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  • (Aus dem Psychologischen Institut der Universitat Berlin.) Analyse yon Vorgiingen im Spurenfeld. Von Wolfgang KShler und Hedwig yon Restor[f. I. t~ber die Wirkung yon Bereiehsbildungen im Spurenfeld. Von tledwig von Restorer. Mit 2 Text~bbildungen. Alle hier mitzuteilenden Untersuchungen sind zuletzt auf das Pro-blem der Reproduktion gerichtet, aber nur ihr zweiter Tell betrifftdieses Problem unmittelbar. Die Untersuchungen dieses ersten Teileswurden nachtri~glich unternommen, a m die sogenannte riickwhkendeH e m m u n g und verwandte Erscheinungen gegen ~ul]erlich ~hnliche Sach-verhalte abzugrenzen, y o n denen der zweite Teil handelt. Der Begriffder rfickwirkenden H e m m u n g gehSrt zu einem bestimmten System yons S o k o m m t e s , dal~in denVersuchendes ersten Tefles ,,]~eihen" eingepr~gt und dann an ihnen Priifungen vorge-nommen werden muBten, wie vor 20 oder 30 Jahren. Dieses Verfahren ist aus der Mode gekommen. Jeder hat heutedas Geffihl, dab da Lernen, Behalten, Vergessen, Reproduzieren, Wieder-erkennen in sehr speziellen und sonderbaren Situationen untersuchtwerden, und dab die Ergebnisse deshalb nur yon begrenztem Wertfiir die allgemeine Psychologie sein kSnnen. Zweifellos haben dieseMethoden die Kritik Poppelreuters und anderer wirldich verdient. DieBedeutung der Untersuchungen yon Poppelreuter 1, Kiihn2 und Lewin 3haben wir auch keineswegs verkannt 4. Abet wenigstens so lange hat dies Methodik noch nicht alle Dienste geleistet, die sie uns leistenmii~te, als nicht voile Klarheit geschaffen ist fiber die N a t u r ihrer Ein-seitigkeit und die Sonderbeschaffenheit der betreffenden Situationen. 1 Z. Psychol. 61 (1912). 2 Z. Psychol. 68 (1914). 3 Psychol. Forsch. ! u. 2 (1922). 4 Soeben ist noch die Kritik Bartletts hinzugekommen (Remembering,Cambridge 1932).
  • 300 H. yon Restorff:Dieses Ziel ist in jener Kritik noch nicht ganz erreicht. - - Es genfigtauch nicht, wenn etwa tadelnd gesagt wird, das Einpr/~gen yon l~eihenindifferenter Glieder sei ~iir die Versuchspersonen sinnloses Tun. Sieunterziehen sich im allgemeinen solehen Aufgaben, solange sie iiber-zeugt sind, dag darius fiir die psychologische Erkenntnis irgendeinGewinn entspringen wird, ~ueh wenn sie den eben nicht selbst sehenk6nnen und d/irfen. So wird ihr Tun doch in grSBerem Zusammenh~ngetwas sinnvoIIer. Und wit wollen uns j~ nieht t/~usehen: Millionenyon Menschen stehen Tag ffir Tag in prgktisehen Arbeitssituationen,die k~um viel direkter sinnvoll ftir sie sin& Man ~ r d also der klassischenGed/~ehtnispsychologie k~um den Vorwurf allzu grol]er Lebensfernemachen k6nnen, nur weft sie ihre Vpn. ebenf~lls in sinnarme Situutionenbringt. - - Uberdies ~ber verkennt der Vorwurf in seiner allgemeinenF o r m einen wesentlichen U m s t a n d : Alles psyehologische Experimen-tieren wird gelegentlich, u m Kl~rhei~ zu sch~ffen, in bestimmter Hin-sicht extreme Saehlagen herstellen und dadureh yon den gew6hnlichenLebensbedingungen ~bweichende Herggnge herbeifiihren. Nur sok6nnen oft die wissenschaftliehen Entseheidungen erzielt werden. Indessen ist es ein bedeutender Untersehied, ob m a n einmal extremeund sonst k a u m vorkommende Bedingungen p]anm/igig ansetzt oderob alles Experimentieren ~uf einem Gebiet unvermerkt zu einem Ope-rieren in Extremlage wird. Das letztere ist in der klassischen Gedspsyehologie geschehen, und hiervon hgndelt der erste Teil dieser Unter-suehungen. I n ihm wird deutlich, dal3 die klassisehe Methodik dasGewinnen und Festhalten von Lernwirkungen fortw~hrend dem Ein-flug yon intensiven Gegenkrgften aussetzt, und dag vor allem dieserSaehvertmlt den Vorgang zu einer Plage ftir die beteiligten Mensehenmaehen nluB. Wiehtiger freilieh als solehe Methodenkritik sind dann die Saeh-fragen naeh der N a t u r jener Gegenkr/ffte, naeh ihrem Verh/~ltnis zumBegriff der r/iekwirkenden H e m m u n g und naeh ihrem Zusammenhangmit dem Gestaltproblem geworden. Weml m a n eine Reihe vonl Typus ties nebenstehenden Beispielsmehrmals aufmerksam durchsieht und sich die 8 Paare einzupr/tgenversueht, so scheint, dem subjektiven Eindruck naeh, diese Absichtbesser erreicht zu werden fiir die Paare, deren Materialart, nur einmalvorkommt, als fiir die sinnlosen Silben, yon denen die Reihe 4 Paareenth~lt. Es fragt sieh, ob der subjektive Eindruck in objektiver Priifungbest/~tigt wird, und - - wenn es der Fall ist - - ob die sinnlosen Silbenger~de wegen ihrer Hdiu/ung in einer solchen Reihe so viel sehlechtergestellt sind, oder wegen ihrer Beschaffenheit an und /iir 8ich.
  • Uber die Wirkung yon Bereichsbildungen im Spurenfeld. 301 W e g e n der zweiten F r a g e w i r d die Prfifung zweckmi~fiig sogleichin d e r F o r m ausgefiihrt, dai] m a n seinen Vpn. n i c h t n u r eine l%eihe,s o n d e r n n a e h e i n a n d e r i m g a n z e n 5 (unter v e r g l e i c h b a r e n Umsti~ndenu n d in h i n r e i e h e n d e n Z e i t a b s t / i n d e n der Einzelreihen)zur E i n p r s vorfiihrt, y o n R e i h e zu 1%eihe uber die Beispiel:iY[aterialart wechselt, die jeweils in 4 P a a r e n (also ge- laf - - righ~uft) a u f t r i t t . E s h a n d e l t sich u m 5 M a t e r i a l a r t e n ; Id e s h a l b ist n a c h 5 g e i h a n d e r Z y k l u s v o l l e n d e t , u n d ~ I In u n j a d e M a t e r i a l a r t in 4 R e i h e n je als E i n z e l p a a r(isoliert), auI]erdem einmal zu 4 1)aaren in einer l%eiha dok - - par(geh/tuft) v o r g e k o m m e n . P r i i f t m a n also n a c h d e m 89 - - 46Trefferverfahren, so sind die rein s t a t i s t i s c h e n Chancen [~ [griinllfiir Treffer j e d e r M a t e r i a l a r t bei d e n isoliart gestellten z~il - - dapP a a r e n (I) i m g a n z e n ebenso groB wia bei den in H/~u- S -- Bl u n g (H) gegebenen. - - Die erforderliehe G e s a m t z a h l tSg - - femy o n Einzelergebnissen w i r d bei solchen V e r s u c h e n a mb e s t e n d a d u r e h erreieht, d a b y o n v o r n h e r e i n die TrefferzaMen einerGruppe v o n V p n . b e s t i m m t u n d z u s a m m e n g e r e e h n e t werden. Die folgenden Z a h l e n sind das E r g a b n i s einer e r s t e n solehen Prii-fungsserie y o n 5 Versuchsreihen, a n weleher 4 Vpn. zugleich t e i l n a h m e n (Gruppenversueh). Die Instruktion bereitet auf sp~tere Trefferpriifung vor. Die wie im Beispielangeordneten Paare werden sukzessiv und je ffir 2 Sekunden den Vpn. sichtbargemacht. Nachdem eine Reihe 3mal vorgeffihrt ist, unterh/~lt sich der Versuchs-leiter 6 Minuten ]ang mit den Vpn. und nimmt dann die Trefferpriifung vor,wobei jede Vp. selbst fiir sich protokolliert. - - 25 Minuten sp/~ter beginnt dieEinpr/~gung der niichsten 1%eihe usf. So nimmt der Gesamtverlauf bis zur Priifungder 5. Reihe kaum 21/~ Stunden in Anspruch. - - Als Treffer werden auBer denvollkommen korrekten Reproduktionen fiberall gleichmaBig auch diejenigen ge-rechnet, die nur eine ganz leichte Ver/inderung gegeniiber dem Original aufweisen(wie etwa bei der Reihensilbe ,,kiip" die Angaben ,,k6p" und ,,kiib"). T a b e l l e 1. Trefferzahlenitir I ] Silben Figuren I Zahlcn ] ]r I F.arben Zusammen in Proz. 7 9 5 10 4 14 9 14 10 63 44% 79% Obwohl as sich u m geringe G e s a m t z a h l e n h a n d e l t - - die hSchsteTrefferzahl, welche die 4 Vpn. z u s a m m e n fiir je ein M a t e r i a l in d a rH- oder der I - K o n s t e l l a t i o n erreiehen k o n n t e n , ist 16 - - ist d a s E r g e b n i sbereits deutlich. I n der I - K o n s t e l l a t i o n liegt, u n d zwar bei j e d a rM a t e r i a l a r t fiir sich, die Trefferzahl hSher als in der zugehSrigan 1 Es handelte sich um kleine farbige Rechtecke.
  • 302 H. von R.estorff: H - K o n s t e l l a t i o n . t l e c h n c t m a n alle H- und alle L T r e f f e r z u s a m m e n , so zeigt sich, da[3 die H - P a a r e wenig fiber 4 0 % , die I - P a a r e d a g e g e n fast 80 % Troffer ergeben haben. E s scheint d a m i t festgestellt, dal~ in solchen R e i h e n eine geh/iuft a u f t r e t e n d e Mat.erialart sieh aul~erordent.lich viol s e h l e e h t e r einprSgen oder b e h a l t e n 1/~gt (odor beides zugleieh) als ein Material, das isolier~ zwisehen anders beschaffenem steht.. E i n e Sieherung dieses Ergebnisses ist in m e h r f a c h e r H i n s i c h t cr- forderlieh{ I n n e r h a l b einer 3Iaterialart k a n n es U n t e r s e h i e d e geben, die hier zufitllig die I-F/ille begfinstigt oder (lie H-Fitlle sehleehter gestellt haben. Es w e r d e n also K o n t r o l l v e r s u c h e nStig, bei d e n e n d e r ent- s p r e c h e n d e M a t e r i a l a u s t a u s e h v o r g e n o m m e n ist. - - Einfltisse y o n der A r t d e r E r m t i d u n g , a b e t a u e h d e r ~Jbung sind zu ber/icksiehtigen und zu eliminieren d a d u r e h , d a b die Reihenfolge u m g e k e h r t wird, in der die I-I/~ufung R e i h e naeh R e i h e die einzelnen M a t e r i a l a r t e n trifft. - - Die n a h e zeitliche F o l g e m a e h t EinfluB einer R e i h e auf a n d e r e denk- bar, welcher in einer weiteren Serie d u t c h V c r t e i l u n g der Versuehs- reihen auf v e r s e h i e d e n e Tage ausgesehaltet, wird u. dgl. m. - - Aus solehen G r i i n d e n w u r d e n n a e h d e r e r s t e n Serie y o n z u s a m m e n g e h 6 r i g e n Ver- s u e h s r e i h e n noeh 4 weitere solche Serien aus R e i h e n des gleichen T y i m s d u r e h g e f i i h r t , j e d e Serie w i e d e r m i t einer n e u e n G r u p p e y o n Vpn., so (lag, die erste Serie eingereehnelb, schliel31ieh 5 Serien m i t im g,~nzcn 22 Vpn. vorlagen. Tab. 2 zeigt das E r g e b n i s dieser 5 Serien: T a b e l l e 2. Treffcrzahlon flit ZllSg~lnlllCrl I l l 1)roz,Anzahl SerieVpn. S i l ~ _ ]~arben_ - - - - II I II I II I 4 I 7 9 5 10 4 14 9 14 10 16 35 63 44% 79% 4 II 8 10 6 14 2 5 11 13 10 13 37 55 46% (V)% ,5 III 10 20 10 18 9 18 16 19 16 20 61 95 61% 95% 5 IV 7 14 5 12 4 10 1]> 9 6 18 33 63 33% 63% 4 V 4 8 3 11 4 8 5 10 7 15 23 52 28% 65% 22 I - - V [ 36 61 i29 65 123 55 52 65 I49 82 is9 32s 43% 75%I - - V in Proz. 69%133% 74% ~G Die Zahl der m6gliehen Falle je liir H- und I-Konstellation einer gcrie ergibt sich als Produkt tier Anzahl dcr Vpn. und 20 (4 ~Iaterial~rten, 5 ICeihen). Infolgedessen ist z.B. die Anzahl der ini g~nzen m6gliehen Fs jeder Art 440; davon haben 189 H- und 328 I-F/ille Troffer ergeben. D ~ n a c h s t i m m t d a s G e s a m t e r g e b n i s j e d e r sp/iteren Serie mi~ d e m d e r e r s t e n d e r R i c h t u n g nach v o l l k o m m e n fiberein. U n t e r d e n 25 ein- zelnen F/illen, in d e n e n d e r H - u n d der I - W e f t der 5 MateriaI~rtcn i m g a n z e n zu vergleichen ist, h a b e n n u r einmal die H-Troffer einen e t w a s h 6 h e r e n W e r t erreiehb als die I-Treffer des g]eichen ~ a t e r i a l s .
  • ~ber die Wirkung von Bereiehsbitdungen im Spurenfeld. 303Das ist im R e s u l t a t ftir B u c h s t a b e n in der Serie IV der Fall, u n d esleuehtet ein, daft B u c h s t a b e n , v o n d e n e n es n u r eine so begrenzte Zahlgibt, ein ungeeignetes Material ffir solche Serien y o n R e i h e n darstellen,bei welchem S t S r u n g e n sogar in grSfterer Zahl h/~tten e r w a r t e t werdenk S n n e n . Selbst die F a r b e n aber, ob sie n u n mehr visuell oder in derF o r m ihrer ,Namen eingepr~gt wurden, h a b e n in jeder Serie m e h rI- als H-Treffer ergeben. D a n a c h m u f t t e n sich die Vpn. der klassischen Ged/~chtnisunter-s u c h u n g e n so arg mfihen, n i c h t nur, weil sie sich gerade sinnlose Silbeneinpr~tgen u n d sie assoziieren sollten, s o n d e r n vor allem auch, weil essich i n der Regel u m R e i h e n aus lauter sinnlosen Silben handelte, u meine H/~ufung also, die noch betr/ichtlich fiber die des eben v e r w e n d e t e nR e i h e n t y p u s hinausging. Die erste Serie ist schon besprochen. Die zweite unterscheidet sich (abgesehenyon der Einftihrung episkopischer Projektion bei Vorfiihrung und Trefferprtifung)yon der ersten nur dadurch, dal3 in jener die bisherigen I-Paare jeder MateriMartH-Paare werden und umgekehrt. - - In der dritten Serie kommt auf einen Ver-suehstag jedesmal nur eine Versuchsreihe. Da dies zu einem merkliehen An-waehsen der Trefferzahlen sowohl fiir die I- wie fiir die H-F/ille ffihrt, ist bei denSerien mit dichterer Reihenfolge stSrende Einwirkung einer Reihe aug die anderen~nzunehmen, die in der Serie III fortfitllt oder stark herabgesetzt ist. Es wirdsieh weiterhin zeigen, daft damit kein Einwand gegen das Verfahren in Serie I, IIund IV, sondern nur eine Best~tigung des gleiehen Wirkungsprinzips gegeben ist. - -Serie IV weieht yon Serie I, II und III dadurch ab, dal~ jede Reihe, in episkopischerProjektion, als ganze dargeboten wird, und die Vpn. sie nach dem Takt einesMetronoms durehgehen. - - In Serie V ist die Darbietungszeit fiir jedes Paar auf11/~ Sekunden herabgesetzt, zugleich die Zwisehenzeit zwisehen Darbiet-ung undPriifung aug 25 Minuten erh6ht, die mit einem Scheinversueh aus der Wahr-nehmungspsychologie ausgef/illt werden. Der Abstand der Einzelreihen ist in V,wie in Serie III, stark vergrSf~ert. - - Die Zahl der Darbietungen betr/igt in einigender Serien durchweg 2, in anderen 3. Das Material der H- und I-Paare ist in Serie I I Idasselbe wie in Serie I, in IV und V sind die LPaare H-Paare geworden und um-gekehrt, ebenso wie sehon in II. Alle diese 3[odifikationen der Versuchsumst~ndehaben, wie die Tabelle zeigt, den Gegensatz von H- und I-Konstellationen niehtwesentlieh tangieren kSnnen. Die Zuverl/~ssigkeit des Ergebnisses u n d seine U n a b h / i n g i g k e i t y o nder Beschaffenheit, der sog. E i n p r / i g b a r k e i t u. dgl. der versehiedenenMaterialarten, k o m m t besonders deutlieh zum Ausdruck, w e n n m a ndie Trefferzahlen der I- u n d der H - K o n s t e l l a t i o n n i c h t jeweils fiir diegleiche MateriMart, also aus verschiedenen R e i h e n einer Serie, s o n d e r n]e in einer Reihe, d. i. ohne Rticksieht auf die MateriMart, m i t e i n a n d e rvergleicht. Es ist gar n i c h t selbstverst~tndlich, sondern setzt eine sehrerhebliche B e d e u t u n g des bier u n t e r s u e h t e n Faktors, verglichen m i tder Rolle der Materialunterschiede, voraus, w e n n auch bei dieser Ver-gleichsart i n der Regel dasselbe Ergebnis g e f u n d e n wird. E i n e derR e i h e n enthii,lt z. B. 4 B u e h s t a b e n - u n d 4: Einzelpaare je der a n d e r e n Psychologische Forschung. Bd. 18. 20
  • 304 H. yon Restorff: Materialar~en. Es sell sich jetzt zeigen, ob innerhalb dieser l%eihe (und so in den iibrigen) die Treffer der gerade in I-Konstellation ge- gebenen 4 Ma~erialarten zahlreicher sind als die des in H~ufung ge- gebenen Materials. Tab. 3 zeigt das Ergebnis: Tabelle 3. Trefferzahlen in Reihen mit H~ufung yon Zllsammell in Ihoz.Anzahl Serie HSilbenI [ FigurenH ] KZahlenI BuchstabenH Farben I I Vpn. tt I 4 I 7 16 5 15 4 15 9 11 10~ 6 35 63 44% 79% 4 II 8 11 6 9 2 11 11~11 10 13 37 55 46% 69% 5 I I I ~10 20 10 20 9 20 !16 18 16 17 61 95 61% 95% 5 IV 7 8 5 11 4 13 11 13 6 18 33 63 33% 63% 4 V 4 12 3 8 4 14 5 9 7 9 23 52 28% 65% :]2 I - - V 136 67 29 63 23 73 52 62 49 63 [89 328 43% 75%I--V in Proz. Der Gegensatz der beiden Konstellationen m a c h t sieh also gegen die Materialverschiedenheiten so stark geltend, dal~ u n t e r 25 Vergleiehs- fiillen (25 Versuehsreihen) nur 2 nicht das ~ b e r g e w i e h t des I-Falles gegeniiber dem H-Fall aufweisen, namlich in der Serie I die Reihe mit Farbenhitufung, die die umgekehrte Ungleichheit ergeben hat, u n d in Serie I I die Reihe mit Buchstabenh~tufung, we die H- und I-Treffer gleich hi~ufig sind. W e n n m a n bedenkt, wie klein, absolut genommen, die Zahlen u n d die Trefferm6glichkeiten in den Einzelreihen sind, spricht dieses Resultat fiir grSl3te Sicherheit der festgestellten Haufungs- wirkung. Es sell keineswegs behauptet werden, dab die h~ateria]art ohne jeden Ein- flul3 auf die Trefferzahl ist; ein solcher Einflu~, der freilich nach der letzten Tabelle als sekund~r beurteilt werden muB, wird vie]mehr gewi8 in den Einzelergebnissen merkbar, Die Trefferzahl iiberhaup~ ist z. B. ftir die Farbpaare betr~ichtHch hSher als fiir die Figurenpaare (vgl. Tab. 2, letzte Horizontalspalte). ~brigens scheint auch der ~bergang yon der I-Konstellation zur tt-Konstellation manche Material- arten stgrker zu treffen als andere, etw~ die Zahlen noch stiirker als die Silben. I n einer weiteren Serie V I wurde das Prinzip der Serien I - - V in verschiirfter F o r m angewendet. Gegen die Verwendung y o n Buch- staben- und F a r b e n p a a r e n lassen sich ohnehin Bedenken vorbringen. Deshalb sind in den (3) Reihen der Serie V I diese Paare fortgelassen, indem zugleieh ffir die fibrigbleibenden Materialarten (Silben, Figuren, Zahlen) der Gegensatz yon H~ufung u n d Isolierung gesteigert wird. Jede Reihe enthi~lt jetzt eine Materialart in 6, die beiden anderen in je einem I)aar, - - diese anderen y o n Reihe zu Reihe an verschiedenen Stellen zwischen die 6 unter sich materialgleichen Paare eingeschoben.
