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Psychosoziale Beratung und Begleitung von schwangeren Frauen und Paaren im Kontext von Pränataldiagnostik - Pilotprojekt im Landkreis Emsland-
 

Psychosoziale Beratung und Begleitung von schwangeren Frauen und Paaren im Kontext von Pränataldiagnostik - Pilotprojekt im Landkreis Emsland-

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Ein gemeinsames Projekt des SkF und der Caritas.

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    Psychosoziale Beratung und Begleitung von schwangeren Frauen und Paaren im Kontext von Pränataldiagnostik - Pilotprojekt im Landkreis Emsland- Psychosoziale Beratung und Begleitung von schwangeren Frauen und Paaren im Kontext von Pränataldiagnostik - Pilotprojekt im Landkreis Emsland- Document Transcript

    • Psychosoziale Beratung und Begleitungvon schwangeren Frauen und Paarenim Kontext von Pränataldiagnostik-Pilotprojekt im Landkreis Emsland-Jahresbericht 20123. Projektjahr
    • InhaltsverzeichnisVorbemerkung1. GESETZLICHE REGELUNGEN ZUR PSYCHOSOZIALEN BERATUNG BEIPRÄNATALDIAGNOSTIK 42. METHODEN DER PRÄNATALDIAGNOSTIK 53. PSYCHOSOZIALE BERATUNG IN DER PRÄNATALDIAGNOSTIK 93.1 Psychosoziale Beratung - Grundverständnis 93.2 Psychosoziale Beratung im Kontext von PND - Was kann sie leisten? 104. ARBEITSSCHWERPUNKTE IM DRITTEN PROJEKTJAHR 124.1 Zusammenarbeit mit Krankenhäusern und niedergelassenenGynäkologinnen/Gynäkologen 124.2 Kooperation und Vernetzung 184.3 Inanspruchnahme der psychosozialen Beratung 204.4 Öffentlichkeitsarbeit 224.4.1 Pressearbeit 224.4.2 Veranstaltungen/Aktionen 265. ZUSAMMENFASSENDE ERGEBNISSE UND WEITERFÜHRENDESCHLUSSFOLGERUNGEN 326. FRAGESTELLUNGEN UND HERAUSFORDERUNGEN FÜR EINEWEITERFÜHRUNG DES PROJEKTES 36Anhang 40
    • Seite 3 von 44Vorbemerkung2010 wurde beim Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) e.V. Meppen-Emsland Mitte,nachfolgend SkF Meppen, zunächst befristet für die Dauer von drei Jahren, im Emslandein Pilotprojekt „Psychosoziale Beratung und Begleitung von schwangeren Frauen undPaaren im Kontext von Pränataldiagnostik“ eingerichtet.Die gesetzlichen Änderungen sowohl im Schwangerschaftskonfliktgesetz als auch imGendiagnostikgesetz und die rasante Entwicklung auf dem Gebiet der vorgeburtlichenUntersuchungen haben den SkF Meppen und den Caritasverband für die DiözeseOsnabrück e.V. dazu veranlasst, dieses Projekt durchzuführen.Ein wichtiges Ziel des Projektes ist es, die Zusammenarbeit der Schwangerschafts-beratungsstellen mit den Krankenhäusern und niedergelassenen Gynäkologinnen undGynäkologen im Emsland zu intensivieren und weiter zu entwickeln. Hierdurch soll eineengere Verbindung von ärztlicher und psychosozialer Beratung erreicht werden, umFrauen und Paaren bei pränatalen (vorgeburtlichen) Untersuchungen, insbesondere beieinem auffälligen Befund, eine umfassende Beratung und Betreuung anzubieten, damit siein ihren Entscheidungsnöten nicht alleingelassen werden.Vom Verfahren ist vorgesehen, dass Ärztinnen und Ärzte sich an Heike Veen, dieProjektleiterin und zentrale Ansprechperson, wenden, wenn sie eine Frau/ein Paar in dievertiefende psychosoziale Beratung im Kontext von Pränataldiagnostik (PND) vermittelnmöchten. Da die Beratungen in der Regel weiterhin vor Ort angeboten werden sollen,koordiniert Heike Veen ein Beratungsgespräch mit den anderenSchwangerschaftsberatungsstellen des Sozialdienstes katholischer Frauen und desCaritasverbandes.Im ersten Jahr lag der Schwerpunkt der Arbeit in der Bekanntmachung des Pilotprojektesund der persönlichen Kontaktaufnahme zu den Geschäftsführern und Chefärzten derGynäkologie und Geburtshilfe in den Krankenhäusern und zu den niedergelassenenGynäkologinnen und Gynäkologen. Es wurden Informationsmaterialien erarbeitet, die vonden Ärztinnen und Ärzten an betroffene Frauen und Paare weitergegeben werden können.Während des zweiten Projektjahres wurden die Kontakte zu den Krankenhäusern weiterausgebaut. Auch der Kontakt zu möglichen Netzwerkpartnern, wie z.B. Hebammen,Frühförderung, Einrichtungen der Behindertenhilfe und Eltern- und Selbsthilfegruppenkonnte verstärkt werden. Weitergehende Informationen sind in den Berichten aus demersten und zweiten Projektjahr enthalten.In dem vorliegenden Bericht werden einführend kurz gesetzliche Grundlagen der Beratungbei pränatalen Untersuchungen aufgeführt und Untersuchungsmethoden derPränataldiagnostik benannt. Ferner wird der Stellenwert der psychosozialen Beratungbei Pränataldiagnostik beschrieben. Es folgen die Arbeitsschwerpunkte im drittenProjektjahr sowie Ergebnisse, Schlussfolgerungen und Fragestellungen, die sich aus derArbeit für eine Weiterführung des Projektes ergeben.
    • Seite 4 von 441. Gesetzliche Regelungen zur psychosozialen Beratung beiPränataldiagnostikSchwangere Frauen und Paare reagieren auf den Verdacht, dass das Kind krank oderbehindert zur Welt kommen könnte, oft mit großer Sorge und Verunsicherung.Frauen und Paare haben einen Rechtsanspruch darauf, sich in allen eineSchwangerschaft berührenden Fragen informieren und beraten zu lassen.Die rechtlichen Grundlagen für die Beratung von schwangeren Frauen im Kontext vonPränataldiagnostik finden sich u.a. in der seit 2010 neu geregelten Fassung des §2aSchwangerschaftskonfliktgesetz (SchKG) und den §§15, 3, 9, 10 Gendiagnostikgesetz(GenDG). Auszüge aus den Gesetzestexten sind im Anhang abgedruckt.Die Regelungen im Schwangerschaftskonfliktgesetz und im Gendiagnostikgesetz habenzum Ziel, die Beratung der schwangeren Frau im Kontext von genetischenUntersuchungen und pränatalen Befunden zu verbessern.Nach den gesetzlichen Vorgaben ist es Aufgabe der Ärztin/des Arztes, bei einemauffälligen vorgeburtlichen Befund die medizinischen, psychischen und sozialen Fragenmit der Frau zu besprechen. Sie/er wird sie auf die vertiefende psychosoziale Beratung ineiner Schwangerschaftsberatungsstelle hinweisen und die Frau mit ihrem Einverständnisnach dorthin vermitteln.Zu beachten gilt, dass Frauen möglicherweise gar nicht wissen möchten, ob ihr Kind krankoder mit einer Behinderung zur Welt kommen könnte. Es obliegt der Entscheidung derFrau, ob sie weitergehende pränatale Untersuchungen durchführen lässt. Sowohl für einegenetische Beratung vor einer Untersuchung, für die Untersuchung selbst und auch fürdas Ergebnis der Untersuchung gibt es ein Recht auf Nichtwissen für die Frau.
