Viktor Pfluger:Hat die Zinslehre der Kirche noch Gültigkeit?Unter der Herrschaft des KapitalismusHat die Kirche wirklich i...
Synoden von Brixen (1603), Osnabrück (1628) und Bordeaux (1583) betonen, daß dasBewusstsein von der Sündhaftigkeit des Zin...
in Wirklichkeit gar kein Zinsnehmen ist, verbieten? Sollte sie gerade ihre besten Mitgliederdaran hindern, den Schaden, de...
Arbeitslohnes aller Arbeiter, und zwar ohne eigentliche Arbeit leisten zu müssen. Muß dadie Arbeit nicht in Mißkredit und ...
der gesetzliche Zinsfuß nicht übermäßig groß ist. Anderseits kann sogar eine noch höhereVergütung verlangt werden, wenn ei...
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Hat die zinslehre der kirche noch gültigkeit viktor pfluger

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Hat die zinslehre der kirche noch gültigkeit viktor pfluger

  1. 1. Viktor Pfluger:Hat die Zinslehre der Kirche noch Gültigkeit?Unter der Herrschaft des KapitalismusHat die Kirche wirklich ihre alte Lehre über Zins und Wucher, wie sie in der Enzyklika«Vix pervenit» offiziell verkündet ist, heute nicht aufgegeben? Gaben nicht seit demAnfang des letzten Jahrhunderts römische Kongregationen auf die Anfrage, wie manBeichtkinder, die Zins nehmen, im Beichtstuhl behandeln müsse, immer die Antwort:«Non sunt inquietandi», sie sind nicht zu beunruhigen? Verkünden nicht die meistenneuen Moralisten, das Zinsnehmen sei heute nicht unerlaubt? Hat nicht Heinrich Pescheinen neuen Titel der sozialen Dienstleistung aufgestellt, der immer erlaube, einenmäßigen Zins zu nehmen? Erklärte nicht die Kirche selber in ihrem Gesetzesbuch(Ausgabe 1917, Canon 1543), den gesetzlichen Zins sich auszubedingen, sei per se nichtunerlaubt? Ist es da nicht unmöglich, daß die Kirche an ihrer früheren Lehre noch festhält?Lehrt sie jetzt nicht das gerade Gegenteil von der Enzyklika «Vix pervenit»? Nein, ihreLehre ist unveränderlich, sie ist heute noch die gleiche wie 1745. Freilich wird sie jetztnicht befolgt und kann nicht befolgt werden. Eine ganz andere Zinslehre, die Zinslehre derWelt, hat sie vollständig verdrängt und die Herrschaft an sich gerissen. In dieser Lage,die die Kirche nicht ändern kann, muß sie entscheiden, was ihre Gläubigen praktisch unterder Herrschaft der Zinswirtschaft tun dürfen. Diese pastoralen Entscheidungen sind nichtihre Zinslehre. Ihre Zinslehre zeigt, wie es in einer richtigen Wirtschaftsordnung nach demWillen Gottes sein soll. Die pastoralen Entscheidungen der römischen Kongregationen, derMoralisten und des Codex Juris Canonici besagen, was die Gläubigen unter den ganzandern Verhältnissen, in die sie durch die Zinswirtschaft hineingestellt sind und denen siesich nicht entziehen können, noch tun dürfen. Ihre Zinslehre verkündet, was von jedemStaat, wenn er eine vernünftige und christliche Wirtschaft haben will, ausgeführt unddurchgeführt werden muß. Die jetzigen praktischen Entscheidungen der Kirche zeigen, wiedie Gläubigen sich verhalten dürfen, nachdem der Staat die Zinslehre der Kirche mißachtetund eine ganz unchristliche Zinslehre zur Herrschaft erhoben hat. Unter der Herrschaftdieser Zinslehre kann die Lehre der Kirche nicht durchgeführt und nicht in allen Punktenbefolgt werden. Die Zinslehre der Kirche hält sich gleichsam in den Katakombenverborgen, und die meisten Christen kennen sie nicht einmal mehr. Aber sie existiert