  • l~ber die Wirkung von Bereiehsbildungen im Spurenfeld. 305 Die Darbietungszeit ffir jedes Paar ist 11/2 Sekunden, die Wiederholungszahl 3;die einzelnen lleihen liegen mn Tage voneinander getrennt. Jede Einzelkonstella-t.ion wird im Verlauf der Gesamtserie in 2 versehiedenen l~eihen gegeben, yondenen die eine naeh 6, die andere naeh 40 5Iinuten gepriift wird; jedoch sind dieErgebnisse fiir diese beiden Zeitinter~alte in der folgenden Tabetle nieht, gesondert(vgl. unten). 12 Vpn. nahmen ~n Serie VI teil. Die Trefferzahlen dieses Versuehes sind in Tab. 4~ z u s a m m e n g e s t e l l t .D a b e i w a r zu berficksiehtigen, daft, der K o n s t r u k t i o n der j e t z t ver-w e n d e t e n I~eihen wegen, diesmal die Trefferm6gliehkeiten ffir dieH - P a a r e 3 r e a l so grog sind wie fiir die I - P a a r e 1 u n d d a g d e s h a l b diewirklichen Trefferzahlen d e r H - K o n s t e l l a t i o n e n d u r e h 3 d i v i d i e r tw e r d e n mfissen, d a m i t sie m i t denen d e r I - K o n s t e l l a t i o n e n vergleich-b a r werden. T a b e l l e 4. Trcfferzahlen fiir Ztlgalllnlen Silben Figuren Zahlen tI I It I II I I[ I 13 41 8,7 43 15 41 36,7 125 27% 85% 18% 90% 31% 85% 25% 87% W e n n die I n t e r p r e t a t i o n der Serien I b i s V zutreffend und die d o r tfestgestellte W i r k u n g der H/iufung gleichen Materials i i b e r h a u p t noeh zu steigern war, d a n n muftte in dieser Serie der U n t e r s c h i e d der E r -gebnisse ffir H- u n d I - K o n s t e l l a t i o n noch m ~ r k a n t e r ausfallen. D a s is%wie ein Vergleieh y o n Tab. 2 und 4 zeigt, in der T a t gesehehen, u n d zwar deutlieh aueh ffir jede einzelne der 3 M a t e r i a l a r t e n , die in I - - Vw i e j e t z t in V I v o r k o m m e n . F t i r alle 3 z u s a m m e n sind die Treffer- p r o z e n t e d e r H - K o n s t e l l a t i o n j e t z t 25 u n d die der I - K o n s t e l l a t i o n 87. Die I - F ~ l l e sind also jetzt, tiber d r e i m a l besser gestellt als die H-F~lle. Es ist d a n a e h y o n v o r n h e r e i n zu erwarten, d a b das lDbergewiehg der einen K o n s t e l l a t i o n fiber die a n d e r e w i e d e r u m aueh d a n n b e s t e h e n bleibt, wenn nieht die H- u n d die I-F~lle gleiehen Materials (und ver- sehiedener Reihen) wie eben, sondern, ohne E e r i i e k s i e h t i g u n g der 3Iaterialuntersehiede, die H- u n d die I-Fiille derselben R e i h e n ver- gliehen werden. Die Bereehnung ergibt (wieder bei R e d u k t i o n der H - W e r t e auf s t a t i s t i s e h e V e r g l e i e h b a r k e i t ) : 1 Im ganzen: H: In 3 Reihen jedesmal 6 Paare, naeheinander von 3 Materialarten, bei 12 Vpn., die in einer Reihe nach 6, in einer gleichartigen naeh 40 Minuten gepriifi~ werden (vgl. oben). I: In 3 Reihen jedesmal 2 Paare, alles iibrige wie bei H. Das gibt alles in allem : 432 Einzelf~lle in H-Konstellation, 144 in I-Konstellation. 20*
  • 306 H. yon Restorff- T a b e l l e 5. T r c f f c r z a h l e n in R e i h e n m i g I t ~ u f u n g y o n Zusammen Silbcn Figuren Zahlen 1~I I H I H I H I 13 45 8,7 42 ] 15 38 ] 36,7 125 27% 94% 18%87%31%79%25%87% Einerlei also, welche der 3 M a t e r i a l a r t e n gerade in einer Reihegeh~uft a u f t r i t t , ihre Trefferzahl ist jedesm~l klein, verglichen m i t derder beiden a n d e r e n n u r e i n m a l gegebenen Materialarten. Es bestand die Absicht, in Serie VI aul]er der Wirkung gesteigerter H~ufungnoch einen anderen Einflul~ nachzuweisen. Man mull sich j~ fragen, ob die Haufungwesentlich zur Zeit der sog. Einpragung stSrend wirkt, oder ob sie auch, und viel-leicht sogar vor ahem, nachtr~glich das Ergebnis der Einpr~tgung sch~digt. Wennalso der Lernvorgang abgeschlossen ist und nur noch die ,,Spur" einer Reihe vor-handen ist, wirken dann in ihr ahnliche, auf der Haufung beruhende Krafte st~rendwelter, wie sie woh| sicherlich such schon das Lernen behindern ? Um diese Fragezu entscheiden, wurden yon allen Reihenarten der Serie VI 2 Reihen eingepr~gtund dann die eine nach 6, die andere nach 40 Minuten geprfift. Zwischen diesenbeiden Konstellationen aber ergab sich keinerlei Unterschied; die grSl3ere Zwisehen-zeit senkte nicht einmal die Trefferzahlen fiberhaupt. Die Frage mul3 bei andersgews Zeitintervallen noch einmal geprfift werden 1. - - Es genfigt ffir unserenZusammenhang, dal~ eine solehe nachtr~gliche StSrungswirkung, eine H~ufungs-wirkung also im ,,Spurenfeld", aus anders angelegten Versuchen des 2. Abschnittesgefolgert werden kann (vgl. unten S. 322). In den Tab. 4 und 5 sind die Ergeb-nisse ffir beide Zeitintervalle einfach zusammengezogen. Der H ~ u f u n g s g r a d , der i n Serie V I erreicht ist, k o m m t d e m j e n i g e nnahe, der i n d e n d u r c h a u s , , h o m o g e n e n " Silbenreihen ~lterer U n t e r -s u e h u n g e n fiblich war. U n t e r diesen B e d i n g u n g e n h a t sich n u n eineso kr~ftige StSrung d u r e h H ~ u f u n g gleiehartigen Materials ergeben.Das ist v o n einiger B e d e u t u n g ffir unsere B e u r t e i l u n g j e n e r ~lterenVersuche u n d ffihrt d a m i t auf eine frfiher gemachte B e m e r k u n g zurfick.M a n k S n n t e a n n e h m e n u n d h a t wirklich die V e r m u t u n g ausgesprochen,dal3 die Aufgabe der Vpn. i n solchen Versuchen wesentlieh d a r i n be-stehe, gegenein~nder so indifferente t%eihenglieder wie die Silben ge-wissermal3en kfinstlich in Z u s a m m e n h a n g m i t e i n a n d e r zu bringen. Nachd e m eben m i t g e t e i l t e n B e f u n d m a n g e l t es a n , , Z u s a m m e n h a n g " u n t e rl a u t e r Silben (oder l a u t e r F i g u r e n , Z a h l e n usw.) gewil3 nieht, u n d die t Ein weiterer Versuch ganz ~hnlicher Art, bei dem die beiden Zeitintervallezwischen Darbietung und Prfifung 15 und 55 Minuten betrugen, hat ebenfalls zukeiner Entscheidung in dieser Frage geffihrt. Das Ubergewicht der Treffer inI-Konstellation war so deutlich wie sonst. Da aber die Reproduktionsziffern fiirbeide Zeiten kuum fiberhaupt verschieden ausfie]en, konnte sich auch kein Unter-sehied zwischen dem zeitlichen Verhalten yon H - u n d yon I-Spuren ergeben.(Die Prfifung wurde in diesem Falle nach der Me~hode der betmltenen Gliedervorgenommen.)
  • ~ber die Wirkung yon Bereichsbildungen im Spurenfeld. 307Vpn. der ~lteren Versuche h a b e n sich zweifellos zu einem g u t e n Teild e s h a l b so a n s t r e n g e n miissen, weil u m g e k e h r t r e c h t weitgreifendeZ u s a m m e n h ~ n g e , die aus d e r H o m o g e n i t / i t d e r R e i h e n entspringen,d a u e r n d die A u s b i l d u n g (und das F o r t b e s t e h e n ) k l a r e r L e r n w i r k u n g e nstSrten. DiG B e m i i h u n g d e r Vpn. w i l d also n i e h t z u m wenigsten ineinem a n g e s t r e n g t e n Charakterisieren, l n d i v i d u a l i s i e r e n u. dgl. derGlieder u n d G l i e d e r g r u p p e n solcher allzu m o n o t o n e r Gesamtverl/tufeb e s t a n d e n haben. D a z u passen die B e s c h r e i b u n g e n dessen, was b e i mL e r n e n wirklich zu geschehen pflegte, d e n n auch r e c h t gut. I m g a n z e ndiirfte d e u t l i c h sein, d a b die V e r w e n d u n g sinnloser R e i h e n g l i e d e r gewiBn i c h t der einzige U m s t a n d ist, der solehe Versuche zu etwas s e l t s a m e nAnfordGrungen m a e h t . Sie w e r d e n Versuche in s o n d e r b a r e r u n d sehru n a n g e n e h m e r E x t r e m l a g e erst r e c h t d a d u r c h , d a b m a n , u m der Sta-t i s t i k willen, u m also viele gleichgestellte Assoziationen u n d Trefferf~llezu erhalten, als L e r n m a t e r i a l gerade so homogene u n d m o n o t o n e,,Tropfenfolgen" ws Die Schwierigkeit des Erlernens l~ngerer Reihen dieser Art hat man wohldurch die ,,Enge des BewuBtseins" oder dgl. zu erkl/iren versucht. Der wesent-liche Tatbestand aber ist bei einer solchen Deutung nicht erfaBt. Denn die Gegen-kr~fte, welche die Vp. zu fiberwinden hat, werden so stark ja nur dann, wenn dievielen Reihenglieder yon gleicher Materialart sind. Versuehsergebnisse, wig die eben beschriebenen, h/~tte m a n im G r u n d esehon v o r a u s s a g e n kSnnen, s e i t d e m Ranschburg 1 im J a h r e 1905 d u t c hffeilich n i c h t leicht fibersehbare E x p e r i m e n t e zu d e r These gefiihrtwurde, d a b die Einpr/~gung u n d das B e h a l t e n y o n R e i h e n d u r c h _~hn-liehkeit ihrer Glieder beeintr/tchtigt werde. Merkwiirdigerweise sinddiese Versuche unseres Wissens k a u m i i b e r h a u p t b e a c h t e t worden~. Mi~ller und Schumann 3 hatten ~hnlichkeiten zwischen den einzelnen Silbenihrer Reihen zu vermeiden gesucht, da sie yon solchen Verwandtschaften je nachUmst/~nden schwer kontrollierbare Erleichterungen oder Erschwerungen desLernens erwarteten. Wie fiir diese Autoren ist fiir Ranschburg die in Betrachtgezogene _~hnlichkeit wesentlich Ahnlichkeit durch Gleichheit yon Teilen, undRanschburg stellt fiir seine Hauptversuche ,,homogene" und ,,heterogene" Reihenyon lauter Silben nach dem Prinzip zusammen, dab sich im einen Falle die Konso-nanten der Silben nach wenigen Reihengliedern wiederholen, w/~hrend solcheWiederholungen im anderen Falle m6glichst vermieden werden. Das gibt eineobjektiv wohldefinierte ~hnlichkeitsabstuIung, damit aber zugleich eine ArtTriibung der Versuche; denn eine so gesetzm/~Big durchgeffihrte Teilidentit/it imhomogenen Fall kann nattirlich von den Vpn. erkannt werden und so das Lernen 1 Ranschburg, Uber die Bedeutung der ~hnlichkeit beim Erlernen, Behaltenund bei der Reproduktion. J. Psychol. u. Neur. 5 (1905). 2 Unabh~ngig yon unserer Untersuchung hat soeben S. Forer [Z. Kinder-~orsch. 4~, (1933)] Versuche angestellt, in denen die Ergebnisse yon Ranschburgebenfalls best/~tigt werden. a Mi~ller u. Schumann, Experimentelle Beitr~ge zur Untersuchung des Ge-d/~chtnisses. Z. Psychol. 6 (1894).
  • 308 H. yon Restorff:gerade der homogenen Reihen erleichtern. Das hat denn aueh Ranschburg selbstgelegentlich festgestellt. - - E i n e weitere Komplikation der Ransehburgschen Ver-suche liegt darin, dab eingepr~tgtes Material, welches bereits einmM gepriift wordenist, sp~iter (nach erneuten Darbietungen oder ohne solche) yon neuem geprtift wird.So wird der Verlauf der betreffenden Versuehe schwer tibersehbar; iiberdies aberkarm man im Zweifel dariiber sein, wieweit die Ergebnisse spgterer Prtifungenyon dieser speziellen Vorgesehichte abh/ingig, also nicht allgemeingiiltig sind.Denn eine Prtifung greift doch se]bst in den Zustand der betreffenden Reihen(ihrer Spuren) ein, und es ist nieht gesagt, dab diese Einwirkung bei homogenenund heterogenen Reihen die gleiehe ist. Auf jeden Fall aber hat Ranschburg gezeigt, dab seine homogenen Reihensieh i. a. schwerer lernen, und vor allem, dM] sie sich schleehter behalten lassenals die heterogenenz. Wenn wir seine Darstellung riehtig verstehen, so ist derUntersehied der Ergebnisse viel deutlicher, wenn zwischen Einpr/~gung und Prfifungeinige Zeit verstrichen ist, als wenn die Priifung sehon etwa eine Minute naeh Ab-schluB der Einpr~gung erfolgt. Wegen der S. 306 angestellten TJberlegungenware es besonders wichtig, wenn dieser Befund auch bei Anwendung einer ganziibersichtliehen Methodik best~ttigt werden k6nnte. Theoretisch diirfte wiehtig sein, dab nachtragliche Zusammenfiigung einer schon gelernten in sieh heterogenen Teilreihe mit einer zweiten ebenfalls schon gut gelernten und in sich wieder heterogenen Teilreihe dann zu schweren St6rungenfiihrte, wenn zwisehen den Gliedern beider jene *hnliehkeiten bestanden, die in Ranschb~gs Verfahren Homogenit/it konstituieren. Der Versueh, sie in weiterem Lernen als eine Gesamtreihe zu behandeln, ftihrte vielfach zu einer Herabsetzung der Reproduktionsleistungen. Besonders bemerkenswert ist es, dab die Teil- reihen sich von dieser Sehgdigung mit der Zeit yon selbst zu erholen sehienen. Doeh bedarf dieser Befund wohl noch weiterer Sieherung. Im n~ichsten Absehnitt wird sieh iibrigens zeigen, dab l~eihen heterogener Glieder nieht einfach als eine Anzahl yon I-Fgllen (unserer Terminologie) anzu- sehen sind. Auch unsere bisherigen I-Fal]e sind jedoeh in dieser Hinsicht nicht als rein zu bezeichnen. Die bisher besproehenen Versuche v e r l a n g e n y o n der Vp. Repro-duktion im engeren S i n n des Wortes. Wesentlich anderes u n d jeden-falls sehr viel weniger wird gefordert, w e n n vorher dargebotene l~eihen-glieder bei der Prfifung vorgewiesen u n d als aus der zuvor d a r g e b o t e n e nReihe b e k a n n t oder als n n b e k a n n t b e u r t e i l t werden sollen. Es fragt sieh,ob aueh u n t e r diesen Umstfinden die gleichen E r s c h e i n u n g e n auftreten. W i r n a h m e n solehe Versuche, also tiber das Wiedererkennen, vorm i t einem Verfahren, das in seinen Grundztigen der V e r s u e h s a n o r d n u n gf/Jr R e p r o d u k t i o n s p r f i f u n g entsprach. Die j e t z t v e r w a n d t e n R e i h e nb e s t a n d e n jedoch n i c h t aus Folgen y o n 8 P a a r e n , s o n d e r n jede Reihee n t h i e l t 15 Glieder ohne A n d e u t u n g einer Paarfassung, u n d zwar 3 I-u n d 12 H-Glieder. Es w u r d e n n u r 4 M a t e r i a l a r t e n verwendet, also auchn u r 4 R e i h e n d a r g e b o t e n u n d geprtift, in d e n e n n a e h e i n a n d e r jedeM a t e r i a l a r t e i n m a l in t t ~ u f u n g auftrat. Die 3 I-Glieder w a r e n u n t e r i iNicht nur die Trefferzahlen, auch die yon Ra~schb~rgebenfalls festgestellcen Trefferzeiten sind in diesem Sinne ausgefallen.
