Kommunikationspsychologie

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Kommunikationspsychologie

  1. 1. KommunikationspsychologieEinstiegWir alle kennen die folgende Situation: eine Frau sitzt am Steuer eines Autos. Ihr Mann sitzt nebenihr am Beifahrersitz. Die beiden steuern auf eine Ampel zu. Plötzlich sagt der Mann zur Frau: „Du, davorne ist grün!“. Dieses kleine Statement können wir natürlich in vielerlei Hinsicht aufnehmen. ImLaufe unserer Präsentation möchten wir euch dieses Beispiel dann näher erklären und auf dieverschiedenen Ebenen eingehen, wie wir bestimmte Nachrichten auffassen können.2.EinleitungBeruf, Beziehung, Alltag: Ständig müssen wir mit anderen kommunizieren. Und immer wiederentstehen dabei Probleme; selbst scheinbar einfache Situationen bergen Tücken. Oft gelingt es nicht,uns verständlich zu machen, geschweige denn uns durchzusetzen. Und ebenso oft begreifen wirunser Gegenüber nicht. Gespräche werden zum Streit, ohne dass uns so recht klar ist, warum.Mit diesem Referat wollen wir euch zeigen, welche Erkenntnisse die Kommunikationspsychologiebiete, damit wir persönlich und sachlich besser miteinander klarkommen.3. Sender-Empfänger-ModellWir alle wissen, wovon eine erfolgreiche Kommunikation abhängt bzw. wie diese funktionierensollte. Es gibt zur Übertragung einer Nachricht einen Sender und einen Empfänger, und natürlicheinen Code zur Entschlüsselung dieser. Dazu gibt es ein sogenanntes Sender-Empfänger-Modell,welches die Kommunikation als Übertragung einer Nachricht von einem Sender zu einem Empfängerbeschreibt. Dazu wird die Nachricht kodiert und als Signal über einen Übertragungskanal übermittelt.Eine Voraussetzung für die erfolgreiche Kommunikation ist, dass Sender und Empfänger denselbenCode für die Nachricht verwenden, so dass die mitgeteilte Nachricht nach Kodierung undDekodierung identisch ist. Jedoch kann die Nachricht dabei durch bestimmte Störungen verfälschtwerden, wie z.B. mein Gegenüber spricht eine andere Sprache, er hört mich gar nicht etc.4. Die 4 Ebenen einer NachrichtDas Vier-Seiten oder Vier-Ohren-Modell von Friedemann Schulz von Thun ist ein Modell derKommunikationspsychologie, mit dem eine Nachricht unter vier Aspekten oder Ebenen beschriebenwird. Diese wären die • Sachebene • Beziehungsebene • Selbstoffenbarungsebene • Appellebene
  2. 2. Diese Ebenen werden auch als „vier Seiten einer Nachricht“ bezeichnet. Hintergrund ist die von PaulWatzlawick formulierte Erkenntnis, dass sich zwischenmenschliche Beziehungen anhand vonKommunikation beobachten lassen.Nun zu den einzelnen Ebenen: Sachebene / SachinhaltAuf der Sachebene vermittelt der Sprecher Daten, Fakten und Sachverhalte. Aufgaben des Sprecherssind Klarheit und Verständlichkeit des Ausdrucks. Mit dem „Sach-Ohr“ prüft der Hörer die Nachrichtmit den Kriterien der Wahrheit, der Relevanz, und der Hinlänglichkeit(ausreichend/ergänzungsbedürftig). In einem eingespielten Team (z.B. unter guten Freunden)verläuft dies meist problemlos. SelbstoffenbarungJede Äußerung bewirkt eine nur teilweise bewusste und beabsichtigte Selbstdarstellung und zugleicheine unbewusste, unfreiwillige Selbstenthüllung. Jede Nachricht bringt also etwas Persönliches desSprechers mit sich. Das „Selbstoffenbarungs-Ohr“ des Hörers lauscht also darauf, was in derNachricht über den Sprecher selbst enthalten ist ( sog. „Ich-Botschaften“). BeziehungsebeneAuf der Beziehungsebene kommt zum Ausdruck, wie der Sprecher und der Hörer sich zueinanderverhalten, in welcher Beziehung sie zueinander stehen und wie sie sich einschätzen. Der Sprecherkann durch zahlreiche Faktoren wie z.B. durch die Art der Formulierung, seiner Körpersprache,Tonfall usw – Wertschätzung, Respekt, Wohlwollen, Gleichgültigkeit, Verachtung in Bezug auf denAnderen zeigen. Abhängig davon, was der Hörer im „Beziehungs-Ohr“ wahrnimmt, fühlt er sichentweder akzeptiert oder herabgesetzt, respektiert oder bevormundet. AppellebeneWer sich äußert, will in der Regel auch etwas bewirken. Mit dem Appell will der Sprecher den Hörerveranlassen, etwas zu tun oder zu unterlassen. Der Versuch, Einfluss zu nehmen, kann offen oderverdeckt sein. Offen sind beispielsweise Bitten und Aufforderungen. Verdeckte oder unbewussteVeranlassungen werden als Manipulation bezeichnet. Auf dem „Appell-Ohr“ fragt sich derEmpfänger: „Was soll ich jetzt denken, machen oder fühlen?“4.Auflösung von Beispiel (S.28)
