25 jahre manuelle triggerpunkt therapie
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25 jahre manuelle triggerpunkt therapie 25 jahre manuelle triggerpunkt therapie Document Transcript

  • 25 Jahre Manuelle Triggerpunkt-Therapie R. Gautschi Bibliografie DOI 10.1055/s-2008-1027974 Manuelle Therapie 2008; 12: 189–192 © Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York · ISSN 1433-2671 Korrespondenzadresse Roland Gautschi, Master of Arts, Dipl. PT Senior- Instruktor, IMTT, Vorsitzender des Instruktorenteams der IMTT Kehlstr. 33 5400 Baden Schweiz gautschi@kehl-33.ch Rückblick ! ̈ Schmerzpatienten mit einer schmerzhaften Therapie behandeln – Ist das erlaubt? ̈ Triggerpunkte – Gibt es die überhaupt? ̈ Referred Pain – Wie bitte? Die Ursache eines ventralen oder „tief im Gelenk“ empfundenen Schulterschmerzes soll häufig nicht an der Schmerzstelle (d.h. nicht „vorne“ und nicht „im Gelenk“), sondern durch einen dorsal lie- genden Muskel (z.B. M. infraspinatus) verur- sacht sein? Diese Fragen, die auch heute noch für einige The- rapeuten und Ärzte povokativ klingen, waren es vor 25 Jahren bestimmt. Beim 7. Internationalen FIMM-Kongress für Ma- nuelle Medizin 1983 in Zürich stellte David G. Si- mons das Konzept der myofaszialen Triggerpunk- te (mTrP) und ihre Behandlung mit der Spray- and-Stretch-Methode (Kälteapplikationen auf die Haut im Bereich der mTrPs und anschließendem Stretching der Muskulatur) sowie der Infiltration mTrPs mit einem Lokalanästhetikum (Procain, Li- docain) vor. In der Folge begann Beat Dejung – zu jener Zeit selbst Mitglied des Instruktorenteams für Manuelle Medizin der SAMM (Schweizeri- sche Ärztegesellschaft für Manuelle Medizin) –, in großem Ausmaß myofasziale Schmerzproble- me in seiner Praxis für Rheumatologie und Physi- kalische Medizin in Winterthur/Schweiz zu un- tersuchen und mit Spray and Stretch und Infiltra- tionen zu behandeln. Gleichzeitig experimentier- te er damit, manuell nicht nur die Triggerpunkte selbst mit ischämischer Kompression, sondern gleichwertig das Bindegewebe zu behandeln, das sich vor allem bei chronischen Schmerzpa- tienten sehr häufig reaktiv verändert und ver- kürzt zeigt. Dazu nutzte und adaptierte er tiefe Massage- und Bindegewebstechniken, wie sie von Ida Rolf [23] bekannt sind. Dejung stellte fest, dass vor allem bei chronifizierten Schmerzzu- ständen die manuelle Behandlung der Trigger- punkte in Verbindung mit der Therapie des Bin- degewebes die nachhaltigste Wirkung zeigte [3–5]. Dies war die Geburtsstunde der Manuellen Triggerpunkt- und Bindegewebsbehandlung. Rückblickend besteht eines der großen Verdiens- te von Dejung darin, die Erkenntnisse von Travell und Simons [27] über myofasziale Schmerzen und Funktionsstörungen in eine manualthera- peutische Methode überführt zu haben, die gleichwertig auf den mTrP selbst als auch auf die reaktiv veränderten faszialen Strukturen wirkt. In den frühen 90er-Jahren rekrutierte er ein Instruktorenteam und initiierte die 1995 in der Schweiz gegründete Interessengemeinschaft für myofasziale Triggerpunkt-Therapie (IMTT), die heute über 500 Mitglieder zählt. Ihre Ziele beste- hen im Vermehren und Verbreiten des Wissens um Ursache, Diagnostik und Therapie