  • tiber die Wirkung van Bereichsbildungen im Spurenfeld. 309die t t - G l i e d e r so verteilt, d a b keines a n den b e i d e n e r s t e n oder d e nb e i d e n l e t z t e n Stellen der Reihe s t a n d . An diesen Versuchen beteiligten sich 15 Vpn., die, in 3 kMnere Gruppenverteilt, je zugleieh Darbietung und Prtifung durchmachten. Die Unterteilungin Gruppen hatte den Zweek, die Zeitordnung zu variieren, in der die Haufungs-konstellation ffir die einzelnen Materialarten an die Reihe kam. Darbietung undPrtifung Mler r Reihen erfolgte an einem Vormittag. Die Zwischenzeit zwischenDarbietung und Prilfung betrug 6 Minuten und wurde dureh Gespr~ieh ausgefiillt ;25 Minu~en nach der Prtifung einer l%ihe wurde die nhchste gelernt. - - Jede ]~eihewurde als ganze, alte Glieder einzeln untereinander, episkopisch projiziert dar-geboten; die Vpn. gingen die Glieder durch, wie der V]. sukzessive (nach demTakt eines Metronoms) auf sie hinwies. Auf jedes Glied entfiel eine Zeit you11/2 Sekunden. Jede Reihe wurde nur einmal gezeigt. -- Beim Beginn der Priifungwurde den Vpn. mitgeteilt, es w~irden jetzt einige Silben, Zah]en usf. gezeigtwerden, die zum Teil aus der vorher dargebotenen Reihe stammten, zum Tei~abet ]remd wdren. Jedesma] war (schrift]ich) zu entseheiden, ob das jetzt dar-gebotene Prfifungsobjekt v o n d e r Darbietung her bekannt oder unbekannt oderob ein Urteil hieriiber unm6glich sei. Nur die Bekanntheitsurteile wurden als +-F~ille gez~hlt, die Unsicherheitsurtcile ~ls ~remdheitsurteile gereehnet. Es ist seit Mteren U b e r l e g u n g e n y o n G. E . M i i l l e r iiblieh, bei Prtifungdes W i e d e r e r k e n n e n s n u r einen Tell des friiher wirklich d a r g e b o t e n e nMaterials vorzulegen, daffir a b e r als KontrollfMle eine A n z a h l y o nn e u e n O b j e k t e n der gleiehen A r t b e u r t e i l e n zu lassen. Die Gr~nde,die ffir dieses Verf~hren spreehen, sind gewig schwerwiegend. T r o t z -d e m m u B t e n wir y o n i h m ~bsehen. D e n n es k 6 n n t e bei der geradebier zu b e a n t w o r t e n d e n F r a g e eine St6rung m i t sich bringen. I s t m a nerst auf H~ufungs- u n d N a c h b a r s e h a f t s w i r k u n g e n a u f m e r k s a m ge-worden, wie sie d e n G e g e n s t a n d unserer Versuche bilden, so ist dieM6glichkeit n i c h t y o n der H a n d zu weisen, d a b solche W i r k u n g e naueh zur Zeit d e r Priifung e i n t r e t e n k 6 n n t e n , daft Priifungen m i t ein-gesehobenen neuen Gliedern also keineswegs als eine saehlich indifferenteteehnisehe Mal3nahme angesehen werden diirfen. Bei dieser Saehlage k a m fiir die B e n r t e i l u n g unseres Verfahrensalles d a r a u f an, wie die Versuehe ohne fremde P r i i f o b j e k t e in Wirklieh-keit verlaufen wtirden, wenn der Vp. gesagt war, daft u n t e r d e m Prii-f u n g s m a t e r i a l aueh f r e m d e Glieder v o r k o m m e n sollten. Es zeigte sieh,daft naeh nur einer D a r b i e t u n g jeder Reihe eine gentigende A n z a h l y o nGliedern (bei Priifung in ganz a n d e r e r Reihenfolge) nicht w i e d e r e r k a n n twurde, u n d daft n u r wenige Vpn. t r o t z der Gegensuggestion d e n w a h r e nS a e h v e r h a l t bei A b s e h l u g der Priifung ahnten. Tab. 6 enth/ilt die Ergebnisse dieser Versuehe in A n z a h l e n von+ - F a l l e n , u n d zwar sind den zutreffenden F~illen fiir die einzelnent t - K o n s t e l l a t i o n e n u n t e r I (Isolierungsf/ille) die beiden S o n d e r r u b r i k e nR u n d M gegeniibergestellt, wobei R die Zahl der +-F/~lle b e d e u t e t ,die sich in der gleiehen R e i h e wie die d a n e b e n s t e h e n d e n H - W e r t e , also
  • 310 H. yon Restorff:bet anderem Material, ergeben haben, M dagegen die ~--F/~lle gleichenMaterials wiedergibt, die aus den anderen Reihen stammen. Zur Re-duktion auf gleiche statistisehe Chancen sind die H-Werte durch 4dividiert. Die Zahlen unter H (reduziert) und die unter I sind auf 45(in der Zusammenfassung 180) m6gliche F~lle zu beziehen. Tabelle 6. Zutreffende F~lle ffir Silben Buchstaben Zahlen Figuren Zusammen H I H I H ! I25 R 27 32 M 25 310 !29 ~ 56% R ! ~[ 18,5 Ri [ 36 ::26 22,5 28 35 p 91 ]12255% 60%~71% 41%/80%i59%1~0% 62%1 78% 50% 68% Man berechnet aus dieser Tabelle leieht, dal~ in keiner der 4 Reihendie Zahl der fiberhaupt zutreffenden Fs 60 % erreicht. Der Umstand,dab (entgegen der Angabe des V1.) in Wirkliehkeit bet der Priifung keinereihenfremden Glieder eingesehoben wurden, hat also die Versuche niehtentwertet. I m ganzen stehen 50% ~--Fs ffir die H-Konstellation 68%solcher l~lle fiir die 1-Konstellation gegenfiber. Das ist kein extremes,aber doeh ein hinreichend sicheres Ergebnis in der gleichen Richtungwie bet Reproduktionspriifung. Es wird noeh besser als zuverl~ssigerkennbar dadureh, dal~ die Vpn. in 3 Gruppen an den Versuchen teil-nahmen, fiir deren jede die H~ufungskonsteU&tion der einzelnen Material-arten an anderer Stelle der l~eihensukzession geboten wurde. Fiir diese3 Gruppen sind die entspreehenden Zahlen, aus denen das Gesamtergeb-nis (der Tab. 6) berechnet ist: 43 und 68%, 54 und 68%, 55 und 67%.Das ist jedesmal ein Unterschied in der gleiehen Richtung, obwohl nundie Zahl der mSgliehen F~lle je auf ein Drittel (60) gebracht ist. - -Die sieherste Kontrolle enthalten die Prozentzahlen der letzten Hori-zontalspalte: jeder der 4 H-Werte ist kleiner als der zugeh6rige I-Wert,und zwar sowohl, wenn der I - W e r t fiir gleiehes Material (andere Reihen),wie wenn der I - W e f t ffir dieselbe Reihe (anderes Material) vergliehenwird. (Bet diesem Vergleieh sinkt die Zahl der m6glichen Fi~lle auf 45.) Indessen seheint es bet Vergleich mit Tab. 2 - - 5 k a u m fraglieh,dal~ Priifung des Wiedererkennens. einen kleineren Untersehied derbeiden Konstellationen ergibt als Pr/ifung der Reproduktion. Dabeiist das Zahlenverhi~ltnis yon H- und I-Gliedern einer Reihe jetzt 12 : 3,wi~hrend das der H- und I-Paare in den Reproduktionsreihen nur 4 : 4oder 6 : 2 war. Trotzdem ergab sich in den Reproduktionsversuchenein Untersehied yon 43 und 75% bzw. yon 25 und 87%. Gewil~ ist etaVergleich dieser Art, bet so maneherlei Versehiedenheit sons~, nieht
  • tdber die Wirkung von Bereichsbildungen im Spurenfeld. 311leicht streng durchzufiihren; aber j edenfalls muB man extremere Zahlen-verh/~ltnisse von H- und I-Gliedern ansetzen, um bei Priifung desWiedererkennens starke H/~ufungs- (oder Isolierungs-) Wirkungen zuerhalten, als bei Priifung der Reproduktion erforderlich ist (vgl. u. S. 312). Wegen eines theoretischen Zusammenhanges, der sp~ter sichtbarwerden wird, muB jedoch hervorgehoben werden, dab Priifung desWiedererkennens zwar aUem Anschein nach eine geringere Bevorzugungder I-F/~lle vor den H-F/~llen ergibt als Priifung der Reproduktion, dababer auch ffir das Wiedererkennen kein Zweifel an einem Vorrang derI-F/~lle iiberhaupt bestehen kann. Denn ein zweiter Versuch, an2 Gruppen yon Vpn. Ms Massenversuch durchgefiihrt, bestKtigte dasResultat des ersten. Die dabei verwendeten Reihen waren (eines Neben-zieles wegen) etwas anders aufgebaut als bisher. Es waren nur zwei;sie bestanden aus Silben und Zahlen, und zwar standen in der einenzwischen 15 Zahlen an 4. bis 6. Stelle 3 Silben, in der anderen um-gekehrt zwischen 15 Sflben an den gleichen Stellen 3 Zahlen. DieAnzahl der Vpn. war in jeder Gruppe (und damit ffir jede Reihe) 14.Das Ergebnis ist in Tab. 7 zusammengefaBt: Tabelle 7. ! Zutreffende F~lle filr Zusammen 29,2 Sllben I 34 H 24,2 Zahlen I 34 I I ] H 53,4 68 70 % 81% 58 % 81% ] 64 % 8I % In den I-Spalten fiir Silben und Zahlen bezieht sich das Ergebnis auf je 42fiberhaupt m6gliche F~lle, in den zugehSrigen H-Spalten auf je 210, so dab hierDivision durch 5 vorgenommen werden mu•te, um statistisch vergleichbareWerte zu erhalten. Streng genommen kann in diesen Versuchen yon I-F~llen nichtmehr die Rede sein, da ja immerhin 3 Glieder einer Materialart un-mittelbar aufeinanderfolgend zwischen 15 andersartigen stehen. Eshandelt sich nur mehr um eine relative Isolierung oder auch: betr~cht-lich geringere H~ufung des einen Materials, fiir die der Einfachheitwegen der Name I-F~lle beibehalten wird. Nur wenn die Wirkung deshier behandelten Gegensatzes, auch bei Priifung des ~iedererkennens,sehr sicher ist, wird sie noch unter solchen Umst~nden deutlich bleiben.Das aber ist der Fall, und zwar fiir beide Materialarten, wenn schon derUnterschied der Ergebnisse ftir H- und I-Silben nur eben noch als relevantgelten kann. Vergleich der Zahlen in der 1. und 4., sowie der 3. und2. Spalte zeigt die entsprechenden Unterschiede fiir Vergleich in derselbenReihe (fiir dieselbe Vpn.-Gruppe), aber yon verschiedenem Material.
  • 312 tt. yon Res%orff: In jeder Reihe folgten unmitt, elbar auf ihre 3 I-F~lle (also an 7. bis 9. Stelle)dieselben 3 Glieder des andern (des I-I-) Materials, welehe in der andern Reiheals I-Y~lle fungierten. Man kann die I-F/~lle einer Reihe, anstatt mit der Gesamt-heir der H-F~Ile gleiehen Materials auch nur mit diesen materialidentisehen H-Fallen der andern Reihe vergMehen und erhiilt dann:fiir die Silben . . . . . 8i und 74% fiir die Zahlen . . . . . 81 und 45% D i e W i e d e r e r k e n n e n s p r f i f u n g w u r d e sehlie131ieh n o e h a n R e i h e n m i texl~remem U n t e r s e h i e d y o n I t s und Isolierung wiederholt, undz w a r a n 2 t~eihen y o n je 20 G l i e d e r n . D i e eine e n t h i e l t u n t e r 19 S i l b e n1 Z a h l , die a n d e r e u n t e r 19 Z a h l e n i Silbe. D a s in I s o l i e r u n g g e g e b e n eR e i h e n g l i e d s t a n d b e i d e M a l e e t w a in d e r M i t r e s e i n e r R e i h e . Die Olieder jeder Reihe wurden auf kMnen Kfirtehen naeheinander je fiir1,5 Sekunden gezeigt. An einem Versuehstag wurde nur eine Reihe dargebotennnd geprtift; die Priifung erfolgte i0 Minuten naeh d e r n u r einmaligen Darbietung.Die Ausftillung der Zwisehenzeit stand den Vpn: frei; sie sollten nur nieht an diegelernte Reihe denken. Die Reihenfolge der beiden Reihen wurde bei versehiedenenVpn. ausgetauseht. Bei der Prtifung erfolgte wie immer die Darbietung der Olieder in verfinderterFolge; fremde Glieder wurden wieder nieht hinzugenommen. Es beteiligten sieh12 Vpn. T a b . 8 f a B t das E r g e b n i s u n t e r R e d u k t i o n d e r H - W e r t e a u f g l e i e h estatistisehe Verh~ttnisse zusammen. T a b e l l e 8. Zutreffende Fiil]e ftir Z u $ ~ n l lll~n Si[ben Zahlen H I K K I 4,91 11 4,75 12 9,6 23 41% 92 % 39 % 100 % 40 ?o 96 % D e r U n t e r s c h i e d d e r A n z a h l z u t r e f f e n d e r F~tlle fiir H - u n d I - K o n -s t e l l a t i o n l i e g t n i c h t n u r in d e r e r w a r t e t e n R i c h t u n g , s o n d e r n ista u e h b e d e u t e n d grSl3er als in d e n b i s h e r i g e n V e r s u c h e n m i t W i e d e r -e r k e n n e n s p r t i f u n g 2. ])as e n t s p r i c h t d e m g e s t e i g e r t e n U n t e r s c h i e d v o n 1 Die Zahl 4,9 ist entstanden aus 93:19, 4,7 aus 89:19. Die Zahl der mbg-lichen Ftille ist 12 in jeder LKonstellation, 228 in jeder H-Konstellation. ,z Die Ziffern 100 und 92% fiir Zahlen und Silben als isolierte Falle gebenkeinen Grund zur Beanstandung dieser Versuehe. H~itte eine ganze I~eihe dureh-weg zutreffende Ftille ergeben, so wiirde das bei unserem Verfahren, das Prtifungmit fremden GHedern aussehlieBt, die Folgerung zulassen, dab die Vpn. diesenSaehverhalt erkannt haben; das Ergebnis w~ire also werttos. In WirkliehkeitisI~ aber n.~tr das isolierte Glied der einen Reihe yon allen Vpn., das der anderenyon fast alien wiedererkannt worden; yon den iibrigen Gliedern derselben Reihenim Durehsehnitt nur 40% und yon den Reihen a[s ganzen nur wenig mehr (43%).Man kann deshalb annehmen, dag der wahre Saehverhalt gerade nieht dureh-sehaut worden ist.
  • Uber die Wirkung yon. Bereichsbildungen im Spurenfeld. 313H~ufung und Isolierung in den lgeihen, der sehr erhebtieh fiber dengrSl~ten Unterschied hinausgeht, welcher in den bisher besproehenenYersuchen m i t l~eproduktionsprfifung ~ngesetzt wurde (n~mlich 6 H-gegenfiber 2 I-Paaren) 1. Es bleibt zu prfifen, wie sich H~ufung undIsolierung bei Reproduktionspriifung auswirken, wenn in diesem Falls extrem gebaute Reihen verwendet werden. II. Die Begriffe ,,H~ufung" und ,,Isolierung" sind, wie sie im erstenAbsehnitt verwendet wurden, nicht hinreichend scharf gefaltt. Erstwenn m a n sie zu kls versucht, ergibt sich eine Formulierung derexperimentellen Befunde, welehe die wahrscheinlieh entscheidendenfunktionellen Momente hervortreten l~l~t. Wit prfifen den Begriffder ,,Isolierung". Nach unserer bisherigen Ausdrucksweise, der sichsieherlich auch Ranschburg anschliel~en wfirde, k6nnte m a n meinen,ein Reihenpaar (oder Reihenglied) sei stets dann in der bevorzugten,,isolierten" Stellung, wenn yon der betreffenden Materialart nur daseine Paar (oder Glied} in der Reihe vorkomme. D a m i t sei alles Not-wendige fiber diesen Begrfff gesagt, insbesondere brauehe fiber die an-deren Paare (Glieder) der Reihe weiter niehts vorausgesetzt zu werden,als dab sie sAmtlich yon dem isolierten hinreichend versehieden wsDuB eine solche Denkweise einen wesentlichen P u n k t ungekl~rt lgBt,kann m a n sich auf folgende Art deutlieh machen. Gegeben sei eine Reihevon 10 Paaren, die auBer einem S i l b e n - 9 Zahlenpaare enth~lt. Das Silbenpaar mSge etwa an dritter Stelle stehen. Der Untersehied zwi-sehen der einen und der anderen Materialart ist betrgchtlich. Das Silben-paar ist deshalb als ein I-Full, die Zahlen sind als H-Fglle zu bezeiehnen.Ersetzt man nun eines der Zahlen- dureh ein Figurenpaar, so wfirden~r naeh unserer bisherigen Ausdrueksweise yon 2 I- und 8 g-Fgllenin der Reihe spreehen; denn Silben und ]~iguren sind beide yon den Zah-len hinreiehend versehieden. Auf diese Weise kann m a n fortfahren und sich ein Zahlenpaar nach dem anderen, bis auf das letzte, durch ein P a a r jedesmal neuer Materialart ersetzt denken, und zwar so, daft zum SchluB die Versehiedenheit aller der anderen Paare unter sich und von dem Silbenpaar ganz ungef~hr so groB und jedenfalls nicht kleiner ware als die zuerst allein vorhundene Verschiedenheit yon Silben und Zahlen. I m Schema : A B C D E F G H I X Die Wahl yon lauter versehiedenen Buehstal~en sell bedeuten, dab fiberall etwa gleich grol~e Verschiedenheit der Materialarten unter 1 Es ist freilieh zu bedenken, da~ das kri~ische Glied durch seinen Platzmitten in der sonst homogenen Reihe besonders akzen~uiert ist. Vgl. die ~ber-legung S. 319.
  • 314 H. yon Restorff:sich vorliegt, und zwar so, dag sich die Materialbesohaffenheiten irgendzweier in der Reihe nieht benaehbarter Paare ungef/thr ebenso deutliehunterseheiden wie die yon 2 Naehbarn. Naeh unserer bisherigen Ter-minologie best/~nde eine solehe Reihe aus lauter I-F~tllen. Wir wollen annehmen, C vertrete das Silben- und K das iibrig-gebliebene Zahlenpaar. Dann w/~re die Reihe, yon der wir ausgingen,und die wir eben umgewandelt haben, wiederzugeben dureh das Schema : K 1 K 2 C K 3 K 4 K 5 K 6 K 7 K s K9,wo die K die verschiedenen Zahlenpaare bedeuten und C (das Silbenpaar)den einzigen I-Fall darstellt. Nun ist nach unseren Voraussetzungen C yon s/tmtlichen Paarenjener umgewandelten Reihe (A B C D . . . K) etwa ebenso verschieden,wie es sich yon den einzelncn K in dieser Reihe unterscheidet. Wiewir den Begriff der Isolierung bisher angewandt haben, mfiftte also dasSilbenpaar C in der umgewandelten Reihe genau so giinstig gestelltsein wie in der Reihe, die aul~er ibm nur eine H/~ufung yon K-Paaren(Zahlen) enth/~lt. In beiden Reihen w/~re C ganz gleicher Weise I-Paar.Aber es ist gar nicht selbstverst/tndlich, daft das zutrifft. Vielmehr wfiredurchaus m6glich, dab C funktionell recht ungleich gestellt ist, je nach-d e m o b die yon ihm etwa gleich stark verschiedenen iibrigen Paareauch unter sich ebenso verschieden sind, oder ob sie alle dieselbe Ma-terialbeschaffenheit haben. Sollte experimentelle Priifung mit denbeiden Reihenarten deutlieh ungleiche Ergebnisse ffir C haben, dannware gezeigt, dab ftir das Sehieksal yon C aufter den Versehiedenheitenzwisehen ihm und den iibrigen einzelnen Reihenpaaren noeh Datenmal~gebend sind, die gar nieht C in seinem Verh/~ltnis z u den anderenPaaren, sondern den Aufbau der iibrigen Reihe abgesehen hiervon be-treffen. Das funktionelle Verhalten yon C w/ire also in einem sehr kon-kreten Sinn yon der Form der ganzen Reihe abhSmgig, es wg,re gestalt-m~Ng bestimmt. Abb. 1. Wie das gemeint ist, wird am besten durch einen AnMogiefall ausdem Wahrnehmungsgebiet verdeutlicht. I n der Figurenreihe der Abb. 1hebt sich kein Glied yon selbst eindringlich hervor, keines wird ohneweiteres als etwas ffir sich ausgesondert. Die l~eihe ist dadurch zucharakterisieren, dab zwar die einzelnen Figuren recht erheblich yon-einander verschieden sind, aber nicht zwischen irgendwelchen Reihen-gliedern auffallend andere Grade der Ahnlichkeit oder Verschiedenheitbestehen als zwischen den fibrigen. Durch Angabe einzelner Beziehungen
  • t~ber die Wirkung yon Bereiehsbildungen im Spurenfeld. 315(Verschiedenheiten) zwisehen ihren Gliedern ist also (lie Reihe niehtadgqu~t zu kennzeiehnen, sondern erst d~dureh, dal~ eine bestimmteBeziehung zweiter Ordnung (Gleiehartigkeit) zwisehen s~.mtliehen Ver-sehiedenheiten aller ihrer Glieder, den Beziehungen erster Ordnung,vorliegt. Man kSnnte daftir aueh sagen, dab in einer solehen Reihekeine Spriinge im ,,Versehiedenheitsverlauf" vorkommenl: UnserBeispiel zeigt, dab bei gleiehm/tBigem Versehiedenheitsverlauf (tie Be-standteile einer I~eihe indifferente Glieder in ihr werden; eine Ausson-derung yon U n t e r g r u p p e n finder unter solehen Umst~nden nieht start.(Vorausgesetzt ist dabei, dal~ nieht hinsichtlieh anderer Beziehungen,wie etwa der Raumabst/~nde zwisehen den Gliedern, irgendwo einWeehsel erfolgt.) Dagegen bedingt ein Sprung im Verlauf der Versehiedenheiten(oder Ahnliehkeiten) in der Regel Zerfall der Gesamtreihe und Aus-bildung yon Unterbereiehen. Abb. 2 ist ein Beispiel hierfOr. DieselbeVersehiedenheit, die hier zwisehen der sehr~gliegenden rundliehenFigur und ihren s/~mtliehen N a e h b a r n angesetzt ist, k o m m t aueh inAbb. 1 vor, n~mlieh zwisehen dem 3. und 4. Glied, dort abet neben lauteranderen Versehiedenheiten yon ganz ungefghr demselben Ansmafi. •169177 Abb. 2.Hier (in Abb. 2) sind alle tibrigen Glieder einander sehr ghnlieh, underst zu dem genannten kritisehen Glied hin springt der Verwandt-sehaftsverlauf mit einem MMe. Die Folge ist, dab jetzt die gleiehartigenglieder einen Bereieh bilden, in dem sie reeht indifferent aufgehen, unddab das kritisehe Glied als etwas fiir sieh ausgesehieden wird. l~berdiese Reihengliederung entseheiden wieder die Verwandtsehaftsbe-ziehungen zweiter Ordnung, diesmal ein Sprung in den J~hnliehkeitender Glieder. Ein weiteres fast b~nales Beispiel zeigt vielleieht noeh auffallender, wie mag-gebend der Xhnliehkeitsverla~[ fiir die Bereiehsbildung in tleihen ist. In gleiehenRaumabst~nden nebeneinander, als Reihe geordnet, m6gen eine Anzahl graueKreise yon iibereinstimmender Gr6Be auf einem weigen Bogen liegen. Sie seienalle aus demselben Graupapier geschnitten, mit Ausnahme eines einzigen, etwades dritten, der deutlieh etwas dunkler ist. Dann zerf~illt, die Ileihe infolge desSprunges im J~hnliehkeitsverlauf ansehaulieh in den einen Kreis dunklerer Nuanceund den Gesamtbereich der iibrigen. Der dunklere Kreis hebt sieh auf den ersten t Das Wort ,,Verlauf" ist hier ohne seine zeitliehe Bedeutungsnuanee zu ver-stehen, so wie man z. B. von dem ,,Kraftlinienverlauf" aueh in einem ruhendenFeld sprieht., Die Bedeutung der Beziehungen zweiter Ordnung oder des Beziehungs-verl~/es ftir alle ansehauliehe Gesta[Lung hat. lVerthei.mersehon seit Jahren inVorlesungen und lJbungen diskutiert.
