Hauterkrankungen: Neues und Highlights / 18. EADV-Kongress in Berlin bringt Neuigkeiten aus der Dermatologie - Presentation Transcript
18th Congress of the European
Academy of Dermatology and
Venereology October 7-11, 2009
Berlin, Germany
PRESSEMELDUNG
Hauterkrankungen: Neues und Highlights
18. EADV-Kongress bringt Neuigkeiten aus der Dermatologie
Brüssel/Berlin, 08.10.2009 – Unter dem Motto „What´s new in Dermatology“
öffnete der 18. EADV-Kongress im Internationalen Congress Centrum (ICC) in
Berlin gestern seine Türen. Im Rahmen einer feierlichen Veranstaltung wünschte die
Gattin des Bundespräsidenten, Eva Luise Köhler, allen Beteiligten eine erfolgreiche
Zeit in Berlin. Knapp 10.000 Wissenschaftler, Forscher und Fachärzte aus der
ganzen Welt versammeln sich hier zum weltweit größten EADV-Kongress. Nicht nur
die hohe Teilnehmerzahl ist eine Premiere, sondern auch der Tagungsort: Erstmalig
in der Bundeshauptstadt Berlin.
„Die Dermatologie und Venerologie haben eine lange Tradition in Deutschland“,
sagt Kongresspräsident Professor Thomas Luger. „Insbesondere seit Ende des 19.
Jahrhunderts wurde Berlin zu einem der wichtigsten europäischen Zentren für
Dermatologen weltweit“, so der Kongresspräsident weiter.
Bis einschließlich 11. Oktober 2009 werden die neuesten Erkenntnisse und
Therapieansätze aus der Hautmedizin in Berlin vorgestellt. Die Themen der rund
500 hochkarätigen Sprecher reichen hierbei von der Allergologie bis hin zur
ästhetischen Dermatologie.
Im Fokus des EADV-Kongresses stehen neue Strategien in der Therapie der
Neurodermitis, aktuelle Erkentnisse zur Behandlung von Psoriasis und Akne, das
Heute und Morgen der Dermatoonkologie und Aktuelles zur Laserdermatologie.
Neurodermitis: Neues in der Pathogenese und Therapie
Neuesten Erkenntnissen zufolge liegt eine der wesentlichen Ursachen des weit
verbreiteten „Atopischen Ekzems“ (Neurodermitis) in einer Barrierefunktionsstörung
der Haut. Dieser Ansicht steht die Hypothese einer immunologischen Fehlfunktion
als Ursache entgegen. Beide Störungen lassen sich jedoch auf genetische Faktoren
zurückführen, die zu einer latenten Erkrankung führen. Im Zusammenspiel mit
sogenannten Triggerfaktoren, wie allergener Nahrung, Klima oder Stress, ergeben
sie das komplexe Krankheitsgeschehen eines Atopischen Ekzems.
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PRESSEMELDUNG 18 Congress of the EADV
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Der epidermale Barrieredefekt in Form von trockener Haut begünstigt das
Eindringen von Allergenen, Irritantien und Mikroorganismen. Diese sind für die
Entzündung und Juckreiz (Pruritus) verantwortlich. Eine neue Strategie zur Therapie
der Neurodermitis ist die proaktive Behandlung, noch bevor Ekzem und Juckreiz
deutlich erkennbar sind. Rund drei Millionen Menschen in Deutschland leiden an
Neurodermitis.
Neue Technologie: 5D-Intravitaltomographie zur Diagnose von
Hauterkrankungen
Ein neues, weltweit einzigartiges System, die fünfdimensionale
Intravitaltomographie, könnte zukünftig dynamische Prozesse der Haut bis in tiefere
Schichten hinein detailliert abbilden. Der „5D-Intravitaltomograph“ wird zur
Aufklärung der Ursachen von Hautkrankheiten wie Neurodermitis sowie
Hauttumoren beitragen, exaktere Diagnosen ermöglichen und eine effiziente
Kontrolle neuer therapeutischer Verfahren zulassen. Diese neuartige Technologie
erfasst hauteigene Bestandteile mikrometergenau binnen Sekunden, ohne Zusatz
von Kontrastmitteln oder Entnahme von Hautproben.
Mit dem „5D-Intravitaltomograph“ können erstmals dynamische Vorgänge in der
Haut, wie beispielsweise die Verteilung von Wirkstoffen, direkt mit großer
Genauigkeit beobachtet werden. Bisher musste man hierfür auf Labormodelle
ausweichen. Die „5D-Intravitaltomographie“ eröffnet eine ganze Reihe spannender
Anwendungsmöglichkeiten für die Dermatologie, Kosmetik und Pharmakologie. Im
Rahmen eines Plenarvortrages wird diese Technologie auf dem EADV-Kongress
vorgestellt.
