Kindergesundheit - Die Karriere beginnt mit Obst

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    Kindergesundheit - Die Karriere beginnt mit Obst - Presentation Transcript

    1. Institut der deutschen Wirtschaft Köln Nr. 41/29. September 2009 Kindergesundheit Die Karriere beginnt mit Obst Gebildete Kinder leben gesünder. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln auf der Basis einer Repräsentativ- Befragung des Robert-Koch-Instituts. Danach raucht z.B. von den befragten Hauptschülern mehr als die Hälfte; von den Gymnasiasten greift nur ein gutes Viertel regelmäßig zur Zigarette. Selbst Kinder von Nichtrauchern greifen auf der Hauptschule häufiger zur Kippe als Jugendliche, die einen anderen Schultyp besuchen. Darüber hinaus beeinflussen das Einkommen und der Bildungsstand der Eltern sowie das Gesundheitsbewusstsein in der Familie die körperliche und geistige Konstitution des Nachwuchses nachhaltig. Eltern, die ein Nettoeinkommen von weniger als 1.000 Euro im Monat haben, sind häufiger übergewichtig, rauchen eher und schicken ihren Nachwuchs seltener zu den kostenlosen Vorsorgeuntersuchungen als besser situierte Eltern. Damit beginnt ein Teufelskreis: Denn kranke Kinder werden oftmals später eingeschult, bringen schlechtere schulische Leistungen und besuchen seltener ein Gymnasium als gesunde Sprösslinge. Weil das Gesundheitsbewusstsein vor allem bei benachteiligten Jugend- lichen und deren Eltern wenig ausgeprägt ist, ist hier der Handlungsbedarf besonders groß: Ob Kindertagesstätte, Schule oder Verein – alle Instituti- onen sollten dazu beitragen, das Gesundheitsverhalten von Familien positiv zu beeinflussen. Sinnvoll wäre darüber hinaus eine Beratung und Unter- stützung dieses benachteiligten Personenkreises durch Familienhebammen und Sozialarbeiter, die konkrete Hilfestellung vor Ort geben können und gesundes Verhalten regelrecht einüben. Auch in der Schule sollte Gesund- heitslehre oder Kochen unterrichtet werden. Susanne Seyda: Der Einfluss der Familie auf die Gesundheit und Bildungslaufbahn von Kindern, in: IW-Trends 3/209 Gesprächspartnerin im IW: Susanne Seyda, Telefon: 0221 4981-740 Herausgegeber: Institut der deutschen Wirtschaft Köln · Chefredakteur: Axel Rhein · Verantwortlich für den Inhalt: Alexander Weber, Köln · Telefon 0221 4981-519 · weber@iwkoeln.de · www.iwkoeln.de · Verlag: Institut der deutschen Wirtschaft Köln Medien GmbH, Postfach 10 18 63, 50458 Köln, Konrad-Adenauer-Ufer 21, 50668 Köln · Druck: Hundt Druck GmbH, Köln
    2. Anlage zu Pressemitteilung Nr. 41/2009 des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln Kindergesundheit Von wegen in die Wiege gelegt In Deutschland hängen Bildung und Gesundheit der Kinder wesent- lich von den familiären Lebensverhältnissen ab. Das Einkommen und der Bildungsstand der Eltern sowie das Gesundheitsbewusstsein in der Familie beeinflussen die körperliche und geistige Konstitution des Nachwuchses nachhaltig. Bildung und Gesundheit bedingen einander – gesunde Kinder lernen besser und gebildete Kinder leben gesünder.*) Ob ein Kind kränkelnd oder quietsch- Jeder vierte Geringqualifizierte hat der- fidel durch die ersten Lebensjahre kommt, zeit keinen Job, bei den Hochqualifi- hängt nicht allein von den Genen und dem zierten ist es lediglich jeder 25. staatlichen Gesundheitssystem ab. Viel- Das Institut der deutschen Wirtschaft mehr spielt das Elternhaus eine entschei- Köln (IW) hat nun genauer untersucht, dende Rolle. Nur ein Beispiel: Von Auf- in welchem Zusammenhang Lebensum- merksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitäts- stände, Gesundheit und schulische Lauf- störungen (ADHS) sind Kleinkinder aus bahn stehen. Grundlage der Analyse sind sozial schwachen Familien gut dreimal so Daten von rund 17.600 Kindern und häufig betroffen wie Kinder aus Haushal- Jugendlichen im Alter von bis zu 17 Jah- ten der oberen Einkommensklasse. ren sowie deren Eltern; alle wurden Gesundheit ist bekanntlich ein