IW-Einstiegsmonitor Dänemark vorn, Deutschland nur Mittelmaß

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    1. Institut der deutschen Wirtschaft Köln Nr. 43/7. Oktober 2009 IW-Einstiegsmonitor Dänemark vorn, Deutschland nur Mittelmaß Die skandinavischen Staaten bieten den Menschen die besten Perspektiven in Bezug auf Arbeit, Bildung und sozialen Aufstieg. Zu diesem Ergebnis kommt der Einstiegsmonitor Europa des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW). Danach erreichen die Dänen auf einer Skala von 0 bis 100 mit fast 82 Punkten den Spitzenplatz. Die guten Aufstiegschancen zeigen sich unter anderem darin, dass es dänische Kinder am leichtesten haben, im Laufe ihres Berufslebens ein hohes Einkommen zu erzielen, auch wenn das Einkommen der Eltern niedrig ist. Deutschland dagegen erzielt auf der 100-Punkte-Skala des IW-Einstiegs- monitors nur knapp 56 Zähler und landet damit im Feld von 19 Ländern auf dem zehnten Platz. Die relativ bescheidenen Zukunftsaussichten sind vor allem auf die über- durchschnittliche Arbeitslosenquote von 7 Prozent im vergangenen Jahr zurückzuführen. Auch in puncto Bildung wären einige Stellschrauben nach- zuziehen – so hatte laut PISA-Test 2006 immer noch jeder fünfte 15-Jährige Probleme mit dem Textverständnis. Bedenklich ist zudem, dass die deutsche Politik auf den für die Zukunftsperspektiven der Bürger entscheidenden Feldern vom IW ebenfalls keine guten Noten erhält. Axel Plünnecke, Benjamin Scharnagel, Oliver Stettes, Jan Angenendt: Einstiegsmo- nitor Europa – Welche europäischen Staaten bieten die besten Perspektiven für Arbeit, Bildung und sozialen Aufstieg?, IW-Analysen Nr. 54, Köln 2009, 100 Seiten, 19,90 Euro. Bestellung über Fax: 0221 4981-445 oder unter: www.iwmedien.de Gesprächspartner im IW: Dr. Axel Plünnecke, Telefon: 0221 4981-701 Herausgegeber: Institut der deutschen Wirtschaft Köln · Chefredakteur: Axel Rhein · Verantwortlich für den Inhalt: Alexander Weber, Köln · Telefon 0221 4981-519 · weber@iwkoeln.de · www.iwkoeln.de · Verlag: Institut der deutschen Wirtschaft Köln Medien GmbH, Postfach 10 18 63, 50458 Köln, Konrad-Adenauer-Ufer 21, 50668 Köln · Druck: Hundt Druck GmbH, Köln
    2. Anlage zu Pressemitteilung Nr. 43/2009 des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln IW-Einstiegsmonitor Der Norden macht das Rennen Genügend Jobs, ein hohes Bildungsniveau und gute Chancen auf fünften Platz in dieser Kategorie verdan­ den sozialen Aufstieg – all dies können vor allem solche Staaten vor- ken sie vor allem der Tatsache, dass fast weisen, denen die Bildung der Kinder am Herzen liegt, die viel für 90 Prozent der 25­ bis 36­jährigen Be­ völkerung mindestens über das Abitur Familien tun und die relativ wenig in den Arbeitsmarkt eingreifen. Mit oder eine abgeschlossene Berufsausbil­ gutem Beispiel voran gehen insbesondere die skandinavischen Staaten. dung verfügen. Am besten gelingt es Deutschland dagegen hat gegenüber den Nordlichtern noch einiges jedoch Finnland, seine Bevölkerung an­ aufzuholen, wie das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) in ständigzu qualifizieren. So können fast seinem Einstiegsmonitor Europa feststellt.