  3. 3. Nachrichten und darin enthaltene BotschaftenFür Friedemann Schulz von Thun ist die „Nachricht“ das ganze vielseitige Paket mit seinensprachlichen und nicht-sprachlichen Anteilen. Eine Nachricht enthält viele Botschaften gleichzeitig.Zur Entschlüsselung dieser Botschaften muss man die einzelnen Botschaften etwas näher unter dieLupe nehmen. Man unterscheidet zwischen expliziten und impliziten Botschaften. D.h. also, dassBotschaften sowohl explizit als auch implizit in Nachrichten enthalten sein können.Explizit heißt: ausdrücklich formuliert (z.B. Ich komme aus der Steiermark. Jmdn explizit sagen, wasich von dem/derjenigen denke. Hol mir Bier! Etc)Implizit bedeutet: obwohl es nicht direkt gesagt wurde, steckt es doch in der Nachricht. (z.B. kann ichmeine Herkunft durch meinen Dialekt verraten, jmdn indirekt vermitteln, was ich von ihm/ihr halte,durch meine Wortwahl, meinen Tonfall etc. Das Bier ist aus!).Man könnte meinen, dass die expliziten Botschaften eigentlich die Hauptbotschaften einer Nachrichtseien. Jedoch ist dies keineswegs der Fall, denn die eigentlichen Hauptbotschaften werden sehr oftimplizit gesendet. Implizite Botschaften werden oft über den nichtsprachlichen Kanal übermittelt: dieStimme, über Betonung und Aussprache, Mimik und Gestik usw.Nach Paul von Watzlawick (1969) „Man kann nicht nicht kommunizieren“. Man muss oft also garnichts sagen um zu kommunizieren. Bsp. Zugabteil: SOE: Ich will meine Ruhe haben! BE: Sie sind keinattraktiver Gesprächspartner für mich! AE: Fangen Sie bloß kein Gespräch mit mir an!6.Kongruente und inkongruente NachrichtenNachrichten können als kongruent und inkongruent angesehen werden. Kongruent sind Nachrichten,wenn sie in sich stimmig sind, wenn also alle Signale auf allen Ebenen kompatibel sind. Ein Beispielhierfür: ein wütender Bick und eine laute Stimme passen zu dem Satz „Ich will dich nicht mehr sehendu Schuft.“Von inkongruenten Nachrichten spricht man, wenn sprachliche und nichtsprachliche Signalewidersprüchlich sind. Ein Beispiel hierfür: Jemand antwortet auf die Frage ob alles in Ordnung ist miteinem „ ja natürlich, danke“ doch er drückt durch Tonfall und Mimik deutlich aus, dass etwas dochnicht in Ordnung ist.Weiters unterscheidet man zwischen: • Qualifikation durch den Kontext : Sagt der Mann zu dem verbrannten Schweinebraten seiner Frau:“ Ich bewundere deine Kochkünste“; dann ist dies nicht ein Bestandteil der Nachricht selbst, der zu anderen Bestandteilen unstimmig ist, sondern sind es offenkundige Sachverhalte in der Situation.
  4. 4. • Qualifikation durch die Art der Formulierung: Die Art, wie jemand einen Sachverhalt formuliert, qualifiziert das Gesagte. Zum Beispiel wird jemand nach einer Magenverstimmung gefragt wie es ihm geht. Die Antwort lautet: “Ich bin todkrank.“ Die übertreibende Formulierung qualifiziert den Inhalt der Aussage in inkongruenter Weise. Wenn wir als Empfänger diese Aussage hören, werden wir unsicher: Ist das so seine Meinung oder ironisiert er einen Standpunkt.• Qualifizierung durch Körperbewegung (Gestik und Mimik): Etwa kann eine positive Beziehungsaussage ich mag dich) von einer ablehnenden Körperbewegung begleitet sein.• Qualifizierung durch den Tonfall: Man sagt etwas Freundliches wie zum Beispiel: „Ich freue mich auf ein Wiedersehen.“, doch dem Tonfall kann entnommen werden, dass dies nicht der Fall ist!• Der Empfänger in der Zwickmühle: Inkongruente Nachrichten sind für den Empfänger natürlich verwirrend. Soll er der Mitteilungsebene oder der Metaebene Glauben schenken. Vollends in eine Zwickmühle gerät er, wenn man die Appellseite der Nachricht mit in Betracht zieht. In dem ersten genannten Bsp. Wo jemand fragt ob alles in Ordnung ist und die Antwort lautet „ja natürlich, danke“ sagt der sprachliche Teil der Nachricht: “Kümmere dich nicht weiter um mich“, doch der nichtsprachliche Teil hingegen wirkt wie ein Hilferuf und legt den Appell nahe: „Kümmere dich um mich!“ Nun befindet sich der Empfänger in einer bösen Situation. Egal wie sich der Empfänger verhält, der Sender kann ihm einen Strick daraus drehen. Kümmert er sich, regt sich der andere auf, kümmert er sich nicht, ist der andere beleidigt. Solche Verwirrspiele nennt man in der Kommunikationspsychologie – Doppelbindung!• Inneres Kuddelmuddel beim Sender: Was veranlasst nun den Sender solch verwirrende Nachrichten zu produzieren? Inkongruente Nachrichten haben den Vorteil, dass der Sender sich nicht ganz festlegt. Notfalls kann er dementieren und sagen, so habe er das nicht gemeint. Dies ist bei folgender Situation der Fall: der Sender hat zwei Seelen in seiner Brust, ist mit sich selbst nicht im Reinen. Einerseits möchte er dieses, andererseits aber auch jenes, verschiedene Strebungen und Gefühle ziehen nicht am gleichen Strang. Es herrscht ein innerer Kuddelmuddel. Sofern der Sender dieses Kuddelmuddel noch nicht sortiert hat, kann es geschehen, dass es unsortiert nach außen dringt. Die inkongruente Nachricht erweist sich so al ein Verschmelzungspunkt aus zwei Botschaften.

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