervor. Sie testeten, wie groß die Angst bei Patienten war, die ein Gewicht hochheben muss- ten und stuften diese als sehr stark ein [32]. ¾hnliche Resultate beschrieben auch Crombez et al. [6]. Al-Obai- di et al. [1] kamen zur Ansicht, Patienten mit Rückenschmerzen glaubten normalerweise, kçrperliche Aktivität oder die Verrich- tung ihrer Arbeit werde den Schmerz verstärken. Angst vor sozialem Verlust Laut Philips und Jahanshahi [22] ist sozialer Rückzug die stärks- te Auswirkung von Vermeidungsverhalten, gefolgt vom Vermei- den von Haushaltaktivitäten, alltäglichen Bewegungen/Aktivi- täten und täglichen Übungen. Philips [23] stellte fest, dass das Vermeiden von Arbeit, Übungen und Aktivitäten im sozialen Leben aufgrund chronischer Schmerzen eine schlechte und in- adäquate Coping-Strategie darstellt und somit den Chronifizie- rungsprozess weiter unterstützt. Angst vor Arbeitsplatzverlust Im Zusammenhang mit lumbalen Beschwerden kommt auch die Angst vor der momentanen Arbeitssituation zur Sprache. Fritz et al. [8] und Waddell et al. [36] beschrieben die Beziehung zwi- schen der Arbeitssituation und dem Angstvermeidungsverhal- ten in Bezug auf Arbeit. Waddell [37] fand, dass die Patienten, die nach 1 Monat immer noch nicht zu ihrer Arbeit zurückkehr- ten, ein 20%iges Risiko hatten, chronisch zu werden und ihre Ar- beit nicht wieder aufnehmen konnten. Gemäß Sieben et al. [26] haben Patienten mit geringer Arbeits- zufriedenheit grçßere Angst vor Schmerz haben als diejenigen, die mit ihrer Arbeit zufrieden sind. Einfluss von Angst auf Behinderung Übereinstimmend mit den Studien von Vlaeyen et al. [33, 35] zeigten Swinkels et al. [30], dass Angst eine wichtige Rolle bei der initialen Entwicklung einer Behinderung spielt. Außerdem besteht ein Zusammenhang zwischen Angst und kçrperlicher Leistungsbeeinträchtigung [1, 6, 32] und verstärkter Behinde- rung ([2, 6, 9, 33, 36]; l" Abb. 4). Angst vor Schmerz ist sowohl bei akuten als auch chronischen Rückenschmerzen der Auslçser für eine Behinderung [6, 13, 25, 29, 33, 36]. Sowohl Swinkels et al. [31] als auch Sieben et al. [26] stellten einen starken Zusammenhang zwischen Schmerz- intensität und Behinderung fest. Somit ist es nicht verwunder- lich, dass ein Patient mit akuten Rückenschmerzen zu Beginn Verletzung Vermeidung Unfähigkeit Nichtgebrauch Depression Schmerzerfahrungen Katastrophieren Angst vor Bewegung/erneuter Verletzung Genesung Konfrontation Nichtkatastrophieren Abb. 3 Kognitives Verhaltensmodell der Angst vor Bewegung/(Wieder-)Verletzung. Keller-Eberle C. Auswirkungen von Angstvermeidungsverhalten… Manuelle Therapie 2008; 12: 103–112 Literaturstudie106 Heruntergeladenvon:FHCampusWien.Urheberrechtlichgeschützt.
  • 5. einer Episode Angst vor Schmerzen hat und versucht, Aktivitä- ten zu vermeiden. Eine kontinuierliche Zunahme der alltägli- chen und sozialen Aktivitäten führt zu einer Reduktion der Be- hinderung [29, 31]. Wirkung von Katastrophisierung auf das Angstvermeidungsverhalten In dem von Vlaeyen et al. [32] entwickelten kognitiven Modell von Angst und Bewegung spielen Angst vor Schmerz sowie Ka- tastrophisierung eine zentrale Rolle. Dies äußert sich entweder in einem Konfrontations- oder Vermeidungsverhalten. Auch Crombez et al. [6] untersuchten die Parameter Schmerz- katastrophisierung und Angst vor Schmerz. Swinkels et al. [30] fanden zudem heraus, dass Angst vor Schmerz und Katastro- phisierung wichtige Faktoren für die Entstehung einer Behin- derung darstellen. Allgemeine Auswirkungen von Angstvermeidungs- verhalten Verschiedene Autoren [1–3, 5, 6, 8, 9, 12, 13, 15–18, 20, 25–35] befassten sich mit der Frage nach den Auswirkungen von Angst- vermeidungsverhalten auf lumbale Rückenschmerzen bzw. wie Angstvermeidungsverhalten entsteht [16]. Angstvermeidungsverhalten spielt sowohl bei der Entstehung und Aufrechterhaltung lumbaler Rückenschmerzen [8, 13, 16, 36] als auch bei der Entwicklung einer chronischen Behinderung eine wichtige Rolle [32]. In der akuten Phase ist ein Vermeidungs- verhalten, das sich in Ruhe, Entspannung und unterstützenden Maßnahmen äußert, für die Senkung der Schmerzempfindlich- keit sinnvoll [32]. Der