myofaszia- ler Syndrome sowie der Etablierung einer quali- fizierten Ausbildung zur Therapie myofaszialer Schmerzen und Funktionsstörungen. Im Kurs- system der IMTT unterrichten derzeit 14 Instruk- toren (10 Physiotherapeuten und 4 Ärzte) und 5 Assistenten einen standardisierten 15-tägigen Ausbildungslehrgang. Nach dem IMTT-Kurssys- tem wurden in Europa bisher über 3000 Physio- therapeuten und mehr als 200 Ärzte ausgebildet [26, 27]. Aktuell ! Triggerpunkte – gibt es die überhaupt? Pathophysiologie Bei mTrP handelt es sich um schmerzhafte, kli- nisch eindeutig identifizierbare, pathologische Veränderungen in der Skelettmuskulatur. Sie ge- hören heute zu den wissenschaftlich erforschten und aufgeklärten Phänomenen im Bereich der neuromuskuloskelettalen Medizin. Pathophysio- logisch nachgewiesen sind die lokale Hypoxie im Zentrum des mTrP [1], ein verändertes, als Zeichen einer Fehlfunktion motorischer Endplat- ten interpretiertes EMG-Potenzial [25] sowie charakteristische Veränderungen des biochemi- schen Milieus [24]. Der niedrige pH-Wert (5,4 statt 6,6) und die um das 2- bis 4-fach erhöhte Konzentration von Schmerz- und Entzündungs- mediatoren (im Vergleich zum Referenzgewebe ohne aktive mTrPs) führt zu einer Veränderung der Nozizeptoraktivität im Sinn einer peripheren Sensibilisierung. Histomorphologisch dokumentiert sind Rigor- komplexe in der Kernzone mTrPs (Myosin- und Aktinfilamente verharren in maximal angenä- herter Position) mit reaktiver Überdehnung der angrenzenden Sarkomere [25] und Bindege- websveränderungen [7]. Zudem haben mTrP ei- nen signifikanten Einfluss auf das Muskelakti- vierungsmuster und damit auf Motorik und Dysfunktion des Bewegungssystems [8, 15]. Die pathophysiologischen Befunde sind wie ein- zelne, sich zu einem Bild fügende Mosaiksteine. Im Energiekrisen-Modell sind die bei der Entste- hung mTrP zusammenwirkenden Faktoren zu- sammengefasst [9, 18, 25]. Klinische Diagnostik Triggerpunkte lassen sich durch 3 Hauptdiagno- sekriterien eindeutig identifizieren (●" Tab.1). Gautschi R. 25 Jahre Manuelle… Manuelle Therapie 2008; 12: 189–192 Editorial 189 Heruntergeladenvon:FHCampusWien.Urheberrechtlichgeschützt.
  • Die Reliabilität der Diagnostik von mTrP ist für geübte Unter- sucher im klinischen Alltag mit Kappa-Werten von 0,71 – 0,82 gut bis sehr gut [14]. Referred Pain Ein durch Druck, Zug oder Nadelung provozierter mTrP kann Schmerzen auslösen, die in andere Körperregionen ausstrahlen (Referred pain). So können Kopfschmerzen von der Nacken-/ Halsmuskulatur und Rückenschmerzen von der Bauchmuskula- tur herrühren. Die Ursache für den Tennisellenbogen ist bei vie- len Patienten in der Schultermuskulatur zu suchen und häufig verursachen Triggerpunkte in der Gesäßmuskulatur Schmerzen im ganzen Bein bis hinunter zum Fuß. Zwar sind die Muster der Schmerzübertragung (Referred pain patterns) reproduzierbar, decken sich jedoch weder mit dem In- nervationsgebiet peripherer Nerven noch entsprechen sie seg- mentalen Innervationszonen. Sie sind Ausdruck einer veränder- ten Schmerzverarbeitung im ZNS [8, 18]. Therapie Die adäquate Therapie von mTrP richtet sich nach der zugrunde liegenden Pathologie und hat folgende Ziele: ̈ Lokale Durchblutungsverbesserung; ̈ Aufbrechen der Rigorkomplexe; ̈ Lösen und Aufdehnen reaktiv entstandener Bindegewebsver- änderungen; ̈ Dehnung/Detonisierung des Hartspannstrangs; ̈ Verbesserung der intra- und intermuskulären Beweglichkeit; ̈ Senkung der Nozizeptoraktivität. Mit 4 manuellen Techniken behandelt Triggerpunkt-Therapie der IMTT gezielt sowohl den Rigorkomplex selbst als auch die reaktiv veränderten Faszienstrukturen [9]. Sie werden durch Stretching, funktionelles Kräftigen der Muskulatur und ergono- mische Maßnahmen ergänzt. Damit lassen sich Funktionsfähig- keit und Belastbarkeit der Muskulatur verbessern sowie Fehlbe- lastungen reduzieren. Die Therapie myofaszialer Schmerzen ist in vielen Fällen nur dann dauerhaft erfolgreich, wenn neben der lokalen Therapie der Triggerpunkte auch zu chronischer Über- lastung der Muskulatur führende (prädisponierende, auslösen- de und perpetuierende) Faktoren behandelt werden. Andern- falls sind Rezidive vorprogrammiert. Triggerpunkt-Therapie als Behandlungskonzept Die Triggerpunkt-Therapie beschränkt sich nicht darauf, das Störpotenzial der mTrP mittels manueller Techniken zu deakti- vieren. Gleiche Beachtung gilt auch den Entstehungs- und Auf- rechterhaltungsfaktoren myofaszialer Probleme. Damit ist die Triggerpunkt-Therapie nicht ausschließlich eine Behandlungs- technik, sondern wird vielmehr zum Behandlungskonzept. Fol- gende Fragen des Clinical Reasonings gewinnen an Bedeutung: ̈ Welche Faktoren führen zur Entstehung bzw. Aktivierung von Triggerpunkten? ̈ Welchen Stellenwert hat die myofasziale Komponente im Ge- samtbild eines neuromuskuloskelettalen Problems? Sind mTrP dominierender Krankheitsfaktor oder Begleiterschei- nung einer anderen zugrunde liegenden Störung (arthrogen, neurogen, viszerogen, rheumatisch-entzündlich, vaskulär, tu- morbedingt, psychogen)? Kurz: Ist die myofasziale Kompo- nente primär oder sekundär? ̈ Wie sind primäre von sekundären myofaszialen Syndromen zu differenzieren? ̈ Welche klinischen Symptome (Schmerzen, motorische Dys- funktionen und vegetativ-trophische Störungen) sind direkt auf das Störpotenzial von Triggerpunkten zurückzuführen? ̈ Welche der vorliegenden Probleme treten als indirekte Fol- gen von mTrP auf? MTrP bewirken Hartspannstränge und/ oder Bindegewebsveränderungen, die ihrerseits z.B. für Be- wegungseinschränkungen, Koordinationsstörungen, artiku- läre Dysfunktionen oder neuromuskuläre Entrapments ver- antwortlich sein können. Wirkung Obwohl bisher keine wissenschaftlichen Studien auf höchstem Level evidenzbasierter Medizin zur Triggerpunkt-Therapie vorlie- gen, weist die Mehrzahl der bisherigen Untersuchungen eindeu- tig auf die Wirksamkeit der Triggerpunkt-Therapie hin. So ver- deutlicht die Untersuchung von Dejung [4] über die Behandlung von Patienten mit chronischen lumbalen Rückenschmerzen die Effizienz der manuellen Triggerpunkt-Therapie: 90 Patienten mit einer Schmerzanamnese zwischen 6 Monaten und 30 Jahren (Durchschnitt 4,4 Jahre) wurden ausschließlich mit manueller Triggerpunkt-Therapie behandelt. Die Schmerzeinschätzung der Patienten auf einer visuellen Analogskala (0 = kein Schmerz, 10 = maximaler Schmerz) lag bei Therapiebeginn durchschnittlich bei 6,60 und betrug bei