undwird einmal wieder den Gruften der Katakomben entsteigen und den ihr gebührendenThron in der menschlichen Wirtschaft einnehmen.Wie ist es gekommen, daß die Zinslehre der Kirche in dieKatakomben gehen mußte?Zuerst suchte man im Mittelalter das strenge Zinsverbot der Kirche und des Staatespraktisch durch allerhand Titel und Verträge zu umgehen. Aber keiner wagte es, seineRichtigkeit und Gültigkeit zu bestreiten. Der «Reformator» Kalvin (1509-1564) war dererste, der dies tat, indem er leugnete, daß die Stelle Lk 6,35 ein Zinsverbot enthalte unddem alttestamentlichen Zinsverbot die Verbindlichkeit für die Christen absprach, weil diesein politisches Gesetz für die Juden gewesen sei. Während der Genfer «Reformator» mitder Zinslehre der Kirche brach, hielten Luther und Zwingli entschieden daran fest undpredigten gegen das Zinsnehmen noch ganz katholisch. Trotzdem riß gerade in ihrenReihen das Zinsnehmen bedenklich ein, besonders nachdem die Staaten das staatlicheZinsverbot aufgehoben hatten. Alles Predigen und Androhen kirchlicher Strafen fruchtetenicht mehr. Der österreichische berühmte Prediger Pater Scherrer (1539-1605) gestandschon 1584: „Wir Prediger sind gegen das Zinsnehmen zu schwach, man laßt uns dawiderschreien und schreiben, solange wir wollen. Die Zuhörer kehren sich nicht daran.“ Die
  2. 2. Synoden von Brixen (1603), Osnabrück (1628) und Bordeaux (1583) betonen, daß dasBewusstsein von der Sündhaftigkeit des Zinsnehmens zum größten Teil geschwunden sei.Der materialistische, egoistische Mammongeist war, genährt durch den Humanismus dieneuen Erfindungen und Entdeckungen und den aufblühenden Welthandel, immer größergeworden und erfüllte die Herzen. Aus diesem Geiste heraus suchten nun vom 16.Jahrhundert an außer der Kirche stehende Gelehrte wie Molinäus, Salmasius und anderedie herrschende Zinspraxis zu rechtfertigen und stellten ganz neue Zinstheorien auf. DieKirche verurteilte sie. Umsonst. Sie fanden auch in katholischen Herzen Anklang. 1744wagte es zum erstenmal ein Katholik, der als Gelehrte hochangesehene Scipio Maffei, inseinem Buch «Über die Geldanlage» das Zinsverbot der Kirche prinzipiell zu bestreiten.Dieser Irrlehre setzte Papst Benedikt XIV. 1745 in seiner Enzyklika „Vix pervenit“ diewahre Lehre der Kirche entgegen, und sandte Maffei ein Exemplar der Enzyklika mit derAufforderung zu, sich der Lehre und dem Urteil der Kirche zu unterwerfen. Der gefeierteGelehrte erklärte in seinem Brief an den Papst seine völlige Übereinstimmung mit derLehre der Enzyklika. In Wirklichkeit war die Lehre der Enzyklika ganz entgegengesetzt.1746 gab Maffei eine zweite Auflage seines Werkes heraus und ließ ihr als Anhang dieEnzyklika „Vix pervenit“ beidrucken, sowie seinen Brief an den Papst und auch - man höreund staune - einen Auszug aus dem großen Folianten des niederländischen JansenistenNikolaus Broedersen «Über die erlaubten und unerlaubten Zinsen» (erschienen 1743), derdie falschen Zinslehren des Molinäus und Salmasius wieder neu darstellte. In seinerbekannten Milde setzte Benedikt XIV. das Buch seines früheren Schülers nicht auf denIndex der verbotenen Bücher. Es fehlte nicht an solchen, die eine Indizierung anstrebten.Warum der Papst ihnen nicht nachgab? Wir wissen es nicht. Wahrscheinlich sah er ein,daß ein weiterer Kampf unnütz und aussichtslos sei. Das Übel war schon zu weitfortgeschritten und konnte