Langzeiteffekt ist jedoch negativ und ver- stärkt die Chronifizierung [22]. Wenn das Vermeidungsverhalten bei chronischen Schmerzpatienten anhält, obwohl die Gewebe- heilung schon lange abgeschlossen ist, handelt es sich um eine maladaptive Reaktion [3, 23]. Diese Patienten verbringen einen großen Teil ihrer Zeit damit, den Schmerz zu kontrollieren. Mit ihrem Verhalten vermeiden sie jede Situation, die den Schmerz eventuell provozieren kçnnte. Dieses Vermeidungsverhalten ist hier – anders als bei akuten Schmerzpatienten – nicht effektiv [23]. Sieben et al. [26] erwähnen zudem, dass Patienten, die we- gen ihrer Rückenschmerzen Bettruhe bevorzugen, ein stärkeres Angstvermeidungsverhalten zeigen als diejenigen ohne Bettruhe. Nach Philips [23] Meinung ist ein Grund für anhaltendes Ver- meidungsverhalten das Vorhandensein bestimmter Beliefs und Erwartungen und Vermeiden die stärkste Komponente von Schmerzverhalten. Vermeiden wird durch verschiedene Beliefs beeinflusst [23]. Mçgliche Therapieansätze Auf mçgliche Therapieansätze wird hier nur kurz eingegan- gen. Die bisher erwähnten Artikel nennen vor allem globale Ziele, wie den Menschen zu helfen, wieder ihre täglichen Ak- tivitäten aufzunehmen [31], die Belastbarkeit zu verbessern und das Vermeidungsverhalten zu verringern [23]. Laut Klenerman et al. [13] ist es enorm wichtig, chronische Schmerzpatienten mit einem interdisziplinären Therapiepro- gramm zu behandeln. Eine weitere Studie mit chronischen Pa- tienten zeigte zudem, dass eine stufenweise Belastungssteigerung (Graded exposure) gewisser Angst auslçsender Bewegungen die negative Einstellung des Patienten verringern kann und zu einer Verbesserung der funktionellen Aktivitäten und verbesserter Ak- tivitätstoleranz führt [6]. Vlaeyen und Crombez [34] kamen zum selben Ergebnis. Diskussion ! Literatursuche Aufgrund der Komplexität des Themas erfolgte die Literatursu- che in 5 verschiedenen Schritten. Mit diesem Vorgehen ergab sich eine ausreichende Artikelsammlung. Die meisten Studien waren cross-sectional oder prospektiv. Im Gegensatz zu anderen Studientypen, wie z.B. Randomized clinical trials (RCT), geht es bei dieser Literaturstudie nicht um den Vergleich verschiedener Therapieformen, sondern vielmehr um eine Verhaltensanalyse bezüglich Angst vor Schmerz und Angstvermeidung bei Rücken- schmerzpatienten. Aus diesem Grund war es nicht mçglich, die Studien mit einer Skala wie der Pedro Scale zu bewerten, son- dern fand auf deskriptivem Weg statt. Vergleichbarkeit der Gruppen: Akute und chronische Patienten Die Patienten der 18 verglichenen wiesen entweder akute, chro- nische oder gemischte (akute und chronische) Schmerzen oder keine aktuellen Schmerzen [16] auf. Bei Patienten mit akuten Schmerzen [8, 13, 26, 27, 29–31] ver- besserte eine frühzeitige Verminderung der Angst vor Schmerz und des Angstvermeidens den Aktivitätslevel. Dies führt zur Ab- nahme der Behinderung und Verbesserung der Partizipation bei täglichen und sozialen Aktivitäten. Klenerman et al. [13] stellten zudem fest, dass die Personen mit erstmaliger Episode akuter Rückenschmerzen entweder innerhalb von 2 Monaten schmerz- frei wurden oder sich zu chronischen Schmerzpatienten entwi- ckelten. Als stärkster Einflussfaktor auf das Ergebnis erwies sich das Angstvermeidungsverhalten. Von den Studien, die chronische Patientengruppen untersuchten [1, 2, 6, 17, 22, 32, 33] bestätigten Crombez et al. [6] einen Zu- sammenhang zwischen Schmerzintensität, Angst vor Schmerz und negativen Emotionen. Die Parameter wurden beim Ausfüh- ren eines Bewegungstests noch verstärkt. Vlaeyen et al. [32, 33] zeigten, dass Angst vor Bewegung die Hauptursache für Katas- trophisierung ist. Bei Philips und Jahanshahi [22] war der soziale Rückzug die gravierendste Auswirkung von Angstvermeidungs- verhalten. Grotle et al. [9] stellten sowohl bei akuten als auch chroni- schen Rückenschmerzpatienten fest, dass Angstvermeidungs- Schmerz Coping- Strategien psychologische Probleme, Krankheitsverhalten Angstvermeidungs- vorstellungen körperliche Behinderung Arbeitsplatzverlust wegen Berufsunfähigkeit Abb. 4 Kognitive, affektive und verhaltensmäßige Zusammenhänge zwischen Rückenschmerz und Berufsunfähigkeit. Keller-Eberle C. Auswirkungen von Angstvermeidungsverhalten… Manuelle Therapie 2008; 12: 103–112 Literaturstudie 107 Heruntergeladenvon:FHCampusWien.Urheberrechtlichgeschützt.