Psoriasis: neue Erkenntnisse und Behandlungsmethoden
Neue Erkenntnisse in der Pathogenese der Psoriasis haben in den letzten Jahren zu
einer Revolution in der Therapie geführt. Insbesondere Biologika, wie TNF-alpha
Antagonisten, haben sich in der Langzeitbehandlung bewährt, wenn mit
konventionellen Therapien kein ausreichender Behandlungseffekt erzielt werden
kann. Erstmals wurde der Wirkstoff „Etanercept“ für die Behandlung der Psoriasis
bei Kindern zugelassen. Ein neuer, erst kürzlich für die Behandlung der Psoriasis
zugelassener Wirkstoff, beruht auf der Hemmung des Zytokins IL-23. Dieser
Antikörper, Ustekinumab, ist in der Wirksamkeit ähnlich effizient wie TNF-alpha
Antagonisten, muss aber nur alle zwölf Wochen verabreicht werden. Weitere neue
Biologika und andere entzündungshemmende Wirkstoffe werden derzeit in
klinischen Studien erprobt.
Die Psoriasis, eine systemische Entzündungskrankheit der Haut, führt bei etwa
jedem fünften Patienten auch zu einem Befall der Gelenke. Der chronische
Entzündungsprozess erhöht das Risiko für Bluthochdruck und
Stoffwechselerkrankungen.
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Langfristig kann dies zu Herzkreislauferkrankungen mit Komplikationen wie
Herzinfarkt oder Schlaganfall führen. Die Gefahr daran zu versterben, ist bei schwer
betroffenen Patienten gegenüber Menschen ohne Psoriasis um mehr als das
Doppelte erhöht. Ihre Lebenserwartung ist um insgesamt etwa drei bis vier Jahre
verkürzt. Eine dauerhafte Kontrolle der Entzündungsaktivität bei der
Schuppenflechte im Rahmen neuer Behandlungskonzepte wird mit größter
Wahrscheinlichkeit zur Abnahme assoziierter Erkrankungen führen. Allein in
Deutschland sind rund 1,5 Millionen Menschen von Psoriasis betroffen.
Akne: Therapie und Pathogenese
Die Therapie der Akne ist mittlerweile vollständig vom Gebrauch topischer
Antibiotika befreit, es sei denn, diese sind in einer Kombinationsbehandlung mit
Substanzen in Anwendung, die eine Resistenzbildung verhindern. Der internationale
Konsensus der Global Alliance und die in Kürze erscheinende deutsche S2-Leitlinie
weist darauf hin, dass topische Antibiotika nur noch in geringem Maße gebraucht
werden dürfen.
Akne ist eine chronische Krankheit, die über ein bis 20 Jahre dauern kann. Nach
Abheilung einer Akne wird dringend angeraten, eine Erhaltungstherapie
beispielsweise mit topischen Retinoiden durchzuführen, damit Rezidiven vorgebeugt
wird.
Der Gebrauch von antiandrogenen Pillen hat einen sehr hohen Stellenwert in der
Therapie der schweren Akne der Frau und der Akne vom Spättyp im dritten und
vierten Lebensjahrzehnt. Jedoch ist das Thrombophilie-Risiko zu berücksichtigen, da
einzelne Fälle von Schlaganfällen bei jungen Frauen berichtet worden sind.
Das wichtigste Medikament in der Behandlung der schwersten Akne, Isotretinoin,
wurde von der EMEA eingeschränkt. Bevor hier der Einsatz möglich wird, muss
vorher eine kombinierte Behandlung aus topischen Mitteln und systemischen
Antibiotika versucht worden sein. Wenn diese Therapie versagt, kann Isotretinoin
angewandt werden. Die deutschen Dermatologen haben seit 1981 mit diesem
Medikament Erfahrungen und können sehr sicher mit den möglichen Risiken
umgehen. Die Patienten, die dieses Medikament von vornherein benötigen, weil man
den Verlauf der Erkrankung kennt, haben von der Direktive der EMEA einen
negativen Nutzen. Zunehmend rückt die Lebensqualität bei chronischer und
schwerer Akne in den Fokus der Indikationsstellung.
Die dem niedergelassenen Dermatologen zur Verfügung stehenden vierteljährlichen
Budgets erlauben in aller Regel nicht eine suffiziente Therapie der Akne, mit Budget-
Regressen ist ständig zu rechnen.
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Hautkrebs: Neue Fakten und Aussichten
Hautkrebs ist die am häufigsten auftretende Tumorerkrankung in Deutschland.
Männer und Frauen sind davon in etwa gleich oft betroffen; Frauen zu 23,8 Prozent
und Männer mit 22,7 Prozent. Rund 135.000 Hautkrebsneuerkrankungen gab es im
Jahr 2008. Wird diese Krankheit zu spät erkannt, führt sie sehr häufig zum Tode.
Mittlerweile ist Hautkrebs nicht mehr ein Problem des hohen Alters. Das
Erkrankungsalter des gefährlichen Malignen Melanoms (schwarzer Hautkrebs) liegt
heute bereits deutlich unter 60 Jahren. Die Ursachen lassen sich unter anderem in
einem veränderten Freizeitverhalten finden. Dennoch wird der Hautkrebs von der
Öffentlichkeit immer noch stark unterschätzt. Die Zahl der Hautkrebserkrankungen
steigt ständig. Deshalb spielt die Vorsorge im Kampf gegen den Hautkrebs eine
herausragende Rolle.