von der Kirche nicht mehr geheilt werden. So begnügte sich derPapst damit, die Lehre der Kirche über Zins und Wucher noch einmal offiziell verkündetund festgenagelt zu haben.Einige Jahrzehnte später, als die französische Revolution die letzten Schrankenwegräumte, hatte die neue Wirtschaft, die Zinswirtschaft, oder der Kapitalismus die volleHerrschaft erlangt. Keiner konnte sich dieser Herrschaft mehr entziehen. Jeder war indiesem neuen Wirtschaftssystem gezwungen, Zins zu zahlen, ob er wollte oder nicht. DerZins aller Kapitalien wurde auf die Preise geschlagen, in die Preise eingerechnet. Soenthalten alle Warenpreise durchschnittlich 50 Prozent Zins (siehe Grafik S. 33 v. HelmutCreutz). In der Summe Geldes, die einer jährlich für seinen Unterhalt auslegen muß, zahlter den Zins. Wer z. B. Fr. 2000.- für seinen Unterhalt braucht, muß Fr. 1000.- Zins zahlen.Alle müssen Zins zahlen, und von diesen müssen wenigstens 98 Prozent viel mehr Zinszahlen, als sie selbst beziehen können. Sie kommen also bedeutend zu kurz. Ein Arbeiter,der Fr. 2000.- für Wohnung, Kleidung und Nahrung ausgibt, muß durch diese Ausgabe Fr.1000.- Zins zahlen und kann vielleicht von seinem Sparkassenbuch Fr. 50.- Zins beziehen.So muß er 20 mal mehr Zins zahlen, als er beziehen kann. Was ist da eigentlich der Zins,den er bezieht? Ist er nicht eine teilweise Zurücknahme für den weit größeren Zins, den erbezahlen mußte? Wenn er Zins bezieht, bezieht er eigentlich keinen Zins, sondern nimmtnur wieder etwas von dem zurück, was man ihm abgepreßt hat. Darf er sich nichtmöglichst schadlos halten für den Zins, den er hat zahlen müssen? Ist unter der Herrschaftder Zinswirtschaft das Zinsnehmen nicht für die meisten Menschen erlaubt? Dürfen sienicht wenigstens so viel Zins beziehen, wie ihnen selber durch die Zinswirtschaftabgenommen wird? Solange sie ja nicht mehr Zins beziehen, als sie infolge derZinswirtschaft notwendig zahlen müssen, nehmen sie im Grunde genommen gar keinenZins. Ihr Zinsnehmen ist nur äußerlich, dem Schein nach, Zins nehmen. In Wirklichkeit istes gar keine ungerechte Bereicherung, kein Zins. Eigentlichen Zins beziehen in derZinswirtschaft nur diejenigen, die mehr Zins beziehen, als sie zahlen müssen; zu diesengehören von hundert Personen nur zwei. Sollte nun die Kirche dieses «Zinsnehmen», das
  3. 3. in Wirklichkeit gar kein Zinsnehmen ist, verbieten? Sollte sie gerade ihre besten Mitgliederdaran hindern, den Schaden, den ihnen die Zinswirtschaft unfehlbar zufügt und den siedurch das Zinszahlenmüssen, wirklich erleiden, wieder einigermaßen durch «Zins»nehmen ausgleichen zu können? Nein. Durch die Herrschaft der Zinswirtschaft und dengänzlichen Abfall von der Zinslehre der Kirche ist eine ganz neue Situation entstanden. Dieder Zinslehre der Kirche vollständig entgegengesetzte Zinslehre der habsüchtigen Welthatte die Herrschaft für sich erobert und schädigte alle Kinder der Kirche schwer, die siezum Zinszahlen nötigte. In dieser Lage, die die Kirche nicht ändern kann, sehen wir, wievon der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts an die römischen Kongregationen auf Anfragenvon Bischöfen oder Beichtvätern, ob sie mit gutem Gewissen solche, die Zins nehmen inder Beichte absolvieren dürften, immer wieder die Antwort erteilen: „Non suntinquietandi, dummodo parati sunt stare mandatis S. Sedis“ - «Die Gläubigen sind nicht