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Das leben von menschen mit besonderen bedürfnissen zurzeit des nationalsozialismus als thema für das arbeiten im projektorientierten unterricht
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Das leben von menschen mit besonderen bedürfnissen zurzeit des nationalsozialismus als thema für das arbeiten im projektorientierten unterricht

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Bachelorarbeit_Sommersemester2013

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    Das leben von menschen mit besonderen bedürfnissen zurzeit des nationalsozialismus als thema für das arbeiten im projektorientierten unterricht Das leben von menschen mit besonderen bedürfnissen zurzeit des nationalsozialismus als thema für das arbeiten im projektorientierten unterricht Document Transcript

    • Das Leben von Menschen mit besonderenBedürfnissen in der Zeit des Nationalsozialismus alsThema für das Arbeiten im projektorientiertenUnterrichtBachelorarbeitzur Erlangung des Lehramtes für den StudiengangHauptschuleEingereicht an der Pädagogischen Hochschule TirolBetreuerin: FOL Andrea Krimbacher, MABetreuerin: Mag. Michaela ObholzerEingereicht von: Marlen UntertrogerInnsbruck, den 22. März 2013
    • AbstractDie Nationalsozialisten vertraten die Meinung, dass „unwertes Leben“ ausge-merzt werden sollte, und genau deshalb wurden Tausende Menschen mit Be-hinderung zuerst zwangssterilisiert und schließlich ermordet. Um die Tötungdieser Menschen möglichst geheim zu halten, wurde in der Nähe von Linz dasSchloss Hartheim in eine Tötungsanstalt umfunktioniert. Die Opfer wurden mitBussen in Hartheim eingeliefert und wohl kaum jemand dieser Insassen wusste,welches dramatische Ereignis sich in wenigen Augenblicken abspielen sollte.Nachdem eine scheinbare Untersuchung verlangte, die Kleidungsstücke auszu-ziehen, und ein kurzer unzureichender Blick auf die Menschen mit körperlichenbzw. psychischen Behinderungen geworfen wurde, erklärte man ihnen, dass sienun ein Bad nehmen durften. Dieser Raum, in dem das angebliche Bad stattfin-den sollte, war in Wahrheit jedoch mit Leitungen ausgelegt, welche, nachdemsich alle Opfer im Raum befanden und die Tür geschlossen worden war, Gastransportierten. Es dauerte nicht lange und die Menschen erstickten qualvoll.Für Schüler/-innen in der Hauptschule bzw. Neuen Mittelschule ist die Thematik„Euthanasie“ im Nationalsozialismus zumeist sehr schwer zugänglich und des-halb befasste ich mich in meiner Arbeit speziell damit, wie man mit projektorien-tiertem Unterricht das Thema so aufbereitet, dass möglichst viele Schüler/-innen verstehen können, wie es Menschen mit Behinderung unter dem NS-Regime ergangen ist. Dazu habe ich einen Stationenbetrieb vorbereitet und ihnauch mit 14-Jährigen getestet. Schließlich habe ich im Anschluss daran eineSchülerin und einen Schüler zur durchgeführten Unterrichtsstunde sowie zurThematik „Euthanasie“ befragt. Daraus ist zu schließen, dass Schüler/-innenden Stationenbetrieb durchaus schätzen und den projektorientierten Unterrichtgegenüber dem Frontalunterricht vor allem für diese Thematik vorziehen. Au-ßerdem ging aus dem Interview hervor, dass die Schüler/-innen sich durchausselbstständig mit schwierigeren Thematiken beschäftigen können und sich da-bei auch noch einige Einzelheiten einprägen können. Aus der Unterrichtseinheitbzw. aus dem Interview lässt sich schließen, dass es bei fast allen Schülern/-innen gelang, die persönlichen Orientierungskompetenzen zu stärken.
    • InhaltsverzeichnisEinleitende Bemerkung ............................................................................... 6A) Theoretischer Teil1 Begriffsdefinitionen................................................................................. 71.1 Begriffsdefinition „Menschen mit besonderen Bedürfnissen“............. 71.2 „Menschen mit besonderen Bedürfnissen“ im Nationalsozialismus ... 71.3 Begriffsdefinition „Euthanasie“ ........................................................... 82 Vom Darwinismus zum Nationalsozialismus ........................................ 92.1 Charles Darwin und Francis Galton ................................................... 92.2 Alfred Ploetz .................................................................................... 102.3 Heinrich Reichel und die Gedanken der „Rassenhygiene“in Österreich .................................................................................... 122.3.1 Anfänge der Eugenik und „Rassenhygiene“....................... 122.3.2 Eugenik und „Rassenhygiene“ in der Zwischenkriegszeit .. 122.3.3 Binding und Hoche............................................................. 142.3.4 Eugenik und „Rassenhygiene“ von 1933 bis 1938............. 142.4 Wie Österreich in die Hände von Hitler gerät................................... 153 „Euthanasie“ im Nationalsozialismus.................................................. 183.1 Stufen des Mordprogrammes des Nationalsozialismus bis 1941..... 183.1.1 1933 bis 1938: Von der Asylierung zur Sterilisierung......... 193.1.2 Zwangssterilisierungen in Tirol........................................... 223.1.3 1939-1941: Massenmord ................................................... 233.2 Kinderfachabteilung „Am Spiegelgrund“ .......................................... 283.3 Aktion „T4“ ....................................................................................... 293.3.1 Vorbereitungen des Massenmordes .................................. 313.3.2 Propagandafilm „Ich klage an“ ........................................... 323.3.3 Verantwortliche Personen der Aktion „T4“.......................... 333.3.4 Aktion „T4“ in Tirol.............................................................. 34
    • 3.3.5 Karl Brandt ........................................................................ 353.3.6 Widerstand gegen die Aktion „T4“...................................... 363.3.7 Fortführung der „Euthanasie“ ............................................. 384 Schloss Hartheim................................................................................... 404.1 Ermordet im Schloss Hartheim ........................................................ 404.1.1 Leopoldine Zankl................................................................ 404.1.2 Johanna Bauer................................................................... 404.1.3 Hubert Rainer..................................................................... 414.2 Tötungsanstalt Hartheim.................................................................. 414.2.1 Personal der Tötungsanstalt Hartheim............................... 434.2.2 Tötungsprozesse im Schloss Hartheim.............................. 444.2.3 Verständigung der Angehörigen......................................... 484.2.4 Schloss Hartheim nach 1945 ............................................. 494.3 Aktuelle Ausstellung „Wert des Lebens“ .......................................... 51B) Praktischer Teil5 Projektorientierte Unterrichtsstunde mit der Thematik:Menschen mit besonderen Bedürfnissen zurzeit desNationalsozialismus .............................................................................. 535.1 Vorbereitung der projektorientierten Unterrichtsstunde.................... 545.2 Eindrücke aus der projektorientierten Unterrichtseinheit ................. 555.3 Ergebnisse des projektorientierten Unterrichts ................................ 566 Beschreibung meiner Forschungsmethode........................................ 616.1 Forschungsfragen............................................................................ 626.2 Interviewleitfaden............................................................................. 636.3 Resümee des Interviews.................................................................. 657 Schlussbemerkung................................................................................ 67
    • 8 Literaturverzeichnis............................................................................... 69Eidesstattliche Erklärung .......................................................................... 74Anhang........................................................................................................ 75Abbildungsverzeichnis ................................................................................. 75Stationenbetrieb zur projektorientierten Unterrichtseinheit........................... 76Transkribiertes Interview .............................................................................. 90
    • Bachelorstudium für das Lehramt an Hauptschulen 6 | S e i t eEinleitende BemerkungObwohl die Zeit des NS-Regimes auch heute noch immer wieder thematisiertwird, können oder wollen viele von uns dieser Realität nicht ins Auge blicken.Wir können uns kaum vorstellen, welche Verbrechen in den 30er und 40er Jah-ren des 20. Jahrhunderts von den Mitgliedern der NSDAP begangen wordensind.Wenn ich persönlich mit dem Thema Nationalsozialismus konfrontiert bin, asso-ziiere ich damit sofort den Begriff Krieg. Dabei denke ich aber nicht nur an Sol-daten, Waffen, Bombenanschläge, Luftschutzpunker, Menschen voller Panikund Angst, sondern vor allem an die Tötung bzw. Vernichtung vieler Menschenmit besonderen Bedürfnissen. Auch meine Vorstellung reicht nicht wirklich aus,um nachzuvollziehen, wie es den Menschen mit körperlicher bzw. psychischerBehinderung damals ergangen sein muss, wie sie sich gefühlt haben, wie großihre Angst und Verzweiflung wohl gewesen sein mögen.Doch auch im 21. Jahrhundert spielt das Thema Menschen mit Behinderungeine wesentliche und wichtige Rolle. Diese Menschen streben wie wir alle da-nach, einer befriedigenden Arbeit nachzugehen, in die Gesellschaft integriert zusein, Freundschaften zu knüpfen. Und obwohl sich die Einstellung vieler Men-schen gegenüber Menschen mit besonderen Bedürfnissen vielfach verbesserthat, stoßen Letztere doch immer wieder auf Ablehnung, Diskriminierung undAusschluss. Genau deshalb bin ich der Meinung, dass sich die Menschheit mitder Thematik „Euthanasie“ im Nationalsozialismus auseinandersetzen sollte.Möglicherweise verändert dies die Einstellung vieler Bürger/-innen gegenüberMenschen mit Behinderung. Hierbei finde ich es auch wichtig, dass man bereitsmit Kindern in der Schule solche Themen anspricht und sie nicht verschont,denn ich glaube, dass auch Schüler/-innen ganz gut damit umgehen können.Um eine solche Arbeit verfassen zu können, braucht es einige Personen, wel-che Unterstützung leisten. Ich persönlich möchte mich deshalb vor allem beimeinen Betreuerinnen der Arbeit bedanken. Dank gebührt aber auch der FirmaLaube Sozialpsychiatrische Aktivitäten GmbH, welche mir freundlicherweiseMaterial zur Verfügung gestellt hat.
    • Bachelorstudium für das Lehramt an Hauptschulen 7 | S e i t eA) Theoretischer Teil1 BegriffsdefinitionenZu Beginn dieser Arbeit ist es meiner Meinung nach notwendig, einige Begriffezu erklären, sodass Sie meinen Ausführungen folgen können.1.1 Begriffsdefinition „Menschen mit besonderen Bedürf-nissen“Dieser Begriff ist gleichzusetzen mit dem Ausdruck: Menschen mit Behinde-rung. Es gibt viele verschiedene Definitionen des Wortes Behinderung. Ichmöchte mich an der Definition der World Health Organisation, kurz WHO orien-tieren. Die WHO definiert den Begriff Behinderung dreigliedrig und diese Defini-tion sieht wie folgt aus:a) Schädigung (körperlich, z.B. fehlender Arm)b) Aktivitätsbeeinträchtigung (individuell, z.B. beidhändig Klavier spielen miteinem Arm)c) Partizipationseinschränkung (gesellschaftlich, z.B. gesellschaftliche Nor-men schließen aus, dass einarmige Frau Konzertpianistin wird). (Vgl.Puschke 2012, o. S.)1.2 „Menschen mit besonderen Bedürfnissen“ im Natio-nalsozialismusDer Nationalsozialismus war eine extrem auf das eigene Volk beschränkteIdeologie. Die Anhänger des Nationalsozialismus organisierten sich unter derFührung von Adolf Hitler in der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei NSDAP.Sie gründeten ein System, das gegen andere Völker – besonders gegen dieJuden – gerichtet war. (Vgl. Zeitschatten 2005, o. S.)Ebenso wurden Menschen mit besonderen Bedürfnissen, wie zum BeispielGeisteskranke, aber auch sogenannte *Krüppel, Fürsorgezöglinge, Arbeitslose,Trinker und viele andere in den Herrscherjahren des Nationalsozialismus alsminderwertige Individuen eingestuft, welche die öffentliche Wohlfahrt nur be-lasten. Diese Menschen wurden vorerst ab dem Jahre 1934 zwangssterilisiert
    • Bachelorstudium für das Lehramt an Hauptschulen 8 | S e i t eund ab 1939 schließlich strategisch vernichtet. (Vgl. Lebenshilfe Wien 2013, o.S.)1.3 Begriffsdefinition „Euthanasie“Die Bezeichnung „Euthanasie“ entstammt dem Griechischen und bedeutet immedizinischen Sinn: Erleichterung des Sterbens durch Narkotika beziehungs-weise das bewusste Herbeiführen des Todes. (Vgl. Duden 2009, S. 415)Der Begriff „Euthanasie“ beschreibt, wie die Definition auch sagt, die Sterbehilfebei sterbenden Menschen. Die Nationalsozialisten hingegen verstanden unterdem Begriff „Euthanasie“ die Ermordung von vor allem körperlich und psychischbehinderten Menschen und von Kranken. (Vgl. Hinterhuber 1995, S. 2)So meinte „Euthanasie“ im Sinne von „Vernichtung unwerten Lebens" die Tö-tung schwacher, kranker, körperlich und geistig behinderter Neugeborener alsMaßnahme zur Erbpflege, die Tötung von unheilbar Kranken und Behindertenaus Mitleid sowie die Tötung von Langzeitpatienten/-innen in psychiatrischenInstitutionen, die als behandlungsunfähig galten, aus Gründen der Kostener-sparnis. (Vgl. Schmuhl 1987,S. 355)
    • Bachelorstudium für das Lehramt an Hauptschulen 9 | S e i t e2 Vom Darwinismus zum NationalsozialismusDer Nationalsozialismus ist eindeutig vom Darwinismus geprägt, deshalb möch-te ich hier bei Charles Darwin beginnen und anschließend einen kurzen Über-blick über die Entwicklung der Rassenhygiene bis zum Nationalsozialismus ge-ben.2.1 Charles Darwin und Francis GaltonIm Jahre 1859 erschien in London das Buch mit dem Titel „Die Entstehung derArten durch natürliche Zuchtwahl“ oder „Die Erhaltung der begünstigten Rassenim Kampf ums Dasein.“ Autor dieses Buches war der englische NaturforscherCharles Darwin. In dieser Schrift geht es darum, dass im „Kampf ums Dasein“die schlecht Angepassten durch natürliche Auslese – durch Selektion – ausge-mustert werden. Darwin behandelte hier jedoch Stechpalmen und Stiefmütter-chen, Purzeltauben und Misteldrosseln, also nur Pflanzen und Tiere. Späterwird jedoch vom „Kampf ums Dasein“ von den Pflanzen und Tieren auch auf dieMenschen geschlossen. (Vgl. Klee 2010, S. 19)Insbesondere das Darwinsche Schlüsselwerk „On the Origin of Species“ führtedazu, dass sich eine sozialwissenschaftliche Theorie entwickelte, nach der dieLehre von Darwin von der natürlichen Auslese auf Gesellschaften übertragenwerden kann. Politologisch handelte es sich hierbei um den sogenannten Biolo-gismus, um die Übertragung biologischer Gesetzmäßigkeiten auf die Entwick-lung und die Existenzbedingungen von Gesellschaften. Im Biologismus werdenStaat und Gesellschaft in Analogie zum Organismus gesetzt. Die deutlichsteAusprägung des Biologismus war im 19. Jahrhundert der Sozialdarwinismus.Die Grundthesen lassen sich folgendermaßen zusammenfassen:Alle Menschen sind prinzipiell ungleich, daher kommt es zum „Kampf ums Da-sein“. In diesem Kampf siegen die Tauglichsten. (Vgl. Eckart 2012, S. 24)Für den Vetter von Darwin, Francis Galton, wird das Buch von Darwin zurSchlüssellektüre. Galton gilt nämlich als Begründer der Eugenik, ein Begriff,den er im Jahre 1883 eingeführt hat. Galton vertritt die Ansicht, dass die soge-nannten Tüchtigen viele Kinder zu zeugen hätten; dies wird als positive Eugenikbeschrieben. Später jedoch will er die „Minderwertigen“ von der Fortpflanzung
    • Bachelorstudium für das Lehramt an Hauptschulen 10 | S e i t eausschließen; dies fällt eindeutig unter die negative Eugenik. (Vgl. Klee 2010,S. 19)Galton forderte bereits im selben Jahr, als er den Begriff Eugenik prägte, dieVerbesserung des Menschen durch Zucht, angesichts der drohenden Zunahmevon „Minderwertigen“. (Vgl. Wunder 2005, S. 243)Betrachtet man Österreich bzw. die Monarchie Österreich-Ungarn genauer, soexistieren hier erst Ansätze von Rezeptionsgeschichten des Darwinismus, alsfür andere Länder bereits detaillierte Formen zur Geschichte des Darwinismusvorlagen. Bekannt für Österreich bzw. Österreich-Ungarn ist jedoch, dass quasimit der Gründung des Vereines mit dem Namen „Verein zur Verbreitung natur-wissenschaftlicher Kenntnisse“ in Wien im Herbst 1860 die Verbreitung desDarwinismus in Österreich-Ungarn einherging. (Vgl. Michler 1999, S. 27ff) Ob-wohl der Darwinismus und schließlich auch die Eugenik ihren Einzug in Öster-reich-Ungarn schafften, waren sie aber nicht so vorherrschend wie zum Beispielin den Gebieten des heutigen Deutschlands. (Vgl. Baader 2007, S. 137)2.2 Alfred PloetzParallel zur Eugenik bildete sich bereits seit 1890 in Deutschland die „Rassen-hygiene“ heraus. (Vgl. Schmuhl 1987, S. 30) Der Berliner Genetiker AlfredPloetz (1860-1940) spielte dabei eine wesentliche Rolle. Er übersetzte zum ei-nen den englischen Begriff „Eugenik“ von Francis Galton ins Deutsche und so-mit entstand der Begriff „Rassenhygiene“. Zum anderen nahm Ploetz auch einebeträchtliche Erweiterung vor und baute den Inhalt der Gedanken von Galtonaus. (Vgl. Byer 1988, S. 30f)Die Lehre der „Rassenhygiene“ fußte in der Gedankenwelt des Darwinismusbeziehungsweise des auf ihm errichteten Sozialdarwinismus. Das Ziel der„Rassenhygiene“ ist die „Erhaltung und Fortpflanzung der biologischen Rasseunter den günstigsten Bedingungen“, wobei es hier vor allem um die Verbesse-rung beziehungsweise Hebung des Volksbestands ging. (Vgl. Eckart 2012, S.65)Die Grundzüge dazu wurden wie bereits erwähnt von Ploetz, aber ebenso vonSchallmayer entwickelt. Die Rassenhygieniker kümmerten sich hierbei auch
    • Bachelorstudium für das Lehramt an Hauptschulen 11 | S e i t eschon um die „Euthanasiefrage.“ In die rassenhygienische Programmatik wurdenun zusätzlich die „Euthanasieidee“ aufgenommen, wobei diese Idee der Hin-tergrund für das gesamte von den Rassenhygienikern aufgestellte Programmnegativer Eugenik war. (Vgl. Schmuhl 1987, S. 30)Ploetz selbst beschreibt bereits eine Art der „Ausmerzung“, ein Zeugungsver-bot. Er fordert zum Beispiel ein Zeugungsverbot für jede Frau nach dem 45.Lebensjahr und für jeden Mann nach dem 50. Lebensjahr. Andererseits will erseine Überzeugung von einem „natürlichen“ Gleichgewicht der sozialen Umweltnicht aufgeben. Voraussetzung für ihn dafür ist jedoch, dass alle ständischen,vermögensrechtlichen Privilegien und die Verhinderung neuer sozialer Fürsor-ge- und Versicherungsmaßnahmen abgeschafft werden. Weder Ploetz nochSchallmayer waren in dieser Zeit Antisemiten oder besonders radikale Nationa-listen. Beide wollten als echte Sozialdarwinisten den besten Rassenwert durcheine möglichst ungehemmte natürliche Zuchtwahl erreichen. (Vgl. Byer 1988, S.32)Ploetz gehörte im Jahre 1905 zu den Mitbegründern der Gesellschaft für Ras-senhygiene. Fünf Jahre später wird diese in Deutsche Gesellschaft für Rassen-hygiene umbenannt. Es ist die erste rassenhygienische Gesellschaft weltweit.(Vgl. Klee 2010, S. 20)Im Vordergrund der Rassenhygieniker stand vor allem der Gedanke, schwache,kranke, körperlich missgebildete und geistig behinderte Neugeborene untererbpflegerischen Gesichtspunkten auszusondern beziehungsweise zu töten.Dieser Gedanke schien erstmals im naturalistischen Monismus auf, einer Natur-und Moralphilosophie auf der Basis des Darwinismus, die in den 1860er Jahrenvon dem Zoologen Ernst Haeckel formuliert wurde. Insbesondere Haeckel warnämlich dafür verantwortlich, dass der Darwinismus in Deutschland seinenDurchbruch erzielte. Er verlangte bereits 1863 vor der Versammlung DeutscherNaturforscher und Ärzte in Stettin die Übertragung der Darwinschen Evolutions-theorie auf die Menschen. (Vgl. Schmuhl 1987, S. 31)