    • Seite 5 von 442. Methoden der PränataldiagnostikMutterschaftsrichtlinienIm Verlauf einer Schwangerschaft werden in der Regel im Rahmen derSchwangerenvorsorge Untersuchungen nach den sogenannten „Mutterschaftsrichtlinien“1durchgeführt. Diese bietet jede gynäkologische Praxis an. Hierzu gehören:• Das Anamnesegespräch• eine allgemeinmedizinische Untersuchung• verschiedene serologische Untersuchungen, wie Tests auf Infektionskrankheiten• ein Test auf immunologische Abwehrreaktion zwischen Mutter und Kind• drei Ultraschalluntersuchungen, 09.-12., 19.-22., 29.-32. Woche; die zweite dientzur Aufspürung von körperlichen Fehlbildungen.Sollten sich durch die Vorsorgeuntersuchungen Hinweise auf eine Risikoschwangerschaftergeben, z.B. bei Fehlbildungen des Kindes, wird die Ärztin/der Arzt die Schwangere überdie Möglichkeiten einer humangenetischen Beratung und Untersuchung aufklären, wieAmniozentese, Chorionzottenbiopsie o.ä. .Die schwangeren Frauen werden dann häufig an spezialisierte Praxen überwiesen, woÄrztinnen/Ärzte arbeiten, die eine spezielle Ausbildung (Degum II, Degum III), haben, umspezielle Ultraschalluntersuchungen oder invasive Verfahren durchführen zu können.Diese PND-Schwerpunktpraxen bzw. PND-Zentren verfügen über spezielle diagnostischeUntersuchungsgeräte.Weitergehende pränataldiagnostische UntersuchungenImmer mehr werdende Eltern nehmen weitergehende pränataldiagnostischeUntersuchungen in Anspruch. Sie erhoffen sich durch diese Untersuchungen eineBestätigung, dass ihr ungeborenes Kind gesund ist.1Richtlinien des Bundesausschusses der Ärzte und Krankenkassen,1999
    • Seite 6 von 44Das nachfolgende Schaubild2gibt einen Überblick über pränataldiagnostischeUntersuchungsmethoden, die in nichtinvasiv und invasiv unterschieden werden.Nichtinvasive UntersuchungenBei nichtinvasiven Untersuchungen wird nicht in den Körper der Schwangereneingedrungen. Bei den Untersuchungen gibt es keine Risiken für das Ungeborene und dieMutter.Zu diesen Methoden gehören:• Ultraschalluntersuchungen, wie die Nackentransparenzmessung, dieNasenbeinmessung, die Fetometrie, der Feinultraschall, die Doppler-Sonographie,der 3D-/4D-Ultraschall.• Serologische (Blut-) Untersuchungen, wie beispielsweise der Triple-Test, Erst-Trimester-Screening, das integrierte Screening, der neue Bluttest (Praena-Test).Invasive UntersuchungenInvasive, das heißt innerhalb des Körpers der Schwangeren vorgenommeneUntersuchungen sind u.a.:• Die Amniozenthese (Fruchtwasserpunktion)• Die Chorionzottenbiopsie• Die Nabelschnurpunktion.2Wassermann, K., Rohde, A. Pränataldiagnostik und psychosoziale Beratung, Stuttgart 2009, S. 35
    • Seite 7 von 44Invasive Untersuchungsmethoden sind mit von verschiedenen Faktoren abhängigenRisiken, wie z. B. einer Fehlgeburt belastet. Bei Fruchtwasseruntersuchungen gibt es einFehlgeburtsrisiko von 0,5-1%: eine von 100-200 Frauen hat eine Fehlgeburt.Für werdende Eltern spielt die Abwägung zwischen den Risiken der Untersuchung und derWahrscheinlichkeit einer bestimmten Behinderung eine wichtige Rolle bei derEntscheidung über die Inanspruchnahme von invasiven Untersuchungen.Ärzte sehen sich bei pränataldiagnostischen Untersuchungen zunehmendSchadensersatzansprüchen ausgesetzt.Bluttest auf Bestimmung von Trisomie 21Es ist ein neuer Bluttest auf Bestimmung von Trisomie 21 (Praena-Test) entwickeltworden, der seit Sommer 2012 in Deutschland angewendet werden kann. Bei diesernicht-invasiven Methode werden aus dem mütterlichen Blut Erbinformationen desungeborenen Kindes gefiltert und dann auf Chromosomenauffälligkeiten untersucht.Der Bluttest zeigt deutlich die Möglichkeiten und Grenzen in der Weiterentwicklung derPränatalmedizin. Er kann invasive Verfahren mit unnötigen Abgängen von Embryonen mitnormaler genetischer Ausstattung vermeiden; obgleich bei einem entsprechendenVerdacht weiterhin eine Fruchtwasseruntersuchung erforderlich ist.Es wächst die Gefahr, dass der Umgang mit dem Bluttest, der bereits sehr früh in derSchwangerschaft (ab 12. SSW.) eingesetzt werden kann, zur Selektion von Menschen mitDown-Syndrom führt.Der Fortschritt in der Pränatalmedizin schreitet rasant voran, weitere Bluttests aufFeststellung von anderen erblich bedingten Erkrankungen sind in Vorbereitung.Kosten für pränataldiagnostische UntersuchungenDie gesetzlichen Krankenkassen zahlen für drei Basis-Ultraschalluntersuchungen.Darüber hinaus werden Kosten für weitergehende Untersuchungen nur dann von denKrankenkassen übernommen, wenn eine medizinische Notwendigkeit hierfür besteht.Wünscht die Frau von sich aus pränataldiagnostische Untersuchungen, die nichtmedizinisch indiziert sind, muss die Frau die Leistungen als IGeL-Leistungen (IndividuelleGesundheitsleistung) selber tragen.
    • Seite 8 von 44Ärztliche Untersuchungen und psychosoziale BeratungDie folgende Übersicht führt anschaulich ärztliche Untersuchungen und ärztliche Beratungauf. Analog zu den jeweiligen Untersuchungen wird beschrieben, welche Beratungsinhaltein der psychosozialen Beratung mit der schwangeren Frau/dem Paar angesprochenwerden.33Wallner-Moosreiner, Silvia, SkF Landesverband Bayern, Ärztliche Untersuchungen und psychosoziale Beratungsanlässe vor, währendund nach Pränataldiagnostik (PND)
    • Seite 9 von 443. Psychosoziale Beratung in der Pränataldiagnostik3.1 Psychosoziale Beratung - Grundverständnis„Beratungsarbeit geht - im Unterschied zu einer am Krankheitsbergriff orientiertenheilkundlichen Psychotherapie - davon aus, dass das Leben von Individuen, Paaren,Familien und Lebensgemeinschaften einem Entwicklungsprozess unterworfen ist, bei demdie Grenzen zwischen gleichsam notwendigen Krisen und seelischen Fehlentscheidungenfließend sind. Krisenhafte Erscheinungen sind Belastungen, bieten aber auch die Chancezur Neuorientierung. Das Erleben solcher Krisen und Beeinträchtigungen und die Art undWeise ihrer Verarbeitung sind der primäre Ansatz für Beratung.“ (Deutsche Arbeitskreis fürJugend-, Ehe und Familienberatung, DAK, 1993)4„Die psychosoziale Beratung in der Schwangerschaftsberatung ist ein Angebot anMenschen, die sich mit Problemen und Konflikten auseinandersetzen müssen, die siemomentan allein bzw. in ihrer Familie oder in ihrem sozialen Umfeld nicht in befriedigenderWeise bewältigen können.“5Die katholische Schwangerschaftsberatung versteht sich als Teil des diakonischenDienstes der Kirche und als Anwältin des Lebens, sowohl des ungeborenen Kindes alsauch des Lebens der schwangeren Frau. „Zum Beratungsverständnis gehört neben derfachlichen Ausgestaltung auf der Basis rechtlicher Vorgaben wesentlich die Orientierungam christlichen Menschenbild. Für Christen hat das ungeborene Leben die gleiche Würdeund das gleiche Recht auf Leben wie ein geborener Mensch. Als Ebenbild Gottes ist jederMensch in seiner ihm eigenen Art gewollt und angenommen - unabhängig davon, welchenGrad an Gesundheit, Erkenntnis, Selbstbewusstsein oder körperlicher, geistiger oderseelischer Lebensfähigkeit er besitzt.“6Die psychosoziale Beratung in der Schwangerschaftsberatung hat sowohl die psychischeVerfassung der Frau als auch ihre soziale Lebenssituation im Blick.Sie will Ratsuchende zur Selbsthilfe und zur Wahrnehmung ihrer Verantwortung für dasungeborene Kind befähigen.In dem Beratungsprozess ist Raum für Begegnung und Dialog zwischen der Beraterin undden Ratsuchenden. Am Beginn des Beratungsprozesses steht das Ergebnis noch nichtfest.„In der Beratung als zielorientierter und ergebnisoffener Prozess ermutigt die Beraterinund schüchtert nicht ein, sie hat Verständnis und belehrt nicht, sie macht keineSchuldgefühle, gibt aber Raum für die Frage nach Schuld.“74Lammert,Cramer,Pingen-Rainer,Schulz,Neumann,Beckers,Siebert,Dewald,Cierpka, Psychosoziale Beratung in der Pränataldiagnostik-Ein Praxishandbuch, Göttingen 2002, S.465Sozialdienst katholischer Frauen Gesamtverein e.V., Konzeption für die Beratung in katholischen Schwangerschaftsberatungsstellen,2012, S.116Sozialdienst katholischer Frauen Gesamtverein e.V., Konzeption für die Beratung in katholischen Schwangerschaftsberatungsstellen,2012, S.107Diözesan-Caritasverband für das Erzbistum Köln e.V., Handreichung für die psychosoziale Beratung bei Pränataldiagnostik und bei zuerwartender Behinderung des Kindes, Oktober 2005, S.11