  • 6. verhalten und Leiden die Behinderung beeinflusst. Waddell et al. [36] untersuchten anhand des Fear-avoidance Beliefs Ques- tionnaire (FABQ) akute und chronische Patienten. Bei ihnen stand das Angstvermeidungsverhalten im Zusammenhang mit chronischer Behinderung bei Aktivitäten des täglichen Lebens und der Arbeit. Bei den von Linton et al. [16] untersuchten bereits bei schmerz- freien Menschen war ein Angstvermeiden zu beobachten. Die Angst vor Schmerz erhçhte das Risiko für eine spätere Episode lumbaler Schmerzen. Die Autoren gingen der Frage nach, wie Angstvermeidungsverhalten entsteht. Ihre Erkenntnis, dass sich das Verhalten schmerzfreier Menschen nicht von dem akuter oder chronischer Patienten unterscheidet, legt die Vermutung nahe, dass nicht erst der Beginn einer neuen Schmerzepisode der Auslçser von Angst vor Schmerz ist [16]. Es wäre interessant, in weiteren Studien mehr darüber zu erfahren. Studienergebnisse Diese Literaturstudie untersuchte einerseits, wie sich Angst vor Schmerz und der Ausführung von Bewegungen und Aktivitäten auf Rückenschmerzpatienten auswirkt, und andererseits, ob das daraus folgende Angstvermeidungsverhalten ein Grund dafür sein kçnnte, dass gewisse Patienten eine Chronizität bzw. Be- hinderung entwickeln. Auswirkungen von Angst vor Schmerz und der Ausführung von Bewegungen und Aktivitäten Angst vor Schmerz und Angstvermeiden verschlechtert den Ak- tivitätslevel. Dies bewirkt eine Zunahme Behinderung und eine Verschlechterung der Partizipation bei täglichen und sozialen Aktivitäten [1, 2, 6, 8, 13, 16, 22, 23, 31, 32, 36]. Außerdem führt Angstvermeidungsverhalten auch zu Angst vor der Arbeit [1, 8, 37]. Einfluss von Angstvermeidungsverhalten auf Chronifizie- rung und Behinderung Angstvermeidungsverhalten ist der wichtigste kognitive Risiko- faktor für die Entwicklung eines akuten Problems zu einer chro- nischen Behinderung [6, 8, 22]. Anhaltender Schmerz lçst jedoch nicht nur Angstvermeidungsverhalten, sondern auch Katastro- phisierung aus, die ebenso wie Angst vor Schmerz einen wichti- gen Faktor für die Entstehung einer Behinderung darstellt [30]. Laut Vlaeyen et al. [32] äußert sich das Katastrophisieren ent- weder in einem Konfrontations- oder Vermeidungsverhalten. Konfrontation ist eine adaptive Reaktion auf den Schmerz, wäh- rend es sich beim Vermeiden um eine maladaptive Reaktion handelt, die den Patienten veranlasst, bestimmte Schmerz aus- lçsende Aktivitäten zu unterlassen [8]. Dies führt wiederum zu verminderten kçrperlichen und sozialen Aktivitäten, Verstär- kung der Angst, gesteigerten Vermeidungsverhalten und ver- stärkter Behinderung [32]. Einzig Sieben et al. [27] sehen Angst vor Schmerz nicht als relevanten Faktor für die Entwicklung ei- ner Behinderung. Die Resultate der untersuchten Studien legen nahe, dass die psychosozialen Risikofaktoren Angstvermeidungsverhalten und Katastrophisierung dafür verantwortlich sind, dass gewisse Pa- tienten nach Ablauf der Wundheilungszeit immer noch Schmer- zen und Aktivitätseinschränkungen aufweisen. Zudem kçnnte Angstvermeidungsverhalten ein Grund für die Entwicklung ei- ner Chronizität bzw. Behinderung sein. Fragestellungen für weitere Studien Die Angst zu Beginn einer Schmerzepisode dürfte in der Unsi- cherheit begründet sein, die bei an lumbalen Schmerzen lei- denden Patienten entsteht. Sie kann in der Intensität und in der Länge variieren und verschiedene Faktoren dafür verant- wortlich sein: E Hatte der Patient bereits eine frühere Episode von Rücken- schmerzen oder leidet er das erste Mal an lumbalen Schmer- zen? E Wie ist der Allgemeinzustand des Patienten? Ist er gesund oder hat er weitere Krankheiten? E Wie sieht die Arbeitssituation des Patienten aus? E In was für ein soziales Umfeld ist der Patient eingebettet? E Wie steht der Schmerz im Verhältnis zur Kultur und Religion des Patienten? E Welche Beliefs bzw. ¾ngste hat der Patient bezüglich lumba- ler Beschwerden? E Weitere