zubeunruhigen wegen des „Zins"nehmens, nur sollen sie bereit sein, den Erlassen desHeiligen Stuhles sich zu unterwerfen.»Hat die Kirche nun damit ihre alte Lehre aufgegeben oder geändert und das Zinsnehmenerlaubt? Nein. Sie hält an ihr fest und wird sie in besseren Tagen, wenn man einmal dasschlimme Übel und die Irrlehre der Zinswirtschaft wieder richtig erkannt hat, von neuemeinschärfen und zur Geltung bringen. Jetzt muß sie die Zinswirtschaft dulden und für ihreGläubigen einfach entscheiden, was sie unter der eisernen Herrschaft der Zinswirtschafttun dürfen, ohne das Gewissen zu verletzen. Ihre diesbezüglichen Entscheidungen darfman aber nicht als Kundgebungen ihres Lehramtes ansehen, sondern des Hirtenamtes.Die Entscheidungen der Kongregationen und der Moralisten sowie der Kanon 1543 (4) deskirchlichen Gesetzbuches von 1917 enthalten nicht die Lehre der Kirche; sie sind nurpraktische Anweisungen für die Zeit, da die Zinswirtschaft und die Irrlehre, auf der sieberuht, alle in ihrem Bann und Zwang hält. Der Moralprofessor Franz Hürth S.J. schrieb,„daß der Kanon (1543) unmittelbar nur eine praktische Norm gibt, nicht aber eineLehrentscheidung, noch eine aus der Natur der Sache hergeleitete theologisch-wissenschaftliche Lösung des Zinsproblems» (Stimmen der Zeit, 1926, Band 111, Seite 151).Auch der bekannte Moraltheologe Vermeersch spricht die gleiche Ansicht aus: „Was denLehrwert und die Bedeutung des Kanons betrifft, so ist er disziplinärer Natur, wie derKodex überhaupt. Dieser spielt zwar des öftern auf Dogmen an, aber es ist nicht seineAufgabe, sie kundzumachen. Er will nicht belehren, sondern praktische Vorschriftengeben“ (Linzer Quartalschrift 1928, Seite 764). Es wäre darum verfehlt, wenn jemand dieLehre der Kirche im Kanon 1543 suchen würde. Die letzte offizielle Verkündigung derZinslehre enthält die Enzyklika «Vix pervenit». (5)Die Wirtschaft muß wieder nach der Zinslehre der Kircheeingerichtet werdenDie Menschen sind vielfach abgefallen von den Gesetzen Gottes; ganz besonders ist vonihnen die Wirtschaft von der richtigen Zinslehre losgelöst und die Zinswirtschafteingeführt worden. Dadurch entstand die so brennende soziale Frage. Baron vonVogelsang, der berühmte Sozialreformer, erkannte schon vor mehr als einem halbenJahrhundert, daß die Zinsfrage das Kardinalproblem der sozialen Frage ist. (Zins undWucher - Ein Separatvotum in dem vom deutschen Katholikentage eingesetztensozialpolitischen Komitee, Wien 1884, Seite 27 und 49).Die Zinswirtschaft führt notwendig zu sehr schlimmen Folgen. Sie hat das Proletariatgeschaffen. Sie nimmt allen Arbeitern durchschnittlich die Hälfte ihres Arbeitslohnes wegund schiebt sie in die Taschen verhältnismäßig weniger Reichen, die diesen Gewinn ohneArbeit erhalten. Die Nichtarbeiter bekommen in der Zinswirtschaft die Hälfte des
  4. 4. Arbeitslohnes aller Arbeiter, und zwar ohne eigentliche Arbeit leisten zu müssen. Muß dadie Arbeit nicht in Mißkredit und Verachtung kommen? Müssen die Arbeiter nicht zuProletariern werden, die ähnlich wie die Sklaven nur das Notwendigste für ihrenLebensunterhalt erhalten? Wird dadurch die Menschheit nicht in Herren und Sklaven, inAusbeuter und Ausgebeutete geschieden? Ist der Klassenhaß und Klassenkampf nicht einenatürliche Folge?Wie ganz anders würde es sein, wenn die Zinslehre der Kirche, wie sie von Gott geoffenbartist, wieder in der