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  • 1. JIM-STUDIE JIM-STUDIE 2011 Jugend, Information, (Multi-) Media Basisuntersuchung zum Medienumgang 12- bis 19-Jähriger F o r s c h u n g s b e r i c h t e
  • 2. JIM 2011Jugend, Information, (Multi-) MediaBasisstudie zum Medienumgang 12- bis 19-Jähriger in DeutschlandHerausgeber:Medienpädagogischer Forschungsverbund SüdwestGeschäftsstelle:c/o Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg (LFK)Thomas RathgebReinsburgstr. 2770178 StuttgartTel.: 0711 – 66 99 131Fax.: 0711 – 66 99 111E-Mail: info@mpfs.dehttp://www.mpfs.deLeitung:Peter Behrens (LMK)Thomas Rathgeb (LFK)Stuttgart, November 2011Redaktion:Lena Ebert (SWR Medienforschung)Sabine Feierabend (SWR Medienforschung)Ulrike Karg (LFK)Thomas Rathgeb (LFK)© Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest (LFK, LMK)
  • 3. Inhaltsverzeichnis Seite1. Einführung und Methode 32. Medienausstattung 53. Freizeitaktivitäten 74. Themeninteressen 9 Exkurs: Berufswunsch 115. Medienbeschäftigung in der Freizeit 136. Wichtigkeit der Medien 157. Glaubwürdigkeit der Medien 188. Radio und Musik 19 8.1 Radio 20 8.2 Beschaffung von Musiktiteln 219. Fernsehen 23 9.1 Fernsehnachrichten 24 9.2 Unterhaltungs- und Castingshows 2610. Bücher 2811. Computer und Internet 30 11.1 Nutzungsfrequenz und Nutzungsorte 30 11.2 Tätigkeiten am Computer/im Internet 32 11.3 Probleme im Internet 38 11.4 Jugend früher und heute 4012. Computer-, Konsolen- und Onlinespiele 42 12.1 Nutzungs- und Spielpräferenzen 42 12.2 Jugendschutz 4613. Online-Communities und Datenschutz 47 13.1 Nutzungshäufigkeit und Nutzungsmuster 47 13.2 Datenschutz 5014. Handy 57 14.1 Ausstattung und Kosten 57 14.2 Handynutzung 59 14.3 Problematische Inhalte 6015. Zusammenfassung 6416. English summary 67
  • 4. Seite 2 Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest / JIM-Studie 2011
  • 5. Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest / JIM-Studie 2011 Seite 31. Einführung und MethodeDas Thema „Medienpädagogik und Medienbildung“ erfährt derzeit viel Interesse und Aufmerk-samkeit. Kaum ein Bundesland, das nicht Kampagnen und Initiativen zur Internetsicherheit,zur Medienerziehung oder vergleichbaren Themen initiiert. Auf Landes- und Bundesebenewird das Thema intensiv diskutiert und die Nutzung des Internets mit seinen Chancen undRisiken ist Teil der gesellschaftlichen Diskussion. Seit 13 Jahren ist der MedienpädagogischeForschungsverbund Südwest (mpfs) mit der JIM-Studie (Jugend, Information, (Multi-) Media)Teil dieser Debatte. Mit dieser repräsentativen Langzeituntersuchung bietet der mpfs kontinu-ierlich Daten zur Mediennutzung von Jugendlichen. Vielmals wird heute der Begriff der „digitalnatives“ bemüht: Die Jugendlichen werden als „digitale Eingeborene“ bezeichnet, da sie be-reits in einer Welt mit einem vielfältigen Angebot an Medien aufwachsen und sich den Um-gang nicht erst im Erwachsenenalter aneignen müssen. Oftmals wird allerdings die unver-krampfte Herangehensweise von Jugendlichen an moderne Medientechnik missverstandenals eine Art angeborene Medienkompetenz. Wie der Alltag von Jugendlichen in der multimedi-alen Welt aussieht, beschreibt die vorliegende JIM-Studie mit Angaben zur Nutzung von Fern-sehen, Radio, Büchern, Handy, Computer und Internet sowie Computer- und Konsolenspie-len.Mit der vorliegenden Ausgabe dokumentiert der Medienpädagogische ForschungsverbundSüdwest zum vierzehnten Mal die Medienwelt der 12- bis 19-Jährigen in Deutschland. Nebender Fortführung der Basisstudie, die die aktuelle Situation der Mediennutzung von Jugendli-chen untersucht, liegt ein Schwerpunkt im Jahr 2011 in der Betrachtung von sozialen Netz-werken, insbesondere das Thema Datenschutz wird näher beleuchtet. Weiter werden allge-meine Themeninteressen von Jugendlichen sowie die Glaubwürdigkeit der Medien untersucht.Die Grundgesamtheit der JIM-Studie 2011 umfasst die ca. sieben Millionen Jugendlichen imAlter von 12 bis 19 Jahren in Telefon-Haushalten der Bundesrepublik Deutschland. Aus dieserGrundgesamtheit wurde eine repräsentative Stichprobe von 1.205 Jugendlichen in der Zeitvom 16. Mai bis 26. Juni 2011 telefonisch befragt. Feldarbeit und Datenprüfung lagen beimInstitut ENIGMA GfK in Wiesbaden. Geringe Abweichungen der Soll-Struktur wurden durcheine iterative Gewichtung der Merkmale „Geschlecht x Alter insgesamt“ und „Bundesland“(Basis: Statistisches Bundesamt, Stand 31.12.2009) ausgeglichen, so dass die befragten Ju-gendlichen ein möglichst genaues Spiegelbild der Grundgesamtheit wiedergeben.
  • 6. Seite 4 Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest / JIM-Studie 2011 JIM 2011: Soziodemografie Jungen 51 Mädchen 49 Altersgruppen 12-13 Jahre 25 14-15 Jahre 24 16-17 Jahre 25 18-19 Jahre 26 Schüler 82 Auszubildende 10 Studenten 4 Bildungsgruppen Hauptschule 10 Realschule 33 Gymnasium 53 0 20 40 60 80 100 Quelle: JIM 2011, Angaben in Prozent Basis: alle Befragten, n=1.205Herausgeber der Studienreihe JIM ist der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest(mpfs), der gemeinsam von • der Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg (LFK) und • der Landeszentrale für Medien und Kommunikation Rheinland-Pfalz (LMK)getragen wirdin Kooperation mit • der SWR Medienforschungin Zusammenarbeit mit • der Bundeszentrale für politische Bildung • den Landeszentralen für politische Bildung Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz • der Stiftung Lesen • der ZMG Zeitungs Marketing Gesellschaft mbH & Co. KG.Aus Gründen der Lesbarkeit bedient sich der vorliegende Bericht meist männlicher Substanti-ve, schließt die weibliche Form der Begriffe jedoch selbstverständlich mit ein. Wenn bei-spielsweise von Nutzern die Rede ist, so sind stets Nutzerinnen und Nutzer gemeint. Sofernnicht anders gekennzeichnet, beziehen sich die Ergebnisse auf die Erhebungen des Jahres2011. Gängigen Konventionen folgend, werden die Jugendlichen hinsichtlich ihres Bildungsni-veaus nach dem noch immer in weiten Teilen Deutschlands vorherrschenden dreigliedrigenSchulsystems dargestellt – Haupt- und Realschule sowie Gymnasium. Jugendliche in Ausbil-dung werden gemäß ihrem höchsten Bildungsabschluss eingeordnet.
  • 7. Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest / JIM-Studie 2011 Seite 52. MedienausstattungDas Angebot an Geräten zur Mediennutzung weitet sich ständig aus. Nach dem Einzug derSmartphones eröffnen sich nun mit Tablet-PCs, wie dem iPad, über die neue Bedienebeneper Touchscreen, Bewegungs- und Lichtsensoren neue Angebote und Nutzungsmöglichkei-ten. Welche Geräte Jugendlichen aktuell zur Verfügung stehen, zeigt ein Blick auf die Haus-haltsausstattung. Alle Haushalte, in denen Jugendliche zwischen 12 und 19 Jahren aufwach-sen, haben Fernseher, Computer, Internetzugang und Handys. Fast jeder Haushalt hat einRadio und die Möglichkeit, mit einer Digitalkamera zu fotografieren, in neun von zehn Haus-halten steht ein MP3-Player zur Verfügung. Drei Viertel haben eine fest installierte Spielkonso-le, zwei Drittel eine tragbare Spielkonsole. Der Anteil der Familien, die einen Flachbildfernse-her haben, ist deutlich auf 76 Prozent angestiegen (2010: 56 %). Merklich zugenommen hatauch der Besitz von Smartphones, also Mobiltelefonen mit der Möglichkeit das Internet mobilzu nutzen und anderen erweiterten Funktionen. Hier stieg die Besitzrate von 23 Prozent in2010 auf aktuell 43 Prozent der Haushalte. Erstmals erhoben wurden Tablet-PCs. Immerhinjeder zehnte Haushalt hat bereits diese neue Geräteart, die über einen Touchscreen bedientwird. Geräte-Ausstattung im Haushalt 2011 (Auswahl) Computer/Laptop 100 Handy 99 Fernseher 99 Internetzugang 99 Digitalkamera 96 Radio 95 MP3-Player/iPod 92 DVD-Player (nicht PC) 87 Feste Spielkonsole 77 TV-Flachbildschirm 76 Videorekorder 69 T ragb. Spielkonsole 67 DVD-Rekorder 49 Smartphone/iPhone 43 DVD-Rekorder mit Festplatte 29 Tablet-PC/iPad 10 0 25 50 75 100 Quelle: JIM 2011, Angaben in Prozent Basis: alle Befragten, n=1.205Neben den Geräten und deren Verfügbarkeit im Haushalt stellt sich die Frage nach dem Zu-gang zu weiteren Medien. So haben 58 Prozent der Haushalte ein Abonnement einer Tages-zeitung, 41 Prozent bekommen regelmäßig Zeitschriften ins Haus geliefert und 18 Prozenthaben neben den frei zugänglichen Fernsehprogrammen zusätzliche Pay-TV-Angebote.
  • 8. Seite 6 Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest / JIM-Studie 2011Auch die Jugendlichen selbst haben ein bedeutendes Repertoire an Mediengeräten zur Ver-fügung. Mit 96 Prozent besitzt so gut wie jeder Jugendliche ein eigenes Handy. Vier Fünftelbesitzen einen MP3-Player (82 %) und einen eigenen Computer (79 %). Knapp zwei Drittelhaben ein eigenes Radio (64 %) und etwa jeder Zweite zwischen 12 und 19 Jahren hat eineDigitalkamera (53 %), einen eigenen Fernseher (52 %) oder eine tragbare Spielkonsole(49 %), wie beispielsweise PSP oder Nintendo DS, zur Verfügung. Eine feste Spielkonsole wiedie PlayStation, Wii oder Xbox haben 45 Prozent, ebenso viele können vom eigenen Zimmeraus in das Internet gehen. Jeder dritte Jugendliche hat einen DVD-Player (31 %) und jedervierte ein Smartphone (25 %) bzw. einen Flachbildfernseher (24 %). Etwa jeder Zehnte kannFernsehsendungen mit einem DVD-Rekorder (13 %) oder einem Videorekorder (11 %) auf-zeichnen. Erstmals erhoben wurden 2011 Tablet-PCs wie das iPad oder das Samsung Gala-xy, drei Prozent der Jugendlichen können ein solches Gerät ihr Eigen nennen.Die Besitzverhältnisse von Jungen und Mädchen sind durchaus unterschiedlich. So besitzenmehr Mädchen eine eigene Digitalkamera sowie ein eigenes Handy. Jungen steht dagegenhäufiger ein eigenes Fernsehgerät, ein Flachbildfernseher oder ein Smartphone zur Verfü-gung. Besonders deutlich sind die Unterschiede bei festen Spielkonsolen, hier ist die Ausstat-tungsquote bei den Jungen fast doppelt so hoch wie bei den Mädchen. Gerätebesitz Jugendlicher 2011 98 Handy 94 M P3-Player/iPod 82 81 Computer/Laptop 76 81 Radio 65 63 Digitalkame ra 66 40 48 Fernsehge rät 57 49 Tragb. Spielkonsole 50 31 Fe ste Spielkonsole 58 Internetzugang 44 46 32 DVD-Player (nicht PC) 30 22 Smartphone /iPhone 27 20 TV-Flachbildschirm 29 13 Mädchen DVD-Rekorder 12 Vide orekorder 13 Jungen 10 Tablet-PC/iPad 3 4 0 25 50 75 100 Quelle: JIM 2011, Angaben in Prozent Basis: alle Befragten, n=1.205
  • 9. Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest / JIM-Studie 2011 Seite 73. FreizeitaktivitätenTrotz der guten Ausstattung mit Medien sind für Jugendliche in ihrer Freizeit auch andere Ak-tivitäten bedeutsam. An erster Stelle steht die Zusammenkunft mit Freunden. 84 Prozent ver-abreden sich regelmäßig zu einem persönlichen Treffen. Knapp drei Viertel sind in ihrer Frei-zeit sportlich aktiv (72 %), jeder Vierte macht selbst Musik (24 %), sei es durch das Spieleneines Instruments oder die Mitwirkung in einem Chor. Ein vergleichbarer Anteil unternimmtregelmäßig Aktivitäten mit der Familie (23 %). 14 Prozent betätigen sich kreativ, beispielswei-se beim Malen oder Basteln, jeder Zehnte besucht mehrmals die Woche Sportveranstaltun-gen. Shoppingtouren (8 %), Party- oder Discobesuche (6 % bzw. 3 %) finden seltener statt.Der Besuch einer Bibliothek, Kinobesuche und der Gang zur Kirche erfolgen üblicherweisenicht mehrmals pro Woche, hier ist ein Blick auf die Frequenz „einmal in 14 Tagen“ sinnvoll:Innerhalb von zwei Wochen suchen dann 19 Prozent eine Bibliothek auf, jeder Fünfte geht insKino, 21 Prozent gehen in die Kirche zu einem Gottesdienst, 29 Prozent sind Discogängerbzw. feiern auf Partys (44 %). Non-mediale Freizeitaktivitäten 2011 - täglich/mehrmals pro Woche - Mit Freunden/Leuten treffen 82 85 Sport 65 78 Ausruhen, nichts tun 67 67 Familienunternehmungen 26 20 Selbst Musik machen 24 25 Malen, basteln 20 9 Sportveranstaltungen besuchen 8 12 Einkaufsbummel 12 3 Partys 4 8 Mädchen Disco 2 Jungen 3 Leih-Bücherei/Bibliothek 4 4 Briefe/Karten schreiben 2 0 Kirche 1 1 0 25 50 75 100 Quelle: JIM 2011, Angaben in Prozent Basis: alle Befragten, n=1.205Bei den Freizeitbeschäftigungen unterscheiden sich Jungen und Mädchen nur in den Berei-chen Sport, Sportveranstaltungen und Partys, die von Jungen häufiger genutzt werden, sowieFamilienunternehmungen, kreative Tätigkeiten und Shoppingaktivitäten, die verstärkt vonMädchen unternommen werden.