kost- zwischen 2003 und 2006 vom Robert- bares Gut. Dies gilt umso mehr für die Koch-Institut befragt. Diese bundeswei- Kleinen; denn wenn sie geistig und kör- te Erhebung, zu der auch körperliche perlich gesund aufwachsen, können sie Untersuchungen der Heranwachsenden deutlich leichter lernen, ungehindert am zählten, ist die erste umfassende und sozialen Leben teilnehmen und später repräsentative Studie zum Gesundheits- auch ein aktives und erfolgreiches Be- zustand von Kindern und Jugendlichen. rufsleben führen. Gesundheit und Bil- Die Auswertung der Daten zeigt zu- dung sind also wesentliche Vorausset- nächst einmal, dass für die Entwicklung zungen für ein selbstständiges und finan- des Nachwuchses eine ganze Reihe von ziell unabhängiges Leben. Ein Blick auf Faktoren relevant ist (Tableau): die Arbeitslosenquote zeigt, dass der Kinder, die aus sehr begüterten Bildungsgrad in einem Know-how-Land Familien stammen, regelmäßig Sport wie der Bundesrepublik entscheidend ist: treiben, sich ausgewogen ernähren und einen starken famili- Kinder: Glotze und Gummi- ären Zusammenhalt erle- ben, fühlen sich subjektiv bärchen machen krank gesünder als Jungen und Ob sich ein Kind gesund oder krank fühlt, hängt unter anderem von folgenden Faktoren ab Mädchen, die unter Über- gewicht leiden, viel fernse- Fördernde Schädliche hen, rauchen und wenig Einflussfaktoren Einflussfaktoren Unterstützung in der Fami- Hohes Einkommen Psychische lie erfahren. © 2009 IW Medien • iwd 40 der Eltern Auffälligkeiten Besuch des Gymnasiums Übergewicht Auch der Schultyp spielt Ausgewogene Ernährung Hoher Fernsehkonsum eine Rolle – Jugendliche, die Körperlich-sportliche Rauchen das Gymnasium besuchen, Aktivitäten Mangelnde familiäre Überdurchschnittliche und personale fühlen sich subjektiv gesünder familiäre, personale und Ressourcen als ihre Altersgenossen auf der soziale Ressourcen Haupt- und Realschule. Wie eng Bildung und Ge- Familiäre Ressourcen: familiärer Zusammenhalt und Erziehungsverhalten der Eltern; personale Ressourcen: Grundvertrauen und Optimismus der Jugendlichen; soziale sundheit miteinander ver- Ressourcen: soziale Unterstützung durch Gleichaltrige und Erwachsene; Ursprungsdaten: Kinder- und *) Vgl. Susanne Seyda: Der Einfluss der Fa- Jugendgesundheitssurvey des Robert-Koch-Instituts milie auf die Gesundheit und Bildungslauf- bahn von Kindern, in: IW-Trends 3/2009 Aus iwd Nr. 40 vom 1. Oktober 2009; die abgebildeten Grafiken können zur Verfügung gestellt werden, Anfragen bitte per E-Mail: grafik@iwkoeln.de
    3. Anlage zu Pressemitteilung Nr. 41/2009 des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln zahnt sind, zeigen auch die Ein- IW-Analyse zeigt, dass die Ge- flussfaktoren für die Wahl des Rauchen: Eine Frage der Bildung sundheit der Jungen und Mäd- Schultyps. Kinder, die sich in der So viel Prozent der jeweiligen Schüler rauchen chen mindestens genauso wichtig Vorschulzeit rasch entwickelt ha- Eltern Eltern dafür ist, wie Schulkarrieren ver- ben und sich als gesund bezeich- rauchen auch rauchen nicht laufen. Mit Geld allein ist es dabei nen, besuchen häufiger das Gym- Hauptschule 35,2 16,5 nicht getan. Nötig sind konkrete © 2009 IW Medien • iwd 40 nasium als Gleichaltrige, die politische Maßnahmen: psychisch auffällig sind, rauchen, Aufklärung. Weil das Ge- Realschule 27,6 14,5 aus einem Raucherhaushalt stam- sundheitsbewusstsein vor allem men oder deren Eltern überge- bei benachteiligten Jugendlichen Gymnasium 17,8 10,0 wichtig sind. Allerdings spielen und deren Eltern wenig ausge- auch der Bildungsstand und das Befragung von 5.165 Schülern im Alter von elf bis 17 Jahren prägt ist, gibt es hier großen Ursprungsdaten: Kinder- und Jugendgesundheitssurvey Einkommen der Eltern eine Rol- des Robert-Koch-Instituts Handlungsbedarf: Ob Kinderta- le – je höher, desto eher streben gesstätte, Schule oder Verein – die Sprösslinge die Hochschulreife an. Auch Kinder von Nichtrauchern paf- alle Institutionen sollten dazu