  • 316 It. yon Restorff:Bliek heraus. - - Eine zweite ICeihe werde so gebildet, da~ n u r der dunklere Kreis u n deiner seiner N a e h b a r n aus der ersten l%eihe iibernommen werden, links u n d reehtsyon diesen beiden aber Kreise yon anderen G r a u n u a n c e n ansehliel~en; u n d zwarseien diese so gew~hlt und geordnet, da~ die Gesamtheit, die beiden fibernommenenKreise eingerechnet, eine A r t Darstellung der Seliwarz-Weil3-1~eihe oder einesTeiles yon ihr bildet, in der jeder folgende Kreis etwa gleieh stark yon seinemVorg~nger versehieden ist. Unbeiangene ]~etraehtung dieser Reihe wird keinespontane Untergliederung in ihr entdecken; insbesondere wird der krltisehe Kreisdurchaus nicht mehr als etwas ffir sich anschaulich ausgesondert sein. Dabei sindin diesem Falle die meisten Versehiedenlieiten zwisehen diesem Kreis u n d denfibrigen natfirlich gr6fler u n d keine ist geringer als in der anderen Reihe. W e n nt r o t z d e m eine einheitliehe Oesam~heit zustande kommt, so liegt das wieder daran,da~ jetzt a n keiner Stelle mehr ein Sprung des ~hnlichkeitsverlaufes, also in denBeziehungen zweiter Ordnung, eintritt. Das Beispiel zeigt, dab auch g]eiehra~13igef4"nderung der Ahnliehkeit yon einem Grenzglied a n ebenso wirkt wie Gleichheitder Verwandtsehaften zwischen allen Gliedern ~e. Die Anwendung auf die Vcrsuche des ersten Abschnittes unsererU n t e r s u c h u n g e r g i b t s i c h y o n s e l b s t : E s wi~re m S g l i c h , dM3 es a u c h ffird i e d o r t n a c h g e w i e s e n e E r s c h e i n u n g g a r n i c h ~ u n m i t t e l b a r a u f die ein-zelnen MateriMverwandtschaften zwischen den Gliedern einer Reihea n k o m m t , s o n d e r n a u f d i e Bereichsbildungen i n n e r h M b d e r l%eihe, - -dM~ Mso H-Ys f u n k t i o n e l l s c h l e c h t e r gestell~ s i n d , w e i l sie z u 1 D a m i t das zutrifft, mul~ freilieh die Reihen/olge der Glieder in einem solchenFalle ,,~eordnet sein. 2 Das eben auseinandergese~zte Prinzip ist vor kurzem yon Lewin u n d Biren-ba~t~t bereits aui~erhalb des Wahrnehnmngsgebietes experimentell angewende~worden (Das Vergessen einer Vornahme. Psyehol. Forsch. 13 [1930]). Es zeigtesieh in dieser Untersuchung, dal3 eine Reihe yon untereinander sehr verwandtenBet~tigungen einer Vp., die aufeinander folgcn, einen einheitlichen Gesehehens-bereich bildet, innerhalb dessen eine anfangs gegebene Nebeninstruktion dauernd,yon Aufgabe zu Aufgabe, befo]gt wird. Wird der g l e i c h m ~ i g e Aufg~benverlaufan einer Stelle unterbrochen, dadurch, dal~ plStzlieh ein Sprung zu hinreichendandersartigen Bet~itigungen erfolgt., so setzt dami~ ein neuer Geschehensbereichein, u n d die Vpn. befotgen yon dieser Stelle a n die )Tebeninst.ruktion vielfach niehtmehr, sie ,,denken nieht mebr an sie". Es fragt sieh nun, ob diese Erscheinung yondem Auftret.en eines grot3en Untersehiedes a n und fiir sich abh~ngt oder davon,dab dieser Unterschied griifler ist als die Unterschiede zwisehen den vorausgehendenAufgaben, also yon dem Spr~ng im Abnlichkeitsverlauf. Diese Frage wurde durcliVersuche entsehieden, in denen von vornherein alle Einzelaufgaben etwa so ver-schieden voneinander waren, wie im letzten Falle n u r die kritische neue gegen-fiber ihren s~mtliehen u n t e r sicli gleiehartigen Vorg~ngern. Es ergab sich, daI3jetzt, bei gleichmSl~ig gesteigerten Unterschieden, die ~ebeninstruktion etwaebenso yon Aufgabe zu Aufgabe fortlaufend befo]gt wurde wie in einer l~eiheyon sehr verwandten Aufgaben. Die Gleich;;~ii/3igkeit des Ahnlichkeitsvertaufesist eben in beiden F~llen ungef~ihr dieselbe, u n d deshalb bildet sieh beide Maleeiu einheitlieher Gesehehensbereieh aus. ( ~ u r in diesem ~rinzip stimmen dieVersuche yon Lewin u n d Birenb(~m m i t den im folgenden zu besehreibendenfiberein. Der ,,Indikator" ffir Bereiehsbildungen, die Befolgung der Nebeninstruk-Lion, ist in der i~lteren Arbeit ganz anders yon diesen Bereichsbildungen abh~ngigals die Reproduktionen in unseren fo|genden Versuchen.)
  • tiber die Wirkung yon Bereichsbildungen im Spurenfeld. 317indifferenten Gliedern eines sie absorbierenden Bereiehes werden,und dab sog. I-Fs in dem N a g h6here Reproduktionsziffernergeben, wie die Organisation der Reihe sie selbst/~ndig bleiben lfigt.Wie man diese Frage zu priifen hat, folgt einfaeh aus den bisherigent]berlegungen. Wir haben die sehon skizzierten vergleiehenden Ver-suehe mit den beiden 1Reihen A B C D E F G tI I Kund K 1 K 2 C K 3 K~ K 5 K 6 K 7 K 8 K 9vorzunehmen. Wenn die Ausbildung einheitlieher Bereiehe bzw. dieAusscheidung yon Einzelpaaren aus solehen, das entseheidende Momentist, dann mul3 der Verwandtsehaftsverlauf in den Reihen, der ja dieBereiehsbildung bestimmt, aueh fiir die funktionelle Stellung derPaare oder Glieder, ihre l~eproduzierbarkeit, maBgebend sein. C, dasSilbenpaar, ist in beiden Reihen etwa gleieh stark yon allen iibrigenPaaren verschieden. Naeh ihrem :~hnlichkeits- (oder Versehiedenheits-) Verlau/ im ganzen abet weiehen die beiden Reihenformen dadurehvoneinander ab, dab in der zweiten zwisehen C und seinen Naehbarn Kein Sprung gesehieht, der im analogen Wahrnehmungsfall C aus der Ge-samtheit aussondern, verselbst~ndigen wiirde, - - ws sieh das gleieheC in der ersten t~eihe ohne Sprung und indifferent in den Gesamtverlaufeingliedert. Hiernaeh hs wir 3 typisehe Ffille u zu unterseheiden: 1. Durehweg homogene Reihen, in denen also die Materialart niehtweehselt. (Funktionell sehr ~hnlieh gestel!t werden ausgedehnte homo-gene Teilbereiehe yon Reihen sein.) 2. Paare (oder Glieder) yon geihen, die dureh einen Sprung im--~hnliehkeitsverlauf verselbsts gestaltm/tgig isoliert sind. 3. Durehweg heterogene Reihen, welehe, bei gr6Beren Versehieden-heiten der Glieder, mit homogenen tleihen insofern iibereinstimmen,als sie aueh gleiehm~Big verlaufen und deshalb einen einzigen Bereichbilden. Wenn die Ausbildung eines gleiehm~tBig verlaufenden festen Be-reiehes die Reproduzierbarkeit seiner Glieder herabsetzt, dann m u gder Fall 1 die niedrigsten Reproduktionsziffern ergeben 1. I m Fall 2dagegen werden sie besonders hoeh ausfallen. Fall 3 sehlieBlieh wird, 1 Solche homogenen Bereiche werden dabei noch versehiedene Reproduktions-ziffern ergeben, je nachdem wie ausgedehnt sie sind. Z. ]3. werden in einer l~eihedes Typus A1A2A3B1BeBaB~BsB6B ceteris paribus die A besser gestellt sein als vdie P,. Vgl. die Bestfitigung in dem Versueh oben S. 312, woes sich freilich umPri~fung des Wiedererkennens handelt. Aus demselben Grunde sind offenbar9.:~*er so_n_st gleichen Umst~inden l~ngere tleihen viel schwerer einzupr~gen alskurze.
  • 318 It. yon Restorff:auch wenn seine Glieder objektlv ebenso verschieden voneinandergew/~hlt sind, wie sich ein isoliertes Glied (Fall 2) yon den Gliederneines homogenen Reihenbereiches unterseheidet, deutlich schlechtergestellt sein a]s der I-Fall, weft die durchgehende groBe Ver-schiedenheit wieder Ausbildung eines einheitlichen Gesamtbereichesbedingt. Fall 3 ist eben wieder als eine Art ,,homogener" Fall anzu-sehen 1. Freilieh wird in Fall 1 und Fall 3 auch nicht das gleiche Er-gebnis zu erwarten sein. Denn die Festigkeit eines Bereiches dfirftedavon abhs wie gro/3 die Verschiedenheit ist, die zwischen s~tmt-lichen Gliedern eines solchen Bereiches angen~hert iibereinstimmendbesteht. Die heterogene Reihe wird wie die homogene einen einheitlichen,sie wird aber immerhin einen loekereren Bereich bilden als diese unddeshalb wird sie zwar niedrigere Reproduktionszahlen geben als eehteI-F~lle, aber doch hShere als eine homogene l~eihe yon durchweggleicher Materialbeschaffenheit. Naehdem auf diese Art der Begriff der Isolierung eine gestalt-theoretisch konkrete Prgzisierung gefunden hat, wird deutlich, dabdie sog. I-Fs des ersten Abschnittes dieser Untersuchung i. a.ihren Namen nicht ganz zu Recht erhalten haben. I n den ersten Ver-suchsserien z. B. standen in einer Reihe neben 4 materialgleichen 4weitere Paare, die yon jenen und untereinander materialverschiedenwaren. So eine Reihe stellt einen etwas unklaren, weil untypischenMischfall dar, so daB, wenn die letzten Uberlegungen zutreffen, zw~rdie 4 materialgleichen Paare eine Art homogenen Bereich bilden, nebenihnen abet, gestalttheoretisch betrachtet, nicht eigentlich 4 isolierte F/~llestehen, sondern eher eine Art heterogenes Gebiet. Zugleich ist durch diebunte Reihenfolge aller 8 Paare eine weitere Unklarheit der Sachlage ge-sehaffen, die auch der homogenen Gruppe etw~s von ihrer funktionellenEigenart nehmen dtirfte. Die sp~teren Versuche (S. 304ff. u. S. 312)mit nur 3 oder gar nur 2 Materialarten freilich nghern sich mehr typischenFs oder sind einfach solche. Dagegen fehlen bisher noch ganz Ver-suehe mit durchweg heterogenen Reihen. Deren Ausfall im Vergleichmit dem yon homogenen und yon I-F/illen kann ja erst zeigen, ob wirklichder Xhnliehkeitsverlau/ in den Reihen die Ergebnisse bestimmt, obfiir diese also Bereichsbildungen ira Sinne der Gestalttheorie maB-gebend sind. 1 Die Ausdrficke ,,homogene~ ,,heterogene" Reihe sind ja nur in gegen-seitiger Beziehung zu verstehen. Eine bestimmte, heterogen genannte Reihe z. B.verdient diesen Namen im VergIeich mit einer homogenen, in der zwischen denEinze]gliedern durchweg viel engere Verwandtschaften bestehen. Die gleicheheterogene igeihe abet kSnnte als homogen zu bezeichnen sein im Vergleich miteiner andern, deren Glieder s~mtlich noch viel starker verschieden waren.l~]ntsprechend wfirden sich, bei jeweils angemessenem Versuchsverfahren, die~[~produktionsziffern der Reihen zueinander verhalten mfissen.
  • ~ber die Wirkung yon Bereiehsbildungen im Spurenfeld. 319 E i n e r s t e r V e r s u c h dieser A r t h a t t e folgende A n l a g e : V o n j e d e rVp. w u r d e n 3 R e i h e n eingepr/~gt: Reihe 1 : 1 Zah], 9 sinnlose Silben, Reihe 2 : 1 Si]be, 9 Zahlen, Reihe 3 : 1 Zahl, 1 Silbe, 1 Farbe, 1 Buehstabe, 1 sinnvolles Wort, 1 kleine Photographie, 1 Symbol (gg), 1 Knopf, 1 Interpunktionszeichen, 1 Name einer chemischen Verbindung. R e i h e 1 u n d 2 e n t h a l t e n j e ein isoliertes E l e m e n t u n d 9 H - E l e m e n t e .E i n m a l spielen die Silben, i m a n d e r e n F a l l e die Z a h l e n die Rolle y o nH - G l i e d e r n . D e r Zweck dieser V e r d o p p e l u n g ist, die K o n s t e l l a t i o n e nI u n d H a u c h fiir dieselbe M a t e r i a l a r t v e r g l e i e h b a r zu m a e h e n . R e i h e 3 isth e t e r o g e n ; es sollen a b e r Silbe und Z a h l als k r i t i s c h e Glieder angesehen,d. h. die E r g e b n i s s e fiir sie m i t d e n e n y o n R e i h e 1 u n d 2 verglichenwerden. Jede Reihe wurde nur einmal gezeigt. Die 10 Gileder jeder Reihe waren auf Pappk~rtchen yon gleicher GrSl~e auf-gezeiehnet bzw. befestigt. Die einzelnen Karten wurden nacheinander nach demTakt eines Metronoms (Darbietungszeit je 1,5 Seknnden) vorgelegt. Die Vp. er-hielt die Instruktion, die Reihe sehr aufmerksam zu betrachten und die Gliedereinzeln einzuprigen. Die als I-Glieder und die in der heterogenen Reihe dar-gebotenen Silben und Zahlen wurden mehrfach ausgetauscht, um das Ergebnisyon Materialzufilligkeiten unabhingig zu maehen. Zwischen dem Lernen yon2 Reihen lag immer ein Zeitraum yon mindestens einem Tage. - - In 1 und 2 wurden Sitbe und Zahl stets zu Anfang der Reihe dargeboten,niimlich an 2. oder 3. Stelle, wo die Vp. noeh niehts fiber den Aufbau der ganzenReihe wissen konnte. Dadurch wurde vermieden, dafi das isoliert gestellte Gliedsehon im Augenbliek seines Auftauchens auffMlig, also von vornherein als etwasBesonderes aufgefaBt wurde. Denn in diesem Fall h/~tte es schon wegen aus-gezeichneter Beschaffenheit in der Wahrnehmung auch im Spurenfeld eine Sonder-stellung einnehmen miissen, und eine Auszeichnung dieser Art sollte ausgeschlossenwerden. Die Bildung des homogenen Bereiches konnte sich infolgedessen in denReihen 1 und 2 erst nach der Darbietung des kritisehen Gliedes vollziehen, unddieses konnte erst nachtriglich aus dem Bereich ausgesehlossen werden, wennes nicht mehr wahrgenommen wurde. Aus demselben Grunde lernten alle Vpn.als erste die durchweg heterogene Reihe 3, in weleher die kritischen Glieder keineSonderrolle spielen, die dann zu bevorzugter Auffassung in 1 und 2 h i t t e fiihrenkSnnen. Ihr Reihenplatz war ungefihr derselbe wie in l~eihe 1 und 2. W e n n die D a r b i e t u n g einer L e r n r e i h e abgeschlossen war, w u r d edie Vp. gebeten, einen sinnvollen T e x t soweit wie mSglich auswendigzu lernen. N a c h 10 M i n u t e n w u r d e diese B e s c h a f t i g u n g a b g e b r o c h e nu n d die Prfifung d e r R e i h e v o r g e n o m m e n , u n d zwar d i e s m a l n a c h d e r,,Methode get behaltenen Glieder". Die Vpn. b a t t e n also alles aufzu-sehreiben, was sie noeh v o n d e r friiher g e l e r n t e n R e i h e a n g e b e n k o n n t e n ,ohne dal~ die frfihere Reihenfolge d a b e i i n n e z u h a l t e n war. ~ a e h 30 Se-k u n d e n g a l t die Prfifung als b e e n d e t (und die Vpn. w u r d e n gebeten,d e n frfiher g e l e r n t e n sinnvollen T e x t so g e n a u wie mSglich aufzu- Psychologische Forschung. Bd. 18. ~,l
  • 320 H. von Restorff:schreiben) 1. A n diesen Versuehen b e t e i l i g t e n sich 15 Vpn. F i i r allew a r e n die V e r s u c h s b e d i n g u n g e n die gleichen. T a b e l l e 9. Reihe 1 und 2 l%eihe 3 Reproduktionsziffern bei Reproduktionsziffern in durchweg heterogener Hgufung Isolierung ReiheSilbe 34: 9 = 3,8 I~ 6 (iReihe 1) (Reihe 2)gah] 24:9 = 2,7 9 6 (Reihe 2) (Reihe l)Zusammen . . . 58 : 9 = 6,5 21 (v. 270 mSgl. F~tllen) (v. 30 mSgl. Fgllen) (v. 30 mOgl. F/~llen)In P r o z e n t . . . 70% 40% (gegen 43 % fiir den Durchschn. der iibri- gen Reihenglieder) I n Tab. 9 sind die R e p r o d u k t i o n s z a h l e n z u s a m m e n g e s t e l l t , u n dz w a r a u f gleiche s t a t i s t i s c h e Chancen r e d u z i e r t , also die E r g e b n i s s ei m H - F a l l d u r c h 9 d i v i d i e r t , u m m i t d e n e n i m I - F a l l vergleiehb~rzu werden. D e r W e f t fiir die H - F g l l e ist sehr n i e d r i g (22% R e p r o d u k t i 9 n e n ) ,d e r fiir die I - F g l l e aus d e n gleichen R e i h e n 1 u n d 2 fiber d r e i m a l sohoch (70 % R e p r o d u k t i o n e n ) ; d a s E r g e b n i s des e r s t e n A b s c h n i t t e s w i r dalso a u c h bei A n w e n d u n g d e r ganz a n d e r e n P r f i f u n g s m e t h o d e u n dA u f h e b u n g d e r D a r b i e t u n g in P a a r e n n o c h e i n m a l b e s t g t i g t . Vielleicht hgtte man einen noch stgrkeren Unterschied zwischen den beidenKonstellationen erwarten k6nnen, da ja die H/iufung diesmal so welt getriebenwar. Es diirfte aber kaum statthaft sein, das quantitative Ergebnis etwa yonSerie VI des 1. Abschnittes mit dem eben besprochenen zu vergleichen, dg Reihen,Darbietungs- und Priifungsart jetzt so sehr anders gewghlt waren (vgl. jedochunten S. 324). Die r e c h t e Seite d e r Tab. 9 g i b t die R e p r o d u k t i o n s z a h l e n fiir diek r i t i s e h e n Glieder d e r d u r c h w e g h e t e r o g e n e n R e i h e 3 wieder. I m g a n z e nist die R e p r o d u k t i o n s z i f f e r fiir diesen F a l l 12 o d e r 4 0 % , n u r e t w a sm e h r als die H6lfte y o n d e m W e r t (70%), der sieh ffir die k r i t i s c h e nGlieder in e e h t e r I - S t e l l u n g e r g e b e n h a t . D a in d e r h e t e r o g e n e nR e i h e 3 die V e r s e h i e d e n h e i t e n z.wisehen d e n kri~isehen u n d d e nfibrigen Gliedern i m g a n z e n sieherlich m i n d e s t e n s so grol] sind wiezwisehen d e n s e l b e n k r i t i s c h e n Gliedern u n d d e n Gliedern d e r h o m o g e n e nBereiehe y o n R e i h e 1 u n d 2, u n d d a t r o t z d e m die R e p r o d u k t i o n s z i f f e r n 1 Sie konnten infolgedessen nicht bemerken, dab es sieh bei diesem Lernennur um eine Tgtigkeit handelte, die stets etwa gleiehartige Ausfiillung der Zwisehen-zeit garantieren sollte.