  • 10. Seite 8 Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest / JIM-Studie 2011Mit zunehmendem Alter nehmen sportliche Aktivitäten, das eigene musikalische Engagement,Familienunternehmungen, der Besuch von Sportveranstaltungen und Malen/Basteln ab. Da-gegen treffen sich ältere Jugendliche häufiger mit Freunden, ruhen sich häufiger aus und be-suchen öfter Partys oder eine Disco.Die Freizeitaktivitäten der Jugendlichen sind über die Zeit betrachtet relativ stabil. Vergleichtman die aktuellen Werte mit denen der JIM-Studie 2005, als das Internet noch weniger domi-nant war - gerade mal 60 Prozent der Jugendlichen nutzten damals regelmäßig das Internet -so verzeichnen lediglich das Treffen mit Freunden, der Besuch von Sportveranstaltungen,Einkaufen, Party und Disco zurückgehende Werte. Etwas zugenommen haben dagegen Aus-ruhen, Familienunternehmungen und selbst Musik machen. Non-mediale Freizeitaktivitäten 2011/2005 - täglich/mehrmals pro Woche - Mit Freunden/Leuten treffen 84 88 Sport 72 68 Ausruhen, nichts tun 67 59 Familienunternehmungen 23 16 Selbst Musik machen 24 18 Malen, basteln 14 14 Sportveranstaltungen besuchen 10 14 Einkaufsbummel 8 12 Gesamt 2011, n=1.205 Partys 6 13 Gesamt 2005, n=1.203 Disco 3 6 Leih-Bücherei/Bibliothek 4 4 Briefe/Karten schreiben 1 6 Kirche 1 2 0 25 50 75 100 Quelle: JIM 2011, JIM 2005, Angaben in Prozent Basis: alle Befragten
  • 11. Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest / JIM-Studie 2011 Seite 94. ThemeninteressenIn größeren Abständen erfragt die JIM-Studie das generelle Interesse von Jugendlichen anverschiedenen Lebensbereichen. Hierfür werden die Jugendlichen gebeten, anhand einervorgegeben Liste von 21 Themen ihr Interesse jeweils mittels einer 6er-Skala von 1: „ist fürmich sehr interessant“ bis 6: „ist für mich überhaupt nicht interessant“ zu bekunden. Der größ-te Zuspruch erfolgt zu den Themen „Liebe/Freundschaft“ (87 % sehr interessant/interessant)und „Musik“ (85 %). Für etwa vier Fünftel ist alles rund um „Ausbildung und Beruf“ (82 %) unddas „Internet“ (79 %) bedeutsam. Knapp drei Viertel begeistern sich für „Sport“ (73 %) und 70Prozent zeigen Interesse am Weltgeschehen („Aktuelles, was in der Welt passiert“). Themenwie „Handy“ (69 %) und Computerfragen (66 %) liegen knapp vor „Gesundheit/Medizin“(62 %), „Schule“ (60 %) und „Mode/Kleidung“ (58 %). Etwa jeder Zweite zwischen 12 und 19Jahren zeigt Interesse an „Kino/Filmen“ (49 %), „Umweltschutz“ (49 %) und „Musik-Stars/Bands“ (47 %). Erstmals abgefragt wurde das Interesse an „Energiepolitik und Energie-versorgung“: Diese Themen sind für jeden dritten Jugendlichen relevant. Jeder Vierte interes-siert sich für „Film-/TV-Stars“ (27 %), „Computerspiele“ (27 %), Wirtschaftsthemen (25 %) undregionale Politik (23 %). Gut jeder Fünfte kann sich für kulturelle Themen und Kunst (22 %)erwärmen. Das Schlusslicht bildet „Politik, die in Berlin gemacht wird“, die nur für 20 Prozentder 12- bis 19-Jährigen von Interesse ist. Themeninteressen 2011 (1) - sehr interessant/interessant - 92 Liebe, Freundschaft 83 87 Musik 83 85 Ausbildung und Beruf 78 75 Internet 82 66 Sport 80 70Aktuelles/was in der Welt passiert 70 74 Handy 64 56 PC & alles, was damit zu tun hat Mädchen 74 66 Jungen Gesundheit/ Medizin 58 65 Schule 56 67 M ode/Kleidung 48 0 20 40 60 80 100 Quelle: JIM 2011, Angaben in Prozent Basis: alle Befragten, n=1.205
  • 12. Seite 10 Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest / JIM-Studie 2011 Themeninteressen 2011 (2) - sehr interessant/interessant - 48 Kino/Filme 49 55 Umwelt(schutz) 44 50 M usik-Stars/Bands 44 29Energieversorgung/-politik 37 29 Film-/TV-Stars 25 8 Computerspiele 45 17 Wirtschaft 32 Mädchen 23 Regionale Politik Jungen 24 29 Kunst/Kultur 16 15 Überregionale Politik 25 0 20 40 60 80 100 Quelle: JIM 2011, Angaben in Prozent Basis: alle Befragten, n=1.205Jungen und Mädchen haben nur bei den Themen „Musik“, „Aktuelles“ und „Kino“ sowie bei„Film-/TV-Stars“ und „regionaler Politik“ vergleichbare Interessen. Bei den übrigen Themenbe-reichen zeigen sich zum Teil große Differenzen. Mädchen zeigen mehr Interesse insbesonde-re an „Freundschaft/Liebe“, „Handy“, „Schule“, „Mode/Kleidung“, „Umweltschutz“ sowie„Kunst/Kultur“. Eindeutige Jungenthemen sind dagegen, „Sport“, „Computer“ und „Computer-spiele“, „Wirtschaft“ und „überregionale Politik“.Aufschlussreich ist auch ein Blick auf den unteren Bereich der Skala, also auf die Themen, fürdie sich Jugendliche überhaupt nicht interessieren. Etwa jeder dritte Jugendliche zeigt keiner-lei Interesse an „überregionaler Politik“, jeder Vierte kann mit politischen Themen aus der Re-gion wenig anfangen. Überraschend ist das hohe Desinteresse an „Computerspielen“, einDrittel der Jugendlichen findet dies überhaupt nicht interessant. Dieser hohe Wert für das Des-interesse am Thema „Games“ zeigt, dass dies ein Bereich ist, der auch unter Jugendlichenstark polarisiert. Etwa ein Fünftel hat keinerlei Interesse an „Wirtschaft“ und kann dem Kult um„Musik-Stars/Bands“ oder „Film-/TV-Stars“ nichts abgewinnen.Wie ein Blick auf die Ergebnisse vergangener Jahre zeigt, sind die Interessen der Jugendli-chen relativ stabil. Im Vergleich zu den Ergebnissen der JIM-Studie von 2007, als diese Fra-gestellung zum letzten Mal in dieser Form erhoben wurde, zeigen sich für die meisten Themennur geringfügige Unterschiede. Nur für die Themen „Handy“ (+10 Prozentpunkte PP), „Inter-net“ (+9 PP), „Aktuelles“ (+8 PP), „Gesundheit“ (+7 PP) und „Wirtschaft“ (+6 PP) ist das Inte-
  • 13. Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest / JIM-Studie 2011 Seite 11resse merklich gestiegen. Weniger Aufmerksamkeit erfahren die Themen „Musik-Stars/Bands“(-8 PP), „Film-/TV-Stars“ und „Computerspiele“ (je -5 PP).Exkurs: BerufswunschDie Berufswahl ist ein zentraler Aspekt für Jugendliche, vier Fünftel der 12- bis 19-Jährigenhaben Interesse an diesem Thema. 57 Prozent der Jugendlichen haben bereits einen festenBerufswunsch. Jugendliche mit geringerer Bildung sind hier schon deutlich gefestigter in ihrenVorstellungen als Jugendliche mit mittlerer und höherer Bildung. Am beliebtesten sind hierbeiBerufe aus dem Gesundheitswesen (9 %) und kaufmännische Berufe (9 %), Tätigkeiten imBereich Bildung/Erziehung (7 %) und handwerkliche Berufe (6 %). Vier Prozent haben denWunsch, einen künstlerisch-kreativen Beruf auszuüben. Jugendliche, die bereits einen Be-rufswunsch haben, informierten sich überwiegend bei Eltern/Verwandten (32 %) und im Inter-net (29 %). Jeder Vierte informierte sich in der Schule (25 %) oder machte eigene Erfahrun-gen in einem Praktikum (23 %). Die Agentur für Arbeit und die Berufsinformationszentren(BIZ), die die Aufklärung und Beratung über Berufswege zur Aufgabe haben, dienten lediglichacht Prozent der Jugendlichen, die sich mit dem Thema auseinandergesetzt hatten, als Infor-mationsquelle. Blickt man vor allem auf ältere Jugendliche, die von dieser Fragestellung jabesonders betroffen sind, so ist das Internet die zentrale Informationsinstanz, gefolgt vonSchule und Praktikum oder Ferienjob. Berufswunsch 2011 72 Ja, habe einen Berufswunsch 64 51 4 Bildung/Erziehung 6 8 12 Gesundheitswesen 10 8 16 Kaufmännische Berufe 11 3 23 Handwerkl.-techn. Berufe 9 1 6Andere Handwerkl./Dienstleistungsberufe 4 0 Verkehrswesen 1 Hauptschule 3 2 Realschule Öffentlicher Dienst 6 2 Gymnasium 2 Künstl.-kreative Berufe 4 5 1 Berufe mit Tieren 2 2 Ingenieur/in 2 4 0 25 50 75 100 Quelle: JIM 2011, Angaben in Prozent, Nennungen ab 2 % Basis: alle Befragten, n=1.205
  • 14. Seite 12 Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest / JIM-Studie 2011 Informationsquellen für Berufswunsch 2011 45 Eltern/Verwandte 39 31 18 14 Internet 28 34 36 23 Schule 23 24 28 5 Praktikum/Ferienjob 28 30 25 17 Freunde 12 12-13 Jahre 12 14-15 Jahre 9 16-17 Jahre 18-19 JahreAgentur für Arbeit/BIZ 4 12 14 16 Fernsehen/TV-Serien 6 2 1 0 25 50 75 100 Quelle: JIM 2011, Angaben in Prozent, Nennungen ab 5 % Basis: Befragte, die einen Berufswunsch haben, n=692
  • 15. Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest / JIM-Studie 2011 Seite 135. Medienbeschäftigung in der FreizeitMediengeräte und Medienangebote sind allgegenwärtig und Teil des Alltags von Jugendli-chen. Im Detail betrachtet bedeutet dies, dass neun von zehn Jugendlichen regelmäßig (täg-lich/mehrmals pro Woche) ein Handy (91 %), das Internet (89 %) nutzen oder fernsehen(89 %, egal über welchen Weg). Etwa vier Fünftel beschäftigen sich zumindest mehrmals proWoche mit einem MP3-Player (83 %) oder einem Radio (78 %), CDs (oder Kassetten) alsweiteres auditives Medium werden hingegen mit 59 Prozent deutlich seltener genutzt. DasLesen von Büchern (44 %) und Tageszeitungen (42 %) rangiert noch vor der Beschäftigungmit Computer- und Konsolenspielen (34 %). Knapp jeder dritte Jugendliche zwischen 12 und19 Jahren beschäftigt sich regelmäßig mit Digitalfotografie (31 %). Das Onlineangebot vonTageszeitungen nutzen 18 Prozent bereits regelmäßig, zwölf Prozent nutzen die Internetsei-ten von Zeitschriften. Sechs Prozent werden selbst als Medienmacher aktiv und produzierenmindestens mehrmals pro Woche Filme oder Videos. Neu abgefragt wurde die Nutzung vonE-Books: Mit einem Prozent der Nennungen spielt diese Form des Lesens derzeit allerdingsnoch keine Rolle. Medienbeschäftigung in der Freizeit 2011 Handy 80 11 Internet* 65 25 Fernsehen* 60 29 MP3 64 20 Radio* 58 20 Musik-CDs/Kassetten 40 19 Bücher 26 18 T ageszeitung 28 14 Computer-/Konsolenspiele (offline) 11 23 Computer (offline) 15 17 Digitale Fotos machen 9 21 DVD/Video 7 21 Zeitschriften/Magazine 9 17 T ageszeitung (online) 10 8 Hörspielkassetten/-CDs 7 6 Zeitschriften (online) 5 6 täglich mehrmals pro Woche Digitale Filme/Videos machen 1 5 E-Books lesen 1 Kino 1 0 25 50 75 100 Quelle: JIM 2011, Angaben in Prozent Basis: alle Befragten, n=1.205 *egal über welchen WegBetrachtet man nur die tägliche Nutzung als Indiz besonders hoher Alltagsrelevanz, dannsteht das Handy als ständiger Begleiter an vorderster Stelle. Internet und MP3-Dateien wer-den etwas häufiger genutzt als der Fernseher, aber auch dem guten „alten“ Radio kommt einehohe Relevanz im Alltag zu. Printmedien, wie das Buch oder die Tageszeitung sind für jeden
  • 16. Seite 14 Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest / JIM-Studie 2011Vierten eine tägliche Lektüre. Auch die Onlineausgaben von Tageszeitungen sind relevant: Inder täglichen Nutzung werden diese ebenso häufig verwendet wie gedruckte Zeitschriften.Während die zentralen Medien Internet und Fernsehen von Jungen wie Mädchen in vergleich-barer Häufigkeit genutzt werden, zeigen Mädchen eine Vorliebe für Handy, Radio, Bücher undDigitalkameras. Jungen hingegen nutzen deutlich häufiger eine Tageszeitung (gedruckt wieonline), Computer- und Konsolenspiele, DVDs und einen Computer (offline) sowie die Online-Angebote von Zeitschriften. Besonders eklatant ist die unterschiedliche Nutzung bei Computerund Konsolenspielen: Hier ist der Anteil der regelmäßigen Nutzer bei den Jungen mehr alsdreimal so hoch wie bei den Mädchen. Medienbeschäftigung in der Freizeit 2011 - täglich/mehrmals pro Woche - Handy 95 87 Internet* 90 89 Fernsehen* 91 88 MP3 81 85 Radio* 82 75 Musik-CDs/Kassetten 61 58 Tageszeitung 38 46 Bücher 54 35 Computer/Konsolenspiele (offline) 15 52 DVD/Video 23 33 Computer (offline) 27 35 Digitale Fotos machen 38 24 Zeitschriften/Magazine 26 27 Tageszeitung (online) 13 22 Hörspielkassetten/-CDs 14 12 Zeitschriften (online) 9 Mädchen 14 Digitale Filme/Videos machen 6 7 Jungen Kino 1 1 E-Books lesen 1 1 0 25 50 75 100 Quelle: JIM 2011, Angaben in Prozent Basis: alle Befragten, n=1.205 *egal über welchen Weg
  • 17. Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest / JIM-Studie 2011 Seite 156. Wichtigkeit der MedienDa die Häufigkeit der Nutzung nicht zwingend auch die subjektiv empfundene Bedeutung desjeweiligen Mediums widerspiegelt, wird in der JIM-Studie zusätzlich noch explizit die Wichtig-keit der Medienaktivitäten erhoben. Die Frage zielt primär auf die jeweiligen medienspezifi-schen Inhalte, Tätigkeiten und Angebote ab, wobei der Transportweg hier nicht im Vorder-grund steht.Von zentraler Bedeutung ist für Jugendliche Musik und das Internet. Neun von zehn Jugendli-chen empfinden es als (sehr) wichtig, Musik zu hören (90 %) und das Internet zu nutzen(88 %). Vier Fünftel halten das Handy für (sehr) wichtig. Nur gut jeder Zweite zwischen 12 und19 Jahren findet es für sich bedeutsam, Fern zu sehen (56 %), Radio zu hören (58 %) oderein Buch zu lesen (53 %). Für 43 Prozent haben Computer- und Konsolenspiele einen beson-deren Stellenwert und zwei Fünftel legen Wert auf die Tageszeitung.Bei der Betrachtung der subjektiven Wichtigkeit unterscheiden sich die Einschätzungen derJungen und Mädchen vor allem bei der Bedeutung von Computer- und Konsolenspielen. Glei-ches gilt auch für die Tageszeitung, die bei Jungen ebenfalls eine größere Rolle spielt. DasLesen von Büchern und die Nutzung des Radios ist hingegen für Mädchen bedeutsamer. Wichtigkeit der Medien* 2011 - sehr wichtig/wichtig - Mädchen Jungen Internet zu Musik zu hören 92 89 nutzen Handy zu 87 Musik zu hören 88 nutz en Internet zu Handy zu 86 75 nutzen nutz en Bücher zu 65 Computerspiele 60 lesen Radio zu hören 64 Fern zu sehen 58 Fern zu sehen 54 Radio zu hören 53 Tagez eitung zu Tagez eitung zu 35 44 lesen lesen Bücher zu Computerspiele 26 42 lesen 0 25 50 75 100 0 25 50 75 100 Quelle: JIM 2011, Angaben in Prozent Basis: alle Befragten, n=1.205 *egal ob über herkömmlichen Weg, über das Internet oder andere Wege
  • 18. Seite 16 Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest / JIM-Studie 2011Neben der grundsätzlichen Bedeutung der Medien zeigt der Blick auf verschiedene Alltagssi-tuationen, dass Jugendliche Medien differenziert wahrnehmen und dass das breite Medienan-gebot in unterschiedlichen Settings unterschiedliche Bedeutung erfährt. So hat das Fernsehendie größte Bedeutung beim Mittag- und Abendessen sowie vor dem Schlafengehen. BeimAufstehen sowie beim Frühstück, Mittag- und Abendessen wird häufig auch das Radio alswichtigstes Medium genannt. Im Schulalltag kommt vor allem dem Handy eine bedeutendeRolle zu. Auf dem Schulweg sowie beim Lernen und vor dem Schlafengehen werden MP3-Player und CDs am wichtigsten. Entgegen der grundsätzlichen Bedeutung des Internets findetsich dies in Bezug auf verschiedene Alltagssituationen eher selten als wichtigstes Medium.Wenn, dann wird das Internet in der Schule, beim Lernen und vor dem Schlafengehen ge-nannt. Wichtigkeit der Medien im Tagesablauf - ist mir am wichtigsten - Fernsehen Radio Internet Handy MP3-Player/CDs Bücher Computer-/Konsolenspiele andere Medien keine Medien 100 13 21 25 1 1 30 38 9 1 44 43 75 1 59 55 6 12 2 1 27 3 1 5 1 47 11 31 50 4 3 21 21 2 1 1 7 1 2 1 3 21 11 5 13 5 47 25 39 27 5 17 23 22 9 27 27 12 5 13 14 6 7 8 5 2 4 0 2 Aufstehen Frühstück Schulweg/ Schule/ Pausen Mittag- Lernen Abend- Schlafen- Arbeitsweg Arbeit essen essen gehen Quelle: JIM 2011, Angaben in Prozent Basis: alle Befragten, n=1.205Die Bedeutung der einzelnen Medien ist nicht nur abhängig von den äußeren Umständen unddem Tagesverlauf, sondern auch von der sozialen Situation, in der man sich befindet. SindJugendliche mit Freunden zusammen, sind die wichtigsten Medien das Handy und Tonträger,wie MP3-Player oder CDs. Mit etwas Abstand folgen Computer- und Konsolenspiele, die jederZehnte hier als wichtigstes Medium nennt. Sind die 12- bis 19-Jährigen mit ihrer Familie zu-sammen, wird von fast jedem Dritten der Fernseher als wichtigstes Medium genannt. Nebendem Fernsehen haben hier nur Radio und das Handy Relevanz. Zwei Fünftel können keineMedien benennen, die ihnen im Kreis der Familie besonders wichtig sind. Sind Jugendliche
  • 19. Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest / JIM-Studie 2011 Seite 17allein zu Hause, kommt die größte Rolle dem Internet zu, 35 Prozent nennen das Netz alswichtigstes Medium. 28 Prozent entscheiden sich für das Fernsehen, wenn sie alleine sind,zwölf Prozent nennen hier Computerspiele. Beim Alleinsein kommt den Medien insgesamteine große Bedeutung zu: Nur ein Prozent benennt keine Medienbeschäftigung. Beim Ab-schalten vom Alltag stehen MP3-Player und CDs im Vordergrund und auch das Fernsehenund das Handy spielen eine Rolle. Für jeden Zehnten ist beim Chillen das Internet das wich-tigste Medium. Wichtigkeit der Medien in der Freizeit - ist mir am wichtigsten - Fernsehen Radio Internet Handy MP3-Player/CDs Bücher Computer-/Konsolenspiele andere Medien keine Medien Mit Freunden zusammen 7 5 7 25 21 11 1 23 sein Mit Familie zusammen sein 29 14 11 4 11 1 39 Allein zu Hause 28 5 35 5 9 4 12 11 Beim Chillen 14 9 10 14 39 5 5 1 5 0 25 50 75 100 Basis: alle Befragten, n=1.205 Quelle: JIM 2011, Angaben in Prozent
  • 20. Seite 18 Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest / JIM-Studie 20117. Glaubwürdigkeit der MedienEin weiterer Indikator, um den Stellenwert verschiedener Medien aus der Sicht Jugendlicherzu beschreiben, ist die Glaubwürdigkeit: Welches Vertrauen haben die 12- bis 19-Jährigen indie Berichterstattung der jeweiligen Medien? In der JIM-Studie wurden die Jugendlichen ge-fragt: „Stell Dir mal vor, Du wirst im Radio, im Fernsehen, in Tageszeitungen oder im Internet überein und dasselbe Ereignis informiert, die Berichte widersprechen sich aber bzw. sind voneinanderverschieden. Wem würdest Du am ehesten glauben: dem Radio, dem Fernsehen, dem Internetoder der Tageszeitung?“. Auf diese Frage entscheiden sich zwei Fünftel für die Tageszeitung,29 Prozent vertrauen am ehesten den Meldungen aus dem Fernsehen, ein Sechstel baut aufdas Radio und jeder Siebte traut am ehesten den Angaben aus dem Internet. Insgesamt be-trachtet bewerten Jungen und Mädchen die Medien recht ähnlich. Mädchen entscheiden sichetwas häufiger für das Fernsehen, Jungen zu einem größeren Anteil für das Internet. GrößereUnterschiede ergeben sich bei der Betrachtung der Altersgruppen. Hier verlieren mit zuneh-mendem Alter der Jugendlichen Radio und Fernsehen an Glaubwürdigkeit, während die Ta-geszeitung an Vertrauen deutlich hinzu gewinnt. Weniger deutlich gilt das auch für das Inter-net. Würde bei widersprüchlicher Berichterstattung am ehesten vertrauen auf … Gesamt 40 29 16 14 2 Tageszeitung Fernsehen Radio Internet weiß nicht Mädchen 40 31 16 11 2 Jungen 40 26 16 16 2 12-13 Jahre 34 30 24 12 14-15 Jahre 37 31 16 14 2 16-17 Jahre 44 29 12 14 2 18-19 Jahre 43 25 13 16 3 0 25 50 75 100 Quelle: JIM 2011, Angaben in Prozent Basis: alle Befragten, n=1.205Vergleicht man die Ergebnisse mit den Daten der JIM-Studie von 2008, als diese Frage zumletzten Mal erhoben wurde, so zeigt sich ein leichter Rückgang im Vertrauen in die Tageszei-tung (2008: 44 %) und ein geringfügiger Anstieg der Glaubwürdigkeit beim Radio (2008:13 %).