    • Seite 10 von 44Die Beratung deckt das Dilemma zwischen dem Wunsch der Frau, das Kind zu wollen,aber die Sorge, den damit verbunden Aufgaben nicht gewachsen zu sein, auf.In der Beratung sollen alle Ressourcen der Frau, des Partners, im persönlichen Umfeldund in institutionellen Bereichen erschlossen werden.3.2 Psychosoziale Beratung im Kontext von PND - Was kann sie leisten?Was ist, wenn bei der Pränataldiagnostik eine Krankheit oder Behinderung desungeborenen Kindes festgestellt wird?Dann ist Beratung wichtig. Denn vielen Frauen stellt sich in dieser Situation die Frage, obsie die Schwangerschaft fortsetzen oder nicht.Die psychosoziale Beratung im Kontext von PND ist ein spezialisiertes Angebot derSchwangerschaftsberatungsstellen, welches die medizinische Beratung und Betreuungergänzt.Pränataldiagnostische Untersuchungen können zu existenziellen Fragen bei der Frau/demPartner führen.Nach einem auffälligen Befund müssen Entscheidungen getroffen werden, die„unmögliche“ Entscheidungen sind.„Man denkt, dass die Untersuchung Routine ist, aber auf einmal bleibt die Welt stehen.“(Studienteilnehmerin)8Der Verdacht oder die Diagnose, dass das ungeborene Kind krank oder behindert seinkönnte, führt zu einer emotional sehr belasteten Situation, weil dieses Ereignis denHoffnungen, Wünschen und Erwartungen widerspricht.Die Reaktion der Frau/des Paares auf die Diagnosemitteilung ist oft ein Schock. DieDiagnose kann in eine große Hilflosigkeit führen.„Unser Leben ist irgendwie grad zu Ende. Wir wollen kein schwerstbehindertes Kind. Abersoll ich jetzt in die Klinik und die Geburt einleiten? Damit wir sicher sein können, dass erbei der Geburt stirbt? Es gibt keine Alternative, die machbar scheint. Wir sind am Ende.Aber diesmal richtig. Und nun?“9Die Ärztin/der Arzt, die/der in dieser Situation auf die psychosoziale Beratung hinweist unddie Frau konkret in die Beratung vermittelt, nimmt die Krisen- und Konfliktsituation derFrau ernst.Im Mittelpunkt der psychosozialen Beratung steht die psychische und soziale Situation derBetroffenen und ihres Partners. Die Beratung bietet der Schwangeren/dem Partner ineiner solchen Situation einen geschützten Raum, um die widersprüchlichen Gefühle, wieHoffnung und Angst, Zuversicht und Zweifel wahrnehmen und aussprechen zu können.8Wassermann, K., Rohde, A., Pränataldiagnostik und psychosoziale Beratung, Stuttgart 2009, S.299Bohg, Constanze, Viereinhalb Wochen, Pattloch Verlag GmbH & Co.KG, München, 2012, S. 73f
    • Seite 11 von 44Durch die Beraterinnen, die über eine Zusatzqualifikation in psychosozialer Beratung undBegleitung im Kontext von pränataler Diagnostik und zu erwartender Behinderung desKindes verfügen, wird es den Ratsuchenden ermöglicht, ihre ganz persönlichen Fragenzu klären. Was empfinden sie? Was haben sie sich gewünscht? Welche Konsequenzenhätte ein auffälliger Befund? Was sagt die Familie? Die Hoffnungen und Wünsche, die mitdem Kind verbunden waren, sollten in der Beratung ausreichend Raum erhalten.In der Beratung können werdende Eltern offen ambivalente Gefühle und Gedankenbenennen, von denen sie vielleicht nur ungern sprechen. Häufig treten hierbei ethisch-moralische Fragestellungen in den Vordergrund. Warum hat mein Kind dieseBehinderung? Wie kann Gott zulassen, dass so etwas passiert? Wie kann ich, wie könnenwir die richtige Entscheidung treffen?„In der Beratung geht es durch strukturiertes Vorgehen um die Klärung der individuellenLebenssituation, der Lebensplanung, des Werteverständnisses und um die Abwägung derHandlungsmöglichkeiten unter Berücksichtigung der Gefühle und der sozialen Situationder Frau/des Paares.“10Die psychosoziale Beratung kann wesentlich dazu beitragen, unter Berücksichtigung derpersönlichen Ressourcen der Ratsuchenden, die gegenwärtigen und zukünftigenLebensverhältnisse besser einschätzen zu können und Lösungsansätze zu entwickeln.In der Beratung wird auf Unterstützungsmöglichkeiten und Hilfen durch staatliche Stellen,Krankenkassen, Selbsthilfegruppen u.a. hingewiesen.Die Übersicht stellt verkürzt die Beratungsanlässe dar, in denen eine psychosozialeBeratung im Kontext von Pränataldiagnostik hilfreich sein kann.1110Sozialdienst katholischer Frauen Gesamtverein e.V., Konzeption für die Beratung in katholischen Schwangerschaftsberatungsstellen,2012, S.1211Deutscher Caritasverband e.V., Katholischer Krankenhausverband Deutschlands e.V., Sozialdienst katholischer FrauenGesamtverein e.V., Beratung und Begleitung von schwangeren Frauen und Paaren im Kontext von Pränataldiagnostik,Handlungsempfehlung zur Kooperation von katholischen Krankenhäusern und katholischen Schwangerschaftsberatungsstellen, 2010,S.11
    • Seite 12 von 444. Arbeitsschwerpunkte im dritten ProjektjahrIm dritten Jahr des Projektes war die Intensivierung der Zusammenarbeit mit denÄrztinnen/Ärzten eine wesentliche Aufgabe. Ein weiterer Schwerpunkt der Arbeit lag inder Vernetzung mit anderen sozialen und familienbezogenen Diensten und Institutionen.4.1 Zusammenarbeit mit Krankenhäusern und niedergelassenenGynäkologinnen/GynäkologenDer Deutsche Caritasverband und die Fachverbände Katholischer KrankenhausverbandDeutschlands (KKVD) und Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) haben 2010 eineHandlungsempfehlung “Beratung und Begleitung von Frauen und Paaren im Kontext vonPränataldiagnostik“ veröffentlicht. Die Handlungsempfehlung hat das Ziel, die Diskussionüber ethische und beraterische Fragen im Kontext von Pränataldiagnostik zu fördern undkonkrete Kooperationen zwischen den katholischen Krankenhäusern undSchwangerschaftsberatungsstellen zu erreichen. Durch diese Kooperationen soll diepsychosoziale Beratung bei PND strukturell besser verankert werden, um schwangerenFrauen während der Schwangerschaft und nach der Geburt des Kindes sowie nach demVerlust des Kindes bzw. nach einem Schwangerschaftsabbruch den Zugang zur Beratungzu ermöglichen. Hierdurch wollen sich die Verbände in ihren Strukturen ihren Beitrag zumSchutz des ungeborenen Lebens leisten. 12Gespräch mit Dr. Markus Jüngerhans, Geschäftsführer des KatholischenKrankenhausverbandes (KKV) für die Diözese OsnabrückUm die Ziele der Handlungsempfehlung weiter in die Praxis umzusetzen, wurde dasGespräch mit dem neuen Geschäftsführer des KKV für die Diözese Osnabrück, HerrnDr. Jüngerhans, gesucht. Nach einem persönlichen Kennenlernen und einem Berichtüber den bisherigen Verlauf des Pilotprojektes im Landkreis Emsland wurde gemeinsamerörtert, wie die Vermittlung von betroffenen Frauen/Paaren in die psychosoziale Beratungeiner Schwangerschaftsberatungsstelle durch die Ärztinnen und Ärzte gelingen könne.Konsens des Gespräches war, dass Informationsmaterialien, wie Visitenkarten und Flyergut seien, um auf die Beratung hinzuweisen. Notwendig sei aber die unmittelbareVermittlung der schwangeren Frau in die Beratung. Dieses könne am besten umgesetztwerden durch eine direkte Kontaktaufnahme zum Zeitpunkt der Diagnosemitteilung. Solltedieses nicht möglich sein, könnte durch einen Anruf der Ärztin/des Arztes (oder seinerAngestellten) in der Beratungsstelle ein Gespräch für die Frau vereinbart werden.Als wichtig erachtete Herr Jüngerhans den regelmäßigen Kontakt und Austausch derProjektleiterin mit den Ärzten. Dieser wäre erreichbar über Austausch per E-Mail-Kontakt,regelmäßige Arbeitstreffen oder auch gemeinsame Fortbildungen.12Vgl.: : Deutscher Caritasverband e. V., Sozialdienst katholischer Frauen e.V. Gesamtverein, Katholischer KrankenhausverbandDeutschlands e.V., Handlungsempfehlung zur Kooperation von katholischen Krankenhäusern und katholischenSchwangerschaftsberatungsstellen, 2010, S. 2
    • Seite 13 von 44Herr Jüngerhans erklärte sich bereit, an Frau Veen einen E-Mail-Verteiler mit Ärztinnenund Ärzten der Krankenhäuser aus der Diözese weiterzuleiten, sodass wichtigeInformationen im Rahmen des Projektes per E-Mail verschickt werden könnten. Fernerwurde vereinbart, dass Herr Jüngerhans es in 2013 ermöglichen werde, dass Frau Veendas Projekt bei einem Austauschtreffen von Ärztinnen/ Ärzten in der Diözese vorstellenkann.Kontakte zum Krankenhaus Ludmillenstift, MeppenZu Beginn des Jahres 2012 referierte Herr Dr. Jörn Siemer, Chefarzt der Gynäkologieund Geburtshilfe im Ludmillenstift Meppen, in der Mitgliederversammlung des SkFMeppen zu dem Thema „Ist mein Kind gesund? Chancen und Risiken vorgeburtlicherUntersuchungen“. In seinem Vortrag informierte er über die häufigsten Untersuchungen inder Pränatalmedizin. Hierbei erklärte er, dass pränatale Diagnostik und medizinischerFortschritt therapeutische Optionen für das ungeborene Kind eröffnen. DiePränatalmedizin werde aber auch begleitet von ethischem Konfliktpotential.In einem späteren Gespräch mit Herrn Dr. Siemer fand ein Austausch über dasVerständnis von psychosozialer Beratung statt. Anhand von Beispielen wurde derumfassende Beratungsbedarf von schwangeren Frauen und Paaren bei PND erläutert.Herr Dr. Siemer schlug vor, eine gemeinsame Informationskarte zu entwickeln, welche dieKooperation zwischen dem Ludmillenstift und dem SkF Meppen darstellt. Die Karte solleauf das Angebot pränataler Untersuchungsmethoden im Ludmillenstift und auf das damitverbundene Beratungsangebot in der Schwangerschaftsberatungsstelle vor, während undnach vorgeburtlichen Beratungen hinweisen.Eine Anwesenheit der Beraterin während oder nach Mitteilung einer Diagnose an eineschwangere Frau hielt er für nicht ökonomisch. Er sagte zu, betroffene Frauen/Paaredurch einen Telefonanruf an den SkF Meppen zu vermitteln. Er würde dann in seinerBehandlungsakte dokumentieren, ob Frauen, die er vermittelt habe, in Beratung gegangenseien.Auf Nachfrage wurde Herrn Dr. Siemer das Beratungsangebot bei Fehl- oder Totgeburtaufgezeigt und auf die „Trauergruppe für verwaiste Eltern“ aufmerksam gemacht, die vomSkF Meppen in Kooperation mit der Hospiz-Hilfe Meppen angeboten wird.
    • Seite 14 von 44Nachfolgend wurde in Zusammenarbeit mit der Pressestelle des Ludmillenstifts einegemeinsame Informationskarte zum medizinischen und psychosozialen Beratungsangebotbei PND entwickelt.Die Karte wurde mit einem gemeinsamen Brief im Sommer 2012 an zuweisendeÄrztinnen und Ärzte des Ludmillenstifts verschickt, verbunden mit der Bitte, dieInformationskarte an betroffene Frauen/Paare weiterzureichen, um ihnen einen Überblicküber das medizinische und psychosoziale Beratungsangebot vor Ort zu geben.