  • ~Jber die Wirkung von Bereichsbildungen im Spurenfeld. 321fiir die kritisehen Glieder in der heterogenen l~eihe niedriger ausgefallenrind, so ist ohne Zweifel wirklich tier Verschiedenheitsverlauf in derganzen Reihe maBgebend. K a n n das als Kriterium for die entscheidendeBedeutung yon Bereichsbfldungen im Sinne der Gestalttheorie gelten,dann ist bewiesen, dab unsere Ergebnigse auf solche Bereichsbildungenzu beziehen sind. Sobald der Sprung in den Ahnlichkeitsbeziehungenfortfillt, der in Reihe 1 und 2 die Zahl aus dem Silbenbereich, die Silbeaus dem Zahlenbereich ausscheidet, sobald damit Zahl und 8ilbe wiederindifferente Glieder einer Reihe yon iiberall etwa gleicher (wenn auchjetzt geringerer) Xhnlichkeit werden, absorbiert sie dieser Gesamt-zusammenh~ng, und ihre Reproduktionsziffern sinken fast auf die Hilfte. Man finder dasselbe Ergebnis, wenn man feststellt, zu welcher Zeitdie kritischen Glieder einerseits in isolierter Stellung (Reihe 1 und 2),andererseits als indifferente Glieder der durchweg heterogenen Reihe 3r e p r o d u z i e r t werden. Es war dutch ein einfaches Verfahren dafiirgesorgt, dab bei der Priifung protokolliert wurde, welche und wievieleZahlen und Silben wihrend der ersten 5 8ekunden des Reproduktions-verlaufes niedergesehrieben wurden. Dabei ergab sich, dab die Vpn.in lgeihe 1 und 2 yon den iiberhaupt reproduzierten 21 I-Fgllen (Silbenund Zahlen) 18 in den ersten 5 Sekunden niederschrieben, in der hetero-genen Reihe 3 dagegen nur 6 yon im ganzen 12 Zahlen und 8ilben.Der Unterschied ist vollkommen deutlich. ~brigens nehmen Zahl und Silbe wirklieh keine Ausnahmestellnng in derReihe 3 ein; denn obwohl diese auch ein sinnvolles Wort, eine Photographie, einenKnopf u. dgl. enthglt, also Glieder, denen man bei der iibliehen Betrachmngsarteinen viel h6heren ,,Einprggungswert" zuschreiben wiirde, ist die Reproduktions-ziffer far die iibrigen Glieder der t~eihe 3 im Durchschnitt 6,5 (43%), also prak-tiseh identiseh mit der Zahl 6 fiir je Silben und Zahlen. Man sieht, wie die Cha-raktere der einzelnen Materialarten in ihrer Bedeutnng hinter der des Reihen-bauer znrfiektreten. SchlieBlich ist noeh das Ergebnis far Silbe und Zahl in heterogenerReihe mif dem far die gleichen Materialarten in den homogenen Be-reichen yon Reihe 1 und 2 zu vergleichen. Oben wurde die Erwartungabgeleitet, dab die Reproduktionsziffern in der heterogenen Reihe,wenn schon niedriger als im Fall eehter Isolierung, doch h6her als ffirBereiche durchgehend gleicher Materialart ausf~llen wiirden. DieseErwartung hat sich bestitigt. I n der heterogenen t~eihe haben diekritischen Glieder immerhin noch etwa zweimal soviel Treffer ergebenwie in den homogenen Gebieten yon l~eihe 1 und 2. Nach den letzten~berlegungen wird m a n nicht ohne weiteres sagen diirfen, dab das ander geringeren Verwandtschaft der Glieder in der heterogenen Reihe anund ffir sich liegt. Es w i r e vielmehr m6glich, dal~ das iunktionellunmittelbar entscheidende Moment im lockeren Zusammenhang derheterogenen Reihe gegeben ist, und die geringere ~hnlichkeit der lgeihen- 21"
  • 322 H. yon Restorff:gtieder n u r insofern w i r k s a m wird, Ms sie e b e n zu g e r i n g e r e r Bereichs-f e s t i g k e i t ffihrg. I m g a n z e n h a t sich der frfiheren V o r a u s s s g e e n t s p r e c h c n d g e z e i g t : Ger i n g s t e R e p r o d u k t i o n s z i f f e r n g e b e n h o m o g e n e Bereiehe, alsoR e i h e n d u r c h g e h e n d gleicher M a t e r i a l b e s c h a f f e n h e i t . Besser gestellt sind die Glieder h e t e r o g e n e r R e i h e n , zwischen d e n e nd u r c h g e h e n d e t w 8 d e r gleiche, aber ein e r h e b l i c h e r Verschieclenheits-g r a d besteht. ]Die h 6 c h s t e n R e p r o d u k t i o n s z a h l e n g e b e n Glieder, die isoliert u n da u s g e s o n d e r t n e b e n e i n e m h o m o g e n e n B e r e ich ihrer R e i h e stehen 1. Das Versuchsprinzip der Reihe 3 dieses Paragraphen beseitigt ein Bedenkengegen den Vergleieh yon H- und I-F~llen, wie er z.B. bei der Deutung yonReihe 1 und 2 vorgenommen wird. Man k5nnte niimlich sagen, dab viele Silbenoder Zahlen, in einer Reihe vereinigt, bei der Reproduktion zu Verweohs]ungen,Kontaminationen u. dgl. AnlaB geben, fiir welche im I-Fall gar keine M6glieh-keit gegeben ist. Es gibt solche Verweehslungen and Kontaminationen nachunseren Protokol]en ohne jeden Zweifel. ~Tie immer ~ber sie zu erklaren seinmSgen, das Ergebnis yon Reihe 3 (ira Vergleieh mit den I-Fallen yon Reihe 1und 2) schlieflt vollkommen aus, da~ unsere These von der entscheidendenRo]le der Bereichsbildungen durch Berufung auf Verweehslungen und Kontami-nationen entwertet werden k6nnte. Denn niemand begeht Verweehslungenoder Kont~minat.ionen zwisehen Knopf, Zahl, Photogr~phie, Silbe and ~d.Und trotzdem senkt die Absorption in einen innerlieh so heterogenen, abergleichmaftig verlaufenden Gesamtbereieh die Reproduktionsziffer betr~ehtlichgegeniiber den I-Fallen yon Reihe 1 und 2. Silbe und Zahl, die kritisehen Glieder, konnten freilieh nur deshalb indifferenteBestandteile der heterogenen Reihe werden, well diese Reihe zuerst dargeboten undgepriift wurde. Ware Reihe 1 oder 2 (oder beide) vorausgegangen, die nur Silbenund Zahlen enthielten, so waren den Vpn. wahrscheinlich Silbe und Zahl in 3 be-sonders aufgefallen. - - Oben (S. 319) wurde erwahnt, dag in l~eihe 1 und 2 dasjeweils allein vorkommende kritische Glied den 2. oder 3. Reihenplatz hatte, sodab im Augenblick seines Auftretens noch keine deutliche Bereiehsbildung er-folgt sein, es selbst also nieht sogleieh als isoliert aufgefaftt werden konnte. Wieder-holung der Darbietung aber wurde vermieden. Es ist deshalb unwahrseheinlieh,dab die Bereiehswirkungen, auf denen die ungleiche ]Reproduzierbarkeit der Glieder in den versehiedenen Konstellationen beruht, nut einfaeh bei der Reihen-au[/ass~l~g zustande kommen. Man wird viehnehr anzunehmen haben, dab Ein-flilsse gleieher Art anch noch ,,ira Spurenfeld" welter wirken. Denn im ebenbesprochenen Falle erfolgt ja die betreffende Bereichsbildung selbst erst ~ach Wahrnehmung des Gliedes, dessen Reproduzierbarkeit sich naehher yon dererfolgten Bereichsbildung bestimmt erweist. (Vgl. zu dieser Frage auch S. 306,sowie vor al!em S. 308.) 1 Zu dem ersten dieser 3 Falle ist noch zu bemerken : Eine durchweg homogene Reihe erreieht vielleicht nicht die h6chste tiberhaupt vorkommende Bereichs-festigkeit. Es ist theore~iseh nieht unwahrschei~tieh, da/~ Einft~gung eines Paares (Gliedes) yon anderer Materialart die Festigkeit des homogenen Bereiehes, aus dem es ausgesondert wird, noch steigert. Vorlaufige Versuche in dieser Richtunglassen uns vermuten, daf3 eine solche Wirkung in der Tat eintritt, trod zwar auchdann, wenn das fremde Material an die Stetle yon homogenem 5Iaterial tritt, dessen Haufung also zugleich etwas ver~i~r{ert wird.
  • ~ber die Wirkung yon Bereichsbildungen im Spurenfeld. 323 Da die Regeln, naeh denen die Iteproduzierbarkeit von Reihengliedern Funk-tion des Reihenbaues ist, genau flbereinstimmen mit den Gesetzen, naeh welehenEinzelgebilde im Sehfeld selbst~ndig bleiben oder aber indifferente Teile yonansehauliehen Bereiehen werden, so liegt hier ein sehwieriges Problem vor. Ent-weder sind such ,,ira Spurenfeld" ~ihnliehe Kr/ifte wirksam wie die, welehe sichin der GestMtung der Wahrnehmung ~mgerrr. Oder unsere Ergebnisse sind nurunmittelbare Folgen yon Gestaltwirkungen in der Wahrnehmung. Solange einestrenge experimentelle Entseheidung nicht vorliegt, wird such folgendes Argumentzu beaehten sein: Die heterogene Reihe 3 besteht aus lauter recht versehiedenensukzessiv dargebotenen Gliedern. DaB diese, z.B. Silbe und Zahl, wegen desgleiehm~gigen Reihenverlaufes sehon in der Wahrnehmung nur sehr sehleehtaufgefagt werden sollten, und zwar viel sehleehter als gleiehartige Glieder imI-FM1, das seheint uns eine etwas gewagte These. Wir wtirden die Annahmevorziehen, dab die seh~digende Wirkung des gleiehmfiBigen Reihenverlaufeserst im Spurenfeld so erheblieh wird, wie sie naeh der herabgesetzten tleproduk-tionsziffer sein muB. W e n n die Ergebnisse i n den drei m i t e i n a n d e r verglichenen K o n -s t e l l a t i o n e n aueh sehr deutlieh v o n e i n a n d e r versehieden ausgefallensind, u n d zwar gerade in dem Sinne, der gestMttheoretiseh vorherzu-sagen war, so sind doch die m6gliehen F/~lle ftir die kritisehen Gliederi n Isolierung u n d i n heterogener Reihe vielleieht zu wenig zahlreieh,Ms dab dieser erste Versueh ftir endgiiltig e n t s e h e i d e n d gehalten w e r d e nk6nnte. Die g e i h e n dieses Versuehes w a r e n n i e h t so d a r g e b o t e n worden,daft Paa.rfassung ihrer Glieder nahegelegen h s Die R e i h e n desn ~ e h s t e n Versuehes w u r d e n wieder in P a a r e n vorgefiihrt, jede dreimal,u n d 10 M i n u t e n sp/s nach dem Trefferverfahren gepriift. Es w a r e n3 R e i h e n analog d e n e n des l e t z t e n Versuehes, u n d zwar e n t h i e l t Reihe 1: n e b e n 1 Z a h l e n p a a r 7 Silbenpaare, Reihe 2: n e b e n 1 S i l b e n p a a r 7 Z a h l e n p a a r e , Reihe 3: n e b e n 1 Silben- u n d 1 Z a h l e n p a a r im ganzen 6 Paare,je i n sich aus zwei n a h v e r w a n d t e n Gliedern gebildet, aber u n t e r sieh somateriMverschieden wie die Glieder der Reihe 3 im l e t z t e n Versueh. Nur je eine Reihe wurde an einem Tag gelernt und gepriift. Die Zeit zwischenEinpr/igung und Priifung wurde nicht planm~Big ausgefiillt; die Vpn. sollten nurnicht an die eingeloragten Reihen denken. tleihe 3 wurde yon allen Vpn. zuerst gelernt, danach yon einem Teil derVpn. t~eihe 1 und dann 2, yon einem anderen Teil erst Reihe 2, dann 1. Diean kritischer Stelle stehenden individuellen Silben und Zahlen wurden mehrfaehausgetauseht. An den Versuehen beteiligten sieh I6 Personen (das Lehrerkollegiumeiner Sehule)L 1 Diesen Vpn., sowie den Direktoren und Lehrern, die so liebenswiirdigwaren, uns d~s Experimentieren mit ihren Klassen zu gestatten, ganz besondersaber Fr/~ulein eand. phil. Ilse Miiller, die bei den Sehu]versuchen und such sonstunermiidlieh als Versuehsleiterin mitgewirkt hat, sprechen wir unseren aufrichtigenDank aus.
  • 324 H. von Restorff: T a b . 10 e n t h ~ l t die E r g e b n i s s e : T a b e l l e 10. l~eihe 1 u n d 2 l~eihe 3 Trefferzahlen flit Silbe u n d Zahl Trefferzahlen fiir Silbe in u n d Zahl in It I durchweg heterogen, tteiheSilbe . . . . . 32:7 ~ 4,6 16 13 (Reihe 1) (Reihe 2)Zahl . . . . . 17:7 = 2,4 16 16 (Reihe 2) (Reihe 1)ZusarnIilen . . 49:7 ~ 7 32 29 (v. 224 m6gl. F/~llen) (v. 32 m6gl. F~llen) (v. 32 m6gl. F~llen)In Prozenten . 22% 100% 91% (gegen 90% ftir den Durehsehnitt der iibri- gen Reihenglieder) Die linke Seite der T a b e l l e besti~tigt d a s R e s u l t a t v o n A b s c h n i t t Ia b e r m a l s . Es g e h 6 r t gewig zu d e n sichersten T a t b e s t ~ n d e n des g a n z e nGebietes. I n H - K o n s t e l l a t i o n h a b e n Sflben u n d Z a h l e n hier n u t n o c he t w a ein Ffinftel d e r R e p r o d u k t i o n s z f f f e r erreicht, die sich ffir die I- K o n s t e l l a t i o n e r g e b e n h a t . Das Verhiiltnis w~re vielleicht noch ex-t r e m e r ausgefallen, w e n n n i c h t die Z a h l d e r D a r b i e t u n g e n zu hoehgewesen w~re u n d die Treffer fiir den I s o l i e r u n g s f a l l schon auf dasM a x i m u m g e b r a c h t h/4tte. Soweit m a n die v e r s c h i e d e n a r t i g e n Versuchet i b e r h a u p t vergleiehen k a n n , i i b e r t r i f f t dies E r g e b n i s jedenfalls auehd a s des W i e d e r e r k e n n e n s v e r s u e h e s in A b s c h n i t t I (Tab. 8), wo - - beinoch w e i t e r g e s t e i g e r t e m Gegensatz y o n H u n d I i m R e i h e n b a u - -die e n t s p r e c h e n d e n Z a h l e n 40 u n d 96% waren. Der im Z u s a m m e n h a n g dieses A b s c h n i t t e s w i c h t i g s t e Vergleieh,n~m]ich d e r zwischen d e m E r g e b n i s d e r I-F~ille u n d d e m d e r k r i t i s c h e nF~ille in d e r h e t e r o g e n e n R e i h e 3, fitllt wegen des schon e r w ~ h n t e nt e c h n i s e h e n MiBgriffes n i c h t e n t s e h e i d e n d aus. Der Trefferwert, wenig-stens f/it die Silben, ist etwas kleiner in d e r h e t e r o g e n e n Reihe, a b e t Ifirdie Z a h l e n h a b e n beide K o n s t e l l a t i o n e n das gleiehe ergeben. Sichtliehh a b e n die 3 D a r b i e t u n g e n bei den Vpn. dieses Versuehes zu s t a r k ge-w i r k t , so d a b die zweitgtinstigste K o n s t e l l a t i o n die g/instigste b e i m i i b e r h a u p t e r r e i e h b a r e n M a x i m u m einholen k o n n t e . tleihe 3 zeigt immerhin noch einmal, dab Silben- und Zahlenpaar sich in der ganz heterogenen Reihe genau wie der Durchsehnitt der fibrigen Paare verhalten; denn die Trefferzahl ffir diesen Durehsehnitt ist 90%, die gleiehe wie fiir Silbe und Zahl zusammen (91%). Silbe und Zahl werden also in einer solehen tleihe w~rklieh Glieder wie die anderen aueh. Die D a r b i e t u n g s z a h l w u r d e d e s h a l b im n/iehsten Versueh h e r a b g e s e t z t , so d a b die Trefferziffern ffir I - K o n s t e l l a t i o n e n u n d kritische Glieder d e r ganz h e t e r o g e n e n I l e i h e in ein s t a t i s t i s e h angemessenes Gebiet fMlen
  • iJber die Wirkung yon Bereichsbildungen im Spurenfeld. 325konnten. Aui Priifung der kritischen Glieder in tI-Konstellation wurdetiberhaupt verzichtet, naehdern der Vergleich zwischen H~ufungs- u n dIsolierungsfall schon in so vielen Versuchen immer das gleiehe Ergebnisg e h a b t hatte. Wir gewannen so die MSgliehkeit, den Versuch auf Dar-bietung u n d Priifung yon nur 2 Reihen zu beschr~Lnken. Von diesenwar die eine heterogen g e b a u t wie im vorigen Versuch (jedoch u m2 Paare verl~ngert), die andere enthielt 1 Silben- u n d 1 ZaMenpaar,auBerdem 10 Paare y o n kleinen sehwarz-weiI3en Zeiehnungen bekannterGegensts W e n n m a n ganz streng sein will, k a n n m a n also sagen,dab hier das Silben- u n d das Zahlenpaar nicht vollkommen isoliert imjetzt festgelegten Sinn auftraten. Sie miissen jedoeh in der Reihe y o n 10 Bilderpaaren sehr angenahert die Stellung y o n I - P a a r e n erhaltenhaben u n d vor allem viel mehr abgesondert geblieben sein Ms diegleichen Paare in der durehweg heterogenen Reihe. Die Reihen wurden nur einmal gezeigt. Naeh l0 Minuten Zwischen-zeit, die durch Gespr~che mit den Vpn. ausgeffillt war, wurde nachdem Trefferverfahren gepriift. Der Versuch wurde mit zwei Schulklassen (insgesamt 42 Primanern undPrimanerinnen) durchgefiihrt. Das gab zwei Gruppen yon Vpn., fiir welche diekritischen Padre der beiden Reihen gegeneinander ausgetauseht wurden. Dar-bietung und Priifung der heterogenen Reihe erfolgte in beiden Gruppen zuerst,eine Woche friiher als der Versuch mit der anderen Reihe (vgl. dazu oben S. 322). Tab. 11 ~al3t die Ergebnisse z u s a m m e n : Tabelle II. Trefferzahlen ffir Silbe und Trefferzahlen ffir Silbe und Zahl im I-Fall Zahl in durchweg heterogener Reihe Silbe . . . . . 29 yon 42: 69% 18 yon 42: 43% Zahl . . . . . . 38 ,, 42: 90% 29 ,, 42: 69% Z u s a m m e n . . . 67 yon 8~: 80% 47 yon 84: 36% (Durchschn. Trefferzahl (Durchschn. Trefferzahl f. d. ,,sinnvollen" Zeich- f. d. t~brigen Paare 65%) nungen 13%) Sowohl ftir die Silbe wie fiir die Zahl liegen die Trefferziffern imI-Fall, wo die kritischen Paare je einmal in der Reihe auftreten,betr~Lehtlich hSher als in der ganz heterogenen Reihe, in der sieebenfalls nur einmal vorkommen. D a m i t ist das Ergebnis, welcheszuvor in Versuchen mit Prtifung der beha]tenen Glieder gefundenwurde, auch bei Priifung nach dem Trefferverfahren best~tigt: Dieuntersuehte Wirkung h~ngt wesentlich von den Bereichsbildungen inden Reihen ab ; sie wird nieht einfaeh yon den ~hnlichkeiten bestimmt,die zwischen den kritischen und den fibrigen P a a r e n der tleihen bestehen.