  • 21. Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest / JIM-Studie 2011 Seite 198. Radio und MusikNach wie vor spielt Musik im Leben junger Menschen eine extrem große Rolle. So dient Musiknicht nur der Zerstreuung (z.B. auf dem Weg zur Schule oder zu Hause) und zum Auslebenvon Stimmungen (Mood Management), Musik ist auch ein wichtiges Element der Identitätsbil-dung. Sie dient der Abgrenzung oder ist ein Ausdruck der Zugehörigkeit zu bestimmten Grup-pen und ein Faktor der Stilbildung auf dem Weg zum Erwachsenwerden. Neben der eigenenMusik auf dem MP3-Player kommt dem Radio hier eine wichtige Rolle zu. Gefragt nach denÜbertragungswegen zum Musikhören, kommt bei der täglichen Nutzung das Radio bei 55Prozent der Jugendlichen an erster Stelle. 45 Prozent der Jugendlichen nutzen täglich einenMP3-Player zum Musikhören und mehr als jeder Dritte nutzt das Handy (38 %) als alltäglichesMusikabspielgerät. Das Internet (35 %) dient häufiger als Musikquelle als der Computer offline(29 %). CD-Player (13 %), der Fernseher (11 %) oder ein Walkman (3 %) spielen dagegen imAlltag für die Musiknutzung eine geringere Rolle. Beim Musikhören haben Mädchen eine deut-liche Affinität zum Radio, auch der Fernseher und das Handy werden von Mädchen häufigergenutzt. Jungen neigen eher zu Computer und Internet. Musiknutzung (höre Musik mit…) 2011 - täglich - 62 Radio 49 44 MP3-Player/iPod 46 41 Handy/Smartphone 36 34 Internet 36 25 Computer/Laptop (offline) 32 15 Mädchen CD-Player/Discman 11 Jungen 16 Fernseher 8 3 Walkman 3 0 25 50 75 100 Quelle: JIM 2011, Angaben in Prozent Basis: alle Befragten, n=1.205
  • 22. Seite 20 Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest / JIM-Studie 20118.1 RadioDass das Radio auch im Multimediazeitalter für Jugendliche ein relevantes Medium ist, bele-gen die Ergebnisse der JIM-Studie: Pro Tag hören Jugendliche 98 Minuten Radio, 78 Prozenthören regelmäßig Radio. Vergleicht man die Werte der regelmäßigen Radionutzung (mindes-tens mehrmals pro Woche) mit denen vom Vorjahr, zeigt sich eine Steigerung um vier Pro-zentpunkte. Die Radionutzung zeigt sowohl bei den Jungen (2010: 70 %) als auch bei denMädchen (2010: 79 %) eine steigende Tendenz. Auf die positive Entwicklung des Radios ge-rade bei jüngeren Hörern verweisen auch andere Untersuchungen1. Radionutzung 2011 Gesamt 78 9 7 5 Mädchen 82 8 6 4 Jungen 75 11 8 7 12-13 Jahre 85 8 4 3 14-15 Jahre 75 11 8 6 16-17 Jahre 75 10 8 7 18-19 Jahre 78 8 8 5 Hauptschule 70 12 11 8 Realschule 75 9 8 8 Gymnasium 82 9 5 3 0 25 50 75 100 täglich/mehrmals pro Woche einmal/Woche - einmal/14 Tage einmal/Monat - seltener nie Quelle: JIM 2011, Angaben in Prozent Basis: alle Befragten, n=1.205Die technischen Möglichkeiten Radio zu hören, sind heute vielseitiger geworden. Insbesonde-re Internet und Handy ermöglichen neue Formen der Radionutzung. Trotz der hohen Affinitätzum Internet und der Verfügbarkeit von Handys und MP3-Playern mit Radioempfang ist ausSicht der Jugendlichen das „klassische“, stationäre Radio bzw. das Autoradio die mit Abstandam häufigsten genutzte Option zum Radiohören. Jeder siebte Jugendliche nutzte in den 14Tagen vor der Befragung das Internet zum Radiohören, spezielle Webradiogeräte spielenderzeit noch keine Rolle.1 Karin Gattringer/Walter Klingler: Radionutzung in Deutschland mit leichten Zuwächsen, in: Media Perspekti- ven 10/2010, S. 442-456. Und: Karin Gattringer/Walter Klingler: Radionutzung in Deutschland mit positivem Trend, in: Media Perspektiven 10/2011, S. 442-457.
  • 23. Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest / JIM-Studie 2011 Seite 21 Wege der Radionutzung in den letzten 14 Tagen: Über ein stat. Radio 79 Autoradio 73 Über ein Handy/Smartphone 19 Über das Internet 14 Über ein mob. Radio 9 Über einen MP3-Player 8 Über einen Fernseher 3 Spezielles Webradio 1 Über einen Tablet-PC 0 Über einen Computer (TV/Radio Karte) 0 0 25 50 75 100 Quelle: JIM 2011, Angaben in Prozent Basis: Befragte, die mind. einmal in den letzten 14 Tagen Radio hörten, n=1.0568.2 Beschaffung von MusiktitelnDer Zugang zu Musik gestaltet sich heute über viele Wege. Die technischen MöglichkeitenMusik zu hören sind mit Radio, CDs, MP3-Dateien auf dem Player oder im Internet bis hin zuVinyl-Platten breit gefächert. Entsprechend sind auch die Beschaffungsmöglichkeiten für Mu-sik vielfältiger geworden. Die häufigste Variante, wie Jugendliche normalerweise an neue Mu-siktitel kommen, ist der Tausch im Freundeskreis. Etwa zwei Drittel der Jugendlichen nutzendie Möglichkeit, MP3-Dateien von Freunden, Bekannten oder Verwandten auszutauschen. Anzweiter Stelle kommt der Kauf der CD, der für mehr als die Hälfte der Jugendlichen eine Quel-le für neue Songs ist. Knapp die Hälfte kopiert CDs von Freunden oder Bekannten oderschneidet die Titel aus dem Internet mit. Ein gutes Drittel kauft üblicherweise die MP3-Dateienonline und knapp jeder Vierte zieht die Lieder über Tauschbörsen aus dem Internet. Das Mit-schneiden im Internet, der Kauf von MP3-Dateien und die Nutzung von Tauschbörsen kommtbei Jungen häufiger vor als bei Mädchen. Bildungsspezifische Unterschiede ergeben sich vorallem hinsichtlich der Tauschbörsen im Internet: Jugendliche mit Hauptschulhintergrund gehendieser Tätigkeit häufiger nach (31 %), als Jugendliche mit Realschul- oder gymnasialer Bil-dung (21 % bzw. 22 %).
  • 24. Seite 22 Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest / JIM-Studie 2011 Genutzte Bezugsmöglichkeiten von neuer Musik Kopiere die MP3-Datei von 63 Freunden, Bekannten oder 64 Verwandten 63 56 Kaufe die CD 58 55 46 Kopiere die CD von Freunden, Bekannten oder Verwandten 49 43 43 Schneide den Titel aus dem Gesamt Internet mit 39 Mädchen 46 Jungen 36 Kaufe die MP3-Datei 31 41 23 Lade die MP3-Datei aus Onlinetauschbörse herunter 19 26 0 25 50 75 Quelle: JIM 2011, Angaben in Prozent Basis: alle Befragten, n=1.205Neben der medialen Nutzung von Musik kann man Musik und Musiker auch live erleben, seies auf großen Konzerten oder Festivals oder bei der Schülerband im Jugendzentrum. Aller-dings machte gut die Hälfte der Jugendlichen innerhalb der letzten 12 Monate vor der Befra-gung von diesen Gelegenheiten keinen Gebrauch. 16 Prozent haben in diesem Zeitraum le-diglich ein Konzert besucht. Jeder Sechste besuchte zwei bis drei Konzerte und sechs Pro-zent haben im letzten Jahr vier oder fünf Konzerte besucht. Sieben Prozent waren bei sechsoder mehr Konzerten live dabei.
  • 25. Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest / JIM-Studie 2011 Seite 239. FernsehenAuch im Internetzeitalter hat das Fernsehen einen hohen Stellenwert. Für neun von zehn Ju-gendlichen ist das Fernsehen eine regelmäßige Freizeitbeschäftigung, 60 Prozent sehen tag-täglich fern. Die subjektive geschätzte Nutzungsdauer pro Tag liegt nach eigener Einschät-zung bei 113 Minuten.Trotz der guten Ausstattung mit Computer und Netzzugang und der hohen Alltagsrelevanzdes Internets erfolgt die Fernsehnutzung bei Jugendlichen auch 2011 noch überwiegend überein stationäres Fernsehgerät. Gefragt nach den genutzten Empfangsmöglichkeiten innerhalbder letzten 14 Tage, haben lediglich 14 Prozent Fernsehinhalte über die verschiedenen Mög-lichkeiten des Internets gesehen. Betrachtet man die regelmäßige Nutzung, also zumindestmehrmals pro Woche, haben acht Prozent über das Internet fern gesehen. Die weiteren Mög-lichkeiten der Fernsehnutzug über eine TV-Karte am Computer oder über mobile Geräte wieSmartphone, iPod oder Tablet-PC, haben noch keinen Einzug in den Alltag von Jugendlichengefunden. Allerdings nimmt die Bedeutung des Internets zur Nutzung von Fernsehinhaltenstetig zu, wie der Vergleich mit den Ergebnissen der JIM-Studie 2008 zeigt, als die alternati-ven Nutzungswege des Fernsehens erstmals erhoben wurden. Wege der Fernsehnutzung in den letzten 14 Tagen: 99 Über einen stat. Fernseher 100 14 Über das Internet 5 3 Über ein Handy/Smartphone* 2 2011 (n=1.156) 2 2008 (n=1.149) Über einen Computer (TV- Karte) 3 1 Tablet-PC 1 iPod 0 25 50 75 100 * Seit 2011 inkl. Smartphone Quelle: JIM 2011, JIM 2008, Angaben in Prozent Basis: Befragte, die mind. einmal in den letzten 14 Tagen ferngesehen habenWas die inhaltlichen Vorlieben betrifft, haben sich hierbei keine Änderungen ergeben: Wie dieJahre zuvor ist das mit Abstand beliebteste Fernsehprogramm für knapp die Hälfte ProSieben.An zweiter Stelle folgt RTL, das von 17 Prozent als liebster Sender genannt wird. Andere Pro-gramme werden nur von einem geringen Anteil der Jugendlichen genannt: Sat.1 (5 %), VIVA
  • 26. Seite 24 Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest / JIM-Studie 2011(4 %), NICK (4 %), Das Erste/ARD (3 %) und Super RTL (3 %). Allerdings unterscheidet sichdie Fernsehwelt der Jungen und Mädchen sehr deutlich. Jungen favorisieren eindeutig Pro-Sieben, während sich viel mehr Mädchen als Jungen für RTL aussprechen. Liebstes Fernsehprogramm* 2011 ProSieben 38 53 RTL 27 8 SAT.1 8 3 VIVA 5 3 NICK 4 4 Das Erste/ARD 2 3 Super RTL 2 3 Mädchen RTL 2 2 Jungen 3 DMAX 0 4 ZDF 2 2 Sky/Premiere 1 2 0 10 20 30 40 50 60 * Programme ab 2 % Nennungen (Gesamt) Basis: alle Befragten, n=1.205 Quelle: JIM 2011, Angaben in ProzentNeben den sehr stabilen generellen Vorlieben, die vor allem durch die genutzten Serien undShows der jeweiligen Programme begründet sind2, zeigen Jugendliche bei genauerer Nach-frage ein durchaus differenzierteres Bild ihrer Programmpräferenzen. In der JIM-Studie 2011wurde die Fernsehnutzung für den Bereich der Nachrichten und der Unterhaltungs- undCastingshows genauer betrachtet. Die Nachrichten wurden ausgewählt, um das Informations-verhalten von Jugendlichen zu bewerten. Unterhaltungs- und Castingshows sind von Interes-se, weil diese Sendungen regelmäßig sehr hohe Einschaltquoten unter Jugendlichen erzielen.9.1 FernsehnachrichtenKnapp die Hälfte der Jugendlichen gibt an, sich im Fernsehen regelmäßig Nachrichten anzu-schauen. Der bevorzugte Sender für Nachrichten ist hierbei für 19 Prozent Das Erste/ARD. Anzweiter Stelle folgt RTL (12 %), dann ProSieben mit fünf Prozent und das ZDF mit zwei Pro-zent. Betrachtet man die konkreten Nachrichtenformate, dann zeigt sich, dass auch bei denJugendlichen die „Tagesschau“ eine Institution ist, jeder sechste Jugendliche zwischen 12 und19 Jahren ist regelmäßiger Zuschauer der reichweitenstärksten deutschen Nachrichtensen-dung. Mit weitem Abstand folgen „RTL aktuell“ (6 %), „ProSieben Newstime“ (4 %) und mit2 Siehe Ergebnisse der vergangenen JIM Studien (bspw. JIM-Studie 2010, Seite 20f.)
  • 27. Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest / JIM-Studie 2011 Seite 25jeweils zwei Prozent der Nennungen die „Tagesthemen“, „RTL 2 News“ und „N24 Nachrich-ten“. Die „Tagesschau“ ist bei den Jungen stärker als Nachrichtenquelle verankert (19 %,Mädchen 14 %). Deutliche Unterschiede zeigen sich bei der Betrachtung des Bildungshinter-grunds: 22 Prozent der Gymnasiasten aber nur je elf Prozent der Jugendlichen mit Realschul-oder Hauptschulbildung sehen regelmäßig die „Tagesschau“. Generell ist die regelmäßigeNutzung von Nachrichten in allen Bildungsgruppen verankert (Gymnasium: 47 %, Realschule:45 %, Hauptschule: 50 %). Jugendliche mit geringerem Bildungshintergrund tendieren jedocheindeutig zu den Nachrichtenformaten von RTL (Gymnasium: 8 %, Realschule: 13 %, Haupt-schule: 27 %). Regelmäßig genutzte Nachrichtensendungen 46 Sehe regelmäßig Nachrichtensendungen, und zwar: 43 49 19 ARD (gesamt) 16 23 12 RTL (gesamt) 15 8 5 ProSieben (gesamt) 3 6 2 ZDF (gesamt) 3 2 1 Sat.1 (gesamt) 2 Gesamt 1 Mädchen 1 Dritte Programme (gesamt) 1 Jungen 0 0 10 20 30 40 50 60 70 Quelle: JIM 2011, Angaben in Prozent Basis: alle Befragten, n=1.205Für die regelmäßigen Nutzer von Fernsehnachrichten bleibt das klassische Fernsehprogrammdie zentrale Informationsquelle. Zwei Fünftel der Jugendlichen, die regelmäßig eine Nachrich-tensendung anschauen, nutzen ergänzend zum Fernsehprogramm Informationen auf der Ho-mepage des Nachrichtensenders, wenn auch die meisten davon nur selten (22 %) oder gele-gentlich (16 %). Lediglich drei Prozent nutzen diese Online-Zusatzangebote bei jeder oder fastjeder Sendung. Die Nutzung dieser Seiten gewinnt mit dem Alter der Jugendlichen an Bedeu-tung. Unter den volljährigen Jugendlichen nutzt jeder zweite zumindest selten die begleiten-den Seiten zur Nachrichtensendung.Was den Nutzungsweg der Nachrichtensendungen betrifft, dominiert bei Jugendlichen nochder klassische Weg: Drei Viertel der Nachrichtenseher (74 %) verfolgen (fast) jedes Mal ihreSendung über den stationären Fernseher. Allerdings nutzen elf Prozent zumindest auch gele-gentlich die Möglichkeit des Abrufs der Nachrichtensendungen in einer Mediathek des Fern-
  • 28. Seite 26 Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest / JIM-Studie 2011sehveranstalters, den Abruf über Videoportale (8 %) sowie die Verfolgung der live im Internetgestreamten Nachrichtensendung (6 %).9.2 Unterhaltungs- und CastingshowsKnapp zwei Drittel der Jugendlichen (Mädchen: 72 %, Jungen: 53 %) können eine große Un-terhaltungs- oder Castingshow benennen, die sie besonders gerne mögen. Eine solche Nen-nung von einzelnen Sendungen wird natürlich immer beeinflusst vom Zeitpunkt der Befragungund davon, welche Shows zu diesem Zeitraum ausgestrahlt werden. Klarer Favorit ist bei denJungen die Unterhaltungsshow „Schlag den Raab“ von ProSieben. Mädchen favorisieren häu-figer Castingshows, zwei Drittel nennen eine der verschiedenen Castingshows als ihre Lieb-lingssendung. Besondere Beachtung findet hier „Deutschland sucht den Superstar“ (DSDS),das jeder fünfte Jugendliche als seine Lieblingssendung bezeichnet. An zweiter Stelle folgt„Germany`s Next Topmodel“ mit Heidi Klum, eine Sendung die vor allem unter den Mädcheneine große Anhängerschar findet. Deutlich seltener wird hingegen „Das Supertalent“ genannt(zum Zeitpunkt der Umfrage allerdings nicht im Programm).Ein besonderer Aspekt dieser Sendungen ist die Möglichkeit der Zuschauer, sich von zu Hau-se aus am Verlauf der Sendung interaktiv zu beteiligen, beispielsweise um für Kandidatenabzustimmen. Etwa jedes fünfte Mädchen (21 %) und jeder zehnte Junge (11 %) hat sich in-nerhalb der letzten zwölf Monate an so einem Voting aktiv beteiligt. Es bleibt aber häufig beieiner einmaligen Teilnahme, lediglich vier Prozent der Jugendlichen haben in diesem Zeitraummehr als drei Mal selbst ein Votum abgegeben. In der Regel sind die Abstimmungen kosten-pflichtige Angebote, bedenklich ist daher, dass sich vor allem die jüngeren Zuschauer hierdeutlich häufiger aktiv beteiligen (12-13 Jahre: 29 %, 14-15 Jahre: 18 %, 16-17 Jahre: 11 %,18-19 Jahre: 7 %). Am Rande: Beispielsweise ist laut Teilnahmebedingungen von RTL eineTeilnahme beim Voting für DSDS erst ab 14 Jahren vorgesehen.Für knapp zwei Fünftel der Jugendlichen, die eine Lieblingsshow benennen, ist die sendungs-begleitende Homepage von Interesse. Von allen Fans greifen 18 Prozent hierauf eher seltenund 15 Prozent gelegentlich zu. Für vier Prozent sind diese Angebote bei jeder oder fast jederSendung relevant.
  • 29. Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest / JIM-Studie 2011 Seite 27 Liebste Unterhaltungsshows/Castingsendungen* im Fernsehen 2011 - Oberkategorie und Beispielsendungen - 16 Unterhaltungs- 5 /Spielshows 27 13 Schlag den Raab 3 22 Gesamt 3 Wetten, dass …? 2 Mädchen 4 Jungen 45 Castingshows 65 25 20 Deutschland sucht den 27 Superstar 13 16 Germanys Next 30 Topmodel 3 8 Das Supertalent 7 9 0 20 40 60 80 * Programme ab 3 % Nennungen (Gesamt) Quelle: JIM 2011, Angaben in Prozent Basis: alle Befragten, n=1.205Ähnlich wie bei den Nachrichtensendungen werden die Unterhaltungs- und Castingshowsüberwiegend live im Fernsehen angesehen (79 Prozent nutzen diese Möglichkeit jedes oderfast jedes Mal). Andere Optionen spielen eine untergeordnete Rolle. Zumindest gelegentlichschaut sich etwa jeder vierte Fan von Unterhaltungssendungen (23 %) diese Art von Sendun-gen in Ausschnitten auf Videoplattformen wie YouTube an, Mediatheken zum Abruf beimFernsehsender werden von elf Prozent genutzt und sieben Prozent verfolgen ihre Lieblings-sendung schon mal live im Internet.