Forschung ist nçtig, um herauszufinden, im welchem Zusammenhang Schmerz zur Kultur und Religion, zum Allge- meinzustand und zu weiteren Beliefs des Patienten steht. Schlussfolgerungen ! Die Schmerzverarbeitung von Patienten mit einer Episode lum- baler Beschwerden kann 2 Wege einschlagen kann. Entweder kommt es im Verlauf der Wundheilungszeit zur Verbesserung der Symptome, Abnahme der Schmerzen und Verringerung der anfänglichen Angst und des Vermeidungsverhaltens (adaptives Verhalten) oder die Beschwerden und der Schmerz bleiben be- stehen (maladaptives Verhalten). Die andauernden Schmerzen und die Angst vor Schmerz verstärken das Angstvermeidungs- verhalten. Dies äußert sich im Vermeiden von Bewegungsaus- führung, sozialem Rückzug und Angst vor der Ausführung täg- licher Aktivitäten sowie der Arbeit. Therapeuten müssen sich der zentralen Rolle von Angstvermei- dungsverhalten bei einer chronischen Behinderung bewusst sein. Um die Chronizität zu verhindern, gilt es, das Angstvermeidungs- verhalten bereits im akuten Stadium einer Rückenschmerzepiso- de zu erkennen und zu behandeln [36]. Eine stufenweise Belas- tungssteigerung (Graded exposure) innerhalb der ersten Tagen nach einer akuten Rückenschmerzepisode führt zu einer Verbes- serung der täglichen Aktivitäten. Durch das frühzeitige Erlernen von Selbstbehandlungsstrategien kann der Patient den Schmerz selbst beeinflussen und ist ihm nicht hilflos ausgeliefert. Zur Umsetzung der oben erwähnten Maßnahmen sind die Com- pliance und die Motivation des Patienten von großer Bedeutung. Der Therapieerfolg wird zusätzlich optimiert, wenn der Patient in ein interdisziplinäres Behandlungsprogramm integriert wer- den kann. Bei der alltäglichen therapeutischen Arbeit ist es je- doch nicht immer einfach oder realistisch, eine interdisziplinäre Behandlung zu gewährleisten. Gerade in einer Praxis, in der nicht dieselbe umfassende Infrastruktur wie in stationären Behand- lungszentren zur Verfügung steht, ist die Durchführung eines in- terdisziplinären Behandlungsprogramms nicht mçglich. Um gezielt auf die Beschwerden der Patienten eingehen zu kçn- ne, sollten sich Therapeuten im Praxisalltag genügend Zeit neh- men, um herauszufinden, was deren Angstvermeidungsverhal- ten auslçst und welche Faktoren die Angst und das Vermeiden negativ beeinflussen, Keller-Eberle C. Auswirkungen von Angstvermeidungsverhalten… Manuelle Therapie 2008; 12: 103–112 Literaturstudie108 Heruntergeladenvon:FHCampusWien.Urheberrechtlichgeschützt.
  • 7. Tab. 1 Artikelübersicht Autor Ziele der Arbeit Art der Studie Anzahl Probanden Ergebnis Swinkels et al. [31] – Vergleich der Struktur des Fear-Avoidance Beliefs Questionnaire (FABQ) von Waddell et al. [36] mit der Version von Pfingsten et al. [20] bei Pa- tienten mit akuten Rückenschmerzen – Überprüfung, ob bei akuten Rückenschmerzpatienten eine Beziehung zwischen Angstvermeidungsverhalten, wahrgenommener Behinde- rung und Partizipation besteht cross-sectional study 615 akute Rückenschmerz- patienten – der FABQ von Waddell et al. [36] schnitt gegenüber der Version von Pfingsten et al. [20] besser ab – durch die Verminderung von Angst und Angstvermeiden verbesserte sich der Aktivitätslevel, was zur Abnahme der Behinderung und Ver- besserung der Partizipation der täglichen und sozialen Aktivitäten führte Sieben et al. [26] Besteht eine Verknüpfung zwischen Schmerzintensität, Angst vor Schmerz, Vermeiden und Behinderung zu Beginn einer akuten Rücken- schmerzepisode im Vergleich zu chronischen Patienten? prospective study 247 Patienten mit akuten Rückenschmerzen – bereits in einem akuten Stadium von lumbalen Schmerzen fand sich ein Zusammenhang zwischen Schmerzintensität, Angst vor Schmerz, Vermeidungsverhalten und Behinderung – deutlichste Korrelation bestand zwischen Schmerz und Behinderung. Sieben et al. [27] – Messung der Validität des Fear-avoidance Model von Vlaeyen und Lin- ton [35] – Kçnnte Angst vor Schmerz eine mçgliche Ursache von späterer Behinderung sein? prospective study 222 akute Rückenschmerz- patienten – Validität des Fear-avoidance Models konnte nicht bestätigt werden – Angst vor Schmerz scheint kein relevanter