    • Bachelorstudium für das Lehramt an Hauptschulen 12 | S e i t e2.3 Heinrich Reichel und die Gedanken der „Rassen-hygiene“ in ÖsterreichAnhand der Person von Heinrich Reichel erscheint es mir sinnvoll, die Gedan-ken der „Rassenhygiene“ vom Beginn des 20. Jahrhunderts in Österreich etwasaufzubereiten.2.3.1 Anfänge der Eugenik und „Rassenhygiene“Heinrich Reichel wurde im Jahre 1876 in Wels geboren. Bereits im Jahre 1901kam Reichel mit Alfred Ploetz und weiteren wichtigen Personen der Rassenhy-giene in Berührung. Reichel wandte sich in seinem beruflichen Leben zuerst derPsychiatrie zu, später begann er sich für Hygiene zu interessieren. Wann genauReichel mit der eugenischen Bewegung in Berührung kam, ist jedoch unklar.Möglicherweise ist er über Ploetz zur Rassenhygiene gekommen, denn in denspäteren Jahren war er mit Ploetz durchaus befreundet. Es sind aber auch an-dere Theorien denkbar. (Vgl. Mayer 2005, S. 65ff)Reichel beschäftigte sich nun sehr intensiv mit den vorliegenden Gedanken derEugenik und der Rassenhygiene und somit erwähnte er erstmals in seinem Ar-tikel „Die internationale Hygieneausstellung in Dresden 1911“ das Wort Euge-nik. Hierbei äußerte sich Reichel nicht nur zur Rassenhygiene, sondern auchzum Alkoholismus und zur „Hygiene der Siedlung“. Den ersten Vortrag hieltReichel bereits im Jahre 1913 zur Thematik „Über Rassenhygiene“. Im akade-mischen Milieu war dies vermutlich einer der ersten Vorträge zur ThematikRassenhygiene in Österreich. (Vgl. Mayer 2005, S. 69ff)2.3.2 Eugenik und „Rassenhygiene“ in der ZwischenkriegszeitNach dem Ersten Weltkrieg blieb der Sozialdarwinismus die Grundlage derherrschenden Ideologie. (Vgl. Sierck 1987, S. 34) Zu dieser Zeit stieg nun auchbei Reichel die Überzeugung zu mehr sozialer Hygiene, Rassenhygiene undBevölkerungspolitik und dies zeigte sich darin, dass er immer mehr Vorlesun-gen zur Thematik „Rassenhygiene“ bzw. Eugenik abhielt. Seit dem Sommer-semester 1920 hielt er sogar eine einstündige Vorlesung „Rassenhygiene“, wel-
    • Bachelorstudium für das Lehramt an Hauptschulen 13 | S e i t eche die erste derartige Lehrveranstaltung an einer österreichischen Universitätwar. (Vgl. Mayer 2005, S. 71ff)Bereits damals konnte sich Reichel durchaus vorstellen, die Zwangsmittel derAsylierung und der Sterilisierung für psychisch Kranke anzuwenden. (Vgl. May-er 2005, S. 77) Reichel sah in seinem ersten erschienenen Leitfaden für euge-nische Maßnahmen in Österreich die Hauptursache der „Entartung“ einerseitsbei den „äußeren Schädigungen“ wie etwa Geschlechtskrankheiten und Alko-hol, andererseits bei der „Störung der Auslese“. (Vgl. Mayer 2005, S. 75)Von 1923 bis 1926 fand die im europäischen Vergleich relativ späte Konstituie-rung der eugenischen Bewegung in Österreich durch die Gründung von fünfeugenischen Vereinen statt. (Vgl. Mayer 2005, S. 80)Eugenik im Austrofaschismus hingegen war im Verständnis von Eugenikern/-innen nur mit dem Verzicht auf die Sterilisation möglich, da die päpstliche Ehe-Enzyklika „Casti Connubii“ von Ende 1930 diese ausdrücklich untersagte unddie neue Regierung sich durchaus an die katholische Lehre hielt. Eugenik ver-schwand aber kaum von der Bildfläche, vor allem unter den Ärzten/-innen warsie stets präsent. (Vgl. Mayer 2005, S. 88)Später verbanden die autoritären Züge der neuen Regierung nach dem März1933 offenbar einige Vertreter der Rassenhygiene vor allem in Graz mit derHoffnung auf die erstmalige institutionelle Etablierung der Eugenik an österrei-chischen Universitäten. (Vgl. Mayer 2005, S. 87)Wirft man einen Blick in die Weimarer Republik zu dieser Zeit, so traten dortRegelungen in Kraft, nach denen Menschen mit Behinderung, welche Kriegs-dienst leisteten, anders behandelt wurden als Menschen mit Behinderung, wel-che nicht direkt in den Krieg eingezogen wurden. Diejenigen, welche sich fürdas Vaterland eingesetzt und bereits etwas geleistet hatten, erhielten wenigs-tens ein geringes Maß an Anerkennung und durften auf karge Unterstützunghoffen. Den anderen jedoch blühte das Anstaltsleben. Man kann feststellen,dass seit dem Jahre 1918 die Zahl der Sonderschulen bzw. Sonderschulklas-sen in der Weimarer Republik enorm anstieg. (Vgl. Sierck 1987, S. 36)
    • Bachelorstudium für das Lehramt an Hauptschulen 14 | S e i t eWas sich in der Zwischenkriegszeit bereits abzeichnete, nämlich das „Liegen-lassen der *Krüppel“, die Abwendung von jeglicher Unterstützung, wenn nichtsProduktives als Gegenleistung in Aussicht war, fand in den „Euthanasiepro-grammen“ der Nationalsozialisten schließlich den Abschluss. (Vgl. Sierck 1987,S. 36)2.3.3 Binding und HocheAn dieser Stelle müssen unbedingt der Jurist Karl Binding und der Professorder Medizin Alfred Hoche erwähnt werden. Diese zwei Männer trugen im Jahre1922 mit ihrem Gedankengut zur „Freigabe der Vernichtung lebensunwertenLebens“ nämlich auch dazu bei, dass die Nationalsozialisten solch grausameTaten vollbrachten. Der Grundsatz von Binding und Hoche beruhte auf der Vor-stellung, dass das Spritzen von tödlichen Überdosen in Wahrheit eine reineHandlung war. Sie vertraten auch die Meinung, dass Menschen mit besonderenBedürfnissen lediglich die Funktion erfüllten, einen Beruf auszuüben, der darinbesteht, für Jahrzehnte ein absolut lebensunwertes Leben zu fristen. (Vgl.Sierck 1987, S. 34)Hoche und Binding gingen noch einen Schritt weiter und berechneten das Kapi-tal, welches für die Pflege der Menschen mit besonderen Bedürfnissen ausge-geben werden musste. Dies bedeutet, dass sie eine eiskalte Kosten-Nutzen-Rechnung durchführten. Binding und Hoche kamen schließlich zu dem Ent-schluss, die Vernichtung der *Krüppel, wie die Menschen mit besonderen Be-dürfnissen damals bezeichnet wurden, freizugeben. (Vgl. Sierck 1987, S. 36)Dies war auch die Zeit, in der zahlreiche Interessensverbände entstanden, wel-che nur die Anliegen ihrer Betroffenen vertraten. Die Menschen mit Behinde-rung waren jedoch kaum fähig, ihre eigenen Vorstellungen einzubringen. (Vgl.Sierck 1987, S. 36)2.3.4 Eugenik und „Rassenhygiene“ von 1933 bis 1938Die Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland im Jahre 1933 undspeziell das Gesetz zur Verhütung erbranken Nachwuchses in Deutschlandhatten auch Einfluss auf Reichels eugenische Konzepte. Nun beschäftigte sichReichel verstärkt mit der Frage der „Rassenmischung“. Er riet zum Beispiel von
    • Bachelorstudium für das Lehramt an Hauptschulen 15 | S e i t eder „Mischung“ zwischen Nordeuropäern/-innen und Juden/Jüdinnen ab, dasich der Charakter des Mischvolkes verschieben würde. Reichel wollte auch dieMischung von „Weißen“ mit „Nicht-Weißen“ per Gesetz verhindern lassen. Rei-chels Rolle in der NS-Zeit war jedoch ambivalent. (Vgl. Mayer 2005, S. 90ff)Aus diesen Gedanken lässt sich schließen, dass Eugenik und „Rassenhygiene“bereits einige Zeit vor dem Nationalsozialismus auch in Österreich durchaus einaktuelles beziehungsweise heiß diskutiertes und behandeltes Thema war. Mankann sagen, dass in der Zwischenkriegszeit die Ideen zusammengefasst wur-den und somit für den Faschismus vorformuliert waren. (Vgl. Sierck 1987, S.34)2.4 Wie Österreich in die Hände von Hitler gerätÖsterreich spielte in den Plänen Hitlers eine zentrale Rolle. Vor allem die güns-tige geografische Lage Österreichs war für die Kriegspläne Deutschlands be-sonders interessant. Hinzu kommt, dass Millionen Österreicher-/innen als Sol-daten und Arbeitskräfte für Deutschland dienen bzw. arbeiten konnten. Nichtunbedeutend waren die österreichischen Rohstoffe, wie zum Beispiel Erz,Magnesit, Grafit, Öl, Edelstahl, Wasserkraft usw., welche für die deutscheKriegsindustrie dringend benötigt wurden. Doch auch die österreichischen Gold-und Devisenvorräte sowie Lebensmittel und Konsumgüter, welche man inDeutschland nicht mehr erhielt, zogen das NS-Regime förmlich an. (Vgl.Schreiber 2008, S. 57)Der seit 1932 im Amt des Bundeskanzlers tätige Engelbert Dollfuß nützte imMärz 1933 die Gelegenheit, das Parlament auszuschalten, da alle drei National-ratspräsidenten zurückgetreten waren. Nun wurde der Weg in die Diktatur im-mer deutlicher. Der Austrofaschismus hatte gesiegt und am 1. Mai 1934 wurde„im Namen Gottes“ eine neue Verfassung verkündet, die auf dem Prinzip derautoritären Führung aufgebaut war. Alle Parteien wurden aufgelöst, lediglich dieEinheitspartei mit dem Namen „Vaterländische Front“ existierte noch. Der Natio-nalsozialismus war aber immer noch ein bedeutender illegaler Gegner. Derbraune Terror wuchs und der außenpolitische Druck von Hitler verstärkte sich.Am 25. Juli 1934 drangen schließlich Mitglieder der NSDAP – als österreichi-
    • Bachelorstudium für das Lehramt an Hauptschulen 16 | S e i t esche Soldaten verkleidet – in das Bundeskanzleramt ein und nahmen die an-wesenden Mitglieder der österreichischen Regierung gefangen. BundeskanzlerDollfuß wurde dabei erschossen. Der Putschversuch der Nationalsozialistenmisslang und Kurt Schuschnigg wurde nun Bundeskanzler und zweiter Vorsit-zender der Vaterländischen Front. Ernst Rüdiger Starhemberg fungierte nun alsVizekanzler und Führer der Vaterländischen Front in Österreich. Im Jahre 1936konnte Schuschnigg endgültig die gesamte Macht an sich reißen. Der deutsch-österreichische Vertrag vom 11. Juli 1936 – kurz auch das Juliabkommen ge-nannt – besiegelte, dass Deutschland Österreich die volle Souveränität garan-tierte und zudem die „1000-Mark-Sperre“ aufgehoben wurde. Österreich musstesich dafür aber als „deutscher Staat“ bekennen und durfte keine Propagandagegen den Nationalsozialismus einschalten. Außerdem verlangten Hitler undseine Partei, dass die inhaftierten Nationalsozialisten freigelassen werden. (Vgl.Vocelka 2009, S. 289ff)Im Februar 1938 kam es in Berchtesgaden zu einem Treffen zwischen Hitlerund Schuschnigg, bei dem man dem österreichischen Bundeskanzler mit mas-siver militärischer Invasion drohte. Schuschnigg erklärte sich bereit, den Führerder österreichischen Nationalsozialisten, Arthur Seyß-Inquart, in die Regierungals Innenminister aufzunehmen. (Vgl. Vocelka 2009, S. 296)Am 9. März 1938 hielt Bundeskanzler Schuschnigg in Innsbruck jene berühmteRede, in der er eine Volksabstimmung über die Frage ankündigte, ob Öster-reich selbstständig bleiben solle. (Vgl. Forcher 2005 S. 314)Die Volksabstimmung wurde für den 13. März angesetzt, doch schon zwei Tagevor der Abstimmung stellte Hitler ein Ultimatum. Schuschnigg dankte daraufhinab und Seyß-Inquart übernahm die Führung des österreichischen Staates. DieMachtübernahme der Nationalsozialisten war somit legal, aber gleichzeitigdrangen deutsche Truppen in Österreich ein. Österreich leistete keine militäri-sche Gegenwehr. Unter begeistertem „Heil“-Geschrei wurde die Selbstständig-keit des Landes zu Grabe getragen. Österreich gab es ab nun bis zum Jahre1945 nicht mehr. (Vgl. Vocelka 2009, S. 296)Der neue Kanzler Seyß-Inquart beschloss mit seiner neuen Regierung am 13.März das Gesetz über die „Wiedervereinigung Österreichs mit dem Deutschen
    • Bachelorstudium für das Lehramt an Hauptschulen 17 | S e i t eReich“. Bereits am 2. April 1938 bejubelte eine riesige Menschenmenge Hitleram Wiener Heldenplatz. Dieser verkündete den „Eintritt“ seiner Heimat Öster-reich in das Deutsche Reich. (Vgl. Schreiber 2008, S. 65)Tirol bildete gemeinsam mit Vorarlberg einen Gau. Dieser wurde Gau Tirol-Vorarlberg genannt. Osttirol jedoch zählte zum Gau Kärnten. (Vgl. Kofler 2005,S. 76)Nun begann auch in Österreich die Schreckensherrschaft des Nationalsozialis-mus, wobei hier speziell „Menschen mit besonderen Bedürfnissen“ großes Leiderfahren mussten.
    • Bachelorstudium für das Lehramt an Hauptschulen 18 | S e i t e3 „Euthanasie“ im NationalsozialismusHerabwürdigen, aussondern, verstümmeln und töten sind Ausdrücke, welcheden Umgang mit behinderten Menschen in der Geschichte der Menschheit pas-send beschreiben lassen. Diese menschenverachtenden Verhaltensweisen er-reichten in der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft ihren Höhepunkt. (Vgl.Romey 1987, S. 9)3.1 Stufen des Mordprogramms des Nationalsozialismusbis 1941„Die Rassenhygiene war keine Erfindung der Nationalsozialisten. Mit ihrerMachtergreifung im Deutschen Reich im Jahre 1933 aber radikalisierten sichdie eugenischen Selektionsmaßnahmen und auch die Wortwahl. Im Interesseder Höherentwicklung der ‘Rasse’ sollte alles ‘Minderwertige ausgemerzt’ wer-den. Für ‘unnütze Esser’ oder ‘Ballastexistenzen’, wie psychisch kranke oderbehinderte Menschen bezeichnet wurden, war im nationalsozialistischenDeutschland kein Platz. In einer ökonomischen Definition von Gesundheit imSinne von Leistungsfähigkeit unterwarf es das gesamte Leben einer men-schenverachtenden Kosten-Nutzen-Rechnung.Der behaupteten überproportionalen Vermehrung der ‘Unproduktiven’, der‘Überwucherung’ der Gesunden durch die ‘Minderwertigen’ sollte entgegenge-wirkt werden. Die Verhinderung der Fortpflanzung durch zwangsweise Sterili-sierung und die physische Vernichtung ‘lebensunwerten Lebens’ waren zweisich ergänzende Maßnahmen zur ‘Rettung des Volkskörpers’.“ (Laube sozial-psychiatrische Aktivitäten GmbH 2007, S. 22)Bereits im Jahre 1931 wies das Parteiprogramm der NSDAP die „Rassenhygie-ne“ als einen wichtigen Punkt auf. (Vgl. Kohl 1997, S.34) Betrachtet man dieZeit, in der der Nationalsozialist Adolf Hitler an der Macht war (also von 1933-1945), etwas genauer, so kann man mehrere Stufen des faschistischen Mord-programms feststellen. (Vgl. Romey 1987, S. 21)
    • Bachelorstudium für das Lehramt an Hauptschulen 19 | S e i t e3.1.1 1933 bis 1938: Von der Asylierung zur SterilisierungNach der nahezu totalen Asylierung von behinderten Menschen beschlossendie Nationalsozialisten im Jahre 1933 das „Gesetz zur Verhütung erbkrankenNachwuchses“. (Vgl. Romey 1987, S. 21)In dieser Kabinettssitzung vom 14. Juli 1933 wurde auch das Konkordat mitdem Heiligen Stuhl gebilligt. Um den Abschluss dieses Konkordates nicht zugefährden, wartete man mit der Bekanntgabe des „Sterilisationsgesetzes“ nochzwei Wochen. Einer der größten Befürworter des Konkordates war Kardinal Eu-genio Pacelli, der später, am 2. März 1939, zum Papst Pius XII. gewählt wurde.Dieser Mann ließ ein Werk verschwinden, (Humani generis unitas – Die Einheitdes Menschengeschlechts), welches sein Vorgänger Papst Pius XI. unbedingtherauszugeben beabsichtigt hatte. Dieses Schriftstück setzte sich nämlich ve-hement gegen Rassismus und Antisemitismus und somit auch gegen den Nati-onalsozialismus ein. (Vgl. Kohl 1997, S. 35)Das Gesetz von 1933 bzw. 1934 wurde kurz „Erbgesundheitsgesetz“ genanntund trat bereits am 1. Januar 1934 offiziell in Kraft. Paragraf 1 dieses Gesetzeslautete: (Vgl. Klee 2010, S. 39)„Erbkrank im Sinne dieses Gesetzes ist, wer an einer der folgenden Krankhei-ten leidet: 1. angeborenem Schwachsinn, 2. Schizophrenie, 3. zirkulärem (ma-nisch-depressiven) Irresein, 4. erblicher Fallsucht, 5. erblichem Veitstanz (Hun-tingtonsche Chorea), 6. erblicher Blindheit, 7. erblicher Taubheit, 8. schwerererblicher körperlicher [Mißbildung]. Ferner kann unfruchtbar gemacht werden,wer an schwerem Alkoholismus leidet.“ (Gesetzestext 1934; zit. nach. Klee2010, S. 39)
    • Bachelorstudium für das Lehramt an Hauptschulen 20 | S e i t eAbbildung 1: Reichsgesetzblatt 1933 (Hinterhuber 1995, S. 10)
    • Bachelorstudium für das Lehramt an Hauptschulen 21 | S e i t eDer Gesetzestext selbst beruft sich auf das Buch „Mein Kampf“, welches vonAdolf Hitler geschrieben wurde: (Vgl. Klee 2010 S. 40)„Wer körperlich und geistig nicht gesund und würdig ist, darf sein Leiden nichtim Körper seiner Kinder verewigen. Der Staat [muß] dafür Sorge tragen, [daß]nur, wer gesund ist, Kinder zeugen darf.“ (Hitler 1926; zit. nach Klee 2010, S.40)Somit wurden hunderttausende Menschen legal verstümmelt. Die schwer geis-tig und körperlich Behinderten wurden zuerst herangezogen, anschließend folg-ten Menschen, welche als „Leichtschwachsinnige“ und als „Fürsorgezöglinge“bezeichnet wurden. (Vgl. Romey 1987, S. 21)Aus einer Statistik des Jahres 1934 geht hervor, welche Personengruppen steri-lisiert wurden: Am häufigsten wurde der Eingriff mit 52,9 % bei Schwachsinni-gen bzw. Hilfsschülern/-innen durchgeführt, gefolgt von den Schizophrenen,welche 25,4 % ausmachen. Auch Epileptiker/-innen weisen einen nicht unbe-deutenden Prozentsatz von 14 % auf. Mit einigem Abstand folgen Manisch-Depressive, diese Zahl beläuft sich auf 3,2 %. Der Prozentsatz der Alkoholiker/-innen liegt bei 2,4 %, bei Tauben bei 1 %, der bei Blinden liegt bei 0, 6 %, beiKörperbehinderten beläuft sich der Prozentsatz auf 0,3 %. Die Zahl der Krank-heit Chorea Huntington, welche tatsächlich eine Erbkrankheit ist, liegt bei 0,2 %.Zur Sterilisierung herangezogen wurden bereits Kinder ab 14 Jahren. (Vgl. Klee2010, S. 40f)So kam es, dass sich zwischen 1934 und 1945 ca. 400.000 Menschen einerSterilisierung unterwerfen mussten. Über 1.000 von diesen Menschen – vorallem Frauen – starben bereits während des Eingriffs. Natürlich widersetztensich Angehörige von Betroffenen, der Protest wurde jedoch sehr erschwert, dasich die Familien als sozial deklassiert empfanden, wenn in der eigenen Ver-wandtschaft Erbkrankheiten festgestellt worden waren. Wichtige Persönlichkei-ten wie Parteifunktionäre/-innen, Ärzte/-innen, Lehrer/-innen, Künstler/-innen,Schriftsteller/-innen formten die Meinungen der breiten Öffentlichkeit in diesemSinne, dass die Sterilisation zur Normalität gehöre. (Vgl. Hinterhuber 1995, S.9ff)