  • 326 H. yon Restorff: Bemerkungen zu dem letzten Versuch: l. Es ist durchaus m6glich, dab Vergleich von ganz reinen I-Fallen mit mate-rialgleichen Fallen der heterogenen Konstellaflion einen noch gr6Beren Unterschiedergeben hatte. W e n n dieser Vergleich jedoch ffir 2 Materialarten durchgefiihrtwerden sollte, so waren dazu 3 zeitlich getrennte Versuche m i t 3 Reihen efforder-lich gewesen. Beanspruchung derselben Schulklassen in 3 zeitlich getrennten Ver-suchsreihen war aber nicht gut mSglich. 2. Das Ergebnis dieses Versuches k a n n nicht etwa auf den Unterschied derVerwandtschaften zurfickgefiihrt werden, die in den beiden Reihen zwischen denkritischen u n d den iibrigen P a a r e n bestanden. Die heterogene Reihe war wiederso beschaffen wie in den beiden vorausgehenden Versuchen dieses Abschnitfies.Neben Silben- u n d Zahlenpaar enthielt sie ein P a a r Bilder, w i e sie auch i mhomogenen Bereich der anderen Reihe vorkamen, u n d auBerdem yon Silbe u n dZahl mindestens so verschiedene Gebilde (vgl. die Aufzahlung S. 319). W e n nes in einer der beiden Reihen fiberhaupt starkere Unterschiede zwischen denkritischen u n d den iibrigen P a a r e n gab, d a n n war es sicherlich in der heterogenenReihe der Fall. Diese aber hat, infolge ihres gleichm~fligen Verschiedenheits-verlaufes, trotzdem ,,quasihomogen" gewirkt, d. h. die niedrigeren Reproduktions-ziffern ergeben. 3. Man k a n n den Ausfall des Versuches aber auch nicht darauf zuriickffihren,dal~ die Reihe m i t den vielen sinnvollen Bildern a n sich leichter einzupragen u n dzu behalten gewesen ware als die heterogene, u n d deshalb der Vp. flit Silbe u n dZahl gewissermaBen mehr Energie gelassen habe. Denn es ist gerade das Gegen-teil der Fall. Weft die sinnvollen Zeichnungen oder Bilder in echter t t - K o n -stellafiion auftreten, sind sie schwerer einzupragen, zu behalten u n d korrekfl zureproduzieren als die u n t e r sich materialverschiedenen Paare, die in der heterogenenReihe neben Silbe u n d Zahl stehen. J e n e h a b e n n~mlich im Durchschnitt n u r13% Treffer ergeben, diese 65% 1. - - Die geringe Trefferzahl ffir die sinnvollenBilder in homogenem Bereich laBt noch einmal besonders eindringlich erkennen,wie wenig die einzelne Materialart als solche im Vergleich m i t dem R e i h e n b a ubedeuflet. Solche Bflder wfirde m a n gewiB ffir leicht einpragbar halten, u n d dochgibt sogar die sinnlose Silbe, in der gleichen Reihe isolierfi auftretend, fiber 5realsoviel Treffer (69%). Andererseits entfielen auch auf ein Bilderpaar gleicherArt, das in die durchweg heterogene Reihe aufgenommen war (statt 13 %) 60%Treffer, eflwa dem Durchschnitt ffir alle Glieder dieser Reihe entsprechend. I nIsolierung h a t t e ein solches P a a r sinnvoller Bilder vermutlich nut Treffer ge-geben, so dab das Ergebnis ffir den I-Fall 100%, ffir den heterogenen 60% u n dffir den homogenen 13% Treffer gewesen ware. Das ist noch einmal die theo-retisch zu erwartende Reihenfolge. , 4. Auch in diesem Versuch k a n n es sich k a u m u m eine Wirkung der Reihen.au//assung allein handeln. Denn die heterogene Reihe, in we]cher Silben undZahlen keine Sonderrolle spie]en, ist zuerst eingepragt u n d geprfift. Es folgt dieandere Reihe, in der sich eine Sonderstellung yon Silbe u n d Zahl (wegen ihresl%eihenplatzes zu Anfang) erst ausbilden kaml, nachdem sie schon dargebotenwaren; u n d die Reihe wird n u r einmal vorgeffihrt. So dtirffe es sich bei Aussonde-rung yon Silbe u n d Zahl in der Hauptsache u m einen Vorgang schon im Spuren-feld handeln. 5. Auch fiir Prtifung nach der Treffermethode ist es je~zt unm6glich geworden,die Ergebnisse, a n s t a t t durch Wirkung der Bereichsbildung, durch Verwechslungen 1 Dieser Weft (65%) zeig~ fibrigens wieder, dab Si]be u n d Zahl in derheterogenen Reihe wirklich kelne Sonderstellung einnehmen; denn der Durch-schnitfswert fiir Silbe u n d Zahl in dieser Reihe ]iegt fast ebenso hoch (56%).
  • Uber die Wirkung yon Bereichsbildungen im Spurenfeld. 327und Kontaminationen zu deuten. Denn die Wirkung gleichm/~BigenRcihenverlaufesmacht sich auch in der heterogenen l~cihc (im Vcrgleich mit den I-F/illen) deutlichgeltend, d. h. unter Umst~nden, wo Verwechslungen und Kont~minationen nichternstlich in Frage kommcn (vgl. oben S. 322). Wenn es zutrifft, dab der EinfluB des l~eihenbaues auf Einpr/~gungund Behalten nicht unmittelbar yon den ~hnliehkeiten (oder Versehieden-heiten) der einzelnen Reihenglieder ausgeht, sondern auf den jeweiligenBereiehsbildungen beruht, dann ist zu folgern, dab alle so]che Bereiehs-bildungen dieselben Wirkungen haben, ob sie nun ihrerseits auf dem:~hnlichkeitsverlauf in der Reihe oder auf anderen Faktoren beruhen.I n der TaG versteht es sich fast yon selbst, dab Isolierung auger durcheinen Sprung im )~hnlichkeitsverlauf z. B. auch durch geeignete raum-zeitliche Verlaufsmomente erzielt werden kann (vgl. u. S. 328). Vonvornherein ist es ja auch nicht einerlei, wo die einzelnen Glieder etwaeiner homogenen Reihe r/~umlich und zeitlich in dieser Reihe stehen.Die alte Erfahrung, dab Anfangs- und Endglieder yon homogene~Reihen der tiblichen Art fiir Lernen und Behalten bessergestellt sindals ,Binnenglieder", wird leicht verst/~ndlieh dadurch, dab jene, naehder einen Seite ganz frei, als gewissermaBen ,,etwas isolierter" betraehtetwerden diirfen. Ganz ungekl/s bleibt bisher, auf welehe Art die Glieder (oder Paare)von Reihen dureh ihre Aufnahme in gleichm/s feste Bereiche gesch/~digtwerden. Aus der Psychologie der Wahrnehmung wissen wit wohl, dab dortunter vergleichbaren Umst/~nden Anderungen yon Gebilden erfolgen, wenndiese zu Teilen yon grSGeren Bereiehen werden. Aber wir sind gewohnt,diese _Anderungen, sog. ,,TKusehungen", m/~Gig zu finden, solange dieBereichsbildung die Diskretheit der Teile nieht aufhebt. Die Reihen-glieder in unseren Versuehen aber bleiben, w/~hrend sic vorgeffihr~,also wahrgenommen werden, jedenfalls diskret. Die Annahme, dab diein unseren Versuchen auftretenden betr/~ehtlichen Sch/~digungen yon dergleichen Art seien wie die erws umbildenden Bereichswirkungenin der Wahrnehmung, 1/s sieh also nur unter der Voraussetzung halten,daft solche Umbildungen nachtriiglich, im Spuren/eId (oder doch beider Ausbildung der Spuren), viel welter gehen k6nnen aIs in Wahr-nehmungs/eldern. Wenn wir dies Problem 16sen wollen, werden wirweniger fragen mtissen: Wieviel richtige Reproduktionen sind unterbestimmten Bedingungen auf Grund einer Anzahl gegebener Spurenm6glich ? als vielmehr: In weleher Art sind diejenigen Spuren ver-/~ndert, die nich$ mehr richtige Reproduktionen ergeben ? 1 Ubrigens w~re es durchaus nicht zu rechtfertigen, wenn aus denmitgeteilten Versuehen geschlossen wtirde, dab unter allen Umst~ndenAufnahme eines Gebildes in einen Gesamtbereieh Sch/~digungen wie 1 Das ist die Fragcstellung yon Ko]]ha und Wul/. Psycho]. Forsch. 1, 1922.
  • 328 H. von Restorff:die hier festgestellten ergeben miil3te. Die Bereiehsbildungen, die indiesen Versuehen vorkommen und sehgdigend wirken, sind mit einemleieht verstgndliehen Wort sgmtlieh als ,,monoton" zu eharakterisieren.Nun kann ein Gebilde aueh fest eingefiigter und dabei doeh zugleiehh6chst sioezi/iach eingegliederter Tell einer Gesamtsituation werden.Es ist unwahrseheinlieh, dab aueh eine solehe Eingliederung zu Sehgdi-gungen der hier behandelten Art fiihrtk Es lgge nahe genug, aueh fiir den Fall des Wiedererkennens zuzeigen, dab es nieht die einzelnen Ahnliehkeiten yon Reihengliedern,sondern die Bereiehsbildungen in den Reihen sind, yon welehen die Er-gebnisse in den versehiedenen Konstellationen bestimmt werden.Das wurde aueh versueht, mil31ang aber aus teehnisehen Griinden.Befunde, die in der erwarteten Riehtung lagen, muBten wit Msmethodiseh ungesiehert beanstanden. Mit einer I)iskussion dieserSehwierigkeiten wgre eben wenig geleistet e. Es k o m m t vielmehr daraufan, fiir das Problemgebiet des sog. Wiedererkennens iiberhaupt einesehgrfere Methodik zu entwiekeln. III. Am Sehhfl3 des vorigen Absehnittes wurde daran erinnert, dabBereiehsbildungen auger yon Verwandtsehaftsfaktoren aueh yon raum-zeitliehen Verlaufsmomenten abhgngig sind. So bilden im Raum wiein der Zeit Bestandteile eines Feldes unter sonst gleiehen Umstgndenum so leiehter einen gesehlossenen Bereieh, und dieser wird um so fester,je ngher sie einander stehen. Wir wenden diese Regel auf unser Problem-gebiet an. Da kann sie yon zwei Seiten her betraehtet werden. Ein-real besagt sie, dab die untersuehten Wirkungen vermutlieh durehsehnelle Aufeinanderfolge der Reihenglieder verstgrkt werden. Es wiirdeabet zweitens aueh a us ihr folgen, dab eine bei unmit~elbarer Sukzessionder betreffenden glieder festgestellte atarae Wirkung bei einigem Ab-stand in der Zeit nieht einfaeh versehwinden kann, sondern, wahr-seheinlieh in abgesehwgehter Form, aueh dann noeh naehzuweisen seinmug. Daraus ergeben sieh mehrere Folgerungen: a) Wenn auf einige tleihenglieder einer bestimmten Materialartweitere Glieder derselben Art nieht sofort, sondern erst naeh einergewissen, nieht zu langen Zwisehenzeit folgen, so wird das im Spuren- In der Tat haben yon Sa~Mer angeregte, yon Johannes durehgeftihrte Versuehe ergeben, (tab Figuren, welche in einem ~spezi/Lsch zusammengeh6rigen Gesamtaufbau liegen (freilieh aber diskret bleiben), deutlich leichter eingeprRgt und besser behalten werdea als ~ilmliche Figuren, die als ungeordnetes Aggregat,dargeboten worden sind. [Arch. f. d. ges. Psychol. ,~3 (1932).it 2 Eine yon ihnen muI~ sp~tter (S. 340f.) er6rtert werden.
  • Uber die Wirkung yon Bereichsbildungen im Spurenfeld. 329feld mSglieherweise ftir jene ersten Glieder eine sehs Einwirkungdesselben Typus, wenn aueh wohl yon geringerem Grade, geben, als wenndie H~ufung in unmittelbarer Sukzession s~mLlieher Glieder erfolgte. b) Wenn der schgdigende EinfluB der H/~ufung i n beiden Z e i t r i c h .t u n g e n , yon frfiheren zu sps Gliedern wie umgekehrt, wirksamsein sollte, dann dfirfte eine Anzahl sp~terer Glieder einer bestimmtenArt auch dadurch geseh~digt werden, da6 nieht zu lange Zeit vorhereine grSftere Anzahl yon Gliedern derselben Art dargeboten, eingeprggtoder sonst nachdrficklieh aufgenommen wird. e) Wenn die schAdigende Wirkung der Hs sich bei Wiederer-kennenspriifung von vornherein schws geltend macht als bei Re-produktionsprfifung (vgl. o. S. 310f. u. 324), so ist zu erwarten, da$ dieseAbsehw~ehung noeh deutlieher werden wird, wenn die Wirkung fiberein gewisses Zeitintervall hinweg erfolgt, der schs EinfluB alsoan Intensits verliert. J a es wgre m5glich, dab bei Wiedererkennens-prfifung in diesem Falle kaum mehr ein Rest der Schs fest-zustellen ist. Diese Folgerung w~re sowohl ffir den Fall zu ziehen,dab das Material gleieher Art vorausginge, wie ffir den, dab es nach-folgte. Die erste Folgerung wiirde auf eine r i i c k w i r k e n d e H e m m u n g hin-auskommen, die bei Reproduktionsprfifung festzustelten ws soabet, daft, entgegen der ursprfinglichen Ansieht G. E . Mi~llers 1, Ab-stufung dieser ttemmungswirkung naeh Materialverwandtschaft zwi-sehen hemmenden und gehemmten Gliedern angenommen werdenmiiftte. Eine solche Erscheinung wfirde den Sinn haben, daft im Spuren-feld die Ausbildung funktionell zusammenh~ngender Bereiche und ent-sprechende Seh~tdigungen auch fiber eine Zeitlficke bin erfolgen kSnnen.Versuche, die den Begriff der ,,riickwirkenden Hemmung" in der ange-gebenen Riehtung modifizieren wollen, sind in Amerika bereits mehrfachangestellt worden 2, nicht immer mit dem gleichen Erfolg, aber dochmit einer Tendenz der Ergebnisse im ganzen, die ffir die Notwendig-keit einer solchen Umbi]dung des Begriffes spricht. Auch ffir die zweite Fo]gerung kSnnte man sieh auf gewisse ameri-kanisehe Versuchsergebnisse berufen. Xach ihnen ist es wenigstens eini-germal~en wahrscheinlieh, daft in Reproduktionsprfifungen aueh eine,,vorwdirtswirkende H e m m u n g " yon vorausgehenden auf spatere Ver]hufe 1 Mi~ller u. Pilzecker, Experimentelle Beitrage zur Lehre veto Ged~chtnis.Z. Psychol., Erganzungsband I (1900). 2 E. S. Robinson, Psychologic. Monogr. 2~ (1920). - - E. B. Skaggs, Psycho-logic. Monogr. 34 (1925). - - E. S. Robinson, Amer. J. Psychol. 39 (1927). - - L. M.H<~rden, J. gen. Psychol. 2 (1929). - - J. A. McGeoch, J. of exper. Psychol. 14(1931).
  • 330 H. von l~estorff:festgestellt werden kann, deren Ausmal~ mit zunehmender Material-verwandtschaft anw~ichst 1. Die dritte Folgerung stimmt gut zu dem Befund R. Heines 2, nachwelchem bei Wiedererkennenspriifung tiberhaupt keine ,,rfickwirkendeH e m m u n g " festzustellen ist. Dieser Befund wfirdc dureh den Zusammen-hang, in den er - - infolge der oben (Abschnitt I) mitgeteilten Ergeb-nisse - - anscheinend gestellt werden kann, nunmehr leicht zu begreifensein, w/~hrend er bisher unverstgndlieh war. In dieser Hinsicht w~renjedoch noch erg~nzende Versuche erforderlich, in denen gezeigt werdenmfiftte, dag keinerlei Steigerung der Verwandtschaft zwischen den Ver-laufsgebieten (,,Hauptreihe" und ,,Nachreihe") eine so deutHehe ,,riick-wirkende H e m m u n g " entstehcn l~tgt, wie sie bei Reproduktionspriifunggefunden wird. - - 1Jber eine ,,vorwiirtswirkende H e m m u n g " , die beiWiedererkennensprfifung festzustellen w/~re, ist bisher nichts bekannt. Riickwirkende H e m m u n g und Reproduktion. Wenn die rfickwirkende H e m m u n g auf ~hnlichc Vorg~nge zurfickgehtwie die in den beiden ersten Absehnitten festgestellten Seh/idigungendutch H/iufung, dann k6nnen die ~lteren Untersuchungen fiber jeneH e m m u n g methodisch leicht etwas verbessert werden. Will m a n dieH e m m u n g reeht deutlich hervortreten lassen, dann wird m a n ver-meiden mfissen, dab eine der Art naeh gleichartigc starke Sch~digungdes eingeprS~gten Materials bereits zustande kommt, bevor die alshemmend anzusctzenden Vorg~tnge fiberhaupt eingeffihrt sind. Dennwenn Reihe und Vergleichsreihe, wie sie in solchen Untersuehungenverwandt werden, beide schon ohne rfiekwirkende H e m m u n g stark ge-sch~digt sind, dann kann sich eine weitcre Seh~digung der einen yonihnen (n~mlich durch rfickwirkende Hemmung) nicht mehr besondersdcutlich geltend machen. Infolgedessen empfiehlt es sich nicht, das-jenige Material, das der riickwirkenden H e m m u n g ausgesetzt werdensoil, in langer homogener Reihe einpr/~gen zu lassen, wie das fiblichist. Man wird vielmehr nur wenige Glieder der betreffenden Art geben,so dab ein Lernprodukt entsteht, welches zun/~ehst relativ gfinstiggestellt ist und nun von nachtr/~gliehen st6renden Einflfissen um sodeutlicher geseh/idigt werden kann. Dal3 dies frfiher nicht erkanntwurde, hat wahrscheinlich in den ~lteren Versuehen die Hemmungs-wirkung zu sehwach erscheinen lassen. Wir gingen folgendermat]en vor: Eine gr61~cre Anzahl yon Vpn. prs sich eine Hauptreihe ein, dieaus 2 Silben-, 2 Figuren- und 5 Zahlenpaaren besteht. Danaeh werden 1 Paul L. Whiteley, J. of exper. Psychol. 10 (1927). Die Versuche Whiteleysgehen yon einer anderen Fragestellung aus und geben deshalb keine ganz klareAntwort auf die oben aufgeworfene Frage. 2 tt. Heine, Z. Psychol. 68 (1914~).