Faktor für die Entwicklung von Behinderung zu sein. Swinkels et al. [30] Welche Faktoren spielen bei Patienten mit einer Episode akuter Rücken- schmerzen in Bezug auf kçrperliche Leistungsfähigkeit zusammen und welche sind für die Entwicklung einer Behinderung verantwortlich? cross-sectional study 96 akute Rückenschmerz- patienten Angst vor Schmerz ist ein wichtiger Faktor bei der Beeinflussung der kçrperlichen Leistungsfähigkeit und einer späteren Behinderung Grotle et al. [9] – Vergleich von Angstvermeidungsverhalten und Leiden bei akuten und chronischen Patienten – Besteht bei akuten und chronischen Rückenschmerzpatienten eine Be- ziehung zwischen Angstvermeidungsverhalten, Leiden und Behinde- rung? cross-sectional study 123 akute Patienten und 233 chronische Patienten – Angstvermeidungsverhalten und Leiden beeinflussen sowohl bei aku- ten als auch chronischen Rückenschmerzpatienten die Behinderung – Resultate stimmen mit denen anderer Studien überein, die sich nur mit chronischen Rückenschmerzpatienten befassten [2, 5, 31, 35] Swinkels et al. [29] – Untersuchung der Tampa Scale for Kinesiophobia (TSK) – Besteht bei akuten Rückenschmerzpatienten ein Zusammenhang zwi- schen schmerzbedingter Angst, Behinderung und Partizipation? cross-sectional study 555 akute Rückenschmerz- patienten – beim TSK wurden 4 Modelle getestet, die jedoch ungenügende Resul- tate zeigten. Erst durch eine zusätzliche Analyse wurde eines der 4 Modelle als geeignet betrachtet – eine frühzeitige Verminderung von Angst vor Schmerz und Behinde- rung verbessert die Partizipation bei Aktivitäten des täglichen Lebens Sieben et al. [25] – Kann innerhalb der ersten 2 Wochen nach einer akuten Schmerzepiso- de eine verstärkte Angst vor Schmerz festgestellt werden? – Wie veränderte sich das Verhalten der Patienten nach 3 und 12 Mona- ten in Bezug auf die Behinderung? prospective case series design 44 akute Rückenschmerz- patienten – in den ersten 2 Wochen wurde eindeutig eine Verstärkung der Angst vor Schmerz festgestellt – nach 1 Jahr war die Behinderung deutlich verstärkt Fritz et al. [8] – Ist Angstvermeidungsverhalten ein Auslçser beim Übergang von einem akuten zu einem chronischen Problem? – Besteht eine Beziehung zwischen der Behinderung und dem Angstver- meidungsverhalten in Bezug auf die Arbeit clinical trial 78 akute Patienten, die aufgrund ihrer Arbeit unter Rückenschmerzen litten – Angstvermeidungsverhalten kçnnte beim Übergang von einem akuten zu einem chronischen Problem ein wichtiger Auslçser sein – Angstvermeidungsverhalten in Beug auf die Arbeit war für eine Behinderung verantwortlich Al-Obaidi et al. [1] – Bestimmung der maximalen isometrischen Drehkraft der spinalen Muskulatur bei Patienten mit chronischen Rückenschmerzen – Inwiefern kçnnen Unterschiede in der spinalen isometrischen Kraft auf Schmerzantizipation, Schmerzwahrnehmung, Angst vor funktionaler Behinderung und Angstvermeidungsverhalten zurückgeführt werden? correlative design 63 chronische Rücken- schmerzpatienten – bei chronischen Rückenschmerzpatienten besteht ein starker Zusam- menhang zwischen dem im Vergleich zu gesunden Menschen nach- weisbaren Kraftdefizit der spinalen Muskulatur, Schmerzwahrneh- mung, Schmerzantizipation und Angstvermeidungsverhalten – Schmerzantizipation spielt dabei eine stärkere Rolle als das Angstver- meidungsverhalten in Bezug auf kçrperliche Aktivitäten Keller-EberleC.AuswirkungenvonAngstvermeidungsverhalten…ManuelleTherapie2008;12:103–112 Literaturstudie109 Heruntergeladenvon:FHCampusWien.Urheberrechtlichgeschützt.