Wirschaft richtig durchgeführt würde! Dann raubte der Zins denArbeitern nichts mehr von ihrem Lohn; sie erhielten den vollen und gerechten Lahn, der esjedem Arbeiter ermöglichte, auch eine sehr große Familie gut zu erhalten. Man brauchtekeinen extra Familienlohn und keine Ausgleichskassen. Es gäbe auch kein Proletariatmehr. Die Ursachen des Klassenhasses und Klassenkampfes wären aufgehoben. DieDrohnen, die unter der Zinswirtschaft auf Kosten des Arbeitsertrages anderer lebten,wären verschwunden. Alle, die arbeiten könnten, müßten arbeiten, wenn sie etwasverdienen wollten. Die Arbeit käme zu ihrem Recht und würde nicht mehr verachtet.Aber könnte man dann noch sparen, wenn es keinen Zins mehr gäbe? Das Sparen mit Zinsist freilich bezaubernd und verlockend. Wer Fr. 100.- in die Sparkasse einlegt, bekommt imJahr einen Zuwachs von Fr. 3.- oder Fr. 4.-, ohne daß er etwas zu tun braucht. In 20 oder25 Jahren hat er doppelt so viel Geld, wie er eingelegt. Wie herrlich!Wie viele lassen sich durch diese Vermehrung täuschen und merke nicht, daß sie für denZins, den sie bekommen, 10 und 100 mal mehr Zins zahlen müssen, indem ihnen dieZinswirtschaft die Hälfte des Lohnes wegnimmt! Sie müssen in der Zinswirtschaft vielmehr Zins zahlen, als sie erhalten können. Alle Arbeitenden müssen rund die Hälfte ihresJahreslohnes an den Zins abtreten. In Wirklichkeit bekommen sie also nicht nur keinenZins, sondern sie müssen noch dazu Zins zahlen. Wie wenig können sie unter diesenVerhältnissen sparen? Wie ganz anders aber könnten sie sparen, wenn die Zinswirtschaftsie nicht ausbeutete, wenn es keine Zinswirtschaft gäbe! Sie bekämen ja dann einendoppelt so hohen Lohn, wie jetzt unter der Zinswirtschaft. Rechnet mal, wie viel ihrjährlich mehr auf die Seite tun könnt, wenn euer Lohn noch einmal so groß ist! In derzinslosen Wirtschaft kann man viel, viel mehr sparen als in der heutigen Zinswirtschaft.Alle Werktätigen haben darum ein eminentes Interesse daran, daß die Zinswirtschaftabgeschafft wird und die Lehre der Kirche wieder zur Herrschaft kommt.Es ist die Aufgabe und die Pflicht des Staates, die zinslose Wirtschaft durchzuführen. ImMittelalter wollten die Regierungen diese Aufgabe erfüllen durch ein strenges Verbot mitschwerer Strafandrohung. Die Erfahrung hat gezeigt, daß dieses Mittel nicht zum Zielführt. (...)Möge bald die Zeit anbrechen, wo die Wirtschaft wieder nach den Gesetzen Gotteseingerichtet und der Zins, die usura, verschwunden ist.Fußnoten:(4) Im neuen Gesetzbuch der Kirche (CIC von 1983) wurde dieser Kanon ersatzlosgestrichen. Er lautete (CIC 1917):«Bei Gewährung eines Darlehens (d.h. wenn jemandem eine vertretbare Sache überlassenwird, daß sie sein Eigentum wird gegen die Verpflichtung, nachher eine gleichwertigeSache zurückzuerstatten) darf kein Lohn beansprucht werden für die Gewährung desDarlehens selbst.Damit ist es aber an sich nicht verboten, die gesetzlichen Zinsen zu beanspruchen, sofern
  5. 5. der gesetzliche Zinsfuß nicht übermäßig groß ist. Anderseits kann sogar eine noch höhereVergütung verlangt werden, wenn ein gerechter und hinreichend schwerwiegender Grundvorhanden ist.»(5) Aber der Kanon 1543 versuchte doch noch der traditionellen Lehre der Kirche durchdie Trennung in Darlehens- und Zinsvertrag Rechnung zu tragen. (Fussnote eingefügtvom Verleger)

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