    • Bachelorstudium für das Lehramt an Hauptschulen 22 | S e i t eAm 1. September 1939 erfolgte jedoch der Sterilisierungsstopp im gesamtenReich. Doch mit dem angeblichen Stopp verhielt es sich ähnlich wie mit demangeblichen „Euthanasiestopp“ später. Es wurden zwar mehrere interne Anwei-sungen herausgegeben, doch in diesen Schreiben wurde lediglich mitgeteilt,dass die Sterilisation ab sofort „im Rahmen des Möglichen durchgeführt“ wer-den solle. Aus Anstaltschroniken ist jedoch ersichtlich, dass das Sterilisierenweiter vorgenommen wurde. (Vgl. Klee 2010, S. 85f)3.1.2 Zwangssterilisierungen in TirolDas „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ trat in Österreich bzw.damals in der Ostmark am 1. Jänner 1940 in Kraft. Bestand der Verdacht, dassein/-e Patient/-in an einer Erbkrankheit erkrankt war, so waren nun die Ärzte/-innen verpflichtet, einen Antrag auf Unfruchtbarmachung beim Leiter des Amtesfür Volkspflege der Reichsstatthalterei Tirol-Vorarlberg zu stellen. Die Zustim-mung erfolgte schließlich durch den Gauleiter Franz Hofer, welcher fast allegenehmigte. (Vgl. Schreiber 2008, S. 212)Im Hinblick auf die Meldung verfügten Richter, Ärzte/-innen, Angestellte in denGesundheitsämtern und Fürsorger/-innen jedoch über einen sehr großen Spiel-raum in ihrer Arbeit. Aus Tirol ist bekannt, dass vor allem die maßgeblichenStellen in den Bezirken Schwaz und Kufstein äußerst übereifrig waren und ausdiesem Grund dort viel mehr Menschen unfruchtbar gemacht wurden als in an-deren Teilen Tirols. (Vgl. Schreiber 2008, S. 212)Die Amtsärzte/-innen nahmen sehr rasch eine wichtige Schlüsselrolle ein, dasie diejenigen waren, welche eine Vorauswahl trafen. Die Opfer waren vor al-lem Personen mit geringen körperlichen oder geistigen Behinderungen, die als„asozial“ abgestempelt wurden. Die Behörden wollten unbedingt verhindern,dass diese Menschen Kinder zeugten. (Vgl. Schreiber 2008, S. 212)Man ging sogar so weit, dass man einigen Frauen und Männern erst eine Hei-ratserlaubnis erteilte, nachdem sie einer Unfruchtbarmachung zugestimmt hat-ten. Wurde man jedoch als „erbkrank“ eingestuft, so erhielt man Eheverbot undes bestand auch die Möglichkeit, dass man unfruchtbar gemacht wurde. Da dieWissenschaft jedoch kaum in der Lage war, „Erbkrankheiten“ nachzuweisen,
    • Bachelorstudium für das Lehramt an Hauptschulen 23 | S e i t egenügte für ein derart schwerwiegendes Vorgehen die bloße Vermutung oderdas Vorkommen bestimmter Krankheiten in der Familie. Viele Menschen ließendiese Gewaltmaßnahme der Sterilisierung auch deshalb über sich ergehen, umeiner Einweisung in eine Pflegeanstalt und einem drohenden Abtransport vondort in die Tötungsanstalt Schloss Hartheim zu entkommen. Ein Tiroler, welcherein Opfer der Zwangssterilisierung wurde, berichtete 1960 in einem Schreibenan das Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes von seinemLeidensweg: (Vgl. Schreiber 2008, S. 212f)„Ich selbst war inzwischen verlobt und wollte heiraten und stieß dann auf Grundeines früher gehabten Nervenleidens auf Schwierigkeiten. Nur unter der Bedin-gung der Sterilisation wurde mir die Heirat erlaubt, und trotz anfänglicher An-tragstellung habe ich den Antrag dann widerrufen, weil ich diesen Vorgang derBraut nicht zumuten konnte. Ich löste schweren Herzens das Verhältnis undglaubte, damit die Sache zu erledigen. Ein halbes Jahr später griff derStadtphysikus [Stadtarzt] die Sache wieder auf und verlangte die Sterilisierung.Da ich natürlich in scharfen Worten mich dieser Willkür widersetzte, griff er zurList und brachte mich mit Hilfe der Gestapo in die Klinik, wo die Operation ge-gen meinen Willen und trotz heftigsten Protests durchgeführt wurde.“ (o.V.1960.; zit. nach Schreiber 2008, S. 213)Betrachtet man den Gau Tirol-Vorarlberg, so sind dort 238 Zwangssterilisatio-nen dokumentiert, insgesamt dürften aber ca. 400 Personen betroffen gewesensein. Im gesamten Österreich sind 5.000-10.000 Menschen von den Zwangs-sterilisierungen betroffen, im Deutschen Reich und in den damals von Deutsch-land besetzten Gebieten in Europa ca. 400.000 Frauen und Männer, aber auchJugendliche. (Vgl. Schreiber 2008, S. 213)3.1.3 1939-1941: MassenmordDie Zwangssterilisation der „Erbkranken“ war sehr arbeitsaufwendig und dieswar auch ein Grund, weshalb die NS-Rassenhygieniker bereits 1939 zur „Ver-nichtung lebensunwerten Lebens“ übergingen. Im Vorfeld des Krieges war nachlanger Planung die Entscheidung gefallen, das „unwerte Leben“ auszumerzen.Die Tötung psychisch kranker und mental oder körperlich beeinträchtigter Men-schen war somit der erste systematisch geplante und auch staatlich durchge-
    • Bachelorstudium für das Lehramt an Hauptschulen 24 | S e i t eführte Massenmord des NS-Regimes. (Vgl. Laube sozialpsychiatrische Aktivitä-ten GmbH 2007, S. 37)Die Nationalsozialisten begannen die zu Unrecht „Euthanasie“ oder „Gnaden-tod“ genannte Vernichtung des „lebensunwerten Lebens“ mit geistig und körper-lich behinderten Kindern. (Vgl. Malina & Neugebauer 2001, S. 708f)Dazu wurde im Frühjahr 1939 der „Reichsausschuss zur wissenschaftlichenErfassung von erb- und anlagebedingten schweren Leiden“ gegründet. Das Zielstand eindeutig fest: behinderte Neugeborene zu erfassen und zu ermorden. Abdem 18. August 1939 kam es schließlich zur Meldepflicht für „missgestaltete“und „idiotische“ Kinder. (Vgl. Romey 1987, S.21) Dies war nun der Auftakt zur„Kindereuthanasie“. (Vgl. Laube sozialpsychiatrische Aktivitäten GmbH 2007, S.20)Abbildung 2: Meldebogen (Kohl 1997, S. 126)
    • Bachelorstudium für das Lehramt an Hauptschulen 25 | S e i t eDer geheime Erlass der Meldung und Erfassung von „Missgeburten“ richtetesich vor allem an die Hebammen, Gebärabteilungen und Kliniken. Um dieseKinder töten zu können, wurden sie in den sogenannten „Reichsausschuss-Stationen“ bzw. „Kinderfachabteilungen“ untergebracht. (Vgl. Hinterhuber 1995,S. 11)Die Erfassung der Kinder kam anfangs nur sehr schleppend voran. Zum Erfas-sen der behinderten Kinder wurden Meldebögen ausgegeben. Die Amtsärztewaren verpflichtet, die Meldungen zu überprüfen, doch diese leiteten den Mel-debogen – ohne die Kinder nochmals zu untersuchen – an den Reichsaus-schuss weiter. Krankengeschichten und -blätter wurden nicht beigefügt. DieseMeldebögen wurden in der Kanzlei des Führers zuerst von Hefelmann, welcherder Geschäftsführer des Reichsausschusses war, und seinem Mitarbeiter v.Hegener gesichtet. Beide waren medizinische Laien. Diese zwei Personen sor-tierten nun die Fälle, welche für sie in Frage kamen, aus und sandten dieseMeldebögen den drei Gutachtern Catel, Heinze und Wentzler weiter. Dies be-deutete, dass der zweite Gutachter wusste, wie der erste entschieden hatte,und der dritte kannte die Entscheidungen der beiden Vorgutachter. (Vgl.Schmuhl 1987, S. 183f)Auf den Papieren wurde die Entscheidung der Gutachter mit den Zeichen +oder – vermerkt. Jene Menschen, in deren Gutachten ein – stand, wurden spä-ter ermordet. (Vgl. Romey 1987, S. 21)Einzige Unterlage dieses Begutachtungsverfahrens waren die Meldebögen, diemeistens von den Hebammen ausgefüllt wurden. Eine ärztliche Untersuchungim Laufe des Verfahrens wurde nicht durchgeführt. In den Vorüberlegungen zueinem Gesetzesentwurf über die Sterbehilfe im Sommer 1939 wurde zur Ge-heimhaltung der „Kindereuthanasie“ aufgefordert. Den Eltern wurde die Mög-lichkeit eingeräumt, eine stillschweigende Zustimmung zu leisten. Allerdingsgab es bei der „Kindereuthanasie“ von der Elternseite erhebliche Widerstände,welche erst zu brechen waren. Den Eltern sollte deshalb vor allem die Zuver-sicht gegeben werden, dass selbst in Fällen, welche bisher als hoffnungslosgalten, eine Chance bestand, gewisse Heilerfolge zu erzielen. Durch diese ver-
    • Bachelorstudium für das Lehramt an Hauptschulen 26 | S e i t eschleierten und verlogenen Scheinmaßnahmen erschlich man sich teilweise dieEinwilligung der Eltern. (Vgl. Schmuhl 1987, S. 184f)Nach dem Erlass vom 20. September 1941 konnte den Eltern, welche sich derEinweisung ihres Kindes widersetzten, der Verlust des Sorgerechts angedrohtwerden. Zur Durchführung der Kindestötungen wurden rund 30 „Kinderfachab-teilungen“ in Heil- und Pflegeanstalten eingerichtet. Eine dieser Einrichtungen inÖsterreich war die Kinderfachabteilung „Am Spiegelgrund“ in Wien. (Vgl.Schmuhl 1987, S.185f) Es gab aber auch Abteilungen in Graz und Klagenfurt.(Vgl. Laube sozialpsychiatrische Aktivitäten 2007, S. 42) Dort erfolgte die Tö-tung entweder mittels Giftbeimischung im Essen oder man ließ viele auch ein-fach verhungern. (Vgl. Romey 1987, S.21) Die Verabreichung von Injektionenvon Morphium und Luminal war auch keine Seltenheit. (Vgl. Hinterhuber 1995,S. 11)Die Zuführung des Narkotikums Luminal erfolgte so, dass die Kinder zwei- oderdreimal in Abständen von einer Stunde ein halbes Gramm davon verabreichtbekamen. Zur Orientierung: Als Maximaldosis für Erwachsene galt 0,4 Gramm.Die maximal zu verabreichende Menge für Kinder betrug 0,1 Gramm, für Klein-kinder sogar nur 0,05 Gramm. Den schlafenden Opfern wurde das Präparatmittels Einlauf eingeflößt. Nach der Verabreichung fielen die Kinder in einenZustand des Vor-sich-hin-Dämmerns; dies gab den Ärzten die Möglichkeit,Lungenentzündung oder Bronchitis als scheinbar natürliche Todesursache fest-zustellen. (Vgl. Kohl 1997, S. 48f)Nach dem Aufbau der Gaskammern für die „Erwachseneneuthanasie“ wurdenschließlich auch Kinder aus den „Kinderfachabteilungen“ vergast. In den Anstal-ten war es strikt verboten, körperliche Krankheiten zu behandeln und die Kinderdadurch vor dem Tod zu retten. (Vgl. Schmuhl 1987, S.187) Den Mordaktionenan Kindern fielen über 5.000 Kinder zum Opfer. (Vgl. Romey, 1987, S. 21)Der Großteil der Bevölkerung verhielt sich dieser Aktion gegenüber völliggleichgültig. Einzelner Protest und Widerstand kam lediglich noch von kirchli-chen Einrichtungen. Pastor von Bodelschwingh war der Wortführer dieses Wi-derstandes. Das Euthanasieprogramm der Nationalsozialisten wurde durch ex-treme Propaganda vorbereitet, dabei wurde immer wieder die Notwendigkeit
    • Bachelorstudium für das Lehramt an Hauptschulen 27 | S e i t eder „Ausmerzung lebensunwerten Lebens“ betont. Kinder in der Volksschulemussten sich schon mit rassistischen Ideen und menschenfeindlichem Gedan-kengut beschäftigen. Dabei erwähnte man nicht nur die notwendige Sterilisati-on, sondern auch den Gedanken der „Ausmerzung“ von psychisch Kranken undbehinderten Menschen. (Vgl. Hinterhuber 1995, S. 11ff) Auch der Mathematik-unterricht wurde dazu verwendet, um Rassenlehre zu betreiben, dies sollte fol-gendes Rechenbeispiel zeigen: (Vgl. Kohl 1997, S. 57)„In einer Provinz des Deutschen Reiches sind 4400 Geisteskranke in staatli-chen Heilanstalten untergebracht, 4500 in der Obhut der öffentlichen Fürsorge,1600 in örtlichen Heilanstalten, 2000 in Heimen für Epileptiker und 1500 Perso-nen in Wohltätigkeitsheimen. Der Staat allein zahlt mindestens 10 MillionenReichsmark im Jahr für die angeführten Institutionen. a) Was kostet durch-schnittlich ein Patient dem Staat im Jahr? Zusatzangaben: 868 Patienten blie-ben länger als zehn Jahre (Gruppe I); 260 Patienten blieben mehr als 20 Jahre(Gruppe II); 112 Patienten länger als 25 Jahre (Gruppe III). b) Was kostet einPatient der Gruppe I (II, III) dem Staat während des ganzen Zeitraumes seinerUnterbringung nach den niedrigsten Durchschnittszahlen wie unter a) ange-führt?“ (Mathematikbuch o.J.; zit. nach Kohl 1997, S. 57f)Eine weitere Aufgabe aus dem Lehrbuch Mathematik des Jahres 1935/36 laute-te:„Der Bau einer Irrenanstalt erfordert sechs Millionen Reichsmark. Wieviel neueWohnblocks à 15.000 Reichsmark würden für diese Summe gebaut werdenkönnen?“ (Mathematikbuch 1935/36; zit. nach Kohl 1997, S. 58)Aus diesen Aufgaben erkannte man denselben Geist, der im „Lehrplan des SS-Hauptamtes für die weltanschauliche Erziehung in der SS und in der Polizei“wehte. Darin hieß es: (Vgl. Kohl 1997, S. 58)„Es ist ein unhaltbarer Zustand, wenn in einem Staate das Verhältnis zwischenden Schaffenden und den Kranken ungesunde Formen annimmt. Für Schwach-sinnige, Sittlichkeitsverbrecher, Gemeinschaftsunfähige (Asoziale) [muß] dasVolk an Kräften und Mitteln viel aufwenden. Durch die Ausschaltung dieser Trä-ger faulen Erbgutes können gewaltige Summen erspart und anderen Zweckennutzbar gemacht werden. Jedes Naturvolk merzt in richtiger Erkenntnis das
    • Bachelorstudium für das Lehramt an Hauptschulen 28 | S e i t eMinderwertige aus. Bei den sogenannten Kulturvölkern hat eine falsche Nächs-tenliebe, vor allem von kirchlichen Kreisen in die breite Masse getragen, eineGegenauslese geradezu gefördert.“ (Lehrplan des SS-Hauptamtes o.J.; zit.nach Kohl 1997, S. 58)3.2 Kinderfachabteilung „Am Spiegelgrund“Die in Wien stationierte Kinderfachabteilung mit dem Namen „Am Spiegelgrund“war wohl die größte und bedeutendste ihrer Art in Österreich beziehungsweisedamals in der Ostmark. (Vgl. Eckart 2012, S. 142)Im Juli 1940 wurde die Wiener „Kinderfachabteilung“ am Gelände der Heil- undPflegeanstalt „Am Steinhof“ eingerichtet. (Vgl. Laube sozialpsychiatrische Akti-vität GmbH 2007, S. 43) Sie rangierte innerhalb des Deutschen Reiches baldals zweitgrößte Einrichtung. Aus Gründen der Vortäuschung wechselte diesekinderpsychiatrische Spezialklinik häufig den Namen und nannte sich gelegent-lich „Wiener städtische Jugendfürsorgeanstalt“, dann wieder „HeilpädagogischeKlinik der Stadt Wien – Am Spiegelgrund“ und schließlich wurde sie auch mitder Bezeichnung „Wiener städtische Nervenklinik für Kinder“ versehen. In Wirk-lichkeit diente diese Anstalt jedoch nur der Erfassung und Ermordung psychischauffälliger Kinder. (Vgl. Eckart 2012, S. 142)Erwin Jekelius war von 1940 bis 1942 der erste Leiter der Kinderfachabteilung„Am Spiegelgrund“ und Jahre später sagt Jekelius Folgendes vor Gericht aus:(Vgl. Häupl 2008, S. 22f)„… Anfang 1941, nach Eröffnung der Klinik, kam BRACK nach Wien und sagtein einem Gespräch mit mir und Professor GUNDEL, dass geplant sei, in unsererKlinik Maßnahmen zur Tötung kranker Kinder durchzuführen, die an Geistes-krankheiten litten, bzw. mit schweren physischen Behinderungen geboren wor-den waren … hier wurde mir auch gesagt, dass ich für die Tötung der Kindereinen speziellen Arzt aus Berlin zur Seite bekäme, der in dieser AngelegenheitErfahrung hätte. Als ein solcher Arzt erwies sich Dr. Gross. Bald nach meinerRückkehr nach Wien und dem Eintreffen von Dr. Gross begannen wir in unsererKlinik mit der Vernichtung kranker Kinder…“ (Jekelius o.J.; zit. nach Häupl2008, S. 23)
    • Bachelorstudium für das Lehramt an Hauptschulen 29 | S e i t eWie in allen anderen Anstalten wurden von Berlin aus auf der Grundlage vonMeldebögen die Anweisungen zur „Behandlung“ oder zur weiteren „Beobach-tung“ gegeben. Ersteres bedeutete, dass die Kinder getötet werden sollen, wäh-rend das Wort „Beobachtung“ dafür stand, dass den Kindern noch ein Lebens-aufschub gewährt wurde. (Vgl. Eckart 2012, S. 142)In der Anstalt selber war man immer bemüht, dass die Vorgänge im Gebäudenicht an die Öffentlichkeit gerieten. Zwischen 1940 und 1945 wurden in der Kin-derfachabteilung „Am Spiegelgrund“ etwa 700 bis 800 geistig beeinträchtigteoder auffällige Kinder ermordet. Nach der Tötung entnahmen die verantwortli-chen Personen den Opfern häufig Gehirne und Rückenmarkstränge, welche fürweitere Untersuchungen in Gläsern konserviert wurden. Speziell Heinrich Grosshatte sich die „wissenschaftliche“ Verwertung der Körperteile von Mordopfern„Am Spiegelgrund“ zu eigen gemacht. Gross war seit November 1940 Stations-arzt am Spiegelgrund und persönlich in die Ermordung der Kinder involviert.Jahrzehntelang wurden sterbliche Überreste von 789 ermordeten Kindern in derAnstalt konserviert. Erst 2002 wurde ihnen am Wiener Zentralfriedhof die letzteRuhe gegönnt. (Vgl. Eckart 2012, S. 142f)Neben vielen anderen Ärzten wurde auch Gross im Jahre 1948 vor dem Volks-gericht Wien wegen seiner Beteiligung an den Kindertötungen angeklagt unddabei zu zwei Jahren Haft verurteilt. Doch der Oberste Gerichtshof hob diesesUrteil wegen eines Formfehlers wieder auf. Gross startete schließlich eine zwei-te Karriere. Einige Jahre nach dem Kriegsende 1945 kehrte Gross wieder aufden Steinhof zurück und begann dort bereits im Jahre 1953 mit der Auswertungder Gehirne der Spiegelgrundopfer. Über 25 Jahre hindurch veröffentlichte die-ser Mann zahlreiche Arbeiten auf dem Gebiet der Neuropathologie. (Vgl. Laubesozialpsychiatrische Aktivität GmbH 2007, S. 44)3.3 Aktion „T4“Diese erste Aktion des Kindermordens wurde ausgedehnt. Nun gerieten auchkörperlich und geistig behinderte Erwachsene ins Visier der Nationalsozialisten.(Vgl. Romey 1987, S. 21)
    • Bachelorstudium für das Lehramt an Hauptschulen 30 | S e i t eAb dem Juli des Jahres 1939 plante das NS-Regime bereits die Aktion „T4“.Diese Aktion hatte das Ziel, psychisch kranke und behinderte Menschen zu er-morden, damit die Kosten für die Anstaltspflege gesenkt werden konnten. (Vgl.Schreiber 2008, S. 214)Genau im April 1940 weitete sich die Euthanasie-Zentrale räumlich, aber auchorganisatorisch aus. Der Großteil der Verwaltung wurde in eine Villa in der Ber-liner Tiergartenstraße 4 untergebracht, deshalb verlief die Mordaktion auch un-ter der Abkürzung „T4“. Diese Einrichtung fungierte aber lediglich als geheimeEuthanasie-Organisation. Finanziert wurde „T4“ von der NSDAP. Die einzelnenAbteilungen schrieben, verhandelten und befahlen, wobei immer unterschiedli-che Tarnnamen verwendet wurden. Die Organisation der Morde geschah unterdem Briefkopf „Reichsarbeitsgemeinschaft Heil- und Pflegeanstalt“. (Vgl. Klee2010, S. 121)Mit dem Überfall der Deutschen Truppen auf Polen am 1. September 1939 be-gann der Zweite Weltkrieg. (Vgl. Laube sozialpsychiatrische Aktivitäten GmbH2007, S. 20)Deshalb sollten die „Geisteskranken“ und „Behinderten“ auch aus kriegswirt-schaftlichen Nützlichkeitserwägungen vernichtet werden. Bis zum Jahre 1942wurden tatsächlich 100.000 Betten für das Militär „freigestellt“. (Vgl. Romey1987, S. 21)Eine rechtliche Grundlage für die Aktion „T4“ existierte nicht, es gab lediglicheinen auf Privatpapier geschriebenen Geheimbefehl Adolf Hitlers, welcher mitEnde Oktober 1939 datiert war. Dieser besagte, dass Menschen, welche aneiner unheilbaren Krankheit litten, der Gnadentot gewährt werden kann. (Vgl.Schreiber 2008, S. 215)Die „Euthanasieaktion“ „T4“ lässt sich in drei Phasen unterteilen: Zur erstenzählen die teils bis 1945 weitergeführten Kindertötungen und die erste Haupt-phase der Erwachsenenmorde, welche bis zum offiziellen „Stopp“ im August1941 dauerte. Bis zu diesem Zeitpunkt wurden hierbei mehr als 70.000 Men-schen getötet. Die erste Phase mündete schließlich in die Phase der „Neuorien-tierung“ des Mordens, die dadurch gekennzeichnet war, dass immer neue Men-schengruppen in den Kreis rückten, welche selektiert und dann getötet werden
    • Bachelorstudium für das Lehramt an Hauptschulen 31 | S e i t esollten: Tuberkulosekranke, Alte und Schwache, wohnungslose „Streuner“, Ar-beitsunwillige, schwache und kränkliche KZ-Insassen/-innen, insbesondereauch sowjetische Kriegsgefangene, Sinti und Roma und viele mehr. Diese Pha-se endete schließlich in der „Endlösung der Judenfrage“. (Vgl. Eckart 2012, S.138f)3.3.1 Vorbereitungen des MassenmordesDie NS-Propaganda hatte die Bevölkerung auf die Tötungen bereits zuvor indi-rekt vorbereitet, indem immer wieder Bilder gezeigt wurden, welche von absto-ßenden, tierähnlichen und Furcht erregenden Geisteskranken und Missgebilde-ten erzählten. Die wirklichen Umstände, unter denen diese Menschen litten,gelangten jedoch nicht an die Öffentlichkeit. (Vgl. Schreiber 2008, S. 215)Um den Massenmord durchführen zu können, war es nun notwendig, alle Men-schen zu erfassen, welche getötet werden sollten. Dazu sandte man in derzweiten und dritten Oktoberwoche 1939 zwei Meldebögen in alle Anstalten desReiches, mit der Auflage, die ersten ausgefüllten Bögen spätestens bis erstenNovember wieder zurückzusenden. Diese Zeit war sehr knapp bemessen unddeshalb gab es Ärzte, welche in diesen drei Wochen bis zu 1.500 Stück desMeldebogens 1 ausfüllten. Man kann sich vorstellen, dass es völlig unmöglichwar, in diesem Zeitraum die betreffenden Kranken auch nur flüchtig zu untersu-chen. Im Meldebogen 1 waren hauptsächlich Daten anzuführen, welche sichauf die Patienten/-innen bezogen, während es im Meldebogen 2 eher um dieAnstalt ging, in der sich die Betroffenen befanden. Dies war nötig, damit manjene Anstalten ermitteln konnte, welch am besten dazu taugten, in „Euthanasie-anstalten“ umfunktioniert zu werden. (Vgl. Kohl 1997, S. 72ff)Die Meldebögen gelangten schließlich in die Tiergartenstraße 4, wo speziellJohannes Heck und Kurt Neumann, im Zivilberuf Bankkaufmann bzw. Drogist,den Papierkram erledigten. Diese zwei Männer sandten die Unterlagen jedochan drei Ärzte, welche als Gutachter fungierten. Wie bereits in der „Kindereutha-nasie“ entschieden diese drei Männer über das Leben oder den Tod des Pati-enten oder der Patientin. Wies der Meldebogen ein rotes Pluszeichen auf, sowar dies der Vermerk, dass der Mensch getötet werden muss, ein blaues Mi-