    • Seite 15 von 44Am Tag der offenen Tür des Perinatalzentrums Emsland und der Kinderklinik imLudmillenstift konnte den Besucherinnen und Besuchern das Beratungsangebot beivorgeburtlichen Untersuchungen an einem Infostand vorgestellt werden. Das Interesse andem Thema war eher zurückhaltend. Es bedurfte der persönlichen Ansprache, umAufmerksamkeit zu erzielen. So konnte in einzelnen Gesprächen mit Frauen überUntersuchungsmethoden gesprochen werden, wobei auch mögliche ethische Fragen, diesich aus den Untersuchungen heraus ergeben könnten, erörtert wurden.Mit der Stationsleitung der Gynäkologie und Geburtshilfe, Sr. Anita Wolken, wurde einAustauschgespräch geführt, um zu reflektieren, wie die Vermittlung der Frauen in diepsychosoziale Beratung verbessert werden könne. Im Gespräch wurde deutlich, wiewichtig eine gute Zusammenarbeit aller Professionen ist. Sr. Anita erklärte sich bereit, dieInformationen weiterzugeben.Die Zusammenarbeit mit dem Ludmillenstift erfuhr durch den Weggang von Dr. Siemereine gewisse Stagnation. Das Ludmillenstift bat darum, weitere Gesprächeaufzuschieben, bis die Chefarztstelle Anfang 2013 wieder besetzt sein würde.Kontakte zum St. Bonifatius-Hospital, LingenIn einem Telefonat mit Frau Krummen, Koordinierungsstelle „Guter Start ins Leben“, kames in 2012 zu einem Austausch über das Beratungsangebot der Schwangerschafts-beratungsstellen vor, während und nach pränatalen Untersuchungen.In einem gemeinsamen Gespräch mit Herrn Martin Diek, dem neuen Geschäftsführer, undHerrn Dr. Manfred Johnscher, Chefarzt Gynäkologie und Geburtshilfe, wurde überlegt, wiedie Vermittlung von schwangeren Frauen/Paaren in die Beratung verbessert werdenkönnte. Herr Dr. Johnscher erklärte, dass er nicht viele Untersuchungen im Kontext vonPND machen würde. Häufig würden die niedergelassenen Ärztinnen/Ärzte dieFrauen/Paare an Praxen mit Schwerpunkt Pränataldiagnostik oder an Prof. Dr. MatthiasMeyer-Wittkopf, Mathias-Spital Rheine überweisen. Mit Herrn Prof. Dr. Meyer-Wittkopfwürde er auch zusammenarbeiten, wenn es um die Überprüfung des Verdachtes einesauffälligen Befundes gehe.Mit Herrn Diek und Herrn Dr. Johnscher wurde noch einmal ausführlich die Bedeutung vonpsychosozialer Beratung erörtert. Dabei wurde auch Bezug genommen auf einen Artikel,der den Gesprächspartnern ausgehändigt wurde. Darin werden die Erlebnisse einesPaares beschrieben, das durch die Inanspruchnahme von vorgeburtlichenUntersuchungen die Diagnose bekommen hat, dass ihr ungeborenes Kindschwerstbehindert oder tot zur Welt kommen wird. In diesem Artikel ist sehr realitätsnahbeschrieben, welche Bedeutung die psychosoziale Beratung neben der medizinischenBetreuung hat.13Das Paar hat sich mit Hilfe von Beratung viereinhalb Wochen damitauseinandergesetzt, ob ihr Kind zur Welt kommen soll. Die Eltern haben sich trotz derinfausten Prognose gegen einen Schwangerschaftsabbruch entschieden. Sie haben ihre13Zeitschrift Stern, Nr. 40;29.09.2012, S. 90ff
    • Seite 16 von 44persönlichen Erlebnisse in einem Buch mit dem Titel „Viereinhalb Wochen“veröffentlicht.14Um betroffenen Frauen den Zugang zur Beratung zu erleichtern, erklärte sich HerrDr. Johnscher bereit, von den schwangeren Frauen das Einverständnis einzuholen, ihreDaten an Heike Veen vom SkF Meppen übermitteln zu dürfen, damit diese dann pro-aktivKontakt mit der Frau aufnehmen könne, um eine Beratung anzubieten. Die Vordrucke derEinverständniserklärung (siehe Anhang) wurden Herrn Dr. Johnscher zur weiterenUmsetzung in schriftlicher Form überreicht.Kontakte zum Marienkrankenhaus, Papenburg-AschendorfIm Frühjahr wurde telefonisch Kontakt zum Geschäftsführer des Marienkrankenhauses,Herrn Matthias Bitter, aufgenommen. Dieser bat darum, direkt mit dem leitenden Oberarztder Gynäkologie und Geburtshilfe, Herrn Dr. Kurt Köhler, Gespräche zu führen.Aufgrund von hoher Arbeitsverdichtung in Folge der Vakanz der ChefarztstelleGynäkologie und Geburtshilfe konnte mit Herrn Dr. Köhler lediglich ein kurzes Gesprächgeführt werden.Herr Dr. Köhler erklärte, er führe regelmäßig pränatale Untersuchungen durch. Er bieteden Frauen vor den Untersuchungen immer die psychosoziale Beratung an. Diese würdendie Frauen häufig nicht in Anspruch nehmen wollen. Bei einem auffälligen Befund würdeer die Frauen immer auf die Beratung hinweisen.Um die Vermittlung der Frau in die Beratung zu vereinfachen, wurde mit Herrn Dr. Köhlerebenfalls die Einholung des Einverständnisses der Frau (siehe Anlage) vereinbart, ihreDaten an den SkF Meppen zu übermitteln, so dass Heike Veen pro-aktiv Kontakt zu derbetroffenen Frau aufnehmen kann. Es wurde vereinbart, den Vordruck per E-Mail zuübersenden und das Verfahren zukünftig zu erproben.Herr Köhler erklärte sich bereit, den SkF Meppen zu informieren, sofern bei einerVeranstaltung des Krankenhauses die Möglichkeit bestehen würde, das Beratungs-angebot bei PND vorzustellen.Angesprochen auf den neuen Bluttest auf Feststellung von Trisomie 21 sagte Herr Köhler,er finde an dem Bluttest positiv, dass etliche Fruchtwasseruntersuchungen verbunden mitdem Risiko einer Fehlgeburt verhindert werden könnten. Bisher sei er von Frauen kaumauf den Test angesprochen worden. Bis zu dem Zeitpunkt hatte er den Test nichtangewendet.Kontakte zum Hümmling Krankenhaus, SögelNach Kontaktaufnahme mit dem Hümmling Krankenhaus konnte die Projektleiterin inKooperation mit Frau Elisabeth Meentken, Schwangerschaftsberaterin des14Bohg, Constanze, Viereinhalb Wochen, Pattloch, München, 2012
    • Seite 17 von 44Caritasverbandes Sögel, am Tag der Geburtshilfe einen Informationsstand anbieten. DieBesucherinnen und Besucher nutzten den Informationsstand, um mit den Beraterinnenüber das Beratungsangebot in der Schwangerschaftsberatung, hier auch überUntersuchungen im Kontext von Pränataldiagnostik ins Gespräch zu kommen.An diesem Tag kam es auch mit der Seelsorgerin, Frau Püschel, zum Austausch über dasBeratungsangebot bei Fehl- oder Totgeburten. Nachfolgend wurde ihr der Flyer zumGruppenangebot „Trauergruppe für verwaiste Eltern“ des SkF Meppen und der Hospiz-Hilfe Meppen zur Weitergabe an betroffene Frauen/Paare zugeschickt.Durch den Kontakt der Projektleiterin zu Mitarbeiterinnen der Elternschule konntenachfolgend verabredet werden, dass eine Kollegin der Schwangerschaftsberatungsstellein Sögel das Angebot der Schwangerschaftsberatung zukünftig in derGeburtsvorbereitung vorstellen kann.Kontakte zum Mathias-Spital, RheineIn dem vorangegangenen Projektjahr wurde Herr Prof. Dr. Meyer-Wittkopf über daspsychosoziale Beratungsangebot im Landkreis Emsland informiert. Er sagte zu, Frauen,die aus dem Raum Emsland zu ihm zu pränatalen Untersuchungen kommen würden, aufdie Beratung hinzuweisen und diese Frauen an den SkF Meppen zu vermitteln. In 2012hat eine Frau die Beratung aufgrund der Vermittlung durch Herrn Prof. Meyer-Wittkopf inAnspruch genommen.Niedergelassene Gynäkologinnen und GynäkologenNeben der Schwangerschaftsvorsorge bieten auch viele niedergelassene Gynäkologinnenund Gynäkologen erste pränatale Untersuchungen, wie z.B. Nackentransparenz-messungen an. Sollten diese Untersuchungen einen Hinweis darauf enthalten, dass beidem Ungeborenen eine Auffälligkeit besteht, überweisen sie die Frauen für weitergehendeUntersuchungen an Praxen/Zentren mit Schwerpunkt pränataler Diagnostik oder anKrankenhäuser, die pränataldiagnostische Untersuchungen anbieten.In 2012 hatte die Projektleiterin zu einzelnen gynäkologischen Praxen persönlichenKontakt. Hierbei wurde ihr zugesichert, dass die schwangeren Frauen bei Bedarf durchden überreichten Flyer auf das psychosoziale Beratungsangebot bei PND hingewiesenwerden.Nach Aussage einiger Ärztinnen und Ärzte würden die Frauen bei einem auffälligenBefund nicht immer die Beratung in Anspruch nehmen wollen.Durch das gemeinsame Anschreiben und die Informationskarte des LudmillenstiftsMeppen und SkF Meppen zur Vorstellung der Kooperation bei der Betreuung vonschwangeren Frauen/Paaren erhielten die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte einenHinweis auf das Beratungsangebot im Kontext von PND.