beitragen, Mit der Gesundheit und der Bildung fen auf der Hauptschule häufiger als das Gesundheitsverhalten von Familien verhält es sich in etwa so wie mit der Jugendliche, die einen anderen Schultyp positiv zu beeinflussen. Sinnvoll wäre Henne und dem Ei: Niemand kann so besuchen. Gründe dafür gibt es viele: darüber hinaus eine Beratung und Un- genau sagen, was zuerst da war. Gleich- Die Hauptschüler sind einem schlech- terstützung durch Familienhebammen wohl lassen sich zwei Wechselwirkungen teren sozialen Umfeld ausgesetzt, sie und Sozialarbeiter, die konkrete Hilfe- beobachten: lernen weniger über Gesundheitsrisiken stellung vor Ort geben können und ge- Gesunde Kinder lernen besser. Wer und -gefahren und sie haben häufiger sundes Verhalten regelrecht einüben. unkonzentriert ist, nicht still sitzen Eltern, die den unteren Einkommens- Auch in der Schule sollte Gesundheits- kann oder wegen Krankheit länger in klassen zuzuordnen sind. Diese Väter lehre oder Kochen unterrichtet werden. der Schule fehlt, verpasst große Teile und Mütter achten längst nicht so sehr Schulessen. Jedes Jahr wandeln sich des Unterrichtsstoffs. Körperlich und auf ihre Gesundheit, wie dies die gutver- in Deutschland mehr und mehr Schulen seelisch gesunde Kinder sind also klar dienenden und in der Regel besser ge- zu Ganztagsschulen. Das angebotene im Vorteil, wenn es um gute Schulleis- bildeten Eltern tun. Schulessen muss qualitativ gut und auch tungen geht. Die Liste der gesundheit- Eltern, die ein Nettoeinkommen von für bedürftige Familien erschwinglich lichen Beeinträchtigungen, denen Kin- weniger als 1.000 Euro im Monat haben, sein. Denkbar wären beispielsweise der ausgesetzt sein können, ist lang: Sie sind häufiger übergewichtig, rauchen Essens-Gutscheine für Kinder aus ein- reicht vom Alkoholmissbrauch der eher und schicken ihren Nachwuchs sel- kommensschwachen Haushalten. Mutter während der Schwangerschaft tener zu den kostenlosen Vorsorgeunter- Infrastruktur. Marode Turnhallen, über bleihaltige Nahrung und chro- suchungen als wohlhabende Eltern (Gra- vergammelte Spielplätze, verschlossene nische Erkrankungen bis hin zu psy- fik). Auch der Umkehrschluss gilt: Gut- Jugendclubs: Der natürliche Spiel- und chischen Auffälligkeiten. Letzteres hat situierte Familien pflegen eher einen Bewegungsdrang wird in Deutschland besonders große Auswirkungen auf die gesunden Lebensstil als finanziell oftmals schlicht ausgebremst. Nötig sind Schulkarriere: Jungen und Mädchen, schlechter gestellte. Investitionen in eine familienfreundliche denen es an Ausdauer beim Lösen von Wer Chancengerechtigkeit für Kinder Infrastruktur, die das stundenlange Ab- Problemen, an Disziplin und Motivation einfordert, kann sich also nicht allein auf hängen vor dem Fernseher zur schlech- mangelt, haben noch größere Schwie- das Thema Bildung beschränken. Die teren Alternative werden lässt. rigkeiten in der Schule als Kinder, die wegen körperlicher Erkrankungen be- Eltern: Begüterte leben gesünder einträchtigt sind. So viel Prozent der Eltern mit einem monatlichen Nettoeinkommen von ... Gebildetere Kinder leben gesünder. legen ein gesundheitsschädliches Verhalten an den Tag Kinder nehmen nicht an allen Mit fortschreitendem Alter haben nicht Mutter raucht Vater raucht Mutter ist Vater ist Vorsorgeunter- nur das familiäre Umfeld, sondern auch übergewichtig übergewichtig suchungen teil der Schultyp und die Mitschüler einen entscheidenden Einfluss darauf, wie ge- weniger als 33,1 47,1 52,5 52,6 © 2009 IW Medien • iwd 40 sundheitsbewusst sich junge Menschen 1.000 Euro 83,3 verhalten. Beispiel Rauchen (Grafik): Während von den befragten 19,3 24,7 28,7 17,7 4.000 Euro Hauptschülern mehr als die Hälfte und mehr 59,1 raucht, greift von den Gymnasiasten nur ein gutes Viertel regelmäßig zur Eltern mit Kindern von elf bis 17 Jahren Ursprungsdaten: Kinder und Jugendgesundheitssurvey des Robert-Koch-Instituts Zigarette.
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