    • Bachelorstudium für das Lehramt an Hauptschulen 32 | S e i t enuszeichen bedeutete, dass der oder die Betroffene am Leben bleiben durfte.Anschließend gingen die Papiere wieder nach Berlin in die Tiergartenstraße 4und von dort aus an den Oberbegutachter Linden, später dann an Linden undHeyde und schließlich wurde Linden ein halbes Jahr später durch Nitsche er-setzt. Die Oberbegutachter waren nun für das endgültige Urteil verantwortlich.(Vgl. Kohl 1997, S. 75f)Die Namen der Menschen, welche getötet werden sollten, wurden in Listen ein-getragen. (Vgl. Schreiber 2008, S. 215)Wenige Wochen, nachdem die Bögen ausgefüllt und zurückgesandt wordenwaren, traf in den Krankenanstalten ein Formular ein, in dem im Rahmen„planwirtschaftlicher Maßnahmen“ eine Reihe von Verlegungen gefordert wur-de. Diesem Schreiben war eine Liste beigefügt, welche die Namen der Men-schen enthielt, die getötet werden sollten. Somit wurde die Leitung der Kran-kenhäuser aufgefordert, die auf der beiliegenden Liste genannten Patienten/-innen zwei oder drei Tage nach dem Erhalt des Schreibens für die Abholungdurch die „Gemeinnützige Krankentransportgesellschaft“ bereitzustellen. DerZielort war zuerst unbekannt, erst durch Anfrage wurde eine in den verschiede-nen Ländern zur Tarnung eingerichtete Durchgangsanstalt namhaft gemacht.Bei neuerlichem Nachfragen wurde der Name einer der Tötungsanstalten an-gegeben: Hadamar (bei Koblenz), Hartheim (bei Linz), Bernburg (in Anhalt) undSonnenstein (bei Pirna), Grafeneck (in Würtemberg) und Brandenburg (bei Ber-lin). Grafeneck und Brandenburg wurden aber Ende 1940 wieder geschlossen.(Vgl. Hinterhuber 1995, S. 30)Zwischen 1939 und 1945 wurden nach Schätzungen mehr als 200.000 psy-chisch kranke und körperlich behinderte Menschen ermordet. Viele wurden ver-gast, einige erhielten tödliche Injektionen und wieder andere mussten qualvollverhungern. (Vgl. Weig 2001, S. 7)3.3.2 Propagandafilm „Ich klage an“Um die „Euthanasie“ zu propagieren, beschlossen die Nationalsozialisten einenSpielfilm in den Kinos zu zeigen. Dieser Film – „Ich klage an“ – sollte die Men-schen im Hinblick auf die Thematik der Massenmorde an psychisch und körper-
    • Bachelorstudium für das Lehramt an Hauptschulen 33 | S e i t elich behinderten Menschen positiv beeinflussen. Der Film selber offenbart dasSchicksal einer jungen Frau, welche mit einem Medizinprofessor verheiratet ist.Eines Tages erkrankt sie und es gibt keine Hoffnung mehr, dass sie dieseKrankheit überwinden kann. Um den körperlichen Verfall der jungen Dame zuzeigen, wurden bewusst drastische Bilder ausgewählt, sodass die Menschen,die den Film im Kino sahen, sich ekelten. Die Haupthandlung des Films bestehtin der Folge darin, dass die kranke Frau ihren Ehemann um Sterbehilfe bittet.Dieser zweifelt zuerst und will ihr diesen Wunsch nicht gewähren, doch nacheiniger Zeit willigt er ein und verabreicht ihr ein Gift, an dem seine Ehefrauschließlich stirbt. Im Film wird diese Tat als moralisch richtige Handlung darge-stellt und auch der anschließend verfilmte Gerichtsprozess zeigt deutlich, dasses keinen Zweifel daran gibt, dass der Ehemann nur zum Wohle der Ehefraugehandelt hat und die Verabreichung des Giftes als Hilfeleistung gesehen wer-den kann. Aus diesem Grund darf der Ehemann auch nicht bestraft werden,dies kommt im Film deutlichst zum Ausdruck. (Vgl. Kuchler 2013, S. 58)3.3.3 Verantwortliche Personen der Aktion „T4“Das Hauptamt II der Kanzlei des Führers oder kurz KdF stand an der Spitze derAktion „T4“. Der Leiter dieser Organisation war Brack, welcher den TarnnamenJennerwein annahm. Die Vertretung Bracks hatte Blankenburg inne, welchersich hinter dem Tarnnamen Brenner versteckte. (Vgl. Klee 2010, S. 121)Die Zentraldienststelle „T4“, die unter dem Briefkopf „Reichsarbeitsgemein-schaft Heil und Pflegeanstalt“ verdeckt war, war in mehrere Abteilungen aufge-teilt. Die Medizinische Abteilung, die für die Verlegung der Menschen, die Or-ganisation des Krankenmords, die Meldebögen, die Gutachter und die Registra-tur zuständig war, leitete Heyde. Sein Vertreter war Nitsche. (Vgl. Klee 2010, S.121f)Die Büroabteilung, die mit den Abrechnungen der Pflege- und Transportkosten,der Nachlassabwicklung, der Erwirtschaftung von Millionengewinnen durchKostenstellung für Pflegetage längst ermordeter Patienten/-innen, der Kuriertä-tigkeit und der Tätigkeit als Standesamt beauftragt war, leitete bis Juni 1940Bohne und später Tillmann. Ab April 1941 wurde diese Abteilung in „Zentralver-rechnungsstelle Heil und Pflegeanstalten“ umbenannt. (Vgl. Klee 2010, S. 122)
    • Bachelorstudium für das Lehramt an Hauptschulen 34 | S e i t eDie Transportabteilung oder „Gemeinnützige Krankentransport-G.m.b.H.(Gekrat) war für die Organisation der Transporte verantwortlich. Die Leitungdieser Abteilung hatte Vorberg inne. (Vgl. Klee 2010, S. 122)Die Hauptwirtschaftsabteilung oder die Verwaltung der Zentraldienststelle „T4“,welche auch unter dem Namen „Gemeinnützige Stiftung für Anstaltspflege“ be-kannt war, leitete Schneider bis zum März 1941, später Schmiedel und ab Feb-ruar 1942 Lorent. Diese Abteilung war vor allem für die Finanzen, die Besol-dung, die Vereinnahmung der NSDAP-Zuschüsse, die Revision, die Beschaf-fung von Gas und Medikamenten, die Vereinnahmung von Zahngold und Wert-sachen der Ermordeten zuständig. (Vgl. Klee 2010, S. 122)Schließlich existierte noch eine Personalabteilung, welche für die Personalan-gelegenheiten zuständig war. Der Leiter dieser Abteilung war Haus. (Vgl. Klee2010, S. 122)3.3.4 Aktion „T4“ in TirolAuch in Tirol wurde die Aktion „T4“ praktiziert. Bereits im August 1940 kamdeshalb Dr. Fritz Mennecke in die Heil- und Pflegeanstalt Hall. Begleitet wurdeder führende Gutachter der NS-Euthanasie aus Berlin von sieben Medizinstu-denten. Während ihres dreitägigen Aufenthaltes in Hall begutachteten sie alleKrankengeschichten der Patienten/-innen, ohne diese zu untersuchen. Bereitsdrei Monate nach der Abfahrt dieser Herren bekam der Primararzt von Hall, Dr.Ernst Klebelsberg, eine Liste, auf der 290 Namen aufschienen. Diese Men-schen sollten für den Abtransport bereitgestellt werden. Doch Klebelsberg pro-testierte gemeinsam mit dem Vorstand der Psychiatrischen UniversitätsklinikInnsbruck gegen die Abholung leicht erkrankter Patienten/-innen. Dies bewirkte,dass Klebelsberg die Erlaubnis erhielt, jene Personen von der Liste zu strei-chen, die er für heilbar und arbeitsfähig hielt. (Vgl. Schreiber 2008, S. 218)Doch bereits am 10. Dezember 1940 wurden die ersten 179 Patienten/-innenaus Hall abgeholt und nach Hartheim transportiert. Weitere Transporte erfolgtenam 20. März 1941, am 29. Mai 1941 und am 31. August 1942 mit insgesamt181 Personen. Unter den Opfern dieser Transporte befanden sich auch 60 mit-tellose, alte Menschen sowie körperlich bzw. geistig leicht behinderte Menschen
    • Bachelorstudium für das Lehramt an Hauptschulen 35 | S e i t eund psychisch Kranke der Versorgungshäuser der Barmherzigen Schwestern inNassereith, Imst und Ried. (Vgl. Schreiber 2008, S. 219)Insgesamt wurden von 1940 bis 1942 über 700 Personen alleine aus Nordtirolin das Schloss Hartheim eingeliefert und dort getötet. Die Zahl der OsttirolerOpfer dürfte in etwa bei 50 liegen. Diese Menschen aus dem Bezirk Lienz sindzum Großteil auf den Listen der Transporte von Hall, Mils etc. nach Hartheimoder Niedernhart genannt. (Vgl. Kofler 2005, S. 132)3.3.5 Karl BrandtKarl Brandt wurde am 8. Jänner 1904 im elsässischen Mühlhausen geboren.Nach dem Abitur begann Brandt Medizin zu studieren. (Vgl. Eckart 2012, S.135)Von Mai 1923 bis April 1925 studierte Brandt an der Universität in Jena. Dieswar zu dieser Zeit ein Nährboden für nationalistische und antisemitische Ten-denzen. Weil Brandt an mehreren Universitäten sein Studium absolvierte, kamer mit einer Reihe medizinischer Experten, beruflicher Netzwerke und mit Schu-len in Berührung und zudem lernte er auch einige wichtige Persönlichkeiten derdeutschen „Rassenhygiene“ kennen. Im Jahre 1928 legte Brandt schließlichdas Medizinische Staatsexamen ab. Nach dem Abschluss seines Medizinstudi-ums an der Universität Freiburg reichte er seine Dissertation zum Thema „An-geborener Verschluss der Gallenausfuhrgänge“ ein. Damals war es nicht sel-ten, dass man für seine Dissertation ein Thema aus dem Bereich der Erbkrank-heiten und Eugenik wählte. Viele hofften nämlich, dass dies den beruflichenAufstieg fördern könnte. (Vgl. Schmidt 2009, S. 59ff)Man vermutet, dass Brandt spätestens 1926 auf dem Weimarer Parteitag derNSDAP mit der Partei in Berührung kam. 1932 wurde er schließlich Parteimit-glied. (Vgl. Eckart 2012, S. 136)Um Brandts politische und ideologische Weltanschauung zu verstehen und zuerklären, weshalb er Mitglied der Nazipartei wurde, sollte man sowohl die so-zioökonomischen als auch die politischen Umstände berücksichtigen, die er alsJugendlicher nach dem Ersten Weltkrieg und als Assistenzarzt Ende der zwan-ziger Jahre erlebte. Vor allem die wirtschaftliche Not, unter der viele Patienten/-
    • Bachelorstudium für das Lehramt an Hauptschulen 36 | S e i t einnen litten, verstärkte bei Brandt das Gefühl der Ungerechtigkeit. So wurde erallmählich zum Gegner des demokratischen Systems der Weimarer Republikund es brachte ihn so weit, dass er sich der nationalistischen Politik annäherte.Das Bedürfnis nach Sicherheit, nach der Existenz der Gemeinschaft und desbiologischen Lebens des Volkes wurden zu wesentlichen Aspekten seiner Ge-danken. Speziell diese Jahre prägten Brandt und somit trat er der NSDAP bei.Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Brandt auf seine Mitgliedschaft in der Parteiangesprochen. Dabei bekräftigte er, dass ihm der Entschluss, der Naziparteibeizutreten, nicht schwergefallen sei. (Vgl. Schmidt 2009, S. 85f)Erste persönliche Kontakte zu Hitler ergaben sich bereits im selben Jahr derMitgliedschaft, da sich Brandt mit der seit 1925 mit Hitler befreundetenSchwimmmeisterin Anna Rehborn verlobte. Vor allem durch die Vermittlungenvon Wilhelm Bruckner, welcher Hitlers Adjutant war, schaffte Karl Brandt denAufstieg in der NSDAP. So bestellte Hitler Brandt zu seinem Begleit- bzw. Leib-arzt. Bereits mit dem Überfall auf Polen wurde Brandt SS-Obersturmbannführerund ab Mitte Mai 1940 war er für die Koordination des militärischen und zivilenSanitätswesens zuständig. 1942 wurde das Aufgabengebiet erweitert und erbeschäftigte sich zunehmend mit der Medizinischen Forschung sowie der Medi-kamentenherstellung und -verteilung. (Vgl. Eckart 2012, S. 136f)Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Karl Brandt auf den Anklagestuhl der Nürn-berger Prozesse gesetzt, da er eine besondere Rolle eingenommen hatte undals Vertrauter und Sonderbevollmächtigter Hitlers auf dem Feld des Gesund-heitswesens fungierte. Am schwersten wog Brandts führende Rolle jedoch beider als „Euthanasie“ getarnten Mordaktion an psychisch und körperlich behin-derten Menschen. (Vgl. Eckart 2012, S. 137)3.3.6 Widerstand gegen die Aktion „T4“Obwohl Strafen angedroht und Täuschungsmanöver durchgeführt wurden, umdie Aktion „T4“ geheim zu halten, drangen doch Informationen nach außen.Schon sehr rasch kursierten in der Bevölkerung Gerüchte über Vergasungen.(Vgl. Laube sozialpsychiatrische Aktivität GmbH 2007, S. 138)
    • Bachelorstudium für das Lehramt an Hauptschulen 37 | S e i t eSomit entwickelte sich bald nach Bekanntwerden der Abtransporte ein starkerDruck auf das NS-Regime, denn vor allem die Betroffenen und die Angehörigenleisteten Widerstand. (Vgl. Malina & Neugebauer 2001, S. 711) Die betroffenenFamilien reagierten oft mit Entsetzen und Empörung auf die nicht angekündig-ten „Verlegungen“ und die rasch folgenden Todesmeldungen trafen sie zumeistvöllig unerwartet. Vielfach wurden nun den Anstaltsleitungen schwere Vorwürfegemacht, denn die Angehörigen wollten die Direktoren der Anstalten sprechenund Gründe wissen, weshalb das Familienmitglied gestorben ist. Einige began-nen auch persönliche Nachforschungen über das Verbleiben ihrer Familienmit-glieder anzustellen. (Vgl. Laube sozialpsychiatrische Aktivität GmbH 2007, S.138)Doch auch auf Seiten der katholischen und evangelischen Kirche wurden Pro-teste laut. (Vgl. Malina & Neugebauer 2001, S. 711) In Salzburg lehnte zumBeispiel im Besonderen die Visitatorin der Barmherzigen Schwestern Anna Ber-tha Königsegg die NS-Euthanasie offen ab. Anna Bertha Königsegg wurde am9. Mai 1883 in Königseggwald in Württemberg als ältestes von acht Kinderngeboren. Bereits mit 18 Jahren trat sie dem Orden bei. 1938, zurzeit der Ver-einnahmung Österreichs durch Hitler, arbeitete Schwester Anna Bertha im Auf-trag ihres Mutterhauses in Salzburg. (Vgl. Kiel-Römer, Süß & Steppe 1993, S.191)Anna Bertha Königsegg war eine glaubensstarke, resolute Frau und eine ent-schiedene Gegnerin des Nationalsozialismus. Dies zeigte sich auch darin, dasssie immer wieder Konflikte mit dem Regime austrug. So erteilte Königsegg zumBeispiel ihren im Landeskrankenhaus tätigen Schwestern die Weisung, beiZwangssterilisationen in keiner Weise zu assistieren. Als die Schreiben des NS-Regimes ankündigten, dass eine große Anzahl an Patienten/-innen verlegt wer-den solle, wusste die Visitatorin bereits, was auf die Kranken zukommen würde.Deshalb bezog sie ausdrücklich gegen die Maßnahmen Stellung, was dazuführte, dass sie sogar mehrmals verhaftet wurde und schließlich Salzburg ver-lassen musste. (Vgl. Laube sozialpsychiatrische Aktivität GmbH 2007, S. 143f)Auch Bischof Clemens August Graf von Galen trat gegen die Tötungsdelikte derNationalsozialisten auf. Berühmt ist in diesem Zusammenhang vor allem seine
    • Bachelorstudium für das Lehramt an Hauptschulen 38 | S e i t e„Euthanasiepredigt“, in der er „Euthanasie“ als Mord anprangerte. Diese Predigtfand große Zustimmung in der Bevölkerung und wurde über Flugblätter raschim ganzen Land verbreitet. Der Bischof ging sogar so weit, dass er bei der Poli-zei Anzeige wegen Mordes erstattete, um den Protest noch einmal zu unter-mauern. Möglicherweise hat ihn seine Bekanntheit vor Konsequenzen bewahrt.Wesentlich ist jedoch, dass vor allem die Widerstände aus der Kirche maßgeb-lich zum Ende der Aktion „T4“ im August 1941 beigetragen haben. (Vgl. Laubesozialpsychiatrische Aktivität GmbH 2007, S. 144)Zu erwähnen ist hier jedoch auch, dass leider auch zahlreiche Priester selbstNazis waren und so zum Teil massive Propaganda für die UnfruchtbarmachungGeisteskranker und die Reduzierung der Anstrengungen der Volksgemeinschaftzur Erhaltung von „lebensunwertem“ Leben machten. (Vgl. Kohl 1997, S. 286)3.3.7 Fortführung der „Euthanasie“Obwohl Hitler den Euthanasiestopp verkündete, kam die „Euthanasie“ keines-wegs zum Erliegen. Sowohl die „Kindereuthanasie“ als auch die Vergasung vonkörperlichen bzw. geistigen Erwachsenen wurden weiterhin durchgeführt. Alseinzige Euthanasietötungsanstalt blieb Hartheim bis Dezember 1944 weiter inBetrieb. Dort wurden nun unter anderem auch geisteskranke Ostarbeiter/-innenvergast, die keine Leistung mehr erbringen konnten. (Vgl. Malina & Neugebauer2001, S. 711)Vermutet wird außerdem, dass Insassen von Heil- und Pflegeanstalten zu For-schungszwecken nach dem August 1941 vergast wurden, wenngleich in gerin-gem Umfang. Zudem wurde die „Kindereuthanasie“ durch die Heraufsetzungder Altersgrenze ausgedehnt. Schließlich führten die Ärzte, welche in Zusam-menhang mit dem Euthanasieapparat standen, auch zunehmend Giftmorde inden Heil- und Pflegeanstalten durch. Diese Vorgehensweisen fallen unter denBegriff der „wilden Euthanasie“. (Vgl. Schmuhl 1987, S. 213f)Nach dem offiziellen Stopp durch Hitler hatten die Ärzte nun mehr Eigenverant-wortung in der Beurteilung von „lebensunwertem“ Leben. Unzählige Parteige-nossen/-innen erfasste zu dieser Zeit ein unvorstellbarer Fanatismus, alle jene
    • Bachelorstudium für das Lehramt an Hauptschulen 39 | S e i t ezu vernichten, welche nicht ihrer Vorstellung einer „arischen Herrenrasse“ ent-sprachen. (Vgl. Häupl 2012, S. 16)
    • Bachelorstudium für das Lehramt an Hauptschulen 40 | S e i t e4 Schloss HartheimWenn man die Thematik „Euthanasie“ zurzeit des Nationalsozialismus aufarbei-tet, dann muss meines Erachtens auch unbedingt Hartheim erwähnt werden. Indiesem „Mordschloss“ wurden nämlich zahlreiche Österreicher/-innen vom NS-Regime kaltblütig ermordet. Um diesem Schloss ein Gesicht zu verleihen, be-suchte ich die ehemalige Tötungsanstalt persönlich. Die dort gesammelten Ein-drücke und Bilder gehen mir auch im Nachhinein noch tief unter die Haut undich glaube, dass man all die schrecklichen Ereignisse im und rund um dasSchloss Hartheim erst wirklich realisieren kann, wenn man sich selbst an jenemOrt befindet, wo unschuldige Menschen in den Tod gerissen wurden.4.1 Ermordet im Schloss HartheimZu Beginn möchte ich dafür Sorge tragen, dass wenigstens ein paar der Opfernicht in Vergessenheit geraten. Natürlich gibt es eine Vielzahl an Opfern, wel-che in Oberösterreich ihr Leben lassen mussten. Stellvertretend für die vielenUnschuldigen möchte ich hier einige Lebensgeschichten von Menschen, die inHartheim ermordet worden sind, erzählen.4.1.1 Leopoldine ZanklLeopoldine Zankl hat sechs Kinder. Sie erkrankt an Schizophrenie und somitwird sie für die Nationalsozialisten interessant. Schließlich wird Zankl am 20.März 1941 im Alter von 49 Jahren von der Heil- und Pflegeanstalt Hall nachHartheim transportiert und dort ins Gas getrieben. Ihr Enkel Karl Nemec, derdieses Geheimnis erst sehr spät in Erfahrung bringen konnte, fand heraus, dassdie Nationalsozialisten erklärt hatten, dass Leopoldine Zankl zu teuer wäre,dass sie mehr als fünf Reichsmark kostete und zudem nichts produzierte. (Vgl.Schreiber 2008, S. 219)4.1.2 Johanna BauerIm Alter von drei Jahren erkrankt Johanna an Windpocken und Keuchhusten.Seitdem leidet das Kind an krampfartigen Bewegungsstörungen der Hände undArme. Außerdem beobachten die Eltern, dass das Kind auch schlecht hört.Schließlich bringen die Eltern höchstpersönlich ihre Tochter in die Anstalt. Wäh-