  • 30. Seite 28 Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest / JIM-Studie 201110. BücherAuch im Internetzeitalter mit einer Vielzahl digitaler Angebote zur Information und Unterhal-tung bleibt das Buch für Jugendliche eine bedeutende Freizeitbeschäftigung. Für mehr als dieHälfte der Jugendlichen ist es (sehr) wichtig Bücher zu lesen. Mehr als jedes zweite Mädchenund jeder dritte Junge zwischen 12 und 19 Jahren liest regelmäßig. Der Anteil der jugendli-chen Leser ist über die Jahre sehr stabil, entgegen viel geäußerter Befürchtungen hat sich dieEntwicklung des Internets nicht negativ auf die Buchnutzung ausgewirkt. Im Gegenteil, dieZuwendung zum Buch konnte sich sogar leicht steigern: Bei der JIM-Studie 1998 lag der An-teil der regelmäßigen Leser bei 38 Prozent, 2011 ist der Wert auf 44 Prozent angestiegen.Unverändert blieb über Jahre auch die deutliche Schieflage zwischen Jungen und Mädchen.Nach wie vor lesen deutlich mehr Mädchen als Jungen in ihrer Freizeit Bücher. Jungen blei-ben die eher selteneren Leser. Bedenklich ist, dass der Anteil der Nichtleser bei den Jungenmit 22 Prozent fast doppelt so hoch ist wie bei den Mädchen. Bücher lesen 2011 Gesamt 44 15 24 17 Mädchen 54 15 19 12 Jungen 35 15 29 22 12-13 Jahre 57 15 19 10 14-15 Jahre 40 15 24 22 16-17 Jahre 38 19 26 18 18-19 Jahre 43 11 28 18 Hauptschule 32 9 25 34 Realschule 37 14 29 20 Gymnasium 52 17 21 11 0 25 50 75 100 täglich/mehrmals pro Woche einmal/Woche - einmal/14 Tage einmal/Monat - seltener nie Quelle: JIM 2011, Angaben in Prozent Basis: alle Befragten, n=1.205Eine deutliche Differenz der Buchnutzung zeigt sich auch bei der Betrachtung der Bildungs-gruppen. Jugendliche mit höherer Schulbildung lesen deutlich häufiger, jeder dritte Jugendli-che mit Hauptschulhintergrund hingegen liest nie in seiner Freizeit.Aber inzwischen ist auch das Buch als ältestes Medium im Internetzeitalter angekommen.Neben dem digitalen E-Book als Alternative zum gedruckten Buch haben sich auch die Ver-triebswege des Buches durch das Internet erweitert. Inwieweit diese Veränderungen auch für
  • 31. Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest / JIM-Studie 2011 Seite 29Jugendliche relevant sind, soll die Frage nach den persönlich genutzten Bezugsmöglichkeitenfür neue Bücher zeigen. An erster Stelle steht mit 78 Prozent der Kauf im Buchladen. In ähnli-cher Größenordnung werden Bücher auch von Freunden, Verwandten und Bekannten an Ju-gendliche verschenkt. Knapp zwei Drittel leihen sich ihren Lesestoff im persönlichen Umfeldaus. Trotz der hohen Affinität der Jugendlichen zum Internet nutzt nur etwa jeder zweite Leserdie Option, Bücher über das Internet zu bestellen. 44 Prozent nutzen das Angebot einer öf-fentlichen Bibliothek, um an neue Bücher zu kommen. Nur für zwei Prozent ist es bisher eineOption, Buchinhalte als E-Book aus dem Internet zu laden. Genutzte Bezugsmöglichkeiten von neuen Büchern 78 Kaufe selbst im Buchladen 85 71 73 Geschenkt von Freunden, 78 Bekannten oder Verwandten 67 Leihe von Freunden, 63 Bekannten oder Verwandten 74 aus 52 49 Kaufe/bestelle über das 49 Internet 49 44 Leihe aus der Bücherei/ 46 Bibliothek aus Gesamt 41 Mädchen 2 Jungen Lade E-Books aus dem Internet 2 2 0 25 50 75 100 Quelle: JIM 2011, Angaben in Prozent Basis: Befragte, die zumindest selten Bücher lesen n=1.000Die Nutzung von Online-Shopping zum Buchkauf nimmt mit dem Alter deutlich zu (12-13 Jah-re: 36 %, 14-15 Jahre: 43 %, 16-17 Jahre: 57 %, 18-19 Jahre: 61 %), dagegen nimmt die Nut-zug von Bibliotheken mit zunehmendem Alter ab (12-13 Jahre: 57 %, 14-15 Jahre: 42 %, 16-17 Jahre: 39 %, 18-19 Jahre: 36 %).
  • 32. Seite 30 Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest / JIM-Studie 201111. Computer und InternetComputer und Internet sind für Jugendliche absolute Selbstverständlichkeiten. Jeder Haus-halt, in dem junge Menschen zwischen 12 und 19 Jahren aufwachsen, ist mit einem Computerund einem Internetzugang ausgestattet. Vier Fünftel der Jugendlichen haben einen eigenenComputer. Bereits bei den Jüngsten (12-13 Jahre) haben drei von fünf einen eigenen Rech-ner. Ab 14 Jahren haben 80 Prozent der Jugendlichen einen Computer zur Verfügung. Diehohe Computerausstattung unterscheidet sich auch kaum mehr hinsichtlich des Bildungshin-tergrundes, der Zugang zu Computern ist für die meisten Jugendlichen gegeben. Knapp dieHälfte der Jugendlichen kann weitgehend selbstbestimmt vom eigenen Zimmer aus ins Inter-net gehen, unter den 12-bis 13-Jährigen trifft dies für jeden Dritten zu. Fast alle Jugendlichen(99 %) geben an, zumindest selten das Internet zu nutzen. Die Nicht-Nutzer finden sich ledig-lich in der jüngsten Altersgruppe, hier zählen sich „nur“ 95 Prozent zu den Internetnutzern, inden weiteren Altersgruppen sind es jeweils 100 Prozent. Computerbesitz und Internetzugang Jugendlicher 2011 100 88 86 79 81 80 80 76 76 77 75 60 47 49 48 49 47 50 45 46 44 43 35 25 Computer im persönlichen Besitz Internetzugang im persönlichen Besitz 0 t n n e e e e l e le am e ge hr hr hr hr hu hu um es ch n Ja Ja Ja Ja si äd Ju ts c sc na G M -1 3 -1 5 -1 7 19 up al m 12 14 16 8- Re Gy 1 Ha Quelle: JIM 2011, Angaben in Prozent Basis: alle Befragten, n=1.20511.1 Nutzungsfrequenz und NutzungsorteComputer und Internet sind für Jugendliche nicht nur leicht verfügbar, sie werden auch inten-siv genutzt. Zwei Drittel der 12- bis 19-Jährigen gehen Tag für Tag ins Internet, jeder Vierte istmehrmals pro Woche online. Zwischen Jungen und Mädchen gibt es hinsichtlich der Nut-zungshäufigkeit keinerlei Unterschiede. Auch der Bildungshintergrund wirkt sich nur minimalauf die generelle Nutzung des Internets aus. Ein Faktor, der Einfluss auf die Nutzungsfre-
  • 33. Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest / JIM-Studie 2011 Seite 31quenz hat, ist das Alter der Jugendlichen. Bei den 12- bis 13-Jährigen gehen 39 Prozent täg-lich online. Der Anteil der täglichen Nutzer steigt mit dem Alter deutlich an und beträgt bei denvolljährigen Jugendlichen 81 Prozent. Internet: Nutzungsfrequenz 2011 Gesamt 65 25 7 3 1 Mädchen 65 25 6 3 2 Jungen 65 25 7 31 12-13 Jahre 39 36 14 6 5 14-15 Jahre 64 29 6 1 16-17 Jahre 74 20 4 3 18-19 Jahre 81 15 3 1 Hauptschule 60 28 8 3 Realschule 65 23 7 3 2 Gymnasium 65 26 6 21 0 25 50 75 100 täglich mehrmals pro Woche einmal/Woche - alle 14 Tage einmal/Monat - seltener nie Quelle: JIM 2011, Angaben in Prozent Basis: alle Befragten, n=1.205Die Zeit, die Jugendliche nach eigener Einschätzung an einem durchschnittlichen Werktag(Montag bis Freitag) im Internet verbringen, ist mit 134 Minuten inzwischen deutlich höher alsdie tägliche Fernsehnutzung (113 Minuten). Jungen haben mit 140 Minuten eine um 13 Minu-ten längere Nutzungszeit als Mädchen (127 Min.). Schon die 12- bis 13-Jährigen verbringentäglich 80 Minuten im Netz, mit dem Alter steigt die Nutzungsdauer deutlich an und hat sichbei den Ab-18-Jährigen mehr als verdoppelt (168 Min; 14-15 Jahre: 131 Min., 16-17 Jahre:153 Min.). Die Nutzungszeiten unterscheiden sich auch je nach Bildungsgrad: Jugendliche mitHauptschulbildung sind mit 164 Minuten deutlich länger im Netz als Jugendliche mit mittlerer(144 Min.) oder höherer Bildung (119 Min.). Hier ist allerdings zu beachten, dass zahlreicheJugendliche mit Haupt- oder Realschulhintergrund sich bereits in einer Berufsausbildung unddamit einer anderen Lebenssituation befinden. Diese Jugendlichen weisen deutlich höhereNutzungszeiten im Vergleich zu den Schülern auf.Um online zu gehen, nutzen Jugendliche trotz der Verfügbarkeit anderer Zugänge, wie bei-spielsweise dem Handy oder der Spielkonsole, überwiegend den Computer. Gefragt nach deninnerhalb der letzten 14 Tage genutzten technischen Möglichkeiten, nennen alle den Compu-ter, fast jeder Dritte ging in diesem Zeitraum auch mobil mit einem Handy oder Smartphone
  • 34. Seite 32 Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest / JIM-Studie 2011online. Die Spielkonsole spielt als Nutzungsweg für das Internet kaum eine Rolle. Im Vergleichzum Vorjahr hat das Handy als Onlinezugang deutlich an Relevanz gewonnen. Dies bestätigtsich auch bei der Betrachtung der Orte der Internetnutzung: Inzwischen gehen 13 Prozent derInternetnutzer regelmäßig unterwegs, also nicht von zu Hause aus, am Arbeitsplatz oder inder Schule, ins Internet, 2010 waren es noch vier Prozent. Der häufigste Nutzungsort ist den-noch das eigene Zimmer, von dem aus drei Viertel regelmäßig online gehen (73 %), 43 Pro-zent machen dies von einem anderen Zimmer zu Hause. Deutlich geringer ist der Anteil derOnliner, die dies regelmäßig bei Freunden (11 %) oder in der Schule bzw. bei der Arbeit(16 %) tun. Wege der Internetnutzung in den letzten 14 Tagen 99 Computer/Laptop 100 29 Handy/Smartphone 4 7 Spielkonsole 4 7 2011 (n=1.156) MP3-Player/iPod 0 2008 (n=1.127) 2 Tablet-PC* 1 Fernseher 1 0 25 50 75 100 Quelle: JIM 2011, JIM 2008, Angaben in Prozent Basis: Befragte, die mind. einmal in den letzten 14 Tagen Internet nutzten *Tablet-PC seit 2011 abgefragt11.2 Tätigkeiten am Computer/im InternetUm angesichts der vielfältigen Onlineangebote die Präferenzen von Jugendlichen zu struktu-rieren, werden die Befragten gebeten, ihre Onlinenutzungszeit den Kategorien Kommunikati-on, Spiele, Unterhaltung und Information zuzuordnen. Eindeutig die meiste Zeit wird online fürKommunikation, also die Nutzung von Communities, Messengern, Chat und E-Mail verwen-det, diese zentralen Funktionen beanspruchen annähernd die Hälfte der Nutzungszeit (44 %).Ein Viertel der Zeit (24 %) kommt der Unterhaltung zu, also der Nutzung von Musik, Videosoder Bildern. Etwa gleich auf liegen die Anteile für Onlinespiele (16 %) und Informationssuche(15 %). Mädchen verbringen einen deutlich größeren Teil ihrer Onlinezeit mit Kommunikationals Jungen, sie verwenden dagegen im Vergleich zu den Jungen nur wenig Zeit mit Spielen.Über das Internet zu spielen ist mehr Sache der Jungen und jungen Männer, sie verwendenhierfür fast ein Viertel der täglichen Zeit im Netz. Entsprechend ist dafür der Zeitaufwand fürKommunikation geringer.
  • 35. Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest / JIM-Studie 2011 Seite 33 Inhaltliche Verteilung der Internetnutzung Gesamt 44 16 15 24 Kommunikation Spiele Informationssuche Unterhaltung (z.B. Musik, Videos, Bilder) Mädchen 50 8 16 27 Jungen 39 23 14 23 12-13 Jahre 43 23 12 22 14-15 Jahre 46 16 12 26 16-17 Jahre 43 17 14 26 18-19 Jahre 44 13 20 22 Hauptschule 41 23 10 27 Realschule 44 19 13 24 Gymnasium 46 12 18 24 0 25 50 75 100 Quelle: JIM 2011, Angaben in Prozent Basis: Internet-Nutzer, n=1.188Aus Sicht der Jugendlichen ist das Internet vor allem eine Kommunikationsplattform. Sich on-line auszutauschen ist über verschiedenste Wege möglich. Am häufigsten werden Communi-ties, bzw. soziale Netzwerke genutzt - über Statuseinträge, dem Einstellen von Bildern undKommentaren sowie im direkten Chat hat man hier diverse Möglichkeiten, mit seinem Freun-deskreis in Kontakt zu bleiben, dank Smartphones zunehmend auch mobil. Gut die Hälfte derJugendlichen nutzt regelmäßig E-Mails um sich auszutauschen. Die einstige Hauptkommuni-kationsform der Jugendlichen, das Instant-Messaging, wird heute nur noch von 49 Prozent derJugendlichen zumindest mehrmals pro Woche ausgeübt (2010: 63 %). Diese Funktionalitätenwerden inzwischen von sozialen Netzwerken abgedeckt. Telefonieren über das Internet, bei-spielsweise über den Videotelefoniedienst Skype, wird inzwischen von 20 Prozent regelmäßiggemacht (2010: 14 %). Insgesamt bleibt dies jedoch auch weiterhin nur für einen überschau-baren Kreis eine etablierte Form der Kommunikation. Gleiches gilt für die Kommunikation inComputerspielen (13 %), die vor allem für Jungen und junge Männer Relevanz hat. Der DienstTwitter ist zwar in aller Munde, spielt in der Kommunikation unter Jugendlichen jedoch nureine untergeordnete Rolle (Tweets lesen 7 %, Twittern 5 %).Betrachtet man die Nutzung der verschiedenen Kommunikationsmöglichkeiten nach Alter derJugendlichen, so fällt auf, dass bei den 12- bis 13-Jährigen insgesamt das Thema „Kommuni-kation“ noch eine geringere Rolle spielt. Abgesehen vom Austausch im Rahmen von Online-Computerspielen liegt hier der Anteil der regelmäßigen Nutzer über alle Kommunikationsfor-men deutlich unter dem der älteren Altersgruppen. Bei der häufigsten Kommunikationsform,den Online-Communities, sind dann bei den Jugendlichen über 14 Jahre mehr als vier Fünftel
  • 36. Seite 34 Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest / JIM-Studie 2011regelmäßig aktiv. Die Nutzung von Chatrooms und die Möglichkeit über das Internet zu telefo-nieren ist vor allem für Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren interessant.Trotz der hohen Internetnutzung haben übrigens nicht alle Jugendlichen eine eigene E-Mail-Adresse, sechs Prozent der Internet-Nutzer sind über diesen Weg nicht direkt erreichbar. Wasdie Gestaltung des E-Mail-Accounts betrifft, haben 30 Prozent einen Phantasienamen in ihrerE-Mail-Adresse verwendet, seltener wird ausschließlich der Vorname (15 %) oder der Nach-name (5 %) verwendet. Die Mehrheit der User (58 %) verwendet jedoch ihren Klarnamen (mitVor- und Nachnamen) als E-Mail-Absender. Aktivitäten im Internet − Schwerpunkt Kommunikation - täglich/mehrmals pro Woche - Online-Communities wie z.B. schülerVZ, studiVZ, 60 80 Facebook nutzen 83 84 39 E-Mails empfangen und versenden 51 65 68 31 Instant-Messenger wie z.B. ICQ oder MSN nutzen 51 54 56 43 Chatten, also Chatrooms besuchen 53 49 37 16 Über das Internet telefonieren, Skypen 24 22 16 Sich mit anderen Internet-Nutzern in Multi-User- 14 15 12-13 Jahre Spielen unterhalten 12 11 14-15 Jahre 5 8 16-17 Jahre Tweets lesen 9 7 18-19 Jahre 4 Twittern 5 5 4 0 25 50 75 100 Quelle: JIM 2011, Angaben in Prozent Basis: alle Befragten, n=1.205Ein weiterer Bereich ist die Nutzung von Computer und Internet für unterhaltende Inhalte. ZumZeitvertreib nutzen zwei Drittel der Jugendlichen regelmäßig Videoplattformen wie beispiels-weise YouTube oder sevenload (68 %), etwas weniger stöbern regelmäßig durch Profile inCommunities (64 %) oder hören Musik am Rechner bzw. aus dem Internet (62 %). Knapp dieHälfte der 12- bis 19-Jährigen surft regelmäßig einfach so durch das Internet (45 %), schautVideos an oder lädt diese herunter (43 %). Etwa jeder Zehnte hört mehrmals pro Woche Web-radio (11 %), schaut sich am Rechner DVDs an (10 %) oder sieht sich zeitversetzt Fernseh-sendungen im Internet an (9 %). Fünf Prozent der Jugendlichen nutzen regelmäßig Mediathe-ken, vier Prozent sehen sich mehrmals pro Woche Fernsehsendungen live im Internet an.Insgesamt liegen die Werte auf vergleichbarem Niveau mit dem Vorjahr. Entsprechend dergenerell höheren Nutzung von Communities in 2011 ist auch das Stöbern in Profilen leicht
  • 37. Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest / JIM-Studie 2011 Seite 35angestiegen (+4 PP). Die Nutzung von Computer und Internet als Unterhaltungsmedium ge-winnt mit zunehmendem Alter an Attraktivität hinzu, ein sprunghafter Anstieg erfolgt ab 14Jahren. Tätigkeiten im Internet/am Computer − Schwerpunkt: Unterhaltung - täglich/mehrmals pro Woche - 59 Videoportale nutzen 72 74 67 50 In Profilen von Communities stöbern 66 69 72 46 Musik/Sounddateien am PC/im Internet anhören 67 69 65 31 Einfach so drauf los surfen 46 52 49 39 Videos ansehen/herunterladen 44 43 44 5 Über Internet Radio hören 8 13 18 7 DVDs am Computer anschauen 11 13 10 12-13 Jahre 10 14-15 Jahre TV-Sendungen zeitversetzt sehen 7 10 10 16-17 Jahre 3 18-19 Jahre Mediatheken nutzen 6 4 7 3 TV-Sendungen live sehen 5 2 5 0 25 50 75 100 Quelle: JIM 2011, Angaben in Prozent Basis: alle Befragten, n=1.205Informieren sich Jugendliche im Internet, so steht an erster Stelle die Nutzung von Suchma-schinen. Vier Fünftel erkunden regelmäßig die Informationsflut des Internets mit Hilfe von An-geboten wie Google oder Bing. Zwei Fünftel recherchieren in Online-Lexika wie Wikipedia,ebenso viele informieren sich über Themen wie Ausbildung und Beruf. Etwa jeder Vierte nutztNewsgroups, um sich auf den neuesten Stand zu bringen. 16 Prozent informieren sich gene-rell auf Informationsportalen im Internet, wie beispielsweise den Startseiten der Provider. Spe-zielle journalistische Angebote von Verlagshäusern wie spiegel-online.de, focus.de, sueddeut-sche.de oder zeit.de nutzen 14 Prozent der Jugendlichen regelmäßig, entsprechende Portalevon Fernsehanbietern sind für fünf Prozent relevant. Etwa jeder Siebte informiert sich auchüber regionale Veranstaltungen mehrmals pro Woche im Internet. Sport-Live-Ticker sind vorallem für Jungen und junge Männer interessant (13 %, Mädchen 3 %). Weitere Informations-angebote im Web wie Weblogs, Twitter oder Podcasts sind nur für einen kleinen Teil der Ju-gendlichen regelmäßige Informationsquellen.