*) alle jungen Finnen Texte gut verstehen oder mathematische und naturwissen­ Mal angenommen, das Leben wäre ein Hinsichtlich der Arbeitsmarktsituati­ schaftliche Probleme lösen. Autorennen – dann wären die Startbedin­ on sind die Dänen mit einem zweiten Verglichen mit den nördlichen Nach­ gungen nicht etwa in Monza oder Mona­ Rang ebenfalls gut platziert. Nur in Nor­ barn bietet die Bundesrepublik ihren co ideal, sondern in Mikkeli, Moss und wegen sind die Möglichkeiten, eine Stel­ Bürgern nur mittelmäßige Startbedin­ Mariagerfjord. Diese Städtchen liegen le zu bekommen, noch zahlreicher: Hier gungen: allesamt in Skandinavien, dem Teil Euro­ betrug die Arbeitslosenquote im Jahr Deutschland erzielt auf der 100- pas, der den Menschen die besten Per­ 2008 lediglich 2,6 Prozent, in Dänemark Punkte-Skala des IW-Einstiegsmoni- spektiven bietet – zumindest in Bezug auf lag sie bei 3,4 Prozent. Auch gelang es tors einen Wert von knapp 56 Zählern Arbeit, Bildung und sozialen Aufstieg. den Norwegern etwas besser, mehr älte­ und landet damit auf dem zehnten Zu diesem Ergebnis kommt der Ein­ re Arbeitnehmer in der Erwerbstätigkeit Platz. stiegsmonitor Europa des Instituts der zu halten, im hohen Norden arbeiten fast *) Vgl. Axel Plünnecke, Benjamin Scharnagel, Oliver Stettes, Jan deutschen Wirtschaft Köln (IW), der die 70 Prozent; der 55­ bis 64­Jährigen. Angenendt: Einstiegsmonitor Europa – Welche europäischen Staaten bieten die besten Perspektiven für Arbeit, Bildung und Lebens­ und Arbeitswelt in 19 europäi­ In Sachen Bildung sind dagegen wie­ sozialen Aufstieg? IW­Analysen Nr. 54, Köln 2009, 100 Seiten, 19,90 Euro. Bestellung über Fax: 0221 4981­445 oder unter: schen Staaten auf den Prüfstand gestellt der die Dänen besser aufgestellt. Den www.iwmedien.de hat. Die besten Rennstrecken für ein erfolgreiches Arbeits­ und Sozialleben IW-Einstiegsmonitor: Skål Skandinavien! liegen demnach im Königreich Däne­ Der IW-Einstiegsmonitor zeigt auf einer Skala von 0 (schlecht) bis 100 (sehr gut), mark (Grafik): wie gut die Perspektiven in den europäischen Staaten in Bezug auf ... sind Auf einer Skala von 0 bis 100 bele- die sozialen den den Insgesamt gen die Dänen mit annähernd 82 Aufstiegs- Zugang Zugang chancen zu Arbeit zu Bildung 0 20 40 60 80 100 Punkten den europäischen Spitzen- Dänemark 87,8 87,9 69,4 81,7 platz. In keinem anderen Land bieten Finnland 87,7 59,7 95,6 81,0 sich den Menschen so gute Aufstiegs- Norwegen 76,5 95,8 53,5 75,3 chancen wie in Kopenhagen, Århus Schweiz keine Angabe 76,6 71,5 74,1 oder Odense. Schweden 62,3 78,8 71,8 71,0 So haben es dänische Kinder europa­ Niederlande 68,6 64,9 69,7 67,7 weit am leichtesten, im Laufe ihres spä­ Irland 69,3 56,9 66,6 64,3 teren Berufslebens ein hohes Einkom­ Österreich 58,0 62,5 63,1 61,2 © 2009 IW Medien · iwd 41 men zu erzielen, auch wenn das Einkom­ Tschechien 63,4 44,3 68,3 58,6 men der Eltern niedrig ist bzw. war. Deutschland 59,9 45,3 61,8 55,7 Auch das Risiko, trotz Erwerbstätig­ Vereinigtes 47,1 63,9 50,6 