    • Seite 18 von 444.2 Kooperation und VernetzungDie Kooperation und Vernetzung mit anderen sozialen und familienbezogenen Dienstenund Institutionen hat in 2012 einen großen Raum eingenommen.HebammenIm Rahmen der Qualifizierung der Familienhebammen im Landkreis Emsland durch denSkF Lingen konnte die Projektleiterin, Heike Veen, den angehenden Familienhebammendie Ziele und Aufgaben im Projekt erläutern und mit ihnen über die Beratung im Kontextvon vorgeburtlichen Untersuchungen ins Gespräch kommen. Außerdem wurden dieAufgaben und Angebote in der allgemeinen Schwangerschaftsberatung beschrieben.Heike Veen konnte die Arbeit im Projekt auch bei dem Hebammenstammtisch vorstellen.Anhand eines eingehenden Fallbeispiels zu in Frage kommenden Beratungsinhaltennach einem auffälligen Befund konnte die Sensibilität der Hebammen für dieNotwendigkeit der psychosozialen Beratung geweckt und Möglichkeiten derZusammenarbeit aufgezeigt werden.SchwangerschaftsberatungsstellenIm Landkreis Emsland wurden die Kolleginnen der katholischen Schwangerschafts-beratungsstellen wie in den beiden vorangegangenen Projektjahren über den Verlauf desProjektes informiert. Eine direkte Zusammenarbeit fand bei der Durchführung derInformationsstände zum Welt-Down-Syndrom-Tag, den Tagen der offenen Tür inKrankenhäusern und bei einem Vortrag in Esterwegen statt.In regelmäßig stattfindenden Arbeitskreisen berichtete die Projektleiterin den Kolleginnender Schwangerschaftsberatungsstellen in der Diözese Osnabrück über aktuelleVeränderungen im Kontext von Pränataldiagnostik, wie z.B. über den neuen Bluttest aufBestimmung von Trisomie 21.Darüber hinaus wurde eine Schwangerschaftsberaterin, die in der Diözese Hildesheim ineiner Projektstelle für die Beratung im Kontext von Pränataldiagnostik tätig ist, über dieArbeit im Pilotprojekt im Emsland informiert.Frühförderung und Entwicklungsberatung/ Elterntreffs Kinder mit Down SyndromDer Welt-Down-Syndrom-Tag (21.03.) wurde von der Projektleiterin zum Anlassgenommen, in den Städten Lingen, Meppen und Papenburg Öffentlichkeitsarbeit zu demThema zu machen.Hierfür wurden die Frühförderung und Entwicklungsberatung, die Elterntreffs Kinder mitDown Syndrom und die Kolleginnen der Schwangerschaftsberatungsstellen
    • Seite 19 von 44angesprochen. Alle beteiligten sich an den regional angebotenen Informationsständen,sodass diese eine sehr positive Resonanz erfuhren.Dadurch konnte auch das Netzwerk ausgebaut werden, um ratsuchenden Frauen/Paarenden Kontakt zu anderen Eltern, die ein Kind mit Down-Syndrom haben, zu ermöglichen.GleichstellungsbeauftragteDie Arbeit im Projekt konnte den Gleichstellungsbeauftragten im Landkreises Emslandvorgestellt werden. Sie wurden als Multiplikatorinnen gewonnen, die ratsuchende Frauenauf das Beratungsangebot im Kontext von PND hinweisen.Hospiz-Hilfe MeppenIn Kooperation mit der Hospiz-Hilfe Meppen bietet der SkF Meppen seit mehr als fünfJahren eine „Trauergruppe für verwaiste Eltern“ an.In 2012 wurde damit begonnen, im Dekanat Emsland Mitte eine Informationsbroschüreüber Angebote für Trauerarbeit zu erstellen. Darin soll auch das von der Hospiz-Hilfe unddem SkF angebotene Gesprächsangebot bei Verlust eines Kindes aufgenommen werden.
    • Seite 20 von 444.3 Inanspruchnahme der psychosozialen BeratungIm dritten Jahr des Projektes konnte die Projektleiterin in zwei Beratungsfällen dieBeratung und Begleitung im Kontext von Pränataldiagnostik durchführen.Beratungsfälle im Kontext von PND in 2012In 2012 kam ein Ehepaar mit großem Gesprächs- und Beratungsbedarf in die Beratung.Die ersten Kontakte hatten in 2011 stattgefunden. Die vorgeburtlichen Untersuchungenführten zu der Diagnose Trisomie 21, die werdenden Eltern hatten sich für ihr Kindentschieden. Da bei der Feindiagnostik keine weiteren Auffälligkeiten gesehen wurden,waren die Ängste der Eltern geringer geworden, dass das Kind erkrankt sein könnte. ImGespräch berichtete das Paar, dass sie nun die Geburt des Kindes auf sich zukommenlassen wollten. Mit dem Krankenhaus musste noch die Entbindung besprochen werden,eine Hebamme hatten sie sich gesucht. Gemeinsam wurden vor der Geburt des Kindesmit den Eltern die Anträge auf Kindergeld und Elterngeld vorbereitend ausgefüllt. Nach derGeburt des Kindes meldete sich der Vater bei der Beraterin. Sie besuchte die Familie imKrankenhaus, um den Eltern zur Geburt zu gratulieren. Sie waren sehr glücklich, aberauch betrübt, da bei dem Kind neben der Trisomie doch eine Erkrankung vorlag.Nachfolgend wurden die Eltern sehr intensiv im Krankenhaus und anschließend zu Hausevon einer Hebamme betreut. In weiteren Gesprächen mit den Eltern berichteten sie, dassdie Erkrankung des Kindes behandelt werden konnte, weitere Behandlungen nochausstehen würden. Da für das Ehepaar viele zusätzliche Kosten aufgetreten waren,konnte ihnen in einer Notlage, bedingt durch die berufliche Situation des Mannes,finanzielle Hilfe durch den Bischofsfonds, Mütter in Not, gewährt werden. Die Elternäußerten, die Entscheidung für das Kind hätten sie nicht bereut.Ein weiterer Fall stellt sich wie folgt dar. Aufgrund der Empfehlung eines Arztes imKrankenhaus hat eine Frau in einem existenziellen Konflikt im Kontext von pränatalenUntersuchungen die psychosoziale Beratung in Anspruch genommen. Die Frau warverheiratet. Sie hatten bereits ein Kind. Sie war mit ihrem „Wunschkind“ in der 12. Wocheschwanger. Nach einer Ultraschalluntersuchung bei ihrem Gynäkologen wurde sie vondiesem in ein Krankenhaus überwiesen. Dort wurde am Tag vor der Beratung einspezieller Ultraschall durchgeführt. Die Diagnose war niederschmetternd. Bei demungeborenen Kind wurde eine schwere Fehlbildung des Kopfes und Rückensdiagnostiziert mit einer sicheren infausten Prognose. Einen Tag nach derDiagnosemitteilung kam die Frau allein in die psychosoziale Beratung, da ihr Mannarbeiten musste. Die Frau war sehr betroffen, zumal sie und ihr Mann sich nach einerFehlgeburt sehr über die erneute Schwangerschaft gefreut hatten. Aufgrund ihresGesundheitszustandes und der schweren Diagnose bei dem Kind schien sich die Frau füreinen Schwangerschaftsabbruch entschieden zu haben. Im Mittelpunkt des Gesprächesstand die entscheidende Frage, ob die Schwangerschaft fortgesetzt werden kann oder einSchwangerschaftsabbruch durchgeführt werden soll. Im Verlauf des Gespräches erfolgte
    • Seite 21 von 44eine Auseinandersetzung über Fragen nach den Perspektiven für das Leben ihres Kindes.Hierbei wurde im Gespräch auch die Frage der Schuld thematisiert. Danach wollte sie sichnoch wieder mit ihrem Mann besprechen. Dem Paar wurde ein Angebot für eingemeinsames Gespräch gemacht. Leider haben sie sich dann nicht wieder gemeldet.Gemeinsames Beratungsangebot von SkF Esterwegen, Lingen, Meppen, CaritasverbandPapenburg, SögelIm Netzwerk der Projektstelle mit den katholischen Schwangerschaftsberatungsstellen imLandkreis Emsland berichteten die Kolleginnen dass Fragestellungen im Vorfeld odernach pränataldiagnostischen Untersuchungen durchaus Thema in Beratungen waren.So stellten sich Frauen z.B. aufgrund ihres Alters die Frage, ob sie, auch wenn sie bereitsKinder zur Welt gebracht haben, vorgeburtliche Untersuchungen durchführen lassensollten.Einige Frauen äußerten in der Beratung ihre Sorge, sie könnten ein krankes oderbehindertes Kind bekommen.In der Beratung berichteten Frauen von vorgeburtlichen Untersuchungen, die sie hättendurchführen lassen. Eine Frau ließ sehr bewusst vorgeburtliche Untersuchungen in ihrerzweiten Schwangerschaft durchführen. Ihr erstes Kind war kurz nach der Geburtverstorben, da es eine schwere Erkrankung hatte. Diese war im Vorfeld trotz pränatalerUntersuchungen nicht festgestellt worden. In dieser Schwangerschaft erhoffte sie, durchUntersuchungen die Bestätigung zu bekommen, dass ihr Kind gesund sei.Im Vorfeld der Untersuchungen fragte eine Frau an, ob sie eine finanzielle Hilfe für dieFahrtkosten zur vorgesehenen Untersuchung erhalten könnte.Bei einer drohenden Fehlgeburt wurde ein Paar zu den bevorstehendenpränataldiagnostischen Untersuchungen zur Klärung des Gesundheitszustandes desKindes beraten. Es wurden Untersuchungen durchgeführt und es kam zu einer Frühgeburtdes Kindes. Das Paar wurde anschließend intensiv beraten und begleitet.
    • Seite 22 von 444.4 ÖffentlichkeitsarbeitIm dritten Projektjahr fand eine intensive Öffentlichkeitsarbeit statt. Diese wurde sowohldurch Pressearbeit als auch mit der Durchführung und Beteiligung an Veranstaltungengeleistet.4.4.1 PressearbeitIn der Mitgliederversammlung des SkF Meppen, zu der auch Interessierte eingeladenwurden, hielt Herr Dr. Jörn Siemer, Chefarzt Gynäkologie und Geburtshilfe, LudmillenstiftMeppen, einen Vortrag zu „Chancen und Risiken vorgeburtlicher Untersuchungen“.Hierüber und über die sich anschließende rege Diskussion zu dem Thema pränatalerUntersuchungen und den daraus resultierenden Fragen oder auch Konflikten wurdenPresseartikel veröffentlicht.Presseartikel Meppener Tagespost Der Meppener März 2012vom 09.02.2012
    • Seite 23 von 44Auf Einladung des SkF Esterwegen referierte die Projektleiterin am 06.05.2012 vorinteressierten SkF- und kfd-Frauen zum Thema „Ist mein Kind gesund?“. Hierüber hat„Der Wecker“ berichtet.Presseartikel Der Wecker, So., 10.06.2012Im Sommer 2012 hat die baldige Zulassung des neuen Bluttests für rege Diskussionsowohl in der Presse als auch in der breiten Öffentlichkeit gesorgt. In der Ausgabe derMeppener Tagespost vom 29.02.2012 wurde das Thema in dem Artikel mit der Überschrift„Selektion oder Segen“ von Matthias Stoffregen aufgegriffen, der nachfolgend abgedrucktist.