  • 38. Seite 36 Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest / JIM-Studie 2011 Tätigkeiten im Internet/am Computer − Schwerpunkt: sich informieren - täglich/mehrmals pro Woche - 80 Suchmaschinen nutzen 77 82 38 Infos (nicht Schule/Ausbildung) suchen 34 42 37 Wikipedia o.ä. nutzen 36 39 23 Newsgroups lesen 19 27 16 Informationsportale (ohne Print/TV) lesen 11 22 14 Nachrichtenportale (Print) nutzen 9 18 14 Regionale Veranstaltungen suchen 14 14 8 Sport-Live-Ticker nutzen 3 13 8 Gesamt Weblogs lesen 7 9 7 Mädchen Tweets lesen 8 7 Jungen 5 Nachrichtenportale (TV-Sender) nutzen 4 6 3 Podcasting 1 4 0 25 50 75 100 Quelle: JIM 2011, Angaben in Prozent Basis: alle Befragten, n=1.205Bei der Verwendung von Computer und Internet für weitere Tätigkeiten in der Schule oder inder Freizeit zeigt sich bereits bei der Betrachtung der Mediennutzung von Kindern3, dassComputer wie Internet schon früh nicht nur als Spielgerät, sondern als Arbeitsmittel verstan-den werden. Schon im Grundschulalter verwenden Kinder den Computer für die Rechercheund so ist der Computer auch Jugendlichen als Arbeitsmittel bereits vertraut. Jeder zweiteJugendliche arbeitet oder lernt regelmäßig zu Hause am Computer oder im Internet für dieSchule, zwei Fünftel suchen Informationen für die Schule oder die Ausbildung. 22 Prozentarbeiten regelmäßig in der Schule mit Computer oder Internet, jeder Siebte nutzt den Compu-ter mehrmals pro Woche, um Bilder und Filme zu bearbeiten. Jeder Zehnte stellt sich regel-mäßig seine Musik am Rechner selbst zusammen. Deutlich seltener werden Referate undPräsentationen erstellt, eigene Kompositionen und Musikstücke angefertigt oder Sounds amRechner bearbeitet.3 Siehe KIM-Studie 2010 (Kinder + Medien, Computer + Internet). Download unter www.mpfs.de
  • 39. Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest / JIM-Studie 2011 Seite 37 Tätigkeiten im Internet/am Computer – Schwerpunkt: Schule/Freizeit - täglich/mehrmals pro Woche - 51 Zu Hause für die Schule lernen/arbeiten 49 Nach Informationen für die Schule bzw. Ausbildung 39 suchen 33 22 In der Schule mit Computern/Internet arbeiten 16 13 Bilder/Filme bearbeiten 14 11 Musik-CDs/MP3s zusammenstellen 13 8 Präsentationen oder Referate erstellen 7 2011 (n=1.205) 5 Selbst Musik machen, also komponieren 2010 (n=1.208) 5 Bearbeiten von Tönen, Musik, also 5 Soundbearbeitung 5 0 25 50 75 100 Quelle: JIM 2011, JIM 2010, Angaben in Prozent Basis: alle BefragtenNeben der Möglichkeit die Angebote des Internets nur zu konsumieren, kann man sich auchaktiv mit eigenen Beiträgen am Internet beteiligen. Werden Inhalte nicht von den Anbieternsondern von den Nutzern selbst ins Internet gestellt, so spricht man von „Web 2.0“, der nächs-ten Entwicklungsstufe des Internets. Betrachtet man die Tätigkeiten, die Jugendliche im Inter-net und am Computer üblicherweise ausüben, so ist dies neben der Kommunikation mehr dasKonsumieren von Angeboten und weniger die aktive Beteiligung, die man unter „Web 2.0“zusammenfassen kann. Das Internet selbst mit eigenen Inhalten, sogenanntem user-generated-content, regelmäßig zu bestücken, ist eher die Ausnahme. Zwar geben 72 Prozentder Jugendlichen an – neben Einträgen in Communities – schon mal Inhalte ins Netz gestelltzu haben, sei es durch Einträge in Foren oder bei Wikipedia, das Hochladen von Bildern, Fil-men und Musik oder das Erstellen von Blogs, Podcasts oder Tweets. Allerdings sind dieseAktivitäten nicht besonders häufig, nur jeder Vierte hat sich regelmäßig (mindestens mehrmalspro Woche) mit wenigstens einer dieser Aktivitäten am inhaltlichen Angebot des Internets be-teiligt. 38 Prozent stellen zumindest einmal pro Woche eigene Inhalte ein. Am häufigsten wer-den hierbei Einträge in Foren gepostet und Bilder oder Filme hochgeladen.
  • 40. Seite 38 Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest / JIM-Studie 2011 Aktivitäten im Internet − Schwerpunkt Web 2.0 - täglich/mehrmals pro Woche - In Newsgroups/Foren 14 14 schreiben 14 8 Fotos/Videos einstellen 8 8 5 Musik/Sound-Dateien 4 einstellen 5 Web 2.0 Nettozählung 2011 (ohne Communities): 5 Mache ich tägl./mehrm. pro Woche: 25% Twittern 5 Mache ich mind. 1 x pro Woche: 38% 4 Mache ich überhaupt: 72% 3 Weblogs verfassen 2 4 Etwas in Wikipedia o.ä. 1 1 Gesamt schreiben 1 Mädchen 1 Podcasts erstellen 1 Jungen 1 0 25 50 75 100 Quelle: JIM 2011, Angaben in Prozent Basis: alle Befragten, n=1.20511.3 Probleme im InternetWeb 2.0-Angebote bauen auf die Beteiligung der Nutzer mit eigenen Inhalten. Die leichteHandhabung beim Überspielen von Inhalten von digitalen Geräten wie Kamera, Handy undInternet macht es sehr einfach, selbst Bilder und Filme ins Netz zu stellen. Allerdings hat esauch Schattenseiten, dass es heute jedem möglich ist, Dinge online zu stellen. Texte, Bilderund Filme können schnell die Runde machen und unkontrolliert weiterverbreitet werden. Wasnormalerweise als Vorteil des Internets und der Netzwerke gesehen wird, wandelt sich zumNachteil, wenn es sich dabei um Beleidigungen, falsche Aussagen, kompromittierende oderpeinliche Bilder und Fotos handelt. Jeder siebte Jugendliche (14 %) musste bestätigen, dassüber ihn schon einmal peinliche oder beleidigende Inhalte ins Internet gestellt wurden. Jungensind hier mit 15 Prozent etwas stärker betroffen als Mädchen (13 %). Jeder Zehnte im Altervon 12 bis 13 Jahren (9 %) wurde auf diese Weise online beschimpft oder verleumdet. ÄltereJugendliche sind noch stärker betroffen (14-15 Jahre: 18 %, 16-17 Jahre:14 %, 18-19 Jahre:16 %). Unter Jugendlichen mit formal niedrigerer Bildung sind diese Anfeindungen häufiger alsunter Gymnasiasten (11 %; Hauptschule: 21 %, Realschule: 17 %). Mit Ausnahme eines deut-lichen Anstiegs der Problematik bei den 14- und 15-Jährigen liegen die Werte etwa gleichaufmit denen des Vorjahrs.
  • 41. Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest / JIM-Studie 2011 Seite 39Wenn beleidigende oder auch illegale Inhalte im Internet auftauchen, ist dies nicht nur für dieBetroffenen tragisch, auch für die Täter kann dies Konsequenzen haben. Etwa jeder vierteInternetnutzer kann berichten, dass in seinem Freundeskreis schon jemand Ärger wegen ein-gestellter Inhalte im Internet bekommen hat. Meist handelte es sich hierbei auf Nachfrage umBilder oder Videos, beleidigende oder diffamierende Texte und Kommentare, falsche Einträgeoder ganz explizit um einen Fall von Mobbing. Es gab im Freundeskreis schon einmal Ärger wegen Einträgen im Internet50 Dabei ging es um: Visuelles (Bilder/Videos) 10% Texte/Kommentare 10% Falsches/Fake 4% Mobbing 2 % 30 29 28 28 28 26 2625 23 23 18 0 um e e e t le e e en en am hr hr hr hr ul hu ch ng ch si Ja Ja Ja Ja es sc na äd Ju ls G 3 9 5 7 pt -1 ym M -1 -1 -1 ea au 18 12 14 16 R G H Quelle: JIM 2011, Angaben in Prozent Basis: Internet-Nutzer, n=1.188Wechselt man die Betrachtungsweise auf die Seite der Opfer, ist die Frage, ab wann es sichbei solchen Peinlichkeiten und Beleidigungen um einen handfesten Fall von Cybermobbinghandelt. Aus Sicht des Opfers ist es schwer an äußeren Tatsachen festzumachen, wann dieGrenze von einem bösen Scherz zu einer bedrohlichen Situation überschritten ist. Dies istauch eine Frage der jeweiligen individuellen Persönlichkeit. Trotz allem kann jeder vierte In-ternetnutzer bestätigen, dass in seinem Freundeskreis schon einmal jemand im Internet regel-recht fertig gemacht wurde. Deutlich mehr Mädchen als Jungen und vor allem Jugendliche inden mittleren Altersstufen bestätigen diese Form des Mobbings in ihrem Umfeld.
  • 42. Seite 40 Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest / JIM-Studie 2011 Gibt es jemanden in Deinem Bekanntenkreis, der schon mal im Internet fertig gemacht wurde? 40 36 2011 (n=1.188) 2010 (n=1.188) 30 28 27 27 26 25 25 25 25 24 23 22 21 21 20 19 18 18 18 17 17 10 0 um e e t e e e en le en am hr hr hr hr ul hu ch ng si ch Ja Ja Ja Ja es sc na äd Ju ls G 3 5 9 7 pt ym -1 -1 ea M -1 -1 au 12 14 16 18 R G H Quelle: JIM 2011, JIM 2010, Angaben in Prozent Basis: Internet-Nutzer11.4 Jugend früher und heuteWenn man Jugendliche heute als digital natives bezeichnet, wenn man betrachtet in welchemMedienumfeld Jugendliche heute aufwachsen, liegt der Schluss nahe, dass Jugend heutewenig mit der Jugend der Elterngeneration zu tun hat. Während biographische Entwicklungen,die Erweiterung des Freundeskreises, die Abnabelung vom Elternhaus, die erste Liebe unddie Entwicklung einer eigenständigen Persönlichkeit zeitunabhängig sind, so haben sich dochmanche Rahmenbedingungen verschoben. Für die Mehrheit der Jugendlichen geschah diesgenerell zum besseren. Zwei Drittel sind der Ansicht, dass sie es insgesamt leichter haben alsihre Eltern früher. 22 Prozent können keinen Unterschied festmachen und nur jeder Siebtevertritt die Meinung, dass es die Eltern früher leichter hatten. Mit zunehmendem Alter nimmtder Anteil derer die die Jugend heutzutage als schwieriger empfinden, etwas zu. Als Grundwird von diesen dann angeführt, dass die Eltern weniger Stress und weniger Reizüberflutungzu bewältigen hatten. Von den Jugendlichen, die ihre heutige Situation besser einschätzen,nennen auf die offene Abfrage nach den Gründen 29 Prozent die verbesserten medialen Mög-lichkeiten, 18 Prozent den technischen Fortschritt und 17 Prozent die größeren Freiheiten. Alsweitere Gründe werden mehr Freizeit (9 %), die bessere materielle Situation (7 %) und besse-re Zukunftschancen genannt.
  • 43. Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest / JIM-Studie 2011 Seite 41 Vergleich der Jugendzeit heute und früher - Wer hatte es alles in allem leichter in seiner Jugend? - Ge samt 13 65 22 Mädchen 14 62 24 Jungen 12 68 20 12-13 Jahre 9 71 20 14-15 Jahre 12 69 19 16-17 Jahre 15 67 18 18-19 Jahre 16 54 29 0 25 50 75 100 Meine Eltern hatten es leichter Ich selbst habe es leichter Kein Unterschied Quelle: JIM 2011, Angaben in Prozent Basis: alle Befragten, n=1.205Lässt man die Jugendlichen anhand einiger Statements zu möglichen Auswirkungen des In-ternets ihre Situation gegenüber der der Eltern vergleichen, so zeigt sich ein sehr ambivalen-tes Bild. Die Mehrheit der Jugendlichen ist zwar der Ansicht, dass das Internet vieles erleich-tert, anderseits findet sich ebenfalls eine Mehrheit, die meint, dass es durch das Internet heuteauch mehr Probleme als früher gibt. Fast drei Viertel der Jugendlichen denken, dass Freund-schaften heutzutage wegen des Internets oberflächlicher sind. Dagegen findet mehr als dieHälfte, dass das Internet einen größeren Freundeskreis ermöglicht. Vergleich der Jugendzeit heute und früher - stimme zu… - Durch das Internet gibt esheutzutage auch mehr Probleme 48 33 13 6 als früher. Durch das Internet haben Jugendliche es heute allgemein 44 36 15 5 einfacher als früher. Durch das Internet sind Freundschaften heutzutage viel 42 32 17 10 oberflächlicher als früher. Durch das Internet haben Jugendliche heutzutage mehr 29 29 23 19 Freunde als früher. 0 25 50 75 100 voll und ganz weitgehend weniger gar nicht Quelle: JIM 2011, Angaben in Prozent Basis: alle Befragten, n=1.205
  • 44. Seite 42 Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest / JIM-Studie 201112. Computer-, Konsolen- und Onlinespiele12.1 Nutzungs- und SpielpräferenzenDas Thema „Computerspiele“ wird immer wieder gerne in der Öffentlichkeit bemüht, um Fehl-verhalten von Jugendlichen, beispielsweise in der Schule, zu erklären. Dabei wird verkannt,dass Computerspiele eine große Bandbreite verschiedenster Aktivitäten umfassen, und sieaus vielerlei Hinsicht sehr differenziert zu bewerten sind. Die Welt der Computerspiele reichtvon Spiele-Apps für den Tablet-PC, über Handyspiele, mobile Spielkonsolen, feste Spielkon-solen, PC-Spiele bis hin zu Online-Spielangeboten und Browserspielen im Internet, für dienicht mal mehr eine Software heruntergeladen werden muss. Zu dieser Fülle von Geräten,Spielarten und Spielgelegenheiten kommt die soziale Komponente, also die Frage, ob dieSpiele allein oder gemeinsam gespielt werden und natürlich die Art des Spiels. Das Angebotan Spielen für die unterschiedlichsten Plattformen ist enorm und unübersichtlich, von Simula-tionen, Adventure- und Actionspielen über Sport- und Kampfspiele zu Rätsel-,Karaoke-, Geschicklichkeitsspielen und klassischen Gesellschaftsspielen. Die Größe desMarktes der Computerspiele spiegelt sich auch in der wirtschaftlichen Relevanz des Themas.So wurden laut dem Branchenverband biu 2010 in Deutschland 1,86 Milliarden € für Compu-terspiele ausgegeben.4 Die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle USK prüfte allein 2010 ca.2.800 Spiele auf ihre Jugendschutzrelevanz. Diese Fakten machen deutlich, dass es bei derDiskussion über Computer- sowie Konsolen- und Onlinespiele einer sehr differenzierten Be-trachtung bedarf.Betrachtet man, welche Spielarten von Jugendlichen überhaupt gespielt werden, so findenKonsolen (alleine oder gemeinsam) sowie PC-Spiele (alleine, offline) die meisten User. Mehrals die Hälfte der Jugendlichen nutzt zumindest ab und an diese Möglichkeiten. Legt man denFokus auf die regelmäßige Nutzung, so werden am häufigsten Konsolenspiele genutzt, 36Prozent der Jugendlichen spielen zumindest einmal in 14 Tagen alleine oder gemeinsam ander Spielkonsole. Jeder Sechste beschäftigt sich regelmäßig online mit Multi-User-Spielen.Computer-, Konsolen- und Onlinespiele werden überwiegend im eigenen Zimmer genutzt,knapp die Hälfte der Spieler „zockt“ regelmäßig im eigenen Zimmer (46 %), jeder Vierte spieltan einem anderen Ort zu Hause (23 %), jeder Zehnte „daddelt“ regelmäßig bei Freunden.Deutlich seltener wird unterwegs (4 %) oder in der Schule/bei der Arbeit (2 %) gespielt.4 http://www.biu-online.de/de/fakten/marktzahlen.html, Abruf am 8.11.2011
  • 45. Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest / JIM-Studie 2011 Seite 43 Computer-, Konsolen-, Onlinespiele: Nutzungsfrequenz 2011 Online-Spiele alleine 16 11 15 57 Mulit-User Online-Spieler 17 6 10 66 PC-Spiele (offline) alleine 19 14 20 47 PC-Spiele (offline) mit 7 8 17 68 anderen Konsolenspiele alleine 20 16 18 46 Konsolenspiele mit 16 20 25 39 anderen 0 25 50 75 100 täglich/mehrmals pro Woche einmal/Woche - einmal/14 Tage einmal/Monat - seltener nie Quelle: JIM 2011, Angaben in Prozent Basis: alle Befragten, n=1.205 Nutzungsorte Computer-, Konsolen- oder Onlinespiele - täglich/mehrmals pro Woche - 46 Im eigenen Zimmer 26 60 23 Woanders zu Hause 21 24 10 Bei Freunden 5 14 Gesamt 4 Mädchen Unterwegs, im Bus 3 6 Jungen 2 An der Schule/bei der Arbeit 1 2 0 25 50 75 100 Quelle: JIM 2011, Angaben in Prozent Basis: Nutzer von PC-/Online-/Konsolenspielen, n=969Spielen Jugendliche gemeinsam mit anderen, sind dies meistens die Freunde oder Geschwis-ter. Mit Geschwistern wird häufiger an der Konsole gespielt, im Freundeskreis spielt man eheram PC. Die Eltern sind keine gefragten Spielpartner, nur drei Prozent der Konsolenspieler undzwei Prozent der PC-Spieler spielen auch mal gegen ihre Eltern.