    • Bachelorstudium für das Lehramt an Hauptschulen 41 | S e i t erend der Aufnahmeuntersuchung wirft sich das Mädchen aus Angst auf denBoden, es versucht sich die Kleidung auszuziehen, um davonlaufen zu können.In der Folge wird das Kind isoliert und sogar während der Essenszeit an derBank festgebunden. Aus der Familienanamnese geht hervor, dass die Elterngesund sind. Nur der Onkel hat Selbstmord begangen und deshalb wird Johan-na als „erblich belastet“ eingestuft und somit als „aussichtslos pflegebedürftig“abgestempelt. Am 20.5.1941 besiegelt der Anstaltsleiter mit seiner Unterschrift,dass Johanna in eine der Direktion nicht genannte Anstalt überstellt wird. DerName der inzwischen 14-jährigen Johanna steht auf der Transportliste nachHartheim. (Vgl. Häupl 2012, S. 42)4.1.3 Hubert RainerHubert ist das uneheliche Kind einer Köchin. Seit seiner frühesten Kindheit istder Bub oft krank. Dadurch ist er in seiner gesamten Entwicklung sehr beein-trächtigt. Hubert wächst zudem noch bei einer Ziehmutter auf. Der Bezirksfür-sorgeverband veranlasst schließlich 1939 seine Unterbringung in dem St. Jo-sef-Institut in Mils in Tirol. Hubert ist gerade einmal acht Jahre alt, als erschließlich am 10. 12. 1940 nach Hartheim transportiert wird. (Vgl. Häupl 2012,S. 173)4.2 Tötungsanstalt HartheimBereits im Jahre 1938 kamen die hohen Herren des NS-Regimes nach Hart-heim, um das Renaissanceschloss zu begutachten und sich ein Bild über des-sen Zustand zu machen. Dabei wurde alles ausgemessen und es werden Skiz-zen und lange Inventarlisten angelegt. Dann begann der Umbau zur Tötungs-anstalt. Die „Idiotenanstalt“ Hartheim, welche zuvor in diesem Schloss unterge-bracht war, wurde schließlich im Sommer 1938 geschlossen, damit die Umbau-arbeiten ohne Probleme vonstattengehen konnten. Die Pfleglinge, welche sichzuvor in Hartheim befanden, mussten in anderen Anstalten wie zum Beispiel inNiederhart in Linz untergebracht werden. (Vgl. Kohl 1997, S. 31f)Die Menschen, die unmittelbar neben dem Schloss wohnten, bekamen vomUmbau kaum etwas mit, da man von außen sehr wenig sah. An der Westseiteentstand ein Vorbau aus Holz, im Norden und Süden blieben große Öffnungen
    • Bachelorstudium für das Lehramt an Hauptschulen 42 | S e i t eausgespart, in die dann große Scheunentorflügel eingehängt wurden. Vor derHauptzufahrt von der Dorfstraße zum Schlossgelände wurde zum Beispiel eingroßes hölzernes Tor befestigt. Über diesem Tor glänzte in großen Buchstabendas Wort „Erholungsheim“, obwohl Schloss Hartheim in Wahrheit für vieleMenschen der Tod bedeutete und man dort alles andere als Erholung findenkonnte. (Vgl. Kohl 1997, S. 59f)Im Inneren des Schlosses wurde vor allem im Erdgeschoss fast alles umgestal-tet. So entstand beispielsweise ein großer Ofen, der später dazu dienen sollte,die Menschenleichen zu verbrennen. Im Laufe der Zeit wurde auch ein großerKamin gemauert, der bis zum Dach reichte. Die Räume in den oberen Stock-werken, wo früher die Pfleglinge untergebracht waren, wurden zu Büros undZimmer für das künftige Personal umfunktioniert. Zusätzlich entstand noch einFestsaal und es wurde sogar eine kleine Bar eingerichtet. (Vgl. Kohl 1997, S.60)Das eisige Herz der zukünftigen Vernichtungsanstalt bildete aber die Gaskam-mer. Im Anschluss an den Tötungsraum entstand ein kleiner Zwischenraum, indem die Gasfalschen untergebracht wurden. Eine Stahltür mit Guckloch trenntediesen Raum von der Gaskammer. In der ersten Umbauphase wurde aus dem6,60 Meter mal 4,20 Meter großen und drei Meter hohen Raum lediglich dasInventar entfernt. Zudem wurden Rohre befestigt, die Wasserleitungen vortäu-schen sollten. Schlussendlich wurden in der Gaskammer auch noch drei Brau-seköpfe angebracht, sodass die Pfleglinge im ersten Augenblick wirklich dach-ten, dass sie gewaschen werden sollten. An den Wänden wurden Holzbänkeaufgestellt, welche die Rohre mit den zahlreichen Löchern etwas verdeckten,aus denen das Gas austreten würde. In der zweiten Umbauphase wurde derHolzboden der Gaskammer durch Beton und dann durch rote Fliesen ersetzt.Auch die Seitenwände verflieste man bis in die Höhe von 1,70 Metern mit rotenFliesen. Eine weitere Stahltür mit Guckloch führte in den nächsten Raum. Dieswar der Aufnahmeraum. Hier wurden die Opfer den Ärzten, Pflegern/-innen undSchreibkräften gegenübergestellt und genau in diesem Raum ließen sich dieÄrzte Lonauer oder Renno innerhalb von Sekunden Todesursachen einfallen,während die Menschen noch lebend vor ihnen standen. Bevor diese Menschen
    • Bachelorstudium für das Lehramt an Hauptschulen 43 | S e i t ejedoch in der Gaskammer qualvoll erstickten, wurden sie noch im Profil und inder Ganzansicht fotografiert. (Vgl. Kohl 1997, S. 60f)Dieser ganze Umbau war nötig, damit das Gebäude die Aufgaben einer Tö-tungsanstalt erfüllen konnte. Es wird vermutet, dass in Hartheim bereits am 6.Juni 1940 die ersten Menschen getötet wurden, denn an jenem Tag wurdenviele Patienten/-innen des Psychiatrischen Krankenhauses Linz-Niedernhartangeblich in die „Heil- und Pflegeanstalt Brandenburg“ transportiert. Da man dieTötungen geheim halten wollte, war es vor allem zu Beginn üblich, dass vorge-schobene Bestimmungsorte aufschienen. (Vgl. Hinterhuber 1995, S. 31)4.2.1 Personal der Tötungsanstalt HartheimDr. Rudolf Lonauer war der ärztliche Leiter der Tötungsanstalt Hartheim. (Vgl.Kohl 1997, S.84) Sein Stellvertreter hieß Dr. Georg Renno. Büroleiter bzw. Ge-schäftsführer war Christian Wirth. (Vgl. Hinterhuber 1995, S. 31)In das Aufgabengebiet der beiden Ärzte Lonauer und Renno fielen unter ande-rem die Begutachtung der Opfer und die Bestimmung einer möglichst plausib-len Todesursache. Sie waren aber auch für die Tötung an sich zuständig, dadas als Tötungsmittel verwendete Kohlenmonoxid von einem Arzt in die Gas-kammer eingeleitet werden musste. Christian Wirth war für das Sonderstandes-amt, das den Tod der Opfer zu beurkunden hatte, den Versand der Urnen so-wie für den Schriftverkehr mit den Abgabeanstalten und den Angehörigen derGetöteten verantwortlich. Darüber hinaus organisierte er alle Maßnahmen zursystematischen Verschleierung, für die er ein System des regelmäßigen Daten-austausches zwischen den einzelnen Tötungsanstalten entwickelt hatte. (Vgl.Laube sozialpsychiatrische Aktivität GmbH 2007, S. 76f)Neben den leitenden Persönlichkeiten der Tötungsanstalt arbeiteten noch zahl-reiche andere Menschen im Schloss. So zum Beispiel Nohel, Merta und Bolen-der. Diese Männer und noch einige weitere wurden dazu bestimmt, als Brennerim Schloss zu arbeiten. So hießen die Heizer des Krematoriums. Doch dieKranken mussten auch nach Hartheim transportiert werden. Diese Aufgabeübernahmen Hödl, Mayrhuber, Lothaller und Gezinger: Sie lenkten die ganznormalen Omnibusse der Reichspost, welche dafür vorgesehen waren. Doch
    • Bachelorstudium für das Lehramt an Hauptschulen 44 | S e i t enicht nur Männer waren im Schloss Hartheim tätig, sondern auch Frauen. Sozum Beispiel Hintersteiner. Besonders interessant ist bei dieser Frau, dass siebereits fünf Wochen nach Dienstbeginn in Hartheim zur leitenden Kanzleiange-stellten und Sekretärin des Chefs Rudolf Lonauer aufstieg. Zu erwähnen istauch, dass Hintersteiner am längsten von allen im Schloss beschäftigt war.(Vgl. Kohl 1997, S. 92ff)Die Zahlenangaben zum Gesamtpersonal schwanken zwischen 50 und 80 Per-sonen, welche in Hartheim beschäftigt waren. Die meisten der Hartheimer Be-legschaft kamen aus dem Altreich. Biografien sind von sehr wenigen erhalten.Von einigen Beschäftigten, die in Hartheim und Niedernhart angestellt waren,kennt man bloß den Namen: Wagner, Harrer, Steubl usw. Ebenfalls nur derFamilienname ist von einem gewissen Bruckner bekannt, der die Todgeweihtenkurz vor der Vergasung fotografiert hat. Eine große Gruppe von Menschen,welche in die Vernichtungsaktion eingeweiht waren, bleibt jedoch anonym undnamenlos. So kennt man zum Beispiel die Namen vieler Bürokräfte, vieler Pfle-ger/-innen, welche den Transport begleiteten, Personen des Küchenpersonalsusw. bis heute nicht. (Vgl. Kohl 1997, S. 118ff)4.2.2 Tötungsprozesse im Schloss HartheimHartheim war die dritte Tötungsanstalt der NS-Euthanasieaktion „T4“, welche imDritten Reich in Betrieb genommen wurde. Behinderte und psychisch krankeBewohner/-innen von oberösterreichischen Pflege- und Behinderteneinrichtun-gen waren die ersten Opfer, die ab Mai 1940 zur Ermordung nach Hartheimgebracht worden waren. Die Transporte aus den größeren Anstalten kamenzumeist mit der Eisenbahn direkt nach Linz. Vor Ort am Hauptbahnhof in Linzwurden die Opfer durch den Leiter der Tötungsanstalt Hartheim, Dr. Rudolf Lo-nauer, oder durch dessen Stellvertreter, Dr. Georg Renno, selektiert. Es wurdeschließlich zwischen zwei Gruppen unterschieden: nämlich zwischen jenenMenschen, die sofort in Hartheim getötet werden sollten, und den übrigen Per-sonen, welche vorübergehend in die „Gau-Heil- und Pflegeanstalt Niedernhart“nach Linz gebracht wurden. In Niedernhart blieben die Opfer jedoch zumeistnur wenige Tage, dies richtete sich nach der Kapazität der TötungseinrichtungHartheim. (Vgl. Schwanninger & Wegscheider 2012, S. 25f)
    • Bachelorstudium für das Lehramt an Hauptschulen 45 | S e i t eUm die Opfer aus Linz in das ca. 18 km entfernte Schloss Hartheim zu bringen,wurden Busse und Fahrer eingesetzt, welche von der Reichspost stammten.Parallel zu den großen Eisenbahntransporten gab es aber auch Bustransporte,die längere Distanzen zurücklegten. Für diese Transporte standen in Hartheimständig drei Busse zur Verfügung, deren Fenster nach einiger Zeit undurchsich-tig gemacht wurden. (Vgl. Schwanninger & Wegscheider 2012, S. 26)Abbildung 3: Bus mit Chauffeur von Hartheim (Schwanninger & Wegscheider 2012, S. 27)Zu Beginn waren die Busse noch durch das Tor des Wirtschaftstraktes bis vorden Haupteingang des Schlosses gefahren, da jedoch nach geraumer Zeit grö-ßere Mercedesbusse verwendet worden waren, die nicht mehr durch die Tor-einfahrt passten, wurde an der Westseite des Schlosses ein Holzschuppen ge-baut. Dieser diente in erster Linie der Abschirmung von der Umgebung, aberauch der Verhinderung von Fluchtversuchen der herangebrachten Personen.(Vgl. Schwanninger & Wegscheider 2012, S. 27)Nach dem Eintreffen der Opfer in die Tötungsanstalt führte das Begleitpersonaldie Menschen sogleich in den Aufenthaltsraum, der gleichzeitig auch als Aus-kleidungsraum diente. Dort mussten sich die Kranken unter dem Vorwand, dassman sie ärztlich untersuchen wolle, ausziehen. (Vgl. Greve 1998, S. 48)
    • Bachelorstudium für das Lehramt an Hauptschulen 46 | S e i t eDie Pfleger/-innen halfen den Opfern dabei und währenddessen erzählten sieihnen, dass sie nun in ein Säuberungsbad kommen würden. Aufgrund dieserSchilderungen waren die Kranken völlig arglos. Nach dem Entkleiden wurdendie Menschen dem Arzt einzeln oder zu zweit vorgeführt. Dieser nahm zuerstEinsicht in die vorliegenden Krankenakten, während eine Pflegeperson denVorgeführten mit einer laufenden Nummer stempelte. Zudem wurden jene Per-sonen mit einem Kreuz auf dem Rücken gekennzeichnet, welche Goldzähne imMund hatten. Nach der Scheinuntersuchung wurden die Personen in einen ne-benan befindlichen Raum geführt und dort fotografiert. Sehr selten kam es auchvor, dass Menschen während des Verfahrens zurückgestellt und wieder in dieAnstalt überführt wurden. (Vgl. Schwanninger & Wegscheider 2012, S. 28)Um den Kranken den Eindruck des Gewohnten und das Gefühl der Betreutheitzu vermitteln, hatte das Betreuungspersonal den Auftrag erhalten, zur Täu-schung der Opfer weiße Kittel oder weiße Arbeitsbekleidung zu tragen. Darüberhinaus sollten geh- und bewegungsunfähige Opfer unterstützt werden, wenn siedurch den Untersuchungsraum in die Gaskammer gelangen mussten. Wennunruhige Patienten/-innen transportiert und anschließend vergast wurden, soerhielten sie bereits während der Fahrt oder schon in den Stammanstalten Be-ruhigungsspritzen, damit sie nicht in Todesangst gerieten. Manchmal hattenämlich Panik unter den Opfern bereits zu erheblichen Störungen während desUntersuchungsprozesses und des Vergasungsablaufes geführt. (Vgl. Greve1998, S. 48f)Nachdem die Opfer schließlich „untersucht“ und fotografiert worden waren,brachte man sie in die 25 m² große Gaskammer. In der Regel befanden sich 30bis 35 Personen gleichzeitig in der Gaskammer, aber kam es auch vor, dass beigrößeren Transporten mehr Menschen in die Gaskammer gepfercht wurden.Wenn sich alle Kranken in dem kleinen Raum befanden, wurde die Stahltür ge-schlossen und der jeweilige Arzt leitete Kohlenmonoxyd in die Gaskammer ein.Die Zeitspanne bis zum Eintreten des Todes dauerte laut Zeugenaussagenzehn bis fünfzehn Minuten. (Vgl. Schwanninger & Wegscheider 2012, S. 28f)Ob wirklich alle Opfer an den Folgen des Gases gestorben waren, stellte derArzt im Einzelfall aber nicht fest. (Vgl. Greve 1998, S. 51)
    • Bachelorstudium für das Lehramt an Hauptschulen 47 | S e i t eNachdem die Entlüftung der Gaskammer durchgeführt worden war, hatten nundie Heizer – oder auch Brenner genannt – die Aufgabe, die Leichen aus derGaskammer in den Totenraum zu bringen. Dieser lag zwischen dem kleinenRaum mit den Gasflaschen und dem Krematoriumsraum. Für die Heizer oderBrenner war das Wegbringen der Leichen aus der Gaskammer in den Toten-raum eine sehr schwere Arbeit, denn es war nicht leicht, die ineinander ver-krampften Leichen auseinanderzubringen und anschließend in den Totenraumzu schleifen. Diese Arbeit wurde zu Beginn auch insofern erschwert, als derBoden holprig und noch nicht mit Fliesen ausgekleidet war. Später, als es einenFliesenboden gab, wurde Wasser ausgeschüttet und dadurch die Beförderungder leblosen Körper etwas erleichtert. Im Totenraum angekommen, wurden dieLeichen aufgeschichtet. (Vgl. Schwanninger & Wegscheider 2012, S. 29)Wenn alle Körper aus der Gaskammer entfernt worden waren, gingen die Pfle-ger/-innen hinein, um Boden und Wandfliesen von Stuhl und Erbrochenem zureinigen. Die Brenner drehten währenddessen die Leichen herum, bevor sie siean der Wand aufstapelten. Sie suchten nach dem kreuzförmigen Kennzeichen,welches besagte, dass das Opfer Goldzähne besaß. Einer der Brenner hieltOber- und Unterkiefer der Leiche auseinander, damit der andere mit einer Zan-ge die goldenen Zähne aus dem Mund reißen konnte. Die Goldklumpen wurdenanschließend in ein großes Gurkenglas geworfen, welches eine Mischung ausWasser und Desinfektionsmittel enthielt. (Vgl. Kohl 1997, S. 138)Manche Leichen jedoch wurden vor der Verbrennung seziert. EntnommeneGehirne wurden haltbar gemacht und zum Zwecke der Forschung missbraucht.(Vgl. Schwanninger & Wegscheider 2012, S. 30). Die restlichen Leichen wurdenstundenlang verbrannt. Dazu hatten die zwei diensthabenden Brenner bereitsStunden vorher mehrere Truhen voll Koks aus der Arkade bereitgestellt undden großen Ofen eingeheizt. Die Brenner fuhren eine Art metallene Liege aufLaufrädern, die sogenannte Pfanne, aus dem Ofen heraus und legten die zuverbrennenden Leichen darauf. Nachher wurden die Pfannen in das Krematori-um geschoben und die Ermordeten verbrannt. Abhängig vom Haufen lebloserLeiber im Totenraum konnten bis zu acht Körper auf einmal verbrannt werden.(Vgl. Kohl 1997, S. 138f)
    • Bachelorstudium für das Lehramt an Hauptschulen 48 | S e i t eWenn an manchen Tagen 100 bis 120 Menschen ankamen, konnte es manch-mal sogar zwei bis drei Tage dauern, bis alle Leichen verbrannt waren. Da dieKörper bei der Verbrennung nicht vollständig zu Asche zerfielen und manchmalKnochen übrig blieben, wurde eine elektrische Knochenmühle eingesetzt. EinTeil der Asche wurde in den Urnen an die Angehörigen versandt, wobei dieseUrnen wahllos befüllt wurden. Die übrig gebliebene Asche gab man in Säcke,um diese später in der Donau zu entsorgen. (Vgl. Schwanninger & Wegschei-der 2012, S. 30)4.2.3 Verständigung der AngehörigenDie Akten über die vergasten Menschen wurden zum Teil in Hartheim behan-delt. Damit befassten sich die sogenannte Trostbriefabteilung und das Sonder-standesamt. Ein paar Schreibkräfte schrieben zwei, drei Tage nach derVerbrennung Trostbriefe, die alle nach demselben Schema gehalten waren,aber trotzdem einzeln geschrieben wurden, um diesen schematischen Charak-ter zu verschleiern. Aus den Meldebögen wurden die vom Arzt ausgedachtenTodesursachen übernommen und zum Schluss wurden die Briefe von Rennooder Lonauer unterschrieben. Für diese Unterschrift benutzten die Ärzte jedochfalsche Namen. So hat Renno vermutlich mit Dr. Steinert unterschrieben. (Vgl.Kohl 1997, S. 140)Um eine Häufung von Todesfällen in bestimmten Gebieten zu vermeiden, wur-de eine Absteckabteilung in jeder Anstalt eingerichtet, welche die Verschickungder Todesbenachrichtigungen koordinierte, indem die Todesdaten der Opfermanipuliert oder Krankenakten mit anderen Anstalten ausgetauscht wurden.Anschließend wurden die Personalakten und Totenscheine der Opfer an dasjeweilige Sonderstandesamt weitergeleitet. Dort trug man die Toten ins Sterbe-register ein und erstellte in der Regel drei Sterbeurkunden. Ein Exemplar davonwurde zu den Akten gelegt und die anderen zwei versandte man an das Stan-desamt des Geburtsortes des Verstorbenen sowie an die Angehörigen. MancheFamilienmitglieder beantragten die Überführung der sterblichen Überreste. Dieswurde durchaus bewilligt und somit stellte man der entsprechenden Friedhofs-verwaltung kostenlos eine Urne mit der vermeintlichen Asche des/der Ermorde-ten zu. (Vgl. Greve 1998, S. 52)
    • Bachelorstudium für das Lehramt an Hauptschulen 49 | S e i t eDie Angehörigen schrieben teilweise verzweifelte Briefe an die Stammanstalten,nachdem sie die Trostbriefe erhalten hatten, da sie der Tod ihrer/ihres Ver-wandten meist völlig unerwartet traf. Ein solcher Brief ist hier abgebildet. (Vgl.Neuhauser & Pfaffenwimmer 1992, S. 1)Abbildung 4: Brief einer Mutter eines Ermordeten (Neuhauser & Pfaffenwimmer 1992, S. 37)4.2.4 Schloss Hartheim nach 1945In der Nachkriegszeit erinnerten nur private Gedenktafeln im Arkadenhof an dieEuthanasie- und Häftlingsmorde im Schloss. Erstmals wurde 1969 in jenenRäumen, die in der Tötungsanstalt als Aufnahmeraum und Gaskammer gedienthatten, eine Gedenkstätte vom oberösterreichischen Landeswohltätigkeitsver-ein eingerichtet. 1997 beschloss man die Sanierung des Schlosses mit einer
    • Bachelorstudium für das Lehramt an Hauptschulen 50 | S e i t eNeukonzeption und zeitgemäßen Gestaltung der Gedenkstätte zu verbinden.Es wurde nun erstmals möglich, alle Räume, in denen der Tötungsablauf voll-zogen worden war, in die Gedenkstätte einzubeziehen. (Vgl. Verein SchlossHartheim 2012, o. S.)Abbildung 5: Schloss Hartheim im Jahre 2012 (Eigenaufnahme)Die baulichen Spuren der Euthanasie wurden freigelegt. Zudem wurde mit ei-nem Schnitt durch die Tötungsräume, der die Anordnung der mechanisiertenTötungsstrecke sichtbar macht, ein radikaler Eingriff in die Raumstruktur vorge-nommen. Durch den Schnitt führt ein Steg, der den Weg vorgibt. Die Tötungs-räume können dabei durchschritten, aber nicht betreten werden. Damit istdurchaus eine Distanz zu den historischen Räumen gegeben. Außerhalb desGebäudes bilden der Ort der ehemaligen Busgarage und jener Teil des Gar-tens, in dem menschliche Überreste aus dem Krematorium verscharrt wordenwaren, integrierende Bestandteile der Gedenkstätte. In den ehemaligen Funkti-onsräumen werden umfassende historische Informationen zur NS-Euthanasieund zur Rolle von Schloss Hartheim in diesem System geboten. (Vgl. VereinSchloss Hartheim 2012, o. S.)