    • Seite 24 von 44Presseartikel Meppener Tagespost Selektion oder Segen vom 29.05.2012Als Reaktion auf den Artikel hat die Projektleiterin, Heike Veen, einen Leserbrief verfasst,um auf den steigenden Beratungsbedarf hinzuweisen und um das bestehendeBeratungsangebot vor Ort den Leserinnen /Lesern bekannt zu machen.Leserbrief veröffentlicht in der Meppener Tagespost am 12.06.2012
    • Seite 25 von 44Am 27.07.2012 fand beim SkF Meppen ein Pressegespräch statt, zu dem Frau Ortmann,Vorsitzende des SkF, die Projektleiterin, Heike Veen, und die Diözesanreferentin derSchwangerschaftsberatung, Christiane Sobeczko, eingeladen hatten. Es wurde ein Berichtüber die Erfahrungen in dem Projekt PND und eine Einschätzung über mögliche Folgendes Bluttests gegeben.Presseartikel Meppener Tagespost vom 31.07.2012Presseartikel Kirchenbote vom 05.08.2012
    • Seite 26 von 44In der Zeitschrift Frauenimpulse des Landesfrauenrates Niedersachsen e.V., AusgabeSeptember 2012, konnte das Pilotprojekt vorgestellt werden, sodass das Beratungs-angebot landesweit in 63 Frauenverbänden bekannter gemacht werden konnte.4.4.2 Veranstaltungen/AktionenVortrag SkF EsterwegenUnter dem Thema „Ist mein Kind gesund?“ referierte HeikeVeen am 05.06.2012 über die Ziele und Aufgaben im ProjektPND. Die Veranstaltung fand in Kooperation mit derSchwangerschaftsberatungsstelle des Sozialdiensteskatholischer Frauen Esterwegen statt.Projekttag Gymnasium Marianum MeppenIn Kooperation mit dem St. Vitus-Werk Meppen konnte die Projektleiterin am 14.03.2012an einem Projekttag des Marianums einen Workshop zum Thema „Behinderung-das mussdoch heute nicht mehr sein!“ anbieten.Zum Einstieg wurde den Jugendlichen der Film „Er sollte sterben, doch Tim lebt“ gezeigt.Nachfolgend wurde mit den Jugendlichen über den Film gesprochen und pro und contrafür das Austragen eines Kindes mit Behinderung von den Jugendlichen benannt. Eswurden Informationen zum Schwangerschaftsabbruch und zur Spätabtreibung gegeben.
    • Seite 27 von 44Den Jugendlichen wurden Hilfs- und Unterstützungsmöglichkeiten durch dieSchwangerschaftsberatung aufgezeigt.Anschließend berichteten Mitarbeiterinnen der Frühförderung und Entwicklungsberatungüber ihre Arbeit, und eine Mutter stand den Jugendlichen für Fragen zum Leben mit einemKind mit Behinderung zur Verfügung.Dekanatstag Dekanat Emsland MitteAm Dekanatstag, der unter dem Motto „Brannte nicht unser Herz?“ stand, konnte der SkFMeppen an einem Informationsstand den Besucherinnen und Besuchern einen Einblick indie Beratungsangebote geben.Der vorbereitete Workshop des SkF Meppen „Brennen für das Leben!?Schwangerschaftsberatung, Pränataldiagnostik und Prävention in einer Welt der sichwandelnden Werte“ musste wegen zu geringer Anmeldungen ausfallen.Informationsstände zum Welt-Down-Syndrom-TagAm 20/23. und 24. März 2012 wurden auf den Wochenmärkten in Meppen, Papenburgund Lingen Informationsstände zum Welt-Down-Syndrom-Tag angeboten, um über dasDown-Syndrom zu informieren und über den neuen Bluttest auf Feststellung von Trisomie21 zu diskutieren.Der Meppener April 2012 EL-Kurier Lingen vom 07.04.2012
    • Seite 28 von 44Neue Zeitung vom 24.03.2012EL-Kurier vom 04.04.2012
    • Seite 29 von 44Der Wecker vom 01.03.2012Tag der offenen Tür in KrankenhäusernTag der Geburtshilfe Hümmling Krankenhaus SögelAm Tag der Geburtshilfe am 06.05.2012 wurde in Zusammenarbeit mit derSchwangerschaftsberatungsstelle des Caritasverbandes Sögel ein Informationsstand zumBeratungsangebot in der Schwangerschaftsberatung angeboten.
    • Seite 30 von 44Tag der offenen Tür Ludmillenstift MeppenAm Tag der offenen Tür des Perinatalzentrum und der Kinderklinik am 16.06.2012 konnteden Besucherinnen und Besuchern das Beratungsangebot bei PND aufgezeigt werden.Meppener Tagespost vom 01.07.2012
    • Seite 31 von 44Meppener Tagespost vom 26.06.2012
    • Seite 32 von 445. Zusammenfassende Ergebnisse und weiterführendeSchlussfolgerungenNach Vorstellung der Arbeitsschwerpunkte im dritten Projektjahr werden nachfolgendErgebnisse einer bundesweit durchgeführten Studie (2010-2012), an der auch unserPilotprojekt beteiligt war und Ergebnisse eines Modellprojektes in Bayern (2008-2011)dargestellt.Parallelen in der Übertragbarkeit einiger bundesweiter Ergebnisse auf die bisherigenErgebnisse des Projektes im Landkreis Emsland werden dabei deutlich.BundesstudieDie Bundesregierung hat zur Umsetzung der gesetzlichen Regelungen (§2aSchKG) dieBegleitstudie “Interdisziplinäre und multiprofessionelle Beratung bei Pränataldiagnostikund Schwangerschaftsabbruch“ in Auftrag gegeben. Hiermit betraut wurde Frau Prof. Dr.Christiane Woopen von der Forschungsstelle Ethik an der Universität Köln.Im Rahmen der Studie wurden in 2010 und 2011 bundesweit anhand von Fragebögen8072 Gynäkologen ohne Schwerpunkt PND, Rücklauf 11%, 647 Pränatalmediziner,Rücklauf 29,8%, 1350 psychosoziale Beraterinnen, Rücklauf 58,2% und 189Mitarbeiterinnen aus Selbsthilfegruppen, Rücklauf 24,1%, schriftlich befragt.Nachfolgend wurden durch Interviews die Erfahrungen von einzelnen Ärzten undpsychosozialen Beraterinnen an ausgewählten Einzelstandorten in die Studiemiteinbezogen.In 2012 wurden auch Herr Dr. Jörn Siemer, Krankenhaus Ludmillenstift Meppen und HeikeVeen, SkF Meppen, Pilotprojekt im Emsland, interviewt.Ergebnisse der Studie:• Weiterführende Pränataldiagnostik konzentriert sich zunehmend an PND-Zentren/Schwerpunktpraxen, ca. 80% der niedergelassenenGynäkologinnen/Gynäkologen überweisen ihre Patientinnen mit auffälligempränataldiagnostischem Befund an Kollegen zur weiterführenden Diagnostik weiter.• Pränataldiagnostiker arbeiten i.d.R. mit mehreren, aber dennoch mit einerbeschränkten Anzahl von Beratungsstellen zusammen.• Bei bestehender Zusammenarbeit kommt es zu einer Konzentration vonBeratungsfällen an bestimmten Beratungsstellen.• Die Zusammenarbeit gelingt gut auf Initiative des Arztes und an PND-Zentren, abernicht flächendeckend.• Manche Pränataldiagnostiker vermitteln gar keine oder nur wenige ihrerPatientinnen an psychosoziale Beratungsstellen.