Therapieende durchschnittlich nur noch 3,37. Die Follow-up-Befragung nach 1 – 2 Jahren (Durchschnitt 1,5 Jahre) nach Behandlungsende ergab einen Wert von 3,67 wo- bei rund ein Drittel der Patienten praktisch völlig schmerzfrei geworden war. Diese Ergebnisse zeigen, dass ein Großteil der sogenannten unspezifischen Rückenschmerzen nicht unspezifisch, sondern muskulär verursacht ist, und die manuelle Triggerpunkt- Therapie ein geeignetes Verfahren darstellt, die Schmerzen lang- fristig zu beseitigen oder zu bessern [4]. Die Wirkung basiert so- wohl auf der Beeinflussung peripher-nozizeptiver als auch auf der Modulierung zentraler und Output-Schmerzmechanismen [9]. Referred-pain-Phänomene sind nämlich Ausdruck veränder- ter Schmerzverarbeitungsprozesse (zumindest auf spinaler, mög- licherweise auch auf höheren Ebenen des ZNS) und zählen damit zu den zentralen Schmerzmechanismen. Indem Triggerpunkt-Therapie das Phänomen des Referred pain ins Zentrum der diagnostischen und therapeutischen Interven- Tab. 1 Klinische Diagnosekriterien aktiver mTrP (nach [25]). Hauptdiagnosekriterien – Hartspannstrang (Taut band) – maximale Druckempfindlichkeit (Spot tenderness) im Hartspannstrang – Reproduktion der Symptome (Pain re- cognition) durch mechanische Stimulati- on (Druck, Zug oder Nadelung) ergänzende Diagnose- kriterien – ausstrahlende Schmerzen (Referred pain) oder andere übertragene Phänomene (sensorisch, motorisch, autonom) – Gewebeverdichtung bzw. lokale ödema- töse Verquellung innerhalb des Hart- spannstrangs – lokale Zuckungsreaktion (Local twitch response) – Reproduktion der Symptome durch Muskeldehnung – Reproduktion der Symptome durch Muskelkontraktion – Muskelschwäche ohne Atrophie – propriozeptive Störungen mit Beein- trächtigung der Koordination – autonom-vegetative Phänomene Gautschi R. 25 Jahre Manuelle… Manuelle Therapie 2008; 12: 189–192 Editorial190 Heruntergeladenvon:FHCampusWien.Urheberrechtlichgeschützt.
  • tionen stellt, werden gezielt und konsequent Schmerzverarbei- tungsprozesse (und nicht nur periphere Schmerzmechanis- men) beachtet und beeinflusst. Ein seit Jahren unter Rücken- schmerzen leidender und bisher erfolglos dorsal behandelter Patient ist deprimiert. Wird in der Triggerpunkt-Therapie durch Provokation von Triggerpunkten im M. iliopsoas (von vorne) der bekannte Schmerz (hinten) ausgelöst, ist das für den Pa- tienten aufwühlend und nicht nur eine somatische, sondern gleichzeitig eine tiefgreifende emotionale und kognitive Erfah- rung. Seine Überzeugung, das Schmerzproblem sei unlösbar und invalidisierend, wird erschüttert und macht der keimen- den Hoffnung Platz, die Ursache der Rückenschmerzen sei bis- her möglicherweise nicht am richtigen Ort gesucht worden. Diese kognitive und emotionale Neubewertung der Schmerzsi- tuation stellt einen starken Verbündeten in der Therapie chro- nischer Schmerzen dar. Hinzu kommt, dass das bei vielen chro- nischen Schmerzpatienten auftretende Schmerzvermeidungs- verhalten durch die Triggerpunkt-Therapie radikal konfrontiert wird: Nicht weg vom Schmerz, sondern Nutzen des Schmerzes als Wegweiser auf dem Weg zur Besserung. Da der klinische, aus dem Alltag bekannte und der in der Therapie induzierte Schmerz