  • 8. Tab. 1 (Fortsetzung) Autor Ziele der Arbeit Art der Studie Anzahl Probanden Ergebnis Linton et al. [16] Untersuchung der zu Beginn einer zukünftigen Rückenschmerzepisode zu erwartenden Auswirkungen von Angstvermeidungsverhalten und Ka- tastrophisierung bei gesunden und momentan schmerzfreien Probanden prospective design 415 Personen ohne aktuelle Schmerzen – bereits schmerzfreie Menschen weisen Angstvermeiden auf – Angst vor Schmerz erhçht das Risiko einer späteren Episode von lum- balen Schmerzen – Katastrophisierung scheint hingegen kein Risikofaktor für eine spätere Rückenschmerzepisode zu sein Crombez et al. [6] Anhand von 3 Studien wurden die Fragebogen FABQ, TSK und Pain Anxiety Symptoms Scale (PASS): – 1. Studie: Zusammenhang zwischen Schmerzintensität, Angst vor Schmerz und negativen Emotionen anhand des FABQ und des TSK –2. Studie: Messung von Schmerzintensität, Angst vor Schmerz, Schmerzerwartung und negative Emotionen mit einem Bewegungs- test anhand des FABQ und des TSK – 3. Studie: Sind Schmerzintensität, Angst vor Schmerz und negative Emotionen für die Entstehung von Behinderung (TSK und PASS) ver- antwortlich? systematic review – 1. Studie: 35 chronische Patienten mit lumbalen Schmerzen – 2. Studie: 38 Patienten – 3. Studie: 31 Patienten – 1. Studie: Es fand sich ein Zusammenhang zwischen Schmerzintensi- tät, Angst vor Schmerz und negativen Emotionen – 2. Studie: deutliche Korrelation zwischen Schmerzintensität, Angst vor Schmerz, Schmerzerwartung und negativen Emotionen beim Ausführen des Bewegungstests – 3. Studie: Im Gegensatz zu PASS konnte über den TSK bestätigt wer- den, dass ein Zusammenhang der verschiedenen Schmerzparame- ter und der Behinderung besteht Asmund- son et al. [2] – 1. Studie: Unterscheiden sich mit der Multidimensional-Pain-Invento- ry-Klassifikation (MPI) gebildeten 3 Untergruppen von chronischen Schmerzpatienten in Bezug auf Angst, Angstvermeidungsverhalten und nicht schmerzhafte Angstsituationen? – 2. Studie: Eignen sich schmerzspezifische Angst und Angstvermeiden zur MPI-Klassifikation? systematic review – 1. Studie: 200 chronische Rückenschmerzpatien- ten – 2. Studie: 55 chronische Rückenschmerz- patienten – 1. Studie: die 3 Untergruppen von chronischen Schmerzpatienten un- terscheiden sich zwar in Bezug auf schmerzspezifische Angst und Vermeidungsverhalten, nicht aber hinsichtlich andere untersuchte Arten von Angst – 2. Studie: die verschiedenen Maße von Angst und Angstvermeidungs- verhalten eignen sich zur Unterscheidung bestimmter Untergrup- pen von chronischen Schmerzpatienten McCracken et al. [18] Welche Messparameter von Angst korrelieren mit Schmerzintensität, Angstvermeiden oder Behinderung (anhand von FABQ, Fear of Pain Questionnaire (FPQ), PASS, Spielberger Trait Anxiety Inventory (STAI)? cross-sectional study 45 chronische Schmerz- patienten – FABQ korreliert mit Behinderung und Angstvermeidungsverhalten, FABQ-Work mit Hilfesucheverhalten – PASS korreliert mit Schmerzintensität, Behinderung und Vermei- dungsverhalten – FPQ korreliert mit Schmerz und Behinderung – STAI korreliert mit Schmerzintensität und Behinderung Klenerman et al. [13] Besteht bei Patienten mit einer akuten Episode von Rückenschmerzen ein Zusammenhang zwischen Angstvermeidungsverhalten und Chronifi- zierung? Cohort study 300 akute Rückenschmerz- patienten wurden am An- fang, nach 2 und 12 Monaten befragt – Probanden mit erstmaliger Episode von akuten Rückenschmerzen werden entweder innerhalb von 2 Monaten schmerzfrei oder entwi- ckeln sich zu chronischen Schmerzpatienten – stärkster Einflussfaktor auf das Ergebnis nach 2 und 12 Monaten ist das Angstvermeidungsverhalten Vlaeyen et al. [32] Untersuchung des Einflusses von Angst vor Bewegung/(Wieder) Verletzung auf kçrperliche Aktivität anhand von 2 Studien: – 1. Studie: Welcher Zusammenhang besteht zwischen Angst vor Bewegung/(Wieder) Verletzung in Bezug auf persçnliche (Alter, Geschlecht und Dauer der Beschwerden), auf schmerzbezogene (Schmerzintensität und Coping) sowie auf leidensbedingte Daten (Angst und Depression)? – 2. Studie: Besteht ein Zusammenhang zwischen Angst vor Bewegung/ (Wieder) Verletzung und einem Bewegungstest? – 1. Studie: ran- domized clinical trial – 2. Studie: ex- perimental study – 1. Studie: 103 chronische Rückenschmerzpatien- ten – 2. Studie: 33 chronische Rückenschmerz- patienten – 1. Studie: Angst vor Bewegung/(Wieder) Verletzung steht in Zusam- menhang mit Katastrophisierung und allgemeiner depressiver Stimmung – 2. Studie: Patienten mit Angst vor Bewegung/(Wieder) Verletzung mieden den Bewegungstest häufiger als diejenigen ohne Angstver- meidungsverhalten Keller-EberleC.AuswirkungenvonAngstvermeidungsverhalten…ManuelleTherapie2008;12:103–112 Literaturstudie110 Heruntergeladenvon:FHCampusWien.Urheberrechtlichgeschützt.