  • ~ber die Wirkung von Bereichsbildungen im Spurenfeld. 331einer Gruppe dieser Vpn. nacheinander 4 Nachreihen zur E i n p r a g u n gdargeboten, welche je aus 6 Silben und 3 Zahlen zusammengesetzt sind;die iibrigen Vpn. suchen sieh 4 Nachreihen einzupragen, deren jedeneben 6 Figuren 3 Zahlen enthalt. Fiir die erste Gruppe folgt also aufdas Lernen der H a u p t r e i h e eine groBe H g u f u n g von Silben. I s t unsereUberlegung richtig, so mul~ infolgedessen die Trefferzahl fiir Silbennachher herabgesetzt sein, n~mlich im Vergleich mit den Silbentreffernder anderen Grulope, deren Nachreihe keine Silben enthglt. U m g e k e h r tmiissen sich in dieser anderen Gruppe niedrigere Trefferzahlen fiir dieFiguren der Haulotreihe ergeben, weil in ihren Nachreihen viele Figurenauftreten, die in den Naehreihen der ersten Gruppe ganz fehlen. - - Ffirdie Zahlen sollte m a n bei beiden Gruppen y o n VIOn. etwa gleiche Re-sultate erwarten, sofern wenigstens vorausgesetzt werden kann, dabZahlen ein gegeniiber Silben u n d Figuren gleieh indifferentes Materialdarstellen, ffir welches in den Nachreihen beider G r u p p e n dieselbenBedingungen angesetzt werden. An dem Versuch beteiligten sich die Oberprima und die Unterprima einesM~dchengymnasiums. Jede Klasse stellte eine der beiden Vpn.-Gruppen d~r(15 und 13 Vpn.). Die Paare der Hauptreihe wurden nacheinander je 2 Sekunden, und dieganze l%eihe wurde 4mal vorgeftihrt. (Zur Einfibung des Lern- und Prfifverfahrenswar ein kurzer Vorversuch mit einer Reihe yon Paaren sinnvoller Worte undgleich anschlieBender Prtifung vorausgeschickt worden. ) Die 4 Nachreihen wurden, j edoch nicht in Paaren, ebenso gezeigt wie die Haupt-reihe, abet jede 1N~achreihe nur einmal. Die Vpn. hatten nach der Darbietungjeder dieser iqachreihen die davon behaltenen G]ieder aufzuschreiben und be-kamen daffir eine bestimmte Zeitspanne. Die Gesamtzeit zwischen AbschluB desLernens der Hauptreihe und Beginn der PrSfung nach dem Trefferverfahren be-trug ftir beide Gruppen 8 Minuten. Die Trefferprfifung der ttauptreihe fiihrte zu dem folgenden Ergebnis : Tabelle 12. Gruppe I (13 Vpn.) Gruppe I I (15 Ypn.) ~ a c h r e i h e n : Silben Nachre]hcn : ]Figuren (und Zahlcn) (und Zahlcn) Silben . . . . . U: 14 yon 26 = 54~!o G: 27 yon 30 = 9@% Figuren . . . . G: 18 ,, 26~69Yo U: 13 ,, 3 0 ~ 4 3 % Die Buchstaben U und G in der Tabelle geben an, welche Ergeb-nisse einer relativ ungignstigen oder gi~nstigen Konstellation entsprechen,d. h. welche Trefferzahlen nach der Materialart der betre~fenden Nach-reihen gerade st/irkere oder schwi~chere Senkung erfahren haben sol]ten.Vergleich innerhalb der Itorizontalspalten betrifft gleichartiges I)rii -fungsmaterial in den beiden Konstellationen; Vergleich innerhalb derVertikalspalten geht auf verschiedenes Material in den beiden Kon-stellationen, aber ffir eine und dieselbe Gruppe yon Vpn. Beide Ver-
  • 332 H. yon Restorff"gleiehsarten ffihren zu dem gleichen Ergebnis: Es ist jedes Mal dieTrefferzahl kleiner, die der ungfinstigen Konstellation entstammt. Amwichtigsten ffir die Entseheidung ist der Unterschied ffir beide Kon-stellationen von Gruppe zu Gruppe, aber ffir das gleiehe Material.Er i s t sehr grog ausgefMlen ffir die Silben, vollkommen deutlich auchffir die Figuren. I m Mittel hat die als gfinstig angesetzte Konstellation80%, die als ungfinstig angesehene 48% Treffer ergeben. Die Zahlen der Hauptreihe waren als indifferentes Material gedacht, das inbeiden Arten yon Nachreihen gleiehm~gig wenig yon Silben und Figuren undgleich stark yon weiteren Zahlen beeinflul3t werden w~irde. Die Zahlentrefferliegen ffir beide Gruppen recht niedrig, aber keineswegs auf gleichem Niveau;denn ihre Anzahl betr~gt in Gruppe I 22%, in Gruppe II 4r Es ist kaum anzu-nehmen, dM3 ein so groBer Unterschied ganz auf unausgeglichene individuelle Ver-schiedenheiten in den beiden Gruppen yon Vpn. zurfickgeffihrt werden kann1.Wahrseheinlicher dfirfte die Deutung sein, dM~ Zahlen als Reihenglieder denSilben verwandter sind Ms den Figuren, und dal~ infolgedessen die H~ufung yonSilben in den Nachreihen (yon Gruppe I) die Zahlen der Hauptreihe starker ge-troffen hat, Ms es die H~ufung yon Figuren (in Gruppe II) tun konnte. DieseVermutung wird in der nachsten Versuchsreihe best~tigt werden. I n den Versuchsreihen des zweiten Abschnittes hat sich eine inten-sive Wirkung der Hs gleichartiger Glieder aueh dann heraus-gestellt, wenn die Methode der behaltenen Gheder angewendet wurde.Wir prfiften das letzte Ergebnis noch einmal unter Anwendung dieserMethode nach. Die Anordnung des neuen Versuches stimmte in wesentlichen Z~igenmit der des letzten fiberein; doeh wurde eine dritte Vergleichskonstella-tion hinzugenommen, also die Zwisehenzeit zwischen Darbietung dertIauptreihe und deren Priifung auf 3 anstatt auf 2 versehiedene Weisenausgefiillt. Die Hauptreihe enthielt nieht 9 Paare, sondern 9 Einzelglieder(die ersten Glieder jedes Paares aus der frfiheren Anordnung), und beider Prfifung hatten die Vpn. die Aufgabe, die erinnerten Glieder ohnedie Hilfe zugeh5riger ,,reproduzierender Momente" niederzuschreiben. Die Vpn. (48 Studierende einer Vorlesung) waren in 3 Gruppen(16, 15 und 17 Personen) geteilt. Allen 3 Gruppen wurde die gleicheItauptreihe, bestehend aus 2 Sflben, 2 Figuren und 5 ~]ahlen, dreimaldargeboten. Danaeh lernte Gruppe I : 4 Naehreihen aus je 6 Silbenund 3 Zahlen, Gruppe I I : 4 Naehreihen aus je 6 _Figuren und 3 Zahlen,Gruppe I I I ,,lernte" fiberhaupt nicht, sondern hatte in der gleichen 1 Das durchschnittliche Alter der Vpn. beider Gruppen ist fast gleich, dassoziale Milieu, aus dem sie stammen, ebenfMls; und die Gruppen k6nnen alshinreichend groB gelten. Sie zeigen ja auch jede ffir sich (bei verschledenem Mate-riM) Unterschiede der gleichen Richtung zwischen G- und U-Konstellation (Tab. 12).- Es muB jedoch betont werden, dag bei solchem Versuchsverfahren auf hin- -reichende Gruppengr613e ganz besonders geachtet werden muB. Man kann sons~irretfihrende Scheinresultate erhalten.
  • ~Jber die Wirkung von Bereichsbildungen im Spurenfeld. 333Zeit D e n k a u f g a b e n zu 15sen, die keineswegs ganz leicht g e w a h l t w a r e n L( J e d e N a e h r e i h e [ G r u p p e I u n d I I ] w u r d e zweimal gezeigt u n d da-n a c h sofort gepriift.) F i i r die N i e d e r s c h r i f t d e r b e h a l t e n e n Glieder - - 10 M i n u t e n n a c hd e r l e t z t e n D a r b i e t u n g der H a u p t r e i h e - - erhielten die 3 G r u p p e n diegleiche Zeit v o n 2 Minuten. T a b . 13" e n t h ~ l t die E r g e b n i s s e diesesVersuches : T a b e l l e 13. Gruppe I (16 Vpn.) Gruppe II (15 Vpn.) Gruppe (17 Vpn.) III I~achreihen: S i l b e n l~!achreihen:Figuren Zwischent~tigkeit : und Zahlen und Zahlen Denkau]gabenSilben... U: 0 v. 3 2 = 0% G: ]7 v. 3 0 = 5 7 % GG:31v. 34=83%Figuren G: 15 v. 3 2 = 4 7 % U: 5 v. 3 0 = 1 7 % GG:29v. 34=gl% Zu d e n sehon oben e r k l a r t e n S y m b o l e n U u n d G i s t j e t z t d a s w e i t e r e G G h i n z u g e k o m m e n , welches a n d e u t e t , dal~ es sich in der b e t r e f f e n d e nK o n s t e l l a t i o n u m e i n e besonders giinstige Saehlage i m Sinne unsererfriiheren U b e r l e g u n g e n h a n d e l t . W i r vergleiehen z u n a c h s t die E r g e b n i s s e y o n G r u p p e I u n d I I .D i e s m a l zeigt sich die G- d e r U - K o n s t e l l a t i o n womSglich noch d e u t -llcher iiberlegen als i m v o r i g e n Versuch, ob m a n n u n d i e V e r t i k a l -s p a l t e n (gleiche G r u p p e , verschiedenes Material) oder die H o r i z o n t a l -s p a l t e n (verschiedene G r u p p e n , gleiches Material) b e t r a c h t e t . I m D u r c h s c h n i t t stehen 52% richtigen R e p r o d u k t i o n e n i m G - F a l ln u r 8% i m U - F a l l gegenfiber. E s k a n n d a n a c h kein Zweilel m e h rbestehen, dai] die sog. ,,riickwirkende H e m m u n g " aufs allerstiirkstev o m G r a d d e r M a t e r i a l v e r w a n d t s c h a f t zwisehen H a u p t r e i h e u n d N a c h -r e i h e n b e s t i m m t wird. M a n d a r f wohl schlie!~en, da~ die ,,riickwirkendeH e m m u n g " eine S o n d e r f o r m d e r in A b s c h n i t t I u n d I I u n t e r s u c h t e nH a u f u n g s w i r k u n g e n ist. Wenn die Zahlen ein Material darstellten, das sich gegeniiber Figuren undSilben gleich indifferent verh&lt, dann h~tten die Reproduktionsziffern fiir sicin Gruppe I und ] I etwa gleich ansfallen miissen. Diese Reproduktionswerte sindbeide sehr niedrig, sic sind aber durchaus nicht gleich; denn in Grupl0e I, wo diel~achreihen neben weiteren Zahlen viele Silben enthalten, haben sich nur 11%,in Gruppe II, wo in den l~achreihen die Silben durch Figuren ersetzt sind, habensich 24% richtige Zahlenreproduktionen ergeben. Das ist ftir die Zahlen genaudieselbe Asymmetrie der Reproduktionswerte wie im Resu]tat des vorigen Ver-suches. Man darf also die dort gegebene Deutung als bests ansehen, naehwelcher Silben als l~eihengIieder den zweistelligen Zahlen verwandter wirken alsdie Figuren denselben Zahlen, so dal~ die Silben (in den l~achreihen der Gruppe I)eine starkere rtickwirkende Hemmung auf die Zahlen ansiiben, als es die Figuren(in den N~chreihen der Gruppe II) tun. Dal3 solche Abstufungen der Verwandt- Durch scharfe Kontrolle wurde es den Vpn. dieser Gruppe unmSghch ge-macht, die Besch~tftigung mit ihren Denkaufgaben zu wenig ernst zu nehmen. Siehaben sich ohne Zweifel intensiv urn dereu L6sung bemfiht.
  • 334 H. yon Restorff-sehaft iramer noch in Unterschieden der Reproduktionswerte zum Ausdruckkommen, spricht wohl fiir die vorgesehlagene Interpretation der riiekwirkendenHemmung. E s ist d a n a c h gewiI3 n i c h t m e r k w i i r d i g , d a b die R e p r o d u k t i o n s -w e r t e d e r G r u p p e I I I ( G G - K o n s t e l l a t i o n ) viel hSher liegen als die-j e n i g e n n i c h t n u r d e r U-, s o n d e r n a u c h der G - K o n s t e l l a t i o n e n y o nG r u p p e I u n d I I . D e n n i n d e r Zwischenzeit zwischen D a r b i e t u n g u n dP r i i f u n g h ~ b e n die V p n . d e r G r u p p e I I I / i b e r h a u p t n i c h t m i t Silben,F i g u r e n u n d Zahlen, j a n i c h t e i n m a l m e h r m i t Verlgufen in d e r F o r my o n ,,Tropfenfolgen" zu t u n , also m i t Reihen, welche d e m a l l g e m e i n s t e nTypus nach mit der Hauptreihe iibereinstimmen -- sondern mit derL 6 s u n g y o n sinnvollen P r o b l e m e n , einer freilich auch a n s t r e n g e n d e n Auf-gabe. D a s b e d e u t e t ein M a x i m u m y o n Uni~hnlichkeit z w i s e h e n H a u p t r e i h eu n d Zwischenzeitbeschs v e r m u t l i e h auch die A u s b i l d u n g eines S o n d e r b e r e i c h e s in d e r Zwischenzeit, d e r k a u m eine s t a r k e T e n d e n zh ~ b e n k a n n , m i t d e r H a u p t r e i h e einen G e s a m t b e r e i c h v o n einigerF e s t i g k e i t zu bilden. Infolgedessen i s t j e t z t eine e t w a n o e h v o r h a n -dene r f i c k w i r k e n d e H e m m u n g jedenfalls weir sehwgcher ausgefallen alsselbst in den b i s h e r b e t r a c h t e t e n G-Fg]len. U m g e k e h r t k a r m m a naus d e n s t a r k a n g e s t i e g e n e n R e p r o d u k t i o n s w e r t e n sowoht fiir S i l b e nwie ffir F i g u r e n d e n sicheren Schlul~ ziehen, d a b a u c h in d e n y o n unsso g e n a n n t e n G - K o n s t e l l a t i o n e n die m a t e r i a l v e r s c h i e d e n e n N a e h r e i h e naus F i g u r e n u n d Z a h l e n n o c h schgdigend auf die S i l b e n u n d ebensod i e Zghlen u n d S i l b e n noeh sehgdigend auf die F i g u r e n e i n g e w i r k th a b e m E s i s t also eine ganze S k a l a v o n a b g e s t u f t e n X h n l i e h k e i t e nin e n t s p r e c h e n d e n G r a d e n d e r r f i c k w i r k e n d e n H e m m u n g gewissermaBenw i e d e r z u f i n d e n 1. Auch der Reproduktionswert ftir die Zahlen ist in der GG-KonstellationauBerordentlich erh6ht, namlich auf 66%. Wenn er nieht das iXiveau der ent-sprechenden Werte fiir Silben und Figuren erreicht, so diir4~te das kaum alleindaran liegen, dab es sich gerade um die recht schwer zu behaltenden Zahlen handelt,sondern wesentlich darauf zuriickffihrbar sein, dab in der ttauptreihe mehr Zahlenals Silben oder Figuren enthatten sind, und infolgedessen die Zahlen yon vorn- herein unter starkerer Haufungswirkung in der tIauptreihe selbst stehen 2. G. E. Miillers a Ansicht, nach welcher die riickwirkende Hemmung dutch die nachfolgende geistige Anstrengung hervorgerufen wird und nicht material- gebunden ist, wird durch Versuehe an einer Vp. gestiitzt. In diesem Fall war 1 Derse]be Versuch wurde an Sehulkindern wiederholt mit der einzigen J~n-derung, dab die Vpn. in der GG-Konstellation Traume niederschreiben sollten.Das Ergebnis war der Riehtung nach das gleiehe, insbesondere fiel die riiek-wirkende :Hemmung am geringsten aus in der Xo~stellation, we die Zwischen-zeit anstatt dutch weitere Reihen und ihre Prfifung durch eine ganz andersartigeBeschgftigung ausgeftilIt wurde. Aus demselben Grunde dtirften die Reproduktionsziffern ftir die Zahlenauch in den anderen Konstellationen so niedrig liegen. s G. E. Mi~ller, a. a. 0.
  • ~ber die Wirkung yon Bereichsbildungen im Spurenfeld. 335der objektive Inhalt der naehfolgenden T~tigkeit in der Tat dem zuvor eingeprLtgten)Iaterial wenig verwandt, und doch ergab sich eine rfickwirkende I:lemmung.[m Vergleichsexperiment war die kritische Zwischenzeit mSglichst besch/~ftigungs-frei gehalten. Offenbar werden auf diese Weise zwei Faile miteinander verglichen,in welchen beiden nur eine geringe Verwand.tsehaft zwischen eingepr~gtem Ma-terial und Inhalt der Nachperiode besteht, so dal~ man auf die Bedeutung derVerwandtschaftsgrade ffir die untersuchte Erscheinung gerade bei einem solchenExperiment nieht leieht aufmerksam wird. Es ist tibrigens wahrseheinlich, daftVergleich zwischen der yon uns so genannten GG-Konstellation und einer an-deren, in der die Zwisehenzeit nach M6glichkeit iiberhaupt beschaftigungsfreibleibt, noch h6here t~eproduktionsziffern in diesem letzten Falle ergeben wiirde.Aueh nach unserer ~heoretischeu Anschauung ist das zu erwarten. Vorwiirtswirkende H e m m u n g und Reproduktion. I m ersten A b s c h n i t t (vgl. S. 301f. w u r d e n Reihen untersucht., i nd e n e n 4 P a a r e gleicher Materia.lart, die a n d e r e n 4 y o n diesen u n d unter-e i n a n d e r materialverschieden waren (H- u n d I-F~lle). U n t e r d e n ersten5 Versuchsserien f/~llt die Serie I I I durch die sehr merklich gesteigerteTrefferzahl sowoh] ffir die H/mfungs- wie ffir die Isolierungsf~lle auf(vgl. Tab. 2, S. 302, die Z u s a m m e n f a s s u n g in P r o z e n t e n rechts). Geradefiir diese Serie aber ist der Zeitttbstand der Einzelversuche (also die Zeitzwischen Prfifung einer l~eihe u n d D a r b i e t u n g der nS.chsten) yon etw~25 Minut.en auf mindest.ens 24 S t u n d e n erhSht. Auch bei Serie V ist das der Fall, aber bier ist die Zahl der Treffer dadurchrelativ vermindert, dal~ die Darbietungszeit fiir jedes Paar gegent~ber den fibrigenSerien herabgesetzt war. Als E r k l ~ r u n g k o m m t eine riickwirkende H e m m u n g y o n sp/~terenEinzelreihen auf friihere (in Serie I, I I u n d IV) n i c h t i n Frage, da j~die P r i i f u n g jedes Mal bald auf die Einpr/~gung der betreffenden Einzel-reihe folgte, u n d die jeweils ns Reihe erst nach dieser Priifungeingepr/~gt wurde. Die st~rkere zeitliche T r e n n u n g der Einzelreiheni n Serie I I I scheint also begiinstigend d a d u r c h gewirkt zu haben, d a bi n dieser Serie vor der E i n p r S g u n g der Einzelreihen eine l~ngere Zeit,,reihenfrei" blieb. Dal3 es sieh bei der Erh6hung der Trefferzahl in Serie I I I nieht um einenZuf~]l h~ndelt, wird besonders deutlich, wenn man die Durchschnittsergebniss(.der Serien I, II und IV (fiber Serie V vgl. die Bemerkung oben) mit dem derSerie I I I / i i r die einzelnen Materialarten zusammenstellt. Fiihrt man diesc ]rnung durch, so zeigt sich, da$ jeder einzelne H- und I-Wert yon Serie I l I h6hcrliegt als der entsprechende Durchschnittswert yon Serie I, II und IV. Es istsehr unwahrscheinlich, dab ein solches Verhalten der Zahlen auf Nebenumst/hldezurtickzuffihren ist, wie die Simultanexposition der Reihen in Serie IV u. dg[.,yon denen keine vermocht hat, irgendwelche bedeutenden Untersehiede zwischenden Resultaten der Serien I, II und IV untereinander zuwege zu bringen. - -Es bleibt freilicb die Deutung dureh Ermiidung m6glieh, die in den sp~tterenEinzelreihen der Serien I, II, und IV in der Tat merklich wirksam gewesensein ka.nn. Psychologische Forschung. Bd. 18. 29~
  • 336 H. v o n R e s t o r f f : Auch auf andere Art kann man an diesen Serien eine solche ,,vor-wgrtswirkende H e m m u n g " nachzuweisen suchen. Weil die einzelnenReihen je yon I, I I und IV recht schnell aufeinander folgen, wgrendiejenigen I-Fdlle als durch vorwgrtswirkende Hemmung geschgdigtanzusehen, welche auftreten, nachdem in einer vorausgehenden Reihebereits die zugeh6rige (materiMgleiche) H-Konstellation eingeprggt undgeprfift worden ist. Zur Erlguterung sei das Schema angegeben, nachwelehem die 5 Reihen einer Serie ~ufgebaut sind: lhihe 1 JRcihe 2 Ileihe 3 lleihc 4 Ileihe 5 S s s s s z Z z z z fg fg Fg fg fg b b b B b fb fb fb fb Fb In diesem Symbolquadrat bilden die H-Symbole (groge Buchstaben)eine Diagonale, zu deren beiden Seiten gleieh viele I-Symbole stehen,n/hnlich 10, die der zugeh6rigen HSufungsstelle folgen, und 10, die ihrvormlsgehen. Ein solehes Quadrat kann f/Jr jede Serie angegeben werdenund siehg fiir die versehiedenen Serien versehieden aus, je naehdem,in weleher Reihenfolge die einzelnen Materiala.rten jedesmal ihre Hgu-flmgsstelle durehmaehen. FaBt man die 3 Serien I, I I und IV zu-s~mmen, so wird dadureh dem Umstand tleehnung getragen, daf3 ineinem Quadrat (wie oben) die Isolierungsf/ille fiir Silben z. B. sgmt-lieh nach der entspreehenden Hgufungsreihe auftreten, die Isolierungs-f/ille fiir Farben vor der zugeh6rigen Hgufungsreihe. Tab. 14 gibt an,wieviel Treffer in I-Konstellation sieh vor und nach der Hs er-geben haben: Tabelle 14. T r e f f e r in I - K o n ~ t e l l a t i o n v o r ~[er H~iIlfllll~ llaeh d e r t-iiitlfttng Serie [ . . . . 40 23 Serie If . . . . 32 23 Serie IV . . . . 35 2S [m ganzen. . . 107 74 In ])rozent . . 82% 57?0 Danaeh haben (tie I-Ffille vor den zugeh6rigen H-Konstellationenwirklieh bedeutend mehr Treffer gebraeht als die I-F/ille ~ach denHSufungsstellen. - - Der Vergleieh yon Serie I I I mit Serie I, I I und IVkom~te nur zeigen, da[3, ganz abgesehen yon den Materialarten, ge-drSngte Stellung der Einzelreihen in der Zeit die Trefferzahlen herab-setzt. Das Ergebnis des eben angestellten Vergleichs scheint zu beweisen,