  • 46. Seite 44 Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest / JIM-Studie 2011 Computer- und Konsolenspiele mit anderen: Spielpartner 2011 32 Mit Geschwistern 41 2 PC-Spiele offline mit anderen, n=380 Mit Eltern 3 Konsole mit anderen, n=737 66 Mit Freunden/ Bekannten 55 1 Mit anderen 1 0 25 50 75 100 Quelle: JIM 2011, Angaben in Prozent Basis: jeweilige NutzerDer Anteil der extremen Spieler, der nach eigener Einschätzung mehr als vier Stunden proTag spielt, liegt bei drei Prozent. Jeder Dritte kommt auf weniger als eine Stunde Spielzeit, einViertel zockt zwischen ein bis zwei Stunden täglich, jeder Sechste verbringt zwischen zweiund vier Stunden am Tag mit Computerspielen. 21 Prozent der Jugendlichen spielen nie. We-der am Computer oder im Internet noch an der Konsole. Computer-/Konsolenspiele: Nutzungsfrequenz Montag - Freitag Gesamt 34 26 17 3 21 Mädchen 38 18 9 1 34 Jungen 29 34 24 5 8 12-13 Jahre 42 30 14 1 12 14-15 Jahre 33 27 17 3 20 16-17 Jahre 33 24 17 4 22 18-19 Jahre 27 23 19 3 28 Hauptschule 28 26 25 6 15 Realschule 29 28 22 3 18 Gymnasium 38 25 11 2 23 0 25 50 75 100 bis zu einer Stunde eine bis unter zwei Stunden zwei bis unter vier Stunden mehr als vier Stunden nie Quelle: JIM 2011, Angaben in Prozent Basis: alle Befragten, n=1.205
  • 47. Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest / JIM-Studie 2011 Seite 45Bezogen auf alle Jugendlichen zwischen 12 und 19 Jahren beträgt die tägliche Spielzeit 58Minuten an Wochentagen und 80 Minuten am Wochenende. Die Zeit, die beim Spielen ver-bracht wird, ist bei Jungen mit 81 Minuten (wochentags) mehr als doppelt so lang wie beiMädchen (35 Min.) (Wochenende: Jungen: 116 Min., Mädchen: 42 Min.). Betrachtet man nurdie Spieler, erhält man die durchschnittliche Verweildauer. Diese liegt bei 73 Minuten täglich(102 Minuten am Wochenende). Jungen und junge Männer spielen mit 88 Minuten deutlichlänger mit Computer-, Konsolen- oder Onlinespiele als Mädchen und junge Frauen (53 Min.)(Wochenende: Jungen: 126 Min., Mädchen: 65 Min.).Bei den beliebtesten Spielen (bis zu drei Nennungen) liegt auch in diesem Jahr „FIFA“ aufPlatz eins, 19 Prozent der 12- bis 19-jährigen Spieler benennen dieses Fußballspiel als liebs-tes Spiel. Danach folgen „Die Sims“ (15 %), „Call of Duty“ (12 %) und „Need for Speed”(11 %). „Mario Kart“ wird von sieben Prozent als liebstes Spiel genannt und je sechs Prozentder Gamer votieren für „Wii Sports“, „Grand Theft Auto (GTA)“, „Super Mario“ und „SingStar“.Der Ego-Shooter „Counter-Strike“ zählt für fünf Prozent zu den liebsten Spielen. Jungen undMädchen unterscheiden sich in der Wahl des liebsten Spiels deutlich voneinander. Bei denMädchen ist, wie auch schon im letzten Jahr, das Spiel „Die Sims“ besonders beliebt (30 %).Auf den weiteren Plätzen folgen das Karaoke-Spiel „SingStar“ mit 14 Prozent und „Wii Sports“mit 13 Prozent. Die Jungen favorisieren „FIFA“ (29 %) und auch der Ego-Shooter „Call of Du-ty“ (19 %) sowie das Autorennspiel „Need for Speed“ (14 %) werden von vielen Jungen gerngespielt.Liebste Computerspiele Rang 1 - 3 - bis zu drei Nennungen - 12-13 Jahre 14-15 Jahre 16-17 Jahre 18-19 JahreRang 1 "Die Sims" 17 % "FIFA" 24% "FIFA" 20 % "FIFA" 21 %Rang 2 "FIFA" 13 % "Call of Duty" 16 % "Call of Duty" 16 % "Call of Duty" 13 %Rang 3 "Need für Speed" 11 % "Die Sims" 13 % "Die Sims" 15 % "Need für Speed" 13 % Hauptschule Realschule GymnasiumRang 1 "Call of Duty" 17 % "FIFA" 20 % "FIFA" 21 %Rang 2 "FIFA" 12 % "Die Sims" 14 % "Die Sims" 16 %Rang 3 "Die Sims" 10 % "Need for Speed" 12 % "Call of Duty" 11 %Quelle: JIM 2011, Angaben in Prozent Basis: Nutzer PC-/Online-/Konsolenspiele, n=969
  • 48. Seite 46 Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest / JIM-Studie 201112.2 JugendschutzIn Deutschland dürfen laut Jugendschutzgesetz Video-, Computer- und Konsolenspiele nurangeboten werden, wenn diese mit einer Alterskennzeichnung versehen sind. Die Einstufungder neu erscheinenden Spiele erfolgt durch die USK (Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle)im Auftrag der obersten Landesjugendbehörden. Nach dieser Prüfung werden die Spiele dannmit dem Kennzeichen „ohne Altersbeschränkung“, „ab 6 Jahren“, „ab 12 Jahren“, „ab 16 Jah-ren“ oder „ohne Jugendfreigabe“ (ab 18 Jahren) gekennzeichnet. Die deutlichen Hinweise aufden Verpackungen der Spiele werden allerdings nicht von allen wahrgenommen: nur 77 Pro-zent der weiblichen und 91 Prozent der männlichen Spieler haben die Kenzeichen der USKschon einmal gesehen.Die Kenntnis der Alterseinstufungen zeigt nicht immer die erwünschte Konsequenz: So hatjede dritte Spielerin schon mal Spiele gespielt, von denen sie wusste, dass sie eigentlich zujung dafür ist. Allerdings ist der Anteil unter den Jungen mit 81 Prozent eklatant höher. Offen-sichtlich werden die Hinweise der USK nicht immer von allen Spielern ernst genommen. Ne-ben der Bewertung durch die USK, die durch Jugendschutzexperten anhand eines Kriterien-katalogs erfolgt, machen sich Jugendliche auch selbst ein Bild von den Spielinhalten. Fragtman die Spieler, ob in ihrem Freundeskreis Spiele gespielt werden, die sie selbst als beson-ders gewalthaltig und brutal einstufen, bestätigen dies über die Hälfte der Spieler - jede dritteSpielerin und drei von vier Spielern. Jeder zweite männliche und jeder zehnte weibliche Nut-zer von PC-, Konsolen- oder Onlinespielen gibt auch zu, selbst Spiele zu spielen, die sie nachihrem eigenen Empfinden als besonders gewalthaltig und brutal bezeichnen. Nutzung von brutalen bzw. besonders gewalthaltigen Computer-, Konsolen- oder Onlinespielen Gesamt 57 34 Mädchen 35 10 Jungen 73 51 12-13 Jahre 39 18 14-15 Jahre 62 38 16-17 Jahre 68 46 63 Freunde spielen 18-19 Jahre 37 spiele selbst Hauptschule 62 42 Realschule 58 37 Gymnasium 56 29 0 25 50 75 100 Quelle: JIM 2011, Angaben in Prozent Basis: Nutzer PC-/Online-/Konsolenspiele, n=969
  • 49. Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest / JIM-Studie 2011 Seite 4713. Online-Communities und Datenschutz13.1 Nutzungshäufigkeit und NutzungsmusterDie Nutzung von Online-Communities ist inzwischen nicht nur ein Phänomen von Jugendli-chen, die mit Schüler- und Studentennetzwerken hier Vorreiter waren. In der Berichterstattungund bei Veranstaltungen, in der Politik, in der Werbung – überall stößt man inzwischen aufsoziale Netzwerke. Kaum ein Kinofilm, Musiker oder Markenartikelhersteller, der neben seiner„normalen“ Onlinepräsenz nicht auch in sozialen Netzwerken präsent ist und dafür wirbt, sichGruppen anzuschließen, Fan zu werden oder Dinge zu „liken“ (mögen). Soziale Netzwerkesind inzwischen omnipräsent und der derzeit größte Anbieter Facebook ist fast schon zumSynonym für Online-Communities geworden. Für Jugendliche stellen diese Angebote diemeistgenutzte Kommunikationsform im Internet dar. Vier Fünftel nutzen diese Plattformenregelmäßig, nur 12 Prozent der Jugendlichen im Internet verzichten gänzlich auf diese Ange-bote. Für die Anderen haben Communities eine sehr hohe Alltagsrelevanz. Gut jeder zweiteJugendliche im Netz (57 %) logt sich täglich in seine Community ein, zwei Drittel davon sogarmehrmals täglich. 16 Prozent der täglichen Nutzer lassen sich über alle Neuigkeiten derCommunity per Handy informieren. Die ungebrochen hohe Bedeutung des Themas „SozialeNetzwerke“ zeigt sich auch in der im Vergleich zu 2010 stärkeren Nutzung. Obwohl bereits dieletzten Jahre auf sehr hohem Niveau angelangt, ist die Nutzung von Communities 2011 beiJugendlichen nochmals gestiegen. Online-Communities: Nutzungsfrequenz 2011/2010 - täglich/mehrmals pro Woche - 78 Gesamt 71 83 Mädchen 75 73 Jungen 66 2011, n=1.188 2010, n=1.188 63 12-13 Jahre 58 14-15 Jahre 80 73 83 16-17 Jahre 74 84 18-19 Jahre 76 79Hauptschule 64 77 Realschule 73 78 Gymnasium 73 0 25 50 75 100 Quelle: JIM 2011, JIM 2010, Angaben in Prozent Basis: Internet-Nutzer
  • 50. Seite 48 Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest / JIM-Studie 2011Im Durchschnitt sind Internetnutzer zwischen 12 und 19 Jahren in 1,4 Communities angemel-det, Mädchen sind mit 1,6 im Schnitt in mehr Plattformen unterwegs als Jungen (1,3). Fastdrei Viertel nutzen Facebook, schülerVZ wird von 29 Prozent verwendet. 9 Prozent nennenwer-kennt-wen, sechs Prozent SchülerCC. Hier hat sich der Markt in den vergangenen zwölfMonaten radikal gewandelt. Der Anteil der Facebook-Nutzer hat sich annähernd verdoppelt(von 37 % in 2010 auf 72 % in 2011), hingegen hat sich der Anteil des einstigen MarktführersschülerVZ fast halbiert (von 53 % in 2010 auf 29 % in 2011).SchülerVZ als explizite Schülerplattform, die ganz auf jugendliche Nutzer ausgerichtet ist, hatdann auch vor allem bei den jüngeren Nutzern Relevanz. Bereits bei Jugendlichen ab 14 Jah-ren ist jedoch eindeutig Facebook die derzeit angesagteste Plattform. Neben der grundsätzli-chen Problematik, dass es sich nicht um ein explizites Angebot für Jugendliche handelt, son-dern das Angebot ganz auf die Kommunikation unter Erwachsenen ausgelegt ist, zeigt dieaktuelle öffentliche Diskussion um die Datensicherheit bei Facebook, dass es dort schwierigereinzuschätzen ist, inwieweit hier vom Anbieter Aspekte des Datenschutzes berücksichtigtwerden. Dies gilt natürlich insbesondere für Jugendliche.5 Genutzte Online Communities 2011 - offene Nennungen, Auswahl - 43 41 schülerVZ 22 11 43 76 Facebook 85 83 8 8 Wer-kennt-wen 10 9 12-13 Jahre 7 14-15 Jahre 8 16-17 Jahre Schueler.CC 3 18-19 Jahre 1 0 25 50 75 100 Quelle: JIM 2011, Angaben in Prozent, Nennungen ab 5 Prozent Basis: Internet-Nutzer, n=1.188Die verschiedenen sozialen Netzwerke haben eine Vielzahl unterschiedlicher Funktionalitätenintegriert. Sie sind Steckbrief, Fotoalbum, Pinnwand, Poesiealbum, Adressbuch, Chat, Forenund Nachrichtenzentrale in einem. Die häufigste Nutzung unter Jugendlichen ist das Chatten,5 Zum Datenschutz vgl. Kapitel 13.2
  • 51. Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest / JIM-Studie 2011 Seite 49fast drei Viertel nutzen diese Möglichkeit der Kommunikation regelmäßig. In der gleichen Grö-ßenordnung werden über soziale Netzwerke Nachrichten verschickt. Knapp die Hälfte nutztdie Pinnwand, um für andere Nachrichten und Kommentare zu hinterlassen. Jeder dritte Nut-zer von Communities postet regelmäßig seinen Status, gibt also seinen Freunden bekannt, woer sich befindet, was er gerade so macht oder wie er sich fühlt. Online-Communities: Funktionen Nutzungsfrequenz 2011 In einer Online- 73 11 9 6 Community chatten Nachrichten an andere 71 17 10 3 verschicken Bei anderen auf die 46 25 18 12 Pinnwand schreibenPosten was man gerade 32 21 23 25 so macht 0 25 50 75 100 täglich/mehrmals pro Woche einmal/Woche - einmal/14 Tage einmal/Monat - seltener nie Quelle: JIM 2011, Angaben in Prozent Basis: Nutzer Online-Communities, n=1.041Im Schnitt haben die Nutzer von Communities 206 „Freunde“, also andere Community-Mitglieder, mit denen sie verlinkt sind. Mädchen können hierbei ein größeres Netzwerk (217Freunde) vorweisen als Jungen (196 Freunde). Schon die 12- bis 13-Jährigen haben 134Freunde verlinkt. Das Online-Netzwerk erweitert sich mit zunehmendem Alter (14-15 Jahre:201 Freunde, 16-17 Jahre: 249 Freunde), die ab-18-jährigen User sind mit 224 anderen Nut-zern befreundet. Gegenüber 2010 haben sich die persönlichen Netzwerke mit einer Zunahmeum durchschnittlich 47 Freunde deutlich erweitert. Mädchen zeigten sich hier kontaktfreudiger(+60 Freunde) als Jungen (+35 Freunde). Die merkliche Steigerung könnte an der Nutzungverschiedener Plattformen liegen, die ihre Mitglieder jeweils unterschiedlich intensiv aktivieren,ihren „Freundeskreis“ zu erweitern. Auch wenn bereits die große Anzahl der verlinkten Perso-nen nahe legt, dass es sich bei den Freunden nicht um echte Freunde – im wahren Sinn die-ses Wortes – handeln kann, so geben mit 96 Prozent fast alle Community-Nutzer an, dieFreunde ihres Profil auch persönlich zu kennen. Bei den Jugendlichen handelt es sich in denOnline-Netzwerken also überwiegend um deren näheren und weiteren Bekanntenkreis. DieCommunity spiegelt hier weitgehend die Strukturen der realen Welt wider.
  • 52. Seite 50 Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest / JIM-Studie 201113.2 DatenschutzDie Nutzung von Communities setzt in der Regel die Anlage eines eigenen Profils voraus.Hierbei handelt es sich um einen mehr oder weniger ausführlichen Steckbrief, der neben Na-me, Adresse, Familienstand, Geburtsdatum und -ort etc. gegebenenfalls auch Eintragungenzu Kontaktmöglichkeiten, Vorlieben, Hobbys und auch Einstellungen, wie die politische undsexuelle Orientierung vorsieht. Je nachdem, wie man sich im Internet präsentieren möchte,kann man in sozialen Netzwerken seine eigene Persönlichkeit ausleben oder sich mehr oderweniger anonym bewegen. Allerdings steigt mit der Ausführlichkeit der Angaben die Chance,von anderen gefunden zu werden, beispielsweise weil man ähnliche Musikinteressen hat unddieselben Clubs besucht. So haben Jugendliche bereits deutliche Spuren im Netz hinterlas-sen: Etwa drei Viertel der Community-Nutzer haben im Internet Angaben zu ihren Hobbys undanderen Tätigkeiten angegeben. Knapp zwei Drittel haben ein eigenes Foto oder ein Videovon sich hinterlegt. Zwei Fünftel haben Bilder oder Filme von Freunden oder Familienangehö-rigen eingestellt. Etwa jeder Zweite gibt die E-Mail-Adresse als Kontaktmöglichkeit an. Nurrelativ wenige geben ihre Messenger-Nummer oder ihre Telefonnummer preis. Fünf Prozentführen eine Art Onlinetagebuch in einem Blog oder über Twitter. Beim Einstellen persönlicherAngaben sind die Jugendlichen aber zurückhaltender geworden: Gegenüber den JIM-Studiender Jahre 2009 und 2010 ist der Anteil derjenigen, die ihre Daten online posten, insgesamtbetrachtet eher rückläufig. Hinterlegte persönliche Daten im Internet 2011 - 2009 Information en über 73 Hobbies und andere 76 Tätigke iten 83 65 Eigene Fotos/Filme 64 69 40 Fotos/Filme von Freunden/Familie 41 51 46 Eigene E-Mail-Adresse 37 34 14 2011, n=1.188 Eigene Instant Me ssenger 26 Nummer 2010, n=1.188 35 2009, n=1.173 5 Eig ene Blogs/Internet- Tagebücher ode r twitter 7 8 3 Eigene Telefon- /Handynummer 4 5 0 25 50 75 100 Quelle: JIM 2011 - 2009, Angaben in Prozent Basis: Internet-Nutzer
  • 53. Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest / JIM-Studie 2011 Seite 51Dass Jugendliche im Umgang mit ihren Daten sensibler geworden sind, belegt auch die Ver-wendung von Sicherheitseinstellungen. Mit 79 Prozent ist der Anteil derer, die ihr Profil miteiner Privacy-Option vor dem Einblick Fremder geschützt haben, gegenüber 2010 (67 %)nochmals deutlich gestiegen. Mädchen und junge Frauen agieren hier merklich vorsichtiger(85 %) als Jungen und junge Männer (72 %). Die zunehmende Verwendung der von denBetreibern vorgesehenen Schutzmaßnahmen ist zwar grundsätzlich erfreulich, jedoch solltedies nicht darüber hinwegtäuschen, dass bei einem durchschnittlichen Freundeskreis von über200 Personen dies doch die Privatheit sehr relativiert. Hier den richtigen Weg zu finden ist fürJugendliche (wie für Erwachsene auch) nicht einfach: Gibt man zu wenig von sich preis, wirdman nicht gefunden und kontaktiert, bzw. ist für andere User (und ggf. auch im realen Leben)möglicherweise uninteressant oder man gehört nicht dazu. Offenbart man zu viel Persönli-ches, steigt die Gefahr des Datenmissbrauchs. Dennoch fühlen sich die meisten Jugendlichenmit ihren Daten bei ihrer Community gut aufgehoben. Zwei Drittel haben Vertrauen in den An-bieter der Plattform und betrachten ihre Daten dort als (sehr) sicher. Das verbleibende Drittelist skeptisch und sieht seine Daten dort eher unsicher verwaltet. Das Misstrauen gegenüberdem Anbieter nimmt mit zunehmendem Alter deutlich zu: Unter den volljährigen Nutzern fühltsich nur noch jeder Zweite hinsichtlich seiner Daten in seiner Community sicher. In Bezug auf den Schutz meiner Daten fühle ich mich in meiner Community Gesamt 14 53 26 6 sehr sicher sicher weniger sicher gar nicht sicher Mädchen 10 56 28 5 Jungen 18 50 25 7 12-13 Jahre 21 64 14 1 14-15 Jahre 18 59 20 4 16-17 Jahre 12 52 30 6 18-19 Jahre 8 42 38 12 0 25 50 75 100 Quelle: JIM 2011, Angaben in Prozent Basis: Nutzer Online-Communities, n=1.041Die subjektive Sicherheit der eigenen Daten hängt dabei natürlich auch davon ab, welcheCommunity hauptsächlich genutzt wird. Vergleicht man hier die meistgenutzten Portale Face-book und schülerVZ, zeigen sich deutliche Unterschiede: Nutzer von schülerVZ berichtendeutlich seltener, dass sie sich weniger oder gar nicht sicher in Bezug auf den Schutz der ei-genen Daten bei ihrer Community fühlen (18 %, Facebook: 39 %).