    • Bachelorstudium für das Lehramt an Hauptschulen 51 | S e i t e4.3 Aktuelle Ausstellung „Wert des Lebens“Derzeit findet im Schloss Hartheim die Ausstellung mit dem Namen „Wert desLebens“ statt. Im Mittelpunkt stehen dabei die Haltung und der Umgang derGesellschaft mit Menschen mit Behinderung. Der zu betrachtende Zeitraumerstreckt sich in der Ausstellung vom Zeitalter der Industrialisierung bis zur Ge-genwart. Der Bogen spannt sich von der Sortierung der Menschen in ökono-misch „Brauchbare" und „Unbrauchbare" am Beginn der Industriegesellschaftbis zur aktuellen Forderung nach gesellschaftlicher Gleichstellung von Men-schen mit besonderen Bedürfnissen. Die Ermordung von behinderten Men-schen als „unwertes Leben“ zurzeit des Nationalsozialismus bildet dabei denBrennpunkt in dieser Ausstellung. (Vgl. Verein Schloss Hartheim 2013, o. S.)Ich selber habe mir die Ausstellung angesehen und diese Form der Darstellunghat mich wirklich berührt. Sie regt auf jeden Fall an, über das Leben nachzu-denken, und ich bin der Meinung, dass man Menschen mit besonderen Bedürf-nissen ganz anders begegnet, wenn man die Ausstellung besucht hat. Beson-ders emotional betroffen gestimmt, haben mich bei dieser Schau die überdi-mensional großen Bilder, die Menschen mit Behinderung zeigen. Diese Bilderverschönern die Wände des Schlosses im Obergeschoss und ich finde es wirk-lich passend, die Mauern mit solchen Schmuckstücken zu dekorieren.Abbildung 6: Ausschnitt der Ausstellung „Wert des Lebens“ (Eigenaufnahme)
    • Bachelorstudium für das Lehramt an Hauptschulen 52 | S e i t eAbbildung 7: Bild der Ausstellung „Wert des Lebens“ (Eigenaufnahme)
    • Bachelorstudium für das Lehramt an Hauptschulen 53 | S e i t eB) Praktischer Teil5 Projektorientierte Unterrichtsstunde mit der Thema-tik: Menschen mit besonderen Bedürfnissen zurzeitdes NationalsozialismusZuerst erscheint es mir notwendig, den Begriff Projektunterricht zu definieren.„Projektunterricht versteht sich als besondere Unterrichtsform, in der sich Leh-rer und Schüler einem gemeinsam formulierten Thema/Problem zuwenden, zuder Bearbeitung einen Plan entwickeln, sich arbeitsteilig mit der Lösung be-schäftigen und die Lösungsversuche anderen vermitteln bzw. in einem gemein-samen Produkt präsentieren. Im Projektunterricht besorgen sich die Schüler dienotwendigen Arbeitsmittel und Informationen zur Lösung des Problems soweitwie möglich selbst; dabei arbeiten sie arbeitsteilig, handlungs- und produktbe-zogen in kleinen Gruppen über einen längeren Zeitraum. Im Projektunterrichtübernehmen die Schüler gemeinsam mit dem Lehrer für den gesamten [Ar-beitsprozeß] die Rolle der Unterrichtsplaner. Dieser Rollenwechsel steht in en-ger Verbindung mit dem demokratischen Anspruch des Projektunterrichts undwird deshalb als Herzstück des Projektunterrichts bezeichnet. Projektunterrichtist dabei sowohl am Lehrplan als auch an den Fragen und Interessen der Betei-ligten orientiert.“ (Bastian 1993, S. 8)Um zu erfahren, wie Schüler/-innen mit der Thematik Menschen mit besonde-ren Bedürfnissen zurzeit des Nationalsozialismus umgehen, habe ich mich ent-schlossen eine projektorientierte Unterrichtsstunde mit Kinder der 8. Schulstufedurchzuführen.Dazu wählte ich die Praxishauptschule/Neue Mittelschule in Innsbruck aus. Mirwar bereits im Vorhinein klar, dass das Thema eigentlich nur für vierte Klassenzugänglich ist, da diese Altersgruppe doch schon etwas reifer ist als zum Bei-spiel die Schüler/-innen der zweiten Klassen Hauptschule/Neue Mittelschule.Betrachtet man den Lehrplan, so ist auch ersichtlich, dass Themen wie „Entste-hung und Bedingungen diktatorischer Systeme, Methoden totalitärer Herrschaft:Faschismus, Nationalsozialismus, Kommunismus; Bezüge zu modernen For-
    • Bachelorstudium für das Lehramt an Hauptschulen 54 | S e i t emen des politischen Extremismus. Der Nationalsozialismus als Beispiel einestotalitären Systems – Ideologie, Propaganda, Mobilisierung der Jugend, Verfol-gung, organisierter Massenmord, Widerstand“ (Bundesministerium für Unter-richt, Kunst und Kultur 2008, S. 4) eindeutig in der 4. Klasse anzusiedeln sind.Deshalb entschloss ich mich auch eine Unterrichtsstunde der 4a Klasse heran-zuziehen, um den Kindern im Rahmen eines projektorientierten Unterrichts zuzeigen, was viele Menschen mit Behinderung zurzeit des Nationalsozialismuserleben mussten.5.1 Vorbereitung der projektorientierten Unterrichtsstun-deAm Anfang meiner Planung überlegte ich mir, welche Methode der Thematikam ehesten gerecht werden konnte. Klar war mir dabei, dass sich die Kinderwährend der Stunde zu einem Großteil selbstständig mit der Thematik ausei-nandersetzen dürfen. In meinen Augen eignet sich ein Stationenbetrieb am bes-ten dafür. Bei dieser Methode haben die Schüler/-innen wirklich die Chance, jenach Interesse und Vermögen tiefer in die Thematik einzusteigen oder sich nuroberflächlich darauf einzulassen. Immerhin handelt es sich hier um ein Thema,das für sensible Gemüter nicht so ohne weiteres zu bewältigen ist.Der Beginn der Unterrichtsstunde soll dazu dienen, dass die Kinder dazu moti-viert werden, während des Stationenbetriebes möglichst intensiv und aufmerk-sam die einzelnen Inhalte zu erarbeiten und aufzunehmen. Daher überlegte ichmir einen passenden Stundeneinstieg. Ich kam zum Entschluss, dass dieseerste Phase ohne viele Worte vonstattengehen sollte und dass sich hier vorallem Bilder eigneten, denn Bilder sagen bekanntlich mehr als tausend Worte.So entschloss ich mich, die Methode des Stummen Impulses zu praktizieren.Ich wählte einige Bilder von Erwachsenen, Kindern sowie Jugendlichen mit be-sonderen Bedürfnissen aus und gestaltete daraus eine Powerpoint. Die ersteund die letzte Folie dieser Powerpoint waren mit folgendem Satz beschriftet:Menschen wie du und ich.Am Ende der Präsentation führte ich die Kinder schließlich auf das Thema derUnterrichtsstunde hin und erklärte, wie der Stationenbetrieb ablaufen sollte.
    • Bachelorstudium für das Lehramt an Hauptschulen 55 | S e i t eDabei konnten die Schüler/-innen selbstständig oder auch in Kleingruppen zudritt oder viert an einer Station arbeiten. Insgesamt hatte ich sechs Stationenvorbereitet, die alle unterschiedliche Aspekte ansprachen. Für die Bearbeitungjeder Station plante ich ca. sieben Minuten ein. Bei der Zusammenstellung derStationen achtete ich vor allem darauf, dass sie abwechslungsreich gestaltetund unterschiedliche Aufgaben zu erledigen waren. Dazu baute ich auch eineStation ein, welche darin bestand, sich einen Filmausschnitt anzusehen. Beidieser Station war ich persönlich immer anwesend und hier bot sich auch dieGelegenheit, mit den Kindern über „Euthanasie“ im Nationalsozialismus zusprechen.Den Abschluss der Unterrichtsstunde wollte ich so gestalten, dass die Kinderein leeres Blatt Papier erhalten sollten und nun alle Eindrücke, Gefühle, Fragen,usw. aufschreiben konnten.5.2 Eindrücke aus der projektorientierten Unterrichtsein-heitAn der projektorientierten Unterrichtseinheit nahmen 16 Schüler/-innen der Pra-xishauptschule/Neuen Mittelschule teil. Dafür wurde die dritte Unterrichtsstundeam 11. Dezember 2012 herangezogen. Da ich nur 50 Minuten Zeit hatte, mitden Kindern zu arbeiten, war mir bereits während meiner Planung bewusst ge-worden, dass ich zu Beginn der Einheit nicht den Lernstand der Schüler/-innenerheben konnte, um dann anschließend auf diesem Vorwissen meine Unter-richtseinheit aufzubauen.Die erste Überraschung, welche sich mir in dieser Einheit offenbarte, bestanddarin, dass die Schüler/-innen stillschweigend die Bilder betrachteten, welche inder Powerpoint angeführt waren. Niemand lachte, als die durchaus lustigen Bil-der an die Wand projiziert wurden, und kaum ein/-e Schüler/-in erachtete es alsnotwendig, während dieser Zeit mit dem/der Nachbarn/-in ein Wort zu wech-seln.Der Übergang zum anschließend geplanten Stationenbetrieb war allerdings et-was chaotisch, da die Schüler/-innen einige Zeit benötigten, um sich wieder zusammeln und sich auf die bevorstehenden Aufgaben zu konzentrieren. Als sich
    • Bachelorstudium für das Lehramt an Hauptschulen 56 | S e i t edie Kinder an die Arbeit machten, verließ ich mit zwei Schülern/-innen das Klas-senzimmer, da ich nicht wollte, dass diejenigen, die mit den anderen Aufträgenbeschäftigt waren, durch den Filmausschnitt – die fünfte Station – gestört wür-den. Ich übernahm also die Betreuung der Kinder, die sich außerhalb des Klas-senzimmers mit der fünften Station auseinandersetzten, während Frau Mag.Michaela Obholzer die restlichen Schüler/-innen beaufsichtigte.Jedes einzelne Kind betrachtete die Hauptdarstellerin des Filmausschnittes,welche von der Zeit des Nationalsozialismus erzählte, genau und einigen fielsogar auf, dass diese Frau einen Verband an der Hand trug, obwohl die Handnur einige Augenblicke zu sehen war. Dies zeugt davon, dass die Kinder wirk-lich die Details betrachteten und aufmerksam das Geschehen aufnahmen.Doch auch andere Aussagen, wie „zach“ oder „Der Film ist total arg, dass es sowas gibt, dann hätten ja damals die Integrationskinder in der 4a Klasse auchwegkommen müssen“, verdeutlichen, dass es den Schülern/-innen offensicht-lich naheging, wie die Menschen mit Behinderung im Nationalsozialismus be-handelt worden waren.Auch bei den restlichen fünf Stationen konnte man beobachten, dass die Kinderzum Großteil durchaus bei der Sache waren. Auffällig dabei war, dass dieSchüler/-innen sich vor allem bei der vierten Station – beim Lesen der Quelle –schwertaten und diese selten wirklich richtig verstanden. Auch die zweite Stati-on war für die Kinder etwas schwierig zu bewältigen, da sie die Schrift auf denBildern nur sehr schwer bis gar nicht entziffern konnten. Doch mithilfe von FrauMag. Michaela Obholzer, die den Text vorlas, gelang es schließlich doch, dieAufgaben der Station zu erfüllen.Da wir relativ viel Zeit für die einzelnen Stationen benötigten, musste der ge-plante Schluss dieser Unterrichtseinheit leider entfallen, was ich sehr schadefinde.5.3 Ergebnisse des projektorientierten UnterrichtsNach der Unterrichtseinheit sammelte ich die einzelnen Arbeitsblätter der Schü-ler/-innen ab. Genau diese Blätter möchte ich nun etwas analysieren.
    • Bachelorstudium für das Lehramt an Hauptschulen 57 | S e i t eAuf dem Arbeitsblatt der ersten Station wurde der Begriff „Euthanasie“ etwasgenauer unter die Lupe genommen. Dabei beantworteten 13 Schüler/-innen dieerste Frage des Blattes „Wofür steht das Wort ‘Euthanasie‘ zurzeit des Natio-nalsozialismus?“ mit dem Schlagwort Sterbehilfe. Die restlichen 3 Schüler/-innen führten „leichter oder schöner Tod“ an.Interessant ist jedoch die zweite Frage des Blattes: „Was bedeutete das Wort‘Euthanasie‘ zurzeit des Nationalsozialismus?“ 3 Schülerinnen beantwortetendie Frage mit: „leichter oder schöner Tod“. 6 Schüler/-innen hingegen schriebenentweder „Tötung“ oder „töten“. Und die restlichen 7 Schüler/-innen führten dasWort „Ermordung“ in verschiedenen Variationen an. Einige davon lauten: „Er-mordung von Behinderten“, „Behindertenermordung“, „Ermordung von geistigund körperlich Behinderten“. Aus diesen Antworten ist zu schließen, dass 13Schüler/-innen erkannt haben, zu welchem Zweck das Wort „Euthanasie“ vonden Nationalsozialisten missbraucht worden war.Die dritte Frage des Arbeitsblattes der Station 1 „Welche Menschen wurden vonden Nationalsozialisten getötet?“ wurde von den Schülern/-innen der 4a Praxis-hauptschule/Neue Mittelschule wie folgt beantwortet: 1 Schüler/-in, des-sen/deren Geschlecht nicht feststellbar ist, da der Name fehlt, schrieb „Kinder-euthanasie“. 3 Schüler/-innen notierten „schwer erziehbare“ bzw. „schwer er-ziehbare Kinder“ und „behinderte Kinder“. Die restlichen 12 Schüler/-innen derKlasse vermerkten das Wort „Behinderte“ oder „Kinder und Erwachsene mitBehinderung“ oder auch „körperlich und geistig behinderte Menschen“. DieSchüler/-innen waren also durchaus selber in der Lage, herauszufinden, welcheMenschen von den Mitgliedern des Nationalsozialismus getötet wurden. He-rauszuheben ist hierbei meines Erachtens auch, dass sehr oft die „Kindereu-thanasie“ angesprochen wurde. Dies kann daran liegen, dass es den Schülern/-innen besonders schlimm erscheint, dass Kinder ermordet wurden. Es bestehtjedoch auch die Möglichkeit, dass sie sich mit den Kindern eher identifizierenkönnen, da sie bereits selber diese Altersstufe durchlebt haben.Die letzte Frage dieses Arbeitsblattes lautete: „Wo wurden diese Menschen ge-tötet?“ 5 Schüler/-innen beantworteten diese Fragestellung mit „NS-Erziehungsheime“. 4 Schüler/-innen verzeichneten „psychiatrische Anstalten“
    • Bachelorstudium für das Lehramt an Hauptschulen 58 | S e i t ebzw. „Anstalten oder Kliniken“. 7 Schüler/-innen führten „die Heil- und Pflege-stätten“ an. Auch diese Antwort ist wieder ein Indiz dafür, dass Schüler/-innenfähig sind, sich selbstständig mit schwierigen Themen wie eben der „Euthana-sie“ auseinanderzusetzen.Das Arbeitsblatt der zweiten Station beschäftigte sich vor allem mit Menschenmit besonderen Bedürfnissen zurzeit des Nationalsozialismus. Hierbei möchteich vor allem auf die Frage, „Wozu sollte dieses Bild deiner Meinung nach auf-rufen?“, eingehen, denn dazu protokollierten die Schüler/-innen einige interes-sante Aussagen. Eine Schülerin beantwortete die Frage zum Beispiel so: „Dassman den Pflegern nicht immer trauen darf.“ Ich glaube, dass diese Aussage voneiner 14-Jährigen durchaus durchdacht ist, wenn man bedenkt, dass sie nur einBild vor sich hatte. „Damals hat man versucht, den Leuten einzureden, dassbehinderte Leute nur Geld kosten“, diese Formulierung der eigenen Gedankenzum Bild stammt ebenfalls von einem Mädchen der 4a Klasse. Auch sie hat nurdurch die Betrachtung eines Bildes herausgefunden, welche Einstellung vonden Nationalsozialisten geprägt wurde. 7 Schüler/-innen schrieben in die leereZeile, dass die Bilder zur Ermordung von Behinderten bzw. zur Tötung von be-hinderten Menschen aufrufen sollten. Diese Antworten wurden wahrscheinlichdeshalb gegeben, da die 7 Schüler/-innen zuvor bereits andere Stationen erle-digt hatten und das Wissen aus den vorhergehenden Arbeiten mit dieser Fra-gestellung verknüpften, was davon zeugt, dass die Schüler/-innen sich mit derThematik auseinandergesetzt haben. 3 Schülerinnen waren hingegen der Mei-nung, dass das Bild dazu aufruft, sich um Kranke zu kümmern. Diese Aussageentspricht wahrscheinlich der persönlichen Meinung dieser Mädchen.Bei der Rechenaufgabe der Station 2 wurde gefragt, was die Schüler/-innen vonderartigen Aufgaben halten. 9 Schüler/-innen äußerten sich nicht zu dieser Fra-ge bzw. versuchten die Aufgabe mathematisch zu lösen. Die anderen 7 Schü-ler/-innen beschrieben die Rechenaufgabe mit den Worten „gemein“, „es istbösartig“ oder „ich finde es schrecklich“, „sehr böse“, „sehr schlimm (hohe Zah-len)“ oder „ich finde es sehr schlecht, dass diese unschuldigen armen Men-schen sterben müssen, weil sie geizig sind.“ Dass relativ viele Schüler/-innendiese Frage nicht beantworteten, kann mehrere Gründe haben. Es besteht die
    • Bachelorstudium für das Lehramt an Hauptschulen 59 | S e i t eMöglichkeit, dass sie aus Zeitmangel die Aufgabe nicht mehr bewältigen konn-ten. Natürlich kann es auch sein, dass sie aufgrund der Zahlenangaben dieFrage nicht lasen und sofort versuchten die Rechenaufgabe einfach mathema-tisch zu lösen. Vorstellbar ist meines Erachtens auch, dass einige Schüler/-innen diesen Rechenaufgaben einfach nur sprachlos gegenüberstanden unddeshalb nichts notiert hatten.Die dritte Station bezog sich auf die Tötungsanstalt Hartheim in Oberösterreich.Zuerst wurden die Schüler/-innen anhand eines kurzen Informationstextes überdas ehemalige Schloss Hartheim informiert. Anschließend hatten sie die Aufga-be, die beiliegenden vier Bilder in die „richtige“ Reihenfolge zu bringen und jeeinen Satz zu jedem Bild zu schreiben. Selbstverständlich sah die Reihung derBilder bei jedem/-r Schüler/-in unterschiedlich aus, sodass im Nachhinein nichtmehr wirklich festgestellt werden kann, welcher Satz zu welchem Bild aufge-schrieben worden ist. Trotzdem möchte ich einige Sätze der Kinder anführen:„Das schöne Schloss“, „Der schöne Hinterhof“, „Sie steckten die Leute in dieGaskammer“, „Die Anreise von den Nationalsozialisten“, „Bus reist an mit Men-schen (getäuscht von Hitler)“, „Die Behinderten fuhren mit Bussen zur Tötungs-anstalt“, „Die Leichen wurden dann im Ofen verbrannt“, „Die Gaskammer“, „Vonaußen sieht es sehr friedlich aus“, „Wollten geheim halten, aber Gerüchte ver-breiteten sich“, dies sind nur einige Stichwörter bzw. Sätze, welche die Schü-ler/-innen zu den verschiedenen Bildern anführten. Ihre Formulierungen zeigenmir, dass alle teilnehmenden Kinder sehr wohl selbstständig in diesem Statio-nenbetrieb erkannt haben, welche Funktion die Tötungsanstalt Hartheim zurzeitdes Nationalsozialismus besaß und welche Verbrechen an Menschen mit be-sonderen Bedürfnissen in diesem alten Schloss begangen wurden. Diese Stati-on war meines Erachtens didaktisch wirklich so konzipiert, dass sie für alleSchüler/-innen zugänglich war.Die vierte Station befasste sich mit den Angehörigen der „Euthanasieopfer“.Schon während der Durchführung der Unterrichtsstunde fiel hier auf, dass sichdie Kinder sehr schwer taten, die angeführte Quelle sinnerfassend zu lesen.Dies lag zum einen daran, dass der originale Brief abgedruckt war und deshalbdie Qualität etwas darunter litt, und zum anderen auch daran, dass der Text
    • Bachelorstudium für das Lehramt an Hauptschulen 60 | S e i t evielleicht zu lang war und die Schüler/-innen kaum den ganzen Brief lesenkonnten. Meiner Meinung nach ist es dennoch sinnvoller, die Kopie des Origi-nals vorzulegen, als einen Ausschnitt daraus abzutippen, da der Realitätsbezugdes Originals doch einen viel intensiveren Eindruck vermittelt. Nachdem dieKinder die Quelle gelesen hatten, wurden sie aufgefordert, zu beschreiben, wassich ereignet haben könnte und wie sich die Mutter wohl gefühlt haben muss.10 Kinder haben dabei erwähnt, dass die Mutter traurig sei, dass es der Mutternicht gut gehe bzw. dass sie sich nicht gut fühle. Eine Aussage eines Jungenmöchte ich zitieren: „[schlecht], wieder unter einem [vorwand] in ein ‘Pflege-heim‘ gelockt und ermordet. Die Mutter wollte nur das Beste.“ Diese Worte ei-nes Schülers fand ich sehr treffend und ich glaube, der Junge hat den ganzenBrief gelesen und den Inhalt wirklich verstanden. Von den restlichen 15 Schü-lern/-innen wurde ein Arbeitsblatt überhaupt nicht ausgefüllt, 9 Kinder konntenden Inhalt der Quelle allem Anschein nach nicht sinngemäß erfassen. Dieszeigt sich darin, dass immer wieder davon die Rede ist, dass ein Mann die Mut-ter vergiftet hat und sie deshalb an Blutvergiftung starb. Ein Mädchen zum Bei-spiel schrieb, dass Vasi gestorben sei, weil er eine Nadel ins Herz bekam, dochdiese Aussagen gehen aus der Quelle nicht hervor. Die Ergebnisse zeigen mir,dass diese Station didaktisch nicht sehr gut aufbereitet war und im Fall einesnochmaligen Ablaufs des Stationenbetriebes unbedingt überarbeitet werdenmuss. Möglicherweise ist es sinnvoll, den Schülern/-innen einige Informationenzu erteilen, bevor die Quelle gelesen wird.Die fünfte Station war so aufgebaut, dass die Kinder einen Ausschnitt eines Vi-deos anzusehen hatten. Anschließend erfolgte ein kurzes Gespräch mit mir. Indieser Konversation war Platz dafür, dass die Schüler/-innen ihre Meinung zurThematik „Euthanasie“ kundtun konnten. Hierbei kamen sehr interessante Bei-träge und Gedanken zu Tage. Die Frage eines Mädchens ist mir dabei beson-ders in Erinnerung geblieben: „Ist Hitler nicht eigentlich auch geisteskrank?“Solch eine Aussage zeigt doch, dass sich Kinder sehr wohl selbstständig mitder Thematik „Euthanasie“ auseinandersetzen und sich Gedanken darüber ma-chen, welche Verbrechen in den 30er und 40er Jahren des 20. Jahrhundertsbegangen worden waren. Meiner Meinung nach konnte man bei dieser Stationauch das Interesse der Schüler/-innen recht gut einschätzen. Während meiner
    • Bachelorstudium für das Lehramt an Hauptschulen 61 | S e i t eBeobachtung sind mir nur zwei Schüler/-innen aufgefallen, welche immer wie-der den Blick vom Video abwandten und sich auch kaum im anschließendenGespräch einbrachten. Dies kann bedeuten, dass sie sich nicht für die Thematikinteressieren. Es stehen jedoch auch andere Interpretationen des Verhaltensdieser zwei Schüler/-innen offen.Die sechste Station sollte den Kindern den Widerstand einiger Menschen gegendas NS-Regime vorstellen. Dazu habe ich Bischof August Graf von Galen aus-gewählt. Die Schüler/-innen sollten, nachdem sie das Bild des Bischofs betrach-tet hatten, einen Lückentext ausfüllen. Diese Methode wurde von mir gewählt,um den gesamten Stationenbetrieb etwas aufzulockern und ein bisschen Ab-wechslung hineinzubringen. 5 Schüler/-innen waren nicht in der Lage, die richti-gen Wörter in die vorhergesehenen Lücken zu schreiben. Die restlichen 11Schüler/-innen bewältigten die Aufgabe fehlerlos.6 Beschreibung meiner ForschungsmethodeIch wählte in dieser Arbeit die mündliche Befragung als Forschungsmethode, dasich dieses sensible Thema nicht unbedingt für eine quantitative Erhebungsme-thode mittels Fragebogen eignet.Die mündliche Befragung ist durchaus eine gängige Methode in der empiri-schen Sozialforschung, wobei sie entweder in der Form eines Einzelinterviews,eines Paarinterwies oder in Form eines Gruppeninterviews erfolgen kann. Ichpersönlich wählte für mein Interview das Paarinterview, da ich glaube, dass sichKinder sicherer fühlen, wenn sie nicht mit mir allein ein Gespräch führen müs-sen. Natürlich besteht dabei auch die Gefahr, dass sich die Befragten gegensei-tig beeinflussen und beide in allem derselben Meinung sind, doch dies mussteich in Kauf nehmen. (Vgl. Brunner, Knitel & Resinger 2011, S. 75)Bei mündlichen Befragungen wird zwischen strukturierten und unstrukturiertenInterviews unterschieden. Hierbei wird der Grad der Interviewstrukturierung an-gesprochen. Beim strukturierten Interview, wie ich es auch praktizierte, wird imVorhinein ein Leitfaden erstellt, welcher den Interviewer durch die Befragungführt und sicherstellt, dass der rote Faden nicht verloren geht. (Vgl. Brunner,Knitel & Resinger 2011, S. 75ff)
    • Bachelorstudium für das Lehramt an Hauptschulen 62 | S e i t eDas von mir geführte Interview bezieht sich natürlich sehr stark auf die vorher-gegangene Unterrichtseinheit.6.1 ForschungsfragenMit der Durchführung des Stationenbetriebes sowie des Interviews erhoffte ichmir vor allem, dass sich die von mir im Vorhinein formulierten Forschungsfragenbeantworten lassen würden, die wie folgt lauten: Was interessiert 14-Jährige ander Thematik „Euthanasie“? Erreiche ich durch projektorientierten Unterrichtnachhaltiges Lernen? Kann ich die Thematik „Euthanasie“ didaktisch so aufbe-reiten, dass sie für möglichst alle Schüler/-innen zugänglich wird? Stellt der pro-jekt-orientierte Unterricht einen sinnvollen Weg dar, um Orientierungskompe-tenzen bei den Schülern/-innen zu erreichen?Eine dieser Forschungsfragen bezog sich sehr stark auf das Interesse derSchüler/-innen in Bezug auf die Thematik „Euthanasie“.Neben dem Aspekt des Interesses versuchte ich außerdem zu hinterfragen, obman durch projektorientierten Unterricht nachhaltiges Lernen erreichen kann.Aus diesem Grund war es notwendig, eine projektorientierte Unterrichtsstundedurchzuführen und anschließend die Schüler/-innen zu befragen, die in dieserEinheit anwesend waren.Menschen, welche sich intensiver mit der Materie Unterricht befassen, stellensich immer wieder die Frage, wie man unterschiedliche Themen im Unterrichtdidaktisch so aufbereiten kann, dass sie für möglichst viele Schüler/-innen zu-gänglich sind, denn es gelingt in der Praxis kaum, alle Kinder in der Klasse da-zu zu bringen, wirklich aktiv am Unterricht teilzunehmen. Obwohl sich viele 14-Jährige unter der Thematik „Euthanasie im Nationalsozialismus“ nichts vorstel-len können, soll das Thema unbedingt Zeit und Raum im Unterrichtsfach Ge-schichte und Sozialkunde/Politische Bildung bekommen. Deshalb stellte ich mirdie Frage, wie man diese komplexe Angelegenheit didaktisch so aufbereitenkann, dass möglichst alle Schüler/-innen bereit sind, sich aktiv mit diesem The-ma zu beschäftigen und sich eventuell auch noch nach der Stunde dazu zu äu-ßern.