  • IJber die Wirkung yon-Bereiehsbildungen im Spurenfeld. 337dab die Nghe y o n materialgleiehen Gliedern in der v o r a u s g e h e n d e n Zeitzu s t 6 r e n d e n W i r k u n g e n fiihrt, welehe nach M a t e r i M v e r w a n d t s c h a f t ab-gestuft sind. Genau genommen ist der Beweis freilieh wieder noeh nieht ganz streng, well inder gleiehen Art wie die behauptete vorw/~rtswirkende Itemmung aueh die Ermtidungwirken miiBte. Betraehtet man nS~mlieh das Schema der Versuehe auf S. 336,in welchem die VertikMreihen die Zusammensetzung der einzelnen an einem Vor-mittag naeheinander absolvierten Reihen wiedergeben, so zeigt sieh, dab dieReihen 1 und 2 bereits 7 der 10 I-F/~lle enthalten, welehe vor den zugeh6rigenH/~ufungsstellen auftreten, w/ihrend umgekehrt erst Reihe 4 und 5 7 der 10 I-F~llebringen, die n a c h den zugeh6rigen H~ufungsstellen folgen. Im ganzen liegenalso die I-F/~lle der zweiten Art sieher sp~ter im ausgedehnten Versuchsverlanfals die der ersten und werden deshMb von Ermtidungswirkungen starker ge-troffen sein. Es ist jedoeh nieht anzunehmen, dab auf diese Weise wirklieh derUnterschied zwisehen den Ergebnissen der beiden vergliehenen Konstellationenerkl~rt werden kann; dazu ist er zu grol3. Eine ganz einwandfreie Naehprfifungwird mit entspreehender Methode vorzunehmen sein, wie wir sie im Fall der riiek-wirkenden Hemmung angewandt haben. Sind unsere E r w ~ g u n g e n zutreffend, so darf derselbe Vergleieh, dereben ffir Serie I, I I u n d I V durehgeffihrt wurde, im Fall v o n Serie I I Iu n d V - - also bei groger Zwisehenzeit zwisehen den Einzelreihen - -keinen solehen Untersehied oder doeh h6ehstens einen viel geringerenergebenL Tab. 15 fagt die Treffer y o n Serie I I I u n d V in der gleiehenA r t z u s a m m e n , wie es eben ffir I, I I u n d I V gesehehen i s t T a b e l l e 15. Treffer in I - K o n s t e l l a t i o n vm der t I g u f u n g naeh der t:I~ufung Serie III . . . 50 45 Serie V . . . . 28 24 Im Ganzen. . . 78 69 In Prozent . . 87% 77% Es seheint hiernaeh, Ms ob eine naeh M a t e r i a l v e r w a n d t s c h a f t ab-gestufte ,,vorw/~rtswirkende H e m m u n g " vielleieht sogar fiber Tage hin-weg z u s t a n d e k o m m e n k a n n . W e n n das der Fall ist, so erweist doeh einVergleieh y o n Tab. 14 u n d 15 deutlieh, dal? die S t 6 r u n g s w i r k u n g fibergrSBere Zeiten hinweg vim sehw~eher ist als fiber kfirzere. Die Treffer-prozente ffir I-Ffille n a c h der H g u f u n g sind stark gestiegen. - - I m g a n z e nh a t sieh das Ergebnis einer a m e r i k a n i s e h e n U n t e r s u e h u n g best~tigt,welches die V e r m u t u n g nahelegte, es k 6 n n e eine vorw/~rtswirkendeH e m m u n g gebenK Der H ~ u f u n g s w i r k u n g i n Reihen e n t s p r i e h t einevorw/~rtswirkende H e m m u n g y o n Reihe zu Reihe, die sieh in S e n k u n gder R e p r o d u k t i o n s z a h l e n gul~ert. 1 Ffir diesen Vergleich kann Serie V mit Serie III zusammengenemmenwerden, weil es bei ihm nichts ausmacht, dab die Trefferzahlen yon Serie V i mganzen bedeutend niedriger liegen. 2 W h i t e I e y , a. a. O. 22*
  • 338 H. yon Restorff: Die Hemmungswirkungen und das Wiedererkennen. Auch die Einzelreihen des ersten Versuchs, in welchem die Wirkungyon H/~ufung und Isolierung auf das Wiedererkennen untersucht wurdc(vgl. S. 309), waren durch Zeitabst~inde von 25 Minuten voneinandergetrennt. Aus der relativen Schw~che der H~ufungswirkung bei Prii-fung des Wiedererkennens haben wit (vgl. S. 329) den Schlul~ gezogen,dal~ eine nach Materialverwandtschaft abgestufte vorw~rtswirkendeH e m m u n g bei tier gleichen Priifungsart kaum oder gar nicht auftretensollte. Diese Frage kann in prinzipiell der gleichen Art beantwortetwerden, wie es eben fiir den Fall der Reproduktionspriifung geschehenist, zumal auch in diesem Falle mehrere Gruppen yon Vpn. die H~iu-fungskonstellationen fiir die einzelnen Materialarten in verschiedenerl~eihenfolge durchmach~en (vgl. o. S. 336). Tab. 6 stellt die ~--Falle (bei I-Konstellation) v o r u n d nach der zugehSrigen H-Konstellation zus~mmen. T~belle 16. Z u t r e f f e n d e F~lle in I - X o n s t e l l a t i o n v o r der tt~iufung n a c h der H i i u f u n g (~ruppe I . . . 19 22 Gruppc II . . . 21 20 Gruppe III . . 17 23 [m ganzcn . . 57 65 In Prozenten 63% 72% Von einem (]bergewicht dcr 4--F~ille vor der Hs kann hier-nach in der Tat keine t~ede sein. Die kleine Differenz im Gegensinneist vielleicht bedeutungslosL Eine vorw&:rt,swirlsende Hemmung aberhat sich bei Priifung des Wiedererkennens auf diese Art jedenfalls nichtnachweisen lassen. Hiernach bleibt zu entscheiden, ob bei Priifuug des Wiedererkemmnseine m~ch Materialverwandtschaft abgest, ufte riickwirtaende Hemmungfcstgestellt werden kann. I)er Aufbau der Versuche, die diese Frageklgren sollten, war dem der entsprechenden Versuche mit Reproduk-tionsprfifung nachgebildet: Einer gr6Beren Anzahl yon Vpn, wird einmal eine Haupfreihe vor-gefiihrt, welohe aus 2 Silben, 2 Figuren und 5 Zahlen besteht. Danaehwerden einer Gruppe dieser Vpn. nacheinander 4 Naohreihen zur Ein-prggung dargeboten, welche je aus 6 Silben und 3 Zahlen zusammen-gesetzt sind; die iibrigen Vpn. suchen sich 4 Nachreihen einzuprggen,wetche jedesmal neben 6 Figuren 3 Zahlen enthalten. Fiir die Gruppe Ifolgt also auf die Darbietung der Hauptreihe eine groBe Hgufung yon 1 Vgl. jedoch die Uberlogungen S. 341.
  • Uber die Wirkung yon Bereiehsbildungen im Spurenfeld. 339Silben, aber keine F i g u r e n , ffir die Gruppe I I eine H/~ufung v o n F i g u r e n ,~ber keine Silben. Die Zahlen sind als mSglicherweise indifferentesMaterial h i n z u g e n o m m e n . An dem Versuch beteiligten sich 93 Vpn. (Studenten einer Vorlesung), undzwar gehOrten 46 der einen, 47 der anderen Gruppe an. Die Glieder der Haupt-reihe wurden nacheinander je ffir 1,5 Sekunden, ebenso lange wurden die derNaehreihen gezeigt. Naeh Vorffihrung jeder Naehreihe sehrieben die Vpn. dieReihenglieder nieder, die sie behMten hatten, und bekamen daftir eine bestimmteZ e i t s p a n n e . - Die Gesamtzeit zwischen AbsehluB der Vorfiihrung der Hauptreiheund Beginn der Wiedererkennenspriifung betrug ffir beide Gruppen 8 Minuten. Die Prfifung des W i e d e r e r k e n n e n s v o n Silben u n d F i g u r e n derHauptreihe~ fiihrte zu d e m folgenden Ergebnis: T a b e l l e 17. Gruppc I (46 Vpn.) I Gruppe I I (47 Vpn.) Nachreihen : 9 t ~achreihen : Silben und Zahlen Figu~en und Zahlen Silben . . . . . U: 68 v. 9 2 = ~ 4 % G: 73 v. 94=~87/,, Figuren . . . . G: 79 v. 92 86% U: 75 v. 94 = 80% Die B u c h s t a b e n U u n d G der Tabelle h a b e n dieselbe B e d e u t u n gwie friiher. Der Vergleich i n n e r h a l b der Horizontalspalten, welchergleichartiges P r t i f u n g s m a t e r i a l betrifft, g i b t fiir beide M a t e r i a l a r t e neinen U n t e r s c h i e d z u g u n s t e n der G-Konstellation. Dieser U n t e r s c h i e dist jedoch so gering, d a b auf i h n keinesfalls die B e h a u p t u n g gegriindetwerden k S n n t e , es gebe eine m a t e r i a l g e b u n d e n e rfickwirkende H e m -m u n g bei P r i i f u n g des W i e d e r e r k e n n e n s . Bei R.eproduktionspriifung hatte sich herausgestellt, dab die Zahlen gegen-fiber den Siiben und Figuren kein wirklieh indifferentes Material sind, sondernyon Silben jedenfalls starker ,,gehemmt" werden als yon Figuren. Wenn dieWiedererkennensprfifung Iiir Silben und Figuren auch bei starker Materialver-wandtschaft der Nachreihen tiberhaupt keine sichere rfickwirkende Hemmungerkennen li~I~t (Tab. 17), dann ist natfirlich such nicht zu erwarten, dab untcrdiesen Umst~nden die Zahlen yon naehfolgenden Silben stiirker betroffen werdenals yon auf sie folgenden Figuren. Wirklich hat die Prfifung der Zahlen in Gruppe I(nachfolgende Silben) 54%, in Gruppe II (naehfolgende Figuren) 49% zutreffendeF~lle ergeben~. Es ist in der Tat kein Unterschied zwischen den beiden Gruppenvorhanden. 1 In diesem Falle wurden au[]er Gliedern aus der IJauptreihe auch einigefremde (1 Zahl, 2Konsonantengruppen) geprfift. Ein EinfluB dieser Zusatz-objekte wax nieht zu konstatieren. 2 Es ist yon besonderem Interesse, dab dieses Ergebnis auger einer Be-st/~tigung des Fehlens der riiekwirkenden Hemmung bei Priifung des Wieder-erkennens zugleieh einen neuen Beweis ffir H/~ufungswirkungen in einer Reihebei derselben Priifungsart darstellt. Diese Ziffern der zutreffenden F/~lle fiir dieZahlen, welche in der Hauptreihe so viel stgrker geh~uft waren, sind sehr vielniedriger a]s die fiir Silben und Figuren.
  • 340 H. yon Restorff: Da wir ghnliche Versuehe wiederholt angestellt haben und sich ---bei statistisch ausreichenden Gesamtzahlen - - niemals ein entseheiden-des Ubergewicht zutreffender Fglle in einer oder der andern Richtnngergeben hat, so scheint wirklieh der einfache Zusammenhang vorzu-liegen, der oben (S. 329) bereits angedeutet wurde : Von H/mfungswirkun-gen wird das Wiedererkennen anscheinend weniger betroffen als Repro-duktionsleistungen im engeren Sinn (Abschnitt I). Man hat also an-zunehmen, dal~ Abschw/~chung der Hgufungswirkung durch zeitlicheTrennung des betreffenden Materials beim Wiedererkennen eher alsbei Reproduktionspriifung zum Verschwinden der Schgdigung ffihrenwird. I s t nun riiekwirkende H e m m u n g nur Hgufungswirkung fiber einZeitintervall bin, so wird sie hiernach ffir das Wiedererkennen nichtmehr nachweisbar sein, wenn sie bei Reproduktionsprfifung noch voll-k o m m e n deutlich b]eibt. Das bestgtigt sich im Versuch. Es bleibt die weitere Frage, weshalb denn im HdiuJungsversueh (Ab-schnitt I) die Schgdigung bei Prfifung des Wiedererkennens schw/teher ge-funden wird als bei Reproduktionsprtifung. Diese lqrage ist leicht zu beant-worten: Das Wiedererkennen stellt eine wenig spezifische Funktionsartdar. Die Wiederkehr eines recht ungefghren Charakters bei sehr erheblichenAbweichungen im einzelnen fiihrt oft genug dazu, dal~ der betreffende Gegenstand oder Vorgang bekannt wirkt. Deshalb kann sicherlich auchdie Spur eines frfiheren Vorganges betrgchttieh geschgdigt werden,ohne daf3 bei Wiederkehr eines entspreehenden Vorganges die Be-kanntheitswirkung versagen mfi~te. Aul~erordentlich viel mehr wirdbei jedem Reproduktionsvorgang im engeren Sinn des Wortes verlangt. Denken wir etwa an das Trefferverfahren: mindestens die Spur deszu repro&~zierenden Paargliedes muf~ da so welt differenziert erhaltensein, dab yon dieser Grundlage aus ein bis in die Untergliederungrecht genau ,,riehtiger" Proze$ erzeugt werden kann. Andernfalls giltja das Ergebnis als Fehlerfall. Bei Wiedererkennenspriifung kann man es einem zutreffenden Fall gar nicht ansehen, ob nieht eine in Wirklich- keit stark geschgdigte Spur doch gerade noch genfigend verwandt mit dem Original ist, nm diese reichlich nnspezifisehe Leistung zu ermSg- lichen. Dieselbe Spur wiirde als Grundlage ffir eine spezifische tle- produktionsleistung schon ganz mlgen~gend sein k6nnen. Ein Tell dieses Gedankenganges findet, sich schon bei Woodworth und Po//e)~- berger [Textbook of Experimental Psychology 1920; zitier~ naeh t~)~Or~er, Psychol. Bull. 30, Nr 6 (1933)] als Erklfirung fiir die Ergebnisse yon Heine: Das Wieder- erkennen sei vietleicht ran eine zu wenig empfindliehe Leistung, um tats/iehlieh bestehende Unterschiede zwisehen Haupt- und Vergleiehsreihe, um also ei>e in Wirklichkeit vorhandene riiekwirkende Hemmung erkennen zu lassen. So plausibel diese l~berlegung aueh sein mag, und so sehr sie dureh den Zusammenhang zwisehen Hgufungswirkung und rfiekwirkender H e m m u n g unterstiitzt wird, der sieh aus unsern Versuchen ergibt,
  • l~ber die Wirkung yon Bereichsbildungen im Spurenfeld. 341jedenfalls ist sic dureh diese Versuche noch nicht endgiiltig gesichert.Das liegt an methodischen Bedenken, die sich gegen die iibliche Priifungdes Wiedererkennens allgemein und gegen ihre Anwendung auf unsernFall ganz besonders richten. Wenn wit jemandem ein paar sinnloseSilben vorlegen und naeh einer Weile eine andre solche Silbe darbieten,so wird sie ohne Zweifel als ,,noch so eine Silbe" erkannt werden. Esfragt sieh, ob diese Art allgemeiner Bekanntheit im Lauf eines Ver-suchshergangcs sch~rf yon derjenigen unterschieden bleiben wird, aufwelche es der Wiedererkennenspriifung ankommt, und die eine ganzbestimmte individuelle Silbc betrifft. Wenn diese strenge Sonderungnicht garantiert ist, dann kann man gegen die Wiedererkennenspriifungenunseres ersten Abschnittes den Einwand erheben: Auch hier wird esauSer dem spezifisehen Bekanntheitseffekt einen solchen allgemeinererArt geben, der sich auf den Materialtypus bezieht. Hinsichtlich dieserBekanntheitswirkung allgemeinerer Art aber wird gehs gebotenesMaterial, wegen seiner Hs besser gestellt sein als die andernMaterialarten, yon denen eine Reihe nur je ein Glied enthalten hat.Das kann bei der Priifung /~ul3erlich zutreffende F/ille ftir das vorhergeh~tuft gebotenc Material geben, die im wesentlichen auf die un-spezifische allgemeinere Bekanntheitswirkung zuriickgehen, w/~hrendeine ~hnliche Begiinstigung sogenannter I-F/ille h6chstens in schw~iehe-rent Ma6e zu erwarten ist. Infolgedessen wird der Unterschied der Er-gebnisse yon I- und H-Konstellation, auch wenn er noeh (wie bei I~epro-duktionspriifung) zugunsten der I-Konstellation ausfMlt, wahrseheinliehschw/teher zum Ausdruek kommen, Ms bei ganz einwandfreier Methodeder Fall w/~re. Es besteht also wenigstens die Mdglichkeit, dab die Hi~u- fungswirkung, die bei Prtifung des Wiedererkennens gefunden wurde,nur einer Schw/i, ehe der Methode wegen geringer ausgefMlen ist. Ahnliches gilt yon der Priifung des Wiedererkennens, wenn es sichum (lie Frage der riickwirkenden Hemmung handelt. Wenn der H a u p t -reihe Nachreihen folgen, die viele materialverwandte Glieder enthalten,so wird das zu einer betr/ichtliehen Bekanntheitswirkung der allgemei- neren Art ftihren. Sollte es also eine rtickwirkende H e m m u n g tats/ich-lich auch fiir den Fall der Wiedererkennensprtifung geben, so wirddiese Wirkung wenigstens zum Teil, vielleicht aber ganz, kompensiertwerden durch den entgegengesetzt gerichteten Einflul3 der Bekanntheitallgemeinerer Art.. Wenn Heine als ,,Hemmungsreihen" ihrer Ver-suche nicht solche ganz gleicher Materialart (wie die Hauptreihen) vet-wendete, so hatte sie daffir einen guten Grund, obschon diese Herab-setzung der Verwandtsehaft auch wieder st/irkste Hemmungswirkmlgen rcm vornherebt unm6glich machen mul3t.e. Fiir die vorwiirtswirkende Hemmung gilt noch einmat das gleiehe. Auch in diesem Fall ist wenigstens formal eine Ableitung unseres Ergeb-
  • 342 H. yon Restorff.nisses bei Wiedererkennenspriifung aus dem angegebenen Nebeneinflugm6glieh. Man k6nnte versuehen, diese Fehlerquelle doch durch Einfiihrungneuer (materialgleieher) Glieder bei der Priifung unsehi~dlieh zu maehen.Es ist jedoch keineswegs sieher, dag das Hilfsmittel diesen Zweek er-reieht. Ja, es muB fiberlegt werden, ob auf diese Art derselbe Fehlernieht noeh einmal gemaeht wird. Denn h6ehstwahrseheinlieh werdendie neuen (materiMgleiehen) Priifobjekte ebenfalls eine Einwirkung aufden Ausfall der Priifung mit den objektiv bekannten Gliedern haben(vgl. o. S. 309). Man sieht leicht, dab dieser Einflug obendrein z. B.I-Glieder einer Reihe anders treffen wiirde als H-Glieder. Auch dieser Weg seheint also nicht gangbar. Erst wenn sich eineganz andere Methode finder, die der Wiedererkennenspriifung itquiva-lent ist, abet viel Spezifiseheres verlangt, wird zwisehen den beidenDeutungsm6glichkeiten eine endgiiltige Entseheidung erreieht werden. - -~lbrigens besteht diese Unsieherheit natiirlieh nut flit den Fall yonWiedererkennenspriifungen. Die Ergebnisse, die wir bei Reproduktions-prfifungen mir ihren spezifisehen Leistungsanforderungen gefundenhaben, werden yon solehen Bedenken gar nieht getroffen. Zusammen/assung. In monotonen t~eihen artgleichen Materials, wie sie die klassischeGed~chtnispsychologie verwendet hat, wirken intensive Krs die dieentstandene Lernwirkung aufzuheben tendieren. Reihenglieder, dienieht in so monotoner Hi~ufung gegeben werden, erreichen deshalbweir h6here Reproduktionswerte Ms Glieder in H~ufungsstellung. In-dessen beruht die untersuchte Sch/~digung nicht einfach auf der Naeh-barschaft vieler einander artgleicher Glieder, sondern auf Bereiehs-bfldung und anf Absorption der Glieder in Bereiehen, die durch gleieh-mi~gigen t~eihenverlauf begiinstigt wird. Priifung des Wiedererkennensanstatt der I~eproduktion fiihrt zu demselben Ergebnis, jedoeh an-seheinend in sehwi~eherer Form. --- Riiekwirkende und vorw/~rtswirkendeHemmung sind Nebenformen im Prinzip der gleiehen Seh~digung. Demniederen Grade, mit welehem die Bereiehswirkung bei Priifung desWiedererkennens wirksam zu werden seheint, diirfte Ausbteiben einervorw~rtswirkenden und rtiekwirkenden Hemmung bei derselben Prii-fungsart entspreehen. ( Eingeqangen a~ 20. September 1933.)