53,9 Königreich keit arm zu sein, ist in Dänemark fast Belgien 55,5 25,8 59,4 46,9 nicht vorhanden. So sind nur 4 Prozent Frankreich 50,0 31,1 51,5 44,2 der Vollzeitbeschäftigten im Königreich Spanien 58,5 33,3 31,6 41,1 von Armut bedroht. Besonders gering ist Ungarn 42,6 16,5 61,7 40,3 das Armutsrisiko bei Vollzeit berufstäti­ Griechenland 41,4 23,9 31,4 32,2 gen Frauen und Geringqualifizierten. Portugal 44,8 46,4 3,9 31,7 Lediglich junge Menschen zwischen 18 Italien 49,5 21,2 23,5 31,4 und 24 Jahren laufen in Dänemark rela­ Polen 31,5 20,7 42,1 31,4 tiv häufig Gefahr, trotz Job wenig Geld Stand: 2007; Quelle: IW-Berechnungen zum Leben übrig zu haben. Aus iwd Nr. 41 vom 8. Oktober 2009; die abgebildeten Grafiken können zur Verfügung gestellt werden, Anfragen bitte per E-Mail: grafik@iwkoeln.de
    3. Anlage zu Pressemitteilung Nr. 43/2009 des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln Am besten schneidet die Bundesrepu­ IW-Einstiegsmonitor: Dänemark punktet politisch blik noch mit ihrer Familienpolitik ab, So erfolgreich sind die europäischen Staaten bei der Gestaltung dieser Politikfelder wo sie Platz sieben erreicht. Grund ist, auf einer Skala von 0 (schlecht) bis 100 (sehr gut) dass Eltern hierzulande trotz der ver­ Familien- Bildungs- Arbeits- Steuer- insgesamt gleichsweise schlechten Betreuungsin­ politik politik markt- und frastruktur für Kleinkinder sehr viel zu­ politik Sozial- politik 0 20 40 60 80 100 friedener sind mit den Möglichkeiten, Dänemark 96,6 66,7 68,6 47,4 69,8 Familie und Beruf zu vereinbaren als im Norwegen 86,1 58,9 55,1 56,7 64,2 europäischen Vergleich. Vereinigtes 47,6 54,2 83,9 58,1 60,9 Die deutsche Arbeitsmarktpolitik ist Königreich mit Platz neun weder besonders gut noch Schweiz 47,3 62,6 76,9 48,4 58,8 besonders schlecht bewertet. Positiv ist, Schweden 67,7 50,2 65,5 49,7 58,3 dass das Arbeitslosengeld I in der Bun­ Irland 50,9 41,9 68,3 62,8 56,0 Finnland 58,5 50,8 66,7 41,8 54,5 desrepublik nur relativ kurz gezahlt wird Italien 52,4 38,1 76,9 50,8 54,5 und somit hohe Anreize bestehen, © 2009 IW Medien · iwd 41 Niederlande 56,9 55,7 54,2 49,5 54,0 schnell in den Arbeitsmarkt zurückzu­ Tschechien 54,6 23,4 66,3 60,7 51,2 kehren. Negativ ist die hohe Regulie­ Spanien 54,7 38,7 64,0 43,3 50,2 rungsdichte bei unbefristeten Beschäf­ Deutschland 56,7 36,2 66,2 39,0 49,5 tigungsverhältnissen. Österreich 51,5 42,2 68,2 35,2 49,3 Auf den 15. Platz in puncto Bildungs­ Ungarn 53,5 36,8 64,0 43,0 49,3 politik kann Deutschland sicherlich nicht Portugal 55,5 42,1 32,2 52,3 45,5 stolz sein. Der IW­Einstiegsmonitor kri­ Belgien 62,1 29,6 41,3 40,1 43,3 tisiert beispielsweise, dass im hiesigen Polen 18,5 36,1 62,5 54,5 42,9 Bildungssystem die Schülerinnen und Frankreich 50,5 52,0 25,1 39,7 41,8 Schüler bereits nach der vierten Klasse Griechenland 22,4 29,8 41,4 47,9 35,4 auf verschiedene Schulformen aufgeteilt Stand: 2007; Quelle: IW-Berechnungen werden. Auch die Tatsache, dass sich das Gehalt der Lehrer in Deutschland nicht Die relativ bescheidenen Zukunftsaus­ Die beruflichen Rennstrecken in Eu­ nach der