    • Bachelorstudium für das Lehramt an Hauptschulen 63 | S e i t eIn diesem Zusammenhang stand für mich auch der Gedanke im Raum, ob pro-jektorientierter Unterricht einen sinnvollen Weg darstellt, um bei einzelnenSchülern/-innen Orientierungskompetenzen zu fördern, denn in der Neuen Mit-telschule zum Beispiel soll unter anderem auch auf die Stärkung der verschie-densten Kompetenzen Wert gelegt werden.Unter den Orientierungskompetenzen versteht man vor allem, dass Schüler/-innen in der Lage sind, das eigene Welt-, Fremd- und Selbstverständnis zu hin-terfragen und zu reflektieren. Dabei sollten die Kinder ein Gespür dafür be-kommen, wie die Vergangenheit zu deuten und dadurch die Gegenwart besserzu verstehen ist. Zudem sollte bei jedem/-r Schüler/-in ein Sinn für die Zukunftgebildet werden. (Vgl. Schreiber 2007, S. 20)6.2 InterviewleitfadenBevor ich das Interview durchführte, legte ich mir einen Interviewleitfaden zu-recht, damit ich keine wichtigen Fragen vergessen konnte. Dieser Interviewleit-faden sieht wie folgt aus:Wichtige Informationen zu Beginn:Wie ihr vielleicht wisst, muss man, um die Pädagogische Hochschule abschlie-ßen zu können, eine Bachelorarbeit schreiben. Im Rahmen dieser Bachelorar-beit ist es erwünscht, dass man zum Beispiel Interviews durchführt. Ich freuemich sehr, dass ihr zwei euch bereit erklärt habt, mit mir ein kleines Gesprächzu führen. Unsere Unterhaltung wird mit diesem Gerät aufgenommen, damit ichsie später auch schriftlich in meine Bachelorarbeit einbeziehen kann. Natürlichbleibt ihr dabei anonym, das heißt, euer Name scheint nicht auf.Zuerst möchte ich euch auch darauf aufmerksam machen, dass es bei der Be-antwortung der Fragen kein Richtig oder Falsch gibt. Mir ist es einfach wichtig,dass ihr alles sagt, was euch zu einer Frage in den Sinn kommt.Fragen zum Interview:Frage 1: Wir haben miteinander eine Unterrichtsstunde zur Thematik „DasLeben von Menschen mit besonderen Bedürfnissen in der Zeit des
    • Bachelorstudium für das Lehramt an Hauptschulen 64 | S e i t eNationalsozialismus“ absolviert. Welche Themen haben dich dabeinachdenklich gestimmt? Hat dich irgendetwas besonders berührt?Frage 2: Hast du den Begriff „Euthanasie“ bereits vor dieser Stunde einmalgehört? (in den Medien, im Radio, in der Zeitung,…)Frage 3: In welchem Zusammenhang hast du von dem Begriff „Euthanasie“gehört?Frage 4: Würdest du sagen, dass die Thematik Euthanasie im Nationalsozia-lismus bei jungen Menschen, wie ihr es seid, auch in der Freizeit an-gesprochen wird?Frage 5: Siehst du Vorteile in dieser Form des Unterrichts, den wir mitei-nander verbracht haben?Welche Vorteile siehst du darin? Welche Nachteile siehst du darin?Frage 6: Was hast du dir aus dieser Stunde gemerkt?Frage 7: Ist dir ein/-e Mitschüler/-in aufgefallen, der/die nicht mitgekommenist? Wie hast du darauf reagiert?Frage 8: War etwas dabei, was dich auch noch nach der Stunde beschäftigtund zum Nachdenken gebracht hat?Frage 9: Welche Gefühle löst die Thematik „Euthanasie im Nationalsozialis-mus“ bei dir aus?Frage 10: Wie werden Menschen mit Behinderung deiner Meinung nach heutebehandelt?Gibt es dabei Unterschiede zwischen heute und der Zeit des Natio-nalsozialismus?
    • Bachelorstudium für das Lehramt an Hauptschulen 65 | S e i t e6.3 Resümee des InterviewsAus der ersten Antwort der Schülerin sowie des Schülers von den Zeilen 15 bis35 des Interviews ist ersichtlich, dass die Kinder vor allem jene Station interes-siert hat, bei der gezeigt wurde, wie teuer Menschen mit Behinderung für denStaat waren. Das befragte Mädchen führte sogar die exakte Summe von 60 000an, was den Rückschluss zulässt, dass sie diese Station wirklich interessierthat. Auch der Junge führte dieselbe Station an und erkannte, dass damals inder Bevölkerung anhand der Bilder das Bewusstsein geschaffen werden sollte,dass Menschen mit besonderen Bedürfnissen zu viele Kosten verursachten unddeshalb getötet werden müssten. Die ersten Antworten auf die erste Fragekönnen dahingehend interpretiert werden, dass die Kinder sich wirklich intensivmit Thematiken beschäftigen können, welche in der Form des projektorientier-ten Unterrichts bearbeitet werden. Daraus folgere ich, dass im projektorientier-ten Unterricht sehr wohl nachhaltiges Lernen erreicht werden kann, denn zwi-schen der projektorientierten Unterrichtsstunde und dem Interview lagen im-merhin sieben Tage.Aus den Zeilen 41 bis 57 des Interviews geht außerdem hervor, dass 14-Jährige kaum eine Vorstellung haben, was Euthanasie bedeutet. Der befragtenSchülerin ist das Wort an sich zwar schon einmal untergekommen, aber welcheBedeutung es hat, wusste sie vor dieser Unterrichtseinheit nicht. Daraus kannman schließen, dass die Kinder wohl von der Thematik „Euthanasie im Natio-nalsozialismus“ noch nie etwas gehört haben. Deshalb finde ich es wichtig,dass man bereits in der Hauptschule bzw. Neuen Mittelschule wenigstens ver-sucht, die Schüler/-innen darauf aufmerksam zu machen, was in den 30er und40er Jahren des 20. Jahrhunderts im Deutschen Reich mit körperlich und psy-chisch behinderten Menschen geschehen ist.Deutlich ersichtlich ist auch, dass sich Schüler/-innen der achten Schulstufe inihrer Freizeit kaum mit der Thematik „Euthanasie“ auseinandersetzen. Dochüber Menschen mit Behinderung wird sehr wohl gesprochen, vor allem dann,wenn sie in der Öffentlichkeit mit ihnen zusammentreffen.In Bezug auf die Unterrichtsmethode kommt deutlich von beiden Befragten,dass der Stationenbetrieb ihrer Meinung nach sinnvoller ist als der Frontalunter-
    • Bachelorstudium für das Lehramt an Hauptschulen 66 | S e i t ericht. Die Zeilen 102 bis 108 unterstreichen zusätzlich, dass Lernen eher im pro-jektorientierten Unterricht erfolgt als im Frontalunterricht. Auch der befragteSchüler spricht dies in den Zeilen 120 bis 124 an. Doch die Schüler/-innen se-hen nicht nur Vorteile, sondern ihnen ist auch bewusst, dass der Stationen-betrieb sehr viel Zeit in Anspruch nimmt.Aus dem Interview geht hervor, dass es aus der Sicht des befragten Schülerszwei Kollegen gab, welche sich nicht ernsthaft am Stationenbetrieb beteiligten.Auch die Schülerin schildert in der Zeile 185, dass ihr jemand negativ aufgefal-len ist. Dies zeigt, dass die Dramatik des Themas nicht wirklich allen Schülern/-innen dieser Klasse bewusst geworden ist, was durchaus an den aufbereitetenStationen liegen könnte. Es besteht jedoch die Möglichkeit, dass das auffälligeVerhalten dieser beschriebenen Schüler auch in anderen Situationen zum Vor-schein kommt und nichts mit der Thematik „Euthanasie“ an sich zu tun hat,sondern dass diese Kinder einfach fehlende Orientierungskompetenzen aufwei-sen.Nachdenklich stimmte die zwei Schüler/-innen speziell das Video. Ich bin davonüberzeugt, dass die Unterrichtsstunde mit all den verschiedenen Stationen die-se Kinder dazu angeregt hat, sich mit dem Begriff Behinderung und „Euthana-sie“ auseinanderzusetzen.
    • Bachelorstudium für das Lehramt an Hauptschulen 67 | S e i t e7 SchlussbemerkungBevor ich mich mit dieser Thematik auseinandergesetzt habe, war mir nochnicht wirklich bewusst, welche Gräueltaten von den Nazis an unschuldigenMenschen begangen worden waren. Selbstverständlich war mir bekannt, wel-che Auswirkungen und Folgen die Machtübernahme der Nationalsozialisten inDeutschland sowie in Österreich für Menschen jüdischen Glaubens hatten,denn dies hatte ich bereits in meiner eigenen Schulzeit gelernt. Doch das Wis-sen darüber, welches Leid Menschen mit psychischen bzw. körperlichen Behin-derungen ertragen mussten, war mir bis zu dieser Arbeit zum Großteil verwehrtgeblieben. Teilweise ist mir wirklich ein kalter Schauer über den Rücken gelau-fen, als ich die verschiedensten literarischen Werke heranzog, um meine Arbeitaufzubereiten. In der heutigen Zeit kann man sich kaum vorstellen, welcheVerbrechen vor einigen Jahrzehnten verübt worden sind. Die Thematik wirdzumeist verdrängt und einfach nicht angesprochen und genau dies finde ichnicht richtig. Man sollte sich mit der Vergangenheit auseinandersetzen, sodassman die Zukunft besser gestalten kann und nicht noch einmal dieselben Fehlerbegeht, die die Menschen vor einigen Jahrzehnten, Jahrhunderten und Jahr-tausenden begangen haben.Besonders beeindruckt hat mich die Besichtigung der ehemaligen Tötungsan-stalt Schloss Hartheim. Beschäftigt man sich etwas näher mit den Vorfällen indiesem Gebäude, so erscheint das Schloss düster und in meinen Augen auchetwas unheimlich. Man kann sich als Besucher/-in kaum vorstellen, was in die-sen Wänden vor nicht allzu langer Zeit geschehen ist. Trotzdem erachte ich esals unbedingt notwendig, dass man sich mit diesem dunklen Kapitel in der Ge-schichte persönlich auseinandersetzt. Man sollte auf jeden Fall die Chance er-greifen, bereits mit den Schülern/-innen in der Sekundarstufe über dieses The-ma zu sprechen und es in den Unterricht einzubauen. Viele Schüler/-innen be-schäftigen sich zum Beispiel in der Neuen Mittelschule bzw. Hauptschule zumletzten Mal wirklich intensiver mit der Geschichte der Vergangenheit und so se-he ich die Aufgabe der Lehrer/-innen darin, den Schülern/-innen zumindest ei-nen kleinen Anreiz zu geben, sich der historischen Vergangenheit zu widmen.
    • Bachelorstudium für das Lehramt an Hauptschulen 68 | S e i t eDurch diese Arbeit habe ich erfahren, dass sich projektorientierter Unterrichtanbietet, um Kindern etwas komplexere Themen nahezubringen. Manchmal istes sogar notwendig, dass sie unter Umständen auch dazu aufgefordert werden,sich selbstständig mit etwas zu beschäftigen, das dem ein oder anderen Kindunter die Haut geht, denn nur so erkennt man den Ernst der Thematik.Menschen mit Behinderungen bereichern das Leben ihrer Mitmenschen. Siestrahlen eine Wärme und Freude aus, welche meiner Meinung nach ein gesun-der Mensch kaum auf dieselbe Art und Weise verspüren kann. Deshalb sollteman meines Erachtens im Unterricht auch immer wieder den Bezug zur Ge-genwart herstellen und über Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Behinde-rungen in der Schule sprechen.
    • Bachelorstudium für das Lehramt an Hauptschulen 69 | S e i t e8 LiteraturverzeichnisBücher:Brunner, Hans, Knitel, Dietmar & Resinger, Paul (2011): Leitfaden zur Bache-lorarbeit. Einführung in wissenschaftliches Arbeiten und berufsfeldbezogenesForschen an (Pädagogischen) Hochschulen. Marburg: Tectum Verlag.Byer, Doris (1988): Rassenhygiene und Wohlfahrtspflege. Zur Entstehung einessozialdemokratischen Machtdispositives in Österreich bis 1934. Frankfurt:Campus Verlag.Dirnberger, Jutta, Lemberger, Michael & Paireder, Bettina (2006): NetzwerkGeschichte 4. Geschichte und Sozialkunde Lehr- und Arbeitsbuch für die 8.Schulstufe (1. Auflage). Linz: Veritas Verlag.Duden (2009): Die deutsche Rechtschreibung (25. neu bearbeitete Auflage).Mannheim: Dudenverlag.Eckart, Wolfgang (2012): Medizin in der NS-Diktatur. Ideologie, Praxis, Folgen.Wien: Böhlau Verlag.Forcher, Michael (2005): Tirols Geschichte in Wort und Bild (9. Auflage). Inns-bruck: Haymon-Verlag.Greve, Michael (1998): Die organisierte Vernichtung „lebensunwerten Lebens“im Rahmen der „Aktion T4“. Dargestellt am Beispiel des Wirkens und der straf-rechtlichen Verfolgung ausgewählter NS-Tötungsärzte, Bd. 43. Pfaffenweiler:Centaurus-Verlagsgesellschaft.Häupl, Waltraud (2008): Der organisierte Massenmord an Kindern und Jugend-lichen in der Ostmark 1940-1945. Gedenkdokumentation für die Opfer der NS-Euthanasie. Wien: Böhlau Verlag.
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    • Bachelorstudium für das Lehramt an Hauptschulen 71 | S e i t eVocelka, Karl (2009): Geschichte Österreichs. Kultur – Gesellschaft – Politik (5.Auflage). München: Heyne Verlag.Windischbauer, Elfriede, Hammerschmid, Helmut, Ecker, Maria u.a. (2010):Geschichte live 4 (1. Auflage). Linz: Veritas Verlag.Beiträge in Sammelbänden:Baader, Gerhard (2007): Eugenische Programme in der sozialistischen Par-teienlandschaft in Deutschland und Österreich im Vergleich. In: Gerhard Baa-der, Veronika Hofer & Thomas Mayer (Hrsg.): Eugenik in Österreich. Biopoliti-sche Strukturen von 1900-1945 (S. 66-139). Wien: Czernin Verlag.Kiel-Römer, Ursula, Süß, Martin & Steppe, Hilde (1993): Widerstand des Pfle-gepersonals. In: Hilde Steppe (Hrsg.): Krankenpflege im Nationalsozialismus.(S. 189-199) (7. Auflage). Frankfurt: Mabuse-Verlag GmbH.Malina, Peter & Neugebauer, Wolfgang (2001): NS-Gesundheitswesen und –medizin. In: Wolfgang Neugebauer, Emmerich Tálos, Ernst Hanisch, ReinhardSieder (Hrsg.): NS-Herrschaft in Österreich. Ein Handbuch (S.696-720) (1. Auf-lage). Wien: öbv & hpt Verlag.Mayer, Thomas (2005): „…daß die eigentliche österreichische Rassenhygienein der Hauptsache das Werk Reichels ist“ – Der (Rassen-)Hygieniker HeinrichReichel (1876-1943) und seine Bedeutung für die eugenische Bewegung in Ös-terreich. In: Heinz Eberhard Gabriel & Wolfgang Neugebauer (Hrsg.): Vorreiterder Vernichtung? Eugenik, Rassenhygiene und Euthanasie in der österreichi-schen Diskussion vor 1938 (S. 65-98). Wien: Böhlau Verlag.Romey, Stefan (1987): Behinderte Menschen unterm Hakenkreuz. In: MichaelWunder & Udo Sierck (Hrsg.): Sie nennen es Fürsorge. Behinderte zwischenVernichtung und Widerstand (S. 21) (2. Auflage). Frankfurt: Dr. med. Mabusee.V. Zeitschrift im Gesundheitswesen.
    • Bachelorstudium für das Lehramt an Hauptschulen 72 | S e i t eSierck, Udo (1987): Missachtet – Ausgesondert – Vernichtet. In: Michael Wun-der & Udo Sierck (Hrsg.): Sie nennen es Fürsorge. Behinderte zwischen Ver-nichtung und Widerstand (S. 27) (2. Auflage). Frankfurt: Dr. med. Mabuse e.V.Zeitschrift im Gesundheitswesen.Weig, Wolfgang (2001): Hintergründe und Vorgeschichte der nationalen Ge-denkfeier. In: Wolfgang Weig & Hubert Heilemann (Hrsg.): Gewalt gegen psy-chisch Kranke: gestern – heute – und morgen? Zum Gedenken an die Opferdes Nationalsozialismus unter den psychisch kranken und geistig behindertenMenschen (S. 7), Bd. 5. Regensburg: S. Roderer Verlag.Wunder, Michael (2005): Medizin und Gewissen – Geschichtliche Verantwor-tung und die aktuelle Diskussion der Biomedizin. In: Heinz E. Gabriel & Wolf-gang Neugebauer (Hrsg.): Vorreiter der Vernichtung? Eugenik, Rassenhygieneund Euthanasie in der österreichischen Diskussion vor 1938 (S.241-253). Wien:Böhlau Verlag.PublikationenLaube sozialpsychiatrische Aktivitäten GmbH (Hrsg.) (2007): Lebens(un)wert.„NS-Euthanasie im Land Salzburg“. Salzburg: Laube sozialpsychiatrische Akti-vitäten GmbH.Schwanninger, Florian & Wegscheider, Angela (2012): Die TötungsanstaltHartheim. In: BIZEPS – Zentrum für Selbstbestimmtes Leben (Hrsg.): wertesunwertes Leben (22-33). Wien: o. V.ZeitschriftenBastian, Johannes (1993): Freie Arbeit und Projektunterricht. Eine didaktische„Wiedervereinigung“. Pädagogik, 45 (10), S. 6-9.
    • Bachelorstudium für das Lehramt an Hauptschulen 73 | S e i t eKuchler, Christian (2013): Unterrichtsschwerpunkt „Euthanasie“. Opposition ge-gen den Propagandafilm Ich klage an. Geschichte lernen, 26 (151), S. 58.InternetBundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur (2008, 25. August): Haupt-schule Lehrplan „Geschichte und Sozialkunde/Politische Bildung. URL:http://www.bmukk.gv.at/medienpool/879/gsk_pb_hs.pdf [27.02.2013].Lebenshilfe Wien (2013, 04. Jänner): Mörderische Vordenker. URL:http://www.lebenshilfe-wien.at/Moerderische-Vordenker.386.0.html[04.01.2013].Puschke, Martina (2012, 19. November): Die Internationale Klassifikation vonBehinderung der Weltgesundheitsorganisation. URL:http://bidok.uibk.ac.at/library/wzs-7-05-puschke-klassifikation.html [04.12.2012].Schreiber, Waltraud (2007, 14. Jänner): „Geschichte denken statt pauken“. DieEntwicklung historischer Kompetenzen von Schülern im Geschichtsunterrichtfördern. URL: http://www.geschichtsunterricht-anders.de/lehrerfortbildung/Theorie.pdf [27.02.2013].Verein Schloss Hartheim (2012, 28. Dezember): Gedenkstätte. URL:http://www.schloss-hartheim.at/index.asp?peco=&Seite=211&Lg=1&Cy=1&UID[28.12.2012].Verein Schloss Hartheim (2013, 12. Jänner): Ständige Ausstellung. URL:http://www.schloss-hartheim.at/index.asp?peco=&Seite=213&Lg=1&Cy=1&UID[12.01.2013].Zeitschatten (2005, 25. November): Begriffe von A bis Z. Nationalsozialismus.URL: www.zeitschatten.info/glossar.html#Nationalsozialismus [04.12.2012].