    • Seite 33 von 44• Wichtig für die funktionierende Vermittlung von Frauen in die psychosozialeBeratung ist die Wertschätzung psychosozialer Beratung durch die Ärztin/den Arzt,die vertrauensvolle Zusammenarbeit, die kommunikative Überzeugungskraft desArztes gegenüber der Patientin und die niederschwellige Erreichbarkeit derBeraterin.• Für eine erfolgreiche Vermittlung ist die persönliche Empfehlung einer Beraterindurch den Arzt wichtig.• Viele Pränataldiagnostiker vermitteln nach Feststehen der Diagnose in diepsychosoziale Beratung.Die Ergebnisse verdeutlichen, dass es an verschiedenen Punkten noch immer dieMöglichkeiten einer Verbesserung gibt, hier insbesondere, was unter der „Vermittlung“ vonKontakten zu Beratungsstellen nach §3 SchKG zu verstehen ist.15Landesstudie BayernDass neben der medizinischen Betreuung eine frühzeitige psychosoziale Beratunghilfreich sein kann, haben auch Ergebnisse des Modellprojektes „Psychosoziale Beratungim Vorfeld der Pränataldiagnostik an der Schnittstelle zur medizinischen Beratung“ kurz„Verbundprojekt-Beratung in der frühen Schwangerschaft“ in Bayern gezeigt.Das Projekt in Bayern hat zum Ziel, durch einen frühen, aktiven und integriertenBeratungsansatz Frauen so früh wie möglich in der Schwangerschaft aufpränataldiagnostische Untersuchungen anzusprechen und auf Beratungsangebote imKontext von Pränataldiagnostik hinzuweisen.Ergebnisse der Zusammenarbeit mit Ärztinnen/Ärzten und Beraterinnen im LandkreisEmslandViele der vorgenannten Ergebnisse der Studien lassen sich auch auf die Situation imLandkreis Emsland übertragen. Die meisten niedergelassenen Gynäkologinnen undGynäkologen überweisen ihre Patientinnen für weiterführend pränatale Diagnostik anPND-Schwerpunktpraxen oder Kliniken mit spezialisiertem Angebot außerhalb desLandkreises, wie z.B. das Mathias-Spital in Rheine. Im Projekt wurden dorthin Kontakteaufgebaut, damit Patientinnen aus dem Emsland von Herr Prof. Dr. Meyer-Wittkopf anden SkF Meppen vermittelt werden, um regional die psychosoziale Beratung in Anspruchnehmen zu können.In den Gesprächen mit Vertretern der Krankenhäuser und den niedergelassenenÄrztinnen und Ärzten stand im Verlauf des Projektes immer das Bemühen im Vordergrund,15Vgl.: BZgA FORUM 2-2012, Das Schwangerschaftskonfliktgesetz und seine Umsetzung: Ausgewählte Ergebnisse des Projektes„Interdisziplinäre und multiprofessionelle Beratung bei Pränataldiagnostik und Schwangerschaftsabbruch (§imb-pnd)“,
    • Seite 34 von 44die Gesprächspartner für die schwierige Situationen von Frauen und Paaren beiauffälligem Befund zu sensibilisieren und das unterstützende Beratungsangebot derpsychosozialen Beratung zu erläutern. Denn die Beratung in den katholischenSchwangerschaftsberatungsstellen umfasst nicht nur sozialrechtliche Fragen. Sie stelltsich den Konflikt- und Grenzsituationen, in die schwangere Frauen und Paare beipränatalen Untersuchungen geraten können.Eine Vermittlung der Frau/ des Paares in die Beratung kann nur gelingen, wenn dieÄrztin/der Arzt der Frau/dem Paar eine persönliche Empfehlung für die Beratungausspricht.Nach eigenen Angaben weisen viele Ärztinnen/Ärzte die Frau, auch durch die Weitergabevon Informationsmaterialien, auf das Beratungsangebot hin. Wie jedoch bundesweiterkennbar ist, gibt es dabei ein unterschiedliches Verständnis von der „Vermittlung“ inBeratung auf Seiten der Ärzte und Beraterinnen. Aus Sicht der Beraterin reicht derHinweis auf die Beratung nicht aus. Denn nur durch den Hinweis auf dasBeratungsangebot ist nicht sichergestellt, dass die Betroffenen in ihrer Krisensituationselber in der Lage sind, in einer Beratungsstelle einen Termin zu vereinbaren. Hier ist diedirekte persönliche Kontaktaufnahme der Ärztin/des Arztes (oder Mitarbeiterinnen) zu derBeraterin wünschenswert. Es gilt zukünftig noch Wege zu finden, um für Frauen undPaare den Zugang in die Beratung zu verbessern.Es stellt sich auch die Frage, wann der „richtige“ Zeitpunkt gegeben ist, in diepsychosoziale Beratung zu vermitteln. Häufig wird erst nach Feststellung der Diagnose aufdas Beratungsangebot hingewiesen. In einigen Fällen wäre es gut, wenn während derUntersuchungen und beim Warten auf das Ergebnis schon unterstützend die Beratung inAnspruch genommen würde, damit die Frau/das Paar in dieser krisenhaften Situationaufgefangen und begleitet werden kann.Durch eine noch intensivere Zusammenarbeit der verschiedenen Professionen und einWissen darum, könnte die psychosoziale Beratung von Ratsuchenden vor Ort noch besserverankert sein.Schwangere Frauen/Paare könnten durch eine ganzheitliche Betreuung besser mit derbelastenden Situation umgehen und eine fundierte Entscheidung treffen.SchlussfolgerungenDas Pilotprojekt im Landkreis Emsland war zunächst auf drei Jahre befristet. Währenddieser Zeit wurde deutlich, dass die Projektzeit nicht ausreicht, um die Umsetzung desProjektes in erforderlicher Weise zu realisieren.Die psychosoziale Beratung im Kontext von Pränataldianostik ist trotz gesetzlicherVorgaben weder bei den Ärztinnen/Ärzten, noch bei den betroffenen schwangerenFrauen/Paaren, noch in der allgemeinen Öffentlichkeit hinreichend bekannt.
    • Seite 35 von 44Daher bedarf es des weiteren Ausbaus der Zusammenarbeit zwischen denÄrztinnen/Ärzten und den Beraterinnen, um eine ganzheitliche Betreuung beiPränataldiagnostik nach den gesetzlichen Vorgaben zu erreichen.Vor dem Hintergrund des neuen Bluttests und weiterer Tests, die in der Pränataldiagnostikin Vorbereitung sind, ist eine stärkere Bewusstmachung und Auseinandersetzung mitexistenziellen, ethischen Fragen erforderlich. Wird die Diagnose Trisomie 21 gestellt, stehtoft das Leben des Kindes zur Disposition.„In der Gesellschaft bildet sich mehr und mehr eine Mentalität heraus, die dieLebensqualität vom Standpunkt der Gesundheit und Leistungsfähigkeit beurteilt. Das kannden Konflikt auslösen, dem Kind ein Leben mit Behinderung „ersparen“ zu wollen. Hinzukann die Angst kommen, selbst den Aufgaben und Anforderungen mit einem behindertenKind nicht gewachsen zu sein sowie zu glauben, der Familie das Leben mit einembehinderten Kind nicht zumuten zu dürfen und im weiteren sozialen Umfeld aufVerständnis zu stoßen.“16Medizinischer Fortschritt und gesellschaftliche Trends bedrängen heute immer stärkerFrauen und Paare in ihrer Entscheidungsfindung. Umso wichtiger sind die stetigeAuseinandersetzung mit ethischen Fragestellungen und eine wertbezogene Orientierung.16Ja zum Leben - Rahmenkonzeption für die Arbeit katholischer Schwangerschaftsberatungsstellen, 2000, S.17
    • Seite 36 von 446. Fragestellungen und Herausforderungen für eine Weiterführung desProjektesFragestellungenDie öffentliche Meinung spielt eine wichtige Rolle. Akzeptiert und toleriert unsereGesellschaft Menschen mit Behinderung oder Erkrankung? Können sie im Vergleich zunichtbehinderten Menschen gleichberechtigt teilhaben am Leben in unserer Gesellschaft?Oder gibt es eine stillschweigende Übereinkunft zwischen dem Arzt - der Schwangeren –der Gesellschaft, dass ein Leben mit Behinderung oder Erkrankung nicht lebenswert,somit vermeidbar wäre?„Insgesamt stehe ich der Pränataldiagnostik kritisch gegenüber, da ich es sehrproblematisch finde, Herr(in) über Leben und Tod zu sein. Welches Leben ist lebenswert?Ich würde mir mehr gesellschaftliche Unterstützung für ein behindertes Leben wünschen.“(Studienteilnehmerin)17In der heutigen Zeit macht es die Umwelt den werdenden Eltern schwer, sich für ein Kindmit einer Erkrankung oder Behinderung zu entscheiden. In der allgemeinen Auffassungstellt die Behinderung eines Kindes einen Grund für einen Schwangerschaftsabbruch dar.Eltern, die z.B. ein Kind mit Down-Syndrom bekommen haben, müssen sich vorwurfsvolleÄußerungen gefallen lassen, Kinder mit Down-Syndrom seien unzumutbar und würden derGesellschaft finanziell zur Last fallen.Eltern, die ein Kind mit Behinderung erwarten, haben häufig Angst davor, allein gelassenzu werden. Sie benötigen die Zusage der verlässlichen Unterstützung in der Bewältigungihres Alltags.Es stellt sich auch die Frage, wem nach seiner Geburt ein Leben ohne Behinderung oderErkrankung garantiert werden kann?Weiterführung des ProjektesIn 2012 wurde eine Zusage vom Diözesan-Caritasverband gegeben, mit dem Projektfortzufahren.Sehr erfreulich ist, dass für die weitere Umsetzung des Projektes auch finanzielle Mittelvon der Welker-Stiftung zugesagt wurden. Es wäre wünschenswert, wenn weitereStiftungen das Projekt finanziell mittragen würden.17Wassermann, K., Rohde, A., Pränataldiagnostik und psychosoziale Beratung, Stuttgart 2009, S.2
    • Seite 37 von 44Arbeitsschwerpunkte der künftigen Projektarbeit:Zusammenarbeit mit den Krankenhäusern und niedergelassenen Gynäkologinnen undGynäkologen• Ausbau der Kontakte zu den Ärztinnen/Ärzten in den katholischen Krankenhäusernim Landkreis Emsland und weiteren Krankenhäusern, die schwangere Frauen ausdem Emsland bei pränataldiagnostischen Untersuchungen behandeln• Weiterentwicklung der Ergebnisse aus den vorangegangenen Projektjahren, z.B.Herausgabe gemeinsamer Informationsmaterialien• Intensivierung der Zusammenarbeit mit niedergelassenenGynäkologinnen/Gynäkologen• Gespräche mit Ethikkommissionen der Krankenhäuser führen• Förderung der interprofessionellen Zusammenarbeit zwischen den verschiedenenProfessionen zu befördern u.a. mit Pränatalmedizinern, Gynäkologen,Neonatologen, Schwangerschaftsberaterinnen, HebammenBeratungsinhalteHier gilt es weitere Zugänge verbindlicher herzustellen, die schwangeren Frauen/Paarendas psychosoziale Beratungsangebot bekannt machen und sie darin bestärken, dasBeratungsangebot in Anspruch zu nehmen.• Beratung von Frauen und Paaren vor, während und nach pränatalenUntersuchungen• Hilfen für Familien mit Kindern mit Behinderung/Erkrankung aufzeigen, verlässlicheUnterstützung anbieten• Stärkung des Beratungsangebotes in den katholischenSchwangerschaftsberatungsstellen (Caritas/SkF) im Kontext von PND,regelmäßiger Austausch, Einbindung der Kolleginnen z.B. in dieÖffentlichkeitsarbeit vor OrtÖffentlichkeitsarbeitDie Öffentlichkeitsarbeit in diesem Bereich bedarf besonderer Akzentuierung undUnterstützung.Ziele der Öffentlichkeitsarbeit sind u.a.:• Sensibilisierung des gesellschaftlichen Bewusstseins hinsichtlich des Wertes desmenschlichen Lebens, Schutz des ungeboren Lebens
    • Seite 38 von 44• Information und Aufklärung zu neuen Untersuchungsmethoden• Mitwirkung an einem gesellschaftlichen Klima der Verantwortung in derGesellschaft, konkrete Unterstützung für ein Leben mit gesunden, kranken undbehinderten KindernMaßnahmen der Öffentlichkeitsarbeit sind u.a.:• Thematisierung der Inhalte in Schulen, Jugendgruppen• Bekanntmachung des Beratungsangebotes in Arztpraxen• Erstellung von Informationsmaterialien• Nutzung des Mediums Film für die Auseinandersetzung mit dem Thema PND• Informationsveranstaltungen in Zusammenarbeit mit Krankenhäusern und /oderBildungshäusernIm Projekt „Psychosoziale Beratung und Begleitung von schwangeren Frauen und Paarenim Kontext von Pränataldiagnostik“ soll erreicht werden, mit Personen aus demöffentlichen Leben eine „Allianz für das Leben“ zu bilden.Menschen mit Behinderung oder Erkrankungen steht die Anerkennung ihrer Würde, ihresLebensrechts und des Rechts auf Inklusion zu.Die Wertschätzung von Menschen mit Behinderung gibt unserer Gesellschaft eine bunteVielfalt.DokumentationDie Ergebnisse und Erfahrungen in diesem Projekt sollen auch in Zukunft dokumentiertwerden und stehen interessierten Stellen zur Verfügung.