  • 54. Seite 52 Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest / JIM-Studie 2011 In Bezug auf den Schutz meiner Daten fühle ich mich in meiner Community Gesamt 14 53 26 6 Facebook-Nutzer (n=746) 10 52 31 8 schülerVZ-Nutzer (n=138) 22 59 17 1 0 25 50 75 100 sehr sicher sicher weniger sicher gar nicht sicher Quelle: JIM 2011, Angaben in Prozent Basis: Nutzer Online-Communities, n=1.041Auf die ohne Antwortvorgaben gestellte Frage, was denn die Anbieter von Communities mitden Daten ihrer Ansicht nach machen, ist sich die Hälfte aller Jugendlichen bewusst, dass dieDaten weitergegeben werden. Jeder Zehnte geht davon aus, dass die Betreiber die Datenauslesen. Etwas seltener sagen die Jugendlichen, dass sie sich vorstellen, dass die Datengespeichert werden, aber nur ein Teil vermutet, dass diese dann auch weiter verwendet wer-den. Sechs Prozent befürchten, dass die Daten von den Betreibern veröffentlicht werden. Unddrei Prozent wollen lieber nicht wissen, was die Communities mit den anfallenden Daten ma-chen. Allerdings hat jeder Fünfte zwischen 12 und 19 Jahren keinerlei Vorstellung, was mitden Daten bei sozialen Netzwerken geschieht und konnte hierzu keine Angabe machen. Annahmen über die Datenverwendung bei Online-Communities 52 Datenweitergabe 49 55 Auswerten der 9 7 Informationen 11 7 Datenspeicherung 4 9 Werden nur gespeichert 7 6 und nicht weiter verwendet 7 6 Veröffentlichung 6 Gesamt 7 5 Mädchen Spionieren/Hacken/Faken 5 4 Jungen 4 Datenmissbrauch 5 4 Das möchte ich nicht 3 4 wissen 1 20 Weiß nicht/keine Angabe 22 18 0 25 50 75 100 Quelle: JIM 2011, Angaben in Prozent Basis: alle Befragten, n=1.205
  • 55. Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest / JIM-Studie 2011 Seite 53Angesichts des enormen Aufwandes, den die Anbieter von sozialen Netzwerken für die tech-nische Infrastruktur von zum Teil weltweiten Netzwerken betreiben und den astronomischenSummen, mit denen Unternehmen dieser Branche gehandelt werden, stellt sich für viele dieFrage des Geschäftsmodells: Auf welche Weise verdienen diese Unternehmen Geld? Zumaldie Nutzer in der Regel diese Plattformen kostenfrei verwenden können. Nach Ansicht derbefragten jugendlichen Community-Nutzer finanzieren sich diese Angebote überwiegend überdas Einblenden von Werbebotschaften mit Werbebannern. Etwa jeder Zehnte vermutet Spon-soring, Zusatzgeschäfte oder ein Nutzerentgelt. Nur sieben Prozent können sich vorstellen,dass diese Unternehmen mit Datenhandel ihre Kosten decken. Ein kleiner Teil der Befragtengeht davon aus, dass diese Angebote aus Steuern oder über Spenden finanziert werden.Die Antworten geben Anhaltspunkte, dass Jugendliche möglicherweise erkannt haben, dasssie aus Sicht der Betreiber Werbekunden sind und ihre Kontaktdaten einen gewissen Wertdarstellen. Dies zeigen auch die Antworten der Jugendlichen auf die fiktive Frage, für welchenBetrag sie die Inhalte ihres Profils an ein interessiertes Unternehmen verkaufen würden. Mit78 Prozent der Mädchen und 58 Prozent der Jungen lehnt jedoch die Mehrheit einen Verkaufgenerell ab. Wenn, dann würden Jugendliche sehr hohe Summen verlangen: Nur jeder zehnteJunge und jedes zehnte Mädchen würde sein Profil unter 100 Euro an Dritte verkaufen. Annahmen über die Finanzierung von Online-Communities 56 Werbebanner 51 62 9 Sponsoring 8 11 12 Nutzerentgelt/Zahl der 15 Nutzer 10 10 Gesamt Zusatzangebote 8 12 Mädchen 7 Datenhandel/ Jungen 4 Adressverkauf 9 3 Spenden 2 4 2 Steuern/Zuschüsse 2 2 0 25 50 75 100 Basis: Nutzer Online-Communities, n=1.041 Quelle: JIM 2011, Angaben in Prozent
  • 56. Seite 54 Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest / JIM-Studie 2011 Würde die Daten meines Community-Profils verkaufen für ... 100 Würde mein Profil nicht verkaufen 1.000 Euro oder mehr 78 100 bis 1.000 Euro 75 Unter 100 Euro 58 50 25 20 12 11 10 6 5 0 Mädchen Jungen Quelle: JIM 2011, Angaben in Prozent Basis: Nutzer Online-Communities, n=1.041Diese Angaben zeigen, dass Jugendliche durchaus eine gewisse Sensibilität für den Umgangmit Daten im Internet entwickelt haben. Allerdings ist das Thema „Datenschutz und Persön-lichkeitsrechte“ relativ komplex und oft wissen auch viele Erwachsene hier nicht richtig Be-scheid. Dennoch fühlen sich zwei Drittel der Jugendlichen bei dieser Problematik gut odersehr gut informiert. 29 Prozent schätzen sich weniger kompetent ein und vier Prozent fühlensich gar nicht gut informiert. Jungen glauben hier, etwas besser Bescheid zu wissen als Mäd-chen. Die Zahl der weniger Informierten nimmt mit dem Alter eher zu. Möglicherweise führenhier eine größere Sensibilität und eigene Erfahrungswerte zu mehr Skepsis und einer größe-ren Einsicht in die vorhandenen Wissensdefizite. Was den Bildungshintergrund betrifft, fühltsich auch mehr als jeder Vierte mit höherer Bildung nicht ausreichend informiert, mit einerniedrigeren formalen Bildung nimmt der Anteil der Desinformierten noch weiter zu.Hauptinformationsquelle zu Datenschutzthemen sind die Medien, zwei Drittel derer, die sichsehr gut/gut über das Thema Datenschutz informiert fühlen, nutzen das mediale Informations-angebot. Knapp die Hälfte hat sich bei den Eltern informiert, zwei Fünftel haben ihre Informati-onen zum Datenschutz aus der Schule bzw. von Lehrern. Jeder Dritte informiert sich imFreundeskreis, 17 Prozent bei Verwandten. Mädchen fragen eher bei Eltern und Lehrernnach, Jungen tendieren mehr zu den Medien als Informationsquelle. Mit zunehmendem Alterwerden Datenschutzthemen verstärkt in den Medien nachgefragt und auch der Freundeskreisspielt dann eine größere Rolle. Die Eltern und die Schule verlieren deutlich ihren Status alsAnsprechpartner zu diesem Thema.
  • 57. Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest / JIM-Studie 2011 Seite 55 Fühle mich über das Thema „Datenschutz im Internet“ ... Gesamt 11 56 29 4 Mädchen 11 52 33 4 Jungen 11 59 25 5 12-13 Jahre 14 58 24 4 14-15 Jahre 11 54 32 3 16-17 Jahre 9 63 24 4 18-19 Jahre 9 49 37 6 Hauptschule 8 50 33 9 Realschule 11 52 32 4 Gymnasium 12 59 26 3 0 25 50 75 100 sehr gut informiert gut informiert weniger gut informiert gar nicht gut informiert Quelle: JIM 2011, Angaben in Prozent Basis: alle Befragten, n=1.205 Ich informiere mich über Datenschutz bei… 49 66 Medien 73 85 59 58 Eltern 40 22 51 48 Lehrern/Schule 47 12-13 Jahre 32 14-15 Jahre 24 34 16-17 Jahre Freunden 37 35 18-19 Jahre 15 18 Geschwistern/Verwandten 17 17 1 1 Woanders 2 5 0 25 50 75 100 Quelle: JIM 2011, Angaben in Prozent Basis: Befragte, die sich (sehr) gut über Datenschutz informiert fühlen, n=802
  • 58. Seite 56 Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest / JIM-Studie 2011Eine wichtige Quelle, um den Umgang eines Unternehmens mit persönlichen Daten zu bewer-ten, sind die Angaben in den Nutzungsbedingungen bzw. den Allgemeinen Geschäftsbedin-gungen (AGB), denen die Nutzer von Communities in der Regel vorab zustimmen müssen.Meist handelt es sich hierbei um mehr oder weniger lange, umständlich und unverständlichformulierte Texte. So verwundert es nicht, dass mehr als die Hälfte der Jugendlichen angibt,die AGBs ihrer Community gar nicht gelesen zu haben. Von denjenigen, die die AGBs gelesenhaben, geben drei Viertel zu, diese nur teilweise gelesen zu haben und ebenso viele Leser derAGBs haben den Text auch nur überflogen. Die verpflichtende Angabe von ABGs alleinscheint also nicht geeignet zu sein, die jugendlichen Nutzer aktiv auf ihre Rechte und auf mög-liche Gefahren hinzuweisen. Wenn diese Angaben mehr sein sollen, als das Unternehmenjuristisch abzusichern, ist diese Form der Ansprache offensichtlich ungeeignet. Sollen dieseAngaben Jugendliche zu einer selbstbestimmten und reflektierten Nutzung der Communitiesund einem verantwortlichen Umgang mit ihren Daten bewegen, müssten andere Wege derSensibilisierung gewählt werden. Habe die AGBs meiner Online-Community gelesen … hast du die AGBs ganz gelesen? 25 75 ganz gelesen teilweise gelesen Nein Ja 56% 44% Wenn ja… … wie genau hast du die AGBs gelesen? 24 76 detailliert gelesen überflogen k.A. 0 25 50 75 100 Quelle: JIM 2011, Angaben in Prozent Basis: Nutzer Online-Communities, n=1.041
  • 59. Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest / JIM-Studie 2011 Seite 5714. Handy14.1 Ausstattung und KostenMit 96 Prozent besitzen so gut wie alle Jugendlichen ein eigenes Handy. Bereits bei denjüngsten Befragten kann man von einer Vollversorgung mit Mobilfunkgeräten ausgehen. EinTeil dieser Geräte sind sogenannte Smartphones, wie das iPhone oder Samsung Galaxy, diesich zunehmend unter Jugendlichen etablieren: Jeder Vierte kann ein solches Handy mit er-weiterten Funktionen und Internetzugang sein Eigen nennen. Gegenüber der JIM-Studie 2010hat der Besitz um 11 Prozentpunkte zugenommen. Unter den volljährigen Jugendlichen nutztbereits jeder Dritte ein Smartphone. Handy-Besitzer 2011 Handy Smartphone/iPhone 100 96 98 96 96 97 97 94 95 95 95 80 60 40 35 27 28 25 24 24 26 22 22 20 14 0 t e le um e e e en n e am hr hr hr hr ul e hu ch ng si ch Ja Ja Ja Ja es sc na äd Ju ls G 3 5 7 9 pt -1 -1 -1 ym M -1 ea au 12 18 14 16 R G H Quelle: JIM 2011, Angaben in Prozent Basis: alle Befragten, n=1.205Etwa zwei Drittel der Handybesitzer nutzen das Handy mit einer Prepaid-Karte (68 %), insbe-sondere jüngere Handynutzer greifen auf dieses Kostenmodell zurück, bei dem die Gebührenim Vorfeld bezahlt werden müssen und so eine größere Kostenkontrolle möglich ist (12-13Jahre: 81 %, 14-15 Jahre: 77 %, 16-17 Jahre: 67 %, 18-19 Jahre 49 %).Die durchschnittlichen Ausgaben der Handybesitzer für das Handy liegen bei monatlich16,81 €. Mit 17,40 € geben Mädchen etwas mehr aus als Jungen (16,23 €). Je älter die Ju-gendlichen sind, desto höher fallen die Handykosten aus: Während die 12- bis 13-Jährigen10,55 € benötigen, sind es bei den 14- bis 15-Jährigen 15,77 € und bei den 16- bis 17-Jährigen 16,49 €. Deutlich mehr geben die volljährigen Jugendlichen aus, sie haben durch-
  • 60. Seite 58 Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest / JIM-Studie 2011schnittliche Kosten in Höhe von 23,76 €. In dieser Altersgruppe haben immerhin elf Prozenteine monatliche Handyrechnung von über 50 €. Unter den volljährigen Jugendlichen tragendrei Viertel ihre Kosten selbst, bei den Jüngsten mit 12 und 13 Jahren kommt nur jeder Drittefür seine Kosten alleine auf (14-15 Jahre: 53 %, 16-17 Jahre: 69 %). Mit den Kosten kommendie Jugendlichen gut zurecht. Nur vier Prozent der Handybesitzer geben an, wegen des Han-dys schon einmal Geld geliehen bzw. Schulden gemacht zu haben. In den allermeisten Fällenhaben dabei die Eltern ausgeholfen. Der sehr geringe Anteil derjenigen, die schon einmalSchulden machen mussten, ist über die letzten Jahre rückläufig.Die Handys der Jugendlichen sind weit mehr als einfache Mobiltelefone. Fast jedes Gerät hateine Kamera integriert (95 %), neun von zehn haben die Möglichkeit, Daten per Bluetooth zutauschen (92 %) oder MP3-Dateien abzuspielen (90 %). 85 Prozent haben ein Radio im Han-dy integriert und vier von fünf Handybesitzern können mit dem Handy ins Internet gehen(81 %). Jedes dritte Gerät hat ein GPS zur Ortung via Satellit (35 %) und jedes Vierte eineInfrarotschnittstelle (24 %). Neben diesen Funktionen haben Geräte der neuen Generationsogenannte Smartphones, weitere Möglichkeiten, wie beispielsweise das Aufspielen kleinerAnwendungsprogramme, die man als Apps (= applications) bezeichnet. 21 Prozent der Han-dybesitzer haben solche Apps auf ihrem Smartphone installiert.Jugendliche User von Apps haben im Schnitt 22 dieser Programme auf ihrem Smartphoneinstalliert, Jungen und junge Männer mit 25 Programmen etwas mehr als Mädchen und jungeFrauen (17 Apps). Aus Sicht der Jugendlichen werden unter den drei wichtigsten Anwendun-gen eindeutig Apps von Communities genannt, also Programme, die sie auch mobil über Sta-tusmeldungen und aktuelle Nachrichten in ihrem Netzwerk auf dem Laufenden halten. Mitdeutlichem Abstand folgen Computerspiele für das Handy und mobile Instant Messenger-Programme. Jeder fünfte App-Nutzer nennt Nachrichten und Wetterdienste als eine der dreiwichtigsten Programme. Während der direkte Zugriff auf Videoportale und Musik-Apps nochvergleichsweise häufig genannt werden, sind Radio- und TV-Apps eher selten verbreitet. An-gebote wie Navigation, Shoppingmöglichkeiten und Dienstleistungen des öffentlichen Nahver-kehrs zeigen, dass die neuen technischen Möglichkeiten mehr als nur Spielerei sind und Ju-gendliche im Begriff sind, sich diese Optionen pragmatisch im Alltag zunutze zu machen.
  • 61. Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest / JIM-Studie 2011 Seite 59 Smartphone: Die wichtigsten Apps - bis zu drei Nennungen - Communities 56 Computerspiele 28 Instant-Messenger 22 Nachrichten/Wetter 20 Videoportale 14 Musik-Apps/Player 13 Browser/Internetzugang 8 Navi/GPS 7 Google-Dienste 6 Shopping 6 Sport 5 ÖPNV 5 Handy-Apps 5 E-Mail 4 Terminkalender 4 Foto/Kamera/Bearbeitung 4 TV-Apps 3 Radio-Apps 3 Wörterbuch 3 0 25 50 75 Quelle: JIM 2011, Angaben in Prozent, Nennungen ab 3 % Basis: Befragte, die Apps auf dem Handy haben, n=25114.2 HandynutzungTrotz vieler neuer Möglichkeiten steht die hauptsächliche Nutzung des Handys als Kommuni-kationsmedium weiterhin im Vordergrund. Etwa vier Fünftel der Handybesitzer kommunizierenüber das Handy regelmäßig per SMS oder werden angerufen. Knapp drei Viertel rufen selbstmehrmals pro Woche mit dem Handy an (73 %). 61 Prozent nutzen das Handy als Musikab-spielgerät und jeder Dritte verwendet die integrierte Digitalkamera (34 %) zum Fotografierenund Filmen. Etwa jeder Fünfte geht regelmäßig mit dem Handy online (22 %), nutzt Nachrich-tendienste und Handyspiele (je 21 %) oder versendet MP3-Dateien via Bluetooth (20 %). Et-was seltener werden über diese Schnittstelle Fotos und Filme verschickt (15 %) und 12 Pro-zent checken mit dem Handy ihre E-Mails. Der Versand von MMS spielt kaum eine Rolle, we-der für MP3-Dateien (3 %) noch für Fotos/Filme (2 %).Auffällig ist, dass Mädchen deutlich häufiger SMS verwenden, mit dem Handy fotografierenund auch mehr Nachrichtendienste empfangen als Jungen. Die Affinität von Jungen zumThema „Computerspiele“ bestätigt sich auch durch die häufigere Nutzung von Handyspielen.
  • 62. Seite 60 Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest / JIM-Studie 2011 Nutzung verschiedener Handy-Funktionen - täglich/mehrmals pro Woche - SMS bekommen 88 77 Angerufen werden 81 78 87 SMS schicken 72 Jemanden anrufen 74 72 Mit Handy Musik hören 60 62 Fotos/Filme machen 41 28 MP3 mit Bluetooth verschicken 19 21 18 Fotos/Filme mit Bluetooth verschicken 13 Mit Handy Nachrichtendienste empf. 24 Mädchen 17 Handyspiele spielen 18 Jungen 24 Mit Handy im Internet surfen 23 22 Mit Handy Mails abrufen 11 14 MP3 als MMS verschicken 2 4 Fotos/Filme als MMS verschicken 3 2 0 25 50 75 100 Quelle: JIM 2011, Angaben in Prozent Basis: Besitzer Handy/Smartphone, n=1.173Gegenüber den vergangenen Jahren ist vor allem die mobile Onlinenutzung angestiegen. DerAnteil der Handybesitzer, der regelmäßig mit dem Handy online geht, hat sich in zwei aufein-anderfolgenden Jahren jeweils mindestens verdoppelt (2009: 4 %, 2010: 8 %, 2011: 22 %).Auch der Abruf von Mails mit dem Handy legte zu (2009: 4 %, 2010: 7 %, 2011: 12 %). Deut-lich rückläufig ist dagegen die Verwendung von Bluetooth für die Übertragung von Filme/Fotos(2009: 27 %, 2010: 20 %, 2011: 15 %) und MP3-Dateien (2009: 30 %, 2010: 26 %, 2011:20 %) sowie das Fotografieren mit dem Handy (2009: 41 %, 2010: 37 %, 2011: 34 %).14.3 Problematische InhalteDie Konvergenz der Geräte durch die Digitalisierung wird besonders beim Handy evident. MitTelefonie, Internet, Kamera, Navigation, Spielen und Apps sind viele Funktionen auf einemGerät vereint. Die meisten Handys haben inzwischen die Funktionen kleiner Camcorder undkönnen nicht nur Filme aufzeichnen und Fotos aufnehmen, sondern diese auch gleich viaBluetooth auf andere Handys oder Computer übertragen oder direkt in das Internet stellen.Hierzu bedarf es keiner besonderen Kenntnisse. Beispielsweise sind soziale Netzwerke dar-auf ausgerichtet, Bilder von mobilen Geräten direkt einzubinden. Mit dem Aufkommen dieserTechniken wurden allerdings auch Schattenseiten der Handynutzung bekannt. Jugendlichefilmen sich bei Prügeleien oder prügeln, nur um entsprechende Filme drehen zu können (be-kannt unter dem Begriff „happy slapping“). Auch im Kontext von Mobbing spielt das Handyeine Rolle, da hier schnell beleidigende Inhalte wie Bilder, Texte oder Filme weiterverbreitet
  • 63. Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest / JIM-Studie 2011 Seite 61werden können. Hinzu kommt der Besitz oder die Weiterverbreitung illegaler Inhalte aus demInternet. Somit erlangte das Handy auch einen zweifelhaften Ruf, der dazu führte, dass anzahlreichen Schulen ein generelles Handyverbot herrscht. Die JIM-Studie verfolgt diese Prob-lemfelder seit einigen Jahren und der mpfs etablierte mit dem Internetangebotwww.handysektor.de gemeinsam mit der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen einInternetportal, um Jugendliche über die Probleme mobiler Nutzung aufmerksam zu machenund Tipps zum sicheren Umgang zu vermitteln.Was die aktuelle Problematik im Bereich Mobbing betrifft, bestätigen drei Prozent der Handy-besitzer, dass jemand schon einmal beleidigende Inhalte über sie verschickt hat und sie Opfereiner solchen Attacke geworden sind. Ebenfalls drei Prozent geben an, dass sie schon einmalSchwierigkeiten wegen Inhalten bekommen haben, die sie selbst auf ihrem Handy gespeicherthatten oder über das Handy weiterverschickt haben. Probleme mit dem Handy Gesamt 3 3 3 jemand hat beleidigende Bilder/Text Mädchen 2 über mich verschickt 3 Jungen 4 hatte schon mal Schwierigkeiten 3 12-13 Jahre 3 wegen gespeicherter/verschickter 4 Dinge auf meinem Handy 14-15 Jahre 4 3 16-17 Jahre 3 2 18-19 Jahre 3 3 Hauptschule 7 5 Realschule 3 2 Gymnasium 2 0 5 10 15 20 25 Quelle: JIM 2011, Angaben in Prozent Basis: Besitzer Handy/Smartphone, n=1.173Selbst schon einmal in Schwierigkeiten geraten zu sein, geben Jugendliche mit Hauptschul-hintergrund häufiger zu als Schüler an Realschulen und Gymnasien. Verglichen mit der JIM-Studie 2010 sind die Werte stabil.Dass mit dem Handy jugendgefährdende oder unzulässige Inhalte wie brutale Videos oderPornofilme getauscht werden, ist den meisten Jugendlichen bekannt. Vier Fünftel haben hier-von schon einmal gehört, jeder Fünfte weiß davon, dass dies im Freundeskreis oder bei Be-
  • 64. Seite 62 Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest / JIM-Studie 2011kannten geschehen ist. Selbst betroffen waren vier Prozent, Jungen stärker als Mädchen.Insbesondere die mittleren Altersstufen und Jugendliche mit geringerer formaler Bildung ha-ben häufiger diese Inhalte bekommen. Insgesamt betrachtet kann man allerdings feststellen,dass diese Problematik deutlich zurückgegangen ist. Gegenüber der JIM-Studie 2009 hat sichder Anteil der direkt Betroffenen etwa halbiert. Kenntnis/Erhalt brutaler Videos oder Pornofilme aufs Handy 80 Gesamt 21 4 79 Mädchen 17 3 81 Jungen 25 6 ist bekannt 69 12-13 Jahre 17 Freunde/Bekannte 1 haben bekommen 82 14-15 Jahre 23 4 85 habe selbst 16-17 Jahre 23 bekommen 8 85 18-19 Jahre 21 4 76 Hauptschule 29 10 79 Realschule 19 5 82 Gymnasium 21 3 0 25 50 75 100 Quelle: JIM 2011, Angaben in Prozent Basis: Besitzer Handy/Smartphone, n=1.173Der Einsatz von Handys um Schlägereien zu filmen, seien es inszenierte Rangeleien odertatsächliche Handgreiflichkeiten, ist unter dem Schlagwort „happy slapping“ bekannt gewor-den. Etwa jeder vierte Handybesitzer (26 %) hat schon mal einen solchen Vorfall mitbekom-men. Die meisten Fälle hierbei waren echte Prügeleien, nur vier Prozent geben an, dass essich um eine gestellte Szene handelte. Jungen und Jugendliche mittlerer Altersgruppen be-kommen solche Szenen häufiger mit. Auch der Bildungshintergrund spielt eine große Rolle.Zwei von fünf Hauptschülern, jeder dritte Realschüler und etwa jeder sechste am Gymnasiumwar Zeuge einer Situation, in der tatsächliche Schlägereien mit dem Handy gefilmt wurden.Neben der offensichtlichen Problematik durch Ausübung von Gewalt in der konkreten Situati-on ist die Aufzeichnung solcher Szenen darüber hinaus problematisch, da diese Szenen an-schließend für weitere Mobbing-Aktionen verwendet werden können. Sei es um die Opfer er-neut zu demütigen oder die Täter mit dem Filmmaterial zu erpressen. Betrachtet man hier dieEntwicklung der gefilmten Schlägereien über die vergangenen Jahre, belegen die Ergebnisseder JIM-Studien, dass dies inzwischen deutlich rückläufig ist.