zumeist nicht am selben Ort liegen, lässt sich die Schmerzwahrnehmung differenzieren. In der Therapie wird nicht der übermächtige klinische Schmerz, sondern mit dem therapeutisch induzierten Schmerz ein kleinerer Schmerz ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt, der dosier- und beein- flussbar ist. Zudem kann der therapeutisch induzierte Schmerz über Coun- terirritation das klinische Schmerzempfinden schwächen. Mit der Sensibilisierung auf das Wahrnehmen der Belastungsgren- ze und dem Erproben des angemessenen Handelns schließt die Triggerpunkt-Therapie auch kognitiv-verhaltensrelevante und beim Management chronischer Schmerzen wichtige Aspekte mit ein. Die eingangs gestellte Frage, ob Schmerzpatienten mit einer schmerzhaften Therapie behandelt werden dürfen, ist eindeu- tig mit ja zu beantworten, sofern der Therapeut verantwor- tungsbewusst und sensibel ist. Triggerpunkt-Therapie bei chronischen Schmerzen Chronische Schmerzen können sich durch ein Entgleisen von Schmerzverarbeitungsprozessen und Output-Schmerzmecha- nismen etablieren. Gleichzeitig ist zu beachten, dass chroni- sche Schmerzzustände auch durch periphere Schmerzmecha- nismen verursacht und aufrechterhalten werden können. Aus der Sicht der Triggerpunkt-Therapie ist vor allem auf 2 Fakto- ren hinzuweisen: ̈ Solange Therapeuten das allgegenwärtige Phänomen der Re- ferred pain (d.h. Schmerzen strahlen aus und die Orte der Schmerzempfindung und der Schmerzentstehung sind nicht identisch) nicht konsequent in Diagnostik und Therapie chro- nischer Schmerzen des Bewegungssystems miteinbeziehen, übersehen sie die Ursache vieler peripher bedingter Schmer- zen und leisten damit der Chronifizierung Vorschub. Tab. 2 Chronologie der Manuellen Triggerpunkt-Therapie. 1983 David G. Simons stellt beim 7. Internationalen Kongress der Federation International of Manual Medicine (FIMM) in Zürich das Konzept der myofaszialen Triggerpunkte und deren Behandlung mit der Spray-and-Stretch-Methode vor. Beat Dejung, Facharzt für Rheumatologie und Physikalische Medizin in Winterthur/Schweiz, beginnt – angeregt durch die Ausführungen von Simons beim FIMM-Kongress – myofasziale Schmerzsyndrome in breitem Ausmaß zu behandeln. In seiner Praxis in Winterthur entwickelt er einen spezifischen manualtherapeutischen Zugang zur Behandlung der Triggerpunkte. Neben der ischämischen Kompression am Ort der Triggerpunkte selbst, dehnt er zusätzlich das Bindegewebe auf, das vor allem bei chronischen Schmerzpatienten oft reaktiv verändert und verkürzt ist. 1988 Dejung publiziert mit dem Artikel Triggerpunkt- und Bindegewebsbehandlung – neue Wege in Physiotherapie und Rehabilitationsmedizin erstmals den neuen Zugang der Therapie myofaszialer Triggerpunkte [3]. 1995 Gründung der Interessengemeinschaft für Myofasziale Triggerpunkt-Therapie (IMTT) in der Schweiz. Die IMTT fördert die medizinisch- interdisziplinäre Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Schmerztherapie und setzt sich für die Erforschung myofaszialer Krankheiten ein. Sie engagiert sich für eine hohe Behandlungsqualität und bietet eine fundierte Ausbildung in Triggerpunkt-Therapie an. Dazu etabliert sie einen 15-tägigen Ausbildungslehrgang zum Triggerpunkt-Therapeuten IMTT, der Physiotherapeuten und Ärzten offen steht und mit einer Zertifi- katsprüfung abgeschlossen werden kann. Mit der Entwicklung und Einführung eines klaren Qualitätsstandards in der Triggerpunkt-Therapie leistet die IMTT weltweit Pionierarbeit (weitere Informationen unter www.imtt.ch und www.triggerpunkt-therapie.eu). 