Das in Deutschland im Jahr 2008 eingeführte Hautkrebs-Screening zeigt, dass die
Zahl der im Frühstadium erkannten Hautkrebserkrankungen deutlich gestiegen ist.
Durch diese Kassenleistung (ab 35 Jahren) können Hautkrebserkrankungen
frühzeitiger erkannt werden. Die Behandlung des Malignen Melanoms wird
verbessert, da bei einer noch geringen Tumordicke die Heilungschancen bei über
95 Prozent liegen. Auch eine Analyse der bisherigen Befunde aus anderen
europäischen Ländern zeigt nach einer wissenschaftlicher Auswertung der EADV,
dass Hautkrebs in Regionen mit regelmässigen Vorsorgeuntersuchungen
wesentlich früher diagnostiziert wird.
Rund 90 Prozent aller 3.300 niedergelassener Hautärzte in Deutschland beteiligen
sich an der Vorsorgeuntersuchung. Dabei führt jeder von ihnen durchschnittlich 300
bis 500 Screenings im Quartal durch. 30.000 Hausärzte bieten zusätzlich das
Hautkrebs-Screening an.
Nachfrageboom: Operationen und Lasereingriffe der Haut
Die steigende Lebenserwartung und wachsende Ansprüche an ein makelloses
Äußeres zeigen eine nie dagewesene Nachfrage nach Eingriffen an der Haut. Auch
die alarmierende Zunahme an Hautkrebs und die durch die Früherkennungs- und
Screeningkampagnen sensibilisierte Öffentlichkeit und Ärzteschaft sind Auslöser
dieser Nachfrage. Ratgeber zu Schönheitsoperationen gibt es bereits für
Jugendliche ab zwölf Jahren. Gerade für die äußere Fassade gibt es ein grosses
Angebot von Präventionsmaßnahmen bis hin zur Erzielung einer äußeren
Verjüngung. Groß ist auch die heterogen ausgebildete und steigende Zahl der
Experten, die sich selbst als Helfer für korrektiv-ästhetische Maßnahmen empfehlen.
Eine moderne und differenzierte Behandlung von Hautkrankheiten ist ohne
operative Kompetenz nicht denkbar. Dermatologen in den USA wie auch in
Deutschland führen heute nicht nur die meisten operativen Eingriffe am Hautorgan
durch, sie setzen hierbei auch das größte Methodenspektrum ein. Daher ist die
Vermittlung dermatochirurgischer Fähigkeiten auf höchstmöglichem Niveau zur
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Beherrschung der erforderlichen Techniken inklusive der Laserverfahren integraler
Bestandteil der Weiterbildungsinhalte unseres Nachwuchses.
Zahlreiche Innovationen auf dem Gebiet der Therapie von Hautkrankheiten können
die Skalpellchirurgie ergänzen oder gar ersetzen. Dies betrifft bedrohliche
Erkrankungen wie Hautkrebs („Cremen statt Schneiden“), aber genauso zahlreiche
andere Hautkrankheiten und korrektiv-ästhetische Indikationen im Rahmen der
Beseitigung von Veränderungen der alternden Haut.
Eine differenzierte und abgestufte Therapie mit schonenden Operationstechniken
oder Lasertechniken bedeutet in geeigneten Fällen eine erhöhte Sicherheit und
weniger Nebenwirkungen für die Patienten. Auf der anderen Seite kann bei
Unkenntnis der Verfahren oder bei falscher Indikationsstellung eine vermeintlich
„harmlose“ Technik mitunter nicht zum Erfolg führen und somit in Misskredit geraten.
Diese Gefahr ist beim Einsatz von Lasern und laserartigen hochenergetischen
Lichtquellen besonders groß, da die heute verfügbaren Geräte aufgrund ihrer
modernen Software-gestützten Anwendung zu einem Einsatz auch durch
Nichtfachärzte verleiten und die Haut als Oberflächenorgan für jeden Behandler
besonders einfach zugänglich ist.
Die besondere Stärke des operativ tätigen Dermatologen liegt darin, im Arsenal
therapeutischer Verfahren gegebenenfalls auch konservative Alternativen in
Erwägung zu ziehen. Wie kein anderer Mediziner ist er in der Lage, nicht nur die
jeweiligen Krankheitsbilder, sondern eben auch die gesamte Palette möglicher
Gegenmaßnahmen zu überblicken und seinem Patienten unter Berücksichtigung
individueller Besonderheiten das bestmögliche an Therapie unabhängig von einer
Technik anzubieten. Dies bedeutet aber auch eine stete Herausforderung,
„konservativ“ wie „operativ“ am Puls der Zeit zu sein.
European Academy of Dermatology and Venereology (EADV)
Die EADV ist eine gemeinnützige Vereinigung mit dem Ziel, Prävention, klinische
Versorgung, Forschung und Ausbildung im Bereich Dermatologie und Venereologie
professionell voranzubringen. Sie fördert qualitativ hochwertige Patientenpflege und
bietet medizinische Weiterbildung, sowohl für das Fachgebiet als auch für Patienten.
Die EADV wurde 1987 gegründet und hat ihren Sitz in Brüssel.
http://www.eadv.org
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