    • Bachelorstudium für das Lehramt an Hauptschulen 74 | S e i t eEidesstattliche ErklärungIch erkläre an Eides statt, dass ich die vorliegende Bachelorarbeit selbst ver-fasst und keine anderen als die angeführten Behelfe verwendet habe. Ich bindamit einverstanden, dass meine Arbeit öffentlich zugänglich gemacht wird.Innsbruck, am 22. März 2013 _____________________
    • Bachelorstudium für das Lehramt an Hauptschulen 75 | S e i t eAnhangAbbildungsverzeichnisAbbildung 1: Reichsgesetzblatt 1933 S. 20Abbildung 2: Meldebogen S .24Abbildung 3: Bus mit Chauffeur von Hartheim S. 45Abbildung 4: Brief einer Mutter eines Ermordeten S. 49Abbildung 5: Schloss Hartheim im Jahre 2012 S. 50Abbildung 6: Ausschnitt der Ausstellung „Wert des Lebens“ S. 51Abbildung 7: Bild der Ausstellung „Wert des Lebens“ S. 52Abbildung 8: Propagandaplakat S. 79Abbildung 9: Propagandaplakat aus dem Jahre 1936 S. 79Abbildung 10: Propagandaplakat S. 80Abbildung 11: Tötungsanstalt Hartheim S. 83Abbildung 12: Tür zur Gaskammer in Hartheim S. 83Abbildung 13: Bus, welcher die Opfer transportierte S. 84Abbildung 14: Schloss Hartheim Alkoven S. 84Abbildung 15: Brief einer Mutter eines Ermordeten S. 85Abbildung 16: Bischof Clemens August Graf von Galen S. 88
    • Bachelorstudium für das Lehramt an Hauptschulen 76 | S e i t eStationenbetrieb1. Station: Euthanasie im NationalsozialismusAufgabe: Lies dir den Text zur Thematik Euthanasie genau durch!Beantworte anschließend die Fragen, welche sich auf dem nächstenBlatt befinden!EuthanasieDas Wort Euthanasie wird in anderen Sprachen auch für Sterbehilfeverwendet. Es stammt aus dem Griechischen und bedeutet eigent-lich: „leichter oder schöner Tod“. Der Begriff Euthanasie wurde zur-zeit des Nationalsozialismus (von ca. 1933 bis zum Jahre 1945)missbraucht, denn:Die Ermordung von geistig und körperlich behinderten Menschen inder Zeit des Nationalsozialismus, die 1939 begann, wurde auch „Eu-thanasie“ genannt. Die Nationalsozialisten vernichteten zunächst inihren Augen „lebensunwertes Leben“, also geistig und körperlichbehinderte Kinder. Auch sogenannte „schwer erziehbare“ Kinderwaren betroffen. Sie wurden in NS-Erziehungsheime eingewiesenund viele von ihnen wurden dort ermordet (dies nennt man „Kinder-euthanasie“).Kurz darauf begann auch die „Euthanasie“ (Tötung) der erwachse-nen geistig und körperlich Behinderten. Ein Großteil der Patientenund Patientinnen von psychiatrischen Anstalten wurde in sogenann-te „Heil- und Pflegestätten“ gebracht und dort getötet. (Vgl. Windisch-bauer, Hammerschmid, Ecker u.a. 2010, S. 52)
    • Bachelorstudium für das Lehramt an Hauptschulen 77 | S e i t e1. Station: Euthanasie im Nationalsozialismus1. Wofür steht das Wort „Euthanasie“ in anderen Sprachen?2. Was bedeutete das Wort „Euthanasie“ zurzeit des Nationalso-zialismus?____________________________________________________3. Welche Menschen wurden von den Nationalsozialisten getö-tet?4. Wo wurden diese Menschen getötet?____________________________________________________
    • Bachelorstudium für das Lehramt an Hauptschulen 78 | S e i t e2. Station: Menschen mit besonderen Bedürfnissen zurzeitdes Nationalsozialismus1. Aufgabe: Suche dir ein Bild aus und beschreibe genau, was duauf dem Bild siehst!2. Aufgabe: Schau dir die Mathematikaufgabe an, welche auf die-sem Blatt zu finden ist, und beantworte die Frage: Was hältst duvon derartigen Rechenaufgaben?Rechenaufgabe aus einem deutschen Mathematikbuch 1937„Auf Kosten der Bezirks- und Landesfürsorgeverbände waren 1936untergebracht: in Anstalten für Geisteskranke usw. 209 032; in Blin-den-, Taubstummen- und *Krüppelanstalten: 37 628.a) Berechne die Gesamtzahl der Blinden, Taubstummen und*Krüppel!b) Nimm die täglichen Lebenshaltungskosten mit RM (Reichs-mark = Währung zur damaligen Zeit; heute Euro) 4,50 an! Wiehoch ist die Jahresausgabe der Bezirks- und Landesfürsorge-verbände?“ (Siegfriedt 1937; zit. nach Dirnberger, Lemberger, & Paire-der 2006, S. 46)
    • Bachelorstudium für das Lehramt an Hauptschulen 79 | S e i t eAbbildung 8: Propagandaplakat(http://schularena.com/geschichte/themen/fotos/zweiter_wk/propaganda/propaganda.htm[10.12.2012])Abbildung 9: Propagandaplakat aus dem Jahre 1936(http://schularena.com/geschichte/themen/fotos/zweiter_wk/propaganda/propaganda.htm[10.12.2012])
    • Bachelorstudium für das Lehramt an Hauptschulen 80 | S e i t eAbbildung 10: Propagandaplakat (Geschichte live 4 2010, S. 52)
    • Bachelorstudium für das Lehramt an Hauptschulen 81 | S e i t e2. Station: Menschen mit besonderen Bedürfnissen zurzeitdes Nationalsozialismus1. Aufgabe:Beschreibung des Bildes: (Welche Farben, was siehst du, waskannst du auf dem Bild lesen, was fällt dir besonders auf,...?)___________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________.Wozu sollte dieses Bild deiner Meinung nach aufrufen?_____________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________.2.Aufgabe:Was hältst du von derartigen Rechenaufgaben? (Was fällt dir auf?)_______________________________________________________________________________________________________________________________________________________________.
    • Bachelorstudium für das Lehramt an Hauptschulen 82 | S e i t e3. Station: Tötungsanstalt HartheimAufgabe: Lies dir aufmerksam den Text zu Hartheim durch! Schaudir anschließend die Bilder an und bringe sie in die richtige Reihen-folge! Schreibe nachher je einen Satz zu jedem Bild!HartheimDas Schloss Hartheim befindet sich in der Nähe von Linz in Oberös-terreich. Als die Nationalsozialisten in Österreich an die Macht ka-men (im Jahre 1938), dauerte es nicht lange und Hartheim wurde zueiner Tötungsanstalt umgebaut. Das heißt, dass Menschen mit geis-tiger und körperlicher Behinderung mit Bussen vor allem aus Öster-reich nach Hartheim gebracht und zumeist noch am selben Tag inder Gaskammer von Hartheim getötet wurden. Nachdem die Men-schen in der Gaskammer erstickt waren, wurden sie in speziellenÖfen verbrannt.Viele Männer und Frauen waren an diesen Verbrechen beteiligt. Ei-ner der Hauptverantwortlichen war der Linzer Arzt Rudolf Lonauer,der von 1940 bis 1945 die Anstalt in Hartheim leitete.Nach Schätzungen kann man davon ausgehen, dass an die 18 000Menschen in Hartheim ermordet wurden, da sie aus der Sicht derNationalsozialisten als „lebensunwert“ galten.Natürlich wollten die Nationalsozialisten, dass die Tötungen geheimgehalten werden, doch es drangen immer wieder Gerüchte an dieÖffentlichkeit. (Vgl. Laube sozialpsychiatrische Aktivitäten GmbH 2007, S.76f)
    • Bachelorstudium für das Lehramt an Hauptschulen 83 | S e i t eAbbildung 11: Tötungsanstalt Hartheim(http://www.holocaustresearchproject.org/euthan/dameron.html [10.12.2012])Abbildung 12: Tür zur Gaskammer in Hartheim(http://www.holocaustresearchproject.org/euthan/dameron.html [10.12.2012])
    • Bachelorstudium für das Lehramt an Hauptschulen 84 | S e i t eAbbildung 13: Bus, welcher die Opfer transportierte(http://www.holocaustresearchproject.org/euthan/dameron.html [10.12.2012])Abbildung 14: Schloss Hartheim Alkoven(http://www.holocaustresearchproject.org/euthan/dameron.html [10.12.2012])
    • Bachelorstudium für das Lehramt an Hauptschulen 85 | S e i t e4. Station: Angehörige der EuthanasieopferAufgabe: Lies dir folgende Quelle genau durch! Beschreibe an-schließend, was sich ereignet haben könnte und wie sich die Muttergefühlt haben muss!Abbildung 15: Brief einer Mutter eines Ermordeten (Neuhauser & Pfaffenwimmer 1992, S. 37)
    • Bachelorstudium für das Lehramt an Hauptschulen 86 | S e i t e4. Station: Angehörige der EuthanasieopferBeschreibe, was sich ereignet haben könnte, und wie sich die Mut-ter gefühlt haben muss!_________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________.
    • Bachelorstudium für das Lehramt an Hauptschulen 87 | S e i t e5. Station: ZeitzeugengesprächAufgabe: Lies dir zuerst die Erklärungen zu den Begriffen durch,welche du später benötigst!Nimm den Laptop zur Hand und gehe auf: www.youtube.com. Gibanschließend folgende Wörter ein:Euthanasie im Nationalsozialismus - Rosemarie Pumb berichtet(08.02.2012, Pankow, Bln.)Hör und schau dir nun die Zeitzeugin Rosemarie Pumb an. Startebei 1:04 und beende das Video bei 8:39!Wovon berichtet die Zeitzeugin?
    • Bachelorstudium für das Lehramt an Hauptschulen 88 | S e i t e6. Station: Widerstand – Bischof Clemens August Graf vonGalenAufgabe: Schau dir das Porträt von Bischof August Graf von Galenan! Nimm anschließend den Lückentext zur Hand und versuche dierichtigen Wörter in die Lücken zu schreiben!Abbildung 16: Bischof Clemens August Graf von Galen (http://www.st-clemens-berlin.de/kardinal/index.htm [10.12.2012])
    • Bachelorstudium für das Lehramt an Hauptschulen 89 | S e i t e6. Station: Widerstand – Bischof Clemens August Grafvon GalenAugust Graf von Galen war ein ______________ aus Deutschland,welcher zu jener Zeit lebte, als der Nationalsozialismus in Österreichund Deutschland an der Macht war (ab 1933 in Deutschland und ab1938 in Österreich). Er war ein Mann, welcher sich in seinen dreiberühmt gewordenen Predigten sehr __________ die Euthanasie(Tötung) auflehnte. Die Predigten von Bischof Galen fanden große____________________ und sie wurden sehr rasch über____________________ verbreitet. Der Bischof erstattete sogar beider ________________ Anzeige wegen Mordes, um den Protestnoch zu verstärken. Seine allmähliche__________________________ hat den Bischof August Graf vonGalen vermutlich vor den Konsequenzen bewahrt. Vor allem die Kir-che war mit der ___________________ nicht einverstanden undsomit kam es schließlich im August 1941 zum Ende der Vernichtung„unwerten Lebens“ durch ______________ persönlich. Doch imGeheimen wurden noch bis 1945 immer wieder unschuldige Men-schen ________________. (Vgl. Laube sozialpsychiatrische AktivitätenGmbH 2007, S. 144)ermordet, Flugblätter, gegen, Bischof, Bekanntheit, Zustimmung, Hitler,Polizei, Euthanasie
    • Bachelorstudium für das Lehramt an Hauptschulen 90 | S e i t eTranskribiertes InterviewBevor das Interview angeführt wird, möchte ich erwähnen, dass es nach deroriginalen Aufnahme transkribiert wurde und deshalb auch einige Wörter nichtder Standardsprache entsprechen, sondern dem Tiroler Dialekt. Aufgrund derAnonymität scheinen die Namen der befragten Schüler/-innen nicht auf, son-dern nur die Abkürzungen des Vornamens.1 Schule: Praxishauptschule/Neue Mittelschule in Innsbruck2 Interview mit einem Schüler und einer Schülerin am 18. Dezember 20123 Dauer des Interviews: 9 Minuten und 21 Sekunden45 Interviewer: So, also die erschte Froge … Wir haben miteinander eine Un-6 terrichtsstunde zur Thematik das Leben von Menschen mit besonderen7 Bedürfnissen in der Zeit des Nationalsozialismus absolviert, also8 Menschen mit Behinderung.910 Schülerin: Mhm.1112 Interviewer: Welche Themen haben dich, C., dabei nachdenklich ge-13 stimmt? Welche Station fällt dir da vielleicht ein?1415 Schülerin: Ehmm, wo ma die Bilder, wo drauf steht, dass .. so und so viel16 Geld .. geboten werd, und donn des verkafen, also dass man mit Men-17 schen so umgehen konn, weil die Station mit die Bilder, wo man erklärt18 hot mi miaßn.1920 Interviewer: Mhm, okay. Hot die dabei irgendwos berührt?2122 Schülerin: mhmmm ja, des Bild, wo 60 000 oder so oben steht, dass da23 halt bietet oder er wird umgebracht.2425 Interviewer: Okay. F.26
    • Bachelorstudium für das Lehramt an Hauptschulen 91 | S e i t e27 Schüler: Mhm, also ja.2829 Interviewer: Was fällt dir dazu ein?3031 Schüler: Mir hobns zach gfunden, dass Behin Be also Menschen so be-32 handelt werdn, weil es sein a lei Menschen .. und … des, dass des da bei33 einer Station warens zwo Zettel, ähhh .. irgendwos so äh tötet die Behin-34 derten, die machen da es zu viel Kosten so … deshalb, des hab i halt35 zach gfundn.3637 Interviewer: Genau das Gleiche wie die C. mit den Kosten, ge. Okay.38 Dann zweite Frage. Hast du den Begriff Euthanasie bereits vor dieser39 Stunde einmal gehört?4041 Schülerin: Jo4243 Interviewer: Jo4445 Schülerin: Jo, scho, ober .. net damit beschäftigt.4647 Interviewer: Und ah net gewusst, wos des hetz bedeutet eigentlich?4849 Schülerin: Mhm5051 Interviewer: Wo konnsch die do nou erinnern?5253 Schülerin: … Na .. keine Ahnung, was nimma, va da Mama oder so.5455 Interviewer: Mhm. F.?5657 Schüler: Na, i hob des Wort eigentlich no nie kört.58
    • Bachelorstudium für das Lehramt an Hauptschulen 92 | S e i t e59 Interviewer: Okay, donn dritte Frage. In welchem Zusammenhang hast du60 von dem Begriff Euthanasie gehört? Des trifft hetz nur auf die C. zu.6162 Schülerin:Ehm ….. ma i woases gor nimma.6364 Interviewer: Okay, und du hosts jo nou nie kehrt. Donn .. Vierte Frage.65 Würdest du sagen, dass die Thematik Euthanasie im Nationalsozialismus66 bei jungen Menschen, wie ihr es seid, auch in der Freizeit angesprochen67 wird? … Redet man in der Freizeit über Euthanasie usw.?6869 Schülerin: Mhmh .. also ba mir nitte.7071 Interviewer: Bei dir net, in deinem Freundeskreis eher net. Do sein andere72 Themen wichtiger.7374 Schülerin: (lachend) Jo.7576 Interviewer: Zum Beispiel?7778 Schülerin: .. Keine Ahnung, ob ma morgen wos zommen mochen oder79 ondere oanfoch.8081 Interviewer: Mhm okay, F.?8283 Schüler: Ma ba mir anet, oba wenn zum Beispiel .. zum Beispiel a84 Behinderter zum Beispiel vorbeigeht oder .. wenn zum Beispiel wir85 irgendwos Zaches sehn also, donn kommts schon zum Thema .. zum86 Beispiel, dass es arm is und so.8788 Interviewer: Jo, ober net mit dem Zusammenhang mit Euthanasie?8990 Schüler: Na.91
    • Bachelorstudium für das Lehramt an Hauptschulen 93 | S e i t e92 Interviewer: Okay, dann fünfte Frage.. Siehst du Vorteile in dieser Form93 des Unterrichts, also in dem Stationenbetrieb?9495 Schülerin: Jo, weeeeil i glab net, dass alle wos über des gwusst hobn.96 Also wie die Menschen dazumal behandelt worden sein, also Behinderte.9798 Interviewer: Mhm.. Wenn du des hetz jetzt vergleichsch zum Beispiel mit99 Frontalunterricht, also wenn i vorne steh und wos dazähl, welche Vorteile100 siehgsch du dorin?101102 Schülerin: In dem Unterricht, wo man nit frontal, dass mans sich vielleicht103 leichter merkt, weil wenn man olls so eini .. ehm ..104105 Interviewer: gedruckt106107 Schülerin: jo nochan domerkt mans sich, glab i, nette, oda donn kimmt des108 net so emotional umma.109110 Interviewer: Isch für die der Stationenbetrieb passend gewählt?111112 Schülerin: Mhm.113114 Interviewer: Für des Thema?115116 Schülerin: Jo.117118 Interviewer: Jo, F.?119120 Schüler: Also i find frontal, also Stationenbetrieb is besser als wie der121 Frontalunterricht, weil i glab, man man langweilt sich, wenn man wenn die122 ganze Klasse und dann muss man also so tuan und aber bei so einem123 Stationenbetrieb is man jo einzeln und man beschäftigt einzeln mit dem124 Thema.
    • Bachelorstudium für das Lehramt an Hauptschulen 94 | S e i t e125126 Interviewer: Mhm also besser der Stationenbetrieb?127128 Schüler: Jo.129130 Interviewer: Okay… Gibt es vielleicht Nachteile im Stationenbetrieb… C.?131132 Schülerin: Jo, vielleicht geht viel Zeit verloren, weil monche mehr brauchn133 … an der Station, ober eigentlich net, na.134135 Interviewer: Mhm, F.?136137 Schüler: Vielleicht dass man net alles fertig bekommt.138139 Interviewer: Also ah die Zeit irgendwie?140141 Schüler: Jo.142143 Interviewer: Okay. Dann die Frage sechs ... Was hast du dir aus dieser144 Stunde gemerkt?145146 Schülerin: … ehmm … wie sie dazumal mit die Leit umgangen sein und147 wie des alles wor, weil i hob davor nix gewusst über des und hetz denkt148 man holt mehr nach, weil so, wenn man ah oan mit Behinderung sieht,149 donn denkt man net, dass des früher so wor, und jetzt denkt man holt150 schu eher nach.151152 Interviewer: Mhm, F.?153154 Schüler: Jo, is gleiche und des Wort halt Eutha Euth… onasie …155156 Schülerin: Jo.157
    • Bachelorstudium für das Lehramt an Hauptschulen 95 | S e i t e158 Interviewer: Euthanasie.159160 Schüler: Ja, Euthanasie.161162 Interviewer: Okay … dann Frage sieben. Ist dir während dieser163 Unterrichtsstunde ein Mitschüler aufgefallen oder eine Mitschülerin,164 der oder die nicht mitgekommen ist?165166 Schüler: Wie meinen Sie des jetzt, der net so mitgearbeitet hot?167168 Interviewer: Genau.169170 Schüler: Okay.171172 Interviewer: Der des ols irgendwie lässig gsegen hot und net so.173174 Schülerin: Jo.175176 Schüler: Also i hob am Onfong bissel eher lässig gfundn, wo i umengon-177 gen bin, aber wo i danach is Video angschaut hon und so eh, bin i also178 hab i, hab i mi eher aufs Thema konzentriert, aber aufgfallen is mir auch179 ein Schüler.180181 Interviewer: Ja.182183 Schüler: Mhm.184185 Schülerin: Jo, mir ah.186187 Interviewer: Mehrere Schüler?188189 Schülerin: Nnna.190
    • Bachelorstudium für das Lehramt an Hauptschulen 96 | S e i t e191 Schüler: Na, i glaub zwei.192193 Interviewer: Zwei. Okay .. Wie host du, C., darauf reagiert?194195 Schülerin: Naa jo, i hob ma gedocht, wie konn man lei über so wos .. soo,196 vasteh, i glab net, dass der so emo, also derjenige so emotional denkt wie197 mir holt und des dem eher egal is und eben holt donn lei mehr an [david]198 denkt .. hetz hort gsog, jo.199200 Interviewer: Mhm. F.?201202 Schüler: Jo, i hob ma gedocht, jo i moch mit dem Typen ja auch Blödsinn203 so uma, aber bei manchen Themen sollte man sich konzentrieren, hab i204 mir halt dacht.205206 Interviewer: Mhm .. okay. Dann Frage acht. War etwas dabei, C., was dich207 auch noch nach der Stunde beschäftigt und zum Nachdenken gebracht208 hat?209210 Schülerin: .. Jooo, allgemein des Video … , weil man holt schun drüber211 nachdenkt, weils vielleicht in der heitigen Zeit ah noch welche gib, dei wos212 so handeln wie früher.213214 Interviewer: Also speziell is Video irgendwie.215216 Schülerin: Mhm.217218 Interviewer: F.?219220 Schüler: Jo, eigentlich ah speziell is Video und .. ja allgemein behinderte221 Menschen, wie zach das Thema eigentlich war.222
    • Bachelorstudium für das Lehramt an Hauptschulen 97 | S e i t e223 Interviewer: Mhm. Dann Frage neun .. Welche Gefühle löst die Thematik224 Euthanasie im Nationalsozialismus bei dir aus?225226 Schülerin: … Das Gefühl …. Jo, irgendwie hot ma an Hass auf die227 Menschen, dei wos mit so oanem umgehn, und anerseits hot man is228 Mitgefühl mit die Leit mit Behinderung.229230 Interviewer: Mhm.231232 Schüler: Eigentlich is gleiche. Eher Zorn, wie man sowos tuan konn.233234 Interviewer: Zorn?235236 Schüler: Mhm. Jo, i versteh net, wie man sowos tuan konn .. des sein ah237 lei Menschen.238239 Interviewer: .. Okay. Die letzte Frage. Wie werden Menschen mit240 Behinderung deiner Meinung nach heute behandelt?241242 Schülerin: Ehmm, i glab, dass es besser isch, als wie früher, dass sie,243 teilweise gibs ja Behindertenheime und do werden sie ... kümmern sich244 die Leit um dei und af der Stroße jo teilweise werden sie beschumpfen …,245 aber obwohl sie nix dafür können … i glab, bissl besser wie früher, aber246 no net so, dass ... ganz perfekt isch.247248 Interviewer: Mhm. Gibt es Unterschiede zwischen heute und früher?249250 Schülerin: Mhm.251252 Interviewer: Zum Beispiel?253
    • Bachelorstudium für das Lehramt an Hauptschulen 98 | S e i t e254 Schülerin: Jo, dass sie zum Beispiel nimma verkauft werden oder Geld255 geboten werd, dass ihnen gholfn wird, in Behindertenheime oder in der256 Familie und so … do wert man net ausgstoßn, wenn man behindert isch.257258 Interviewer: Mhm. F.? Wie werden Menschen mit Behinderung heute259 behandelt deiner Meinung nach?260261 Schüler: Eigentlich besser, aber es gibt halt Sonderfälle, die anders sind.262263 Interviewer: Mhm. Gibt es Unterschiede zwischen heute und früher?264265 Schüler: Jo.266267 Interviewer: Zum Beispiel?268269 Schüler: Zum Beispiel … ehmm, also, es sein nimma so viel Menschen,270 die darüber so schlecht denken, also der Großteil der Menschen denkt271 positiv, also halt, ehmm, es is eher, also jetzt net gegen die behinderten272 Menschen, sondern, wie soll ich sogn …273274 Interviewer: Eher positiv gegenüber den behinderten Menschen.275276 Schüler: Jo, eher positiv, jo.277278 Interviewer: Okay. Vielen Dank fürs Gespräch.