2003 Dejung veröffentlicht seine langjährige Erfahrung in der Behandlung myofaszialer Schmerzen: Triggerpunkt-Therapie. Die Behandlung akuter und chronischer Schmerzen im Bewegungsapparat mit manueller Triggerpunkt-Therapie und Dry Needling [5]. 2006 Gründung der Medizinischen Gesellschaft für Myofasziale Schmerzen (MGMS), der Partnerorganisation der IMTT in Deutschland (weitere Infos unter www.mgms-ev.de). Die IMTT organisiert zusammen mit 4 großen Schweizer Ärztegesellschaften (Schweizerische Ärztegesellschaft für Manuelle Medizin, Schwei- zerische Gesellschaft zum Studium des Schmerzes, Schweizerische Gesellschaft für Rheumatologie und Schweizerische Gesellschaft für Phy- sikalische Medizin und Rehabilitation) auf Initiative von Dejung in Winterthur/Schweiz den internationalen Kongress Muskuloskelettale Schmerzen – Ursachen und kausale Behandlung. Kooperationsvertrag zwischen der IMTT und der Schweizerischen Ärztegesellschaft für Manuelle Medizin (SAMM). 2007 Die IMTTorganisiert in Winterthur/Schweiz den Kongress Chronische Muskuloskelettale Schmerzen – Behandlung mit Triggerpunkt-Therapie – Patientenvorstellung. Dabei werden Patienten vorgestellt, die mit Manueller Triggerpunkt-Therapie und Dry Needling von ihren chronischen Schmerzen befreit werden konnten. Internationales Therapeutenverzeichnis, d. h. Adressen von Physiotherapeuten und Ärzten mit einer qualifizierten Ausbildung in Trigger- punkt-Therapie IMTT für Deutschland, Österreich und der Schweiz online unter www.triggerpunkt-therapie.eu zugänglich. 2008 Kooperationsvertrag zwischen der IMTTund dem Schweizerischen Verband Orthopädischer Manipulativer Physiotherapie (Svomp). Ab 2 009 werden alle Absolventen des OMT-Svomp-Ausbildungslehrgangs in Manueller Therapie in der Schweiz in einem 3-tägigen Kurs von IMTT- Instruktoren fundiert in die Diagnostik und Therapie myofaszialer Schmerzen und Funktionsstörungen eingeführt. Die Manuelle Triggerpunkt-Therapie wird neu in den in 5. Auflage erscheinenden Leitfaden Physiotherapie [6] aufgenommen und zählt damit spätestens ab diesem Zeitpunkt zum offiziellen Kanon der physiotherapeutischen Interventionsstrategien. Gautschi R. 25 Jahre Manuelle… Manuelle Therapie 2008; 12: 189–192 Editorial 191 Heruntergeladenvon:FHCampusWien.Urheberrechtlichgeschützt. View slide
  • ̈ Reaktive Bindegewebsveränderungen sind oft chronifizieren- der Faktor in der Peripherie. In solchen Fällen kann nur eine das Bindegewebe gezielt und nachhaltig behandelnde Thera- pie die Ursache der peripheren Chronifizierung beheben. Fazit ̈ Der Stellenwert myofaszialer Triggerpunkte für die Entste- hung und Aufrechterhaltung chronischer Schmerzen des neuromuskuloskelettalen Systems wird vielfach noch nicht erkannt oder unterschätzt. ̈ Falls die myofasziale Komponente als dominanter Krank- heitsfaktor für ein chronisches Schmerzgeschehen glaubhaft wird, ermöglicht