Leistung richtet, gibt Abzüge. sichten sind vor allem auf die hohe Ar­ ropa sind also ziemlich unterschiedlich Bemängelt wird überdies die geringe beitslosigkeit zurückzuführen – im ver­ in Schuss. Doch ob es Löcher im Asphalt Autonomie der deutschen Schulen. gangenen Jahr betrug die Arbeitslosen­ oder gar zu wenig Treibstoff für alle Nur auf den vorletzten Platz schafft quote hierzulande rund 7 Prozent und war Wagen gibt, ist keine Frage der natürli­ es die deutsche Steuer­ und Sozialpolitik: damit höher als im Durchschnitt der be­ chen Ressourcen. Wie gut Schüler lesen So gingen 2007 von jedem Euro, den ein trachteten 19 Länder. Diejenigen, die in und rechnen können, wie leicht sich ein Alleinstehender ohne Kind den Arbeit­ Deutschland eine Stelle haben, sind aller­ Job ergattern lässt und wie groß der geber kostet, rund 50 Cent an den Fiskus dings vergleichsweise selten von Armut Einfluss der Herkunft auf einen Lebens­ und die Sozialkassen. Zudem ist die bedroht – wenn man nur die in Vollzeit lauf ist, wird in nicht unerheblichen Maß Wiederaufnahme einer Beschäftigung für beschäftigten Menschen betrachtet und von der Politik eines Landes bestimmt. Arbeitslose oft wenig reizvoll – das Ge­ die Sozialleistungen mit einbezieht. Den größten Einfluss üben die Fami­ halt ist durch die Abgabenlast manchmal In puncto Bildung lassen sich eben­ lienpolitik, die Bildungspolitik, die Ar­ kaum höher als der frühere Transfer vom falls noch einige Stellschrauben nachzie­ beitsmarktpolitik sowie die Steuer­ und Staat. hen: Zwar konnte Deutschland den Anteil Sozialpolitik aus. Auch diese Felder hat Um die Startbedingungen ins Leben seiner Risikoschüler zuletzt um 2 Pro­ der IW­Einstiegsmonitor bewertet. Die und in die berufliche Karriere zu ver­ zentpunkte senken, doch 2006 hatte laut beste Politik machen demnach Däne­ bessern, sind folgende Reparaturen un­ PISA­Test immer noch jeder fünfte mark, Norwegen und das Vereinigte erlässlich: 15­Jährige Probleme mit dem Textver­ Königreich (Grafik). Dänemark liegt Deutschland braucht mehr Betreu­ ständnis; bei genauso vielen zeigten sich bei der Familien­ und Bildungspolitik ungsplätze für Kinder unter drei Jahren eklatante Mathematiklücken. Auch bei vorn, Norwegen zeichnet sich ebenfalls und bessere Betreuungsrelationen. Der den Bildungsabschlüssen könnte Deutsch­ durch eine herausragende Familienpo­ Ausbau der Ganztagsschulen muss vo­ land noch Gas geben: Im Jahr 2006 ver­ litik aus, und das Vereinigte Königreich rangetrieben und die Lehrervergütung fügten zwar rund 84 Prozent der 25­ bis punktet mit einer gelungenen Arbeits­ ziel­ und leistungsorientiert ausgerichtet 35­Jährigen mindestens über das Abitur marktpolitik. werden. Der Arbeitsmarkt bedarf einer oder eine abgeschlossene Berufsausbil­ Deutschland landet in Sachen per- weiteren Deregulierung. Und schließlich dung – in Tschechien waren es aber fast spektivgebender Politik hingegen le- sollte die Steuerlast für geringe bis mitt­ 94 Prozent. diglich auf dem zwölften Platz. lere Einkommen sinken.
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