  • 9. Danksagung ! Herzlicher Dank gebührt Elly Hengeveld für ihre Betreuung wäh- rend der Arbeit und ihre wertvollen Anregungen sowie Bernhard Keller für seine Hilfe bei Korrektur und Layout. Literatur 1 Al-Obaidi SM, Nelson RM, Al-Awadhi S et al. The role of anticipation and fear of pain in the persistence of avoidance behavior in patients with chronic low back pain. Spine 2000; 25: 1126–1131 2 Asmundson GJG, Norton GR, Allerdings MD. Fear and avoidance in dys- functional chronic back pain patients. Pain 1997; 69: 231–236 3 Asmundson GJG, Norton PJ, Norton GR. Beyond pain: the role of fear and avoidance in chronicity. Clin Psychol Rev 1999; 19: 97–119 4 Van den Berg F. Angewandte Physiologie. Bd. 4: Schmerzen verstehen und beeinflussen. (Kap. 1: Weiss T, Schaible HG. Physiologie des Schmerzes und der Nozizeption). Stuttgart: Thieme, 2003 5 Cedraschi C, Allaz AF. How to identify patients with a poor prognosis in daily clinical practice. Best Practice & Research Clinical Rheumatology 2005; 19: 577–591 6 Crombez G, Vlaeyen JWS, Heuts PH et al. Pain-related fear is more dis- abling than pain itself: evidence on the role of pain-related fear in chronic back pain disability. Pain 1999; 80: 329–339 7 Fairbank J, Davies JB, Couper J et al. The Oswestry Low Back Pain Dis- ability Questionnaire. Pysiotherapy 1980; 66: 271–273 8 Fritz JM, George SZ, Delitto A. The role of fear-avoidance beliefs in acute low back pain: relationships with current and future disability and work status. Pain 2001; 94: 7–15 9 Grotle M, Vollestad NK, Veierod MB et al. Fear-avoidance beliefs and distress in relation to disability in acute and chronic low back pain. Pain 2004; 112: 343–352 10 Hengeveld E. Gedanken zum Indikationsbereich der Manuellen Thera- pie. Manuelle Therapie 1998; 2: 176–181 11 Hengeveld E. Biopsychosoziales Modell. In: Van den Berg F (Hrsg). An- gewandte Physiologie. Bd.4: Schmerzen verstehen und beeinflussen. Stuttgart: Thieme, 2003 12 Kendall NAS, Linton SJ, Main CJ. Guide to Assessing Psycho-Social Yel- low Flags in Acute Low Back Pain: Risk Factors for Long-Term Disabil- ity and Work Loss. Wellington: Accident Compensation Corporation and the New Zealand Guidelines Group, 1997 13 Klenerman L, Slade PD, Stanley IM et al. The prediction of chronicity in patients with an acute attack of low back pain in a general practice setting. Spine 1995; 20: 478–484 14 Kori SH, Miller RP, Todd DD. Kinisophobia: a new view of chronic pain behavior. Pain Management 1990; 3: 35–43 15 Lethem J, Slade PD, Troup JDG et al. Outline of a fear-avoidance model of exaggerated pain perception. Behav Res Thr 1983; 21: 401–408 16 Linton SJ, Buer N, Vlaeyen JWS et al. Are fear-avoidance beliefs related to the inception of an episode of back pain? A prospective study. Psy- chol Health 2000; 14: 1051–1059 17 McCracken LM, Zayfert C, Gross RT. The Pain Anxiety Symptoms Scale: development and validation of a scale to measure fear of pain. Pain 1992; 50: 67–73 18 McCracken LM, Gross RT, Aikens J et al. The assessment of anxiety and fear in persons with chronic pain: a comparison of instruments. Behav Res Ther 1996; 34: 927–933 19 Melzack R. The McGill Pain Questionnaire: major properties and scor- ing methods. Pain 1975; 1: 277–299 20 Pfingsten M, Kroner-Herwig B, Leibing E et al. Validation of the German version of the Fear-Avoidance Beliefs Questionnaire (FABQ). Eur J Pain 2000; 4: 259–266 21 Pfund R, Zahnd F. Leitsymptom Schmerz. 1: Differenzierende manual- therapeutische Untersuchung und Therapie bei Bewegungsstçrungen. Stuttgart: Thieme, 2001 22 Philips C, Jahanshahi M. The components of pain behaviour report. Be- hav Res Ther 1986; 24: 117–125 23 Philips C. Avoidance behaviour and its role in sustaining chronic pain. Behav Res Ther 1987; 25: 273–279 24 Roland M, Morris R. A study of the natural history of back pain. Part 1 & 2: Roland-Morris Disability Questionnaire. Spine 1983; 8: 141–150 25 Sieben JM, Vlaeyen JWS, Tuerlinckx S et al. Pain-related fear in acute low back pain: the first two weeks of a new episode. Eur J Pain 2002; 6: 229–237 Tab.1(Fortsetzung) AutorZielederArbeitArtderStudieAnzahlProbandenErgebnis Vlaeyen etal.