Triggerpunkt-Therapie die gezielte, spezifi- sche und kausale Therapie. ̈ Triggerpunkt-Therapie hilft bei der Differenzialdiagnose, in- wieweit mTrP kausal am Schmerzgeschehen beteiligt sind. Neben Anamnese und Befund ist zur Klärung oft eine Probe- behandlung von 3 bis 6 Therapiesitzungen notwendig. ̈ Für einen nachhaltigen Erfolg bei der Behandlung chroni- scher myofaszialer Schmerzen müssen zusätzlich zur lokalen Therapie der Triggerpunkte perpetuierende Faktoren erkannt und in die Therapie miteinbezogen werden. Ausblick ! Für die Zukunft verfolgt die Manuelle Triggerpunkt-Therapie fol- gende Ziele: ̈ Komplette Integrierung des myofaszialen Aspekts im Clinical Reasoning aller neuromuskuloskelettale Probleme diagnosti- zierender und behandelnder Fachkräfte: Integration der myo- faszialen Komponente als gleichwertigen Aspekt in der Ma- nuellen Medizin (die bisher häufig einseitig gelenksspezifisch orientiert war/ist) sowie in jeglicher aktiv mit Bewegung arbeitenden Rehabilitationsmedizin. Alle Fachkräfte – seien es die in Schmerzbehandlung und Bewegungsrehabilitation arbeitenden Physiotherapeuten, Master of Physiotherapie im Bereich neuromuskuloskelettale Medizin oder die als Allge- meinpraktiker, Orthopäden, Chirurgen, Rheumatologen, Neu- rologen tätigen Ärzte – können ihren Auftrag nur mit fundier- ten Kenntnissen über myofaszial verursachte Schmerzen und Funktionsstörungen verantwortungsvoll wahrnehmen. ̈ Initiierung und Unterstützung von Forschungsaktivitäten: Mit der nachgewiesenen guten Intertester-Reliabilität von mTrP [10, 14] ist die Voraussetzung für verlässliche klinische Studien gegeben. Die Akademisierung der Physiotherapie in Europa gibt Anlass zur Hoffnung, dass in den kommenden Jahren qualifizierte Studien stattfinden, die allgemeine myo- fasziale Themen und besonders die Triggerpunkt-Therapie untersuchen. ̈ Diese Aufgaben können nicht allein gelöst werden. Die Zei- chen stehen gut: Die Einbindung myofaszialer Therapien in Master-Ausbildungsgänge (z.B. MSc Physiotherapie an der Donau-Universität Krems in Kooperation mit dem Ulmkolleg) sowie Kooperationsgemeinschaften mit traditionell gelenk- spezifisch orientierten Richtungen der Manuellen Therapie (SAMM, Svomp) zeigen deutlich, dass die Zeit reif ist, integra- tiv zu denken und zu (be-)handeln. In Bezug auf die Erforschung myofaszialer Schmerzen und de- ren Behandlung mit Manueller Triggerpunkt-Therapie waren die letzten 25 Jahre überaus fruchtbar. Dies ist vor allem den Pionieren der myofaszialen Medizin Janet Travell und David Simons sowie dem Vorkämpfer der Manuellen Triggerpunkt- Therapie Beat Dejung zu verdanken. In den vergangenen 25 Jahren wurde viel in Gang gebracht und erreicht und viele Herausforderungen stehen noch bevor. Mögen wir an den Herausforderungen der kommenden 25 Jah- re gemeinsam mit möglichst vielen von Ihnen – geschätzte Kollegen – wachsen! Literatur 1 Brückle W et al. Gewebe-pO2-Messung in der verspannten Rücken- muskulatur. Zeitschrift für Rheumatologie 1990; 49: 208–216 2 Dejung B. Die Verspannung des M. iliacus als Ursache lumbosacraler Schmerzen. Manuelle Medizin 1987; 25: 73 3 Dejung B. Triggerpunkt- und Bindegewebsbehandlung – Neue Wege in Physiotherapie und