    • Seite 39 von 44LiteraturverzeichnisBohg, Constanze, Viereinhalb Wochen, Pattloch Verlag GmbH & Co.KG, München, 2012BZgA FORUM 2-2012, Das Schwangerschaftskonfliktgesetz und seine Umsetzung:Ausgewählte Ergebnisse des Projektes „Interdisziplinäre und multiprofessionelle Beratungbei Pränataldiagnostik und Schwangerschaftsabbruch (§imb-pnd)“Deutscher Caritasverband, Ja zum Leben - Rahmenkonzeption für die Arbeit katholischerSchwangerschaftsberatungsstellen, 2000Deutscher Caritasverband e.V., Katholischer Krankenhausverband Deutschlands e.V.,Sozialdienst katholischer Frauen Gesamtverein e.V., Beratung und Begleitung vonschwangeren Frauen und Paaren im Kontext von Pränataldiagnostik,Handlungsempfehlung zur Kooperation von katholischen Krankenhäusern undkatholischen Schwangerschaftsberatungsstellen, 2010Diözesan-Caritasverband für das Erzbistum Köln e.V., Handreichung für die psychosozialeBeratung bei Pränataldiagnostik und bei zu erwartender Behinderung des Kindes, Oktober2005Lammert,Cramer,Pingen-Rainer,Schulz,Neumann,Beckers,Siebert,Dewald,Cierpka,Psychosoziale Beratung in der Pränataldiagnostik, Göttingen 2002Sozialdienst katholischer Frauen Gesamtverein e.V., Konzeption für die Beratung inkatholischen Schwangerschaftsberatungsstellen, 2012Wallner-Moosreiner, Silvia, SkF Landesverband Bayern, Ärztliche Untersuchungen undpsychosoziale Beratungsanlässe vor, während und nach Pränataldiagnostik (PND)Wassermann, K., Rohde, A. Pränataldiagnostik und psychosoziale Beratung, Stuttgart,2009Zeitschrift Stern, Nr. 40;29.09.2012
    • Seite 40 von 44AnhangGesetzliche Regelungen§2a Schwangerschaftskonfliktgesetz (SchKG)(1) Sprechen nach den Ergebnissen von pränataldiagnostischen Maßnahmen dringende Gründefür die Annahme, dass die körperliche oder geistige Gesundheit des Kindes geschädigt ist, so hatdie Ärztin oder der Arzt, die oder der der Schwangeren die Diagnose mitteilt, über diemedizinischen und psychosozialen Aspekte, die sich aus dem Befund ergeben, unterHinzuziehung von Ärztinnen oder Ärzten, die mit dieser Gesundheitsschädigung bei geborenenKindern Erfahrung haben, zu beraten. Die Beratung erfolgt in allgemein verständlicher Form undergebnisoffen. Sie umfasst die eingehende Erörterung der möglichen medizinischen, psychischenund sozialen Fragen sowie der Möglichkeiten zur Unterstützung bei physischen und psychischenBelastungen. Die Ärztin oder der Arzt hat über den Anspruch auf weitere und vertiefendepsychosoziale Beratung nach § 2 zu informieren und im Einvernehmen mit der SchwangerenKontakte zu Beratungsstellen nach § 3 und zu Selbsthilfegruppen oder Behindertenverbänden zuvermitteln.(2) Die Ärztin oder der Arzt, die oder der gemäß § 218b Absatz 1 des Strafgesetzbuchs dieschriftliche Feststellung über die Voraussetzungen des § 218a Absatz 2 des Strafgesetzbuchs zutreffen hat, hat vor der schriftlichen Feststellung gemäß § 218b Absatz 1 des Strafgesetzbuchs dieSchwangere über die medizinischen und psychischen Aspekte eines Schwangerschaftsabbruchszu beraten, über den Anspruch auf weitere und vertiefende psychosoziale Beratung nach § 2 zuinformieren und im Einvernehmen mit der Schwangeren Kontakte zu Beratungsstellen nach § 3 zuvermitteln, soweit dies nicht auf Grund des Absatzes 1 bereits geschehen ist. Die schriftlicheFeststellung darf nicht vor Ablauf von drei Tagen nach der Mitteilung der Diagnose gemäß Absatz1 Satz 1 oder nach der Beratung gemäß Satz 1 vorgenommen werden. Dies gilt nicht, wenn dieSchwangerschaft abgebrochen werden muss, um eine gegenwärtige erhebliche Gefahr für Leiboder Leben der Schwangeren abzuwenden.(3) Die Ärztin oder der Arzt, die oder der die schriftliche Feststellung der Indikation zu treffen hat,hat bei der schriftlichen Feststellung eine schriftliche Bestätigung der Schwangeren über dieBeratung und Vermittlung nach den Absätzen 1 und 2 oder über den Verzicht darauf einzuholen,nicht aber vor Ablauf der Bedenkzeit nach Absatz 2 Satz 2.Auszug aus §15 Gendiagnostikgesetz (GenDG)(1) Eine genetische Untersuchung darf vorgeburtlich nur zu medizinischen Zwecken und nurvorgenommen werden, soweit die Untersuchung auf bestimmte genetische Eigenschaften desEmbryos oder Fötus abzielt, die nach dem allgemein anerkannten Stand der Wissenschaft undTechnik seine Gesundheit während der Schwangerschaft oder nach der Geburt beeinträchtigen,oder wenn eine Behandlung des Embryos oder Fötus mit einem Arzneimittel vorgesehen ist,dessen Wirkung durch bestimmte genetische Eigenschaften beeinflusst wird und die Schwangerenach § 9 aufgeklärt worden ist und diese nach § 8 Abs. 1 eingewilligt hat. Wird anlässlich einerUntersuchung nach Satz 1 oder einer sonstigen vorgeburtlichen Untersuchung das Geschlechteines Embryos oder Fötus festgestellt, kann dies der Schwangeren mit ihrer Einwilligung nachAblauf der zwölften Schwangerschaftswoche mitgeteilt werden.(2) Eine vorgeburtliche genetische Untersuchung, die darauf abzielt, genetische Eigenschaften desEmbryos oder des Fötus für eine Erkrankung festzustellen, die nach dem allgemein anerkanntenStand der medizinischen Wissenschaft und Technik erst nach Vollendung des 18. Lebensjahresausbricht, darf nicht vorgenommen werden.(3) Vor einer vorgeburtlichen genetischen Untersuchung und nach Vorliegen desUntersuchungsergebnisses ist die Schwangere entsprechend § 10 Abs. 2 und 3 genetisch zuberaten und ergänzend auf den Beratungsanspruch nach § 2 desSchwangerschaftskonfliktgesetzes hinzuweisen; der Inhalt der Beratung ist zu dokumentieren.
    • Seite 41 von 44Auszug aus §9 GenDG(1) Vor Einholung der Einwilligung hat die verantwortliche ärztliche Person die betroffene Personüber Wesen, Bedeutung und Tragweite der genetischen Untersuchung aufzuklären. Derbetroffenen Person ist nach der Aufklärung eine angemessene Bedenkzeit bis zur Entscheidungüber die Einwilligung einzuräumen.Auszug aus §10GenDG(3) Die genetische Beratung erfolgt in allgemein verständlicher Form und ergebnisoffen. Sieumfasst insbesondere die eingehende Erörterung der möglichen medizinischen, psychischen undsozialen Fragen im Zusammenhang mit einer Vornahme oder Nichtvornahme der genetischenUntersuchung und ihren vorliegenden oder möglichen Untersuchungsergebnissen sowie derMöglichkeiten zur Unterstützung bei physischen und psychischen Belastungen der betroffenenPerson durch die Untersuchung und ihr Ergebnis. Mit Zustimmung der betroffenen Person kanneine weitere sachverständige Person mitberatend hinzugezogen werden. Ist anzunehmen, dassgenetisch Verwandte der betroffenen Person Träger der zu untersuchenden genetischenEigenschaften mit Bedeutung für eine vermeidbare oder behandelbare Erkrankung odergesundheitliche Störung sind, umfasst die genetische Beratung auch die Empfehlung, diesenVerwandten eine genetische Beratung zu empfehlen. Soll die genetische Untersuchung bei einemEmbryo oder Fötus vorgenommen werden, gilt Satz 4 entsprechend.
    • Seite 42 von 44EinverständniserklärungDer nachfolgend aufgeführte Vordruck kann von den Ärztinnen/Ärzten zukünftig genutztwerden, um den Frauen den Zugang in die psychosoziale Beratung zu erleichtern.Mit Einverständnis der betroffenen Frau werden die Daten an Heike Veen per Faxübersandt, damit die Beraterin pro-aktiv Kontakt zu der betroffenen Frau aufnehmen kann,um ihr die psychosoziale Beratung anzubieten.
    • Seite 43 von 44ImpressumHerausgeberSozialdienst katholischer Frauen e.V. Meppen-Emsland MitteNagelshof 21b49716 MeppenTel.: 05931 98410Fax: 05931 17345E-Mail: info@skf-meppen.dewww.skf-meppen.deRedaktionMartha Ortmann,bis 15.04.13 Vorsitzende, Sozialdienst katholischer Frauen e.V. Meppen-Emsland MitteWalburga Nürenberg,ab 15.04.13 Vorsitzende, zuvor stellv. Vorsitzende, Sozialdienst katholischer Frauen e.V.Meppen-Emsland MitteHeike Veen,Projektleiterin, Sozialdienst katholischer Frauen e.V. Meppen-Emsland MitteTel.: 05931 9841-13heike.veen@skf-meppen.deChristiane Sobeczko,Fachberatung, Caritasverband für die Diözese Osnabrück e.V., OsnabrückTel.: 0541 34978-256csobeczko@caritas-os.de