[32] –1.Studie:UntersuchungderStrukturdesTSK –2.Studie:IstAngstvorBewegung/(Wieder)VerletzungdieHaupt- ursachefürKatastrophisierung. systematic review –1.Studie:129chronische Rückenschmerzpatien- ten –2.Studie:33chronische Rückenschmerz- patienten –1.Studie:TSKwurdeaufgrunddergutenStruktur,Validitätundder hohenInterkorrelationderVariablenpositivgewertet –2.Studie:AngstvorBewegung/(Wieder)VerletzungistdieHaupt- ursachefürKatastrophisierung Waddell etal.[35] EntwicklungeinesFragebogens,derbeiRückenschmerzpatientendas AngstvermeidungsverhalteninBezugaufkçrperlicheAktivitätundAr- beitberücksichtigt(FABQ) –EinsatzdesFragebogenszurUntersuchungderBeziehungzwischen Rückenschmerzen,AngstvermeidungsverhaltenundchronischerBehin- derungbeiAktivitätendestäglichenLebensundderArbeit Entwicklung einesFrage- bogens Cross-sectional study –Hauptstudie:184Patien- tenmitRückenschmerzen (5%akut,20%subakutund 75%chronisch) –Bei2Pilotgruppenwurden 30ambulantePatienten mitRückenschmerzenun- tersucht –Bei26Patientenwurdeein Test-Retestdurchgeführt FABQergab,dassAngstvermeidungsverhaltenmitchronischerBehin- derungbeiAktivitätendestäglichenLebensundderArbeitzusammen- hängt Philipsund Jahanshahi [21] UntersuchungderVermeidungsverhaltenbeiKopfschmerzpatientenan- handeinervonPhilipserstellten,aus49Punktenbestehendenundin3 Verhaltensdimensionen(Vermeiden,Leiden,Hilfesuche)unterteilten Checkliste(PBC).30der49PunktebefasstensichspeziellmitdemVer- meidungsverhalten Cross-sectional study 267chronischeKopf- schmerzpatienten –wieerwartet,warendieKopfschmerzesbeiPatientenmitgroßem Vermeidungsverhaltenstärker –sozialerRückzugwardiestärksteAuswirkungvonVermeidungsver- halten,gefolgtvonVermeidenvonHaushaltaktivitäten,alltäglichen BewegungenundAktivitäten Keller-Eberle C. Auswirkungen von Angstvermeidungsverhalten… Manuelle Therapie 2008; 12: 103–112 Literaturstudie 111 Heruntergeladenvon:FHCampusWien.Urheberrechtlichgeschützt.
  • 10. 26 Sieben JM, Portegijs PJM, Vlaeyen JWS et al. Pain-related fear at the start of a new low back pain episode. Eur J Pain 2005; 9: 635–641 27 Sieben JM, Vlaeyen JWS, Portegijs PJM et al. A longitudinal study on the predictive validity of the fear-avoidance model in low back pain. Pain 2005; 117: 162–170 28 Sullivan MJL, Bishop SR, Pivik J. The pain catastrophizing scale: deve- lopment and validation. Psychol Assess 1995; 7: 524–532 29 Swinkels-Meewisse IEJ, Roelofs J, Verbeek ALM et al. Fear of movement/ (re)injury, disability and participation in acute low back pain. Pain 2003; 105: 371–379 30 Swinkels-Meewisse IEJ, Roelofs J, Oostendorp RAB et al. Acute low back pain: pain-related fear and pain catastrophizing influence physical performance and perceived disability. Pain 2006; 120: 36–43 31 Swinkels-Meewisse IEJ, Roelofs J, Verbeek ALM et al. Fear-avoidance be- liefs, disability, and participation in workers and nonworkers with acute low back pain. Clin J Pain 2006; 22: 45–54 32 Vlaeyen JWS, Kole-Snijders AMJ, Boeren RG et al. Fear of movement/ (re)injury in chronic low back pain and its relation to behavioral per- formance. J Occup Rehabil 1995; 62: 363–372 33 Vlaeyen JWS, Kole-Snijders AMJ, Rotteveel A et al. The role of fear of movement/(re)injury in pain disability. J Occup Rehabil 1995; 5: 235–252 34 Vlaeyen JWS, Crombez G. Fear of movement/(re)injury, avoidance and pain disability in chronic low back pain patients. Manual Therapy 1999; 4: 187–195 35 Vlaeyen JWS, Linton SJ. Fear-avoidance and its consequences in chronic musculoskeletal pain: a state of the art. Pain 2000; 85: 317–332 36 Waddell G, Newton M, Henderson I et al. A fear-avoidance beliefs ques- tionnaire (FABQ) and the role of fear-avoidance beliefs in chronic low back pain and disability. Pain 1993; 52: 157–168 37 Waddell G. The back pain revolution. Edinburgh: Churchill Living- stone, 2004; 2nd ed 38 World Health Organization (WHO). International Classification of Functioning, Disability and Health. Geneva: WHO, 2001 Keller-Eberle C. Auswirkungen von Angstvermeidungsverhalten… Manuelle Therapie 2008; 12: 103–112 Literaturstudie112 Heruntergeladenvon:FHCampusWien.Urheberrechtlichgeschützt.