Rehabilitationsmedizin. Physiotherpeut 1988; 6: 3 4 Dejung B. Die Behandlung unspezifischer chronischer Rückenschmer- zen mit manueller Triggerpunkt-Therapie. Manuelle Medizin 1999; 37: 124 5 Dejung B. Triggerpunkt-Therapie: Die Behandlung akuter und chroni- scher Schmerzen im Bewegungsapparat mit manueller Triggerpunkt- Therapie und Dry Needling. Bern: Huber, 2006 6 Ebelt-Paprotny G, Preis R. Leitfaden Physiotherapie. München: Urban & Fischer, 2008; 5. erw. Aufl 7 Feigl-Reitinger A et al. Der chronische Rückenschmerz: Histomorpho- logische Veränderungen der Muskulatur entlang der Wirbelsäule als Substrat der Myogelose. In: Feigl-Reitinger A et al (Hrsg). Myogelose und Triggerpunkte. Wien: Facultas, 1998 8 Gautschi R. gelesen und kommentiert: Lucas KR et al. Latent myofasci- al trigger points: their effects on muscle activation and movement ef- ficiency. Manuelle Therapie 2007; 11: 32–34 9 Gautschi R. Myofasziale Triggerpunkt-Therapie In: van den Berg F (Hrsg). Angewandte Physiologie. Bd.4: Schmerzen verstehen und be- einflussen. Stuttgart: Thieme, 2008; 2. erw. Aufl 10 Gerwin RD, Shannon S, Hong CZ et al. Interrater reliability in myofascial triggerpoint examination. Pain 1997; 69: 65–73 11 Hubbard DR, Berkoff GM. Myofascial trigger points show spontaneous needle EMG activity. Spine 1993; 18: 1803 12 Kellgren JH. Observations on referred pain arising from muscle. Clini- cal Science 1938; 3: 175–190 13 Lewit K. Das wissenschaftliche Konzept der Manuellen Therapie. Punkt für Punkt. Manuelle Medizin 2007; 45: 309–313 14 Licht G et al. Untersuchung myofaszialer Triggerpunkte ist zuverlässig. Intertester-Reliabilität an insgesamt 304 Muskeln überprüft. Manuel- le Medizin 2007; 45: 402–408 15 Lucas K, Karen R, Polus B et al. Latent myofascial trigger points: their effects on muscle activation and movement efficiency. Journal of Bo- dywork and Movement Therapies 2004; 8: 160–166 16 Mense S. Neue Entwicklungen im Verständnis von Triggerpunkten. Manuelle Medizin 1999; 3: 115–120 17 Mense S, Simons DG, Russel IJ. Muscle Pain – Understanding its Nature, Diagnosis and Treatment. Philadelphia: Williams & Wilkins, 2001 18 Mense S, Pongratz D. Chronischer Muskelschmerz. Grundlagen, Klinik, Diagnose, Therapie. Darmstadt: Steinkopf, 2003 19 Mense S. Mechanismen der Chronifizierung von Musekelschmerz. Or- thopäde 2004; 33: 525–532 20 Mense S. Muskeltonus und Muskelschmerz. Manuelle Medizin 2005; 43: 156–161 21 Mense S. Ein wissenschaftliches Interview. Manuelle Medizin 2007; 45: 282–285 22 Mense S. Aktuelles zum Rückenschmerz. physiopraxis 2008; 1: 30–33 23 Rolf I. Rolfing: Strukturelle Integration. Wandel und Gleichgewicht der Körperstruktur. München: Hugendubel, 1996 24 Shah JP, Phillips TM, Danoff JV et al. An in vivo microanalytical techni- que for measuring the local biochemical milieu of human skeletal muscle. J Appl Physiol 2005; 99: 1977–1984 25 Travell JG, Simons DG. Handbuch der Muskel-Triggerpunkte: Obere Ex- tremität, Kopf und Rumpf. München: Urban & Fischer, 2004; 2. Aufl 26 www.imtt.ch 27 www.triggerpunkt-therapie.eu Gautschi R. 25 Jahre Manuelle… Manuelle Therapie 2008; 12: 189–192 Editorial192 Heruntergeladenvon:FHCampusWien.Urheberrechtlichgeschützt. View slide