  • 65. Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest / JIM-Studie 2011 Seite 63 „Habe schon mal mitbekommen, dass eine Schlägerei mit dem Handy gefilmt wurde“ 2011 - 2009 22 Gesamt 24 26 21 ja, tatsächliche Prügeleien Mädchen 24 2011, n=1.173 25 23 Jungen 24 ja, tatsächliche Prügeleien 26 2010, n=1.170 16 ja, tatsächliche Prügeleien 12-13 Jahre 23 16 2009, n=1.143 26 14-15 Jahre 26 29 27 16-17 Jahre 26 31 20 18-19 Jahre 23 25 36 Hauptschule 44 40 29 Realschule 25 29 15 Gymnasium 18 16 0 10 20 30 40 50 Quelle: JIM 2011 - JIM 2009, Angaben in Prozent Basis: Besitzer Handy/Smartphone
  • 66. Seite 64 Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest / JIM-Studie 201115. ZusammenfassungDie JIM-Studie des Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest dokumentiert seit1998 den Medienumgang der 12- bis 19-Jährigen in Deutschland. Für die repräsentative Un-tersuchung werden jährlich ca. 1.200 Jugendliche befragt. Fernsehen, Internet, Computer undHandy sind in allen Haushalten, in denen Jugendliche aufwachsen vorhanden, jeder zehnteHaushalt besitzt einen Tablet-PC. Die meisten Jugendlichen verfügen inzwischen selbst übereinen eigenen Computer und etwa jeder Zweite kann von seinem Zimmer aus ins Internetgehen. Trotz der Allgegenwärtigkeit von Computer und Internet sind auch andere Medien fürJugendliche relevant. Je drei Fünftel nutzen täglich den Fernseher und das Radio, und jederVierte liest jeden Tag Tageszeitungen oder Bücher. Die Nutzung moderner Medien steht alsonicht unbedingt im Gegensatz zur Verwendung klassischer Medien und es gibt durchaus auchMischformen: Jeder Zehnte liest inzwischen täglich die Nachrichten seiner Tageszeitung onli-ne. Ganz allgemein sind die subjektiv wichtigsten Medienaktivitäten aus Sicht der Jugendli-chen Musikhören sowie die Nutzung von Internet und Handy.Die Themen, für die sich Jugendliche interessieren, haben sich in den vergangenen Jahrenkaum verändert. Weiterhin stehen an erster Stelle die Themen „Liebe und Freundschaft“ so-wie „Musik“. Weitere für viele Jugendliche relevante Bereiche sind „Ausbildung und Beruf“,„Internet“, „Sport“ und das „aktuelle Weltgeschehen“. Für das derzeit relevante Thema „Ener-giepolitik und Energieversorgung“ kann jeder dritte Jugendliche Interesse aufbringen, für jedenVierten sind Wirtschaftsthemen interessant. Ein relativ geringes Interesse gibt es generell fürpolitische Themen. Ein spezieller Aspekt der JIM-Studie 2011 ist die Berufswahl, hier hat gutdie Hälfte der Jugendlichen bereits eine Vorstellung, was sie später einmal werden wollen.Informationen zur Berufsentscheidung haben sie meist von den Eltern und Verwandten oderaus dem Internet. Weitere Quellen sind die Schule sowie Erfahrungen aus Praktika und Fe-rienjobs.Das Vertrauen der Jugendlichen in die unterschiedlichen Medien, zeigt sich bei der Fragenach der Glaubwürdigkeit (welchem Medium sie bei widersprüchlichen Meldungen am ehes-ten glauben). Hier verlassen sich Jugendliche im Zweifelsfall größtenteils auf die Tageszei-tung, an zweiter Stelle folgt das Fernsehen, dann Radio und Internet.Auch im multimedialen Zeitalter sehen Jugendliche ihre Fernsehsendungen gewöhnlich aufeinem gängigen Fernseher an, für jeden Siebten ist auch das Internet eine Option zum Fern-sehen. Die Fernsehpräferenzen unterscheiden sich deutlich von denen der Erwachsenen. Dasbeliebteste Programm ist mit Abstand ProSieben, gefolgt von RTL. Die generelle Präferenzvon privaten Programmen gilt jedoch nicht für alle Sendungen. Fast die Hälfte der Jugendli-chen verfolgt regelmäßig Fernsehnachrichten, am häufigsten wird auch von Jugendlichen die
  • 67. Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest / JIM-Studie 2011 Seite 65Tagesschau gesehen: Jeder Sechste informiert sich regelmäßig mit den Hauptnachrichten imErsten. Ein weiteres aktuell gefragtes Fernsehformat sind Castingsendungen und große Un-terhaltungsshows. Zwei Drittel der Mädchen und jeder vierte Junge zählen eine Castingshowzu ihren Lieblingssendungen. Am häufigsten fällt hier die Wahl auf „Deutschland sucht denSuperstar“ und „Germany’s Next Topmodel“. Die Casting- und Unterhaltungsshows werdenüberwiegend live im Fernsehen angeschaut, nur ein kleiner Teil nutzt die Möglichkeit, dieseInhalte auf Videoplattformen, in Mediatheken oder als Livestream anzuschauen.Vier Fünftel der Jugendlichen zählen zum Kreis der Computer-, Konsolen- und Onlinespieler.42 Prozent sind regelmäßige Spieler. Etwa ein Fünftel spielt regelmäßig alleine Konsolenspie-le, ein Sechstel misst sich zumindest mehrmals pro Woche in Onlinespielen mit anderen Mit-spielern im Internet. Jugendliche verbringen durchschnittlich 50 Minuten pro Werktag mit Bild-schirmspielen. Ein Drittel spielt weniger als eine Stunde pro Tag. Der Anteil der extremenSpieler mit mehr als vier Stunden pro Tag liegt bei drei Prozent.Trotz der weiterhin hohen Nutzung von Fernsehen, Radio und Büchern, kommt dem Interneteine zentrale Rolle zu. Mit zahlreichen Angeboten von Unterhaltung, Information, Spielen undverschiedenen Kommunikationsmöglichkeiten ist das Internet auf vielfältige Weise in den All-tag von Jugendlichen eingebunden. Zwei Drittel der Jugendlichen gehen jeden Tag ins Netz.Die tägliche Onlinezeit liegt bei durchschnittlich 134 Minuten. Die meiste Zeit verbringen Ju-gendliche dabei mit Kommunikation. Und Kommunikation bedeutet vor allem der Austausch insozialen Netzwerken sowie durch Messenger, E-Mail und Chat. Der Computer ist jedoch auchArbeitsgerät: Jeder zweite Jugendliche sitzt regelmäßig zu Hause am Computer bzw. im In-ternet, um für die Schule zu lernen. Jeder Fünfte arbeitet regelmäßig in der Schule am Rech-ner.Communities sind weiterhin ein wichtiges Thema für Jugendliche. Vier Fünftel zählen zu denregelmäßigen Nutzern dieser Plattformen, jeder zweite Jugendliche besucht sogar täglich dieSeiten seines Netzwerks. Die Bandbreite der genutzten Anbieter ist nicht sehr groß, fast dreiViertel aller Jugendlichen nutzen das soziale Netzwerk Facebook. Für die jüngeren Nutzerspielt noch schülerVZ eine Rolle. Die Nutzung von Communities wird in der Öffentlichkeit un-ter Datenschutzgesichtspunkten sehr kritisch betrachtet. Die Nutzer sind angehalten ihre Profi-le mit persönlichen Daten interessant zu gestalten. Jugendliche nutzen diese Möglichkeiten,beispielsweise haben zwei Drittel ein Foto von sich im Internet hochgeladen. Vier Fünftel derJugendlichen haben den Zugriff auf ihre Daten mit der Privacy Option eingeschränkt, so dassnur ein bestimmter Nutzerkreis auf diese zugreifen kann. Mit einer durchschnittlichen Anzahlvon 206 Freunden ist dieser Nutzerkreis allerdings auch nicht mehr überschaubar. Dennochsind zwei Drittel der Community-Nutzer der Ansicht, dass ihre Daten bei ihrem Anbieter sichersind, ein Drittel hat hier eher Bedenken. Insgesamt fühlen sich zwei Drittel der Jugendlichen
  • 68. Seite 66 Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest / JIM-Studie 2011zum Thema „Datenschutz“ gut informiert. Viele haben den Wert von persönlichen Daten er-kannt: Die Mehrheit der Community-Nutzer wäre nicht bereit, seine Profildaten an Dritte weiterzu verkaufen.Die Möglichkeiten des Internets und moderner Handys mit schneller Übertragung von Bildernund Filmen ins Internet haben auch ihre Schattenseiten. 14 Prozent der Jugendlichen bekla-gen, dass schon einmal Falsches oder Beleidigendes über sie im Internet verbreitet wurde. 22Prozent der Internet-Nutzer haben schon mal mitbekommen, dass jemand in ihrem Bekann-tenkreis im Internet fertig gemacht wurde.Das Handy wird zunehmend zum mobilen Internetzugang. 22 Prozent der Handybesitzer nut-zen regelmäßig das Handy, um online zu sein. Erleichtert wird dieser Trend durch die neueGeneration der Handys, die Smartphones, die mit großen Displays und speziellen Dienstenden Internetzugang erleichtern. Jeder vierte Jugendliche hat inzwischen ein solchesSmartphone. Deren Besitzer haben im Schnitt 22 Apps (kleine Anwendungsprogramme) her-untergeladen, besonders häufig sind dies Community-Programme, Spiele, Messenger-Programme und Nachrichtendienste.Vergleichen 12- bis 19-Jährige ihre Jugendzeit mit der ihrer Eltern, so sind zwei Drittel derAnsicht, dass sie es heute leichter haben als ihre Eltern. Als Gründe für die bessere Situationheute werden allen voran die medialen Möglichkeiten genannt, weitere Gründe sind der tech-nische Fortschritt, die größere Freiheit und mehr Freizeit. Das Internet sehen Jugendliche alsFluch und Segen zugleich. Über vier Fünftel sind der Ansicht, dass heutzutage durch das In-ternet auch mehr Probleme entstanden sind. Etwa gleich viele geben allerdings auch an, dasses Jugendliche heute durch das Internet allgemein einfacher haben als früher.Auch wenn Internet und Handy aus Sicht von jungen Menschen keine „neuen Medien“ mehrsind, da sie in dieser Medienwelt aufwachsen und wie selbstverständlich die Möglichkeitennutzen, so müssen doch auch Kinder und Jugendliche jeweils den Umgang mit dem aktuellverfügbaren Medienensemble Stück für Stück erlernen. Die schnellere Aneignung der Bedien-kompetenz kann hierbei helfen, doch bedarf es zu einer selbstbestimmten und reflektiertenMediennutzung weit mehr. Der Umgang mit Daten, die Bewertung von Informationen und ei-nen distanzierten Blick auf die Medieninhalte sind auch heutigen Jugendlichen nicht in dieWiege gelegt worden. Eine kritische Begleitung junger Menschen auf diesem Weg durch me-dienpädagogisch geschulte Pädagogen und informierte Eltern kann hierbei die richtigen Rah-menbedingungen schaffen, um jungen Menschen zu ermöglichen, die Medienwelt für sichpositiv zu nutzen.
  • 69. Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest / JIM-Studie 2011 Seite 6716. English summaryThe JIM-Study by the Pedagogical Media Research Center Southwest (MedienpädagogischerForschungsverbund Südwest) has been keeping track of the media behaviour of 12- to 19-year-old teenagers in Germany since 1998. Approximately 1200 youngsters are interviewedeach year for the representative survey. TV, internet access, computer, and mobile phonesare available where young people reside. Every tenth home owns a tablet PC. Most youngpeople have their own computer in the meanwhile. Every other teenager can access internetfrom his or her room directly. Despite ubiquity of computer and internet, other media areinteresting for the young. Three-fifth of them use TV and radio programs daily. Every fourthteenager reads the daily newspapers, or books. The use of modern media does notnecessarily contrast with the old media. Hybrid forms exist by all means. Every tenthyoungster reads the daily news of his or her newspaper online. According to the youth use ofinternet and mobile phones as well as listening to music are the most important mediaactivities.Topics in which youngsters are interested in have not changed much in the past years. Mostpopular topics as usual are love life, friendship, and music. Furthermore, topics such as choiceof carrier, internet, sport, and world affairs are of relevance. Every other third teenager isinterested in topics such as energy politics and energy supply. Every fourth is interested inEconomics. Politics is generally of low interest. A special aspect of the JIM-Study 2011 is thechoice of career. Almost half of all youngsters know what they would like to do in the future. Allinformation regarding work and career is furnished through family, relatives, or the internet.Further sources of job and career are the school, as well as on job training and holiday jobs.Trust in different medial forms is shown by questioning trustworthiness, i.e. when inconsistentreporting is available, and by asking which medium is trusted the most. In this respect, youngpeople believe for the most part the daily newspaper, TV, radio, and the internet successively.Despite the multimedia age the young watch TV habitually through the TV set. For everyseventh young people, internet is an alternative form of watching TV programs. Preferences inwatching are noticeably different from that of the adults. The most popular program isProSieben, followed by RTL. The general preference for private channels however, is not truefor all channels. Almost half of all teenagers follow up on TV news. “Tagesschau” as anexample is watched most frequently, every sixth gets information through the main news inARD. A further sought after TV format is casting and entertainment shows. Two-thirds of girlsand every fourth boy are interested strongly in casting shows. „Deutschland sucht denSuperstar“, and „Germany’s Next Topmodel“ are amongst the most popular. The casting andentertainment shows are mostly watched live on TV. A small percent uses video platforms,media library, and live streams as a means of watching these shows.Despite the important use of TV, radio, and books, a central role is assigned to the internet.Internet is integrated in young people’s day to day life with a considerable number of offerssuch as entertainment, information, games, and different communication possibilities. Two-thirds of youngsters surf the net every day. The daily online surfing time is 134 minutes inaverage. Young people spend most of their time with communication and communication
  • 70. Seite 68 Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest / JIM-Studie 2011means, in this case exchange of ideas in social networks, messengers, as well as through e-mails and chat rooms.Four-fifth of young people account for the group playing games on the computer, with playstations and online. Approximately 42 percent are frequent users of computer games, playstations, or online games. Youngsters spend in average 50 minutes a day with on-screengames. A third plays less than an hour a day. The percentage of immoderate players withmore than four hours a day is three percent.Communities are still an important topic for teenagers. Four-fifth are regular users of theseplatforms. Every second person visits his or her social networking web site daily. Not allproviders are visited. Almost three-fourth of all youngsters use Facebook. For the very youngusers schülerVZ plays a substantial role. From the point of view of data protection, the use ofcommunities is critically observed in the public. The users are encouraged to design theirprofiles with personal data. Youngsters take advantage of this possibility. As an example, two-thirds of young people have uploaded a personal picture on the internet. Four-fifth have limitedaccess to their personal data through privacy options, so that a limited circle of users canaccess those. With an average number of 206 friends per user however, it is not manageableto keep things under control. Despite all, two-thirds of the community users are of the opinionthat their provider is reliable. One-third however, has reservations. All in all, two-thirds of theyoung users feel that they are well informed in regards to data protection. A large number hasrecognized the value of personal data. Majority of users would not be willing to sell theirprofile, or their personal data to a third party.Film and picture transmission through internet and mobile phones has its own drawbacks. 14percent complain that a false or offensive statement has been made about them on theinternet. 22 percent of internet users have been informed that a friend has been lambasted.Mobile phones have been increasingly used for internet access. 22 percent of mobile ownersuse their phone to go online. This trend has been eased by the new generation of mobilephones, the smart phones which have simplified the internet access through large screensand other services. Every other youngster has a so called smart phone in the meanwhile.Their owners have downloaded an average of 22 apps. Community programs, games,messenger, and news services are among the more popular.Comparing their adolescence to that of their parents, two-thirds of 12- to 19-year-old peoplebelieve that they have an easier life than their parents used to have. The reason being is firstof all the medial possibilities, followed by technical advancements, more freedom and leisuretime. Youngsters see internet as boon and bane at the same time. Over four-fifth are of theopinion that internet has nowadays also caused problems. Same number of people feels thatthe youth today has a much easier life through internet than the youth in the past.From the point of view of the young people, even if internet and mobile technology are nolonger a “new media”, children must get to know the media bit by bit. Being able to operatethis media fast and efficiently, can be of big help. That however will require a more self-determined and reflected media use. Handling data, the assessment of information, and aremote observation of the contents are not inborn. A critical accompaniment of the youngpeople through trained media pedagogs and informed parents can build the right frame workfor the youngsters to use the media world to their advantage.
  • 71. FIM-Studie 2011 Familie, Interaktion & Medien• Die neue Familienstudie des Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest (mpfs) in Kooperation mit der SWR Medienforschung• neue Erkenntnisse zur Kommunikation und Interaktion in deutschen Familien sowie repräsentative Ergebnisse über die Mediennutzung im Familienkontext• Veröffentlichung am 02.02.2012• Informationen und Bestellung unter www.mpfs.de
  • 72. www.mpfs.de Leitung: Peter Behrens (LMK) Thomas Rathgeb (LFK)Kooperationspartner bei der JIM-Studie:SWR MedienforschungIn Zusammenarbeit mit:Bundeszentrale für politische BildungLandeszentrale für politische Bildung Baden-WürttembergLandeszentrale für politische Bildung Rheinland-PfalzStiftung LesenZMG Zeitungs Marketing Gesellschaft